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Amtliche Zeitschrift des Bundes Deutscher üetkehts-öetelne
?Vb.
Die D-Zugverbindungen zwischen Cöln u. Frankfurt a.M.
Nach dem Fahrplan vom I.Mai 1911.
(Zusammengestellt von der Königl. Eisenbahn-Direktion Cöln.)
Cöln—Frankfurt (linksrl
Klasse l Hl Hl 2 1 2 1 2 1 3 1 Hl 3
Fraiiktiirt—Cöln (linksrheinisch)
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Coblenz
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Bingen
Mainz
Frankfurt a.M,
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(rechtsrheinisch)
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IC^zwischen Cöln (bezw. Cöln-Deutz) und Frankfurt — einschl.
■—Schnellzug-Zuschlag — mit Gültigkeit über alle drei Wege:
Lux.-Ziig
22.30 Mk.
I. Kl.
17.20 Mk.
11 . Kl.
10.40 Mk.
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Organ für die deutschen Verkehrs-Interessen
Amtliche Zeitschrift des Bundes Deutscher Verkehrs-Vereine
Mitbegründet durch den Internat. Hotelbesitzer-Verein, Köln
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Amtliches Organ des Rheinischen Verkehrs-Vereins,
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•♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦»♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦«♦♦«♦♦♦«
Nr. 1
Düsseldorf « April 1911
II. Jahrg.
Worms, die Nibelungen- und Lutherstadtl
Von Bernhard Peters.
Ein stat lit an dem Rine,
Die ist so wünnesam
Und ist geheizen Wormez,
Sie weiz noch maneg man.
Also klingt's im Nibelungenliede. Wißt ihr noch, wie
ihr als Jüngling euch am Klang dieses Heldengedichts be¬
rauschtet? Als ihr laset vom Reiche Günthers und seiner
gewaltigen Helden, von der schönen Kriemhild, dem
Recken Siegfried und dem grimmigen Hagen Tronje?
Uns ist in alten maeren Von freude und hochgeziten,
Wunders viel geseit, von weinen und klagen.
Von beiden lobebaeren. Von küener recken striten [sagen.
von grozer arebeit, muget ihr nu wunder hoeren
So beginnt das
Lied, und seine
1. Strophe deutet
euch den Inhalt
der Geschichte
Worms, die vom
Glanz bedeut¬
samer Reichs¬
tage und kaiser¬
licher Heerlager
erfüllt ist, von
endlosem Bürger¬
streit und der
Trübsal schwerer
Heimsuchungen.
Wer nachWorms
reisen will, muß
noch einmal das
gewaltigste Hel¬
dengedicht unse¬
res Volkes lesen,
und aufs neue
wird ihn die ro¬
mantische Sehnsucht seiner Jünglingsjahre ergreifen,
und mit Andacht wird er die Stätte betreten, da
fünf Jahrtausende und unzählige Völker ihre Spuren
zurückgelassen haben.
•) Sämtliche Photographien stammen aus dem Verlage des Hofphoto¬
graphen Christian Herbst, Worms.
Doch, da rollt der Zug schon in den Bahnhof ein.
Ihr betrachtet ihn von der Siegfriedstraße aus, und er
gefällt euch. Ja, so mußte er wohl aussehen, der Bahn¬
hof der Nibelungenstadt, von der euch der Führer er¬
zählt, daß alle ihre Bauten einen einheitlichen Charakter,
einen eigenen Stil hätten, nämlich den romanischen
Nibelungenstil. Drinnen und draußen trägt die Bahnhofs¬
halle reichen Bildhauerschmuck, Darstellungen, die auf
die Geschichte der Stadt und ihre Sagen hinweisen.
Und nun wandelt ihr durch lindengeschmückte
Straßen ins Innere der Stadt, in das alte Worms hinein.
Fragt mich nicht, welches Entstehungsjahr der
Historiker der Stadt zuspricht. Keiner weiß es; denn
lange vor Auf¬
treten der Kelten
ist hier schon
eine Ansiedlung
gewesen. So ihr
aber jetzt mit mir
in das Paulus-
Museum ein¬
tretet, wird euch
dessen wissen¬
schaftlicher Ver¬
weser Herr Prof.
Dr. Weckerling
Bescheid geben,
daß der Wonne¬
gau, dessen Mit¬
telpunkt Worms
bildet, schon seit
dem dritten Jahr¬
tausend v.Ch. be¬
wohnt gewesen
sein muß. Fand
man doch hier
eine große Zahl von Gräbern, über die kein Zweifel
herrscht, daß sie der jüngeren Steinzeit angehören.
Und neben den neolithischen Funden betrachtet die
Zeugen der La Tenezeit, denen sich die römische Ab¬
teilung, die fränkischen Funde aus dem 5. bis 8. Jahr¬
hundert unserer Zeitrechnung und schließlich die
2 DEUTSCHLAND Nr. 1
stummen Zeugen des Mittelalters anreihen. Bei so ehr¬
würdigem Alter der Stadt darf es euch nicht wundern, daß
Worms ein unvergleichlich reichhaltiges und wertvolles
Museum besitzt. Es befindet sich in der romanischen
Pauluskirche, die Bischof Burkard im Jahre 1016 an
Stelle der alten
Gaugrafen - Burg
errichtete, nach¬
dem der weltliche
Beherrscher der
Stadt in blutigen
Schlachten den
Mannen des Bi¬
schofs erlegen
war.—Fragt mich
nicht nach den
Völkern, welche
vorübergehend
hier eine Heimat
fanden. Von den
Kelten wißt ihr,
ja, daß dieselben
als Vorläufer der
Germanen an
den Rhein vor¬
drangen und hier
jahrhundertelang
den Wonnegau
Worms: Raschilor
die Vandalen aus teutonischem Urwald hervor und
schmetterten die römischen Kastelle nieder. Das war im
Jahre 406. Und 7 Jahre später kamen die germanischen
Burgunder als Sieger ins Land gezogen, und sie grün¬
deten ein Reich, von dem die Sage Wunderdinge meldet.
Laßt euch berich¬
ten vom Nibe-
lun gen-Liede
über die Pracht
der fürstlichen
Hofhaltung, über
den Schmuck
minniglicher
Frauen und über
dieHoheitstolzer
Recken. — Lest
im Rosengar¬
ten-Liede von
Kriemhilde und
Dietrich v. Bern,
wie neben ed¬
ler Männlichkeit
jungfräuliche Tu¬
gend und neben
kraftvollem Waf¬
fenspiel die hold¬
seligste Poesie
^gedieh. — Ver¬
bevölkerten. Kein Sagenbuch berichtet von dem Volke,
das ihrem stählernen Schwerte, dem Kelt, erlag, und
nichts wissen wir von den weiteren Geschicken des
keltischen Eroberervolkes am Rhein. Als Julius Cäsar
mit seinen Legionen an den Rhein kam, traf er hier auf
den germanischen Volksstamm der Vangionen, die ihrer
Stadt den kel¬
tischen Namen
Borbetomagus
gelassen hatten.
Wie daraus all¬
mählich Borbet
und schließlich
Worms wurde,
das vermag euch
der Stadtarchivar
von Worms ganz
genau nachzu-
weisen.
Vierhundert
Jahre herrschte
das stolze Rom
über Civitas van-
gionum, errich¬
tete hier seine
feine, reiche Kul¬
tur und hinter-
ließWerke,deren
Worms: Synagoge (die älteste Deutschlands)
gesset auch das Lied vom hörnernen Siegfried
nicht, das euch vom Drachentöter und seiner Hochzeit
zu Worms berichtet. Das Waltharilied erzählt von
einer dramatischen Episode aus jener Zeit, und der
Sang von Biterolf und Dietleib berichtet von
heftigem Streiten vor den Mauern der Burgunderstadt.
Das sind die fünf
großen Helden¬
lieder des deut¬
schen Volkes.
Sang und Sage
umklingen wie
keine andere das
alte Worms, die
Stadt großerVer-
gangenheit.
Nur 23 Jahre
bestand der Bur¬
gunder Herrlich¬
keit zu Worms.
— Todestraurig
klingt die Weise,
die der ritter¬
liche Spielmann
Volker in der
mörderischen
Nacht in Etzels
Burg anstimmte.
Schönheit ihr im Paulusmuseum bewundert. Und ihr
besichtigt innerhalb der Stadt die Reste der römischen
Stadtmauer, die in 1500 Jahren an ihrem ursprünglichen
Platze ausgeharrt haben. Vier Jahrhunderte lang war
Worms eine vollkommen römische Stadt, — denkt dar¬
über nach! Und danach drangen von jenseits des Rheins
— die Weise vom Untergang eines tapferen Volkes,
dem die Treue über alles ging und das dem Eidschwur
bis in den Tod folgte. Mordend, brennend und raubend
kamen die Hunnen über den Rhein gezogen, ließen den
Wonnegau als blutigen Totenacker zurück, tränkten den
Boden mit dem Lebenssaft des kleinen germanischen
Nr. 1 DEUTSCHLAND 3
Volksstammes. Den hunnischen Horden aber folgten
nuf dem Fuße alemannische Scharen, die, kaum daß
sie ihre Zelte aufgeschlagen hatten, wieder verdrängt
wurden von den Franken. Und Franken sitzen im
Wonnegau bis auf den heutigen Tag.
Wo waren wir doch stehen geblieben? Ja, richtig,
— beim Paulusmuseum 1 Unser Führer leitet uns nun
durch die Hagenstraße ins Stadtinnere zurück. Und wie
wir durch den engen Straßenschlauch dahinschreiten,
genießen wir einen reizvollen Anblick: hier bei dieser
Wendung der Straße strecken sich plötzlich alle vier
Türme des Domes vor uns mächtig empor. Gleich einer
stolzen Burg im Lande der Romantik steht das gewaltige
Gotteshaus vor uns. Und wie wir den Windungen der
Straße folgen, ändert sich das Bild: bald genießen wir
Hier vor uns wurde zur Zeit des fränkischen Königs
Dagobert (622—638) eine Basilika St. Petri errichtet,
an deren Stelle der große Wormser Bischof Burkard I.
im Jahre 1000 den Dom zu bauen begann. Und die
deutschen Baukünstler wandern nach Worms, um dieses
gewaltige Zeugnis germanischer Baukunst romanischen
Stils zu bewundern, der im letzten Jahrzehnt nicht frei
vom Gerüst wurde. Während der großen Katastrophe
von 168Q verbrannten das Dach und alles Brennbare
im Dom, und in den folgenden Jahrhunderten hat die
Verständnislosigkeit der Bürger mehr noch verwüstet
als der Vandalismus der Franzosen; erst in neuerer Zeit
hat an dem schönen Bauwerk ein liebevolles Erneuerungs¬
werk eingesetzt. Unter Oberbaurat Professor Hofmann
wurde der ganze Westchor abgetragen, neu fundamentiert
den Anblick des Westchores, bald tritt der Ostchor
schärfer hervor, bis schließlich die ganze Straßenbreite
zugedeckt wird von dem vorderen Ostturm, der mit
seiner riesigen Masse unheimlich wuchtig und finster
auf uns niederdrückt. Der Wormser unterläßt es nie,
den Fremden auf diesen imposanten Anblick auf¬
merksam zu machen.
Wir stehen auf dem Marktplatze, und wieder wird
die Geschichte vor uns lebendig.
Ueber dem niedlichen Renaissancehäuschen erhebt
sich der Dom zu schwindelnder Höhe. Wo neben ihm
Schloß und Garten des Freiherrn von Heyl zu Herrns¬
heim liegen, da stand einst der große Bischofspalast,
in dessen Prunksaal sich die ergreifendste Szene des
weltgeschichtlichen Dramas der Reformation abspielte:
Luthers Rechtfertigung vor Kaiser und Reichsfürsten.
und dann genau in der alten Gestalt, mit denselben Bau¬
steinen, die man vorher sorgfältig beziffert hatte, wieder
aufgebaut. Ein Werk, das die gesamte Künstlerschaft mit
der gespanntesten Anteilnahme verfolgte. Inzwischen
hat auch die Vierungskuppel eine getreue Wiederher¬
stellung erfahren, und in nächster Zeit wird man die
Risse in den Osttürmen beseitigen. Im Innern aber hat
man tiefer und tiefer gegraben. Ein Jahrhundert nach
dem andern legte man bloß und grub das ganze
römische Zeitalter förmlich wieder aus. Dabei stieß
man auf Gräber, von deren Vorhandensein man keine
Ahnung hatte. 29 Bischofsgräber wurden freigelegt,
und endlich auch wurde die uralte Frage nach der
Gruft der Ahnen des salischen Kaiserhauses
beantwortet. Mit unzweifelhafter Gewißheit wurden die
Grabstätten von sechs Angehörigen Kaiser Konrads II.
4 DEUTSCHLAND Nr. 1
im Dom festgestellt: des Herzogs Konrad des Roten
von Lothringen, gestorben 955, der Herzogin Judith
von Kärnthen, gestorben um 1000, des Grafen
Heinrich, gestorben vor 1000 (Vater Konrads II.),
Lulherbaum in Pfiffligheim bei Worms (gepflanzt 1521)
des Herzogs Konrad von Kärnthen, gestorben
1011, der Herzogin Mathilde und Judith, der
Schwester des Kaisers. Die edlen Sprossen der Salier,
die hier den ewigen Schlummer schlafen, sind nun in
kannter mittelalterlicher Meister, die jeder Fremde mit
reichem Gewinn betrachtet.
Wir wenden uns vom Dom ab und blicken hinter
uns. Und herüber grüßt das bescheidene alte Rathaus
mit wehmütigem Blick,
als wollte es sagen:
„Einst war ich ein
Prunkstück, das seines¬
gleichen in deutschen
Landen nicht hatte,
und was davon übrig
geblieben, das siehst
du in mir." Soll ich
erzählen von der alten
Wormser Herrlichkeit?
Erzählen von der Pfalz
der merowingischen
Könige zu Worms?
Von Karl dem Großen,
der hier seine Ver¬
mählung mit Fastrada
feierte? Soll ich berich¬
ten von den glänzen¬
den Reichs-Versamm¬
lungen im achten Jahr¬
hundert? — Von dem
nie ruhenden Kampfe
zwischen dem Bürger¬
tum und dem mäch-
erst der kluge, sanfte
tigen Hofe des Bischofs, den
Burkard zeitweilig beilegte? Der Erbauer des Domes
war ein milder Regent und ein großer Organisator.
Mauern und Gräben zog er um die Stadt, Gesetz und
Ordnung stellte er im
Innern her, und er
baute außer dem Dom
die Paulus-, Andreas-,
und die Magnuskirche.
Als er 1025 starb, da
war Worms eine reiche
und blühende Stadt,
von deren äußerlicher
Pracht alle Chronisten
gar überschwänglich
berichten. In der Folge
wechselten ihre Ge¬
schicke gar häufig, aber
sie war und blieb die
wichtigste Reichsstadt,
der stärkste Stützpunkt
des Kaisertums. Hier
hielt Kaiser Heinrich III.
1048 seinen wichtigen
Reichstag ab, auf dem
der Bischof vonToul zum
Papst gewählt wurde.
Und mit dem neuen
Papste zog von hier mit
einer würdigeren Gruft im Ostchor aufs neue beigesetzt gen Rom der Mönch Hildebrand, der als Gregor VII.
worden. Ueber die Kunstschätze des Domes weiß uns später die Welt beherrschte. Hier erfolgte die feier-
der Führer viel zu sagen; namentlich sind es die herr- liehe Schwertumgürtung Heinrichs IV., und als der
liehen Skulpturen in der Nikolauskapelle, Werke unbe- Wormser Bischof 1073 zur Empörung gegen den
Worms: Weinlese an der Liebfrauenkirche
Nr. 1 DEUTSCHLAND 5
Kaiser aufforderte, da zogen die Bürger dem kranken
Herrscher entgegen, vertrieben die Dienstmannen des
Bischofs und schützten den Kaiser, bis dieser ein Heer
gegen seine Widersacher aufbringen konnte. Und der
dankbare Kaiser beschenkte die Wormser reich mit
Privilegien; mehr darüber erzählt euch der Führer, der
euch den schönen Rathaussaal zeigt, wo ein Kolossal¬
gemälde von Prell die Verleihung der Privilegien an die
Bürger veranschaulicht. Das reichsstädtische Archiv
aber, das sich im Bürgerhof hinter dem Rathause be¬
findet, legt euch diese und manche andere Urkunden
im Original vor. Wie aber in der Folge hier sich die
deutschen Fürsten zusammenfanden, um über des Reichs
Wohl zu beraten, das schlagt in der deutschen Geschichte
nach, mit der Worms aufs innigste verknüpft ist.
Und weiter erzählt uns das kleine Rathaus von jener
furchtbaren Heimsuchung, die der alten Herrlichkeit zu
Häuser wurde die ganze Stadt ein Raub der Flammen.
Dort, wo heute auf dem Markte die im Barockstil er¬
baute evangelische Dreifaltigkeitskirche steht, erhob sich
das alte schöne Stadthaus, in das als erstes die Brand¬
fackel geschleudert wurde. Nur ein Trümmerfeld kenn¬
zeichnete die Stelle, wo die alte freie Reichsstadt ge¬
standen hatte. Ihre Bewohner waren, heimatlos geworden,
dem Elend überliefert und in alle Winde zerstreut.
Wenige blieben zurück und fristeten in den Kellern ein
kärgliches Leben. Die Mitglieder des Rates aber waren
nach Frankfurt geflohen, wo sie sich feierlich gelobten,
mit allen Kräften den Wiederaufbau ihrer Vaterstadt in
die Wege zu leiten. Nach dem Friedensschluß im
Jahre 1697 kehrten sie nach Worms zurück, und sie,
die so viel Drangsal erlitten hatten, gingen sogleich
daran, eine Kirche zu bauen, um das Strafgericht des
Höchsten zu versöhnen. In 16 schlimmen Jahren
Worms ein Ende machte. Vor dem Jahre 1689 durfte
man den Marktplatz wohl eine Sehenswürdigkeit nennen.
Da stand vor uns ein Prachtbau, die Münze genannt,
ein Stadthaus, dessen überwältigende Schönheit uns
in überkommenen Abbildungen entgegentritt. Es ist
mit all den anderen Prachtbauten zugrunde gegangen.
Jeder Deutsche weiß es: im pfälzischen Erbfolgekrieg
war es, daß der französische „Sonnenkönig" den Befehl
gab, einige hundert deutsche Städte den Flammen
zu übergeben. Damals wurde das herrliche Heidelberger
Schloß zertrümmert, wurde neben Speier auch Worms
den Flammen überliefert. Es war eine fürchterliche Zeit!
Am 31. Mai 1689, dem Pfingstdienstag, wurde die Stadt
an allen vier Ecken in Brand gesetzt, nachdem man die
Bewohner neun Tage vorher auf die ruchlose Tat vor¬
bereitet hatte. Mit Ausnahme einiger Häuser in der
Judengasse, der Mauern der Kirchen und einiger weniger
entstand die Dreifaltigkeitskirche, die als Schmerzens¬
kind den Wormsern besonders lieb und teuer ist. Das
ganze 18. Jahrhundert hindurch blieb Worms, das
einstmals 30000 Einwohner gezählt hatte, eine kleine,
stark verschuldete Stadt von 6000 Einwohnern. Wieder
hatte sie große Drangsal zu erleiden, als sie 1797 in fran¬
zösischen Besitz kam und bis 1814 eine vollständig
französische Verfassung erhielt. Mit den Befreiungs¬
kriegen schlug auch ihr die Freiheitsstunde; 1816 kam
sie an das Großherzogtum Hessen, und im Zeitalter
des Verkehrs ward sie zu einer blühenden, modernen
Stadt. Die sauberste, blumenreichste Stadt am Rhein,
so hört sie sich von dem Fremden gern nennen, und in
der Tat, wer durch ihre schmucken, lindengeschmückten
Straßen wandelt, wer ihre überaus zahlreichen Zierplätze
besichtigt, ihre ausgedehnten Parkanlagen durchschreitet,
der zollt ihren Bewohnern Bewunderung, die mit zähem
6 DEUTSCHLAND Nr. 1
Widerstande einem traurigen Geschick trotzten und mit
rastlosem Eifer das Dichterwort wahr machten:
Das Alte stürzt, es ändert sich die Zeit,
Und neues Leben blüht auf den Ruinen.
Alt-Worms und Neu-Worms vertragen sich vor¬
trefflich mit einander. Die elektrische Straßenbahn führt
uns vorbei an den alten Stadtgräben, die zu schattigen
Anlagen umgewandelt worden sind; vorüber an Geschäfts¬
häusern, die tageshell in elektrischen Lichtfluten er¬
strahlen; vorbei an der mittelalterlichen Stadtmauer
mit ihren trutzigen Türmen und drohenden Wehrgängen.
Lustig umspinnt der Efeu das alte Gemäuer, das um¬
geben ist von lieblichen Gartenplätzen. Alt-Worms mit
seinen engen Gäßchen und gemütlichen Weinschenken
ist des Zaubers voll, der jede historische Stätte umgibt,
und wenn wir vom Dämmerschoppen heimwärtsschreitend
durch einen der alten Torbogen treten, dann ist's uns,
als hörten wir das Klirren der Ketten beim Niederlassen
derBrücke und als trete aus dem Dunkel ein Geharnischter,
uns nach dem Losungswort zu fragen. „Hie gut Worms
allewege I" rufen wir, und mit andächtigem Erschauern
grüßen wir sie, die alten Mauern und Türme. Ja, Alt-
Worms und Neu-Worms vertragen sich gut. Um die
Liebfrauenkirche sprießt noch immer ein Wein, dessen
Name Liebfraumilch ist, und wer ihn kostet, der
preist ihn nicht als die geringste der köstlichen Gaben
des Wonnegaues. Und vor einem stattlichen Industrie¬
gebiet schäumt der Rhein vorüber, hastig wie vor
Jahrtausenden. Reichtum, den Segen der Arbeit, ver¬
mittelt der stolze Strom, und das neue Worms hat im
Zeitalter des Verkehrs Anteil daran. Wohl lohnt es
Worms: Freiherr von Heylscher Garten mit Heyls Hof
sich, einen Blick aui die stattlichen Hafenanlagen zu
werfen; da herrscht ein gar emsiges Getriebe, und
mächtige Kranen sind rastlos mit der Entladung der
Schiffe beschäftigt. Und über Worms braust der große
Reiseverkehr von England und Norddeutschland nach
dem Süden, — wahrlich, Worms hat alle Ursache, der
neuzeitlichen Entwickelung des Verkehrs zu danken —
den nach der alten Nibelungen- und Lutherstadt zu
leiten sich der Verkehrs-Verein (Auskunftstelle: Hof¬
photograph Christian Herbst) eifrig angelegen sein läßt.
Die Lutherstadtl
Viele Tausende strömen jährlich aus allen Erdteilen
lierbei, um in Worms das gewaltigste Denkmal der
Reformation zu besichtigen. Ein paar Schritte vom
Bahnhof führen uns nach dem Lutherplatz, einer der
schönsten gärtnerischen Anlagen am Rhein. Da erhebt
sich vor uns das Denkmal, eine in Erz gegossene Ver¬
körperung des Liedes: „Ein' feste Burg ist unser Gott",
errichtet aus Spenden der ganzen evangelischen Christen¬
heit und feierlich enthüllt am 25. Juni 1868 im Beisein
des Königs Wilhelm von Preußen, des Kronprinzen,
nachmaligen Kaisers Friedrich, zahlreicher anderer evan¬
gelischer Fürsten und unter Beteiligung zahlreicher
Geistlichen, Abordnungen aller Länder und einer nach
Hunderttausenden zählenden Menschenmenge.
Die alte Reichsstadt, die in der Treue für Kaiser
und Reich allezeit vorangestanden hatte, die in der
Stunde der Not von Kaiser und Reich im Stich gelassen
war und die Jahrhunderte hindurch ein armseliges
Dasein gefristet hatte, sie hatte wieder einmal einen
großen Tag, und es war ihr eine stille Genugtuung,
Worms: Dom (Innenansicht)
Nr. 1 DEUTSCHLAND 7
daß diese gewaltigeFestversammlung ihre Vergangenheit
mit feurigen Worten ehrte. Das Denkmal selbst ist
den. meisten Deutschen zum wenigsten aus Abbildungen
bekannt. Rietschel, Donndorf, Schilling und Kietz sind
die Schöpfer des großartigen Werkes. Aus der Mitte
erhebt sich auf hohem Postament die Kolossalstatue
Luthers, zu seinen Füßen sitzen die Vorkämpfer des
Reformationsgedankens, Petrus Waldus, Wiclef, Johann
Huß und Savonarola. Auf der Umfassung erheben
sich die Standbilder des Kurfürsten Friedrich des
Weisen, des Landgrafen Philipp von Hessen, Melanch-
thons und Reuchlins; ferner drei allegorische Figuren:
die protestierende Speier, die trauernde Magdeburg
und die bekennende Augsburg. Auf der Innenseite
der 24 Zinnen sind die Wappen von 24 Städten ange¬
bracht. Das Hauptpostament enthält auf seinem Würfel
bildliche Darstellungen aus der Reformationszeit. Der
Gesamteindruck des Denkmals ist von überwältigen¬
der Wirkung, der sich
die fremden Beschauer
nicht zu entziehen ver¬
mögen. Rings auf den
Bänken sitzen sie, in
stiller Betrachtung ver¬
sunken, und sie alle
nehmen von dieser
Stätte eine reiche,
schier unvergängliche
Erinnerung mit.
Neu-Wormsl
Dicht am Luther¬
platze erhebt sich das
von Bluntschli erbaute
Schloß des Freiherrn
von Heyl zu Herrns¬
heim, des Vertreters
unseres Wahl-Kreises
im Reichstage seit mehr
als 30 Jahren, des Chefs
der Lederfabrik Cornel.
Heyl, die sich in zäher,
rastloser Arbeit Weltruf
erworben und mit dazu
beigetragen hat, das
verarmte Worms reich und schön zu machen. Der
große Betrieb gibt 6000 Arbeitern lohnende Beschäfti¬
gung. Das kommt dem ganzen Erwerbsleben der Stadt
zugute. Noch ein anderer Großbetrieb der Wormser
Lederindustrie, der der Firma Doerr & Reinhart, sei hier
genannt. Diese Spezialindustrie von Worms wurde zu
einer Quelle des Wohlstandes nicht allein für die Stadt,
sondern auch für die umliegenden Ortschaften. Als
weitere Großbetriebe sind zu erwähnen die Kunstwoll-
und Tuchfabriken, Hobel- und Sägewerk, Tonwerk,
Farbwerke, drei Großbrauereien, Schiefertafelfabriken,
chemische Fabriken, Maschinenfabriken und Eisen¬
gießereien, ein bedeutendes Wassergasschweißwerk u. a.
In großer Blüte steht rings auf den Dörfern eine
ausgedehnte Möbelfabrikation, und als einer der be¬
deutendsten Umschlagsplätze für Getreide besitzt Worms
drei großartige Kunstmühlen am Strom, die dauernd
stark beschäftigt sind. Zu allen Zeiten aber spielte der.
Weinhandel in Worms eine große Rolle, und der Ruhm
der Wormser Spezialmarke „Liebfraumilch" ist in allen
Erdteilen verbreitet.
Das Wort, das die freiherrliche Familie Heyl zu
Herrnsheim im Wappen führt: „Laboremus", erwies
sich auch für die alte Nibelungenstadt als ein Zauber¬
wort; die Aermste am Rhein machte es zu einer der
Reichsten, die Schmutzigste zu einer der Modernsten,
Anmutigsten und Hellsten. Vor dreißig Jahren war von
dem westlichen Stadtteil, dem heutigen vornehmen
Viertel und seinen Prunkbauten und lieblichen Villen,
noch nicht die Spur zu sehen. Damals hatten wir
noch keinen Handelshafen und keine Gas-, Wasser-
und Elektrizitätswerke, und übelduftende Fluten wälzte
der sog. Gießen mitten durch die Stadt in den Rhein.
Dreißig Jahre! In dieser Zeit haben die wackeren Bürger
ungeheure Anstrengungen gemacht, ihre Stadt von
Grund aus umzuwandeln, sie gesünder und freundlicher
zu gestalten. Ungeheure Kosten hat es verursacht,
das Rheinviertel vor den jahrhundertelang gewohnten
Ueberschwemmungen zu schützen, es so trocken zu
legen, daß man es wagen konnte, industrielle Betriebe
am Rhein anzusiedeln, Straßen und Wohnhäuser dort
zu bauen, das schöne Gymnasium dort zu errichten.
In den Jahren 1889 und 1890 wurde mit der Zu¬
schüttung des Gießens, mit der Errichtung eines Hoch¬
wasser-Schutzdamms, des Handelshafens und des Flach¬
hafens begonnen, und nacheinander entstanden das
städtische Gaswerk, das Elektrizitätswerk, ein kost¬
spieliges Wasserwerk im Bürstädter Wald und die
elektrische Straßenbahn; an Schulen die Karmeliter-,
Oberreal-, Gewerbe-, Neusalz-, Nibelungen-, Westend¬
schule, das Gymnasium und die Eleonorenschule, Bauten,
die in solcher Schönheit und Größe manche Großstadt
nicht besitzt. Mit besonderem Stolze führt der Wormser
den Fremden vor das städtische Spiel- und Festhaus,
8 DEUTSCHLAND Nr. 1
ein romanischer
Pracht-Bau, der
188Q mit Herrigs
Volksstück:,Drei
Jahrhunderte
am Rhein" ein¬
geweiht wurde.
— Kurz darauf
kam auch Kaiser
Wilhelm II. nach
Worms, um einer
Aufführung die¬
ses Stückes bei¬
zuwohnen. Der
Bau ist ein eigen¬
artiges, vielge¬
staltiges Werk
von höchst male¬
rischer Wirkung,
zu dessen Innen¬
gestaltung das Worms : Städtisches
Bayreuther Festspielhaus als Vorbild diente. Auf dieser
städtischen Bühne kommt wöchentlich einmal je eine
Oper und ein Schauspiel zur Darstellung. Hier seien
noch folgende Daten angegeben, die den Aufschwung
unserer Stadt in den letzten Jahrzehnten deutlich
machen: 1889 wurde das große städtische Kranken¬
haus errichtet, 1890 der malerische Wasserturm gebaut;
1895 erfolgte die Einweihung des schönen Denkmals
auf dem Ludwigsplatze, dem großherzoglichen Führer
Verkehr überge¬
ben. Im Jahre
1904 erhielt die
Stadt abermals
ein schmuckes
Gebäude, den
Haupt - Bahnhof,
im selben Jahre
wurde auf dem
alt - ehrwürdigen
Lindenplatz das
Küchlerdenkmal
(eine Ehrung des
früheren Ober¬
bürgermeisters
und spätem hes¬
sischen Finanz¬
ministers Küch-
1er) eingeweiht.
Die Bürger haben
Spiel- und Festhaus Dreißig Jahre!
eine Riesenarbeit in dieser Zeit geleistet, und es gibt
kaum eine andere Stadt, die eine ähnliche, bewußte Um¬
gestaltung, zur Freude seiner Einwohner, aus uneigen¬
nützigster Liebe zur Vaterstadt, vorgenommen hat. Wo
nur ein freies Plätzchen ist, da seht ihr die herr¬
lichsten Blumenbeete, und durch schöne Anlagen könnt
ihr die Stadt ihrer ganzen Ausdehnung nach durch¬
wandern. Da führt euch der Weg denn auch in
unsern herrlichen städtischen Park, das sog. Wäldchen,
Worms: Pauluskirche (jetzt Museum)
der hessischen Division im Kriege mit Frankreich
gewidmet. 1900"wurde unsere Rheinbrücke, die Ernst-
Ludwigs-Brücke, der Stolz und die Zierde unserer Stadt,
feierlich eingeweiht, und im folgenden Jahre wurde
die mächtige Eisenbahnbrücke über den Rhein dem
wo das Hagendenkmal euch an das Nibelungenlied
erinnert und der Duft von abertausend Rosen euch an
Kriemhildens Rosengarten gemahnt. Wie schön ist es
da, wie wonnig und traut! Und die Bürger rasten nicht;
hundert Morgen am Rhein haben sie für eine Wald-
Nr. 1 DEUTSCHLAND 9
anlage bestimmt, und schon strecken Tausende winziger
Fichten dort neugierig ihre Kronen ins Freie. Frohe
Zukunftshoffnungen erfüllen bei ihrem Anblick den
Spaziergänger.
Neu-Wormsl
Wieder stehen wir auf dem Marktplatze, wo die
große, reichbewegte Vergangenheit der Stadt so ein¬
dringlich zu uns redete. Noch stehen sie da vor uns,
die ehrwürdigen Zeugen einer ruhmreichen Geschichte,
und doch redet nun auch hier die neue Zeit gar laut
und vernehmlich zu uns. Wo einst das herrliche alte
Stadthaus, die Münze, gestanden hat, da erhebt sich
seit vorigem Jahre ein stolzer, burgartiger Bau, das so¬
genannte Cornelianum, mit reichem Bildhauerschmuck,
Episoden aus dem Nibelungenliede darstellend. Das ist
das neue Repräsentationsgebäude der Stadt Worms,
das deren Ehrenbürger Freiherr von Heyl zu Herrnsheim
den Bürgern geschenkt hat als eine Erinnerung an Zeiten
kraftvollen Bürgertums und edelsten Gemeinsinns. Und
rings ragen stattliche Geschäftshäuser und Bierpaläste
empor, und auf asphaltbedeckter Straße, unterhalb der
noch heute die alte Römerstraße liegt, eilt der Strom
der Menschen geschäftig an den modernsten Schau¬
fenstern vorüber. „Laboremus", das ist das Wort, das
sie alle beherrscht, das große Wort der neuen Zeit, und
Verkehr heißt die Großmacht, die die alte Nibelungen-
und Lutherstadt im Kranze deutscher Städte zu dem ihr
gebührenden Ansehen verhelfen hat!
Oppenheim am Rhein.
Von Wernher.
Dem Reisenden, der mit der Eisenbahn oder zu
Schiff von Worms nach Mainz fährt, muß das ungefähr
in der Mitte zwischen diesen
beiden Städten gelegene Op¬
penheim auffallen.
Hoch oben auf des Berges
Halde, mitten im grünen Reb-
gelände, grüßen ihn die Trüm¬
mer der alten Reichs-Feste
Landskron, und rund um diese
am Bergeshange liegt, ter¬
rassenförmig aufgebaut, die
kleinste der fünf Kreisstädte
der Provinz Rheinhessen: Op¬
penheim. Noch stehen große
Teile der trotzigen Mauer, die
früher die freie Reichsstadt
ganz umschloß, und mancher
geborstene Turm bezeugt uns,
wie mächtig die Wehr war,
die im Mittelalter der
Bevölkerung der ganzen
Gegend Schutz bot vor
Kriegsnot und Räuber¬
volk. — Die Geschichte
der Stadt ist alt. Wir
wissen zwar, daß es nicht
die Kastelle bauenden
Römer waren, die den
Grundstein zu diesem
Platze legten. Wir können
aber annehmen, daß, als
gegen Ende des vierten
Jahrhunderts die Herr¬
schaft der Römer in
diesen Gegenden endete
und germanische Völ¬
kerschaften in großen
Scharen über den Rhein
Oppenheim: Vierungsturm zogen, wohl auch die
Stelle, auf der das heutige Oppenheim steht, besiedelt
wurde. — Dem Fremden, der heute Oppenheim besucht,
gefällt vor allem die schöne
Lage der Stadt, dann die
entzückende Aussicht, die
er von den die Ruinen der
Burg Landskrone umziehen¬
den Anlagen genießt, die
Schönheit seiner Kirche und
die Güte seines Weines. Weit
dehnt sich vor dem Beschauer,
der durch die öden Fenster¬
höhlen der alten Burgfeste
hinausblickt, die Ebene des
Rheines. Vor ihm liegt das
alte Trebur, dann Leeheim mit
dem Orte, wo der Schweden¬
könig Gustav Adolf am 6. De¬
zember 1631 den Uebergang
über den Rhein erzwang;
dann im weiteren Kreise Frankfurt, Darmstadt und
Worms. Das ganze Bild aber ist umrahmt von den
blauen Bergen des Taunus mit dem Feldberge und dem
Odenwalde mit dem Malchen. — In allernächster
Nähe erhebt sich vor ihm das hehre Bauwerk der
St. Katharinenkirche. Der Grundstein zu dieser Kirche
wurde im Beisein Richard von Cornwallis im Jahre 1262
gelegt. Fast zwei Jahrhunderte bauten an diesem
Dome, der erst 143Q vollendet wurde. Den, der die
Kirche besucht, werden die schönen Formen des Baues,
die Pracht der Fenster und die Schönheit der alten
Grabdenkmäler befriedigen. Neben der Kirche steht
die Michaels-Kapelle, unter ihr ist auch das berühmte
Oppenheimer Beinhaus.
Wer aber dann Einkehr hält in einer der Schenken
im Städtchen, wer, nachdem er sich satt an den Schön¬
heiten der Natur und Kunst gesehen, sich nun auch
satt trinkt an dem Golde, das die Berge um die Stadt
gereift haben, der wird zufrieden von diesem Platze
scheiden und ihm allezeit ein gutes Andenken bewahren.
Oppenheim: Ruine Landskrone
10 DEUTSCHLAND Nr. 1
Oppenheim (Südseite)
SpeieF;, die alte Kaiserstadt
Von F. Otto, Speier.
Weit weniger, als sie es verdient, ist die uralte
Kaiserstadt Speier am Rhein vom großen Fremdenstrom
besucht und bekannt geworden. Es finden sich in ihr
eine Anzahl Sehenswürdigkeiten vereinigt, wie wohl in
wenigen Städten ähnlicher Größe.
Da ist vor allem der erhabene, weitberühmte Dom,
ein fast QOOjähriger romanischer Prachtbau, dem nicht
viele in deutschen Landen gleichkommen. Nächst dem
Kölner Dom ist er das geräumigste unter den deutschen
Gotteshäusern. Sein Inneres wirkt besonders durch
die in vielen ro¬
manischen Domen
nicht anzutreffen-
den Wandgemäl¬
de. Hier sind sie
von der Hand des
berühmten Meisters
Schraudolph,dersie
im AuftragKönig
Ludwig I. von
Bayern ausführte.
— Von sonstigen
Sehenswürdigkeiten
im Innern des Doms
erwähnen wir nur
noch die erst neuer¬
dings unter großem
Kostenaufwand er¬
baute Gruft von
acht deutschen
Kaisern und zwei
Kaiserinnen, sowie die herrlichen StandbilderRudolfs
von Habsburg und Adolfs von Nassau.
Aus der nächsten Umgebung des Domes ist be¬
sonders der sogenannte Oelberg, ein mittelalterliches
Kunstwerk, hervorzuheben, das die Gefangennahme Jesu
darstellt und dessen zahlreiche Figuren neu hergestellt
wurden. Das Ganze befindet sich in den Domanlagen,
einem Park, wie er sonst in kleineren Städten kaum
anzutreffen ist.
Als würdiges Gegenstück zum romanischen Dom ist
die gotische, 1904 unter zahlreicher Beteiligung von Ver¬
tretern deutscher Fürstenhäuser geweihte Gedächtnis¬
kirche zu nennen. Sie soll die Erinnerung an die
1529 zu Speier erfolgte weltgeschichtliche
Protestation, von der die Protestanten auch ihren
Namen haben, wachrufen. Im Innern dieser Kirche
befinden sich die vom deutschen Kaiserpaar
gestifteten Chorfenster. Die übrige prächtige Aus¬
stattung geschah auf Kosten von Fürstlichkeiten sowie
der gesamten evangelischen Welt. Besonders heben
wir noch das in der Vorhalle stehende Kolossal¬
standbild Luther
hervor.
Da Speier 1689
wie so viele pfäl¬
zische Städte das
Unglück hatte, von
den Franzosen ein¬
geäschert zu wer¬
den, sind natur¬
gemäß nur wenige
Reste alterHerrlich-
keit erhalten. Doch
sind es immerhin:
der sog. Retscher,
der die Reste einer
früheren Kaiser¬
pfalz bildet; das
romanische Juden¬
bad aus dem 13.
Jahrhundert, eines
der wenigen in
Deutschland; das Altpörtel, ein uralter gotischer Tor¬
turm, einer der höchsten in deutschen Landen, von
schöner Bauart; ferner das mittelalterliche „Heiden¬
türmchen''; endlich die „Domschüssel", aus der früher
beim Einzug der Bischöfe Wein getrunken wurde.
Ein Prachtbau aus neuester Zeit ist das histo¬
rische Museum der Pfalz, ein Meisterstück des
Müncheners Gabriel von Seidl. Es ist das dritt¬
größte Bayerns und enthält besonders eine römische
Sammlung von so großem Wert, wie sie nur in
wenigen Museen anzutreffen ist. Neu angegliedert
Speier vom Allportei
Nr. I DEUTSCHLAND U
wurdedasoriginelle Weinmuseum,das erste Deutsch¬
lands. — Als Sitz der Kgl. Regierung der Pfalz, eines
Bischofs und eines Oberpostamts hat Speier
eine nicht zu unterschätzende Bedeutung. Es verdient
reichlich, mehr als dies bisher geschah, besucht und
gewürdigt zu werden, besonders, da es als Haltepunkt
des Berlin—Baseler Schnellzuges leicht zu erreichen ist.
Mögen vorstehende Worte auch etwas hierzu beitragen!
Ludwigshafen am Rhein.
Ludwigshafen, „die jüngste Stadt am Rheine", wurde
an der Stelle erbaut, an der sich drei Jahrhunderte
hindurch ein Vorwerk der Stadt Mannheim, die so¬
genannte „Rheinschanze", befand. Im Jahre 1840 noch
90 Seelen zählend, wurde Ludwigshafen 1853 selb¬
ständige politische Gemeinde, 1859 Stadt und ist heute
mit nahezu 85 000 Einwohnern die größte Stadt der
Pfalz, die fünftgrößte Bayerns und eine der bedeutendsten
Industrie- und Handelsstädte im Königreich Bayern.
Die Stadt verdankt ihre überaus rasche Entwicklung
in erster Linie der äußerst günstigen Lage unmittelbar
am Rhein, und zwar an der Stelle, bis zu welcher die
Großschiffahrt während des ganzen Jahres möglich ist.
Die Güter, welche auf dem
billigen Wasserweg aus
allen Weltteilen hierher
gelangen, werden durch
die Eisenbahn nach Süd¬
deutschland, Oesterreich
und der Schweiz weiter¬
befördert. Wegen dieser
besonders günstigen Ver¬
hältnisse ist der Um¬
schlagverkehr der Güter
gerade in Ludwigshafen
sehr bedeutend und in
stetigem Wachsen begrif¬
fen. Zu der vorteilhaften
Lage an der größten
deutschen Wasserstraße
kommt die Eigenschaft der Stadt als eines hervor-
X agenden nationalen und internationalen Verkehrsknoten¬
punktes. An direkten Zugverbindungen sind zu nennen:
Paris—Metz—München u.
Dresden, Basel—Frankfurt
—Berlin,Basel—Hamburg,
Lloyd-Expreß und Riviera-
Expreß.
Außerdem ist Ludwigs¬
hafen a. Rh. durch ein
ausgedehntes Netz von
Lokal-Bahnen mit den
meisten größeren Orten
der Umgegend verbunden.
— Von Ludwigshafen aus
können bequem und billig
die prächtigsten Ausflüge
nach dem schönenPfälzer-
wald, den weltbekannten
Wein-Orten der Vorder¬
pfalz (Bad Dürkheim, Deidesheim, Neustadt a. H.) und
den geschichtlich berühmten Städten Speyer und Worms,
nach dem herrlichen Heidelberg, dem Odenwald und der
Bergstraße, sowie nach dem Schwarzwald gemacht werden.
Eine elektr. Straßenbahn, die über die 270 Meter lange
Rheinbrücke mit prächtigem Blick — besonders in den
Nachtstunden — auf den Strom und dessen Umgebung
führt, verbindet Ludwigshafen mit Mannheim und die
einzelnen Stadtteile untereinander. Die Lokaldampf-
schiffahrts-Gesellschaft, die den Ueberfahrtsverkehr
zwischen Ludwigshafen und Mannheim besorgt, veran¬
staltet in den besseren Jahreszeiten an jedem Sonntag
Hafenrundfahrten und Rheinfahrten.
Gleichen Schritt mit der ungeahnt raschen äußeren
Entwicklung von Ludwigshafen haben aber auch die
staatlichen und städtischen Einrichtungen gehalten.
Die ausgedehnten Hafen¬
anlagen, der Luitpold- und
Winterhafen, mit ihren
großen Lagerhallen und
den elektrisch betriebenen
Kranen gehören auch mit
den Mannheimer Hafen¬
anlagen zu den modern¬
sten und größten der Bin¬
nenhäfen Deutschlands.
Ein neuerHafen an der
Kaiserwörth südlich der
Stadt mit etwa 4 km nutz¬
barer Fläche am Wasser
wird z. Zt. mit einem
Kostenaufwand von acht
Millionen Mark erbaut und
bietet äußerst günstige Ansiedelungsgelegenheit für
Umschlagverkehr und Industrie, ebenso im Nordwesten
der Stadt ein an der Hauptbahnlinie Ludwigshafen—
Mainz gelegenes fertiges
Industrie - Gelände von
120000 Quadrat-Meter
Fläche. Außerdem ist das
ganze linke Rheinufer auf
eine Länge von 8000
Metern mit Einrichtungen
für den Güterumschlag
und Eisenbahn-Anschluß
versehen. — Das Bank¬
wesen erfreut sich der
schönsten Blüte; ihm
dienen die Reichsbank,
die Kgl. Filialbank, die
Pfälzische Bank, die Pfäl¬
zische Hypotheken-Bank
und die Bayerische Noten¬
bank. — In dem Städtischen Elektrizitätswerk und dem
Schlachthaus besitzt Ludwigshafen Anlagen, welche, mit
allen Errungenschaften der Neuzeit ausgerüstet, als
Ludwigshafen: Partie am oberen Rheinufer
Ludwigshafen: Rheinbrücke
12 DEUTSCHLAND Nr. 1
Musteranstalten gelten. Das Städtische Krankenhaus
und die Schanzschulhäuser im Pavillonsystem können
sich den vorzüglichsten Anlagen auf diesem Gebiete
an die Seite stellen.
In dem Königl. Hum.
Gymnasium, der Königl.
Oberrealschule und der
Höheren Mädchenschule
hat die Stadt gut einge¬
richtete Mittelschulen. —
In hygienischer Hinsicht
ist auf die vorzüglichen
Rheinbäder sowie das
Städtische Brausebad auf¬
merksam zu machen, die,
verbunden mit den sons¬
tigen Anlagen der Stadt,
als Wasserleitung und Ka¬
nalisation, elektr.Licht und
Gasbeleuchtung, Ludwigs¬
hafen nach der neuesten
statistischen Erhebungdes
Reiches zu einer der gesündesten Städte gemacht haben.
Unter den Sehenswürdigkeiten seien besonders er¬
wähnt: das Leben undTreiben am Rhein und auf dem Rhein
und in den Häfen, sodann der schöne, waldartig gehaltene
Stadtpark, 2 Kilometer lang, 300 bis 400 Meter breit,
in welchem alljährlich am ersten Sonntag im Juli das
unter dem Namen „Parkfest" weithin bekannte, von
Tausenden besuchte Volksfest gefeiert wird. Außer den
vier zum Teil ganz neuen Kirchen der Stadtteile Friesen¬
heim und Mundenheim sind zu nennen die St. Ludwigs¬
kirche im Basiliken-Stil,
welche im Innern präch¬
tige, von Ludwig I. ge¬
stiftete Marmorsäulen ent¬
hält, die von Voit entwor¬
fene erste protestantische
Kirche im gotischen Stil
mit einem ganz bedeuten¬
den Orgelwerk, im nörd¬
lichen Stadtteil die Drei¬
faltigkeitskirche, eine go¬
tische interessante Hallen¬
kirche, die zweite protes¬
tantische Kirche mitPfarr-
haus,in frühgotischem Stil
von Geh. Regierungsrat
Professor Otzen in Berlin
erbaut. Sehenswert sind
ferner das Eisenbahn¬
direktionsgebäude mit einem prächtigen, durch Malereien
geschmückten Saale, das Postamtsgebäude, die Gebäude
der Pfälzischen Bank, der Reichsbank, der Filialbank und
der Pfälzischen Hypothekenbank, der Höheren Mädchen¬
schule und der Oberrealschule, des Rathauses mit schönem
Sitzungssaal (Ludwigstraße 67 und 69), sowie die neu¬
erbaute Walzmühle mit einer interessanten Fassade und
mustergültiger innerer Einrichtung. In der Höheren
Mädchenschule am Bismarckplatz ist eine reichhaltige
stadtgeschichtliche Sammlung untergebracht; Sonntags
von 11—12 Uhr unentgeltlich geöffnet. — Die Stadt
Ludwigshafen ist heute der Sitz eines Kgl. Bezirksamtes
und Rentamts, eines Amts- und Registergerichls, einer
detachierten Kammer für Handelssachen, der Linien¬
kommandantur eines Be¬
zirks-Kommandos, eines
Hauptzollamts, Postamts,
Postscheck-Amts, einer
Eisenbahn-Direktion, der
Handelskammer für die
Pfalz, einer Filiale der
Königl. Bank und der
Bayerischen Notenbank,
der Bayerischen Hypo¬
theken- und Wechselbank
und einer Reichsbank¬
stelle. — Ferner befindet
sich in Ludwigshafen der
Sitz der General-Direktion
der Pfälzischen Bank, der
Direktion der Pfälzischen
Hypotheken - Bank und
der Deutschen Lebens¬
versicherungs-Gesellschaft „Atlas", sowie eine Ab¬
teilung der Pfälzischen Handwerkskammer.
In dem Jubiläumsplatz mit dem schönen Jubiläums¬
brunnen, dem von prächtigen Platanen umrahmten
Ludwigsplatz mit dem Schillerdenkmal und dem origi¬
nellen Monumentalbrunnen, dem mit hübschen Blumen¬
pflanzen geschmückten „Oberen Rheinufer", dem mit
gärtnerischen Anlagen versehenen Bismarck-, Wittels¬
bach-, Schützen-, Kurfürsten- und Richard-Wagner-Platz
und der Schwanthalerallee besitzt Ludwigshafen eine
Reihe von geschmackvol¬
len und dem Stadtbild zur
Zierde gereichenden An¬
lagen. — Im Nordwesten
der Stadt dehnt sich der
Riedsaum-Park in einer
Länge von 1200 m und
einer Breite von 70 m aus.
— Seine große Bedeu¬
tung in wirtschaftlicher Be¬
ziehung hat Ludwigshafen
durch seine Handels¬
und industriellen Unter¬
nehmungen erworben. —
Insbesondere stark ist die
chemische Industrie am
Platze vertreten, an der
Spitze die Badische Anilin-
und Sodafabrik, welche
nahezu 800 Beamte und über 8000 Arbeiter beschäftig!
und in ihrer Ausdehnung (869 000 Quadratmeter) einen
Stadtteil für sich bildet; unmittelbar bei der Fabrik be¬
findet sich eine Villen-Kolonie für ihre Beamten mit
einem sehr sehenswerten Gesellschaftshause und ein
Block von über 150 Arbeiterwohnhäusern in Gärten
stehend; die hervorragenden Wohlfahrtseinrichtungen für
die Beamten und Arbeiter haben das Etablissement auch
auf diesem Gebiete weithin rühmlich bekannt gemacht.
Ferner zählen zur chemischen Industrie am Platze
die Fabriken von Gebr. Giulini, Dr. Raschig, Knoll & Co.,
Ludwigshafen
Luitpoldhafen
Nr. 1 DEUTSCHLAND 13
Henckiser, Silbermann, Michel & Co.; weiterhin sind an
großen Betrieben zu nennen die weltbekannte Maschinen¬
fabrik Gebr. Sulzer, die Maschinenfabriken von Hessen¬
müller, Roth und Geiger, das Eisenwerk Schäfer, die
Elektrizitätsgesellschaft Columbus, die Kesselfabrik von
Breitling, die Waagenfabrik Schotthöfer, das Tietbohr-
unternehmen Brechtei, ferner die neu aufgebaute Walz¬
mühle, dicht am Rhein gelegen, die größte Kunstmühle
des europäischen Kontinents, die Korksteinfabrik von
Grünzweig und Hartmann, die Webereien von Kuhn &
Adler und Gebr. Mann, die Holzbearbeitungsfabrik von
Heinrich Fasig & Sohn, die Luxschen Industriewerke,
zwei Preßhefefabriken, die Eisen en gros Firma Gebr.
Röchling, das Kohlensyndikat, die Kaffeegroßfirma
J. Wolff & Co., die Getreidegroßfirma Weingart &
Kaufmann, die Musikwerke en gros Spiegel & Sohn,
die Installationsfirma Harry Held usw. Am Platze be¬
finden sich auch zwei große Brauereien: Aktienbrauerei
und Bürgerbräu.
Im Süden der Stadt ist in den letzten Jahren in der
Nähe des Stadtparkes und des Rheines ein ruhiges und
vornehmes Wohnviertel — das Wittelsbachviertel —
entstanden, das durch entsprechende Bau- und Polizei¬
vorschriften für Industrie- und lästige Anlagen gesperrt
ist; dieses Stadtviertel weist auch bereits zwei Villen-
Kolonien in Gärten gelegen auf.
Wer die Schwesterstadt Mannheim aufsucht, wer
den Rhein entlang fährt, den Pfälzer Wald, den Oden¬
wald, die Bergstraße oder den Schwarzwald besucht,
möge nicht versäumen, auch die „jüngste Stadt am
Rhein" aufzusuchen, um sich davon überzeugen zu
können, was gesunder Bürgersinn und energische Tat¬
kraft in knapp mehr als einem halben Jahrhundert zu
leisten imstande waren.
Und Mannheim?
Von Prof. Dr. Sigmund Schott.
Drei Städte Südwestdeutschlands mußte laut Hermann
und Dorothea der Gebildete nach Goethes Meinung ge¬
sehen haben: Frankfurt, Straßburg und Mannheim, das
leicht und heiter ge¬
baute. Und Mann¬
heim? wird mancher
erstaunt fragen, der
sich des Dichterwortes
nicht genau mehr ent¬
sinnt, denn — wozu
offenkundiges Leugnen
— Goethes Ansicht ist
nicht durchgedrungen.
Im Gegenteil I eine weit¬
verbreitete Anschauung
zählt die ehemalige kur-
pfälzische Residenz zu
den drei Hauptstädten
Süd - Westdeutschlands,
die man nicht gesehen
zu haben braucht, weil
sie nach geheiligter
Tradition dem Fremden
nichts zu bieten haben.
Lassen wiFs dahin¬
gestellt, ob diese un¬
liebenswürdige Tradi¬
tion, soweit sie Mann¬
heim betrifft, früher
einmal begründet war,
gegen ihren gedanken¬
losen Fortbestand aber
erheben wir mit aller Ent¬
schiedenheit Einspruch.
Wir verlangen Wieder¬
aufnahme desVerfahrens
und ein neues Urteil auf Grund Augenscheins. Freilich
ist kein Wahrspruch eines Gerichts so schwer umzu¬
stoßen, wie die summarische Aburteilung einer Stadt
durch die öffentliche Meinung. Unsere Zeit liebt die
Kürze, das Schlagwort. Heil den Städten, deren Name
eine geläufige Vorstellung wachruft: Kölner Dom,
Heidelberger Schloß —
derartige Vorstellungen
sind auch ohne weiteres
kursfähig. — Dreimal
Heil den ganz seltenen
Städten," deren Name
selbst ein Programm,
einen Brennpunkt an¬
genehmer Gedanken be¬
deutet! Aber wehe den
andern, denen Gedan¬
kenlosigkeit oder böser
Wille einmal eine falsche
Etikette aufgeklebt hat;
kaum einer unter —
sagen wir hunderten?
sagen wir zehntausen¬
den? wird sich ent¬
schließen, dieselben un¬
befangen zu prüfen und
dem eigenen Geschmack
mehr zu vertrauen als
der irrigen Bezeichnung.
Mildernde Umstän¬
de sind dem Fremden
allerdings zuzubilligen.
Nicht Mannheim allein
sucht sich ja durchzu¬
setzen, sondern mit ihm
so viele andere Städte
und Städtlein, die erst¬
mals oder aufs neue
bekannt werden wollen^
So ist's dehn ein einfaches Rechenexempel: der
Dividend, die Zahl der Reisenden, hat gewaltig zu¬
genommen, aber noch mehr der Divisor, die Orte, die
Mannheim: Rathaus (erbaut in der Kurfürstenzeit)
14 DEUTSCHLAND Nr. T
besucht werden wollen, und darum kann man es dem
Fremden nicht allzu sehr verargen, wenn er sich ängstlich
an das herkömmliche Urteil oder Vorurteil klammert,
um seinen Weg durch das Gewühl zu finden. Vom
Standpunkt ihrer Bürger aus sind gewiß all diese Orte
bedeutend, angenehm und der Beachtung in hohem Grade
würdig. Aber dem Bürger macht ein starker Gefühls-
Zusatz Dinge lieb und wert, die dem Fremden gleich¬
gültig, wo nicht gar unverständlich bleiben. Frosch¬
perspektive und Vogelschau haben eben beide ihren
guten Sinn; wer aber aus der Vogelschau betrachtet
sein will, muß Besonderes zu bieten haben. Wie steht's
damit in Mannheim? Gehört die Stadt zu den schellen¬
lauten Toren, wenn sie sich nicht mit der Schätzung
ihrer eigenen Bürger zufrieden gibt, wenn sie auch den
Fremden ihr „Kommt und schauet!"" zuruft?
Verlangt man von einer Stadt, daß sie etwas
schlechthin Einzigartiges oder doch etwas Typisches
in stärkster Zuspitzung bieten müsse, um Beachtung zu
erzwingen, so ist das Seil gewiß hoch gespannt. Als
erster tritt der Statistiker vor. Er rühmt die wahrhaft
amerikanische Volkszunahme Mannheims, seine gewal¬
tige industrielle Entwicklung, beziffert die überragende
finanzielle und verkehrspolitische Bedeutung Mannheims
für das engere Vaterland Baden — aber die Probe be¬
steht er nicht. Große Menschenmassen sind auch in
anderen Städten zusammengeströmt, rastloses wirtschaft¬
liches Leben pulsiert auch in ihnen. Solche erfreulichen
statistischen Eigenschaften würden keine Sonderstellung
Mannheims begründen, böte nicht dessen Wirtschafts¬
getriebe eine im Binnenland ganz einzigartige Erschei¬
nungsform — die Mannheimer Hafenanlagen. Kein
deutscher Binnenhafen und unter den Seehäfen auch
nur ein einziger, Hamburg, weist einen so großen und
gleichzeitig so reich gegliederten Verkehr auf, wie der
Mannheimer. Es ist seltsam genug, daß die Mann¬
heimer selbst sich erst spät des Besitzes eines so einzig¬
artigen Schaustücks bewußt wurden. Seit ein paar
Jahren erst erschließen regelmäßige Motorbpotfahrten
diese Wunderwelt völlig sinnverwirrenden Getriebes, in
Bild und Laut ein prachtvoll bewegtes Durcheinander,
hervorgezaubert aber aus scharfsinniger wirtschaftlicher
und technischer Berechnung. Es ist das hohe Lied von
Kampf und Arbeit, das uns aus dem Kettenrasseln der
Kranen, dem Zischen der Sägen, dem Stampfen der
Pressen dort entgegenbraust, wo noch vor wenigen
Jahrzehnten die Unke klagte und der Star sein
Liedchen pfiff. Neckar und Rhein, verwöhnte Lieblinge
von Sage und Sang, einen sich an dieser Stelle; doch
hier müssen sie fronen und arbeiten, denn die Erzeug¬
nisse aus aller Herren Länder lasten ihnen auf ge¬
duldigem Rücken.
Du siehst, lieber Leser, seit jenen Tagen, da Mann¬
heim in den Geruch der Langeweile kam, haben sich
die Dinge gewaltig geändert. Aber nicht etwa nur dort
am Wasser, wohin du mich begleitet
hast. Was draußen im Hafen, was
rundum in den großen industriellen
Werken und drinnen in Bank und
Kontor verdient worden ist, hat einen
höchst wohlgefälligen architektonischen
Ausdruck in den stolzen Geschäfts¬
häusern, vor allem aber in dem vor¬
nehmen Villenviertel der Stadt ge¬
funden, das eine vorsorgliche Verwal¬
tung erschloß, um reichgewordene Mit¬
bürger an Mannheim zu ketten. Im
Wetteifer mit ihren vermögenden Ein¬
wohnern hat dort die Stadt als Bau¬
herrin sich hervorgetan: Bruno Schmitz
hat ihr da den Rosengarten, die präch¬
tigste Festhalle Deutschlands, hinge¬
stellt, dazu einen prunkvollen Monu¬
mentalplatz geschaffen, wie er kaum
zum zweitenmal in einer deutschen
Stadt zu finden sein dürfte. Und wie
die Tonkunst im Rosengarten, so hat
die Malerei in der von Billing erbauten
Kunsthalle ein stolzes Heim gefunden,
dem eine zielsichere Leitung, unterstützt
von großzügiger bürgerlicher Freigebigkeit, schon heute
einen geachteten Platz unter den deutschen Gemälde¬
sammlungen zu verschaffen gewußt hat.
Wenn anderen Städten ihre Eigenart als Geschenk
der gütigen Natur oder als heiliges Vermächtnis einer
kunstverständigen Vergangenheit zugefallen ist, so hat
Mannheim die seinige aus eigener Kraft der jüngeren
Geschlechter erworben. Ein traditionsloser Empor¬
kömmling ist es gleichwohl nicht, denn noch vor
anderthalb Jahrhunderten war es die prunkvolle Residenz
der pfälzischen Kurfürsten, ein landauf landab ge¬
priesenes Dorado der Künste und Wissenschaften.
Noch gemahnen uns auf Schritt und Tritt klassische
Zeugen an jene erste Glanzzeit, kirchliche und Profan¬
bauten, in denen sich ein selbstbewußtes, lebensfrohes
und kunstsinniges Herrschertum auslebte. Von den
herrlichen Kunstschätzen ist freilich das meiste, was
nicht niet- und nagelfest war, mit dem Kurfürsten nach
München gewandert, auch der letzte Akkord des einst
Mannheim: Großherzogi. Hol- und Nationalthealer,
Schillerplatz und Jesuitenkirche
Mannheim: Friedrichsplatz mit dem städtischen Fest- und Konzerthaus „Roseng-arten'"
Mannheim: Partie aus den Hafenanlagen (nach einem Gemälde von Philipp Klein)
16 DEUTSCHLAND Nr.l
in ganz Europa berühmten Mannheimer Orchesters ist
längst verklungen, gleichwohl weht ein leiser Duft der
künstlerischen Atmosphäre jener Tage noch zu uns
herüber. Der Dichter, der
Musiker, der im Theater
sich unser bemächtigen
will, erscheint noch heute
an der geweihten Stätte,
von der aus Schiller zum
erstenmal zum deutschen
Volke sprach, und schwere
Opfer ließ und läßt es sich
der Mannheimer kosten,
Ruhm und Ansehen seiner
Bühne zu mehren. Von
manchem künstlerischen
Wagnis, von oft genialer
Vorahnung kommender
Größe legt unsere Theater¬
geschichte Zeugnis ab; so
blieb das Mannheimer Hof-
Theater ein inhaltreicher
Begriff für den Kunstfreund
auch dann noch, als man
im übrigen herzlich wenig von der Stadt mehr wußte.
Heute ist der Eiswall im Schmelzen, den Vorurteil,
Lässigkeit und Uebelwollen zwischen Mannheim und
die wißbegierige Welt geschoben haben. Die Stadt hat
an sich gearbeitet, wie kaum eine zweite, um zu einem
kraftvollen, blühenden Gemeinwesen zu werden, darinnen
Erwerb und Genuß materieller wie geistiger Güter
sich glücklich vermählen.
Ganz sachte mußte die
Kunde von solcher An¬
strengung auch nach außen
dringen; kein Zweifel:
Mannheim steht aut
dem Punkt, entdeckt
zu werden. Den wirt¬
schaftlichen Studiengesell¬
schaften, in deren Pro¬
gramm der Besuch Mann¬
heims schon beinahe eine
stehende Nummer bildet,
folgt der eine und andere
Kunstkenner, der Freund
moderner großstädtischer
Entwicklung, und siehe dal
— vorsichtig, voll zag¬
hafter Neugier wagt sich
auch der Fremde schlecht¬
hin herbei. Lassen wir ihn
gewähren! Kam er nur zu schauen, so wird er nicht
unbefriedigt wieder von dannen ziehen, kam er aber,
um schauend zu denken, so wird ihm der Besuch der
Stadt ein Erlebnis bedeuten.
Mannheim: Erschießung Kaiser Maximilians
(Original von Ed. Manet befindet sich in der Kunsthalle)
Die Städtische Kunsthalle in ?lannheim
Etwa vor einem Jahre wurde in Mannheim die Kunsthalle
wieder eröffnet, und dieses Ereignis erhielt damals seine
besondere Weihe durch eine aus dem Kunsthandel zusammen¬
gezogene Ausstellung von Meisterwerken der Malerei des
19. Jahrhunderts, die viel Beachtung fand. Am H. März ist
nun ein neuer Zweig des Mannheimer Museumsbetriebes dem
Publikum übergeben worden, das kunstwissenschaftliche
Institut und graphische
Kabinett. Das kunstwissen¬
schaftliche Institut ist gedacht
als eine Informationsgelegen¬
heit in kunstwissenschaft¬
lichen Dingen für jedermann,
eine wissenschaftliche Ergän¬
zung der auf Konzentration
und ästhetische Intensität,
nicht auf Fülle ausgehenden
städtischen Sammlung. Was
an Kunst-Dingen in Nähe
und Ferne existiert, wie die
Kunst jeweils begriffen, ge¬
wertet und ästhetisch gedeutet
wurde, das soll man in der
neuen Einrichtung aus einem
reichen, stets auszubauenden
Schatz von Reproduktionen
und Büchern erfahren können.
Die Entwicklung des zeitgenössichen Kunsturteils spiegeln
etwa siebzig frei aufgelegte Zeitschriften wider.
Gleichzeitig hat die Direktion der Kunsthalle eine
„Meisterausstellung" veranstaltet, die aber diesmal nicht
eine Uebersicht der Malerei bringt, sondern, dem Anlaß ent¬
sprechend, ein Bild der (von Goya an gerechneten) Graphik
des 19. Jahrhunderts. Und wieder hat der Grundsatz
strenge Anwendung gefunden, nur Erlesenes in übersichtlicher
und geschmackvoller Anordnung darzubieten und auf diese
Weise die Wirkung der Meisterwerke durch Beschränkung
der Zahl und Gleichmäßigkeit der Qualität besonders zur
Geltung zu bringen. Es gelangen zur Ausstellung Zeichnungen
deutscher Meister, wie Menzel, Liebermann, Corinth^
T h o m a , H o f m a n n u. a.,
Werke der größten Radierer,
z. B. Klinger, Greiner,
Geyger, Stauffer, Leibi,
Boehle, Kalckreuth, Orlik
und endlich Steindrucke und
Farbenholzschnitte in reicher
Mannigfaltigkeit. Die fran¬
zösische Abteilung enthält
ebenfalls Werke der meist ge¬
nannten Meister bis in die
neueste Zeit, so u. a. von
Delacroix, Daumier, Gavami^
Manet, Millet, Forain, Tou¬
louse-Lautrec, Maurice Denis,
Cezanne, Renoir, Meunier. In
einer glänzenden englischen
Abteilung findet sich alles,
was als Radierer Rang und
Namen hat (Strang, Legros,
Laughlan, Pennell usw.) um die beiden hervorragendsten
Griffelkünsller dieses Kreises, Whistler und Muirhead Bone
gruppiert, die beide vorzüglich vertreten sind. Daneben in
einem weiteren Saal einige Meister anderer Nationen, z. B.
die Nordländer Munch, Zorn und Larsson. — Die Veranstaltung*
umfaßt eine Flucht großer Säle, deren Benutzungsmöglichkeit
Mannheim: Städtische Kunsthalle
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sich
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der
Nr. 1
m DEUTSCHLAND 17
noch durch g-roße Doppelpunkte gfesteigert wurde. Das
Ganze ist durch klare und rhythmische Anordnung dem Auge
angenehm gemacht.
Diese zweite große Meisterausstellung der Mannheimer
Kunsthalle ist mit Ausnahme des Montag und Donnerstag
täglich von 10 bis 1 Uhr und 3 bis 5 Uhr unentgeltlich
zugänglich und wird voraussichtlich bis Mitte Mai geöffnet
bleiben. An Donnerstagen wird ein Eintrittsgeld erhoben.
Sämtliche ausgestellten Blätter sind verkäuflich. Die Ver¬
anstaltung ist nicht darauf angelegt, eine lokale Angelegen¬
heit der Mannheimer zu bleiben; sie macht den Anspruch,
in ihrer klaren Eigenart und programmatischen Bedeutung
im rheinischen und südwestdeutschen Kreise ihresgleichen
noch nicht gehabt zu haben. Dr. F. W.
^ Heidelberg.
Von Gustav W. Eberl ein.
Als sein himmelstürmender Geist noch nicht umnachtet
war, da sang der größten einer, Hölderlin:
Lange lieb ich dich schon, möchte dich, mir zur Lust
Mutter nennen und dir schenken ein kunstlos Lied,
Du, der Vaterlandsstädte
Ländlich schönste, so viel ich sah.
Und bis heute hat keine Rivalin Heidelberg den Rang
abgelaufen. Und bis heute hat noch keiner ihrer zahllosen
Sänger in seinem Preisliede sich in unmögliche Höhen
verstiegen. Wer mag je enttäuscht von ihr gegangen sein?
Das Will viel heißen in einer Zeit, wo jede geringste
Sehenswürdigkeit dreimal gebucht wird und drei Sterne
im Führer ihre Betrachtung befehlen. Kein Wunder, daß
mancher, so hoch in den Himmel erhoben, danach aus den
Wolken gefallen ist. Heidelbergs Schild ist rein. Fleckenlos.
Die Feine, wie sie jetzt so friedlich und still am Aus¬
gangstore des Neckartales liegt, wurde aus Schmerzen ge¬
boren. Zu zweien- und dreienmalen geschändet, geplündert
und verbrannt, von den Leiden, die sein Haupt, das Schloß,
erdulden mußte, auch am ganzen Leibe durchrüttelt, hob
es sich wohl immer wieder aus Schutt und Asche, aber nicht
dem Phönix gleich. Man kann es den Einwohnern nicht
verdenken, daß sie nach jeder neuen Verwüstung ihre
Häuser weniger hübsch aufbauten und gar, durch Melacs
Horden gezwungen, selbst Feuer darein zu Werfen, mürbe
geworden, sich nur auf das notwendigste beschränkten.
So haben die jetzt noch stehenden Häuser in der Regel
ein Alter von höchstens zweihundert Jahren, nur eine Aus¬
nahme, die der Vernichtungswut der Mordgesellen ent¬
gangen war, der R itter, zeugt von verschwundener Pracht.
r
\
1
18 DEUTSCHLAND
Nr.l
Die Stadt, die auf so vielen Blättern der Geschichte
verzeichnet ist, die altpfälzische Residenz und das Idyll
der „Liselotte“, die Stadt an Ehren reich, ist durch ihre
natürliche Lage vielen gegenüber im Vorzug. Von den
Bergen des Odenwaldes förmlich in die Länge gequetscht,
an den Neckar gezwängt, kann sie sich innerhalb des Tales
nicht bewegen, wird sie noch lange dem Liebhaber ihr
„Alt-Heidelberg“ zeigen; andrerseits reicht sie außerhalb
eingefügt, wie die Lande kein zweites aufzuweisen haben:
Schwer in das Tal hing die gigantische
Schicksalskundige Burg, nieder bis auf den Grund
Von den Wettern gerissen;
Doch die ewige Sonne goß
Ihr verjüngendes Licht über das alternde
Riesenbild, und umher grünte lebendiger
Efeu; freundliche Wälder
Rauschten über die Burg herab.
des Gebirges dem Fortschritt, der Industrie in idealer
Weise die Hand. Dort, von der natürlichen Wasserstraße
abzweigend, beginnt die berühmte „Bergstraße“, da liegt
wie ein bunter Teppich ihr zu Füßen die fruchtbare Rhein¬
ebene, in deren Hauptstrom sich der Neckar bei Mannheim,
der nur 20 Minuten entfernten Großstadt, ergießt. Karls¬
ruhe, die nahe Residenz, ist ein Punkt der direkten
Eisenbahnstrecke in die Schweiz und so Heidelberg
ein Vortor zum Schwarzwald, den man
ebenso wie Würzburg, Straßburg, Stuttgart
und die Rheinpfalz in 2 und 3 Stunden er¬
reicht. Wo alles liebt, kann der Himmel
allein natürlich nicht hassen, und er be¬
scherte Heidelberg ein Klima, das man mit
Recht als italienisch bezeichnet hat. Daß
es nicht weniger regnet wie anderswo, ist
freilich Wahr, aber nicht weniger häufig lacht
ein herrlichblauer Himmel, der Mandeln und
Pfirsiche, Wein und echte Kastanien zu
blühendem Leben ruft. In Wochen ist es
fertig gewoben, das „schimmernde Braut-
gewand“, hundert Schritte bereits vom
Bahnhof kommt dem Fremdling die Ewig-
Junge entgegen und bietet ihm den Will¬
komm. Wie sie das macht und Was sie
ihm sonst alles zeigt, das soll hier nicht er¬
zählt werden. Nimm irgend ein Schriftchen
der Stadt zur Hand, Fremdling, und tu wie
dir darin geheißen! Du tust wohl daran.
Wer den Zauber Heidelbergs empfunden — und wer
könnte sich ihm entziehen — den berührt es wie selbst¬
verständlich, daß hier die Wiege der Romantik gestanden,
nur hier gestanden haben kann. Ist doch der unnennbar
lieblichen Kette von Berg und Tal und Strom ein Kleinod
Geht noch heute keines vorüber, ohne daß
die Brust lauter und stolzer ihm schlüge,
wie mußte dieses Schloß, halb Märchen und
halb Tod, in jener gefühlswarmen Zeit auf
Dichterherzen wirken! Arnim und Brentano
»
Matthisson und dann Goethe, allen hat es
gesprochen in seiner wundersamen Sprache.
Zurzeit ist das „Heidelberger Schloß“ ein
Ding, das jeder zum mindesten vom Hören¬
sagen kennt, das Abe tausende gesehen,
das Ziel aller Rheinreisenden und — Hoch¬
zeitspaare. Vieles bringt es und bringt
so jedem etwas. Staunend stehen die
mehr historisch Empfindenden vor dem
gesprengten kolossalen Turm, den Be¬
wunderern der Renaissance lacht das Herz
im Leibe beim Anblick des Ottheinrichbaues
und des („restaurierten“, darum viel kriti¬
sierten) Friedrichsbaues, ohne Ausnahme
tut jedes einen Blick von der Terrasse, wo Scheffel in Erz
gegossen steht, und von dem weltberühmten Altan, während
materieller Gesinnten das Große Faß am interessantesten
dünkt. Fürwahr, man kann Tage herumschweifen in den
morgenroten Mauern, ihre Oeden — und das ist kein
Paradoxon — bergen Füllen. Sind wie japanischeSchachteln,
die niemals leer werden, aus denen man immer ein neues
greift. Und gehst du dann den Friesenberg hinunter und
über die alte vielbogige Brücke, ein Wahrzeichen Heidel¬
bergs, und gar hinauf zum Philosophenweg, genießt du
von dort oben den „schönsten Blick“, Wie ein Vielgereister
sagt, „den man von der Erde tun kann“, dir ist, du mußt
von jener Schönheit singen und sagen bis an dein Ende,
Bensheim a. d. Bergfstraße: Gesamtansicht
Nr. 1 DEUTSCHLAND 19
Freilich, die Neuzeit ist nicht friedenlassend an dieser
Städteoase vorbeigegangen, sie forderte viel Tribut, und
viel hat man ihr entrichtet. Gegenwärtig ist es wie ein
Heppenheim a. d. Bergstraße: Gesamtansicht
Ringen zwischen der gemütlichen kleinen Musenstadt und
der Wachsenden Fremdenstadt. Erstere bleibt sich nach
Möglichkeit getreu,und wenn die zahlreichen Korporationen
ihre Feste feiern mit echt studentischem Pomp, Wagen¬
auffahrten und Fackelzügen, beweist nichts die „ver¬
schwundene alte Burschenherrlichkeit“; auf dem anderen
Blatte aber stehen die Forderungen des neuen Jahr¬
hunderts. Und da ist es wirklich bewundernswert zu
sehen, was die verhältnismäßig kleine Stadt (56000
Einwohner) in kurzer Zeit hervorgebracht hat und
nun ihren Besuchern zu bieten vermag. Bis zum
höchsten Gipfel des fast 600 Meter hohen Königs¬
stuhles führen die Bergbahnen; die Straßenbahnen, die
die ganze Stadt durchlaufen, verbinden die entferntesten
Vororte, wie Schlierbach, Handschuhsheim, Rohrbach
und selbst das 2 Gehstunden entfernte Wiesloch.
Ein neuer Bahnhof, zu dem ein 2'/^ Kilometer langer
Tunnel durch das Gebirge geschlagen wurde, befindet
sich in Bau. Auf Theater, Konzerte und eine Unsumme
von Vorträgen, durch die Universität angezogen, braucht
der Fremde selbstverständlich nicht zu verzichten^
im Sommer erwarten ihn die weltbekannten Schlo߬
beleuchtungen; dann Regatten und sportliche Veran¬
staltungen aller Art. Die Wintersaison steht an den
üblichen Vergnügen den Großstädten wenig nach, dem
Winter-, insbesondere dem Rodelsport kann in nicht
übertreffender Weise gehuldigt werden.
Es ist natürlich, daß in einer dermaßen vielseitigen
Stadt, die allen Interessen entgegenkommt, die Bau¬
tätigkeit eine rege ist; die rechte Neckarseite ist eine
einzige Kette von Villen, und bis hoch auf die Berge
sind auf beiden Seiten die Landhäuser geklettert.
Ihrer zahlreiche, ganze Kolonien, findet man am Wolfs¬
brunnenweg, in Rohrbach und Neuenheim, wo haupt¬
sächlich die vornehme Gesellschaft ihre Wohnsitze
aufgeschlagen hat.
In diesem Frühjahr hat sich unter dem Vorsitz S. H.
des Prinzen Wilhelm von Sachsen-Weimar, Herzog zu
Sachsen, ein „Verein zur Förderung des Fremden¬
verkehrs für Heidelberg und Umgegend“ ge¬
bildet, dem sofort eine große Anzahl von Mitgliedern
beigetreten sind. Auf Grund sehr namhafter Beträge,
die schon bis jetzt gezeichnet worden sind, konnte
sich der Verein vorerst ein Sommerprogramm aus¬
arbeiten, in das schon ein Blick genügt, um zu erkennen,
daß es tatsächlich großzügig aufgefaßt ist*). Eigentlich
mag es befremdlich erscheinen, daß Heidelberg bisher eines
uns heutzutage so notwendig erscheinenden Ver¬
eines ermangelte, erklärlich wird dieser verzeihliche
Konservativismus einesteils aus einer gewissen zarten
Scheu, die es so manchen profan erscheinen lassen
mochte, die wundersamen Heimlichkeiten Heidel¬
berger Schönheit auszurufen, zum andern aus
dem stolzen Bewußtsein, daß die vielgefeierte
Scheffelstadt, der am Neckar und am Rheine keine
gleichkommt, es nicht nötig habe, um Freundschaft
zu Werben.
Nun ist man auch den Neuerern gerecht ge¬
worden, und soweit man bis jetzt überschauen kann,
besteht begründete Hoffnung, daß sich die Stadt zu
einem ansehnlichen zeitgemäßen Fremdenplatz auf¬
schwingen wird, ohne daß an seinem Zauber Ein¬
buße erleidet das traute Alt-Heidelberg.
*) Prospekte und Führer sind kostenlos durch das städtische Ver¬
kehrsbureau oder durch den genannten Verein zu beziehen.
Weinheim a. d. Berg-straße: Roter Turm
20 DEUTSCHLAND Nr. 1
Die Bergstraße.
Von Dr. Max Koppe, Seeheim (Hessen).
„Im Odenwald zieht durch den Tann
„Der Ruf von Lenzschalmeien,
„Und wer allein im Wintersbann,
„Geht fröhlich nun zu Zweien.
„Das ist ein Jauchzen weit und breit,
„Die Sonnenfunken sprühen.
„Juchhei, du neue, schöne Zeit,
„Du Glanz und junges Blühen I"
(K. Schäfer.)
„Juchhei, du neue, schöne Zeit, du Glanz und
junges Blühen!" Fürwahr, wer möchte da im dumpfen
Zimmer sitzen, wo Frau
Sonne so lockend zum
Fenster hereingrüßt, wo
der Lenz an die Schei¬
ben pocht, wo die Vögel
singen und jubilieren:
„Der Frühling ist ge-
[kommen
„Mit Rosen an der Brust.
„Frisch aufi Den Stob
[genommen
„In heller Wanderlust I"
Fahret wohl für heut,
Folianten ihr und Ak¬
ten! Heut seht ihr uns
nimmer! Heut wollen
auch wir hinaus, den
Lenz zu grüßen dort,
wo er am wonniglichsten
uns winkt, an den herr¬
lichsten Gefilden des
Hessenlandes,gen Baden
zu, an der Bergstraße!
Bergstraße?! Ein selt¬
samer Name, der sofort
eine bestimmte Vor¬
stellung erweckt. Von
Bergen und einer Straße
redet er uns, von den
dichtbewaldeten Bergen,
die sanft gewellt, hie und
da aber jäh ansteigend,
sich zu unserer Linken
hinziehen, wenn wir die
uralte Handels- und Ver¬
kehrsstraße entlang wan¬
dern, die uns von der
freundlichen, emporblühenden Hauptstadt Hessens, der
Residenz Darmstadt, hinführt nach „Alt-Heidelberg",
der vielbesungenen Musenstadt, und ins schöne Neckar¬
tal. Zu unserer Rechten geben uns fruchtbare Ebenen
das Geleite, aus denen das Silberband des Rheines
aufblitzt, jenseits dessen in bläulichem Duft ver¬
schwindend die Höhen des Taunus, der Haardt und
der wuchtig breite Rücken des Donnersbergs den
Horizont begrenzen. Mögen wir nun auf der Höhe
selber dahinwandern oder an ihrem Hange der Straße
folgen: Was sich uns auf unserem Wege darbietet,
immer ist es etwas für Auge und Herz gleich Schönes ;
immer neue, fesselnde Bilder und Szenerien folgen ein¬
ander, und nie wird des Schreitenden Fuß müde, des
Schauenden Auge satt der vielen Herrlichkeiten, welche
die Bergstraße — so heißt der Höhenzug, der den
Odenwald gegen die Rheinebene hin abschließt — aller¬
orten dem beut, der seine Schritte zu ihr lenkt. Droben
auf den Höhen, die aus der Ebene bis zu über 500
Metern aufsteigen, dichter Buchenwald, hoher Tannen
Dunkel; zwischen ihnen und sie überragend oder in
Waldesnacht verborgen efeuumrankte, trutzige Burg¬
ruinen und Mauerreste,
stumme Zeugen vergan¬
gener Zeit und Macht.
Von den Rittern, die hier
einst gehaust, raunt uns
Frau Sage geheimnis¬
volle Märchen zu. Ein¬
gemauert in die Außen¬
wand bescheidener Dorf-
Kirchlein, geben uns
Grabsteine mit vonWind
und Wetter verwasche¬
nen, verwitterten Runen
ihre Züge, ihre Namen
wieder, und die dräuen¬
den Vesten, die massigen
Mauern und Wälle, sie
melden uns, welche ge¬
waltige Herren hier auf
den Höhen der Berg¬
straße einst gelebt und
geliebt, geraubt und ge¬
kämpft, gestorben und
verdorben. Burg Fran¬
kenstein und Ruine Tan¬
nenberg bei Seeheim
und Jugenheim, Ruine
Jossa, Auerbachs male¬
risches Schloß, das Ais¬
bacher Schloß, einst Burg
Bickenbach geheißen,die
hinterBensheim liegende
Ruine zu Lindenfels, die
Starkenburg bei Heppen¬
heim, Burg Windeck bei
Weinheim, — das sind
nur einige Namen. Aber sie genügen, um von dem
Reichtum an Resten alter Ritterherrlichkeit Kunde zu
geben, dessen sich die Bergstraße rühmen darf. Von
den Zinnen dieser Burgen, nicht minder von den
Türmen, welche Landesherren oder verkehrsfreundliche
Vereine droben auf den Höhen errichteten, beispiels¬
weise vom Elisabethenturm bei Seeheim (423 Meter)
oder vom Melibokus (517 Meter) bei Zwingenberg, welch
wundersame Schau! Hoch über dem wogenden Wälder¬
meere stehend, lassen wir die Blicke wonnetrunken
schweifen und grüßen Odenwald und Spessart, Vogels¬
berg und Taunus, Rhein und Neckar und all die Orte
Weinheim a. d. Bergstraße: Ansicht aus dem Gerberviertel
Nr.l
I«I DEUTSCHLAND (01
Wl 21
groß und klein zu unsern Füßen und in der Ferne drüben
Worms, die Nibelungen- und Lutherstadt, Speier, die alte
Kaiserstadt. Hier droben, vom Lenzeshauch umfächelt,
geht uns das Herz auf, und schwer nur reißen wir uns
los von so viel Schönheit, um hinabzusteigen wiederum
ins Tal, wo neue Wonne unser harrt.
Neue Wonne — ich weiß mir kein ander Wort.
Sag' an, Leser! Warst du zur Frühlingszeit einmal bei
uns, an der Bergstraße?
Hast du der Jahreszeiten
Wechsel einmal hier er¬
lebt, mitgelebt? Du Armer!
nicht drinnen in der gros¬
sen Stadt, hier draußen
nur bei uns lernst du er¬
kennen, fühlen, was Früh¬
ling heißt, lernst du er¬
messen, welche Fülle des
Schönen dies eine Wort
in sich birgt! Der Winter
ist vergangen. Stürme
brausen über das Land
und jagen den Schnee
von den Höhen hinunter
in den Rhein. Mächtig
rauschen wieder Bache
des Waldes. Kaum ist
die weiße Hülle dahin, da regt es sich auf allen Fluren.
Pflänzchen auf Pflänzchen schaut heraus, erst schüchtern,
zaghaft, dann aber sproßt und grünt es allerorten, ln
den Gärten, auf den Feldern, in den Wäldern, alles ein
Blühen und Duften. Das Schönste von allem aber und
den bleibendsten Eindruck in eines jeden Seele hinter¬
lassend ist doc' ;!?.s zarte Gewand, aus weiß und rosa
gewebt, welches unsere Bergeshänge zur Lenzeszeit an¬
legen. Mandel, Pfirsich, Aprikose, Kirsche, Birne, Zwetsche,
Mirabelle, Reineclaude, Apfelbaum — wer im Frühling
eure Pracht erblickt, er wähnt ein einzig wogend Meer
von Blüten zu sehen. Und indes das Auge schwelgt,
malt die stets rege Phantasie sich aus, wieviel des köst¬
lichsten Obstes hier heranreift. Und hinter der Phantasie
bleibt die Wirklichkeit nicht zurück. Dem so überaus
milden Klima der Bergstraße verdankt das genußfrohe
Frankfurt, Stuttgart und
manch andere Stadt das
erste Frühobst, die ersten
Spargeln, die labende
Erdbeere, verdankt der
Freund eines guten
Tropfens den so trefflich
mundenden ,Bergsträßer'.
Wärmer und wärmer
wird es. Der Sommer ist
da. Wie wohlig ruht
sich's da in unsrer Wäl¬
der Kühle, wo der Wald¬
meister duftet und des
Enzians blaue Blume
blüht, wo des Baches
Murmeln uns in stille
Träume lullt und der
Waldvogel süße Weisen
singt! Warme Tage, kühle Nächte, die wir den herr¬
lichen Tälern danken, welche fast von allen Orten der
Bergstraße schluchtartig hineinführen in die Waldes¬
nacht, hinan zur Bergeshöh' — dies das Kennzeichen
unserer Gegend zur Sommerszeit. Dann kommt der
Herbst. Rot färbt sich das Laub und gelb, und Farben¬
töne zeigt der Wald, wie sie berückender in ihrer Zu¬
sammenstellung, phantastischer kein Maler uns vor
Zwingenberg a. d. Bergstraße: Gesamtansicht
Auerbach a. d. Bergstraße: Gesamtansicht
22
I«l DEUTSCHLAND Nr. 1
Augen zaubern könnte. Die Herbstzeitlose, Gift bergend
in ihrem blassen Kelche, prangt auf den Auen, die
letzte Rose in den Gärten. Von den Feldern wird
allerlei Herbstgabe hereingefahren, von unsern saftigen
Wiesen Heu auf Heu.
Und naht der Winter, der hier sehr milde nur
regiert, dann schläft wohl die Natur, nicht aber das
sie dem durch moderne Kultur Verwöhnten alles bietet
was er nicht missen möchte zur Behaglichkeit des Da¬
seins in puncto Häuslichkeit (Beleuchtung, Wasserver¬
sorgung, Kanalisation, Lebensmittel usw.). Schul- und
sonstigem Bildungswesen, Unterhaltung (Konzerte,
Theater), Eisenbahnverbindungen u. a. m. Gleiche Für¬
sorge und gleiches Vorwärtsstreben bekunden auch die
Jugenheim a. d. Bergstraße: Gesamtansicht
sonstige Leben an der Bergstraße. Ihre Reize im weißen
Winterkleid, sie locken nicht vergebens. Tal und Höhe,
Wald und Au, sie sind belebt von fröhlichen Menschen¬
kindern, die sich freuen wollen der Bergstraße auch zur
Winterszeit.
So unsere Landschaft. Und die Orte an ihr? Weißt
du von denen nichts zu plaudern? fragt ihr ungeduldig.
Ist von ihnen nichts, gar nichts
zu erzählen? Doch, lieber Leser!
Von diesen will ich jetzt auch
reden — last not least! — Wie
Edelsteine dem güldenen Reif, in
den sie eingefügt sind, erst die
rechte Zier, den vollen Glanz ver¬
leihen, so gereichen den Höhen
der Bergstraße zum allerschönsten
Schmucke unsere Städtchen und
Dörflein, deren helle Häuser mit
ihren roten und grauen Dächern
einen frischen, lebhaften Ton in
das Landschafts-Bild bringen. —
Fürstensitze auf den Höhen und
im Tal — wir nennen nur die Groß-
herzoglichen Hoflager in Seeheim
und in Auerbach, das Prinzlich
Battenbergsche Schloß Heiligen¬
berg bei Jugenheim, das Fürstlich
Erbachsche Schloß Schönberg bei
Bensheim — schloßartige Besitzun¬
gen adliger Geschlechter und an¬
gesehener Patrizier, prächtige Villen wohlhabender
Pensionäre und sonstiger Privatleute, sie alle legen
Zeugnis davon ab, welche Anziehung das milde Klima,
die herrliche Lage der Bergstraße von jeher ausgeübt hat,
und daß für Ruhe- und Erholungsbedürftige die Bergstraße
wie kaum eine andere Gegend wie geschaffen ist, zumal
Gaststätten an unserer Bergstraße. Auch sie sind red¬
lich bemüht, allen Anforderungen gerecht zu werden
und den Besucher von einmal sich zum Freund für
immer zu gewinnen.
Ich könnte schließen. Ich möchte es aber nicht
tun, ohne vorher noch diejenigen, die zu uns kommen,
die Natur zu bewundern, und dabei unsere Städte und
Dörfer durchstreifen, hinzuweisen
auf die zahlreichen geschichtlichen
Erinnerungen, die sich an die vielen
wohlerhaltenen mittelalterlichen Ge¬
bäude und Mauern in diesen Orten
knüpfen und die uns in beredter
Sprache gemahnen an die wilden
Kriegsstürme, die über unser Land
dahingebraust, und an unserer Väter
Art und Tun. Zu den schmucken
neuzeitlichen Bauten staatlicher,
städtischer und kirchlicher Behörden
geben sie alle, gemeinsam mit den
Burgen auf den Höhen, ein Gegen¬
stück ab, wie es fesselnder und
packender kaum anderorts sich
findet. Es sei in dieser Beziehung
hier nur kurz hingewiesen auf See¬
heim (Pfarrhaus 1582,Rathaus 159Q),
Zwingenberg (alte Mauern, Tore,
Kirche aus dem 14. Jahrhundert),
auf die alten Adelshöfe in Bensheim
(Rodensteiner, Wambolder und Dal-
berger Hof) und das „Rinnentor" dort, auf Heppenheims
Marktplatz (Rathaus, Apotheke, Kellerei aus dem 16. Jahr¬
hundert, Amtshof usw.), Weinheims Türme (Roter Turm,
Hexenturm, Blauer Hut) und alte Häuser und auf die
Gebäude bei der Lindenfelser Burg. Wer zu sehen weiß,
wird eine Fülle von derartigen Zeugen alter Zeit auch
Dürkheim : Blick aut Hartenburg
Nr. 1 DEUTSCHLAND 23
bei uns zu finden wissen, auch in den Orten, die hier nicht
genannt sind. Kommet selber und schauet! Wollt ihr aber
zuvor euch unterrichten von dem, was die Bergstraße euch
beut, — dem Wanderer, dem Kurgast, dem dauernden
Ansiedler — der „Verkehrs-Ausschuß der Bergstraße",
Sitz Auerbach (Hessen), gibt euch von allem Kunde.
Und nun: Frischauf! und: Herzlich willkommen an
der Bergstraße!
Die Pfalz — das deutsche Italien.
Von Paul Kretzschmar, Neustadt a. d. Hdt.
Die Pfalz hat den Vorzug, zu den klimatisch am meisten
begünstigten Gegenden Deutschlands zu gehören. Der
Reisende, der von Norddeutschland über Straßburg—Basel
nach Italien fährt und in der Pfalz ein paar Stunden Aufenthalt
nimmt, hat in diesem frohen Ländchen schon eine Vorahnung
des Südens, und wenn er wieder zurückkehrt, so weckt die
Pfalz in ihm liebliche Erinnerungen an Florentiner und Turiner
Eindrücke. Dort wie hier weitausgedehnte Edelkastanien¬
waldungen, hier wie dort ein fast die ganze schöne Jahres¬
zeit hindurch lachender blauer Himmel. Wenn im zeitigen Früh¬
jahr, wo der Berg¬
wald noch schläft
und nur die Schnee¬
glöckchen aus dem
noch frostignassen
Moose lugen, an
den Abhängen des
Haardtgebirges das
schneeige Weiß der
Mandelblüte weit
ins Land leuchtet
und ein wenig später
die Blüte der Früh¬
aprikose vereint mit
den Mandeln ein
weiß-rosa Blüten-
band über Berg-
hänge und durch
Täler, um schmucke
Winzer - Häuschen
und würdige Patri¬
zier-Häuser zieht,
dann zeigt die Pfalz
V orfrühlings-Bilder
wie kein anderes
deutsches Land, ln
solch großer Zahl
stehen Mandelbäume weder an der Bergstraße noch im
Nahetal. Noch ein paar Wochen später kommt der Frühling
ganz ins Land. Dann leuchtet das Kirschblütenmeer von
Freinsheim, Weisenheim und der Nachbarorte wie ein wei߬
schäumendes Meer aus dem grünen Land der oberrheinischen
Tiefebene. Baumblütenbilder von unvergeßlicher Anmut
huschen vorüber, wenn der Reisende ein wenig später mit
dem Köln —Baseler D-Zug durch das apfelreiche Alsenztal
fährt, und entwickeln sich in feierlicher Schönheit dem, der
um diese Zeit das Zwetschenland der Pfalz, das liebliche
Lautertal, oder die in grüne Waldberge eingebettete Ram-
berger Blüte oder das gesegnete Zweibrücker Land durch¬
wandert oder durchfährt. Das ist der Frühling in der Pfalz,
der schöne sonnige Frühling des Oberrheins, der hier am
Haardtgebirge sein duftigstes Gewand trögt.
Im Sommer entwickelt sich hier eine Vegetation von
mächtiger Fülle. Auf kaum übersehbaren Flächen grünt die
Rebe, und in den Feldern wachsen die Früchte in einer
Ueppigkeit, die oft staunen läßt. Aber erst der Herbst bringt
alles das hervor, was die Pfalz wieder zum Italien Deutsch¬
lands macht. Das ist die schöne Zeit der Mandelernte. Viel
Hunderte von Zentnern dieser in halbreifem Zustand ab¬
geschlagenen Früchte wandern dann in die großen Konserven¬
fabriken, um dort zu hochgeschätzten Delikatessen verarbeitet zu
werden, die auch in England und Belgien teuer bezahlt werden.
Die Obsternte in der Pfalz ist überhaupt von einer kaum über¬
trefflichen Reichhaltigkeit. Pfirsiche und Aprikosen in
kaum faßbaren Mengen und im Weinbaugebiet von einer Qua¬
lität, die nicht zu übertreffen ist. In Mirabellen wetteifert
die Vorderpfalz mit dem Metzer Land und in türkischen Kirschen
und feinen Spielarten des Edelobstes ist sie unerschöpflich.
Die Reineclaude gedeiht hier zu einer Süßigkeit, die
schon nicht mehr
aus dieser Welt zu
stammen scheint.
Dabei wird diese
köstliche Pflaumen-
Frucht auf den
Märkten zu Neu¬
stadt, Landau, zu
Deidesheim usw. zu
Preisen verkauft, die
in manchen minder¬
begnadeten Land¬
strichen für halb¬
saure, arme Aepfel
und holzige Birnen
gezahlt werden.
Wenn Abertausende
von Trauben in der
italienisch heißen
Hochsommersonne
braten, schmoren,
dann reift in der
Gegend von Deides¬
heim auch eine
Frucht, welche in
Deutschland nur in
diesem Stückchen
Land bis zur Fruchtbarkeit gedeihen kann: die Feige. Ihre
sehnigen, ein wenig spärlich belaubten Zweige ranken sich hier
um sonnbeschienene Hausfassaden und Giebel und füllen die
strotzigenFrüchte allgemach mit südlichem Lebenssäfte, bis sie
ganz reif sind und zu exklusivem Genüsse taugen. Wenn aber
der Herbst die Farben der Landschaft silbergrau, goldbraun und
rotviolett übertüncht, wenn sich das frohe Vinzervolk zu froher
Weinlese rüstet, dann ist auch der Haardtwald voll Leben und
Fröhlichkeit. Aus Dutzenden von Dörfern und Städten zieht
alt und jung hinauf in die blauen Berge, um die Edel¬
kastanien zu ernten. Hunderte, Tausende Säcke voll
dieser stachligen Waldfrüchte gehen dann zu Tale, um nach
ihrer Entschalung entweder versandt oder für die heimischen
Kochlöpfe als wohlangesehenes Wintergemüse auf bewahrt
zu werden.
Dies Bild der Pfalz würde nicht vollständig sein, wenn
auch nicht erzählt würde, daß es im Haardtgebiet Gärten von
tropischer Pracht und Fülle gibt. Da ist vor allem der Kur¬
park des anmutigen Badeortes Gleisweiler, der italienische
Vegetation aufweist und in Deutschland seinesgleichen nicht
hat. Seine Palmenbestönde sind überaus stattlich, und auch
die Orange kommt hier zur Vollreife. Andere tropisch-üppige
Bad Gleisweiler (Partie im Kurgarten)
24 DEUTSCHLAND ©eeee^^eee^eeeeeeeeeeee® Nr. i
Gärten haben Wachenheim, Deidesheim, Bad Dürkheim und
andere Rebenorte aufzuweisen, und auch im Pfälzerwald
Mandelblüte an der Haardt
erinnern gar manche Pflanzen und gar mancher Baum
daran, daß hier klimatische Verhältnisse besonderer Art sind.
Es ist nach diesem wohl verständlich, daß auch die Tier¬
welt einen leicht südlichen Einschlag aufweist. Manche Vogel¬
arten, die anderswo als Zugvögel gelten,
bleiben hier das ganze Jahr. In der Um¬
gebung von Deidesheim bevölkern sogar kleine
P a p a g e i e n arten die Obstgärten, Alleen und
Wäldchen, und in den heißesten Weinbergen
schlängelt sich eine Rieseneidechse, die den
Neuling leicht in gelinden Schrecken versetzt.
Und so ließe sich noch mancherlei darüber
sagen, noch über manche Züge der Pfälzer
Landschaft plaudern, die an südlichere Breiten
gemahnen. Auch daß viele Orte jahraus, jahrein
vor großen Temperaturschwankungen bewahrt
bleiben, gehört hierher. Von den ersten Früh¬
lingsblütenknospen bis zum letzten Blütensterben
des Spätherbstes lacht der rheinische Himmel
hier allermeist in sonnigem Blau auf die Gefilde
herab, und selbst die Winter bringen meist kein
hartes Wetter. Erst in den letzten bei aller
Welt gefürchteten Kometenjahren hat auch
das Pfälzer Klima gestreikt, und in diesem
Frühjahr hat Anfang April eine wochenlange
Kältewelle die vollentwickelte Mandelblüte
stark geschädigt. Aber das sind gottlob Aus¬
nahmen, wie sie die Pfälzer Chronik nur
höchstselten verzeichnet und wie sie in Zu¬
kunft wohl sobald nicht wieder das lichte Frühlingsbild
der Pfalz stören werden.
Prinz-Regent Luitpold von Bayern.
Von Ant. Roitzsch, München.
Der 12. März 1911 ist für jeden Bayer ein Tag freu¬
diger Erinnerung. Ueberall, soweit die bayerische Zunge
klingt, und selbst draußen in der Ferne, wo Landsleute
in alter Bayerntreue sich zusammenfanden, wurde der
neunzigste Geburtstag des Prinzen Luitpold, des König¬
reichs Bayern Verwesers, mit einer herzlichen Anteil¬
nahme und einer Begeisterung gefeiert, die den greisen
Fürsten als Unterpfand der schwererrungenen Liebe und
Verehrung seines Bayernvolkes sicherlich mehr be¬
glückten, als aller höfische Prunk und fürstliche Ehrungen.
Denn Prinz Luitpold ist von schlichter Art; und als er
an dem verhängnisvollen Pfingsttag des Jahres 1886
schweren Herzens das Zepter ergriff, das den Händen
des unglücklichen und heute noch unvergessenen
Ludwig 11. entglitt, dessen hochfliegender Königstraum
in den Fluten des Starnberger Sees ein furchtbares Ende
fand, während sein Neffe Otto, der Erbe des Königtums,
in geistiger Umnachtung seine Tage in dem einsamen
Königsschlosse Fürstenried vertraueit, da wußte der
Fünfundsechzigjährige, daß er an der Schwelle des
Greisenalters eine Aufgabe übernahm, die die Kräfte
manches Jüngeren in unfruchtbarem Kampfe zerrieben
hätte. Denn schwer ist die Liebe des Bayernvolkes zu
erringen, und diese Liebe gehörte dem unglücklichen
Ludwig, mochte er auch durch seine romantischen Ideen
dem Lande drückende Lasten aufgebürdet haben. Prinz
Luitpold wußte, welch dornenvolle Aufgabe er über¬
nommen, als er in jenen stürmischen Tagen die am
Boden schleifenden Zügel aufgriff, aber nicht, um sich
die Krone aufs Haupt zu setzen, sondern um sie als
getreuer Verwalter für seinen regierungsunfähigen Neffen
zu verwahren. In einem Alter, wo andre Sterbliche
daran denken, von des Lebens Last und Mühen aus¬
zurasten, begann an ihn, der nie daran gedacht hatte,
je zur Regierung berufen zu werden, das Leben die
höchsten Anforderungen zu stellen. Und er ist ihnen
gerecht geworden, wie selten einer. Er hat das Land
durch bewegte Zeiten hindurch zu Wohlstand und Blüte
geführt. Die bayerische Armee, der er als begeisterter
Artillerist von Jugend an seine unausgesetzte Sorge
widmete, darf getrost den Vergleich mit den besten
Truppen der Welt aushalten, und Kunst und Wissen¬
schaft, in deren Pflege die Wittelsbacher von keinem
Fürsten der Welt je übertroffen wurden, entfalteten sich
unter Prinz Luitpolds schirmender Fürsorge zu einem
Hochstand, der Münchens Ruf als erste Kunststadt allen
Anstrengungen andrer Städte zum Trotz sieghaft gewahrt
hat. Nahezu täglich während seines Aufenthaltes in
seiner Residenzstadt stattet jetzt noch der Neunzigjährige
bald dem bald jenem Künstler einen Besuch im Atelier
ab. So widerstrebend er, obwohl der nächste dazu
Berufene, die Regentschaft übernommen hatte, mit so
eisernem Pflichtgefühl, das sich oft zur Selbstverleug¬
nung steigerte, und unerbittlicher Strenge gegen sich
selbst stellte er sich vom ersten Tage seiner Regent¬
schaft an schlicht aber fest auf den unverrückbaren
Boden der Pflichten schaffenden und Taten heischenden
Gegenwart. Durchdrungen von dem Gefühl der Un¬
antastbarkeit des königlichen Amtes, betätigte er in
Worten und Werken die größte Achtung vor dem Gesetz
und der Verfassung. So erkämpfte er sich Schritt für
Schritt die Liebe seines Volkes, und seine unwandelbare
26 DEUTSCHLAND Nr.l
Bundestreue sicherte ihm die Verehrung des ganzen
deutschen Volkes. Mit willigen, rüstigen Kräften half
er an dem Ausbau des jungen Reiches mitschaffen, das
er selbst auf Frankreichs blutgetränkten Schlachtfeldern
mit errichten half. Sich selbst vieles versagend, hat er
stets eine offene Hand für alle Bedürftigen und Un¬
glücklichen, und eine Menge reicher Stiftungen werden
noch in späteren Geschlechtern das Andenken an Prinz
Luitpold den Gütigen wach erhalten.
pflichten in der Residenz zu entziehen. In der kleid¬
samen Tracht seiner Oberlandler, der „kurzen Wichs",
verbringt er dann nach den Anstrengungen der Jagd
die Abendstunden bei Bier und der nicht ausgehenden
Zigarre, bei Zitherspiel und Sang in ernster und heiterer
Unterhaltung. So lebt Prinz Luitpold inmitten seiner Ge¬
treuen wie die alten Stammesherzöge, von denen uns die
Lieder melden. Sein mildes, gütigesWesen hat die Herzen
des Volkes bezwungen, dem auch er in selbstloser Liebe
Seine einzige Erholung ist das edle Waidwerk, dem
er bereits von früher Jugend an oblag. Bei der Saujagd
in den Eichen- und Buchenwäldern des Spessart, beim
Riegeln auf den Hochgeweihten in den Revieren von
Oberstdorf und Hindelang, bei der strapaziösen Hoch-
gebirgsjagd in den Leibgehegen von Berchtesgaden und
der Ramsau, von Hohenschwangau und Linderhof, am
Schachen und in der Vorderriß stählt der Regent all¬
jährlich vom Juli bis November seine eiserne Gesund¬
heit, ohne sich dabei zwischendurch den Repräsentations¬
zugetan ist. Liebe um Liebe und Treue um Treuei
Das zeigte sich so recht in den Jubeltagen. Wo
lichtblau der Himmel, mit weißen Wölkchen überzogen,
sich über den weiß-blauen Grenzpfählen wölbt, da
schlugen die Herzen höher dem rüstigen Greis ent¬
gegen. Alt und jung wetteiferten, ihm ihre Liebe und
treue Anhänglichkeit zu bezeigen. Vom Watzmann
bis zum Nebelhorn und den wilddrohenden Höfats, von
den Bergen des Bayerischen Waldes flammten nächtens
die Fanale von Berg zu Berg grüßend ins weite Land
Nr.l DEUTSCHLAND 27
hinein; Glockenton und Orgelklang brauste von allen
Kirchen — Jubel und Feststimmung überall. Am meisten
aber in der Haupt- und Residenzstadt München. Haus
für Haus flatterten die weiß-blauen Banner, geschwellt
vom frischen Bergwind, und schauten verwundert auf
den dichten grünen Schmuck der Straßen, die sich in
einen Wald verwandelt hatten. Am Abend aber glühten
die Häuser in festlicher Beleuchtung.
In der gewohnten Rüstigkeit wurde der Regent spie¬
lend der außerordentlichen Strapazen Herr, die die
Festtage mit sich brachten, und fand dabei noch Zeit,
seine täglichen Ausfahrten auf die ganze innere Stadt
auszudehnen, um dankbar sich an dem Schmuck zu er¬
freuen, den die Straßen und Häuser ihm zu Ehren trugen.
Er wohnte auch nach dem Besuch des feierlichen Hoch¬
amts mit Tedeum der Enthüllung des Denkmals seines
Ahnherrn Otto von Wittelsbach bei, das vor dem Armee¬
museum errichtet und an dem Festtage geweiht wurde.
Abordnungen aller bayerischen Truppenteile, Gäste von
nah und fern, und vor allem seine lieben Münchner, die
an diesen Tagen sich durch nichts zurückhalten ließen,
hatten wieder Gelegenheit, sich von der bewunderns¬
werten Frische und Rüstigkeit des Regenten zu über¬
zeugen, um daheim und in den fernsten Landesteilen
verkünden zu können: „Unser geliebter Prinz-Regent ist
frisch und munter, wie der Jüngsten einer!"'
^,Quo vadis?" im Düsseldorfer Stadttheater.
Von A. Wittelshöfer.
Auf der Liste der Düsseldorfer Sehenswürdigkeiten
steht sie, die Oper: „Quo vadis?", so wie der Hafen,
die Königsallee, jetzt der neue Zeppelin, und wie all
die anderen schönen Dinge heißen. — Ist „Quo vadis?"
im Spielplane des Düsseldorfer Stadttheaters verzeichnet,
so bringen die Züge aus Rheinland und Westfalen Theater¬
besucher, die diese Oper in der überaus glanzvollen Auf¬
führung der Düsseldorfer städtischen Bühne sehen wollen.
Es ist ein eigen
Ding um diese Oper,
die der geschickte
Franzose Henry
C a i n nach dem
berühmten Romane
des HenrykSien-
kiewicz geformt
undjzujder dennicht
minder gewandte
französische Kom¬
ponist JeanNou-
gues die Musik
geschrieben hat.
Die zünftige
Kritik reiht diese
Oper nicht unter die
künstlerisch sehr
hoch zu bewerten¬
den Werke ein, aber
sie anerkennt: Ein
außerordentlich wir¬
kungsvolles Text¬
buch, eineMusik von
geradezu genialem
Instinkt für theatra¬
lische Aufgaben,
alles in allem, eine
Oper, die man ge¬
sehen und gehört
haben muß.
Allerdings kann
„Quo vadis?" diese
große Wirkung nur ausüben, wenn der Oper im Szeni¬
schen wie im Aufbau der grandiosen Massenszenen
das gegeben wird, was die Theatralik dieses Werkes
erfordert. Und all das gibt die Aufführung des Düssel¬
dorfer Stadttheaters und bewirkt, daß „Quo vadis?" unter
den Sehenswürdigkeiten der Stadt genannt werden muß.
Direktor Zimmermann, der seit acht Jahren
die städtischen Bühnen in Düsseldorf und Duisburg
leitet, hat mit sicherem Blick erkannt, worauf es bei
„Quo vadis?" ankommt. Er hat unbeirrt von aller¬
hand ängstlichen Einwänden für einen großartigen
szenischen Rahmen
gesorgt, der im Ver¬
ein mit dem riesigen
und prachtvollen
kostümlichen Fun¬
dus des Düssei -
dorfer Stadttheaters
Bilder von berük-
kender Pracht ergab.
So die „Terrassen
des Palatin" mit dem
packenden Schau¬
stück des brennen¬
den Rom, die
Zusammenkunft der
Christen „am Ufer
des Tiber", der
Garten des „arbiter
elegantiarum" Pe-
tronius und vor
allem die kolossale
Abmessungen zei¬
gende „Arena".
Dieses Bild brachte
nahezu 250 Perso¬
nen auf die Bühne.
Daß die solistischen
Darbietungen (wir
nennen nur Petro-
nius: Waschow, Vi-
nicius: Barre, Nero:
Bischoff,Lygia: Liss-
ner,Petrus: Bohnen),
wie man so schön sagt: „erstklassig" waren, braucht
bei dem Rufe, dessen sich die Düsseldorfer Oper erfreut,
kaum erwähnt zu werden.
28
DEUTSCHLAND Nr.l
Robert Leffler, der verdienstvolle Oberregisseur
der Oper, hat die Inszenierung meisterhaft besorgt.
Besondere Anerkennung verdient diese Leistung, wenn
wir bedenken, daß „Quo vadis?" inmitten eines ständig
wechselnden Spielplanes in Oper und Schauspiel
herausgebracht werden mußte. Kapellmeister Alfred
Fröhlich, der in den ersten Reihen der deutschen
Operndirigenten steht, gab dem musikalischen Teil
Farbe, Temperament und Leben.
Die prachtvollen Dekorationen hat der Düsseldorfer
Theatermaler Georg Hacker in trefflicher Weise ge¬
malt, für die überaus schwierige technische Einrichtung
zeichnet der städtische Maschinerie-Inspektor Aug.
Breimann, ein sehr tüchtiger „Rosenberg"-Schüler.
Zum Schlüsse darf wohl gesagt werden, daß das
Düsseldorfer Stadttheater nicht etwa nur in „Sensation"
macht. In der achtmonatlichen Spielzeit brachte Direktor
Zimmermann eine Fülle künstlerisch wertvoller Novitäten
und Einstudierungen in Oper und Schauspiel. — Den
Beschluß der Spielzeit bildet die Aufführung des ge¬
waltigen welthistorischen Schauspieles „Kaiser und
Galiläer" von Henrik Ibsen in der vom Dichter autori¬
sierten Bearbeitung des bekannten Literarhistorikers
Roman Wörner.
Die Internationale Ausstellung für Reise- und Fremdenverkehr.
Von Josef Buchhorn, Berlin.
I.
Wer die Wahrheit des Goetheschen Wortes (aus
„Wilhelm Meisters Lehrjahren"): „die beste Bildung findet
ein gescheiter Mensch auf Reisen" noch nicht an
sich selber erprobt haben sollte, dem wird sie offenbar,
wenn er sich in die mannigfaltigen Wunder der
„Internationalen Ausstellung für Reise- und
Fremdenverkehr" vertieft, die am 1. April in den
Ausstellungshallen am Zoologischen Garten
in Berlin eröffnet worden ist. Leider war der Pro¬
tektor dieser einzigartigen Schau, der Herzog Adolf
Friedrich zu Mecklenburg, durch seine inner¬
afrikanische Expedition abgehalten, dem Auftakt dieser
Festouvertüre beizuwohnen. Für ihn dankte Baron
von Kuhlmann allen Ausstellern für das glückliche
Zustandekommen dieser, in ihrer Art bisher ersten Aus¬
stellung, dankte vornehmlich dem Geheimen Kommer¬
zienrat Emil Jacob, dem Präsidenten der Zentralstelle
für die Interessen des Berliner Fremdenverkehrs, für
seine tatkräftige Mitwirkung an dem Gelingen dieses
völkerverbindenden Werkes. Und wahrlich, wenn je
ein Dank berechtigt war, dann ist er es hier gewesen,
wo in fast lückenloser Vollständigkeit,
„in Form einer Ausstellung in methodischer An¬
ordnung ein Bild aller derjenigen Verkehrseinrich¬
tungen und -Veranstaltungen nebst der gesamten
Tätigkeit der Industrie auf dem Gebiete gegeben
worden ist, die der Ausrüstung, der Beförderung
und der Unterkunft des Reisenden dienen, zugleich
aber auch die Vorzüge und Sehenswürdigkeiten der
für den Verkehr in Frage kommenden Reiseziele
Deutschlands wie des gesamten Auslandes zur An¬
schauung gebracht worden sind".
„Mit einem", führte Geheimrat Jacob im Verlauf
seiner gehaltvollen Eröffnungsansprache u. a. aus, „soll
alles systematische Reisen beginnen: mit der Kennt¬
nis des eigenen Vaterlandes und mit der dadurch
neu verstärkten Liebe zum heimatlichen Boden, in dem
wir wurzeln."
Beginnen auch wir darum mit den Städten und
Landschaften, die das Deutsche Reich im Norden und
Süden und Westen und Osten umschließt.
* *
*
Im Westen und Osten! — Schade, daß gerade
jener Teil unserer engeren Heimat, für dessen um¬
fassenderes Bekanntwerden eine energische Propaganda
not täte, der Osten, auf dieser Schau verhältnismäßig
schlecht abschneidet. Zwar die Bezirke des Riesen-
und Isergebirges sind glänzend vertreten, und dank
einem bewußten Hand-in-Hand-Arbeiten aller für die
Hebung des dortigen Fremdenverkehrs beteiligten Fak¬
toren ist für Schlesien ein überwältigendes Dokument
seiner landschaftlichen Werbekraft niedergelegt worden.
Aber Posen, West- und Ostpreußen schneiden nicht gut
ab. In der Ausstellung des Bundes Deutscher
Verkehrs-Vereine finden sich allerdings Broschüren,
Tafeln, geschichtliche und kulturhistorische Werke, die
Danzig und der Verkehrs-Verband für Ost- und West¬
preußen auslegen — aber wer die Schlesier, die Braun¬
schweiger, die Elsaß-Lothringer, die Schwaben, die
Sachsen usw. usw. in ihren Bezirken aufsucht, der wird
es mit einem ehrlichen Bedauern gewahr werden, daß
solche Prunkstücke wie das Riesengebirgspanorama, die
Dioramen der Braunschweiger, Sachsen usw. für den
Osten fehlen. Und wie leicht hätte sich ein Blick auf
Danzig vom Hagelsberg, ein Blick vom schiffebevölkerten
Hafen auf das alte Krahntor und manch anderer mehr
durch Künstlerhand in einem Diorama festhalten lassen;
wie leicht hätte hier die eigenartige Schönheit der sam-
ländischen Küste für sich werben, der geheimnisvolle
Zauber masurischer Seenweiten in seinen Bann locken
können! Wie leicht! Die Bücher und Broschüren
durchblättert wohl der eine oder der andere Besucher,
aber sie halten ihn nicht fest, wie es die Dioramen
der Badenser und die luftig-hellen, bildverzierten
Hallen der Elsaß - Lothringer tun. Aus dieser ersten
Internationalen Ausstellung für Reise- und Fremden¬
verkehr ist vielerlei zu lernen, sind reiche Anregungen
zu schöpfen — für kommende Tage. Die eine von den
vielen werden jene Verkehrs-Vereine und Verkehrs-
Verbände vor allem mit nach Hause nehmen, die ihrer
Pflicht zu genügen glaubten, wenn sie überhaupt da
waren —: nur ein alle Hindernisse lokaler Natur über¬
windender Opfermut ist imstande, in einen erfolgreichen
Wettbewerb mit jenen Verbänden und Vereinen ein¬
zutreten, denen von vornherein schon reichere Mittel
zu Gebote stehen. Keine Mühen und keine Kosten
dürfen gescheut, Magistrate und Behörden müssen auf¬
gerüttelt und interessiert werden. Die Vereine und
Bezirke, die am besten abschneiden, haben auch die
Nr.l DEUTSCHLAND 29
größten Kosten und die schwersten Mühen aufgewandt —
ein Blick in den Braunschweiger Pavillon lehrt
das — ein Blick in die farbenbunten Tropfsteinhöhlen,
ein Blick auf die charakteristischen Städtebilder, auf
den Altstadtmarkt in Braunschweig, da massiv und ver¬
gangenheitstolz das Rathaus aus dem Boden wächst
und in den Marktbuden und vor ihnen die Händler
und die Käufer hantieren; ein Blick in die winterliche
Dämmerung, die die Hütten und Häuser Braunlages
umhüllt; ein Blick auf das sommerlich-beglänzte Wolfen¬
büttel, das villenstolze Harzburg usw. iisw. Aussteller:
das herzoglich-braunschweig-lüneburgische Staatsmini¬
sterium, in dessen Etikette auch all jene einzelnen
Ortsvereine einbegriffen sind, die lediglich von dem
Wunsche beseelt waren, die Schönheiten ihrer Gaue
zu einem einzigen Gesamteindruck zu verdichten, ohne
der Schaufrohen? Vor den sonnenumglitzerten oder
dämmerumflossenen Dioramen, vor den Städteüber¬
sichten, den Fels- und Flußpartien, den Bergrücken
und den Talschlünden. Liegt es da nicht nahe, bei¬
zeiten, bevor diese Kostbarkeiten wieder nach allen
Windrichtungen entführt worden sind, daran zu denken,
jene Dioramen in einer Zentralstelle zu vereinigen?
Ein Städte- und Landschaftsmuseum zu errichten, dessen
eisernen Bestand die hier ausgestellten Dioramen bilden?
Die nach und nach aus allen Gauen unseres Vaterlandes
ergänzt und vervollständigt und die später einmal —
das „Wie?" steht augenblicklich noch nicht zur De¬
batte — auf die Reise ins Ausland entsandt werden,
als Wanderausstellung, die dann sicherlich mehr als alle
Prospekte und Plakate für die verschiedenartige Schön¬
heit der deutschen Bezirke wirken und werben dürfte?
„QüO vadis Der Garten des Petronius (Entwoi len und ousgcführt von Georg’ Hacker, DüsseldorO
sich in kleinen Sondererfolgen zu bekriegen und zu
schlagen —: die Spitze ihres Landes zeichnet für sie alle;
gewinnt das Land, so gewinnen sie nachher im ein¬
zelnen noch genug, um ihrer Anstrengungen und
Arbeiten froh zu werden. Was hätten Ost- und West¬
preußen bei einem planmäßigen Zusammenwirken ihrer
Magistrate, Vereine und Behörden nicht alles erreichen
können mit ihren alten Ordensschlössern und Ordens¬
burgen, ihren von der Geschichte und Sage umklun-
genen Städten, ihren stillen Heiden und fruchtbaren
Werdern?
Noch eine andere Anregung nimmt der Besucher,
der aufmerksamen Sinnes wie die braunschweigische,
so die badische, württembergische usw. usw. Abteilung
durchstreift, mit nach Hause. Wo staut sich die Menge
Das sind so ein paar Ueberlegungen, die ein erster
Gang durch die Reiseausstellung erweckt. Nach den
Ueberlegungen noch einige Eindrücke.
* * *
*
Von Braunschweigs aparter Schau war schon
die Rede; sie ist, wenn nicht die eindrucksvollste, so
doch der eindrucksvollsten eine. Zu diesem Ergebnis
tragen neben den malerisch reizvollen Dioramen auch
jene Häusermodelle bei, die der Harzburger Architekt
Klinke entworfen und deren einzelne Räume er mit
niedlichen Puppenmöbeln geschmackvoll belebt hat.
Ein Sommerhaus in niedersächsischem Stil, das leicht
zu zerlegen und wieder zusammenzusetzen ist, kostet
1500 Mk., eine Harzvilla mit allen Finessen einer in¬
timen Wohnungskunst 15000 Mk., wozu dann natürlich
30 DEUTSCHLAND
Nr.l
noch der Preis für den Grund und Boden käme. Aber
nicht nur die Bedürfnisse des Tages hat die braun¬
schweigische Schau berücksichtigt, sie ist auch der
Vergangenheit der Herzogtümer nachgegangen und hat
u. a. einem jener Großen, der die klassische Zeit im
alten Deutschen Reiche mit heraufgeführt hat, Gotthold
Ephraim Lessing, hier eine Stätte eingeräumt, die
Bildnisse und Handschriften des Wolfenbütteier
herzoglichen Bibliothekars in einem bunten
Durcheinander vereinigt.
Wer eine Streife durch das Braunschweiger Land
unternimmt, wird gerne auch der herben Schönheit
S chi e r k e s und der lieblicheren des 11 s e t a 1 s teilhaftig
werden wollen. Aus duftenden Tannen heraus grüßen
den Wandersmann die sonnenumspielten Felsen, die
blumenbelupften Täler — grüßt von steiler Höhe die
Bothoburg hernieder, locken die altertümlichen Bauten
Wernigerodes. Von ViS —V 26 schreien die Hirsche,
verkündet eine Tafel dem staunenden Besucher. Und
wenn sie auch nicht schreien sollten, dieser lapidare
Satz inmitten der duftenden Tannen verstärkt die Echt¬
heit des Lokalkolorits, das Braunschweig auch in den
Erzeugnissen seines Bodens und seiner Bewohner be¬
wußt und — glücklich zum Ausdruck bringt.
♦ *
*
Ein anderer Gau hätte ebenfalls mit einem Großen
aus dem Bereiche der Literatur paradieren können:
Württemberg. Aber es hat kein Diorama von Mar¬
burg a. N., der Geburtsstadt Friedrich von Schillers,
entwerfen lassen, obwohl es da eine seiner charakte¬
ristischsten Städte hätte aufmarschieren lassen können.
Statt dessen erlaubt uns das Schwabenland einen Blick
auf Stuttgart zu tun. Von den Höhen der Gänsheide
herab schaut man in das Gewirr der Gassen und Gäß-
chen, aus denen die wuchtigen Quadern des alten
Schlosses herausragen, über die der schlanke Rathaus¬
turm in die Wolken wächst und in die aus der Ferne
die Hügel und Höhen der Alb hineingrüßen. Wie ein
Märchen, ein Traum mutet jenes Landschaftsbild an,
aus dessen Tälern sich die Felsschroffen emporrecken,
die als Krone und weithin leuchtendes Juwel die schönste,
bekannteste und am meisten besungene Burg Württem¬
bergs tragen: den Lichtenstein. Und die ganze
Dichtung eines Wilhelm Hauff wird wieder lebendig vor
dem Beschauer erstehen, wenn er über das Tal der
Echaz gen Pfullingen und Reutlingen hinüberschaut,
wenn er — an der Hand der vielen, schier allzuvielen
Bilder, die an den Wänden die Wunder Württembergs
deuten — die trutzigen Burgenreste des Hohen-Neuffen
betrachtet, die die einen in die Zeiten Theodorichs des
Großen weisen, wenn seine Liebe all die bautenbunten
Städte umfaßt, die Ulm, Gmünd, Blaubeuren, Urach,
Tübingen („Burschen heraus Rottenburg, Göp¬
pingen, Heilbronn et tutti quantil — die Städte, denen
das Herz der Württemberger gehört und die Sehnsucht
wanderfroher Scholaren gilt.
* *
♦
Die Sehnsucht der wanderfrohen Scholaren wecken,
wie die schwäbischen Aussteller, die übrigens ihr hei¬
misches Gewächs, den Schnaither und Heilbronner Wein,
von niedlich-netten Heben rin edfarbenfrohen Landes¬
tracht kredenzen lassen, auch die Schlesier, die Elsaß-
Lothringer u. a. m. — Die Schlesier, um mit ihnen
zunächst fortzufahren, haben den Zauber ihrer Bergwelt
in einem etwa 20 Meter langen Panorama vor uns aus¬
gebreitet. „Ich wollt', mir wüchsen Flügel!" Ist nicht
irgendwo die Melodie angeklungen worden? Jauchzt
sie nicht aus den Tälern des Riesen- und Isergebirges
heraus? Lockt sie nicht von den Höhen des Kynast
hinunter? Da Schreiberhau und Petersdorf; dort das
Bismarckdenkmal bei Hirschberg; der Greifenstein hier,
und fern, vor den Hängen des Schneebergs, die alte
Feste Glatz. Die entzückten, überraschten, verwirrten
Blicke wissen kaum noch woher und wohin. Eine Ent¬
deckung jagt die andere. Krummhübel da — und ein
Wintertag, frostig und sonnenklar, steigt aus dem Dunkel
der Erinnerung empor. Hei! sauste der Rodelschlitten
zu Tal, spritzte der Schnee und blies der Wind! —
Wurden die Augen weit und die Wangen rot — O du
Schlesierland! Mit deiner heimeligen Schönheit! —
Salzbrunn dort. Wie sein neues Kurhaus im Sonnen¬
glast glänzt! Horch! Wiegende Walzerweisen verhallen
in dem Tag, und mit den Tönen ziehen Sorgen und
Kümmernisse in die Weiten.
Wie die Schönheiten seiner Landschaft stellt
Schlesien auch die Erzeugnisse seines Bodens und
seiner Industrie aus. Da sieht man in einem bunten
Wechsel kunstvolle Holzschnitzereien und aparte
Spitzen, seltene Mineralien und feingeschliffene Glas¬
waren, sieht man Brunnenproben und Albums, durch
die die verschiedenen Bäder, die Flinsberg, Warmbrunn
Kudowa, Salzbrunn, Reinerz usw. für ihre speziellen
Bezirke werben.
♦ *
*
Elsaß-Lothringen wirbt und wirkt in der Haupt¬
sache durch eine Fülle erlesener Malereien. Da ist
„die wunderschöne Stadt" — Straßburg, um die die
Sehnsucht der Deutschen klagte, seit welscher Uebermut
sie einem ohnmächtigen Geschlechte entrissen hatte —
Straßburg und sein Münster, dessen Kapitäle im tiefen
Gold der Abendsonne aufleuchten und aufflammen; da
ist das Wormsatal, das aus der Enge der Gassen in
die zerklüfteten Hänge und steilen Gründe der Vogesen
hineinführt; da dräuen die massigen Quadern der Hoh-
königsburg, und dort entzückt ein sich bis zum Horizonte
verlierender Blick in die Weite der Rheinebene — Die
lothringische Abteilung steht der elsässischen nicht
nach. Das Häuserpotpourri von Metz, aus dem sich
die breite Kathedrale heraushebt, fesselt zunächst den
Blick des Beschauers — hier ist Gegenwart. Zwei, drei
Schritte weiter — imponiert die Vergangenheit, impo¬
niert die geradezu verblüffende Kühnheit und die geniale
Selbstverständlichkeit, mit der die alten Römer zu bauen
wußten : bewundernd hält man vor den Resten der
römischen Wasserleitung bei Jouy-aux-Arches, die ehe¬
mals die Mosel überbrückte. Aber während man noch
dem Rätsel römischer Kolonisationserfolge nachsinnt,
packt einen schon ein anderer Eindruck — Gravelotte!
Jüngste Vergangenheit — Vätertage, Siegeszauber,
Schlachtenopfer, Heldenzeiten — „Fest steht und treu
die Wacht am Rhein!" Diesen bunten Wechsel von
Bildern aller Art der elsässischen und lothringischen
Landschaft ergänzen Prospekte und Städteführer, ergänzen
Sammlungen von Volkstrachten, Straßburger Fayencen
Nr.l DEUTSCHLAND 31
aus dem 17. und 18. Jahrhundert, Abbildungen des
Isenheimer Altars von Matthias Grünewald aus dem
Schongauer Museum, ergänzen Proben Sufflenheimer
Keramik, Nachbildungen von alten Urkunden, Siegel¬
abdrücken usw. usw.
* *
*
Bescheidener tritt Baden auf. Aber, wenn es auch
nicht die Vielzahl charakteristischer Städte- und Land¬
schaftsansichten — Heidelberg und Mannheim, Freiburg
und Karlsruhe usw. — ausgestellt hätte, für seine
fesselnde Eigenart würden allein jene beiden Dioramen
sprechen, die das sonnendurchtränkte Baden-Baden
und den größten unter den deutschen Wasserfällen, den
Triberger, weisen.
♦ *
*
Umfangreicher ist die sächsische Abteilung.
Leipzig zeigt uns seine neue Bahnhofanlage, zeigt uns
das aus den Erinnerungen an eine große Zeit geborene
Völkerschlacht-Denkmal. Meißen ist durch ein Gips¬
modell der Stadt vertreten, aus der imponierend, be¬
herrschend und sammelnd zugleich die stolze Albrechts-
burg herausragt. In die erlesenen Reize der Lausitz
weist ein Blick vom Pferdeberg nach Oybin. Das
Erzgebirge enthüllt uns die Eigenart seiner Bauweise
und die Mannigfaltigkeit seiner Industrien. Damen
namentlich werden gerne und eingehend die Annaberger
Klöppelarbeiten besichtigen. Die Sächsische Schweiz
läßt in einem farbig-bewegten Diorama die landschaft-
ichen Genüsse erraten, die uns ein Elbbummel zwischen
dem Königstein und dem Lilienstein offenbaren wird,
und ein Blick auf Dresden vom Japanischen Palais
aus wiederholt eine der bekanntesten Ansichten dieser
italienisch-deutschen Stadt, ohne die stillen Wünsche zu
befriedigen, die den Wundern allen, die dort gesammelt
sind, an Ort und Stelle nachspüren möchten .. . Stilvolle
Metallarbeiten bezeugen den hohen Stand des Dresdener
Kunstgewerbes; eine kleine, aber schlagerreiche Sammlung
von Vasen und Figuren erinnert uns im Vorbeigehen
an die wechselvolle Geschichte der Meißener Porzellan¬
manufaktur . . . Wohin sich auch immer die Blicke
verlieren, des Wunderns ist kein Ende — des Wunderns
über den Reichtum von Ausstellungsobjekten, die hier
aus aller Herren Länder zusammengetragen sind, und
des Wunderns über die schier unermeßliche Arbeitskraft,
die diesen Reichtum aus bisher verborgenen Schächten
an das Tageslicht gefördert hat.
* *
*
Diesen ersten Rundgang mögen nun noch in Kürze
die Uebersichten der Ausstellungs-Komitees für die
Insel Rügen, die thüringischen Lande und Hamburg
beschließen.
„Ein Sommer auf Rügen, Deutschlands schönster
InseP'. Also lautet die Ueberschrift des Panoramas,
das die Estrade des Hauptsaales der Ausstellungshallen
ziert. Wie aus dem blauen Meere herausgewachsen,
stehen die weißen Kreidefelsen da, in ihrer Mitte der
Königsstuhl, der die schnellen Wolken zu suchen scheint.
Weiches Grün umkleidet die Starre der Schroffen, und
ein sommerliches Duften schlägt dem Beschauer aus
den alten Buchen- und Eichenhainen entgegen. Gegen
die weißen Felsblöcke wirft das Meer seine Wellen,
über die die straffen Segel gleiten. Wer je „zur schönen
Düsseldorfer Stadttheater: „Quo vadis?" Petrus und die Christen
32 DEUTSCHLAND
Nr.l
Sommerszeit'^ auf Rügen Ferienerholung nach hartem
Tagesfron gesucht hat, der wird heimatlich berührt von
der Echtheit dieses künstlerisch-vollendeten Panoramas,
vor dem die einzelnen Bäder ihre spezielle Visitenkarte
abgeben. Linkerhand vervollständigt die Naturtreue
dieser erlesenen Schau eine Mönchguter Fischerhütte
(ausgestellt vom Rügenschen Ostseebäder-Verband)
mit einem Mönchguter Ehepaar. Das Mobiliar: Tisch,
Stühle, die Schlalbank, die Schenk — ist echt, echt wie
die Garnwinde, die Haspel und der Webstuhl. Dieser
Hütte gegenüber lockt ein in Kieferngebüsch gebettetes
Hünengrab (von Sellin) den Wanderer zu andächtiger
Schau. Deutsche Vorzeit wird lebendig, wird lebendig auch,
wenn er vor den Steinwaffen und Steingeräten steht.
In die Gegenwart wieder ruft die Sammlung von Schiffs¬
modellen, von niedlichen Fischerhäusern, die Sammlung
von Volkstrachten, ruft das nach Teer duftende Fisch¬
netz, das vor der Mönchguter Hütte ausgebreitet ist.
Und wenn sich erst die beiden Leutchen in ihr von
der „Bank" erheben und auf diese und jene Frage
bereitwillige Auskunft geben und ihr heimischer Dialekt
anklingt, dann glaubt man allen Ernstes im Sommer auf
Rügen, „auf Deutschlands schönster Insel" zu sein. „Ach
du klarblauer Himmel, und wie schön bist du heut,
möchf ans Herz gleich dich drücken vor Jubel und Freud'."
* *
*
„Man ziehe nach Weimar!" lautet kurz und
kategorisch die Aufforderung auf dem von Professor
Hans W. Schmidt entworfenen Gemälde der Stadt der
Schiller und Goethe. Und wer's so daliegen sieht, in
dem taufrischen Grün seiner Höhen und Hänge, und
wer sich der wundersamen Stille und residenzlichen
Vornehmheit jener klassischen Dichterstätte erinnert,
seiner historischen und literarhistorischen Reminiszenzen,
seiner verschwiegen-lauschigen Parks, seiner reizvollen
Winkel an der Ilm, der möchte sich gleich auf- und
davonmachen, einzig den Klang der Marschparole als
Wegweiser im Herzen: „Man ziehe nach Weimar!"
Thüringens Märchenwelt wird auf dieser Reise¬
ausstellung in all ihrer Wunder- und Wonnepracht ge¬
deutet. Da ist kein Fleckchen, das nicht seine verborgene
Schöne offenbar werden ließe. Saaleauf und Saaleab
locken die Weiler und Winkel. Da lacht Jena, die
lied- und schwertdurchklungene Musenstadt, dem alten
Burschen und dem jungen Fuchsen verheißungsvoll
entgegen. „Es war einmal", resigniert der eine, und:
„Noch ist die blühende, goldene Zeit", jauchzt der
andere zukunftstrunken zu dem „Berg, mit dem rötlich
strahlenden Gipfel", zu dem Fuchsenturm und in die
Bierdörfer, die Jenas Bannmeile umkränzen. Eisenach —
zeuch die Schuhe aus, denn der Boden, den du betrittst
ist heilig Land: die Wartburg dräut aus dem Grün
der Wälder in das Tal, und in das ritterliche Geklirr der
Waffen klingen die einspinnenden Weisen der Minne¬
sänger. Hier das Kyffhäuserdenkmal — da die mächtige
Anlage der Talsperre von Tambach, und dort endlich
die trutzige Feste Coburg. Eine Kette von erlesenen
Perlen ist die Folge der Bilder, die die Ausstellung des
Thüringer Landes aufweist.
* *
*
Hamburg will in dieser Schau weniger durch die
Größe seiner Handelsmacht imponieren, als vielmehr die
freundliche, heitere, gefällige Wohnstadt dokumentieren.
Seine Baudeputation bringt eine Unmenge von Zeich¬
nungen und Plänen und Bildern zur Ausstellung. Da
begegnet uns u. a. das lieblich-idyllische Alsterbild mit
der Lombardsbrücke; da halten wir, ehrfürchtiger An¬
dacht voll, vor dem gewaltigen Denkmal des eisenfesten
Reichsschöpfers und danken Hugo Lederer wieder und
wieder aus ganzem Herzen, daß er uns den Bismarck,
wie ihn die Geschichte bewahrt, für alle Zeilen auch
im Stein festgehalten hat; da wandern wir durch Hagen-
becks vorsintflutliche Tierschau bei Stellingen. Weiß
Gott! wenn irgendwo, so möchte man sich auf dieser
„Internationalen Ausstellung für Reise- und Fremden¬
verkehr" an den Augenblick klammern und ihn mit dem
Worte des „Faust" an sich fesseln: „Verweile doch, du
bist so schön!" (Fortsetzung folgt.)
87. Niederrheinisches Musikfest.
Von K. Anton Stehle, Köln.
Was brauchen wir noch Musikfeste! Man ist dem
auf eine gewisse Uebersättigung in der öffentlichen
Musikpflege zurückzuführenden Ausruf in den letzten
Jahren oft begegnet. Soll man ihn ernst nehmen oder
seine Grundlosigkeit durch die Geschichte der Musik¬
feste und gewisse Begleiterscheinungen, die bis zum
heutigen Tage mit unverminderter Ueberzeugungskraft
fortwirken, erweisen? Musikfeste sind Volksfeste —
heute wie ehedem, wenn auch die Richtungslinie zu
ihrem Ziele sich im Wandel der Zeiten etwas ver¬
schoben hat.
Für die Kunst ist die Stellung, die das Volk zu ihr
einnimmt, nicht gleichgültig. Mögen ihre Formen und
Gestaltungen wechseln, mag eine mehr idealistische
oder realistische Richtung vorherrschen, wenn echte
Art ihr eigen ist, so wird sie uns stets aus der Last
des Alltags und der Not des Lebens in jene Höhen
führen, wo die Freiheit des Geistes herrscht. Wie
Beethoven sagt: „Wer meine Musik versteht, der muß
frei werden von all dem Elend, das die anderen
schleppen". Von dem Gedanken dieser sozial-künst¬
lerischen Mission der Musik waren auch die Männer
erfüllt, die am Ende des zweiten Jahrzehntes des vorigen
Jahrhunderts die Niederrheinischen Musikfeste
begründet haben.
Das Aufkommen der Musikfeste in Deutschland
darf unzweifelhaft als eine Nachwirkung des nationalen
Aufschwunges der Freiheitskriege betrachtet werden.
Unter dem Drucke der politischen Verhältnisse zu An¬
fang des vorigen Jahrhunderts suchte der einzelne im
Anschluß an Gleichgesinnte eine Stütze gegen äußert
Haltlosigkeit. Vereine und Bünde entstanden, besonders
führte die bindende Macht der Kunst Gesinnungsr
genossen zusammen. Das zu berechtigtem Selbstgefühle
gelangte Bürgertum vollendete das Werk des Zusammen^
Schlusses und suchte seine neu errungene soziale Stellung
Nr.I DEUTSCHLAND
33
auch auf dem Gebiete der Kunst geltend zu machen.
Im Jahre 1810 fand das erste deutsche Musikfest zu
Frankenhausen i. Thür, auf
Veranlassung des dortigen
Kantors Bischoff statt. Es
folgten die Elb-Musikfeste
und diejenigen der Hansa¬
städte Lübeck (1817), Ham¬
burg (1818) und Bremen
(1819). Ueberall regte sich
die deutsche Sangeslust, sie
führte auch zur Gründung
gemischter Chor-Vereine,
die nirgends zu solcher
Blüte gelangten, wie in den
sangesfrohen Gauen des
Rheines. — Die Nieder¬
rheinischen Musikfeste,
deren erstes in das Jahr
1818 fällt, überragten bald
alle andern an Bedeutung
und sind bis auf den
heutigen Tag eine stehende
Einrichtung geblieben. In
mögj’lichst vollendeten Auf¬
führungen förderten sie
ungehobene musikalische
Schätze der klassischen
Periode zutage und waren
zu gleicher Zeit ein treues
Spiegelbild des zeitgenössi¬
schen Kunstschaffens auf
musikalischem Gebiete. Die
klangvollsten Komponisten-
und Dirigentennamen sind
in die Chronik der Nieder-
Buths, Steinbach und Schwickerath. Aachen, Düssel¬
dorf und Köln sind die in jährlichem Turnus wechseln¬
den Städte der Nieder¬
rheinischen Musikfeste.
Das diesjährige Musik¬
fest — es ist das 87. in
der Gesamtreihe der Nieder¬
rheinischen — findet zu
Pfingsten an drei aufein¬
ander folgenden Tagen in
Düsseldorf unter Leitung
des städt. Musik-Direktors
Professor Karl Panzner,
der zum ersten Male als
Festdirigent eines „Nieder¬
rheinischen" erscheint, statt.
Sein Name bürgt für eine
glänzende Durchführung des
Programms. Als nach dem
Ausscheiden des um den
Städtischen Musikverein und
die Leitung so manchen
Niederrheinischen Musik¬
festes hochverdienten Prof.
Julius Buths aus dem Amte
des städt. Musik-Direktors
vor 3 Jahren die Wahl eines
Nachfolgers auf Panzner fiel,
durfte sich die Stadt Düssel¬
dorf beglückwünschen. Ein
Dirigent von Ruf, gefeiert
und gesucht in allen musika¬
lischen Hauptstädten, war
ihr als reife Frucht zuge¬
fallen. Seine Kapellmeister¬
sporen hat sich Panzner an
Professor Karl Panzner, Düsseldorf
rheinischen Musikfeste eingeschrieben: Mendelssohn, den Theatern von Sondershausen, Elberfeld, Bremen
Rob. Schumann, Ferdinand Ries, Konradin Kreutzer, und Leipzig geholt. Von Leipzig, wo er von 1893 bis
Heinrich Dorn, L. Spontini, Ferd. Hiller, Brahms, Wüllner, 1899 als erster Kapellmeister wirkte, ging er als Nach¬
folger Georg Schumanns an die
Philharmonie nach Bremen und
war gleichzeitig Leiter des Ber-
linerMozartorchesters, als solcher
eine der ersten Dirigentenkapa¬
zitäten der Reichshauptstadt und
besonders geschätzt als Interpret
moderner, vor allem slawischer
Musik. Seine Erfolge als Chor-
Dirigent bezeugen die ruhm¬
reichen Gastreisen, die er mit
dem Bremer Lehrer Gesangverein
als dessen Leiter unternahm.
Als Orchesterleiter und als
Chordirigent wird das Musikfest¬
publikum Professor Panzner in
der Ausführung eines Programmes
kennen lernen, das einen ge¬
wählten und zugleich neuen Ge¬
schmack schon darin bekundet,
daßHändelsMessiases eröffnet,
Beethovens Neunte Sinfonie
es beschließt. Mit dem seit-
Frl. Gertrud Förstel
Frl. Marie Philippi
34 DEUTSCHLAND Nr. I
die Messias-
Aufführung und die Soli der ''^Neunten" steht ein
erlesenes Solistenquartettjzur Verfügung. Fräulein
Gertrud Forstel, ein neuerdings auch in den
deutschen Konzertsälen sehr bekannt gewordener Name,
zählt zu den schönsten Stimmen der Wiener Hofoper;
ihre gepflegte Gesangskunst, ebenso bestechend in
der Koloratur wie beseelt in der Kantilene, macht
sie zu einer bevorzugten Mozartsängerin. Fräulein
Marie Philippi aus Basel gehört mit ihrer wunder¬
vollen Altstimme, die wie] Orgelton anschlägt und im
Vortrage kostbarste Gaben eines angeborenen Musik¬
Zwei Instru¬
mental-Solisten vervollständigendes Solistenensemble des
Musikfestes: Frederik Lamond (Berlin) und Eugen
Ysaye (Brüssel); ersterer der Beethoven - Spieler von
gefestigtem Rufe, dessen Größe im Erfassen von Beet¬
hovens titanischer Kraft liegt, letzterer der Geiger, der
mit seinem Temperament, der Eleganz seines Spieles
und einer virtuosen Ueberlegenheit seiner freien und
kühnen Auffassung sich unbeengten Spielraum schafft.
Wohlvorbereitet empfängt Düsseldorf seine Gäste
zum Pfingst-Musikfeste — möge der alte Musikfestgeist
sein Geleitstern zum Erfolge sein!
herigen sog. Künstlerprogramm des dritten Musikfesttages,
das mehr den Künstlern als der Kunst diente, ist so wohl
endgültig gebrochen. Dazwischen ist Bestes vom bewährten
Alten, Klassisches, Romantisches und auch Modernstes
aufgespart, sogar das Neueste vom Neuen: Max Regers
vielbewunderter und vielgescholtener 100. Psalm für Chor
und Orchester. Bach (Brandenburger Konzert Nr. 3),
Mozart (Violinkonzert), Brahms (Rhapsodie für Alt¬
solo und Männerchor, sowie Zigeunerlieder), Schubert
(Wanderer-
Fantasie) und
Schumann
(C-dur-Fanta-
sie für Klavier)
sind Namen,
aus denen
jedes Musik¬
fest Glanz und
Nutzen zieht,
und was nun
Rieh. Strauß
anlangt, so ist
das Helden-
Leben unter
seinen sinfoni¬
schen Dichtun¬
gen wohl die¬
jenige, welche
am wenigsten
einen Streit
derMeinungen
und Gefühle
zuläßt. — Für
empfindens ausstreut, heute zu den begehrtesten
Lieblingen des Konzertpodiums. Ihr ist noch besonders
die Führung in der Brahmsschen Rhapsodie anvertraut.
Die Bekanntschaft mit Herrn Kammersänger Felix Senius
aus Berlin erneuert man immer wieder gern. Unter den
Tenoristen der bevorzugte Oratoriensänger, ist er für
Bachs Passionen der Spezialist, für das heikle Quartett
in Beethovens Neunter Sinfonie der sicherste Führer.
In Herrn Paul Bender besitzt die Münchener Hof-
Oper zur Zeit
die meistbe-
schäftigte und
vielseiligstver-
wendbareKraft
welche sich
auch nach
außen Geltung
zu verschaffen
verstanden
hat. Bei seinen
Gast - Spielen,
welche ihn in
den deutschen
Kunst-Städten
rasch bekannt
und beliebt ge¬
macht haben,
ist Herr Bender
auf der Bühne
stets ebenso
willkommen
wie im Kon¬
zert-Saale. —
Solisten des Niederrheinischen Musikfestes in Düsseldori
1) Lamond 2) Senius 3) Bender 4) Ysaye
Die Königlich Sächsische Staatseisenbahn-Verwaltung auf der Berliner
Internationalen Ausstellung für Reise- und Fremdenverkehr.
Auf der Berliner Verkehrs-Ausstellung, die am
1. April d. j. eröffnet wurde, ist das Königreich Sachsen
mit einer einheitlichen Landesausstellung beteiligt, die
einen besonderen Anziehungspunkt der Gesamtausstellung
bildet. Neben den sehenswerten und vielseitigen Vor¬
führungen der großen und kleinen Städte, der Fremden¬
verkehrs- und Gebirgs-Vereine, des Königl. Bades Elster
und der Königl. Porzellanmanufaktur Meißen zieht auch die
Ausstellung der Königlich Sächsischen Staatseisenbahn-
Verwaltung durch die Größe und Besonderheit des ge¬
zeigten Gegenstandes die Blicke auf sich. Der von der
genannten Verwaltung ausgestellte Wintersportwagen
mit seinen praktischen und modernen Einrichtungen und
seinem reizvollen Bilderschmuck ist jedenfalls besonders
geeignet, auf die günstigen Wintersportverhältnisse und
den lebhaften Sportbetrieb in Sachsen aufmerksam zu
machen. Seitdem den Wintersporttreibenden entgegen¬
kommenderweise gestattet worden ist, Schneeschuhe
und Rodelschlitten in die Personenwagen mitzunehmen,
hat sich das Bedürfnis gezeigt, an den Wagen der Schmal¬
spurbahnen, die zu den hauptsächlichsten sächsischen
Wintersportplätzen führen, besondere Vorrichtungen zur
Unterbringung der Sportgeräte anzubringen, da die Schmal¬
spurwagen naturgemäß einen weit geringeren Innenraum
aufweisen als die Wagen der Vollspurbahnen. Diese
Einrichtungen, die vor einigen Wintern zuerst auf der
Nr.l
löi DEUTSCHLAND 35
Wintersport wagen der Kgl. Sächs. Staatseisenbahnen lür die Zufahrtlinien zu den sächsischen Winter¬
sportplätzen (an den Längsseiten des Wagens befinden sich Behälter zur Unterbringung der Sportgeräte)
Linie Mügeln — Geising — Altenberg versuchsweise ein¬
geführt worden sind, haben sich bewährt und sind neuer¬
dings auch auf andere sächsische Linien übertragen worden.
Der in Berlin ausgestellte Schmalspurwagen neuester
Bauart ist von der Waggon- und Maschinenfabrik A.-G.
vorm. Busch in Bautzen hergestellt. Er hat 41 Sitz- und
6 Stehplätze, wiegt ungefähr 10 Tonnen und hat etwa
12000 Mk. gekostet. Er ist mit zahlreichen Sportgeräten
ausgestattet, um deren Unterbringung zu veranschaulichen.
Besonderen Beifall findet aber sein künstlerischer Innen¬
schmuck, da seine Wände 18 große landschaftliche und
figürliche Wintersportbilder in Kohledruck unter Glas
und Rahmen tragen. Aus den Anschriften unter den
Bildern ersieht der Beschauer, an welchem Orte des
Erzgebirges, des Lausitzer Gebirges, der Sächsischen
Schweiz oder des Vogtlandes er die dargestellten Winter¬
freuden genießen kann, während eine in unmittelbarer
Nähe des Wagens aufgehängte Landkarte die haupt¬
sächlichsten sächsischen Wintersportplätze und die dahin
führenden Eisenbahnlinien zeigt. Außerdem führt die
Sächsische Staatseisenbahn-Verwaltung an den Wänden
ihres Ausstellungsraumes noch eine größere Anzahl be¬
merkenswerter Brückenbauten und neuerer geschmack¬
voller Stationsgebäude bildlich vor.
Wintersportwagen, Innenansicht (II. Klasse)
Wintersportwagen, Innenansicht (III. Klasse)
36
Die Vorliebe des Deutschen für alles Ausländische.
-o— --
Der Berliner Vertreter der „Kölnischen Zeitung“ macht in
einer Plauderei über den Hosenrock sehr bemerkenswerte Aus¬
führungen, indem er schreibt:
„Ein Zeichen für den unausrottbaren Snobismus sehr weiter
Kreise ist es schon, dass eine schneiderlicbe Laune so gewaltiges
Aufsehen erwecken konnte, dass auf den paar Probiermamsells,
neudeutsch: Mannequins, die über den Rasen von Auteuil den
Hosenrock spazieren trugen, gewissermassen die Augen der
ganzen zivilisierten Welt ruhten. Warum sollen die deutschen
Frauen ihre Beine in ein Futteral stecken, das so recht niemand
gefällt, nur weil einzelne Modespekulanten in Paris es als
neueste Errungenschaft anzupreisen geruhen ? — besonders,
wo das Gewand für die gewandter und koketter schreitende
Französin vorteilhafter ist als für die Durchschnittsdeutsche?
Es wird leider noch viel Wasser die Spree hinunterlaufen, ehe
unsere Damenwelt die französischen Mode-Ukase mit kühler
Kritik zu betrachten vermag. Der Name des Kleiderkünstlers
Poiret, der sich durch sehr geschickte, unermüdliche Reklame
im Ausland einen grösseren Ruhm erworben hat, als das vor¬
nehme Paris ihm zubilligt, wird von deutschen Mondänen und
Demimondänen nur mit entzücktem Augenaufschlag aus¬
gesprochen; für manche minder begüterte Frau ist irdische
Glückseligkeit und ein Poiret-Kleid ungefähr dasselbe. Die
wichtigsten Merkmale des Poiret-Kleides aber, die hohe
empireartige Taille, der die Einbuchtung über den Hüften
nicht betonende Linienfluss sind einem guten, alten Bekannten
abgelauscht, der seinerzeit viel Spott hat erdulden müssen, dem
deutschen Reformkleid. Das ^^Reformkleid war oft sehr
plump und hässlich, manchmal hatte man den Eindruck, als
suchten die Trägerinnen durch Nachahmung formloser Säcke
starken Geist zu beweisen. Jetzt kehrt das Kleid bewundert
und angestaunt in seine Heimat zurück, wie ein ehemals schwer¬
fälliges, von lintenklecksendem Doktrinarismus angekränkeltes
junges Mädchen, das in einem Pariser Pensionat elegante
Lebensart und graziöse Heiterkeit gelernt hat. Warum haben
nicht deutsche Schneider das Reformkleid zurHöhe
der feinsten Salons führen können, warum müssen
die oft recht originellen, künstlerisch gedachten deutschen
„Eigenkleider“ — so lautet die etwas preziöse Bezeichnung —
noch immer weit hinter den französischen Erzeugnissen zurück¬
stehen? Zunächst spricht da die Begabung des Franzosen mit,
von auswärts geborgte Gedanken in einer sehr geschmack¬
vollen Form auszudrücken, so dass sie wie neu erscheinen
Zweitens kommt, sehr zum Nachteil der deutschen Industrie
der Geldpunkt in Betracht. Eine Dame von Welt, die ein
Poiret-Kleid kaufen will, ist darauf vorbereitet und willens»
einen tiefen Griff ins Portemonnaie zu tun. Ueberwindet sie
aber ihr Misstrauen gegen einheimische Schneiderinnen und
bestellt bei ihnen ein Kleid, so ist sie gewöhnlich aufs Sparen
bedacht, hält ihren Auftrag für eine Gnade, die durch grösst-
mögliche Billigkeit erkauft werden muss. Als Stoffe und
Zutaten werden nicht, wie für französische Toiletten, die besten
und gediegensten gewählt, und wenn dann die Schneiderin aus
dem minderwertigen Material alles gemacht hat, was sich
daraus machen lässt, so heisst es: „Na, das Kleid ist ja ganz
niedlich, der Einfall sogar bemerkenswert glücklich, aber sonst
kann es doch gegen die Eleganz der Pariser Toiletten nicht
-C-
aufkommen 1“ Es wäre sehr zu wünschen, dass von dem
Gold Strom, der in französische Taschen fliesst, ein Teil in
deutsche Taschen abgelenkt würde, dass unsere Frauen
durch zahlreichere Bestellungen namentlich auch kostbarer
Kleider die deutsche Industrie nachdrücklicher unter¬
stützen, annoch schüchterne Keime zur vollen Blüte entwickeln.
Aber je vernünftiger ein Wunsch ist, um so weniger hat er
Aussicht, die Zustimmung der wandelbaren und doch in vielen
Dingen so eigensinnigen Göttin Mode zu finden.“
Was hier über die Bevorzugung des Auslandes in
Modesachen ausgeführt ist, Hesse sich buchstäblich auch auf
andere Gebiete übertragen, nicht zuletzt hinsichtlich der Aus¬
wahl der Erholungs- und Vergnügungsreisen, die so manchen
Deutschen ins Ausland führen, der sein eigenes Vaterland nicht
kennt. Es wäre töricht, wenn unsere Bestrebungen den Reise-
und Wandertrieb des Deutschen innerhalb derschwarz-weiss-roten
Grenzen bannen wollten. Im Gegenteil, wer über die nötige
Zeit und das erforderliche Geld verfüg^ soll sich die schöne
weite Welt recht gründlich ansehen. Leider reist aber so
mancher ins Ausland, nur weil ihm die Mode es vor¬
schreibt, weil er für die Schönheiten des Auslandes
empfänglicher ist als für dasGuteundSchöneim
eigenen Vaterlande, vielleicht auch, weil er glaubt, im
Ausland mehr für sein Geld zu erhalten als in der Heimat.
So wandern leider Millionen deutschen Geldes
ohne zwingenden Grund ins Ausland; denn dass die
deutschen Lande eine schier unermessliche Fülle von Natur¬
schönheiten bergen, sowohl in ihren romantischen Gebieten,
als auch in den abseits gelegenen trauten Orten, dass z. B,
der deutsche Wald die herrlichsten Motive aufweist, wie
sie schöner im Ausland nicht zu finden sind, zeigt ein Blick
auf die Illustrationen der Zeitschrift „Deutschland“. Dass
unsere zahlreichen deutschen Kur- und Badeorte in ihren
balneologischen und hygienischen Einrichtungen mit der Zeit
fortgeschritten sind und selbst im Auslande einen guten Ruf
geniessen, dass endlich auch das deutsche Hotelgewerbe,
namentlich in den Grossstädten, auf beachtenswerter Höhe steht,
dürfte nicht bestritten werden können. Allerdings darf nicht
verschwiegen werden, dass vielleicht in manchen Gebieten die
Gasthöfe mittleren Charakters in ihren Preisen gleichen Schritt
halten wollen mit denjenigen ersten Ranges, nicht aber mit
den Leistungen dieser Hotels. Dieser Umstand mag dazu bei¬
getragen haben, dass in Verbindung mit der leidigen Auslands¬
sucht der Deutschen der Fremdenverkehr sich einzelnen, an sich
landschaftlich schönen Gebieten abgewendet und dem Ausland
mehr zugewendet hat. Hier dürfte den Verkehrs-Vereinen und
Berufsorganisationen des Hotelgewerbes eine dankbare Aufgabe
zufallen, nicht allein durch erhöhte Propag-anda, sondern be¬
sonders auch durch Beseitigung etwaiger Missstände
und Herstellung des richtigen Verhältnisses
zwischen den Hotelpreisen und den Leistungen
den Fremdenverkehr wieder heranzuziehen. Gute Hotelverhält¬
nisse, angemessene aber nicht zu hohe Pensionspreise können
den Fremdenverkehr wesentlich beeinflussen und dadurch nicht
nur einen grossen Teil des Nationalvermögens fcsthalten, sondern
durch Heranziehung fremden Geldes aus dem Auslande
eine überaus wichtige volkswirtschaftliche Frage lösen.
ANZEIGEN
der Slädle-, Kur- u, Bäderverwallungen, der
Verkehrspropaganda u. Holelinduslrie sind
in der Zeilschrilt „Deutschland“ von besiem
ERFOLG
WIRTSCHAFTLICHER TEIL
Bund Deutscher Verkehrs-Vereine.
Qeschäftsstelle: Leipzig, Naschmarkt, Handelshof.
Der Mitgliederbestand des Bundes hat wiederum einen
Zuwachs zu verzeichnen. Es wurden aufgenommen:
‘„Schlesischer Verkehrs-Verband, £. V.“, Geschäftsstelle in
Breslau, Gartenstrasse 91.
„Verkehrsamt der Städt.Kurverwaltung“, Wernigerode (Harz).
„Verkehrs-Verein Obernigk b. Breslau“.
W. Girardet, Bucbdruckerei und Verlag, Essen (Ruhr).
Herr Franz Kühn, Direktor für Deutschland der Europ.
Reisegepäck-Versichenings-Gesellschaft, Berlin“.
Herr Robert Hoffmann, Zehlendorf b. Berlin.
Tätigkeit des geschäftsführenden Ausschusses.
Als wichtigstes Ereignis seit der letzten Berichterstattung
ist die Eröffnung der Internationalen Ausstellung für
Reise- und Fremdenverkehr in Berlin zu bezeichnen.
Die Geschäftsführung des Bundes war durch mehrere Mitglieder
bei der Eröffnungsfeier und bei dem Festmahl, das die Aus¬
stellungsleitung gab, vertreten. Auch von einigen ausstellenden
Bundesmitgliedem waren Vertreter anwesend.
Bei der Eröffnungsrede wurde seitens der Ausstellungs¬
leitung auf die Ausstellung des Bundes, der Verkehrsverbände
und der Bundesstaaten besonders hingewiesen und der Dank
für die rege Beteiligung ausgesprochen. Als der Vertreter des
Kgl. Preussischen Herrn Ministers der öffentlichen Arbeiten
sprach Herr Wirklicher Geheimer Oberregierungsrat Dr. von
der Leyen, vertragender Rat im Ministerium.
Während des Diners dankte der erste Vorsitzende des Bundes,
Herr Fabrikbesitzer Friedr. Gontard, namens der Aussteller,
indem er folgendes ausführte:
„Im Namen sämtlicher Aussteller glaube ich zu sprechen, wenn
ich für die freundliche BegrUssung herzlichst danke und der
Ausstellung, mit welcher deren Leitung bisher schon einen so
schönen Erfolg erzielt hat, ein weiteres Gelingen wünsche.
Ich unterziehe mich dieser Aufgabe um so lieber, als der Zweck
dieser Ausstellung und der des von mir vertretenen Bundes
in vieler Hinsicht der gleiche ist. Auch der Bund Deutscher
Verkehrs-Vereine, der mehrere Tausend Einzelmitglieder reprä¬
sentiert und der dank der Unterstützung hoher Regierungen
nicht nur in eigener Abteilung, sondern auch in verschiedenen
Landes- und Städteausstellungen hier vertreten ist, wünscht
den Verkehr zu vervollkommnen und Fremde gastlich nach
Deutschland zu ziehen. Waren seine Ziele früher mehr
materielle, so treten jetzt die idealen Gesichtspunkte mehr und
mehr in den Vordergrund. Denn auch auf dem Gebiete des
Fremdenverkehrs gilt der Wahlspruch: „suum cuique“. Ob
unbemittelt, ob reich, es gilt jedem den Anteil am Verkehr
und am Reisen zu erhalten und zu vermitteln, der für ihn
geeignet ist und der ihm nützen und erfreuen kann. Hieraus
ergibt sich für die Gesamtheit die Notwendigkeit einer Anleitung
zur Selbsterziehung des einzelnen, wie das auch diese Aus¬
stellung anstrebt. Neben einem Ansammeln von Kenntnissen
ist die Bildung, die es in erster Linie zu vermitteln gilt, die
Erlernung der Behauptung der eigenen Freiheit und der
Schonung der Freiheit der anderen, um mit dem Dichter zu
reden. Denn kaum herrscht auf einem anderen Gebiete ein
derartiger Widerstreit der Interessen, wie gerade auf dem
des Verkehrs. Und „frei will ich sein“ ist der erste Gedanke,
ebenso des Familienvaters, der „den Jungen im Arm und die
Hand am — Geldbeutel leider“ — in die Ferien zieht, wie der
jedes anderen Reisenden. In einem Briefe an Körner sagt
Schiller bei der Besprechung der Schönheit des Umganges:
„Das erste Gesetz ist: Schone fremde Freiheit, das zweite:
Zeige selbst Freiheit“. Diese Gesetze sollten auch im heutigen
gesteigerten Verkehr als die ersten gelten, und auf die Dauer
entsprechen sie auch dem Vor.>*>'aff des einzelnen. Der Wirt,
der das Empfinden seiner Gäste sowohl in bezug auf Behag¬
lichkeit wie auf Preise nicht zu schonen versteht, wird sich
auf die Dauer ebenso schädigen, wie der, welcher seine eigene
Freiheit nicht gegenüber vorlauten Gästen behaupten kann,
die andere gebildete Gäste verdrängen. Und wenn Schiller
zur Illustration des erwähnten Ausspruches das Bild eines
Tanzes anwendet, in dem die Tänzer ein harmonisches Ganze
bilden, ohne sich zu stossen, so könnte man auch am heutigen
Verkehr das Bild eines Tanzes gebrauchen, der nur dann
erfrischend wirkt, wenn jeder Rücksicht zeigt. Wie widerwärtig
ist das Bild, wenn auf den Bahnhöfen der Kampf ums Dasein
Ende April erscheint
Pie Sonder-ßummer der ^ "^eitschriß „peufschland“
in englischer Sprache zur
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Doppel'-N'ummer in einem Umfange von 172 Seiten.
Die zahlreichen künstlerischen Illustrationen (darunter Porträts hervorragender Persön-
lichkeiten, Städte- und Landschaftshilder, Reproduktionen von Kunstwerken etc.) machen
die Nummer auch für denjenigen interessant, der die englische Sprache nicht beherrscht.
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Bund Deutscher Verkehrs-Vereine.
Durch den Tod zweier der treuesten Stützen des Bundes¬
vorstandes sind wir in tiefe Trauer versetzt worden.
Am 19 . März starb unerwartet am Herzschlag Herr
Hofbuchhändler
Adolph Kiepert m Hannover
— seit Gründung des Bundes unser hochverdientes Vorstands¬
mitglied — kurz naclidein er noch einen Brief au die Bundes¬
leitung geschrieben hatte.
Bald dauach, am 31 . März, entriss uns der Tod uiisern
getreuen Schatzmeister Herrn
Buchdruckereibesitzer
Gurt Mühlberg in Leipzig
der ebenfalls sein Amt seit Beginn treu und gewissenhaft
verwaltet hat.
Beiden um den Bund hochverdienten Herren werden
wir ein treues Andenken bewahren und rufen Ihnen ein
herzliches „Habet Dank I“ zu
Leipzig, den 4 . April 1911 .
Der geschäftsführende Ausschuss
des Bundes Deutscher Verkehrs-Vereine
i. A.: Otto Wi n k 1 e r, Ehren -Vorsitzender.
und bei der Hotelzimmerbestellung das Gesetz von Angebot
und Nachfrage in seinen äussersten Konsequenzen ausschlag¬
gebend wird. Wie trostlos ist es, wenn der Erholungsuchende
sich fortwährend unter Aufsicht sehen muss und wenn er auf
Schritt und Tritt Verb||^n begegnet. Möge unsere schöne
Ausstellung dazu beitragen, unser Volk auf dem Gebiete des
Verkehrs zu wirklicher Freiheit zu erziehen, einerlei ob es sich
um Nehmende oder Gebende handelt. Möchten alle Aussteller
und Besucher an der Ausstellung rechte Freude haben.*'
Die in Berlin anwesenden Mitglieder des Bundes sprachen
sich sehr befriedigend Uber die Ausstellung des Bundes, der
Verkehrs-Verbände und der Bundesstaaten aus. Die Ausstellung
des Bundes erweist sich als günstig gelegen. An der von uns
errichteten Auskunftsstelle zieht die Hauptmasse der Ausstellungs¬
besucher vorüber. Gleich am Eröffnungstage wurde die Aus¬
kunftstelle lebhaft in Anspruch genommen.
Der geschäftstührende Ausschuss veranstaltete unter den
Bundesmitgliedern derjenigen Orte, von welchen aus im ver¬
gangenen Jahre FeriensonderzUge abgefertigt wurden,
eine Rundfrage über die Stärke der Frequenz dieser Züge, um
eine geeignete Grundlage für den weiteren Ausbau derselben
zu schaffen.
Die Auskunftstellen im Auslande wurden um
einen Bericht über ihre Tätigkeit ersucht. Es wurden hierbei
folgende Fragen von uns unterbreitet:
1. Halten Sie das Ihnen von uns übersandte Drucksachen¬
material im allgemeinen für dortige Propagandazwecke für geeignet?
2. Werden dort sowohl deutsche wie englische und fran¬
zösische Prospekte verlangt und verteilt, oder nur die einen
oder die anderen?
3. Ueber welche deutschen Gegenden wurde besonders
Auskunft verlangt?
4. Schätzt das Publikum mehr die grösseren, ausführlicheren
Werke, oder die kurzgefassten Prospekte?
5. Werden Schriften verlangt, welche ganz Deutschland
im allgemeinen behandeln?
6. Wie oft würden Sie nach den bisherigen Erfahrun ren,
eine Drucksachensendung von 5 Kilogramm benötigen ?
7. Würden Sie geneigt sein, Plakate der deutschen Verkehrs-
Vereine in Ihrer Geschäftsstelle auszuhängen?
8. Liegen bei Ihnen Aeusserungen des Publikums Uber den
Bund Deutscher Verkehrs-Vereine oder Uber deutsche Verkehrs-
verhältnisse vor?
Die bisher eingelaufenen Berichte lauten zum giÖs.sten
Teile recht günstig. Nach Eingang aller Antworten der
Auskunftstellen wird das Material verarbeitet und den Bundes¬
mitgliedern von uns zur Kenntnis gegeben.
Unsere Anregung beim Deutschen Städtetag, die Einführung
eines einheitlichen Formulars für die Fremden-An- und Ab¬
meldung bei den Stadtverwaltungen zum Zwecke der Erreichung
einer deutschen Fremdenverkehrsstatistik zu
worten, wurde leider ablehnend beschieden. Der geschhfts-
fUhrende Ausschuss beschloss, die Angelegenheit damit jedoch
nicht ruhen zu lassen und hat unterdessen zunächst beim Inter¬
nationalen Hotelbesitzerverein wegen dessen Stellungnahme zu
dem von uns in Aussicht genommenen Formular angefragt.
Der Deutsche Gastwirts-Verband beabsichtigt fUr
die Hoteldiener, Dienstleute und Gepäckträger auf den Bahn¬
höfen geeignete, auch für das reisende Publikum angenehme und
praktische Räume, bei den zuständigen Eisenbahnverwaltungen
anzuregen. Er erbat hierzu die Mithilfe des Bundes. Da die
Dienstleistungen der bezeichneten Hotelbediensteten der Er¬
leichterung des Fremdenverkehrs und der Bequemlichkeit des
reisenden Publikums dienen, bat der geschäftsfOhrende Aus¬
schuss die Bundesmitglieder, sich über die Verhältnisse auf ihren
Bahnhöfen zu unterrichten und dem deutschen Gastwirtsverband
etwaige Uebelstände in dieser Beziehung mitzuteilen.
Die „Deutsche Motorfahrer-Vereinigung“ in München ver¬
anstaltete eine Protestversammlung gegen die Erhebung der
Pflasterzölle in einer Reihe bayerischer Gemeinden. Der Bund,
welcher überdies eine Eingabe an das bayerische Ministerium
des Innern eingereicht hat, im Sinne der Aufhebung bezeichneter
Zölle, war bei dieser Versammlung offiziell vertreten. Die Ver¬
sammlung hatte zum Ergebnis, dass zunächst eine Denkschrift
ausgearbeitet werden soll, welche den Königl. Bayer. Staats-
mipistern und den an der Frage interessierten Gemeinden unter¬
breitet werden wird.
Unsere Eingabe an den preussischen Herrn Kultusminister
wegen des früheren Beginns der Berliner Sommer¬
ferien im Interesse einer glatten Abwickelung des Verkehrs
wurde abschlägig beschieden. Die Angelegenheit wird jedoch
weiter verfolgt werden.
Der Antrag bei dem preussischen Herrn Minister der
öffentlichen Arbeiten, betr. Einrichtung von Sonder¬
zügen von den Grenzen nach dem Innern des
Reiches, wurde abgelehnt, da die Einrichtung solcher Züge
wegen unzureichenden Zuspruches unwirtschaftlich sein würde.
Der geschäftsführende Ausschuss beabsichtig^ darauf hinzu¬
weisen, dass die Reisebureaus zur Füllung bezeichneter Züge mit
ausländischem Publikum heranzuziehen seien. (Vergl. den
Artikel in Nr. 15 der „Deutschland“, S. 37.)
Dagegen wurde uns zugesagt, unserem Wunsche ent¬
sprechend, eine Gesamtübersicht über die alljährlich in
Deutschland verkehrenden Feriensonderzüge herauszugeben und
uns einige Abdriicke zuzustellen.
Wegen unseres Wunsches nach früherer Bekannt¬
gabe der Abfahrtstermine der Sonderzüge wurde uns
mitgeteilt, dass die Beförderungstage und -Zeiten derselben erst
vereinbart werden können, wenn der zum i. Mai einzuführende
Sommerfahrplan festliegt. Aus diesem Grunde seien die Sonder¬
züge nach Siiddeutschland bisher erst Anfang Mai festgesetzt
und spätestens am 20. Mai veröffentlicht worden.
Die preussische Eisenbahnverwaltung beabsichtigt, sich auf
unserer Anregung hin mit den beteiligten Verwaltungen in Ver¬
bindung zu setzen, um eine etwas frühere Festsetzung
und Bekanntgabe der Sonderzüge zu erreichen.
Der von uns vorgetrageno Wunsch, einen späteren
Schluss des Fahrkartenverkaufs für die Feriensonder¬
züge in Berlin herbeizufiihren, wurde dahin beantwortet, dass
im Einvernehmen mit den beteiligten Verwaltungen die Möglich¬
keit der Durchführung dieser Anregung geprüft werden soll.
Wir laden hiermit die verehrlichen Bundesmitglieder zu der
am 7., 8. und 9. Juni dieses Jahres in WormS stattündenden
Jahres-Hauptversammlung
ergebenst ein. Auf der Tagesordnung steht vorläufig (Aende-
luiigen Vorbehalten): Geschäftsbericht, Kassenbericht, Propa¬
ganda im Auslande, allgemeine Reglung der Schulferien, die
Schnakenplage.
An Ausfliigen sind geplant: Dampferfahrt nach Oppenheim
und F.ihrt nach Speier oder Strassburg i. Eis.
Das geschichtlich und landschaftlich bevorzugte Worms
und die zur Beratung stehenden interessanten Fragen lassen
eine zahlreiche Beteiligung der verehrlichen Bundesmitglieder
voraussehen. __ . . ^ „
Hochachtungsvoll
Bund Deutscher Verkehrs-Vereine.
D'm* geschäftsführende Ausschuss.
Friedr Gontard, Dr. Seyfert,
Vorsitzender. Geschäftsführer.
39
i bQOQCKiQQQQOOQOCagO XrOCK^^ DEUTSCHLAND
' Auskunftstellen des Bundes im Auslande
bsfitaden sich bis jetzt in:
L Amsterdam, bei Lisson & Zoon, Singel 155.
а. Aussig, bei dem Oeffentlichen Fremden-Verkehrsbureau,
Stadthaus.
3« Budapest, bei dem Fahrkarten- und Reisebureau der
Fremdenverkehrs- und Reiseunternehmungs-Aktien-Gesell-
K Schaft, Erzsebet Körnt Nr. iz.
4. Franzensbad, bei dem Auskunftbureau des Landes¬
verbandes für Fremdenverkehr in Deutschböhmen, Isabellen¬
promenade.
5. Göteborg, bei dem Nordisk Resebureau, Palace-Hotel.
б. Helsingfors, bei Alex F. Lindberg, Agentur des Nord¬
deutschen Lloyd.
7. Karlsbad, bei dem Auskunftsbureau des Landesverbandes
für Fremdenverkehr in Deutschböhmen, MUhlbrunnstrasse.
8 . Kiew, bei A. Schlesinger, Agentur des Norddeutschen Lloyd.
9. Konstantinopel, bei M. Mewes,Generalagent des Nord¬
deutschen Lloyd.
10« London, bei der Great Eastem Railway, West-£nd Office,
Regent Street zza.
n. Lüttich, bei Fran9ois Brimbois, Passage Lemonnier 18.
xz. Mailand, bei Gio. Corr. Meiss, Galleria Vittori Emanuele.
23. Malmö, bei dem Nordisk Resebureau, 2 Oestra Hamngaten.
14. Marienbad, bei dem Auskunftsbureau des Landesver¬
bandes für Fremdenverkehr in Deutschböhmen, Stephan-
strasse Haus „Goldener Falke“.
15. Moskau, bei E. Garbell, Agentur des Norddeutschen Lloyd.
x6. Nagyvärad (Grosswardein), bei dem Fahrkarten- und
Reisebureau, Filiale der Budapester Gesellschaft.
xj. Odessa, bei Mac. Nabb, Roug^er & Co., Agentur des Nord¬
deutschen Lloyd.
x8. St. Petersburg, bei P. Bornholdt & Co., Agentur des
Norddeutschen Lloyd.
xg. Prag, bei dem Auskunftbureau des Landesverbandes für
Fremdenverkehr in Deutschböhmen, Graben, Deutsches Haus.
zo. Reichenberg, bei dem Reisebureau des Landesverbandes
für Fremdenverkehr in Deutschböümen, Schückerstrasse 3,
Reisebureau „Anker“.
zx. Riga, bei W. Goltz & Co., Ecke Kl. Sand- und Kl. Schmiedestr.
zz. Stockholm, bei dem Nordisk Resebureau, Operahuset.
23. TätrafUred (Schmeks), bei dem Fahrkarten- und Reise¬
bureau, Filiale der Budapester Gesellschaft
24. Temesvär (Josefstadt), bei dem Fahrkarten- und Reise¬
bureau, Stadthausgasse z, Filiale der Budapester Gesellschaft.
25. Teplitz, bei dem Reisebureau des Landesverbandes fUr
Fremdenverkehr in Deutschböhmen, Königstrasse.
z6. Tiflis, bei Drachenfels Kutzschenbach, Agentur des Nord¬
deutschen Lloyd.
”27. Tokio, bei der Deutschen Gesellschaft für Natur- und
Völkerkunde Ostasiens, Imagawa-kochi, Itchome.
z8. Yokohama, bei der Redaktion der „Deutschen Japan-
JJJpost“, Yamashita-cho 60.
zg. Zägräb (Agram), bei dem Fahrkarten- und Reisebureau,
Ulica Marije Valerije 6, Filiale der Budapester Gesellschaft.
(Das Bundesorgan, die Verkehrs-Zeitschrift
„Deutschland“, liegt in sämtlichen Auskunftsstellen des
Bundes auf).
ThüringerVerband zur Hebungdes Fremdenverkehrs.
Die von dem Thüringer Städtetag gewählte Kommission,
in der zehn grössere Städte Thüringens vertreten waren, hat am
5. März unter dem Vorsitz des Oberbürgermeisters Liebetrau
die Gründung eines Thüringer Verkehrs-Verbandes beschlossen
und als Sitz des Verbandes Gotha gewählt. Der Verband
bezweckt die Förderung aller auf Verstärkung des Besuches der
Thüringer Lande hinzielenden Massnahmen durch planmässige
Veröffentlichung von Thüringer Gesamtprospekten, Ausgestaltung
der bestehenden Reisebücher, Inserate, Errichtung einer Haupt¬
auskunftstelle in Gotha sowie andere einheitliche Verkehrs-
Propaganda. Damit ist der korporative Zusammenschluss aller
Kurorte und Fremden Verkehrs-Vereine ermöglicht.
Verkehrs-Verein Plauen.
Die Jahres-Hauptversammlung leg^e davon Zeugnis ab, dass
auch im vergangenen fünften Geschäftsjahre fleissig gearbeitet
worden ist, um die gemeinnützigen Bestrebungen des Vereins
zu fördern. Prof. Dr. Zemmrich, der Vorsitzende, stellte mit
Genugtuung fest, dass die Stadt durch einen in den Haushalts¬
plan eingestellten Jahresbeitrag von 500 Mk. dem Verkehrs-
Verein dankenswerte Unterstützung zuteil werden lässt, und
dass man mit Befriedigung auf den Jahresabschluss zurück-
blicken kann. Ueber die Tätigkeit des Vorstandes im ver¬
flossenen Jahre und die Hauptaufgaben, die ihn beschäftigten,
erstattete der Schriftführer, Red. Dannhauer, Bericht, wobei
besonders des zu Anfang Mai hier abgehaltenen sächsischen
Verkehrstages gedacht wurde. Der zweite Vorsitzende, Buch¬
druckereibesitzer J e e n e 1, teilte mit, dass die Hauptgeschäfts¬
stelle des Verkehrs-Vereins mehr als 1200 Auskünfte in Verkehrs-
Angelegenheiten gegeben hat. Der Kassenbericht des Schatz¬
meisters, Bankdirektor S ch i m e k, verzeichnete Einnahmen in
Höhe von 2380.34 Mk., denen Ausgaben von 771.28 Mk. gegen-
Uberstehen. Der Kassenbestand betrug am 31. Januar 2231.26 Mk.
Für das neue Geschäftsjahr wurde der Haushaltsplan mit
2900 Mk. festgesetzt, darunter befinden sich 500 Mk, für den
Wettbewerb im Blumenschmuck, der auch dieses Jahr wieder
veranstaltet werden soll. Die Hauptausgabe wird der „Führer
durch Plauen“ erfordern. Der Führer soll noch etwas erweitert
werden und ausser dem Stadtplan auch eine Karte der Um¬
gebung von Plauen enthalten.
Der Schlesische Verkehrs-Verband,
der durch seine Auskunftsstelle für den Wintersport bereits
eine rege Tätigkeit entfaltet hat, beschloss, um den weitesten
Kreisen eine Unterstützung seiner Bestrebungen zu ermöglichen,
den anfangs auf 50 Mk. festgesetzten Mindestbeitrag auf wenig¬
stens 25 Mk. für korporative und wenigstens 10 Mk. für Einzel¬
mitglieder zu ermässigen. Schon jetzt ist der Verband in der
Lage, seinen Mitgliedern eine Reihe von Vorteilen zu gewähren.
Abgesehen von der Breslauer Auskunftsstelle ist eine solche
beim „Internationalen öffentlichen Verkehrsbureau“ in Berlin,
Unter den Linden 14, errichtet worden, wo den Verbands-
Aus den Bundes-Vereinen.
Leipziger Verkehrs-Verein.
ln der Ende März im Burgkeller abgehaltenen Beratung des
Gesamtvorstandes des Leipziger Verkehrs-Vereins wurden zwei
für Leipzig wichtige Beschlüsse gefasst. Bekanntlich sollte in
diesem Jahre ein Blumenkorso veranstaltet werden. Da jedoch
die beteiligten Kreise in diesem Jahre schon durch verschiedene
sportliche Veranstaltungen in Anspruch genommen sind, wurde
die Abhaltung des Korsos auf das nächste Jahr verschoben.
Er soll dann im Anschluss an den „Concours hippique“ ver¬
anstaltet werden. Ferner soll, einer Anregung des Vorsitzenden
Herrn Winkler folgend, der Verkehrs-Verein sich mit den zu¬
ständigen Generaldirektionen der Staatseisenbahnen in Ver¬
bindung setzen, um die Einstellung einiger Extrazüge zu den
Ausstellungen in Berlin und Dresden zu erwirken. Weiter
wurden einige Beschwerden und Wünsche beim Vorstande
axigebracht. .So wandten sich die Herren Hirschfeld und Rechts¬
anwalt Lebrecht gegen einige Leipziger Hotelbesitzer, die die
Messfremden, trotz UeberfüUung der Hotels, nicht an den Ver¬
kehrs-Verein zur Wohnungsvermittelung gewiesen hatten. Es
ist infolgedessen -vorgekommen, dass Leipziger Messfremde
Wohnung in Halle genommen haben. Zunächst soll deshalb
^ne Beschwerdeschrift an den Hotelbesitzerverband gerichtet
werden.
>f usschneiden!
40 ^ B 0 Q QQQQQ 0Q08a8990QQQQ90003 0ei DEUTSCHLAND 166 6 6 666006000000000000000 811 Nf:'t
xnitgliedern Gelegenheit geboten ist, durch Vermittlung des
Verbandes unentgeltlich Drucksachen wie Prospekte und Führer
auszulegen und an Interessenten verabfolgen zu lassen. Da
ein grosser Teil der Besucher Schlesiens aus dem Osten kommt,
sind auch hier bereits Schritte getan und die Einrichtung von
Auskunftsstellen des „Schlesischen Verkehrs-Verbandes** in
Warschau, Krakau, Lodz usw. steht nahe bevor. Ferner ist der
Verband dem Bunde Deutscher Verkehrs-Vereine, Sitz Leipzig,
beigetreten, durch dessen Drucksachen-Vermittlungsstelle nun¬
mehr auch eine umfangreiche Propaganda für Schlesien in allen
deutschen Städten und einer grossen Anzahl ausländischer
Auskunftsstellen des Bundes gewährleistet ist. Es wird nun¬
mehr Sache der einzelnen Mitglieder sein, sich diese wertvollen
Hilfsmittel für eine wirkungsvolle Propaganda für ihr Interessen¬
gebiet durch Fühlungnahme mit der Breslauer Geschäftsstelle
des Verbandes zunutze zu machen. — In der Mitglieder¬
versammlung wurde weiter beschlossen, bei der Vorbereitung
von Eingaben der Mitglieder betr. Verkehrswünsche von allge¬
meinem Interesse den „Schlesischen Verkehrs-Verband** zu den
Beratungen und zur Unterschrift hinzuzuziehen. Auch bei den
seit einiger Zeit regelmässig stattfindenden Konferenzen der
Königlichen Eisenbahn-Direktionen mit Vertretern des ,»Schle¬
sischen Bädertages** wird der „Schlesische Verkehrs-Verband“
in Zukunft hinzugezogen werden. Schliesslich sind Vorbe¬
reitungen für die Herausgabe eines „Schlesischen Verkehrs¬
buches** getroffen worden.
Verein zur Hebung des Fremdenverkehrs Augsburg.
Die Stadt Augsburg wird am 20. und 21. Mai die Feier
ihres Eintrittes in die Reihe der deutschen Grossstädte durch
grössere Veranstaltungen im Rahmen sog. Verkehrslage
begehen. Hervorragende Veranstaltungen und weitgehendste
Preisermässigungen in den verschiedensten Etablissements, un¬
entgeltliche Besichtigung aller Sehenswürdigkeiten und allge¬
meiner Schaufensterwettbewerb unter Beiziehung von Künstlern
werden nicht verfehlen, wirkliche Verkehrstage erstehen zu lassen.
Der Verein zur Hebung des Fremdenverkehrs
in Göttingen
hielt seine diesjährige Hauptversammlung ab. Der Jahresbericht
wurde erstattet und der Abschluss der Rechnung für 1910 vor¬
gelegt; die Zahl der Mitglieder beträgt 361. Oberstleutnant
Lehmann kam auf den vom Verein zum ersten Male heraus¬
gegebenen Plan Uber die theatralischen und musikalischen Ver¬
anstaltungen in der Stadt Göttingen zu sprechen.
Der Pfälzische Verkehrs-Verband
hat in seiner letzten Ausschusssitzung vom 18. März einige neue
wichtige Unternehmungen für die weitere Entwickelung des
Verkehrswesens in der Pfalz in Angriff genommen. Eingangs
der Verhandlungen konnte der Vorsitzende wiederum eine
Anzahl Mitgliederzugänge feststellen. So haben sich neuerdings
die Stadt Zweibrücken, Gemeinde Kerzenheim, Vorschussverein
Hier ahtrennen!
Bestellsohein.
Unterzeichneter bestellt hiermit Exemplare
der grossen Sonder ^Nummer der Zeitschrift
ffDeiitschland*^ in englischer Sprache zum
Preise von 1 Mark zuzüglich Porto^)
Betrag folgt anbei.
Nichtzutreffendes durchstreichen.
Name:
Wohnort u. Strasse:
Kirchheimbolanden, sowie eine Anzahl Einzelmitglieder ange¬
meldet. Der Verkehrs-Verband zählt nunmehr 4z Korporationen
als Mitglieder. Aus dem Referat Über den Pfälzischen Fremden¬
verkehrsrat konnte entnommen werden, dass nun auch seitens
der bayerischen Regierung grössere Summen für die
Pfalz zu Reklamezwecken bereitgestellt werden. Es wurden
von der Versammlung zweckentsprechende Vorschläge Über die
notwendigsten Arbeiten auf diesem Gebiete eingereicht Da eine
Beteiligung am südwestdeutschen Zuverlässigkeitsflug in Frank¬
furt a. M. der Pfalz nur Kosten und wenig Vorteile gebracht
hätte, beschloss die Versammlung, ein eigenes Schaufliegen im
Laufe des Sommers der pfälzischen Bevölkerung zu bieten und
einige Herren mit den Vorarbeiten — Platzfrage, Eintrittsgelder,
Gewinnung der Flieger — zu betrauen. Ein wichtiger Punkt,
der grundlegend für die Beliebtheit der Pfalz als Aufenthalts¬
und Aufiugsgebiet wird, dürfte die Anregung zur Abhaltung von
gastwirtschaftlichen Fachkursen sein. Die Versammlung be¬
schloss, mit dem pfälzischen Gastwirteverband in dieser Richtung
vorzugehen und die Fachkurse so bald wie möglich einzurichten.
Unter Wünsche und Anträge wurde darauf hingewiesen, dass
auf dem Gebiete der Andenken-Artikel die Pfalz gegenüber
anderen Fremdenverkehrsgebieten, z. B. Schwarzwald, Odenwald,
noch sehr zurück sei; es fehlen vor allem originelle Gegenstände,
die irgend etwas Typisches der Pfalz darstellen oder verwenden;
die einschlägige Industrie soll dadurch auf diesem Gebiete an¬
geregt und gekräftigi werden, dass mit der nächsten Mitglieder¬
versammlung im Herbste dieses Jahres eine Ausstellung
von pfälzischen Andenken-Artikeln verbunden wird.
Tätigkeitsbericht des Fremden-Verkehrsvereins
für Strassburg und die Vogesen für 1910.
Dem eingehenden Bericht entnehmen wir nur die wichtigsten
Punkte. Auf Antrag der Verkehrskommission wurden dem
Verein wieder 2000 Mk. vom Gemeinderat bewillig^. Von der
Generaldirektion der Reichseisenbahnen erhielt der Verein aoo Mk.
für die Ausstellung in Brüssel. Vom Kaiserlichen Statthalter
wurden 3000 Mk. für Herstellung eines Reklameplakates über¬
wiesen. Das Vereinsbureau war durch Erteilung von Auskünften
ausserordentlich stark in Anspruch genommen. Behufs Besor¬
gung von Wohnungen, Aufstellung von Programmen, sowie
Hergabe von Gratisführern von Strassburg und für das Vogesen¬
gebiet war der Verein bei acht nach Strassburg gekommenen
Gesellschaften tätig Der Verein beteiligte sich am Verkehrs¬
bureau des Bundes Deutscher Verkehrs-Vereine auf der Welt¬
ausstellung in Brüssel. Gemeinsam mit anderen Vereinen des
Elsass-Lothringischen Verbandes wurde eine Zeitung^reklame
für Strassburg und die Vogesen ins Leben gerufen. Der Bericht
enthält ferner einen kleinen Aufsatz von Dr. Eichelmann,
Direktor des Statistisc hen Amtes der StadtStrass-
burg, über den Fremdenverkehr in Strassburg igio. Am
Schlüsse des Aufsatzes drückt der Verfasser sein Bedauern
darüber aus, dass nicht ermittelt werden könne, wieviel
Nächte die einzelnen Fremden dort zugebracht haben. Es
heisst dort wörtlich: „So wichtig die Kenntnis dieser Zahl für
die Statistik und besonders für die am Fremdenverkehr
interessierten Kreise wäre» so hoch müsste doch das von den
Hotelbesitzern für eine solche Feststellung zu bringende Opfer
eingeschätzt werden. Diesem Ziele wäre man dadurch bereits
einen grossen Schritt entgegengekommen, wenn sämtliche Hotels
ein monatliches Verzeichnis darüber führten, wie viele Fremden¬
betten täglich besetzt waren; damit Hesse sich schon eine
wertvolle Ergänzung unserer Statistik zusammenstellen,**
Badischer Landesverband zur Hebung des
Fremdenverkehrs.
Im März fand in Lahr eine Ausschusssitzung statt. An der
Spitze der Tagesordnung stand die Frage der Beteiligung des
Verbandes an der Berliner Internationalen Ausstellung für Reise-
und Fremdenverkehr. Das Programm hierzu fand einhelligen
Beifall. Die Herausgabe eines Verkehrsbuches für Baden wird
von Bürgermeister de Pellegrini, Triberg, besorgt werden. Der
Reklamctätigkeit des Verbandes galten eine Reihe wertvoller
Vorschläge, u. a. betr. der Herausgabe von illustrierten Fahrplan¬
heften über badische Eisenbahnstrecken, Aufgabe von Sammel¬
anzeigen in hervorragenden Blättern des In- und Auslandes
(auch in der Bundeszeitschrift „Deutschland**) usw. Die Ver¬
sammlung gab ihrer Genugtuung darüber Ausdruck, dass der
Landesverband der badischen Verkehrs-Vereine nun auch im
Eisenbahnrat eine Vertretung findet.
Fremdenverkehrs-Verein Karlsruhe.
Am 22. März hielt der Fremdenverkehrs - Verein seine
ordentliche Mitgliederversammlung im Sitzungssaal des Stadt¬
rats ab. Sie war leider wiederum nicht zahlreich besucht, bot
aber ein getreues Bild der emsigen und vielseitigen Arbeit des
11 DEUTSCHLAND 4i
Nr. l i
seiner Bestrebungen, Badens schöne, an Schätzen der
:r^^Nf!äD^»\der Kunst und Wissenschaft reichen Residenz mit ihrem
-.meihr auf blühenden Handel und Gewerbe in das ge>
Licht zu rücken, den Zuzug Fremder nach Kräften
.V-T^rjürdem und den Einheimischen nach Möglichkeit Annehm-
’SvJIci&eiten, Anregungen und Unterhaltungen zu bieten. Stadtrat
• ’.'lECBlBch eröffnete die Versammlung mit Dank an die Erschienenen.
. ihr gedachte dabei mit ehrenden Worten der vielen Verdienste
'"'.dös lin vorigen Jahr wegen Ueberhäufung mit sonstigen Arbeiten
Amt d^ Vereinsvorsitzenden zurUckgetretenen Stadtrats
~ O^tertag. Der Schrift- und Geschäftsführer, Obersladtsekretär
Lädier, erstattete darauf mündlich den Jahresbericht für das
■ Jahr X9XO, das gleich seinen Vorgängern arbeits- und erfolgreich
-- .gewesen ist. Der Mitgliederstand betrug Ende 1909 488 Mit-
’-g^Ueder, Ende xgio 492. Mit Bedauern musste konstatiert werden,
diiss cUe Mehrzahl der Vereinsmitglieder sich aus solchen
'Personen zusammensetzt, die kein unmittelbares Int eresse
■- an der Hebung des Fremdenverkehrs haben, während
gerade diejenigen Kreise der Einwohnerschaft, denen die un¬
eigennützige Arbeit des Vereins zugute kommt, die Kaufleute
und Gewerbetreibenden, sowie Wirte, Metzger, Bäcker usw.
verhältnismässig wenig Mitglieder stellen. Warmen Dank sprach
Redner im Namen des Ausschusses der Stadtverwaltung aus,
die dem Verein durch einen jährlichen Beitrag von 3000 Mk.,
Stellung des Lokals für die öffentliche Auskunftstelle im Rat¬
haus, des Auskunftsbeamten daselbst und durch Ueberlassung
von Fremdenführern und sonstigem geeignetem Reklamematerial
auis wirksamste unterstützt. Die Zahl der in Karlsruhe in den
Hotels und Gasthöfen übernachteten Fremden ist nach den
polizeilichen Ermittelungen von 116 582 im Jahre 1904 auf 211290
im Jahre xgxo gestiegen, was eine Steigerung des Fremden¬
verkehrs in 7 Jahren um 181®/^ bedeutet. Dabei sind nicht mit¬
gezählt die vielen Passanten, die alljährlich Karlsruhe aufsuchen.
In eingehender Weise berichtete Redner weiter Uber die Propa¬
gandamittel. Auf der Weltausstellung in Brüssel ist das
Interesse der Besucher in geeigneter Weise auf die badische
-Residenz hingelenkt worden, und ähnlich soll es auch auf der
bevorstehenden Ausstellung für Reise- und Fremdenverkehr in
Berlin geschehen. Mit dem Bund Deutscher Verkehrs-Vereine
und mit dem Badischen Landesverband zur Hebung des
Fremdenverkehrs hat der Verein in verschiedenen Fragen in
lebhaftem Verkehr gestanden. Nicht ohne Erfolg hat sich der
Verein auch bemüht, Kongresse, Ausstellungen und Versamm¬
lungen nach Karlsruhe zu ziehen und den Ruf der Stadt als
den einer gastlichen Feststadt zu erhalten und zu mehren.
Etwa 40 derartige Veranstaltungen wurden hier abgchalten,
darunter verschiedene Tagungen hervorragender Vereinigungen
von Künstlern und Gelehrten. Für das laufende Jahr steht
eine besonders bedeutende Versammlung in Karlsruhe in Aus¬
sicht, die ihr etwa 2000 bis 3000 Männer der Wissenschaft zu-
fÜhren wird: die Jahresversammlung der Gesellschaft deutscher
. Naturforscher und Aerzte im September. Ganz ausser-
gewöbnliches Interesse werden die im Mai ds. Js. in der ober¬
rheinischen Tiefebene geplanten Schau- und Wettflüge der dem
sttdwestdeutschen Kartell angehörenden Luftschiffahrts-Vereine
erregen, die sich zum Teil auch in Karlsruhe abspielen. Der
Stadtrat hat bekanntlich beschlossen, das Unternehmen durch
einen Beitrag von 10 000 Mk. zu fördern. Bankier Hecht und
Kaufmann Renk haben die Jahresrechnung für 1910 einer Prüfung
unterzogen. Sie fanden sie in bester Ordnung und sprechen dem
RechnungsfÜhrer, Oberstadtrechnungsrat Weiler, Anerkennung
für seine sorgfältige Arbeit aus. Der Ausschuss schloss sich
diesem Dank an. Sodann wurde der vom Geschäftsführer auf¬
gestellte Voranschlagsentwurf für 1911 genehmigt. Endlich wurden
an Stelle dreier ausgeschiedener Ausschussmitglieder in den
Ausschuss gewählt: Hotelier Wilhelm Friedrich (Hotel Grosse),
Chefredakteur Walter Günther und Stadtrat Wilhelm Kolb.
Der Kölner Verkehrs-Verein
hielt am 2g. März seine Hauptversammlung unter dem Vorsitz
des Kgl. Baurats Schellen ab. Zunächst wurde der vom
Geschäftsführer wiederum in übersichtlicher Form zusammen¬
gestellte Jahresbericht besprochen. Das Arbeitsprogramm
für das Jahr xgu sieht eine Reihe neuer Aufgaben vor.
Gelegentlich des Kaiserbesuches am 22. Mai beabsichtigt
der Verein ein Schiff für die Festfahrt auf dem Rhein
SU mieten und es seinen Mitgliedern zur Verfügung zu stellen.
Auch soll aus Anlass des Kaiserbesuches eine Sondernummer
über Köln der Zeitschrift „Deutschland“ herausgegeben
werden, wozu das Material schon vorliegt. Für den Monat
Juni ist ein Blumenkorso geplant. Als Tag für den Korso
ist der x8. Juzii in Aussicht genommen, an dem ein Rosen-
Kindertag in ähnlicher Weise wie im vorigen Jahre der
_ Matgueritentag, veranstaltet werden soll. Für Dezember ist eine
P hotographische Ausstellung für Amateure vorgesehen.
In dieser Ausstellung sollen vornehmlich Aufnahmen von Köln
gezeigt werden. Bei den Wahlen zum Beirat wurden die
ausscheidenden Mitglieder vom Grafen, Mönnig, Metz, Neven
Du Mont, Niessen, Noll, v. Stein und Wunderlich wiedergewählt.
Zugewählt wurden die Mitglieder Beigeordneter Dr. Best, Stadt¬
baurat Heimann, Dr. Oster und Jak. van Norden. Zu der
Auslandsreklame, die in diesem Jahre stärker als früher
betrieben werden soll, wünschte ein Mitglied die Berück¬
sichtigung des New York Herald und des Figaro. Dies wären
die wichtigsten für den Fremdenverkehr in Frage kommenden
Blätter. Namentlich in Paris, als dem Zentrum des Fremden¬
verkehrs, sei eine Reklame nötig. Der Vorsitzende betonte
diesem Wunsche gegenüber, dass die Auslandsreklame enorme
Kosten verursache; für eine einigermassen würdige Reklame
in den auswärtigen Zeitungen seien 104000 Mk. erforderlich.
Die Stadtverwaltung, die heute entgegen ihrer früheren
Anschauung auf dem Standpunkte stehe, dass eine solche
Zeitungsreklame notwendig und zweckdienlich sei, habe ein
freundliches Entgegenkommen gezeigt und dem Verein für den
genannten Zweck 10000 Mk. zur Verfügung gestellt. Der Vor¬
sitzende sprach dem Geschäftsführer Liebenstund den Dank
des Vereins für seine Tätigkeit aus, besonders dankte er ihm
dafür, dass er sich den Arbeiten zur Einrichtung der Droschken-
Mit der vorliegenden Nummer beginnt
der
zweite Jahrgang der
Bundeszeitschrift,,Deutschland“
Die Freunde unserer Zeitschrift, ins¬
besondere die Mitglieder des Bundes
Deutscher Verkehrs-Vereine und die
Landesverbände bitten wir, uns bei
der Verbreitung der „Deutschland“,
die heute schon in weiten Kreisen
Beachtung und Anerkennung findet,
freundlichst unterstützen zu wollen.
Redaktion und Verlag.
anrufzentrale mit so grosser Liebe gewidmet. Der Schriftführer
Dr. Max Heimann zollte dem Vorsitzenden Dank für dessen tat¬
kräftige Arbeit im Dienste des Vereins. Der Hauptversammlung
folgte ein Vortrag des Regierungsbaumeisters Senz über Firmen¬
schilder, über den wir an anderer Stelle berichten.
Der Internationale Hotelbesitzer-Verein in Köln
hat dem Bundesrat eine Eingabe unterbreitet, in der im Interesse
des deutschen Hotelgewerbes zu dem Entwurf eines Versiche¬
rungsgesetzes für Angestellte Stellung genommen wird.
In der Eingabe heisst es u. a.: „Gemäss der bei den Arbeit¬
gebern des deutschen Hotelgewerbes bestehenden Auffassung
über die Notwendigkeit einer Uber die schon bestehende reichs¬
gesetzliche Invalidenversicherung hinausgehenden, aber mass-
vollen Fürsorge füt die Angestellten im Falle des Alters und
der Invalidität hat der Internationale Hotelbesitzer-Verein schon
im Jahre 1907 grundsätzlich einer weitergehenden Versicherung
der Angestellten bis zu einer Gehaltsgrenze von 5000 Mk. zu¬
gestimmt. Jedoch steht das deutsche Hotelgewerbe auf dem
Standpunkt, dass eine bessere und gerechte Fürsorge in diesem
Sinne für alle Angestellten nur durch den Ausbau der
bestehenden Invalidenversicherung erreicht werden
kann. Eine Sonderversicherung einzelner Angestelltengruppen,
oder eine Bevorzugung der Angestellten vor dem anderen
Personal würde den im Hotelgewerbe bestehenden besonders
gearteten Arbeitsverhältnissen in keiner Weise gerecht. Eine
Scheidung des im Hotelgewerbe tätigen Personals in höhere
42 DEUTSCHLAND
Nr.l
und niedere Angestellte oder in Angestellte und gewerbliche
Arbeiter würde mit sehr grossen Schwierigkeiten verbunden
sein und lässt sich einwandfrei Überhaupt nicht durchführen.
Nach dem vorliegenden Entwürfe kommt für das Hotelgewerbe
als versicherungspflichtig namentlich das eigentlich kauf¬
männische Personal in Betracht. Bezüglich des f ach -
technischen Personals besteht keine Versicherungsptlicht
für den grösseren Teil der Angestellten, für einen Teil ist sie
zweifelhaft. In sehr grossen Betrieben ist zwar die Arbeits¬
teilung so weit durchgeührt, dass die kaufmännischen Arbeiten
(Buchführung, Kasse, Korrespondenz) durch besondere Ange¬
stellte, die sich als Handlungsgehilfen charakterisieren, aus-
geführi werden. In den weitaus meisten Unternehmen aber
werden diese Arbeiten zum Teil auch von dem gewerblichen
Personal erledigt. Es findet auch ein häufiger Uebergang von
der gewerblichen z\iv kaufmännischen Tätigkeit statt und um¬
gekehrt. Dem gewisse Aufsichtsbefugnisse ausübenden Betriebs¬
personal, wozu in erster Linie die Oberkellner und Portiers zu
rechnen sind, liegt in grossen Betrieben eine Tätigkeit ob, die
diese Personen als Angestellte in gehobener oder höherer
Stellung erscheinen lässt. Es lässt sich aber weder aus dem
vorliegenden Gesetzentwürfe noch aus der Begründung erkennen,
wie es mit der Versicherungspflicht gerade dieser Personen-
gruppen, die auf der Grenze stehen zwischen den gewerblichen
Gehilfen und den sogenannten höheren Angestellten, deien
Stellung aber auch je nach der Grösse des Betriebes, in dein
sie tätig sind, sehr verschieden ist, gehalten werden soll. Jeden¬
falls ist mit allem Nachdruck daraut binzuweisen, dass diese
Personengruppen zweifellos den als Handlungsgehilfen in
einem Grossbetriebe tätigen kaufmännischen Angestellten sozial
vollkommen gleichstchen. Es würde eine d* rch richts zu recht¬
fertigende Zurücksetzung des fachtechnischen Peisonals be¬
deuten, wenn man ihm nicht die gleiche Invaliden-, Alle».'- und
Hinterbliebenenversicherung gewähren wollte als jenen. Aus
dem vorliegenden Entwürfe ergibt sich die alle sozialen Ver¬
hältnisse geradezu auf den Kopf stellende Möglichkeit, dass der
in einem grossen Hotelbetriebe angestellte Schreiber oder die
Schreibmaschinistin als „Angestellte“ einer weitgehenden be¬
sonderen Versicherung teilhaftig werden, während das tech¬
nische Personal, wie z. B. der Oberkellner, der Küchenchef, der
Portier, sich mit der reichsgesetzlichen Invalidenversicherung
begnügen müsste. Die beruflich bc-onders angestrengten
Personengruppen würden also nach der Einführung der Anue-
stelltenversicherung, wie .sie der Entwurf vorschlägi, nur der
schon bestehenden Versicheiung unterliegen, während andere,
im gleichen Betriebe tätige Personen, die jenen sowohl nach
dem Einkommen als auch nach der beruflichen Vei aniworliing
und vielfach auch nach der ganzen sozialen Stellung durchaus
untergeordnet sind, einer doppelten Versicheiung unterliegen
sollen, durch deren eine sie in völliger Umdrehung der wirk¬
lichen Verhältnisse als eine sozial höherstehende Klasse
erscheinen sollen. Wir können nicht entschieden genug
betonen, dass die grundlegenden Voraussetzungen, aus denen
heraus der Gesetzentwurf zu einer Sonderversicherung der an¬
geblich vorhandenen Klasse der Angestellten kommt, für das
Hotelgewerbe ganz und gar unzutreffend sind.“ Di'- Eingabe
macht alsdann für den Fall, dass die Grundlagen tles voi -
liegenden Entwurfes trotz der geäusserten Bedenken ange¬
nommen werden, eine Anzahl Abänderungsvorschläge zu ein¬
zelnen Bestimmungen.
Oer Verkehrs-Verein für den Stadt- und
Landkreis Essen
hat am 27. März im Städtischen Saalbau seine ordentliche
Generalversammlung abgehalten. Aus dem Geschäftsbericht ist
zu entnehmen, dass das Geschäftsjahr igio dem Verein nicht
so sehr in die Augen fallende Ergebnisse in seinen mannig¬
faltigen grossen Plänen als vielmehr einen kräftigen Ausbau
seiner inneren Organisation und seiner bisherigen Einrichtungen
gebracht hat. Zum Teil wurden nämlich grosse Pläne, wie
beispielsweise die Veranstaltung einer Gartenbau-Ausstellung
der Provinzen Rheinland und Westfalen, durch Umstände ver¬
eitelt, die sich seinen Einflüssen entzogen, zum Teil sind sie,
wie z. B. der Tiergarten, noch im Stadium der Vorbereitung.
An einer Reihe anderer Veranstaltungen, wie Schaufenster¬
wettbewerb, Ausscheidungsfahrt für das Gordon-Bennett-Rennen
der Lüfte, Wettbewerb in Vorgärten-, Balkon- und Fenster-
schmuck, hat sich der Verein mit gutem Erfolg beteiligt. Die
Mitgliederzahl beträgt 388 Personen mit einer Jahresbeitrags¬
summe von rund 17000 Mk. Die Jahresrechnung für 1910
schliesst ab in Einnahmen mit 36 439.98 Mk., in Ausgaben mit
19 893*65 Mk., so dass ein Bestand von 16 546.33 Mk. bleibt. Der
Jahresvoranschlag für 1911 schliesst in Einnahme und Ausgabe
mit 40876.33 Mk. Aus dem Arbeitsprogramm für 1911 ist besonders
hervorzuheben: die Beschickung der Internationalen Ausstellung
für Reise- und Fremdenverkehr in Berlin und der Internationalen
Ausstellung für Hygiene in Dresden mit eigens hierfür an¬
gefertigtem Bildermaterial der Stadt Essen; ferner die Heraus¬
gabe einer besonders vornehm ausgestatteten illustrierten Bro¬
schüre „Essen als Wohusladt“ und einer durch Illustrationen
verbesserten Neuauflage des im vorigen Jahre mit so grossem
Beifall aufgenommen'..-n ,,Verzeichnis billiger Sommerfrischen**.
Ausserdem werden durch die Reisoabteilung des Verkehrs-
Vereins in diesem J ihre billige Ferien-Sonder- und Studien¬
fahrten an die dcut.:>c!ie Küste und ins Ausland veranstaltet
werden. Im Anschluss ao die Generalversammlung hielt Herr
Schriftsteller Max Eck-rroH. Stuttgart, einen Lichtbildervortrag
Uber die Krage der Schaffung von Naturschutzparken.
Der Verkehrs-Verein Oberhausen
hielt kürz’ich cir.e Hauptversammlung ab. Herr Kaufmann
Philipp Heymann erj.t \tlete den Jahresbericht. Danach ist eine
rege Täiigkeit eruLiltei. worden. In der Frage der Abhaltung
eine* blurnentoges und des Schaufenster-Wettbewerbes sind
erfolgreiche S..h:iite geschtli«. n. Wegen des Bahnhofsumbaues
ist der Verein am 6. l-'etiruav bei der Eisenbahndirektion in Essen
vorstellig gvvorde:-, die sich den Wünschen gegenüber willig
gezei*;! h u. .,80v> Mk. standen dem Vorstande zur Verfügung.
Die Einnahmcii bclicleii sica einschliesslich eines Betrages von
40 Mi., vc-t! Delaillislenverband auf 2J18.55 Mk., dazu kamen
iioc’i 1000 .’/.k. ilti der Vorsl-indsw. hl wurden gewählt die
Herren: Kaufmann Heymann (i. Vorsitze.'.der), Dr. Weltmann
(2. Vorsitze uL-r), Wasscrwerksdirekior Breuer, KedakteurBucharlz,
Seifenlabnk.'nl IJargsmlirior, Bi ennert-ibesitzer Feldmann, Redak¬
teur Güttling, Bergi i>pe’tor Dr. Ilage-iinn, Rechtsanwalt Dr.
Heckir.g, Bcigm.ina ILruiann Schumacher und BetriebsfUhrer
Exnst W’eber (Vorstan.l.'milglicder).
Verband der VorlvChrs-Vereine Westfalens und
an^ronzjnder Gobiotd.
D. j dritte o ! d c M 111h e ii i u p t v e r a m m 1 u n g findet
am :»im>lag, dci , M u d. J >.. n ichmittags 4 Uhr, im Speise-
sa.il der ersten iCta..c <1 s ii')*..!-, ,.L 1 n J e n h o f* zu Dort-
m 11 n d , B^ücl;slT:l^ ^.- -y. si -.IL
Verkehrs-Verj'ii Doi Imund.
In der ge i.ig'.n '/-)i>ta.: ‘.".•.Uif.ing kf.inie bekannt gegeben
werden, liass -. c: sch'-cder.c \] ieiU*.'. ncs Vereins von Erfolg
begleitet waren. i.)ii‘ I-lgi. ahn.lnektion Essen will
eine gin.sSr.-.e Mu i . d i!r. • ii’- t nach Me.igede - Rauxel
.uir vo.. S-h. :iu-rii, .l.e >. dieser Gegend die Schulen
Donniunil'. ho.u-i-:., v )!n 1. M.d .in ei'.legc’G hierdurch wird
cm Wunsch v-*-l .• 1 * mwo'.üiei n.mntor Gegend erfüllt, die
mit licsc» Ihlle, \ev:! *;ic d. r I’nii.^ercei wallung in Mengede ab-
gcschl.ig.rn war. h an den Verei.i und Vcrb.ind Westfälischer
Verkehrs-Vereie.e um Untere l-.iz’Jr.g gewandt hatten. Es ist
tcriK ** erreicl;;, dass lio letzte Abend zerbin Jung nach Unna
durct» den Ti i;::>wagv' -.v »rk. h.- .lacii S.)t:'l weitergeführt wird,
was tiii The -ier iind Ktinzciibesischer von Soest eine sehr
v/icliln;*‘ raiiingcnsc'iatl bedeutet. Der Vorstand ist weiter
(iauert'd muht, seine üi'.sciiäftsstche immer mehr praktischer
ausz.'ige.->i.iit'‘ii. Wtnn d.is augenldickliche Bureau auch sehr
günstig liegt. 30 war man durch d.i- räumliche Beschränkung
Svdir hehinde.i. l'ls >viid d.ilv'r noch ein grösseres Bureau im
OsiMu.gel di-.i ll.uiptbahnhidegegen..ber der Femlinbastion
angemietet. Im li «iiplbah.dini selbst i.»t für den Verein eine
grosse R<‘klamet.it>l angebraci'.l. Die Internationale Ausstellung
für Rei*c- und l'hcmJcnverkeh:. in der Westfalen, wie in
einem anderen Artikel ausgemlut wird, .sich in umfangreicher
Weise beteiligt h.\t. ist seU dem i. Apni eröffnet und erfreut
sich, wie g'-meUl.g -vn-iivI, eim s sta« <en Zuspruchs. Um den
Besuch /ii eileichtern, pl.int dci Vt'i.-.iand in Verbindung mit
dem des Eus.mor Vrrcii.s im M li einen Sonderzug dahin zu
bcanti agc*n.
J.'ihros-Boricht dos Vorkehrs-Vereins Braunschweig
für diis Jahr 1910.
Der Bericht cnlhäll als Ki.ileitung ein überaus interessantes
Vorwort übei du- Bedeulun:. des Kiemdcnverkehrs und Ubei die
Aufgaben der Verkv. liis - Veii ine. Verkehrs-Verbände und des
Blindes Deutscher Verkehi s-Vereine. Soilanii wird ein kurzer Rück¬
blick auf die Taguntc des Bundes in Braunschweig gegeben. Es
findet sich ferner ein Bericht über die umfangreichen Arbeiten
für die Bcleili.gung an der Inleniationalen Ausstellung für Reise-
und Fremdenverkehr. Der Verkehrs-Veiein veranstaltete eine
Festlichkeit, deren Reinertrag in seine Kasse floss. Eine
schwere Sorge bereiten den doiligen Verkchrsinteressenten die
unzulänp,liehen Anlagen des Braunschweiger Hauptbahnhofs,
dessen Umbau immer noch nicht in Angriff genommen worden ist.
Die Stadtverwaltung gewählte wiederum einen Zuschuss von
*1500 Mk. Eine Kommission fiir einen Schaufenster > Wett-
bftw ctb , der Ende September oder Anfang Oktober dieses Jahres
stättfinden soll, wurde eingesetzt. Verschiedene Eisenbahn-
wBinche des Vereins wurden erfüllt. Auf seinen Antrag ge¬
langen die Sonntagsbillette nach Gifhorn jetzt auch von
der Station Gfiesmarode zur Ausgabe. Auf dem Gebiete der
Propaganda war der Verein ebenfalls überaus rege tätig.
b^m Verkehrsverbande für Westpreussen,
dessen Gründung am 6. November v. Js. beschlossen wurde,
haben sich, wie die Danziger Verkehrszentrale mitteilt, bisher
aa Iffitglieder angeschlossen, und zwar: i. die Magistrate
von Danzig, Deutsch-Eylau, Graudenz, Marienwerder, Mewe
Preussisch-Stargard und Zoppot; 2. die Kreisausschüsse von
Schwetsund Stuhm; 3. die Verkehrs-Vereine von Danzig, Elbing,
Graudenz, Kielau, Putzig, Schweiz und Thorn; 4. die Haus¬
und Grundbesitzervereine von Marienburg und Riesenburg;
5. der Verband der west- und ostpreussischen Haus- und Grund-
besitzervereine, Sitz Marienburg; 6. der Westpreussische Auto¬
mobilklub, die Seebad-Aktien-Gesellschaft Kahlberg, die Strassen-
bahngeseUschaft m. b. H. in Elbing. Die umfangreichen Arbeiten
zur Einführung der Personenschiffahrt auf der Weichsel haben
zu einem Erfolge geführt. Die Danziger Dampfschiff- und
Seebad-Aktien-Gesellschaft „Weichsel“ wird im Laufe des
Sommers Touristenfahrten von Dirschau bis Thorn und um¬
gekehrt mit dem für diesen Zweck hergerichteten Dampfer
„Merkuxf* unternehmen. Von Danzig aus wird die neue Linie
Verband der Ostseebäder.
Im Anschluss an die Tagung des Allgemeinen deutschen
Bäderverbandes, die anlässlich der internationalen Hygiene¬
ausstellung dieses Jahr in Dresden stattündet, werden dort auch
der Verband der Ostseebäder und der Verband der Nordsee¬
bäder tagen.
Erster Jahresbericht des Rügenschen Ostseebäder-
Verbandes für das Geschäftsj'ahr 1909/10.
Der Rügensche Ostseebäder-Verband wurde am 27. No¬
vember 1909 gegründet und hat sofort eine eifrige Tätigkeit
entfaltet. Eine Abordnung hatte beim preussischen Herrn Minister
der öffentlichen Arbeiten eine Audienz in Sachen des Aus¬
baues der Kleinbahn Putbus-Göhren in eine Vollbahn. Für die
Internationale Ausstellung für Reise- und Fremdenverkehr in
Berlin wurde eine Sonderkommission gebildet. Der Verband
gehört dem Verband Deutscher Ostseebäder, dem Bund Deutscher
Verkehrs-Vereine und dem Verkehrs-Verband an der Stettiner
Bahn an. Zur Propaganda für die Rügenbäder wurde die
Plakat-, Lichtbilder- und Zeitungsreklame herangezogen. Bei
der Handelskammer in Stralsund wurde seitens des Verbandes
angeregt, zum Besuch der Rügenbäder Sonntagsfahrkarten,
durchgehende Billette und Sonderzüge zu schaffen,
sowie für gute Eisenbahnverbindungen einzutreten. Zum Schluss
weist der Bericht auf die Wichtigkeit der Besucher und der
Berufsstatistik des Fremdenpublikums hin.
zu Gesellschaftsreisen zur Posener Ausstellung benutzt
werden.
Stettiner Verkehrs-Verein.
Die Hauptversammlung des Stettiner Verkehrs-Vereins fand
im Jahre 1910 am 14. Februar statt. Nach Erstattung des Jahres¬
und Kassenberichts wurden die erforderlichen Neuwahlen vor-
Der Verkehrs-Verein Zürich besteht jetzt 25 Jahre
Als erster schweizerischer Verkehrs - Verein im Jahre 1885
gegründet, hat er alsbald zahlreiche Nachahmer in der engeren
Heimat und auch in Deutschland gefunden. In einer Broschüre
gibt der Verein Kunde von seiner bisherigen Tätigkeit. *
genommen. Der Verkehr im Bureau hat sich im Jahre 1910
gegen die Voxjahre bedeutend gehoben. Es ist dies wohl in
erster Linie auf die Verlegping der Geschäftsräume in den Mittel¬
punkt der Stadt zurückzuführen. Namentlich in der Reisezeit
war die Inanspruchnahme des Bureaus so stark, dass die Ein¬
stellung einer dritten Arbeitskraft sich als nötig erwies. Der
rährer durch Stettin und Umgebung wurde in 10 000 Exemplaren
gedruckt und verbreitet. Reisende und Neuzuziehende erhielten
ihn kostenlos, ebenso die hiesigen Hotels. Eine bedeutende
Anzahl wurde zu Reklamezwecken verwandt und an deutschen
und ausländischen Fremdenverkehrsplätzen, namentlich auch
auf der Weltausstellung in Brüssel, kostenlos verteilt Der
Führer durch die Winterveranstaltungen wurde in derselben
Weise wie-im Vorjahre zusammengestellt und in 2000 Exem¬
plaren verausgabt. Zum erstenmale erschien der Sportführer,
welcher ein Verzeichnis der in Stettin stattfindenden sportlichen
Veranstaltungen, nach verschiedenen Sportarten eingeteilt, ent¬
hielt. Ein Verzeichnis der Stettiner Passagierschiffslinien,
welches bisher noch nicht existierte, machte den Sportführer
zu einem nützlichen Handbuch für jedermann. Der Industrie¬
plan, dessen ^Herausgabe bereits im vorigen Jahre vorbereitet
wurde, ist im Mai 1910 in 20000 Exemplaren gedruckt worden.
Vielen hiesigen kauf^männischen und industriellen Firmen wurde
er zugesandt mit der Bitte, den Plan als Briefbeilage zu ver¬
breiten und eine beliebige Anzahl im Bureau des Verkehrs-
Vereins zu diesem Zweck kostenlos in Empfang zu nehmen.
Das Interesse für den Plan war so gross, dass die Auflage in
kurzer Zeit vergriffen war. Der dritte Balkonwettbewerb, welchen
der Verkehrs-Verein veranstaltete, fand im August 1910 statt.
Vorbereitet wurde der Wettbewerb durch mehrere fachmännische
Zeitungsartikel. Die Beteiligung hielt sich auf derselben Höhe
wie im vorigen Jahre, Der Wohnungsnachweis wurde in alter
Weise weitergeführt. Der Schaufensterwettbewerb erfolgte in
der Woche vom 24.-29. Oktober und wurde durch einen Licht¬
bildervortrag des Herrn Oberlehrer Höfert über „Die Kunst im
Schaufenster“ eingeleitet. Ein dauernder Erfolg des Wettbewerbs
ist jetzt schon sichtbar: Eine grosse Anzahl von Schaufenstern
wird das ganze Jahr hindurch in gleich geschmackvoller Weise
dekoriert wie für den Wettbewerb. Gemeinsam mit der Dürer-
Gesellschaft wurde ferner ein Wettbewerb für Reiseandenken
ausgeschrieben. Zum Ablieferungstermin am i. September gingen
39 Entwürfe ein. Bei der Eigenart des Wettbewerbs und der
Schwierigkeit, mit wenig Mitteln Geeignetes zu schaffen, an der
unsere Andenkenindustrie immer gelitten hat, war von einem
ersten Versuche wohl nichts ganz Hervorragendes zu erwarten.
Wenn der Gedanke in Stettin mehr Wurzel gefasst hat, ist zu
hoffen, dass bei der beabsichtigten Wiederholung einer solchen
Konkurrenz greifbare Erfolge zutage treten werden. Seit dem
z. Januar 19x0 wird städtischerseits eine Statistik des hiesigen
Fremdenverkehrs geführt, die das erfreuliche Resultat erwies,
dass im Jahre 1910 76 536' Fremde in Stettin geweilt haben.
Qeredinet sind hierbei nur die in Hotels abgestiegenen Fremden.
München und der Fremdenverkehr. München ist
heute zweifellos eine erstklassige Fremdenstadt, mit allen
Vorzügen und Nachteilen eines starken Fremdenverkehrs.
Vor allem ist das Leben für die Einheimischen dadurch
wesentlich verteuert worden, so dass München nicht mehr,
wie einst, zu den billigsten, sondern den teuersten Städten des
europäischen Kontinents gerechnet werden muss. Aber auch
die Fremden selbst wissen allerlei Unerbauliches zu erzählen,
so dass einmal in einem auswärtigen Blatte vor München förm¬
lich gewarnt worden ist. Es handelt sich dabei um die Aus¬
beutung der Fremden durch gewisse Hotels und Premden-
pensionen, so dass der Münchener Magistrat kürzlich eine orts¬
polizeiliche Vorschrift erlassen hat, um die Fremden gegen solche
Ausbeutungen zu schützen. Fremdenpensionen sollen künftig
der Konzessionspflicht unterstellt, die Zimmerpreise angemeldet
und in den Zimmern angeschlagen werden. Wer dem zuwider¬
handelt, soll gerichtlich belangt und öffentlich namhaft gemacht
werden. Im bayrischen Hochland sind übrigens gleich strenge
Massnahmen geplant. Von der Presse wird natürlich dieses
Vorgehen gegen Ausbeutung energisch unterstützt.
Zur Hebung des Fremdenverkehrs. Die vom
Thüringer Städtetag gewählte Kommission zur Gründung eines
Thüringer Verbandes zur Hebung des Fremdenverkehrs trat
kürzlich unter dem Vorsitz des Oberbürgermeisters Liebetrau,
Gotha, zusammen. Es wurde die Gründung des Verbandes end¬
gültig beschlossen und als Sitz des Verbandes Gotha gewählt.
Radfahrerwege in der Pfalz. Zur Hebung des
Fremdenverkehrs in der Pfalz ist, nach einer Meldung der
„Pfälz. Presse“, neuerdings ein weiterer Schritt unternommen
worden. Den Bemühungen des Pfälzischen Verschönerungs-
Vereins ist es, mit veranlasst durch den Wunsch des Haupt¬
konsulats Rheinpfalz-Südhessen der Allgemeinen Radfahrer-
Union D. T. C., gelungen, durch Vermittlung des Regierungs¬
direktors Dr. Wappes in Speyer zu veranlassen, dass in aller
Kürze der Radfahrweg von Johanniskreuz nach Kaltenbach
fertiggestellt wird und dass ferner die Landstrasse nach Kaisers¬
lautern gewalzt und die Fussbank stärker befestigt wird. Ausser¬
dem wird eine für die Radfahrer sehr unangenehme Steigung,
die rote Hohl bei Kaiserslautern verschwinden, um durch einen
eigens angelegten Radfahrweg ersetzt zu werden. Diese Ver¬
besserung der Wege ist ein weiteres Glied in der Kette der
dankenswerten Bemühungen des Regierungsdirektors Dr. Wappes,
die Pfalz dem Fremdenverkehr immer mehr zu erschliessen,
und es steht zu erwarten, dass für die Folge die Mi^lieder
grösserer Radfahrverbände auf den Wanderfahrten auch die ab¬
gelegeneren Gebirgsteile der Pfalz mehr berücksichtigen werden.
Die Fremdenverkehrszentrale gegen die Lust¬
barkeitssteuer. Die Zentralstelle für die Interessen des
Berliner Fremdenverkehrs hielt kürzlich im Saale des Vereins
Berliner Kaufleute und Industrieller unter dem Vorsitz des
44
DEUTSCHLAND
Nr. 1
Geheimrats Emil Jacob eine Plenarsitzung ab, in der zunächst
zahlreiche geschäftliche Mitteilungen gemacht wurden. Von
wei^ehendem Interesse war eine an die Zentralstelle gerichtete
Anregung, bei der zuständigen Verwaltung zu beantragen, dass
bei den im Fremden viertel liegenden Postämtern sprachen¬
kundige Beamte angestellt werden. Die Zentralstelle beschloss,
dieser Anregung Folge zu geben. Den wichtigsten Punkt der
Tagesordnung bildete die Stellungnahme der Zentrale gegen
die Beschlüsse des Stadtverordnetenausschusses in Sachen der
Dustbarkeitssteuer. Der Vorsitzende wandte sich in eingehenden
Ausführungen gegen die Vorlage, deren Einführung er als
eminent schädlich für die Entwicklung des Fremdenverkehrs
bezeichnete. Man rede stets davon, dass die Steuer hauptsäch¬
lich die Fremden treffen werde und dass die Theaterdirektoren,
die Gastwirte und die anderen Veranstalter von Lustbarkeiten
die Steuer abwälzen würden. Das sei durchaus unzutreffend.
Ein sehr grosser Prozentsatz von Fremden komme doch gar
nicht zum Vergnügen, sondern aus geschäftlichen Gründen nach
Berlin; überdies hätten diese Fremden zu ihrem grössten Teile
mit einem beschränkten Etat zu rechnen, so dass sie keines¬
wegs ohne weiteres den Steueraufschlag tragen, sondern viel¬
mehr die billigeren Plätze als bisher nehmen würden. Der
Redner empfiehlt schliesslich eine Resolution zur Annahme,
die auf das nachdrücklichste gegen die von dem Stadtver-
ordnetenausBChuss gefassten Beschlüsse protestiert.
Die Fremdenstadt Dresden. In einer Vorstands¬
sitzung des Vereins zur Förderung Dresdens und des Fremden¬
verkehrs teilte der Vorsitzende Herr Rudolf Sendig mit, dass
die Vereinigung der Dresdner Mitglieder des Internationalen
Hotelbesitzer-Vereins beschlossen habe, während der Inter¬
nationalen Hygiene-Ausstellung nicht durch eine besondere Er¬
höhung der Preise den Ruf Dresdens als Fremdenstadt zu
schädigen, sondern durch gute Bedienung dahin zu wirken, dass
dieser Ruf gewahrt bleibe, (Anderen Ausstellungsstädten zur
Nachahmung empfohlen! Die Red.)
Eisenbahnwesen.
Der neue Sommerfahrplan. Die soeben heraus¬
gekommenen amtlichen Entwürfe für den Sommerfahrplan 1911
weisen eine Fülle von Verbesserungen und Neuerungen auf,
wie das seit Jahren nicht der Fall gewesen ist. Wie die „Frankf.
Ztg.“ mitteilt, steht an der Spitze die Schaffung der beschleu¬
nigten Schnellzüge Wiesbaden — Frankfurt - Berlin und um¬
gekehrt: Wiesbaden ab 7.30 Uhr vormittags. Kastei 7.40 Uhr,
Frankfurt ab 8.20 Uhr, Bebra 10.50 Uhr, Berlin an 3 34 Uhr
nachmittags. Für den Gegenzug 130 ist die Fahrzeit wie folgt
festgesetzt: Berlin ab 1.45 Uhr nachmittags, Bebra 6.30 Uhr,
Frankfurt 8.55 Uhr, Kastel-Mainz 9.34 Uhr, Wiesbaden 9.47 Uhr
abends. Von Berliner Interessenten ist gewünscht worden, dass
die Abfahrtzeit auf 2.15 Uhr festgesetzt werden solle, damit
etwaige Börsenbesucher ihn noch benutzen könnten, die Ver¬
handlungen darüber schweben zurzeit noch. Beide Züge exi¬
stierten bisher als gewöhnliche D-Züge, verkehrten aber zwischen
Wiesbaden und Frankfurt über Mainz-Hauptbahnhof, der Zeit¬
ersparnis wegen wurde die kürzere Taunusbahnstrecke gewählt.
Zwischen Mannheim und Hamburg verkehren Über Frankfurt
zwei neue beschleunigte Schnellzüge: Mannheim ab 9.58 Uhr
abends, Frankfurt 11.24 Uhr, Hamburg an 8.20 Uhr vormittags,
ferner Hamburg ab 9.05 Uhr abends, Frankfurt 5.42 Uhr vormittags,
Mannheim 7.12 Uhr. Die Züge verkehren über Bebra und haben,
ebenso wie die Berliner Züge nur erste und zweite Klasse.
Zwischen Frankfurt und Leipzig werden zwei Eilzugspaare in
D-Züge umgewandelt. Die D-Züge 97, Frankfurt ab 1.05 Uhr
nachmittags, Leipzig an 8.08 Uhr abends und 98, Leipzig ab
6.15 Uhr vormittags, Frankfurt an 1.24 Uhr nachmittags werden
von bezw, nach Basel durchgeführt. Die ministerielle Genehmigung
erhalten haben auch die beiden Bäderzüge zwischen Wiesbaden
und Berlin über Homburg und Bad Nauheim. Schnellzug D 27
verlässt Wiesbaden um 9.08 Uhr vormittags, Homburg 10.12 Uhr,
Nauheim 10.55 Uhr, Berlin Potsdamer Bahnhof an 7.33 Uhr
abends, ferner D 28 Berlin Potsdamer Bahnhof ab 8.15 Uhr
vormittags, Nauheim 5.09 Uhr nachmittags, Homburg 5.54 Uhr,
Wiesbaden 6.59 Uhr. Beide Züge haben in Nauheim guten
Anschluss. Von Frankfurt geht D 27a um 9.59 Uhr vormittags
ab und wird in Nauheim mit dem von Wiesbaden kommenden
Zuge vereinigt, der Gegenzug von Berlin wird in Bad Nauheim
geteilt, die eine Hälfte geht nach Wiesbaden, die andere als
D 28a nach Frankfurt, wo er um 5.52 Uhr nachmittags eintrifft.
Durch den Bäderzug geht zwischen Wiesbaden und Nauheim
ein Eilzugspaar verloren, dafür verkehren die beiden zuschlags¬
pflichtigen Schnellzüge. Dem Zug Wiesbaden—Berlin D 127
wird in Giessen ein direkter Wagen von Koblenz angehängt.
der mit dem Schnellzug um 11.15 Uhr vormittags dort eintrifit.
Damit sind die Wünsche der Lahnstädte nach besserer Ver¬
bindung mit Berlin erfüllt. Auch im Nahverkehr sind mancherlei
Verbesserungen geschaffen.
Billige Reisen Baden — Schweiz — Italien. Unter
diesem Titel ist ein Prospekt erschienen, der eine Zusammen¬
stellung der im badisch-schweizerischen Verkehr bestehenden er-
mässigten festen Rundreisekarten enthält. Diese Karten erfreuen
sich durch die mannigfachen damit verbundenen Vorteile immer
grösserer Beliebtheit. Vielen Italienreisenden werden die aus¬
führlichen Bestimmungen über die Fahrpreisermässigungen an¬
lässlich der italienischen Nationalfeier sehr erwünscht sein.
Die ermässigten Fahrpreise von Chiasso nach Turin, Florenz
und Rom sowie zwischen den für den Hauptverkehr in Italien
in Betracht kommenden Stationen sind übersichtlich aufgeführt
und die Höhe der Ermässigung durch ein Beispiel erläutert.
Die Uebersendung dieses Prospektes nebst Broschüren Uber
Uebergangsorte nach dem Süden und Frühjahrsstationen in
Baden und dem badischen Schwarzwald erfolg^ auf Wunsch
kostenlos durch die amtliche Auskunftsstelle der Grossherzogi.
Badischen Staatseisenbahnen im Internationalen Öffentlichen
Verkehrsbureau in Berlin, Unter den Linden 14.
Vom grössten Bahnhof der Welt.
Der Bau der Anlagen zum Zentralbahnhof in Leipzig ist
jetzt so weit fortgeschritten, dass die Umrisse des gewaltigen
Werkes, der Gebäude und Hallen, der umliegenden Strassen
und Plätze deutlich erkennbar sind. Früher verzögerte die
Schwierigkeit der Fundamentierung im verschlämmten Parten¬
tale sowie die Beseitigung uralter Bollwerke das Tempo. Das
riesige Gebäude kann leider in dem für Leipzig bedeutungs¬
vollen Jahre 1913 (Völkerschlacht) nur zur Hälfte fertig sein.
Gegenwärtig ist der linke Flügelbau in der Aussenarchitektur
ziemlich vollendet. Das Lineament ist schlicht und ruhig.
Schwere Lastzüge schleppen gewaltige Sandsteinquader von
merkwürdig dunkler Farbe herbei. Diese Steine dienen rüstigen
Arbeitern zur Auftürmung des imposanten Mittelbaus, der ein
kuppelähnliches Dach empfängt. Die Fassade des Mitteltraktes
ist in einer eleganten Bogenlinie nach dem Vorplatze aus¬
geschweift. Die Formensprache hat etwas Kühn-Emporstrebendes,
ein Eindruck, der durch die schlanken, sämtliche Geschosse
durchmessenden Pfeiler verstärkt wird. Eine technische Meister¬
leistung von seltener Grossartigkeit ist die ganz in Eisenbeton
auszufUhrende Querhalle, von der die sechs aus Eisen kon¬
struierten Bahnsteig-Längshallen ausgehen. Zurzeit erregen die
kolossalen Gerüste der Querhalle allgemeines Staunen. Von
der Menge des dazu verwendeten Holzes kann man sich einen
Begriff machen, wenn man vernimmt, dass die Linie der anein¬
ander gereihten Balken und Bretter, sowie der zahlreichen
Stempelhölzer der Strecke Leipzig— Paris entsprechen würde.
Die Querhalle überragt in monumentaler Majestät die vor¬
gelagerten Bahnhofsgebäude. Sie wird nach ihrer Vollendung
mit ihren breitgespannten Gewölben an einen prangenden Dom
erinnern. Von den sechs Längshallen, die auf riesigen Zement¬
sockeln ruhen, ist die zweite mittels eines fahrbaren Montier¬
gerüstes bereits in der Eisengliederung fertig, Eisenbahnzüge
besorgen die bedeutende Zufuhr des zur Niveauerhöhung
nötigen Erdmaterials. Besonders interessant ist der Einblick
in die ausgedehnten Kelleranlagen, deren massive Decken gegen¬
wärtig noch von einem Walde von Stempelhölzern gestützt
werden. Der Ausführungsplan brachte es mit sich, dass zuerst
nur drei Eisenbetonbogen für die Längshallen errichtet werden
konnten. Daher mussten die Ingenieure ein interimistisches
Widerlager schaffen, von dem aus zahlreiche Eisenschienen
dem Drucke der Riesenlast sich entgegenstemmen. Den künst¬
lichen Felsblock, bei späterer Erbauung der zweiten Bahnhofs¬
hälfte wieder zu beseitigen, das wird mit grossen Anstrengungen
verbunden sein. Die Innenarchitektur des Bahnhofs soll in
keiner Weise prunkvoll, aber im höchsten Sinne zweckent¬
sprechend nach Entwürfen moderner Raumkünstler ausgeführt
werden. In den Mittelbau kommt ein von Lichtströmen durch¬
fluteter Speisesaal. Die Farbendekoration wird licht und heiter
angelegt. Spezielle Sorgfalt verwenden die Architekten auf die
Toiletten und Baderäume, die vorbildlich wirken sollen. Die
seitens der Stadtverwaltung vorbereitete Umgestaltung der
Promenaden-Anlagen, die den Bahnhofs-Vorplatz umgrenzen»
erforderte leider die Opferung vieler älterer Bäume, namentlicli
an der Verbreiterung der Goethestrasse und an der Stelle des
einstweilen entfernten Harkortdenkmals. Die in Aussicht ge¬
nommene gärtnerische Neuausschmückung dieses Terrains soll
die ankommenden Reisenden aufs angenehmste Überraschen,
Sie soll den freundlich-anmutigen Charakter des weltberühmten
Emporiums, den Schönheitssinn der Kunst- und Gelehrtenstadt
zum würdigen Ausdruck bringen.
m DEUTSCHLAND
Wichtige Fahrplan-Aenderungen.
(Mitgeteilt von der Königliohen Eisenbahn dir ektion Altona.)
J \ ' 1. Die Yerbindnngen zwischen Altona-Hamburg und
.. -Berl in werden vom 1. Mai d. Js. an durch zwei besonders
' V Mhnellfahr D-Züge mit 1. und 2. Wagenklasse, die ohne
. :Halt zwischen Hamburg und Berlin befördert werden sollen,
• verbessert werden. Die Züge werden fahren:
/ ■/. D 19 Altona.ab 6W>
. Hamburg (Hauptbahnhof) . . . . „ Gio
Berlin L.an 9«
' D 20 Berlin L.ab 8^
Hamburg.an 12oo
Altona.1218
Der Zug D 19 nimmt in Altona-Hamburg Anschlüsse auf von
Personenzügen aus Cuxhaven, Tondern und Kiel, sowie von
dem ‘Eilzug 69 von Lübeck, ln Berlin erreicht er alle Züge
nach Schlesien und dem Osten Deutschlands, an die jetzt
der 17i Stunden vorher abfahrende Schnellzug D 7 Anschluß
gew&hrt.
Der Zug D 20 schließt in Berlin an die Züge D 2 von
Künaberg und D56 von Posen.
Beide Züge — D 19 und D 20 — sollen mit Speisewagen
ausgerüstet werden.
2. Der Zug D 7, Hamburg ab 488, wird vom 1. Juli bis
16. September getrennt von dem Kieler Zugteil nach Berlin
durohgeführt werden und in Berlin 887 ein treffen.
3. Die Nachtverbindungen zwischen Hamburg
und Leipzig werden von den Berliner Personenzügen 205
und 206 losgelöst und durch besondere Schnellzüge 1.—3. Klasse
über Uelzen vermittelt werden:
D 181 Altona.ab 1136
Hamburg.„ 12oo
Magdeburg.an 3^
Leipzig.„ 560
D 182 Leipzig.ab 1006 Im Plane des
Stend^.an Uo / ^
Hamburg.„ gü ^ "“"**“ “**
Altona.„ 561
Die bisher über Wittenberge in den Zügen 205 und 206
beförderten Schlaf- und Kurswagen zwischen Hamburg und
Leipzig gehen auf die Züge D 181 und D 182 über. Der
Zug D181 wird in Leipzig voraussichtlich Anschluß nach
Dresden finden mit Ankunft gegen Uhr früh. Der Zug
'D 182 fährt von Stendal bis Hamburg langsam ohne Halt
auf den kleinen Stationen, damit er nicht zu noch früherer
Morgenstunde in Hamburg eintrifft. Eine spätere Abfahrt
des Zuges von Leipzig ist nicht angängig, weil der Zug
D 162 wichtige Anschlüsse von Sachsen nach Mitteldeutsch¬
land vermittelt, die bei späterer Ablassung des Zuges nicht
aufrecht zu erhalten wären.
4. Die Verbindungen zwischen Altona-Hamburg und
Süddeutschland werden durch zwei besonders schnell-
Uizende, nur auf wenigen Stationen haltende Schnellzüge
verbessert werden.
Die neuen Züge werden die 1. und 2. Wagenklasse
führen und mit Schlafwagen versehen werden. Sie werden
&hren:
Altona .
... ab
811
Hamburg .
. . . ,,
8 ®® —
906
Lehrte .
. . . ,,
1118 —
11*0
Hannover .
11»6 —
1160
Göttingen .
. . . „
IW —
112
Bebra .
. . ,,
300 —
306
Elm.
4*6 —
4*9
Offenbach.
5*8 —
5^
Frankfurt a. M. . . .
. . . „
61* —
5®2
Mannheim .
... an
708
Mannheim .
... ab
9®8
Frankfurt a. M. . . .
■ • * ))
1110 —
11*4
Offenbaoh .
,,
1138 —
1189
Elm .
• • • 11
1268 —
104
Bebra .
. . ,,
2*6 —
2*1
Göttingen .
. . . „
3®® —
400
Hannover .
. . . „
51* —
5®*
Lehrte.
. . . „
6®« —
61*
Hamburg .
. . . „
8 ** —
8*8
Altona .
. . . an
8^1
Hamburg.ab 7io
Lübeck.„ 810
Rostock.„ 1018
Stralsund.an 11^
b Mannheim schließen sich die Züge an nach Karlsruhe—
Stuttgart — Priedrichshafen und Straßburg.
in mm erhalten die Züge Anschluß von und nach München.
5. Eine weitere Verbesserung der Verbindungen von
Süddeutschland nach Hamburg-Altona wird erreicht durch
Herstellung eines Anschlusses in Frankfurt a. M. von dem
Zuge D 11, der von Basel um 7®* abfahren und in Frank¬
furt a. M. 1288 eintreffen soll, an den Zug D 73, der von
Frankfurt a. M. 7 Minuten später, also 12^7^ abgelassen werden
wird. Es wird hierdurch eine neue Verbindung von der
Schweiz und Oberitalien hergestellt werden mit Abfahrt von
Mailand etwa 8f6 und von Luzern etwa 606.
6. Die Verbindungen von London nach Hamburg
werden dadurch erheblich verbessert werden, daß die jetzt
durch den Zug D 93, Hamburg an 6^, hergestellte Verbindung
vom 1. Mai d. Js. an durch den Zug D 97, der in Hamburg 2®i
(19 Minuten später als jetzt) eintreffen soll, vermittelt werden
wird. Der Zug D 97 wird in Münster über Vlissingen und
in Osnabrück über Hoek van Holland Anschlüsse von London
aufnehmen. Zu diesem Zwecke soll der jetzt an Zug D 93
in Haltern anschließende Zug von Vlissingen früher gelegt,
beschleunigt und bis Münster durohgeführt werden, und auf
der Strecke Hoek van Holland—Osnabrück wird ein neuer
Schnellzug eingelegt werden, üeber beide Linien ist die
Beförderung von Kurswagen nach Hamburg-Altona in Aussicht
genommen. Der mit dem Zuge D 97 von Hoek van Holland
eintreffende Kurswagen soll mit dem Zuge D 94, Hamburg
ab 2^, nach Amsterdam über Osnabrück—Rheine zurück¬
laufen und in Amsterdam etwa IQoo eintreffen.
7. Der Lloyd-Expreß Altona-Hamburg — Grenua
und zurück, Hamburg ab 7ii und an 488, war bisher — namentlich
in der Zeit vom 1. Mai bis 30. November — außerordentlich
schwach besetzt. Er soll deshalb künftig nur vom 1. Dezember
bis 30. April j. Js. verkehren und wie folgt fahren:
Altona . . ab lo» Genua . . ab 1®®
Hamburg „ Luzern . . „ 11*®
Luzern . . an 7®® am nuchaten Hamburg . an 5*8 ^ am nächaten
Genua . . „ 4i® / Tage Altona . . „ 6®® / Tage
Die Züge werden wie bisher über Bremen—Cöln—Wies¬
baden—Ludwigshafen—Mühlhausen geleitet werden.
Zwischen Ludwigshafen und Mühlhausen wird der
Lloyd-Expreß mit dem von und nach Berlin fahrenden
Riviera-Expreß vereinigt werden. Hamburg wird hierdurch
eine neue Luxuszug verbin düng' mit der Riviera über Beifort,
Lyon, Marseille, Nizza und Monte-Carlo nach Ventimiglia
erhalten. In Nizza trifft der Riviera-Expreß 6l®, in Ventimiglia
82® ein. Er wird abfahren von Ventimiglia 8^*, von Nizza 10®®.
Voraussichtlich werden zwischen Altona-Hamburg und
Ventimiglia durchgehende Wagen laufen.
8. Zur Verbesserung der Verbindungen zwischen
Hamburg und Stralsund zum Anschluß an die Nachtzüge
von und nach Schweden-Norwegen, Saßnitz ab 3^2 und
Saßnitz an If®'werden am 1. Mai d. Js. die folgenden zwei
neuen Züge eingelegt:
Stralsund.ab 6i»
Rostock. »6^®
Lübeck.w 9®8
Hamburg.an 9®8
Die Reisedauer von H a mh urg na oh Saßnitz wird hier¬
durch von 8 Stunden 24 Minuten auf 6 Stunden 36 Minuten
und die Reisedauer von Saßnitz nach Hamburg von 10 Stunden
38 Minuten auf 6 Stunden 10 Minuten abgekürzt.
9. Die diesjährigen Feriensonderzüge von Hamburg
werden voraussichtlich an folgenden Tagen befördert:
nach Berlin am 3. Juni, 13. Juli, 15. August
„ Wien am 13. Juli
„ Frankfurt a. M,, Basel am 1. Juli, 12. Juli, 14. Aug.
„ München am 1. Juli, 12. Juli, 14. August
„ Stuttgart am 12. Juli
„ Cöln am 12. Juli
„ Erfurt am 13. und 14. Juli
„ dem Harz am 13. und 14. Juli
„ Flensburg, Hoyerschleuse am 13. Juli.
10. Die Husum-Amrumer D a mp f schiff ah rt A.-G.
hat ihre Fahrten auf der Strecke Husum—Wittdün a. Amrum
eingestellt. Reisende nach Amrum, Wyk a. Föhr und Sylt
können daher nicht mehr über diesen Weg fahren.
Die Wyk er Dampfschiffsreederei in Wyk a. Föhr
führt in diesem Sommer direkte Fahrten mit einem neuen
Motorschiff zwischen Wyk a. Föhr und Hörnum a. Sylt aus.
Alle direkten Eisenbahn-Fahrkarten nach Wyk a. Föhr und
Westerland a. Sylt gelten auch auf dieser neuen Linie.
46 g oQOG i QQqeQQQOQQGQQQaxMjeQ^ DEUTSCHLAND ia eeeeeeeGe g3 C)o c€3 eee eoe e eeecB Nr. i
Eine neue Lösung. Der Lloyd-Express hat, weil er
Frankfurt umgeht, dort berechtigte Unruhe hervorgerufen. Jetzt
ist auf Veranlassung der Eisenbahndirektion Frankfurt eine
Kombination mit dem Riviera-Express erfolgt, die den Frank-
fürter Interessen einigermassen gerecht wird. Es wird dar¬
über geschrieben: Ebenso wie der Riviera-Express verkehrt
fortan auch der Lloyd-Express nur noch in den Wintermonaten.
Der Riviera-Express erhält direkte Wagen nach Genua, so dass
man in Zukunft in Frankfurt sowie Überall, wo der Riviera-
Express hält, direkt den Wagen nach Genua besteigen kann.
Der Lloyd-Express verkehrt weiter über Wiesbaden und Mainz
und wird in Ludwigshafen mit dem von F'rankfurt kommenden
Riviera-Express vereinigt und gemeinsam bis Mülhausen i. E.
durchgefUhrt. Dort teilen sich die Züge wieder, eine Hälfte
fährt durch Frankreich nach Ventimiglia, die andere durch die
Schweiz nach Genua. Westfalen und Rheinland erhalten auf
diese Weise, ebenso wie Wiesbaden und Mainz, direkte Riviera-
Verbindungen und Frankfurt direkte Verbindung mit Genua.
In der umgekehrten Fahrrichtung vollzieht sich die Sache in
gleicher Weise. Im Sommer wird fortan, um den Wünschen
Badens gerecht zu werden, ein sogenannter Gotthard-Express
täglich gefahren, der von Berlin über Frankfurt und Karlsruhe
durch die Schweiz bis Mailand und zurück verkehrt.
Neuer Anschluss an die Verbindung Vlissingen —
London. Im Anschluss an den Tagesdienst der Route
Vlissingen—Queenboro—London (Abfahrt Vlissingen 10.55 'vor¬
mittags, Ankunft London Victoria Station 7.33 nachmittags) ist
seit kurzem ein direkter Schnellzug ab London Victoria Station
für Reisende nach der Richtung Leamington, Birmingham und
Wolverhampton eingelegt worden. Da im Anschluss an die
Vlissinger Tagesdampfer direkte Korridorwagen erster und
zweiter Klasse nach und von Berlin, Hannover, Hamburg,
Bremen, Wien, Dresden, München, Nürnberg, Frankfurt a. M.
und Köln sowie Schlafwagen zwischen Berlin—Hamburg —
Dresden über Nürnberg —Vlissingen verkehren, ist durch die
Einlegung des neuen Schnellzuges eine wertvolle Verbindung
zwischen den meisten bedeutenderen Plätzen und Leamington,
Birmingham und Wolverhampton über Vlissingen -Queenboro —
London hergestellt.
Schiffahrt.
Dresden—Sächsische Schweiz. Mit dem 18. März
haben die regelmässigen Passagier - Dampferfahrten auf der
ganzen Elbstrecke Leitmeritz—Sächsische Schweiz —Dresden-
Meissen—Mühlberg begonnen. Der Jahreszeit entsprechend,
sieht der Fahrplan zunächst eine geringe Anzahl Fahrten vor;
doch schon seit dem 16. April haben weitere Dampfer den
Dienst versehen mit Rücksicht auf den Osterverkehr, der bekannt¬
lich in der Sächsischen Schweiz verhältnismässig rege ist.
Am I. April wurde der Betrieb der elektrischen Strassenbahn
von Schandau nach dem Lichtenhainer Wasserfall eröffnet.
Da die Sächsische Schweiz im April besonders stark besucht
wird, dürfte diese Mitteilung allgemein interessieren, um so
mehr, als die meisten Touristen auf dem Wege von
Schandau nach dem Kuhstall, Gr. Winterberg, Prebischtor usw.
dieses Verkehrsmittel benutzen. Interessenten steht auf Wunsch
für das gesamte Gebiet ein kostenloser Führer zur Verfügung,
der durch die amtliche Auskunftstelle der Königl. Sächsischen
Staatsbahnen im Internationalen öffentlichen Verkehrsbureau in
Berlin, Unter den Linden 14, zu beziehen ist.
Die bedeutenden englisch-deutschen Verkehrs¬
verbesserungen und dieHoek van Holland — Har-
wich-Route. Der von der Hamburger Handelskammer sehn-
lichst erwünschte Anschluss von London an Zug D 97 (Hamburg
H.-B. an 2.28 nachm.) ist vom i. Mai d. Js. ab nunmehr
vollendete Tatsache. Die Abfahrt von London (Liverpool
Street Station) erfolgt wie bisher um 8.30 nachm. - eine für die¬
jenigen Reisenden, welche im Restaurationswagen zwischen
London und Harwich am Table d'höte teilnehmen wollen,
höchst bequeme Zeit - Hoek van Holland an 5.20 vorm. (Amster¬
damer Zeit), Hoek van Holland ab 5.37 vorm., Bremen an 1.08
nachm, (anstatt 3.20 nachm.), Hamburg H.-B. an 2.47 nachm,
(anstatt 5.04 nachm.). Die Neueinrichtung im Verkehr London-
Hoek van Holland -Hamburg hat auch auf den Berliner Verkehr
ausgedehnt werden können, indem die Ankunft in Hannover i./t5
nachm, (anstatt 3.05 nachm.) und in Berlin Fr.-Str. 5.20 nachm,
(anstatt 6.51 nachm.) erfolgt. Weiter ist der Einstellung von Kurs¬
wagen Hoek van Holland-Hamburg zugestimmt worden; be¬
kanntlich verkehren solche zwischen Hoek van Holland - Berlin
seit vielen Jahren. Eine um zirka 2 Stunden geplante Verbesse¬
rung nach Leipzig und Dresden konnte wegen der dadurch
bedingten Zugverschiebungen vorläufig nicht zur Ausführung
kommen. Die abgekürzten Fahrzeiten nach Norddeutschland
werden hauptsächlich auf der 260 Kilometer langen Strecke der
Holländischen Eisenbahn zwischen Hoek van Holland—Salz¬
bergen erzielt, so dass es möglich ist, die den Reisenden ge¬
währte bequeme Nachtruhe unverkürzt zu belassen. Um dieses
auch weiterhin ermöglichen zu können, haben die in Frage
kommenden Verwaltungen einen Antrag bezüglich Früherlegung
des jetzt um 5.35 vorm, von Hoek van Holland abgehenden
Zuges nach Süddeutschland um 60—70 Minuten im Interesse
des Publikums wenigstens für die kommende Sommerfahrplan¬
periode abgelehnt, da dieses das frühere Anbringen des An¬
schlussdampfers in Hoek van Holland und demgemäss eine
entsprechende Verkürzung der Nachtruhe bedingen würde. Sollte
es sich jedoch später heraussteilen, dass eine Beschleunigung
des Hoek van Holland-Zuges nach Süddeutschland im Interesse
des Publikums wünschenswert erscheint, so wird die An¬
gelegenheit genau zu prüfen sein. Ausser den direkten Kurs¬
wagen nach Hamburg und Berlin führt der norddeutsche Zug
als Neueinrichtung direkte Wagen zwischen Hoek van Holland
und Halle über Löhne Hildesheim—Hameln -Goslar—Halber¬
stadt, wodurch eine ausgezeichnete neue Verbindung mit dem
Harz geschaffen wird. Was den süddeutschen Verkehr anbelangt,
bleibt die Ankunft in Köln mit Zug D 164 unverändert; dagegen
erfolgt die Ankunft in Frankfurt, über Mainz, um 3.09 nachm, (anstatt
3.29 nachm.). Auch werden neue Kurswagen zwischen Hoek
van Holland—Schwerte Über Düsseldorf—Elberfeld — Hagen und
Hoek van Holland—Bad Nauheim über Mainz—Wiesbaden—
Homburg v. d. H. eingestellt. Im übrigen wird erwähnt, dass
die Aenderungen im englisch-deutschen Verkehr nur als Pro¬
visorium zu betrachten sind.
Luftschiffahrt.
Das Luftschiff „Ersatz Deutschland",
das seit Mitte April in der städtischen Luftschiffhalle zu
Düsseldorf stationiert ist, zeichnet sich vor allem durch
die ganz erhebliche Verringerung des Konstruktionsgewichts
aus, die nicht nur gestattet, mehr Benzin und Ballast
mitzunehmen und dadurch dem Führer des Schiffes bei
etwaigen unvorhergesehenen Witterungseinflüssen in der Fahrt¬
bestimmung eine freiere Hand zu geben, sondern die auch
die Mitnahme von vier weiteren Passagieren ermöglicht
und damit die Rentabilität des Verkehrsmittels erhöht. Dabei
ist mit peinlicher Sicherheit darauf Bedacht genommen, dass
die Stabilität des Luftschiffes, die Betriebssicherheit, durch die
Verfeinerung der Konstruktionen nicht gefährdet ist. Als eine
Lehre von Baden-Baden ist durch eine Über die ganze Gondel
weg unten am Luftschiff angebrachte Aluminiumabdeckung
einer Entzündung der Aussenhaut und der Gaszellen von der
Gondel aus vorgebeugt worden. Der Stahlbandantrieb, der
noch bei L Z VI vom vorderen Motor zu den Luftschrauben
führte und der infolge geringerer Reibung eine grössere Kraft¬
entfaltung und ein ruhigeres Fahren ermöglichte, hat der
betriebssicheren Kurbelübertragung weichen müssen. Die vorderen
zweiflügeligen, hinten vierflügeligen grossen Luftschrauben sind
anders gelagert worden. Monatelang sind in einer besonderen
Abteilung der Luftschiffwerft die verschiedenen Propellerarten
auf ihre Wirksamkeit und Haltbarkeit ausprobiert worden. Die
Motorenstärke ist gleich 450 Pferdekräften. Vorn wirkt eine
Maschine auf beide Schrauben, in der hinteren Gondel treibt
je ein Daimlermotor die vierflügeligen Propeller. Die Aus¬
messungen sind: 146 m in der Länge, 14 m in der Breite. Die
Gashüllen werden von 18 Zellen aufgenommen. Die Höhen¬
steuerung, die sich immer bewährt hat, ist dieselbe geblieben.
Die Schäden, die das Luftschiff am 14. April beim Heraus¬
bringen aus der Halle erlitten hat, sind inzwischen beseitigt
worden. Bis zum 15. Juli werden bei günstiger Witterung
täglich Passagierfahrten von Düsseldorf aus unter¬
nommen. Anmeldungen für diese Fahrten sind an die Hamburg-
Amerika-Linie in Düsseldorf zu richten.
Ueberlandflug Berlin — Hamburg. Der erste grosse
deutsche Ueberlandflug wurde am 28. März ausgeführt. Um
6' o Uhr traf auf dem Wandsbecker Exerzierplatz bei Hamburg
ein Farman-Zweidecker ein. Es befanden sich in ihm als
Führer der Oberleutnant Erler von den Verkehrstruppen und
als Passagier der Leutnant Mackenthut vom Infanterie-Regiment
Nr. 144 in Metz. Die beiden Offiziere waren um « Uhr mittags
auf dem Flugplatz Johannisthal aufgestiegen und, abgesehen
von einer Zwischenlandung von xo Minuten Dauer in Ludwigs¬
lust, ununterbrochen in der Luft gewesen. Die Landung er¬
folgte glatt und ohne jade Hilfeleistung, da der Flug nicht
angekündigt worden war. Die Luftlinie Berlin—Hamburg beträgt
40 Kilometer.
.^^#v^% B 9 0QOQQOQOQGOOOOOQ3Q 9999e DEUTSCHLAND
47
„Kathreiner-Preis“ München — Berlin. Der
Iig' ^r^ren Jahre von der Firma Kathreiners Malzkaffee-Fabriken
'/«DsiSesetste Preis von 50000 Mark für denjenigen deutschen
' -.lüteger, der auf einem in Deutschland erbauten Flugzeug den
'. Weg München—Berlin durch die Luft zurücklegt, ist soeben neu
äniigeschirieben worden. Efie sportliche Leitung, zugleich auch
. das Preisgericht, besteht aus dem Vorsitzenden Prinz Georg von
'Bayern und den Mitgliedern Kommerzienrat Aust in Firma
KathreinerB Malzkaffee - Fabriken, Graf Bopp von Oberstadt,
Prlsident des Kgl. Bayerischen Automobil-Klubs, Graf Boos-
- Waldeck, Intendanturrat Schädl, Mitglied der Kommission für
‘Loftschiffahrt des Kgl. Bayerischen Automobil-Klubs, und Haupt-
ma^ a. D. Bndres, Generalsekretär des Kgl. Bayerischen Auto¬
mobil-Klubs. Nach den vom KgL Bayerischen Automobil-Klub,
Abt für Luftschiffahrt, München, Briennerstr. 5, zu beziehenden
Bewerbungabedingungen, die vom Deutschen Luftschiffer-Ver-
' band genehmigt wurden, muss der Weg München—Berlin inner¬
halb 36 Stunden zurückgelegt werden, wobei je eine Zwischen¬
landung in Nürnberg und Leipzig und eine dritte an einem vom
.l^eger zu wählenden Ort gestattet ist Die Flüge müssen in
der Zeit zwischen dem i. Mai und 30. November stattünden.
Der Plug nach Amerika auf den Herbst ver¬
schoben. Brückers transatlantische Flugexpedition mit dem
Luftschiff Suchard, die für April in Aussicht genommen war,
ist bis zum Spätherbst verschoben worden, obwohl alle Vor¬
bereitungen im grossen und ganzen zum Abschluss gebracht
waren. Das Ausprobieren der notwendig gewordenen Um¬
änderungen an den maschinellen Anlagen erfordert aber so
viel Zeit, dass der Flug vor dem Auftreten der tropischen
Stürme in Westindien nicht mehr stattfinden kann. Nach der
Ausführung der Probeflüge in Kiel wird das Luftschiff für die
Reise nach den Azoren bereitgestellt werden.
Für den südwestdeutschen Ueberlandflug, der
unter dem Protektorat des Prinzen Heinrich von Preussen in
diesem Jahr veranstaltet werden soll, haben Karlsruhe und
Mannheim je 10000 Mk. gestiftet.
Verband rheinisch-westfälischer Theaterleiter.
Auf Einladung des Direktors*des Düsseldorfer Stadttheaters
Herrn Ludwig Zimmermann fand im Foyer des Düsseldorfer
Stadttheaters eine Besprechung von Leitern der meisten Stadt¬
theater in Rheinland und Westfalen statt, die zur Gründung
eines „Verbandes rheinisch - westfälischer Theaterleiter“ führte.
Der Verband bezweckt im Anschluss an die Bestrebungen des
Deutschen Bühnenvereins, dem die Mehrheit der Stadt- und
Hoftheater Deutschlands, sowie einige Privattheater angehören,
die gegenseitige Unterstützung in künstlerischen und wirtschaft¬
lichen Fragen und soll in regelmässigen Zusammenkünften Ge¬
legenheit zur Aussprache und gemeinsamen Massnahmen bieten.
Der Verband hofft unter anderem durch gemeinschaftliche Ver¬
handlungen mit Gästen und Autoren bezw. deren Vertretern Vor-
teUe für seine Mitglieder zu erzielen. Von weitschauenden, gross¬
zügigen Unternehmungen wird die Gründung einer Verbands-
Chorschule ins Auge gefasst. Als erster Vorsitzender wurde
Geheimrat Max Martersteig (Köln), als zweiter Vorsitzender und
Stellvertreter Direktor Ludwig Zimmermann (Düsseldorf), als
Schriftführer und Kassierer Direktor Karl Ludwig Schröder
(Koblenz) gewählt.
Wagner-Konzert in Mannheim. Samstag, den 6. Mai
findet im Nibelungensaal des Rosengartens in Mannheim ein grosses
Wagner-Konzert statt, das Siegfried Wagner per-
sönlich dirigieren wird. Zur Ausführung gelangen Kom¬
positionen des Dirigenten und seines Vaters Richard Wagner.
Das Mannheimer Hoftheaterorchester wird durch das Heidel¬
berger Stadtorchester auf etwa 100 Musiker verstärkt. Als
Solisten wirken Frau Hafgren-Waag und Herr Vögel¬
st r o m mit. Das Konzert wird zweifellos weit über Mannheims
Umgebung hinaus eine grosse Anziehungskraft auf das musik¬
liebende Publikum ausüben. Nähere Auskunft erteilt das Ver¬
kehrsbureau in Mannheim.
Deutsches Sängerfest. Der Haupt-Ausschuss des
Deutschen Sängerfestes hat beschlossen, das Fest vom 27. bis
31. Juli 1912 in Nürnberg stattfinden zu lassen.
Ein deutscher Ueberlandflug. Der looooo-Mark-
Preis für den gescheiterten Flug Paris—Berlin wird jetzt dem
Verein deutscher Flug^echniker zur Veranstaltung eines deutschen
• Ueberlandfluges übergeben werden. Es soll ein Rundfiug deutscher
Flieger auf deutschem Boden werden, der in Berlin beginnen
und in Berlin enden wird. Bei der Festlegung der Strecke sollen
vom Verein deutscher Flugtechniker diejenigen Städte berück¬
sichtigt werden, mit denen bereits Verhandlungen eingeleitet
worden sind, darunter Aachen, Düsseldorf, Köln, Münster
Dessau, Bremen, Hamburg, Magdeburg.
Theater, festliche und sportliche
Veranstaltungen, Kongresse etc.
Das Programm des zweiten Leipziger Bachfestes,
das vom 20. bis 22. Mai 1911 stattfindet, wird, eingerahmt von zwei
Kantatenabenden, als Hauptwerk die Johannispassion verzeichnen.
Das Fest wird, wie üblich, durch eine Festmotette des Thomaner¬
chors unter Leitung seines Kantors, Professor Dr. Gustav Schreck,
eingeleitet, Sonntagvormittag wird in der Thomaskirche ein musi-
lEillisch reich ausgestatteter Festgottesdienst abgehalten werden.
II Die Kaiser-Vorstellungen in Wiesbaden, die
am zo. und 13. Mai im dortigen Hoftheater stattfinden, bringen
f ala Neueinstudierung „Die Stumme von Portici“ mit Fräulein
Hempel als Elvira und Herrn Jadlowker, dem neuengagierten
Tenor der Kgl. Oper, als Masaniello. Generalintendant Graf
HQlsen-Häseler begibt sich in diesen Tagen nach Wiesbaden,
um die Neuinszenierung persönlich zu leiten.
T- Die Opernfestspiele in Köln. Die Kölner Festspiele
Im Kölner Opemhause beg^innen am ix. Juni mit einer Tristan-
'AuffÜhrung, die von Generalmusikdirektor Max Schillings
geleitet werden soll. Es schliessen sich daran die beiden Auf¬
führungen des „Rosenkavaliers“, am 17. und 18. Juni, beide
unter Leitung des Komponisten Dr. Richard Strauss, der
bei dieser Gelegenheit seine Oper zum ersten Male selbst
dirigiert. Am 2Z. Juni gehen unter 0 1 1 o Lohse die „Meister¬
singer“ in Szene; am 25. Juni findet das Gastspiel des Brüsseler
'Tiieaters de la Monnaie statt, die „Carmen“-Aufführung
in französischer Sprache, unter der musikalischen Leitung von
Sylvani Dupuis. Dann folgt als letzte Vorstellung, am 29. Juni,
V durch ein Wiener Operettenensemble dargestellt, die
«•Fledermaus“! von Lohse dirigiert Die Regie ist Professor
Kt Fuchs (München), Merle-Forest (Brüssel) und Direktor Reiner
. Simons (WieJk) übertragen.
Festspiele in Bayern. Seit einer Reibe von Jahren
finden in Bayern regelmässig Aufführungen von Festspielen
statt, die nur wenig bekannt sind, die aber mit Rücksicht auf
ihre Eigenart allgemeines Interesse verdienen. Es sind dies
vornehmlich Darstellungen geschichtlicher Begebenheiten, die
von den Bewohnern der in Frage kommenden Orte auf histo¬
rischem Boden vorgeführt werden und die schon wegen ihrer
ungemein malerischen Wirkung einen Besuch reichlich lohnen.
Zudem sind diese Städte reich an hervorragenden baulichen
Sehenswürdigkeiten. In diesem Jahre sind u. a. nachstehende
Vorführungen dieser Art in Aussicht genommen: „Das Drachen¬
stichfest“ in Furth i. Wald am 13. August; „Der Meistertrunk“ in
Rothenbur g o. T. am 5. Juni; „Die Kinderzeche“ in Dinke 1 s-
bühl am 17. Juli; „Die Landshuter Hochzeit“ in Landshut am
9. Juli; „Kunigunde, Freiin von Rieneck, das Schlüsselfräulein
auf dem Schlosse zu Gemünden“ in Gemünden am 4. und
5. Juni, 16. und 23. Juli, sowie am 13. und 20. August. Nähere
Auskünfte und Programme, soweit solche bis jetzt fertig¬
gestellt sind, bereitwilligst kostenlos durch die Amtliche Aus¬
kunftstelle der KÖnigl. Bayerischen Staatseisenbahnen im Inter¬
nationalen öffentlichen Verkehrsbureau in Berlin, Unter den
Linden 14.
Vom Rheinischen Sängerbundesfest. Die am
19. V. M. stattgehabte Delcgiertenversammlung des Rheinischen
Sängerbundes, die von Vertretern von 85 rheinischen Gesang¬
vereinen besucht war, galt in der Hauptsache der Besprechung
über das in den ersten Julitagen stattfindende erste Rheinische
Sängerbundesfest, das nach einem Vortrag des Bundesschrift¬
führers Liebenstund einen Einnahme- und Ausgabeetat von
75000 Mark vorsieht. Die Stadt hat durch Stadtverordneten¬
beschluss einen Betrag von 30 000 Mark gestiftet und sich weiter¬
hin bereit erklärt, einen Festplatz von 31000 qm und den grossen
Gürzenichsaal kostenlos zur Verfügung zu stellen. Heute haben
bereits 4000 Sänger ihre aktive Beteiligung zugesagt, so dass
voraussichtlich der Rheinische Sängerbund in einer Chorstärke
von etwa 7000 Sängern auftreten dürfte. Den orchestralen Teil
hat das städtische Orchester übernommen; Generalmusikdirektor
Steinbach wird einleitend selbst das Vorspiel aus den Meister¬
singern dirigieren. Mit dem Bau der Festhalle wird in der
nächsten Zeit begonnen werden. Ein Vorschlag des Bundes¬
vorstandes, zu den Generalproben des Rheinischen Sängerbundes
den Schulkindern unter Begleitung ihrer Lehrpersonen Eintritt
zu verschaffen, fand den allseitigen Beifall der Delegiertenver¬
sammlung. Grossen Beifall löste eine Mitteilung des Bundes¬
vorstandsmitgliedes, des Herrn Justizrat Meyer (Bonn) aus, der
eine Unterhaltung mit dem Protel^tor des Bundesfestes, des
Ministers Freiherm v. Schorlemer-Lieser, über die Feier hatte
48 DEUTSCHLAND is Dooooeooeeeeeeooooeeoee e» Nr. i
und der auf die Einladung zur Teilnahme an dem Feste erwiderte,^ Linienschiff „Westfalen** für die Offiziersmesse stiften will, vor«
dass er sich darauf freue, mit Rheinlands Sängern zusammen-^ läufig aber dem Verbände zu Ausstellungszwecken Obergab.
zukommen; man dürfe bestimmt auf sein Erscheinen rechnen.V
Herr v. Othegraven quittierte über das Vertrauen, das ihm von 1 !
der gesamten Sängerschar bei der erneuten Uebernahme des
Präsidiums dargebracht wurde. Zwei Mitglieder des Beirats, die >
Herren Justizrat Meyer (Bonn) und Lehmann (Krefeld), die durch
das Los ausschieden, wurden wieder- und der verdiente Vize¬
präsident des Kölner Männer-Gesang-Vereins, Herr Wilfert,
neugewählt
Internationaler Armee - Gepäck - Wettmarsch.
Der Dresdner Fussballklub 1893 veranstaltet anlässlich der Inter¬
nationalen Hygiene-Ausstellung Dresden 1911 am 7. Mai einen
internationalen Armee - Gepäck - Wettmarsch. Interessenten er¬
halten Ausschreibungen durch die Geschäftsstelle des Inter¬
nationalen Armee - Gepäck - Wettmarsches, Dresden-A., Kiel-
mannseggstrasse 4.
Insel Rügen. Wie aus Binz mitgeteilt wird, finden
im April in der Sassnitz-Binzer-Bucht wieder grössere mehr-
wöchentliche Gefechtsübungen, auch Nachtmanöver, der deutschen
Kriegsflotte statt. Von der gesamten Ostküste Rügens werden
diese herrlichen Schauspiele gut beobachtet werden können.
Voraussichtlich finden auch Unterseebootsübungen und Landungs¬
manöver statt. Schon seit Jahren werden unsere Rügenschen
Gewässer mit Vorliebe zu Flottenübungen benutzt.
Der vierte internationale Kongress für Touristik
wird in diesem Jahre vom 12. bis 19. Mai unter dem Vorsitz des
Ministers des Aeussern Bernardino Machado in Lissabon tagen.
Zur Beratung stehen u. a. folgende Punkte: Verkehrs- und Trans¬
portmittel, Hotels, Verkehrs- und Propagandavereine, Wander¬
wesen und Erholungsaufenthalt, Publizistik. Die portugiesischen
Eisenbahnen werden den Kongressteilnehmern Freikarten mit
ax tägiger Gültigkeitsdauer, die ausländischen Eisenbahnen Preis-
ermässigungen von 50 bis 75 v. H. gewähren. Zu Ehren der
Teilnehmer werden die portugiesische Regierung und das Organi¬
sationskomitee Festlichkeiten veranstalten.
Ausstellungen.
Gewerbe-, Industrie- und Kunstausstellung in
Krefeld. Die Vorarbeiten für die von der Handwerkskammer
zu Düsseldorf Abteilung VI für den Niederrhein im Mai und
Juni projektierte Gewerbe-, Industrie- und Kunstausstellung
schreiten rüstig fort. Die Anmeldungen aus den interessierten
Kreisen sind äusserst zahlreich erfolgt, so dass die Ausstellung
bei ihrer Eröffnung am 24. Mai ein vollkommenes und präch¬
tiges Bild des modernen gewerblichen Lebens am linken Nieder¬
rhein bieten wird. Das Protektorat hat Staatsminister Freiherr
von Rheinbaben, Oberpräsident der Rheinprovinz, und den Ehren¬
vorsitz Regierungspräsident Geh. Oberregierungsrat Dr. Kruse
zu Düsseldorf übernommen. Das Ausstellungsgelände liegt an
der östlichen Seite der Stadt am Sprödental und ist mit der
Strassenbahn über die Uerdingerstrasse (Strecke Krefeld-Uer¬
dingen und Krefeld-Tiergarten, sowie Krefeld-Hafen) leicht zu
erreichen. Der ganze eingefriedigte Platz umfasst etwa xoo 000
Quadratmeter. Täglich sollen grosse Doppelkonzerte und gross¬
artige Beleuchtungen stattfinden. Der Vergnügungspark umfasst
allein 28 000 Quadratmeter. Hervorragende Schausteller sind
dafür verpflichtet und Aufstiege sowie Passagierfahrten des
Luftschiffes „Ruthenberg“ sind in Aussicht genommen.
Deutsche Kunstwerke für Chile. Für die staatlichen
Museen von Chile hat die dortige Ankaufskommission auf der
Internationalen Kunstausstellung in Santiago de Chile drei
deutsche Bilder erworben. Es ist ein Bild von Prof. Hans
Looschen in Berlin, ein Picknick von Prof. Dr. Ludwig Dett-
mann in Königsberg, eine Madonna von Prof. Walter Firle in
München. Die drei Werke sind für das neuerbaute staatliche
Museum in Santiago bestimmt.
Auf der internationalen Ausstellung für
Reise- und Fremdenverkehr in Berlin hat Westfalen
eine 24 Quadratmeter grosse Wandfläche und eine 9 Quadrat¬
meter grosse Tischfläche belegt. Die Vorarbeiten und die
Ausführung lag in den Händen des geschäftsführenden
Vorstandes des Verbandes in Dortmund. In der Mitte
der Ausstellungswand befindet sich das durch Ausstellung
schon bekannte Bild des Herrn Theodor Heunschild, welches
in entgegenkommender Weise dem Verbände zu Aus¬
stellungszwecken überlassen wurde, darstellend einen Vorgang
bei der Stahlgewinnung im Stahlwerk Hösch. Unter diesem
Bilde sieht man ein dreiteiliges Gemälde: die Hauptsehens¬
würdigkeiten von Münster, das der Magistrat in Münster dem
Als Seitenstücke zu diesen beiden Gemälden hat der Verband
zwei 3 Meter lange und 1,70 Meter hohe Gemälde aus schönen
Gegenden Westfalens herstellen lassen, und zwar eine Schnee¬
landschaft, in dessen Mittelpunkt Arnsberg liegt, und eine
Sommerlandschaft, darstellend den Blick von Grundschöttel auf
das Hohensyburg-Denkmal, also eine typische Westfalen¬
landschaft. Als Fries gedacht, ist dann die untere Fläche in
der Verlängerung des Münsterschen Bildes an beiden Seiten in
I Meter Höhe unter die Mitglieder des Verbandes der Verkehrs-
Vereine Westfalens und angrenzender Gebiete abvermietet, um
das Interesse des einzelnen an der Gesamtausstellung zu
steigern und die nicht unerheblichen Kosten an Platzgeld, Ver¬
sicherungen usw. aufzubringen. Diese Summen hätten aber
nicht ausgereicht, die Ausstellung in der beschriebenen Weise
zu vollenden, wenn nicht der Landeshauptmann von Westfalen
in Anbetracht des guten Zweckes der Ausstellung 1000 Mk. dem
Vorstande des Verbandes zur Verfügung gestellt hätte. Das
Ausland hat sich in hervorragender Weise an der Ausstellung
beteiligt, doch kann hierneben auch die Ausstellung der deutschen
Verkehrs-Vereine bestehen. Ihr Zweck ist ja, hauptsächlich auf
die Vorzüge und Sehenswürdigkeiten aller für den Verkehr
in Frage kommenden Reiseziele Deutschlands aufmerksam zu
machen. Es kann nur jedem, der in Berlin geschäftlich zu tun
hat in der Zeit vom i. April bis 20. Juni, angeraten werden,
genannte Ausstellung in den Ausstellungshallen des Zoologischen
Gartens in der Hardenbergstrasse zu besichtigen, vor allem die
Westfalen, die durch genannte Verbandsausstellung die schönsten
Punkte ihrer Provinz dort wiederfinden werden.
Internationale Hygiene-Ausstellung Dresden 1911.
Seuchenbekämpfung u n d H y gi e n e-A u s s tellung.
In unseren Tagen, wo im fernen Ostasien die Pest wütet, wird
in weiten Kreisen die Frage diskutiert, ob wohl die Gefahr
der Einschleppung der fürchterlichen Seuche besteht. Die Frage
hat zweifellos ihre Berechtigung. Bei der Lebhaftigkeit des
Verkehrs, der sich dank der Vollkommenheit seiner Mittel Über
die ganze bewohnte Erde erstreckt und weder Hindernisse noch
Entfernungen kennt, ist die Gefahr einer weiteren Ausbreitung
solcher ansteckenden Volkskrankheiten sicherlich nicht gering.
Glücklicherweise ist aber die Wissenschaft in den letzten Jahren
so weit fortgeschritten, dass wenigstens in Kulturstaaten die
Menschen nichts zu fürchten haben. Vereinzelte Fälle freilich
werden gelegentlich auch dort einmal Vorkommen. Aus solchen
sporadischen Erkrankungen können sich indessen keine Epidemien
entwickeln, dafür sorgen die Massnahmen der fast bei allen Kultur-
nationen bewundernswert entwickelten staatlichen Seuchen¬
bekämpfung. Die Sicherheit, die sie bieten, ist um so g^rösser,
je tiefer die Wissenschaft in das Wesen der Krankheiten und
ihrer Verbreitungsart eindringt, sodann aber auch, je mehr Ver¬
ständnis die Bevölkerung eines Landes der behördlichen Für¬
sorge entgegenbringt. Es gehört freilich ein ziemlich hoher
Grad von allgemeiner Volksbildung dazu, wenn die Maas¬
nahmen der Seuchenbekämpfung sinngemäss zur Durchführung
kommen sollen; bringen sie doch für den einzelnen wie fUr
die Gesamtheit oft grosse Unzuträglichkeiten. Es kann deshalb
auf diesem Gebiet nicht genug Aufklärung verbreitet werden.
Die Internationale Hygiene-Ausstellung Dresden 1911 will sich
nun dieser wichtigen und auch dankbaren Aufgabe unterziehen.
Das soll nicht in Form trockener Belehrung, sondern an der
Hand eines eindrucksvollen Anschauungsmaterials geschehen,
wie es die Welt in dieser Vollständigkeit und Vielseitigkeit
noch nicht gesehen hat.
Turnen auf der Internationa len Hygiene-Au«-
Stellung. Das Turnen nimmt in dem Programm der Leibes¬
übungen auf der Internationalen Hygiene-Ausstellung Dresden igii
einen bedeutenden Platz ein. Die Ausstellungsleitung hat keine
Kosten und Mühe gescheut, um den Wünschen der Turner¬
schaft gerecht zu werden. Es wird durch die bekannte Firma
Christoph & Unmak in Niesky eine Musterturnhalle mit voll¬
ständig gebrauchsfähiger Einrichtung hergestellt werden. Dazu
kommt noch ein besonderer Geräteraum, der als eine vorteil¬
hafte Ergänzung der Sonderausstellung der Turnerschaft an¬
gesehen werden kann. Ferner wird ein idealer Tumhof in der
Grösse von 50 auf 25 Meter angelegt Auf dem Tumprogramm
stehen folgende Veranstaltungen: Am ii. Juni Frauenturnen
vom Gau 21, am 18. Juni Wetturnen sächsischer Vorturner, am
24. September Frauenmassenturnen und am i. Oktober: Wett¬
turnen der deutschen Turnerschaft. Das Vereinsturnen, daa
am gleichen Tage stattfindet, ist eine Neuerung, von der man
sich viel verspricht, da nach Möglichkeit die besten Tumef aus
allen Vereinen herangezogen werden sollen.
DEUTSCHLAND
' versicht&t auf eine Weltausstellung.
Handelskamtner sprach sich in einem an den
•j gerichteten Schreiben entschieden gegen den
j;*]PHnDi^^ Jahre igao in Paris eine Weltausstellung zu ver-
und auch im Programm der sportlichen Veranstaltungen durch
Vorführung von Lagerspielen vertreten ist, eine Aufforderung
zu einem regen Schriftwechsel zwischen den „Wandervögeln“
und ihren britischen Kollegen, den .Scouts, zugehen lassen.
-^anil^en. ln dem Schreiben wird insbesondere erklärt, dass
. lieh seit'zgoo eine einschneidende Aenderung in den Arbeite-
iiiAHilltaissen vollzogen habe, und dass die Unternehmer infolge
'der Syndikats- und Streikbeweg^^ng sich schwer zu einer
Dieser gegenseitige Austausch von Gedanken und Erfahrungen
soll an dem Tage des Schutzpatrons der Scouts, am St. Georgs¬
tag (23. April), mit einem ausgedehnten Postkartenwechsel seinen
Anfang nehmen, wozu General Baden-Powell, der Leiter der
■ .Trilt verpflichteten, ja sogar sich nicht mehr für die vollständige englischen Vereinigung, bereits Karten in fremden Sprachen hat
. Dorbhfttlürung der übernommenen Arbeit verbürgen können. Da drucken lassen. Durch einen solchen Briefwechsel wird ein wert-
'. 'Äe Stadt überdies eine Reihe unerlässlicher grosser Arbeiten volles Bindeglied zwischen deutschen Jungens und britischen
yorhabe^ würde man die ohnehin schon so grossen Schwierig-
'keilen noch vermehren, wenn durch Veranstaltung einer Weltaus-
Udlnng ein Teil der Arbeitskräfte in Anspruch genommen würde.
—Auch der Pariser Gemeinderat hat einen Beschlussantrag an¬
genommen, in dem die Regierung aufgefordert wird, sich mit
.dem Plan einer im Jahre 1920 abzuhaltenden Weltausstellung
iddit weiter zu befassen, dafür aber Massnahmen zu treffen,
Scouts der ganzen Welt geschaffen. Der „Verband deutscher
Wandervögel“, der in Leipzig gegründet worden ist, umfasst
die beiden grossen Bünde „Alt-Wandervogel“ und „Deutscher
Bund für Jugendwanderungen“.
Bäder und Sommerfrischen.
V ^ , . um eine Reihe internationaler Sonderausstellungen veranstalten
- an können.
Deutschland und das Ausland.
Bad Pyrmont. Die Kurgäste Pyrmonts werden in
diesem Jahre das Fürstliche Kurhaus in recht veränderter
Gestalt vorfinden. Der frühere Säulenhof zwischen Kurhaus
und Kurhotel ist nunmehr vollständig überdacht worden, so
dass hier schöne Räume für die Restauration gewonnen worden
Bereisung Europas durch amerikanische Kauf leute.
- Die Abfahrt zur ersten gemeinschaftlichen Bereisung Europas
für die Dauer von siebzig Tagen durch Vertreter amerikanischer
Handelsinteressen wird am la. Juni d. J. in Boston erfolgen.
Die Veranstalterin dieser Expedition ist die Handelskammer von
Boston. Ihre Teilnehmer bilden zum grossen Teile Industrielle,
Kaofleute und Bankiers aus den Neu-Englandstaaten, aber auch
Vertreter der städtischen Verwaltung und der Handelskammern
von New York, Philadelphia, Baltimore, Cleveland, Detroit,
Pittsburg und St. Paul befinden sich auf der Teilnehmerliste.
Bbenso werden sich einige Vertreter der Bundesregierung so¬
wie solche einzelner Staaten der Reisegesellschaft anschliessen.
‘ Die Teilnehmer benutzen in Europa ausschliesslich Sonderzüge.
Der Zweck des Unternehmens ist ein doppelter. Zunächst
soll dieser repräsentativen Versammlung der amerikanischen
Hsndelswelt Gelegenheit gegeben werden, die Fortschritte der
bedeutendsten europäischen Städte aus eigener Anschauung
keimen zu lernen und durch den persönlichen Austausch von
Brfkhrungen bessere Beziehungen mit Europa anzubahnen.
Weiter soll den europäischen Regierungen und den Handels-
ksmmem Europas persönlich die Einladung der Stadt Boston
zur Teilnahme an dem für das Jahr 1912 festgesetzten inter¬
nationalen Kongresse der Handelskammern über¬
mittelt werden. Der letzte Kongress dieser Art hat 1910 in London
Ststtgefunden, woselbst Boston als der Vorort für 1912 gewählt
wurde. Europa sowohl als die orientalischen Länder haben
während der letzten Jahre wiederholt grössere Delegationen ihrer
führenden Handelsleute nach Amerika geschickt. Die bevor¬
stehende Reise ist aber die erste ihrer Art, die amerikanische
.Korporationen nach Europa bringt. Die Delegierten werden
England, Frankreich, Deutschland, Belgien, die Schweiz und
Oesterreich-Ungarn besuchen. Dem Besuche Deutschlands
wird besondere Wichtigkeit beigelegt, wie aus der folgenden
Aufenthaltsroute zu ersehen ist: 5. und 6. Juli Düsseldorf, 7. Köln,
8. und 9. Frankfurt a. M., 10.—12. Hamburg, 13.—18. Berlin,
19.—ax. Dresden und die Sächsische Schweiz, 22. Nürnberg,
88. Rothenburg, 29.—31. München. Es entfallen daher von dem
gesamten Aufenthalte auf dem europäischen Festlande, der
85 Tage betragen soll, auf Deutschland allein 22 Tage.
sind. Es zieht sich jetzt eine breite Veranda den ganzen Bau
entlang bis zum Kurhotel und vertieft sich hier zu einem schönen
Lichthof. Auf dieser Seite soll in der kommenden Saison
ein vornehmes Weinrestaurant seinen Platz finden. Auch der
Garten gegenüber dieser Terrasse hat sich verändert. Die Aus¬
sicht geht jetzt bis hinunter zur Schlossstrasse frei Uber eine
schöne Wiese. — Der Heilapparat Pyrmonts hat sich im Laufe
dieses Winters in vorteilhafter Weise erweitert und vervoll¬
ständigt. In der alten Kapelle hinter dem Kurhause ist be¬
kanntlich vor zwei Jahren ein Inhalatorium eingerichtet worden,
das sehr guten Zuspruch hatte. Um dieser Frequenz besser
gerecht werden zu können, namentlich zur Erzielung einer
guten Ventilation, hat sich die Fürstliche Brunnendirektion ent¬
schlossen, den Raum durch einen Anbau zu erweitern, so dass
nunmehr hier zwei Inhalationssälc vorhanden sind. Ebenso ist
jetzt auch die Einrichtung des grossen Saales im oberen Bade¬
hause mit einem neuen pneumatischen Apparat vervollständigt
worden, einer komplizierten Maschine, um Einatmen verdich¬
teter Luft und Ausatmen in verdünnte Luft zu bewerkstelligen.
Heidelberg. Die diesjährige Saison verspricht recht gut
zu werden. Einmal sind bereits zahlreiche Kongresse bekannt,
die ihre Tagung entweder in Heidelberg selbst abhalten, oder
aus einer Nachbarstadt zu uns zu Besuch herüberkommen.
Dann aber sind bis jetzt nicht weniger als sechs Schloss¬
beleuchtungen feststehend, und zwar 13. Mai (Deutscher Handels¬
tag), 25. Mai (Kohlenhändler), 10. oder ii. Juni (Deutsche Lands¬
mannschaften, 30. Juli (Lenoensia), 29. September (Naturforscher¬
tag) und 25. Oktober (Lisztfest). Da die zweite Schlossbeleuchtung
gerade auf Himmelfahrt fällt, so werden an diesem Tage vier
Extrazüge fahren, und zwar von Frankfurt a. M., Wies¬
baden, Heilbronn und Stuttgart-Pforzheim, die alle ihre Teil¬
nehmer am selben Abend wieder zurückbringen.
Wiesbaden. In der Sitzung der Kurdeputation am
28. März wurde der vom Bürgermeister Glässing gemachte
Vorschlag auf Reform der Kurtaxe einstimmig ange¬
nommen. Der Vorschlag hält an der obligatorischen Kur¬
taxe fest, stellt aber die Wahl des Kurfaktors (ob Kochbrunnen
oder Kurhaus) ganz in das Belieben des Kurgastes, um den
verschiedenen Bedürfnissen des Fremden-Publikums gerecht
Deutsch-amerikanische Austausch-Professuren.
Die Regierung der Vereinigten Staaten ist mit der preussischen
Staatsregierung wegen des Austausches von technischen
Professuren in Verbindung getreten. Fürs erste ist eine
Austauschprofessur für Verkehrsverhältnisse vorgesehen.
Im Winter Z9n wird an der Technischen Hochschule zu Char¬
lottenburg als erster amerikanischer Austausch-Lehrer Professor
Pheraon Logan über amerikanische Eisenbahnen lesen. Logan
war Mitglied der technischen Studienfahrt nach Deutschland
im Jahre 1909 und hat als solches bereits Fühlung mit indu-
atiieUen Kreisen genommen; Von deutscher Seite ist bisher
noch keine feste Zusage ergangen, doch wird in eingeweihten
Kxeiaen der Name des Professors Ernst Meyer genannt, der
aerotechnische Vorlesungen an einer amerikanischen
Universität halten soll. — Der Professor der Pathologie an der
Havard-Universität, Theobald Smith, wurde zum Austausch-
ProÜBSaor an der Berliner Universität ernaxmt.
Deutsche und englische Wandervögel. Der be-
kasmto englische General Baden-Powell hat dem „Verband
dsutacher Wandervögel“ der für die Internationale Hygiene-
- .AOMtMlong Dresden X9n eine Sonderausstellung angemeldet hat
zu werden. Die Kochbrunnensätze betragen die Hälfte der
Kurhaussätze und berechnen sich für zehn Tage auf 4 Mk.,
für sechs Wochen auf 12 Mk., für drei Monate auf 20 Mk. Mit
dieser Preisdifferenzierung soll der Ueberfüllung des Kurhauses
vorgebeugt und anderseits den Fremden die Wahl einer nie¬
drigen Taxe ermöglicht werden. Die Hoteliers werden die
Taxe erheben; es wird dadurch der Belästigung der Fremden
durch die städtische Behörde vorgebeug^. Dem Passanten¬
verkehr wird Rechnung getragen durch Verlängerung der
kurtaxfreien Zeit auf fünf Tage (statt vier, wie bisher), ferner
werden den Fremden nach schweizerischem Muster sogenannte
Kurhefte gegeben, in denen sie wesentliche Preisermässigung
auf die Benutzung von Privatinstituten (Theater, Rennen, Golf¬
platz, Lawn-Tennis, Rheindampfschiffahrt usw.) erhalten sollen.
Besonders wertvoll für die Fremden ist, dass sie zu jeder
erstmalig gelösten Karte beliebig viele Zehn-Tageskarten lösen
und dabei den Kurfaktor wechseln können, d. h. [einmal auf
zehn Tage Kochbrunnen und dann wieder zehn Tage Kurhaus
abonnieren können. Auch ist Familien gestattet, dass sich das
Familienoberhaupt die niedrige Kochbrunnentaxe als Haupt¬
karte wählt und als Beikarte für die Familienmitglieder die
Kurhauskarte zum ermäasigten Preise.
50
DEUTSCHLAND
Nr.l
Verschiedenes.
(DerfKronprinz über seine Reisestudien.
Der bekannte Forschungsreisende Dr. Oskar Bongard ver¬
öffentlicht jetzt im „Leipziger Tageblatt“ persönliche Aeusse-
rungen des Kronprinzen über seine Studien. Der Kronprinz sagte:
„Man hat es mir verübelt, dass ich nicht Tag für Tag von Tempel
zu Tempel, von einem Museum in das andere gelaufen bin, und
hat es so darzustellen versucht, als hätte ich nur für Jagd, Golf¬
spiel und Polo Sinn gezeigt. Das ist unwahr! Sie, Dr. Bongard,
kennen Sir Harold Stuart, der mir beigegeben war; es ist einer
der höchsten Beamten des Landes mit dreissigjähriger indischer
Erfahrung. Er war Tag für Tag, von meiner Ankunft in Indien
bis zur Abreise um mich, und die Unterhaltung mit ihm war
eine nie versiegende Quelle der Belehrung, gleichgültig, ob wir
in der Eisenbahn zusammen sassen oder zur Jagd fuhren. Ich
habe Ihnen schon Sir John Hewett und Sir Roos Keppel genannt;
ähnlich war es mit dem höchsten Richter Indiens, Lord Jenkins,
ferner Sir Bayley, dem Residenten in Haiderabad, und den anderen
hohen Beamten und Offizieren, mit denen ich in Berührung kam.
Sie können sich doch denken, dass die Engländer mir gerade
ihre bedeutendsten Männer, die sie in Indien haben, zufUhren.
Von der Unterhaltung mit diesen hatte ich in einer halben Stunde
mehr Gewinn, als der tagelange Verkehr mit Durchschnittsmenschen
bringen kann. Informierte mich der Umgang mit diesen be¬
deutenden Männern über die wichtigen Fragen, die Indien be¬
treffen und die Wirtschaftspolitik der Völker beeinflussen, so
lernte ich beim Sport, dem ich mich gern hingebe, einen Teil
des englischen Volkslebens kennen. Bei den Spielen waren
Kaufleute, junge Beamte, Offiziere, kurz alles vertreten, was an
Engländern in Indien lebt. Es waren prächtige Menschen in
ihrer ungezwungenen, männlichen Art, die nicht ein einziges
Mal taktlos wurden. Durch die Unterhaltung mit ihnen habe
ich Einblicke in das englische Leben gewonnen, die mir wertvoll
sind, und die der Erbe eines Kaiserthrones sonst nicht so leicht
erhält. Nicht minder wertvoll war es für mich, unsere deutschen
Kaufleute und ihr Wirken kennen zu lernen. Es hat mich mit
Stolz erfüllt, zu sehen und auch von englischer Seite unparteiisch
zu hören, welch geachtete und bedeutende Stellung sie einnehmen.“
Dankschreiben des Kronprinzenpaares an den
Norddeutschen Lloyd. Aus Anlass der verschiedenen
Reisen, die der Kronprinz und die Kronprinzessin im Laufe der
letzten Monate mit den Dampfern „Prinz Ludwig“, „Lützow“
und „Prinzregent Luitpold“ des Norddeutschen Lloyd unter¬
nommen haben, haben die hohen Herrschaften der Direktion
des Norddeutschen Lloyd in einem besonderen Dankschreiben
ihrer Anerkennung für die getroffenen Vorkehrungen sowie für
die Verpflegung und die Bedienung an Bord dieser Dampfer
Ausdruck gegeben.
Eine Fahrt deutscher Arbeiter nach England.
Die Leser der Zeitschrift „Deutschland“ werden sich aus dem
vorigen Jahre des Besuches der Mitglieder der englischen Adult-
Schools erinnern, über dessen Verlauf in Düsseldorf und Frankfurt
a. M. in Nr. 7 berichtet wurde. Die Engländer hatten damals ihren
Gastgebern eine Einladung zu einem Gegenbesuche in Aussicht ge¬
stellt. Diese Einladung ist vor einiger Zeit an die Leitungen der
Düsseldorfer evangelischen Arbeitervereine und der Deutschen
Gewerkvereine ergangen, die im vorigen Jahre für die Unterbringung
der englischen Gäste Sorge getragen hatten. 50 Mitglieder dieser
Arbeiterorganisation rüsten sich, um im Juli englische Gast¬
freundschaft zu gemessen. Besonders mit Rücksicht auf die
kürzlich gehaltene Rede des englischen Staatssekretärs des
Aeussem, Sir Ed. Grey, wird die Friedensfahrt der Düsseldorfer
und Frankfurter Arbeiter in diesem Sommer von Bedeutung sein.
Das Programm sieht folgendes vor: Am Samstag, den 8. Juli,
morgens Ankunft in London, wo die Gäste von den Adult-
Schools-Mitgliedern des Unterhauses in dessen Räumen begrüast
werden. Nachmittags führt der Zug die Gäste nach Birmingham,
der Stadt Joe Chamberlains. Der Sonntag und Montag und der
Dienstagmorgen sind der Besichtigung Birminghams, seiner
sozialen, kulturellen und wirtschaftlichen Einrichtungen und dem
Besuche Stratfords on Avon, dem Geburtsorte Shakespeares, und
der Gartenstadt Bonruvilles, einer Schöpfung des englischen
Volks- und Menschenfreundes Cadbury, gewidmet. Am Dienstag¬
nachmittag führt sie der Zug nach Manchester, wo Massen¬
versammlungen, Empfänge durch den Lordmayor, in indu¬
striellen Werken, Besuche sozialer Einrichtungen usw. vor¬
gesehen sind. Der Aufenthalt in Manchester dauert bis Donners¬
tagmorgen, an dem die Weiterfahrt nach Leeds, dem Hauptsitze
der englischen Wollindustrie, stattflndet. Am Freitagmorgen
erfolgt die Weiterfahrt nach York, einer kleinen, alten Stadt, die
aber sehenswerte historische Denkmäler aufweist. Gegen Abend
erreichen die Gäste Leicester, wo eine starke Adult-School-
Bewegung ist. Die BegrUssung erfolgt in einer grossen Volks¬
versammlung. Dann geht es nach London. Nach einer Be¬
sichtigung der Hauptsehenswürdigkeiten der Stadt findet am
Sonntagnachmittag eine Abschiedsversammlung statt, zu der
eine Reihe führender englischer Parlamentarier ihr Erscheinen
jetzt schon zugesagt haben. Die Reise wird insofern von Be¬
deutung für die deutschen Arbeiter sein, als sie in allen
Städten, die sie berühren, Gäste in englischen Arbeiter- und
Bürgerfamilien sind, und so in der Lage sind, Vergleiche
zwischen ihren Wohnungen und ihrer Lebensweise und der
ihrer englischen Gastgeber anzustellen.
Neue Rheinbrücke bei Honnef. Die endgültige
Genehmigung zum Bau einer Rheinbrücke von Honnef nach der
Insel Grafenwerth ist am 2. April eingegangen. Mit den Arbeiten,
die der Firma Helff & Heinemann in Köln übertragen worden
sind, ist nunmehr begonnen worden. Die Kosten sind auf
280000 Mk. veranschlag^.
Die Schüler- und Studentenherbergen am Rhein
im Jahre 1910.
ln keinem Gebiete Deutschlands hat die Herbergseinrichtung
einen solchen Aufschwung genommen als am Rhein. Die Zahl
der Besuche stieg von 3740 auf 6510 und hat sich also fast
verdoppelt. Ueber den Gesamtverkehr liegen folgende Zahlen vor;
Herberge
(iesamt-
.\iisl)eutsi'liland
.\us Oesterreich
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, beMich
auss. Iiheinland
und Luxemburg
Schüler
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Schlangenbad
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17
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Sinzig
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i:)i
12
44
i;:.io
224
i 737
Im Vt»rjahre bc-
Irugoii die Hesiiclie
öT-tH
49
1 522
Welche Summe von Lebensfreude, Jugendlust und Wander¬
glück spricht aus diesen Zahlen! Sie beweisen aber auch die
Beliebtheit des Rheines, seine Anziehungskraft auf die deutsche
Jugend. Aus allen Gebieten unseres deutschen Vaterlandes, aus
Luxemburg und Oesterreich strömt sie herbei, um des Rheines
Herrlichkeit zu schauen und zu bewundern. Die 6510 Besucher,
namentlich die 3589 aus den ausserrheinischen Landen und die
224 Oesterreicher und Luxemburger, die wohl meist den Rhein
zum erstenmal sahen, sind nach ihrer Rückkehr ebenso viele
Lobredner und Verherrlicher des schönsten aller deutschen Ströme
und seines hervorragendsten Gebietes. Begeistert erzählen sie
von ihren Wanderungen auf den Rheinhöhenwegen, von den
wundersamen Fahrten auf den Rheindampfern, von den rheini¬
schen Burgen, dem rheinischen Wein und den gemütlichen
Rheinländern, und bilden so eine Reklame, wie sie wirkungs¬
voller und idealer nicht erdacht werden kann. Von den 54000
Besuchern der 394 Herbergen Deutschlands und Oesterreichs
zog es 6510, also 12 Prozent, zu dem kleinen Gebiete zwischen
Bonn und Mainz, seine Herbergen waren in den Ferien Tag
für Tag überfüllt, eine davon, Bingen, ist mit 1221 Besuchen
sogar die besuchteste von allen Herbergen Deutschlands und
Oesterreichs geworden, und mehrere andere stehen nicht weit
zurück. Angesichts des starken Besuches ist die Vermehrung
der rheinischen Herbergen eine unabweisbare Notwendigkeit,
da die vorhandenen Herbergen den Andrang nicht bewältigen
können. Ebenso dringend notwendig ist eine Beteiligung aller
Rheinorte, aller Vereine zur Hebung des Verkehrs und aller
opferfreudigen Bewunderer des Rheines an der Herbeischaffung
der Mittel, die der Rheinische Verkehrs-Verein und die lokalen
Vereine, die die Herbergen gegründet und die Rheinhöhenwege
geschaffen haben, allein nicht aufbringen können. Das für die
Höhenwanderungen am Rhein und die Dampferfahrten eigens
verfasste Rheinwanderbuch von Hans Hoitz ist inzwischen in
zweiter, verbesserter Auflage erschienen.
pJr.i DEUTSCH LAND s^ee©ee0e0^^90©^^i^ee0ee^ m
Einblicke in dieMij^ri*ielUn Ef-
gebnf«i£ O berat« m e rjf411 sftif; P äsölö&s«
IfewjUirt die »öffbci"! eracbieneac Abrtchhuß^ für die vcr^öS&etie
Spielxek. Die ^samudnnahraeii beliefen auf 17^4 7^^ Mk., die
AiiBgÄbeo einsj^i^ikh der Honorare äö dk Mitspklefideß aaf .
1 54a 43b Mk.^ ac» dftflWj Bieh ein Utsberecbtis® iftin s6a 30« Mk* ergibt,
Von dkOTfm OebiifachtiBs sifid bereiis tae jjäijMV. fßr deö Sdilacht-
batianetibaUt ifbr deü Ldehenh.a^Bneühan und die Ammerkorrektioii
aas^cg^b^ wörd^p Der Hieal soil wie fol^ Verwendung fiadeti :
ftir Hre^kbe 4^000 Mit,^ für Zwecke der Erziehung
und HUdt^n^ 1(5^00 Mk*, < 11 r WobU^tigWeits-rweeke 35500 Mk.
Darunter' befinden sieb i5?>po Mk> für eiüe zweite ambulante
KrankenBubwesferf Mk, fUr die katboli^cbe- Pfarrkrr^he in
I^Kdibau^u bei Augsburg und 500 Mk, für eine Ged^Vtaftel
atif daa l^bdtsP, Otto mar Weka in der Gemeinde Je^aeWabgf-':
l^r dk weiteren 'Waa^crkilüng, sind ^üi&öo Mkr
*rur F<».rb$irtcung und Vtergrdsserüng der Ksriahäatibß
d^f Fonds zur F&rdtruogVä^^
UnteraiHtiun^ dar InduMrie iaooa Mk^, der Fijndfe zur He^bung
där I-andwirtsob^h nur töooü Mk, erhalten söll, ßa.für
i^w nweb ^000 Mkt aur Fcfdetung: der gern eindlicheb liinSen-:
knltur uA 4 4160Ö Mk tür Obstbau und Bienenzuclit eiqgesieUt.
Dem Versqhöuerüicig«- und Fremden verkehrt-Verein sind 35000 Mk.
aUgedaeÜrft/ Eine gan; 5 e Aaaabl von V er einen erhielt kleinere
Beiträge^ ad de? yeteranenverein 500, der triederkranz 5PO1 der
TUfDV^Jrein i^Oo, die Frei willigt Feuerwehr laoo^ der Itatbolische
Oaaentnt^erl^m aod^ die Volksbibliotbck 1000 und die Penaions^
aiiatalt Detitacbaf Jouiinajästeb und Schriftsteiler 500 Mk. Grosse
B^trägia Üteaaen in^ den gerafindlieben FciOslonaforida, sibd
bfcstsiDOat für die Ajmeerkori^ektiön, je 30000 Mk^ :.^r
Efii*itu*|r dB? Gem^ßdegebäude und fils Hilfafoqds^ für :
wl^idacbe 35 oo n Mk. für W il d b sch vor ba 11 u n gertj- ^ AnV
TatBacite^. ■ dass dte I^icbttferhältnissc':--sui;\.'de^
Pa«;« 6 »tt 6 bÜbtie mitdöier zü wBuseben übrig lassen, tsfnd 50^
lEbr Äth pjbjekt beslimTot, uqi «inc bessere t-i^rbtwirkung' jtm ■
PjUiaiqnathfcater au erretteor Einige 3500 Mk. verbleiben noch
als Reserve.. Die Oberamniergauer könneri mit ibren üeber*
1 aohllfaftu* die ihuep verschied entliehe Prozent Steuern erspareni
aufneden stto.
AtiaaiohtSttirm auf dem Aunaberg bei Neurade«
Si«er der achbnsteo 10 üristi scheu Punkte der dem Gl au et
Gohirge votgelÄgtrtoo Höhenzüge, ist der Annaberg bei Neuro de,
Dit Ortagrupj^c t^eqtbd« de» Olauer wird auf
dem AtloAbttge *in«n Auasiebtsturm «Jrticibt^^n; Es tiiqd bterjüf
füiif EniwütfÄ ausg^ea rhftitei; wor d e n. De r: T« rrÄtn^rwdrb ist
bereits erfolgt Die K osicö f tir : d ;$ b Biu d^v ety ä 15 M etef
hohen Tßfrata m VeJfauöchbgt,. tm
t^aUfa tS^is; äbmrs ^dSi d hj Gayddstethlegujiiy ib dem slaU>
findenyud'/d|is'V^oliettduhg; d*a:Bftyj[-ahre •
ElSh sleu tach-am erik anik ches Nation al-DcnkmaL
Ein d eutech^amenkab lach e^NaäabaF Denkmal sollin Germ an tu wn,
einer Vorstadt von Philadelphia, da:^ i6£3 von Metmvynhen aus
iCrefeld gegründet worden ist, errichtet werden. Zu dksem
Zwecke ist Wettbewerb aur ErlaDgußg von Entwürfen in Au-^
si^t. genommen. Die HejsteUungeetitnme desi Beakmala wird auf
5öObö Dojlaia gOHchäm, Hiervon bewilligte die Landcaregierung
>5000 Dollar»* Die andere wird durtiti Sammlungen
auf^bracht.
Biicherschau.
■ Mitteilungen.- .df^'«'.■.. Hheini^.chc^b; .ys-remfi. •f-Jür
Den ktnalpflegCi 5? Preis 3 Mk.. (GÄschiff».-
stelle Cob Ic £1 a), Ein K; d I n k r H t Übergib t dkr ^ ■ w d i g+
V e r e i n K ö 1 n d er Dkffehtiichktit.. Dem , v^n Baurat ■ F*. &
Kfiniann, der aich um die HfbaÜBgabe des interessanten Heftes
sehr verdient gejnauht hati verfassten Botvebt eumfshmen wir
folgtndea; Bei seiner Gründung (19b?) waltete in und Äweck
neben der Teilnahme an den grossen Auf gaben i d^ren ibösung dem
Hauptverciu für den gaqieo Bereich der Rheioprovtnz zufäJlt, die
Absicht öbv Jfür die Er/örschufig und Erhaltung der geschichtlich^»
künst- und k^l'^^T'gescblchtiieheo Denkmäler der Stadt Köln
besonderc öriliche 'Taüjgk'öit zu ehtiaicen, die Beac.btung und Wen-
achätsung des khfrtbai'i&h l^fbds uh^ciier Vöf^^h^h äU
erregen. Solche Wirksamkeit düfftft Xnhält dieso»
der ,Mitthüit£ige ti** zum Ausdtuck brihg^n, Ve rhrmint] er sieb
doch übejf alle KuUurperiodetn der, Qoiyniä. die römischd,
mittelalterUchtt ühd heUzcitlichc, wilf:|ö und Bild , aut
ih re f ftai 2 v-reitau spndiährigTC »vöchja^ydhäi ■, Vangeh fayif, die
h ö h4j Bed cUt URg ei ti e t Anza hl v qrt B : yb d tCü n sltHork&n deh
Blick lenken^ daniit im Zhfismimenhiatjg f^chtliehe Gnitidlagehr
V^fo-scungawesto^ HmvdciW hnü V^rkebrsvörh^ftniaae s^chüdern-
Der Kunst itn Öott«aöau><^ jm Bütgerhuuso i^t gleiche
jrUtksiohtiS^hg rut^ii ifjswrcjtiäfim;; Ahbanäl^ ühd Bildschtnuck
bieten bei dem uhe^schöpflicheti Denfc*
mal schätze der Stiidr und K^hde voh so manchem, dessen
Vertust wir .zu beklageq yoo vielem, da* iaiich istuf unsctrit:
;^^ag:e giückjith hinüberg creitet h^t, afiich Vött iifnigem.* da»
eiaer neijert, durch- di^ weilgehendty Fatderunj^ri. des yerkehra
und der öfftiith^heh Gesundheji^pdagc Plflh-
: ge&taitung des Ört^ü eebon zürn Opfer f^ahen musste, oder Tm
Bälde das gleiche Geettbi^^k au ef^tfaneri hab
F h b T e r dri r ch d a » B e t g i ^ ch e X*-^.n d, 7 Büg. in
k-JTtdh Utiischla|[ mit 3 Htjhs^uschichtsin-Kitrieti in Siftbi&ßfarbeti-
d ruck ,■■■. -V ofii'. V fr? baß d®. ■ B ergi.scb/er yorkehba ' heraus^-
gcgkbefi, tvt im Verläge dser Buchdtück&rei hüd Verhugshshdluhg
A. M a r t i 0 :i ^ 5 : G t Ü t t e f i ^ a f E t h # f f * 1 d ao^heh er^hit n etl.:
■ ^ Der V'r:rhantl Bet^Ssche^ V^^rkehfs^yertihe heachlOFas icf
KBAiptveräammluhg am sS. JutU 1:307 die Schafffinig «öfters Woge-
ijber Aas, gaiiae Gehiei de^ Bergisclien Irandfe®
und betraute mit der Ausf Uhr ubg dieae* Planes eine ft AusachüSB-
Nach jahrelangen mühevoUen Vorarbeiten dieses Ahsschiiaaea
und insbesohdete seines verdieostvollen VoTsitzenddh Herrn
Direktor Gun ekel ist die Sache nun so weit gediehen, dass
im Frühjahr und Sommer d. J. die Wegemarkierung durch-
yeiührt wird. Es haud&h sich dabei um 33 HaupIwahdcrstiockÄn
und eine grosse Zahl Von Hchenatrecken und Ortsstracken, In.»-
: gesamt 131 Wand erstrecken. Zur Verbreitung det Kenhfnja
Erscheint nub dör oben genannte Führer,
■ 4.ßt- au-rbaut:'. Daa'sorgfältig durch’
. ■gt'dj:b^"tet*- Weri£C-hkh cntftpifblit dera selt'San.geß |ahreji beatbh*ii-
dc^3 3 E?edÜTfAb hach einem wtfkUcb bcauchbareti Führer, der daa
gesabde Land* ein»cbli^^fGsllch des Oberbergischenv
tirhfOfSäXf Zwei vpr^llghcho, in Sieben£flirbendTüc.k hergestellte
floh eü ^ f f * n n d denV Führ er b eigege b en. DeirVer-
kaufspreift für den Führer und die beiden Karten in Papphlllae
beträgt Mk. 1,50.
liKM III t i 111 } 1 i t (II i M 11 JIM 11111111 n 11 i 11111 MIII 111 M 11111 n I > 111 i 1 1 1 iiitt
ini Wildparke der m
OfDcheni^urs »ei R9nHier b. im. |
Höhser komplett ein^efiijbtet ^ TefepHoü Lickt ^
^ vom iS. April bis 15. Oktober f J- M
mit lind cihfie Pension zu verfiiieter). ^
Näheres darch die OTrektiofL ^
i.m^^ iii 11111 ii riirtii 111111111 it iiniui
52 0BUTSCHLAND gsei^aaQBee Doeeee t aeBeeeeeee ga Nr.T
V©rkebrB - Ve r e i ö. M si ft n b < i m- M tu ixroe^ %i
d5c 2weite Anfla^* eitjes A n ^ i e d c 1 ü n g ^ f ü b f; ^ r fiii; 4ia
Rh ei ß-Neckarstadt. Düc Schrift, die lißttT Mrtwirkung; dfejrSt^dl'
verw^altuog' veröffentlicht vj?irdi verfölgt den -^weck, in küt*
iUsartimenfasseEdcT DiraleJltin^f «meTi aitgerntenen Uebeilblii^k i
Eber die wichtigMert Verhältiiisse ari ^ebeis, die f^r itsitse A 0 ^
s i c de 1 u □ i n Msoöh&iir^ ab Setr^iclit k^nirnen. I>i<5 Bro>
sebfltfir wild 'cingcl^im thtt. AiEgerrifrinso Angap^ti^ an die sjeh
dLiÄ; ; : öbftv d ie ' Verkfeb.tsvefbä*Jth:i»seT
^^B-Vtödhidtae vtrh Bis, . S^ih aten/ :&.DJbStig't Bild U n , ■•
KuflatpEege und Uhctwr-haltud^, Pr eis Verhältnis&a titiuJ die Srcuelb.
^15: dcjT^r Abach 0 ilt ist d w 2 n d u s %r 1 1 ^ ö ^ i e ä e J n ti g
gewid^cei, uhd elo Ptäticbeh yerjanscbauHcbt dar Vifcjfij4*i!ö.rei
IndtJfitwegelätidls, Mit ö^m SchrihehÄu aiad d^e vürbifdUchf^n
t'^rp|jftgajidadtö<fkkii^he^ 3 t des VptkehrH^-Verems wieder nm ein
wef^fvöliie^ ■;St 5 <ik befeicbeH.'
^,bi* PlöBtik“, illüstriene ZcilaMthTiti £Uc die
BildiiÄUeiei höd BEdner&i vad ihre äu ^rehitekidr
lißd KbßÄt^^etbe. Herauagageben Aleinabiier ileihiVeyer,
Bildhauer s^nd Ktina^chrif !ttin Hef i
mit 9 IC ü nBtdirück ta lein ü t\d eingin BhgeEl 'l'ei i. Prei^ viertel^
3 ^h rti ch 3 Mark. E m 2ei n es H eit h >ö Mk. Vü rta jg.
D, Wi Callwey, Mlinchefl. Das 3. Beft dej
sich auEftihrlich und eiagehersd mit 4 ?rtv WetfibewWi^^j^
des Bismarck - National - DfiDkmalg rim Bhcln- em?ir vbn
Dt. Tim Klein aüa gelehrten gtüridsilÄltchcn S>Hi*ächtybg
2U dem Gedaaken eines Natinnal-D^hitdiüls get^Dmmfcn
und dßs Problem in dem ZusaSUjCntnEsasu^ o>it. dtfc hemi^tra
Kuiitir 4 trÖrtert, wobei inietessarne SrrelJiidbier adf di^:^ ylfi--
Äpiltige dßd iti die verschiedeti^^^n iüt^%»ä! 5 ug;ebiefe
unendlicil dti ferti ia;i erle g eis ti ere f .^e bi 11 i aÜ*r l ;. Ifi r
ArtVkfd , dsfi hseti achtet vVeltbewerbS^^r^ebh^
Vöm rftm k^hstlefjsehen Standpu^J^t Pud dtt vtrr-
»chiedenen Arbeiten auf dem Gef^iete der ArchU^dklur Und
PlAstikf wie Sie der Wettbewerb x^itigte. cifier krlti^c^heW Sjeiduhgr
Bad iT a r k b u 5 g-, G e b 1 r g i^Vvi f.i k u y <1 ft und S ü i b s d .
Ucdef- diesem Titel-, Isi .-.-yoni'•tod>5i(tdnmbt5^';irfat ' dir^
dieajäbtigc Fuhrier hÄran^sijegehen ^ Mth wie All-
j5ih r li dl wi «■ddt: du reit Jaftry erriig hö byphie A usvi at 11 n iüs ß W:a-
K^richri et.; ',Bi^iiöäjde'ca cJti wftkea ,d'ü>, KupltirstieijjAtt ;
f5! eh al tenep ■• xß IVit'eieiie-ti- .Büd c f kic 's ijpib’Fs'. . itr^ ' .■ V er «in ' tpii . ; ditm: :-
umfÄsaende.ri T ^ ist lei p en ptiaehaUikhen B5gr' ff von d em l leb^
lichi^Ti Badtort, der in Öei^iisch tmt di^r be?ben
Schhnheit des Harjs is a al la Wa bra<3ch de» V erb ehpien K ut '
Oftes' Und aeflg.ejijSssen Satbades in sich vbröinv.. Eliie Wefi-
vpllt Erg Sh tu hg dtr» hübschith FUbrcfs bildiiSi das smiUch*
WabDöngavtraeiChnia;. C .4 gibt Aüsktmit ÜbPr sänitbchc Preise
für Vot“r hhd Nächsiiiisiun, an dai^e ieder »ich si;;hoTj
daheim ein Bild macben katiöH wi$ hoch die; eines
Kurflufenthaltsi in Harj^burg ^ind ^ Würden äü-
eammen mit einem StidipUn auf Wurvaeb .vcim H er if#iglichen
Ba d ek o mmissari^it in Bad Ite r b Ufg ^ b wi* db? ch die Oe af (?hk (U
stelle der ZeitscAtlf? ,.t>ent 5 chJa^.d*^
„Danzig a i s K o n g r & y.^Ä; t u >| ■ ; stiiit ^ Hi If s b u c h Hlr V c r-
an stalter v on Kong tu , hö l die : B s b s,%er V erk eh f ti ^ent r^l e
soeben herauetgegebüii, Die HtrAUsgetjeciii unteruimim äuhi ersteh
Male den V^eänehr die mehr>bbogmi EKah^ die bei Ver-
anetaitnng 4«^ ^ahTrenihc-ii Dunciget Kbiigrye&e geaüinrntdt worden
SJtjd, zu eintm :Katgeber für spdtet^ VeranÄtsütungen ln DAussig
zu yer&?beit^, Diie Brc>sj?bi 5 jty gibt ein eti ^örgfBlÜgtm UHwbHck
llber die VörUfbeiten und Ub?r w ^^9 b*?i DufghfÜhrnnK, dfes
Kd ngresis es be s ond e rs » n 'b i en i D en VcrATJUtal tcr 0 wir d
G* auch b^spnders örwünseht sein, duas übcrajt jggti^tut- Kd^t^h-
an ^Chläg^t bei gefügt worden sind. Im cinzelocu yy'ird sÜrtHcb^t
eine &;»rst£|Üup4 der ersten Vorbereitungen gcgpbtü/. Die
stftiiUfig d*r Zeit, das Brsiegen der Siilc. die BjlLliing d«k
aUÄSCrhueäea, Unterbringung deriTeiiochmer, di« OrgAfuftunop dys
Qtäbrdi
finb aue, bie eine jariii. irei|tc rofi^^S* iu^cn^iritdics
wnh fl in iBflfjdit i?lfn45omiiiCFtP reifen iiitb iiüMf-
«nreinigirflif* ttttben,biiffflr gebrauten ft* nnr bk alt?in
Stcckeiipfwd • CUlenmllcl)»S«if«
r.Berömaflft^Co., Il4d^^t!ll. ä |u iirtrHi.
tib - ■. Uii:4. ’' :^.b P^ogrAmios weriflto
eUtgftjtiisiHd folgt ÖUTfybfÜhrötsg dea wüi^eh^
sibwik Erholung*: un4 %i«rbhituagaprograii^
fi« ben iSr uiijd Ttö^ten^
'.fe.eblusiy'-''de^s yedukiibrij^le-n Tciljes,
liM fUt jfitt Tkü i;4'Ctift.f. Örfbij.öi!^ek»r
:. fnr dssitj -WlflTäLcJanftlij h«Q. und Tyil-.d»r .'Baabes-
. 0r, ?i *jy f (learbÄneFAfirf^r das ö-fii^da* lS^^i^,fcgcb^r■■^«keto-
■■FTH^.^b^:# iii 't'^äjpsiJfi fflp d&o Afiirt^sJtusb ^ 'Bir.ri ö.ö ii Q> b '^D ■ DttsseJifdrl'.-
iJ.'fk- tiiwi ^' 1 ^-tl ftj? 'dei:- b Ü :¥ s a l. stfr r f J? t V ifl T1 * lg i * s m: i-*l t A.-'ö ' tü ..Ue.#* aMorf*
H {ifi rsiaix«
d^r .T>id;;m'^.i&ten .;M0nft^^beu•■Ä^
dicht 61 n m al, w c,h n □ a flh4 f i£inrr<^r Wftt t i« d em Ätavbtkijetßh
aogt^n au ii iN Ji ii aJ ^on, fEr ttUi) S! hieb yb 1 i ei^, ü ti d w*l<ife
Sebsd^iif Krknkbyir, uh>J T+?rseMgo TCfdesfivBf
0nt6tftliPH , rv^jnii es u.üaehuri an Ji^ü mibbT»li*cb^ii Stoffen
.■;•: ■ :'^_;V;^ '; .V :v
S^iiitätürat Br. Ulf ftrtf ^ ssinem Önch^ ^
^doder, d^r >Tlöd>y0 aoit alt u tsfdfin iviUi moß ernetltfdi
s^pi'ny ,trfTflX}b-fn;.n- pTg-itity, Lunge, .Lftbyr,.- NiybßB,-
. JVlflSP, .Dam!.- fkJitd-- il.iU üt-c;;-.jn 'ftottei Punktion m
■ erhäfiyh/ üft^i'. 4 vi- 5 s 4 , ?:iL-d.s.h >^Öhri$kbtgy^bn.ö; gnnii unyrlö.fillck^..—.
■ M-4:nit*^t^r'^% luHb NÄhraftU fAr
’ ' ÖnAswlb^ Geeunden oud'
Kmifceit >^ilbr^Ali in (bm Spyiaair TinKeut^ftmi
vQi'hÄfnb.'n ififv'^ -r ]Gr< IHtöyor srigt^ auf dw pc-ntfiehen Attrctee.
. bV'^rvi^ib.tirg ! ^SVtui üböf lüüOOSäiiglijjge and ^^;i^ld^^
. g 1’^ hün I älin b b' zi t n ttyti£?r nti de, un d nöeh vlöl jgybÖer
ist iL(^ ?^nni durr^li iivftrfbbt*jt >Usi Art vor-
dbifrT'fj'd-jVy'vrrfarMßii:^* — :J&r- Walter aehr^lbf.: ^ar -iri 5
. in hrgrLfli^liAVlb> Fnf ot n , P*A \, Obät oisW. vödiAn^oüii
ibt ivtrtü :bl^ jöisitv für dSstbffv^ ecb&el verwendet tiftd
: was bl t i i flVi: \vü röen ,* l'i'tT^j&er A nki Ab t h uUÜ^e 4 ncJb ieh früher,
i Jin rv^fi?fiö äby ir, mit dijn aiiorgiinisrebi^
Ä 0 e A m n 1 i^t i gu a< 4 st e n b n ^rx i^ 4 t ti rd« a v braAblext t^\ tii
nnf audtiTr’ pydiMi^kybt ä^b iLyü die inltierÄliflCJien KffUröfttee
1 lü^r^biÄb h^ W9 11 ^r Dtx Wa|wf ^Ich hafee
imchg&W'iA»bhv -iJ' k Ö ■■■• <) -s r...-^^; M; b r A11 i t ift- a n je; e 1 . -f .ft t 4 ih- k 1 be ty
mbi3ät«n Si (jrnim m&.n svltfJtdi&n KdTp 11 yler-
^Ui t w t\ r (i i eb ^ e m a uh t tv ^ r tl e n k ah.n.‘'
1 » Elö anrj 1 'r 0 h euLgu N ii itr\v^ie 0 j? ln 0 rblnerja.1 ämiö kt, '«rorde
aacli ft Ah Ott ha Dphitsübtiti nyitiiNfagu Ktir gphrabltL
Professor TIr, P«.l&bö^nder ib ütntJi* feieW«
Ka 11 Tit 0 d Utgt k.e j n u ti ( Zww ful, a a ö y i Kxüiikh e^iieh nnter
anilurjAn auf fllo ?:u üerioge Zuf'uitr %ati ritihr^^sr^eli^ Wikr-
inftt^lu Unri zii rnieli Uu.hü Tjlvi u Lßcahr^tüg nuriUkaalÜhr^ö Bittd.**
Er \y t\ t i ew k ui uhageMütui hylt sKtAt. m v )i h t üTküf AUgfetimerk
•.;2ij-JtmkejA,. ^- ■■■..
Ehr Avtiuhtia f^f df'fr WLpbsüiiijvbgn KOrper leicht
rtfiiii m \ I io vbtor i st. uiv* l f j t*s s m tl iioit: utul Wob Ibefi d d 0 a fördert, Y6iir *
yerhlet dttii' BU^'i^ohe S^atorlüiä ih
für Nervöse and Etholundsliedfliftlie;
ÄtIÄX-L ^el 1 LlDg
Dr- isia4- Staehty,
Ilan i^anxe Jahr s^etflFnet.
Kaufmknii. Leitühej:
Dlfektor Biiti]|<
DEUTSCHLAIID
Hr.Z
@ m omn für die deutschen «etkehrs-lntetessen @ b
A mtliche leltschHft des Bundes Deutscher ilerRehrs-fletelne —=
d
Köln: Rathaus-Vorhalle
5;nnapr.Nntnmpr — He.rausöeöeben unter Mit\Virkung des Kölner Verkehrs Vereins.^
/jy
Schnellzug-Verbindungen zwischen Cöln und London
8onimei'-Falii‘plau 1011.
(Zusammengestellt von der Königlichen Eisenbahn-Direktion Cöln.)
londoi
Hoek van Holland
\aueorTboroti^ Roltcrclam^^.,.,^
FoikeskuM_~~ _
- -^VliJsinqen J
\ OsfShde J
Krefeld
Cleve
r^Twesel
►Düsseldorf
Brüss^
Aachen
Cöln'’
I. lieber lloek vaii llolinnil—llarwieli.
COln.ab 7l2 LiOnilon (Liverp. St.) .ab 8 ^
Crefeld . 813 Hoek van Holland.„ oj^o
Cleve.„ Rotterdam B..
Rotterdam D. P.„ 10 ^ Cleve.. 9^9
Hoek van Holland.. ll££' Crefeld .an 10^7
Ijondon (Liverp. St.) .an S®« Cöln. an
Calirprei^üe (einschl. Schnell/.ug-Zuschlag):
a) einfache Fahrt: I. Klasse 54.40 Mk., II. Klasse 30.80 Mk. b) Hin- und Rückfahrt: I. Klasse 88.50 Mk., II. Klasse 60.80 Mk.
II. Heber Vlisj^iiißeii—IJiieenboroiißli bezw. Folkestone.
ab 8 ^
099
909
an 1007
an 1113
Cöln.ab
Düsseldorf.„
Vlissingen.„
Queen borough.„
Folkestone..
Liondon, St. Pauls.an
„ Holborn.
,, Victoria.an
liOndoii^ Victoria.al
Holborn .
„ St. Pauls. . ,
Queenborougb.,
Folkestone. .
Vlissingen.
Düsseldorf.ai
Cöln.an
Fahrpreise wie zu I.
III. lieber OsteiKle—Dover.
Cöln . . .
Aachen . . .
Brüssel Nord
Ostende . .
ab
4411 .
897
C3
0/
(;i3
1)10
Hondon, Charing Cross
ab
900
900
2*0
900
5661 = 5?
9*3
727
K)32
Dover.
1100
1100
430
11"0
896|il^
1137
*
1
!
Ostende ... . .
. an
250
1
050
745
2^
1047) -
33“)
_o
1( 5«
330
Brüssel Nord ....
. ab
522
6^
c
1124
545
an
230
7.30
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Aachen.
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Cöln.
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1152)
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540
lU*
^ I
Fahrpreise (einschl. Schnellzug-Zuschlag):
a) einfache Fahrt: I. Klasse 66.05 Mk., II. Klasse 38.75 Mk.; b) Hin- und Rückfahrt: I. Klasse 100.40 Mk., II. Klasse 69.60 Mk.
Für die Luxuszüge ist ein besonderer Zuschlag zu zahlen.
IV. Heber Calai^—Dover nnd Boiilogne—Folkestone.
Cöln . .
Aachen . .
Brüssel-Nord
919 613
j 103 S 7*1
214 1003
(Midi) (Midi)
613 I 1200
7*7 j 1 ^
003 Ö 30
Dover.an 245 | 445 | 3oo j 2*15
Boulogne .... ab | 7i9 j |
Folkestone ... an | 84o | | |
liOiidon St. Pauls „ 712 1
„ Holborn . „ 7i5
„ Victoria . „ ' 711' |
„ CharingCross an 1 549 | _ 10451 5 ^ 510
Fahrpreise (einschl. Schnellzug-Zuschlag):
a) einfache Fahrt: I. Klasse 116.16 Mk., II. Klasse 76.85 Mk. b) Hin- u. Rückfahrt: I. Klasse ‘
Für Luxuszüge ist ein besonderer Zuschlag zu zahlen.
liOndon
Charing Cross
Folkestone . . .
Boulogne . . . .
Dover.
Calais.
Brüssel-Nord . . .
Aachen.
Cöln.
ab
900
900
900
220
1
410
an
525
ab
1105
1105
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1
545
'.60 Mk., II. Klasse 145.10 Mk.
Köln; Denkmal Kaiser Wilhelm II. (Hohenzollernbrücke)
\T SONDER-NUMMER DER ILLUStR.
ZEITSCHRIFT„DEUTSCHEAND"
HERAUSGEGEBEN UNTER MITWIRKUNG DES KÖLNER VERKEHRS-VEREINS
56 DEUTSCHLAND Nr. 2
Köln: Feste Rheinbrücke (abgebrochen)
Elberfeld, Niederlahnstein und Gießen von der rechten
auf die linke Rheinseite und zurück ergießt, geordnet
in den Hauptbahnhof ein- und ausführen zu können.
Während ferner auf der alten Straßenbrücke der gesamte
Verkehr — Straßenbahn, Fuhrwerke und Passanten —
sich auf einer nur 8,4 Meter breiten Bahn mühsam
durch die Gitterträger zwängen mußte, hat die neue
Brücke eine Fahrbahnbreite von 10,4 Meter erhalten
und bietet Raum für zwei Straßenbahngleise und je ein
Fuhrwerk an der Seite. Außerdem ist stromauf ein
3 Meter, stromab ein 2,5 Meter breiter Fußsteg aus¬
gekragt, so daß die Nutzbreite der Brücke sich nahezu
verdoppelt hat.
Die Pfeiler- und Widerlager, die diese drei Ueber-
bauten tragen, sind nicht weniger als 60 Meter lang.
65000 Kubikmeter Mauerwerk und 17 000 Tonnen =
17 Millionen Kilogramm Eisen sind verbaut und 13,3
Millionen Mark dafür verausgabt worden. Ein so weit
über die Durchschnittsmaße hinausragendes Werk ver¬
langte auch in der künstlerischen Ausgestaltung eine
monumentale Prägung.
Daß Franz Schwächten diese Forderung erfüllt
hat, unterliegt keinem Zweifel, ebenso, daß er, in
wohlerwogener Beschränkung, es verstanden hat, Maß
zu halten, damit das geschichtlich gewordene, har¬
monische Bild nicht gestört und Baudenkmäler wie der
Dom und der Turm von Groß St. Martin nicht erdrückt
wurden von einem Werk, dem nicht, wie jenen, die
Patina des Alters allein einen unerreichten Glanz
verliehen hat.
So fügen sich denn die Portale mit ihren reizvoll
ausgebildeten Türmen in Verbindung mit der klaren
und durchsichtigen Linienführung des Eisenwerks zwang¬
los in den gegebenen Rahmen ein und haben überdies
das Stadtbild um einen Schmuck von bedeutender künst¬
lerischer Wirkung bereichert.
Den beiden Hohenzollernstandbildern, die die alte
Brücke zierten, und die auf der Deutzer Seite vereint
wieder erstanden sind, sind zwei neue hinzugefügt
worden, die den Aufgang zur Brücke an der linken
Rheinseite beherrschen. Stromauf erhebt sich auf fünf
Meter hohem, mit rauhen Kalksteinbossen bekleidetem
Sockel das Standbild Kaiser Wilhelms 11., dem Dome
zu reitend, ihm gegenüber das des Kaisers Friedrich 111.,
beide von Tuaillons Meisterhand geschaffen.
Der ingenieurbautechnische Teil des Entwurfs für
die Brücke, umfassend das Eisenwerk, die Pfeiler,
Widerlager, Gewölbe und Rampen, ist von der König¬
lichen Eisenbahndirektion zu Köln aufgestellt worden,
der auch die gesamte Bauleitung einschließlich der
Köln: Blick vom Ruthausturm
2
Nr. 2 DEUTSCHLAND 57
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KÖln: Hohenzollernbrücke
Architektur oblag (Dezernent der Verfasser, Hilfsarbeiter:
anfänglich der inzwischen verstorbene Regierungs¬
baumeister Dircksen, später die Regierungsbaumeister
Schimpff, Goldschmidt und Christfreund). — An der
Bauausführung waren beteiligt:
Aktiengesellschaft Grün &. Bilfinger in Mannheim
(Erd-, Gründungs- und Maurerarbeiten bis zur Fahrbahn¬
höhe); Firma Fritz Pilgram zu Mülheim am Rhein
(architektonische Aufbauten), Aktiengesellschaften Gute¬
hoffnungshütte in Sterkrade; Maschinenbauanstalt Nürn¬
berg, Werk Gustavsburg; Union, Dortmund; ferner die
Firma August Klönne, Dortmund; Aktiengesellschaften
Hein, Lehmann & Co., Düsseldorf, und Brückenbau
Flender, Benrath (das gesamte Eisenwerk einschließlich
Abbruchs der alten Träger).
Der figürliche und bildnerische Schmuck — mit
Ausnahme der Reiterstandbilder — ist von Professor
Riegelmann, Berlin, erdacht und modelliert worden.
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I.,
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r.
Köln in der Römerzeit
VoD cand. phil.
Mit dem scharfen Blick des Strategen hat Marcus
Vipsanius Agrippa, der bedeutendste Feldherr des aus
den Wirrsalen der morschen Republik erwachsenden
römischen Kaiserreiches, die Stelle, auf der sich heute die
stolze Metropole des Rheinlandes erhebt, zur Gründung
einer Niederlassung ausersehen. Noch jetzt durch die
Niveauunterschiede kenntlich, erhebt sich im Herzen der
modernen Stadt am Rhein ein kleines, die ganze Umgebung
beherrschendes Hochplateau, das im Osten durch Heu¬
markt, Alten Markt und Frankenplatz, im Norden durch
Trankgasse, Komödien- und Zeughausstraße, im Westen
J. Klinkenberg.
durch St. Apern- und Apostelnstraße sowie Mauritius¬
steinweg, im Süden durch Rotgerber-, Blau- und Mühlen¬
bach begrenzt wird. Hier lag das befestigte Lager
zweier Legionen und dabei die Hauptstadt des den
Römern engbefreundeten deutschen Stammes der Ubier,
die im Jahre 38 v. Chr. durch Agrippa vom rechten
auf das linke Rheinufer verpflanzt worden waren. Die
junge Niederlassung entwickelte sich rasch. Schon im
Jahre 50 n. Chr. wurde sie auf Betreiben der Kaiserin
Agrippina, die hier geboren war, zur römischen Kolonie
erhoben, nachdem einige Zeit vorher die Truppen nach
Köln: Südbrücke
58 DEUTSCHLAND Nr. 2
Bonn und Neuß verlegt worden waren. So ist Köln das
älteste städtische Gemeinwesen des Deutschen Reiches.
An die Stelle der ursprünglichen Erdwälle trat ein
starker Ring von Mauern und Türmen, durchbrochen von
einer Anzahl präch¬
tiger Tore. Noch
heute steht an der
nach ihm benannten
Straße der nord¬
westliche Eckturm
der Befestigung, der
sogen. Römerturm.
Kleinere Turmreste
befinden sich an
der Nordseite des
Domes, die Mauer
tritt noch auf der
Burgmauer und in
der Clemensstraße
zutage.
Für kurze Zeit
wurde das Auf¬
blühen der Stadt
durch den großen
Germanenaufstand
des Jahres 70 unter¬
verkehrs. Kaufleute und Gewerbetreibende aus dem
hochkultivierten Süden, besonders aus Italien, siedelten
sich an, und die Zahl der Bewohner stieg bis zu 30000.
In hervorragendem Maße blühte seit dem Ende des ersten
Jahrhunderts dieFa-
brikation von Terra¬
kotten, zu der in der
zweiten Hälfte des
folgenden Jahrhun¬
derts eine großartig
entwickelte Glas-In¬
dustrie trat. Das
städtische Wallraf-
Richartz- Museum
besitzt eine glänzen¬
de Sammlung dieser
Erzeugnisse uralten
kölnischenGewerbe-
fleißes. Man staunt
über den außeror¬
dentlichen Formen¬
reichtum und die
feine Technik, die
selbst heute in man¬
chen Beziehungen
nicht erreicht wird.
brochen, dann aber steigerte sich in der folgenden langen
Friedenszeit der Wohlstand der Bevölkerung mehr und
mehr. Als Sitz des Statthalters der römischen Provinz
Niedergermanien war die Colonia Claudia Ara Agrippi-
nensis — so lau¬
Köln: Römergrab zu Weiden
Vor den Stadttoren erhoben sich zu beiden Seiten der
Straßen prächtige Grabdenkmäler (Reste im Museum),
ein beredtes Zeugnis für den Wohlstand der Bevölkerung.
Das bedeutendste ist die Grabkammer in dem an der
alten Römerstraße
tete der Name
Kölns — der poli¬
tische Mittelpunkt
des ganzen Ge¬
bietes am Nieder¬
rhein. Schnell
faßte hier die
römische Kultur
festen Boden. —
Glänzende Gebäu¬
de und Denkmäler,
deren Reste noch
immer gelegent¬
lich ans Tageslicht
kommen,schmück¬
ten die sorgfältig
angelegten Stras¬
sen. Selbst ein
reiches Entwässe¬
rungs-System
(Ueberrest: der
sog. Römergang,
Ecke Unter- Gold¬
schmied und Kl.
Budengässe) und
eine Wasserleitung, deren Wasser mittels eines 77 km
langen Kanals aus dem Quellgebiet der Urft herbei¬
geleitet wurde, war vorhanden, Einrichtungen, die uns
Modernen erst die letzten Jahrzehnte wiedergebracht
haben. Die großen Heerstraßen nach Mainz, Trier und
Xanten rückten die Stadt in das Getriebe des Welt¬
Köln: Römische Kleingeräte
nach Jülich, der
jetzigen Aachener¬
straße, gelegenen
Dorfe Weiden, Q
Kilometer vor der
Stadt. Sie stammt
aus der zweiten
Hälfte des dritten
Jahrhunderts. Da¬
mals war Köln
wenigstens zeit¬
weilig Hauptstadt
des gallischen Kai¬
serreiches,das sich
vom römischen
Reiche losgelöst
hatte. Die Glanz¬
zeit derRömerherr-
schaft am Rhein
war nun vorüber.
Immer ungestü¬
mer pochten die
Barbaren an die
Tore des Reiches.
Kaiser Konstantin
der Große baute um das Jahr 310 als Schutzwehr die
kleine, aber sehr starke Feste Deutz und verband sie
durch eine stehende Brücke, die 100 Meter unterhalb
der heutigen Schiffbrücke den Rhein überschritt, mit
der Stadt, ein Werk, das die Bewunderung der Zeit¬
genossen erregte. Doch trotz der größten Anstrengungen
Nr. 2 DEUTSCHLAND 5Q
ließ sich der Strom der über den Rhein drängenden
Germanen auf die Dauer nicht aufhalten. Im Jahre 355
fiel Köln nach langer Belagerung in die Hände der
Franken und wurde fast völlig zerstört. Zwar gelang es
noch einmal, die Stadt zurückzuerobern und wieder
aufzubauen. Köln besitzt noch eine römische Inschrift
aus den Jahren 392—394. Sie ist das letzte Dokument
römischer Herrschaft in Köln.
Köln im Mittelalter.
Von F. C. Heimann, Kgl. Baurat.
Das römische Köln, mit seinen fest gefügten Mauern
und Toren, den breitgelagerten Massen seiner Tempel
und Paläste, auf einem Hügel trotzig aufgebaut, vermögen
wir uns nur nach den Ergebnissen der Forschungen
und Funde vor unserem Geiste erstehen zu lassen.
Vom mittelalterlichen Köln aber besitzen wir in dem
xylographischen Meisterwerk des Antonius Woensam
von Worms (1531) ein getreues Bild, das uns die Flu߬
ansicht der Stadt in ihrer monumentalen Größe und
Pracht vor Augen führt. Der alten Römerstadt hatten
sich allerseits bevölkerte Vorstädte und Klostergelände
auf weite Strecken hin angegliedert, die seit Beginn
des 13. Jahrhunderts der gewaltige halbkreisförmige.
mit Torburgen und Türmen bewehrte Mauerring um¬
schloß, die größte Stadtbefestigung jener Zeit, die erst
vor drei Jahrzehnten der Zerstörung anheimfiel.
Was hat nun der alten Colonia den Ruf der Stadt
„boven allen steden schoin" verschafft und ihr so
lange behalten? Es ist vornehmlich die Kunst, die in
allen Zweigen hier Stätte und Pflege fand, in ihren
Schöpfungen ein kostbares Besitztum dem lebenden
Geschlechte hinterlassen hat. Seit den Tagen des großen
Karl waren fast ein halbes Jahrtausend hindurch die
Inhaber des erzbischöflichen Stuhles auch Träger der
weltlichen Herrschaft, und unter so bedeutenden Männern
wie Hildebold, Bruno, Heribert, Anno, Reinald von Dassel,
Köln: Dom, Südseile
nrig
pr^
ü^jCi
Köln: Albinusschrein Sl. Maria, in der Schnurgasse
Köln : Dombild von Stephan Lochner
Nr. 2 DEUTSCHLAND 61
Engelbert, Konrad von Hochstaden, entfaltete sich reges
kirchliches Leben, erstand eine Reihe von Gotteshäusern,
die Marksteine in der Geschichte der mittelalterlichen
Baukunst darstellen. Vor allem sind es die Kirchen
romanischen Stiles, welche die Bewunderung erregen:
St. Maria im Kapitol, St. Aposteln und St. Martin. Klee¬
blattförmiger Grundriß der Choranlage mit drei Konchen
ist allen gemein, verschieden der Aufbau gelöst. Die
erstgenannte Kirche, auch in ihren Grundfesten nach
jüngster For¬
schung durch¬
aus ein Werk
des 11. Jahrhun¬
derts, zeichnet
sich durch Weit¬
räumigkeit des
Innern mit all¬
seitigen Um-
gängenaus,wäh-
rend das Aeus-
sere einfach, fast
schmucklos ist.
Wie ganz anders
tritt uns die
Apostelnkirche
entgegen I Den
größten, schön¬
sten Platz der
Stadt beherrscht
sie mit Türmen
und Vierungs-
Kuppel. Die
Konchenwände
sind durch Ar¬
kaden gegliedert
und unter den
Dächern zieht
sich die Zwerg¬
galerie hin, jenes
bauliche Motiv,
das neben kon-
struktiverBedeu-
tungdie Ansicht
in Wechsel von
Licht und Schat¬
ten wesentlich
beeinflußt. Wird
hier schon im
Innern und Aeus*
sern die Vierung
durch mäßig
hohen Aufbau Köln: St.
betont, so findet dieses Bestreben gesteigerten Aus¬
druck in dem hochragenden Mittelturm von St. Martin
mit seinen vier angefügten Ecktürmchen, der, aus der
zierlich ausgebildeten Choranlage emporsteigend, die
wirkungsvollste bauliche Erscheinung inmitten des Flu߬
panoramas ist. St. Gereon schließlich zeigt sich in der
Vereinigung einer Reihe von Bauten aus verschiedenen
Zeiten, zehneckigem Kuppelbau, Langchor mit Krypta
und Turmpaar, bei eigenartigster Grundform, im Innern
und Aeußem als ein wechselvolles, charakteristisches
Meisterwerk, das seinesgleichen nicht hat. — Aber in
den Tagen, wo man diesen Kuppelbau vollendete, in
dem die romanische Architektur zum Gipfelpunkt gelangt
war, hatte die Gotik bereits ihren Einzug in Köln
gehalten, entwarf Meister Gerhard schon den Plan zum
größten, einheitlichsten Werke dieses Stiles auf deutschem
Boden, zum Dome. Gewiß ist nicht zu verkennen,
daß Grundriß und Konstruktion ihr Vorbild in den
Kathedralen von Chartres, Amiens und Beauvais haben
aber die ganze
Formensprache
des Kölner Do¬
mes ist des' fran-
zösischen Ein¬
flusses bar, eine
völlig deutsche.
Der 1248 be¬
gonnene Bau ge¬
dieh nur bis zur
Vollendung des
Chors(1322)und
Errichtung des
südlichen Tur¬
mes auf Höhe
desMittelschiffs.
Unserer Zeit
blieb es vorbe-
halten,denTorso
der Kirche zum
Ganzen zu ge¬
stalten, die Spit¬
zen der Türme,
deren Original¬
aufriß uns glück¬
licherweiseüber¬
kommen ist,
1880 mit den
Kreuzblumen zu
krönen.
Neben diesen
größten Leistun¬
gen auf dem Ge¬
biete des Kir¬
chenbaues hat
der romanische
wie der gotische
Stil noch eine
Reihe bemer¬
kenswerter Got¬
teshäuser ge¬
schaffen: St.Cä-
'Martin cilia, St. Ursula,
St. Andreas, St. Georg, St. Severin, St. Maria in Lys-
kirchen. St. Pantaleon, St. Kunibert, die Sakristei von
St. Gereon und die Minoritenkirche. Noch spätere Werke
besitzen lediglich den Wert origineller Lösungen schwie¬
riger, konstruktiver Aufgaben; nur ein einziger Bau
reicht in der imposanten Innenwirkung an die großen
Schöpfungen des Mittelalters: die Jesuitenkirche.
Gegenüber der kirchlichen Baukunst tritt die bürger¬
liche bedeutend zurück. Nur die Häuser der Reichen und
der edlen Geschlechter trugen einen architektonischen
Nr. 2 DEUTSCHLAND 63
des Dombildes, gehören der Kunstgeschichte an und hunderts, Albertus Magnus, der „Doctor universalis",
verkünden den Ruhm der Kölner Malerschule. Solcher war hier Lehrer, kein Geringerer als St. Thomas von
gebührt auch den Meistern der Kleinkunst, insbesondere Aquin, der „Fürst der Gottesgelehrten", sein Schüler.
Köln: Stadtansicht (T53T)
den Goldschmieden, Emailleuren und ihrer Werkstätte
bei der alten Abtei St. Pantaleon. Der Dreikönigen-
Schrein im Dom, die Reliquienkästen in St. Maria in der
Schnurgasse,St.Ursula und
St. Andreas, in Siegburg,
Deutz und Xanten sind Zeu¬
gen inhaltreicher, schön¬
heitsvollen Entwurfes,tech-
nischer Vollendung.
Gleichen Schritt hielt die
Plastik in der gotischen
Periode. Die Standbilder
der Apostel im Chore des
Domes und der Schmuck
seiner Hochaltarmensa,
die Hochgräber der Erz¬
bischöfe in den Kapellen
und die Figurenreihe in
der Peterspforte des Süd¬
turmes, die Gruppe des
Dreikönigenpförtchens, die
neun Helden im Hansa¬
saal, die Verkündigung in
St. Kunibert sowie eine
große Anzahl trefflicher
Einzelleistungen in der
Sammlung Schnütgen ver¬
anschaulichen den Werde¬
gang der Bildkunst bis zum
Ausgang des Mittelalters.
Bis dahin herrschte in
der Stadt nicht nur ein
reges Kunstleben, sondern
auch die Wissenschaft er¬
freute sich besonderer Förderung. Neben Paris war das
Kölner Dominikanerkloster die bedeutendste Pflegstätte
der Theologie. Der größte Gelehrte des 13. Jahr-
Zahlreiche berühmte Juristen gingen aus der 1388
gegründeten Universität hervor, und die Buchdrucker¬
kunst gelangte schon in den Tagen Gutenbergs
hier zu schneller Blüte.
Die kommunale Entwick¬
lung der Stadt vollzog
sich in langen, bitteren
Kämpfen gegen den Erz¬
bischof, in Zwistigkeiten
zwischen Bürgern und
Patriziern mit öfterem
Wechsel des Geschicks.
Die Schlacht bei Wor¬
ringen (1288) machte der
Bischofsgewalt, der Ver¬
bundbrief (1396) der Herr¬
schaft der Geschlechter
ein Ende; eine demo¬
kratische Verfassung griff
Platz, die mit geringen
Abänderungen für die
Stadt bis zum Verlust
ihrer Reichsherrlichkeit in
Geltung blieb.
Die wirtschaftliche Stel¬
lung Kölns in Handel und
Gewerbe hob sich zu
einer der einflußreichsten
im Laufe des 14. Jahr¬
hunderts, nicht nur in den
benachbarten flandrischen
Gebieten und England,
sondern auch weithin
nach den Ländern des
Südens. Als Mitglied der Hansa war die Stadt ein
wichtiger Faktor in der neuen nordwestlichen Handels¬
verbindung.
Köln: St. Maria Himmelfahrt (Inneres)
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Köln : St. Gereon (Inneres)
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Nr. 2 DEUTSCHLAND 65
Woensams Bild zeigt uns das alte Köln in seinem
stolzen Aufbau, aber auch das bewegte Leben der
Schiffe auf dem Rhein, dem großen Handelsweg von
den Alpen zum Weltmeer. — Geistliche und weltliche
Macht, Künstler, Kaufmann und Bürger haben im Mittel-
alter gleicherweise zum Ruhm der Stadt beigetragen.
Unter ihrem Bilde kündet ihn der Spruch:
O felix Agrippina nobilis Romanorum Colonial
Köln in der Neuzeit.
Von C. Rehorst, Beigeordneter der Stadt Köln.
Mag auch für den, der zum ersten Male die Straßen und
Gassen des Herzens von Köln in Bewunderung der herrlichen
Schöpfungen des Mittelalters und der Renaissance durch¬
wandelt, der erste Eindruck der sein, daß die alte Colonia
Agrippinensis sehr viel ihrer Schönheit längstvergangenen
Tagen verdankt, so wird es doch dem, der mit offenem Auge
zu schauen versteht, nicht lange verborgen bleiben, daß sie
eine durchaus moderne Stadt geworden ist. Er wird bald
bewundernd erkennen, daß sie es wie wenige Städte im Reiche
verstanden hat, unter Erhaltung des altertümlichen Gepräges
und der Reize mittelalterlicher Städte sich den Forderungen
der Neuzeit anzupassen, sich in modernem Geiste weiter zu
entwickeln, frisches Leben durch ihre Adern pulsieren zu
lassen. Hat es auch hier eine Zeit gegeben — wie leider
überall im deutschen Vaterlande — wo man in einer Anwand¬
lung von Selbstüberhebung leichten Herzens die Schöpfungen
der bürgerlichen Baukunst früherer Tage preisgab, weil man
glaubte, bessere Werke an ihre Stelle setzen zu können oder
irgendwelche Verkehrsanforderungen durch Begradigung und
Erbreiterung der Straßen erfüllen zu müssen, so hat man in
Köln: Am Bollwerk
Köln: Ecke Buttermarkt-Lintgasse
Köln doch bald eingesehen, welche Kulturwerte man damit
vernichtete und wie leicht man den Forderungen des Verkehrs
unter Schonung der Schönheit des Stadtbildes gerecht werden
kann. Darum gibt es im Innern der Stadt noch heute so
manche Perle früherer Baukunst, und darum finden wir dort
noch stimmungsvolle Plätze und geschwungene, malerische
Straßen, trotzdem durch sie großstädtischer Verkehr flutet.
Ein Blick auf den Stadtplan von Köln läßt, wie die Jahres¬
ringe das Alter des Baumes, die städtebauliche Entwicklung
der Stadt durch den Lauf der Jahrhunderte klar erkennen.
Noch bilden die in gerader Linie geführten Straßen des römischen
Castrum von Nord nach Süd und von Ost nach West die
beiden Hauptgeschäftsstraßen der Innenstadt; das regelmäßig
gestaltete Straßennetz in ihrer näheren Umgebung läßt gleich¬
falls unschwer den römischen Ursprung erkennen. Das
römische Köln, das nach Westen hin bis an die Westseite
des heutigen Neumarkts reichte, ging in östlicher Richtung
nicht bis an den Rhein, sondern nur bis zur Höhe der heutigen
Martinstraße, an der der Gürzenich liegt. In südlicher Rich¬
tung war es begrenzt durch den Straßenzug Blaubach-Filzer,-
66 DEUTSCHLAND Nr. 2
graben und nördlich durch die Straße, die heute den Namen
„Burgmauer^' trägt. Die erste Stadterweiterung um 940 n.
Ch. dehnte das Stadtgebiet bis zum Rheine aus, und um
n06 fügte man größere Gebiete im Norden und Süden
wie auch im Westen hinzu, die durch Umschließung durch
einen Wall mit der römischen Siedelung, die ihrerseits durch
eine starke Mauer mit Türmen und Toren umgeben war, zu
einer Stadtanlage von sehr beträchtlicher Größe zusammen¬
gefaßt wurden. Diese mittelalterlichen Stadtteile unterscheiden
sich noch heute im Stadtplan ganz deutlich von den Anlagen
römischen Ursprungs durch die Unregelmäßigkeit ihrer Straßen
und Plätze.
Um die Wende des 13. Jahrhunderts vollzog sich dann
schon eine weitere gewaltige Stadterweiterung, indem in
fast halbkreisförmiger
Linie um den Kern
der römischen Anlage
eine neue, starke Be¬
festigungsmauer mit
Wallgraben und stark¬
befestigten Toren er¬
richtet wurde, die
dann volle 700 Jahre
der Stadt Schutz und
Schirm gewährte, aber
auch ihre Entwicklung
einengte.
Lange Jahrhun¬
derte war das Stadt¬
gebiet innerhalb die¬
ser Ringmauer an
vielen Stellen nicht
dicht bebaut, sondern
noch mit großen
Gärten und Wein¬
bergen durchsetzt.
Gegen Ende des 19.
Jahrhunderts aber,
nachdem sich auch
noch um die mittel¬
alterliche Befestigung
konzentrisch ein mo¬
derner Festungsgürtel
gelegt hatte und un¬
mittelbar vor deren
Toren sich neue Ge¬
meinwesen, die Vor¬
orte Bayenthal, Sülz,
Lindenthal, Ehrenfeld
und Nippes kräftig,
aber ziemlich plan¬
los entwickelt hatten,
wurde der immer mehr
auf blühenden Colonia
ihr Raum zu eng, und unter Aufwendung gewaltiger Geldmittel
erwarb sie von dem Reichsmilitärfiskus das Gelände der
mittelalterlichen Befestigungsanlagen.
Nun fiel die alte Mauer, die Gräben wurden zugeschüttet,
viele der alten Tore sanken in Trümmer, und nach einem ein¬
heitlichen, großzügigen Plane erstand im Laufe von wenigen
Jahren Kölns vielbewunderte Neustadt. „Licht, Luft und grüne
Bäumcher"" waren es, die nach einem kölnischen Scherzwort
dem mittelalterlichen Köln gefehlt hatten, und diese zu schaffen,
strebte in erster Linie der neue Bebauungsplan an. Dann aber
sehnte man sich in der alten Stadt mit ihren krummen und
winkeligen Gassen nach möglichst geraden und breiten Straßen,
wie man sie wenige Jahre zuvor durch die energische Hand
Baron Haußmanns in Paris hatte entstehen sehen. Unter diesen
Gesichtspunkten wird der Stadterweiterungsplan von 1881, der
uns mit seinen vielen Diagonalstraßen von z. T. übertriebener
Breite und mit den daraus entstandenen Sternplätzen, die keine
schönen Städtebilder entstehen ließen, verständlich. Be¬
wundernswert werden immer bleiben und werden stets wie
heute das Entzücken derjenigen bilden, die aus dem Innern
der Stadt nach den neuen Stadtgebieten kommen, die großen
Ringstraßen mit ihrem schönen Baumschmuck und ihren zahl»*
reichen gärtnerischen Anlagen. Besonders schöne Bilder sind
an ihnen da entstanden, wo man noch Teile der alten Stadt»*
Befestigung mit den alten Wallalleen erhalten hat, wie am
Sachsenring und Hansaplatz, oder wo man als steinerne
Dokumente der Stadtentwicklung die alten malerischen
Stadttore, wie die Severinstorburg, das Hahnentor und die
Eigelsteintorburg, vor
dem Untergang ge¬
rettet hat.
Mit dieser Stadt¬
erweiterung von 1881
wuchs das Stadtge¬
biet, das zu römischer
Zeit annähernd 100
Hektar und seit der
Errichtung der Stadt¬
mauer von 1180 363
Hektar betragen hatte,
um 510 Hektar auf
878 Hektar.
Die Erkenntnis aber,
daß die Weiterent¬
wicklung der rings¬
um der Stadt vor¬
gelagerten selbstän¬
digen Vororte einer
einheitlichen gro߬
städtischen Gestal¬
tung Kölns mancherlei
Erschwernis bereite,
führte 1888 zur Ein¬
verleibung der oben¬
genannten linksrheini¬
schen Vorstädte und
der rechtsrheinischen
Gemeinden Deutz und
Poll in das Kölner
Stadtgebiet, das damit
auf die bedeutende
Fläche von 11182
Hektar anwuchs. Wie
gewaltig diese Aus¬
dehnung ist,kann man
durch einen Vergleich
mit dem Areal der
Stadt Berlin ermessen,
welches nur rund 6000 Hektar beträgt. Sie hat damit aber
noch nicht ihren Höhepunkt erreicht, denn die 1910 erfolgte
Eingemeindung der rechtsrheinischen Vororte Kalk und Vingst
brachten einen weiteren Zuwachs von 651 Hektar, und augen¬
blicklich schweben Verhandlungen über die Vereinigung der
Stadt Mülheim a. Rh. mit Köln, durch die das rechtsrheinische
Stadtgebiet erst seine völlige, eine großzügige städtebauliche
Gestaltung und gedeihliche wirtschaftliche Entwicklung ermög¬
lichende Abrundung erfahren würde. — Hand in Hand mit dieser
steten Zunahme an Fläche ging auch das Wachstum der Ein¬
wohnerzahl: bctrugl798 die Seelenzahl von Köln noch 38844,
so zählen wir 1880 schon 144 722 Einwohner, 1890 stieg ihre
Zahl auf 281681 und 1908 auf 463 699. 1911 hat die Be¬
völkerung bereits die Zahl von 518000 Seelen überschritten.
Köln: Kaiser-Wilhelm-Denkmal
Nr. 2 DEUTSCHLAND 67
Gerade in die¬
sen Tagen vollzieht
sich ein für die
städtebaulicheEnt-
wicklung von Köln
bedeutsames Er¬
eignis : Nachdem
die neuen, auch die
äußeren links- und
rechtsrheinischen
Vororte umschl ies-
senden Festungs¬
anlagen vollendet
sind, gehen die im
Jahre 1907 für
25 Millionen Mark
von dem Reichs¬
militärfiskus er¬
worbenen inneren
Festungswerke in
den Besitz der
Stadtgemeinde
überund der bisher
von der Bebauung
ausgeschlossene
Rayongürtel, der
die Vororte von der
alten Stadt trennte, wird dieser freigegeben. Schon ist ein in
hygienischer und künstlerischer Hinsicht den modernen An¬
schauungen entsprechender Bebauungsplan aufgestellt, schon
sind Hacke und Spaten in Tätigkeit, die einengenden Wälle
und Gräben einzuebnen, und bald wird sich in diesem großen
Gebiet eine gewaltige Bautätigkeit entfalten. Eine zweite Kölner
Neustadt wird entstehen, die sich würdig an die Stadterweiterung
von 1881 anreihen
und hoffentlich
auch Zeugnis da¬
für ablegen wird,
daß die deutsche
bürgerliche Bau¬
kunst seit jener
Zeit Fortschritte
gemacht hat.
Eine so schnelle
und starke Ent¬
wicklung, nament¬
lich in einer Zeit,
da die sich über¬
bietenden Fort¬
schritte der Tech¬
nik auf so vielen
Gebieten bedeut¬
same Umwälzun¬
gen hervorriefen,
stellte der Stadt¬
verwaltung immer
neue Aufgaben.
Volksgesundheit
und Erziehung,
Verkehrswesen,
Handel und Indu¬
strie, soziale Forderungen verschiedenster Art, Kunst und
Wissenschaft — sie alle haben in einer modernen Großstadt
ihre wohlerworbenen Rechte und bestehen auf deren Erfüllung.
In erster Linie war es die Förderung der Volksgesund¬
heit, der man in Köln stete Sorge widmete, und sie wurde
von dem Erfolge gekrönt, daß man heute ohne Ueberhebung
unsere Stadt als eine der gesundesten Deutschlands preisen
Köln: Dreikönigenpforte und Sangsmeisterhäuschen
Köln: Rheinauhafen
68 DEUTSCHLAND Nr. 2
Köln: Flora
technisch überhaupt möglich war. Die
Hauptverkehrsstraßen und die engen
Straßen der Altstadt erhielten Asphalt¬
belag, die übrigen städtischen Straßen
bestes Steinpflaster, und nur in den
Außenbezirken blieb die Makadamstraße
in Anwendung, der man neuerdings durch
Behandlung mit Teer und anderen staub¬
bindenden Mitteln viel von ihren Schatten¬
seiten genommen hat. Soweit es ihre
Breite irgend zuläßt, sind die Straßen
mit Baumpflanzungen versehen, die hier
unter günstigem Klima und sachver¬
ständiger Behandlung so gut gedeihen,
wie kaum in einer anderen Stadt Deutsch¬
lands. Ende des Jahres 1910 hatte Köln
nicht weniger wie 191 ÖIO Meter baum¬
bepflanzte Straßen aufzuweisen.
Kölns Straßen sind im ln- und Aus¬
lande ihrer guten Ausführung und Instand¬
haltung wegen ebenso berühmt, wie
darf. Von Epidemien ist sie seit langem
verschont geblieben, die prozentuale
Sterblichkeitszifler ist eine überaus ge¬
ringe. Die Zeit der Besserung der Ge¬
sundheitsverhältnisse fällt fast zusammen
mit derjenigen der Stadterweiterung der
achtziger Jahre des vorigen Jahrhunderts.
Leicht erklärlich, denn diese konnte sich
die jüngsten Errungenschaften der Hy¬
giene und Technik zu eigen machen und
ihre vorbildlichen Leistungen kamen auch
bald der Altstadt zugute. So war es
zunächst der Straßenbau, der erhebliche
Fortschritte machte. Man hatte den Wert
gut angelegter und mit einer dichten
Decke versehener Straßen für die Rein¬
haltung des Untergrundes und die Rein¬
lichkeit der Stadt überhaupt erkannt und
führte sie deshalb unter Aufwendung
beträchtlicher Mittel so gut aus, wie es
Köln: Früheres Markttreiben auf dem „Alten Markt"
wegen ihrer großen Reinlichkeit. Diese
ist der ausgezeichnet organisierten und
betriebenen Straßenreinigung zu danken,
die durch den städtischen Fuhrpark be¬
wirkt wird. Die jährlichen Aufwendungen
hierfür betragen etwa 1 '/^ Millionen Mark.
Auch die tägliche Abfuhr des Hausmülls
erfolgt durch den städtischen Fuhrpark,
dessen Etat hierdurch mit rd. 1 Million
Mark belastet wird.
Die Stadterweiterung von 1881 gab
auch den Anlaß zur Ausführung einer
einheitlichen Kanalisation, die sich nun¬
mehr über das ganze bebaute und dem¬
nächst zur Bebauung kommende links¬
rheinische Stadtgebiet erstreckt. Nach
dem System der Schwamm-Kanalisation
führt sie die Niederschlags-, Brauch- und
Fabrikwässer sowie die Fäkalien dem
Rheine zu, nachdem diese zuvor in einer
im Norden der Stadt angeordnelen Klär¬
anlage einer mechanischen Reinigung
unterzogen worden sind. Sämtliche
Wohngebäude müssen nach polizeilicher
Vorschrift an die Kanalisation ange-
^ Nr. 2
ch war. Die
die engen
ten Asphalt-
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Jeadamstraße
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Nr. 2 DEUTSCHLAND 69
schlossen werden. — Die Fürsorg-e für
die Beschaffung reichlichen und gesunden
Trinkwassers liegt schon weiter zurück, in
neuerer Zeit aber hat man die Anlagen für
dieWasserversorgung der Stadt in gerade¬
zu mustergültiger Weise ausgebaut und
damit einem der wesentlichsten Faktoren
der Volksgesundheit Rechnung getragen.
Nachdem zu römischer Zeit eine technisch
höchst vollendete Quellwasserleitung von
den Höhen der Eifel her die Stadt mit aus¬
gezeichnetem Trinkwasser versorgt hatte,
begnügte man sich nach deren Verfall
viele Jahrhunderte hindurch mit der
Wasserentnahme aus über die ganze Stadt
verteilten Brunnen, deren Beschaffenheit
durch die mangels einer Kanalisation
stetig zunehmende Verseuchung des
Bodens in hygienischer Beziehung immer
bedenklicher wurde. Erst 1872 erhielt
Köln wieder eine zentrale Wasserver-
Köln: Flora
Köln: Kinderspielplatz (Deutscher Ring)
technischer Vollkommenheit und
Leistungsfähigkeit.
Für das Wohnungswesen der
Stadt Köln bedeutet die Stadt¬
erweiterung der achtziger Jahre des
vorigen Jahrhunderts einen ent¬
scheidenden Wendepunkt. Nicht
allein, daß das bisher aus der Enge
der Festungsstadt geborene, für Köln
typische, schmale eingebaute Drei¬
fensterhaus in den neuen, eine
weiträumige Bebauung gestattenden
Stadtgebieten nur verschwindend
geringe Nachfolge fand, regelten der
Bebauungsplan und eine neue Bau¬
ordnung den Wohnungsbau nach
neuen Gesichtspunkten. Köln war
eine der ersten Städte, welche die
sogenannte Zonen- oder Staffelbau¬
ordnung einführten, nach der von der
sorgung durch das in unmittelbarer
Nähe des Rheins errichtete Wasser¬
werk an der Alteburg. In den Jahren
der Stadterweiterung erbaute man dann
innerhalb der Neustadt das Wasserwerk
Severin, und da dessen Leistungsfähigkeit
bei der zunehmenden Bevölkerung nicht
ausreichte, um 1900 außerhalb der Stadt-
grenzen das große Wasserwerk Hoch¬
kirchen, das mittels 90 Rohrbrunnen
aus einem mächtigen Grundwasserstrom
ein ganz vortreffliches, in chemischer
und bakteriologischer Beziehung durch¬
aus einwandfreies Trinkwasser empor¬
hebt. Nach den bisherigen Erfahrungen
kann die Leistungsfähigkeit dieses Werkes
auf 200000 Kubikmeter im Tage ge¬
steigert werden, so daß es den Wasser¬
bedarf für 1 Million Einwohner zu decken
vermag.
Eine gleich glänzende Entwicklung
haben auch die städtischen Werke für
die zentrale Lichtversorgung genommen.
Die Gasanstalt und die Elektrizitäts¬
werke sind Musterbetriebe von höchster
Köln: Markthalle
70 DEUTSCHLAND Nr. 2
Innenstadt nach außen abnehmend nur ein bestimmter Prozent¬
satz des Baugrundstücks bebaut werden darf. Betrug dieser
in der Römerstadt 757of iri der übrigen Altstadt 65®/o, so
staffelte man ihn unter gleichzeitiger Beschränkung der
Geschoßzahl in der geschlossenen Bauweise der Außenbezirke
auf 507o ab und gestattete in den für die offene Bauweise
bestimmten Gebieten nur 407o bebaute Fläche. Weite Be¬
zirke hat man dieser
Bauklasse zugeteilt, ^
so daß sich an ver¬
schiedenen Punkten
der Stadt schöne, in¬
mitten grüner Gärten
gelegene Villen-
Kolonien angesiedelt
haben. Die prächtigen,
zum Teil architekto¬
nisch wertvollen Land¬
häuser an den herr¬
lichen Alleen des
Oberländer- und des
Niederländer - Ufers
sind eine Zierde des
Stadtbildes vom Rhein
her, die entzückende
Kolonie Marienburg
und die den Stadtwald
umziehenden Villen¬
straßen in Lindenthal
bieten Wohngelegenheiten von großer Schönheit. Eine große
Förderung erfährt das Wohnungswesen in Köln durch eine weit¬
ausschauende städtische Bodenpolitik. Die Stadt selbst besitzt
innerhalb ihres Weichbildes etwa 3000 Hektar und außerhalb
dessen über 2000 Hektar Land und vermehrt ihren Grund¬
besitz ständig. Sie gibt Bauland unter Bedingungen ab, die
auf eine in hygienischer, wirtschaftlicher und ästhetischer
Beziehung befriedigende Bauweise hinzielen, und wirkt so in
hohem Maße vorbildlich.
So hat sich die Stadt in neuerer Zeit auch die Erschließung
von Bauland inmitten der Altstadt angelegen sein lassen und hat
damit nicht nur neue Verkehrsadern geöffnet und alte schlechte
Quartiere saniert, sondern auch den Bau moderner, künstlerisch
hoch bedeutsamer Geschäftshäuser gefördert. Gerade in diesem
Jahre herrscht auf
diesem Gebiete eine
außerordentlich rege
Bautätigkeit. Daß ein
so weiträumiges, freies
und gesundes Wohnen
möglich ist, verdankt
Köln aber auch der
ausgezeichneten Ent¬
wicklung seiner Ver¬
kehrsverhältnisse, ins¬
besondere der städt.
Straßenbahnen. Ihr
dichtes Netz erstreckt
sich nicht nur über
die Altstadt, sondern
bis weit hinaus in
die Außenbezirke, so
daß dort billiges Bau¬
gelände erschlossen
werden kann. Die
städt. Vorortbahnen
auf der rechten Rheinseite nach Bergisch-Gladbach, dem Königs¬
forst und Brück vermitteln dem Großstadtmenschen nicht nur
den Verkehr nach den herrlichen Waldungen des bergischen
Landes, sondern sie haben an ihren Endpunkten schon nach
englischen Vorbildern Gartenstadtsiedelungen entstehen lassen.
Die elektrisch betriebene Rheinuferbahn mit ihren bequemen,
vornehm ausgestatteten Aussichtswagen bringt uns die schöne
Köln: Opernhaus
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o ,
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1
1
Köln: Denkmal Friedrich Wilhelm III.
Köln: Kaiserin-Augusta-Denkmal
2
Köln: Hohenzollernbrücke (Westportal)
72 DEUTSCHLAND Nr. 2
Universitätsstadt Bonn nahe und erleichtert uns die Ausflüge
nach dem herrlichen, sagenumwobenen Siebengebirge.
Als Knotenpunkt zahlreicher Eisenbahnlinien nimmt Köln
namentlich für den internationalen Verkehr unter den Städten
des westlichen Deutschland unbestritten die erste Stelle ein.
Hier nehmen ihren Ausgang oder kreuzen sich die Haupt¬
linien nach Frankreich, Belgien und Holland; über Köln geht
vor allem auch der große Durchgangsverkehr nach England.
Die enorme Steige¬
rung des Reise- und
Güterverkehrs hat in
den letzten Jahren eine
weitgehende Umge¬
staltung der rechts-
und linksrheinischen
Bahn - Anlagen not¬
wendig gemacht, die
auch den Bau zweier
neuer fester Brücken
über den Rhein im
Gefolge hatte. Viele
Millionen sind hier
im Interesse des Ver¬
kehrs, zur Förderung
von Handel und Wan¬
del von Staat und
Stadt aufgewendet
worden. Die Süd¬
brücke soll neben
dem Fußgänger-Ver¬
kehr zunächst nur
dem Eisenbahngüter¬
verkehr dienen, die
Hohenzollern - Brücke
aber, die mit ihren ge¬
waltigen Eisenbögen
und mächtigen Portal¬
bauten eine ganz neue
Note in das Kölner
Stadtbild gebracht
hat, soll auf ihren vier
Gleispaaren den ge¬
samten Bahnverkehr
über den Rhein auf¬
nehmen. Außerdem
trägt sie die Geleise
der städt. Straßen-
und Vorortbahnen,
und ein gewaltiger
Wagen- und Fu߬
gängerverkehr flutet
über sie vom einen
Ufer zum andern.
Sie wird bald eine
würdigeNachbarin be¬
kommen, denn schon
rüstet sich die Stadt
Köln, die berühmte
Deutzer Schiffbrücke
durch eine eiserne
Brücke zu ersetzen. Ein von ihr ausgeschriebener Wett¬
bewerb hat in den letzten Monaten die deutschen Ingenieure
und Architekten vor die schwierige aber interessante Aufgabe
gestellt, für diesen gewaltigen Bau eine Form zu finden, die
mit der höchsten Zweckmäßigkeit die größte Schönheit ver¬
bindet. Die ästhetische Seite dieses Brückenbaues ist um
deswillen von so großer Bedeutung, weil er eingefügt werden
muß in ein Städtebild, das seinesgleichen in Deutschland
nicht mehr hat. Ungern wird das für malerische Schönheit
offene Auge die alte Schiffbrücke aus dem Kölner Rhein¬
panorama schwinden sehen — gibt doch ihre breit über das
Wasser gelagerte Masse einen wirkungvollen Vordergrund
für die hochaufstrebenden Giebelhäuser und Türme am Ufer, ins¬
besondere für den trotzigen St. Martin und den gewaltigen Dom.
Aber sie muß weichen — weichen wie so manches Schöne
dem unerbittlichen Verkehr. Sie ist ein Hindernis geworden
in dem bedeutsamsten
Verkehrswege, der
Köln durchzieht, dem
Rheinstrom. Der Um¬
stand, daß für jedes
zu Berg und zu Tal
fahrende Schiff erst
durch Ausfahrt meh¬
rerer Brückenjoche
eine Durchfahrtsöff¬
nung geschaffen wer¬
den muß, stört nicht
nur den Verkehr von
Ufer zu Ufer auf das
empfindlichste, son¬
dern er hat insbeson¬
dere große Nachteile
für die Schiffahrt im
Gefolge. Der Schiffs¬
verkehr aber hat auf
dem Rheine einen Um¬
fang angenommen,wie
ihn wenige Ströme
der Erde aufzuweisen
haben. Und besonders
ist es Köln, das für
diesen Verkehr ein
Hauptziel- und Stütz¬
punkt geworden ist.
Köln ist nicht nur der
Sitz der bedeutendsten
rheinischen Schiff¬
fahrts-Gesellschaften,
sondern seit mehr als
zwanzig Jahren ist es
Heimatshafen für den
direkten Rhein-See-
Verkehr. Die Rhein-
und Seeschiffahrts-
Gesellschaft unterhält
seit jener Zeit regel¬
mäßige direkte Linien
nach London, nach
den deutschen Nord-
und Ostseehäfen, ja
selbst nach den Ufern
der Newa. Ueber
25 Millionen Mark
hat die Stadt Köln
aus eigenen Mitteln in
den letzten Dezennien
zum Ausbau ihrer
Hafen- und Werftanlagen aufgewendet und damit Handel
und Industrie große Dienste geleistet. Erst 1907 wurde der
rechtsrheinische Industriehafen vollendet und schon heute
ist das ihm anliegende Industriegelände dicht besiedelt. Ge¬
waltige Mühlenwerke mit ihren hochragenden Silos säumen
das Ufer, Fabrikanlagen verschiedener Art haben weitaus¬
gedehnte Bauten an ihm errichtet. Auf der linken Rheinseite
erhebt sich seit einem Jahre das von der Stadlgemeinde
Köln: Kolping-Denkmal
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Nr. 2
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erbaute gewaltige Lagerhaus der Mannheimer Lagerhaus¬
gesellschaft, an dessen Wasserseite zahlreiche Krane und
Elevatoren unablässig tätig sind, Schiffsgut aller Art zu bergen
und zu verladen. Diese neueren Industriebauten am Rheine
förderungsanstalt genannt sei. In unmittelbarer Nähe des
Hohenstaufenbades, am Hohenstaufenring, wurde im Vorjahre
das nach seiner Zweckbestimmung und in seiner baulichen
Gestaltung gleich interessante soziale Gebäude der Stadt
Köln errichtet. Eines der größten öffentlichen Gebäude
neuester Zeit ist die Handelshochschule am Oberländer-Ufer,
deren an barocke Motive erinnernde Baugruppe manche schöne
Architekturbilder bietet. Besonders bemerkenswert sind auch
die Bauten der Krankenanstalt Lindenburg, die vor 2 Jahren
mit einem Kostenaufwand von über 5 Millionen Mark errichtet
wurde, ln Ehreneid geht der Bau einer großen Volksbade¬
anstalt seiner Vollendung entgegen und inmitten der Alt¬
stadt erhebt sich der Neubau eines großen städtischen
Verwaltungsgebäudes.
Auch eine größere Zahl von Staatsbauten hat Köln
in seinen Mauern, die zu den bemerkenswerten Werken der
Baukunst unserer Tage zu zählen sind. Es seien nur das
1883 bis 1893 erbaute Oberlandesgerichtsgebäude am Appell¬
hofsplatz und das im romanischen Stil gehaltene Polizei¬
präsidium erwähnt, dessen hochragender Eckturm für das
Straßenbild der Schildergasse einen wirkungsvollen Abschluß
bildet. Ihrer Vollendung nähern sich der breit am Ufer des
Rheines gelagerte Neubau der Königlichen Eisenbahndirektion
und der gewaltige Monumentalbau des neuen Justizgebäudes
am Reichensperger Platz. Beide Bauwerke zeigen eine vor¬
nehme Barockarchitektur und werden der Stadt Köln zur Zierde
gereichen. Auch das neue Gebäude der Oberzolldirektion
an der Riehlerstraße verdient Erwähnung, weil es sich trotz
seiner Größe durch eine geschickte Gliederung der Bau¬
massen dem Villencharakter seiner Umgebung gut anpaßt.
Köln: Hauptbahnhof
zeigen eine besondere Eigenart. Sie werden vielleicht sogar
in der Bau- und Kulturgeschichte der Stadt einmal eine Rolle
spielen. Sind sie doch ein Zeugnis dafür, wie sehr der Kölner
Bürger die Schönheit seiner Stadt schätzt und wie es unsere
Zeit verstanden hat, solchen Nutz- und Zweckbauten Form
und Gestalt zu verleihen, daß sie dieser Schönheit nicht ge¬
fährlich werden. Derartige Bauten, die man noch vor wenigen
Jahren als Stiefkinder der Baukunst behandelte, werden heute
unter Verzicht auf alle Schmuck- und Ziermittel aus
dem Zwecke heraus so gestaltet, daß sie dem Stadt¬
bilde zur Zierde gereichen.
Daß der künstlerischen Gestaltung der öffent¬
lichen Bauten in Köln seit langem eine besondere
Aufmerksamkeit und Sorgfalt geschenkt wird, bedarf
nach dem eben Gesagten kaum der Erwähnung.
Wenn auch die künstlerischen Ausdrucksmittel im
letzten Menschenalter eine bedeutende Wandlung
durchgemacht haben und darum manches Werk der
Baukunst jüngstvergangener Zeit heute nicht mehr
ganz unserem Geschmacke entspricht, so zeigt doch
eine große Zahl von ihnen das Bestreben der
Architekten, der künstlerischen Vergangenheit der
Stadt gerecht zu werden. Dieses spricht namentlich
aus einer ganzen Reihe von kirchlichen Bauten, die
zumeist in mittelalterlichem Stil gestaltet sind. Von
profanen Bauten weisen namentlich die Banken manch
gutes Werk auf und die dem öffentlichen Unterricht
gewidmeten Bauten spiegeln am deutlichsten die
baugeschichtliche Entwicklung Kölns in der Neuzeit
wider. Die reiche Front der Handelsschule am Hansa¬
ring ist in gotischen Formen gehalten, die prächtigen
Gymnasien in Ehrenfeld und Nippes lehnen sich noch
an die Spätrenaissance an, während namentlich die
neueren Volksschulbauten das Bestreben zeigen, sich
rein sachlicher Ausdrucksmittel zu bedienen und sich
von überlieferten Stilelementen freizumachen. Die
Schulen am Manderscheider Platz, an der Genter-
und an der Simonstraße dürfen als mustergültige
moderne Schulhäuser bezeichnet werden. An den
Ringstraßen stehen eine ganze Zahl prächtiger Monu¬
mentalbauten, von denen nur das in seiner Grup¬
pierung höchst interessante Opernhaus, das Kunst¬
gewerbe-Museum mit seinem neuen Erweiterungs¬
bau für die berühmte Sammlung Schnütgen, das
Rautenstrauch-Joest-Museum und ihm gegenüber
die Maschinenbauschule und der Bau der Gewerbe-
Köln : Polizei-Präsidium
74 DEUTSCHLAND Nr. 2
Einen ganz besonderen Reiz der
Stadt Köln bieten seine zahlreichen
öffentlichen Anlagen und Parks. Nicht
so sehr ihrer Größe wegen, als wegen
ihrer glücklichen Verteilung über das
ganze Stadtgebiet, ihrer künstlerischen
Gestaltung und ihrer mustergültigen
Unterhaltung und Pflege. Sie sind um
so mehr zu bewundern, als sie zum
großen Teile erst Schöpfungen neuerer
Zeit sind. Solange die Stadt noch
eingeengt war durch die mittelalter¬
lichen Befestigungswerke, da waren
es der Grünflächen noch wenige im
inneren Stadtgebiet. Außer in den
schönen Baumalleen der Umwallung
konnte der Bürger nur in dem Stadt¬
garten, einem Park mit schönem altem
Baumbestand, Erholung finden, wenn
er nicht hinaus vor die Tore wandeln
wollte zu der 1862 nach den Plänen
Lennes angelegten „Flora", deren herr¬
liche Gartenanlagen noch heute viel
Bewunderung finden. Diese für viele
Anlagen ähnlicher Art vorbildlich
gewesene Parkanlage wird in aller¬
nächster Zeit eine wertvolle Erweite¬
rung erfahren durch Angliederung eines
Botanischen Gartens, der in erster Linie
der naturwissenschaftlichen Belehrung
der Schuljugend gewidmet sein soll.
Auch ein Besuch des der Flora
benachbarten Zoologischen Gartens,
der wegen seiner schönen Gesamt¬
anlage und seines überaus wertvollen
Tierbestandes zu den bedeutendsten
Zoologischen Gärten des Kontinents
zählt, war in damaliger Zeit schon ein großer Ausflug. Erst
die Stadterweiterung von 1881 gab die Möglichkeit, neue Parks
und öffentliche Plätze mit Schmuckanlagen zu schaffen. So
Köln: Bismarck-Denkmal
entstand 1887 auf dem ehemaligen
Festungsgelände der 15 Hektar große
Volksgarten, dessen herrlichem Baum¬
bestand heute niemand mehr seine
Jugend ansieht. Auch der 100 Hektar
große Stadtwald, der erst in den Jahren
1895 bis 1898 auf das energische
Betreiben des damaligen Oberbürger¬
meisters Becker angelegt wurde, hat
sich so wundervoll entwickelt, daß
man in ihm kaum mehr eine Neu¬
anlage vermutet. Er bietet köstliche
schattige Spaziergänge mit abwechs¬
lungsreichen Ausblicken auf große
grüne Wiesenflächen, auf denen sich,
wie in englischen Parks, die Jugend
in Spiel und Sport tummelt. Ein aus¬
gedehnter Wildpark gibt dem Gro߬
stadtkind Gelegenheit, auch einmal
die Tiere des Waldes beobachten zu
können, und auf den mustergültig an¬
gelegten Tennisplätzen herrscht an
schönen Tagen immer ein reges
Treiben. Zwei Restaurationen sorgen
für das leibliche Wohl, von denen die
eine an einem großen Teich inmitten
der alten Bäume eines dem Stadt¬
walde einverleibten alten Gutsparks
gelegen ist.
In der Villenkolonie Marienburg
bildet der zwar kleine aber sehr stim¬
mungsvolle Südpark ein beliebtes Ziel
derjenigen, die sich auf den schönen
Rheinalleen des Oberländer-Ufers er¬
gehen, und im Westen der Stadt
ist der Klettenbergpark mit seiner
architektonisch überaus reizvollen
Schenke eine besondere Sehenswürdigkeit. Erweckt doch diese
erst vor wenigen Jahren in einer ausgesandeten Kiesgrube
mit außerordentlichem Geschick und künstlerischem Fein¬
gefühl geschaffene
Anlage den Ein¬
druck eines roman¬
tischen Naturparks,
in dem sich die
Jugend über die
heimische Flora und
die geologischeFor-
mation der rheini¬
schen Berge unter¬
richten kann. Nur
der architektonisch
gestaltete Rosen¬
garten mit seinen
Laubengängen und
Bäumen läßt die
Hand des bildenden
Gartenkünstlers er¬
kennen. — Zwei
neue große Park¬
anlagen sind in Aus¬
führung begriffen:
im Süden der Park
in der Raderthaler
Mulde, im Nord¬
westen derHerkules-
park. BeideAnlagen
sind in Anlehnung
Köln; Römischer Steinsessel
(Grab zu Weiden)--
Köln: Bayenturm
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Nr. 2 DEUTSCHLAND 75
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an die in den bekannten Schloßgärten der Barockzeit ge«
gebenen Vorbilder architektonisch-regelmäßig gestaltet und
werden durch einen reizvollen Wechsel schattiger Alleen,
farbiger Blumenbeete, mit Bildwerken umstellter Wasserbecken
und großer Spielwiesen über«
aus interessante Schöpfungen
moderner Gartenkunst wer¬
den. Auf der rechten Rhein¬
seite hat die Stadt in dem mit
herrlichen Buchen und alten
Eichen bestandenen Grem«
berger Wäldchen einen wert¬
vollen Besitz, in welchem
namentlich die Bevölkerung
der industriereichen Stadt¬
bezirke Kalk und Vingst
Erholung findet.
Wenn sie auch eigentlich
nicht zu den Parkanlagen zu
zählen ist, so darf doch die
54 Hektar große Rennbahn in
der Nähe des Vororts Niehl
nicht unerwähnt bleiben, ein¬
mal weil sie landschaftlich
von hohem Reiz ist, und
dann, weil doch auf ihr auch
viele Freunde des Sports vom
grünen Rasen Erholung fin¬
den. Viele Tausende pilgern
hinaus zu den berühmten
Pferde - Rennen des Kölner
Renn-Vereins, die vornehme
Welt trifft sich bei dem all¬
dem Lortzing-Platz in Lindenthal, bei der St. Annakirche in
Ehrenfeld, gehören mit zu dem Schönsten, was die neuere
deutsche Gartenkunst geschaffen hat. — Solche Platz¬
gestaltungen geben auch eine künstlerisch befriedigende
Umgebung für Denkmäler,
Brunnenanlagen und plasti¬
sche Bildwerke, deren Köln
eine ganze Anzahl an seinen
Straßen und Plätzen auf¬
weist. Weit bekannt ist ja
das treffliche Denkmal König
Friedrich Wilhelms IV. auf
dem Heumarkt, eine Schöp¬
fung der berühmten Meister
Bläser, Tondeur, Drake und
Calandrelli; die Denkmäler
Kaiser Wilhelms I. und der
Kaiserin Augusta zieren den
Kaiser - Wilhelm - Ring, die
markige Gestalt Kaiser Fried¬
richs ni. erhebt sich, von Pet.
Breuer gebildet, am Rhein¬
ufer an der Einmündung
des Deutschen Rings. Die
Meisterhand Schapers schuf
die Standbilder Bismarcks
und Moltkes, und vor dem
Wallraf - Richartz - Museum
stehen die trefflichen Stand¬
bilder der Stifter dieser Kunst¬
stätte. Das Denkmal des
Gesellenvaters Kolping an
der Minoritenkirche ist ein
Köln: Stadtwald
jährlich mehrmals stattfindenden Concours hippique, die ausgezeichnetes Werk des Kölner Bildhauers Schreiner,
Freunde der edlen Pferdezucht kommen von weither zu und in diesen Tagen fällt die Hülle von den Reiterstand-
der von der Landwirtschaftskammer der Rheinprovinz ver- bildern Kaiser Friedrichs III. und Kaiser Wilhelms II., als den
anstalteten Pferdeschau. Dem Kölner Golfklub bietet die bedeutsamsten Schmuckstücken der neuen Hohenzollern-
Rennbahn ein ausgezeichnetes Spielfeld, und auch dem Fuß- brücke. Mit diesen beiden Denkmälern dürfte Köln zwei der
ballsport wird auf ihr
gehuldigt. — Beson¬
dere Aufmerksamkeit
verdienen auch noch
die gärtnerischen An¬
lagen auf den öffent¬
lichen Plätzen der
Stadt, weil sie sich
vor denjenigen vieler
anderer Städte da¬
durch auszeichnen,
daß sie ihrer Um¬
gebung trefflich an¬
gepaßt sind. Sie
sind architektonisch
empfunden und halten
sich frei von all jenen
billigen und mißver¬
standenen Schmuck-
mitteln einer kaum
und noch nicht überall
vergangenen Periode
der Garten - Kunst.
Vergeblich sucht man
hierromantischeFels-
partien aus Grotten-
Köln: Partie aus dem Gremberger Wäldchen
besten Schöpfungen
moderner Plastik sein
eigen nennen.
Ein großes Bild¬
werk von Nikolaus
Friedrich, die kraft¬
volle Gestalt eines
Tauziehers, hat kürz¬
lich am Hafen Auf¬
stellung gefunden,
und mehrere Brunnen
zieren die Plätze der
Altstadt. Am Ober¬
länder-Ufer leuchten
alljährlich in der
Nacht zum T. April
die Flammen von dem
gewaltigen Turm, der
dem Gedächtnis des
eisernen Kanzlers ge¬
weiht ist.
Groß und herr¬
lich hat sich seit den
Tagen, da er als treuer
Diener seines Herrn
das deutsche Schwert
steinen und bretzelförmig geschwungene Wege — in An- geschärft und des alten Reiches Herrlichkeit neu aufgerichtet
passung an die umgebende Architektur begrenzen regelmäßig hat, das alte heilige Köln entwickelt. Im Schutze des von
gestaltete Beete in farbiger Blumenpracht die ruhigen Rasen- starker Hand beschirmten Friedens hat es seine Kräfte geregt
flächen. Anlagen wie diejenigen am Deutschen Ring, auf und mit rastlosem Fleiße daran gearbeitet, den Forderungen
DEUTSCHLAND Nr. 2
der neuen Zeit gerecht zu werden. — Nach dem Ergebnis
der letzten Volkszählung ist Köln die zweitgrößte Stadt im
Königreich Preußen geworden, Handel und Industrie blühen
und gedeihen, Kunst und Wissenschaft haben hier sicheren
Hort, gesunde und schöne Wohnbauten machen den
dauernden Aufenthalt hier begehrenswert. Mögen auch in
seiner engeren und weiteren Umgebung kleine und große
Städte gewaltige Anstrengungen machen, Köln auf diesem
oder jenem Gebiete zu überflügeln — die alte Colonia ist
sich der Bedeutung ihrer alten Kultur bewußt und rastlos
arbeitet sie, damit ihr der Ruhmestitel früherer Jahrhunderte
erhalten bleibe:
boven allen Steden schoin.
Köln als Lehrstadt.
Von Dr. Maubach.
Das Bildungs- und Unterrichtswesen der Stadt Köln
hat in den letzten Jahrzehnten dank der opferfreudigen
Zusammenarbeit staatlicher, städtischer und privater
Kräfte einen so glänzenden Aufschwung erlebt, daß die
alte Colonia heute wie in früheren Zeiten auch auf
geistigem Gebiet eine führende Rolle spielt. Muster¬
gültiges hat die städtische Verwaltung auf dem Gebiete
des Volksschulwesens geschaffen. Es sind 106 Schul¬
systeme mit 1380 Lehrkräften vorhanden; 6Q282 Kinder
besuchten in diesem Jahre die verschiedenen Volks¬
schulen, die besonders in letzter Zeit sowohl in schul¬
technischer wie in ästhetischer Hinsicht allen modernen
Anforderungen Rechnung tragen. Besonders erwähnens¬
wert sind die Schulen an der Nußbaumstraße, Recht¬
schule, Ossendorfer- und Barthelstraße. Die Bewilligung
von 6926600 Mk. für das Volksschulwesen im Etats¬
jahre 1910/11 läßt erkennen, daß der Bürgerschaft
hierfür kein Opfer zu groß ist. Ganz kurz sei erwähnt,
daß durch zwei Hilfsschulen für Schwachbegabte, durch
Sonderkurse für Stotterer, durch 23 Haushaltungsschulen
für Mädchen, durch Asyle, Kinderhorte, Ferienkolonien
und Milchstationen aufs beste für alle Bedürfnisse der
Großstadtjugend gesorgt ist. — Der hohen Bedeutung
des Mittelschulwesens ist Köln durch Einrichtung von je
Köln: Volkslesehalle
Köln-Ehrenfeld: Schiller-Gymnasium
Nr. 2 DEUTSCHLAND 77
zwei mittleren Knaben- und Mädchenschulen sowie
einer Knabenmittelschule gerecht geworden; alle
haben einen sehr starken Besuch aufzuweisen.
Die höheren Schulen zerfallen in königliche
und städtische Anstalten. Jene sind ältere
uruhaurf^eii,*idier:e meist Schöpfungen der Neu¬
zeit; alle aber sind hervorragende Pflegestätten
der Wissenschaft, die teilweise schon eine große
Reihe berühmter Lehrer und Schüler in den
Spalten ihrer Geschichte anführen können. Alle
diese Lehranstalten, ganz besonders das Gym¬
nasium in der Kreuzgasse, das Schillergymnasium
und das Realgymnasium in Nippes, genügen
sowohl in schultechnischer wie in ihrer äußeren
Ausgestaltung den verwöhntesten Ansprüchen und
gelten als Sehenswürdigkeiten der Stadt. Zurzeit
bestehen in Köln 7 Gymnasien, 5 Realgymnasien,
2 Realanstalten und eine Handelsrealschule, die
zusammen von 7554 Knaben besucht werden.
Köln: Volksschule
in der Königl. Baugewerk- und Bau¬
handwerkerschule; desgleichen der
Kunstgewerbetreibende und Hand¬
werker in der städtischen Kunst¬
gewerbe und Handwerkerschule. Die
Gewerbeförderungs-Anstalt für die
Rheinprovinz will durch ihre ver¬
schiedenen Einrichtungen Handwerk
und Kleingewerbe in seiner Entwick¬
lung und Leistungsfähigkeit heben.
Daß in einer Handelsstadt wie Köln
auch das kaufmännische Unterrichts¬
und Bildungswesen blüht, bedarf
keines Beweises. Die Handelsklasse
an der Handelsrealschule, die städt.
und privaten kaufmännischen Fort¬
bildungsschulen leisten ganz Hervor¬
ragendes. Eine besonders glänzende
Entwicklung hat auf diesem Gebiet
auch die Kölner Handels-Hochschule
Köln: Handelsrealschule
Für die 6335 Mädchen, welche höhere Schulen
besuchen, ist durch zwei städtische höhere
Mädchenschulen, ein Lyzeum, zwei Studien¬
anstalten und eine größere Zahl trefflicher, staat¬
lich anerkannter und aus städtischen Mitteln
unterstützter Privatanstalten gesorgt. Die Auf¬
wendungen der Stadt für ihre höhere Schulen
betragen in diesem Jahre 1198442 Mk.
Köln hat auch eine große Anzahl von Unter¬
richtsinstituten, die auf bestimmte Berufe vor¬
bereiten. Es ist hier fast allen Bedürfnissen
Rechnung getragen. Präparandenschule undVolks-
schullehrerinnen-Seminar sorgen für den Nach¬
wuchs tüchtiger Lehrkräfte. Die Königl. Höhere
Maschinenbauschule und die Maschinenbauschule
mit ihren mustergültigen Lehrmitteln erziehen der
Industrie gut vorbereitete höhere und mittlere
Beamte. Diejenigen, die sich im Baugewerbe aus¬
bilden wollen, finden hierzu die beste Gelegenheit
Köln: Kaiserin-Augusta-Schule
78 DEUTSCHLAND Nr. 2
erfahren, die den jungen Kaufmann für die große Welt
schulen und seinen Blick erweitern will. Die tüchtigen
Lehrkräfte, die an der Hochschule tätig sind, und ihre
glänzende Ausstattung bewirken, daß von Jahr zu Jahr die
Zahl der Studierenden aus Deutschland und dem Aus¬
lande wächst, die sich der bildungsfreundlichen und mit
geistigen Gütern so reich bedachten Stadt am schönen
Rheirstrom zuwenden. Auch andere Zweige des Hoch¬
schulwesens haben in Köln gastliche Aufnahme gefunden.
An der Akademie für praktische Medizin haben sowohl
die Kandidaten der Medizin als auch praktische Aerzte
Gelegenheit, unter Führung hervorragender Männer der
Wissenschaft ihre Kenntnisse zu vertiefen. Die Ver¬
einigung für rechts- und staatswissenschaftliche Kurse
bietet zweimal im Jahre Juristen und anderen inter¬
essierten Berufen Gelegenheit, bedeutende Gelehrte
deutscher Hochschulen und ihre neuesten Forschungen
kennen zu lernen. Hierzu geben nun noch zahlreiche
Vereine mit literarischen, künstlerischen oder wissen¬
schaftlichen Zielen dem Gebildeten reiche Anregung.
Er kann ferner seine wissenschaftlichen Neigungen in
einer reichhaltigen städtischen Bibliothek oder in dem mit
wertvollem Quellenmaterial ausgestatteten Archiv in jeder
Weise befriedigen. In den Kölner Museen besitzt die
Stadt Einrichtungen von hohem erzieherischen und bil¬
denden Wert, wie nur wenige Städt^DtftitS^iTärfd^^ sie
ihr eigen nennen können. Das Prähistorische Museum
mit seinen wertvollen Funden, das Historische Museum,
das vornehmlich Kölns großer Vergangenheit dient,
das Museum für Naturkunde und seine unübertrefflichen
Tiersammlungen und -gruppen, das Museum für Handel
und Gewerbe, das Rautenstrauch-Joest-Museum für
Völkerkunde seien hier erwähnt. Aus dieser knappen
Uebersicht geht schon hervor, daß Köln einen hervor¬
ragenden Mittelpunkt des geistigen Lebens der Rhein¬
provinz bildet, und die Bürger Kölns konnten dem
Andenken des großen Kölner Gelehrten Albertus
Magnus nicht besser dienen, als indem sie ihr Bil-
dungs- und Unterrichtswesen zur wahren Mustergültig¬
keit entwickelten.
Köln im Handwerk und Kunstgewerbe.
Von Max Creutz.
Von jeher war am Rhein und besonders in Köln eine
starke Veranlagung für handwerkliche Tüchtigkeit und
originelle Leistungen lebendig. Eine freudige Lebens¬
auffassung gab zu reicher Ausgestaltung der Umgebung
und zu vielseitigem Schaffen auf allen Gebieten künst¬
lerischer Betätigung Veranlassung. Im Dienste der Kirche
entstanden Werke, die in mancher Hinsicht kein anderes
Land, wenigstens nicht in der langen Tradition von Jahr-
Nr. 2 DEUTSCHLAND 79
Nr. 2
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hunderten, aufzuweisen hat. Und noch heute ist eine
Anzahl von Kräften tätig, die man an anderen Orten in
ähnlicher Geschicklichkeit schwerlich finden wird, weil
die guten alten Traditionen mit einer gewissen Ursprüng¬
lichkeit noch heute be¬
stehen. — Die Gold¬
schmiedekunst bildete
von jeher den Ruhmes¬
titel kölnischen Kunst¬
fleißes. Von der Email¬
kunst derKlostermönche,
die für die großen Reli¬
quienschreine Bausteine
lieferte, dem gotischen
Kirchengerät, den Prunk¬
arbeiten der Zünfte,
den Silberarbeiten der
Barockzeit bis in unsere
Tage ist eine hervor¬
ragende künstlerische
Uebung lebendig. Auch
auf den andern Gebieten
des Kunsthandwerks, der
Möbelkunst, der Glas¬
malerei, der Borten-
Weberei, der Keramik
sind originelle, zum Teil
typische Formen ge¬
schaffenworden. Rheini¬
sche Truhen und Stollen¬
schränke mit reicher
ornamentaler Verzierung
gehören wohl zu den
originellsten Leistungen
der Tischlerkunst. Inder
Glasmalerei bestanden in Köln Werkstätten, deren
Fähigkeit in der Behandlung des lichten Glases man
noch heute in Museen und Kirchen durch Jahrhunderte
verfolgen kann. In der berühmten Kölner Bortenweberei
ist dann weiterhin ein starker Sinn für Koloristik und
malerischen Glanz lebendig. Das kölnische Steinzeug der
Renaissance lieferte nach den Funden in der Komödien-
und Maximinenstraße Formen von einer Originalität und
einem Reichtum der dekorativen Einzelheiten, daß auch
die übrigen rheinischen Töpferwerkstätten nur dem Er¬
findungsgeiste der Kölner Werkstätten Entstehung und
Weiterentwicklung dieses eigentlich nationalen Kunst¬
zweiges verdanken. Wie noch heute, so war seit dem
Mittelalter Köln der Herstellungsort für eine charakte¬
ristische Art der Gläser, die im sogenannten „Römer"
eine beliebte und weitverbreitete Form erlebten.
Der reiche Einfluß von denNiederlanden her steigerte
in wechselseitiger Anregung die Produktion, deren Ver¬
mittlung die alte Lebensader Kölns, der Rhein, auf¬
nahm und von dannen trug.
Zur Veranschaulichung dieser vielseitigen Gebiete
geben die Sammlungen des Kunstgewerbe-Museums
und neuerdings auch der Sammlung Schnütgen reiches
Material und vielseitige Anregung.
Kölnisches ZimDner im Kunstgewerbe-Museum
Köln in der Fürsorge.
Von Dr. Krautwig, Beigeordneter.
Von jeher hat die Stadt Köln die Fürsorge für Arme und
Kranke als eine ihrer vornehmsten Aufgaben angesehen. Die
Aufwendungen für die Armenpflege belasten ihr Budget
mit rund 3Millionen Mark. Köln hat viele Waisenhäuser,
das städtische Waisenhaus, mehrere katholische Asyle, das
evangelische Waisenhaus, das israelitische Kinderheim und
die israelitische Waisenstiftung, die alle den armen Waisen
das allzufrüh verlorene Elternhaus ersetzen sollen.
Für Altersschwache und Arbeitsunfähige be¬
stehen das Hospital De Noel, das Invalidenhaus, das Pflege¬
haus in Vingst, sowie eine Reihe Konvente und schließlich
das „Jacob Pallenbergs A r b e i t e r h e i m" zu Merheim,
eine Stiftung des am 25. März 1900 verstorbenen Möbel¬
fabrikanten Jacob Pallenberg für bedürftige, alte, arbeits¬
unfähige Handwerker. Wie das Bild (Seite öl) zeigt, ist man
bei dem Bau von dem vielfach üblichen Kasernenbaustil ab¬
gewichen. Man hat durch den Bau einzelner Häuser um einen
mit gärtnerischen Anlagen versehenen Platz eine kleine
hübsche Dorfanlage geschaffen. Besondere Erwähnung ver¬
dient die Stiftung der Gebrüder Joseph und Heinrich Coblenz
in Höhe von über 2 Millionen Mark zur Errichtung und Unter¬
haltung eines Asyls für altersschwache Personen in Deutz
und die Stiftung des verstorbenen Kölner Arztes Dr. Dor¬
magen mit einem Vermögen von rund 2 Millionen Mark, aus
deren Erträgnissen zurzeit bei Merheim ein neuzeitliches
Krüppelheim errichtet wird.
Die modernen Bestrebungen, sozialhygienische
Arbeit zum Besten unserer Volkswohlfahrt zu treiben.
80 DEUTSCHLAND Nr. 2
haben schon seit vielen Jahren Eingang in unsere Stadt
gefunden. In der Säuglingsfürsorge werden unter Mit¬
hilfe von zwölf Fürsorgeärzten und von sieben amtlichen
Waisenpflegerinnen und zahlreichen ehrenamtlich tätigen
Damen die Mütter des Volkes beraten und wenn nötig durch
Stillbeihilfen unterstützt. Eine städtische Säuglingsmilch¬
anstalt im Schlachthof produziert in großem Maßstabe ein¬
wandfreie künstliche Nahrung für
Kinder, die aus nicht vermeidlichen
Gründen der Mutterbrust entbehren
müssen. Zur Bekämpfung der
Lungentuberkulose ist eine
städtische Fürsorge eingerichtet,
die mit Hilfe der behandelnden
Aerzte und von sechs hauptamtlich
tätigen Fürsorge-Schwestern eine
reiche Tätigkeit entfaltet. Besondere
Aufmerksamkeit widmet sie mit
ihrem Etat von fast 100000 Mk.
jährlich der Wohnungsfürsorge und
der Entsendung von schwächlichen
Kindern in Landkuren.
Zahlreiche gute, zum Teil hervor¬
ragende Hospitäler dienen der
Krankenpflege. Neben 15 Privat-
krankenhäusem, die sich fast aus¬
schließlich in Händen religiöser
Vereine und Genossenschaften be¬
finden, besitzt und unterhält die
Stadt Köln selbst mit bedeutenden
Kosten die drei großen Kranken¬
häuser: Bürgerhospital, Augusta-
hospital und Krankenanstalt Linden¬
burg, die mit den modernsten Einrichtungen und allen Er¬
rungenschaften der heutigen Wissenschaft ausgestattet sind
und von hervorragenden Aerzten geleitet werden. Die Linden¬
burg, die neueste Anstalt, zwischen Sülz und Lindenthal ge¬
legen, ist in den Jahren 1905 bis 1908 mit einem Kosten¬
aufwand von über 6 Millionen Mark im Pavillonstil erbaut
und enthält 1200 Krankenbetten. Außer diesen Anstalten
besitzt die Stadt noch die
Kölnisches Zimmer im Kunstgewerbe-Museum
und Kranken wird die Stadt Köln in dankenswerterweise durch
den rühmlichst bekannten Opfersinn ihrerBürger unter¬
stützt. Eine ganze Anzahl gemeinnütziger und wohltätiger
Vereine entwickeln auf dem Gebiete der Wohltätigkeit und
Nächstenliebe eine ungemein segensreiche Tätigkeit. Sie alle
aufzuführen, läßt der verfügbare Raum nicht zu. Hervorzuheben
wäre besonders der 1899 gegründete Heilstättenverein, der es
sich zum Ziel gesetzt hat, durch
Errichtung von Volksheilstätten die
schlimmste aller Volkskrankheiten,
die Tuberkulose, planmäßig und
wirksam zu bekämpfen. Die stadt¬
kölnische Auguste-Viktoria-
Stiftung, die dem Heilstätten¬
verein ihre Entstehung verdankt,
konnte schon am 13. November 1902
dem Betrieb mit rund 150 Kranken¬
betten übergeben werden. Die An¬
stalt liegt oberhalb Rosbach an den
Hängen der Sieg, 123 Meter über
dieser, 250 Meter über dem Meere,
inmitten eines großen Laub- und
Nadelwaldes, gegen Nord- und
Ostwinde gut geschützt, in reiner
Südlage. Weiter ist das vom
Vaterländischen Frauenverein er¬
richtete Kölner Genesungs¬
heim „Wilhelm - Auguste-
Victoria - Stiftung" auf dem
Sommerberg bei Hoffnungstal her¬
vorzuheben. An sozialen Ein-
richtungen der Stadt Köln sind
noch besonders zu nennen: die
Allgemeine Arbeitsnachweis-Anstalt, der Wohnungsnachweis,
die Versicherungskasse gegen Arbeitslosigkeit im Winter, die
alle seit einem Jahre in dem neuen, besonders sehenswerten
sozialpolitischen Gebäude an der Badstraße ein praktisches
und schönes Heim gefunden haben.
Von modernen Bädern besitzt die Stadt bereits seit
dem Jahre 1885 das Hohenstaufenbad am Hohenstaufenring
mit je einem Schwimmbassin
Augenheil-Anstalt (Stiftung
Bunge), das Freiherr Abraham
V. Oppenheimsche Kinder¬
hospital (Stiftung der Frei¬
frau A. V. Oppenheim) und
das Hospital Deutz. Die Pro¬
vinz besitzt eine großzügig
angelegte Hebammen-
Lehranstal t in Sülz. Zur
Beförderung von Kranken und
Verletzten stehen sieben
Krankenwagen, teils
Pferde-, teils Kraftwagen, Tag
und Nacht dienstbereit zur
Verfügung. Das Kranken¬
transportwesen ist der Feuer¬
wehr angegliedert. Eng ver¬
bunden mit den Kranken- Köln: Schnütgen-Museum
anstalten ist die Akademie für praktische Medizin, Agnes - Kirche
die in den sechs Jahren ihres Bestehens eine reiche Tätig¬
keit auf dem Gebiete ärztlicher Fortbildung entfaltet und
sich einen geachteten Namen in der wissenschaftlichen Welt
errungen hat. — In ihren Fürsorgebestrebungen für die Armen
die
für Herren und Damen, 62
Wannen - Bädern mit einer
Abteilung für elektrische
Licht- und Wasserbehand¬
lung, Dampf- und römischen
Bädern, Fangobehandlung,
sowie einer großen Schwitz-
bade-Anlage mit Massage-
Behandlung; ferner die Bade-
Anstalten in der Fleisch-
mengergasse und in der
Achter-Straße. Ein neues,
großes, prächtiges Bad wird
im Laufe dieses Jahres in
Ehrenfeld fertiggestellt wer¬
den. Für weitere Bäder in
Deutz-Kalk und im Norden
Kölns in der Nähe der
Vorarbeiten zurzeit eifrig ge-
werden
gefördert. Im Sommer bieten außerdem nicht weniger als
acht vortrefflich ausgestattete Rheinbadeanstalten Gelegen¬
heit zum Schwimmen und Baden im Rhein. Die Anlage
eines großen Strandbades liegt in der Absicht der Stadt Köln.
Köln-Merheim: Pallenberg-Heim
82 m
Ü51 DEUTSCHLAND Nr. 2
Köln als Handelsstadt.
Das wechselvolle Bild, das die politische und wirtschaft¬
liche Entwicklung“ der Stadt Köln in ihrer reichen, fast zwei¬
tausend] ährig-en Verg^ang-enheit aufweist, spieg“elt sich deutlich
wider im g-eschichtlichen Werdeg-ang-e des Kölner Handels.
Schon in früher Zeit war die Stadt infolg“e der Gunst ihrer
geographischen Lage an der alten Heer- und Handelsstraße
des Rheines, im Endpunkte der Rhein-Seeschiffahrt und im
Knotenpunkte wichtiger, durch die niederrheinische Tiefebene
hindurchführender Landstraßen zu einem hervorragenden
Handelsplatz geworden und bis zum Ende des Mittelalters,
unter der Förderung durch mancherlei Privilegien, wie das
Stapel- und Ilmschlagsrecht, zu immer höherer Bedeutung
emporgewachsen. Nach der Zahl ihrer Einwohner, der Größe
ihres Handels und der Macht ihres Gemeinwesens zählte sie
zu den wichtigsten Plätzen Europas, in der Rheinschiffahrt
nahm sie eine beherrschende Stellung ein und bildete im
deutschen Hansabunde eines seiner maßgebendsten Glieder.
Mit dem Ausgange des 15. Jahrhunderts begannen
der Handel und die Schiffahrt Kölns und mit ihnen
auch sein Reichtum und seine Macht, zunächst
langsam, aber in der Folgezeit immer schneller
zurückzugehen. Es sank nach und nach zum Range
einer mittleren Provinzialstadt herab, sein
Handel und seine Schiffahrt verloren trotz
der künstlichen Stützung durch Stapel- und
Umschlagsrechte ihre vormalige Bedeutung
immer mehr, die Rhein-Seeschiffahrt Kölns
hörte sogar ganz auf; nach jahrhundertelang
sich hinschleppendem Rückgänge stand es
seiner Größe nach nur noch im Range einer
deutschen Mittelstadt. Erst im Verlaufe
des 19. Jahrhunderts sind für Köln und
seinen Handel wieder günstigere Verhält¬
nisse eingetreten. An dem allgemeinen Auf¬
schwünge des ganzen deutschen
Wirtschaftslebens, der infolge
der großen technischen Fort¬
schritte und andern Errungen¬
schaften der neuesten Zeit
erreicht worden ist, hat es
regsten Anteil genommen und
hat sich besonders in den letzten
Jahrzehnten wieder mächtig
entfaltet. Mit rd. 518000 Ein¬
wohnern ist es heute die zweit¬
größte Stadt Preußens, besitzt
eine vielseitige, leistungsfähige
Industrie und hat sich als Han¬
dels- und Verkehrsstadt wieder
zum bedeutendsten Platze im
Westen der Monarchie empor¬
geschwungen.
Die treibenden Kräfte dieser
neuen Wirtschafts- und Han¬
delsgröße Kölns tragen nicht
den gleichen Charakter wie die
seiner mittelalterlichen Blüte.
Die Vorteile der günstigen
geographischen Lage, die der alten Hansastadt eine über¬
ragende Stellung gegenüber anderen deutschen Städten ver¬
liehen, haben heute an Bedeutung viel verloren, und die
Förderung des Handels durch Zwangsmittel nach Art der
alten Stapel- und Umschlagsrechte ist unmöglich geworden.
Mit der Durchführung der Verkehrsfreiheit, mit den tech¬
nischen Fortschritten im modernen Verkehrswesen, mit den
Eisenbahnen, Dampfschiffen usw., mit dem Emporwachsen
unserer Großindustrien haben sich die Grundlagen der Handels¬
tätigkeit und ihres Gedeihens durchaus verändert. Die Rührig¬
keit und Tüchtigkeit der Bevölkerung, die lebendige Teil¬
nahme an allen technischen und wirtschaftlichen Fortschritten,
besonders die Schaffung guter Verkehrsverhältnisse sowie
sonstiger Hilfsmittel und Einrichtungen des Handels, die
Führung der wirtschaftlichen und kulturellen Entwicklung
durch eine weitblickende, zielbewußte Verwaltung und ähn¬
liche Faktoren sind es in der Hauptsache, auf denen die Handels¬
blüte moderner Gemeinwesen beruht. Daß es in Köln während
der letzten Jahrzehnte an diesen Vorbedingungen nicht gefehlt
hat, kommt in den folgenden Angaben über
die Entwicklung und den heutigen Umfang
des Kölner Handelsverkehrs und seiner Hilfs¬
mittel deutlich zum Ausdruck.
Den im T9. Jahrhundert
von den Uferstaaten durch¬
geführten Verbesserungen der
Fahrstraße des Rheins und dem
allgemeinen Aufschwünge der
gesamten Rheinschiffahrt fol¬
gend, hat Köln seine Hafen-
undWerftanlagen in gro߬
zügiger Weise den modernen
Verkehrs - Ansprüchen ent¬
sprechend ausgestaltet. In der
Zeit von 1892 bis 1898 erbaute
die Stadt einen neuen Hafen
auf der linken Rheinseite, der
nebst den gleichzeitig aus¬
geführten Werftbauten usw.
über 20 Millionen Mark kostete
und mit den modernsten tech¬
nischen Einrichtungen, Eisen¬
bahn-Anschlüssen, leistungs¬
fähigen Kranen, Lagerhallen
und sonstigen Betriebsanlagen
ausreichend versehen ist. Da
für Köln der Schwerpunkt
seiner Wirtschafts-Interessen
wie von jeher mehr im Handel
und weniger in der Industrie
liegt als anderwärts, ist dieser
Hafen fast ein reiner Handels¬
hafen mit überwiegendem
Verkehr in Stückgütern (Kauf¬
mannsgütern). Zu seiner Er¬
gänzung hat die Stadt in den
Jahren 1904 bis 1907 noch
einen besonderen Industrie¬
hafen in Köln-Deutz ausgebaut,
dessen Nachbargelände zur
Ansiedelung großgewerblicher
Unternehmungen dienen soll
und mit unmittelbarem An¬
schluß an Eisenbahn und
Wasserstraße versehen ist, und in dem sich bereits eine
Reihe wichtiger Werke niedergelassen haben. Um dem
Mangel von Lagerräumen für Güter des freien Verkehrs
abzuhelfen, wurde auf der linken Rheinseite, am Agrippina-
Ufer, ein Lagerhaus von großen Dimensionen errichtet,
das an die Rhein- und Seeschiffahrts - Gesellschaft und
Köln: Tempelhaus (Handelskammer)
I Nr. 2
Nr. 2 DEUTSCHLAND Ö3
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an die Mannheimer Lager¬
haus - Gesellschaft vermietet
worden ist.
Dank dem großartigen
Ausbau seiner Hafenverhält¬
nisse hat sich die S ch i f f a h r t
Kölns seit denl880er Jahren
aus ihrer vorherigen stag¬
nierenden Gestaltung wieder
zu einem glänzenden Auf¬
schwung erhoben. Wie die
nachstehenden Ziffern zeigen,
ist der Schiffahrtsverkehr in
den Kölner Hafen - Anlagen
während der letzten Jahr¬
zehnte auf ein Mehrfaches
seines früheren Umfanges ge¬
stiegen; namentlich gilt die
Zunahme auch für den seit
dem Jahre 1885 wieder auf-
Köln: Eingangshalle der Handelshochschule
genommenen und rasch entwickelten Rhein - Seeverkehr.
Gesamter Hafenverkehr
Rhein
-Seever
kehr
Jahr
Zufuhr
Abfuhr
Gesamt¬
verkehr
Zufuhr
Abfuhr
Gesamt¬
verkehr
in Tonnen
in
t Tonnen
1880
146 892
67 475
214 367
—
—
—
1885
203 569
114 366
317 935
2 681
6 472
9 153
1890
360113
163 491
523 604
14 449
17 543
31992
1895
486 676
187 946
624 622
36 960
27 097
64 057
1900
607 692
266 800
874 492
54 869
41 110
95 979
1905
844 645
250 338
1 094 983
76 289
48 896
125 185
1909
848 456
289 339
1 138 339
75 450,5
47 113,5
122 564
Eine Reihe bedeutender Schiffahrts-Gesellschaften
haben in Köln ihren Sitz, darunter besonders die Köln-
Düsseldorfer Gesellschaft, die Niederländische Dampfschiffs¬
reederei, die Preußisch-Rheinische Dampfschiffahrts-Gesell¬
schaft, die Rhein- und Seeschiffahrts - Gesellschaft, die
Köln - Mülheimer Dampfschiffahrts - Aktiengesellschaft u. a.
So bedeutend der Rhein¬
verkehr für den Handel Kölns
auch ist, so steht er doch in
seinen Umsätzen noch weit
hinter dem Eisenbahn-
Güterverkehr zurück,
der in rascher Zunahme einen
Umsatz von weit mehr als
6 Millionen Tonnen pro Jahr
erreicht hat. Schon in der
ersten Epoche des deutschen
Eisenbahnwesens war Köln
als wichtiger Mittelpunkt der
neuen, überlegenen Verkehrs¬
straßen sehr hervorgetreten.
Von ihm ging der Ausbau des
westdeutschen Eisenbahn -
netzes vornehmlich aus. In
Köln hatte die schon 1837 ge¬
gründete „Rheinische Eisen¬
bahn-Gesellschaft" ihren Sitz, die 1843 die Linie von
Köln nach der belgischen Grenze zur Herstellung der
bedeutsamen Verbindung Köln — Antwerpen vollendete und
später noch eine Reihe weiterer Bahnlinien im Rheinlande
von anderen Gesellschaften übernahm oder selbst aus¬
baute, so die Strecken Köln — Bonn — Coblenz, Köln —
Krefeld, Köln — Trier usw. Die „Köln-Mindener Eisenbahn-
Gesellschaft" und die „Bergisch-Märkische Eisenbahn-Gesell¬
schaft", die sich im Jahre 1843 bildeten, hatten ihren Sitz
gleichfalls in Köln, das durch die verschiedenen Linien
allmählich zum wichtigsten Eisenbahn - Knotenpunkte des
preußischen Westens wurde. Auch gegenwärtig wahrt es
noch diese Stellung. Zwei mächtige Eisenbahnbrücken, die
gleichzeitig sonstigem Verkehr dienen, überspannen heute bei
Köln den Rheinstrom : die vor kurzem fertiggestellte Hohen-
zollernbrücke, die an Stelle der alten Rheinbrücke in doppelter
Breite neu errichtet worden
ist, und die im vorigen Jahre
vollendete Südbrücke. Eine
dritte feste Rhein-Brücke
für Fuhrwerks- und Fu߬
gängerverkehr wird in den
nächsten Jahren nahe an
der Stelle der jetzigen
Schiffbrücke erstehen. Die
gewaltige Steigerung des
Kölner Eisenbahnverkehrs
geht deutlich daraus hervor,
daß im Jahre 1909/10 der
gesamte Güter - Empfang
und -Versand auf allen
Bahnhöfen des Stadt-
Bezirkes 6,3 Mill. Tonnen
betrug und daß außer¬
dem auf diesen Stationen
156 355 Stück Großvieh
sowie 339518 Stück Klein¬
vieh (in Empfang und
Versand) zur Beförderung
kamen, während sich die
entsprechenden Zahlen des
Jahres 1893/94 erst auf 2,6
Millionen Tonnen, 71 (X)l
Stück Großvieh und 165111
Stück Kleinvieh belaufen
hatten. In ähnlicher Weise
ist der Personenverkehr
auf den Vollbahnen ge-
Köln: Ausfahrt eines Teiles der alten Brücke auf Pontons
84 ^Beäs^ees^öoeses^^^^^es® DEUTSCHiAND Nr-2
Silagen Tm^} ÄO^:h 4er y^r.ffeöh^ öuT den A^Ofi Kdlri ßifj5^el^i?ndeTt
Kl^iftbah^ea^ stadus<;:hic?b und Sträßtä^n^^
Stadt höt steh facde ulen dl erhdhtv Fast noch mehr
tritt ;%Ä: uß ^mtd eni JAn^'a?di$en d?H nor Hand eis in
der r^5sch«äa Steigenjrng Post- \i nd T e 1 e ^ r n p h fs n-
y ö r fe ^ H Ys i n P i^ch i? 1 rtüngr i Iiri Jähte 10Ö9 iv u rden be|
Sörrxiite|r&h ; nsialten b^lns 105^^ -Milhpru^n. 0rvc]Vf
4 ttti1!iön £? p Pakete fr i^- ert öit^abe) :äc»vie ^41 5'3^ Te(e^;
igrd hitnje dnieu geg frn 3 2^0 M di i o den ^ ne fe i: 1 Milliönfrii-
Pakete und >76191 XclegTramme im Jahiia lÖ9y kamen
b(5i denÄJöiben, Ariataltfrri ,an im Jahre QQ,7: A^*hioh^h
Briefe^ yjiUfonfrn Pakei e lohne : Wertöng'abe)j 934 739
r<£te^atnme, dagegen im Jahre lüQI 30,5. MiUiön^it
Bridfö r, Miniön^:n: Pok^ie:^ . 444 497 Eine
gnm hery^rfagendfr Stfrihjing- ätif im^ Gebifrle
der tn p dfri f l an: S e e k r\ b fr 1 i e 1. fr g r a p Th v e iifi, d er Neu zei t e r--
tiingen. Die jsörfrrljchen in Privtttbfr:^t^ befiiisdljcKfrn KfrbeK
gwse! I &di aA an u i:5Jt:b \ unds, d e r^an llnie rsefrk & h elnfri £ thäs der
^riamlichfrn: tihifrn fest Ütn dsjs Sa^^hisfatihfr hÄcisV:
Ihrfriv HßupfHf^^ Es £imd , difr I^e^t^ch-AlWn^^^
XelfrjiTffphen ‘'GeÄcdlsfrti nth die TtGttitiel’i-Ni^derhindisrKe T^el e"
j^'^phen^Ge^ifrll^cbaft, die DGiJi?>ch*:^Sndr..
frri kiinl^^hfr T 1 rß ph e n-;'GöÄel i hfr.f t
u E^d die ^ 'O^tfrurc p äi s che Tei egra p i\en-^
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der B^rgisch^Mürkb^;n; Bmikf rfftr beinisuh^Wes tIo 1 isehen
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HypQtbekonbaiiMftc dfe febe,«»i:söhrWesifölbdfe Bpdfrnkfedit^
bfrnicj.-4fe Weiitdi^its^lfe B>>4enk hsw; Die Ofrutsebe
Rel+^febfrnk ?h efriv Houptstelle. deren Ge^häfte
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Se?e."t FinJS- und Lnndf röh^-f?orT h Vi>r^
xic^KeningHS:^ GeseltscheifL dfe Kfrlni^^bfr
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Köln als Industriestadt
\^pn Rr HgiTfr t fh ü n n ^ wisserisfrbhBbther Ässisteni j llhrid^;tskfrmrnöfr;
tfer FrejmLde, dfrr dfe Slrhlji^n di^^r rlndhi^tben Mubropofe
dufch^yg^neferir Bhdfrt im verHohKiisit^hßig Aui*
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Nr. 2 DEUTSCHLAND 85
Nr. 2
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Köln: Max Liebermann, Selbstbildnis
(Wallraf-Richartz-Museum)
Daneben existieren in unserer Stadt viele industrielle
Firmen, die ihre Fabrikationsstätten in anderen Gegen¬
den der Rheinprovinz oder über die Grenzen des
Rheinlandes hinaus liegen und Köln lediglich zum
Mittelpunkt ihrer geschäftlichen Aktionen gemacht
haben. Hierzu zählen hervorragende Betriebe der
Pulver- und Sprengstoffindustrie, der Stein-, Schiefer¬
und Zementindustrie und andere. Einige der heute in
und bei Köln ansässigen Industrien verdanken ihre
Entstehung den Schätzen, die der Boden der Kölner
Bucht in sich birgt. Dies gilt ganz besonders von
der im Laufe der letzten Jahrzehnte gewaltig ange¬
wachsenen Braunkohlenindustrie.
Eine ganze Reihe industrieller Unternehmungen
Kölns hat die Form von Aktiengesellschaften ange¬
nommen — im Stadt- und Landkreis Köln rund 60 —
und arbeitet mit einem ganz erheblichen Kapital. Bei
mehreren von ihnen, z. B. bei der Gasmotorenfabrik
Deutz, der Maschinenbauanstalt „Humboldt", den Ver¬
einigten Stahlwerken van der Zypen und Wissener
Eisenhütten, der Rheinischen Aktiengesellschaft für
Braunkohlenbergbau und Brikettfabrikation, dem Braun¬
kohlen- und Brikettwerk Roddergrube, den Vereinigten
Köln-Rottweiler Pulverfabriken, der Schokoladefabrik
von Gebr. Stollwerck, beläuft sich das Aktienkapital
auf je über 10 Millionen Mark; viele andere Kollektiv-
Unternehmungen bleiben nicht weit hinter dieser Summe
zurück. Aber auch die in Privatbesitz befindlichen
Betriebe sind durchweg gut fundiert; es gibt eine ganze
Anzahl derartiger Werke, die an Kapitalkraft und Be¬
deutung größeren Aktiengesellschaften gegenüber kaum
nachstehen. Auf die gesunde Grundlage der Kölner
industriellen Unternehmungen dürfte auch die Tatsache
zurückzuführen sein, daß selbst schwerere Wirtschafts¬
widmete, als es sich zum Knotenpunkte des west¬
deutschen Eisenbahnwesens ausgestaltete und seinen
Rhein, der nach der Beseitigung der auf ihm lastenden
Verkehrsbeschränkungen verschiedener Art zu einer
modernen Wasserstraße ausgebaut worden war, in
weitestgehendem Maße ausnutzen konnte, machte
sich eine stärkere Niederlassung industrieller Unter¬
nehmungen in Köln bemerkbar. Zu den schon früher
in der Stadt vertretenen Gewerben, vornehmlich der
Herstellung von kölnischem Wasser, von Tonwaren,
der Tabakfabrikation, der Gerberei und mehreren
Zweigen der Textilindustrie trat in den dreißiger
Jahren die Zuckerindustrie hinzu. Im Laufe der
folgenden Jahrzehnte schlossen sich die chemische
Industrie und die Farbenindustrie (namentlich Blei¬
farben), weiterhin die Industrie der Seifen, Parfüms und
Fette, die Ziegeleiindustrie, die Holzindustrie (Säge¬
werke), die polygraphischen Gewerbe, die Nahrungs¬
und Genußmittelindustrie (Bierbrauereien, Spirituosen¬
industrie, Getreidemühlen, Schokolade- und Zucker¬
warenfabrikation, Margarinefabrikation usw.), die Glas-,
Gummiwaren- und Papier- (auch Tapeten-) Industrie
und namentlich die Metall- und Maschinenindustrie an.
Diese letztere marschiert seit etwa vier Jahrzehnten
dem Umfange und der Bedeutung nach an der Spitze
der Kölner Industriezweige; sie befaßt sich in der
Hauptsache mit der Weiterverarbeitung von Eisen und
Stahl zu Maschinen und anderen Gebrauchsgegen¬
ständen für die Großindustrie, das Kleingewerbe und
die Landwirtschaft. Auch jüngere Industriezweige,
so die Elektrizitätsindustrie, die Automobilherstellung
und in allemeuester Zeit selbst der Bau von Luft¬
ballons und die Flugzeugtechnik sind in Köln vertreten.
Köln: Bildnis Jacob Pallenbergs, von W. Leibi
(Wallrat-Richartz-Museum)
86 DEUTSCHLAND Nr. 2
krisen an der Kölner Industrie vorbeigegangen sind, ohne größere
Opfer zu fordern. Man findet Erzeugnisse der Kölner Industrie
in der ganzen Welt; nach allen Erdteilen und nach fast allen
Ländern werden Fabrikate hiesiger Werke versandt. Mehrere
Firmen haben im Ausland Zweigniederlassungen errichtet. In
nicht wenigen Artikeln ist die Kölner Industrie tonangebend.
Wenn auch die Vielseitigkeit der Kölner Industrie dem
Gedanken des Zusammenschlusses zu Interessengemeinschaften,
Syndikaten und ideal wirtschaftlichen Verbänden nicht gerade
förderlich ist, so ist doch zu konstatieren, daß sich unter
den innerhalb und in der Nachbarschaft der Stadt vorhandenen
Firmen gleicher und verwandter Branchen im Laufe der Zeit
eine Annäherung vollzogen hat, die zur Bildung mehrerer
Verbände geführt hat. Es haben heute in Köln etwa zwanzig
Preiskonventionen bezw. Syndikate ihren Sitz; daneben bestehen
mehr als dreißig Vereinigungen von Fabrikanten, die lediglich
die Wahrung der allgemeinen Interessen ihres Geschäftszweiges
bezwecken, zum Teil auch als Arbeitgeberverbände in die Er¬
scheinung treten. Die Mehrzahl der größeren Kölner Fabriken
ist in dem im Jahre 1881 begründeten Verein der Industriellen
des Regierungsbezirks Köln zusammengeschlossen.
Nach allem steht fest, daß Köln auch als Industriestadt eine
große Bedeutung hat. Es ist dies um so mehr anzuerkennen,
als der enge Gürtel, der die Stadt aus militärischen Gründen
jahrzehntelang umschlungen hielt, der Ausbreitung und dem
Aufschwung der Industrie manches Hindernis in den Weg stellte.
Köln als Kunststadt
a) Das Wallraf-Richartz-Museum
Von Direktor Dr. Hagelstange.
Das Wallraf-Richartz-Museum verdankt den Grundstock
seiner reichen und in gewisser Hinsicht einzig dastehenden
Sammlungen der Hochherzigkeit seines Begründers Ferdinand
Franz Wallraf, der seiner glühenden Liebe zur Vaterstadt und
seiner vorbildlichen Uneigennützigkeit in dieser Stiftung ein
wahrhaft imposantes Ehrenmal errichtet
hat. Wallraf muß im Verein mit den
beiden Boisseree als ein wahrer Retter
der Kunst gepriesen werden, denn er
hat in Gemeinschaft mit ihnen in den
angstvollen Jahren der napoleonischen
Bedrängnis und dem Durcheinander der
Säkularisation Schätze von enormen
Werte vor Vernichtung, Verschleppung
und Verschleuderung bewahrt. Aber
während bei den Gebrüdern Boisseree
später die kaufmännischen Instinkte die
Oberhand gewannen — sie veräußerten
ihre aus den Kölner Kirchen und Klöstern
geretteten Kunstschätze zum Preise von
240000 Talern an König Ludwig I. von
Bayern — gab Wallraf in seinem Testa¬
mente ein Beispiel hochherzigen Gemein¬
sinnes, das — und hierin liegt die nicht
unwichtigste Bedeutung der Tat — im
Verlaufe des vergangenen Jahrhunderts
so manchem reichen Kölner Bürger Vor¬
bild und Ansporn geworden ist.
Auch das selbst in seiner Romantiker-
Gotik noch sehr imposante Gebäude,
dessen hervorragend günstige Lage
inmitten des größten Verkehrszentrums
einen jährlichen Durchschnittsbesuch von
wenigstens 200000 Personen gewähr¬
leistet, verdankt die Stadt Köln dem Edel¬
sinn eines kunstfrohen Bürgers, des Kauf¬
manns Johann Heinrich Richartz, der sich
seiner lokalpatriotischen Tat allerdings
nicht allzulange freuen durfte, denn er
starb im gleichen Jahre (1861), in dem
das Museum eröffnet wurde.
Die Sammlungen setzen sich in der
Hauptsache aus zwei ziemlich hete¬
rogenen Elementen zusammen: römische
Altertümer und Gemälde; eine etwas
unsystematische Vereinigung, die den
Stempel des gemeinsamen Ursprungs
aus dem Besitze ein und desselben
Privatsammlers noch allzu deutlich an
der Stirn trägt. Neben diesen beiden Hauptkategorien tritt
die Abteilung der Gipsabgüsse und leider auch die der
mittelalterlichen Originalskulpturen an Bedeutung zurück.
Doch füllt das vor einem halben Jahre eröffnete Schnütgen-
Museum gerade diese Lücke in glücklicher Weise aus.
Köln: Maria in der Rosenlaube, von Stephan Lochner
(Wollraf-Richartz-Museum)
Nr. 2 DEUTSCHLAND 87
Da über die römischen Altertümer an einer anderen
Stelle dieses Heftes gesprochen wird, können wir uns hier
begnügen, von dem eigentlichen Kern des Wallraf-Richartz-
Museums, der Gemäldegalerie, zu plaudern. Wer sie auch
nur einmal flüchtig durchwandert hat, denkt an sie zurück,
wie an etwas Herzerquickendes, das in der Erinnerung bleibt,
wie das Gedenken froher Kindheitstage. Säle wie die der
altkölnischen Schule mit ihrer erdenfernen Seligkeit, ihrer
zauberhaften Sonntagsstimmung und ihrem beglückenden
Farbenjubel wirken auf sinnenfrohe Menschen wie ein
Weihnachtsabend voll Kinderjauchzen und Glockenklang. Die
Galerie hat Stimmung; und wenn namentlich an Sonn- und
Feiertagen aus der angrenzenden Minoritenkirche rauschende
Fluten der Orgelmusik herüberbranden, wenn schleppende
Choräle feierlich erklingen und rhythmisch die Glocken ein¬
fallen — in Köln läuten die Glocken beständig — dann ist's,
als ob die Goldnimben brennender zu leuchten begännen, als ob
die Prachtgewänder aller dieser Heiligen, die stumm uns von den
Wänden grüßen, herrlicher zu strahlen schienen, und wir fühlen
etwas vom Wehen jenes Geistes, der diese Wunderdinge schuf.
Der Geist des Glaubens ist es und der Sinnenfreude,
der hier in Bildern zu uns redet, deren einzelne, wie die
Lochnersche Madonna und der Thomasaltar des Bartolomäus-
Meisters, zu den glänzendsten Produkten der ganzen mittel-
Köln: Heilige Familie, von P. P. Rubens
(Wailraf-Richartz-Museum)
alterlichen Kunst zu rechnen sind. In keiner Galerie der
Welt wird man eine qualitativ gleichwertige Sammlung
deutscher primitiver Bilder finden. Die alten Kölner stehen
turmhoch über der gesamten übrigen deutschen Malerei des
15. Jahrhunderts. Köln muß eine Art Paris in unserem
heutigen Sinne gewesen sein. Hier herrschte Vornehmheit
und Eleganz, hier wurde die Mode diktiert, hier gab man
den Ton an in Kunstdingen.
Man braucht ja nur einmal, wenn man die Säle der Alt¬
kölner durchschritten hat, in Raum V der Galerie nach dem
Umschau zu halten, was zur gleichen Zeit in Schwaben,
Franken und Sachsen geschaffen wurde: Wie wenig welt-^
männische Eleganz findet man da, wie verquält und verzwickt
wie spießig und unfroh sieht das alles aus. Zu Beginn des
16. Jahrhunderts werden ja dann allerdings die Rollen ver¬
tauscht. Oberdeutschland reißt die Führung an sich; der
Name Dürer überstrahlt alles, und der oft recht freudlose
Kölner Porträtfabrikant Bruyn bleibt hinter einem Holbein weit
zurück. Leider besitzt das Museum vom ersten zu viel und vom
letzten zu wenig — nämlich gar nichts; doch ist glücklicher¬
weise Dürers Kunst in einer charakteristischen Probe vertreten.
Auch die niederländischen Anreger der kölnischen Kunst in der
zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts, Roger van der Weyden und
Dirk Bouts kann man nur in Schulbeispielen studieren, während
die niederländischen Renaissancemeister
wieder reichhaltiger am Platze sind.
Die letzteren geben in ihrem modisch
italienischen Aufputz ohne weiteres die
Ueberleitung zum Land der nordischen
Sehnsucht, Italien. Da unsere Galerie
es sich zur Hauptaufgabe gestellt hat,
die Geschichte der nordischen Malerei
unter besonderer Betonung des lokalen
Einschlags zu illustrieren, so wird es
nicht wundemehmen, daß die italienische
Kunst nur mit einem Saale, der charakte¬
ristische Stichproben der verschiedenen
Schulen aufweist, vertreten ist. Bla߬
farbige Sienesen geben hier den Auftakt,
ein paar leuchtende Florentiner reihen
sich an, und dann kommt das stolze
Venedig wenigstens mit ein paar Namen
zweiter Garnitur: Tintoretto und Paris
Bordone; der eine mit einem männlichen
Bildnis von fahlroter koloristischer
Gesamthaltung, der andere mit einer
Bathseba, in der die heitere Klarheit
und Formenschönheit der südlichen
Renaissance einen vollen Triumph feiert.
Ein paar effektvolle Seicentisten geben
dann die Ueberleitung zu Murillos großer
extatischer Vision, in der die form¬
verzehrenden Schatten wie ausgebrannte
Gluten religiöser Siedehitze schwelen.
Es ist nicht uninteressant, das
Murillosche Bild mit einem verwandten
Sujet im nächsten Saale zu vergleichen.
Gemeint ist Rubens' Stigmatisation des
hl. Franziskus. Thematisch ganz und
gar nicht überzeugend, weil Rubens,
dem saftstrotzenden Sinnenmenschen,
der an dieser himmlisch schönen Erde
hing wie kaum ein anderer, für die
traumhafte Uebersinnlichkeit derartiger
Vorgänge einfach das Organ fehlte.
Seine, man möchte sagen schmetternde
Kunst — sie ist in drei guten Werken
vertreten — wirkt wie ein Bläserchor;
ÖÖ DEUTSCHLAND Nr. 2
und wenn man aus dem Oberlichtraum der vlämischen Meister
in die Seitenlichtkabinette der holländischen Schule eintritt,
so ist's, als habe man einen Musiksaal verlassen, um sich in
ein Studierzimmer zurückzuziehen.
Gedämpfte Harmonien, schweig-same Farben, nur auf ruhe«
volle Tonwerte abgestimmt, beherrschen den Raum. Leider
fehlen hier die Größten: Rembrandt und Hals. Doch haben
wir gerade zu dieser Abteilung in unserer Stadt eine treff«
liehe Ergänzung in der berühmtesten und bedeutendsten
Privatgalerie, deren glücklicher Schöpfer und Besitzer Freiherr
Albert von Oppenheim ist.
Von der weichlich«ge«
schmeidigen, aber äußerst
geschmackvollen eng¬
lischen Porträtkunst des
18. Jahrhunderts, dem
Widerhall van Dyckscher
Elegien, gibt ein Offizier¬
bildnis William Beechys
die annähernd richtige
Vorstellung; während die
graziösen Tändeleien des
französischen Rokoko nur
auf dem Umwege über den
Kölner „Pariser'" Anton
de Peters genossen werden
können. In dem steif¬
leinenen David kommt das
Empire dann zu seinem
Rechte, und das sehr be¬
liebte BegasscheFamilien-
bild atmet die ganze
ruhevolle Bescheidenheit
biedermeierlicher Häus¬
lichkeit.
Zu einer lückenlosen
Darstellung der Ent¬
wicklungsgeschichte der
modernen Landschafts¬
kunst fehlt vor allem
noch eine Vertretung Con¬
stables. Auch die großen
Meister der Schule von
Fontainebleau fallen vor¬
läufig noch aus; denn
das umfangreiche Jugend¬
werk Troyons hat noch
nichts von der saftigen
Tonschönheit und dem
geheimnisvollen Waldes-
wispern jener hochberühmten und leider noch höher bezahlten
Landschafts-Intimitäten. Das genannte Bild mutet in seiner
romantischen Pose an wie eine Düsseldorfer Arbeit, und es
fällt zwischen den Lessing, Schirmer und Achenbach, in
deren Kreise es hängt, kaum auf. Daß die Düsseldorfer
Genrebilder, diese verhätschelten Lieblinge aller Großmütter,
nicht fehlen, braucht kaum gesagt zu werden. Gott sei Dank
fehlt aber auch der große Kölner Wilhelm Leibi nicht, dessen
malerische Faust jenes Kinderspielzeug zertrümmerte. Leibis
Pallenberg, der wie ein Leu aus seinem Rahmen schaut, ist
— wie erfreulich, so was ex consensu omnium sagen zu
dürfen — die hervorragendste Porträtleistung der ganzen
deutschen Kunst des 19. Jahrhunderts.
Vom Impressionismus ist die Galerie bis vor kurzem un¬
berührt gewesen, und auch heute noch fehlen die großen
französischen Lehrmeister der siebziger Jahre. Dafür muß
vorläufig eine interessante kunstgeschichtliche Rarität in die
Lücke springen: ein in Düsseldorf gemaltes Freilichtbild aus
dem Jahre 1873 von
dem nun bald sechzig¬
jährigen Emst te Peerdt,
dessen schlichte, ehr¬
liche Kunst vielleicht
noch länger bestehen wird
als die der Düsseldorfer
Geschichtsschreiber und
Anekdotenerzähler, die
lange genug mit mit¬
leidigem Achselzucken
über ihn hinweggesehen
haben. Wie dann der
Impressionismus bei uns
in Deutschland entschie¬
dener und konzessions¬
loser aufgetreten ist, zeigt
Uhdes Gartenszene und
vor allen Dingen Lieber¬
manns Judenstraße, die
unter mehrfachen Vari¬
ationen dieses Themas
obenan steht, jo vielleicht
überhaupt als eines der
besten Werke unseres
geistvollsten Könners an¬
gesprochen zu werden
verdient.
Das Liebermannsche
Bild ist namentlich noch
deshalb von größtem
Interesse, weil es, wenn
auch noch mit den Mitteln
des Impressionismus ge¬
malt, doch insofern schon
über ihn hinausweist, als
es viel von der bewußten
farbigen Rhythmik und
Gleichgewichts Verteilung
vonGoghscher Ausdrucks¬
kunst in sich trägt. Der seltsame Holländer, dessen kurzes
Künstlerleben auf der Messerschneide zwischen Genie und
Irrsinn dahinraste, ist mit einem weich melancholischen,
farbig prachtvoll aufgebauten Porträt vertreten, das auf
malachitgrün, marineblau und lachsgelb gestellt ist. In diesem
Bilde liegen Zukunftswerte, insofern als darin das Sehnen
unserer jüngsten Generation vorweggenommen ist, die nach
monumentaler Linien- und Farbenrhythmik brennend verlangt.
Köln: Gürzenich
b) ?lusikleben in Köln.
Von Karl
Köln führt mit berechtigtem Stolz den Ehrentitel:
die Musikstadt am Rhein. Zu einer Zeit, wo man
in vielen anderen großen Orten noch nicht daran dachte,
Frau Musica Altäre zu errichten, der tönenden Kunst
vornehme Pflegestätten zu begründen, stand hier das
musikalische Leben schon in reicher Blüte. Das älteste
Wolff.
Konzertinstitut, soweit Aufführungen für gemischten
Chor und Orchester in Betracht kommen, ist die Kon¬
zertgesellschaft, die Veranstalterin der berühmten
Gürzenich - Konzerte und der Niederrheini-
sehen Musikfeste in Köln, derjenigen Musik¬
aufführungen also, welchen bei ihrem Einfluß auf die
3 Nr. 2
Nr. 2 DEUTSCHLAND 89
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rheinische Bevölkerung neben der künstlerischen auch
eine kulturhistorische Bedeutung beigemessen
werden darf. Vor der Konzertgesellschaft, die in den
zwanziger Jahren des vorigen Jahrhunderts begründet
wurde, gab es schon eine sogenannte Musikalische
Akademie, die um 1743 ins Leben gerufen war, ferner
die heute noch bestehende und
florierende Musikalis che
Gesellschaft, die im
nächsten Jahre ihr hundertstes
Stiftungsfest begehen kann.
Der Dirigent der Konzert¬
gesellschaft war immer der
jeweilige städtische Kapell¬
meister. Heute ist es General¬
musikdirektor Fritz Stein¬
bach, der in den Gürzenich-
Konzerten die alte Tradition
durch eine mustergültige
Pflege der Klassiker und der
im Boden der Klassizität
wurzelnden Tondichter fort¬
führt, aber darüber keineswegs die neuzeitigere Richtung,
die „Moderne" und selbst nicht die allermodemsten
Komponisten, soweit sie wirklich aus rein künstlerischen
Gründen Beachtung verdienen, als Dirigent von voll¬
endeter Anpassungsfähigkeit vernachlässigt. Er ist auch
der Hauptleiter der Musikalischen Gesellschaft, die Köln
jahraus jahrein mit zahlreichen erlesenen Künstlern und
Solisten von auswärts bekannt macht, die sonst, da die
Gürzenich-Konzerte nur eine geringe Anzahl Solisten
und selbstredend nur solche von anerkannter Bedeutung
zu beschäftigen vermögen, Köln vorenthalten blieben.
Einen sehr wesentlichen Faktor im musikalischen
Leben Kölns bildet natürlich die Oper. Sie erfreut sich
seit vielen Jahren mit Recht eines glänzenden Rufes
in ganz Deutschland
und nimmt ihrem
Ansehen gemäß
eine Rangstufe ein,
die sie aus der Reihe
der großen Stadt¬
theater heraushebt
und den Hof bühnen
nahestellt. Ist der
Ruf der Kölner Oper
auch im wesent¬
lichen vor schon
vielen Jahren durch
erlesene Sanges-
steme, darunter
der unvergeßliche
Emil Götze, be¬
gründet worden, so
brauchen wir heute
doch keineswegs
vom alten Ruhme zu zehren, da unsere Oper nicht
nur über einen Stab vortrefflicher Kräfte verfügt,
sondern da sie in echt künstlerischer Weise heute
vor allem ihr Heil in einem tadellos durchgebildeten
Ensemble sucht und im Kapellmeister und Opern¬
direktor Otto Lohse einen musikalischen Leiter
von hervorragendsten Eigenschaften besitzt. Der neun
Monate währenden Spielzeit reihen sich, wenn nicht
ein Musikfest stattfindet, was alle drei Jahre der Fall ist,
Festspiele an, die unter Mitwirkung von Künstlern
der angesehensten Hoftheater Deutschlands und
Oesterreichs von dem Kölner Festspielverein
unter Entfaltung großer male¬
rischer Schönheit veranstaltet
und von hervorragendsten
Regisseuren und Dirigenten
geleitet werden. Es sind
stets Mustervorstellungen im
besten Sinne des Wortes.
Das städt. Orchester,
das hauptsächlich Verwen¬
dung in der Oper findet, und
das, durch Lehrkräfte des
Konservatoriums verstärkt,
das Gürzenich-Konzert- und
Musikfest-Orchester bildet,
darf den erlesensten Künstler¬
gemeinschaften seiner Art
beigezählt werden. Auch gehört das neue, nach den
Plänen von Karl Moritz errichtete und im Jahre 1902
in Benutzung genommene Opernhaus nicht nur zu
den größten und glänzendsten Deutschlands, sondern
auch zu den bühnentechnisch auf das vollkommenste
eingerichteten.
Das eben schon erwähnte Konservatorium der
Musik steht natürlich unter den musikalischen Bildungs¬
anstalten Kölns obenan, aber es nimmt auch unter den
Musik-Hochschulen Deutschlands eine der ersten Stellen
ein, wie auch die Zahl seiner Zöglinge aus dem In- und
Auslande und seine Lehrerfolge beweisen. Im Jahre
1850 begründet und Ferdinand von Hiller unter¬
stellt, wurde es von Franz Wüllner zugleich auch mit
glänzendem organi¬
satorischem Ge¬
schick weitergeführt
und entwickelt und
wird heute, unter der
Direktion Fritz
Steinbachs, von
etwa 800 Schülern
und Schülerinnen
besucht, bei einem
Lehrkörper von 69
Herren und Damen.
Wiederholten Um-
und Erweiterungs¬
bautenmuß in Bälde
die Errichtung eines
neuen, wesentlich
größeren Gebäudes
auf ausgedehntem
Terrain folgen. Be¬
deutende schaffende und nachschaffende Tonkünstler
verdanken dem Kölner Konservatorium ihre Ausbildung.
Auch Engelbert Humperdinck gehört zu ihnen.
Lassen am liederfrohen Rhein gerne Männer ihre
Stimmen in jauchzendem Chorus zusammen klingen, so
gilt das in besonderem Maße von der Metropole des
Köln; Rennbahn
Köln: Rheindampfer
90 DEUTSCHLAND Nr. 2
Rheins, unter dessen zahlreichen, man möchte fast
sagen zahllosen Männerchören weltlichen und kirch¬
lichen Charakters sich ja auch jener befindet, dem nun
schon zum zweiten Male der von S. M. dem Kaiser
gestiftete Wanderpreis zuteil geworden ist, der vom
Königl. Musikdirektor Prof.
Joseph Schwartz ge¬
leitete KölnerMänner-
Gesang-Verein. Auch
der aus Männern und
Knaben gebildete Dom-
chor muß genannt werden,
da er seine Mission, den
Gottesdienst in den er¬
habenen Räumen des herr-
lichstenBauwerks gotischer
Kunst zu verschönern, voll¬
auf erfüllt. Als gemischter
Chor mag noch der
Lehrer- und Lehrerinnen-
Gesang-Verein erwähnt
werden, und von Instru¬
mental-Vereinigungen die
1888 begründete, nur
aus Dilettanten bestehende
Kölner Orchester-Gesell¬
schaft. Wie reich Köln
als ausgedehnte Garnison¬
stadt an vortrefflichen Militär-Kapellen ist, das
braucht wohl nicht gesagt zu werden.
Selbst eine so knappe Skizze der Musikstadt Köln,
wie die hier entworfene, wird man nicht beschließen
dürfen, ohne auf das Musikhistorische Museum
von Kommerzienrat Hey er hinzuweisen, das, seiner offi¬
ziellen Eröffnung entgegengehend, Schätze von Instru¬
menten, Autographen, musikalischen Manuskripten usw.
birgt, die die Sammlung zu einer der wertvollsten in
der ganzen Welt stempeln; umfaßt das Museum doch
außer den im Laufe vieler Jahre von Herrn Heyer selbst
Köln: Bootshaus
zusammengebrachten wertvollen Objekten die hervor¬
ragende zweite Sammlung Paul de Wits in Leipzig
(dessen erste den Hauptbestandteil der Königl. Samm¬
lung alter Musikinstrumente in Berlin bildet), ferner die
überaus kostbaren Bestände des ehemaligen Musee
Kraus in Florenz und die frühere Ibach-Sammlung.
Köln als Fremdenstadt.
Von Dr. Max Heimann.
Mit derEisen-
bahn oder dem
Schiff gelangt
der Köln Be¬
suchende direkt
ins Herz der Alt¬
stadt ; der gro߬
artige Zentral-
Bahnhof sowie
die Landestelle
der Köln-Düssel¬
dorfer und der
Niederl. Dampf¬
schiffahrt - Ge¬
sellschaft liegen
in der Nähe des
Domes, der den
Mittelpunkt des
KölnerVerkehrs
und Lebens bil¬
det. Rings um
dieses gewaltige
Wahr - Zeichen
Köln: Zoologischer Garten
deraltenColonia
verteilen sich die
bedeutendsten
Hotels und Res¬
taurants auf die
einzelnen Plätze
und Straßen. Die
Entwicklung der
Neustadt hatte
natürlich die
Errichtung zahl¬
reicher Gast¬
häuser und Bou¬
levard - Restau¬
rants an den
Ringen oder in
deren unmittel¬
barer Nähe zur
Folge, aber ge¬
rade in letzter
Zeit sind wieder
zahlreicheHotel-
neubauten mit
Nr. 2 DEUTSCHLAND 91
erstklassigen Restaurants in der Umgebung des Domes
entstanden. Ueberhaupt hat der steigende Verkehr in
der Altstadt mancherlei befreienden Einfluß ausgeübt,
und wenn man auch bestrebt ist, die alten, anheimelnden
Winkel und Gäßchen mit ihrem eigenartigen Reiz
nach Möglichkeit zu erhalten, so überrascht doch
manches neue, großzügige Straßenbild den Besucher, der
Köln seit etwa zehn Jahren nicht mehr gesehen hat.
Kaum eine andere
Stadt vereinigt auf
einem so relativ
kleinen Raume eine
derartige Anzahl von
Geschäften aller¬
erster Klasse wie
Köln in der bekann¬
ten, auf den Wall-
rafsplatz mündenden
Hohestraße. Auch
der verwöhnteste
Reisende staunt über
die Fülle des Ge¬
botenen, die Eleganz
undGediegenheit der
Auslagen, die alles,
vom kleinstenBedürf-
nisgegenstand bis
zum raffiniertesten
Luxusartikel, um¬
fassen.
Der Kölner Ver¬
kehrs-Verein ist an¬
dauernd bestrebt,den
Fremden den Aufent¬
halt zu erleichtern
und angenehm zu
machen. Auf seine
Veranlassung finden
im Sommer täglich
Zweimal Rundfahrten
mit Viererzügen statt
(Abfahrt am Dom),
um den Reisenden
in kurzer Zeit einen
vorzüglichen Ueber-
blick über die Stadt
zu geben. Auf seiner
Geschäftsstelle wird
bereitwilligst kosten¬
lose Auskunft über
öile den Verkehr und
das Wohnung swesen
harührend. en Fragen Schloß Brühl,
Orteilt; hi&r findet auch der Vorverkauf von Billetten zu
den städtischen Theatern und zahlreichen anderen
heatem ^nd Vergnügungsetablissements statt; seine
^oscbVenanrufzentrale (D. A. Z.) ermöglicht die tele¬
phonische Bestellung eines Fuhrwerks nach allen Stadt-
foilen zu jeder Tages- und Nachtzeit.
Es ist nicht möglich, auf diesem knappen Raum ein
Bild
von den Unterhaltungen und Vergnügungen zu
&oben, die Köln seinen Besuchern bietet. Besonders
hervorgehoben seien die im Frühjahr, Sommer und
Spätherbst stattfindenden Pferderennen auf der im Jahre
1898 eröffneten Merheimer Bahn, eines an technischer
Vollkommenheit sowie Uebersichtlichkeit und Schönheit
seinesgleichen suchenden Platzes. An den Tagen der
Meetings ist die Rennbahn der Sammelpunkt der ele¬
ganten Welt, mit dem sich das lebhafte Treiben der großen
Menge auf den billigeren Plätzen zu einem frischen Bilde
vereinigt. Die be¬
deutendsten Flach¬
rennen des Westens
der preußischen Mo¬
narchie werden hier
im Großen Kölner
Frühjahrs-Handicap,
den Preisen vom
Rhein und Donau-
eschingen, dem
Rheinischen Zucht¬
rennen, dem Preis
des Winterfavoriten
und Germaniapreis
ausgefochten; aber
auch der Sport zwi¬
schen den Flaggen
kommt zur Geltung
und findet sein best
dotiertes Rennen in
dem Kronprinzessin-
Cecilie - Jagdrennen.
Daneben locken zahl¬
reiche Rad-Rennen
und häufige Tennis-,
Fußball-, Golf- und
Hockey - Matches
Fremde und Ein -
heimische.
Rheinische Fröh¬
lichkeit und unge¬
zwungene Gastlich¬
keit beherrschen das
gesellige Leben des
Winters, das außer¬
ordentlich rege ist
und gewöhnlich sei¬
nen Höhepunkt in
dem altbekannten,
von allen Kreisen
gefeierten Kölner
Karneval erreicht.
Die Vergrößerung
der Stadt und die fort-
Treppenhaus schreitende Durch¬
setzung des einheimischen Elementes mit Fremden
konnten nicht ohne Einfluß auf den Charakter dieses
eigenartigen Volksfestes bleiben, auch galt es, manche
im Laufe der Zeit entstandene Auswüchse zu über¬
winden; aber der Kölner Fasching hat sich, allen
Gefahren zum Trotz, siegreich erhalten und bietet dem
Beobachter des Volkslebens, dem Freunde des gesunden,
harmlosen Humors und des unverfälschten Dialekts eine
Fülle des Interessanten und Erheiternden.
92 m
DEUTSCHLAND Nr. 2
Kölns Umgebung.
Von Dr. Max Heimann.
Zu beiden Seiten des Rheins eröffnet sich, gar
nicht weit von den Toren der Stadt, ein an intimen
Reizen reiches Aus¬
flugs-Gebiet, das
durch eine Reihe
von elektrischen oder
Dampf-Kleinbahnen
heute vollkommen
erschlossen und be¬
quem zu erreichen ist.
In westlicher und
nordwestlicher Rich¬
tung von Köln liegt
das anmutige Erfttal.
Die Staatsbahn führt
überLövenich (in der
Nähe das Römergrab
von Weiden mit wert¬
vollen Funden und
die aus dem 11. Jahr¬
hundert stammende
ehern. Abtei Brau¬
weiler) nach den von
ausgedehnten Wal¬
dungen umschlosse¬
nen Orten Königs¬
dorf und Horrem.
Südwestlich ist der
Stadt das sog. Vor¬
gebirge vorgelagert
(Staatsbahn bis Rois-
dorf oder Vorge¬
birgsbahn ab Bar¬
barossaplatz), dessen
Abhänge zur Zeit
der Obstbaumblüte
einen entzückenden
Anblick gewähren.
Weite Waldungen
(Ville) leiten von hier
hinüber in das Ge¬
biet der Eifel, deren
ernste Schönheit und
wunderbare Einsam¬
keit erst in jüngerer
Zeit die wohlver¬
diente Beachtung ge¬
funden haben.
Den Kunstfreund
lockt es nach Brühl,
Bensberg, Benrath
und Zons (Staats¬
bahn); die drei erst¬
genannten Orte ber¬
gen inmitten gro߬
artiger Park-Anlagen Schlösser aus der Blütezeit
des Rokoko, die schönsten Schöpfungen dieser Art
im westlichen Deutschland; namentlich das reiche
Treppenhaus im Brühler Schloß wird in jeder Kunst¬
geschichte genannt. Zons mit den zum großen Teil
erhaltenen mittel¬
alterlichen Stadt-
Befestigungen aus
dem 14. Jahrhundert
hat den Beinamen
„das rheinische
Rotenburg" vollauf
verdient. Erwähnt
sei auch die aus dem
12. Jahrhundert stam¬
mende ehern. Prä-
monstratenser-Abtei
Knechtsteden b. Dor¬
magen. (Staatsbahn,
1 V 4 Stunde Weg).
Auf der rechten
Rheinseite erstreckt
sich stundenweit der
Königsforst mit sei¬
nen uralten, herr¬
lichen Bäumen. Da¬
ran schließt sich
die Umgebung Bens-
bergs, das idyllische
Hoffnungsthal, das
liebliche Sülztal, die
Täler der Dünn und
des Eifgen und das
ganze, an feinen
Reizen überreiche
Bergische Land, von
dem der Altenberger
Dom, die Müngstener
Brücke, das Wupper¬
tal und Schloß Burg
besonders zu er¬
wähnen sind. (Elektr.
Bahnennach Königs¬
forst sowie Brück,
ab Museum, Staats¬
bahn nach Bensberg,
Berg.-Gladbach, Rös¬
rath usw.)
Weitere Ausflüge
bieten das Siegtal
und vor allem das
Siebengebirge (Dra¬
chenfels, Petersberg)
und auf der linken
Rheinseite Godes¬
berg, Rolandseck,
Remagen, wo die
alte „duftumhauchte
Stromromantik" den vollen Zauber des Rheinlandes
ausstrahlt und freudig den Besucher in ihre Banden
und Fesseln schlägt.
Ahkölnisches Steinzeug (Kunstgewerbe-Museum)
Altkölnische Flügelgläser (Kunstgewerbe-Museum)
Köln: Tor dem Westportal des Domes.
OriHUe UiiMi!lli! ilis ilgn Mdin-Ms LII.
Margarethenkloster 11.
Kostenlose Auskunfterteilung über städtische Verhältnisse, Sehens¬
würdigkeiten in Köln, Reisewege zu Wasser und zu Land tisw.
Ausgabestelle von Prospekten über Kurorte, Sommer-Aufenthalte, Städteführer.
Der Vorstand:
Baurat Carl Schellen, 1. Vorsitzender, Stadtverordneter Dr. jur. von Mallinckrodt, 2. Vorsitzender,
Stadtverordneter Rechtsanwalt Hu<^o Münnig, 5. Vorsitzender, Dr. jur. Max Heunann, Schriftführer, Hofjuwelier
C. Becker, stellv. Schriftführer, Konsul H. von Stein, Schatzmeister, Heinrich Maus, stellv. Schatzmeister,
Heinrich Auer, F. X. Bachem, Beigeordneter Dr. Best, Fritz Bohle. Direktor C. Delfs, Justizrat Dr. vom Grafen,
Stadtbaurat F. C. Heimann, Kgl. ßaurat Hermann Hertz, Otto Hoyer, Jakob Keller, Beigeordneter W. Laue,
Ado’f Metz, Alfred Neven - DuMont, Konsul C. A. Niessen, Balduin Noll, Beigeordneter Carl Reliorst,
Direktor E. Schaufuss, Direktor F. Preller, G. Wallenstein, Direktor Wunderlich, Dr. Oster, J. van Norden.
94 DEUTSCHLAND Nr. 2
Die Internationale Ausstellung für Reise- und Fremdenverkehr.
Von Josef Buchhorn, Berlin.
11 .
„Denn ohne Wein kann ich schon leben.
Doch niemals Deutschland ohne Rhein
Darum — so mannigfacher Schönheiten voll die
Uebersichten der Schlesier, Braunschweiger, Sachsen,
Elsaß - Lothringer und wie sie alle heißen, auch sein
mögen — Deutschland würde auf dieser Internatio¬
nalen Ausstellung für Reise- und Fremdenver¬
kehr nur zur Hälfte vertreten sein, wenn nicht auch
die Bezirke jenes Stromes auf ihr gewiesen würden, an
die sich seit Menschengedenken die Liebe der Germanen
und die Sehnsucht aller übrigen Nationen geklammert
hat, wenn nicht der Rhein seine Rhythmen durch diese
Sinfonie von Landschaftsfolgen rollte. Der Rheinische
Verkehrs-Verein*) hat eine Fülle von Gemälden, Aqua¬
rellen, Radierungen, Gouachen, Skizzen, Photographien,
Plänen usw. zu einer aparten Schau vereinigt, in der
der Rhein sowohl als auch seine Nebentäler ihre
persönlichste Note spielen — zu einer Schau, die noch
eine ganz andere Wirkung ausstrahlen würde, wenn sie
nicht durch die Reklamekojen Berliner Geschäftsfirmen
elend verbaut worden wäre. Zweifelsohne hat die Be¬
teiligung der Konfektionshäuser Herzog, Adam, Maassen;
*) Vergleiche auch den Aufsatz im wirtschaftliclien Teil, Seite 110.
der Stiller und Sarotti; der Ackermann und Pulwer usw.,
die Reisekoffer in allen Varietäten zeigen, ihre Berech-
tigung, einmal vom pekuniären Standpunkt aus, um die
(zweifellos enorme) Platzmiete herauszuholen, und zum
anderen, weil zu einer derartigen Schau auch die Aus¬
rüstungsgegenstände für die Fahrten talein und berg¬
auf gehören — aber man durfte nicht vergessen, daß
die Ausstellungen der einzelnen Verkehrs-Vereine die
Hauptsache waren; daß in erster Linie die Inszene
der verschiedenen Landschaften in Frage kam — und
in zweiter erst eine wirksame Reklame für eine Reihe
von Kaufleuten. So wird man in Zukunft, wenn wieder
einmal eine Reiseausstellung ins Leben gerufen werden
soll, derartige Konfektions-, Schuh-, Koffer-, Konfekt-
und andere Kojen in irgend einem Saale vereinigen
und sie als einen Appendix an die eigentliche Aus¬
stellung anschließen. Der Einwand, die Gesamtschau
gewänne durch das jetzige Mixtum compositum, verliert
seine Stichhaltigkeit, sobald der Nachweis erbracht
ist, daß der ursprüngliche Zweck der Ausstellung,
wenn nicht in Frage gestellt, so doch erheblich be¬
einträchtigt ist.
Rügen — ja; das wirkt nach jeder Richtung, fällt
überall in den Sälen und auf der Galerie aut — Rügen
1
Mh
V. WaIIcI
1 1
ifcli
Internationale Reise-Ausstellung Berlin: Auskunftstelle des Bundes Deutscher Verkehrs-Vereine
(Photograph: Zander & Labisch, Berlin)
Nr. 2 DEUTSCHLAND 95
Internationale Reise-Ausstellung* Berlin: Sammelausstellung des Rheinischen Verkehrs-Vereins
ist nicht totzuschlagen. Die Ausstellung des Rheinischen
Verkehrs-Vereins würde ohne Zweifel stärker wirken,
wenn auch sie in die Ferne spähte; wenn, beispiels¬
weise, die wundersame Pinseldichtung von William
Straube, die farbenfrohe und farbenschöne Loreley,
ihren Zauber nicht hinter Herzogscher Leinewand ver¬
stecken müßte — denn sie bildet gewissermaßen den
Mittelpunkt dieser Schau — ihr Leitmotiv, das all die
anderen, die um seine Wucht gruppiert sind, machtvoll
beherrscht.
Rhein und Mosel weisen dem Wandersmann mit
derselben eindringlichen Werbekraft ihre Reize. Rhein¬
stein dort und hier Burg Eltz. So viele Namen, so viele
Schlager — das alte Andernach und das moderne
Coblenz — das von unzählig vielen Kurgästen be¬
lebte Wiesbaden und das heimlich-stille, von dem
Nationaldenkmal überragte Rüdesheim: sie alle para¬
dieren hier in einer berückenden Aufmachung — Worms,
die Stadt der Nibelungensage und des mannesstarken
Bekenntnismutes eines Martin Luther; Düsseldorf,
die blütenumsponnene Malerstadt, die Stadt, deren
Vergangenheit der perückenschwere Jan Wellern auf
dem Burgplatz und deren Gegenwart die Tausende
von qualmenden Schloten nach Oberbilk, Grafenberg,
Eller und Benrath hin bezeugen — wer wollte sich
angesichts der lockenden Bilderfülle, die die Eigenart
dieser beiden Niederlassungen deutet, für die eine oder
andere entscheiden! Verwirrend schier wirkt diese Aus¬
stellung; denn in ihrem bunten Auf und Ab von Strom-,
Landschafts- und Städteaufnahmen läßt sie den Be¬
schauer kaum zur Besinnung kommen. Dort ein „Abend
an der Mosel": drunten der Fluß; an seinen Ufern im
Abenddämmer die Häuserenge des Fleckens; über ihm
die Schalten der Bergketten, vor denen Wiesen und
Weiden wellen. Auf der Höhe, von der aus diese Idylle
festgehalten ist, wein- und liedfrohe Menschen — sorgen¬
ledig, heimatstolz . . . Hier ernste her gische
Schlösser, Gimborn und Ba ddi nghagen, vor
denen tiefe Wasser stehen und deren jahrhundertaltes
Mauerwerk dichte Buchendächer wie eine Tarnkappe
schützen und verbergen. . .
Hammerkotten im Morsbachtal — Schloß Burg — die
Müngstener Brücke — die Remscheider Talsperre:
Land der Sehnsucht und der Sage,
Land durch Arbeit groß und stark.
Wie ich dich im Herzen trage:
Bergerheimat, Land der Mark!
Hier das sommerselige Panorama von Godesberg,
— merk auf! Es nahen die Fahrenden von Bonn, und da
klingt es auch schon über die Breite des Stromes zu
den sieben Bergen hinüber:
Keinen Tropfen im Becher mehr,
Und der Beutel schlaff und leer —
das Lied von der „Lindenwirtin, der feinen" . . .
96 DEUTSCHLAND Nr. 2
Konrad Sutter weist die charakteristische Silhouette
des strombegrenzten Mainz, vor dem die schlanken
Rheindampfer furchen. Erich Nikutowski belauscht die
Märchenheimlichkeit der weltvergessenen Idylle Zons.
So viele Namen, so viele Schlager. . .
Die Eifel, — sie darf nicht fehlen, wenn von
diesen Bezirken die Rede ist. Ihre herbe Schöne deutete
der Stift eines Fritz von Wille und ihr Preislied sang
die reife Kunst einer Klara Viebig. Die Eifel mit ihren
windumspielten Höhen und ihren sonnverbrannten
Tälern, ihren ginsterbestandenen Heiden und ihren ge¬
heimnisvollen Maaren. Zu ihr pilgere der Wanderer, der
mit einer herberen Luft die Lungen füllen und in meilen¬
weiter Einsamkeit aus allem Hasten für eine Zeit lang
herauskommen will.
Wie warnt doch Karl Simrock?
„An den Rhein, an den Rhein,
Zieh' nicht an den Rhein"
„Dich bezaubert der Laut, dich betört der Schein,
Entzücken faßt dich und Graus.
Nun singst du nur immer: am Rhein, am Rhein!
Und kehrst nicht wieder nach Haus."
Ungern nur und langsam wird auch der Besucher
der Internationalen Reise- und Verkehrsausstellung sich
aus dem einspinnenden Banne lösen, den diese bilder¬
und datenreiche Schau des Rheinischen Verkehrs-Vereins
um ihn gelegt hat — ungern nur und langsam —, der
Eindrücke waren zu viele und starke, der landschaftlichen
Schönheiten zu mannigfache und faszinierende.
Später tritt er noch einmal in die Gebiete dieses
Stromes ein —: wenn Düsseldorf seine Reize aufs neue
in kondensierter Form vorführt. Da kann er bereits
Gesehenes auf seine Eindrucksrichtigkeit nachprüfen,
kann er seine Kenntnis von den Gartenwundern dieser
vielleicht schönsten Stadt am ganzen Rhein mühelos
bereichern. ^ ^
*
Eine Reihe von Städten, die keine Sonderaus¬
stellungen veranstalten wollten oder konnten, sind in
jener Uebersicht vereinigt, für die der Bund Deutscher
Verkehrs-Vereine verantwortlich zeichnet. Da sieht
man u. a. neben dem Fuggerhaus, das das Augsburg
der Renaissance bewahrt, die Bogen von Münster i. W.,
vor denen die Händler feilschen, neben Iserlohn, das
den Eingang ins schluchtenreiche Sauerland bildet, die
stumpfe Haube der Marienkirche, die das alte Danzig
überragt; neben den Gelsenkirchen, Herne, Essen,
Hagen usw., in denen der helle Klang der Hämmer
die Arbeitsparole des Tages kündet, der dicke Qualm,
der aus den hohen Kaminen entpufft, schier den Glanz
verdunkelt, den die Sonne über die natürlichen und
künstlich geschaffenen Anlagen dieser Städte ge¬
breitet hat, die weltfremde Stille der Masurischen
Seen; sieht man neben Bamberg Flensburg, neben
Breslau Wolfenbüttel die jeweiligen Besonderheiten
anpreisen. Partien aus dem bayerischen Walde wechseln
mit Szenen aus dem Stettiner Hafen. Hier die breite
Front der Walhalla, dort die schlanke Statue des
Cheruskerfürsten Armin. Dort das Mastengewirre
des Hamburger Hafens und hier eine mittelalterliche
Enklave in einer ganz und gar modernen Zeit: Rothen¬
burg ob der Tauber. An die Förde, die Ostsee,
führt Flensburg, in den Birngrund, nach Mittelfranken,
die ehemalige Reichsstadt Dinkelsbühl. . .
Weist diese knappe Schau, die alles andere als er¬
schöpfend ist, die bald nach Ost- und bald nach West¬
deutschland führt, im Handumdrehen zwischen Nord-
und Süddeutschland wechselt, nicht allein schon in
überzeugender Art die außerordentliche Bedeu¬
tung des Bundes Deutscher Verkehrs-Vereine
nach? Wahrlich — diese Ausstellung, der eine jederzeit
hilfsbereite Auskunftei angeschlossen ist, sollte den¬
jenigen Städten und Landschaften zu denken geben,
die bislang noch abseits stehen und der Ansicht sind,
auf eigene Faust operieren und sich die Fremden
„kapern" zu können. Unitis viribus! In diesem Worte
allein liegt die Parole für die Werbekraft des deutschen
Vaterlandes in die Fremde, in die Ferne.
Herzlicher Dank gebührt dem Bunde Deutscher Ver¬
kehrs-Vereine, daß er bei dieser Gelegenheit gezeigt hat,
wie „herrlich weit" wir es bis heute schon gebracht
haben. Nun aber weiter an die Arbeit — auf daß auch
die noch widerstrebenden Elemente gewonnen werden —
denn nichts ist, nach Bismarck, geeigneter, „die Ver¬
schmelzung der widerstrebenden Elemente zu fördern, als
gemeinsame Arbeit an gemeinsamen Aufgaben.
♦ *
*
Hannover und Hildesheim müssen noch kurz
genannt werden. Charakteristische Straßenzüge weisen
beide. Da sieht man die Georgstraße mit dem Cafe
Kröpke, den Marktkirchturm, die Ratsapotheke, die
Kreuzkirche usw. von Hannover-Stadt und eine stim¬
mungsvolle Heidelandschaft von Hannover-Land — eine
Unmenge von Plänen zu Gebäuden, Parks usw., Nach¬
bildungen niedersächsischer Metallgeräte u. v. a. m. Und
da tut man eindruckschwere Blicke in die Dammstraße,
den Pfaffenstieg und den hinteren Brühl von Hildes¬
heim; hält man vor dem Pfeilerhaus von 1623, dem
Landsknechtshaus von 1554 und dem Knochenhauer¬
amtshaus von 1529 — hält und staunt und kann sich
nicht satt sehen in diesem „Museum deutscher Holz¬
architektur".
Alte Stadtpläne, die Glienicker Brücke, das Reiter¬
standbild des Königs Friedrich Wilhelm IV. und vor
allem ein auf den ersten Blick bestrickendes Panorama
weist Potsdam; alte Fregatten und segelgeblähte
Karavellen verraten die Koje, da Lübeck in seine
Bezirke zu locken versucht, in die alte Stadt mit ihren
Erinnerungen an die Reformations- und die Hansazeit,
und in ihre Umgebung, die fruchtbedeckte Felder und
verlassene Moore, anmutige Seen und waldbestandene
Höhen umschließt.
* *
*
Eindrucksreich ist auch die Landesausstellung
von Hessen, die von dem großherzoglichen Bad
Nauheim und den hessischen Verkehrs-Vereinen ver¬
anstaltet worden ist. Das Bad Nauheim wird, neben
einer Unzahl von Ansichten, Plänen, Photographien usw.,
durch eine anschauliche Miniaturanlage vertreten, die
spielzeugartig die verschiedenen Badehäuser, Brunnen-,
Wald- und Promenadenanlagen vorführt. Ganz famos
ist u. a. auch der Diorainenzyklus, der ein gut Teil
jenes gesegneten Landes, plastisch beinahe, vorführt,
das die einzige Bergstraße mit Seeheim, Jugenheim,
Nr. 2 DEUTSCHLAND 97
Alsbach, Zwingenberg, Bensheim, Heppenheim usw. sein
eigen nennt; das von einem Kranze von Städten
geschmückt wird, deren Namen allein ihre Vergangen¬
heitswerte und ihre Gegenwartsbedeutung bekunden —
den Bingen, Mainz, Darmstadt, Worms und Gießen. . .
♦ *
*
„Deutsches Land, du wonnig LandH so sang einst
der selige Johann Gottfried Pfund. „Deutsches Land, du
wonnig LandH jauchzen auch wir, wenn wir wieder
einmal all seine Schönheiten Revue passieren lassen,
die in seinen Städten und Landschaften, auf seinen
Bergen und in seinen Tälern, an seinen Küsten und im
Herzen seiner Heiden der Entdecker harren, all seine
Schönheiten, wie sie — in nuce wenigstens — diese
Reiseausstellung zusammenfaßt.
„Deutsches Land, du wonnig Landl"
_ (Schluß folgt.)
Deutsches Musikleben.
Von Dr. Wa Iter Niemann, T'^ipzig-.
Burney,der große englische Musikforscher des 18. Jahr¬
hunderts, war es wohl, der Böhmen das Konservatorium
Europas nannte. Damals versorgte es in noch weit höherem
Grade wie heute Europa mit Instrumentalisten vom ein¬
fachen Fiedler bis zum großen Virtuosen. Heute würde er
jedenfalls Deutschland diesen musikalischen Ehrentitel
geben. Deutschland ist gegenwärtig seit dem musikalischen
Uebergewicht, das ihm die Wiener Klassiker Haydn,
Mozart, Beethoven über die Welt gaben, das Musik-
land geworden. Das Musikland als Studienland und
Konservatorium der Welt,
als Land höchstgesteigerter
Organisation und Pflege der
Musik, als Land instrumen¬
taler Musteraufführungen. —
Der Ausländer, der etwas
Tüchtiges im Schaffen und
Ausüben der Tonkunst lernen
will, geht nach Deutschland.
Der Ausländer, der die großen
Meister der Musik in Oper
und Konzert in möglichst
idealer Weise hören will,
wendet sich ins Herz von
Deutschland. — Das ist, mit
ein paar Schlagworten gesagt,
die Bedeutung des musika¬
lischen Deutschland von heute.
Der musikalischen Er¬
ziehung und Ausbildung dienen
heute noch, wie vor Gene¬
rationen, die großen deutschen
Konservatorien und Hoch¬
schulen für Musik. Die
Namen Leipzig (Kgl. Konser¬
vatorium seit 1843), Berlin
(Hochschule mit dem Aka¬
demischen Institut für Kirchen¬
musik, gegr. 1822, und andere
Institute), Stuttgart (seit 1856), Dresden (Kgl. Konser¬
vatorium seit 1856), Köln (seit 1850), München (Akademie
seit 1867), Würzburg (Kgl. Musikschule seit 1801), Frank¬
furt a. M. (Dr. Hoch’sches seit 1878, Raff-Konservatorium
seit 1883), Regensburg (die von Dr. Haberl 1874 zur Pflege
katholischer Kirchenmusik auf cäcilianischer Grundlage in
Deutschland begründete bedeutende Kirchenmusikschule)
und so vieler anderer sind auch jedem Ausländer, der sich
in der Jugend dem Dienste Polyhymnias weihte, teuer. Es
ist hier nicht der Ort, über Vorzüge und Schäden dieses
Großbetriebes im musikalischen Erziehungswesen, dessen
schweren Nachteilen staatliche musikalische Fachlehrer-
Examen fordernde Organisationen, wie der Musikpäda¬
gogische Verband, durch Konzentration und wissenschaft¬
liche Vertiefung der Studien entgegenzuarbeiten streben,
sich zu verbreiten. Die nach dem Deutsch-Französischen
Kriege — als das reiche Groß-Deutschland geboren war —
rapid gesteigerte Entwickelung des deutschen Musik¬
lebens haben sie jedenfalls gleich glücklich wie unglücklich
bestimmt. Durch sie nicht zuletzt ist Deutschland heute
längst nicht mehr ein Land des Gesanges, sondern ein
Land der Instrumentalmusik.
Die Musik als dienende Kunst,
als Hausmusik liegt unheilvoll
danieder. — Dagegen drängt
alles zur Oeffentlichkeit, zur
Bühne, zum Konzertsaal in
einem Ansturm, der Bedarf
und Nachfrage, Berufen- und
Unberiifensein in krasses Mi߬
verhältnis setzt. DasVolk leidet
Mangel an einer Musik, die
Besseres als Gassenhauer gibt,
die es versteht. Die Organi¬
sation des modernen deutschen
Musiklebens baut sich auf ge¬
schäftlicher Grundlage auf und
zeigt sich tief beeinflußt vom
Großkapitalismus und dem Ge¬
nossenschafts- und Verbands-
Wesen — Erscheinungen, die
für Groß-Deutschlands Wirt¬
schaftsleben typisch sind. Ein
Glück nur, daß Wir von einer
Zentralisation des Kunst- und
Musiklebens, wie sie Frank¬
reich seit alters in Paris be¬
sitzt, trotz allen Ueberge-
wichts von Berlin doch noch
weit entfernt sind.
Zum Studienland tritt das Land musterhafter instru¬
mentaler Aufführungen, eines höchstgesteigerten und
glänzend organisierten Musiklebens, das alle gesunden
wie kranken Zeichen intellektueller Hochkultur aufweist.
Nicht Herz, nicht Gefühlsleben und Gemüt wie in den Zeiten
der großen schöpferischen Kräfte, sondern Geist, höchst¬
entwickeltes artistisches Können bis zur fabelhaftesten
Routine und Wissen sind Trumpf. Nehmen wir die
großen Namen unter unseren schaffenden zeitgenössischen
Musikern, die in Mode und Ruhm stehen, Richard Strauß,
Gustav Mahler, Max Reger und ihr Werk vor: es Wurzelt
Leipzig-: Thomaskirche
98 DEUTSCHLAND Nr. 2
ganz in unserer Zeit, verrät ein immenses Können, aber es
ist auch zum guten Teil „froidement calcule“. Deutschland
als Land des Gesanges ist gewesen. Heute haben selbst
die ersten deutschen Theater Not, Gluck, Mozart, Verdi,
Rossini gesanglich annähernd befriedigend zu besetzen.
Den Sänger des Bel Canto
löste der Darsteller und
Sprach-Gesangskünstler, das
symphonisch behandelte Or¬
chester ab. Deutsche Wagner-
Aufführungen an berufenen
Stätten gehören zum Vollen¬
detsten, was sich denken läßt.
Der deutsche Wagnersänger
aber wird gesanglich zumeist
an vor-wagnerischen Opern
Schiffbruch leiden, in Deutsch¬
land nichtsdestoweniger ein
großerSänger genannt Werden
können. Nicht Schönheit und
Kunst des Gesanges, sondern
Stimmkapital und Stimmkraft
sind im deutschen Musikleben,
seitdem Richard Wagner, der
Begründer unserer deutschen
Opernvorherrschaft, und sein
herrliches, aber dominierendes
Orchester die gewaltigen deut¬
schen Bühnenhäuser beherr¬
schen, die Existenzfragen des
Sängers geworden. Deutsche
Orchester - Musiker dagegen
sind bis über den heute
völkerverbindenden Atlantik stark begehrt. — In diesem
Sinne stehen die deutschen Hoftheater und die
großen Stadttheater deutscher Großstädte noch auf
alter Höhe. Arbeitsfreudigkeit, Fortschrittsgeist und
Unternehmungslust wird man bei ihnen allen, am
meisten Wohl bei den letzteren, suchen und finden.
Ebenso Selbständigkeit des Repertoires und Unab¬
hängigkeit von dem Novitätenmarkt Berlins, der be¬
herrschenden und tonangebenden deutschen Theaterstadt.
Dagegen ist es selbst großen Stadttheatern nicht möglich,
ihre hervorragendsten Sänger
und Sängerinnen vor den
Lockungen der Titel und Or¬
den verheißenden Hoftheater
und der amerikanischen Kon¬
trakte zu schützen.
Bei der Freizügigkeit inter¬
nationalen modernen Kunst¬
treibens hat auch das deutsche
Musikleben vollen Anteil an
den bedeutendsten reisenden
Quartett genossen schäften
(Böhmen, Brüsseler, Peters¬
burger, Flonzaley, Sevcik,
Ros6, Holländer, Pariser usw.)
Doch auch einheimische Quar¬
tette, wie das Münchener, das
Süddeutsche (Freiburg i. Br.),
das Rebner- und Frankfurter
(Frankfurt a.M.), Petri-, Wille-
(Dresden), Halir (Joachim)-,
Marteau - Becker-, Klingler-
und WaldemarMeyer-Quartett
(Berlin), u. a. lassen ihr oft aus¬
gezeichnetes Ensemble außer¬
halb ihres Wohnsitzes hören.
Während wieder andere, wie
das vortreffliche Leipziger
Gewandhausquartett, satzungsgemäß nur ihrer Stadt dienen
dürfen. Die öffentliche Trio - und Sonatenpflege steht
dagegen beklagenswert zurück. Gleichwohl dienen ihr
einige vortreffliche Trio-Genossenschaften, wie Marteau-
Becker-Dohnänyi, das Dresdener, Frankfurter, Mei¬
ninger und Rheinische Trio, die
Georg Schumann- und F. v. Bose-
Trios, das hervorragende Rus¬
sische Trio (Preß-Maurina) u. a.
Das deutsche Männer¬
chor wesen ist mit seiner ge¬
waltigen Institution des Deut¬
schen Sängerbundes (gegr.
1862) mit rund 150000 Sängern
vorbildlich für allen Männer¬
gesang deutscher Zunge in der
Heimat und Fremde geworden.
Seine Entwicklung, bei welcher
von jeher das patriotische Element
stark mitspielte, ist erstaun¬
lich und steht mit dem künst¬
lerischen Eigenwert des Männer¬
gesanges in keinem Verhältnis.
Man Wird dies der dem Deutschen
eingeborenen Vaterlands-Liebe,
der Liebe zum Lied, in kleineren
Orten aber wohl leider auch der
Freude an Liedertafelei, am ge¬
selligen und gesellschaftlichen
Leipzig: Königl. Konservatorium der Musik
Leipzig: Bach-Denkmal
Nr/2
DBUTSGHLÄND 99
E.ntfe'iÄ?efcfe|^ d Frieden’ von Gsnibrrniis and Sacchns
gatÄcbrabßü. Es, gibt in den gfilüer^ii Siädlefi zafilrefche
Mäßnerchöre vqn aasgezeichneier Leist iingsiäbigkdi^
i)nstitut*otien-M?ie der Kötner: tmd Wiener Männer-GesangV
der ßerimer ntid Lj&{p^iger Lehrergesaag^^erdri,
die Bertmer Liedertafel ami :aa4et'e berühiHte Preistfllger
def in F r ö n U f ii f t; 4. M. aijgeb^sUenef^ \\’ e t i s t r e i f e
um d e n K s i s erp re i i haben den Rnbrn d eul iscli en
Mäniiergesanges Buch auf fröhlkhet) Säiiger-
fahrten ins Ausland and bber den O^ean getragen und
ein Band des P g=1 ri^t äi ich ,ruu die: Deu t sch en i n
der Fremde geschluaget^. . teistungsfuhige.
Studeftteng^saVigvereine Seitenstbck
■zü. -ßksnditiavi^tis Brüden-eri^Tf>'e.b^"/ü^ye". ITePdie Liebe zm
Musik In der gecmamschea; skad^mifcck Jugend Wurzelt:
Simi, V&rständ Liebe zur Musjk^ n
Volke Wullen v o.l U s t li m \\ che SJ m ph o n ie - u n d
Cbörkou^erte
sowie Arbef r
ter-Gesang-
Verelfi e mit
KuftSorten . ^if
gänj?i Jbilligeä^;^
Eintrüt^preisen
Wecken und
.mehteu::. helfen t.
Die deutsche
MiHtärrnüsnt
:steW ■VaU.'^LeF
stuhgsW häkelt
und örche^ter?
dfeziplia ’aä',
emer Stufe, die
nur än/Ruaiand
' eineglefchtiefc
Miisikbegabung
und
■des'.Vöike^.'
:f^it!jg\icLen;käUu:
■ -.Oie ■ ä^ut-:
inu%erui.feiL
alter .fe Jn-; :
^tellelttaalfsmüs .■
eben gewaltigen
ihres kamrnermusikafeoheu^^fe siiL und bstrU-
mentengetreue: AnfTidirüng^ alter Musik lu werben, die
trot^ der zaueliinenden deutschen musikalischen ftenai$:*
$mce -■ Seweguiig--■ .■ .-bej -den gt^ößiea.v'Kön^ert-;
Ini^titutioneri infolge: des-n sehr geringen :Einflusses
der Musikwis^n$chaEi und ihrer Faclipiesse auf die große
mnsikaljsche OelfentUchkeÜ,, 4fe inüsfeiBc,he Praxis arg
dsßbderliegen. ■ . ■
pie masikaUsc.ii:e Futhpre ^blv
heutd w!e: dä$; vdeuts^fie M nicht Immer
siu ä^bem Vor teil sfek Bef l än . Der Sibett und Westert,
äbd m sciv^^ner Entwicklung. An gedfegenen; väfnehmen
uhy reich haltigen Organen ftir Fnch- und Lalenkreis ist kein
Mangel slfgemeincu schemt aber dfe äHere i?eit
tNpezbllstiiicber und föchhchef Musikpre^^^ eine neue 2dt
universeller RüivsF und LitefaturreVueu mit TnusikaliscJier
Abteilung abzidösen. Erifwickluog yolUieht $lfh
TTiit Natumob'
wendigkeitDIe
Ursaclie aber
liegt weniger
in. d*f sogar Im
Sinne eines ge-;
luhrd rollende 11 :
Oegenteilesab
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und der zuneb-
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Tutd uitbr Von
feetbuteOdeTi
F^cbieafyi^ :be-
groöeh;
AulspiWurfg geaofiiiTjen imd
Orgahfsatjorruiid Pabl^ der lnternatlobabn Musik-
Qeseüsdiaft ein ft!SteÄ Baad am die G leichst re benden andrer:
■l^ationen gescbhmgi^, 'DkfZ^hi ri,r4jöptdcber ^t^pslkwfe^
sckaftlicher Protc-ssimeri bn deutschen mehfl
sich stäiulig. Ghr^saiider der HSridelfofschef, Spifb^
Bachforsefier, RjeÄOTi-der upiverselfefe. deutscbe.;Mfe3k-
gelehrte imd eminente Theoretiktr, Kreb^cbm^ir der
Forscher di£r %niphOnb und SniteV der Oper, Lfedes,
das sind die. grüßen Namen neuerer deaitschen iMuM^
wJssen$chäftv Eigne Sembare an den Universitäten,
Ma^lkaiische Abt^tung ;un die Deutsche Mu.sik.siamn3luiig
der Berliner Kgl Bblrnttieki dit^ Mus^ikbitß^k
Peters (gegr. Von :Dr. Abrähamis^^i^^^^^ ititeiflattonai
angelegte ZeitschrifL sorgen f.nr vml iiiehr a mir für d sir
wissenschaEliche Aüsblttbmä des NnchWiblisesf Mun-
-clienef Deutsehe VerfjmSgund für ßltf^ Musik-sucht iTincfhalb
GürÄef'bh : z e j i u 0 g e n.
dtiJt:1 1 1 m d eu ts ch cn M u s i k a! i en ver 1 a g; der :uti?er
d^ tjngümdigen Zeiten fesseiloser
.sk Warenhsu^^r ^chbuderong^Jlcptikur rem und
hT’riis^hVegehs, die clie:detascföo^H^^ zwecks
g^sclid Llicher Vorwe vt ung ihr er Auf t iih rungsrec f r te tu r
Ortjänisatimi der Deut§yher Ton-
setzcr nul der AoMäit- tut iuii?tkäi|S€hes AuffOhrtings^
zusammerrschlteßen: beti; ein sridfef Oe^Sicht ängehonimeh
u nd ebePf al ts; ■ vfe { fach,' schwer ,.^u' ^ 4;^.mpfcn ■. Iia . haben:'
Leipzig'und' 'VörSeffsch^ behauptet. . '.
.: Da? .■^iüd.'-..eiWa,..b{Vcfe . die w'^^Jitigsten:.
Gnindk/gen niivbfuen de^tsekep Musiklebens, Sein
ß-rfmuj.aTU'kt liegt. •ib.'-xlim'-deii't.s.c.ii'Aö.'ijfo ' B et („m.
bat der Misseaht^ftighwf tmd Hhfu's:checkigkell
•Mus.nvtr^lfen's; nac daa ■ e.pH:Ghlcden'e.■■Uebefg^wicht ühpe
-beati iktniGV ■ .,Cl^r'a.k t^r:.-. :;Oer' ^ ziin.ehm.e7ide gf sc h ü fiticl:].e
100 DEUTSCHLAND
13 Nr. 2
Charakter des deutschen Musiklebens verdichtet sich
namentlich hier in einer immer sinnloser anwachsenden
Konzertflut. Rührige Opernbühnen neben der exklusiven
Hofbühne, hervorragende Konzertinstitutionen, wie die
Philharmonie, Chorvereine, wie der Philharmonische Chor
(Ochs), die Singakademie (G. Schumann), der Sternsche
Gesangverein (Fried), haben ausgezeichnetes Renommee.
Ist in München, dem Brennpunkt süddeutschen Musik¬
lebens, der entschiedenste Fortschrittsgeist zu Hause»
ist die Bayernkapitale mit Dresden heute Deutschlands
eigentliche Fest- und Ausstellungsstadt mit Musik, so hat
sich Leipzigs, mit Berlin, der deutschen Musikstadt,
frühere konservative Musiktradition unter dem Drucke
der Verhältnisse langsam aber noch nicht endgültig ge¬
wandelt. Seine 22 Gewandhauskonzerte für die
oberen Zehntausend unter Nikisch, einem Berlin und
Hamburg (Philharmonische Konzerte) gleicherweise
und mit Muck, Weingartner, Mottl, Schuch, Steinbach
zu den großen Dirigenten deutscher Zunge gehörenden
genialen Künstler, einer im allgemeinen vornehm-konser¬
vativen Tendenz huldigend, genießen mit Recht Welt¬
ruhm. Neben ihnen stehen Windersteins fortschritt¬
lichere und volkstümlichere Philharmonische Konzerte,
Dr. Göhlers Musikalische Gesellschaft und eine Reihe
hervorragender Chorvereinigungen (Riedel-, Bachverein,
Ringakademie u. a ). Den Westen, musikfreudig und opfer¬
freudig in allem, was Musik heißt, dazu in glänzendster
kultureller und musikalischer Entwicklung, überstrahlt
Kölns Gürzenich (Steinbach), Während der Süden in
Stuttgart (Schillings) und Karlsruhe wirkliche, fort¬
schrittsfreudige Kunststädte besitzt. Das sind nur ein paar
Blitzlichter. Es gibt heute keine größere deutsche Stadt
mehr, die sich nicht Polyhymnia mehr oder weniger ver¬
schrieben hätte. Dem deutschen Stammescharakter ent¬
sprechend, neigt der Norden am meisten zur allerorts
herrschenden Instrumentalmusik, während die schönsten
Stimmen in Chor und Solo im Süden und Westen, am
Rhein zu Hause sind.
DieWagnerianerund alle, die nach Höhenkunst verlangt»
ersehen auch heute noch, sind sie unentwegt traditionell
und orthodox gesinnt, im Bayreuth FrauCosimas, denken
sie freier, im Münchener Prinzregenten-Theater
das Ideal einer praktischen Wagnerpflege und -tradition ver¬
körpert. In einer Zeit, Wo des Sommers Festaufführungen
die Grenzen zwischen den Musiksaisons immer mehr zu ver¬
wischen drohen, geben aber auch in Großstädten wie Köln,
München (Mozart- und Wagner-Festspiele), Leipzig usw.
besondere Opernfestspiele Gelegenheit, oft wahre
Musteraufführungen Wagnerscher und andrer berühmter
Bühnenwerke zu hören. Und zu solchen sehr begrüßens¬
werten Bestrebungen einer deutschen Theater-Dezentrali¬
sation gehören auch lokale Versuche stimmungsvoller, in¬
timer Bühnenaufführungen im alten Rahmen von Ort und
Zeit: Natur- und Freilufttheater, Goethetheater in Lauch-
stedt (Opera buffa und Singspiel der Goethezeit).
Am meisten aber hat die allen inneren Bedürfnissen
Hohn sprechende Zahl deutscher Musikfeste zur
Verwischung der Saisongrenzen beigetragen. Da haben
wir erst die alten Institutionen: die Tonkünstlerfeste des
fortschrittlichen Allgemeinen Deutschen Musik-Vereins
(gegr. 1861 von Liszt) mit Wanderndem Festort, die Nieder¬
rheinischen Musikfeste*) in Köln, Düsseldorf oder Aachen
(seit 1817), die Schlesischen in Görlitz (seit 1876). Jüngeren
Datums sind: die Elsaß-Lothringischen (Straßburg), die
Schleswig - Holsteinischen (Kiel), die Ostpreußischen
(Königsberg), die Bachfeste der Neuen Bachgesellschaft
(mit Wanderndem Festort), die Kammermusikfeste im
Westen (Bonn) und Süden (Darmstadt, Freiburg, Baden),
die einzelnen bedeutenden älteren oder modernen Kompo¬
nisten gewidmeten, die musikalischen Veranstaltungen Salz¬
burgs (Mozart-Festspiele), der Münchener Ausstellungen,
Erinnerungs-, Gedächtnis- und Propagandafeiern aller Art.
Kommen nun noch Gluck und Händel dazu, so ist Wohl
bald kein Meister mehr ohne deutsche Musikfeste, die
Hauptstädte wie „Provinz*’ in gleich liebevoller Weise be¬
denken und sich bemühen, durch musikalische Wettstreite
ganzer Nationen oder ihrer hervorragendsten Institutionen
(Französische Musikfeste, Reisen des englischen Sheffield-
Chores) die Brücken künstlerischen Verständnisses und
Ausgleichs zu schlagen.
Man kann sich dessen aufrichtig freuen in dem
Sinne, daß der belebende und befruchtende Strom guter
Musik nun auch in solche Orte dringt, deren Musik¬
freunde in früheren Jahrzehnten zur nächsten Haupt¬
stadt fahren mußten. Wenn sie etwas Besonderes hören
wollten. Hand in Hand mit diesem zunehmenden Gro߬
kapitalismus und Merkantilismus in der Organisation des
modernen deutschen Musiklebens ziehen, wie bei
jedem glänzenden Bilde, tiefe Schatten einher. Die
musikalische Zeitfrage nach einer glücklichen Zukunft
deutschen Musiklebens ist längst nicht mehr auf den
Fortschritt in der musikalischen Komposition, sondern
auf den in der Organisation gestellt. Sie heißt vielmehr:
Wie ist der drohenden Uebersättigung, Veräußerlichung
und Verflachung unsres Musikempfindens zu steuern, wie
die längst eingestürzte Brücke zwischen moderner Musik
in Oper, Konzertsaal und Haus wieder aufzubauen, wie
edle Musik ins Haus hineinzutragen, wie das in unsrer
modernsten Komposition meist notleidende Gemüt und
Herz zu sättigen?
Gelingt uns auch das, dann können wir den glänzen¬
den, ja, gewaltigen Aufschwung des deutschen Musik¬
lebens der letzten Jahrzehnte ohne jene Bedenken preisen,
die der ruhige Beobachter nun einmal nicht verschweigen
darf. In schaffender wie ausübender Kunst brandet heute
wie im Wirtschaftsleben und in der Industrie die Welle
des Panslawismus lief ins Herz Deutschlands. Sie ver¬
stärkt den Schwall, die Wucht aller Aeußerungen jener
eminenten natürlichen Musikbegabung, das rücksichtslose
eigne „Sichdurchsetzen** wie es der slawischen Rasse
eignet. Rechnen wir dazu das unaufhaltsame Eindringen
des Merkantilismus, so haben wir die treibenden Kräfte
und die drohenden Feinde unsres modernen deutschen
Musiklebens aufgezeigt.
Wir vertrauen der musikalischen Gesundheit und
Kraft unsres Volkes. Denn immer noch ist Deutschland,
namentlich für die angelsächsisch-amerikanischen und
skandinavischen Nationen, nicht Empfängerin, sondern
Geberin, noch immer heißt es in der Welt:
Das Musikland!
’•*') Das 87. N i 0 d e r r li 0 i ni s eil e Mnsikfnst, das in diesoin Jahro zu Pfingsten in Düsseldorf stattfindet, gewinnt
erhöhtes Interesse, weil Profe.ssor J’anzner zum er.-ton Male dieses hodeuteude MusiUfest leitet. (^Vergleiche auch den hetrerfonden
Artikel auf Seite 32 in Nr. 1 der „Deutschland“.)
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WIRTSCHAFTLICHER TEIL
Bund Deutscher Verkehrs-Vereine.
Geschäftsstelle: Leipsig, Naschmarkt, Handelshof.
Bericht über die kurze Gesamtvorstandssitzung
am Sonnabend, dem ag. April igii, 4V4 Uhr nachmittags,
in Berlin (Ausstellungshallen).
Tagesordnung:
Kurze Vorbesprechung der Mitgliederversammlung.
Anwesend waren die Herren: Gontard (Leipzig), Professor
Dr. Friedrich (Leipzig), Professor Dr. Roth (Leipzig), Direktor
Schumacher (Düsseldorf), Schweninger (München), Zander
(Danzig), Thelemann (Stettin), Mann (Berlin), Ehlers (Hamburg),
Baumann (Eisenach), Artelt (Potsdam), Kommerzienrat Trumpier
(Worms), Kretschmer (Breslau), Bigge (Coblenz), Bntress (Stutt¬
gart), Conström (Berlin, M. £. M. V. und Kartell europ. Motor¬
fahrer-Vereinigungen), Winkler (Leipzig), V.H. Mueller (Leipzig),
Rechtsanwalt Lebrecht (Leipzig), Sattler (Braunschweig), Dr.
Seyfert (Leipzig).
Der erste Vorsitzende, Herr Gontard, begrUsste die Herren
und ging sodann auf die vom geschäftsfUhrenden Ausschuss
vorgeschlagenen Satzungsänderungen ein, die sich aus der in
der Vorstandssitzung im November vorigen Jahres beschlossenen
Eintragung des Bundes in das Vereinsregister ergeben.
Hierauf berichtete Herr Stadtrat Artelt (Potsdam) über
da# Programm der am nächsten Tage in Aussicht genommenen
Besichtigung Potsdams.
Herr Gontard gab sodann bekannt, dass der Verein zur
Förderung Dresdens und des Fremdenverkehrs in Dresden, der
Fremden-Verkehrs-Verein Cassel und der Verein für Fremden¬
verkehr Chemnitz, ferner der Zentralverband zur Wahrung der
Reise-Interessen, Berlin, und der Verein zur Erwirkung von
Sommerurlaub und Beschaffung geeigneten Landaufenthalts für
kaufmännische und technische Angestellte, Mannheim, ihre Zu¬
wahl in den Gesamtvorstand beantragt haben.
Herr Rechtsanwalt Lebrecht verbreitete sich des näheren
Uber die in Aussicht genommenen Satzungsänderungen, wozu
nichts erinnert wurde.
Herr Direktor Schumacher erklärte, dass die Amerika-
Nummer des Bundesorgans „Deutschland“ soeben er¬
schienen sei und bereits mehrere Tausend Exemplare nach
Amerika versandt seien. Die umfangreiche Sonder-Nummer
habe sofort nach Erscheinen ungewöhnlich grosse Beachtung
und Anerkennung gefunden, namentlich auch bei den Behörden
und im Amerika-Institut, das die Herausgabe der Nummer sehr
gefördert habe. Die Amerika-Nummer erscheine ausser Abonne¬
ment. Den Bundesmitgliedern sei für den Bezug ein Vorzugs¬
preis von 50 Pfg. eingeräumt.
Herr Gontard gab dem Wunsche Ausdruck, dass die
Amerika-Nummer dem deutschen Fremdenverkehr den erhofften
Erfolg bringen möge.
♦ *
*
Bericht über die Ausserordentliche Mitglieder¬
versammlung
am Sonnabend, dem ag. April igii, 5 Uhr nachmittags,
in Berlin (Ausstellungshallen).
Tagesordnung:
I. Eintragung des Bundes in das Vereinsregister, sowie Er¬
höhung der Mitgliederzahl des Gesamtvorstandes und die
damit verbundenen Satzungsänderungen.
3. Was lehrt uns die Brüsseler Ausstellung?
3. Berliner Ausstellung.
4. Die Kosten der Fremdenpropaganda und weitere iinanzielle
Ausgestaltung des Bundes.
5. Anregungen (Führer-Automaten, Bildschmuck in den Eisen-
bahuwagen, Sammelannoncen, Sammeleingaben, Jahrbuch
usw. und Aussprachen).
Anwesend waren die Herren: Gontard (Leipzig), R.-A. Leb¬
recht (Leipzig), Prof. Dr. Friedrich (Leipzig), V. H. Mueller
(Leipzig), Schade (Heidelberg), Meyer (Leipzig), Frau Th. Esch-
holz (Berlin), Rudolph (Gotha), Pfeiffer (Weimar), Saurbier
(Weimar), Hoffman (Landshut), Dr. Löwe (Berlin), Kabisch
(Leipzig), Gilbert (Schneeberg), Zoppa (Aachen), Möckel(Schnee-
btrg), Schrumpf (Bremen), Klitzsch (Leipzig), VVinkler (Leipzig),
Prof. Dr. Roth (Leipzig), Artelt (Potsdam), Lincke (Eisenach),
Grebner (Berlin), Evers (Lübeck), Lehmann (Schweidnitz),
Friederichs (Helgoland), Rietdorf (Eberswalde), Schweninger
(München), Eidlitz (Berlin), Dr. Bräunlich (Stettin), Mann (Berlin),
Ehlers (Hamburg), Proelss (Magdeburg), Seelmann (Binz),
Thelemann (Stettin), Dr.Lüdtke (Stettin), Kratzsch(Braunschweig),
Sattler (Braunschweig), Bürgermeister Ludwig (Glatz), Vieck
(Rostock), Stoltzenburg (Schwerin), Zulehner (Cassel), Weber
(Cassel), Zander (Danzig), Conström (Berlin, M. E. M. V. und
Kartell München), Entress (Stuttgart), Bigge (Coblenz), Trumpier
(Worms), Kretschmer (Breslau), Boeckling (Essen), Baumann
(Eisenach), Hupfeid (Berlin), Braun (Leipzig), Stiegler (Chemnitz),
Schumacher (Düsseldorf), Schmerwitz (Guben), Dr. Seyfert
(Leipzig).
Der erste Vorsitzende, Herr Gontard, eröffnete die Sitzung
um 5 Uhr. Er begrüsste die zahlreich erschienenen Mitglieder
und gedachte der beiden verstorbenen, hochverdienten Vorstands¬
mitglieder, Hof-Buchhändler Kiepert (Hannover) und Buch¬
druckereibesitzer Mühlberg (Leipzig). Die Anwesenden erhoben
sich auf Ersuchen des Vorsitzenden zu Ehren der Verstorbenen.
Sodann trat man in Punkt i der Tagesordnung ein (Ein¬
tragung des Bundes in das Vereinsregister, sowie
Erhöhung der Mitgliederzahl des Gesamtvorstandes und die
damit verbundenen Satzungsänderungen).
Herr Rechtsanwalt Lebrecht berichtete, dass die Vorstands¬
sitzung im November vorigen Jahres beschlossen habe, den Bund
ins Vereinsregister eintragen zu lassen. Es machten sich infolge¬
dessen einige Satzungsänderungen notwendig. Der Referent
ging hierauf auf die einzelnen erforderlichen Aenderungen ein
Die Vorschläge wurden mit einer unwesentlichen Aenderung
betreffs Einrückung der Einladung in das Bundesorgan „Deutsch¬
land“ einstimmig angenommen. Die beschlossenen Aenderungen
sind die folgenden:
§ I erhält am Schlüsse den Zusatz: ,,Er soll in das Vereins¬
register eingetragen werden“.
In § 5 werden die Anfangsworte geändert in: „Der Gesamt¬
vorstand besteht aus“.
Zu § 7 werden am Schlüsse die Worte hinzugefügt: „und
vom Vorsitzenden zu unterzeichnen“.
§ 8 Absatz 3 erhält folgenden Zusatz: „Er bildet den Vor¬
stand im Sinne des Gesetzes“.
In § 8 Absatz 4 werden nach dem Worte „Bund“ die Worte
eingefügt: „den geschäftsführenden Ausschuss oder den Gesamt¬
vorstand“.
§ II Absatz 3 erhält folgenden Wortlaut: „Die Einberufung
der Hauptversammlung erfolgt seitens des geschäftsführenden
Ausschusses unter Angabe der Tagesordnung durch schriftliche
oder mechanisch vervielfältigte Einladung. Diese soll auch in
die Bundeszeitschrift „Deutschland“ eingerückt werden*}.
§ 13 erhält am Schlüsse folgenden Zusatz: „und vom Vor-
sit2enden zu unterzeichnen“.
Auf Antrag des Referenten wurde einstimmig beschlossen:
,,Der geschäftsiührende Ausschuss wird ermächtigt, etwaige vom
Regislergericht geforderte Aenderungen vorzunehmen.“ Die Wahl
des geschäftsführenden Ausschusses in seiner jetzigen Zusammen¬
setzung wurde bestätigt. Die Zuwahl eines stellvertretenden
Schatzmeisters wurde Vorbehalten.
Hierauf gab Herr Stadtrat A r t e 1 1 (Potsdam) der Mitglieder¬
versammlung das Programm des Potsdamer Besuches bekannt,
worauf der Vorsitzende um zahlreiche Beteiligung an dem
Ausfluge nach Potsdam bat.
Zu Punkt 2 (Was lehrt uns die Brüsseler Aus¬
stellung?) berichtete Herr Direktor Schumacher über das
deutsche Verkehrsbureau auf der Brüsseler Welt¬
ausstellung, das im Zusammenwirken des Bundes, der
Bundeszeitschrift „Deutschland** und der Preussischen Staats¬
eisenbahnverwaltung zustande kam. Die gesamten Kosten
betrugen 28000 Mark. Der Bund und die Bundeszeitschrift
„Deutschland** brachten über 10 000 Mark auf.
Der Bund allein hätte das Bureau infolge der hohen Kosten
nicht errichten können. Aber auch die Preussische Eisenbahn¬
verwaltung würde nach Ansicht des Referenten das Bureau
wahrscheinlich allein nicht errichtet haben, einmal ebenfalls
infolge der hohen Kosten, als auch wegen des Mangels am
nötigen Propagandamaterial, das die Verkehrs-Vereine in umfang¬
reichem Masse zur Verfügung stellen konnten.
Der Redner schilderte dann die schwierigen Vorverhandlungen,
die dank dem Entgegenkommen und lebhaften Interesse, das
102 m^ e eü0ü00ü03d&3^^ DEUTSCHLAND a e e eeeeeeeeeeeeeeoeeeeeeoQ i Nr. 2
dem Unternehmen vom Ministerium der öffentlichen
Arbeiten, wie auch vom Deutschen Reichskommissar Geheim¬
rat Albert und dem Vorsitzenden des Deutschen Komitees in
Brüssel Geheimrat R a v e n ö entgegengebracht wurde, zu einem
glücklichen Ende geführt werden konnten. Um die Errichtung
des Bureaus machte sich noch besonders verdient der Architekt
der Margareta-Krupp-Stiftung in Essen, Herr Georg Metzen¬
dorf, der die Zeichnungen und Pläne des Pavillons zur
Förderung unserer Bestrebungen unentgeltlich lieferte. Das
Gebäude wurde errichtet durch die Baufirma Gabriel A. Gerster
in Mainz, die Einrichtung des Bureaus erfolgte durch die Firma
Gebrüder Schürmann in Essen. Beide Firmen konnten ihre
Leistungen als Ausstellungsgegenstände anmelden und dadurch
den Ausstellungspreis wesentlich ermässigen. —
Das Zusammengehen der bereits erwähnten Gruppen
(Preussische Eisenbahn-Verwaltung, Bund D. V.-V. und Verlag
der Bundeszeitschrift „Deutschland**) bedeutete in seiner Organi¬
sation eine gänzlich neue Erscheinung auf dem Gebiete der
Verkehrspolitik und Verkehrspropaganda, der ein voller Erfolg
beschieden war in finanzieller und ideeller Hinsicht. Die im
Bureau tätigen Beamten der Eisenbahnverwaltung und des
Bundes arbeiteten gemeinsam im besten Einvernehmen, wie ja
auch die geschäftlichen Verhandlungen mit der vom Ministerium
hierzu beauftragten Königlichen Eisenbahn-Direktion
Köln sich in der angenehmsten Weise ab wickelten. Diebahn¬
amtliche Auskunfterteilung über die Verkehrsfragen, die Auskünfte
des Bundes über die deutschen Städte und Badeorte, Hotels etc.
und der eingerichtete Leseraum mit 25 deutschen Tageszeitungen
und Zeitschriften fanden bei den Behörden und bei den Aus¬
stellungsbesuchern ungeteilte Anerkennung.
Der Referent wies darauf hin, dass die Auslage des Materials
auf den Tischen im Bureau sich anfangs nicht bewährte, da es
dort sehr durcheinander geworfen wurde und zum Teil in
Unrechte Hände kam. Als man hierauf das Material nur am
Schalter verabfolgte, ergab sich eine Ueberlastung der Beamten,
so dass für mündliche Auskunft den Beamten zu wenig Zeit
blieb. Es wurde daher später das Material unter Anstellung
einer Autsichtskraft im Leseraume ausgelegt und an die be¬
treffenden Interessenten abgegeben.
Die Zahl der täglichen Auskünfte schwankte zwischen
51 und 174; das Bureau selbst wurde häufig von etwa 1000 Per¬
sonen täglich besucht. Durch die Auskunftstelle wurden ins¬
gesamt ca. 20000 Prospekte, Führer, Karten, Zeitschriften und
sonstige Reklameschriften verteilt.
Es habe sich also in Brüssel gezeigt, dass durch Einigkeit
die deutschen Verkehrs-Vereine und -Verbände viel erreichen
könnten, und dass der Bund Deutocher Verkehrs-Vereine gross¬
zügige Arbeiten leisten könne, wenn ihm die nötigen finanziellen
Mittel zur Verfügung ständen.
Zum Schlüsse machte der Referent darauf aufmerksam, dass
der Bund und seine Mitglieder für die Auskunftstellen im
Auslande, deren der Bund bereits 2g besitzt, vor allem fremd¬
sprachiges Propagandamaterial haben müssten. Ganz besonders
hält der Redner die vom Bunde herausgegebenen, auch in
fremden Sprachen vex vieltältigten Fragebogen für das wichtigste
und geeignetste Propagandamaterial der Auskunftstellen im
Auslande.
f Der Vorsitzende dankte Herrn Direktor Schumacher und
gedachte besonders dessen persönlichen Verdienstes für das
Zustandekommen des Tlrüsseler Bureaus.
Einstimmig wurde sodann beschlossen, zunächst Punkt 4
(Die Kosten der Fremdenpropaganda und weitere
finanzielle Ausgestaltung des Bundes) zu erledigen,
wozu Herr Rechtsanwalt Leb recht referierte.
Er wies auf die Auskunftstellen des Bundes hin und
betrachtet ebenfalls, wie der vorhergehende Referent, die vom
Bunde herausgegebenen Fragebogen als wichtiges Material für
die Auskunfterteilung im Auslande. Die Auskunftstellen sowie die
Vervielfältigung des Fragebogens erforderten erhebliche Kosten.
Umfangreiches Drucksachenmaterial sei zur Propaganda im
Auslande wenig geeignet, weil die Auskunftbeamten sich darin
schwer zurechtfinden und die Auskunftstellen, da solches
Material viel Raum beansprucht, dasselbe nicht oder nur gegen
hohe Vergütung unterbringen könnten.
Eihebliche Kosten verursache weiter die Ausstattung von
Auslandbiiummern des Bundesorgans „Deutschland**.
Ausländische Staaten besässen, wie der Redner hervorhob,
vielfach offizielle Auskunftbureaus im Auslande, die losgelöst
von einer Firma beständen. Deutschland besässe nur ein einziges
offizielles Bureau, und zwar im Inlande, in Berlin im Internatio¬
nalen öffentlichen Verkehrsbureau.
Referent wies auf die Notwendigkeit staatlicher Unter¬
stützungen unserer Propaganda im Auslande hin.
Die Mitglieder des Bundes müssten aber, auch wenn dem
Bunde vielleicht einmal für die Propaganda des deutschen
Fremdenverkehrs im Auslande staatliche Mittel zur Verfügung
stehen sollten, den Bund finanziell in steigendem Masse unterstützen.
Er streifte sodann eine in späterer Zeit sich notwendiger¬
weise ergebende Neuorganisation des Bundes, der späterhin
vielleicht ein Bund von Verbänden sein würde; heute hätten die
Verkehrs-Verbände noch nicht alle Verkehrsinteressenten ihres
Gebietes hinter sich.
Die Versammlung bekundete dem Redner lebhaften Beifall,
und der Vorsitzende dankte ihm für seine Ausführungen.
;^Herr Grebner (Berlin) hob die erfolgreiche Tätigkeit [des
Brüsseler deutschen Verkehrs - Bureaus hervor, sprach dem ge¬
schäftsführenden Ausschuss Dank für seine Massnahmen aus und
bat die Anwesenden, sich zu Ehren des Ausschusses von den
Sitzen zu erheben. Dies geschah.
Herr Schulinspektor Sattler (Braunschweig) dankte im An¬
schluss hieran Herrn Direktor Schumacher für die wirkungsvolle,
überaus prächtige Amerika-Nummer des Bundesorgans
„Deutschland**, dessen Verlag und Redaktion hier eine hervor¬
ragende Leistung zuwege gebracht hätten. Die Fülle von
Mühe und Arbeit, die in dieser Nummer zusammengetragen
sei, würde hoffentlich reiche Früchte tragen. Herr Direktor
Schumacher dankte für die Anerkennung.
Herr Dr. Löwe (Berlin) wies darauf hin, dass es besonders
auch gelte, das deutsche Publikum im Inlande zu halten. Nicht
nur die Staaten, sondern auch die Städte und Gemeinden
hätten grosses Interesse am deutschen F*remdenverkehr und
sollten Mittel für Bundeszwecke bewilligen.
Herr Rechtsanwalt Lebrecht erwiderte darauf, dass die Ge¬
meinden schon jetzt die Verkehrs-Vereine finanziell unterstützen.
Die Tätigkeit der Gemeinden erstrecke sich besonders auf die
Förderung lokaler Interessen.
Sodann ergriff zu Punkt 3 (Berliner Ausstellung) der Vize¬
präsident der Internationalen Ausstellung für Reise-
und Fremdenverkehr, Herr Baron von Kuhlmann,
das Wort zu einem kurzen Hinweis auf die Entstehung der
Ausstellung. Er wies darauf hin, dass die vom geographischen
Standtpunkt aus wünschenswert gewesene Anordnung nicht
möglich war, da derjenige Aussteller, der zeitig eine Platz¬
belegung anmeldete, sich den nach seiner Ansicht besten Platz
aussuchte, während der später Anmeldende unter dem noch vor¬
handenen Platze den für seine Ausstellung geeignetsten Raum
wählen musste.
An die Ausführungen des Herrn Vizepräsidenten schloss
sich eine Führung durch die Ausstellung an.
Nach einer Pause von etwa '' ^ Stunden stand Punkt 5
(Bildschmuck in den Eisenbahnwagen) zur Beratung.
Herr Rechtsanwalt Lebrecht berichtete, dass mit der
Preussischen Eisenbahnverwaltung mehrere Konferenzen wegen
Anbringung von künstlerischem Bildschmuck in den Eisenbahn¬
wagen stattgefunden haben. Die Preussische Eisenbahnver¬
waltung sei bereit, in den D-Zug- und Eilzug-Wagen Bilder
mit Landschafts- und Städtebildern anzubringen, wenn der
Bund die bezeichneten Bilder zur Verfügung stelle. Es handele
sich um ca. 34 000 Wagenabteile. In jedem Abteil sollten
2 Bilder, zwischen Lehne und Gepäcknetz, angebracht werden.
Die Eisenbahnverwaltung liefere Glas und Rahmen und bringe
die Bilder an.
Zunächst sei der Bund nur mit der Preussischen Eisen¬
bahnverwaltung in Verbindung getreten, die bereit sei, Bilder
aus dem Gebiete der Preussisch-Hessischen Staatsbahnen zum
Aushang zu bringen. Der Bund wolle jedoch auch an die übrigen
deutschen Eisenbahnverwaltungen in der vorliegenden An¬
gelegenheit herantreten; zum Teil seien diese Verhandlungen
schon eingeleitet.
Die Grundlage, auf denen die Preussische Eisenbahnver¬
waltung mit dem Bunde weiter verhandeln wolle, sei, dass sich
der Bund bereit erkläre, die Bilder zu liefern. Die Verkehrs-
Vereine müssten sich daher nunmehr schlüssig machen, ob sie
der Bundesleilung Bilder aus ihrem Gebiete unentgeltlich zur
Aushängung in den Eisenbahnwagen zur Verfügung stellen
wollen. Der Bund müsse die Auswahl der Bilder treffen. Die
Privatrcklame müsse schlechterdings ausgeschlossen werden. Es
sji ferner nötig, eine einheitliche Ausführung der Bilder zu er¬
reichen. Alle diese I'ragen seien jedoch erst später zu erörtern.
Man müsse heute vor allem darüber beschliessen, ob die Ver¬
kehrs-Vereine die Bilder liefern wollen und der Bund mit der
Regierung weiter verhandeln solle.
Herr Direktor Schuinacher stimmte der Anregung zu und
bemerkte, dass wohl alle Verkehrs-Vereine die Anregung der
Staatscisenbahnen sehr begrüssen und zur Verbreitung der Bilder
gerne beitragen würden. Im übrigen bedeute die Lieferung ge¬
eigneter, wirkungsvoller Bilder für die Vereine eine reine Geld¬
frage. Es sei deshalb wohl um Platze, wenn der Bund durch
eine entsprechende Rundfrage festzustellen suche, wieviel Bilder
jeder einzelne Verein (ev. in Verbindung mit der betr. Stadt-
^’Wwdtang) SU stellen in der Lage seL Redner bezeichnete es
friglidbi, ob für x Mark wirklich gute photographische Re-
‘ prodnkdonen geliefert werden können.
Herr Schade (Heidelberg) hält die Bildschmuckreklame für
. sehr wirkungsvoll. Br bat, dass der Bund auch mit der
^ Badischen" Eisenbahnverwaltung in Verbindung treten möge.
Die Bilder sollten aber nicht nur jeweils in den Wagen der¬
jenigen Eisenbahnverwaltung angebracht werden, zu deren Ge¬
biet der betrefifende Ort oder die Landschaft gehört, sondern
badische Landschaften sollten in den preussischen und anderen
Wagen angebracht werden und umgekehrt.
Eine ganze Reihe von weiteren Rednern wünschte ebenfalls
die einheitliche Ausgestaltung der Angelegenheit in allen
deutschen Eisenbahnen.
Herr Entress (Stuttgart) bat den Bundesvorstand, dahin
bei den Eisenbahnverwaltungen vorstellig zu werden, dass ein
Austausch der Bilder innerhalb der Wagen der verschiedenen
deutschen Eisenbahnverwaltungen stattündet.
Herr Dr. Löwe (Berlin) hatte Bedenken gegen die finanzielle
Belastung des Bundes, die aus der Anbringung von Bild¬
schmuck in den Eisenbahnwagen entstehen würde. Ferner be¬
fürchtete er, dass nicht genügend BUder geliefert werden können.
Herr Schade (Heidelberg) machte darauf aufmerksam, dass
der Bund finanziell nicht belastet werden dürfe. Die Kosten¬
tragung falle auf die örtlichen Vereine; der Bund habe genug
Mühewaltung mit der Auswahl der Bilder.
Herr Möckel (Schneeberg) war der Meinung, dass dem Bunde
mehr Bilder von den Verkehrs-Vereinen zur Verfügung gestellt
würden, als überhaupt gebraucht werden können.
Im Schlussworte gab Herr Rechtsanwalt Lebrecht weitere Auf-
Ulrung, vor allem darüber, dass die Bundesleitung an die übrigen
bundesstaatlichen Eisenbahnverwaltungen herantreten wird.
Es wurde hierauf einstimmig beschlossen, dass der Bund
grundsätzlich sich der Eisenbahnverwaltung gegenüber zur
Lieferung der Bilder bereit erklärt, dass die Bilder seitens der
Verkehrs-Vereine bezw. auf deren Kosten zu liefern sind und
die Bundesleitung mit allen weiteren Schritten in dieser An¬
gelegenheit betraut wird.
Die Punkte: Führ er-Automaten, Sammelannoncen, Sammel¬
eingaben wurden bis zur Hauptversammlung in Worms vertagt.
Der Beschluss der Flensburger Hauptversammlung, ein Jahr¬
buch herauszugeben, wurde mit Rücksicht auf die inzwischen
erfolgte Begfründung der Bundeszeitschrift „Deutschland** ein¬
stimmig aufgehoben.
Es wurden sodann noch einige Anregungen seitens der
Herren Zoppa(Aachen) und Evers (Lübeck) gegeben, insbesondere
der Bund müsse dahin wirken, dass das Reisen in Deutschland
verbilligt werde, um die Deutschen im Inlande zu halten. Das
Reisen z. B. in Belgien sei viel billiger als in Deutschland,
weshalb die Deutschen, die nicht zu fern von den Grenzen
wohnen, vielfach das Ausland aufsuchten. Auch der Gepäck¬
tarif sei in dieser Hinsicht in Berücksichtigung zu ziehen.
Der Vorsitzende schloss die Sitzung um 8V2 Uhr mit dem
Dank an die Versammlung für das zahlreiche Erscheinen.
*
Bericht über die Sitzung des Gesamtvorstandes
am Sonntag, dem 30. April 1911, ii Uhr vormittags,
in Berlin (Ausstellungshallen).
Tagesordnung.
I. Zuwahlen zum Vorstande.
z. Hauptversammlung in Worms.
3. Bund und Verbände.
4. Anregungen aus der Mitgliederversammlung am ag. April.
5. Verschiedenes (Fremdenstatistik, Zuschuss des Bunde3
zur Hauptversammlung).
Anwesend waren die Herren; Gontard (Leipzig), Professor
Dr. Roth (Leipzig), V. H. Mueller (Leipzig), Friedrich (Leipzig),
Thelemann (Stettin), Winkler (Leipzig), Eidlitz (Berlin), Schwe-
ninger (München), Trumpier (Worms), Kretschmer (Breslau),
Proelss (Magdeburg), Rudolph (Gotha), Bigge (Coblenz), Ehlers
(Hamburg), Entress (Stuttgart), Mann (Berlin), Conström (Berlin),
Behrens (Dresden), Sattler (Braunschweig), Baumann (Eisenach),
Seelmann (Binz), Dr. Seyfert (Leipzig).
Der Vorsitzende eröffnete die Sitzung kurz nach ii Uhr
vormittags.
Bei Punkt x (Zuwahlen zum Vorstand) wurde der
Verein zur Förderung Dresdens und des Fremdenverkehrs in
Dresden, der Fremdenverkehrs-Verein Cassel und der Verein
für Fremdenverkehr Chemnitz dem Gesamtvorstand zugewählt.
Ferner wurde Herr Grebner (Berlin) dem Vorstande als persön¬
liches Mitglied zugewählti Der Vorstand erklärte sich im
Pilnjdp bereit, den in der Gründung begriffenen Thüringer
Verkehrs-Verband in den Gesamtvorstand aufzunehmen, worum
der Vertreter der Thüringer Verkehrs-Kommission, Herr Rudolph
(Gotha) bat.
Von mehreren Seiten wurde das Bedenken geäussert, dass
der Gesamtvorstand mit der Zeit ein zu grosser werden würde
und dann seine Tätigkeit wenig fruchtbar sei.
Es wurde hierauf beschlossen, neue Mitglieder in den
Gesamtvorstand nicht mehr zu wählen, bis eine, frühestens xgxa,
stattfindende Hauptversammlung eine andere Zusammensetzung
des Vorstandes regelt. Von diesem Beschlüsse sollten die
heute vorliegenden Anmeldungen zum Gesamtvorstande aus¬
genommen sein.
Zu Punkt 2 (Hauptversammlung in Worms) gab
Herr Kommerzienrat Trumpier (Worms) das Programm für
die Bundestagung in Worms bekannt. Die öffentliche Haupt¬
versammlung wird voraussichtlich im „Cornelianum** statt¬
finden. Gegen i Uhr ist ein Frühstück und für etwa 3 Uhr
das Festessen im „Festhaus** vorgesehen. Am Abend ist eine
Theatervorstellung oder ein Gartenfest mit Illumination geplant.
Die Mehrzahl der Vorstandsmitglieder erklärte, ein Gartenfest
vorzuziehen.
Am folgenden Tage findet ein Dampferausflug nach Oppen¬
heim statt. Die Rückfahrt wird ebenfalls mit Dampfer vor¬
genommen werden, wobei eine Beleuchtung der Rheinbrücke
am Abend vorgesehen ist.
Am nächsten Tage soll ein Ausflug nach Speier unter¬
nommen werden. Statt nach Speier könnte auch ein Ausflug
nach der Bergstrasse oder nach Strassburg stattfinden. Der
Referent hielt den Ausflug nach Strassburg für ungeeignet, da
hierdurch die Tagn^^iT sehr ausgedehnt würde. (Siehe auch
ausführliches Programm, Seite 104.)
Sodann regte Referent einen Zuschuss des Bundes zu den
Kosten der Drucksachen der Bundestagnug in Worms an. Der
Vorsitzende erklärte, dass der Bund gern bereit sei, einen
Zuschuss zu leisten, wenn es der Bundeskasse möglich wäre.
Herr Baumann (Eisenach) sprach gegen einen Zuschuss
aus der Bundeskasse. Es wurde hierbei festgestellt, dass der
Bund bei früheren Tagungen keinen Zuschuss gewährt hat.
Herr Proelss (Magdeburg) und Herr Conström (Berlin)
baten, am dritten Pfingstfeiertag Sitzungen nicht abzuhalten,
damit man nicht gezwungen sei, den zweiten Feiertag zur Reise
zu verwenden, und am Dienstag morgen noch Geschäfte er¬
ledigen könne.
Herr Generalmajor Bigge erklärte sich dagegen, dass die
Tagung erst am Mitttwoch abend beginne.
Es wurde nunmehr beschlossen, die Tagung am Dienstag,
dem 6. Juni, mit einem Empfangsabend, anfangend um 8 Uhr,
beginnen zu lassen. Am Dienstag soll jedoch keine Sitzung
stattfinden.
Mittwoch, den 7. Juni, vormittags, wird vor Beginn der
Öffentlichen Hauptversammlung eine kurze Vorstandssitzung
anberaumt werden, sodann wird die öffentliche Hauptversamm¬
lung folgen
Donnerstag, den 8. Juni, wird vormittags die geschlossene
Mitgliederversammlung abgehalten und am Nachmittag der
Ausflug nach Oppenheim stattfinden.
Freitag, den g. Juni, erfolgt der Ausflug nach Speier oder
der Bergstrasse, eventuell nach Straesburg.
Alle weiteren Einzelheiten wurden dem Verkehrs-Verein
Worms in Verbindung mit dem geschäftsfUhrenden Ausschuss
überlassen.
Bei Punkt 3 (Bund und Verbände) erwähnt der Vor¬
sitzende, dass man auf einer Sitzung der nordwestlichen
Verkehrs-Verbände in Bielefeld die bewährten Bestrebungen
der früheren Bundesleitung nicht genügend gewürdigt habe.
Er wies darauf hin, dass der Bund in früheren Jahren finanziell
noch schwächer gestellt gewesen sei als jetzt.
Hierauf verbreitete sich Herr Schulinspektor Sattler über
das Verhältnis des Bundes zu seinen korporativen Mitgliedern.
Er ging zunächst auf die Aufgaben des Bundes ein, aus denen
das Verhältnis zu seinen Mitgliedern hervorgeht.
Wenn auch der folgerichtige Weg der sei, dass der Bund
nur mit den Verbänden verhandele, diese mit den einzelnen
Verkehrs-Vereinen, so sei innerhalb längerer Zeit jedoch dieser
Weg infolge der bisherigen Entwicklung des Bundes nicht
gangbar. Es sei auch die persönliche Fühlung der Vereine,
mit der Bundesleitung sehr wünschenswert.
Der Referent trat dafür ein, dass die Vereine sowohl
Beiträge an die Verbände, wie auch an die Bundeskasse zu
zahlen hätten. Die Verbände verfolgten die Interessen eines
bestimmten Gebietes, die zum grossen Teil andere seien, als
die Bestrebungen, die der Bund verfolge. Infolgedessen sei der
betreffende Verband, dem ein Verein angehöre, und der Bund
finanziell besonders zu unterstützen.
104 l lKiQQQ0QQQQ(MQQ0Cl0000QQQ0QQQ <l DEUTSCHLAND liB CCeeOfit«frrraywf¥y v¥)nf)t)^ ^ Nr. 2
Vereine und Verbände sollen in den Bundesversammlungen
gleich stimmberechtigt sein.
Unter den gegebenen schwachen finanziellen Verhältnissen
habe die Bundesleitung auch früher eine überaus wirksame
Tätigkeit entfaltet.
Herr Gontard dankte dem Referenten für seine Ausführungen.
Man schloss sich einstimmig denselben an und war der Ansicht,
dass bei Beratungen innerhalb mehrerer Verbände, die den
Bund betreffen, ein Vertreter des Bundes zugezogen werde.
Herr Oberst a. D. Schweninger (München) hielt die Zeit
noch lange nicbt für gekommen, wo der Bund nur aus Ver¬
bänden bestehen könne, da noch zuviel Unterströmungen be¬
ständen, die dahin gingen, dem Bunde direkt angehören zu wollen.
Herr Kretschmer (Breslau) bat, die interessanten Aus¬
führungen des Herrn Sattler in der Zeitschrift „D eutsch 1 and“
zu veröffentlichen. Dies wurde beschlossen.
Herr Rudolph (Gotha) Vertreter der Thüringer Verkehrs-
Kommission, gab von dem geplanten Thüringer Verkehrs-
Verband Kenntnis und stellte mehrere Anfragen, um deren
schriftliche Beantwortung er bat. Ferner bat er um Zustellung
der Protokolle der Berliner Tagung. Diesen Wünschen soll
entsprochen werden.
Unter Punkt 5 berichtete Herr Professor Dr. Friedrich
(Leipzig) über die weiteren Schritte der Bundesleitung in bezug
auf Erreichung einer einheitlichen deutschen Fremden-Ver-
kehrsstatistik. Die Eingabe an den Deutschen Städtetag
betreffend Empfehlung des von uns vorgeschlagenen Formulars
bei den Stadtverwaltungen wurde abgelehnt. Auf eine Anfrage
beim Internationalen Hotelbesitzerverein erklärte dieser, gegen
die Einführung unseres Formulars und den Abmeldezwang
keine Bedenken zu haben. Es seien nun weitere Schritte zu
beraten.
Herr Oberst a. D. Schweninger (München) gab in
eingehender Weise die Bemühungen des Vereins zur Förderung
des Fremdenverkehrs in München und im bayerischen Hoch»«
lande in dieser Hinsicht bekannt. Der Münchener Verein hat
erreicht, dass das bayerische Statistische Landesamt einen
Fragebogen über Verkehrsstatistik ausgearbeitet hat. Er hält
aber einen solchen Fragebogen nur dann für wertvoll, wenn
er genügend ausgefüllt würde. Man müsse zunächst das
Interesse für die Fremden-Verkehrsstatistik bei den in Frage
kommenden Bevölkerungskreisen erwecken.
Herr Entress (Stuttgart) bat, die Ausführungen des Herrn
Oberst a. D. Schweninger ebenfalls zu veröffentlichen. Der
geschäftsführende Ausschuss wird sich deshalb mit dem
Referenten in Verbindung setzen.
Zum Schlüsse berichtete Dr. Seyfert über die Anbahnung
eines Gegenseitigkeits-Abkommens mit der englischen North
Eastern Railway. Es soll hiernach die englische Eisen¬
bahn-Gesellschaft bei ihren sieben Auskunftstellen, die sich in
London und in Nordost-England befinden, Auskunftstellen des
Bundes übernehmen. Der Bund und seine Mitglieder dagegen
sollen das Drucksachenmaterial der North Eastern Railway zur
Verteilung in ihren Auskunftstellen bringen und bei Nach¬
fragen auf die Verbindung Rotterdam-Hull und die North
Eastern Gesellschaft hinweisen.
Herr Direktor Eidlitz sprach sich gegen eine Festlegung
auf eine bestimmte Eisenbahn - Gesellschaft aus. Er schlug
vor, lieber mit Cook und den grossen Schiffahrts-Gesellschaften
wegen Verteilung unseres Drucksachenmaterials in Verbindung
zu treten. Der Vorsitzende wies darauf hin, dass die Bundes¬
leitung leider bisher vergeblich mit Cook und den Schiffahrts-
Gesellschaften hierüber verhandelt habe, und dass man daher
auf das Abkommen mit der North Eastern Gesellschaft ein-
gehen solle.
Herr Direktor Eidlitz (Berlin) erklärte sich bereit, nochmals
mit Cook und den grossen deutschen Schiffahrts-Gesellschaften
wegen Gratis-Verteilung unseres Propagandamaterials in Ver¬
handlungen zu treten.
Nachdem noch Herr Oberst a. D. Seelmann (Binz) warm
für das Abkommen mit der North Eastern Gesellschaft ein¬
trat, wurde der geschäftsführende Ausschuss ermächtigt, mit der
North Eastern Gesellschaft ein Abkommen zu treffen, jedoch
ohne sich ausschliesslich auf diese Gesellschaft festzulegen.
Schluss der Sitzung gegen 1V2 Uhr.
Eine Anzahl Bundesmitglieder folgten der freundlichen
Einladung des Verkehrs - Vereins Potsdam und fuhren am
Sonntag vormittag nach Potsdam. Die Mitglieder des Gesamt¬
vorstandes nahmen nach Beendigung der Sitzung am Sonntag
zunächst gemeinsam das Mittagessen im „Rheingold“ ein und
fuhren nachmittags, kurz nach 3 Uhr, nach Potsdam, wo man
im „Mühlenkaffee“ mit den am Vormittag nach Potsdam ab¬
gereisten Mitgliedern zusammentraf.
Unter der liebenswürdigen Führung des Potsdamer Vereins
wurden die prächtigen Anlagen von „Sanssouci“ besichtigt.
Bundestagung in Worms.
Wir geben den verehrlichen Bundesmitgliedem hiermit das
Programm der Bundestagung in Worms.
vom 6. bis 9. Juni 1911
bekannt, und bitten um recht rege Beteiligung an der Tagung.
Hochachtungsvoll
Bund D e utscher Verkehr s-Vereine.
Der geschäftsführende Ausschuss:
Friedr. Gontard, Dr. Seyfert,
Vorsitzender. Geschäftsführer.
Dienstag, den 6. Juni, abends 8 Uhr: Empfangs¬
abend, gegeben vom Verkehrs-Verein Worms.
Mittwoch, den 7. Juni, morgens 9 Uhr: Kurze
Sitzung des Gesamtvorstandes.
Tagesordnung:
1. Jahresbericht, Kassenbericht, Haushaltsplan.
2. Vorbesprechung der Hauptversammlung.
3. Verschiedenes.
Morgens loUhr: Oeffentliche Hauptversammlung (Damen
ist der Zutritt gern gestattet).
Tagesordnung:
1. Begrüssung.
2. Jahresbericht.
3. Vortrag: Die Schnakenplage.
4. Feriensonderzüge (Referent: Herr Dr. Kuckuck, Dortmund).
5. Vortrag des Herrn Dr. Löwe (Berlin) über: Propaganda¬
mittel für die Zwecke der Vorkehrs-Vereine mit besonderer
Rücksicht auf die Berliner Reise-Ausstellung.
GegeniUhr ist ein Frühstück vorgesehen, das die Stadt
Worms gibt. Nachmittags 5 Uhr: Festessen. Abends
8 Uhr: Gartenfest.
Donnerstag, den 8. Juni, morgens 9 Uhr; Ge¬
schlossene Mitgliederversammlung.
Tagesordnung:
1. Aussprache über den Jahresbericht.
2. Rechnungsbericht und Bericht der Rechnungsprüfer 1910/11.
3. Haushaltsplan und Wahl der Rechnungsprüfer 190/12.
4. Propaganda im Auslande.
5. Die Bedeutung der Regelung der Sommerferien für den
Fremdenverkehr (Referent: Herr Professor Dr. Roth,
Leipzig).
6. Führerautomaten, Sammelannoncen und Sammeleingaben
betreffend Fahrplanwünsche.
7. Verschiedenes.
MittagsiUhr3oMin.: Ausflug per Dampfer nach Oppen¬
heim (Mittagessen auf dem Dampfer). Abends 7 Uhr: Rück¬
fahrt per Dampfer nach Worms und Festbeleuchtung der Rhein¬
brücke. Gemütliches Beisammensein am Rhein.
Es wird dafür Sorge getragen, dass während der geschäft¬
lichen Verhandlungen am 7. und 8. Juni die Damen die Stadt,
ihre Sehenswürdigkeiten und ihre Umgebung unter sachkundiger
Führung besichtigen können.
Freitag, den 9. Juni, und eventuell auch Sonnabend,
den 10. Juni, sind Ausflüge in Aussicht genommen. Näheres
wird noch bekannt gegeben.
Aus den Bundes - Vereinen.
Der Fremdenverkehrs-Verein Cassel
hielt seine Hauptversammlung am 3. März ab. Herr Kommissions¬
rat Schlemming gab den Jahresbericht über die Tätigkeit
des Fremden Verkehrs-Vereins bekannt; er gedachte des Wechsels
in der Geschäftsführung der Auskunftstelle des Vereins, die in
das alte Steuerhäuschen am Bahnhofplatz verlegt werden soll, da
die jetzige Auskunfthalle billigen Anforderungen des grösseren
Verkehrs nicht mehr genügen könne. An den Intendanten der
Kgl. Schauspiele, Herrn Grafen Bylandt-Rheydt, hatte sich der
Verein mit der Bitte gewandt, in Cassel während der Anwesen¬
heit des Kaisers nach Muster von Wiesbaden Festspiele zu
veranstalten; diese Festspiele würden eine ganz ungeheuer
grosse Anziehungskraft auf die Fremden ausüben und Cassel
mehr in den Mittelpunkt vornehmer Sommeraufenthaltsorte
stellen. Leider habe Herr Graf Bylandt-Rheydt mitteilen müssen,
dass sich vorderhand diese Festspiele in Cassel nicht ein¬
richten lassen; es sind mit Genehmigung des Kaisers einige
besondere Vorstellungen als Thöätre parö während seiner
Anwesenheit bestimmt worden. Dann wurde von Herrn
Nr. 2 DEUTSCHLAND 105
Schlemming bekannt gegeben, in welcher umfassenden und ge¬
wissenhaften Weise sich der Vorstand des Fremdenverkehrs-
Vereins mit der Frage der Errichtung einer Stadthalle in
verschiedenen Sitzungen beschäftigt habe; die Ansicht des
Vorstandes geht dahin, dass die Stadt diese Halle bauen und
auch ihren Betrieb überwachen müsse. Der Vorstand habe
seine Arbeiten damit beschlossen, dass er mit einer Eingabe an
die Stadtverordnetenversammlung herangetreten sei, die denn
auch Anlass gewesen sei, dass die wichtige Stadthallenfrage
wieder von neuem aufgerollt worden ist. Grossen Beifall haben
die Promenadenkonzerte auf dem Kaiserplatze gefunden, und
dankbar erkannte Redner die reichen Unterstützungen des
Vereins durch Herrn Geheimrat Aschrott an, dessen Zu¬
wendungen es überhaupt möglich gemacht haben, dass Prome¬
nadenkonzerte im Westviertel der Stadt veranstaltet werden
können, und zwar wöchentlich einmal. Dann lenkte Redner
das Augenmerk auf die 25. (Jubiläums-) Wander-Ausstellung
der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft, die in den Tagen
vom 22. bis 27. Juni in Cassel auf dem Forst abgehalten werden
soll. Herr Kaufmann Pech mann erstattete den Kassenbericht,
der 8820.78 Mk. Einnahmen und 5897.76 Mk. Ausgaben ver¬
zeichnet Bedauerlicherweise gehörten noch längst nicht alle
Restaurateure und Gastwirte dem Verein an, obwohl nicht be¬
stritten werden könnte, dass die Vorteile für diese Kreise nicht
unerhebliche seien. Dem Kassierer wurde Entlastung aus¬
gesprochen. Schliesslich erstattete Herr Verkehrsinspektor
Weber einen Bericht über den Wohnungsnachweis für die
Landwirtschaftliche Ausstellung, der bereits jetzt gut organisiert sei.
Man rechne auf etwa 4000 Betten, die auch bereits in den Tagen
des Sängerwettstreites zur Verfügung standen, so dass man
wohl kaum irgendwie wegen der Aufnahme der Fremden in
Schwierigkeiten kommen würde.
Verein zur Hebung des Fremdenverkehrs in Breslau.
In einer kürzlich stattgefundenen Vorstandssitzung des
Vereins zur Hebung des Fremdenverkehrs in Breslau (E. V.),
wurde der engere Vorstand neugewählt, und zwar zum Vor¬
sitzenden Kunsthändler Artur Lichtenberg, stellvertretender
Vorsitzender Rechtsanwalt Dr. Artur Flatau, Schriftführer Rechts¬
anwalt Dr. Ernst Decke, stellvertretender Schriftführer Stadt¬
verordneter K. W. Wolf, Schatzmeister Konsul Dr. Eduard von
Eichborn.
Württ.-Hohenz. Vereinigung für Fremdenverkehr.
In der Sitzung des Landesausschusses der Württ.-Hohenz.
Vereinigung für Fremdenverkehr am 6. April berichtete der
Vorsitzende, Gemeinderat Adolf Stübler (Stuttgart), eingehend über
seine Teilnahme an der Eröffnung der „Internationalen Aus¬
stellung für Reise- und Fremdenverkehr Berlin i. April bis
20, Juni 1911“ und Uber die Ausstellung selbst. Er habe von
der Veranstaltung einen vorzüglichen Eindruck bekommen.
Die Schwäbische Landesausstellung habe einen sehr guten Platz
und sei geeignet, die Aufmerksamkeit der Ausstellungsbesucher
in besonderem Masse auf sich zu lenken, insbesondere durch
die beiden prächtigen Dioramen „Blick auf Stuttgart“ und
„Blick auf die Alb“ (mit dem Lichtenstein im Mittelpunkt), die
die Beschauer besonders entzücken, und die Schwäbische Wein¬
stube und die Schwarzwälder Kaffeestube, in denen die Aus¬
stellungsbesucher um so lieber Einkehr halten, als dieselben
sehr originell ausgestattet seien und die einzige Veranstaltung
dieser Art in der Ausstellung bilden. Die Ausstellung finde
offenbar allgemein grossen Anklang, was insbesondere aus den
Berichten der Presse und unter anderem auch daraus hervor¬
gehe, dass bereits der Wunsch geäussert worden sei, die
Gesamtausstellung in einer süddeutschen Gressstadt, ja sogar
auch in Amerika zu wiederholen. Die Ausstellung werde
zweifellos einen grossen Erfolg haben und auch dem Schwaben¬
lande viel Nutzen bringen. Der Bericht wurde mit lebhaftem
Interesse entgegengenommen. Hierauf kam die Ausstattung der
Eisenbahnwagen i., 2. und 3. Klasse mit farbenphotographischen
Bildern zu Reklamezwecken zur Beratung. Die Kgl. General¬
direktion der Staatseisenbahnen, die diesen Plan schon länger
ins Auge gefasst hat, hat sich wegen Beschaffung der Bilder,
die sie auf ihre Kosten unter Glas und Rahmen anbringen
würde, an die Vereinigung gewandt. Diese wird nun demnächst
ein Rundschreiben an die in Betracht kommenden Gemeinden
und Verkehrs-Vereine richten, in dem dieselben zur Beteiligung,
d. h. zur Anschaffung der Bilder aufgefordert werden. Eine
solche Einrichtung besteht bereits in England und in der
Schweiz und ist zweifellos eine Reklame allerersten Ranges.
Von den zum Aushang kommenden Bildern sollen ausserdem
Albume hergestellt werden, die ebenfalls zu Reklamezwecken
verwendet werden sollen. Wie im vorigen Jahre wurde auch
für die kommende Reisesaison eine ausgedehnte Zeitungsreklame
beschlossen. Bezüglich des für Anfang Mai d. Js. in Aussicht
genommenen Sonderzugs zum Besuch der Internationalen Aus¬
stellung für Reise- und Fremdenverkehr in Berlin konnte die
Mitteilung gemacht werden, dass die Kgl. Generaldirektion der
Staatseisenbahnen bereits mit den beteiligten Eisenbahnver¬
waltungen in Verbindung getreten sei, so dass die öffentliche
Einladung zur Beteiligung bald erfolgen wird.
Der Pfälzische Verkehrs-Verband
hielt am 9. April eine Ausschusssitzung ab, die sich in
der Hauptsache mit dem geplanten Schaufliegen in Hass¬
loch beschäftigte. Es wurde eine Kommission eingesetzt, die
die in Betracht kommenden Fragen noch eingehend zu prüfen
hat. Erfreulicherweise hat sich ein Fachmann auf dem
Gebiete, Herr Hauptmann Köhler (Speier) dem Verbände mit
seinem bewährten Rate zur Verfügung gestellt. (Die Schwierig¬
keiten der Durchführung einer solchen Veranstaltung, sowohl
auf technischem wie finanziellem Gebiete, sind jedoch grösser,
als man anzunehmen pflegte [Absperrung, Beschaffung von
Hallen für die Flugzeuge, Honorare, Reklamen usw.], so dass
es bereits jetzt schon fraglich erscheint, ob das geplante Schau¬
fliegen in diesem Jahre zustande kommt.) Für die Zeitschrift
„Deutschland“, Organ des Bundes Deutscher Verkehrs-Vereine,
wurde eine grössere Reklame für die Pfalz aufgegeben. Es
folgte dann ein Bericht über die Internationale Ausstellung für
Reise- und Fremdenverkehr in Berlin, in der auch der Verkehrs¬
verband ausstellte. Weitere Gegenstände der Tagesordnung
waren Reliefkarte für die Pfalz, Photographischer Wettbewerb,
sowie Bilder von der Pfalz in Eisenbahnwagen.
Bericht der städt. Kurverwaltung und des Kur- und
Verkehrs-Vereins Triberg über die Jahre 1908/1909.
Tätigkeit: Kurmusik. Der provisorische Dirigent
wurde mit Wirkung vom i. Januar 1909 als Stadtkapellmeister
angestellt. In beiden Jahren fanden vom 15. Mai bis 15. Sep¬
tember je 100 Kurkonzerte statt. — Sonstige Veranstal¬
tungen. Während der genannten Sommersaison ist der
Wasserfall allabendlich elektrisch, an Sonn- und Feiertagen
zudem bengalisch beleuchtet worden. An sonstigen Unter¬
haltungen wurden geboten: 1908: Italienische Nächte mit Feuer¬
werk an den Wasserfällen am 25. Juli, 8. und 22. August;
Volkstrachtenfest 26. Juli; Extra - Konzert am Bergsee am
15. August. 1909: Italienische Nächte mit Feuerwerk an den
Wasserfällen am 4. Juli, i. und 22 August; Wohltätigkeitsfest
im Kurpark unter Mitwirkung des Gesangvereins Triberg, in
Verbindung mit einem Konzert einer Gramophon-Starkton¬
maschine, am 14. August, dessen Re-nertrag in Höhe von 211 Mk.
83 Pfg. in den Kindersolbadfonds floss; Tanz-R6unions auf dem
neuangelegten Tanzplatz im Kurpark ab 28. Juli jeden Mitt%voch
Abend 9 Uhr nach dem Kurkonzert; gemeinsame Fusstouren
in die Umgebung von Triberg, wöchentlich einmal. — Unter¬
haltung der Spazierwege, Anlagen, Pavillons etc.
Mit einem Aufwand von über 3000 Mk. wurde im Kurpark ein
neuer sportgerechter Tennisplatz errichtet, der von Ende August
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xgoS ab in Benutzung genommen worden ist. In unmittelbarer
Nähe desselben konnte ein grösserer ebener Platz angelegt
werden, der mit Bänken versehen und mit elektrischer Beleuch¬
tungsvorrichtung ausgestattet ist. Auf diesem, herrlich am Fusse
des Wasserfalls gelegenen „Tanzplatz** Anden an schönen
Sommerabenden die Tanz-Röunions statt. — Wegemarkierung:
Die vorhandenen farbigen Markierungszeichen wurden, soweit
erforderlich, erneuert. Verschiedene Wege erhielten neue Weg¬
weiser. — Fenster- und Balkonschmuck. Die lobens¬
werte Sitte, die Hausfassaden durch hübsche Blumen zu ver¬
schönern, fand eine immer grössere Verbreitung. Das Preis¬
gericht konnte zuerkennen 1908: 8 erste, lo zweite und 16 dritte
Preise, ferner 85 öffentliche Anerkennungen; 1909: 10 erste, 45
zweite Preise und 70 Anerkennungen. Als Preise gelangten
aller Art Zimmerpflanzen zur Verteilung. — ReklamerSommer-
reklame. Der Verkehrs-Verein beteiligte sich im Jahre 1909 an
der erstmals vom Badischen Landesverband zur Hebung des
Fremdenverkehrs eingerichteten Sammelanzeige, die einen
guten Erfolg gezeitigt hat. Daneben wurden noch in einer
grossen Reihe geeignet erscheinender Zeitungen und Blätter
Inserate erlassen, darunter auch in der Zeitschrift „Deutsch-
land**, die auch einen illustrierten Aufsatz Uber Triberg ver¬
öffentlicht hat. Ein reich illustrierter, 8x Seiten Oktav grosser
Führer in reizendem farbigem Umschlag nach einem Entwurf
des Kunstmalers C. Liebich-Gutach, mit zwei Kartenbeilagen,
kam auf Kosten der Kurverwaltung in einer Auflage von 3000
Exemplaren heraus. Winterreklame. Mit einem Aufwand
von 655 Mk., zu dem einzelne Hoteliers 543 Mk. Beiträge leisteten,
wurde 1908/09 in einer grösseren Anzahl von Zeitungen Und
Zeitschriften Triberg als Winterkurort empfohlen. Frequenz.
Die Zahl der übernachtenden Fremden betrug 1906: 11063, 1907:
11449, 1908: 12358, 1909: 12915. Der Staatsangehörigkeit
nach waren Kurgäste zu beherbergen:
Staatsangehörigkeit
1907
0 /
lo
1908
/o
1909
/o
Deutschland.
68,6
72,8
74,8
Frankreich.
G,5
5,8
5,5
England.
6.4
4,8
8,6
Amerika.
6,4
4,0
4.9
Holland.
4.8
5,0
4,6
Belgien.
2,6
2,6
2.0
Schweiz.
1,5
1,9
1,6
Russland.
1,6
1,4
Oesterreich.
0,9
0,7
0,6
Sonstiges Europa . .
1,3
0,9
0,7
Asien, Afrika, Australien
0,7
0,4
0,8
Sa.
100,0
100,0
100,0
Die Prozentzahlenverschiebung beruht in erster Reihe darauf,
dass seit 1908 Ganzjahreszählungen stattflnden. Darin mag sicher¬
lich die auffallende Zunahme der Deutschen ihren Grund haben.
1
Der Verkehrs-Verein für Colmar
und die Hochvogesen
hielt seine Jahresversammlung ab. Aus dem Bericht des
Schriftführers Hammerstein g^ing hervor, dass der Verein in
mancher Hinsicht mit grossen Schwierigkeiten zu kämpfen hatte.
Bemängelt wurde auch, dass der Verein keine staatliche Sub¬
vention erhalten habe, während der Strassburger Verkehrs-
Verein 3000 Mk. erhielt. Der Colmarer Verkehrs-Verein halte
sich vom Verband der Verkehrs-Vereine aus zwingenden Gründen
fern und müsse dies so lange weiter tun, als er nicht in gleichem
Masse berücksichtigt werde. Wie sehr die Tätigkeit des
Vereins gestiegen ist, ergibt sich daraus, dass 19x0 allein 850
schriftliche Auskünfte erteilt wurden. Von hier aus sei auch
die Initiative zur Beteiligung an der Internationalen Reise- und
Verkehrsausstellung in Berlin ausgegangen, dabei habe man
Colmar nur nach erheblichen Anstrengungen zur Geltung kommen
lassen. Der Verein hat seine Prospekte über die Hochvogesen
an die Teilnehmer der Prinz-Heinrich-Fahrt, der Deutschen
Lehrerversammlung und des Weinbaukongresses verteilt. Mit
der Hotelier-Vereinigung wurde ein Abkommen auf gegenseitige
Unterstützung getroffen. Der Kassenbericht des Vereins ist
günstig. Herr Adrian Mayer (Strassburg) hielt dann einen Licht¬
bildervortrag über die Vogesen und zeigte, wie notwendig es
sei, in den Vogesen mehr für Unterkunftsgelegenheit zu sorgen.
Zum Schlüsse wurde eine Resolution angenommen, in der die
Regierung gebeten wird, diesem Uebelstande ihr Augenmerk zu
widmen und ihm abzuhelfen.
Rheinischer Verkehrs-Verein.
Sitzung des Vorstandes in Coblenz.
Am 5. Mai fand in Coblenz eine Sitzung des engeren
V orstandes des Rheinischen Verkehrs-Vereins statt. Aus dem
im Entwurf vorgelegten Rechenschaftsbericht für 1910 ergab sich,
dass ausser drei kleineren Gemeinden bedauerlicherweise auch
die Stadtverwaltungen von Elberfeld und Barmen ihre Mitglied¬
schaft aufgegeben haben. Die Zahl der angeschlossenen Vereine
ist dagegen um 15, die Zahl der Einzelmitglieder um 16 ge¬
stiegen. Erwähnenswert ist der Beitritt des Pfälzischen Verkehrs-
Verbandes mit dem Sitz in Ludwigshafen. — Vom Rheinführer
sind 1910 15000 Stück in deutscher, 5000 in englischer und jo
3000 in französischer und holländischer Sprache neu gedruckt
worden. Für das Jahr 1911 war eine gänzliche Umgestaltung des
Rheinführers beschlossen worden, und zwar sollten zum Schmuck
Reproduktionen von farbigen Lichtbildern gewählt werden. Die
Absicht hat sich leider noch nicht ausführen lassen, da das
Wetter im vergangenen Sommer für die farbigen Aufnahmen,
die eine besonders starke Belichtung verlangen, nicht immer
günstig genug war. Infolgedessen müssen noch vom alten Führer
eine grössere Zahl in deutscher und in englischer Sprache ge¬
druckt werden. Der in Aussicht genommene in Farbendruck
gehaltene Propaganda-Prospekt, der nur mit einer Auswahl von
Bildern und kurzem, allgemeinem Text ausgestattet sein wird,
konnte dagegen inzwischen schon herausgegeben werden, und
zwar in einer Auflage von zunächst 25000 Stück. — Die
publizistische Tätigkeit, die auf Veranlassung des Vereins ent¬
faltet wurde, hat im abgelaufenen Jahre einen besonders grossen
Umfang erreicht. In ausführlicherer Weise gedenkt der Rechen¬
schaftsbericht der Bedeutung, die die Zeitschrift „Deutschland**
für die Zwecke des Vereins gehabt hat. -- Die Benutzung der
Schülerherbergen hat allmählich dermassen zugenommen, dass
die Mittel knapp zu werden beginnen. Die Zahl der Besucher
hat 1910 6500 betragen, das ist gegen 1909 etwa das Doppelte
und gegen 1908 ungefähr das Dreifache. — Der dem Vorstande
vorgelegte Arbeitsplan weist gegen sonst Besonderheiten nicht
auf. — Der Voranschlag beziffert die Einnahmen auf rund
24000 Mk. und dementsprechend die Ausgaben. — In betreff der
teilweise abfälligen Urteile, die in einzelnen Blättern über die
Veranstaltung des Rheinischen Verkehrs-Vereins in der Berliner
Fremdenverkehrs-Ausstellung gefällt worden sind, bemerkte der
Vorsitzende, dass die Kritiken Übertrieben seien und auch von
irrigen Voraussetzungen ausgingen. Die rheinische Abteilung
mit mancher anderen zu vergleichen, ginge nicht an, da der
Rhein nur über beschränkte Mittel verfügt habe. Diese hätten
durch Sammlungen aufgebracht werden müssen, während andere
Aussteller, namentlich soweit es öffentlich-rechtliche Verbände
gewesen seien, teUweise mit dem Fünffachen und mehr rechnen
konnten. — Die diesjährige Hauptversammlung flndet in Mains
am 9. und xo. Juli statt.
Verkehrs-Verein Mülheim (Ruhr).
Unter dem Vorsitze des Herrn Handelskammersyndikus
Dr. Kleibel fand die Jahres-Generalversammlung des Mülheimer
Verkehrs-Vereins statt. Der Vorsitzende erstattete den Jahres¬
bericht, dem folgendes entnommen sei; Der Verein hat sich in
: 2 ' ■B 8Qa0G9Q9Q00Q0Q000Q93QQQQ ( B DEUTSCHLAND mcceo6eeeeeee6g)oeeeeeeeeoooci i io7
5C-*
*5 - -
tiSiV
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44
Bdnem zweiten Geschäftsjahre günstig entwickelt. An Mitgliedern
hal er im Berichtsjahre durch Tod, Wegzug und Austritt sieben
verloreni dafür traten xg neue Mitglieder ein, so dass Ende igio
ao4 hfitglieder mit einem Gesamt-Jahresbeitrag von rund 5200 Mk.
SU verzeichnen waren. Zu den Mitgliedern gehört die Stadt¬
verwaltung mit einem Jahresbeitrag von 2000 Mk. Das mit der
Geschäftsstelle Mülheim (Ruhr), Friedrichstrasse Nr. i, verbundene
Verkehrabureau ist weiter ausgebaut und auch rege besucht
worden. Die Zahl der dort ausliegenden Adressbücher ist ver¬
mehrt worden. Das Bureau vermittelt, wie bisher, ausführliche
Prospekte imd Führer des Solbades Raffelberg in M^heim(Ruhr)-
Speldorf, ferner Anmeldungen zu Gesellschaftsreisen nach Berlin,
Paris, London, Oesterreich - Ungarn, zu fertigen Badereisen an
'die Nordsee usw. Im vergangenen Jahre hat es in Gemeinschaft
mit dem Verkehrs-Verein Essen auch den Besuch der Welt¬
ausstellung in Brüssel erleichtert. Es besorg^ den Vorverkauf
und die telephonische Vorbestellung von Eintrittskarten zum
Stadttheater in Essen und hat sich neuerdings auch in den Dienst
der Veranstaltung von Opemaufführungen in Mülheim (Ruhr)
gestellt. Das Verkehrsbureau wurde im Januar igio monatlich
von rund 100 Personen besucht. Zum i. April igio wurde eine
Zweigauskunftstelle am neuen Bahnhof Mülheim(Ruhr)-Epping-
hofen in der Zigarrenhandlung von Joseph Koch errichtet. Der
von der Firma Max Straesser, Mülheim (Ruhr), im Vorjahre •
herausgegebene Stadtplan von Mülheim (Ruhr), für den der
Verein einen kleinen Führer durch Mülheim (Ruhr) herstellte,
hat sich gut eingeführt. Die Zahl der Wegweiser im gesamten
Stadtgebiet ist im vergangenen Jahre bedeutend vermehrt worden.
Die Reklameanzeige über Mülheim in auswärtigen Zeitungen,
vor allem innerhalb des Industriebezirkes, ist auch im ver¬
gangenen Jahre wieder in ausgedehntem Masse erschienen. Sie
hat, wie vielfache Anfragen von auswärts beweisen, ihren Zweck
nicht verfehlt, ln Kürze wird ein aus dem im Vorjahre unter den
deutschen Künstlern Rheinlands und Westfalens ausgeschriebenen
Wettbewerbe für ein Plakat von Mülheim (Ruhr) hervorgegangenes
preisgekröntes Reklamebild von Mülheim (Ruhr) in zahlreichen
Vervielfältigungen hergestellt sein und in ganz Deutschland ver¬
breitet werden. Die Ausführung ist der Firma Julius Bagel
übertragen worden. „Es ist zu hoffen“, so heisst es in dem
Bericht, „dass das neue Reklamebild von Mülheim (Ruhr), das
den vom Bismarckturm gekrönten Kahlenberg, vom Saarner
Ufer der bootbelebten Ruhr aus gesehen, wiederg^bt, in diesem
Sommer schon nicht nur in unserem engeren Industriebezirk,
sondern in ganz Deutschland in anziehender Weise auf unsere,
gerade auch landschaftlich in vielfach ungeahntem Masse bevor¬
zugte Heimatstadt hinweisen wird.“
Verkehrs-Verein Dortmund.
Dem Vorstand lag zunächst die Wahl eines Vorsitzenden
ob, da Herr Geheimrat Zix aus Gesundheitsrücksichten gezwungen
war, den Vorsitz niederzulegen. Einstimmig wurde der zweite
Vorsitzende, Herr Fabrikant W. Suhrmann, gewählt. Das neue
Verkehrsbureau am Hauptbahnhof ist bis auf die Aufsetzung
des Daches fertig. Es entstand somit die Frage, welche Mittel
zur Einrichtung des neuen Bureaus vorhanden sind, zumal das
bisherige Bureau am Markt 2 a vorläufig noch beibehalten
werden soll. Die Geschäftsführerstelle soll ausgeschrieben
werden, die Anschaffung der Einrichtung wird dem geschäfts-
fOhrenden Vorstand überlassen. Nach dem neuen Sommer-
fahrplan wird der früher 7.45 Uhr vormittags ab Essen
rechtsrheinisch nach Frankfurt am Main fahrende D-Zug 170
von Duisburg nicht mehr bergisch - märkisch nach Essen,
■ondem über die Köln — Mindener Linie nach Dortmund
geleitet. Ferner sind die D-Züge 13 und 14 (Hannover ab 6.48
abends und Berlin ab 1.14 nachm.) antragsgemäss zwischen
Berlin und Hannover um ig bezw. 11 Minuten beschleunigt.
Der Antrag der Gemeindevorsteher von Bodelschwingh und
■Westerfilde, sowie des Vorstandes der Gelsenkirchener Bergwerks-
Aktiengesellschaft, die alte westfälische Eisenbahn Mengede-
Bodelschwingh-Doitmund wiederum für den Personenverkehr
'einzurichten, soll nunmehr, nachdem die Unterlagen gesammelt
■ind, der Kgl. Eisenbahndirektion mündlich vorgetragen werden.
Schliesslich war von Interessenten noch angeregt, dahin zu
wirken, dass am Karfreitag Sonntagsfahrkarten zur
Ausgabe gelangen, wie es bereits am Fronleichnamstage der
FkU ist. Da dieser Antrag von prinzipieller Bedeutung ist,
wird er zunächst an den Verband der Verkehrs-Vereine West-
lUens zur weiteren Verfolgung abgegeben.
Der Verkehrs-Verein Magdeburg
_ hlult seine diesjährige Generalversammlung ab, die vom Stadtv.
Heimster gleitet wurde. Zunächst brachte der Versammlungs-
J Erläuterungen zu dem gedruckt vorliegenden Jahresbericht.
snsgedehnte Besprechung knüpfte sich an den Bericht.
Von allen Seiten wurde eine Verbesserung der elektrischen
Strassenbahn-Verbindungen für notwendig erachtet. Herr Beyer¬
lein erstattete den finanziellen Bericht. In den fünf Jahren des
Bestehens des Vereins sind nooo Mark für Propagandazwecke
ausgegeben worden. Der Kassenführung wurde Entlastung erteilt.
Nach Aufstellung des neuen Voranschlages wurde von den
Herren Beyerlein und Stadtv. Streitlein über die noch bis
15. Juli in der Halle des Berliner Zoologischen Gartens statt¬
findende internationale Ausstellung für Reise- und Fremden¬
verkehr gesprochen.
Fremden-Verkehrsverein Bremen.
Am 15. April fand im Museum unter dem Vorsitz von
Direktor Heineken die ordentliche Sitzung statt. Aus dem
Tätigkeitsbericht für das Jahr igio ist zu erwähnen, dass der
Fremdenverkehr erfreulicherweise in stetem Wachsen begriffen
ist; im verflossenen Jahre haben beinahe 148000 Fremde in
Bremen übernachtet. Die Nachfrage nach dem Führer, Material
und Stadtplänen war grösser als zuvor, es musste, um der
Nachfrage gerecht zu werden, eine neue Auflage von 40000
Handweisern über Bremen und 4000 grossen illustrierten
Führern in deutscher Sprache beordert werden. Zugunsten
des Vereins wurde von einem hiesigen Wirteverband wiederum
ein wohlgelungenes Sommerfest im Garten, Theater und den
Sälen des Tivoli veranstaltet, das einen Ueberschuss von beinahe
1500 Mk. ergab, welcher Betrag dem Verein zur Verfügung ge¬
stellt wurde. — In der sich anschliessenden Vorstandssitzung
wurde Direktor Heineken zum ersten Vorsitzenden, Bankdirektor
Janssen zum zweiten Vorsitzenden und Richard Löwe zum
Rechnungsführer gewählt.
Der Fremden-Verkehrsverein für die
Unterweserstädte
hielt unter dem Vorsitze des Herrn Branddirektor a. D. Frei-
täger in Beermanns Hotel zu Bremerhaven seine Hauptver¬
sammlung ab, in der zunächst der Jahresbericht bekanntgegeben
wurde. Die Statuten gemäss ausscheidenden Bremerhavener
Vorstandsmitglieder, und zwar die Herren Freitäger, v. Vangerow,
Stier, Meiners und Ludolph wurden wiedergewählt. Für den
von hier verzogenen Herrn Funck wurde Herr P. Blumberger
neugewählt. Ebenfalls tritt Herr Lehrke (Geestemünde) neu in
den Vorstand ein. — Auf Vorschlag eines Vorstandsmitgliedes
wurde beschlossen, dass in Zukunft sämtliche Eingaben des
Vereins an Behörden usw. der Unterschrift der Vorsitzenden
des Bremerhavener, Geestemünder und Leher Vereins tragen
sollen. Hierdurch wird wieder aufs neue die Gewähr geboten,
dass der Fremden-Verkehrs-Verein völlig unparteiisch im Sinne
der Interessen aller drei Unterweserstädte wirkt. — Dem Jahres¬
berichte entnehmen wir folgendes: Dank der Propaganda des
Vereines, die dieser durch eine umfassende Reklame in deut¬
schen und amerikanischen Reisezeitschriften veranstaltete, waren
die Unterweserstädte im verflossenen Jahre wiederum das Ziel
vieler Touristen. Neben zahlreichen Einzelpersonen und kleineren
Korporationen besuchten u. a. die militärberechtigte deutsche
höhere Handelsschule in Bukarest, eine Vereinigung von Inge¬
nieuren aus der Schweiz, der Landesverband Württemberg des
deutschen Flottenvereines sowie die Thüringer Lehrer im ver¬
flossenen Jahre die Unterweserstädte. Die letzteren drei Ver¬
einigungen haben sich auch bereits wieder für diesen Sommer
angemeldet. Das Verkehrsbureau des Vereins wurde in steigendem
Masse in Anspruch genommen. Die Geschäftsstelle stellte
g5 grosse Reisen sowie 28 Rundreisen und kleinere Reisen
zusammen. Den Mitgliedern kann in ihrem eigenen Interesse
nur geraten werden, in vorkommenden Fällen die Hilfe unseres
Bureaus in Anspruch zu nehmen. Im letzten Jahre wurden an
hiesige Einwohner ca. 2800 fremde Führer verausgabt. Die
meisten Führer entfielen auf die Nordseebäder sowie Rheinland
und Harz. Von dem Führer für die Unterweserstädte wird
eine neue verbesserte Auflage herausgegeben.
Die Stadt Berlin und die Reiseschau. In einer
Sitzung der Zentralstelle für die Interessen des Handelsverkehrs
gab man dem Befremden darüber Ausdruck, dass die Stadt
Berlin es nicht für nötig gehalten habe, sich in irgend einer
Weise an der grossen Bereise- und Fremdenausstellung zu
beteiligen. Sie habe nicht einmal einen Vertreter zur Eröff¬
nung gesandt. Auf die Einladung an den Oberbürgermeister,
in das Ehrenkomitee einzutreten, sei eine Antwort ausgeblieben.
In Ems tagte Mitte April die Generalversammlung des
Lahntal-Verbandes. In derselben wurde der Etat iür das
kommende Geschäftsjahr mit 1200 Mk. Einnahmen veranschlagt
und beschlossen, eine neue Auflage des Lahntalführers heraus¬
zugeben. jFerner^wurde die Herausgabe einer Touristen-Karte
h ■
1081
DEUTSCHLAND is& seeeeee e eeeeeeeoeeeeeeeeg Nr. 2
fttr das Lahntal, Fühlungnahme mit Westerwald- und Taunus¬
klub, sowie Förderung des Herbergwesens für Schüler angeregt.
Der Verband zählt zurzeit ai korporative, 68 Einzel- und zwei
unterstützende Mitglieder.
Das Städtische Verkehrs-Bureau in Heidelberg, das
bisher provisorisch in der Altstadt untergebracht war, bezieht Mitte
Mai sein neues Heim unmittelbar am Bahnhofe an der Anlage
(Leopoldstrasse). Es hat dort nicht nur eine vorteilhafte Lage,
sondern auch behagliche und elegante Räume. Fremdenplätze,
Bahnen, Dampfschiffahrtsgesellschaften, Reisebureaus usw., die
von dieser Neuerung profitieren wollen, können ihre Prospekte
gratis und franko einschicken, jedoch in nicht Übermässiger
Anzahl. Auch sind künstlerisch ausgeführte, farbige Plakate
erwünscht.
In Essen starb am 6 . Mai der Syndikus des Verkehrs-
Vereins für den Stadt- und Landkreis Essen, Herr
Dr. Georg Lind, dessen rühriger Tätigkeit und Gewandtheit,
verbunden mit persönlicher Liebenswürdigkeit der Verein seine
grossen Erfolge verdankt. Dr. Lind hat es besonders verstanden,
den Essener Verein auf eine solch günstige finanzielle Unter¬
lage zu stellen, wie sie nur wenige deutsche Verkehrs-Vereine
aufweisen können.
Zum Syndikus des Niedersä chsischen Ver¬
kehrs-Vereins in Hannover wurde der Leiter der Dort¬
munder städtischen Rechtberatungsstelle und Geschäftsführer
des Dortmunder Verkehrs-Vereins und des Verbandes der west¬
fälischen Verkehrs - Vereine, Dr. Jur. Alexander K u ck u ck,
gewählt.
Eisenbahnwesen.
Verkehrs-Nachrichten. ln dem Verkehr zwischen
England und dem Festlande über Vlissingen sind vom i. Mai
ab erhebliche Aendernngen eingetreten. Die Nachtdampfer der
Zeeland*Gesellschaft werden sowohl in der Richtung nach wie
auch von England nicht mehr den bisherigen englischen Lan¬
dungsplatz „Queenboro’“ anlaufen, sondern zwischen Vlissingen
und Folkestone verkehren. (Die Tagesdampfer fahren nach wie
vor noch zwischen Vlissingen und Queenboro’). Hierdurch
wird in der Richtung von London nach dem Festlande eine
ganz erhebliche Beschleunigung des Verkehrs herbeigeführt.
Die Abfahrt von London Victoria-Station erfolgt 8.45 abends,
Ankunft in Folkestone 10.30 abends, Abfahrt von Folkestone
10.45 abends, Ankunft in
Vlissingen 4.05 morgens.
Die erheb-
liehe Beschleunigung ist
aus nachstehender
Tabelle ersichtlich:
frühere Ankunft
Ankunft
ab I. Mai
Amsterdam .
. 8.58 vorm.
8.10
vorm.
Basel.
. 7.49 nachm.
5.45
nachm.
Berlin.
6.51
5.20
if
Düsseldorf.
10.39 vorm.
9.30
vorm.
Frankfurt a. M. . . .
3.29 nachm.
2.11
nachm.
Hamburg.
5.04 „
2.47
»»
Kassel.
6.39 „
3.30
„
Koblenz.
. 12.54 „
11.32
vorm.
Köln .
11.19 vorm.
9.56
Krefeld.
. 10.10
8.58
*»
Mainz .
2.59 nachm.
1.53
nachm.
München.
. 10.20 .,
8.50
f*
Rotterdam .
7.34 vorm.
6.46
vorm.
Triest .
. 11.15 „
8.50
»»
Wiesbaden .
2.37 nachm.
1.18
nachm.
Im Verkehr von dem Festlande nach England mit Nacht¬
dampfer haben die Abfahrtszeiten von den festländischen
Stationen keine besonderen Aenderungen erfahren; dagegen
landet der Dampfer in Folkestone bereits um 5.30 vorm, (an¬
statt wie früher G.IO vorm, in Queenboro). Der Anschlusszug
nach London fährt von Folkestone um 6 Uhr vorm, ab
nach den bisherigen Londoner Endstationen für den Vlissinger
Schnellzug-Verbindungen zwischen Cöln und Amsterdam über Cleve und Emmerich.
Sommerfahrplan 1011.
(Zusammengestellt von der Königl. Eisenbahn-Direktion Cöln.)
Cöln Hbf.. . ab
Düsseldorf
Oberhausen
Wesel .
Emmerich
Neuß
Crefeld .
Cleve .
Nymegen
Amsterdam 0. au
D.-Z.
I-III
6261
603 |
637
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7-16
1013
D.-Z.l
l-III
6121
624
73ö|
807
8^7
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MII
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D.-Z.
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746|
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I
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D.-Z j
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767
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702 863110351
D.-Z.
I-II
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I I
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* Ab Oberhausen III. Klasse.
** In Crefeld und Nymegen umsteigeii.
• In Nymegen umsteigeu.
Amsterdam C. ab ! 6i3
Nymegen
Cleve
Crefeld .
Neuß
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Wesel .
Oberhausen
Düsseldorf
Cöln Hbf..
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6*7' 944 i
512 ' 608| 1020 ; 1133
* In Nymegen und Crauonbiirg uinsteigen.
** In Cleve umsteigeu.
• In Oberhaiisen umsteigeu.
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Schnellzug-Verbindungen zwischen Cöln und Paris.
ISommerfalirplan 1911.
(Zusammengestellt von der Königl. Eisenbahn-Direktion CiUn.)
Pari«—Cöln*
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Cöln Hbf. .
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9 M
10 ^
1101
L.-Z.
1
146
4*4
441
713
9^9
1010
1046
MI
6*0
9 ^
1007
1244
4 ^
467
540
Mll
840
1247
[
L.-Z. Luxuszug.
S.-W. Schlafwagen, nur I. Klasse; Zuschlag 14 .— Mk. * ab 1. Juli.
Pahrprelse COIn—Paria (einschließlich Schnellzugzuschlag.)
Einfache Fahrt:
Luxuszug 56.60 Mark
L Klasse 46.10 „
II. „ 29.40 „
UI. „ 18.80 „
Hin- und Rückfahrt (20 Tage gültig):
Luxuszug 96.80 Mark
I. Klasse 69.80 „
II. „ 49.-
III. „ 81.60 „
[fc^*^;iB999 QQQQQQQQ e8a9989^^^^ DEUTSCHLAND 8 006 66 8 68 6 66688 6668666866^01109
Fahrterleichterungen für die Feste und Ausstellungen in Italien im Jahre 1911.
Zur Ermnerimg an die Auarafung des Königreichs Italien finden in der Zeit bis 31. Oktober 1911 besondere
Feierlichkeiten und Ausstellungen in Korn, Turin und Florenz statt. Die Ausstellungen in Florenz dauern bis 31. Juli 1911,
diejenigen in Itom und Turin bis 31. Oktober 1911. Zur Erleichterung des Besuches der Ausstellungen und Festlichkeiten
durch deutsche Beisende haben die deutschen Bahnen es übernommen, auf einzelnen bedeutenderen Stationen folgende Aus¬
weise für den Bereich der italienischen Staatseisenbahnen auszugeben:
a) Falirkarten für eine einfache Fahrt
-zu besonders ermäßigtem Preise von der italienischen Grenzstation nach Born, Turin und Florenz,
b) Answeiskarten (Tessere)
sim Preise von 8.66 Mk. das Stück, die ein Anrecht auf verschiedene Vergünstigungen, z. B. auf Ermäßigungen der Ein-
tantti^reise der Ausstellungen, Museen, Theater usw. geben,
c) Heftchen (liibretti)
zum Preise von 0.26 Mk. das Stück, in denen 8 Scheine enthalten sind, von denen jeder zur Lösung einer Fahrkarte für
einfache Fahrt zu ermäßigtem Preise in Italien berechtigt. Hierbei besteht die Verpflichtung, den ersten Schein zur
liösung einer Fahrkarte nach Born oder Turin oder Florenz zu benutzen, während die übrigen Scheine zu beliebigen
Fahrten innerhalb Italiens Verwendung finden können.
Aus nachstehender Uebersicht geht hervor, welche Fahrkarten für italienische Strecken zum Verkauf auf liegen.
Von
nach
über
Preise der Fahrkarten
einfacher Fahrt
I. 1 II. 1 III.
Klasse
Gültig¬
keits¬
dauer
Tage
Anzafil
der
Pahrt-
unter-
brech-
ungen
Ghiasso
Rom T.
Mailand — Parma — Sarzana—Livorno—Vada, oder Mai-
Mk.
Mk.
Mk.
land — Alessandria — Genua — Livorno—Vada, oder Mai-
land — Bologna — Florenz — Chiusi, oder Mailand —
Bologna — Falconava — Orte
29.70
19.35
12.50
10
3
r
Turin P.N.
Mailand
12.—
8.40
6.45
6
1
»
Florenz S.M.N.
Mailand — Bologna — Pistoia, oder Mailand — Bologna —
Faenza
20.80
14.30
9.25
8
2
Luino
Born T.
Novara — Alessandria — Genua — Livorno —Vada
30.26
10.80
12.80
11
3
j»
Turin
Novara
10.25
7.20
4.80
6
1
II
Florenz
Gallarate — Mailand —Codogno — Piacenza — Bologna —
Pistoia
22.20
15.16
9.75
8
2
Domodossola
Born T.
Arona—Mailand-Voghera —Genua—Pisa-Livorno—Vada
31.85
20.65
13.30
11
3
if
Turin P. N.
Arona — Borgomanero — Santbiä
10.95
7.70
6.10
5
1
11
Florenz S.M.N.
Arona - Mailand — Bologna— Pistoia, oder Arona-Mai¬
land—Bologna—Faenza
23.40
15.90
10.26
8
2
Verkehr mit Ankunft Herne Hill 7.85 vorm., St. Paulas 7.44 vorm.,
Holbom 7.47 vorm., Victoria 7.47 vorm. Diejenigen Reisenden,
welche eine längere Nachtruhe vorziehen, können an Bord des
Dampfers bleiben und mit einem späteren Zuge um 8 Uhr vorm,
von Folkestone abfahren, und zwar nach London Cannon Street
Station und Charing Cross Station, Ankunft daselbst gegen
10.16 v'orm. In beiden Richtungen nach und von London rcsp.
Folkestone läuft in den Anschlusszügen an die Nachtdampfer
ein Pullmann - Speisewagen, in welchem ab London Diner
und ab Folkestone Frühstück serviert wird. Für die Benutzung
wird ausser den Preisen für Speisen und Getränke ein kleiner
Zuschlag erhoben. Die bisher Uber Vlissingen-Queenboro'
gültigen Fahrscheinhefte sind ohne weiteres auch gültig über
die Route Vlissingen-Folkestone. Die Verbindungen von und
nach England mit dem: Tagesdampfer Uber Vlissingen-Queen¬
boro' sind geblieben; die Abfahrtszeit von London Victoria-
Station ist 10.00 vorm, anstatt wie bisher 9.45 vorm, und von
Holbom Station 9.55 vorm. Eine neue direkte Verbindung
zwischen dem Norden Englands und dem Festlande ist im
Anschluss an den VUssinger Tagesdampfer sowohl wie auch
an den Nachtdampfer hergestellt worden. Ein durchlaufender
Wagon nach Birmingham via Victoria-Station fährt sowohl von
Folkestone wie auch von Queenboro', ebenfalls in umgekehrter
Richtung.
Im Verkehr mit den ostfriesischen Inseln
Norderney-Juist und Wangerooge treten, nach einer
Bekanntmachung der Kgl. Eisenbahndirektion Münster, ifUr die
diesjährige Reisezeit infolge Einrichtung neuer Dampferlinien
saehrfache, schon länger gewünschte Erleichterungen ein. Gleich¬
zeitig erfolgt im direkten Verkehr eine Erhöhung der Fahrpreise.
Man wird künftig von Berlin, Hamburg, Leipzig, Erfurt, Magde¬
burg,^Hannover usw.^80wie von den hintergelegenen Stationen
aus nach und von Norderney auch über Wangerooge und von
den westdeutschen Stationen nach und von Wangerooge auch
Über Norderney fahren können. Im gesamten Verkehr mit Juist
können ferner die Reisenden auch den neuen Seeweg über
Bmden Aussenhafen benutzen. Gleichzeitig werden die Fahr¬
preise^ jedoch nur für den direkten Verkehr nach und von
Juist, um je 0.75 Hk« in allen drei Klassen und nach und von
Norderney um je i Mk. ebenfalls in allen Klassen erhöht.
Diese Preisänderungen sind im Verkehr mit Juist auf eine Er¬
höhung der Inselbahngebühr und bei Norderney auf eine
Erhöhung des erst kürzlich auf Betreiben der neuen Dampf-
schiffsreederci Frisia herabgesetzten Fahrpreises für die Schiffs¬
strecke Norddeich —Norderney zurückzuführen. Im Ortsverkehr
mit Norderney bleiben die bisherigen niedrigen Fahrpreise vor¬
läufig bestehen. Die Reedereien Norden und Frisia, die die
Schiffsstrecke Norddeich—Norderney gemeinsam bedienen,
halten sich zur Erhebung des höheren Fahrpreises im Fern¬
verkehr um deswillen für berechtigt, weil die Bereithaltung der
Betriebsmittel zur Bedienung der wesentlichen, im Interesse des
durchgehenden Verkehrs geschaffenen zahlreichen Dampfer-
anschlüsse an alle direkten Züge ganz erhebliche, durch die
bisherigen Preise nicht gedeckte Kosten verursacht.
Luftschiffahrt.
Prinz Heinrich als Flieger. Prinz Heinrich von
Preussen unternahm auf dem Uebungsplatz in Darmstadt zwei
längere Flüge auf der Euler-Flugmaschine, die der Prinz,
obgleich er seit seiner Pilotenprüfung vor fünf Monaten nicht
mehr geflogen war, mit grosser Sicherheit führte. Die Maschine,
die der Prinz fuhr, ist von dem Einjahrig-Freiwilligen Reichardt
bei seinem Fluge von Darmstadt nach Frankfurt a. M. zur Be¬
gleitung des Zeppelin-Luftschiffes benutzt worden.
Für den Zuverlässigkeitsflug durch die ober¬
rheinische Tiefebene hat das Kriegsministerium einen
Barzuschuss von 5000 Mk. geleistet und in Aussicht gestellt, die
Maschine des Siegers unter Umständen für 25000 Mk. anzu¬
kaufen. Die für das Unternehmen erforderliche Geldsumme,
die sich lediglich aus Barleistungen, nicht aus Bürgschafts¬
zeichnungen, zusammensetzt, ist vollkommen vorhanden.
Automobilwesen.
Der Meldeschluss für die Prinz-Heinrich-Fahrt
igii, die bekanntlich vom Kaiserlichen Automobil-Klub und dem
Royal Automobil Club gemeinsam veranstaltet wird und haupt-
110 ■ BQQ0(KiQQQ0Q88a0QGQ8Q089Q308 ai DEUTSCHLAND 16666^96868 8000086 6 8 6 6 6 6 661 Nr. 2
sächlich als gesellschaftliche Tourenfahrt gedacht ist, ergab in
Deutschland ein durchaus befriedigendes Ergebnis, da mehr als
die geforderten 50 Teilnehmer Meldungen abgegeben haben.
Es muss nun zunächst der Meldeschluss in London abgewartet
werden. Falls dort weniger als 50 Meldungen abgegeben werden
sollten, müsste auch die Zahl der deutschen Teilnehmer ver*
ringert werden. Die endg^Ultige Auswahl unter den Gemeldeten
für die Teilnahme an der Fahrt wird noch erfolgen.
Ueber das andauernde Defizit der deutschen Auto¬
mobilsteuer wird in der neuesten Nummer der ,.Zeitschrift
des Mitteleuropäischen Motorwagen-Vereins“ berichtet; In dem
am 31. März abgeschlossenen Fiskaljahre 1910 ii hat die Istein-
nahme aus der deutschen Automobilsteuer, deren Erträgnis bei
ihrer Einführung seitens der Reichshnanzbehörde auf Mill.
Mark berechnet wurde, nur 2810000 Mark betragen. Während
ihres fünfjährigen Bestehens brachte diese Steuer insgesamt
9^/4 Mill. Mark ein, während behördlicherseits mit mindestens
1772 Mill. Mark gerechnet worden war.
Theater, festliche und sportliche
Veranstaltungen, Kongresse etc.
Die dritte „Breslauer Festwoche“ wird vom Verein
zur Hebung des Fremdenverkehrs dieses Jahr in den
Tagen vom 18. bis 25. Juni in Breslau veranstaltet. Sport und
Spiel werden wieder im Vordergrund stehen. Die Ehrengaben
werden in Breslau angefertigt, um den heimischen Kunstfleiss
zu unterstützen. Zwei Festkonzerte und dramatische Veran¬
staltungen werden auf der Festwiese stattfinden. Geplant werden
ferner eine naturwissenschaftliche und eine volkskundliche
Ausstellung.
Das 87. Niederrheinische Musik -Fest, dessen
Programm in der vorliegenden Nummer veröffentlicht wird, findet
in den Püngsttagen am 4., 5. und 6. Juni in Düsseldorf
statt unter Leitung von Herrn Professor Karl P a n z n e r. Erste
Solisten haben ihre Mitwirkung zugesagt. Namen wie Gertrud
Förstel von der Wiener Hofoper, Maria Philippi aus Basel,
Felix Senius aus Berlin und Paul Bender von der Münchener
Hofoper bürgen für hervorragende Leistungen. Der Chor, durch
auswärtige Kräfte (Aachen, Barmen u. a.) verstärkt, wird 600
Sängerinnen und Sänger zählen, das Orchester 135 Mitwirkende
aufweisen. Bestellungen auf Dauerkarten nimmt A. Mo des,
Düsseldorf^ Alleestrasse 43, entgegen. Aus Anlass des Musik¬
festes wird auf Anregung des Düsseldorfer Verkehrs-
Vereins ein Sonderzug von Holland nach der rheinischen
Kunst- und Gartenstadt eingelegt. Dieser Sonderzug fährt
von Amsterdam über Rotterdam, Utrecht, Arnheim, Emmerich,
Düsseldorf und bietet wesentliche Fahrpreisermässigungen.
Ausstellungen.
Besuch der Reiseausstellung in Berlin durch den
Minister der öffentlichen Arbeiten.
Am Montag vormittag nahm der Minister der öffentlichen
Arbeiten Exzellenz vonBreitenbachin Begleitung des Unter¬
staatssekretärs Stieger und des Ministerialdirektors Behrend
eine eingehende Besichtigung der Internationalen Ausstellung
für Reise- und Fremdenverkehr vor. Der Minister erschien
bereits vor der üblichen Eröffnungszeit in der Ausstellung und
dehnte seinen Besuch weit über die für diesen Zweck vor¬
gesehene Zeit aus. Er bezeichnete die Ausstellung als eine der
hervorragendsten, die Berlin seit langer Zeit gesehen, und ver¬
weilte mit grossem Interesse bei den Ausstellungsobjekten, die
mit seinem Ressort in irgendeinem Zusammenhänge stehen.
Auch die Ausstellung des Bundes Deutscher Ver¬
kehrs-Vereine und die Abteilung des Rheinischen Verkehrs-
Vereins wurden eingehend besichtigt. Hier Hess sich Exzellenz
von Breitenbach durch den Ausstellungsdirektor, Herrn Schlieper,
den Vorsteher der Bundes-Auskunftstelle, Herrn Hupfeid, vor¬
stellen. Der Minister äusserte sich mit anerkennenden Worten
über die Bundes-Ausstellunir, wie auch über die auf liegende
Bundeszeitschrift „Deutschland“, deren Amerika-Nummer
besonderes Interesse fand. Zum Schluss kam der Minister auf
die Tätigkeit des Deuts eben Verkehrs-Bureaus in
Brüssel zu sprechen, dessen grosser Erfolg ihn sehr gefreut
habe. — Sehr anerkennend äusserte sich Minister von Breitenbach
auch über das Entgegenkommen des Präsidiums, den Schul¬
kindern Berlins die Reiseausstellung zu erleichterten Be¬
dingungen zugänglich zu machen.
Die Rheinlande auf der Internationalen Aus¬
stellung für Reise- und Fremdenverkehr in Berlin*).
Als im Sommer 1910 die genauen Pläne für die vom i. April
bis 20. Juni 1911 in Berlin in Aussicht genommene Internationale
Ausstellung für Reise- und Fremdenverkehr veröffentlicht wurden,
erkannten die rheinischen Verkehrsinteressenten alsbald, dass
die Rheinlande bei dieser Gelegenheit nicht Zurückbleiben
dürften. Stand es doch fest, dass andere Fremdenverkehrs¬
gebiete des In- und Auslandes die grössten Anstreng^ungen
machen würden, um ihre Vorzüge zur Geltung zu bringen, und
dass von ihnen staatliche Kräfte und Geldmittel in erheblichem
Umfange zur Verwendung gelangen sollten. Eine gemeinsame
Ausstellung der Rheinlande konnte allerdings nur aus privater
Initiative hervorgehen, um so mehr galt es, alle Kräfte zusammen¬
zufassen, um etwas Würdiges zu schaffen. Der Rheinische
Verkehrs - Verein, der die Verkehrsinteressen der gesamten
Rheinlande vom Neckar bis zur holländischen Grenze vertritt,
nahm die Ausführung des Planes in die Hand. In mehreren
von ihm einberufenen Versammlungen zahlreicher Vertreter
rheinischer Stadt-, Kur-, Gemeinde-, Kreisverwaltungen und
Verkehrs-Vereine wurden die Grundzüge des Unternehmens fest¬
gelegt. Es herrschte volle Uebereinstimmung darüber, dass der
Zweck der rheinischen Ausstellung nur dann erreicht werden
könne, wenn sie nach künstlerischen Gesichtspunkten einheit¬
lich ausgestaltet würde. Sie dürfe sich nicht als eine blosse
Sammlung von Führern, Prospekten, Plakaten oder Reklame¬
bildern in willkürlicher Auswahl und Anordnung darstellen,
sondern sie müsse die landschaftlichen Schönheiten und sonstigen
Vorzüge der Rheinlande im allgemeinen widerspiegeln und
vor allem einen künstlerisch befriedigenden Gesamteindruck
hervorrufen. Nur auf diese Weise könne die Aufmerksamkeit
und Reiselust der Beschauer geweckt werden, und das werde
auch dem einzelnen grösseren Vorteil bringen, als der doch
wohl meist vergebliche Versuch, nur durch Anpreisung lokaler
Vorzüge zu wirken.
Für die Beschaffung der Geldmittel traten die rheinischen
Intelessenten in dankenswertester Weise ein. Nicht nur die
meisten Städte, Gemeinden, Landkreise und Verkehrs-Vereine
zeichneten erhebliche Summen, sondern auch die Provinzial¬
verwaltungen der Rheinprovinz und von Nassau wie auch die Köln-
Düsseldorfer Dampfschiffahrts-Gesellschaft, einzelne Privatbahnen
und Privatpersonen steuerten nach Kräften bei. Die finanzielle
Möglichkeit der Ausführung des Planes war dadurch gesichert.
Unter Mitwirkung eines künstlerischen Beirats wurde die
Errichtung einer Ausstellungshalle nach den Plänen des
Architekten C. Reich in Coblenz beschlossen. Es musste hierbei
darauf Rücksich’ genommen werden, dass der zur Verfügung
stehende Platz nur 75 Quadratmeter Grundfläche umfasst, und
dass er unter der das ganze Innere des Berliner Ausstellungs¬
gebäudes am Zoologischen Garten umziehenden Galerie gelegen
ist. Dieser Raum hat nur eine sehr mangelhafte Tagesbeleuch¬
tung; es war daher notwendig, künstliche Beleuchtung durch
elektrische Lampen einzuführen. Auch konnte die ganze Wand¬
fläche nicht ausgenutzt werden, weil auf feuerpolizeiliche An¬
ordnung hin in der Hauptwand zwei breite Ausgänge geschaffen
werden mussten. Unter Berücksichtigung dieser unliebsamen
aber unvermeidlichen Beschränkungen ist etwas durchaus
Würdiges und künstlerisch Wirkungsvolles geschaffen worden.
Die Ausstellung bildet eine vorne offene, dreischiffige Halle,
deren Mittelschiff eine etwa 4 m hohe, kassettierte Decke auf¬
weist. Die Decke wird von sechs x Quadratmeter im Grundriss
messenden Pfeilern getragen. Den wirkungsvollen Abschluss
des Hauptschiffes bildet ein 3 m hohes Oelgemälde der Loreley
(von W. Straube), auch die Vorderseite der beiden Eingangs¬
pfeiler sind mit zwei grossen Gemälden (von Heine), Buig
Rheinstein und Schlofss Eltz darstellend, geschmückt. Diese drei
Bilder sind eigens für die Ausstellung angefertigt worden. Ein
breiter roter Teppich durchzieht die Haupthalle. An den Seiten¬
wänden sind zwei je 6 m lange Tische angebracht, auf denen
das gesamte Propagandamaterial der Vereinsmitglieder (Führer,
Prospekte, Karten usw.) ausliegt. Es wird von einer Beamtin, die
auch Auskunft über rheinische Verkehrsverhältnisse gibt, beauf¬
sichtigt und verteilt bezw. gegen sehr mässige Gebühr verkauft.
Für die Ausschmückung der - einschliesslich der Pfeiler —
etwa 95 Quadratmeter umfassenden Wandtlächen wurden die
Vereinsmitglieder eingeladen, Städte- und Landschaftsbilder von
künstlerischem Wert und nicht zu grossem Umfange einzusenden.
Es ging denn auch ein sehr zahlreiches Material ein, das, von
dem künstlerischen Beirat des Unternehmens gesichtet und
wirksam verteilt, an den Wänden aufgehängt wurde. Zu be¬
dauern ist nur, dass wenige grosse Städte, z. B. Köln und
♦) Vcrgl. auch den Aufsatz von Jos. Buchhorn, Seite 91. und die
Illustration auf Seite 9r>.
gQ8 9 9999 Q(«MQOQC XB e 9(»QC» 6ii DEUTSCHLAND @Beee^ ^ 3 o o0O0GO ö 08eeee 8 eeee^ iii
Nr. 2
Fnmkliirt tu M., sich ganz femgehalten haben, und dass das
rein LrandschafÜiche gegenüber den Architekturbildern et^as zu
sehr aurücktritt Die Köln-Düsseldorfer Dampfschiffahrts-Gesell-
sdiall sandte ein 3 m grosses Modell einer ihrer prächtigen
Salondaxnpfer, das auf einem der Tische Platz fand.
Alles in allem genommen ist der Eindruck der rheinischen
Ausstellung ein g^ter und künstlerisch ansprechender; sie
dürfte ihren Zweck durchaus erfüllen. Man tut ihr freilich
Unrecht, wenn man sie mit den grossen Landesausstellungen
Oesterreichs, der Schweiz, Schwedens, Norwegens, Eisass-
Lothringens, Sachsens usw. in Parallele stellt. Denn diese sind
von Staats wegen, mit staatlichen Beamten und Künstlern und
mit Aufwendung grosser Staatsmittel errichtet. Die Ausstellung
der Rheinlande ist lediglich ein privates, durch freiwillige Bei¬
träge geschaffenes Unternehmen, das aber von dem Gemeinsinn
aUer Beteiligten ein rühmenswertes Zeugnis ableg^ und zur Ver¬
herrlichung ihrer schönen rheinischen Heim at wirkungsvoll beiträg^.
Internationale Hygiene-Ausstellung Dresden 1911.
Eröffnung der Internationalen Hygiene-Aus¬
stellung. Am 6. Mai fand in Gegenwart des Königs, der
Ifitglieder des Königshauses, der Spitzen der Behörden, der
Generalität, des diplomatischen Korps und etwa 3000 geladener
Ehrengäste die feierliche Eröffnung der Internationalen Hygiene-
Ausstellung Dresden igii statt. Um 11 Uhr erschien der König
Friedrich August vor dem Portaleingang der Ausstellung und
wurde von Geheimrat L i n g n e r und dem Präsidenten, Prof.
Renk, in den grossen Festsaal der Ausstellung geleitet. Ge¬
heimrat Ling^er hielt darauf die Festrede, in der er in längeren
Ausführungen einen geschichtlichen Rückblick Uber die Ent¬
stehung der Hygiene-Ausstellung gab und des weiteren die Be¬
deutung des gewaltigen, dem Wohle der Menschheit gewidmeten
Unternehmens hervorhob. Nach einem vom Redner zum Schluss
ausgebrachten Hoch auf den Monarchen erklärte Staatsminister
Graf Vitztaum v. Eckstaedt die Ausstellung im Namen des
Königs für eröffnet. Bei dem nunmehr folgenden Rundgang
besichtigten der König und die übrigen Herrschaften mit leb¬
haftem Interesse die ausgestellten Gegenstände, über deren
Vielseitigkeit hier und da Worte höchster Anerkennung laut
wurden. Nach Beendigung des Rundganges begab sich der
König in das Residenzschloss zurück, wo mittags anläss¬
lich der Eröffnung der Ausstellung eine Frühstückstafel statt¬
fand, zu der zahlreiche Einladungen ergangen waren.
Verbesserte Frauenkleidung auf derHygiene-
Ausstellung. Seit Jahren bestehen Vereine für Verbesserung
der Frauenkleidimg in den Städten Berlin, Bonn, Bremen,
Breslau, Dresden, Düsseldorf, Elberfeld-Barmen, Essen, Flens¬
burg, Görlitz, Hamburg, Hannover, Heidelberg, Karlsruhe, Köln,
Krefeld, Leipzig, München, Pforzheim, Sonderburg und Stutt¬
gart. Sie verfolgen den Zweck, das Publikum über die Schädlich¬
keit der Üblichen, fast durchweg gesundheitswidrigen Frauen¬
tracht aufzuklären und für eine verbesserte, auf hygienischer
Grundlage aufgebaute Kleidung zu gewinnen. Durch unermüdliche
praktische Arbeit ist es gelungen, die verbesserte Tracht von
allen ihr anfangs anhaftenden Mängeln zu befreien und voll¬
wertigen Ersatz für die alte schädliche Kleidung zu schaffen,
so dass es jetzt jeder Frau möglich ist, die ihr besonders zu¬
sagende gesundheitlich einwandfreie Kleidung zu tragen. Auf
wie verschiedene Weise dies möglich ist, wird durch die
Beteiligung des Deutschen Verbandes für Verbesserung der
Frauenkleidung auf der Internationalen Hygiene - Ausstellung
Dresden zgii gezeigt werden. Der Verband, der die einzelnen
Vereine und Gauverbände Deutschlands umschliesst, wird
hygienisch einwandfreie Unter- und Oberkleidung in den
Gruppen Kleidung, Schulhygiene, Sport, Kranken- und Säuglings-
füraorge, sowie Berufshygiene ausstellen und seinen Bestre¬
bungen ausserdem durch aufklärende Tafeln, Bildersammlungen
und dergleichen mehr Ausdruck verleihen. Der Verband hofft
durch diese Ausstellung die Beachtung und Unterstützung auch
der Kreise zu gewinnen, die bisher diesem wichtigen Gebiete
noch wenig Interesse entgegengebracht haben.
Turiner Ausstellung.
Als erste Abteilung der Internationalen Industrie-Ausstellung
wurde am x. Mai die deutsche eröffnet. Bei dem Festmahl im
Deutschen Hause, dem die italienischen Behörden und die Führer
von Handel und Industrie sowie fast alle fremdländischen
Generalkommissare und viele Vertreter der deutschen und der
italienischen Presse beiwohnten, brachte der deutsche Bot¬
schafter V. Jagow das Hoch auf die Souveräne der beiden ver¬
bündeten Nationen aus. Der deutsche Generalkommissar
Geheimrat Busley begrüsste die Gäste im Namen der Ständigen
Ausstellungskommission für die deutsche Industrie, welche die
dsutache Abteilung organisiert hat, und des Deutschen Komitees.
Dttmuf sprachen im Namen der italienischen Ausstellungs¬
leitung Senator Frola und Vizepräsident Bianchi auf die deutsche
Tatkraft und Pünktlichkeit, der auch diesmal das rechtzeitige Fertig¬
werden der deutschen Abteilung zu danken sei. Der französische
Generalkommissar Derville sprach auf die „exactitude allemande^S
die die Ausstellung zur Stunde fertiggestellt habe. Der Bürger¬
meister von Turin, Senator Rossi, brachte unter begeistertem
Beifall einen Trinkspruch in deutscher Sprache auf die deutsche
Arbeit und das deutsche Volk aus. Ferner sprach Geheimrat
Ravene im Namen des verhinderten Präsidenten der Ständigen
Ausstellungskommission für die deutsche Industrie, Geheimrats
Goldberger, auf die deutschen Aussteller, für die Generaldirektor
Dr. Berliner antwortete. Die ganze Feier machte den nach¬
haltigsten Eindruck. — Unerwartet besichtigte der König, der
ursprünglich erst im Sommer die Ausstellung im einzelnen be¬
suchen wollte, am Eröffnungstage nachmittags mit der Königin
und grossem Gefolge die deutsche Abteilung.
Der Staatssekretär des Innern hat dem Präsidium
der „Ständigen Ausstellungskommission für die deutsche In-
dustrie‘* und dem Präsidium des von ihr gebildeten Deutschen
Komitees für die Turiner Industrie- und Gewerbe-
Ausstellung den Dank und Glückwunsch der Reichsverwaltung
ausgesprochen.
Deutschland und das Ausland.
Die englisch - deutsche Freundschaftsgesell-
schaft, zu der sich die verschiedenen englisch - deutschen
Freundschaftskomitees zusammengeschlossen haben, hielt in
London im Mansion House unter dem Vorsitz des Lord
Mayors ihre erste Sitzung ab. Der Lord Mayor gab der Hoffnung
Ausdruck, dass die gegenwärtige Versammlung einen neuen
Schritt bedeute auf dem Wege zu engerer Freundschaft zwischen
England und Deutschland. Herzog Argyll betonte, dass das
Streben nach friedlichen Beziehungen zu einem Lande eine
freundschaftliche Gesinnung gegenüber anderen Nationen nicht
ausschliesse. Der Redner trat mit Wärme dafür ein, dass die
alte Freundschaft mit Deutschland, die zu Zeiten der Väter
und Grossväter bestanden habe, ungeschwächt erhalten bleibe.
Sir Frank Lascelles gab zu, dass zwischen beiden Ländern noch
immer ein beträchtliches Mass von Misstrauen bestehe, das zu
einem guten Teil auf Missverständnissen beruhe. Er meinte,
dass häufigerer Verkehr und ein besseres Kennenlernen das
beste Mittel sei, um die Missverständnisse zu beseitigen. Lord
Avebury führte aus, ein Krieg zwischen England und Deutsch¬
land würde für beide Teile, wenn nicht den Ruin, so doch auf
alle Fälle ein grosses Unglück bedeuten. Mit alleiniger Aus¬
nahme Indiens sei Deutschland Englands bester Abnehmer, der
Handelsverkehr zwischen beiden Ländern sei enorm, und
wenn er durch die hohen deutschen Zölle etwas beein¬
trächtigt werde, mehr zum Schaden Deutschlands als Englands,
so seien die deutschen Zollsätze schliesslich doch noch nicht
halb so hoch als die der Vereinigten Staaten. Man behaupte,
Deutschland begehre mehr Kolonien. Welche von den Kolonien
Grossbritanniens könnte es aber annektieren? Etwa Kanada
oder Australien, Südafrika oder Indien? Man verweise ferner
auf das Streben Deutschlands nach Erweiterung seines Handels;
aber ein Krieg mit England, wie er auch enden möchte, würde
den deutschen Handel auf Jahre hinaus lahmlegen. England
habe mit Deutschland die Rasse, die Religion und eine Fülle
von Interessen gemeinsam, die beiden Länder seien aneinander
geknüpft durch die Bande des Blutes, durch Jahrhunderte des
Friedens und eine tausendjährige Freundschaft. Im gleichen
Sinne sprachen sich die Lords Aberdeen, Brassey, der Bishop
of Ripon und Sir George Reid aus. Von der Versammlung
wurden Herzog Argyll zum Ehrenpräsidenten, Lord Avebury
und Sir Frank Lascelles zu Präsidenten der Gesellschaft gewählt.
Bäder und Sommerfrischen.
Verband Deutscher Nordseebäder. Der Verband
Deutscher Nordseebäder gibt soeben den Führer von igzi heraus.
Als umfassender und objektiver Bericht, sowohl über die
Heilkraft der Nordsee, wie über die Reise, die einzelnen Ver¬
kehrsanstalten und Bäder, empfiehlt er sich allen alten und
neuen Freunden unserer herrlichen Nordsee. Er ist in den
zahlreichen in- und ausländischen Auskunftstellen des Ver¬
bandes sowie direkt vom Vorsitzenden des Verbandes Deutscher
Nordseebäder in Helgoland zum Preise von ao Pfennig zu haben.
„Sylt, die Königin der Nordsee**. Ein Führer durch
die Nordseebäder Westerland und Wenningstedt auf der Insel
Sylt. Soeben ist dieses von der städtischen Badever¬
waltung in Westerland in farbenprächtiger geschmackvoller
Ausstattung herausgegebene Büchlein erschienen, das in seiner
Vollständigkeit und Uebersichtlichkeit sowie reicher Illustration
einem jeden Besucher der herrlichen grössten deutschen Nord-
112 IB Q Q QOQOQeQQQeOÖQeQ e QQQQQOQQd l DEUTSCHLAND BB O OOO0O0 C O O e0O OOOOg0Oe0QWl ) Nr. 2
seeinsel ein wirklicher Führer und Ratgeber sein und g^ute
Dienste leisten wird. Aber auch jedem anderen gibt die
Broschüre ein interessantes Bild vom Badeleben an der Nord¬
see, und allen den vielen, die früher schon einmal diese
nordische Perle besucht haben, wird es eine angenehme Er¬
innerung an schöne Tage sein. Der Führer wird kostenlos
von der Badeverwaltung an Interessenten abgegeben.
Nordseebad Borkum. Illustrierter Führer mit Orts¬
plan und Inselkarte. (Jahrgang 1911. Expedition durch W.
Schwalbes Buchhandlung in Emden.) Alljährlich gibt die Bor-
kumer Badedirektion diesen handlichen Führer, der kosten¬
los verabfolgt wird, neu heraus; der diesjährige ist soeben
erschienen. Er enthält in gedrängter und übersichtlicher Form
alles Wissenswerte über das Bad und die Insel, wie auch Rat¬
schläge für die Reise, und kann allen, die zum Zweck der
Orientierung über eines unserer bedeutendsten Nordseebäder
etwas näheres erfahren wollen, bestens empfohlen werden. Das
reich illustrierte und elegant ausgestattete 72 Seiten starke Heft
erhebt sich weit über die landläufigen Badeprospekte; unter
anderm wird in dem sehr lesenswerten Kapitel „Seeluft und
Seebad** die Bedeutung der Nordseebäder als klimatische Kur-
und Badeorte auf wissenschaftlicher Basis eingehend be¬
gründet. Von den Neueinrichtungen für die Kiirzeit 1911 verdient
besonders erwähnt zu werden die grossartige Wandelhalle und
Promenade am Strand, deren mittlerer, wesentlichster Teil mit
überdachter Halle, Erfrischungsraum, Musikpavillon und Kon2ert-
platz und zwei mächtigen zum Strande hinabfUhrenden Frei¬
treppen zum Sommer fertiggestellt sein wird. Die gewaltige
Anlage, deren Gesamtkosten auf über eine Viertelmillion sich
beziffern werden, ist ein Bauwerk, das einzig in seiner Art da¬
steht und den bevorzugtesten Mittelpunkt des Badelebens in
unmittelbarer Nähe des Meeres bilden wird. Im Vorwort wird
darauf aufmerksam gemacht, dass der Anfang der Saison,
speziell der Monat Juni, sich in hervorragendem Masse zu
einem Aufenthalt an der Nordsee eignet; ähnliches gilt für die
Herbstmonate.
Bad Harzburg, Gebirgsluftkurort und Solbad.
Unter diesem Titel ist vom Herzogi. Badekommissariat der
diesjährige Führer herausgegeben worden, der sich, wie alljähr¬
lich, wieder durch hervorragend hübsche Ausstattung auszeichnet.
Besonders künstlerisch wirken die in Kupferstichart gehaltenen
zahlreichen Bilder; sie geben im Verein mit dem umfassenden
Text einen anschaulichen Begriff von dem lieblichen Badeort,
der in glücklichem Gemisch mit der herben Schönheit des Harzes
alle Wahrzeichen des vornehmen Kurortes und zeitgemässen
Solbades in sich vereint. Eine wertvolle Ergänzung des
hübschen Führers bildet das amtliche Wohnungsverzeichnis;
es gibt Auskunft über sämtliche Preise für Vor-, Haupt- und
Nachsaison. Beide Bücher werden zusammen mit einem Stadt¬
plan an unsere Leser vom Badekommissariat in Bad Harzburg
sowie von der Auskunftstelle der „Deutschland** verabfolgt.
Bad Münster am Stein. Mit dem i. Mai hat die Kur¬
zeit begonnen. Ein bedeutend grösserer Zuzug von Fremden
ist zu bemerken und wohl auf die überaus günstigen Heilerfolge
durch natürliche Radiumbäder und Inhalationen der letzten
Jahre zurückzuführen. Am i. Juni wird das neuerbaute Brunnen-
und Badhaus im vollen Umfang in Betrieb genommen.
Bad Pyrmont. Ein Zeichen von sehr gutem Einver¬
nehmen zwischen der Fürstl. Brunnendirektion und der hiesigen
Einwohnerschaft ist das Zustandekommen des Wohnungs¬
nachweises, den der Pyrmonter Kurverein in diesem Jahr ein¬
richtet. Die Brunnendirektion hat ihm dazu ein schönes ge¬
räumiges Ladenlokal in bester Lage im Kurhaus neben dem
Eingang zum Fürstl. Kurhotel bereitwilligst kostenlos zur Ver¬
fügung gestellt, so dass diese Vermittlung von den Kurgästen
in grösster Bequemlichkeit benutzt werden kann. Da an der
gleichen Stelle sich in Zukunft ein internationales Reise- und
Verkehrsbureau der Hamburg-Amerika Linie befinden wird, in
dem Reise-Auskünfte erteilt, Eisenbahnfahrkarten-Verkauf, Geld¬
wechsel, Gepäckbesorgung usw. betrieben werden, so hat unser
Badeort für die kommende Saison eine recht schätzbare Ver¬
kehrsbequemlichkeit mehr erhalten. — Der musikalische Teil
des Vergnügungsprogramms für die diesjährige Kurzeit ver¬
spricht besonders vielseitig zu werden. Wie schon früher be¬
kannt geworden ist, hat die Fürstliche Brunnendirektion als
Kurorchester das Berliner Blüthnerorchester engagiert, und man
darf somit eine recht einheitlich sich gebende Kunstleistung
erwarten. Die Leitung des Orchesters wird auch in diesem
Jahr von dem Kapellmeister Fritz Busch ausgeführt, der am
7. Mai sein Amt antrilt. Vorgesehen sind in der Saison in
jedem Monat je ein grosses Sinfoniekonzert. Diese Konzerte
sind jeweils als Musikfeste gedacht; so ist für den Monat Juli ein
Brahmsfest mit einer nachfolgenden Matinee, ein Bach-Reger-
Fest für den Monat August vorgemerkt. Wie man hört, steht
die Brunnendirektion auch mit Siegfried Wagner in Unterhand¬
lung, um ihn zur Leitung eines Richard-Wagner-Festes zu
gewinnen.
Die Saison 1910 in Badenweiler. Die Grossh. Bade¬
anstaltenkommission und die Kurkommission veröffentlichten
dieser Tage den Jahresbericht für 1910. Ihm ist vor allem die
erfreuliche Tatsache zu entnehmen, dass der aufstrebende Kur¬
ort auch in dem an teilweiser Ungunst der Witterung seinem
Vorgänger nichts nachgebenden Sommer 1910 wieder eine be¬
deutsame Steigerung seiner Besuchsziffer aufzuweisen hat.
Und wie sich diese Aufwärtsbewegung gestaltete, ist einer
übersichtlichen Frequenzkurve am Schlüsse des. Berichts zu
entnehmen, die dem Betrachter überdies zeigt, dass in den
Jahren 1905 10, also in der Zeit, in welcher das Verwaltungs¬
wesen der allgemeinen Kurortsinteressen neue Formen erhielt,
diese Aufwärtsbewegung eine fortlaufende und bedeutende war.
So hatte Badenweiler denn im vergangenen Sommer nahezu
8000 Gäste bei sich sehen können gegen 4000 im Jahre 1901.
Hier sprechen die Zahlen eine bedeutende Sprache. Von den
8000 Besuchern des Ortes waren Deutsche 5852, Russen 645,
Schweizer 436, Franzosen 370, Amerikaner 189, Holländer 121,
Engländer 121, Belgier 45, Luxemburger 15, Italiener 35, Oester-
reicher 30, Schweden, Norweger und Dänen 28, Sonstige Europäer
21, Afrikaner 13, Asiaten 9. Die Besucher sind also zu ein Viertel
Ausländer und von diesen sind die Russen in der Mehrzahl. Auch
in dieser Saison war nicht zu verkennen, dass gerade das Früh¬
jahr wieder gut ansetzte. Badenweiler hatte seinen Ruf als vortreff¬
liche Uebergangsstation zu wahren, ja zu vermehren gewusst.
Die Sommerfrischen im Gebiete des Vereins für Mosel,
Hochwald und Hunsrück sind übersichtlich in einem Ver¬
zeichnis zusammengestellt, das soeben im Verlag von J. Lintz
(Trier) erschienen und durch alle Buchhandlungen für 30 Pfg.
erhältlich ist. Die Angaben sind kurz und schematisch, gleich¬
wohl aber erschöpfend; bei den meisten Orten ist die Höhe
angegeben. Das Heftchen belehrt uns darüber, dass man
zwischen Mosel, Rhein, Nahe und Saar sehr billig leben kann.
Einzelne Häuser geben schon zu 2.50 Mk. volle Pension.
/ A
BERUM HRMBÜRQ
HOTEL ESPLAHADE
Das Vollendetste auf dem Qebiete der modernen
Hoteltechnik und des feinen Restaurantwesens.
m DEUTSCHLAND
Verschiedenes.
Der Kaiser und der Travellers Club. Der
kÜrjdich nach den gleichnamigen Londoner und Pariser Vor¬
bildern gegründete Travellers Club, der in dem mehr und mehr
aur kosmopolitischen Weltstadt sich entwickelnden Berlin einen
internationalen Rendezvousplatz der fashionablen Kreise bilden
will, hatte in seinem vornehmen Heim an der Moltkestrasse
eine kleine Festlichkeit, in deren Verlauf folgendes Telegramm
des Kaisers zur Verlesung gelangte:
„Für das mir anlässlich der Eröffnungsfeier des Travellers
Clubs gesandte Begrüssungstelegramm spreche ich den Mit¬
gliedern meinen kaiserlichen Dank aus. Möge der Club seine
Zwecke in vollem Masse erfüllen. Wilhelm, I. R.“
Der Vizepräsident des Klubs, Graf v. Görtz, der mit dem
Vorrstandsmitglied Herrn Schräder die Honneurs des Abends
machte, brachte während des Festmahls in begeisterten Worten
ein Hoch auf den Kaiser, den Schutzherrn des Friedens und
der völkerverbindenden Freundschaft, aus.
Der deutsche Botschafter Graf von Bernstorff
wohnte als Ehrengast einem Festmahl der Union League bei,
wo der Präsident Lawrence über die deutsch-amerikanischen
Beziehungen sprach. Der Präsident der Columbia-Universität,
Bntüer, hob den AnteU des Deutschen Reiches an der Förde¬
rung des internationalen Friedens hervor. Andere priesen die
deutsche Kultur. Botschafter v. Bernstorff erklärte, die deutsch¬
amerikanischen Beziehungen seien vorzüglich.
Internationaler Klub in Berlin. Eine Anzahl be¬
kannter Persönlichkeiten des Beamtentums, der Diplomatie, der
Finanz, des Offizierkorps, der Schriftsteller- und Künstlerwelt
hat sich zur Gründung eines Klubs vereinigt, der den Namen
„Internationaler Klub** erhalten soll. Diese Vereinigung beab¬
sichtigt, den in Berlin sich auf haltenden Ausländern der höheren
Gesellschaftskreise Gelegenheit zum Zusammentreffen mit ihren
Berliner Bekannten zu bieten.
Studenten- und Schüler-Herbergen in Ost-
preussen. Den Bemühungen des Vereins zur Hebung des
Fremdenverkehrs in Ostpreussen ist es gelungen, zu den bisher
in der Provinz bestehenden fünf Studenten- und Schüler-
Herbergen in Allenstein, Angerburg, Fisch hausen,
Lötzen und Puppen noch acht weitere zu errichten, und
zwar: in Arys, Friedland (Ostpr.), Gumbinnen, Lyck,
Nidden, Pillau, Rossitten und Tilsit. Für das Jahr igxa
haben noch verschiedene weitere ostpreussische Orte die Er¬
richtung derartiger Herbergen in Aussicht gestellt. Es ist daher
zu hoffen, dass bald über die ganze Provinz ein enges Netz
von Herbergen mit dem ungefähren Abstand von Tagesmärschen
vorhanden sein und dann diese gemeinnützige Einrichtung ihren
Zweck, die Wanderlust der deutschen Jugend zu heben, voll
erfüllen wird. Sämtliche ostpreussischen Herbergen sind in
den Pfingsl-, Sommer- und Herbstferien geöffnet. Aufnahme
in den Herbergen, in denen freies Nachtlager und Frühstück
geboten wird, wird ausnahmslos nur denjenigen Besuchern
gewährt, welche mit einer von der Hauptleitung in Hohenelbe
ausgefertigten Ausweiskarte versehen sind, die von der
Direktion derjenigen Lehranstalt, welcher der Bewerber angehört,
beantragt werden müssen.
Bismarck - Nationaldenkmal. Im Parkhotel zu
Düsseldorf fand unter dem Vorsitz des Geheimrats Kirdorff
eine Sitzung der sämtlichen Vorstände der Sonderausschüsse
zur Errichtung eines Bismarck-Denkmals auf der Elisenhöhe bei
Bingerbrück statt. Es wurde beschlossen, die Ausstellung der
Entwürfe in Wiesbaden am i. Juni dieses Jahres zu
eröffnen. Im Laufe des Juni soll dann dorthin eine Sitzung
der Sonderausschüsse einberufen werden, um über die weitere
Verwendung der Denkmalspläne Beschluss zu fassen. Inzwischen
nahmen die Sammlungen einen erfreulichen Fortgang. Sie
sollen durch Bildung weiterer Landes- und Ortsausschüsse
nachdrückliche Förderung erfahren.
Eine Zahnradbahn auf den Feldberg. Der Stadtrat
von Freiburg i. Br. beschloss den Bau einer für den deutschen
Wintersport bedeutsamen elektrischen Zahnradbahn auf den
Schauinsland, die später bis zum Feldberggipfel führen soll,
mit einem Kostenaufwand von etwa anderthalb Millionen Mark.
Amerikas Reiseverkehr zur englischen Krönungs¬
feier. Man schätzt die Zahl der Amerikaner, die zu den eng¬
lischen Krönungsfeierlichkeiten nach London gehen werden, auf
oisdopfep
Eine der ältesten Mineralquellen Deutschlands.
Versand seit Anfang des vorigen Jahrhunderts.
Stets gleichmässiges, an Wohlgeschmack und
Bekömmlichkeit unübertroffenes Tafelwasser.
Königl. Preuss. Staatsmedaille.
Roisdorfer Brunnen-Verwaltung W.Custer, Roisdorf
(Rhid.)
DEUTSCHLAND 2
SSi&tlicbei PHUt d&r direktem X^mitTi - ^ind bÄrt^^^
tJnterriehtsÄUBsteilQTi^H ,di^ «1 Be^rliri Wird
Urrd ^it nach dcn^ Axtih9f»riic^^ die
Belichtung der FacWeutie der ganzen Welt gefjJJhd«! t^iid
it\ d®^ Kommissar des preuseischen fCültusitiJtiUferiijiiiäj. Öbef-
iehret Dr, Mosch, einen Uebevollen ChrdnssWtfvu ■ Die Orgaüi-
sfttiön niid. die Geschichte der Auasbtilurig bis Jütti der
Eröffnung' von Djv L., SeYtyi, die gTOfiae RÄiiudnirt^hteiluiig
v<*il RöfeilF^ Brieuer beschriehert wötden. ^um Stahe der Mit-^
arWtnei ^ch^Tten iferuer u, >, Hed^1^eür\ ’^ertbeiihet in
Brüs.s^i, Rföh Dr, Becker in Frankfurt, Rudnif Etiwiptner ih
Werke eiri s^iir beachtetiswertet Aufßiiüi
irtin Geiietofafl ProL pr.Pautl Cie men in Bonn übet die Sn der
Pi'Uta^en AhteÜ^ng «usgeslellten GemsÜdeff SkÜfpturen 12.11 d
ICittiätwerke hejgefdgi;, Per Prutik -umd dii^ AvjHatatni.hg
des Werkes erfolgte ^ pjlVthhl;- 9 iähiu-
tiierg in: Per ymscKla^' 4^ -VsöD dtnr bti^tnhlen
Pijakattnader koMwein in München. Rir dit DeiätSÄbe Abtcilttng
dei" Bftlsseie r Anastell mg c niWör.J c^h^i PUtah.. vÖa!( 9 ) Wer It wird
■ hit'hi . rt’d t'-' ■ 3 * 11 en ■,A nssterUe^h"' ihi . :Ö (Üasd ’'■ ä w>je' .’■ wüikföf'.^r-
innerungsgatc- äss' döS--grosse 'yhtciii.ri^meh''
^uin Besteh de 4 ^ d!^tscheä Ausi^irtde
rciitfewifkt Mben, ^qndetn ts mtä auch ailcfi , difr kich
tiwt dem AnÄSteilühgsWescn bcÄchÄftigen, als *ihft ergtiftbige
Fnhdgrtihc s^ich' ■ erweist^.'■ ' ■
^,ÄhJs ReischeTichten von Arbeitefh hadift^her
Bett lehr ü her die Weji^uasteil un g in Brüse al
hatderyöisUttd dÄr Girosshefköglic,h Badischeia Fabfiit-lnftpektion,
ObertegierufjgtiFÄt Pr^, ■ Binmann, kürzlich unfec Titel
Deutsch«! Arbeiter"* einst mtöressahte ^dkahlmetiiitiiliih^ Vcr-
■■'dferththt- i Verfiaf:.-.-J^fiedirich ■,. Gütech*-, Rdtisrüfee),.’'.;)^« ■t^. th^r-
f 4 ch«r: HiMteht . ■ auch weiterer VÄTdienh
Uriief'Steiner peithrig;; i^^ 5 iyf£:■hW^i: auf .:Aöt«gdti^,.4tiä’ jstim' Teil
aus: M Htelh BWdisc hth Minb u me d e» Tnn ;^i teils
vdü Arb eher-Verümfi^nt' trilk- von 'dpnL
^bj 4 ter ellci; Bertli^ (dafuiib^r Über
die Hillte ürganiwiertei im Oktober v, je- die Aussteiiüng, und
MaTnilichc RetscieiJnehnifir haben libef ihre Brüsecler Eindrücke
^chrihtich Bericht; erstauet Din AuficichnUngen der »nf der
WeUaüs^teJJungsfalut gewonnfinan Eih drücke las^oti,. wie die
v^St^dige. Aussiellücigskommission für die deutsche liiduatrie'^
belegt. Auf 4*0 DÄmpfefii .^MaTiietaoia*'
Anfang Juni ahf^hffen, sind goo Plätze erster KajüT« -ürEd eooo
zweiter Kajüte besteUt, Peagtic^cheTi «md alle Plätze
,^driaÜc"^, welcher am rf» J uni den , h gz n Haf-sri veriäz^i.
beeteilt. Die Dampfer der Ham barg-Amerika und daa
Hor^^Üt^chen Lloyd Wierden übw: roonn P 4 eS 4 gifrre näch
EngUhd beicrdern, im gnuzeß 'Wind bi s ;etjd zj odo KaiÜiplätie
emter und iS 00 0 z: im vo i ä da Verm !ct1s t Vlcte
Atneiikaner» die auf 44h di/ekhin LIhi 4 n keiheri Platte iah
werden 4*0 Umweg ,Lissabon und die iteUcniädÜenT^äfe^!
machen. Der Dbektot eihnf Oeoellichäft versichert^v wenn
er auch noch filnf pömp.fer könntet 4 Alle
bife auf den letzten pi^it bctiei^i Würden-
■B i e Ü 4 r V er a i t ä t i ft C h ir c a g 0 tüßdigt die Ein! e au xig
von yefhkhdiüngeti mit 'mehrere« wisseüscÜÄftijchen Insthutcrn
in Berlin »um Kwecke, dhr H-erbtiifUhruug ©hgsUr Be«
Ziehungen durch Austauac.h vors iVotessofeh an;'
Büchei’schau.
f B % d e r ^ L i t e r a tn-r Äiehe aUtfh untef der Rubrik
Bäder und
■■■ •■■' : ■' ^ommerff i^uhehh . ■:
i>e.uii>qh 1 ahd in SrÜseel igrrö. iite Deutsche Ab¬
teilung; der Brüs^teT Weltäüiifitelluüg. Auf Gfund des vom
Rcüshftki^immiwsaf uud vhm Pr^ideuten .Deutschen Komitees
% U# Verfügung M ateHal^ so wie^ init: U a ter>i i iS 12 ti ng
zahlreicliei* Mitarbeiter herausgegeben Von Gottfried SltvflC^efsii;
Leiter des literariachch Bureuus defe ReichjitpiutnissärSi Rüht
tgio, Verlag von D u M 0 nt-Gchau barg in iCÖJn^ Przifi
»5 Mafk^ Das^ Werk enthält auf ,430 Seiteir die Geschichte^
Orgauisätiou Und die Beschreibung jder Deutschen Abteituufj.
In den Texi srii d ca. 255 IH □ slrat lod e n ei h ch üu d daic
Euch enthält ausserdem 36 ganzseiiige Tafel ei;, die in dCm uieüeu
Tfef druck verfahren dur Photogfävur A,-Giiu Siegbürg her^e>
stellt sind. Bei dem üuifaugteicheu vy^irk^ haben tuit d'Sm
Her ÄUiageber eine ksih* ;^iSchvj&r 5 iaiidiger.M^
gew irkt. So hat dae sarute..Muschinieuw«?^h 4 &r diie rmgeu imt
der Dectfechen Abteilung Frttsch^ beschrkheh- pie grotae
vartikHHy u: JU i t er 21 e i t, \v » tu au
-iilöL: ti bv^t lijaitUn
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üuud lufig 4pr VV r>r Sgi ii (t Ipryjie^tu.
Der rel^H Hiuip
Np. 6S4 aiif Wunaeh koateBS&s*
Nr. 2 g ioooQQQQ9a9Q i MgQQQOQia a9Q9äs DEUTSCHLAND m&ia&&&&Be&&ee0eee&eß&ß&^e0em ns
mitteilt, auf jeder Sdüla erkenbeß, olit welchem Eraat uuti EKer
äie Arbeiter den Zwntk ihrer rdnftägigen ^ei*e ^fe^ödelteu,
rühniea afft die Bedcütuug der deufrseheTj Indü6tn>t wie
BrÜaael Äiatage trsst* efltewpeii aber auch die der Wettbewerbeti-
den LJuder an, verartjichnen fhll Befnedi||^ng die BÖdüjig:^-
. ^iäiarichtUQ^eD Deutaclilhudfl und des Auslands^, «iudretehv;.rhif
Inlerease die Arbeicerhäuter der vei^chiede^eA Nationen
und die helgisphe Heiniarbftit^Ausstellung^, machen aber ^cb
Über die ^uetindft im ArUeitervipnel Brüssels jhrem Herren JLuft
Uftbemil aua diesen bftmerifcnswer(en Kultur-Dc!cUmenten
dfts 1^4 4et ÄrlrfcTt und vofriehmlich deutscher Arbeit
hftrauft» Ösäieben fehlt aufth nicht emsien Mahnungen
im latftreftae des snjöÄiÄö f'riedftna. .»^Von splchtn Aus^stellnügeQ
jEi^rt ^ schreibt «in Echfiftaetiftf:—^ ^^niebt nur innerlich
relchftr jrtiyÜak, auch cniiurchaä achrnbe Urteil über das Wirt-
eehaltslftben end dift Bc^ehungeu; ;swificbftn Aribdit^cher lind
HArbeÜftr k>(>nri'^ie'r«n ist /.-uusefe IPÜiehJ!*'^ '— ab iitast
dCb cId Bpinnier höwiö 4- t&oJt liiichl nur daa Er*
fttngme jfeBtsrtibalJjftn, eoaderrf* öatch grgswerer Vpllkommenheit
auf ii^VftA^felehsa »ü. fttrebeU^ Arbwtgeber und müsaen
Hand; ih Haad un^t Vaterland einer aicheren
und g:4lLn;«end^ ^^ultunttehtge^engehiL*^ .^^Wir deutschen Arbeiter'^
—r eagt ein Steindnickcr ■— |,babftn alle Veranlassung^ auf die
Würdigiung uiaeere^r Arhett durch fremde Nationen ^u
eem, E« gilt jetzt -wieder, an die Arbeit tU gehen, um durch.
Wftifftrft Steigerung der (Lpcistungsfahigkeit der heimatlichen
Industrie bleibenden Er^lg kn fticherm''^
tJer Verkehra-Verband für Öjit- und Wesv-
preni&iiefn macht mi% der Herausgabe einea Ideinen Ftihrera
„Ost^ und Westpreüssen^' Öen Versuch, die VDruTteiie, die
noch immer gegen unseru Osten in den WeiEesten Kreis eri
DeütacMands vorherriCbftnT «n zerstreuen, und die Provinzen
Olt" tmd Westpreussm, die eine Eiille an lau daühaftUeben
Schdnhftiilen und kiülmrhistorischen Stätten aufweisem mehr
und mehr dAtn ^oviristenverkehr ^u ftriChlii^ecti. In Wort
and Bil 4 wird der Nachweise yeriEfUohl, da^ die ostdeutsche
Hilm^ dem Naturfreittödu und V^rgh^^ungsr^sftndcn, dem
Altertutnifbrach tst und d am kun sthr^uh de r gleich V iel es und
Achbneft j:ü bietftn yern:^g; hi ^ iwei
grqsBen Teilen angeordoet. Im sind ln
grofij^fen Zügen di« geoingiscitftn Vdrhältmtsee der beiden
Fföviüzen geechiliicrt* Unter dem Unterltunlt und
Verpflegung ölhd, auch die in Ost^ und Wein-
ge fichtftten Studenten v nnd SJchÜlftrherb erfen aufgcjtfhh* Eine
ung der «harakteristischeh Laddsebafte n der bilden
Pfövihzen gibt dem reliepdeh PubSikuth , eiben ÜbctfaUck Übof
die HaupfsehftDswürdigkeUftn Ö« Osten®, Einige ptilcti^ch^-
Winke ihr die die klimatischen VerhJüthisse uti4 die
H eis ft wegftp s n wt e - eip LÜftf a lUi verceichiüs, das In ler es sentep die
Möglichkeit gtbtr ü^r d*B e^he bder^ andere Oftbiftt, oder
Über hiaiorische Momente näheres niichÄUschlagem beachliessen
den allgemeinen Teil, Im sw eiten TeO sind in zwei Unter-
Abteilungen Ostpreussftp Dud Weatpreuaien behaudelh Das
Buch ist tnit reichem ünd gutem Bildschmuck auigeafatfei. An
der Hend eines ain^'üHHichen lpbaU^yerjeieh^iftftfts und alphS"
betiseken Ör^veraeichnfsaes wkd^^ der EEeisend« ieiefat
oneblierea kgnnen .und in- dem kleiacn Führer einen lu verläsilgen
Begte j ler luj d Ratgeber ?fiudeu> Dse T^btwg a tif dem Titftl-
blatfi 4 ä« W id^, deubteheh Omtens,
tUÄj^ detn Rei 4<ir diesem Bü<Jb aut Hand jilthml, ahnen
; TveVOl?ft unehdUe bc Eüü e wertvofler St;feätie m ihn£g,fj&j|;hiter
Ari die nörddeutsche Heanuat ihm bietet, die auch kürzlich in
der Arnertka-Nummbr Öftt ^ZevlechTii^^ ,,0 0 u l s ch 1 a n d‘^ durch
einen illüslrietteb AyfiaU V’bp jos, Buchhorn eingeheod ge-
■würdig^ Wurde-
Oas obere Samt et al und dftT li^rmhksnwald toh
U ehrei Karl RÜhfZiegehrüqk, 4 . yetmehrte Auflage des Wmnder-
hüciis des Frankenwald-Vereins. (Bruck und Verlag von Hein-
nch Jentzsch, ZiegehrÜckli Die neue Aüflagt dieses Führers
duith das obere Saaietat und den Tomandsclieti EfaukenwaJd:
ist mit zahl reichen RI dstra Honen und einer HÄhehsettiehtenkjarte
des erwähnten Gebietes versehen.
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« chn 1 e Be t .-}i n , dam Soeben erschienen i&t (Berlini Verlag,
von Georg Reimer^ wewt cehen deu regelmässig wiederkeb^eöden
Vüdestmgep für dau.bevöret^henöe äommeraeineater eihe Reihe
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; enthält (tiri«' grp^se AUä&wuhl Vfjß füt'
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bahHftts^eht,: pos*« ti rtd TcJr ^^rkpbTiBt^a rifw «»eti ^ K ü fiat-
g 3virerhÄf K oireiip ö iädj^n'sc. Hnd Ä^ttrAr b cHfpr, Vtiü ira änn i s che
HO 4 pah Mi y>me bk; ere Ab «kuTin
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iithtA ; WfrkiiofiT der körperJichcri UebmigeB^ Traittittg^ Kleidung,
Die Ftaü odid der Sport, Erste Hh/c h^ti OßglÜcksfiSyeiJV. V. Gö-
aehtchUichea. -
liä'rOodtifig
OncGbeo. Römer, Dfedtahh*-;
Sponverdinen. Lberatiirangabed/ :
Schluss des redhictihöeh^it
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Dib SlaekinpIerd^ldlifttUitiil^ii^Sait« ifet ig »Ich
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Vof’iÜjjHcheSi
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SVaaU fthprKiinnle,
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Dr/mect Staöiil^^
Kaufmäiiiu Lsittihg
Direktor BttttBV
Bittfe mbine 16 2u heächtBrt!
Eaf«fls1r. 2
Efarenstr. Z
V4'k'<^dHt«tiin)rWuflltni}
■aftftlP j^tile (rdtt tarnen Kt «ättn fiittt ^tß
to.B<ninanilftj86<^R*A«ft<ltl* )>«>>» biefexrj. rin jort., tein.
©ffi^t vi>fiö. l«jjeHbk. ÄwSfftfn, wrifs?. femmriw. ^ant
$ucfc|Riif(rly£iMiiiniic^ ■ Stift
«. ^ortnfitettö'fnbfii|öati[ii'X^at^t- 5 ö|^fg. ftbtt. g.6u6.
m s Otsan fOr die deutschen Verkehrs-Interessen m s
Amtliche Zeitschrift des Bundes Deutscher Verhehn-Verelne
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t1 F
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Wald und See a. d. Ostsee
(Stimmungsbild)
Rufn. von Photograph E. Hamm, Berlin W.
Die deutschen Ostsee-Bäder
Herausgegeben unter Mitwirkung des Ostseebäder-Verbandes
sn ‘=1111 1!
r=i lö
Die flAERIM-NUmER
der Zeilschrffi„DeulschIand“
hat in den weileslen Kreisen Beachtung und freundliche
Anerkennung gefunden. Die verschiedenen Aufsätze wirt¬
schaftlicher Arl, die umfangreichen Slädte- und Landscliafts-
schilderungen und die zahlreichen Illuslralionen vereinigen
sich zu einer Propagandanummer im wahren Sinne des
VVorles, die der Heranziehung des amerikanischen und
englischen Reiseverkehrs förderlich sein wird.
Dass unsere Amerika-Nummer aber nicht nur bei den
amerikanischen und englischen Tourislen . denen sie in
Tausenden von Exemplaren zugänglich gemacht wurde,
Inlcrcsse gefunden hat, sondern in gleichem iMasse bei vielen
deutschen Lesern, beweisen uns die zahlreichen Bestellungen,
die tagtäglich einlaufen, namentlich von Behörden, Schulen
und höheren Lehranstalten, Stadt- und Kurverwaltungen,
Verkehrs-Vereinen, Bibliotheken etc. Diese Tatsache zeigt
in erfreulicher Weise das wachsende Interesse für die
Bestrebungen unserer Zeitschrift zur Förderung der deutschen
Verkehi's-Interessen, zur Fliege von Heimatkunde und
Heimat liebe.
Der Einzelpreis unserer 172 Seiten starken Sondernummer
in englischer Sprache beträgt 1 Mark, zuzüglich 30 l^fg. Porto
(innerhalb des Deutschen Reiches). Unsere Abonnenten und
die Mitglieder des Bundes Deutscher Verkehrs-\'ereine können
weitere Exemplare zu Piopagandazwecken zum Vorzugspreise
von 50 ITg. beziehen.
Verlag der Zeitschrift ,,Deutschland“
Organ für die deutschen V'erkehrsinteressen.
DÜSSELDORF
DEUTSCHLAND
Organ för die deutschen Verkehrs-Interessen
Amtliche Zeitschrift des Bundes Deutscher Verkehrs-Vereine
Mitbegründet durch den Internat. Hotelbesitzer-Verein, Köln
♦ Bezugspreis proJahr6M.,viertel- t
♦ jährlich 1.50 M., Einzelnummer ♦
♦ 40 Pf. — Erscheint gegen Mitte ♦
t eines jeden Monats (im Juni, Juli {
♦ und August monatlich zweimal) ♦
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Amtliches Organ des Rheinischen Verkehrs-Vereins,
des Sächsischen Verkehrs-Verbandes,
des Verbandes Bergischer Verkehrs-Vereine
und des Verbandes der Verkehrs-Vereine Westfalens.
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4 ♦
I Anzeigenpreis 40 Pfennig die I
♦ viergespaltene Kolonelzeile ♦
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I Breite. — Bei Wiederholungen J
♦ entsprechende Ermäfzigung ♦
Nr. 3
Düsseldorf • Juni 1911
II. Jahrg.
Ostseebäder.
Von Dr. v. Boltenstern, Berlin.
„Wir aber brausen fort und immerzu,
„Wir Meereswogen sonder Rast und Ruh."
Rob. Pretz.
Vergangen ist des langen, trüben Winters Not, Frühling
ist wieder worden. Es grünt und blüht in der göttergleich
ewig jungen Natur. Die Frühlingssonne lacht am blauen
Himmelszelt und lockt mit wärmendem Strahl hinaus ins
Weite. Ueberall erklingt ein neues und doch so bekanntes
Lied von Gesundheit und Jugend. Auch wir rüsten uns, aus
dem Getriebe der Stadt, aus dem ewigen Einerlei des Berufs
hinauszuziehen, um Leib und Seele neue Kräfte durch Ver¬
weilen in der freien Natur zuzuführen, um die Schäden und
Schlacken, welche der Winter mit seiner influenzareichen Zeit,
mit all seinem bösen Kranksein und seinen Schmerzen zurück¬
gelassen, zu beseitigen und abzuwerfen ins Meer, das alles
Uebel wegwäscht. Wohin? — Ein zweifelnder Blick, ob wir
das rechte trafen! „An die zahme Ostsee, das große Wasch¬
becken? Vielleicht willst du nur die Ruhe, brauchst für deine
Erholung nur die stille Abgeschiedenheit von der Welt, von
deinem bisherigen Lebens- und Wirkungskreis, der vielleicht
auch nur zu sehr deine Kräfte beansprucht, an deinem Marke
zehrt? Denn von wirklichen Leiden befreit werden kann man
doch nicht am Gestade der Ostsee ?" O, wie falsch ist doch
dein Urteil I Du kennst es sicher nicht, das Baltische Meer
mit seinem lieblichen, waldumrandeten Gestade, mit seinen
mannigfachen Reizen und seinen segensreichen, unerme߬
lichen Heilschätzen.
Gewiß, es ist noch nicht lange her, daß die Anschau¬
ungen über den Heilwert der Ostsee sich wieder gewandelt
haben. Wieder? Ja, erinnere du dich einmal daran! Fand
nicht das wohltätige Heilmittel des Seebades bei uns zuerst
gerade an der Ostsee rechte Würdigung, als vor fast
120 Jahren der Göttinger Professor G. Ch. Lichtenberg nach
seiner Heimkehr aus dem englischen Seebade Margate, dem
er „die gesundesten Tage seines Lebens verdankte", zur
Errichtung von Seebädern in Deutschland anregte? Lichten¬
berg freilich wies auf die Nordsee hin, weil das große Schau¬
spiel von Ebbe und Flut der Ostseeküste mangele. Und doch
wurde an der mecklenburgischen Ostseeküste auf den Rat
des Rostocker Professors Samuel Gottlieb Vogel, des „Vaters
des deutschen Seebades", zu Doberan die erste Öffentliche
Seebadeanstalt 1793 errichtet.
Vogel schätzte die Heilkräfte des Seebades sehr hoch
ein. „Wir haben kein Mittel, wodurch in vollkommen gleicher
Weise dieselben Absichten könnten erreicht und mithin das
Seebad ganz ersetzt und entbehrlich gemacht werden. Es
besitzt Eigenschaften, die ihm in vielen Krankheitsfällen
einen Vorzug vor allen anderen Bädern geben und es über¬
haupt zu einem überaus schätzbaren und wirksamen Hilfs¬
mittel machen. Sehr viele Menschen, die so glücklich waren,
sich desselben bedienen zu können, sind dadurch von den
schlimmsten und hartnäckigsten Krankheiten, die allen
anderen Mitteln widerstanden, geheilt worden, haben ihm ihr
Leben und ihre Gesundheit zu danken." Mit Vogel be¬
trachteten die älteren Badeärzte das kalte Seebad, das
vor dem verwandten Solbad den Vorzug der Bewegung, des
Wellenschlages besitzt, als das Wesentliche beim Gebrauch
einer Seebadekur. Das Seebad galt als eine besondere Art
von Mineralwasser, das durch seinen Salzgehalt die Haut
reizt und reinigt, nach Aufnahme von Salz in das Blut auf
die inneren Organe wirkt und durch Salzgehalt, Temperatur
und Wellenbewegung das Nervensystem beeinflußt. Die
älteren Badeärzte waren von dem Heilwert der Ostsee durch¬
drungen. Ihrem Einfluß und unermüdlichen Wirken und
Forschen ist es zu danken, daß dem ersten deutschen See¬
bade Heiligendamm andere, wie Travemünde, Swinemünde,
Warnemünde, Misdroy, Colberg, Zoppot u. a. folgten, die noch
heute ihres wohlverdienten und anerkannten Rufes sich er¬
freuen. Einen besonderen Aufschwung gewannen die Ostsee¬
bäder in der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts durch
das gesteigerte Reisebedürfnis, die größere Reiselust und
die bessere Reisemöglichkeit. Ihre Zahl ist von Jahr zu Jahr
gewachsen. In schneller Entwicklung sind aus weltverlorenen
und weltvergessenen Fischer- oder Stranddörfern stattliche,
überall wohlbekannte Badeorte geworden. Von der Memel bis
zum Belt, von der samländischen Steilküste bis zu den tiefen
Einschnitten der blauen Ostsee, den Föhrden an Schleswigs
Küste dehnt sich ein glänzender Kranz von Bädern am
herrlichen Sandstrand gelegen inmitten prächtiger Buchen¬
wälder, Fichten- oder Kieferngehege. Hier herrscht größte
Eleganz modernen Badelebens, und selbst der Verwöhnteste
findet sein Genüge. Dort reizt gerade der zwanglos gesellige
Verkehr. Andere Orte wieder zeichnen sich vor ollem durch
ihre köstliche Ruhe in der erhabenen Natur, durch ihren
stillen ländlichen Charakter aus und bieten vorzüglich
Kranken die endlich ersehnte Erholung. Groß ist die Zahl
der Bäder an der Ostseeküste, groß aber auch sind ihre
Unterschiede und reich ihre Auswahl, gehören doch dem
Verband der deutschen Ostseebäder zurzeit 85 Seebäder am
Ostseegestade an.
118 DEUTSCHLAND Nr. 3
Die Ostseebäder als Sommerfrischen.
Allerdings, gerade als man um die Mitte des vorigen
Jahrhunderts wissenschaftliche Untersuchungen anstellte, auf
welchen Faktoren wohl die in der täglichen Erfahrung wohl-
begründete heilsame Wirkung der Seebäder beruhen möge,
da — welch eine Ironie des Schicksals I — verlor man den
rechten Pfad. Man kam auf einen Irrweg, der erst in neuester
Zeit wieder verlassen werden konnte, nachdem man zur rich¬
tigen Erkenntnis des wahren Sachverhalts durchgedrungen
war. Schon Vogel schätzte, wie die Aerzte einst im Altertum,
die reine belebende Seeluft, und auch andere Aerzte erkannten
ihr einen Anteil an der heilsamen Wirkung einer Kur an
der Ostsee wie überhaupt an der See zu, und die Quelle
dafür suchte man u. a. in dem größeren Reichtum an Sauer¬
stoff, dem Mangel an Kohlensäure, im Salzgehalt, in der
Feuchtigkeit und vor allem in der Reinheit der Seeluft, in
ihrer Temperatur und Bewegung. Und später wurden gerade
die physikalischen Eigenschaften der Seeluft in den Vorder¬
grund gestellt. Als wichtigster Faktor für die heilsame Wir¬
kung der Seeluft wurde ihre intensive Strömung betont, die nicht
nur Ursache des stärkeren
Wärmeverlustes des Körpers
am Strande, sondern auch
gleichzeitig die bedingende
Ursache für einen gleich¬
mäßigen, raschen Wieder¬
ersatz der verlorenen Wärme
ist. Während manche Schrift¬
steller vor Ueberschätzung
der Seeluft warnen zu müssen
glaubten, durch deren Genuß
das heroische, für schwäch¬
liche Kranke Schaden brin¬
gende, für andere und gesunde
Personen aber unschützbare
Stärkungsmittel, das Seebad,
nicht zu ersetzen sei, sprechen
andere ihre Ueberzeugung
dahin aus, daß die Seebade¬
orte in unseren Ländern
hauptsächlich als eine be¬
sondere heilsame Form von
Sommerfrischen nutzen.
Die See-Badeorte dienten
zweierlei Zwecken, einmal zur
Abhärtungskur und zweitens
als Sommerfrische. In erster
Linie handele es sich besonders um den Wellenschlag, in letzter
um die Luft- und Windfächelung. Und zum Zweck der Sommer¬
frische seien die sonst wegen geringen Salzgehaltes und mäßigen
Wellenschlages oft hintangesetzten Ostseebäder sehr brauch¬
bar, weil sie meist mit hübschen Waldungen versehen und in der
Nähe gastlicher Ortschaften gelegen seien. In den Ostseebädern
seien die Heilkräfte, um deren Wirkung es sich handelt, so
schwach vertreten, daß sie nur für die wenigen paßten, die mehr
der Erfrischung als der Heilung bedürften. Derartige Anschau¬
ungen haben zum Schaden der Seebäder und vorzüglich der Osl-
seebäder leider schnell und nachhaltig an Boden gewonnen und
behalten, und doch erkannte man, daß jemand aus der Mitte
oder dem Süden Deutschlands, der niemals Seeluft geatmet,
sich schwerlich jemals einen richtigen Begriff von derselben
machen können wird. Umsonst erhob sich die warnende
Stimme eines mecklenburgischen Arztes: „Mag im Laufe der
Jahrzehnte wegen der errungenen Erfolge der Anteil des See¬
bades überschätzt worden sein, und hat man schon in früheren
Zeiten die Heilkraft der Seeluft gewiß nicht unterschätzt, so
ist doch erst in neuerer Zeit, wenn man will, mit einer ge¬
wissen Einseitigkeit die Bedeutung der Seeluft für die Heilung
konstitutioneller Krankheiten hervorgehoben.'' Selbst noch
in neuester Zeit wird im allgemeinen über die Seebäder ge¬
urteilt, daß sie sich vorzugsweise als Sommerfrischen für die
Stadtbewohner des mitteleuropäischen Festlandes und mehr
als manche angepriesenen Land- und Gebirgsorte des Binnen¬
landes eignen, in welchen es oft vor Hitze, Trockenheit und
Staub im Sommer nicht auszuhalten ist. Und insbesondere
sollen die Ostseeböder bezüglich der Luftverhältnisse nur die
Bedeutung von Sommerfrischen, vor denen des Binnenlandes
den Vorzug haben wegen ihrer niedrigeren Sommerwärme,
einer verhältnismäßig viel reineren, zeitweise sogar ganz reinen
Luft, wegen der freieren Luftbewegung namentlich von der
Seeseite her und dann wegen der meist anmutigen, Auge und
Gemüt gleich wohltuend beeinflussenden Verbindung von
Meer und bewaldetem Land und ihrer eigenartigen land¬
schaftlichen Schönheit. „Wer von einem Seebadeaufenthalt
nur Sommerfrische und geistige Erholung wünscht, der wird
in den freundlichen, meist anmutig gelegenen, mit landschaft¬
lichen Reizen ausgestatteten Bädern der Ostseeküste stets
sich wohl und befriedigter fühlen." Doch das Urteil, auch
wenn es von Aerzten der Neuzeit stammt, dar! nicht ma߬
gebend sein. Sie kennen die Ostsee nicht und schildern den
Ostseestrand als minderwertig nur zugunsten der Nordsee.
Und doch kommt auch den Oslseebädern in reichem Maße
zu, was in der Regel nur für die Nordsee in Anspruch
genommen wird.
Die Ostseebäder als Heilbäder.
Auch an der Ostsee darf man von einem Seebade¬
aufenthalt außer Sommerfrische und Erholung bestimmte
Heilwirkungen vorzüglich der Seeluft auf den menschlichen
Körper, insbesondere auf Ernährung, Blutbildung, Nerven,
Knochenhaut, Schleimhäute, namentlich der Atemwege und
Lungen, erwarten.
Es kann keine Frage sein, die Ostsee besitzt die gleichen
klimatischen Kräfte wie die Nordsee. In klimatischer Be¬
ziehung sind beide Meere gleichwertig. Höchstens könnten
im Vergleich einzelner Orte sich nur gradielle Unterschiede
ergeben. Falsch ist es, von der „schwachen" Ostsee im
Gegensatz zur „starken" Nordsee zu reden, die reizbaren.
Glücksburg
Nr, 3 DEUTS CH LAND 1 19
e^ihi^’hen Naturen der Tti^ldefi Ostsee, die reiEloser*^ To3rpiden
^Kmdsäu^üch der Hs?fdsee ziisi>weLseni Güt ftiönciie
bfeder; iÄ?ie die osEpr&üSi-scii#ri Bader des Sainländes, ^iad
darnlc ihrer Küstenbthiiin^^ ihrer. an den >La«pttug:stratlen
der Seewinde den hdldm N^rdseehädem «n Kraft überlegen*
Anderseits aber gibt es wir^Kt^h rndde K\iifqrte> die doch ein
gewisses Melä Tei?^n4i=-r:Kfi^fife. = 3)1 r eigen n^nien. Je noch
mehr,, in ^aKlreit'h^iiJ.Ovt^^rt Ost<3(C-^gu>it(?de IM die
dchkeit gegeben, des Klimös Jit nach der
HtnpfinidlkhkeJt de^ PaHeh^w abzustctfcn, je nerh der R^eJ^-
emprünglifihlkeit abüuanvl^^rFL- '^ö?raJe dhrirt he^i die bafdndere
Bigentümikhkeit, die
denIfedwert derOst^ _■ ■:• -^ . _ . __
seeeiiis^?ichneh Öst'^
Seebäder sind ehen
Idimö tische KnrdTta
und, wie wir *fon
vornherein b^etonen ;
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den SöihmWfv bdcli Tü r |
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nur ßls’ Sommer -> S\V*
äntn^ehph 1
Nr.3 DEUTSCHLAND 121
großer Wasserflächen bildet und wie Ozon geruchsver¬
bessernde und keimtötende Eigenschaften besitzt. So er¬
scheinen alle Behauptungen über das reichliche Vorkommen
von Ozon in der Luft dieses oder jenes Kurortes zum
mindestens als eine arge Uebertreibung.
Die physikalische Beschaffenheit der Seeluft.
Eine veränderte chemi¬
sche Zusammensetzung ver¬
leiht der Seeluft sicher nicht
ihre durch die Erfahrung so
vielfältig bestätigten gün¬
stigen Wirkungen. Lediglich
physikalische Momente
müssen das Eigenartige
des Seeklimas ausmachen.
Nicht positive Eigen¬
schaften, sondern negative
treten in den Vordergrund,
sind für die Behandlung
von Kranken an der Ost¬
see die wichtigsten. In
vorderster Reihe steht die
Eigenschaft der Atmo¬
sphäre an der See, daß sie
chemisch rein, fast frei
von Staub und bei-
gemengien Gasen ist, und
zwar nicht nur von auf¬
gewirbeltem Straßenstaub,
sondern auch von jenem
unsichtbaren Luftstaube,
der durch organische Zer-
setzungs - Produkte entsteht und die Luft in den Städten
verunreinigt. Die reine Luft wird in vollen Zügen ein¬
geatmet, die Atemzüge werden tiefer, ein reiches Maß von
Sauerstoff, der Triebfeder des Stoffwechsels, wird in den
Organismus eingeführt. Schon die Abwesenheit des Staubes,
eines der schädlichsten
Potenzen für Brustkranke,
bildet ein wesentliches
Heilungsmoment. Die große
Wasserfläche und die von
dorther das Ufer be¬
streichenden Winde wirken
so erfrischend, daß jeder
Binnenländer und vorzugs¬
weise jeder Großstädter
am Ufer des Meeres die
Wohltat empfindet, einmal
wieder in absolut reiner
Atmosphäre atmen zu
können. Von dem Fehlen
des Staubes kann man sich
schon grob sinnlich über¬
zeugen, wenn man einen
durch einen Spalt fallenden
Sonnenstrahl betrachtet und
den Mangel oder wenig¬
stens die geringe Anzahl
von Sonnenstäubchen sieht.
Zudem fällt es vorzüglich dem Binnenländer auf, daß sich in
den am Strand gelegenen Wohnungen wenig oder gar kein
Staub auf Möbeln und Kleidung sammelt. Durch bakterio¬
logische Untersuchungen ist festgestellt, daß der Keim¬
gehalt der Seeluft mit der Entfernung vom Festlande ab¬
nimmt und schließlich ganz schwindet. Aber nicht die Nähe
eines Landes ist überhaupt von Bedeutung, sondern vielmehr
die Entfernung des der herrschenden Windrichtung zunächst
gelegenen Landes. Wind vom offenen Meere bedingt Keim-
und Staubfreiheit der Luft. Am günstigsten müßten daher
die Verhältnisse auf entlegenen Inseln sein, die allseitig
oder wenigstens vorherrschend dem Seewind ausgesetzt sind.
Indes haben seitens des preußischen meteorologischen Instituts
im Hochsommer zu Misdroy und auf Helgoland zu den ver¬
schiedensten Tageszeiten, bei allen Windrichtungen am Strand,
im Innern und an den Grenzen des Ortes, im Wald und
jenseits der Waldgrenze vorgenommene Staubmessungen die
überraschende Tatsache ergeben, daß der Staubgehalt
der Luft am Strande von Misdroy genau so günstig war wie
auf Helgoland. Nicht der Seewind allein sorgt für Staub¬
freiheit der Luft. Es kommt auch darauf an, wie das Hinter¬
land gestaltet ist. Die ausgedehnten Binnenseen, die an
der Ostseeküste vielfach die Badeorte landseitig umschließen,
die Haffbildung, wie sie sich in Preußen, vor der Oder¬
mündung, in einem Teil der mecklenburgischen Bäder u. a.
findet, die reiche Gliederung, die überhaupt im allgemeinen
Warnemünde
Arendsee: Strandleben
122 DEUTSCHLAND Nr.3
die Ost$<feküste aKJszeichnet, jr^sbesoodere aber die Insel
Rügen, mechen die Kurorte von ailen Seiten den Luft*-
Strömungen ^ugüngl^ch, die Luft auch bei tündwind steubfre»
Der Wald an der Ostsee.
Aber nodi ein Mittel besitzen die M^luiah] der Ostsee-
Bäder, um stGubfreie,. reine Luft «u gev^^Shrleisten: den Wold.
In den vom Wald «rngurretkjn beivteht nicht nur ein
Schutz gegen die Lnbdwinde, sondetn vor .alltjm stellt der
Wald, wie das Br.KpKd von Misdroy i^eigt, ein wirksames
Filter dar, durch welches die zirgrdtihrte Luft von Staub
gereinigt wird.
ln früheren Reiten hot man deit k|in)iiciscbfo Wert der
Wälder m der Umgebung der Oi^t^ieebiider in der vollen Be¬
deutung mehr oder weniger Dorh schon nm die
Mitte des vorigen Jtihrhunderfs wird wiederbpli nui den breiten
Wttldgürtel fturrnerHa ni gemocht der die meisten Ost See¬
bäder umgibt o4«?f wemigsteos in ihrer Nähe oft bis tmmittelbar
zum Meeros’jitrunde reJehti D<ir Waldreichlum der Ostsee-
bader gibt nicht ölleüv einer» Inndsrhöftiicheo Reiz., wirkt nkht
nur düfch r>eine Marchonstürnrnimg nul Grmiit
und llere^ sr>ndBrii bietet den
. Fötienmn selbst bei starkem Tem-
peralurw'echsel auf der See und «ro
Strönde. ein mildes. gleichmäßigeA
Klima, und be?k«ndef.s niv regen, urt
welchen die spröden Nord- und Ost^
winde dem empfindlichen Kiugast
den Genuß der Seeluft verleiden,
tritt unser Stnlz^ der dkhte Buchen.'-
wald, als ein sicherer Vertmttkr ein.
In wenigen Schritten i$r i?r erreichi,
und wenn draußen ein harter Wind
dos Wetter unangenehm, ja für
manchen bedenklich möcht, flüchtet
man in die schöne, milde Wüldluft,
wo nichts ol.s trin geheimnisvolks
fernes Rauschen an die See erinn^kn
DerWold nimmt der Luft ihre Schürfe,
dem Sturm seine Gewalt und schötzt:
gegen die Sanne. Wtw <u? lasttjr
wird. Wenn wirklich .Lundwind-e mebt
keimfreie Luft zufuiweri .sö|ltc-ru sc?
werden die Mikroorg^misnjeo in den
mailenwfMtim Wuldetr» fcstgehntten
und^ wo sie zu Bader! \^,nk»?n, -t—
Vom Wnldbciden vernichtet. 2iun
mindesten, af&o i*i»l die Luh rin ilen C)stseeküstcn hei Si'ewfnd
und in wnldumsaumieu Orten öueh hei Landwind ühemus
rein, verKöltnismößig frei von beleihen imd otihelebten sLbrnL
liehen köffierhVhon Elementen, zeichnet sich durch Fteihui»
von Staub und Armut an Keimen öus.
Die Lultbevvegung at\ der Ostsee.
Daß notürlich auf die Rainfgung der Luft die l.uH-
beweg ung überKoupt amen Hinlluö äußert, ist verslurvdlieh.
Aber sie wirkt auch auf das Huuptnerven.system und dudufch,
daß dem Körper Wörme? entzogen wird. Luftstföruungen >iFHi
atn Meere immer vorlumdrm, wenn >5te autf> untUntFr mir
schwach urul für das (jufüld kouru wuhrnclWubar suvcL S^c*
beruhen vornehmlich aul der verschVedenen BVwaxmrmg von
Land und Wasser am Togo und bei Nächf Selbst wähmwl
der Katme zwischen Morgen*- und Abendwind fchh es nur
sehen an einetn |.uf(zv/gy der deix Körper selbst bei l>oher
Sommertempxinintr vor der erschhdfc.nclen Einwirkung der
Whrttie schützt Durch die (.uflslrdniungen tuluidiU der
Körper öußerordcntüche Warmeve.rluste, dir der monschlicl«:^
Organismvis rasch durch gesteigerte WrbrennungsVöt'gfinge
■'i'
!
I';
zu ersetzen vermag, ohnu daß ihm eine allzu große Arbeits-
leistang zugümutet wird, Duclurch ah^r gerade unterscheidet
skh die^Reluft spezifisch von ollen übrigen Arien kunsdicher
oder nölütbcher WärmeenizieliungsmiUel. Dabei vermindert
der hohe Peuchligkeiisgeliall der Seeluft den unserem Gelühl
empfindlichen Warmeverlusr durch V^erdunsiung. Der ganze
Vorgang der Wäweentziehuug wird gemildert. Zudt?m lösen
die den Köi|j!er gl^ichgiäßig umspiiienden, mehr oder weniger
starken LufisiWVmidigeit fedlexifi^ der f fautnerven eus,
die «len Vt^rbreOmmg^prozeß ir» den Geweben mächtig
a»«regen und dan Aüsghrirluingshestrehefi des Organismus
beiöldenv* In drest-in schnellen Wiederersaiz Legt der Houpl-
gruiui dafür, daß Aufmthalf a.tn Meeresgesf/ide, selbst
bei windigem Wetter, situndenhing in sTUender Stellung euch
von srhwucheren Indtvidaen ohne NachiäiL ohne Gefahr dar
LrkaUung orirrtg«n wt*rd.en kann.
V'on gfnßuf Wivbiigkeit sind sfiwohl vorherrschende
W1 r* d f i i'h t ü fvg wne W i n d s t o r k e-
Lrn au.sgesprochen reu\fs Sevklima findet sich rvitüffich
nur dorr, \v»j der Wii^d b<H jedar RicbtM»<g vom Meere und
nicht vom Lönde w*eht Das isti genomnten, nUr auf
. felahxe.r'crv Ln^^do d Fall, die ztenv*^
Üvh weiLetwa 50 Kihimeier, von der
Küste entfernt wia IlelgpUnd.
Dot h muß man imben dt^.m Seewind
den Küsten wind vom Landwinde
tri/nnen. An der stark geglKdcrtet!
Oslseeküsle lievrsrhl tmust Küsten-
wind oder gemischiw Wtrvd mehr als
reiner Seerwund, von dem der erstere
w^öhl durch die nicht gleich geringe
Keimzuhl und den nicht gleich hohen
r-euchtigkeits-Gohölt untei^tchieden
sein mug. hmnefhin muß auch der
Küst^^^riwind uH kühlende^, feiichic,
sUvubatme Luhströmung gehen, Da-
Ml herrscht ein ifiglicher Wechsel
Von. iand- .und Seewind, eine Hr-
scheimnig, ifie; sich im ganzen Küsten-
gcMut diü in von West nach
Osi zvmehinendem Orndc l?e^merkbar
macht, Athd vörzetgsweise gerade in
den Soinmnr»"Mr>naieö bei gleich-
mri ßigern Borom eior.^tcmd mit ruhigem
HeilioY'ndamiu ) und trockenem Wetter tm Binnen«
- -- - - - - — Imide. Sie ist mrhi idb^in durch
Wind und Wellen bedingt, sondern
durch die ungieiche Lrwäimung. Auf dem Festlonde HÖrd die
Luft von der Sonne m<L«r erwärmt als über dem M»>ere. Die
wfirtuere hdchlero lAifts» hii ht Steigt ln die Höbe, eine kühlere,
sdivvernre strömt vom Meere nnrh. Dnnira !-.eUen seihst bei
geringster i.uribcwegung nn der Ostsee in deji* Regel vorroittags
küW^te^fr^'vincle enr» unil wucliscn bis zum üpiiteren Kachmittug
oft zu grölkrer „Stfirkc on, während sie gegen Abend meis.! uh-
finuen vmd dem über Nacht leiilvt wehenden LötuUvtnd Raum
gehen. Dann nach lluiergnng dei Sonne kiihll ?s-ich die I.ult
über tk^nn Lunde schneller ah und strömt der wunner gc-
hiivht'öfJu Luf? vl>»;T <iem Mcfue 7u. So kommt es, daß gerade
NVidircnd dnU Tog<’SstUiiih:Tn, ^ der Kurgast int Freien zu
verbrirnjen plJfgi; die Seuwuide hei wu'hem fibenviegen. Diese
Brsrludnuiig zeigi 'virh m um so isturkorenr Grude, je mehr
dem Hiulerlond der kontinentni»’ Kliimicharakter eigentümlich
ist, hm stfirkstch itv dem Östlichen G«yhietc- der Ostsee.
Dabei spielen am b ilie Lage der Küste in einer nach
Nouieti üpd NordwTsteo gewendeten Richtung und die Ab»-
höngigkffit der WeUerlage von eiiKT i>aromutnschen De-
prevsitMV eine RAilhc Der Zug der grölioren lad’lwirbel ini
Sommer geht meist uus dem höheren Nordwesien nach dem
Rostock in Mecklenburg-
(
124 DEUTSCHLAND Nr.3
mittleren Skandinavien und dann mit verminderter Ge¬
schwindigkeit östlich oder südöstlich weiter. Diese Luft¬
wirbel beeinflussen in stärkerem Maße nicht nur das mittlere
und östliche Ostseegebiet, verhältnismäßig lange auch bleibt
dies auf der Rückseite der ^'irbel, starke nordwestliche
Winde herrschen vor.
Die echten Seebrisen, Luftströmungen, die nur durch die
ungleiche Erwärmung von Land und Meer hervorgerufen
werden, nur tagsüber herrschen und bei starken, aus irgend¬
einer Richtung wehenden Winden abgeschwächt oder völlig
aufgehoben werden können, bringen im Sommer gerade an
der Ostsee eine starke Erniedrigung der Temperatur, und
vorzüglich an Tagen, an welchen andere stärkere Winde
nicht herrschen und heiterer Himmel beobachtet wird, die
also im Binnenlande oft durch unangenehme Hitzesteigerung
ausgezeichnet sind, macht sich die wohltätige Wirkung der
Seebrise am häufigsten geltend.
Die Lufttemperatur an der Ostsee.
Die Luftströmung wird in ihrer hautreizenden Wirkung
wesentlich von der Lufttemperatur beeinflußt. Auf dem
Lande ist die Temperaturerhöhung fast doppelt so groß wie
auf der Wasseroberfläche, wenn gleich große Flächen Land
und Wasser von gleichen Wärmemengen bestrahlt werden.
Die Hälfte der Wärmestrahlen wird auf dem Meere zur
Bildung von Wasserdampf verbraucht. Außerdem dringt die
strahlende Wärme der Sonne infolge des besseren Wärme¬
leitungsvermögens des Salzwassers bis über 20 Meter tief in
das Wasser und
nur etwa T Meter
tief in das Erdreich
ein. Nimmt also die
Wärme - Strahlung
zu,so bleibt dieLuft-
Temperatur über
dem Wasser ge¬
ringer als auf dem
Lande. Dagegen
geht die Abkühlung
langsamer vor sich,
weil die sich ab¬
kühlenden Schich¬
ten derWasserober-
fläche aus der Tiefe
nach oben dringen,
den wärmeren Platz
machen. So werden
durch das Meer
nicht nur starke
Schwankungen der
Temperatur inner¬
halb eines Tages,
zwischen Tag und
Abend, sondern
auch Wärmeunter¬
schiede zwischen
den verschiedenen
Jahreszeiten ausge¬
glichen. Das Meer erwärmt sich im Frühling langsamer, der
Frühling verzögert sich, der Sommer ist kühler. Im Herbst
aber hält das Meer die Wärme länger zurück, der Herbst
dauert lange und ihm folgt ein milder Winter. Das Seeklima ist
ein milderes, gleichmäßigeres als das Kontinentalklima, und
ein solches ist für manche chronischen Katarrhe, namentlich
der Atmungsorgane, Grundbedingung zur Heilung.
Die niedere Temperatur im Sommer steht auch in engem
Zusammenhänge mit der Bewölkung. Schon der Umstand,
daß die Atmosphäre über dem Wasser häufiger getrübt ist
als über dem Lande, trägt zur Milderung der Temperatur¬
gegensätze im Sommer und Winter bei. Die bei der großen
Feuchtigkeit der Luft häufige Wolkenbildung verhindert eine
allzu rasche Abkühlung, indem sie die Ausstrahlung der Wärme
in die Luft verhütet. So wird einerseits der Feuchtigkeits¬
gehalt durch geringe Temperaturschwankungen gefördert und
anderseits die Temperatur auf gleicher Höhe gehalten durch
den großen Feuchtigkeitsgehalt.
Zugunsten der Nordsee wird geltend gemacht, daß an
ihr die Maximaltemperaturen weniger hoch sind. Und in der
Tat ergeben sich für die Sommermonate an der Ostsee höhere
mittlere Monatstemperaturen. Sie aber sind nicht auf größere
Mittagshitze, sondern auf höhere Abendtemperaturen zurück¬
zuführen. Das aber ist eher ein schätzenswerter Vorteil der
Ostsee. Denn hier kann der Aufenthalt im Freien, am Strande
des Abends länger ausgedehnt werden. Der Kranke ins¬
besondere mit chronischem Katarrh vermag sich länger
unbeschadet in der reinen, für seinen Zustand wohltätigen
Seeluft aufzuhalten.
Die Luftfeuchtigkeit an der Ostsee.
Von großer Bedeutung ist der Feuchtigkeitsgehalt
der Seeluft gegenüber der Landluft. Da durch ihr die
Wärmeleitungsfähigkeit der Luft beeinflußt wird, bedingt er
auch den Grad der Wasserverdunstung von der Körper¬
oberfläche und den Lungen. Die Luftfeuchtigkeit entstammt
vornehmlich der steten Verdunstung von der großen, häufig
bewegten Wasserfläche. Sie teilt der Seeluft einen besonderen
Brunshaupten (Bülowweg)
Grad von Feuchtigkeit mit, so daß sie selbst bei ruhigem^
unbewegtem Meere stets feucht, niemals trocken ist, und
zumal in der wärmeren Jahreszeit mit Wasserdämpfen fast
gesättigt ist. Feuchte Luft aber sagt dem mensch¬
lichen Organismus mehr zu als trockene. Die ab¬
solute Feuchtigkeit schwankt mit der höheren oder geringeren
Temperatur, ist im Sommer beträchtlicher als im Winter.
Sie erlährt eine Vermehrung unmittelbar am Strande durch
die Beimischung zerstäubter Wasserteilchen bei starker Bran¬
dung und starkem Wind. Als weitere Quelle der Luftfeuchtigkeit
Nr. 3
11 DEUTSCHLAND 125
kommen für die Ostsee noch die angrenzenden Wälder in
Betracht; denn im Walde wird die Luftfeuchtigkeit um eine
Anzahl Prozente erhöht und erreicht im Sommer einen recht
erheblichen Wert.
Die Lichtfülle am Ostseestrand.
Als weiterer Vorzug der Seeluft gegenüber der Landluft
ist die Lichtfülle am Strande zu nennen. Sie beruht auf
der Staubfreiheit der Luft und der Reflexion der Lichtstrahlen
von den oberen, vegetations« und schattenarmen Sandflächen
heiter, geschwächt an Körperkraft und zerrüttet in ihrem
Nervensystem, mürrisch, verdrossen, unlustig und unfähig
zur Arbeit, mit Undank im Herzen gegen den Seeaufenthah
im allgemeinen, gegen den von ihnen gewählten Kurort im
besonderen in die Heimat zurück, weil sie in der Wahl des
für sie geeigneten Ortes zu wenig Vorsicht übten, weil die
Reizwirkungen des Klimas nicht der individuellen Empfindlich¬
keit gemäß abgestuft, nach der Reizempfänglichkeit abgeändert
wurden, weil sie vielleicht aus Unkenntnis oder Unverstand,
ohne Not und ohne ärztlichen Rat auf eigene Faust zu dem
i
m
K
Mt&ifSisSKmfsS^
des Strandes und der Düne. Außerdem erschwert die
stärkere Luftbewegung an der Küste trotz der häufigen Wolken¬
bildung infolge des hohen Feuchtigkeitsgehaltes der Luft die
Schaffung einer geschlossenen Wolkendecke, und es fehlen
lichtverdunkelnde Baulichkeiten usw.
Am menschlichen Körper gibt sich die Wirkung der
starken Belichtung kund durch die rasch auftretende Färbung
der Haut, die sich sogar bei besonders disponierten Individuen
und bei besonders ausgiebiger Einwirkung bis zu mit
Schwellungen einhergehenden ausgedehnten Rötungen, ja bis
zu Verbrennungen steigern kann. Zudem übt sie einen
erregenden Einfluß auf das Nervensystem aus, der vornehm¬
lich durch frohere Gemütsstimmung und erhöhte Lebenslust,
durch größere Schaffensfreudigkeit und gesteigerte Energie
sich äußert. Die lange Sonnenscheindauer bei frischer, nicht
drückender Luft und die selbst bei bedecktem Himmel durch den
Reflex verstärkte Tageshelle beeinflussen die verschiedensten
Depressionszustände in wohltuender Weise.
Erhöhtes Wohlbefinden, gesteigerte Arbeits- und Lebens¬
lust sind die Folgen der Einwirkung des Sonnenlichtes.
So wohltuend auch die Lichtfülle zumeist empfunden
wird, so kann doch zu starke, frei auf den Körper einwirkende
Lichtfülle bei reizbaren Naturen mancherlei nachteilige Folgen,
wie Kopfschmerzen, Schwindel und Ohnmächten, Herzklopfen,
Appetitmangel, Schlaflosigkeit, kurz, dasselbe Krankheitsbild
hervorrufen, wie durch zu starke vorübergehende oder dauernde
Rückwirkung der anderen klimatischen Faktoren. Jahr für Jahr
kehren Tausende und aber Tausende, anstatt lebensfroh und
vielleicht heilsamen Mittel des Seeaufenthaltes das äußerst
wirksame, zu eingreifende Seebad hinzugesellten. Mitunter wird
ein zu langer Aufenthalt am Strande, zumal bei stürmischer
Witterung, eine Segelpartie, ein ausgedehnter Spaziergang
am Strande, als Ursache angeschuldigt. Entweder plötzlich
oder in allmählicher Steigerung tritt die Störung des
Wohlbefindens ein und hinzu gesellen sich mitunter allerle
andere Beschwerden, wie Menstruationsstörungen, Lungen¬
blutungen, Hämorrhoidal - Beschwerden, Gewichtsabnahme
Drüsenschwellungen, Asthmaanfälle u. a. m.
Eine Ueberreizung führt oftmals das schier unglaubliche
Verfahren herbei, insbesondere Kinder, die daheim ängstlich
vor jedem Luftzug bewahrt werden, alsbald nach der Ankunft
am Strande barfuß umherlaufen, fast den ganzen Tag mit
möglichst geringer Bekleidung an und im Wasser spielen
sich abwechselnd ausgiebig vom Wasser umspülen und be¬
netzen und wieder von Sonne und Wind trocknen zu lassen.
Daß hierdurch bei dem ohnehin gesteigerten kindlichen Stoff¬
wechsel ein enormer Wärmeverlust gegeben ist, dessen Aus¬
gleichung nur schwierig und unvollkommen vonstatten geht,
bedarf keiner Betonung. Die Folgen aber sind hochgradige
Erregungszustände, Ohnmächten, Appetitmangel, Schlaffheit,
dauernder Gewichtsverlust. Die Kinder kehren wohl im
Gesicht und am Körper gebräunt, doch ohne wirkliche
Erholung, überreizt vom Strande zurück.
Derartige klimatische Ueberreizungen erfordern dringend
Schutzmaßregeln, mögen sie nun durch übermäßige Ein¬
wirkung der Lichtfülle, der Sonnenbestrahlung oder anderer
126 DEUTSCHLAND Nr. 3
Klimafaktoren, durch ihre Gesamtheit hervorgerufen werden.
Hat man es einmal in der Hand, der Einwirkung des Sonnen¬
lichts dadurch sich zu entziehen, daß man den Aufenthalt am
Strande bei klarem Wetter nur auf kurze Zeit beschränkt, so
bieten gerade an der Ostseeküste gegen die starke Ein¬
wirkung der Sonne, gegen die übergroße Lichtfülle, gegen zu
starke Einwirkung der Luftbewegung die vielfach unmittelbar
bis zum Strande hervortretenden Waldungen einen wirksamen
Schutz. Von manchem wird es als ein Nachteil der Ostsee¬
bäder hinsichtlich der Lichtfülle bezeichnet, daß das Ufer der
Ostsee meist bewachsen ist und dicht an den Kurorten
schöne Gärten und Parkanlagen, Buchen- und Kieferi\-
waldungen besitzt. Doch ist das eher ein nicht hoch genug
zu schätzender Vorteil. Sie beeinträchtigen weniger die Licht¬
einwirkung, als sie einen wirksamen Schutz vor zu starker
Einwirkung des Lichts und anderer Klimafaktoren gewähren.
Der Wald bildet „eine gewisse Spezifizität des Ostseeklimas".
die Bewegung der Seeluft, Seelicht und Seewind. Die
beruhigenden, schonenden Eigenschaften sind günstige
klimatische Bedingungen für das Wohlbefinden. Die reizenden,
belebenden stellen nicht unbeträchtliche Anforderungen an
den menschlichen Körper.
Das Seeklima wirkt in erster Linie durch die ausgiebige
Luftbewegung auf die Haut. Ihr wird je nach der herr¬
schenden Windgeschwindigkeit Wärme entzogen. Der Anprall
der Luftwelle treibt das Blut aus den feinsten Gefäßen der
Haut in das Körperinnere zurück. Läßt der Luftstoß nach,
so füllen sie sich wieder, und zwar in etwas stärkerem Grade
als vorher. Luftwelle folgt auf Luftwelle. Blutleere und Blul-
fülle der Haut wechseln andauernd. Das Endergebnis dieser
ständigen Uebung der Hautgefäße ist ein größerer Blut¬
reichtum der Haut, jedem Kurgast wohlbekannt. Schon nach
w'enigen Tagen pflegt die Haut an der See eine frischere
Farbe zu zeigen. Auch für die Zukunft ist der größere Blut-
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Insel Rügen: Die Kreidefelsen von Stubbenkammer
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Gerade in der Kombination von See- und Wald¬
luft ist ein hervorragender klimatischer Vorzug
der Ostseebäder gelegen. In den zahlreichen Ostsee¬
bädern mit kräftigen Klimafaktoren gewährt der Schutz, den
Dünen und Wald bieten, die Möglichkeit, die Reizwirkungen
den Verhältnissen der Patienten anzupassen.
Wirkungen des Seeklimas.
Das Seeklima stellt den wesentlichsten Faktor in den
Heilwirkungen des Seebades dar. Es verdankt seine außer¬
ordentliche und überlegene Wirkung beruhigenden und
reizenden, schonenden und belebenden Eigenschaften. Zu den
ersten gehören die Reinheit der Luft, die Gleichmäßigkeit der
Temperatur, der hohe Feuchtigkeitsgehalt, Eigenschaften,
durch welche die Seeluft vor der Land- und Gebirgsluft sich
auszeichnet. Zu den zweiten rechnen wir die Lichtfülle und
reichtum von Bedeutung. Die Haut wird besser ernährt, ihre
Widerstandsfähigkeit gegen Temperatureinflüsse wird ge¬
steigert, sie wird abgehärtet. In gleicher Weise wirkt die
Seeluft auf die Schleimhäute der Atmungsorgane ein. Das
Gesamtresultat ist auch hier Abhärtung und Schutz
vor Erkältung, die ein längerer Aufenthalt an der See
gewähren.
Das Seeklima vermag ebenso wie in noch höherem Maße
das Seebad den Stoffwechsel des menschlichen Körpers
anzuregen, die Verbrennungsprozesse zu steigern, und zwar
weit über die Zeit hinaus, während welcher es direkt auf den
Organismus einwirkte. Die Verlichtungen der Organe erfahren
eine Aenderung, eine Anregung. Der Appetit wird gesteigert,
die Verdauung wird angeregt. Die größere Nahrungsaufnahme
bedingt bei längerem Aufenthalt an der See eine mehr oder
weniger große Gewichtszunahme. Freilich machen sich hier
Nr. 3 DEUTSCHLAND 127
individuelle Verschiedenheiten bemerkbar. Bei dem einen tritt
die Anregfung- des Stoffwechsels lebhafter zutage als bei einem
anderen, bei dem einen hält sie längere, bei dem anderen
kürzere Zeit vor. Manche Personen auch werden vom See¬
klima in dieser Hinsicht nicht
beeinflußt. Ja, bei demselben
Individuum kann die Disposition
wechseln, bald reagiert es auf
die klimatischen Reize mehr,
bald weniger.
Wenn auch der Seewind
einen erheblichen Anteil an der
Stoffwechsel-Anregung hat, so
darf diese Wirkung nicht auf
einen einzelnen Faktor, auf die
Lichtfülle, die Luftbewegung oder
die niedere Lufttemperatur be¬
zogen werden. Jeder für sich
allein ist nur imstande, den
Stoffumsatz während der Dauer
seiner Einwirkung und vielleicht
auch noch kurze Zeit nachher
zu steigern. Eine dauernde
Erhöhung des Stoff-Umsatzes
kann aber nur durch ein passen¬
des Zusammenwirken der drei
Faktoren erzielt werden.
Seit langem schon hat die
Erfahrung einen günstigen Ein¬
fluß des Seeklimas auf die
Blutbildung festgestellt. In der Tat haben neuere Unter¬
suchungen mit Sicherheit erwiesen, daß dem Seeklima nach
dieser Richtung eine Art spezifischer Wirkung innewohnt.
Insbesondere schreibt man sie dem Sonnenlicht zu, dessen
wärmespendende Kraft gegenüber der Wirkung der leuch-
der Blut Zusammensetzung als lebhafte, elastische Naturen.
— Der Hautreiz, den die bewegte Seeluft ausübt, pflanzt
sich auf den Blutkreislauf fort. Durch die Wärmeentziehung,
den Kältereiz werden zuerst die Gefäße der Haut verengt.
das Blut aus der Haut getrieben. Später erweitern sie sich
wieder, das Blut strömt wieder nach der Peripherie, der
Puls wird kräftiger, die Herzarbeit energischer. Trotz dieser
blutdrucksteigemden, die Herzarbeit erhöhenden Wirkung
ließ — und dieser Befund ist in praktischer Beziehung äußerst
wichtig und wertvoll — das
Luftbad an der See weder bei
Gesunden noch bei Kranken,
die an Arterienverkalkung
litten, von dieser Wirkung
etwas erkennen. Bisher nahm
man an, daß Arterienver¬
kalkung, wenn sie nicht den
Aufenthalt an der See ganz
verbietet, wenigstens größte
Vorsicht erfordert. Das kann
nach dieser tatsächlichen
Erfahrung nicht mehr zu
Recht bestehen. Es liegt
kein Grund vor, auch
an Arterienverkalkung
Leidenden den Genuß
und den Nutzen des See-
klimas vo r z u e n t h a 11 e n
und zu versagen.
Die gemäßigte Tempera¬
tur, der hohe Feuchtigkeits¬
gehalt der Luft wirken auf die
Atmung besonders wohl¬
tuend. Dazu regt die Rein¬
heit und Keimarmut der Luft
die Atmung an. Der Mensch
atmet schon bei Annäherung
an die See kräftiger ein und
aus. Die Brust weitet sich. Die Lunge wird kräftiger
durchspült. Selbst Teile, die bei gewöhnlicher oberflächlicher
Atmung nicht oder nur wenig in Tätigkeit treten, nehmen
an der Atmung teil. Der Gasaustausch wird lebhafter, das
Göhren auf Rügen
tenden und chemisch wirkenden Strahlenbündel zurücktritt.
Besonders interessant ist, daß das Temperament des Menschen
eine Rolle zu spielen scheint. Körperlich und geistig trägere,
stumpfe Kinder zeigten eine weniger energische Besserung
128 DEUTSCHLAND Nr.3
Blut nimmt mehr Sauerstoff aus der Luft auf und gibt in
vermehrtem Maße Kohlensäure ab.
Die wichtig^ste Wirkung des Seeluftgenusses ist jeden¬
falls eine Erhöhung des gesamten Stoffwechsels. Sie beruht
auf dem gesteigerten Verbrauch von Körpermaterial, auf der
vermehrten Nahrungsaufnahme, die nicht nur den Verlust deckt,
sondern darüber hinausgeht, und auf der beschleunigten Um¬
setzung der eingeführten Nährstoffe und beförderten Aus¬
scheidung des verbrauchten Materials. Da die Stoffwechsel¬
steigerung die gesamten Körperverrichtungen beeinflußt, übt
sie eine gewaltige Wirkung auf die Hebung des Allgemein¬
befindens, auf die Beseitigung von Schwächezuständen ins¬
besondere des Nervensystems. Nicht zu leugnen allerdings
ist, daß auch andere Faktoren mitspielen, die jedoch von
dem Aufenthalt an der See untrennbar sind. Der Patient
verläßt das gewohnte Milieu, häusliche und berufliche Sorgen
nahen sich ihm weniger. Ruhe und veränderte Lebensweise
machen sich geltend. Dazu aber kommen die Eindrücke
der erhabenen Natur auf
die Psyche bald durch ihre
im hellsten Sonnenglanze
strahlende lichte Schönheit,
bald durch ihre von der Ge¬
walt des Sturmes entfesselte
imposante Wildheit. Ja, das
ewige, unendliche Meer ist
eine Macht, ein Geheimnis.
Immer neue überraschende
Bilder entrollt die nie rastende
See. Manchmal wohl mag
es scheinen, als ob der
See-Aufenthalt aufregend
wirke. Doch bei richtiger
Wahl des Ortes, bei zweck¬
mäßigem Verhalten des
Patienten wirkt gerade das
Unendliche, das Großartige
der Natur, das Machtvolle
der Wogen und ihrer Bran¬
dung, das herrliche Rau¬
schen des deutschen Waldes
beruhigend und kräftigend
auf den Geist, auf die
vom Hasten und Jagen des
täglichen Lebens abgearbeiteten, geschwächten Nerven. —
Die Bedeutung und der Wert der Seeluft werden auch noch
dadurch erhöht, daß niemand ihrem Einfluß sich entziehen
kann. Er kommt im Gegensatz zu dem kurzdauernden Seebad
immer zur Geltung, solange
der Mensch im Freien, am
Strande sich auf hält, und
um so mehr, als weder außer¬
ordentliche Mittaghitze noch
empfindliche Morgen- und
Abendkühle die Aufenthalts¬
dauer im Freien beschränken.
Zu heilsamen indes werden
die an der See bestehenden
Reize gestaltet dadurch, daß
man sie nach Reizempfind¬
lichkeit und Reizempfäng¬
lichkeit abstuft und ab¬
ändert. Das aber ist an der
Ostsee möglich, das be¬
deutet einen außerordent¬
lichen Vorzug der Ostsee.
Der Schutz gegen die indivi¬
duell zu starken Wirkungen
von Seelicht und Seewind,
den die Wälder in hin¬
reichendem Maße bieten, er¬
möglicht die Heilkräfte indi¬
viduell so zu formen und
einwirken zu lassen, daß
Förderung ohne Schaden
und gradweise Abstufbarkeit
auch für die geschwächtesten Organismen gegeben sind.
Der Winter an der Ostsee.
Gerade diese Eigenschaft, die Möglichkeit der Abstufung
und Abänderung der Heilfaktoren eignet die Ostscebädei
vorzüglich zur Winterkur. Alteingewurzelt vorzüglich im
Lubmin
Heringsdorf
Nr. 3 DEUTSCHLAND 129
Binnenlande ist noch immer der Irrglaube, daß der Winter
an der See nicht nur annähernd so kalt wie im Binnenlande
sei, sondern sogar noch kälter. Und doch zeichnet sich der
Winter an der See durch seine milden und gleichmäßigen
Temperaturverhältnisse aus. Vorzüglich wird zuungunsten
der Ostsee geltend gemacht, daß die dort vorherrschende
Windrichtung eine Winterkur nicht zuträglich macht. Die
vielen Ostwinde seien den Kranken schädlich, während an
der Nordsee dadurch günstigere Bedingungen vorlägen, daß
vorzüglich Westwinde, also Seewinde, in Frage kämen, die
keine Kälte mit sich brächten. Indes ist nach den Berichten
der Kaiserlichen Seewarte auf Grund von 25jähriger Be¬
obachtung in den Jahren 1875—1900 in Borkum, Sylt und
Wilhelmshaven einerseits, und Kiel, Labö, Wustrow, Neufahr¬
wasser und Memel anderseits die Häufigkeit der Tage mit
den gefürchteten Ost- und Nordostwinden an der Nordsee
bei dem mangelnden Schutz viel größer als an der Ostsee.
An der Nordsee wurden im Jahresdurchschnitt 32,7 Tage
mit Ost- und 27,6 Tage mit
Südostwinden, an der Ost¬
see 27,3 Tage mit Ost- und
38,6 Tage mit Südostwinden
gezählt. Und die Beobach¬
tungen der letzten Jahre er¬
gaben in Uebereinstimmung
damit für die Nordsee 27,5
Tage mit Ost- und 26,4 Tage
mit Südostwinden, für die
Ostsee dagegen 23,5 Tage
mit Ost- und 32,2 Tage mit
Südostwinden. Während also
im Sommer der Seewind
von Helgoland nach der ost¬
preußischen Küste steigend
an Heftigkeit zunimmt, so daß
die Kurorte des Samlandes
als die windkräftigsten und in
dieser Hinsicht der Nord¬
see überlegen angesehen
werden müssen, ist es im
Winter umgekehrt. Die Tage
mit den gefürchteten Ost-
und Nordost-Winden sind
an der Nordsee häufiger,
während die Ostsee dafür
ein Plus an solchen mit
Südost verzeichnet. In der
Windrichtung ist demnach
kein Moment zu sehen, das
die Nordseebäder vor den Ostseebädern voraus hätten.
Die Temperaturen sind allerdings an der Nordsee im
Winter etwas höher als an der Ostsee. Dem gegenüber steht
als schätzenswerter Vorzug der Ostsee die geringere Wind¬
stärke, der Windschutz durch natürliche Schutzanlagen und
der geringere Feuchtigkeitsgehalt. Denn bei leichtem Frost
und ruhiger trockener Luft kann man sich im Freien recht
behaglich fühlen, während man bei einigen Grad Wärme und
starkem, zumal feuchtem Wind lebhaft frieren kann. Und
wenn auch die Landwinde an der Ostsee im Winter häufiger
sind, so kommen sie in waldumsäumten Ostseebädern nicht
überall zur Entfaltung. Selbst bei noch so starker Luft¬
bewegung wird man stets an der Ostsee für Kurbedürftige
Gegenden, oft sogar in unmittelbarer Nähe der See, zur Ver¬
fügung haben. Keineswegs also steht im allgemeinen der
Heilwert der Ostsee hinter dem der Nordsee auch hinsichtlich
von Winterkuren zurück.
Freilich nicht alle Orte an der Ostsee dürften sich in
gleicher Weise zu Winterkuren eignen. Die Lage, die Küsten-
und Bodengestaltung, der Windschutz bedingen Verschieden¬
heiten. Gar mancher Ort mit ausgesprochen exponierter Lage
dürfte von vornherein aus der Reihe der Winterkurorte aus¬
zuschließen sein. Immerhin liegt kein Grund vor, der Ostsee
Eigenschaften abzusprechen, die man bereitwilligst der Nordsee
zuerkennt, da doch die klimatischen Faktoren bei beiden die
gleichen sind. In der Tat haben die von der Natur mit allen
Vorzügen und mannigfachen Reizen geschmückten Kurorte der
Ostsee sich ihren langen, allzu langen Dornröschenschlaf aus
den träumerischen Augen gewischt und mit jugendlicher Kraft
an die Lösung der von der Natur gestellten Aufgabe sich heran¬
gemacht. In der Tat sind in einer Reihe von Ostseebädem
geradezu glänzende Erfolge mit Winterkuren erzielt, z. B. in
Cranz, Zoppot, Kolberg, Misdroy, Zinnowitz u. a. m. Ja, die
Resultate der Winterkuren überragen die der Sommerkuren
um ein Bedeutendes.
Auch wenn man in Rechnung zieht, daß das Wetter
in den Monaten Januar bis April erfahrungsgemäß das
schlechteste des ganzen Jahres ist, so bleibt noch eine lange
Zeit des Jahres übrig, die entgegen den heute noch vielfach
geltenden Vorurteilen zweckmäßig und erfolgreich zu Kuren an
der Ostsee verwendet werden kann, ohne auf die paar eigent¬
lichen Sommermonate beschränkt zu sein. Unverständlich
gar erscheint es, warum die herrliche Zeit des erwachenden
Frühlings, der auch an der Ostsee so köstlich sich gestaltet,
warum der noch viel schönere Herbst mit seinem unendlichen
Farbenreiz in den erglühenden Wäldern — ohne Zweifel die
schönste Zeit am Ostseegestade — nicht viel geeigneter gilt
für eine Kur, nicht viel lieber dazu gewählt wird, dem siechen
Körper, dem abgearbeiteten Geiste neue Lebenskraft, Stärkung
und Genesung zuzuführen, als der wärmere geräuschvolle
Sommer, wenn Hunderttausende, Erholung und Erfrischung
heischend, an die See eilen.
Das kalte Seebad.
Eine ähnliche Wirkung wie das Klima, nur in gesteigertem
Maße, kommt dem kalten Seebad zu. Und doch unterscheiden
Ahlbeck
130 DEUTSCHLAND Nr. 3
sich beide ganz außerordentlich. Das kalte Seebad stellt
eben einen nur auf kurze Zeit wirksamen Reiz dar, wirkt
shockartig ein. Aber trotz des zeitlich engbegrenzten
Gebrauches ist die Wirkung eines jeden Bades eine weit
energischere. Auch im Seebade handelt es sich im wesent¬
lichen nicht um chemische, sondern um physikalische Eigen¬
schaften. Gerade durch sie entfaltet das Seebad ganz
hervorragende Einwirkungen auf den menschlichen Orga¬
nismus. Durch sie wird auch die Ostsee zu keinem gleich¬
gültigen, untergeordneten Heilfaktor, wie leider immer noch,
insbesondere von
Laien, angenom¬
men wird, die da
meinen, stets und
zu allen Zeiten un-
gestraftder nassen
Flut ihren Körper
bieten, ihre Ge¬
sundheit anver¬
trauen zu können.
Das Seebad ist
vielmehr ein mäch¬
tiges, eingreifen¬
des Mittel, eines
der kräftigsten Er¬
regungsmittel, das
höchst energisch
auf den mensch¬
lichen Organis¬
mus einwirkt. Nur
zu oft wird diese
Tatsache verkannt
und dadurch un¬
endlich viel Un¬
heil angerichtet.
Gerade an der
Ostsee holen sich
Tausende und aber Tausende den Keim zu dauernder Krank¬
heit, zu frühem Siechtum, und allein durch unverständigen
Gebrauch des kalten Seebades. Keine Kur erheischt, wenn
es sich um wirkliche Heilzwecke handelt, eine solche
Kontrolle, und keine kann durch Fehlgriffe so leicht in
ihren Erfolgen beeinträchtigt werden, wie die Seebadekur,
während gerade sie anderseits mehr zum Mißbrauch reizt
wie irgend eine andere.
Die Heilkräfte des Ostseebades.
Noch heute ist die Anschauung vielfach gang und gäbe,
daß vorzüglich chemische Reize zum mindesten eine nicht
unwesentliche Rolle beim Seebade spielen, daß das Seebad
je nach den verschiedenen Meeren mit ihrem verschiedenen
Salzgehalt ein schwaches bis ziemlich starkes, kühles,
bewegtes Solbad darstellt, so daß demnach die salzreicheren
Seebäder die wirksamsten sind. Der Köhlerglauben der alten
Bademedizin, daß das Kochsalz und andere Stoffe von Bade¬
wasser durch die Haut in das Blut übergehen und auf innere
Organe eine Wirkung entfalten können, ist immer noch im
Schwange. Auch die Meinung ist unhaltbar, daß der Salz¬
gehalt des Meeres eine rein örtliche, mechanische Wirkung
auf die Haut entfaltet, daß die nach dem Bade auskristalli¬
sierenden Salzteilchen auf der Haut haften bleiben und eine
körperlich reizende Wirkung auf die Nerven und Blutgefäße
der Haut ausüben und zum Zustandekommen des behaglichen
Wärmegefühls nach dem Bade beitragen.
Dem Salzgehalt des Seewassers ist keine
irgendwie nennenswerte Bedeutung zu zu er¬
kennen, mag er nun 3,2 bis 3,5 ®/o in der Nordsee betragen
oder in der Ostsee von West nach Ost von 2,4 bis auf 0,7
zurückgehen. Eine Salzwirkung, wie sie vielleicht bei warmen
Solbädern, bei warmen Seebädern anzunehmen ist, kann um
so weniger in Frage kommen, als durch den Kältereiz im
Seebade die Muskelfasern der Haut und ihre Blutgefäße sich
sofort krampfhaft bis zur Blutleere zusammenziehen, und
anderseits die Badedauer viel zu kurz ist, um eine chemische
Wirkung zur Geltung zu bringen. Das Seewasser wirkt
vornehmlich durch seinen Kältereiz und durch
seine Bewegung. Beide Reizwirkungen lassen sich freilich
nicht voneinander trennen. Beide haben einen gemeinsamen
Angriffspunkt, die
Hautnerven.
Die Temperatur
des Seewassers ist
stets geringer als
die der Luft, bleibt
fast immer um
etwa 20® C hinter
der Blut-Wärme
zurück. Anderseits
aber ist die Tem¬
peratur des Meer¬
wassers gleich¬
mäßiger und be¬
ständiger als in
Seen und Flüssen,
und ist keinem so
raschen Wechsel
unterworfen wie
die der Luft. Das
Seebad stellt also
einen höchst in¬
tensiven Kältereiz
dar und seineWir-
kung wird noch
dadurch verstärkt,
daß das den
Körper umgebende Wasser keine Zeit hat, an diesem sich
zu erwärmen, sondern fortdauernd durch neues ersetzt wird.
Immer von neuem macht sich der Kältereiz geltend und
wird um so lebhafter und stärker empfunden, als er ja die
ganze Fläche der Haut trifft.
Der erste Eindruck, den das kalte Seebad macht, ist
durch die plötzliche Wärmeentziehung ein nicht einmal an¬
genehmes Kältegefühl, und dieses kann sich sogar bei emp¬
findlichen Personen bis zum Kälteschmerz steigern. Kräftig
abgekühlt aber wird nur die Haut und das unter der Haut
liegende fetthaltige Zellgewebe. Eine tiefergehende Herab¬
setzung der Körpertemperatur wird einmal durch die kurze
Dauer des Bades, sodann durch das schlechte Wärmeleitungs¬
vermögen der menschlichen Haut und vor allem durch die
kräftige Zusammenziehung der Blutgefäße der Haut verhindert,
die diese blutleer macht.
Diese Erscheinung ist der Ausgangspunkt wichtiger Ver¬
änderungen in der ganzen Blutbewegung. Die krampfhafte
Zusammenziehung der Muskelfasern und der Blutgefäße der
Haut treibt das Blut von der Oberfläche nach den inneren
Teilen, verhindert den Blutzufluß zur Haut, sie wird blaß.
Die inneren Organe werden stärker mit Blut gefüllt, ihre
Funktion wird gesteigert, die Herztätigkeit verstärkt, der Puls
klein und schnell, die Zahl und Tiefe der Atemzüge nimmt zu.
Diese erste Wirkung der Kälte geht rasch vorüber und
wandelt sich in das Gegenteil. Vielmals unter kräftiger Herz¬
kontraktion und erheblicher Beschleunigung des Pulses kehrt
das Blut zur Haut zurück, die Hautgefäße erfahren eine
lähmungsartige Erschlaffung und Erweiterung und eine ver¬
mehrte Blutfülle. Die Haut rötet sich lebhaft. Dieser Prozeß
der Gegenwirkung, der Reaktion, geht mit einem angenehmen
Zinnowitz
Nr. 3 DEUTSCHLAND 131
Wärmeg-efühl einher, so daß die Badenden oft nicht das
Bedürfnis haben, sich trocken zu reiben, sondern am Strande
liegend sich durch Sonne und Luft trocknen zu lassen.
Anderseits verführt sie auch leicht, das Bad über Gebühr
auszudehnen. Bei den einzelnen Individuen ist das Auf¬
treten der Reaktion je nach der Nervenempfindlichkeit der
Haut, der Stärke und Wirkungsdauer des Kältereizes, der
niedrigen Temperatur des Wassers und der Länge des Bades
verschieden.
Der einmalige heftige Shock des kalten Bades ist gegen¬
über der Einwirkung der Seeluft ein noch gewaltigerer Ein¬
griff in den Körperhaushalt, der schnelleren Ersatz des
Zerstörten fordert. Nicht jeder Organismus besitzt die Re¬
servekräfte in den Werkstätten seiner Blutbildung, um rasch
den regen Bedarf zu befriedigen. Beim Reaktionsstarken
folgt nach Abklingen der ersten Müdigkeit dem Reize eine
kräftige, überschießende Neubildung, und ihr entspricht eine
allgemeine Erhöhung der Wesensfrische. Bei anderen bleibt
die Müdigkeit und steigert sich von Tag zu Tag, ja, kann
sogar nach einem einzigen Bade zu einem schweren und
langdauernden Schwächezustand Veranlassung geben. Herz¬
klopfen, Kopfweh, Mattigkeit und Ohnmachtsneigungen sind
die Erscheinungen einer Blutverschlechterung. Vielleicht tritt
noch Erholung ein, vielleicht aber auch ist der Erfolg der
aussichtsreich begonnenen Klimakur dahin, und der Kranke
kann froh sein, wenn er nicht schlimmer nach Hause zurück¬
kehrt, als er an das Seegestade zu seiner Erholung geeilt ist.
Nur reaktionskräftige Individuen erfahren durch die Faktoren
des Seebades kräftige Anregung und Belebung. Blutarme
und schwache Kranke dürfen nur mit großer Vorsicht,
Personen mit Herz- oder Gefäßkrankheiten unter keinen
Umständen kalte Seebäder genießen. Für Gesunde mag im
allgemeinen als Regel dienen, daß ein Bad nur gut bekommt,
wenn nach der ersten Kälteeinwirkung das behagliche
Wärmegefühl in der Haut sich einstellt, daß ein Bad
unter allen Umständen abgebrochen werden muß, wenn
diese Reaktion schon im Bade sich geltend macht. Das Bad
war unzweckmäßig und bekommt schlecht, nach welchem
die Frostempfindung und die Hautblässe längere Zeit an¬
dauern. Der übermäßig ausgedehnte, stundenlange Aufenthalt
im Wasser wird in den seltensten Fällen ohne dauernden
Schaden bleiben, weil die langdauernde Einwirkung des
kalten Wassers dem Körper zu viel Wärme entzieht. Es
müßte denn sein, daß der Kurgast durch ein zweckmäßiges
Training an die Einwirkung der Kälte seinen Körper all¬
mählich gewöhnt. Im allgemeinen aber ist das Seebad um
so bekömmlicher und ungefährlicher, je kürzer die Dauer
des Bades gewählt wird.
Für den Beginn einer Seebadekur ist eine geringere Wasser¬
temperatur als 12^ C. nicht zweckmäßig und empfehlens¬
wert. Im allgemeinen darf man eine solche Wassertemperatur
in der Ostsee um Mitte Juni erwarten. Denn das Meer
erwärmt sich im Frühling nur langsam. Dagegen kühlt es
sich auch nach dem Eintritt kühlerer Lufttemperatur im
Spätsommer, Anfang September, langsamer ab. Gerade die
Septemberbäder gelten trotz ihrer oft um mehrere Grade
hinter der oben bezeichneten zurückbleibenden Wasserwärme
als besonders erfrischend und heilkräftig, zumal die Lufi-
wärme ungleich höher zu sein pflegt. Für sie aber heißt es
besonders Vorsicht walten zu lassen, insbesondere in bezug
auf die Dauer des Bades.
Die Wirkung des Kältereizes wird verstärkt durch die
Bewegung des Wassers, durch den Wellenschlag, wodurch
immer wieder neue kühle Wassermassen mit der Körper-
Swinemünde
132 DEUTSCHLAND Nr. 3
Oberfläche in Berührung kommen und wirksam bleiben. Schon
bei mäßigem Wellenschläge wechselt Entblößung des Ober¬
körpers und Wasserüberschüttung; bei starkem Seegang wird
die Haut förmlich durchgepeitscht, und das Bad kann eine
erhebliche körperliche und geistige Anspannung verursachen.
In der Tat genügt schon die Kraft einer mittleren Welle, eine
Körpermassage zu üben, die durch ein künstliches Wellenbad
oder eine Dusche nicht geleistet werden kann. Der starke
Anprall der Wasserwoge mit seiner an
Erschütterung grenzenden Wirkung ist an
sich schon ein gewaltiger Reiz, und
im Kampf mit den Wellen, in dem Be¬
streben, ihnen standzuhalten, ist eine Auf¬
forderung zu unbewußter kräftiger Muskel¬
bewegung gegeben, deren Einfluß auf die
Beschleunigung und Erhöhung der Reaktion
bekannt ist. Dazu kommt die mehr oder
weniger lebhafte Reibung an der Körper¬
oberfläche, welche die zahlreichen mit dem
Wasser herangebrachten Sandkörner ver¬
ursachen und die Wirkung des Wellen¬
schlages auf die Haut bei starker Brandung
nicht unwesentlich verstärken.
Zugunsten der Nordsee wird immer
geltend gemacht, daß in der Ostsee die
Bewegung des Seewassers von geringer,
ja minimaler Bedeutung, in der Nordsee
stärker und beständiger sei. Gewiß ver¬
halten sich nach dieser Richtung hin nicht
alle Ostseebäder gleich, weisen je nach
ihrer Lage, nach der Gliederung der Küste
große Verschiedenheit auf.
Die treibende Kraft für die oberflächlichen
Schichten des Meeres ist der Wind. Je nach seiner
Stärke erzeugt er eine mehr oder weniger kräftige Wellen¬
bewegung, die sich in der Windrichtung fortpflanzt, in ihrer
Entwicklung von der Größe des Meeresbeckens abhängig ist
und an der Küste in die Brandung übergeht. Und für den
Wellenschlag ist gerade die Ostseeküste vorzüglich günstig
gestellt, da sie in ihren längsten Strecken von SW. nach NO.
verläuft und als Windrichtung die nordwestliche vorherrscht.
Wo ein kräftiger Seewind die Wassermassen, ungehindert
durch vorgelagerte Inseln oder Halbinseln, der Küste zuführt,
wenn ein Kurort an einer nach NW. offenen Bucht oder an
langgezogener Küste liegt, türmen die vom Winde ge¬
peitschten Wellen mächtig sich auf und erzeugen oftmals eine
wild tosende Brandung, so daß es unmöglich wird, das Seebad
zu genießen. In keinem Sommer fehlt es in solchen Orten
an Tagen, an denen das Baden wegen zu hohen Seeganges
verboten werden muß. Ja, in einigen Bädern Ostpreußens
geschieht das viel häufiger als auf Sylt, das unter den Nordsee¬
inseln dank seiner Lage durch starken Wellenschlag beson¬
ders sich auszeichnet. Anderseits wird an manchen Stellen
der reich gegliederten Ostseeküste durch Küstenvorsprünge,
durch ihre Lage in der Nähe von Inseln, in weit ins Land
einschneidenden Buchten die Kraft der Wellen gebrochen,
weil der Wind nicht die Oberfläche in Bewegung zu setzen
vermag. Fehlt aber der Wind, so ist auch die Nordsee trotz
des Wechsels von Ebbe und Flut ohne jede Wellenbewegung,
liegt glatt und ruhig da, ohne Brandung plätschert das Meer
um Strande. Dagegen wirkt die Flutströmung verstärkend
auf den Wellenschlag, vorausgesetzt, daß sie mit dem Winde
gleichgerichtet ist.
Ein Vorzug aber dürfte der Ostsee nicht abzusprechen
sein, und er ist nicht gering zu vernnschla<jen. An der
Nordsee ist der Badende wegen des mit der Ebbe zurück"*
tretenden Wassers an die Stunde der Flut zum Genüße des
Bades gebunden. Die Badezeit schwankt andauernd und er¬
fordert sonst noch besondere Vorkehrungen. An der Ostsee
dagegen schafft der Mangel merkbarer Flut und Ebbe eine
ständige Bademöglichkeit. Da die Temperatur der umgebenden
Luft nicht ohne Belang für die Wirkung der kalten Seebäder
ist, hat der Badende die Annehmlichkeit, die Badezeit je nach
der Luftwärme, nach der Tagestemperatur auszuwählen. Dies
hat eine nicht unerhebliche Bedeutung insofern, als dadurch
erst ein regelmäßiges Baden überhaupt ermöglicht wird.
Tätigkeit der Absonderungsorgane, in einer Steigerung des
Stoffwechsels. Der Appetit wird vermehrt, Körpersubstanz
neugebildet über das entzogene Maß hinaus, eine Zunahme
des Körpergewichts tritt ein. Und diese Anregung des
Gesamtzustandes bezieht sich nicht nur auf die Dauer der
Seebadekur, sondern reicht lange über sie hinaus.
Allerdings ist das Seebad mit seiner in vermehrter Rück¬
bildung und gesteigerter Neubildung von Körpersubstanz sich
Die Wirkung des kalten Seebades.
Die Wirkung des Seebades ist im großen und ganzen
der des Seeluftbades ähnlich, übertrilft diese aber um ein
recht bedeutendes. Der Reiz, den das bewegte, kalte Bad
auf die Nervenendigungen der Haut ausübt, ist weit stärker
und kräftiger, und indem sich diese Erregung zum Zenlral-
organ fortpflanzt, werden von hier aus besonders mächtige
Rückwirkungen ausgelöst. Sie äußern sich in einer Anregung
des ganzen Lebensprozesses, insbesondere in einer erhöhten
Bansin
Nr. 3 |S
II DEUTSCHLAND 133
äußernden Endwirkungf ein mächtig in den Stoffwechsel ein~
greifendes Mittel, das eine gewisse Leistungsfähigkeit des
Organismus voraussetzt. Es muß eine gewisse Energie, eine
bestimmte Kraft besitzen, um durch genügende Reaktion den
vermehrten Stoffverbrauch zu ersetzen. Fehlt dies Maß an
Kräften, so ist das Endresultat nicht Kräftigung, sondern
Ueberreizung, Schwächung, Abmagerung. Das Seebad ist
eben an sich kein Stärkungsmittel, es wird dazu erst, wenn
Berg-Dievenow
durch die Reize, die es in sich birgt, eine erhöhte Tätigkeit
der organischen Vorgänge hervorgerufen und die durch
den Wärmeverlust bedingte Stoffverminderung nicht bloß
bis zu dem entzogenen Maße, sondern noch über dieses
hinaus ersetzt wird.
Das Seebad ist ein heroisches Mittel wie kein anderes
und kann in den geeigneten Fällen durch nichts ersetzt werden.
Heilanzeigen der Ostsee.
Wie aber schon das Seeklima als höchst eingreifendes
Mittel nicht von jedem beliebig, ungeschmälert, ohne Schaden
genossen werden kann und darf, so sollte die Anwendung
des kalten Seebades, als eine Form direktester Einwirkung auf
den menschlichen Körper, hinsichtlich Dauer und Häufigkeit,
Zeit und Stärke allein dem Urteil des erfahrenen Arztes unter«
stehen. Insbesondere gilt das für Kranke. Ueber Zweck«
mäßigkeit und Einrichtung einer Seebadekur kann und darf
lediglich der sachverständige Arzt entscheiden, insbesondere
wenn es sich um Personen handelt, die zuvor niemals in der
See gebadet haben. Wichtiger und nutzbringender als See«
badekuren sind oftmals klimatische Kuren
an der Ostsee. Aber auch sie sollten zur
Vermeidung von oft dauerndem Schaden
durch unzweckmäßigen Gebrauch nur auf
Verordnung und unter Aufsicht eines mit
den örtlichen Verhältnissen vertrauten Arztes
unternommen werden. Im allgemeinen wird
ein Aufenthalt an der Ostsee einen Erfolg
erwarten lassen, wo es auf allgemeine
Kräftigung schwächlicher oder durch Berufs«
arbeit, Lebensweise, schlechte Luft oder
mangelhafte Ernährung, durch Krankheit oder
Gemütseindrücke geschwächte Personen an«
kommt, oder wo die Abhärtung eines schlaffen,
anfälligen, verweichlichten Körpers angestrebt
wird. Die Größe des Erfolges freilich hängt
sehr wesentlich davon ab, daß bei richtiger
Auswahl des Ortes die Kur den individuellen
Bedürfnissen angepaßt wird.
Heilanzeigen für den Gebrauch von
Kuren an der Ostsee sind besonders Skro«
fulose, englische Krankheit, Blutarmut und
Bleichsucht, ferner die chronischen Katarrhe
der oberen Luftwege und der ' Lungen,
Lungenspitzen« Katarrh, Lungen - Erweiterung und Asthma.
Günstig beeinflußt werden auch die funktionellen Nerven«
krankheiten, von der einfachen nervösen Abspannung durch
Ueberarbeit oder unzweckmäßige Lebensweise bis zu den
schwereren Formen der Neurasthenie und Hysterie.
Nicht zuletzt kommen Ostseebadkuren bei Stoffwechsel¬
krankheiten, Rheumatismus, Gicht, Zuckerkrankheit, Fettsucht
und zahlreichen Frauenkrankheiten, sowie bei Schwäche¬
zuständen nach Operationen und Infektionskrankheiten, ins¬
besondere bei Nachkrankheiten nach Influenza und als Nach¬
kur nach anderen Kuren, z. B. in Kissingen, Wiesbaden,
Polzin, Ems u. a. m. in Frage.
Ar die Ostsee,
O liebe Ostsee, dein gedenkend,
Führ ich mich nahe dir und schau'.
Den frohen Blick in dich versenkend.
Dein wunderbares tiefes Blau.
Zu sehn es und es einzusaugen.
Welch eine Freude, welche Lust!
Das tut so wohl nicht nur den Augen,
Nein, auch dem Herzen in der Brust.
Wie hört' ich oft der Vöglein Singen
Und freute mich am bunten Blühn,
Wo die kristallnen Bächlein springen
Hinab zu dir aus Waldesgrün 1
Gestreift von feuchten Windes Hauchen
War ich von deinem Reiz entzückt,
ln deine kühle Flut zu tauchen.
Hat Leib und Seele mir erquickt.
Dir, Ostsee, bin ich treu geblieben.
Sah ich auch sonst manch stolzes Meer,
Du hast dich mir ins Herz geschrieben
Von meiner Kindheit Tagen her.
Da ich zuerst blickt' auf dich nieder
Von eines grünen Hügels Höh'.
Wie gern dann stets sah ich dich wieder.
Du liebe heimatliche Seel Johannes Trojan.
11
I;
I ■
134 ÜB
31 DEUTSCHLAND
Nr. 3
Rundgang durch die dem Verbände Deutscher Ostseebäder
angeschlossenen 85 Ostseebäder.
Bei der Länge der
deutschen Ostseeküste
ist es begreiflich, daß
die Naturschönheiten
dieser Orte mannig¬
faltig, ihre klimatischen
Verschiedenheiten groß
sind. Oft nicht näher
zu bestimmende Ur¬
sachen, die bei der
Entwicklung der Orte
wirkten, haben in dem
einen die größte Ele¬
ganz modernen Bade¬
lebens entstehen lassen,
in dem anderen zwang¬
los geselligen Verkehr
gefördert und wieder
andere für die ruhige
Erholung suchenden
Kranken geeignet ge¬
macht. Daher sind, so
groß die Zahl der Ost¬
seebäder ist, so groß
ihre Unterschiede und
so reich die Wahl, vor
die der Besucher der
Ostseeküste gestellt ist.
Wir wollen in den
nachfolgenden Zeilen
die 85 Ostseebäder der
geographischen Lage
nachvonSchleswig Hol¬
stein bis Ostpreußen
nennen und dabei
die Eigentümlichkeiten
kurz hervorheben, die
ganzen Gruppen von
ihnen gemeinsam sind
und durch die sich
die einzelnen Orte
unterscheiden.
Einen besonderen
Reiz der Küste, an
welcher die schleswig¬
holsteinischen Badeorte
liegen, bilden die tiefen,
dicht bewaldeten Ein¬
schnitte der Ostsee,
die sogenannten Föhr-
den. Ferner tragen zu
dem Interesse, welches
diese Orte erwecken,
viele historische Erinne¬
rungen bei. Glücks-
bürg mit seinen herr¬
lichen Anlagen und
IVlisdroy: Kaffeeberge
Ost-Dievenow: Sool-, Moor- und Seebad
Kolberg
Nr.3 DEUTSCHLAND 1^5
Buchenwäldorri liegt an der Süd^^rte der Plerisburger
Föhfdef Heiligen Hafen, das sich hei Nardwest*»
und Nordwinden durch starken Wellenschlag aus-
zeichnet, Hegt der Insel Fehmarn gegenüber-
Die zwischen der Neustadter und Travemünder
Bucht liegenden oldenburgischen BMer Niendorf^
KL Timmendorfer Strand^ Scharbeutz Und
Haffkrug Hegen inmitten schöner Buchenwälder,
Fichten- und Kieferngehege und höben einen völlig
steinfreien, breiten. Sa.ndstrand.
Travemündev in herrlicher, vor West- und
Nordwinden geschutader I-sge, ist rasch en^porgeblüht
und ein beliebter Aufenthalt während der Kieler
Woche. Der belebte Höfen Lübecks bietet den Bade¬
gästen viel AbwechsKmg.
Die mecklenburgischei»
Bäder sind unter sich ziem-
lieh verschieden. Da haben
wir zunächst öolienhagen,
Kirchdorf auf der Insel Poel
und Alt-Gaarz in schöner
Lage und jetzt nicht nur
wie früher von Hamburger
Familren, sondern von GästeTi
aus flllen Teilen Deutschlands
besucht Are n dsee und
Bru n s ha u p t e n in fried¬
lichem Wettstreit, höben sich
in wenigen Jahren zu in ganz
Deutschland bekannten Bode-
Orten emporgeschwungen.
Das älteste Seebad Deutsch¬
lands, H e 1 1 i g e n d a m m,
jetzt unter neuer w&itblkken-
der Leitung, wird immer
noch von rnecklenburgisclien
Adelsfamilien bevorzugt und
hat seinen Charakter als vor¬
nehmer, ruhiger Badeort bei
wahrt. Hinter Nienhagen,
einem kleinen einfachen
Badeort, gelangen wir nach
Warnemünde, dem größten
mecklenburgischen Bade, das
in jeder Beziehung' auf der Höhe der Zeit steht und mit
zu den beliebtesten Ostseebädern gehö^^t; M ü r i t z und
Graal, 13 Kilometer von Warnemünde, hegen
abseits von der großen Heerstraße und haben diesem
Urnstande gerade ein besonderes Badepubiikum zuzu-
schreiben, das mehr der Erholung wegen die Bäder auf-
sucht. Dasselbe gilt von den im Entstehen begnffenen
Badem Neu haus und Dierhagen und vöfi den äuI
der bewaldeten Halbinsel Pischland gelegener» Orten
Ahrenshoop und Wustrow, welch letzteres außer
einem Herren- und Demenböd auch ein FamiHenbad hat
Die Bader Prerow und Gingst auf der Huibimsel
Darß sind von der Natur äußerst begünstigt Es ver¬
kehren hier viele Maler und Kürvstler, und manches Bild
unserer Nationälgalene und anderer Sommlungen stammt
döhet Dss hX einfach, ungezwungen und billig.
Wir kommen nun zu den Rügen- Bädern, die wohl
jedem durch ihre iandschahlichen Reize bekannt sind.
Wählt man den Wasserweg, so gelangt man zuerst nach
Thießow^ an derSüclspitze auf Mönchgut liegend, ein neu
entstandener, aber schon vielbesuchter Ort. Von Stettin
erreichen wir mit Dampfer zuerst Gohren, das seiner
schönen, gesunden Lage wegen sehr beliebt i$t. Weiter
l^ührt der Weg nach dem einfachen Baabe und Sellin,
das von der See aus mit seinen hohen, sied abrallenden
Ufern einen herrlichen Anblick gewährt. Dann kommen
wir nach Binz, einem der bekanntesten und beliebtesten
Rögenbädet, das ein schönes Kurhaus und elneöÖO Meter
lange Landungsbrücke besitzt. Van hier aus gelartgt man
noch dem Bade P u 1 bus mit deirf fürstlichen Jagdschloßr
von dessen Turm inan einen entzückenden Rundblick
über Rügen genießt, sowie nach den kleinen Badeorten
Lauterbach und Neu¬
kamp. Schheßheh gelangen
wir naeJt Saßnitz, das als
Ausgangsponkt für Stubben¬
kammer und öls .Durchgangs-
punkt nach Schvi/eden welt¬
bekannt ist; es ist das am
meisten besuchte Bad der
Ostseeküste. Hinter Saßnitz
liegt das liebliche, im Walde
eingebettete Lohme und die
hübschen, einfachen Bäder
Glowe und Breege. Das
Bad KlosterrtVfieben auf
der insei Hidder\see wird
von den Einsamk’&H suchen¬
den Gästen sahr geschätzt.
Auf dem Fest-Land,
Usedom gegenüber, hegen
F f 6 e s t, L u b rn i n und
S p a n d o w e r h a gen, ein¬
fache ßade-Orte; zur Br-
holung vorzüglich geeignet,
ferner D e v i n, gegenüber
der Stadt StrelsMPd gelegen,
Die Bäder ovtf Use4om ünter-
scheiden sich, trotzdem sie
dicht aneinandergereiht die
Küsle bedecken, wesentlich
durch ihre Einrichtungen rmd
ihre Besucher von einander Cerlshagen, Ueckeritz,
Zempin, Kölpinsee., Koserow und Neuhof sind
kleinere Bäder, teilweise neueren Datums; alle liegen
tm Walde, haben vorzüglichen Badestrand und sind
in stetem Einpofblühen begriffen. Zinnowitz^ das in
diesem Jahre Behnstatjon geworden ist, und Bansin^
dicht an Hefingsdorf grenzend, sind größere Bade¬
orte, die sehr beliebt geworden sind und ein anhäng¬
liches StammpubHkum höben. Nun kommen wu zu
Heringsdorf mit seinen großartigen Villen, prechtigen
Promenaden und großstädtischem Leben, das sich
des Rufes eines der elegantesten Ost Seebäder erfreuL
AKlbeck^ ebenfalls dicht art Heringsdorf grenzend, ist
einfacher ond als Kinderbad sehr beiiebt. Swinemünde
mit seiner prachtvollen Strondpromenade, seinem herr¬
lichen Strande und seinem dicht an der See gelegenen,
1910 urrigebeUten, nuisterhart geführten Kurhause ist das
am meistw besuchte Bad der Ostsee. Swineroünde
überg
136 DEUTSCHLAND Nr.3
Zoppot
gegenüber liegt der einfache Badeort Osternothha fen.
AufWollin gelangen wir zunächst nach dem weit und breit
bekannten und beliebten Misdroy, dessen Umgebung
selten schön ist, und nach dem Sol- und Seebade Ost-
Dievenow mit seinem großartigen, mit allen modernen
Einrichtungen versehenen Kurhause, das dort den
Mittelpunkt allen Badelebens bildet. Berg-Dievenow,
Klein-Dievenow, Horst und Rewahl sind schlichtere
Badeorte, die aber bei dem Erholung suchenden Publikum
sehr beliebt geworden sind. Hinter Deep, Gribow und
Kolberger Deep, welches durch das unter dem
Protektorat der Kaiserin stehende Seehospiz bekannt ist,
kommen wir nachKolberg, das als See- und Solbad
zu den ersten Badeorten der Ostsee zählt. Die hinter
Kolberg gelegenen Orte Bodenhagen, Henkenhagen,
Sorenbohm, Bauerhufen, Gr. Möllen, Nest,
Neuwasser, Rügenwaldermünde, Jershöftund
Leba sind Stätten der Ruhe, wo der Badegast un¬
gestört, fern von aufregenden städtischen Vergnügungen,
seiner Erholung und Kräftigung leben kann. Stolp-
münde, mit kleinem Hafen, bietet dem Kurgast bereits
die Abwechslungen eines größeren Badeortes.
Wir kommen nun zur letzten Gruppe der Ostsee¬
bäder, den west- und ostpreußischen Badeorten, die
wieder grundverschieden von den anderen sind. Wie
abwechslungsreich ist dieser Küstenteil mit seinen
dunklen Waldseen und Heidemooren. Welch herrliches
landschaftliches Bild genießt man von den Weichsel-
bergenl Weltabgeschieden liegen die beiden Nehrungen
da mit ihren Wäldern und wandernden Dünen, die ganzen
Dörfern zum Grab geworden sind. Das Samland ist be¬
sonders von der Natur bevorzugt durch seine malerischen
Küstenbildungen und romantischen Schluchten. Die See¬
bäder Ost- und Westpreußens, das Modebad Zoppot
mit seinem abwechslungsvollen Badeleben, die kleinen
Bäder Oliva und Georgenswalde, das weltabge-
Nr.3 DEUTSCHLAND 137
schlossene Heia, das liebliche Bad Westerplatte, Kurischen Nehrung und das interessante Memel haben
das eigenartige, alljährlich von der Kaiserlichen Familie den Vorzug der immer bewegten See. — Wer sich näher
besuchte Kahlberg auf der Frischen Nehrung, das für einen der genannten Badeorte interessiert, wird in
Schwarzort
stille, vornehme Neuhäuser, das malerisch gelegene der Geschäftsstelle des Verbandese Deutscher Ostsee-
Rauschen, das ansprechende Neukuhren, das bäder in Berlin, Unter den Linden 76a, sowie in der Aus¬
elegante Cranz, das idyllische Schwarzort auf der kunftstelle dieser Zeitschrift alles Wissenswerte erfahren.
Die Entwicklung und Bedeutung der deutschen Kur- und Badeorte
Von Geheimen Sanitätsrat Dr. R ö ch 1 i n g in Misdroy a. d. Ostsee.
Von dem großartigen Aufschwung, den Deutsch¬
land in den letzten 40 Jahren auf allen Gebieten, in
Wissenschaft und Technik, in Handel und Industrie, in
der Entwicklung seiner Städte und seiner Landwirtschaft
genommen hat, geben auch die deutschen Kur- und
Badeorte ein glänzendes Zeugnis. Die gesteigerte Er¬
holungsbedürftigkeit der rasch anwachsenden Bevölkerung
der großen Städte, die vermehrte Abnutzung der körper¬
lichen und geistigen Kräfte durch das moderne Erwerbs¬
leben und durch unzweckmäßige Verwertung der
Mußestunden sicherte den Heilmitteln der Kur- und
Badeorte eine zunehmende Benutzung, die wiederum
durch den gehobenen Volkswohlstand und durch den
Ausbau der Verkehrswege erleichtert wurde. Ander¬
seits haben es die Verwaltungen der Kurorte verstanden,
den weitgehenden Anforderungen, welche die gewaltige
Zunahme des Besuchs, die verfeinerte Kultur des
modernen Großstädters und neue wissenschaftliche Er¬
kenntnis, besonders auf dem Gebiete der Hygiene,
bedingten, in vollem Maße gerecht zu werden und durch
die ganze Ausgestaltung des Kurlebens dem Aufenthalt
in dem Badeorte nicht allein für die Heilungsuchenden
selbst, sondern auch für die begleitenden Gesunden eine
große Zugkraft zu verleihen.
Deutschland steht heute in der Höhe seines
Bäderbesuches unter allen Ländern Europas an führen¬
der Stelle. Belief der Besuch sich um das Jahr 1870 in
den Mineralquellen-Kurorten auf etwa 100 000 Personen,
so stieg er, nachdem im Anfang der neunziger Jahre
ein durch die wirtschaftliche Lage verursachter Rück¬
gang überwunden war, seit 1895 in stetiger Zunahme
bis 1910 auf etwa dreiviertel Millionen. Noch größer
war der Wandel in den Seebädern. Wohl gab es solche
an der Nord- und an der Ostsee schon seit 100 Jahren,
doch erlangten sie keine größere Beachtung. Eine
zuverlässige Besuchsstatistik ist erst seit 1880 vorhanden.
Seit diesem Jahre ist bis 1910 der Besuch der Nordsee¬
bäder von etwa 4000 auf 180000, in den Ostseebädern
von 20 000 auf 420 000 angewachsen. Welche volks¬
wirtschaftliche Bedeutung solchen Zahlen zukommt, lehrt
eine Berechnung, die Kauffmann, Handelsrichter in
Berlin, für das Jahr 1905 für das „Deutsche Bäderbuch''
gegeben hat. Es wurden damals von den Besuchern
der Bäder und Kurorte in Deutschland für Kuraufenthalt,
Bäder, Reisekosten usw. rund 360 Millionen Mark auf¬
gewendet; hierzu kam noch der Wert von versandten
Quellenprodukten und Tafelwässern im Betrage von fast
18 Millionen Mark.
Aus der Größe der erwähnten Zahlen läßt sich ohne
weiteres der Schluß ziehen, daß sich in Deutschland
zahlreiche wirksame und verschiedenartige Heilquellen
vorfinden müssen. Und in der Tat, wenn man von der
nicht geringen Zahl kleinster Kurorte absieht, denen
bei einem jährlichen Besuch von weniger als 300 Bade¬
gästen nur eine untergeordnete Bedeutung beizumessen
ist, und ebenso von den Quellen, die nicht an ihrem
Ursprungsorte getrunken werden, sondern als Heil- oder
Tafelwässer nur dem Versande dienen, so sind es etwa
200 Kurorte, die sich über Deutschland verteilt finden,
und zwar vorzugsweise an den Rändern der großen
Gebirgsketten, die Deutschland durchziehen. Die weit¬
gedehnte norddeutsche Tiefebene ist arm an
138 DEUTSCHLAND Nr. 3
Badeorten; immerhin gibt es auch hier Sol-, Eisen-
und Moorbäder, z. B. Lüneburg, Oldesloe, Freien¬
walde, Polzin, Muskau, Hohensalza. An den Küsten
dagegen und auf den Inseln der deutschen Meere liegt
eine von Jahr zu Jahr sich mehrende Zahl von See¬
badeorten, zurzeit sind es 33 an der Nordsee,
100 an der Ostsee. Unter den Nordseebädern sind
die besuchtesten Norderney, Westerland-Sylt, Borkum,
Juist, Wyk a. Föhr, an der Ostsee von West nach Ost
Glücksburg, Travemünde, Arendsee, Brunshaupten,
Heiligendamm, Warnemünde, Saßnitz, Binz, Sellin,
Göhren, Zinnowitz, Bansin, Heringsdorf, Ahlbeck, Swine¬
münde, Misdroy, Kolberg, Zoppot, Kahlberg, Cranz und
Rauschen. Unter den hier nicht mit Namen aufgeführten
Seebädern gibt es eine ganze Anzahl, die in wenigen
Jahren, wie die meisten der vorgenannten, mehr als
10 000 Sommergäste aufweisen werden.
Ueber den Ursprung der zahlreichen Solquellen
Mittel- und Norddeutschlands und ebenso über die
großen, nur in Deutschland vorkommenden Kalisalzlager,
die in neuester Zeit das kaufmännische Interesse in
allen größeren Kulturstaaten wachgerufen haben, gibt
die Geologie interessanten Aufschluß und zeigt zugleich,
welche überraschenden Wandlungen der deutsche Boden
im Laufe ungezählter Jahrtausende erfahren hat.
Das Vorkommen des Steinsalzes ist in Deutschland
vorwiegend an die Zechsteinperiode gebunden, und nach
den Untersuchungen von Keilhack, Kaiser u. a. darf
man annehmen, daß sich einst ein großes Zechstein-
Meer von Franken bis Schleswig und vom Rheinland
bis zur Weichsel erstreckt hat, das mit dem Ozean
nur an wenigen Stellen über flache Barren hinweg in
Verbindung stand. Dieses Meer lag in einem heißen
Wüstengebiet, besaß keine Zuflüsse von Süßwasser und
verlor durch Verdunstung allmählich seineWassermengen.
Infolgedessen mußte über die Barren salziges Meerwasser
zufließen, und es entstand bei der fortdauernden Verdun¬
stung allmählich eine konzentrierte Salzlösung. War der
Sättigungsgrad erreicht, so mußten sich die Salze nieder-
schlagen, und zwar zuerst das Steinsalz, über ihm die
Magnesia- und Kalisalze. Diese Salzniederschläge
erreichten eine Mächtigkeit von über 1000 Metern.
Allmählich änderte sich das Klima, es wurde kühler und
regenreich, es traten schließlich die Eiszeiten auf. Wo
die inzwischen reichlich gewordenen atmosphärischen
Niederschläge und die dadurch entstandenen Flußläufe
an die Salzlager herangelangten, da wurden diese teils
völlig ausgelaugt, teils mit Salz gesättigt und konnten
als Solen frei oder durch Bohrung wieder zu Tage
treten. Meist aber bildete sich aus den Zuflüssen und
Abschwemmungen eine tonige Decke, die für Wasser
kaum durchgängig, sich schützend über die Salzschichten
breitete und ihrerseits wieder von den Geschieben der
Gletscher der Eiszeiten hoch überlagert wurde. Dieser
Schutzdecke verdankt Deutschland neben den meisten
Solen seine Kalisalzlager, eine unerschöpfliche Quelle
des Volksvermögens.
Unter den Gebirgsstöcken nun, an die das Vor¬
kommen der zahlreichsten Mineralquellen gebunden ist,
kommt dem Taunusgebirge eine ganz besondere Be¬
deutung zu; es ist wunderbar, welche verschiedenartige
Heilquellen sich in seiner Umgebung nahe beieinander
vereinigt finden. Da sind die Kochsalzthermen von
Wiesbaden, das Wildbad Schlangenbad, das
Stahlbad Langenschwalbach, das Schwefelbad
Weilbach, Soden mit erdigen Kochsalzsäuerlingen,
Homburg mit kohlensauren Kochsalzquellen, Nau¬
heim mit kohlensauren Kochsalzthermen, der alkalische
Säuerling von Fach in gen, der alkalisch-muriatische
Säuerling von Niederselters, weiter Ems mit kalten
und warmen alkalisch-muriatischen Quellen, Aßmanns¬
hausen mit lithiumhaltiger Kochsalzquelle, und wenige
Kilometer entfernt im Nahetal die radiumreichen Solen
von Kreuznach und Münster a. St. Wieder anders
geartet sind Bertrich in der Nähe des Moseltals,
Tönnisstein (auch Moorbad) im Brohlthal, Neuen¬
ahr mit warmen alkalischen Säuerlingen, Godesberg
u. a., während anderseits die benachbarte Eifel eine
Menge an kohlensäurereichen Quellen vulkanischen
Ursprungs aufweist, die sich bis ins Ahrtal und zum
Rheine fortsetzen und als Tafelwässer Weltruf erlangt
haben. (Apollinarisbrunnen, Birresborn, Ge¬
rolstein, Oberlahnstein, Rhens, Roisdorf u. a.)
Südlich von dem Bäderzentrum des Taunus, zu
beiden Seiten der oberrheinischen Tiefebene, die geo¬
logisch als ein Einsturzgebiet aufzufassen ist, schließen
sich an einerseits das Arsen-Solbad Dürkheim und
die verschiedenartigen Vogesenbäder (Niederbronn,
Badbronn, Rappolts weiler), auf der anderen Seite
Baden-Baden, Rippoldsau und die Stahlbäder des
Renchtals, in der Nähe der Schweizer Grenze Baden¬
weiler, Säckingen, und weiter, den Vorfuß der
Alpen begleitend, Eisenquellen, wie Ueberlingen,
K o h 1 g ru b, kleinere Schwefel- und Wildbäder, darunteJ
Tölz mit Jodgehalt und endlich Reichenhall. — An
der Ostseite des Schwarzwaldes und des Odenwaldes
finden sich Wildbad, Teinach, zahlreiche Solquellen,
wie C a n n s t a 11 - B e r g, Liebenzell, Jagstfeld,
Wimpfen, und dem Jura folgend, verschiedene erdige
und alkalische Säuerlinge, die Schwefelquelle von
S e ba s t i answe i 1er, das Solbad Hall. Die angrenzende
große bayerische Hochebene ist dagegen arm an
Heilquellen.
Vom Taunus in östlicher Richtung erstreckt sich
ein breiter Strich mit zahlreichen Mineralquellen quer
durch ganz Mitteldeutschland bis zur Grenze Ober¬
schlesiens. An der West- und Nordseite des Spessart
Vogelsbergs, der Rhön und der Nachbargebirge liegen,
um nur einige der Badeorte zu erwähnen, Salzhausen,
Sodental, Salzschlirf, Hersfeld und weiterhin
Wildlingen; es folgen in Thüringen eine Anzahl
Solbäder, wie Salzungen, Sooden a. d. Werra,
Salza, Kösen; am Süd- und am Ostabhang Orb,
Brückenau, Kissingen, die Stahl- und Moorbäder
des Vogtlandes Stehen, Lobenstein, dann in
Sachsen Bad Elster, weiter östlich die Bäder des Iser-
und des Riesengebirges: Flinsberg, Warmbrunn^
Salzbrunn, und die der Grafschaft Glatz: Reinerz,
Kudowa, Landeck, Altheide u. a.
Endlich erstreckt sich von der Westgrenze des
Reiches von Malmedy und Aachen aus in halbkreis¬
förmigem Bogen ein Bädergebiet über die Solquellen
des Industriegebietes (Raffelberg, Königsborn)
mit dem weit vorgelagerten Rothenfeld e und Bentheimf
Nr. 3 DEUTSCHLAND 139
über Lippspringe, Driburg, Salzuffeln, Oeyn¬
hausen, Pyrmont, Neudorf zu den Solen- und
Eisenbädern des Harzes, darunter Ha rz b urg, Alexis¬
bad, über Bernburg, Dürrenberg, Halle-Witte-
kind, Köstritz sich mit der thüringischen Gruppe
vereinend.
Der geologische Aufbau der Gebirge, deren
Untergrund die Heilquellen zumeist entstammen, ist in
Deutschland äußerst verwickelt, nur ausnahmsweise sind
längere Gebirgsketten, wie der Jura, aus gleichartigem
Gestein aufgebaut. In dem Harz z. B. besteht das Mittel¬
stück mit dem Brocken aus Granit, daneben auf der
einen Seite Grauwacke, Porphyr, Rotsandstein, Zechstein,
Gips, auf der anderen Seite Hornfels, Buntsandstein,
Muschelkalk, Keuper, Lias, Jura. Am ungleichartigsten
aber sind die Formationen quer durch Mitteldeutschland.
Ursprünglich befanden sich die Gesteine in gleichartiger
Lagerung. Im Laufe der Zeit wurden durch die aus¬
höhlende und fortschwemmende Kraft des Wassers
ganze Gebirgsmassen fortgetragen oder unterwaschen,
der Gebirgsboden wurde zerrissen, es bildeten sich Klüfte,
Senkungen, Einstürze und Aufwärtsstauungen; vor allem
entstanden solche Verwerfungen auf weite Strecken hin
durch die Tätigkeit zahlreicher Vulkane in der Eifel, dem
Vogelsberg, der Rhön; bis hin zur Lausitz (Landskrone bei
Görlitz) haben vulkanische Basalte das Urgestein durch¬
brochen. Das letzte Produkt der früheren vulkanischen
Tätigkeit ist die Kohlensäure, die den Wässern der
Eifel eigen ist. Aus den Verwerfungen erklärt sich zum
Teil die Verschiedenheit oft nahe benachbarter Mineral¬
quellen und ihre Reichhaltigkeit an Bestandteilen.
Die Einwohner eines Landes sind in ihrer Art ab¬
hängig von dem Boden, auf dem sie wohnen, denn die
wechselnde Bodengestaltung bedingt tiefgehende Unter¬
schiede in der Beschäftigung, Ernährung, Art der
Ansiedelung und der ganzen Lebensgestaltung. Es kann
darum nicht überraschen, daß auf dem gleichartigeren
Boden der norddeutschen Tiefebene und ebenso auf
dem der bayerischen Hochebene sich die größeren ein¬
heitlichen Staatengebilde von Preußen, Hannover und
Bayern entwickelt haben, während der unregelmäßige
geologische Aufbau Mitteldeutschlands den Zusammen¬
schluß der Einwohner zu zahlreichen kleinen Staats¬
einheiten begünstigte. Es war eine politische Not¬
wendigkeit, daß die wesensverwandten, aber in ihrer
Art sehr verschiedenen deutschen Stämme sich schlie߬
lich zu einem großen Staatskörper verbanden und durch
ihre vereinte Kraft dem Vaterlande zu einer Welt¬
machtstellung verhelfen.
Aber aus der früheren Zeit der vielgeschmähten
Kleinstaaterei ist Deutschland der große Vorzug er¬
wachsen, daß nicht wie in Frankreich und Rußland
die Hauptstädte alles überstrahlen, sondern daß sich
in den Residenzen der kleinen Fürsten eine ganze
Anzahl blühender Kulturzentren entwickelten, in welchen
die Fürsten zu einer Zeit, in welcher der Bürger¬
sinn für gemeinnützige Tätigkeit noch nicht erstarkt
war, hohe Kulturwerte schufen, von denen nicht
nur das den Fremden überraschende, interessante Bild
vieler deutscher Kleinstädte, sondern auch die Aus¬
gestaltung der ihnen gehörenden Bäder und Kurorte
Zeugnis gibt. (Schluß folgt.)
Memel.
Memel, See- und Handelsstadt (gegründet 1252),
zählt 21470 Einwohner, mit den Vororten Schmelz,
Bommelsvitte und Ja-
nischken zusammen ;
31100. Die Stadt liegt |
am Seetief und wird (
von der Dange, die in
ihrem unteren Laufe
für Seedampfer schiff¬
bar ist, durchflossen;
sie macht mit ihren
breiten, vielfach von
Lindenbäumen einge¬
säumten Straßen einen
freundlichenEindruck.
Memel ist Sitz der ver¬
schiedensten König¬
lichen Behörden; die
Garnison besteht aus
dem III. Bataillon des
Infanterie - Regiments
von Boyen (5. Ostpr.)
Nr. 41. Von den vor¬
handenen Bildungs-
Anstalten sind be¬
sonders zu erwähnen:
das Königliche Luisen-Gymnasium, das Lehrerseminar,
die Präparanden-Anstalt, die städtische und die private
Memel: Das jetzige Rathaus, in
Friedrich 111. und Königin Luise
höhere Mädchenschule, erstere verbunden mit höherem
Lehrerinnenseminar. Von öffentlichen Gebäuden ist
zunächst das Rathaus
zu nennen, das 1807
ein Jahr hindurch
die Wohnstätte der
Königin Luise und
König Friedrich Wil¬
helms III. war; sehens¬
wert ist der Stadt¬
verordnetensaal mit
den Gemälden der
Königin Luise und
Friedrich Wilhelms lll.
von Kügelgen und
Kaiser Wilhelmsl. von
Seemann. Die erst¬
genannten Bilder sind
ein Geschenk des
Königspaares an den
früheren Besitzer des
Hauses und gingen,
wie auch das jetzige
Rathaus selbst, später
in den Besitz der Stadt
über. Besonders das
Bild der Königin Luise gilt als ein Meisterwerk und als
das ähnlichste der Königin. Vor dem Rathaus erhebt
welchem 1807 — 1808 König
von Preußen gewohnt haben
Nr. 3 DEUTSCHLAND 141
Stettin als Haupttor der Ostsee.
In dem Maße, wie durch die Dampfschiffe die Segel¬
schiffe verdrängt sind und letztere größere Abmessungen
angenommen haben, hat sich der von den Nord- und
den Ostseehäfen ausgehende transatlantische Verkehr
Abgang eines Rügendampfers in Stettin
Deutschlands mehr von den Ostsee- nach den Nordsee¬
häfen hin verschoben. Diese Verschiebung macht sich
natürlich auch im Stettiner Hafen unangenehm fühl¬
bar. Immerhin kann Stettin noch zufrieden sein, daß es
ihm gelungen ist, für den Ostseeverkehr immer mehr
Bedeutung zu gewinnen, so daß es zurzeit in dieser
Beziehung alle anderen deutschen Hafenstädte der
Ostsee übertrifft.
Die glänzende Entwicklung
Stettins als Hafenstadt ist auf die
für Stettin in Frage kommenden
großen inländischen Versorgungs¬
gebiete (Berlin, Schlesien, Sachsen),
auf die bequeme Erreichbarkeit
Stettins mittels der Eisenbahn und
auf die außerordentlich günstigen
Wasserverhältnisse der Oder zurück¬
zuführen. Was die leichte Erreich¬
barkeit Stettins mittels der Eisenbahn
betrifft, so sei nur hervorgehoben,
daß geradlinige Schnellzug-Verbin¬
dungen nach Süden, Osten und
Westen führen. Man erreicht von
Stettin aus Berlin in 1 Stunde
40 Minuten bis 2 Stunden, Lübeck
in 5 Stunden und Hamburg und
Danzig je in 6 Stunden. Die Wasser¬
verhältnisse der Oder sind nach Vor¬
nahme der nötigen Regulierungs¬
arbeiten ganz außerordentlich günstige geworden. Das
Gefälle der Oder oberhalb Stettins von Schwedt bis
Stettin beträgt bei 53 Kilometer Länge nur 61 Zentimeter,
und das Gefälle unterhalb Stettins von Stettin bis
Swinemünde beträgt bei 70 Kilometer Länge sogar nur
19 Zentimeter. Es leuchtet ohne weiteres ein, daß bei
so außerordentlich geringen Gefällen die Wasser¬
geschwindigkeit im Unterlaufe der Oder ebenfalls sehr
gering ist, und daß somit die Strö¬
mungsverhältnisse der Schiffahrt
nicht die geringsten Schwierig¬
keiten bereiten. Hinzu kommt
noch, daß die breite Oderniede¬
rung — bei Stettin etwa 7 Kilo¬
meter breit — mit ihren vielen
Wasserläufen und dem großen
Dammschen See auf den Wasser¬
stand der Oder in ganz hervor¬
ragendem Maße regulierend
einwirkt. Selbst bei Wasseran¬
schwellungen im oberen Oder¬
gebiet und gleichzeitig von der
See her wehenden Stauwinden
steigt der Wasserstand selten
um mehr als V 2 Meter, und fällt
bei entgegengesetzten Verhält¬
nissen nur um ein gleiches Maß.
Die Schwankungen würden natur¬
gemäß viel bedeutender sein,
wenn die Ostsee wie die Nord¬
see Ebbe- und Fluterscheinungen besäße. Die geringen
Schwankungen im Wasserstande machen die Anlegung
von höheren Deichen überflüssig. Wo Deiche angelegt
sind, sind sie so niedrig gehalten, daß sie das Gelände
nur vor Ueberschwemmungen bei Sommerhochwasser
schützen. Man nimmt sie daher, wenn man mit einem
Dampfer den Oderstrom befährt, kaum wahr, und das
Saßnitz: Trajektfähre Saßnitz—Trelleborg
Auge kann ungehindert über die üppigen Wiesen zu den
bewaldeten Höhen und freundlichen Dörfern und Städten,
welche die Oderwiesen besäumen, hinschweifen. Fahrten
auf der Oder, sowohl stromauf, wie stromab von Stettin
142 DEUTSCHLAND Nr. 3
aus sind daher höchst reizvoll und genußreich. — Für
einen sicheren Verkehr der Schiffe zwischen der
See und Stettin bei Nacht ist durch eine Befeuerung
gesorgt, die geradezu vorbildlich geworden ist. Hoch¬
ragende Oberfeuer, blinkende Unterfeuer, farbige Lichter
und leuchtende Tonnen kennzeichnen den Weg der
Schiffe so genau, daß man die Nachtfahrt für sicherer
als die Tagesfahrt halten möchte. — Und im Winter^
wo in vielen Häfen der Wasserverkehr infolge starken
anderen Hafenplätzen der Welt aufrecht. Und gerade
die Regelmäßigkeit solcher Verbindungen ist die Haupt¬
vorbedingung für das Aufblühen eines Hafenplatzes.
Kaum ein anderer deutscher Ostseehafen hat so viele
und so gute regelmäßige See- und Binnenschiffs¬
verbindungen, wie gerade Stettin, und zwar nicht nur für
den Güter-, sondern auch für den Personenverkehr.
Der Besuch der Ostseebäder an der Pommerschen
Küste mit der Insel Rügen auf den dänischen Inseln,
)m neuen Großschiffahrtsweg Berlin — Stettin. (Die Abbildung zeigt die interessante Kanal-
( Überführung über die Stettiner Eisenbahn bei Eberswalde und ein Schiff im Kanalbett, über die Bahnstrecke {
hinwegfahrend, eine Situation, wie sie sich nach Eröffnung des Großschiffahrtswegs oft zeigen wird.)
-JÜ
Eises ruht, sorgen auf der unteren Oder und dem Haff
kräftige Eisbrecher dafür, daß die Schiffe jederzeit,
auch bei lang anhaltendem Frost, sicher zwischen der
See und dem Stettiner Hafen verkehren können.
Begünstigt durch diese Umstände, haben sich in
Stettin zahlreiche und darunter auch sehr leistungs¬
fähige Reedereien entwickelt, und halten diese sowohl
allein, als auch in Verbindung mit auswärtigen Reedereien
regelmäßige Verbindungen zwischen Stettin und vielen
und längs den Küsten von Schweden und Norwegen
gestaltet sich für den Binnenländer am bequemsten und
schönsten, wenn er seinen Weg durch das deutsche Haupt¬
tor der Ostsee, d. h. durch den Stettiner Hafen wählt.
Nähere Angaben über den Handel, die Industrie
und die Hafenanlagen Stettins, sowie auch über seine
Sehenswürdigkeiten und die Reize seiner Umgebung
befinden sich in Nr. 15, I. Jahrgang, der Zeitschrift
„Deutschland" vom 22. März d. Js.
Nr.3 DEUTSCHLAND 143
Die Deutsche Kriegsflotte vor Binz
Stralsund.
Stralsund, eine Stadt von 34500 Einwohnern, liegt
unmittelbar am Strelasund. Sie ist die Hauptstadt des
Pommerschen Regierungsbezirkes gleichen Namens. Die
Stadt ist gegenüber der etwa 3 Kilometer entfernten
Küste von Rügen und malerisch an zwei großen Teichen
gelegen. Sie ist Sitz der Königlichen Regierung und
Garnison des 42. Infanterie-
Regiments (erstes und zweites
Bataillon). Außerdem be¬
finden sich dort Bezirks¬
kommando, Handels- und
Handwerks - Kammer, Amts¬
gericht, Eisenbahn-Betriebs¬
inspektion, Haupt-Zollamt,
Seeamt, Stadt. Gasanstalt
und ein Elektrizitätswerk,
verbunden mit elektrischer
Straßenbahn. Sie hat Wasser¬
leitung, Kanalisation und
Städtisches Schlacht - Haus.
Sowohl von der Land- als
auch von der Stadtseite hat
man einen unvergleichlich
schönen Anblick auf die Stadt
mit ihren stolzen Kirchen,
der Marien-, Nicolay- und
Jakobikirche. Als besonders
großartig muß der Ausblick
auf den imposanten Bau der
Marienkirche über den Fran¬
kenteich erwähnt werden.
Außerdem sind noch zu
nennen die Heilige Geist-
kirche, die St. Johanniskirche,
die katholische Kirche und
die Synagoge. Eine Sehens¬
würdigkeit ersten Ranges ist
auch das aus dem Lösegelde
eines dänischen Prinzen er¬
baute Rathaus, der sich als
zweite die aller Wahrschein¬
lichkeit nach dorthin kommende, die Ostsee über¬
spannende Eisenbahn-Brücke anschließen wird, die
Rügen mit dem Festlande verbindet.
Weltberühmt ist das Neuvorpommersche Museum,
das mit seinen hervorragenden Altertümern aus der
Steinzeit das zweitgrößte der Welt ist. Außer einer
Volksschule hat Stralsund eine Knaben - Mittelschule,
ein Gymnasium, ein Realgymnasium (Oberrealschule i.E.)
und eine staatlich anerkannte Höhere Töchterschule
sowie eine Königliche Navigationsschule. An Denk¬
mälern sind das herrliche Schilldenkmal in wohl¬
gepflegten Anlagen und das Kriegerdenkmal, sowie das
Denkmal des aus der Wallensteinzeit rühmlich be¬
kannten Bürgermeisters Stein¬
wich erwähnenswert. In den
schönen Villenvierteln, die
vor den Toren Stralsunds
liegen und die zum größten
Teil ihren Bewohnern einen
Ausblick auf das weite Meer
gewähren, haben viele pen¬
sionierte Offiziere, Beamte
und Rentner ihren Wohnsitz
genommen. Durch die herr¬
liche Lage, seine schöne
Promenade und durch die
Nähe Rügens sowie durch
die nicht hohen Steuern
hat Stralsund große Aussicht,
sich zu einer Pensionsstadt
auszuwachsen. Für Unter¬
haltung wird durch ein selbst
verwöhnten Ansprüchen ge¬
nügendes Theater, durch Sin¬
fonie- und Künstlerkonzerte,
durch musikalische Darbie¬
tungen in guten Restau¬
rants und Hotels gesorgt.
Drei erstklassige Brauereien
sorgen für guten Stoff, und
Stralsunder Spielkarten gehen
weit in die Lande. Seebäder,
Luft-, Licht- und Sonnen¬
bäder, Warmbad und die
schöne reine Seeluft sorgen
für die Gesundheit. Von
Stralsund ist Berlin in drei,
Hamburg in sechs, Stettin
in zwei, Magdeburg in fünf, Breslau in sieben und
Dresden in sechs Stunden zu erreichen.
Deshalb ist allen denen, die landschaftliche Reize,
Stätten alter Kunst und Kultur schätzen und ein mittel¬
alterliches Städtebild von modernem Leben durchbraust
kennen lernen wollen, zu empfehlen: „Vergesset nicht,
auch Stralsund anzusehen."
Graal in Mecklenburg
144 DEUTSCHLAND Nr. 3
Stralsund: Rathaus und Nicolaykirchc
Die Internationale Ausstellung für Reise- und Fremdenverkehr.
Von Josef Buchhorn, Berlin.
(Schluß.) III
„Geh’ aus, mein Herz, und suche Freud’
In dieser schönen Sommerszeit
An deines Gottes Gaben . .
Wie reich diese Gaben sind, lehrt jeder neue Besuch
der Internationalen Ausstellung für Reise- und Fremden¬
verkehr auf das Allersinnfälligste. Den Schönheiten
deutscher Landschaften ist hier die verdiente
Würdigung geworden. Sie aufzusuchen, wird immer
das erstrebenswerteste Ziel unserer wanderfrohen Volks¬
genossen bleiben müssen. Erst, wenn sie in jedem
Winkel Alldeutschlands bekannt und vertraut sind,
mögen sie den Knotenstock über die Grenze des Reiches
tragen! Klingt auch das Wort Christian Dietrich Grabbes
in diesem Zusammenhänge vielleicht ein wenig allzu
prononciert, das in seinem „Don Juan und Faust^ ver¬
zeichnet steht: „Die Heimat nur kann uns beseligen,
Verräterei, die Fremde vorzuziehen F so hat er ander¬
seits doch auch wieder recht; denn eine Art „Ver¬
räterei" üben alle jene aus, die in Monte Carlo und
Nordafrika, in dem Lande der Mitternachtssonne und
im fernen Indien zu Hause sind, die aber weder die
Geheimnisse des Harzes, noch die Burgenherrlichkeit
schwäbischer Lande je genossen haben. Die einer Mode
nachreisten, aber ihr Herz nicht füllten. „Die Freuden,
die in der Heimat wohnen, die suchst du vergebens
in allen Zonen", konstatiert August Mahlmann, und
jeder, der draußen und drinnen einigermaßen Bescheid
weiß, wird gerne das Wort unterstreichen, das der
würdige Johannes Nepomuk Vogl einmal gesungen hat:
„Die Heimat bleibt doch immer der schönste Fleck
der Welt!"
* *
*
Wer das Ausland auf der Reiseausstellung von
Koje zu Koje durchwandert, der wird gewahr, daß diese
Schau gar nicht so international ist, wie sie sich gibt.
Daß Italien gänzlich unvertreten ist, mag noch erklärlich
sein. Es brauchte ja niemals besondere Anstrengungen
zu machen, und seine Gasthäuser und Landschaften
waren trotzdem von Deutschen überfüllt, die jene alte
Kaisersehnsucht über die Apenninen zog, die uns in
unserer Jugend auf den Schulbänken schon anerzogen
und später durch getreue Nachbarn und dergleichen
befestigt wurde, die uns plausibel einredeten, daß man
da und dorten gewesen sein müßte, wenn anders man
noch als Vollmensch gelten wollte. Dieses verflixte
Nr. 3 DEUTSCHLAND 145
^man muß das und jenes gesehen haben"! Wollte ein Kultur und Poesie innig verbunden ist. Neben Trachten¬
guter Geist, daß der Deutsche in der Beziehung endlich
einmal rückgratsicherer würde I Mehr wundern muß man
sich, daß Frankreich ebenfalls vollständig ausfällt.
Und seine Werbekraft besteht doch — in summa
wenigstens — lediglich in den mondänen Reizen seiner
Hauptstadt Paris! Wer weiß, von einer geringen Anzahl
von Touristen abgesehen, von dem eigenartigen Zauber
seiner Normandie, seiner Bretagne, seiner Gascogne,
seiner Provence usw.? So viele Landschaften, so viele
neuen Reize. Aber auch Großbritannien und
Irland, die Spanien und Portugal, die Länder
der Balkanhalbinsel fehlen auf dieser „Inter¬
nationalen" Reiseausstellung, und Rußland ist nur
durch eine seiner eingezwungensten Provinzen, durch
Finnland vertreten.
♦ *
*
Eine der übersichtlichsten, eindrucksvollsten Sonder¬
veranstaltungen auf dieser Schau ist die öster¬
reichische. Ein handliches kleines Buch, das mit
guten Abbildungen versehen ist, führt sehr verständnis¬
voll in das auf den ersten Blick schier unentwirrbare
Durcheinander von Bildern, Plänen, Trachten, Karten usw.
ein. Dort sind auch die schönsten, ergebnisreichsten
Touren durch die Donaumonarchie zusammengestellt.
Die Ausstellung zerfällt in zwei Gruppen. Die erste
umfaßt „Wien, Prag und die im Reichsrate vertretenen
Königreiche und Länder", die zweite behandelt die
Verkehrsanstalten. Da sieht man stolze Gipfel, die von
ewigem Eise bedeckt sind; taucht man in laubdichte
Täler, über die alte, verfallene Raubritterburgen dräuen;
wandert man auf endlos-langen Wegen in die schier
unabsehbare Weite des flachen Landes, das ab und zu
nur durch ein paar Häuser oder ein paar Schaf- und
Pferdeherden belebt wird; entzückt man sich an den
pittoresken Gestaden der majestätisch dahinfließenden
Donau; geht man einer datenreichen Geschichte in
entlegenen Städten nach, die heute noch ihre eigen¬
artige Kultur inmitten einer vorwärts drängenden Zeit
bewahrt haben. Da blickt man in die Sonnenfelsgasse
in Wien hinein und grüßt die alte Universität, wie sie
der Stift Kopalliks festgehalten hat; rastet vor der
kaiserlichen Burg, lauscht einem Abendkonzert vor dem
neuen Rathause, und ein paar Schritte weiter imponiert
Prags Panorama der Kleinseite mit Hradschin, lachen
dem Erholungsbedürftigen die Wunder von Karlsbad
und Marienbad entgegen. Und wieder ein paar Gänge
weiter offenbaren sich die Geheimnisse der Unterwelt,
wie sie die Grotten von Adelsberg und St. Canzian, und
tiie Höhlen der Mährischen Karst bewahren. Dort die
Felseneinsamkeiten der Dolomiten und da die meer-
umklungenen Gestade der ewig-blauen Adria. Linz und
Ischl (Oesterreich ob der Enns), der Wocheiner See
und der See von Veldes (Krain), der Kammersee in
der Steiermark und der Moserboden in Salzburg, das
poesieumflossene Liechtenstein mit Vaduz (Vorarlberg)
und die Ruinen Dürnstein und Aggstein (im Gebiete
der österreichischen Donau) — alle diese Namen sind
Mittelpunkte erlesener Reiseprogramme, sind Meister¬
stücke, mit denen eine gabenreiche Natur jenes Land
beschenkt hat, das uns durch die mannigfachsten Bande
des Blutes und der Ueberlieferung, der Sage, Geschichte,
bildern und Trachtenpuppen — unter denen die aus
Dalmatien, Bosnien und der Herzegowina nicht vergessen
sein mögen! — neben Truhen und Kästen, Stickereien
aller Art, Gewehren, Pistolen, Häusermodellen, Erzeug¬
nissen der verschiedensten Hausindustrien, Schmuck¬
gegenständen usw. usw. wird vor allem auch jene Aus¬
stellung auf eine besondere Beachtung rechnen dürfen,
in der der Oesterreichisehe Lloyd ein Bild seiner
Entwicklung und seiner Leistungskraft gibt. Und wie in
seiner Schau die prachtvollen Modelle der Dampfer
„Austria", „Prinz Hohenlohe" und „Wien" interessieren,
so wird in jener anderen der Vereinigten Oester-
reichischen Schiffahrts A. G. vorm. Austro - Americana
und Fratelli Cosulich Triest die bunte Fülle von Auf¬
nahmen zum Verweilen zwingen, die das Leben an Bord
zu allen Tageszeiten und unter den verschiedensten
Küstenstrichen zeigt.
„Worte füllen den Sack nicht", sagt ein altes
Sprichwort, und wahrlich — Worte erschöpfen auch
derartige Uebersichten nicht, wie sie in einer solchen
Ausstellung wie der österreichischen geboten werden
— der österreichischen und der ihr benachbarten, der
schweizerischen. Auch hier können nur Andeu¬
tungen, Stichproben gegeben werden. Man müßte gleich
das Bild dem Wort gesellen können, dann ging's zur Not.
Aber dann spräche ja am Ende das Bild eindringlicher
als das Wort. Diese Reiseausstellung hat mich, neben
vielem anderen, auch einmal wieder an die Wahrheit
jenes alten Satzes des Grafen von Platen gemahnt:
„Welch eine Tugend ist die Kunst der Worte!"
♦ *
*
Die Schweiz. Auch hier wieder: eine Fülle von
Bildern, Plänen, Dioramen usw. Um mit den letzteren
zu beginnen: zwei rufen den Wanderer durch die Aus¬
stellungshallen wieder und wieder zurücke: das eine,
das Genf, und das andere, das Zürich darstellt.
Genf: Die Mittagssonne spielt über seinem Blau¬
see, in den das blinkende Eis des Montblanc hinein¬
schaut, und Enge und Weite gesellen sich auf einem
kleinen Raume zu einer Landschaftssinfonie, in der die
leichten Klänge des Alltags von den gewaltigen
Weisen der Menschen und Völker beherrschenden
Ewigkeit überdröhnt werden. —
Zürich: Schwanke Schiffe überqueren die grün¬
schimmernden Wellenkämme seines Sees — lauschige
Promenaden säumen die lockenden Ufer — putzige
Häuserfassaden wachsen landein, und über die Höhen des
Zürichberges klettern die Gipfel und Grate des zentral¬
schweizerischen Hochgebirges, auf denen der Abend
ein letztes Quartier genommen hat. Manchmal ist es
dem Beschauer, der sich in diese Pracht verloren hat,
als ob sich der Wind gedreht hätte und plötzlich, für
einen Augenblick nur, tagleichte Rhythmen irgend eines
Kurorchesters über den See verschlagen worden wären.
Die Schweiz: Wallis weist den Monte Rosa und
das Matterhorn, Bern sein Oberland, seine Niesenbahn
mit dem Hegenalp-Viadukt und dem Blick auf Eiger,
Mönch und Jungfrau; die Zentralschweiz rückt die
Wunder und Wonnen des Vierwaldstättersees in eine
neue Beleuchtung und unterstützt ihre Werbekraft durch
ein Modell des Dampfwagens der Pilatusbahn mit Ober-
146 DEUTSCHLAND Nr. 3
und Unterbau; die Ostschweiz unterstreicht Namen wie
St. Gallen, Schaffhausen, Konstanz; Graubünden und
die Südschweiz fügen sich mit einer Unzahl von Ge¬
mälden (von der Albulalinie beispielsweise), Bildern,
Reliefkarten (von Locarno, Davos usw. usw.) wirkungs¬
voll in eine Schau ein, die aufs neue die alte Predigt
kündet, daß der Wechsel allein das Beständige ist. Oder
— dankt nicht gerade die Schweiz dem schier unerschöpf¬
lichen Wechsel in ihren Landschaften, Bergen, Tälern,
Schroffen, Gründen, Städten, Meilern usw. die stete
Beständigkeit ihres Zustroms an Besuchern, Touristen
und Sommerfrischlern?
♦ *
*
Die Niederlande — Les extremes se touchent.
Dort himmeleinwachsende Berge, gletscherüberspannte
Schroffen — ein stetes Auf und Ab zwischen Ebene und
Höhe — hier eine Landschaft, die in dem Horizont
verläuft; breite Kanäle, eine behagliche Gelassenheit.
Ungemein reizvoll wirkt das holländische Zimmer —
aus dem 17. Jahrhundert —, in dessen Butzenscheiben
ein charakteristisches Diorama hineinleuchtet: Haarlem
und Delft — Blumen über Blumen — Tulpen und
Hyazinthen. . . Grachten, Mühlen, Holzbrücken; alte
Häuserchen, Fachwerksbauten, die an dem Wasserlauf
zu kleben scheinen; daneben wieder massive Stein¬
mauern, die von wuchtigen, feindeschreckenden Türmen
unterbrochen werden. Fern braust und brandet das
Meer, von dem ein Wald von Fahnen und Masten und
Wimpeln zum Lande herübergrüßt . . .
Eine besondere Abteilung zeigt die bewunderns¬
würdige Eigenart Niederländisch-Indiens, zeigt die
Verbindungs-Gelegenheiten mit jener Ferne, zeigt
Dampfermodelle, zeigt Erzeugnisse dieser Zone, Batik¬
arbeiten, seltene koloristisch aparte Tücher und
Gewebe usw.
* *
♦
Schweden will ein Bild von seinen landschaft¬
lichen Besonderheiten und zugleich einen Ueberblick
über einen Teil seiner Erzeugnisse geben — seiner Pelz¬
waren, Porzellanmanufaktur, Telephon- und Telegraphen-
Einrichtungen usw.
Mit einem gewissen Stolz betont es in dem Katalog
zur Reiseausstellung, daß es sich in süd-nördlicher
Richtung über mehr als 14 Breitengrade erstreckt und
daß sein Süden dasselbe Klima und dieselben Boden¬
verhältnisse wie unsere in Mecklenburg und Pommern
aufweist, während sein nördlicher Teil weit über den
Polarkreis hinausgeht, „wo im Sommer die Landschaft
von dem Leuchten der Mitternachtssonne und im Winter
vom strahlenden Nordlicht erhellt wird".
Schweden weiß den Zauber seiner Landschaft durch
zwei Dioramen glücklich zu repräsentieren: in dem
einen, Stockholm, zeigt es die moderne Großstadt,
die sich alle technischen und hygienischen Errungen¬
schaften der Neuzeit dienstbar gemacht hat, und in dem
anderen, Are, führt es in schneebedeckte Höhen, über
denen grimmige Felsen hängen, die nichts mehr von
jener Lieblichkeit ahnen lassen, die sich über die an¬
mutige Inselfolge Stockholms gebreitet hatte.
♦ ♦
sK
Finnland, „das Land der tausend Seen", hat
namentlich die vielfachen Erzeugnisse seines Bauern¬
gewerbes und seiner Kunst ausgestellt — Schneeschuhe
aus Birkenrinde und Topfstein; Pfeifen, Lederbeutel;
handgeklöppelte Spitzen aus Raumo (Achtung, Haus¬
frauen! Hier sind aparte, nachahmenswerte Muster!),
Gefäße aus Wacholder, Fischfanggeräte; das Modell
eines Strombootes für Touristen, ein Lappländer mit
Renntier und Schlitten; Landschafts- und Städtebilder,
Burgen, Herrensitze usw. Im Mittelpunkt der finn-
ländischen Ausstellung steht wohl jenes pointillistische
Landschaftsgemälde von Eero Järnefelt, das mehr ab¬
sonderlich als schön ist und den Sommerzauber finn-
ländischer Landschaftspracht — darstellen soll.
* *
*
Bleiben noch Dänemark und Norwegen.
Dänemark stellt — abgesehen von zwei, allerdings
geradezu faszinierenden Dioramen — in der Hauptsache
seine weltberühmten Porzellane und Fayenzen zur Schau,
unter denen Modelle von einer erstaunlich hohen Kunst
der Materialbewältigung zu sehen sind, Modelle, die
bestes Handwerk mit vollendetster Formen- und Farben¬
gebung bedeuten. Die dänische Kunst versucht daneben
für die dänische Landschaft zu werben. Meist auch mit
Erfolg. Viel bestaunt wird auf diesem Teil der Reise¬
ausstellung das Modell eines Dampffährschiffes mit
einem darauf stehenden Eisenbahnzug — es ist das
ursprünglichste Modell jener Art von Verbindungs¬
möglichkeiten über See, die es erlauben, eine Reise
ohne Umsteigen auszutühren. Deutschen Touristen,
die einmal auf Rügen geweilt haben, werden jene
stolzen Schiffe noch in lebhafter Erinnerung sein, die
eine Verbindung zwischen Saßnitz und Trelleborg
bewirken.
♦ *
*
Norwegen stellt verwirrend viele Bilder, Photo¬
graphien usw. aus — deshalb verwirrend, weil kein
rechtes System in diese Folgen von Ansichten gebracht
worden ist — der Blick des Beschauers irrt zu sehr von
der zu jener Wand, von dem einen zum anderen Winkel.
Weniger wäre mehr. Weniger ließe die faszinierende
Pracht der vielen Fjorde mit den schier senkrecht ab¬
fallenden Felswänden, die Gewalt der Gletscher, den
Farbenglanz der Wasserfälle, die fruchttragenden Acker¬
weiten, die verschlafenen Binnenseen usw. markanter
heraustreten. Sehr reich und sehr gut ist das sport¬
liche Moment in dieser Gruppe vertreten, die Sports¬
hütte vornehmlich bedeutet eine gern begrüßte Fermate
in diesem Auf und Ab von Tönen.
Einen wirkungsvollen Abschluß der norwegischen
Schau bildet das entzückende Diorama, das die ein¬
drucksvolle Aussicht von Molde über die Romsdals-
felsen wiederzugeben versucht.
♦ *
*
Wir sind am Ende unserer Uebersicht über die
Reiseausstellung. Sie konnte naturgemäß nur apho¬
ristisch sein. Aber sie hat doch so vielerlei Sehens¬
und Besuchenswertes in dem großen Garten der Natur
aufgezeigt, daß unser Gang nicht ohne merkbaren
Ergebnisse sein sollte und wohl auch nicht sein dürfte.
Ein Wort Goethes stand am Eingang dieser Aufsätze,
ein Wort Goethes mag sie schließen:
„Die Natur ist immer Jehovah.
Was sie ist, was sie war, und was sie sein wird."
Nr.3 DEUTSCHLAND 147
Festspiele des Rheinischen Goetlie-Vereins in Düsseldorf«
Festspiele! Unter diesem Zeichen scheint
während der Sommerzeit das ganze deutsche Theater
zu stehen; in allen Städten werden besondere Auf¬
führungen unter dieser Flagge angekündigt. Zumeist
ist es die Oper, die Festspiele veranstaltet, hat sie doch
ohnehin einen festlichen Charakter an sich, der uns
leicht und gern über das Treiben des Alltags hinaushebt.
Dem Theater bietet sie auch noch den Vorteil, daß
Opernfestspiele verhältnismäßig mit nicht allzu großer
Mühe veranstaltet werden können. Ein wesentlicher
Teil der Vorproben läßt sich ohne Zuhilfenahme des
gesamten Bühnenapparates bewältigen, Solo-und Chor¬
proben werden in Zimmern abrehalten, und in zwei,
höchstens drei Theaterproben kann eine kundige Hand
alle Elemente des Kunstwerks unschwer zu einem Ganzen
zusammenschmieden. Meistens sind es ja auch be¬
kannte und feststudierte Musikwerke, die zur Aufführung
gelangen.
Im Schau¬
spiel ist die Auf¬
gabe eine weit
schwierigere,
hier fehlt die
holde Fessel der
Töne, die ein
Ausweichen
nach rechts oder
links nur in
beschränktem
Grade gestattet.
Hier fehlt auch
die Möglichkeit,
die in der älteren
Oper immerhin
gegeben ist, daß
eine einzelne
hervorragende
Kraft über et¬
waige größere
oder kleinere
MängeldesGan-
zen hinwegtäuschen kann. Und schließlich — last not
least — können für besondere, selbst ganz hervor¬
ragende Schauspielvorstellungen nicht die Preise ge¬
fordert werden, die das Publikum für den Operngenuß
willig zahlt. Die Kosten sind hingegen nicht sehr
viel geringer; den großen Gagen, die einzelne Gesangs¬
künstler erhalten, steht hier die sehr viel größere Anzahl
des erforderlichen Personals gegenüber. Dramatische
Festspiele pflegen daher nur sehr selten zu einer
ständigen Einrichtung zu werden, man kann sagen, daß
nur zwei deutsche Städte sich ihrer erfreuen: Wies¬
baden und Düsseldorf.
Während in Wiesbaden kaiserliche Munifizenz und
die reichen Mittel eines Hoftheaters den prächtigen
Inszenierungen zugute kommen, sind die Düsseldorfer
Festspiele bekanntlich eine Schöpfung, die aus dem
Kreise des Publikums hervorgegangen ist. Schon in
diesem Betracht stehen sie einzig da, wie sie auch durch
ihre nun schon 12jährige Dauer nicht ihresgleichen
haben. Kein höfischer Zauber kann ihnen einen Nimbus
verleihen, sondern einzig und allein die Opferwilligkeit
des Goethevereins und das Interesse des Publikums,
das sich weit über Rheinland und Westfalen hinaus
erstreckt; namentlich das stammverwandte Holland
schenkt diesen Festspielen seine Beachtung, die sich
auch in den eingehenden Berichten der großen hollän¬
dischen Zeitungen ausspricht.
Die Goethefestspiele, die in diesem Jahre schon
am 24. Juni beginnen und bis zum 11. Juli dauern,
sind diesmal ganz dem großen Namen Shakespeare
geweiht. Neben der Wiedergabe von „Richard III.", „Lear",
„Viel Lärm um Nichts" sollen auch zwei sehr selten
gegebene Werke des Dichters zur Darstellung gelangen,
hat sich doch
der Verein in
jedem Jahre die
Aufgabegestellt,
neben den be¬
kannten und
anerkannten
Stücken die Auf¬
merksamkeit der
Beschauer auch
auf solche zu
lenken, die dem
allgemeinen Ver¬
ständnis bisher
weniger zugäng¬
lich waren. Die
Aufführungen
von Shakespea¬
res „Kleopatra"
und von Kleists'
„Penthesilea",
die ungewöhn¬
lichen Beifall
fanden, haben
diesen Bestrebungen Recht gegeben. Diesmal wird
„Liebes-Lust und -Leid" und „Die lustigen Weiber
von Windsor" in Szene gehen, die man fast als „klas¬
sische Novitäten" ansprechen darf, und die nicht nur
die engere Gemeinde der Literaturfreunde, sondern auch
das große Publikum interessieren werden, von dem
allein die Theatererfolge abhängig sind.
Die Aufführungen stehen, wie bisher, unter Max
Grubes Leitung. Nicht weniger als 46 erste Künstler
und Künstlerinnen unserer vornehmsten Bühnen haben
ihre Mitwirkung zugesagt, so daß für jedes Drama eine
neue Besetzung der Hauptrollen eintreten kann. Diese
Abwechslung erhöht natürlich die Kosten der Rhei¬
nischen Goethefestspiele sehr bedeutend, gibt den
Darbietungen aber auch unleugbar noch einen ganz
besonderen Reiz. M.
Das illustrierte Festprogramm der d.esjährig-en Goethe-Festspiele ist bei der Düsseldorfer Verlags-Anstalt erschienen. (Preis 50 Pfgh
148 DEUTSCHLAND Nr.3
Ein Entwurf zum Ausbau des National-Denkmals auf dem Niederwald.
Von Dr. Richard Kl
Auf der diesjährig-en Großen Berliner Kunstausstellung^
hat der Architekt Arnold Hartmann (Grunewald) einen
Entwurf zu einem Erweiterungsbau des National-Denkmales
auf dem Niederwalde aufgestellt. Das Bauthema ist höchst
aktuell. Man fürchtet, daß das Schillingsche Denkmal der
Germania durch das geplante Bismarck-National«Denkmal
auf der Elisenhöhe bei Bingen erdrückt, in seiner Wirkung
untergraben würde. Hartmann hat deshalb einen Erweiterungs¬
bau auf dem Niederwalde vorgeschlagen.
Ist es aber überhaupt möglich, einem Denkmal, dem
an und für sich jede monumentale Gestaltung in einem
klaren, weittragenden Fernbilde fehlt, nachträglich durch
Terrassen und Treppenanlagen eine gesteigerte Monumen¬
talität zu geben ? Man denkt da unwillkürlich an den Aus¬
bau, den vor zwei Jahren das Hermannsdenkmal auf dem
Teutoburger Walde gefunden hat, als man an Bändels
100. Geburtstage dem einzigen monumentalen Denkmals¬
gestalter, den Deutschland in der ersten Hälfte des dahin¬
gegangenen Jahrhunderts aufzuweisen hatte, ein Denkmal
setzen wollte: Kreis hat damals das Hermannsdenkmal mit
einer „Bandelbank'" umgeben, die mit breit ausladenden
Freitreppen dem Denkmal einen neuen monumentalen Unter¬
bau geben sollte. Der Versuch gelang. Die monumentale
Schöpfung Bändels wurde durch den Ausbau noch gesteigert.
Aber möglich war das nur, weil der jüngere Künstler die
monumentalen Linien des älteren Bauwerkes weiterführen
konnte. — Aber auf dem Niederwalde? Schillings Germania ist
ipheck, Düsseldorf.
eine mechanisch vergrößerte Kleinplastik, die den natürlichsten
Anforderungen monumentaler Kunst widerspricht. In einem
Saale wäre sie vielleicht in kleineren Dimensionen an ihrem
Platze. Das Staatskleid, das sie sich angelegt hat, das Schwert,
das von den Girlanden umwunden ist, der Prachtsessel und
was sie in der Hand trägt, wäre zu erkennen. So aber bleibt
auf die Entfernung jede Form unklar, die eben, wie Lederers
Bismarck zu Hamburg, auf eine stark vereinfachte, deutlich
erkennbare Silhouette hin gestaltet sein müßte. Dasselbe
vermißt man an den übrigen Gestalten, und das Profil ist
viel zu schwächlich für den Maßstab: Auf einer Stufenpyramide
erhebt sich eine ungegliederte Masse, aus der ein dünner
Arm herausragt.
Ist da mit breiten neuen Terrassierungen an einer ver¬
unglückten monumentalen Schöpfung überhaupt noch etwas
gut zu machen? Am Ende werden die weit ausladenden Ter¬
rassen das Monument noch kleiner erscheinen lassen. Denn
schon das breite Naturterrain ist dem Denkmal in seiner
Wirkung so ungünstig gewesen. Der Bergrücken ist viel zu
breit. Nirgends findet sich eine Linie, die auf das Denkmal hin¬
weist. Nirgends ein anderer Maßstab als die formlosen Berge,
gegen die die Plastik verschwindend klein erscheinen muß.
Zu retten ist an dem National - Denkmal auf dem
Niederwalde kaum etwas, und wenn das neue Bismarck-
National-Denkmal in seinen Formen Rücksicht nehmen soll
auf die Germania, ihm gegenüberliegend, so wird es das,
ich fürchte, auf Kosten seiner monumentalen Wirkung tun.
Entwurf zum Ausbau des National-Denkmals auf dem Niederwald von Architekt Arnold Hartmann, Grunewald
Nr. 3
DEUTSCHLAND BB o eeeeeee e eeecooeee seeeeoeea i T49
Bund und Verbände.
Vortrag, gehalten in der Vorstandssitzung am 30. April ign in Berlin vom Schulinspektor A. Sattler, Braunschweig.
1. Das mir von unserm verehrlichen Vorstande übertragene
Referat hat eine der schwierigsten Fragen zum Gegenstände,
die allerdings für unser Vereinsleben und für die endgültige
Ausgestaltung des Bundes von. weittragendster Bedeutung, ja
vielleicht die wichtigste ist, die wir überhaupt behandeln können.
Kein Wunder, dass die Besprechung dieser Frage uns schon
oft beschäftigt hat, und dass dieselbe aller Voraussicht nach
noch oft wiederkehren wird. Denn darüber sind wir uns wohl
alle einig, dass wir von der endgültigen Lösung derselben leider
noch weit entfernt sind.
Das 4arf uns aber nicht hindern, uns immer wieder das
Ziel, das wir schliesslich erreichen müssen, vor Augen zu führen
und uns die Frage vorzulegen: „Wo stehen wir jetzt, und was
können wir tun, dem gesteckten Ziele wenigstens so nahe wie
möglich zu kommen?“
2 . Das Ziel, dem wir zustreben müssen, ist ohne Frage das,
dass aus dem „Bunde Deutscher Verkehrs-Vereine“
schliesslich ein „Bund Deuts ch er Verkehrs-Verbände“
wird, so dass also der Bundes - Vorstand nur durch
die Vermittelung der Verbände den Einzelvereinen näher zu
treten braucht und umgekehrt diese durch die Verbände mit
dem Vorstande verkehren. Dies Ziel kann natürlich erst dann
erreicht werden, wenn alle Einzelvereine Deutschlands sich zu
Verbänden zusammengeschlossen haben, die sich der Bundes¬
leitung unterstellen. Diesen Verbänden würden dann die dem
Bunde sich angliedernden Gemeinden und Korporationen gleich
zu achten sein, während die dem Bunde angehörenden Einzel¬
personen besser den Verbänden oder Einzelvereinen zugeteilt
werden müssten. Die Arbeiten der Bundesleitung würden durch
eine solche Organisation wesentlich vereinfacht, und es würden
die auf den Hauptversammlungen und in den Sitzungen des
Gesamtvorstandes zur Beratung stehenden Themata gleich inner¬
halb der grossen Verbände so geklärt werden können, dass sie
eine weit schnellere Erledigung erfahren würden, als das jetzt
möglich ist. Als selbstverständlich muss bei dieser Organisation
vorausgesetzt werden, dass der Bund durch dieselbe auch
pekuniär in den Stand gesetzt wird, seinen Aufgaben voll und
ganz gerecht zu werden.
3. Ob bei dieser Organisation die Zusammensetzung des
Gesamtvorstandes dieselbe bleiben wird wie jetzt, wo Verbände
und Einzelvereine, bezw. Gemeinden und Korporationen, im
Vorstande vertreten sind, oder ob die Einzelvereine sich dann
nur durch den Verband im Vorstande vertreten lassen, ist eine
Frage, die noch geklärt werden muss. Nach meiner Ansicht
würde e& auch später noch möglich, ja oft vielleicht sogar
wünschenswert sein, dass auch grössere Einzel vereine im Vor¬
stande vertreten sind. Jedenfalls müsste in geeigneter Weise
dafür gesorgt werden, dass die oft so wertvollen persönlichen
Beziehungen der Einzelvereine zu der Bundesleitung aufrecht
erhalten bleiben, bezw. hergestellt werden.
4. Man hat der bisherigen Bundesleitung wohl den Vorwurf
gemacht, dass sie die ihr gewordenen Aufgaben nicht so kräftig
und nachhaltig verfolget habe, wie sie das im Interesse der fort¬
schreitenden Entwicklung unseres Verkehrslebens hätte tun müssen.
Mag sein, dass hin und wieder etwas mehr hätte geleistet werden
können, dass auch vielleicht manche Fehler gemacht worden
sind. Wenn wir aber die historische Entwicklung unseres
Bundes unbefangen betrachten, so müssen wir doch zugeben,
dass der Vorstand unter den äusserst schwierigen Verhältnissen,
unter denen sich der Aufbau des Bundes vollzog, und bei den
geringen Mitteln, die ihm zur Verfügung standen, das denkbar
Möglichste geleistet und verhältnismässig auch viel erreicht hat.
'Kinderkrankheiten hat jeder werdende Verein durchzumachen,
lind Fehler sind dabei kaum zu vermeiden. Uneigennützig, mit
vieler Umsicht und Tatkraft und mit grosser Ausdauer und
Geduld haben die Männer, die der Bund an seine Spitze gestellt
hat, ihres Amtes gewaltet. Und wenn heute der Bund trotz aller
Schwierigkeiten und Widerwärtigkeiten angesehen und geachtet
dasteht und ein wichtiger Faktor im Verkehrsleben unseres
deutschen Vaterlandes ist, dann danken wir es der unermüdlichen
Tätigkeit unseres bisherigen Vorstandes, insbesondere unseres
biAerigen Bundesvorsitzenden, Herrn Direktor Winkler,
und wir wollen wünschen und hoffen, dass unser neuer Bundes-
vorsitsender, der nun schon ein fertiges Gebäude vorfindet, recht
tüchtig weiter baut und den wünschenswerten Ausbau recht
bald vollendet.
Vorderhand müssen wir uns allerdings mit dem Vorhandenen
abfinden und uns damit wohnlich einzurichten versuchen.
5. Es ist die Zeit der Maien! Bäume und Sträucher stehen
in voller Blütenpracht und entzücken unser Auge. Dem blühenden
Baume gleicht unser Bund. Hunderte von kleinen Saugwurzeln
führen aus dem vom Gärtner wohl vorbereiteten Boden die
Nahrungssäfte dem Stamme und den Zweigen des Baumes zu,
denen die Blüten und Blätter und hoffentlich später auch die
Früchte entspriessen. So steht zur Zeit des Maien auch unser
Bund im schönsten Blütenschmuck da. Wie herrliche Tage
haben wir schon in Darmstadt, in Mannheim, in Harzburg, in
Landshut, in Flensburg und zuletzt in Braunschweig verlebt,
und manche herrliche Frucht reifte in diesen Versammlungen
oder im Verfolg der dort gefassten Beratungen und Beschlüsse.
Unsere Einzelvereine sind die Saugwurzeln, die dem vom
Vorstande wohl vorbereiteten Boden ihre Nahrungssäfte ent¬
nehmen und sie dem Stamme und der Krone, dem Bunde,
zuführen. Viele dieser Saugwurzeln haben sich zu starken
Hauptwurzeln, den Verbänden, ausgebildet, die nun die
Verbindung zwischen den Saugwurzeln und dem Stamme her-
steilen. Jeder Vergleich hinkt, auch der meinige. Die stark
ausgebildeten Hauptwurzeln des Baumes liegen in der Erde
und betätigen sich nach aussen hin gar nicht. Die Hauptwurzeln
unseres Bundes aber, die Verbände, betätigen sich sehr lebhaft
und haben sich bereits zu selbständigen, reiche Früchte tragenden
Sprösslingen ausgebildet.
6. Indem ich diese Vergleiche ziehe, deute ich damit zugleich
die Entstehung und historische Entwicklung unseres Bundes an,
sein Herauswachsen aus den Einzelvereinen und die spätere
Herausbildung der Verbände.
Daraus ergibt sich, dass die Gliederung unseres
Bundes in Verbände und Einzelvereine (Verkehrs-
Vereine, Gemeinden und sonstige Körperschaften) eine durch¬
aus natur- und sinngemässe ist.
7. Die Aufgaben dieser Glieder sind durch unsere
Satzungen genau vorgezeichnet. Die des Bundes gipfeln in
zwei Punkten:
a) Der Bund soll die deutschen Verkehrsinteressen vorzugs¬
weise in ihrer Gesamtheit vertreten und fördern;
bj Dci Bund soll seine Mitglieder zu gegenseitiger Unter¬
stützung zusammenführen und ihre Arbeit durch Austausch
von Meinungen und Erfahrungen erleichtern.
Der Bund ist also einmal die gewaltige Kraft, gewisser-
massen die Summe der Kräfte, die den Verbänden und Einzel¬
vereinen entströmen, und daher eine Macht, die im Interesse
des Verkehrs gewaltiger und nachhaltiger zu wirken vermag,
als das seinen Gliedern grösstenteils möglich ist; er ist aber
dadurch zugleich zweitens auch das fördernde und belebende
Element, das die Glieder stützt, kräftigt und anregt.
8. Eine wichtige Aufgabe des Bundes ist zunächst eine
grosszügige Propaganda für den Verkehr, und zwar
nicht nur im Auslande, um zu bewirken, dass das Ausland
mehr und mehr mit den Vorzügen und Schönheiten unseres
Vaterlandes bekannt gemacht und der Fremdenstrom und damit
auch der Geldstrom nach Deutschland hingeleitet werde, —
sondern auch im I n 1 a n d e, um durch steten Hinweis auf die
Schönheiten und Vorzüge unserer Heimat die einheimische
Bevölkerung davon abzuhalten, ihr Geld, mehr als nötig ist, dem
Auslande zuzuführen.
9. Daneben g^bt es für den Bund aber noch andere wichtige
Aufgaben. So gibt er fortgesetzt Anregungen zu Verkehrs-
Erleichterungen und -Verbesserungen und sucht dieselben auch
nach Kräften zu fördern. Dabei kommen in erster Linie der
Personenverkehr der Eisenbahnen, Dampfschiffe und Kraft¬
fahrzeuge usw. in Betracht; doch finden auch die Verkehrsmittel
und Verkehrs-Anstalten des Sach- und Nachrichtenverkehrs, so¬
weit sie mit dem Personenverkehr Zusammenhängen (wie z. B.
der Gepäckverkehr) oder für das den Fremden anziehende wirt¬
schaftliche Gedeihen der deutschen Candesteile und Orte von
Bedeutung sind (wie der Kanal-, Post- und Fernsprechverkehr),
weitgehendste Beachtung und Förderung.
150 ;»B
DEUTSCHLAND
Nr. 3
10. Die Verkehrs-Verbände und V e r k e h r s - V • o i n e
der einzelnen deutschen Dandesteile untersiützen den Eiind in
seiner Tätigkeit, und umgekehrt fördert der Bund die Aufgctben,
die über das Arbeitsgebiet dei Verbände und Einzelvereine örtlich
und sachlich liinausgehen; insbesondere die Behandlung allge¬
meiner deutscher Verkehrsfragen; sucht aber auch solche Auf¬
gaben, die im Arbeitsgebiete der einzelnen Vereine liegen, in
jeder Weise zu unterstützen oder doch wenigstens anregend
und fördernd zu wirken. Hierher gehören z. B. Fragen des
Heimatschutzes, der Gesundheitspflege, der Fremdenstatistik, die
Einrichtung der Verkehrsbureaus usw.
11. Die Einzelvcreine haben daneben die bevondere
Aufgabe, auf die Schönheiten und Vorzüge ihrer engeren Heimat
hinzuweisen und alle Mittel anzuwenden, den Fremdenverkehr
dorthin zu lenken, bezw. dem Heimatverkehr neue Bah-ien zu
erschliessen und ihm alle möglichen Erleichterungen zu ver-
.schaffen. Daneberi müssen sie aber auch bestrebt sein, die
kulturelle Bedeutung des Verkehrs für das gesamte geistige und
wirtschaftliche Leben ihrer Heimat in der Oeffeiulichk<n( zu
vertreten und in dieser Beziehung eine ausschlaggebende St*'li!ung
in der öffentlichen Meinung einzunehmen.
Und um alle diese Aufgaben bes.ser, nachhaltiger und in
grösserem Umfange erfüllen, zu körmen, schMrssen .^ich die
Einzclvereine zu Vei bänden zusammen, die jene Aufgaben
in erweitertem und verstärktem Masse ci! allen können.
12. Aus diesen Aufgaben ergeben sich nalurgemäs.^ füi ucn
Bund, die Verbände und die Einzelvcreine die .gegenseitigen
Beziehungen und Verpflichtungen.
Der Bund ist stets der Obeibegrilt den Veilvänden und
Vereinen gegenüber; aber alle drei stehen iintereinander in
einem bestimmten Ahhangigkeitsverhällnis, indem sio .’jlch ^egem-
seitig stützen, schützen und ergänzen (wie der Magen imd die
ihn ernährenden Organe).
Dies Verhältnis schlicsst eine einseitige diktatorische Gewalt
des Oberbegriffs .lus, so dass nur ein gegensciii.-.cs Incinandei-
und Mileinanderarbeilen möglich ist wie ts :a auch l-islirr
war - , gewährleistet durch die lührciuleri PoisönlichKeiten !i.i
Bunde, in den Verbanden und in den Km.^elvtrcinen.
Ohne eine gewisse straffe Regicrun.; wird c-» dab.ei adlei-
dings nicht immer abgehen. Wer sich dem Bunde oiler ^in'^-m
Verbände anschliesst, hat sich seinen S.ilzuiigen und dv.n Mass¬
nahmen, welche die Leitung trilfi, zu fügen, sonst pas.st er nicht
in den Rahmen der Organi.salion, stört Jii* il.irmonie des (hni-tii
und legt damit die gCvSiinue T.itigkeil deiselben lahm. Möge dei
Bund voi solchem Geiste bew.ihrt bleiben!
13. Das Verhältnis des Buiiiles zu den Kmzclvereinen lU
von jeher ein ziemlich klaies und l»? Mi;iiiiit.‘s ;»e\Vv s-n. Anders
steht es nii‘. dem Veihältnis zwisch« n dem Bunde und den
Verbänden und das ist auch der spnngmuK.* l’unki iie-ines
Themas.
Hier gibt es zwei Mögiiclikeilen. Entweder es ist ilic
Organisation des Bundes so, wie ich .»ii* tin..uu;*.s meines Vor¬
trages schilderte, nämlicli, dass d.^r Bund stine Vv'eisungtMi an
die Veibände erlässt und nur mit ihmm veibandelt, und es
diesen überlässt, sich mit den Einzel vereinen darüber ins Kii*-
Bund Deutscher Verkehrs-Vereine.
Geschäftsstelle: Leipzig, Naschmarkt, Ilandelshof.
Es sind die folgenden neuen Mitglieder zu nieldt ii:
Verein zur Förderung Dresdtms uinl des b'i ouulim v< rkehi s,
Dresden;
E.Mohrmann, Schiffsmakler u. Bcfraclit;m.g.s.»gent, Greifswald;
Dr. Rosell, Sanatorium, Balleiistc'di am Har/;
Richard Möckel, Verlag der Illustrierten Wochcnscliriit
„Kosmos“, Leipzig;
Vereinigung internationaler PensioiuMi Gross-Berlins, Ih rlin;
Magistrat der Stadt Zoppot;
Schriftleitung von Meyers Orts- u. Verkehrs' Lexitfon, Leipzig;
Kurhau.s und Hotel Krön, Bad Mimsier am St *In.
Der geschäftstührende Am.scbiiss besch.iftie.t su ii .mgen-
blicklicb u. a. mit der liitei nalit>:i ik u ivus jli.iu; i'-: iö-i; •
und Fr mdenveikehr in Berlin und mit der Fr.ig. der Bau lii..! p..
an der Fortsetzung derselben in l'iankfiirt a. M. l'ern* i l't
schäfligte den Ausschuss die Ang».legtu.li'ut des Hüvlsciuuu« l.s
in den Fd.senbahnwagt j, voi alliMu auch die
Bundeslagung in Worms vorn 6. 9. Jimi,
die überaus interessante Rcfnale sowie eine Rciii ' fc.' isi ]•« r
Veranslaltimgen aiiiv.reist. inuf zu iler wir hier iiochimik. mil
der Bitte um recht rege Beteiligung die verchiliehen Bundes-
mitglieder einladcm.
Das genaue Programm hüben wir bereits in Nr. ver¬
öffentlicht, Neben den geschäftlichen Verhandlungen limleii
während der Tagung jeden Morgen Besichtigungen der Seheiis-
vernehmen zu setzen, so dass also die Verbände gewissermassen
die Zwischeninstanz oder die Millc-lsper-^on zwischen dem Bunde
un i denEinzelvcrelnen sind, oder aber, dass beide als gleichwertige
Faktoren dem Bunde gegenüberstehen.
Bei de’* heutigen .i^usamiTienselzung des Bundes, die aus
seiner historischen Entwicklung resultiert, scheint mir das zweite
Verhältni > vorläufig noch das richtigere zu sein, und es hat sich
bis jetzt auch l.’cstens bcw:ihrt, weil es eine ausgiebige Be-
rünrungsmüglichkeit der einzelnen Faktore in unserem Vereins¬
leben gestattet. :>o wird e.s au-'h wohl noch längere Zeit bleiben.
Unter Zugrundelegung dieses Verhältnisses geht meine Ansicht
über die geg>"iiwärtig zweckmässigste Organisation unserer Vei-
c!*iigiing dafiin:
a) Die Veibände und Einzclvereine bleiben dem Bunde
gegenüber vorläufi'g gleichwertige Mitglieder. Beide ge-
niessen in gie-chur Weise das Recht, im Vorstande ver¬
treten /u sein; ein Recht, das s,ich selbstverständlich nach
der Stärke und Bedeutung der einzelnen Glieder und
tiacii örtlichen VerhrÜtnissen richten und den praktischen
Bedüi f'-.i.ssen unseies Vereins anpassen muss.
!') Die Verhä.ulc und Vereine haben die Pflicht, den Bund
durch Zahlun!.', von Beiträge’! in den Stand zu setzen,
seine A.ufgabc n eiiüllen zu können, wie die Einzelvereine
auch selbstv^.rständlich die Pflicht h.tben. für die pekuniäre
Versorgung der von ihnen gegründeten Verbände auf-
zukomnicn.
Gehören l^in/elvercine aus irgend welchen Gründen
mehreren Veibäiden an. .so haben sie auch die Pflicht,
m diese .lie feslgescizlen Beiträge zu zahlen.
c) Die Beiiragspflicln richtet sich bei Jen Einzelvereinen in
allen Fällen nach der Kopfzahl der Mitglieder, wobei
nicht an.-^geschiossen ist, dass durch Sonderabmachungen
von wirtschaftlich kräftigen Vereinen höhere Beträge,
von wirlsch iHlicb '.eliw.ichen Vereinen auch wohl mindere
Betr.ige als die, woiu sie verpllichtet sind, gezahlt werden.
Ebenso k<»nncn mit den Verbänden Sonderverträge in bezug
auf ihre Bc-iir.’.gspllichi abgeschlossen werden.
d) Es zahlen sonnt sowohl die Verbände, wie auch die
Eifi/elveieirie an den Bund, wenn letztere vollw'ertige
Giieiff lies Bundes sein wollen.
e) 1 lie: ans eigibt }>ich. d.*ss der Bund mittelbare und un-
mittelbaie Glieder umfasst; erslere sind auf den Ver-
s.amnilungen nicb.i «lirekl stimmberechtigt, sondern lassen
sich durch den Verlieler des Verbandes vertreten, zahlen
daher ibei auch nur an ihren Verband die pflichtmässigen
Beiträ'-.c. liie event. v’iib.prechend erhöht werden können;
’.elzleie sind aut den Versammlungen direkt stimm-
bircchtigt und zahlen die pflichtmässigen Beiträge an
dv.n Bund uiul an die Verbände, denen sie angehören.
iCinc andere laisuii!’, dieser heiklen Frage gibt es meiner
Meinung nach vorläufig mehl. Hoffen wir, dass der jetzt
iiciTschcnde, imineiliin iiui provisorische Zustand in der Organi¬
sation des Bundes einem dauernden Platz macht, indem der
Bund das wird., was er werden muss : ein Bund d e u t s ch e r
V e r k <• ii r s - V e r b ä n d e.
Würdigkeiten unter sachkundiger Führung statt für diejenigen
Teilnehmer, ilie den Beratungen nicht beiwohnen. Treffpunkt
am Lulherplalz 9 Uhr. (Pauliismuseuin, Dom, Dreifaltigkeits¬
kirche und Synagoge sind während der Tage geöffnet.)
Die Ausgabestelle der Gutscheinhefte, Programme und Fest-
ab/eiclitn befindet sich im „Europäischen Hot“ (gegenüber dem
Bahnhöfe).
Aus den Bundes -Vereinen.
MittcldtMilsciu; Vei kohrskonferenz in Magdeburg.
Aul b'inladung der I’':senbalituiireklion Magdeburg fand am
2;. M n ti’.ie Ktmfeicn/ dei Veikehrs-Verbände und -Vereine betr.
iCisenliah’ive. binilnngen uiivl l’V.bi pl mverbesserungen im Harz-
pebiel statt. VcrlretJ n waien die Königlichen Eise' b.-dindirektionen
bm n »lie. C issci inui Hannover, der Bund Deutscher
'/»'«kehis-Vcieini-, dei X’erb.md Millekleutscher Verkehrs-Vereine,
(l' i Harzer V< rki ht.s-Vc>b.i.id., llar/klub Zweigverein Halle,
M(»i d.lcu’. 'ic V\•l■^t‘hr•^k<*lillniss?on des Verbandes reisender
kauf len k'culschlands und die Direktionen der Piivatbahnen
tluM ;cbietes. Auf dx-'r Tagesordnung .standen eine Anzahl
Fahi ’pla”..«:.!:Veib.i’'des Mitieldeut.scher Verkehr.s-Vereine,
des Haixl lul /. ve'..' o cins. MaHiiehiirg, Il.innover und Halle, des
Vc: Ivt nrs-Veiems l « !p 'g. des Verkehrs-Veieins Braunschweig
und dx s Harzer Veik« u... Veib.nulcs. Die Anträge der Verkehrs-
Vereine L'assel, lünnl'r.a, nn l Soinlcrshausen wurden vom Bund
DeuUeher Vcik. in:-Vereine schriftlich eingercicht.
Nr. 3 noo[xx3o e03^^8e9^^9^&&^ DEUTSCHLAND EE^^^^es^^es^aeee eoo oot a i5i
Der Vorsitzende begrüsste die anwesenden Vertreter im
Namen des Herrn Eisenbahndirektions-Präsidenten. Er wies
auf deii Zweck der Konferenz hin, zwischen den Vertretern der
Verkehrskorporationen und der Eisenbahndirektionen eine münd¬
liche Aussprache in Verkehrsangelegenheiten herbeizuführen,
und wünschte den Verhandlungen einen befriedigenden Verlauf.
Der Vorsitzende des Bundes Deutscher Verkehrs-Vereine
dankte dem Vorredner für die Einladung der Verkehrs-Vereine
und des Bundes Deutscher Verkehrs-Vereine zu der Sitzung
und gab dem Wunsche Ausdruck, dass auch für Thüringen
und andere deutsche Gebiete derartige Konferenzen einberufen
werden möchten.
Sodann wurden die eingebrachten Anträge einer Besprechung
unterzogen. Nach dem Ergebnis der Beratung konnte einem
kleinen Teil der Wünsche von den Eisenbahnverwaltungen
eine Erfüllung nicht zugesagt werden. Zum grösseren Teil
enthielten aber die Anträge beachtenswerte Anregungen, die
einer eingehenden und wohlwollenden Prüfung unterzogen
werden sollen. Die abgelehnten Anträge betrafen namentlich die
Einführung neuer Haltepunkte für Schnellzüge, die Herstellung
eines Anschlusses von und nach Leipzig zu den Zügen D 102/103
und die Anträge auf Verlängerung der Gültigkeitsdauer der Sonn¬
tagsfahrkarten auf 36 Stunden. Der letzte Punkt, der schon vom
Bunde Deutscher Verkehrs-Vereine beim preussischen Herrn
Minister der öffentlichen Arbeiten angeregt, jedoch von diesem
abgelehnt wurde, kam insbesondere durch den Verkehrs-Verein
Braunschweig zur Erörterung. Die Vertreter der Eisenbahnver¬
waltung nahmen den Standpunkt ein, dass die Sonntagsfahrkarten,
die vom Sonnabend-Nachmittag an Gültigkeit haben würden,
wahrscheinlich nur in geringem Masse benutzt werden würden.
Im vorigen Winter sei ein Wintersportzug am Sonnabend-Nach¬
mittag von Berlin aus nach dem Harze gefahren worden. Zu
diesem Zuge seien auch Fahrkarten zum Sonderzugpreise von
Magdeburg ausgegeben worden. Die Beteiligung von dieser
Stadt sei aber eine ausserordentlich geringe gewesen, während
der Zug von Berlin aus recht gut besetzt gewesen sei. Es
ständen auch nicht immer am Sonnabend-Nachmittag geeignete
Züge zur Verfügung. Die Züge verliessen oft schon etwa um
I Uhr die Stadt, während die Hauptmasse der Geschäftsleute
und Beamten erst einen Zug nach 3 Uhr benutzen könnten.
Eine Ausdehnung der Gültigkeitsdauer bis Montagmittag könnte
Überhaupt nicht in Betracht kommen, da am Montagvormittag
die in Frage kommenden Bevölkerungskreise wieder im Geschäft
oder Bureau tätig seien. Von Herrn Miller, Magdeburg,
wurde darauf aufmerksam gemacht, dass mehr und mehr die
Angestellten an den Sonnabend-Nachmittagen von Geschäften
frei seien und ihre freie Zeit zur Erholung in der Natur zu
benutzen wünschten.
Herr S attler. Braunschweig, war der Meinung, dass ein
misslungener Versuch, wie der erwähnte Wintersportzug, nicht
massgebend sein könnte, da an der geringen Benutzung die
Witterungsvorhältnisse und andere Ursachen die Schuld tragen
könnten. Die Wünsche nach Verlängerung der Geltungsdauer
der Sonntagsfahrkarten kämen nicht nur aus den Verkehrs-
Vereinen, sondern aus der Bevölkerung. Auch würde immer
noch über die zu hohen Preise der Sonntagskarten geklagt und
in gleicher Weise eine Herabsetzung der Fahrpreise für Schüler¬
fahrten für notwendig erachtet. Vom Standpunkt der Hebung
des Verkehrs könne diesen Wünschen eine Berechtigung nicht
abgesprochen werden.
Herr G o n t a r d, Leipzig, unterstützte die Ausführungen des
Herrn Sattler vom Standpunkte des Bundes Deutscher Verkehrs-
Vereine aus und bat um wohlwollende Prüfung der Angelegenheit.
Von der Eisenbahnverwallung wurde darauf aufmerksam
gemacht, dass bei Beginn der Geltungsdauer am Sonnabend-
Nachmittag die Geschäftsreisenden häufig von den Sonntags¬
fahrkarten Gebrauch machen würden, und im Anschluss hieran
wurde das Prinzip dargelegt, das den Sonntagskarten zugrunde
liegt. Die Sonntagsfahrkarten seien aus hygienischen Rücksichten
eingeführt worden,, Sie sollten den Bewohnern landschaftlich
wenig bevorzugter Gegenden Gelegenheit bieten, in reizvollere
Landschaften zu gelangen. Infolgedessen könnten umgekehrt
keine Sonntagsfahrkarten in schöngelegenen Orten verausgabt
werden. Aus Gründen der Hygiene würden auch Sonntags¬
fahrkarten im allgemeinen nur bis zu 75 Kilometer Entfernung
ausgegeben, da andernfalls eine allzulange Eisenbahnfahrt nötig
werde, die aus hygienischen Rücksichten nicht zu befürworten
sei. Aus diesen Gründen beständen z. B. auch keine Sonntags¬
fahrkarten von Leipzig nach Thale, wie sie der Leipziger
Verkehrs-Verein beantragte. Diese Angelegenheit soll jedoch
wohlwollend geprüft werden. Es wurde ferner darauf hin¬
gewiesen, dass eine Mindestzahl von Sonntagsfahrkarten im
Laufe des Jahres verkauft werden müsse. Andernfalls müssten
die Karten in Ermangelung jedes Verkehrsbedürfnisses zurück¬
gezogen werden.
Die von Herrn Gontard, Leipzig, gegebene Anregung, die
Harzer Privatbahnen möchten für bessere Anschlüsse Sorge
tragen, wurde von dem Vertreter der Privatbahn Nordhausen-
Wernigerode dahin beantwortet, dass aus finanziellen Rücksichten
nicht zu allen Anschlusszügen ein Zug der Privatbahn gefahren
werden könne; man müsse die Anschlüsse einer Reihe von
Linien aufnehmen, infolgedessen seien nicht alle Anschlüsse gut.
Herr Major D o m m e s , Harzburg, teilte mit, dass der Harzer
Verkehrsverband mit Cook in Verbindung stehe, um das Ausland
mehr nach dem Harze zu ziehen. Cook stosse sich nur an die
Zahlungsbedingungen der preussischen Staatseisenbahn, die
Bezahlung des Preises der Fahrkarten von der Firma Cook
im voraus verlange. Cook lege damit ein grösseres Kapital zinslos
brach. Die Regelung dieser Angelegenheit wurde der Eisenbahn¬
direktion Köln überwiesen, die hierfür zuständig ist.
Zum Schluss dankte der Vorsitzende des Bundes Deutscher
Verkehrs-Vereine nochmals für die Heranziehung der Verkehrs-
Vereine und -Verbände zur Mitarbeit bei Verkehrsfragen durch
die Königlichen Eisenbahndirektionen, machte auf das Bundes¬
organ „Deutschland“ aufmerksam und bat die Herren der
Direktionen, sich mit Artikeln daran zu beteiligen. — Ein
gemeinsames Mittagessen hielt die Teilnehmer der Sitzung noch
geraume Weile in anregender Unterhaltung zusammen.
Der Landes-Frerndenverkehrsrat für Bayern
hat am 12. Mai seine zweite Sitzung im Staatsministerium für
Verkehrsangelegenheiten abgehalten. Wie mitgeteilt wird, stand
neben anderen wichtigen Verhandlungsgegenständen auch die
Frage der Vertretung der Presse im Landes-Frerndenverkehrsrat
auf der Tagesordnung, und es wurde einstimmig beschlossen,
bei der Staatsregierung die Berufung eines Vertreters der
bayerischen Presse in den Landes-Frerndenverkehrsrat zu be¬
fürworten. — Um die Bereitstellung staatlicher Mittel für die
Förderung des Fremdenverkehrs in Bayern herbeizuführen,
wird der Landes-Frerndenverkehrsrat eine Denkschrift an die
Staatsregierung richten, worin die Einstellung eines Betrages
von vorerst mindestens 100000 Mark in das Budget der nächsten
Finanzperiode gefordert werden wird.
Kartell europäischer Radfahrer- und Automobilisten-
Verbände e. V.
Bei Gelegenheit des am 25. März im katholischen Gesellschafts¬
baus zu München abgehaltenen 15. Stiftungsfestes des Bayerischen
Radfahrer-Verbandes wurde der bisherige Präsident des Kartells
europäischer Radfahrer- und Automobilisten-Verbände, Oberst
z. D. Freiherr von Rotenhan, zum Ehrenpräsidenten ernannt, nach¬
dem er infolge vorgerückten Alters und aus Gesundheitsrück¬
sichten die Wahl des Kartellpräsidenten nicht mehr annahm. An
seine Stelle wurde Ingenieur Dr. M. Edelmann zum Präsidenten,
prakt. Arzt Dr. Speer zum stellvertretenden Präsidenten gewählt.
— Die Gültigkeit der schweizerischen Triptyques ist auf ein
Jahr verlängert. Betreffs Angabe des Gewichts wurden neue
Direktiven erlassen. Aus Frankreich erfolgten neue Bestimmungen
betreffs provisorischer und definitiver Austrittserklärungen im
Grenzkartenverkehr. — An Mietautomobile dürfen von nun an
keine Triptyques nach Oesterreich abgegeben werden. — Die
Gültigkeitsdauer der russischen Triptyques wurde auf sechs
Monate verlängert, wobei ein öfteres Passieren der Grenze
innerhalb der Gültigkeitsdauer zugestanden wurde.
Der Pfälzische Verkehrs-Verband
hielt unter dem Vorsitze des Herrn Rechtsrats Dr. Müller (Lud¬
wigshafen) eine Ausschuss-Sitzung ab. Zur Erlangung guter
photographischer Abbildungen der Pfalz für spätere Verwendung
bei Reklame wird ein photographischer Wettbewerb veranstaltet;
es stehen dafür jetzt schon 300 Mark für Preise zur Verfügung.
Spätester Termin für Einsendung der Bilder ist der i. September
ds. Js. Die Einführung weiterer Sonntagskarten, insbesondere
von benachbarten Grossstädten nach der Pfalz, soll im Bayerischen
Landesverkehrsrat befürwortet werden. Es wurde der Anregung
zugestimmt, die für den Bayernkalender in der Pfalz ausge¬
worfenen Gelder künftighin für einen Pfälzischen Kalender, an
dem auch Pfälzische Künstler mitwirken könnten, zu verwenden,
da für die Pfalz hiervon mehr Vorteil zu erwarten sei. Diese
Anregung soll dem Pfälzischen Fremdenverkehrsrat zur weiteren
Behandlung unterbreitet werden. Das Programm der Gast¬
wirtschaftlichen Kurse, das Hotel- und Restaurationsbuchführung,
Weinbehandlung, Grundzüge der Küche und Aufstellen von
Speisekarten, Hebungen im Servieren umfasst, liegt nunmehr
vor. Die Gewinnung von Teilnehmern soll gemeinsam mit
dem Pfälzischen Gastwirteverband vorgenommen werden. Die
Kurse sollen im Spätherbst ds. Js. stattfinden. Dem Pfälzischen
Verkehrs-Verband sind fünf weitere Korporationen beigetreten.
Der Darmstädter Verkehrs-Verein
beging am i6, Mai die Feier seines 25jährigen Jubiläums durch
eine Festsitzung, der zahlreiche Ehrengäste, wie Minister von
Hombergk, Provinzialdirektor Fey, Oberbürgermeister Dr. Glässing,
Reichstagsabgeordneter Dr. Osann u. a., sowie viele auswärtige
Gäste beiwohnten. Der Vorsitzende, Stadtverordneter Stemmer,
erinnerte daran, dass der Verein vor 25 Jahren als der erste
Verkehrs-Verein in Deutschland gegründet wurde. Als Vertreter
des Grossherzogs überbrachte Kabinettsekretär Dr. Wehner die
Glückwünsche des Protektors des Vereins für dessen fernere
erspriessliche Tätigkeit. Provinzialdirektor Fey sprach dem
Verein die besten Glückwünsche namens der Provinzial- und
Kreis Verwaltung aus, Oberbürgermeister Dr. Glässing gratulierte
namens der Residenz Darmstadt, Regierungsrat Dr. Schneider
namens der Eisenbahndirektion Mainz. Den Glückwünschen
der zahlreichen Darmstädter Korporationen usw. folgten Gra¬
tulationen des Frankfurter, des Mannheimer und des Rheinischen
Verkehrs-Vereins u. a. m. Die Herren Karl und Wilhelm Opel
(Rüsselsheim), die im vorigen Jahre dem Verein zwecks Ver¬
schönerung der Stadt eine Stiftung von 20 000 Mark machten
und auch sonst die Zwecke des Vereins förderten, wurden zu
Ehrenmitgliedern ernannt. Den Schluss des Abends bildete ein
Vortrag des Prof. Dr. Vetterlein über: „Was danken wir
dem deutschen Bürgersinn?“
Casseler Fremdenverkehrs-Verein.
Aus dem Jahresbericht ist folgendes zu entnehmen; Seit
der letzten Haupt-Versammlung- trat der Vorstand in sieben
Sitzungen zusammen. Die Auskunfthalle am Bahnhof, die auch
im verflossenen Jahre von einer grossen Anzahl Fremden aus
dem In- und Auslande aufgesucht wurde, hat sich bei manchen
Gelegenheiten als zu klein erwiesen, so dass der Vorstand sich
veranlasst gesehen hat, mit dem Magistrat und der Königlichen
Eisenbahn-Direktion wegen einer Erweiterung in Verbindung zu
treten. Der in der Bahnhofhalle sich befindende Stadtplan mit
schönen Ansichten von Cassel und Wilhelmshöhe ist neu her¬
gerichtet worden. Hierzu hat die Casseler Hotelbesitzer-Ver¬
einigung einen Beitrag von 200 Mk. gestiftet. Auf der Brüsseler
Weltausstellung war von seiten der Preussischen Eisenbahn¬
verwaltung, des Bundes Deutscher Verkehrs-Vereine und der
Zeitschrift „Deutschland“ ein Pavillon errichtet, worin Uber
alle hervorragenden deutschen Städte Auskunft und für einen
etwaigen Besuch derselben jeder Rat erteilt wurde. Auch der
Casseler Fremdenverkehrs-Verein hat zu den Unkosten mit bei-
gesteueit. Der Wettbewerb der einzelnen Städte um die Gunst
der Fremden ist immer mächtiger geworden und erheischt be¬
deutende finanzielle Aufwendungen. Magistrat und Stadt¬
verordnetenversammlung der Stadt Cassel stehen den
Vereinsbestrebungen sehr sympathisch gegenüber und haben sie
durch erhebliche Zuwendungen im verflossenen Jahre unterstützt.
Gemeinsam mit dem städtischen Verkehrsamt wurden
eine grosse Anzahl von schriftlichen Anfragen über Sehens¬
würdigkeiten, Wohnungs-, Schul-, Steuer- usw. Verhältnisse
der Stadt erledigt. Würde von der Stadt allein die Propa¬
ganda zur Heranziehung von Fremden betrieben, so wäre den
besonders interessierten Gewerbetreibenden (Wirte, Lebensmittel¬
lieferanten u. dergl.) die Notwendigkeit entzogen, sich mehr als
alle anderen Steuerzahler zu beteiligen; die Zugehörigkeit zum
Fremdenverkehrs-Verein bietet aber die Möglichkeit, ein
besonderes Interesse zu bekunden. Damit ist die
Haupttätigkeit der freien Vereine vorgezeichnet, nämlich die
Förderung des Passantenverkehrs. Die amtliche
Stelle hat dagegen den Schwerpunkt ihrer Bemühungen in der
Heranziehung von steuerkräftigen Elementen,
Industrien, Ausstellungen u. dergl. zu suchen, weil
dadurch die Steuerkräfte gehoben und der Gesamtheit der
Bürgerschaft Vorteile zugewendet werden. Der Fremdenverkehrs-
Verein betreibt die Reklame in Tageszeitungen, während das
Verkehrsamt durch Anzeigen und illustrierte Artikel in Zeit¬
schriften die Kenntnis von den Vorzügen Cassels verbreiten
kann. Noch andere Umstände rechtfertigen das gleichzeitige
Bestehen von Fremdenverkehrs-Verein und Verkehrsamt. Die
mündliche Auskunfterteilung erfolgt besser durch den Verein
als auf dem Rathaus, da nach den vorliegenden Erfahrungen
die Auskunftsuchenden sich hier nicht unbefangen geben, weil
sie eine behördliche Einmischung in ihre Privatverhältnisse,
namentlich in Steuerangelegenheiten, befürchten. Eines der
wichtigsten Propagandamittel, der illustrierte Führer durch Cassel
und Umgebung, wird vom Fremden Verkehrs-Verein in grossen
Mengen an auswärtige Verkehrsbureaus, Schiffahrtslinien usw.
abgegeben; der Verein sowohl wie die Stadt Hessen diesen
Führer bei besonderen Anlässen, Kongressen und Ausstellungen
den Besuchern mit einer entsprechenden Widmung überreichen.
— In diesem Jahre wird Cassel sich eines besonders grossen
Fremdenbesuches zu erfreuen haben. In den Tagen vom 22. bis
27. Juni findet auf dem grossen Forst die 25. Allgemeine Deutsche
Landwirtschaftsausstellung statt. Der Fremdenverkehrs-Verein
hat die Aufgabe mit übernommen, mit Unterstützung des Städti¬
schen Verkehrsamtes für die Unterkunft der Besucher zu sorgen,
und hat zu diesem Zwecke ein Wohnungsbureau eingerichtet.
Der Verband der Verkehrs-Vereine Westfalens und
angrenzender Gebiete
hielt am 13. Mai in Dortmund seinen dritten Verbandstag ab.
In Verhinderung des ersten Vorsitzenden, Oberbürgermeisters Dr.
Eichhoff (Dortmund), eröffnete der zweite Vorsitzende, Kaufmann
Strohn (Dortmund), die Versammlung. Er gedachte der ver¬
storbenen Vorstandsmitglieder Kaufmann Flörsheim (Dortmund)
und Syndikus Dr. Lind (Essen), denen der Verband ein treues
Andenken bewahren werde. Ganz besonders gedachte der Vor¬
sitzende auch der Presse, die in zuvorkommendster Weise dem
Verbände ihre Unterstützung habe zuteil werden lassen. Der
Schriftführer Dr. Kuckuck erstattete den Jahresbericht, aus dem
sich eine reiche Fülle Material ergibt, das im abgelaufenen
Geschäftsjahre bearbeitet worden ist. Es mag bemerkt werden,
dass Anträge zur internationalen Fahrplankonferenz bis zum
August eingereicht sein müssen, andere, die Aenderung des
Fahrplanes betreffende Wünsche sind sechs Monate vorher
einzureichen und auch demgemäss zeitiger an den Verband
abzugeben. Es folgte die Erstattung des Kassenberichts. Die
Einnahme betrug 1679.98 Mk., die Ausgabe 1080.53 Mk., so dass
ein Bestand von 599.44 Mk. verblieb. Die Entlastung wurde
einstimmig erteilt. Der Haushaltsplan wurde in Einnahme und
Ausgabe auf 1700 Mk. festgesetzt. Dortmund wurde als Vorort
wiedergewählt. Neu in den Vorstand gewählt wurden die Herren
Stute (Witten), Bürgermeister Dieckmann (Münster) und Bürger¬
meister Dr. Busse (Herford).
12. Jahresbericht (1910) des Vereins zur Förderung
des Fremdenverkehrs in Hamburg.
Aus der Herkunft der zum vorübergehenden Aufenthalt in
Hamburg weilenden Fremden geht hervor, dass ausser Deutsch¬
land für den Hamburger Hotelvcrkehr in erster Linie Amerika,
sodann Oesterreich-Ungarn, England und Dänemark in Betracht
kommen. Der Verein hat demgemäss bei der Verteilung seines
Propagandamaterials (Wegweiser, Führer, Plakate, Postkarten,
Ansichtskarten) diese Länder stets ganz besonders berücksichtigt
und wurde hierin bei dem Verkehr mit Amerika in dankens¬
werter Weise von der Hamburg - Amerika Linie unterstützt.
Gelegentlich der Jahrhundertfeier der Argentinischen Republik
wurden in Buenos Aires durch Herrn Hesse-Wartegg auch
Vorträge über Hamburg gehalten, zu denen der Verein eine
Reihe vortrefflicher Lichtbilder zur Verfügung gestellt hatte.
Für die Errichtung von Auskunftstellen in den Vereinigten
Staaten von Nord-Amerika war der Verein mit dem Bund
Deutscher Verkehrs-Vereine gemeinsam tätig. Auch die bereits
erschienene Amerika - Nummer der illustrierten Zeitschrift
„Deutschland“, die in hervorragender Weise für die Förderung
des Fremdenverkehrs tätig ist, fand die Unterstützung des
Vereins. ln der England-Nummer dieser Zeitschrift, die im
vorigen Sommer erschien, war Hamburg durch einen illustrierten
Artikel “In the Hamburg Docks“ und durch einen Hinweis auf
die Sehenswürdigkeiten der Stadt vertreten. Die Cookschen
Reisebureaus in Glasgow und London wurden von einem
Vorstandsmitgliede besucht und ihre Verbindung mit der Ham¬
burger Auskunflstelle als mustergültig anerkannt. Die englische
Uebersetzung des vom Verein herausgegebenen Führers und Weg¬
weisers durch Hamburg findet bei Engländern und Amerikanern
grossen Beifall. Mit Dänemark steht der Verein durch
den Verband der Verkehrs-Vereine von Hamburg, Kiel und
Kopenhagen in näherer Beziehung. Die diesjährige Versamm¬
lung dieses Verbandes fand in Kiel statt. Es wurden dort
wertvolle Mitteilungen Uber den Fremdenverkehr der drei Städte
gemacht und neben der gemeinsamen Propaganda durch Plakate,
Postkarten, Führer und Ansichtsmarken wurde auch die Vor¬
führung kinematographischer Städtebilder in Aussicht genommen.
Die nächste Versammlung soll in Kopenhagen stattfinden.
Innerhalb Deutschlands ist der Verein in dem Verband Nieder-
sächsischer Verkehrs-Vereine (Hannover) und in dem Bund
Deutscher Verkehrs -Vereine (Leipzig) vertreten. Er beteiligt
sich eifrig an den Arbeiten dieser Vereinigungen, durch welche
die Werbetätigkeit der einzelnen Vereine ausserordentlich er¬
leichtert und verbilligt wird. Ein ganz besonderes Verdienst
hat sich der Bund Deutscher Verkehrs-Vereine durch die
Errichtung zahlreicher Auskünfte teilen im Auslande
erworben, in denen das Propagandamaterial aller Bundesmit-
Nr. 3 B3OQ0QQQ( ga QO O 8GOQ9e^^888ai DEUTSCHLAND
153
^eder ausgelegt wird. Das Hauptereignis für den Hamburger
Fremdenverkehr bildete im Berichtsjahr die 24. Wanderaus-
stenung^l der Deutschen Landwirtschaftlichen Gesellschaft, die
im Juni auf dem Heiligengeistfelde stattfand. Der Besuch über¬
traf alle früheren Ausstellungen, selbst diejenigen von Berlin
(325 go6, Besucher im Jahre igo6) und von Leipzig (326 345 Be¬
sucher im Jahre igog). An den sechs Ausstellvmgstagen wurden
hier 438676 Besucher gezählt. Am Sonnabend, dem 4., und
.Sonntag, dem 5. Juni, musste die Bisenbahndirektion Altona
über 150 Sonderzüge einlegen, um den Verkehr bewältigen zu
können. Ein ähnlich starker Eisenbahnverkehr fand im No¬
vember gelegentlich des Erdgasbrandes in Neuengamme statt.
Die Geschäftsstelle des Vereins, die von Herrn Caesar Ehlers,
Bomstrasse 2, geleitet wird, erledigte im Berichtsjahre 3211 ein¬
gehende und etwa 5000 ausgehende Schreiben, die zum gerossten
Teil Anfragen über hiesige Verkehrs- und Wohnungsverhältnise
enthielten. Es wurden 1267 Plakate und 6816 „Wegweiser durch
Hamburg** in deutscher und englischer Sprache nach allen
Weltgegenden versandt. Von den gemeinsamen Plakaten der
Städte Hamburg-Kiel-Kopenhagen wurden durch die Verkehrs-
Vereine Kiel und Kopenhagen ausserdem 1077 Stück unter¬
gebracht. Die Auskunftstelle, Alsterdamm 39, in der haupt¬
sächlich die vielen mündlichen Anfragen erledig^ werden, hatte
sich wiederum der dankenswerten Unterstützung der Direktion
und der Angestellten des Cookschen Weltreisebureaus zu er¬
freuen. Die Mitgliederzahl des Vereins betrug am Ende des
Jahres 649 gegen 620 im Vorjahre.
Eilzüge und Fremdenverkehr. Der Einfluss der seit
dem I. Mai in Hameln verkehrenden Eilzüge macht sich bereits
in günstiger Weise im Fremdenverkehr geltend. Namentlich
wird der Eüzug, der um 8 Uhr aus Hannover fährt und in
Hameln 8.55 eintrifft, vielfach von denjenigen benutzt, die den
um ^2*0 Uhr abgehenden Dampfer zu einer Wesertour strom¬
aufwärts benutzen wollen. Es bleibt ihnen in Hameln aus¬
reichend Zeit, einen Gang durch die Oster- und Bäckerstrasse
zu machen.
Eisenbahnwesen.
Fahrkarten nach den Ostseebädern.
(Mitgeteilt durch die Königliche Eisenbahn-Direktion Stettin.)
Rückfahrkarten mit wahlweiser Gültigkeit über verschiedene
Wege werden wie bisher auch in diesem Jahre an allen grösseren
Orten nach den Ostseebädern ausgegeben. Nur die direkten
Fahrkarten nach Dändorf, Dierhagen, Wustrow und Ahrenshoop
fallen fort, weil die Reeder und Fuhrunternehmer die mit ihnen
getroffenen Vereinbarungen gekündigt haben. Die Besucher
dieser Bäder müssen also in Ribnitz neue Fahrkarten für die
Dampfer lösen und für die Weiterbeförderung ihres Gepäcks
selbst Sorge tragen.
Die Rückfahrkarten nach Zingst und Prerow fallen fort,
weil diese Bäder inzwischen selbst Eisenbahnstationen ge¬
worden sind.
Das gleiche gilt bezüglich des Bades Zinnowitz. Dort¬
hin verkehren ab i. Juni dieses Jahres durchgehende Schnell-,
Eil- und Personenzüge.
Die Dampfschiffverbindung über Carnin nach Zinnowitz
besteht nicht mehr. Dagegen bleibt für die Besucher von
Zinnowitz noch die Möglichkeit, auch den Weg über Wolgast
zu benutzen. Zwischen dem bisherigen Bahnhof Wolgast und
dem am anderen Peeneufer liegenden neuen Bahnhof Wolgaster¬
fähre besteht keine unmittelbare Eisenbahnverbindung. Indessen
wird in der Zeit vom 15. Juni bis 15. September für die Ueber-
führung der mit durchgehenden Fahrkarten nach Zinnowitz
und den Nachbarorten versehenen Reisenden und ihres Gepäcks
durch eine amtliche Omnibusverbindung gesorgt. Der Fahrpreis
für die Omnibusfahrt und die Fährgebühr ist in dem Preise
aller wahlweise über Ducherow oder Wolgast
geltenden Fahrkarten enthalten. Dagegen werden für die Ueber-
führung des Gepäcks sofort bei dessen Aufgabe an der Ausgangs¬
station noch besondere Gebühren erhoben. Diese besonderen
Gebühren können die Reisenden sparen, wenn sie keinen Wert
darauf legen, ihr Gepäck sofort bei Ankunft des Zuges am
Bestimmungsorte in Empfang zu nehmen und dasselbe mit
einem späteren Zuge über Ducherow befördern lassen. Hierzu
Schnellzug-Verbindungen zwischen Cöln und Brüssel.
ISomm erfahrplan 191 !•
(Zusammengestellt von der Königl. Eisenbahn-Direktion Cöln.)
CO ln—Brüt§iisel«
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L.-Z. Luxuszug. D.-Z. D.-Zug. S.-W. Schlafwagen. * In Verviers umsteigen.
Fahrpreise COln—Brüssel (einschließlich Schnellzug-Zuschlag.)
Einfache Fahrt: j Hin- und Rückfahrt:
Luxuszug 24.40 Mark Luxuszug 44.20 Mark
I. Klasse 19.20 „ I. Klasse 33.80 „
II. „ 12.80 „ ' II. „ 22.40 „
III. „ 7.80 „ III. „ 13.60 „
Schlafwagen-Zuschlag: I. Klasse 0.40 Mark, II. Klasse 5.20 Mark.
D.-Zug-Verbindungen zwischen Cöln und Hamburg.
Sommerfahrplaii 1911.
(Zusammengestellt von der Königl. Eisenbahn-Direktion Cöln.)
1
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Bremen ....
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426
626
109
Oberhausen . .
• 71
—
1117
—
1249
Osnabrück . . .
•
1116
616
810
315
Münster....
* 77
1040
1258
768
232
Münster....
‘ )>
1208
701
864
407
Osnabrück . . .
•
1128
146
846
321
Oberhausen . .
" ))
160
843
—
666
Bremen ....
* 77
111
327
1031
608
Düsseldorf . . .
• J)
224
9I6
1113
632
Hamburg Hbf. .
Schlafwagen.
an
247
604
1209
656
Cöln Hbf. . . .
. an
302
1002
1147
710
Fahrpreise (einschließlich Schnellzug-Zuschlag) COln—Hamburg:
I. Klasse 87.40 Mark, II. Klasse 23.70 Mark, III. Klasse 15.10 Mark.
Schlafwagen-Zuschlag : 1. Klasse 10.— Mark, II. Klasse 8 .— Mark.
sind sie berechtigt, weil die fraglichen Fahrkarten auch über
Ducherow gelten, also Uber zwei Strecken der preusnischcn
Staatsbahn.
Die Aufgabe des G e p ä ck s hat stete: ii b e r den
g 1 e i ch e n W eg zu erfolgen, den der R e i e n d e be¬
nutzt. Die Eisenbahnverwallung ist /. -k nicnt veiptlichitt,
auf ihren Strecken das Gepäck zu berördein. . 'e m :hr nicht
gleichzeitig die Einnahme aus aen zum Gepäck \ Falu-
karten zulliesst, was z. B. «ler Fall wäre, wenn die R.y.s.-*:iJ.=;n
den Wasserweg benutzen.
Neben den Oslseebädcr-Rückfahrk.irten weuitn u loh *. i-.i-
fache Fahrkarten mit wahlweiser O ü 1 11k v'i t liii
Land- oder Wasserweg aus^egebc-n, je-.-Dca nur idr n ..i
von Berlin (CStcttiiier Bahnhor) ei-icrsrit'. un.i liv.. k r.ö .*
Heringsdorf, Dievenow und Swinemündr v#dcr S.vi..c i i-n 1 ‘(Bad;
anderseits. Die G e 1 11«. n g i; d a u c r J■. r • <.jcki .x r.rk «rie : 1. h i-•/.
45 Tage, die der einfachen k ihilcirtcii ^ i'.. •? . F a h ri n .• t •
brechung ist auf dtui Hin- t;.-d Kui v. v'-.e s . unn.«: ,csi nel
auf beliebige Zeit liineiiiaio der G .Ui’n.L.‘'jr i*
Dei Aufenthalt in den lliitcnsiauoii-.M (l.’ji .Jiui sv’ :. i- i.n
Verkehr mit Breege und iiid ionsoc, » ‘.lU il-, F.-h'-i-
unterbrechung.
E r 1 e ichlc r u n ' e El im i\ o ie v r !. .. ii •. f/ie i.t't-;''.iiio-
nale Eisenbahnkor.terenz fii. c..- IJ-.f»erv riko:ii..iu* » d..:.
Personen- und GejtUci.vtrkeh!, d*;; m i i-.i:-. . us li-.r..
Arbeiten beendigt. Ls ‘^»MrcMi tii».: Kt>!ii iiij>.it^n.,'., .!io »me lar
die allgemeinen D e i, t i in iii u n i , »ii.: zv.-r.; : ‘«r h.i
Persorienverkehr, die drilSr rn d-.-n G- t J. v .m ' • i *,
gebildet worden. Den in der r'n.'.nui»: uj.i •.-•-i; Sioii
behandelte ziuveilen das Pienu"., .1 »; id du..»' /. •• t‘.r a.
Die Verhandlungen /»/»n p»».K‘.h;, .r.;» {• • ‘.s'. '.-h lu.*?
deutsch, getühri, u.-d auch dnu • • •'‘k.»!. a': d ein
deutscher Text beicclV!;;!. Aus J?-n An.!» -in i'«;.-;- der. •..s(y..v*r.-
verkehr ist hervorz;!lic’i),sn die Bt.-s'i.rn.un'-; ii 'M- l-e :/:i u.a.al-
gültigkeitsdauer uer wei .v hj- ; j.» .»Cdo r.ei:* : ; n i'ig,
für Hin- und Rückfahii vier T igc, für :e a.:c i i'u: ,» !aii;i. ric
weitere loo Kilonn.Ur zwei ■r»i:;c '.ii- '-ir «/.i‘vuid d.t- nfeil
über die Frage der Uehertr'.gbarkeit d- r L». r;.**v.yri» ♦
von der Schweiz, vvuide sie prin.np.eii J.nc i IL*-
stimmungen über die Fahrkaitf-n /.u erm:i.-,M ;un l'ieuvn u» d
die Rückfahrkarten aber sehr eingeschninkt. Du; 'n'oi nnci'ui*;
der Haftplhcht hei Todesfällen und W-ijtrlzi. iren •»% .irde dt.
internen Ge*-.ttzgc*hunt; üln r’.asscn. Die Lie-tin n-. • »* . i.sht .Jen
Gepäckverkohr beirelfon die Venp.id ung, die voi. dei- Helö-. i • ■.mg
ausgeschlossenen GegeiK»lände. die .Schmucks i-. ti;. i. .■ Hiu
recht beschränkte Haftung zugol.iss- n wird, und vlic ti.iiluni;
bei Verlu.sl und Beschädigung des Kcisrr.epl'ck; usw. .O »*
Konferenz hat eine Kcsohiiion a.-.^eroinmeii, '.%•■>;••!. r.K. l-d . ii. u
ersucht werden, weitgehtmle K r 1 c i ch i e r u n g c n : .i d v r n 11 -
behandlung des Reisegepäcks eintroteii /u la .:,»*n
Eine Bestimmung endlich sicht die Sch-.urun,g ■•inhciihcher Fah>*-
ausweise und Gepäckscheine vor. Na^'h ituin .uigruu iM'n F.ui-
druck hat die Konfeienz mehr eririeht, al:- man /u hoIfV.i w.igtc,
was nicht zum minde»sten d..*r Sachkenntnis und dem '..egmi*
seitigen Entgegenkommen der deutschen und lrjn/.ö:.i..chen
Delegierten zuzuschrciben ist.
Touren in England, S ch o 11 1 a ii il , W ; i e s und
Irland über Hock van 11 o 11 »i n d II a r w • f i
sich eine im Selbstverläge der Great hhislern hasenliilm od*».!!
neu erschienene, reich illustrieite iJin.sc’nüre, die in cIvMi 'ni-sl»*.!
Reisebureaus sowie bei dem Gciicc d/crir.-tcr di i Giv.u J^hisiorn
Eisenbahn, A. E. Tedder in Köln, Domlioi 14. in inu*..* ..jentv.:!
gratis verabfolgt wird. l.,oi!dtm, der Kalhed .dv-Rnuc.-, «owm
den an der englisciicn Oslküste gc!e i»i*'ic*n lieiilich. i» t^i i.'^cii il e.i
und Badeorten, die vom deulsclieii i'uldil.iim 1.1 i.n;.ier gi
Massstabe besucht werden, situ! besondere; K.ipitcl g'-wuhm. *. Lhis
kleine handliche und übersichtliche Hell düitte gei»'.le j. lii. n* der
Reisezeit, manchem willkommen sein. i'*ur di-j Ri-.s»* j.aeh
England bietet die Iloel: vau liollanu-Koine ein*: ;ui..s».‘r»)rdcii!lK :i
günstige Gelegenheit. Die durcligehendcn, mit Si>ciscvv.i''c-i
versehenen Züge, die last alle wichtigeren »Städu- Deuts, hi.inds
mit Hoek van Holland direkt verbinden, die giossi .u ..odes'isten
Turbinendampfer der Greil Easiei n Lisenl*;dm und »ii»‘ in
Harwich anschliessenden Koiiidorzü-e mit ReslaU:atio r.i«. l: i. l»
nach London sowie übei die Kalhedr»ile-Rouu- mich York, l'.cl»*:i
Annehmlichkeiten, die eine Rci.se nach Kn“.l»iiul zu eine-. Ver¬
gnügen machen.
Die s ch n e 11 s t e n Züge aut il e u t s ch e u B .1 li.• e n
sind die D-Züge 6, 129 und 130 zwisclurii I-Fzilin und Halle. Sic
brauchen für die 161,7 Kilometer lau*»;* »Strecke i »Siuiulc >0 M.ii.
legen also in der Stunde 88,a Kiloni.Aer zuiück. Du 28(1,7 '*»»<>-
meter lange Strecke Berlin Hamburg duuhfährt als schncllsicr
der D-Zug 20 in 3 Stunden 20 Mm., »ik.o mit einer Geschwindig¬
keit von 86,1 Kilometer in der Stunde. Für die 248,3 Kilometer
leiie.e Strecke Breslau - Frankfurt ( 0 »ier) braucht der D-Zug 18
2 Stunden 58 Min., er legt also in der Stunde 83,7 Kilometer
zurück. Von Berlin nach J^iegnilz (266,6 Kilometer) fährt der
D-Zivg i9 in 3 Siundou 23 Min , d h. mit einer Stunden-
gjsch"/i-.»digki.it Van Kilometer.
Luftschiffahrt.
Von dei S i c-ic *1 w o c h e. Das amtliche Ergebnis der
.-».ch FlU ''.'t.cli»- isi folgonJes: i. Preise der Stadt Leipzig
i»j Däuge : ei*.t<'' P.cis. zooo Mark, Kahnt (i Stunde 5 Mi-
11.Ul.*).. ‘jr'rreis. ;oooMa*k, Biicliiici (23Minuten2oSekunden),
dt’.uer Pi eis, 300 M.irk, .'•.'i:f:o Miiuiien 46 Sekunden);
j. l'iei. e de-; L.‘'i?n;'cr Vereuu; t.ir luii.-;chittahri für Höhenflüge:
Prei.---, lo-oj Mail:, l.,‘ndp-r.»iiuei f68o ? 4 eter), zweiter Preis,
;c .■'»'! 111:, (615 Mete»).
V a Ui o b o r r !■ c i .i 1 s eil e n >' .• v e r 1 ä s .5 i g k e i t s f 1 u g. An
Jciu i'c.sib.Miketi !ii Fi.inl.i.Tt. l .:. sich £U Ehren der Flieger an die
.»■..^: •; 14 l.:i F,-.igi.' a(»a-.h-..1...;. ..a!i ..2.: -j. a. dr.- Oiossherzog
von i^rinz Heuuich /.'u p!eu.sssii, Oberbürgermeister
zVu ;.kc... Gehei-.riral J l.-rgc.seli un»i Exzellenz General von Nieber
tji:. i'i;:./. Jieiniicli ged.i«:!iie »ies \e»-unglückten Lämmlin, zu
lies* tu Lb;e:i sich die Arnvesriiilen. von den Sitzen erhoben.
L’.;.*.*» d.nnkt-.. dv ♦' i-ruiz a’» Protektor der Veranstaltung den
R'-;i*:i'». li 'vn. Bi.hbrdw-ii und der Bevoikciung der drei Land-
ih n, ..i«rch die der Flug gmg, und schloss mit einem Hoch
..u» .Kii R.;-.>. r G*rh£imr;il Ao.lte.ie br.ichte ein Hoch auf die
• . i. . -i vo:; H.iilc.i und H ,»u<. Sodann wurde
bcn. •.i»iss die Einenprei.-.e’vic toi*.»t veiteilt worden
‘.,»11.1: J-*:»i;. J.;s C;io>-he. vo i ibiJe.x: Li. Foerster; Preis
dis Gl«'-blicr/ogs vo»i ü-l'-inCii: Li. von T.uiena; Preis des
P'iiizefi Wilhelm v»-) r Sacli'^cn-Wcitii.ir: Lt. Mickenturi; Preis
des V»;»eib der Mi'loif jJiizeiic:-IiiduMiicilen : Lt. M.ahncke ; Preis
d»:. 1* r u'inuftc.* b i*.ig ^poTL.'i.bs: I,t. C.og.auico ; Preis des Mann-
luiin-- Fiugbnoi iklub: l.t. Bahren»l-> • Preis des Friinklurter
Ver.-iii' iii*’ i ..!U>._-hiituliri; D:ph-ing. Hirth.
Schiffahrt.
Di»* von J ihr z.i J.ihr w i»l)->en'Je Vorlielie ile*; leiscnucn
Publikui.is, -»vo ! iiUKT e . mög.ich ist, .len erfrischenden See¬
weg der Miscidv'iii..!»iliri vou’,.;.£i»*lieri, b.at iic Rcta-Jiei-Firm 1
kud. Ciu..'l. Gilb»! in Sieliin veranl.:: si, den »lUt der
Ihn: .j*..‘-.».n-Rig.i rij.ih'.* in IL-iiieb gewes.m-.'i* D i nplei ,,Sedina“
-.Inicli cin.,ii .>-*.ei»1: nn.i :>wii.‘ll.r l.ilirc.'.deT. Ni-ii'u.iu zu er-
.-..•l£.*n, der J.«.*i* .'Liuu u ..Wenn.*.* cüi.ill.* 1 li.u. D »• n-e*.ie Regina“
e-j!i.. ij. in»i.*.'i;.» ii..>h ‘'Ol/ü.,iii ?i ve. i.' ue»’.,' :-*i ub-talirt ihre
-• y-v. .c'i:;u .6. ti*n Mid R ■-g .1. Mit einer
•'.]n»)u\*; i’i 1. ;i iV.i* :iim* .nn-ticj».-tot, i t cs ilir inÖgli»:h, eine
Cii .-« i'*..!'«: ;i.i‘il ' nn i, .Kiu.le*.' .*a cu.hi ’*. '.«> dass die Seereise
Ulli lll•»‘hl.* .* Situi-.le-' .'b-.e.:'.!! zi wi> h Di;---giös-ieron Abin‘ssungen
«n-.-» D.j--ipi.‘is. i..inge cbA’.i 8.) Hieili* etwa i.:‘ Meter,
-.i.u'!ii.n 'i-is Sihil! uicnt luir t. snnd.*-:i geben auch
• iem Fiuilikii'ii iim* w.,*n gioss.i*.' Beweguiigsireih'^'i;. Die
p.n.s.sgici-Ei.iii« liU.ii . 1-»; ü.i.ssei*-. .*..-^ehm u'kv*'»!! gewählt; alle
0 .‘.'a'k.ih.ncn .'.in»l m'räuiuig, li*.‘ll niid bnlig. Ein grosser
•.•-»ei-.'es., d I.n't ihuch senie vonu-tuu-.; .‘\usstattung aut, an
k. 'iiien Tl.-.-'i! .1 wiiif hier gei.-pcst. Fenier ist auf die.sem
D» ek ein ..-in g»- »m'.l.eher Ges'dlseli ifts-S iloii vorhanden, dessen
lit-.i’.ic’-ie '■'•ils e»-Mo'>»‘l Ix'Iiagiicli*. s K.isen v. rlieisseu. and ein
1 *. /nle.i .‘'.ub.n. geil ih“ ler D.i.iien-:>.Uv)ii bildet il.is Entzücken
jeden Lc.a nain.: -. Bei schdiu ni Wette« wir»! von »ie.u grossen,
\vi:idgeseiiul/t-en Promenadendeck Ikn-'.ig Gebrau.'li getnacht
• «n, wo be»|ueine Liegesiühle /uni l>»*s‘..h.inliche.i Verweilen
ei. I ideii. I-bnUr mul cleUinseiies Lieht snui nn d.Mii luxuriös
.ii.s-ivc-l.ui'ti. n D», 'inser ebenf alls vin liaiideti. So In .'.teilt kein
z.*.‘'»Mii-i, il.i.,:, ;’ch '.‘de thtss.u'.i‘t * .U’f diC'.'.n Da upfer, der
»die Aiiloi vlei'U.i}‘,-*n reichlich erUilii. die m.ri .111 .’ui modernes,
l oimorl.ibl»*'. Ilou*! stclU'ii kann, sehr wohl l .thle;» und die Rei.se
ai.» .‘iiie kuiz.c, .1 i!,en‘hiiu‘ Fiiuib.ingsbilu-» emplni.l.Mi wer«len.
'Dieater, festliche und sportliche
Veranstaltungen. Kongresse etc.
K in d e u i ‘s V h e a h' e s t s p i e 1 li ;i u ^ in 13 a d - H o in bürg.
Del Gi'd.inke »Icr Schi.lang *i»‘utsc’.ier Festspielhäuser, der in¬
folge dir Anffii’.irun*; d*-‘5 , Ot dipii-»“ liurch Prot»‘ssor Reinhardt
m vc.-.-ichiedfiieu dem »cnen Städten aufgeiaucht ist und durch
die Deutsche Volks-Fest:>|ncl •Gesellschaft gefördert wird, hat
jetzt .uMi crsteiini.il greifbare Gestalt angenommen, und z'war
in dorn seit kurzem vorliegendt-ii Plan des erste-i deutschen
Festspielhauses in Bad-Homburg v. d. H. Die Stadt Homburg
hat einen Bauplatz im Werte von rund einer Million Mark, der
prächtig in unmittelbarer Nähe des Kurparks liegt, zur Ver¬
fügung gestellt. Geplant ist ein Theater grossen Stils mit einigen
tausend Sitzplätzen, das nach dem Vorbild von Bayreuth nur
zu gewissen Zeiten sich öffnen soll, um deutsche Volksfestspiele
zur Aufführung zu bringen. Gegenwärtig schweben Verhand¬
lungen wegen der Finanzierung; es handelt sich um die Auf¬
bringung mehrerer Millionen.
Die Naturbühne auf Grafenwerth. Am Pfingst¬
sonntag wird in Honnef durch eine Matinee im Städtischen
Kursaale und nachmittags durch eine Festvorsteliung die erste
rheinische Naturbühne auf der Insel Grafenwerth eröffnet. Mit
. der Naturbühne auf Grafenwerth ist eine solche auf einer Berg¬
wiese bei Schloss Drachenburg verbunden. Wie bekannt, werden
auf beiden Bühnen klassische Meisterwerke, rheinische Volks¬
schauspiele und vaterländische Festspiele durch ein erstklassiges
Künstlerensemble aufgeführt werden. Bei ungünstiger Witterung
finden sämtliche Vorstellungen im Städtischen Kursaale zu
Honnef statt.
Die 30. Haupt-Versammlung des Vereins für das
Deutschtum im Ausland.
In der Pfingstwoche begeht vom 6, bis 8. Juni der Verein
für das Deutschtum im Ausland (Allg. Deutscher Schulverein) E. V.
zu Coblenz das Fest seines 30jährigen Bestehens. Der Verein
darf mit Genugtuung auf die bisher geleistete Arbeit zurück¬
blicken. Ueber 3^/2 Millionen Mark hat er für nationale Unter¬
stützungszwecke zugunsten des Deutschtums im Auslande ver¬
ausgabt. Hunderte von deutschen Schulen und Kindergärten
in bedrohten deutschen Sprachgebieten Europas und in Uebersee,
Hunderttausende guter deutscher Bücher in den Volksbüchereien
der brasilianischen Urwaldgemeinden wie der deutschen Dörfer
Galiziens, der Sudeten- und Alpenländer geben Zeugnis von
seiner unermüdlichen Tätigkeit zum Schutz und zur Ausbreitung
deutscher Sprache und Kultur auf der ganzen Erde, Hunderte
tüchtiger deutscher Lehrkräfte sind dank seiner Vermittlung dem
Auslanddeutschlum dienstbar geworden. Dies hat in allen seinen
Nöten und Sorgen an ihm einen stets bereiten treuen Helfer,
Berater und Anwalt gefunden. Vor allem ist es auch seiner
unermüdlichen Aufklärungsarbeit in Wort und Schrift zu danken,
dass im deutschen Volke die Erkenntnis der Bedeutung all¬
mählich durchdringt, welche diese über 30 Millionen Deutsche
im Ausland für die Erhaltung des deutschen Volksbodens und
Sprachbesitzes, für die deutsche Kulturstellung auf der Erde,
für die Förderung friedlicher Beziehungen zwischen dem
Deutschen Reich und den anderen Mächten und nicht zuletzt
für die Ausbreitung des deutschen Aussenhandels und der
deutschen Exportindustrie über die ganze Erde hin besitzt. Der
Verein hat es verstanden, über alle ständischen, konfessionellen
und parteipolitischen Gegensätze hinweg Mitarbeiter aus allen
Lagern des deutschen Volkes zu gewinnen, und das gesteigerte
Tempo des Anwachsens seiner Mitgliederzahl (heute über 44000)
lässt hoffen, dass er bald eine Stärke erreichen wird, die es
ihm möglich macht, seiner unvergleichlich bedeutsamen Arbeit
für des deutschen Volkes Grösse und Zukunft in noch ganz
anderem Masse gerecht zu werden als bisher. Auf der Coblenzer
Tagung werden Vertreter der verschiedensten deutschen Gebiete
erscheinen, um die dankbare Anerkennung der Auslanddeutschen
für die Arbeit des Vereins zu bekunden. Jeder Deutsche, dem
die Lage seiner um ihres Deutschtums willen bedrängten
Stammesbrüder an der Sprachgrenze, dem die Erhaltung der
deutschen Pioniere unseres Welthandels in Uebersee am Herzen
liegt, sollte die 3 Mark im Jahre übrig haben, um die Arbeit
des Vereins für das Deutschtum im Ausland durch seinen Beitritt
zu fördern. Wir verweisen zu diesem Zwecke gern auf die in
den verschiedensten Städten blühendeh Ortsgruppen und auf die
in Berlin W 62, KurfUrstenstrasse 105, befindliche Zentralstelle
des Vereins.
Konferenz deutscher Kinderhorte. Auf Vorschlag
des Vereins Kinderhort (Dresden) wird die Deutsche Zentrale
für Jugendfürsorge (Berlin) eine Konferenz deutscher Kinderhorte
zusammenrufen. Auf dieser am 29. Juni in Dresden stattfindenden
Tagung soll die Stellung der Kinderhorte innerhalb der modernen
Jugendfürsorgebestrebungen klargelegt und über die weitere
Ausgestaltung dieser den Jugendschutz und der Jugendpfiege
gewidmeten Anstalten verhandelt werden. Die Internationale
Hygiene-Ausstellung wird in den Abteilungen für Spiel und Sport,
Bchulhygiene und Jugendfürsorge den Konferenzteilnehmern viel¬
seitige und wertvolle Anregung bieten, auch einige Kinderhorte
werden ausstellen. Diese Tatsache sowie die wachsende zentrale
Bedeutung der Kinderhortarbeit innerhalb der Jugendfürsorge
Überhaupt lassen eine rege Beteiligung an dieser Konferenz mit
Sicherheit erwarten.
Braunschweig als Kongressstadt. Folgende Kongresse
und grössere Veranstaltungen finden in diesem Jahre in Braun¬
schweig statt: 38. Deutscher Gastwirtstag (12.—16. Juni); Nord¬
westdeutsches Bundesschiessen (18.—25. Juni); Tagung des Ver¬
bandes der Rabatt- und Sparvereine Deutschlands (15.—17. Juli);
Tagung des Verbandes der Vereine für Kreditreform (22.—24. Juli);
Tagung des Niedersächsischen Uhrmacher-Verbandes (15. bis
19. September).
Hessischer Städtetag. Am 9. und 10. Juni ign findet
in Gudensberg die 21. Versammlung des „Hessischen Städte¬
tags“ statt. Auf der Tagesordnung stehen neben allgemeinen
Städtefragen folgende Verhandlungsgegenstände: i. Das hessische
Landesmuseum und seine Bedeutung für Stadt und Land (Bericht¬
erstatter: Herr Museumsdirektor Dr. Boehlau, Cassel). 2. Die
Krankenpflege auf dem Lande in ihrer allgemeinen hygienischen
und volkswirtschaftlichen Bedeutung (Berichterstatter: Herr
Geheimer Medizinalrat Dr. Heinemann, Cassel). 3. a) Die Be¬
deutung des Fremdenverkehrs für mittlere und
kleinere Städte (Berichterstatter: Herr Verkehrsinspektor
Weber, Cassel); b) Die Förderung von Schülerherbergen
(Berichterstatter: Herr Rechtsanwalt Wenning, Cassel).
Ausstellungen.
Gewerbe-, Kunst- und Industrie-Ausstellung
in Krefeld.
Am 24. Mai wurde eine Ausstellung in Krefeld eröffnet,
die man kurzweg als Ausstellung des Handwerks am
Niederrhein bezeichnen darf. Es ist das erstemal, dass sich
das niederrheinische Handwerk mit einer solchen Ausstellung an
die Oeffentlichkeit gewagt hat, sich dabei ganz auf eigene Füsse
stellte und ohne staatliche oder städtische Mittel ein gut ge¬
lungenes Werk geschaffen hat. Bei der feierlichen Eröffnung
betonte der Ausstellungsvorsitzende, Stadtverordneter F r e n k e n,
dass in den letzten Jahren eine gewisse Ausstellungsmüdigkeit
eingetreten sei. Dennoch habe sich das Handwerk am Nieder¬
rhein entschlossen, eine Ausstellung zu schaffen, um zu zeigen,
dass das Handwerk des Niederrheins wettbewerbsfähig sei, und
dass man die Beziehungen zwischen Handwerk einerseits und
Kunst und Industrie anderseits anerkennen, ausnützen und aus¬
bauen wolle. Der Protektor der Ausstellung, Oberpräsident
Freiherr von Rheinbaben, der die Eröffnung vollzog, hielt
eine sehr bemerkenswerte Rede, in der er u. a. ausführte: „Ein
ragendes Werk öffnet heute seine Pforten, ragend nicht bloss
durch seinen Umfang, sondern auch durch seine Bedeutung;
denn zum ersten Male hat das Handwerk den Mut gefunden,
ein solches Werk aus eigener Kraft zu beginnen. Deshalb
bin ich freudigen Herzens hierhergekommen. Der heutige Tag
soll ein Markstein sein auf dem Wege, den das
Handwerk zurück gelegt hat, und zugleich ein Weg¬
weiser für ferneres Voranschreiten. Ein Markstein
auf der zurückgelegten Strecke! Wie kurz liegen erst hinter
uns die Tage und die Jahre, als ein allgemeiner Pessimismus
das Handwerk und die weiteste Oeffentlichkeit ergriffen hatte.
Nicht bloss in wirtschaftlichen Dingen, sondern auch auf anderen
Gebieten in unserm lieben Vaterlande können wir die Erfahrung
machen, dass eine Zeit durch gewisse Anschauungen und
besonders durch Vorurteile beherrscht wird, und dass ein be¬
sonderer Grad von Mut dazu gehört, diesen Anschauungen und
Vorurteilen entgegenzutreten. So auch bei dem Handwerk!
Vor einem Jahrzehnt noch herrschte die Meinung, dass das
Handwerk den Boden verloren habe und der Macht der Industrie
nicht mehr standhalten könne. Es hat ein grosses Mass von
Ausdauer und, ich möchte sagen, von Gottvertrauen dazu gehört,
dass die Männer vom Handwerk das Vertrauen in die Zukunft
nicht verloren haben. Mit der Entwicklung der Industrie haben
sich neue, mannigfaltige Arbeitsgebiete für das Handwerk heraus¬
gebildet. Ich darf nur an das Gebiet der elektrischen Industrie
und ähnliche Fortschritte erinnern. Mit Dank müssen wir der
Männer gedenken, die in diesen schwierigen Jahren gegenüber
dem allgemeinen Pessimismus den Mut nicht haben sinken lassen.
Ich meine, die Wegstrecke, die das Handwerk, besonders hier
am Niederrhein, in diesen letzten Jahrzehnten zurückgeleg^ hat,
muss als durchaus erfreulich bezeichnet werden. Diese Aus¬
stellung soll zeigen, was in dieser Zeit geleistet worden ist.
Sie soll aber auch ein Wegweiser sein, dass unter drei Grund¬
bedingungen das Handwerk sicher voranschreiten wird: Die
erste dieser Grundbedingungen ist das Selbstvertrauen, das leider
früher dem Handwerk gefehlt hat. Der Gedanke: Hilf dir selbst,
dann hilft dir Gott, muss in die letzte Werkstatt dringen. Und
ein zweites! Zu dem Selbstgefühl und dem Selbstvertrauen
muss das Gemeinschaftsgefühl treten. Der Gedanke: Alle für
einen und einer für alle, der das landwirtschaftliche Genossen-
Bchaftswesen so in die Höhe gebracht hat, muss auch jeden
Handwerker tief durchdringen. Und ein drittes ist der technische
Fortschritt. Nur wenn wir mit der Zeit voranschreiten und alle
technischen Fortschritte uns zu eigen machen, wird auch der
Handwerker einer neuen Zukunft entgegengehen. Eine besondere
Freude bereitet die Ausstellung noch in einer anderen Richtung,
weil hier das Kunstgewerbe sehr stark vertreten ist. Auf der
innigen Verbindung von Kunst und Handwerk hat in früheren
Jahrhimderten die Blüte des deutschen Handwerks beruht. Dann
kam die Zeit, wo beide sich schieden, wo die Kunst sich vor¬
nehm zurUckzog und das Handwerk darauf verzichtete, die
Kunst sich zu eigen zu machen. Auch in dieser Beziehung sind
jetzt wieder neue Bahnen erschlossen, und da eröffnen sich für
das Handwerk wichtige und segensreiche Aufgaben. Eine
Menge Kulturbedürfnisse im edelsten Sinne sind auch in den
mittleren und unteren Kreisen unseres Volkes Bedürfnis geworden,
wovon man früher keine Ahnung gehabt hat. Darin eröffnet
sich ein weites, reiches Feld der Tätigkeit für das Handwerk.
Diese Verbindung von Kunst und Handwerk kann auch der
Kunst nur zum Nutzen gereichen. Erfüllt das Handwerk die drei
Bedingungen: Selbstvertrauen, Gemeinschaftsgefühl und tech¬
nischer Fortschritt, dann ist kein Zweifel, dass cs auch in
Zukunft gedeihliche und glückliche Bahnen geht.“ — Bei dem
sich anschliessenden Rundgange machte die Ausstellung den
günstigsten Eindruck auf die zahlreichen Ehrengäste, in deren
Namen der Düsseldorfer Regierungspräsident Dr. Kruse beim
Festmahle betonte, dass er noch keine Ausstellung gesehen habe,
wie diese gediegene Ausstellung des niederrheinischen Hand¬
werks, bei der der Kern gegenüber der Schale so hervortrete und
gleichzeitig die Architektur voll befriedige. S.
Deutsche Kunstausstellung Düsseldorf 1911
verbunden mit einer Internationalen Aquarellausstellung.
Am 27. Mai haben sich die Tore des am Kaiser-Wilhelm-
Park so herrlich am Rheinstrom gelegenen Kunstpalastes zum
fünften Male einer grossen deutschen Kunstschau geöffnet, nach¬
dem die Presse bereits am Himmelfahrtstage eine Vorbesichti¬
gung vornehmen konnte. In der Kuppelhalle hatten sich die
Vertreter der Behörden und zahlreiche Kunstfreunde eingefunden,
u. a. auch Unterstaatssekretär Exzellenz Schwarzkopff als
Vertreter des deutschen Kronprinzen, der auch diesmal das
Protektorat über die Ausstellung übernommen hat. Der Vor¬
sitzende Prof. H. E. Pohle betonte in seiner Begrüssungsrede,
„dass zum ersten Male in diesen Hallen eine grosse Kunst¬
ausstellung der kunstsinnigen Welt gezeigt werden soll, die
ganz ohne Nebenattraktionen ihre Lebenskraft und Lebensfähig¬
keit zu beweisen hat. Die Leitung der Ausstellung war bestrebt,
möglichst über den Parteien zu stehen und jedem wirklichen
und ernsten Streben die Wege nach Kräften zu ebnen. Sie
wollte das ernste und gute Neue ebenso stützen und
fördern, wie sie das wirklich gute und bewährte
Alto nicht vor der Zeit vom Schauplatz der Kon¬
kurrenz verdrängt wissen möchte. Gerade nach dieser
Richtung ist in den letzten Jahren von manchem Kunstbeurteiler
schwer gesündigt worden. Man zeigte sich gar zu geneigt, jede
neue Mode in der Kunst auch gleich für einen Fortschritt zu
halten, und sie deshalb über Gebühr zu verherrlichen, dafür
aber das gute, bewährte Alte für abständig zu erklären und zum
alten Eisen zu werfen. Gottlob haben die wilden, zum Teil
direkt verrückten Auswüchse das fertig gebracht, was die weisesten
Reden und Warnungen nicht zuwege bringen konnten.
Auch die Fortschrittlichsten unter den VorwärtsstUrmern, einige
ganz fanatische ausgenommen, fragen sich denn doch beim
Anblick dessen, was uns auch hier in Düsseldorf als Neukunst
direkt aus Paris importiert vorgeführt wurde, ob denn diese
Erzeugnisse überhaupt noch etwas mit der wahren Kunst zu
tun hätten.“ Der Redner fuhr dann fort:
„Wir hoffen und wünschen jedoch, nicht missverstanden zu
werden. Jeder wirkliche Fortschritt, davon werden sich die
Besucher unserer Ausstellung bald überzeugen, war dem leitenden
Kunstausschuss herzlich willkommen, und man hat keine Mühe
gescheut, das gute Neue mit Aufbietung aller Kraft heranzuziehen.
Anderseits wurde ein besonderer Wert darauf gelegt, dem im
vorigen Jahre heimgegangenen Altmeister Düsseldorfer Kunst
eine besondere Ehrung zuteil werden zu lassen. Ich möchte
nicht verfehlen, allen denen, die uns geholfen haben, den alten
Weltruhm des Meisters Andreas Achenbach durch die Zusammen¬
stellung eines ausgewählten Teiles seiner besten Werke neu zu
festigen, auch an dieser Stelle den herzlichsten Dank der Aus¬
stellungsleitung auszusprechen. Wir sind gewiss, dass diese
Andreas-Achenbach-Gedächtnis-Ausstellung den ungeteilten Bei¬
fall aller finden wird. Die Düsseldorfer Gruppe und auch die
ausserhalb der Gruppe stehenden Künstler haben alle Anstren¬
gungen gemacht, den friedlichen Wettbewerb ehrenvoll zu be¬
stehen. Die Düsseldorfer Abteilung birgt eine ganze Anzahl von
hervorragenden Werken, die zum ersten Male gezeigt werden.
Nun gestatten Sie mir einen kleinen historischen Rückblick:
Am IO. Mai waren 40 Jahre ins Land gegangen, seitdem nach
dem grossen Krieg der glorreiche Friede zu Frankfurt am Main
geschlossen wurde. Kaiser Wilhelm I. hatte der politischen
Bevormundung Deutschlands durch seine besten Nachbarn ein
Ende bereitet. Der Zeit der unumgänglich notwendigen Kriege
folgte eine Zeit des segenbringenden Friedens, eine Zeit des
Aufschwunges und der ungeahnten Blüte für unser Vaterland.
Kaiser Wilhelm I., wie auch seine beiden Nachfolger, nament¬
lich Seine Majestät unser allergnädigster Kaiser Wilhelm II.
haben alles daran gesetzt, dem Lande den Frieden zu erhalten,
manchmal unter den schwierigsten Umständen, zum Nutzen jeder
Kulturarbeit, also auch besonders der schönen Künste. Wir
können unserem Fürsten und Herrn hierfür nicht Dank genug
wissen, und wir sollten an unserem Teil dafür sorgen, dass,
so wie vor 40 Jahren die politische Bevormundung Deutschlands
ihr Ende nahm, nun endlich auch auf künstlerischem Gebiet
vollständige Unabhängigkeit wieder erlanget wird. Lernen wollen
wir ja gern, überall, wo es etwas zu lernen gibt, aber die deutsche
Art dürfen wir darüber niemals aufgeben. (Beifall.) Es regt sich
ja bereits nach dieser Richtung in den deutschen Gauen. Möchte
die gesamte deutsche Künstlerschaft sich endlich auf sich selbst
besinnen und sich dann für alle Zeiten treu bleiben.“
Nachdem Exzellenz Schwarzkopff die Wünsche des Kron¬
prinzen übermittelt, erfolgte ein Rundgang durch die Säle, die
in ihrer freundlichen, frischen Aufmachung einen überaus wohl¬
tuenden Eindruck machen und bei der Fülle der ausgestellten
Kunstwerke — der Katalog weist nicht weniger als 2190 Nummern
auf — keine Ermüdung aufkommen lassen. Die Ausstellung
besteht inhaltlich aus drei Teilen: einer allgemeinen deutschen
Kunstausstellung, einer internationalen Aquarellaus¬
stellung und einer Reihe von Kollektivausstellungen
der bedeutendsten Künstler. In der ersteren sind alle deutschen
Kunststädte und alle namhaften Künstlervereinigungen vollständig
vertreten. Die Aquarellausstellung wurde ausser von deutschen
Malern von Künstlern aus Oesterreich, der Schweiz, Frankreich,
Belgien, Holland, England, Schweden, Norwegen und Dänemark
beschickt; ein besonderes Kabinett ist den Werken verstorbener
Künstler (A. Achenbach, Menzel, Lenbach usw.) eingeräumt.
Das Vollendetste auf dem üebiete der modernen
Hoteltechnik und des feinen Restaurantwesens.
3' DEUTSCHLAND 157
Mit Kollektivausstellungen sind vertreten: A. Achenbach, Dücker,
Bderer, Artur Kampf, Liebermann, Schönleber und Unger. An
Zahl und künstlerischem Wert der Bilder Überragt die dies-
jShrige Düsseldorfer Ausstellung entschieden ihre meisten Vor-
gSngerinnen. Man darf sie als ein bedeutendes künstlerisches
Ereignis bezeichnen, das auch auf dem Festmahle im Düsseldorfer
Künstlerheim Malkasten vom Regierungspräsidenten Dr. Kruse
und von Exz. Schwarzkopff mit sehr anerkennenden Worten
gefeiert wurde. In seiner bemerkenswerten Rede führte Exz.
Schwarzkopff aus, „dass jetzt neun Jahre her sind, als Schulter
an Schulter mit der imponierenden Ausstellung der Westdeutschen
Industrie der Kunstpalast entstanden ist und zum ersten Male
seme Pforten öffnete. Seitdem hat die Düsseldorfer Künstlerschaft
durch wiederholte umfassende Veranstaltungen bezeichnend be¬
wiesen, dass grosse Düsseldorfer Kunstausstellungen
nicht nur berechtigt, sondern eine Notwendigkeit sind.
Entsprechend der Entwicklung, die unsere alte Kunststadt
Düsseldorf im Laufe namentlich der letzten Jahrzehnte des
vorigen Jahrhunderts genommen hat, hatte die damalige
Zusammenstellung von Industrie und Kunst in gewissen Massen
eine programmatische Bedeutung. Die Unterrichts Verwaltung,
oder ich möchte hier sagen, die Kunstverwaltung, dankt es der
Düsseldorfer Kttnstlerschaft, dass sie in diesem schwierigen
Boden, in einem Zentrum der Grossindustrie, der
überraschendsten industriellen Entwicklung den Standpunkt
der Kunst zu wahren und zu nutzen verstanden
hat. Wenn man heute durch die Ausstellung geht, so erkannte
man, dass das Programm, welches Herr Professor Pohle im
Eingang seiner Rede uns heute darlegte, was ich das alte
Düsseldorfer Programip nennen möchte, auch hier
wieder bei der Ausstellung beobachtet ist. Es war, soweit ich
übersehen konnte, alte Düsseldorfer Anschauung, dass man ohne
Rücksicht auf den Kampf der Kunstparteien allem, was ein
ernsthaftes und künstlerisches Streben zeigt, den Weg bahnen
wül, und ich habe den Eindruck gewonnen, dass gerade hier
auch bei dieser Ausstellung diese Düsseldorfer Tendenz in
vollem Masse zum Ausdruck und zur Verwirklichung gelangt ist.
Ihnen lag es ja zunächst ob, meine Herren, dem Altmeister der
Düsseldorfer Landschaftsmalerei, Andreas Achenbach, durch die
Veranstaltung von Kollektivausstellungen ein Ehrendenkmal zu
setzen. Dann möchte ich, vorwärts blickend, erwähnen die
Internationale Aquarellausstellung. Diese beiden Veranstaltungen
werden als grosse Attraktionspunkte für die Düssel¬
dorfer Kunstausstellung wirken. Zwischen diesen beiden Polen
liegt dann das Gros des Kunstschaffens aller deutschen Künstler
unserer Tage.“ —
Eine eingehende Bewertung der einzelnen Gruppen unter
gleichzeitiger Reproduktion einiger der interessantesten Kunst¬
werke behalten wir uns für die nächsten Nummern vor. S.
Die Eifel im Bilde. Eine Ausstellung von Eifelbildern
ist in Bonn im städtischen Museum, Villa Obernier, eröffnet.
Sie wird auf Anregung des Werbeausschusses des Eifelvereins
veranstaltet und wird für die Dauer eines Monats geöffnet sein.
Es werden u. a. vertreten sein: Professor F. von Wille, Niku-
towsky, H. Otto, Ad. Lins, Hugo Mühlig, C. Jutz jr., Funk aus
Düsseldorf, Martha Jäger (Elberfeld), Karl Nonn, Heinr. Schmidt,
Äsen aus Bonn. Ihre besten photographischen Aufnahmen stellen
aus: Ernst Charlier (Aachen), Walter Scheibler (Montjoie) und
Photograph Gross (Bonn).
Ausstellungsgesetzgebung in Italien und
Frankreich. Bei der kürzlich in der italienischen Deputierten¬
kammer stattgehabten Beratung über den Etat des Landwirt¬
schafts-, Industrie- und Handelsministers wurde u. a. folgender
Antrag eingebracht: „Ueberzeugt von der Notwendigkeit, Mass¬
nahmen zur Regelung der von privaten Komitees ohne staatliche
oder lokalbehördliche Teilnahme veranstalteten Ausstellungen und
Schauen zu ergreifen, beauftragt die Kammer den Minister,
einen diesbezüglichen Gesetzentwurf vorzulegen.“ In der Be¬
gründung erklärte der Abgeordnete Niccolini Pietro solche
gesetzlichen Massregeln für notwendig, um die Wiederholung
der Skandale bei gewissen privaten Ausstellungen zu verhindern,
die in Wirklichkeit nichts weiter als ungesetzliche Spekulationen
gewesen seien. Wie die „Ständige Ausstellungskommission für
die deutsche Industrie“ hierzu mitteilt, ist das mit ihr verbündete
„Comitato Nazionale per le Esposizioni Italiane all’ Estero“
bereits mit einer entsprechenden Vorlage für die italienische
Regierung befasst. Auch in Frankreich liegt dem Senat zurzeit
in zweiter Lesung ein Gesetzentwurf vor betreffend den Gebrauch
der auf Ausstellungen usw. verliehenen Auszeichnungen, nach¬
dem eine hierfür eingesetzte Senatskommission soeben einen
Zweig-Institut der Königl. Pommerschen Landschaft
Amtliche Hinterlegungsstelle für Mündelvermögen
STETTIN, Paradeplatz Nr. 40
Annahme von Depositen-Geldern,
An- und Verkauf, Beleihung, Aufbewahrung und Verwaltung
von Wertpapieren,
Einlösung von Kupons und verlosten Effekten, Konto-
Korrent-Verkehr.
Ausstellung von Schecks und Kredit¬
briefen auf das In- und Ausland,
Vermietung von Schrankfächern (Safes) in feuer- u. diebes¬
sicheren Tresors unter eigenem Verschluss des Mieters.
Hypotheken-Regulierung ^
bei landschaftlichen Beleihungen, Ablösungen und Rentengutsbildungen.
■•‘j" v^ ■'
% r^yj^r
DEUtSCHLANb m oööoöooööeöocio^^ Nr. 5
158
neuen Entwurf ausgearbeitet hat, in dem u. a. die von der
„F^d^ration Internationale des Comit^s Permanents d'Expo-
aitions** ausammengefassten Wünsche und Anregungen Berück¬
sichtigung gefunden haben.
Warnung! Die „Ständige Ausstellungskommission für die
deutsche Industrie“ sieht sich veranlasst, vor einem Londoner
Ausstellungs-Unternehmen zu warnen, das sich bezeichnet als
„International Exhibition ofArts andlndustry“ und
das in der dortigen St. Andrew's Hall inszeniert werden soll.
Deutschland und das Ausland.
Carnegie und das Deutschtum. Bei Carnegie fand
eine bemerkenswerte Feier des Deutsch-Amerikanertums statt.
Carnegie wurde durch eine Vertretung des amerikanischen
Deutschtums eine Dankadresse für die in Deutschland gestifteten
Heldenfonds überreicht. Die künstlerisch ausgefUhrte Dank¬
adresse • wurde durch B. Ridder übergeben. Bei der Feier und
dem nachfolgenden Diner waren u. a. der deutsche Botschafter
Graf von Bernstorff, Hermann Ridder und Dr. Hexamer, der Präsi¬
dent des deutsch-amerikanischen Nationalbundes, anwesend. Der
Botschafter drückte seine Bewunderung für die glänzende Frei¬
giebigkeit Carnegies und seine Dankbarkeit für die spezielle
deutsche Stiftung aus. Nach dem Diner folgte ein grösserer
Empfang. Die vereinigten deutschen Sänger New Yorks er¬
freuten durch mehrere deutsche Liedervorträge, Carnegie feierte
in einer Ansprache die Tugenden der Deutschen, drückte seine
Bewunderung für den Kaiser aus und betonte, sein erster
deutscher Teilhaber Klausmann habe ihm geholfen, den Grund¬
stein zu seinem Vermögen zu legen und deutsche Angestellte
hätten das Unternehmen gefördert. Die amerikanischen Bürger
teutonischer Abstammung sollten dahin wirken, Deutschland,
England und Amerika einander näher zu bringen.
Die Friedensgesellschaft in derGuildhall. Der
Lord Major präsidierte, während das deutsche Kaiserpaar in
London weilte, wieder in der Guildhall über eine Versammlung
der Friedensfreunde, die Stimmung für den Schiedsgerichts¬
vertrag mit Amerika machen soll. Auf einige Fragen, wie sich
Deutschland dieser Friedensbewegung gegenüber verhalte, zitierte
der Lord Mayor folgende Worte aus der Kaiserrede in de^
Guildhall im November 1907: t^An dieser Stelle sag^e ich schon
vor 16 Jahren, dass mein Endziel vor allem die Erhaltung des
Friedens sei. Die Geschichte wird mir hoffentlich gerecht
werden, dass ich dieses Ziel seitdem unbeugsam verfolgt habe.
Die Hauptstütze des Weltfriedens ist in der Unterhaltung guter
Beziehungen zwischen unsem beiden Ländern zu suchen, und
ich werde suchen, diese noch freundlicher zu gestalten, soweit
das in meinen Kräften lieg^. Die Wünsche der deutschen
Nation stimmen mit den meinen Überein “ Unter grossem
Beifall der Versammlung hatte der Lord Major diese Stelle der
Kaiserrede gelesen und erklärte dann: „Dies ist die beste
Antwort auf die Einwände derer, die glauben, dass unsere
Freundschaft für das deutsche Volk einseitig sei. In beiden
Ländern ist man aufs eifrigste bestrebt, die jetzigen guten Be¬
ziehungen noch zu bessern.“ — Am gleichen Tag^ hat der Lord
Mayor dem deutschen Botschafter in der Botschaft im Namen
der Mitglieder der englisch-deutschen Freundschaftsgesellschaft
ein besonders gebundenes Buch überreicht, das einen Bericht
Über die Eröffnungsversammlung der Gesellschaft im Mansion
House am i. Mai enthält und das der Kaiser entgegennehmen wird.
Britisch-Deuts che Stiftung. Ueber die von Sir
Ernest Cassel (London) unter dem Namen „König-Eduard-VII.-
Britisch-Deutsche-Stiftung“ mit einem Kapital von zwei Millionen
Mark errichtete Stiftung zugunsten in Deutschland sich aüf-
haltender, hilfsbedürftiger Engländer haben, wie halbamtlich
mitgeteilt wird, der Kaiser und die Kaiserin das Protektorat
übernommen. Die Stiftung soll von einem Vcrwaltungsrat und
Verwaltungsausschuss geleitet werden, deren Mitglieder erstmalig
vom Kaiser ernannt werden. Zu Mitgliedern des Verwaltungfs-
rats hat der Kaiser ernannt: den Staatssekretär a. D. Freiherm
von Thielmann, Staatsminister a. D. von Posadowsky, Vize-
Oberzeremonienmeister und Kammerherrn von dem Knesebeck,
Oberpräsident a. D. von Loebell, Generaldirektor Ballin, Geheimen
Kommerzienrat Ed. Amhold, Ministerialdirektor Lewald und
Bankier Max M. Warburg. Den Verwaltungsausschuss sollen
die Herren Warburg, von Loebell und Lewald bilden.
Die Reisebeziehungen zwischen Deutschland
und Frankreich haben sich in den letzten Jahren insofern
merklich gehoben, als sie sich nicht mehr nur auf den Besuch
IHF^ Sorgenlos
und ohne Beschwerden zu reisen, ist wohl das Bestreben eines jeden, und zweifelsohne ist kein Gebiet so aufsach- und fachgemäßen Rat
angewiesen wie gerade das Reisewesen, wenn allen Neuerungen und Einrichtungen im Gefolge des modernen Verkehrs Rechnung getragen
werden soll. Auf Grund einer 70 jährigen und erfahrungsreichen Tätigkeit auf diesem Gebiete ist die Firma THOS. COOK & SON in der
Lage, Vorteile und Erleichterungen zu gewähren, wie sie wohl von keinem anderen Unternehmen dieser Art geboten werden können.
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berechtigen den Inhaber zu jeglicher Auskunft von seiten unserer Vertreter und aller Agenturen, ferner gestatten sie
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159
ifr.3 g OQ0QOQQ 999 8 9 Ö 98B9(«QQiQ(K ^ DEUTSCHLAND
von I^ari« oratreckten, sondern auch auf Südwestfrankreich aus-
. dtimten. Nene Verkehrseinrichtungen der Paris-Mittelmeerbahn
W i e n dabei Ursache und Wirkung. Genannte Bahn hat nun
seit dem Mai zgn in Berlin, Unter den Linden 68a, ein
amtlicfaes Ausknnftbureau mit Fahrkartenverkauf eröffnet. Ueber
ReiseD in der Auvergne, Provence, Savoyen, Dauphine an der
Riviera usw,, einschliesslich der Automobillinien in den fran-
aOsivchen Alpen erhält man dort jede gewünschte Auskunft.
■ Bäder und Sommerfrischen.
Die beliebten Pfingstso n derfahrte n nach den
Ostseebädern Swinemünde, Ahlbeck, Heringsdorf, Misdroy,
Bansin, Zinnowitz, sowie nach den Rügenschen Bädern
Göhren, Sellin, Binz und Sassnitz-Stubbenkammer, ferner nach
Kopenhagen und Bornholm finden auch in diesem Jahre
in gewohnter Weise statt. Die Eisenbahn-Verwaltung gibt in
Veibindung mit der Stettiner Dampfschiffs-Gesellschaft J. F.
Braennlich, G. m. b. H., Stettin, kombinierte mehrtägige RUck-
Ifdirkarten Berlin—Rügen zum ermässigten Preise von II. Kl.
Mark ai.—, III. Kl. Mark i6.— aus, die am Freitag vor Pfingsten
und Pfingstsonnabend früh zu den Zügen mit Anschluss zum
Dampfer n^* ab Stettin oder zu den eingelegten Sonderzügen
12U am Pfingstsonntag und -montag mit Dampferanschluss 3^
ab Stettin berechtigen. Die Preise der eintägigen Ausflüge nach
Swinemünde, Heringsdorf, Insel Rügen sind sehr
missig und des weiteren noch dadurch vermindert, dass die
anm Sonderzuge am i. Festtage gelösten Karten zur Rückfahrt
.mit dem Sonderzuge am 2. Festtage berechtigen und so für
dasselbe Geld einen zweitägigen Ausflug ermöglichen. Die
Fahrpreise für den Sonderzug hin und zurück sind jetzt II. Kl.
Mark 7 . 20 , III. Kl. Mark 4.90. Die Fahrpläne und Fahrkarten
, für die Pfingstfahrten nach den Ostseebädern Rügen, Kopen¬
hagen und Bomholm werden im Verkehrs-Bureau der Sassnitz¬
linie, im Zentralbahnhof Friedrichstrasse gegenüber dem Zentral¬
hotel ausg^eben, desgleichen von der Geschäftsstelle des Ver¬
bandes Deutscher Ostseebäder, Unter den Linden 76a, im
Verkehrsbureau Potsdamer Platz, Caf6 Josty, und in der Allge¬
meinen Bäder-Verkehrs-Anstalt, Charlottenstr. 77.
Ostseebad Binz. Hier sind schon zahlreiche Gäste
eingetroffen, welche die herrlichen Frühjahrstage auf der Insel
Rügen gemessen wollen. Das Warmbad wird fieissig benutzt,
die Seebadeanstalten sind Ende Mai eröffnet worden. Am i. Juni
beginnen die regelmässigen Kur- und BrUckenkonzerte.
Bad Kudowa. Nach der amtlichen Fremdenliste sind
bis zum a8. Mai bereits über 1700 Kurgäste gemeldet worden,
worin die vielen Erholungsgäste und Passanten nicht eingerechnet
sind. Da auch der Wettergott dem Bade hold gesinnt ist und
andauernd schönes Wetter beschert, so ist es ganz erklärlich,
dass so viele Patienten die altbewährten heilkräftigen Quellen
Kudowas aufsuchen, um sich zu erholen und Heilung von ihren
Leiden zu finden. Bad Kudowa besitzt die stärkste Arsen-
Bisenquelle Deutschlands und gehört zu denjenigen Gesund¬
brunnen, deren Ruf man schon in alten medizinischen Schriften
auf überzeugende Art begründet findet. Erprobt sind die
Wirkungen Kudowas besonders für Herz-, Blut-, Nerven-,
Stoffwechsel- und Frauenkrankheiten. Der Kurort liegt 400 Meter
über dem Meeresspiegel, malerisch und anziehend inmitten
von Bergen und Wäldern.
Vom Scbwarzwald. Dank der prächtigen Frühlings¬
witterung beginnt allerorts der Fremdenverkehr. Triberg,
Königsfeld, das Waldhotel bei Villingen, Bad. Dürrheim usw.
weisen bereits eine stattliche Anzahl Sommergäste auf.
V erschiedenes.
Der Kaiser über seinen Besuch in Köln.
Der Kaiser hat sich über seinen Besuch in Köln hoch¬
befriedigt ausgedrUckt. Verschiedentlich hat er auch Abgeordneten
gegenüber in begeisterten Worten seine Eindrücke geschildert,
die er bei dem unvergesslichen Besuch in Köln erhalten habe.
Tiefen Eindruck habe auf ihn vor allem die lebhafte Huldigung
der Massen, sowohl bei der Rheinfahrt als auch bei der Fahrt
durch die Stadt Köln gemacht. Das Entzücken des Kaisers über
die Beleuchtung des Rheines war gross, und er war überhaupt
des Lobes voll über das, was Köln und die Rheinlande ihm
geboten haben. „Etwas Schöneres als die Rheinbeleuchtung
habe ich in meinem Leben noch nicht gesehen**, rief der Kaiser
begeistert aus.
Qoethehaus — „Weisses Ross** in Bingen. Der
Brinnerung an Goethe, den deutschen Dichterfürsten, der mehr-
fmdi auf. seinen Rheinreisen in Bingen, der herrlichen Rheinstadt,
Aufenthalt genommen, und dem es, wie die Schilderungen in
dem Bande 29 seiner Werke (Rochusfest) besagen, dort aus¬
gezeichnet gefallen hat, wird in Zukunft das „Hotel Weisses
Ross** geweiht sein. Herr Reifenstein, der jetzige Inhaber, hat,
nachdem er bereits im vorigem Jahre das Haus im Innern
instand setzen liess, dieses Jahr die Aussenseite mit an Goethe
erinnerndem Schmuck versehen lassen, so dass der seinerzeitige
Aufenthaltsort des Dichters eine Sehenswürdigkeit Bingens
bildet Ausser der im vorigen Jahre angebrachten Erinnerungs¬
tafel schmücken zwei Bilder, Szenen aus dem Leben Goethes
darstellend, das Haus und geben dem Touristen Kenntnis von
der Binger Wohnstätte des grossen deutschen Dichters. Das
Goethezimmer im Innern ist noch in seiner ganzen früheren
Beschaffenheit erhalten, die früheren goethezeitlichen Möbel
sind noch vorhanden, überhaupt fanden bei der Ausstattung
des Hotels die anheimelnden über 100 Jahre alten Gegenstände
Verwendung. Herr Reifenstein hat in Weimar und anderen
Goethestädten Goethe-Andenken erworben, die ebenfalls bei der
Ausschmückung des Zimmers Verwendung fanden. Das Haus
bildet — so viel ist sicher — für Bingen einen weiteren An¬
ziehungspunkt , den die Stadt Herrn Hotelier Reifenstein
verdankt, der überhaupt zur Hebung des Fremdenverkehrs
tüchtig beiträgt. Der im vorigen Jahre ausgegebene Führer
Gegen bequeme
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Die außergewöhnlich häufigen Nachbestellungen
unserer Kunden beweisen, daß die Qualität
— unserer Waren die Kundschaft befriedigt. —
Beweis: Aus den mir vorrjelegten Aufstellunyen der Firma
Jonass (& Co., O. m. b. H. zu Berlin, habe ich feslge-
stelll, dass in einem einzigen Monat von allen Kunden,
das sind solche, die schon früher von der Firma Ware
bezogen, brieflich 11209 (elflausend zweihunderlundneun)
Nachbestellungen eingegangen sind.
BERLIN, den 2. Februar 1911.
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wiff dt ^eri Öiinsüh o nge □ de ä Herr n K eü e riÄtein sein c Herünsgibes
«hIiIIde&j] Aj[ktischep Vogel weit* Bei dem ffi^seec InteTeteCf
d^E diesem Gebiet eörgegetigebracht wird, bat ttiqh der frf o rd'
d e u t $ cb e 1.1 y d eotEebloas en, se me n PoppelschT^bets ^Sa^lda-
dAmpfer\,*GTosser K^iiralt^' bei der diesjähng^ti die&e
Küetten lasse a und bei eioeta ThebttMgigerr Aulerit-
Ibatt dÄSsdbst Aüöduge äuf groeeem, mit bc^i^baren Hätimea ^wir
sfcb^neni TeGdef nach dem vöilBiäftdig Vergibt achten Hafen
der Magdalenenbai «ml Weiter afti d^:n merlswUrdigaten Punkten
der Küster- jfwm .^Begrebni^iÄU’^*:* „Hängend«®^ Meer'* üaw,
XU «nter ne bttieß. AK diese . A üaiitige ismd; iti den F abrpreia
miteinbegriffen*
Stift u n g * Eiö* Stj fmb g too btjo Mk. f « r m u a i k a 1 ia cb e
Zwecke machte der Kbfcrtbiirger det Stadt Cob^euir* Gebeira«!
Komm er jfieorat Wegeier, ans Anf^ss dea So. Gcdenklages Äftitter
VermShiung iUrn Gedächtnis aeiner versiorbetien Gernals
Bm itiÄ - Wegeler - 0 ciahard - StLfl««G*e Hälfre des Stl^n
ertrages Soli anir Aufführung gtusaer Chor- und Or^hestetwerkef
itisbesotidere auch für Musikfeste, aufgeapait wefdeu- Ueber
die Vcrwenäuiig der anderea Hälfte iat eine Bestimmung no^
vor behalte f]*
E in S o mmerr4jdch Das mddeniste aüarmodtröeri Beför-
derungsmittd^ HeltlÄtlia Sömmerrodeh let dufcb Brßader
Ingenieure Heldmann und Scbab*r aüs Heidelberg uüf den
Gebirgsstrassen des bekannten tfübenluftkurörtes T.riberg ab die
Ocffcntlichkeit getr^eten* Das sitjhreieb bwge^telHe FüthrjeeDg
lässt sieb ^usammcfigelegt im Hucksaclt auf die Tout münebtnen*
Statt des Abstieges setzt sich der BeaiUer auf d!iu r^ssch
Kuaammengeftigte Wägelchen und flbrf in lusfigetn J^eitmass
betgfihb-r Mit Leichtigkeit können die sidiäifsten KUfvöni dureb
emeo einfaebfeh Gmtk der Füasspitreh — wie bei ^jki^rri ^
gthbniinen wefdcß* Eine praktische BferhiidaOfj^ ftlr diö Ver-
mioderüng d^F Schiuelligkeü in gegebener! Lageti^ Bei Heber-
gäugeh über bpbe Gabirgspä&se mit den ih endlosen WindUrigeii
bih3tiebend«n Strassen mag der Sommerrodei jgute Öieiiate
lefeieo. Er vefküfit deii Abstieg auaseiordentlich und gestättet
durch steine beq^uetne SitiVorrichtung ein arigenehTUe^ Alisrubeß
vija ermlldfindein Aufstieg* Im Bemtslebeii Ubnide der i^ödeT
W^'ftvUll aein für Laudbriefträgerj Forstleute, deren
Gftacbäftsgänge über das Gebfrgc führen, Leichtea Gewiebf und
kleiner Umfdng geben dem flinken Fahrzeug ein efgene« Ge¬
präge und hölt'ffti Einen Vergleich mit dem Fabirad teru. Den
Bomroerfrigcblern im Gebirge bietet der Sommeirodeil eine neue
kbstliche Urner haitu ugttmbglicbk eit. Eu f^hrt sich auf hurtour
tröckenen Strasseli ßiit nötigem . Getäile hertlich yon somiigeti^
auasichtereic-beu Höhen durch acbaitige, hataduVtigt; l'autaeo'
Wälder rdnab in dt^ aciimUckeu TälCfr*
BücherschaUv
jj B ä d E r -1# 1 T E r a t u r siehe auch Vater der $!.ubrik r B äd^tr u nd
; S ?3mf»e5f tr iscbeci).,
Braunsebweigs S^fädle un d ^Is WohusVee^
Von d«f hraunj!cttwdg-Mheu Läbdesifts^ttehuug der luterftittijo-'
nalec AujistcÜuug .^Ür Reiie.^ luid Fieiü den verkehr wurde
eine Schrift f^BraUhs.^ Städte und Hatione als Ruhe-
wuhuftiue^" btJräusgugebeo, die iutöfesBentwi unter Angabe
des Hamensi, des Siaudes utid= dM Wobnortes durch die Handek^
kammer für das HerEOgt«m ßraiiiificEiwiig keE4lenlos Überaandt
wird. Das ßUeb asf älip dis h^eUmmt, wetebs frei vo«
dea Erwerbs tind den PfllcMeti des Berufes eine
;3üeße'ti^ wo ;&ie ihren Lebensjab^ud ln Beh^iglicbbeit und iftDeret
B^fritdii^urig yerLiringen könnm Mebj ^ala jn sehnt Bich jk die
Ol litfrgespaöntef Berüfä- ujid Erwerbstjitigfceit mtide gewordettc
SitHM* UÄdi ejnctü KJ«ckcben Erde^ wo sifs sich selbst wieder-
P p 1 a r t a h r t des N ü j d d u f sr? p - L I-p y d. Ein
Gebirgaländ von öelteuer Schönheit bst ctiie Studienfahrt der
Deutschen Arkiiscbcn Zepp^^nti *-Lufi*cbi:ISfexp<?dhitrfrt ■'SP. d.^r
We s t - Und N o r d kü s t E S p i T a h ^ i e n s. entdeckt*
artiger selbst als die Alpen in seiner gewu^tlgon
und nordischen EigCnArtir mit dem Auabhick ^
Eis b e de c k tc arklis ch e M eer^ m it iierp he jUrn Niijeb^en,. :Ut 4 d- -TivVt^
3n der Vrodjfaifon ab iSgrlin, Stettiner :Sal)ni)of rnorgehs 6 Züge.
?^lr Stettin ll«»
Utjt s^rö^i^n &ct)u£jIdompfe:rn
»dm‘* Q „Freia“
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nügcn=Öornf)olm
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« X ’^ü rdtj üiie r ^&tj^gbureaus, in ii?tr!i n ^ VQrhdKhbitreuu der iin, bpf ?fifi►
JCH vC ^[tfeebädt Liudeu ViffKehi^büreau, yotad^tVCF dutc^
ötettiner Dampffdjiff5*0efe!!fchafr^^^.3^^ :^3vaeiinüch, ©./tn. b, B.
■jgK zc: ;;- r ^ri :8ii[ige fobfKarten :: r 5 urd|g«itjj 6 * ünti t^wdrc^ire*VcrHef>r*
Cclegra t ö ä ^ H ii^ 11 tvi
Nr. 3 B oog g eooe eQs^QQQe^eee^^ DEUTSCH LAND na e eeej o oose^e^^ese^geg^e^ i6i
&ii 4 gi:^ häntii ßäs Iti 4<in Mletl^^usorn dci Gr«>ssatädte der
^söinRh flöt^reradete G<imljt ve rl rq gt aacb ei^eneui, weuh
auch »odb tj«sc|i^deikCTO Heimi n^c dtm reipen Genuss,
dttt di® f*Äe$:c des Gartens, süile W^dsj>aHRrg-ängeT eine tinbe-
"faa^CiUei a'ni^apgipRc Gaislfr^undschaft, kurz ein kjeioes ländlichem
Id^ hiietatL Da» B|‘aüiisdHw*ig:iache Land yenhag; mit ^eineo
laädbchiii^Pb&h: S chünheilta, seinen in tereas an te n alte ä SJi" 4 dt enr
ädbet tonded^ftchen Bey-ÖIktrung, seinen ln jsdcT Be;Eieiinng:
gestanden WlirtScbRaJichc und kultü/cJIcn VcrhältnisSerL deii
SUebdäden adlesi was sie sich wünschen könn^j 211 bi^pn,
Det nainenllch in den BranachwelglscheTii . ist
deu^gipinfisskucl). bereif sn bedeuten dt dass gange ÖTtsdhsftfd
eüieo ^reränderten Charakter asitiehmen* Sb zählt beiEpiels^elsii
dem höbhgelftgenet mit w änderbaren landsc halt liehen
autgCBtatiett? Blankenbürg neben der eingesesaeneu Bcvölfeurig
heut« spfahn 6üo Dauerwohner (darunter 7^
Of£Ui 4 t«, e® höhere Staaisbeamie, 50 mittlere ^Staiitshe
ßn Witwe ö 'Vä,n hdheren Siaatsheamten^ Ofli2iereniisWjv X6!5Re'n^er\
iy6 Witwen viiin Rentnern^ Bad Harzbnrgt diesem gl^d^enden
uDtd in seiner schönen. Lage U overgleich Lichen ivttrrsFte, leben
nhlrefche vermögende Rentner und Pensionäre (n inaktivß
pidsieret 31 pensionierte Heainiet 41 Kaufleute und ehemalige
Lsnd wirte, ui RPhtKer ahd usw^)- A^ch Braunlagc,
dieser lim seines Aufnähine ge¬
kommene Höhenlü^oirti iWiigt l^reits die Anfänge eitier ähnlicheri
^twtcieliing, der durch Beteit^fteliung geeigneteo. Baugeländes
s^tens der Getneinde in kluger Weis & Vorgearbeitet ^ird* ln
SkiilichCr' Weise itft hherall im Herzagtu% auf die Auf-
echttessung des Ländea hed ächi i D i e itn aligemelnen g ü^j »äiigcii
stonerlichen VerhäUnteft de^ EiraunschWeigi u cheu L^hd tfi, : ein:
sejrgflütig anegebäntes Verkehr^tTj&t?, weitgehende R^ckiichtmhpfe
Äii| ■ ÄÜÄ für eine sjö'h täsüh ;« n twicke Itid e S ied ein h g - u du m gän gr;
Uclich hj^gJfttnathern' An'fürd&rnngen und ein i/oheö- V erstKttdni^
f&r d(* Aufgaben d es: m p dhTbhft Prem denvcrkeh ra ^
diese Ehtwicklung.
Hau^ lind. Heim iin kiel ne ti. Mit dtm Motto
deo Menschen wohltun willj. muss ihh^n ihrö^ nicht sein e
F*fietide ^ben*f Veröffentlicht der vhrmaJige Direktor der Üillihger:
HOtteiiWerke,, Öita Friedrich WeSnligT eine Studift-iur Forderung
dea Kleiß wnhtnl ngsWesens . D ss W erk j i ri Q U artf nnnät tn ijt Text¬
seiten und a?! Öildtafeln .f Verlag Stahleisen
Prhis gebüiideh ' 4 ^ Mk*) behandelt das gAiiJs
eigetiRrti^eTi Form, drs; den Praktiker des HSush adh«- ders
als Arbeiterkenhi^r Im KieinWnhuuhgtfbsU aichhrt die
genaue Kenntths der Bkddrfh^^ Hauidittltungün den
Er folg. Ue^haib hat def ^ yerfas^ch, in allör Kttrjo. alii^ Einzel-
jh^iinh l^sp F he h eb ■, (ÖT derr w o hh^i r Wihhhg dm d» hip
d Q n h ip- ^ner ^ehr n feh 1 cht^ ,tlä ^ ^V g^hhn p • was d eh
Erb aber und ' H j gr n (hhier ■.■ jph -rWi^äpb '; :• n hiWVn dlg Mi -' ■ ■ ■Auch ' faie r'
' sprechet. die 'l^ajj^pg^ii dks. ,'L^ 1 H %k kiiieii;;h ■■ ^«rkea in
d tn |£ap iTftln “ Ihs tan dbaltüng; d W ^ hnunghh, >! au shf tj hhn g,
Üntefver rnihtutigy Ba Qberäta ng-ßAte;l le nit hie n, Bfe-
baüüngspjän<^ Käpitalbesdiialfung liaWi Bie ©ddbeilagcö; hringfeii
ein sorgsam ?tüSgewätUte^ Material als Illustration zu dctit ganzen
gross^ Qebtfcte des ICIeljüWöhnnngsbanes, Dieser Schtnück des
ansprechend geädh^iebeneö Buches macht es sälxr geeigtiet arur
V er bfcitn ng i 0 de Jiietiigen Kreisen, di e ihren ^ihko mm tn-
Verhältnissen nach darauf an ge wissen sind, in Klejjnw Ahnungen
zu leben und in d^ntp das Interesse am Eigeihheim ubd ah der
gut gepflegten Wohnung geweckt werden soll*
Praktische ReisefÜhreri Der Münchener Fremdeni
vcrfc«hrS’^y«uein hat soeben neue Äuflägen seiher Schtifteni
T^ge in München'* und lyc4 Ausflüge voo München
ins bayerische Hochland“ he rAusgebrachl, die wie dein m
einen Pöriachritt im Ausbau dieser praktischen, voth reisenden
Phhlikntn beifälligEt aufgehommenen Reiseführer aufVreisen,
PcT> ,Ausf^Üg:en-^ sind jebt auch 14 vortreffliche
Dtrygeh^^käftcheti |eher GcbliJte beigeffigh di^ ih d^r: Sehrift
?rbd>' und 2War mit besojaderer BeriScksiChtlguiig"'der
dort äüf^i'tnihftcii SpaEijefgängc, Ausßüge Upd Xonrbfi:. jedes
G&Wöt Wiedern Uhd feWar rplt einer neuen itiuRtraüon be-
: tiaphv 44 fr ohne v?^eit^frs alä Fostkarts ve±wandt werden kann.
Abvh .die jcw^bitfr Schrill de§ Vereins2 ,4^ Tage in Münciieo^*
ersebfrint diesmal durch ta vortrefiliehe llVnstvetipneti in Po&t^
kurtenförm l^reichert* . Der Prfrijs der 144 Aü^hiige^^ ist Pfg.i
der von ^42 T age in MUn chen^* 30 Pfg < 8frride Pühner kd nji en
durch den Fremdenverkeb rs ^Verein ^ Häupthuhnhuf,
bezogen- weTden, ’ ■■'. ./ ;'.
M fr y fr T s H e i fi fr b ü i^h e r, Drö^dfr h, Sä ch&i ke hft Schw eia ^
Bö h öl ts c h e s M inelge b i r ge u hd Lauä his t G 9 ^ Auflage.
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«rbaht iÖlt; mt*? «indupaefi .Khmtdi-t anagestEtHeL
F&fl«aielerdampfer Äiettitt im ßigB,
Kolhergy Rügeftwalde,
Siaipmfltider Danzig,
ElUißg, (töfiTgsberg i. Pr.
(Tllsifjry Winda«; Riga,
(Mösbaii, Kiev^, KurskX
Helsingfors, Kopen-
Högen (Göthent?ur^>
ChrisliEnia), SttickliolfiH
Hmrkhptng,
Kiel, Haitiburg, ßrenifeny
Rfltterdam ICÖlny
DU^seJdofl, Mainz^Maim-
beim, Fraßlfclurtu. Ät etc),
Ätttwerpen
. ;Verden, regälmä^lg
N^liere A.ttskuuft ertei It:
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Rud. Christi Gri bei in Stettin.
. ■ Wa;ü / j^ i % ■'„i'ii^'r-j 3 » w d. Von dej
WaiiderVane d*ii SaVftrlsiajd M jtinc verbesserte Aüf^
Xa ge trsE bien e a. Die K 4 ff! V^ilä Se u erta d dlscben
aebärg^vcreib ia-ufg:äsfell:t*ß 55 Gebiet
ües Urttf-üStaföiDt;, die gesiurjt^Kit K^enbalmvwbbo-
änngtttt titt 4 Vefjtd’fidjftj.s der TaJspericn. A^f dcf KöclcÄ^jite
^pf l^fte aia^ die der ^^15 W^i^detelrfrcketJ .ne^&*t Eni-
ferjtdirtgtjti tiftd Wcg*to!cbr^U>U Di* itri Vir-
lo^j^e yj^a Ö. i^dikes ^J^haden.ÄSchTtietJAiaLbn »ö £ssen|?iabrj
■esidTileiiifraiä. 'KirRj P%k. dutch Jede Dacb-
b.sndliifigt aücb y?&n dei' VjE^rlflgiikb fii fceÄbben»
D tf T D i il ir^£ ii a r 21 ’ U h t e -1 ^ r A b*|”ebö Ut ftFecbisiötn
iisi d d^rtifc uli e B u cfi h aadlou gen * v ie te ycrk<äi#$b4^akiis, ^ie
ÄQCia yoii dei Verlagabucbbätidiiipg & AppcibütbS ät Ö»* fRüd,
Siölit Ä Gjatffv Ro^ebebj^f Bratidscb^eigv Ftel&e. Vä» i«, l^%r,
TntT portP Öo ^
Mit .'tj.-. 'feriert,; ^ PlÄneii ' 4 :. ■'pÄnoraT3ie!ß4 ' Kürtöbisit 5
Verlag Biivliegtilijiliacbeb Ineiittiti in l^eip^g Vnd
M eyerP « b rer dardj t*Dr e^deo,. dii c S ächsi&c he $cfe weU us wv''
iist da* VeTneJnsbü^ib deÄ Oebfrj^A - Verelas ftSr die • Bacbsjathe
Scbwedk -./DiMe ■ViCigeta^cbjjifir '. lei.’ sin wli .isebpn die; bes-t^--
Empfehiiitig;. d iiirse's 10 ’ Ächr, A üf J a geti -bewabn^n' öiie ijti^i-' .^3 ä.^*'
WS rst®bti: ti ÜE5' äÖc ■ Seb ebAW Ü rdigeiltest. d^ Kdn JJ H^.den''
vor»t^sibteia-.un4 darm eibdatwüns'itt dk
dea EVb s ä udi^^etugeb tt g es i ü geleiten.
Sächs^ilsc-b« ' :.SjtbWe. USTy,r verdle m in .; stelr>et.;
hineif-bli r<^b-y;' - ■ ’dei'^ • .yg ’ kÄrt ;
Beigift'b&b '.■ .-hÖchist* -' iAherktibnitbg: '• .Vad ';:.:
Watide^rercj gtid iSötbOifrSri^riiletii, besond^^rs den Besfücb^era dej
Dreadbcr Int^tnaTt^^n^en f^ypene^Auastellang» als xyveitä-jisigir
und ■■ Atif eg endet J/ Ö bn?'^ ■ ■ le mp fo b kn.
Der .bekanntUeb .dk Aufgabe,
ge$Bt*ti-4i'e^ÖeAioiti&icj:i^a£'h;;4iC^.;i:GblJi-eieÄ, dt-r. Eifel it^g .Ybf'dein
mid niik-b ■ ddli. •'.nud dtp Vrenidegverkebr ;Än
hfrben^ - - Wngescbilderii tmd -reldben
WegitjneU» ein ÄisegTjjteircltfiTfittf
toirb>rri4e wkrM
biabef Ö*w^ise Scan*!’ rübriTaiigkeit, Kün ist im Att* ^
träg* des flat^ptvbtetÄitdd^^ j. BÄrhoff iHnnb) mit Uoiet-
:^?fi^ruppeu'.' dei;'Bife^ ein y Vereeiebn^A der
QömfJiiffd'■. '^d' '; dtt'' ''•■■. nu 4 ■ ■:. B 3 deor le • i v-* dHr] Eil d
UiP M^un&rx . 4 ipSiir¥-
*u bö-aieü^fl,
Fdbtera üegt darin,, dns*; iwAb itti etstek Teile; eike ynüti^rjd^ge
Xiysd . m i i. ,§4 1 -Jar^^ b li^iebi«n' c-bfö üd Ue ■' Har ireis*’ ' 6 'ükek■' '.ker wj
ischbft^Aek kieh 4 ntm euaführtieht BesMihretbütigeü tind Speicul-
De« Buch egtbiUt 5 s «alchcr
tsnd «tne ine üebersichisWtc rak Angabe
j^l'; nach detw HtW. :v'ßine
g;riaa*i? As^si^A+bcbttit des KÄ/afÜhrer** besietot dmo»
FebTplajVß tT^cht nur der Horabahriptti sknderu
4q:eti kiet Äliti5i:fl.0bU'Ö*ntlibgsSc f^ntb^äU.
& ri I o h VtP öde H ^ 5 f a g s f 1Q g t ha* das St^dt. Verbebrs-
snett aii.ünd daA
iii>^tt*i!Efr«in.; deir Verkeftebijr ^ui' k.det irekt'an tiabpöde -BÜ^h*.
.Ifrij.):■ 'mk. .-jsj- Üb.at'h^Ki-■■,IJigisiraVO-Ueh. -(Pedtnrc 1 cbtlubgen).■ ■ ge-
■■ Vt>ji Tot^eAvi^oWic
Tabtil«! dcfT F,fttEf 5 c^ff 4 ;n rypa F^brpJitäae/^njE^Äiejiogeti v^tv^tIIh
as'itidrigjen den .. dßre/■:eiiYe
iaiieiftnät hninür^rtJlSk: Piau^ beiAbbteh if^ardrftCbitijtV'ejrti
Hermann LÖns t,Auf der Brockenlsebn^
Schluss des redab-kkn.ellen-TeUes, ■
der nn^ in dt!r: Eifel
e>iSdiieft^ß^ d es i'u naal Erh ö iurte'a b tä Öt füg e «ü f d ife iia hl rei Ch eq
Odegehheiieti #U tineim .^mm<^hfcnüi3ke djtft Eifel aüS-
merfeeatn will,: <Bbhk;: Oeötgi^ 4 A^ll. Mk.
Mire h e 'S ic ür ivi'. 3ic. A'U'H’öfibl'kiib' ert ixnd_
vornebttr eMigcafatiei, igt der Führ«t ;Se«g*'
yoD C,. .EH.-..i*]eck ersächietie-Gc eaetv.; eiiie 'bitr:i.cbb:gte
Ne u a üag;kb t d e r ifro süt ß P b arskstf e v^it in Kkrrnrje b Ec 4, yer n
mir • 'SiHrtkiiläg ■' yeg .r:flf>.■ .iimJ einer ten . Wegekarte
de« E^iitaroer StitkiWakfe-; l^kiörtVy-grid Ksr^.'
in W öT i ■ ■ tiii '^,. .iaif-d ■ ;id ■. - fiett yerbh d trg h ti tri i e i\ di.fcii^ ■, .Se?er:‘fj^^-
gebl^s AU- ■ fft<ritwV., ’.-^iilo'-.. ii öhl 1tb»-n ' W and-t "t iv ■ -3 412 ' 'uffUt-
Heimeikü,rt4e; ■*Ahd/'.Heirö4ki^be'...-;s:[j.;-.pJlegfern Führer- ^Tid. :KÄsfte
w er deb gLt^sf© i^i p ci^ M i c'i .dtti'th -die- e;
L^'Mir>fgäi(ef inU r<iriirt(’.¥ürtJjch fJir Teöif *i00 ü f öahumjiflbsr
Eil Uil'ii^üUi^f i für d'?*! wifiHt-littrUl'i?lift?a. had; ■ ÄttidietL^n Teil dör BübdA«-
niii'bripJiUö: th. H pyi'Rri^ Ciafic,tuirtsf^tir^f:d«y BuiLdes Verk^bfs^
vor Bl T] 0 i Ü Li? i PI t IJ rUf . (kf D A an>i i;'* tiw 1 ^r ii, Ü b; K. o r b ^ Q Dü sseld^ ff.
DfLick tini \ »riiij; Jtr D U 4 < ^ siJ ü r fpt.ybfieg *a üisiii t A ’O, Eo DüssflWflrf^
Vinrid^lfi-cbe^
iliäti-htebbä ■Tajj.r,
kfclivink
SIUaIi,
IH. Juli 16- August
Olk!« f^-aitxe Julir gelUfnet,
Drv med* Sta^hiy,
ICö.urnrär#ii . LbitVkg;
Dlrekifcpr Wttüb
,> l[ S'%'-' -"T 61 - i"As■ l ;■_', l.j 1::I,' 6 ■ • M ■ -.t'-^'yir r,
di> y, ii ^ x 1\.'{ -7 V s' P J-.'^ >■
PfEise MuHf riOii
t di‘ü-u't\ \ i-idv-'-^tfivj
ifenäieiiii Mfintiit jfhlt-1^ «t»
:)artf 4 . tftii^« j|lrffi4t «nb (dfiijci, |nu«nMdfc^^
mSft l!«f tAglEi^en Qiebcitud^ J^et attq*« fdittw
»;8crfl«Mli« go.i H4d<t>cill. ^ Üi«CT- w tj^ben
SS5Ü00 Einwohnex^^ tJedeutendste HitMels- Indti^tH^siadt im
Herzen DeutsehlamdiL Bekannt durch Ehgrösmessen,
sowie als Sitz des Pi^ilzliandels \md des Sn^hgsWerhes. Beröhmt als
Unlv^i-ÄHte* ujsd Mufilksta^ Großstadtlsfehe SehehswaFäigkeiteiii
Eliduniffe“ und Ver^hägungS'^^Anstaltejij ppaehtvoHe Parkaniagen und
Waidung'en« BaupthahBli&f ujid Vdlkersehtaeht-DeBkinal ihi Bau.
öne.ßigeitliehe Auskünfte dher Leipzigs
. / Verkehrs-und Aufeiithalts-VörhAltBlsse gibt der
Verkehrs* Vereliiljeip*igr
(ütAdtJs^her Handeishof* Naselimarkt, Laddn 2772S^ Schreib-
UEd LesezÄBiiter, gßg'enüber dem CoelUe'-Penkmal). A
RatiiÄa« (SÜddftit«)
Grösstes und vornehmstes Hau^
■.:. am.'Platze.
fVt-i j ed Kom fc^rt d e r jSi
A ppsirf erii eh tS| verbunden ilhvBa^
und T oil^ttezfmmer.'^-^;4::^^^
ROBERT BÖRNER
Eduiglieh Säclieiscbar und Herzoglich Sächöiaetifi!' HofhhT&rJiut
uss/e
Seipzig
^rfhübsr: Schunke
^er
_ ' Köthfcrt
^dmsWpn-und
kss^Quranf
traadllluriiitr v^wfntht^u Börtfl
imh Alt. ThAatvf', ftfwpt, 3533 .
N atiivrrfj 1 1 \rj W « u i^ni ^ J m Tti ütI r dien
Wiu^t^rv'er^hm Alit-’( 5 oß,
birxtk T [ißflj ge iiüöclie K fi eh e.
^ A jie äaiflon^i^^U kÄt^aßeri
yerbaBdea niK Icinem Weih- u. Bier-Restauranf
Jotiaßalsplstii 1/^ LEIPZtQ Jobannisptatz I/Z
Hotel Sachsenhof
Inhaber; LwdWjg
Xieipzij^ev
Hotel Tletorfa, Leipzig
SlftCliarpIati
Hotel Sitadt TOrnberg
&m: Bayrisch&n Bahuhöf
"tVe111» erühmt e i Pa 1 m e n tiuns
Elitekofiseerle
mtleliiiinkt des Fremden verkehr*
SIt a ßö ti h al \t\ V o^r b m d n u g n a eb al i Elc k t üb u i;
iimtgitUig ,
An^htstt^sFiat:
Hotel Royal, Leipzig
on itÄtv
B eßt enifirfijhl, i^amiÜ uuÜöt^rl
■ZiTilfl Priüfetb -.'.
Hotel Hentschel
Wt ttl«ä)«iMi)aK
l^röbemi mnicr auf Veriäii6cnicostcrT!o&
€)iuetnfimm«r 10 Pf< 3 .
Oi ertdla jjr&» PoslabOTtneiif ent
li?ark 120
3ede nuitimer «ntbäit:
Spannaide Romane und nouelicn
namhafter Sdiriffstclieir, Bekbretidc
flufsa^ erster flutorlläten aus aiien
Scbleten der Cedwlic und Wissen stbafl,
Sdjilderuna der neuesten ereignisse
des tages im ln< und üuslattde.,
Zti beziehen duieJ? aile Budiband
iungeif und ditrd> die Post.
Oerliigrm.airdfdei
€s*«n'1lut)r c OOnwMorr
Hau 8 al lerieir steh R a ng
Besitzer: Adolf Schüftke
LEIPZIG • Grand Hötei de Rome
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ßtoihkti*^ 901^^ _|||_| tUflflUt H| W/t. mkümm^da-ft
MnnOAü^fi vom V^re^fr ä&r ^vQr. ikJ^tfurch
ßt&rhn^r MotStbt&ffj^or ^K||| ftüf§&ner.0kfi$fmam^f, Gt^.
feh/pf iftrss ^ .' etc. ' t/t der
tUphaheUA^h KOflef^e^tiyir^'er^
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otel NorMeutstlier ßof. stt»i «.i
Rrfiy$ens!r 0 flell
lEtitiinr 7Mtirt kiAiiftnor^ UlMlt» f‘IISH*r Sttrtsm.
^ti tfZmn Aiaunner :» ^j*t^ftatrkö«>^M^
Hotei BHtonnio. Beriin SQh
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Ml %: flilem U^iaföTt jsi^Efswth
PefSDftBiiädfSu^. Thif tfjul Nftitju loi Ziwjit(i?-f ir^ik “
Mftfk 3;” SLE.: TeltjpEjÄft I. A4|5 |s; jatihig:^\
Otel toailSElier HoftSÄSiS-
^ifi Tt rj ur tifl tli jinbuitf^r Bahnhof. Mit uil ^Co i ft
der BAMr, eietür- ticiiit i&tc,
i. ^iSlijom er ! B ett Vüa M U, :
Vitjirtl^ftdrg leftoidi.tt-' ßo&lUiW^i E'tltz HÄtlioV
Hotel Kleiner Kaiserliof. lerlini. 8 H
II Krausenstraße £7/68. II
Ko munlUtlbam Hifae d, gatiiittiKlintidlQr H| fftriCuuncuti^. voru
AUästeUoMg^-Älinmor. Tolefdioa Ami 1,1302,. Direktor: FrlliFItneL
OTEL JINDSOR = BerUn (0.
RD)lPOnttl'ltR& (t& HabtUatirdMLUdi^ Beatbekaimtes,
BGlUbllJllUliQ Bti Tömeliinesä Hatis. ElJU wi/rklirCti
etiineg. ruhiges Und blUigoi Hotel mff gütor Verprfegon^.
ß^siUori Oit,a
Hotei Sanssouci ° Berlin
Potsiiaaii^T Büttf ^ tMi festoßTtfttftr#»»tfMrtea Haa»-
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Die Nuurisclien Seen,
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1 u li^ra tl t^ife nt J i aitptbalfmL Ifelil fiff gdiL
* V otii eKtft hiiimy r tßlx Z irnrn L^t iPiyü M / ii--5;
5:^. Ki f?ktT. ttj rdtti: Z»Kotuith^4i< id J U f1
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gt^gonüber. IliinptbahiibBrff; 6; Mtnutifiü Voiäi
Äflütniiii döf ^tuat, mkr- StP* IC. -totw 'Wä ■
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B ■ Oison fQr die deutschen Verkehrs-Interessen ■ n
Amtliche Zeitschrift des Bundes Deutscher Verkehrs-Vereine
Juni 1911
Krefeld: Rheinstraße
Atelier für photogr. Kunst J. Siehr. Krefeld.
Schnellste Verbindungen zulschen und den nordischen Hnuptstildten.
(Zusammengestellt von der Königlichen Eisenbahn-Direktion Stettin.)
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StoetvAd^VW
Berlin-Stockholm.
Fahrpr.: 1.72.30, 11.49.00, III. 31.60 M.
Durchlaufende Wagen I.—III. Kl.
Schlafwagen.
1109 815 ab Berlin an 835
2-17 1206 ^ Stralsund A 603 305
458 ^^17 Saßnitz Hafen 310 108
G35 y Trälleborg 10^> 84»
9^ 710 an Malmö ab lOoi 756
1010 730 ab Malmö an 9i3 732
853 Gi6 an Stockholm ab 1027
Fahrzeit: 22/23 Std.
^c<le'Uc<:a
cKopjwA<»<j«j^ ^ O e oVcn?ae»wo
St..fo..n£!^^ Sc<[Jn.u7C.f.n
t w4 e
'^CofwJb\xx)
Berlin — (Gotenbnro)— KriStiOnlQ»
Fahrpr.: 1.89.40, 11.59.30, III. 38.70 M.
Einmal umsteigen zwisclien Saßnitz
Hafen und Malmö während der Fahrt
im Durchgangszuge.
1109 316 ab Berlin an 835 GH
247 1225 f Stralsund A 503 3u6
458 2H Saßnitz Hafen ) 3io I 08
916 G3:) y Trälleborg 1050 843
960 710 an Malmö ab lOoi 756
1015 738 ab Malmö an 9^ 736
4 ^ 213 an Ootenburg ab 333
1200 lOio an Kristiania ab 734 54.5
Fahrzeit: Berlin —Gotenburg IS 19Std.
Berlin—Kristiania 26/27 Std.
Berlin-Konenhngen.
Fahrpr.: 1.37.00, 11.27.40, III. 17.70 M.
Einmal umsteigen in Malmö.
1109 815 ab Berlin an 835 GH
458 2i2 ab Saßnitz Hafen ab 312
‘)50 716 an Malmö ab 1021 7^6
lOOL» 815 ab ^lalmö an 9H 740
IIH 950 an Kopenhagen ab S22 605
Fahrzeit: 1213 Std.
Berlin-Kopenhagen.
Fahrpr.: 1.36.30, 11.25.50, JII. 16.00 M.
Durchlaufende Wagen I.—II. Kl.
Schlafwagen.
840 1123 ab Berlin an 856 63«
1236 802 ^ Rostock A 500 251
102 8^ I Warnemünde 45i 232
315 5^ y Gjedser ^ 23o 1214
642 944 an Kopenhagen ab 1105 810
Fahrzeit: 10/11 Std.
Hnmhurg-Stockholm.
Fahrpr.: 1.70.60, 11.48.20,111,
Einmal iimsteigen zwischen
Hafen und Malmö während di
im Durchgangszuge.
913 710 ab Hamburg an
l()i 2 812 ^ Lübeck
1238 iQiK I Rostock
247 1225 * Stralsund
458 217 j Saßnitz Hafen
lOjO 730 y Malmö
853 G 16 au Stockholm ab
Fahrzeit: 23 Std.
.31.10 M.
Saßnitz
er Fahrt
958 8 H
904 729
655 519
512 322
810 108
1001 756
1027 830
Hnmhurg —(Goteubnro)— Kristiania.
Fahrpr.: 1.88.40, 11.56.50, JII 86.20 M.
Durchlaufende AVagen I. —III. Kl.
Schlafwagen.
913 710 ab Hanibiirg an 958 SH
1012 810 rjj Lübeck A 901 7H2
1238 1018 Rostock 655 519
247 1205 Stralsund 512 822
458 212 Saßnitz Hafen 812
1015 738 I Malmö 1(121 756
4 ^ 218 y Goienbnrg 833 1 ^
1200 1012 an Kristiania ab 734 545
Fahrzeit: Hamburg—Gotenburg 18bis
19 St., Hamburg—Kristiania 26/27 St.
Hnmhurg-Kopenhngen.
Fahrpr.: 1.30.30, 11.22.70, JII. 13.50 M.
Durchlaufende Wagen I.—IJ. Kl.
Schlafwagen.
913 1130 ab Hamburg an SH 6i5
102 832 I Warnemünde 1 45o 212
815 5M Y Gjedser t 239 1214
642 944 an Kopenliagen abll05 Sio
Hamhurg-Kopenhngen.
Fahri)!-.: 1.28.20, J 1.21.40, 111.12.70 M.
Zweimal uinsteigen.
705 1H2S ab Hamburg an 1050 723
915 1^ ^ Kiel A ^"^22 öH
800 803 Y Korsör J: 244 looo
448 i()()5 an Kopenhagen ab 1245 7^
Fahrzeit: 10/11 Std
Hninhurg - (FredericU) - Kopenhagen.
Fahrpr. 1.3 .30, 11.22.70, III 13 50 M.
Durchlaufende Wagon 1. —II. Kl.
Schlafwagen.
838 848 ab Hamburg an 1 142 844
149 140 f Vamdrnp A 642 311
802 240 Frcdericia ! 511
Gl© G28 y Korsör ^ 1^ 957
835 813 an Kopenhagen ab 1222 750
Fahrzeit: 11/12 Std.
Fahrzeit: 9/10 Std.
DEUTSCHLAND
Organ für die deutschen Verkehrs-Interessen
Amtliche Zeitschrift des Bundes Deutscher Verkehrs-Vereine
Mitbegründet durch den Internat. Hotelbesitzer-Verein, Köln
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X Bezugspreis proJahr6M.,viertel- J
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Nr. 4
Düsseldorf • Zweite Juni-Ausgabe 1911
II. Jahrg.
Krefeld am Rhein.
Von Ernst Brües.
Es ist noch nicht lange her, daß man von Krefeld
am Rheine sprechen kann. Die Stadt lag abseits vom
großen Strome. Heute wird das Gemeindegebiet vom
Rheine bespült, und nach der Statistik des Schiffsgüter¬
verkehrs der Rheinhäfen im ersten Vierteljahr 1911
steht der Rheinhafen Krefeld, der vor 5 Jahren erst
eröffnet worden ist, unter 23 Häfen bereits an 15. Stelle,
eine Entwicklung, die infolge des Baues großer, einen
starken Güterverkehr erfordernder industrieller Werke
stetig fortschreitet. Wie die Stadt des Samts und der
Seide dazu gekommen ist, die Sehn¬
sucht nach dem Rhein durch Ein¬
gemeindung des alten Städtchens
Linn und später der Vororte Bockum-
Verberg und Oppum, sowie durch
den Bau eines mehr als 11 Millionen
Mark erfordernden Hafens zu stillen
und dem vornehmeren Umgang
mit dem feinen seidenen Faden
einen Bund mit der sogenannten
„schweren" Industrie zu gesellen, das
ist ein volkswirtschaftliches Kapitel
von eigenem Reiz. Ein Rückblick auf
die Geschichte Krefelds, zumal die
der letzten Jahrzehnte, wird dieses
Vorgehen einer weitschauenden
Stadtverwaltung erklärlich machen.
Daß der linke Niederrhein alter
Kulturboden ist, daß die alte Römer¬
straße das jetzige Gebiet der Stadt
berührte und zahlreiche Funde römi¬
scher Altertümer, vor allem in den
militärischen Stationen Gelduba
(dem jetzigen, an den Krefelder Hafen grenzenden Dörf¬
chen Gellep) und Asciburgium (Asberg in der Grafschaft
Moers), von alter Kultur berichten, sei der Vollständig¬
keit halber nur kurz erwähnt. Von dem Stadtteile Linn,
dessen verfallene Burg das beachtenswerteste Bau¬
denkmal Krefelds darstellt, ist schon im Jahre 710
urkundlich die Rede, während Krefeld erst im Jahre
1166 in den Akten über eine Erbteilung zwischen den
Gräfinnen Hildegunde und Elisabeth von Meer unter
der Bezeichnung Creinuelt auftaucht. Die Geschichte
erzählt jahrhundertelang von Kämpfen um die Linner
Burg, von Not und Greueln. Mit der Entwicklung des
Ortes Krefeld, der 1226 an die Grafen von Moers fiel
und 1373 zur Stadt erhoben wurde, hängt die Geschichte
der festen Burg Cracau eng zusammen, von der zuerst
eine Urkunde aus dem Jahre 1417 berichtet. Ursprünglich
hieß sie Craikouwen, was in der aus plattem Deutsch
und Holländischem gemischten Mundart Krähenkäfig
bedeutet, ebenso wie das im 15. Jahrhundert gebräuch¬
liche Craifeld, aus dem Krefeld entstanden ist, mit der
Krähe in Verbindung gebracht wird.
Ob die Ableitung von den Etymo¬
logen anerkannt wird, vermag ich
freilich nicht zu sagen. Auch um
die Burg Cracau und die zu ihr ge¬
hörende Herrlichkeit Krefeld ist von:
verschiedenen Herren viele Jahr¬
zehnte lang gestritten worden. Im
Jahre 1677 hat man die Feste ge¬
schleift, und heute erzählen nur noch
dicke Mauerreste, auf denen sich
andere Häuser angesiedelt haben,
von entschwundener Pracht.
Das seitab vom Rheine gelegene
Landstädtchen, in das nach dem
Dreißigjährigen Kriege Tuch- und
Leinenweberei als Handbetrieb ein¬
gezogen, das aber von den andern
Städten am linken Niederrhein, so¬
wohl was die Volkszahl wie was
die industrielle Bedeutung angeht,
überflügelt war, verdankt seinen
Aufschwung und seine jetzige Be¬
deutung der Seidenindustrie. Vertriebene Mennoniten,
die unter der Herrschaft der oranischen Grafen von
Moers hier Zuflucht fanden, führten sie in Krefeld ein,
vor allem Angehörige der Familie von der Leyen, die
um das Jahr 1670 aus Radevormwald im Bergischen
hierher gekommen war. Dreißig Jahre später, am
25. März 1702, fiel Krefeld an die Krone Preußen,
und es ist ein eigenartiges Zusammentreffen, daß mit
diesem Zeitpunkte die erste industrielle Blüte Krefelds
einsetzte. Diese Blüte ist nun durch die Fürsorge der
Friedrich der Große in Krefeld,
10. und 11. Juni 1763
Nr. 4 DEUTSCHLAND 165
hängigen Großgewerbes durch die Anlage des Hafens
mächtig gefördert, und wenn auch noch nicht alle
Pläne zur Reife gediehen sind, so kann heute schon
gesagt werden, daß die Vielseitigkeit des Krefelder
Gewerbes so schwere Krisen unmöglich macht, wie sie
früher regelmäßig nach Zeiten industrieller Blüte ein¬
traten, und daß der Stadt nunmehr ein gesunder, stetiger
Fortschritt gewährleistet ist. Ein Gutes hat die lang¬
dauernde Stetigkeit der Bevölkerungszahl gehabt. Wäh¬
rend sich die wirtschaftlichen Verhältnisse befestigten
und ein kaufkräftiger, solider mittlerer Bürgerstand als
breite Schicht im gesellschaftlichen Organismus der
Stadt sich bildete und anderseits, im Gegensatz zu
andern Industriestädten, kein Arbeiterzuzug, sondern
im Gegenteil eine Abwanderung von Arbeitern nach
der rechten Rheinseite sich einstellte, war die Stadt
der Aufgabe überhoben, alljährlich für eine zahlreich
sich vermehrende Arbeiterbevölkerung neue Schulen
zu bauen. Sie konnte sich andern Be¬
strebungen zuwenden und vor allem durch
rege Förderung aller künstlerischen Be¬
strebungen ihr neu gestecktes Ziel ver¬
folgen, immer mehr der kulturelle Mittel¬
punkt des linken Niederrheins zu werden.
Namentlich in den fünf Jahren der Wirk¬
samkeit des Ober-Bürgermeisters Dr.
Oehler, der seit dem Beginne dieses Jahres
in der benachbarten Industrie- und Kunst¬
stadt Düsseldorf das Zepter führt, ist in
Krefeld zur Förderung der Industrie, zur
Hebung und Bereicherung des künstle¬
rischen und wissenschaftlichen Lebens
und nicht zuletzt auch zur Verschönerung
der Stadt überaus viel geschehen, und es
kann gleich hinzugefügt werden, daß alte
und neue Pläne unter Oehlers tatkräftigem
Nachfolger Dr. Johannsen verwirklicht
werden sollen. Von diesem regen Geiste
zeugt die große Ausstellung, über die an
anderer Stelle dieses Heftes berichtet wird,
zeugen u. a. die vom Unionklub bereits
genehmigte Anlegung einer Pferderenn¬
bahn in überaus anmutiger landschaft¬
licher Umgebung am Stadtwalde, der Bau
eines großen, mit allen Bequemlichkeiten
ausgestatteten Gasthofs I. Ranges und die in Aussicht
genommene Errichtung eines neuen Stadttheaters. So
ist Krefeld heute eine 130000 Einwohner beherbergende
Großstadt, deren musterhafte Einrichtungen auf allen
Gebieten des kommunalen Lebens mit denen größerer
Städte wetteifern können.
Die starke Entwicklung Krefelds aus dem Land¬
städtchen zur Großstadt hat in der Mitte des vorigen
Jahrhunderts eingesetzt. So ist Krefeld eine moderne
Stadt mit breiten Straßen, die ausgiebigen Raum für
gärtnerische Anlagen boten. Zwei Eigentümlichkeiten,
die auf die gesundheitlichen Verhältnisse der Bewohner
förderlich eingewirkt haben, werden dem Besucher
Krefelds schon beim ersten Rundgange durch die Stadt
besonders in die Augen fallen. An die Nachbarschaft
Hollands erinnert neben der Sauberkeit der Straßen
vor allem die Art des Wohnens: die Mietkaserne
Weberei war die Jahrzehnte vorher erfolgte Einführung
des mechanischen Stuhles, weil sie zahlreiche Arbeits¬
kräfte ausschaltete, für die in Betracht kommenden Städte
und Landgemeinden in der ersten Zeit verhängnisvoll.
Nirgendwo konnte aber die Wirkung des technischen
Fortschritts so folgenschwer sein wie in der Seiden¬
industrie Krefelds und seiner Nachbarorte. Der Grund
lag in dem Umstande, daß der mechanische Seiden¬
stuhl, vor allem der Samtstuhl, gegenüber dem Handstuhl
eine weit größere Arbeitsleistung verrichtet, als dies dem
mechanischen Stuhl in den anderen Zweigen der Weberei
möglich war. Es erscheint dem Laien unfaßlich, ist aber
eine Tatsache, die die Schwere der Krefelder Krisis
erklärlich macht, daß heute ein mit allen technischen
Neuerungen ausgestatteter mechanischer Samtwebstuhl
für vier Stückebreiten ungefähr das Sechzigfache dessen
fertigstellt, was vor 25 Jahren der fleißigste Handweber
in seiner Stube weben konnte! Kein Wunder, daß die
Krefeld: Rathausportal
Einwohnerzahl Krefelds über ein Jahrzehnt lang sich
nicht vermehrte und die überschüssigen Arbeitskräfte
sich der „schweren" Industrie auf der rechten Rhein¬
seite zuwandten. Sie sank von 105000 im Jahre 1889
auf 102 370 im Jahre 1890 und war im Jahre 1900
nur auf 106890 angewachsen. Die Seidenindustrie
hielt trotz der wesentlichen Verminderung der Arbeits¬
kräfte, der Verbilligung der Erzeugnisse und des Abfalles
von Nordamerika, das sich durch die hohen Zölle in
den letzten Jahrzehnten eine eigene Industrie geschaffen
hat, ihre Erzeugung im Werte von 75 bis 85 Millionen
Mark jährlich aufrecht.
Dazu kam nun allmählich die Ansiedlung anderer
Industrien, die die Alleinherrschaft des seidenen Fadens
zunichte machte und neben die Samt- und Seiden¬
industrie ein neues gewerbliches Leben stellte. Die Stadt
hat dieses Aufkommen eines vom Seidenfaden unab¬
1
166 DEUTSCHLAND Nr. 4
bildet die Ausnahme, das Einfamilienhaus die Regel.
Die weiträumige Bebauung, das Vorherrschen des kleinen
Hauses vermittelt zwar nicht das, was man gemeinhin unter
einem „großstädtischen" Eindruck versteht, zumal, da die
Zahl monumentaler Bauten noch nicht
groß ist und erst in den letzten Jahren
stark anwächst, es ist aber zweifel¬
los kein betrübender Umstand, daß
Krefeld unter den größeren Städten
Deutschlands, abgesehen von Bremen,
auf die einzelnen Wohnhäuser ge¬
rechnet die geringste Bewohnerzahl
aufzuweisen hat. Sodann ist der Be¬
sucher Krefelds im Zweifel, ob er
sich in einer Rentnerstadt oder einer
Industriestadt befindet. Die Seiden¬
industrie macht sich im Stadtbilde
durchaus nicht unangenehm geltend.
In den neuen Webereien fehlt sogar
die Kesselanlage mit Schornstein, da
die Stühle elektrisch betrieben werden,
und ältere Fabriken sind bereits zum
elektrischen Antrieb übergegangen.
Die „schwere" Industrie des Eisens
und Stahls hat sich in der Umgegend angesiedelt. So
fehlen im gewerbereichen Krefeld die unangenehmen
Begleiterscheinungen der Industrie. Auch die neue
Kohlenindustrie, die das Bild des linken Niederrheins in
den nächsten Jahrzehnten gänzlich umgestalten wird,
macht vor den Toren Krefelds halt, ein Umstand, der
den schon erwähnten Bestrebungen der städtischen
Verwaltung, Krefeld zum kulturellen Zentrum dieses
industriellen Hinterlandes zu machen, durchaus günstig
ist. Der in den letzten Jahren erfolgte Ausbau der
Straßenbahnlinien nach allen Himmelsrichtungen und
neue Verkehrspläne gehen demselben Ziele entgegen.
Es kann nicht unsere Absicht sein, einen Rund¬
gang durch die Stadt Krefeld zu machen. Was die
Anlage der Straßenzüge betrifft, so sei nur darauf hin¬
gewiesen, daß die vier nach den Himmelsrichtungen
benannten Wälle
— von denen der
am Hauptbahnhof
beginnende Ost¬
wall mit seinen
alten Bäumen der
schönste ist —
die innere Stadt
im Rechteck um¬
geben, und daß,
im Gegensatz zu
den meisten Groß'
Städten, die neuen
Villenviertel sich
im Osten an¬
gesiedelt haben.
Dort dehnt sich
auch der präch¬
tige, über 52 Hek¬
tar große Stadt¬
wald mit weiten
Krefeld: Alte evangelische Kirche Wasser - Flächen
aus, dessen Gelände der frühere Seidenwarenfabrikant,
der heute noch lebende Rentner Wilhelm Deuß der Stadt
gestiftet hat. Wie sehr die Stadt sich um die Erzeugung
kräftiger „Lungen" bemüht hat, geht aus der Tatsache
hervor, daß die Gesamtgröße der
städtischen Gartenanlagen heute 81
Hektar 60 Ar beträgt, wozu dann
noch ausgedehnter städtischer Besitz
außerhalb der Gemeindegrenzen, im
Hülser Bruch und auf dem Hülser
Berge, zu rechnen ist. Wie jede
deutsche Stadt, so hat auch Krefeld
eine ziemliche Reihe von Denkmälern
aufzuweisen, von denen eine Anzahl
künstlerisch nicht über das hinausgeht,
was die moderne deutsche Plastik auch
anderswo auf dem Gebiete öffentlicher
Monumentalkunst geleistet hat. Und
doch ist Krefeld auch in der Errich¬
tung von Denkmälern eigene Wege
gegangen.
Als der alte Kaiser starb, hat man
darauf verzichtet, das übliche Reiter¬
standbild zu errichten, man ist viel¬
mehr auf den gesunden Gedanken gekommen, aus den
freiwilligen Gaben der Bürgerschaft ein Kaiser-Wilhelm-
Museum zu bauen, das keine Anhäufung toter Schätze
sein, sondern mit dem gewerblichen Leben und dem
Kunsthandwerk unserer Zeit in engster Fühlung bleiben
sollte. Der Fehler des Baues bestand darin, daß die
Treppenhalle mit dem — leider — Eberlein in Auftrag
gegebenen großen Marmorstandbild des alten Kaisers
gegenüber den für die Sammlungen bestimmten Räumen
zu groß war und daß sich, da die Schätze des Museums
durch Ankäufe und Geschenke sich schnell mehrten,
das Haus bald als zu klein erwies. Seit dem letzten
Herbst ist jedoch eine Erweiterung im Bau, die den für
die Sammlungen verfügbaren Raum verdoppelt. Bereits
im nächsten Jahre wird das Museum in seiner neuen
Gestalt den Besuchern zeigen können, wie reich es, ab¬
gesehen von der hervorragenden Sammlung nieder¬
rheinischer Gotik, die hauptsächlich einer Stiftung
des verstorbenen Kommerzienrats Oetker entstammt,
und der aus den Schätzen des Berliner Landsmannes
von Beckerath erworbenen Sammlung von Werken der
Krefeld: Carl-Wilhelm-Denkmal
Nr.4 DEUTSCHLAND 167
italienischen Renaissance, sowie von andern kunst¬
gewerblichen Erzeugnissen verschiedener Zeiten und
Länder, auch an guten modernen Bildern und Plastiken
und vorbildlichen Leistungen des neuzeitigen Kunst¬
gewerbes ist. Auch das Denkmal für Kaiser Friedrich
weicht von dem Schema ab. Die Stadt hat im ver¬
gangenen Jahr einen alten herrlichen Park als Kaiser-
Friedrich-Hain erworben. Das dazu gehörige herrschaft¬
liche Haus wird augenblicklich umgebaut, um demnächst
die reichen Schätze des Naturwissen¬
schaftlichen Museums aufzunehmen.
Sodann sei noch das Handweber-
Denkmal erwähnt, das, ähnlich wie
man in Münster den Kiepenkerl und
in Herford den Linnenbauer in Erz
erhalten hat, den verschwindenden
Typus des alten Krefelder Webers
verewigen soll, und die Büste Carl
Wilhelms auf marmornem Sockel,
die daran erinnert, daß in Krefeld
die Komposition zur „Wacht am
Rhein" entstanden ist.
Drei Denkmäler Krefelds zeugen
von der Wohltätigkeit seiner Bürger.
Auf dem Ostwalle erhebt sich eine
korinthische Säule mit dem Vogel
Greif; es ist das Denkmal, das die
dankbare Stadt ihrem im Jahre 1863
verstorbenen Wohltäter Cornelius
de Greiff gestiftet hat. Auch der im
Jahre 1901 verstorbene Landtags¬
abgeordnete L. F. Seyffardt, der sich
als Förderer der Wohltätigkeit und
aller Bildungsbestrebungen rühmlich
hervorgetan hat, vermachte der Stadt
einen großen Teil seines Vermögens.
Ihm haben dankbare Freunde, eben¬
falls auf dem Ostwalle, ein Denkmal
errichtet. Ein würdiges Denkmal
erinnert sodann an die im Jahre
1902 verschiedene große Wohl¬
täterin Marianne Rhodius, geborene
de Greiff. Mit Beihilfe zweier ihrer
Erben erwarb die Stadt ihr Wohn¬
haus, um es zur Städtischen Biblio¬
thek nebst Lesehalle umzubauen.
Ihr Bildnis ziert den vornehm aus¬
gestatteten Lesesaal.
Von den Sehenswürdigkeiten
Krefelds müssen außer den eben
erwähnten noch genannt werden:
das Rathaus, das frühere von der
Leyensche Schloß mit den be¬
rühmten, die Hermannsschlacht schildernden Fresken
Peter Janssens im großen Saale und die Weberei-,
Färberei- und Appreturschule mit der Königl. Gewebe¬
sammlung, die in ihren mit den Baurschen Wand¬
gemälden über die Entwicklung der Seidenindustrie
geschmückten Sälen eine der hervorragendsten Textil¬
sammlungen Deutschlands birgt; sodann unter den
prächtigen städtischen Wirtschaften die Stadthalle
mit künstlerisch ausgestatteten Sälen und großem
Garten, sowie das neue Stadtwaldhaus, in dem 2000
Gäste untergebracht werden können. — Daß in
Krefeld ein reges künstlerisches und wissenschaft¬
liches Leben herrscht, habe ich schon angedeutet.
Das Stadttheater bietet unter Direktor Pesters Leitung
sowohl auf dem Gebiete des Schauspiels, wie auf dem
der Oper, die der städtische Kapellmeister Cruciger
leitet, gediegene künstlerische Leistungen. Den Höhe¬
punkt des musikalischen Lebens bilden die Abonne¬
mentskonzerte unter Professor Müller-Reuters Leitung,
und ein städtisches Konservatorium (Direktoren Pieper
und Müller-Reuter) sorgt für gute musikalische Schulung
des heranwachsenden Geschlechts. Auch an wissen¬
schaftlichen Vorträgen aller Art fehlt es nicht. Zur
Kennzeichnung der Regsamkeit der Bevölkerung auf
diesem Gebiete mag die Tatsache erwähnt werden,
daß der Krefelder Bildungsverein und der Krefelder
Naturwissenschaftliche Verein unter den gleichartigen
Krefeld: Corneliussäule am Ostwall mit Reichspost
168 DEUTSCHLAND Nr.4
H
Vereinen Deutschlands die größten Mitgliederzahlen
aufweisen. — Nun noch einige Worte über die
Krefelder Industrie. Die Summen der im Jahre 1910
— die Statistik ist soeben erschienen — von Krefelder
Firmen verkauften Samt- und Seidenstoffe eigenen
Fabrikats belaufen sich auf Ql Millionen Mark im
Werte. Hieran waren 23 Samtfabriken, 74 Stoff¬
fabriken und 6 Betriebe, die Samt und und Stoff
herstellen, beteiligt. Es waren 2677 Handstühle und
10507 mechanische Stühle für diese Firmen in Betrieb.
Wenn man dagegen hält, daß im Jahre 1872 300
Firmen 33 310 Handstühle beschäftigten, so kann man
sich eine Vorstellung von dem Umschwung aller Ver-
bekannte Kayserzinn stammt. Sodann wird hier in der
Fabrikation von Luxuspapieren und Tapeten und in
der Kunstdruckerei Tüchtiges geleistet, wie endlich auch
eine unserer größten deutschen Speditionsfirmen, der
Firma Charlier & Scheibler, ihren Sitz in Krefeld hat. Von
den Fabriken des mit allen technischen Neuerungen aus¬
gestatteten Rheinhafens, der nach fünfjährigem Bestehen
bereits 14 große industrielle Werke besitzt, seien die
großen Mühlen und die Seifenfabriken und die Anglo-
Continental - Guanowerke mit ihrer 30 Morgen be¬
deckenden Riesenhalle besonders genannt.
Zum Schlüsse unserer Schilderung wollen wir noch
kurz bei der landschaftlichen Umgebung der Stadt ver-
Krefelder Hafen: Wendeplatz im Industriehafen
hältnisse in dieser Industrie machen. Von den übrigen
Industrien sind zu nennen das 800 Arbeiter beschäf¬
tigende Krefelder Stahlwerk, das hochwertige Qualitäts¬
stähle herstellt, die Firma Joh. Kleinewefers Söhne, die
Schmiedestücke jeder Art und Größe, sowie Kalander
verfertigt, und unter den Maschinenfabriken die von
Hermann Schroers, die Textilmaschinen in die ganze
Welt sendet. Von sonstigen größeren Werken, deren
Fabrikationen Ruf genießen, seien noch erwähnt: Leo
Sistig, Maschinenfabrik, Briem k Koch, Maschinenfabrik,
Gebr. Wansleben, Maschinenfabrik und Eisengießerei,
sowie die Musikwerke von Lenzen & Co. Auch die
Hauptwerkstätte der Königlichen Eisenbahn in Krefeld-
Oppum mit 1145 Arbeitern muß hier genannt werden.
Sehr angesehen ist die Krefelder Fabrikation von Luxus¬
gegenständen in Feinmetall. Weit bekannt ist vor
allem die Fabrik von J. P. Kayser Sohn, aus der das
weilen. Die stillen, melancholischen Schönheiten des
Niederrheins und vor allem des Hülser Bruchs offen¬
baren sich nicht auf den ersten Blick. Sie verlangen
mehr als „kalt staunenden Besuch''; sie wollen um¬
worben werden, wenn sie ihre keuschen Reize dem
Auge ganz erschließen sollen. Die weiten Niederungen
mit den saftigen Wiesen, deren reicher Viehbestand an
das nahe Holland erinnert, die bunten Gemüsefelder, die
ihren lohnenden Ertrag den Industriestädten im Kohlen¬
gebiet zuführen und vor allem die sumpfigen Brücher mit
den stillen Kolken und dem reichen tierischen Leben,
sie bieten dem Naturfreunde Schönheiten ganz eigener
Art. Diese Reize werden der näheren Umgebung
Krefelds erhalten bleiben. Möge der kommende Berg¬
bau weiter nördlich dem Charakter der nieder¬
rheinischen Landschaft nicht gar zu viel von seiner
Eigenart nehmen!
Nr. 4 DEUTSCHLAND 169
Zur Gewerbe-, Industrie- und Kunst-Ausstellung in Krefeld.
Von Handwerkskammersyndikus Dr. Josef Wilden, Düsseldorf.
Seitdem das Handwerk durch die Novelle zur Ge¬
werbeordnung vom 26. Juli 18Q7, die zugleich das
Lehrlings- und Prüfungswesen regelt, eine neue Grund¬
lage zur Organisation erhalten hat, machen sich
allenthalben kräftige Bestrebungen zu seiner
wirtschaftlichen Hebung geltend. Der Staat
und die übrigen öffentlichen Körperschaften,
sowie die Organisationen des Handwerks selbst
sind bemüht, durch ihre Tätigkeit für das
Handwerk die Voraussetzungen zu einer
gedeihlichen Entwicklung zu schaffen.
Sie gipfelt in einer Fürsorge zur Hebung
der Leistungsfähigkeit des Handwerks,
das wettbewerbsfähiger gemacht werden soll
durch die Hebung seiner gewerblichen und
technischen Bildung, sowie durch die Er¬
leichterung bei der Beschaffung von Kredit.
Alle diesem Zwecke dienenden Anstalten und
Einrichtungen faßt man heute zusammen unter
der Bezeichnung „Gewerbeförderung''.
Zu den wichtigsten Mitteln der Gewerbe¬
förderung gehören die Ausstellungen,
wodurch die Gewerbetreibenden Gelegenheit
haben, ihre Leistungsfähigkeit zu zeigen, um
sich so im Wettbewerbe mit anderen hervor¬
zutun. Anderseits, und das ist sogar wohl
die ursprüngliche Absicht der Gewerbeausstellungen
gewesen, haben sie einen belehrenden Charakter. Sie
zeigen die Fortschritte der Technik und der Handfertig¬
keit und bieten so Gelegenheit zum Vergleich; dies spornt
an und trägt somit wesentlich zur Hebung des Gewerbes
bei. Das haben die bedeutenden Ausstellungen der
letzten Zeit gezeigt, die mit Recht als die kräftigen
Wurzeln des Aufblühens unseres heimischen Gewerbes
gelten. Sehen wir
von den Kunst-
Ausstellungen
ab, so ist wohl
die Londoner
Weltausstellung
des Jahres 1851
die gewesen, die
den ersten Grund
zu der Entwick¬
lung des ge¬
werblichen Aus¬
stellungswesens
überhaupt ge¬
legt hat. Ihr
sind zahlreiche
andere Ausstel¬
lungen gefolgt.
Allmählich auch
solche mit örtlich
beschränktem
Gebiet: die nationalen, die provinziellen und die Kreis-
Ausstellungen; dann solche mit Beschränkung auf
gewisse Gewerbe. Zunächst ist es die Industrie im
weitesten Sinne des Wortes gewesen, die auf solchen
Ausstellungen vorherrschte; nur vereinzelt wagte sich
ein Handwerker in jenen Kreis. Das hing mit den
ungünstigen wirtschaftlichen Verhältnissen zusammen.
Allmählich erst ist das Selbstbewußtsein und das Selbst¬
vertrauen der Handwerker wieder gewachsen.
Sie beteiligten sich nicht nur in größerem
Umfange an den eigentlichen Industrie-Aus¬
stellungen, wie z. B. 1902 in Düsseldorf, sondern
sie fingen an, selbständige Handwerker-Aus¬
stellungen zu veranstalten, deren es in den
letzten Jahren eine ganze Anzahl gegeben hat.
Freilich kann man nicht allen nachsagen, daß
sie ihren Zweck erreicht haben. Manchen
fehlte es an den nötigen Voraussetzungen: sie
waren zu wenig vorbereitet, waren nicht um¬
fassend genug und boten infolgedessen ein un¬
vollkommenes Bild von der Leistungsfähigkeit
des Handwerks, hierdurch mehr Schaden als
Nutzen stiftend. Wenn eine Handwerks-
Ausstellung wirklich etwas erreichen will,
dann ist es vor allem notwendig, die tüch¬
tigsten und leistungsfähigsten Handwerker
heranzuziehen und sich nicht auf einige wenige
zu beschränken, die lediglich mittun, weil sie
nun einmal „dabei sein" wollen. Solche
Ausstellungen sind in der Regel außerordent¬
lich gefährlich. Aber man weiß ja, wie schwer es oft
hält, die Handwerker unter einen Hut zu bringen und
namentlich die größeren Betriebe zu einem Mittun
zu veranlassen. Es ist deshalb den Leitern der Krefelder
Ausstellung als ein Verdienst anzurechnen, daß sie es
fertig gebracht haben, das Handwerk zu einer wirklich
geschlossenen und lückenlosen Gruppe von Ausstellern
zu vereinigen, die alle Zweige des Gewerbes umfaßt,
besonders die im
Ausstellungsge -
biet betriebenen
Spezialgewerbe.
So tritt hier das
„niederrheini-
sche Hand-
werk"zum ersten
Male mit einer
Ausstellung aut
den Plan, die es
uns in einem
kaum geahnten
Umfange zeigt,
die besser als
Worte beweist,
wie stark das
Handwerk ist und
wie sehr be¬
seelt von einem
entschlossenen
Willen zur Tat, der schließlich immer zum Erfolge führt.
Und doch ist unsere Ausstellung durchaus nicht
einseitig. So fehlt die Industrie nicht. Sie durfte
nicht fehlen; denn die Fäden, die Industrie und Hand-
Krefeld: Weberdenkmal
Krefelder Rheinhafen-Einfahrt
170 DEUTSCHLAND Nr. 4
werk miteinander verknüpfen, sind so fest gefügt, so
innig miteinander verschlungen, daß sie sich nicht
trennen lassen, und es wäre töricht, dem Handwerk
vorzureden, die Industrie sei sein geborener Feind.
Wenn zwar zuzugeben ist, daß gewisse Handwerks¬
zweige durch die Industrie in ihrer Existenz erschüttert
und geschmälert worden sind, so ist doch auf der
anderen Seite nicht zu verkennen, daß grade die
Industrie auch wieder dem Handwerk neue Entwick-
lungs-und Existenzmöglichkeiten erschlossen hat. Schon
deshalb müssen Industrie und Handwerk auf einer
Gewerbeausstellung Zusammengehen. Selbst wenn Hand¬
werk und Industrie in einen Wettbewerb miteinander
treten, brauchen sie einander nicht auszuschließen;
beide haben immer ihr bestimmtes Feld, das seine
Begrenzung findet in den natürlichen Verhältnissen.
Die Domäne der Industrie ist die Erzeugung von Massen¬
ware, die des Handwerks die Herstellung von Qualitäts¬
ware. Bei der Erzeugung jener wird das Handwerk
nie den Wettbewerb mit dem Großbetrieb aushalten
können, und bei der Erzeugung dieser kommt die
Industrie, wenngleich sie sich nicht ganz fern davon
halten darf, nie recht auf ihre Kosten. Man könnte
die Industrie mit dem Riesendampfer vergleichen, der
sich nur auf dem offenen und weiten Ozean frei und
ungehindert bewegen kann, das Handwerk mit dem
Boote, das die seichten Küsten- und Binnengewässer
aufsucht, wohin ihm jener nicht zu folgen vermag.
Also muß das Handwerk die feineren Bedürfnisse aus
Gründen seiner Selbsterhaltung aufsuchen; hierhin
drängen es die ökonomischen Ver¬
hältnisse unserer Zeit. Freilich setzt
das beimHandwerk die Befähigung
zur Qualitätsarbeit voraus. Ob
es sie besitzt, kann es am besten
durch Ausstellungen kundtun. Darin
liegt der große Wert einer Ausstel¬
lung, aber auch zugleich ihre Gefahr;
wenn nämlich die Ausstellung das
Gegenteil einer Befähigung zur Quali¬
tätsarbeit der Welt offenkundig zeigt.
Noch aus einem andern Grunde
ist die Vereinigung des Handwerks
mit der Industrie zu einer Ausstellung
wichtig. Das Handwerk ist nämlich
in großem Umfange ein Abnehmer
der Industrie. Bedeutende Zweige
des Handwerks, Schlosser, Schreiner,
Bäcker, Fleischer und andere be¬
ziehen ihre Werkzeuge und Ma¬
schinen von der Industrie; andere,
so die Schneider, Schuhmacher, In¬
stallateure, Klempner usw. ihre Roh¬
stoffe ; wieder andere ihre Halb¬
fabrikate, die erst unter der Hand
des Handwerkers ihren Veredelungs¬
prozeß zum fertigen Erzeugnisse
durchmachen. Also auch hier un¬
zählige Fäden, die das Handwerk mit
der Industrie verbinden. Beide haben
ein großes Interesse daran, die Er¬
zeugnisse der Industrie ausgestellt
7AI sehen; die Industrie hauptsäch¬
lich aus Wettbewerbsgründen, das
Handwerk, um Gelegenheit zu haben,
die besten Maschinen, Werkzeuge
und Apparate kennen zu lernen und
sie sich gegebenenfalls im Betriebe
vorführen zu lassen, die Qualität
der Rohstoffe miteinander zu ver¬
gleichen, das Beste kennen zu lernen.
Hiervon hat das Handwerk ganz
bedeutenden Vorteil. Von diesem Gedanken ausgehend,
hat die Leitung der Krefelder Ausstellung auf ein Zu¬
sammengehen von Handwerk und Industrie
gewirkt, das sicher reiche Früchte tragen wird.
Die Kunst ist der Born, der sprudelnde Quell, aus
dem der Handwerker immer neue Anregungen schöpft.
Sie hebt und läutert seinen Geschmack, spornt ihn an
zu einem höheren Schwünge des Empfindens, lehrt ihn,
seine Arbeit mit künstlerischem Geiste zu durchdringen
und die Dinge zu sehen mit dem Auge des Künstlers.
Krefeld: Dionysiuskirche
Nr. 4
DEUTSCHLAND
Angewandte Kunst und Kunsthandwerk sind
der unmittelbare Ausdruck des inneren Zusammen¬
hanges zwischen Handwerk und
Kunst. Beide gehören zusammen.
Und sicher ist's kein bloßer Zufall,
daß das Handwerk seine höchste
Blüte feierte, als es das innigste Ver¬
hältnis zur Kunst hatte, als Männer
wie Albrecht Dürer sein Schaffen
reich befruchteten. Heute ist diese
Gemeinsamkeit nötiger denn je.
Ueberall hört man die Losung: zu¬
rück zur Qualitätsarbeit. Diese aber
erheischt nicht nur eine vollendete
Technik, sondern vor allem auch
eine Läuterung und Veredelung des
Geschmackes. Die Wirkung der
Unkultur und des Ungeschmacks
der Bauweise in Stadt und Land ist
endlich erkannt und wird nachdrück¬
lich bekämpft. Die innere Aus¬
stattung unserer Wohnräume soll
Geist und Seele des Bewohners
atmen. Die „Dutzendware", aus
dem Magazin fertig bezogen, ohne
Seele und Geist, ohne jede Spur einer liebevoll schaffen¬
den Hand,- nur „Ware", ohne persönliche Note, hat an¬
gefangen, verpönt zu sein. Welch ein weites blühendes
Feld tut sich da dem Handwerker auf! Will er es
bearbeiten, hier Wurzel fassen, so bedarf er des Künstlers,
der ihm seinen Geistesschwung leiht. Und der Künstler
wieder ist auf den tüchtigen Handwerksmeister ange¬
Thusnelda, Wandg-emälde von P. Janssen
im Rathaus zu Krefeld
wiesen, der seinen Geisteskindern Gestalt gibt und Form.
— Der Weg, auf dem das Handwerk dieses Ziel er¬
reicht, geht durch die Schule,
die ihm Gelegenheit bietet, seine
geistigen und technischen Fähig¬
keiten, seinen Geschmack und seinen
geschäftlichen Sinn zu schärfen und
zu bilden. Das alles will die Aus¬
stellung zeigen.
Von der Vielseitigkeit der Aus¬
stellung erhält man eine Vorstellung
schon bei einem kurzen Streifzuge
durch sie. Beginnen wir mit der
Schul halle, so finden wir dort
zunächst die vortreffliche Sonder¬
ausstellung der Handwerker- und
Kunstgewerbe-Schule in Krefeld,
eingerichtet von ihrem Direktor
Professor Wolbrandt, ferner die
Arbeiten der gewerblichen Fort¬
bildungsschule, der gewerblichen
Tageszeichenschule (Dir. Rosellen)
sowie der Städt. Knabenzeichen¬
schule. Umfassend ist sodann die
Ausstellung der Königl. Preußischen
höheren Fachschule für Textilindustrie (Spinn- und
Webschule), verbunden mit Arbeiten der Weißnäherei,
Konfektions- und Kunststickerei-Abteilung und einer Aus¬
stellung mechanischer Webstühle im Betriebe), Leitung
Professor M. Lehmann). Sammel-Ausstellungen haben
ferner in dieser Halle noch veranstaltet die katholischen
Gesellenvereine Krefeld, Kleve und Kevelaer. Die
Krefelder Ausstellung 1911: Die Haupt-Gewerbehalle
172 DEUTSCHLAND Nr. 4
Photographen sind ebenfalls dabei mit Arbeiten von
Berufsphotographen und solchen von Liebhabern.
Die große Gewerbehalle ist das eigentliche
Sammelbecken des gesamten Kleingewerbes, das mit
guten Einzelarbeiten sowie durch Sammelausstellungen
vertreten ist. Solche haben z. B. veranstaltet die Schuh¬
macher-, Schneider-, Friseur- und Klempner-Innungen,
die Möbeltischlerei, das Schlosser- und Schmiedegewerbe,
Wagenbauer, Sattler und Polsterer, Buchbinder, Ma¬
schinenfabrikanten, Dekorationsmaler usw. Es ist eine
außerordentlich umfangreiche Ausstellung.
In der Handels- und Industri ehal 1 e sind die
Handelswaren in großem Umfange ausgestellt, Arbeiten
verschiedener Stahlwerke, darunter des Stahlwerks Becker,
des Krefelder Stahlwerks und mehrerer Maschinen¬
fabriken, die besonders für die Seidenindustrie tätig sind.
In einer halboffenen Halle findet man Gasmotoren,
Backöfen, landwirtschaftliche Maschinen und Geräte.
Im Freien hat die Firma Heinrich Lanz, Mannheim,
eine vielseitige und große Ausstellung veranstaltet. Da¬
neben steht noch eine besondere Maschinenhalle
mit Erzeugnissen der Maschinenfabrikation, besonders
Motoren. Im übrigen sieht man noch eine Ausstellung
von Schrebergärten, eine Friedhofsanlage und überhaupt
mustergültige Gärtnereianlagen. Die stimmungsvoll an¬
gelegte Kunst ha He enthält Werke von Künstlern, die
Beziehungen zum Niederrhein haben und sie durch ihre
Kunst zum Ausdruck bringen. Wir nennen vor allem
die klangvollen Namen Liesegang und Wansleben,
denen das Verdienst an dem Zustandekommen der Aus¬
stellung zuzurechnen ist, und zahlreiche andere. Dazu
kommen noch Arbeiten des Kunstgewerbes, besonders
der kirchlichen Kunst, und eine sehr umfassende Aus¬
stellung graphischer Arbeiten.
Wegen der Bedeutung, die die Bestrebungen zur
Förderung der Bauweise haben, sei die in der großen
Gewerbehalle aufgestellte Ausstellung noch erwähnt, die
mit Unterstützung der Stadt Krefeld und der Handwerks¬
kammer Düsseldorf die unter der Leitung des Architekten
Dr. ing. Hecker stehende Beratungsstelle des Rheini¬
schen Vereins für Kleinwohnungswesen ver¬
anstaltet hat. Die Ausstellung hat die Aufgabe, durch
Vorführung von Beispielen und Gegenbeispielen von
Modellen und Photographien aufklärend zu wirken und die
Bestrebungen zur
Hebung des Bau¬
wesens zu fördern.
Sie besteht aus
vierbesondereAb-
teilungen: „Bau¬
gewerke", „Bau¬
weise", „Besiede¬
lungsweise" sowie
„Wohnungs - Ein¬
richtung undWoh-
nungsbenutzung".
Die ganzen Aus¬
stellungs-Anlagen
hat der Krefelder
Architekt August
Biebricher ent¬
worfen und ausge¬
führt. Die vielen
Hallen und An¬
lagen, herb und
ernst in deräußern
Form und doch freundlich und behaglich, weisen einen
einheitlichen Charakter auf, der der ganzen Veranstaltung
ein vornehmes und doch großzügiges Gepräge gibt.
Krefelder Ausstellung lOH : Eingangsportal
Krefelder Ausstellung 1911: Abteilung der Rheinischen Ausstellung für Kleinwohnungswesen
(Modell eines Zweifamilienhauses)
Nr. 4 DEUTSCHLAND 173
Die Entwicklung und Bedeutung der deutschen Kur- und Badeorte
(Schluß). Von Geheimen Sanitätsrat Dr. Röchling in Misdroy a. d. Ostsee.
Die führende Bedeutung, die den deutschen Heil¬
quellen und Bädern infolge ihrer Reichhaltigkeit und
ihrer Benutzung durch die heilungsuchende Menschheit
zukommt, ist am besten ersichtlich durch einen Ver¬
gleich mit dem westlichen Nachbarlande. Frankreich
besitzt einen ähnlichen Reichtum an Mineralquellen
wie Deutschland,
es ist wie dieses
ein altes Kultur¬
land, dessen Ein¬
wohner noch da¬
zu von alters-
her den Wohl¬
stand besitzen,
den Deutschland
sich erst in den
letzten Jahrzehn¬
ten in heißer
Arbeit errungen
hat. Wie steht
es dort mit der
Benutzung der
Heilquellen?
Im Januar ds.
Js. ist inParis eine
Kommission von
Aerzten sowie
Parlamentariern
zusammengetre -
ten, um die Inter¬
essen der fran¬
zösischen Bäder
und Luftkurorte
zu fördern. Dr.
Bardet sprach
dort folgendes
aus: „Vergleicht
man die Lage der
französischen
Kurorte mit der
der deutschen, so
ist man über die
nachstehende
Tatsachegerade¬
zu verblüfft: In
Frankreich ist die
Zahl der Kurorte,
die von mehr
als 20000 Kur¬
gästen aufge¬
sucht werden, außerordentlich beschränkt, Deutschland
kann etwa 15 Kurorte aufweisen, welche diese Ziffer
übersteigen. In Frankreich kann sich ein Kurort zweiter
Größe glücklich schätzen, wenn er jährlich 2000 bis
4000 Fremde kommen sieht; in Deutschland gibt es
40 bis 50 Kurorte zweiten Ranges, die jährlich 2000 bis
12000 Kurgäste aufnehmen. Solche Zahlen beweisen
unsere Unterlegenheit zur Genüge." Wie die Aus¬
einandersetzungen auf jener Versammlung ergaben.
suchen die Franzosen die Ursache der Ueberlegenheit
der deutschen Bäder vor allem darin, daß, wie sie an¬
nehmen, jeder deutsche Arzt auf der Universität einen
methodischen Unterricht in der Hydrotherapie und
Klimalehre erhalte — das ist freilich nicht der Fall —
und weiter in einer größeren geschäftlichen Tätigkeit
der Badeverwal¬
tungen. Die wirk¬
lichen Ursachen
des Hochstandes
der deutschen
Bäder sind an¬
dere und sie er¬
geben sich aus
einem Rück¬
blick auf ihre
Entwicklung in
den letzten Jahr¬
zehnten.
Von dem wirt¬
schaftlichen Auf¬
schwung, der
nach dem Kriege
von 1870/71 ein¬
setzte, hatten
die Badeorte zu¬
nächst nur wenig
Vorteil, mancher¬
lei Verhältnisse
traten ihrem Auf¬
blühen längere
Zeit hindernd in
den Weg. In den
damals meistbe-
suchten Taunus-
und Schwarz-
Waldbädern ent¬
stand nach dem
Kriege durch das
dauernde Fern¬
bleiben der zahl¬
reichen und gern
gesehenen Gäste
aus dem west¬
lichen Nachbar¬
lande eine emp¬
findliche Lücke.
Die Aufhebung
der Spielbanken
am l.Januarl873
in einer Reihe der damals vornehmsten Badeorte
brachte diesen einen nur mühsam überwundenen Rück¬
schlag; so sank in Homburg von 1872 auf 1873
die Zahl der Kurgäste von 21000 auf 9300 und
konnte sich bis Ende des Jahrhunderts nur auf etwas
über 12 000 wieder erheben. Geradezu verhängnis¬
voll aber drohten den Badeorten die Anschauungen
zu werden, die in der Heilkunde in den siebziger
und achtziger Jahren vorherrschend wurden. In dem
Lucca della Robbia, Anbetung des Jesuskindes, glasiertes Tonrelief des XV. Jahrh.
(Krefelder Kunstgewerbe-Museum)
174 DEUTSCHLAND Nr. 4
berechtigten Streben nach voraussetzungsloser Erkennt¬
nis war die Wissenschaft damals geneigt, alle Heil¬
wirkungen der Quellen und Bäder, waren sie auch
noch so sehr durch langjährige Erfahrung beglaubigt,
zu leugnen, wenn sie
sich nicht auf chemi¬
schem oder physikali¬
schem Wege beweisen
ließen. Der Einseitig¬
keit und der Unzuläng¬
lichkeit der damaligen
Forschungs-Methoden
war man sich nicht be¬
wußt. Da nachweisbar
die menschliche Haut
für die Bestandteile
des Mineral-Wassers
einen undurchdring¬
lichen Panzer bildet,
so waren die nam¬
haftesten Kliniker der
Ueberzeugung, es sei
völlig gleichgültig, ob
man ein Mineralbad
oder ein gewöhnliches Warmwasserbad nähme; mit den
von altersher beliebten Wildbädern wußte man vollends
nichts mehr anzufangen. Jetzt kam die Zeit, wo, zunächst
durch Nicht-Aerzte gefördert, die physikalischen
Heilmethoden Boden gewannen. Es gereicht der
Einsicht der Badeärzte und der Umsicht der Kurverwal¬
tungen zu hohem Ruhme, daß sie diesen Methoden
in den Badeorten oft unter Aufwendung großer Mittel
eine Heimstätte boten, lange bevor sie die rückhalt¬
lose Anerkennung der ärztlichen Führer an den Uni¬
versitäten gewonnen hatten. So ging es mit der
Massage, den Luft- und Sonnenbädern, der Hydro¬
therapie, den Dampfbädern, der klimatischen Behandlung;
das ganze diätetische
Verfahren, das heutzu¬
tage im Vordergründe
aller ärztlichen Be¬
handlung steht, wurde
zuerst von dem Kur¬
arzte in Görbersdort,
Dr. Brehmer, geübt.
Die weitreichende Be¬
deutung, welche diesen
Heilmethoden zuer¬
kannt werden mußte,
verursachte zunächst
das rasche Aufblühen
der Seebäder und der
Luftkurorte,diente aber
dadurch, daß sie die
Heilmittel der Quellen¬
kurorte bereicherten
und ergänzten, diesen
selbst zur Förderung. — Doch auch für die Erkenntnis
des Wertes der Mineralquellen begann allmählich eine
neue Zeit. Stoffe wurden teils neu aufgefunden, teils
anders bewertet. Die Kohlensäure fand plötzlich Beach¬
tung, Lithium, Arsen wurde gefunden, die Entdeckung
des Radiums eröffnete zahlreichen Badeorten neue, weite
Aussichten. Wichtiger aber noch für die Zukunft der
gesamten Kurorte erwiesen sich die neuen Wege, welche
die wissenschaftliche Forschung inzwischen betreten
Krefeld: Höhere Mädchenschule
Krefeld: Wandgemälde aus der Gewebesammlung der Preußischen höheren Fachschule für Textilindustrie
Nr. 4 DEUTSCHLAND 175
hatte; die physikalische Chemie, die lonenlehre, die
biologische Forschung, die der ganzen Heilkunde ver¬
läßliche Grundlagen gaben, fingen an, die Kluft, die
zwischen den Erfahrungstatsachen und der wissenschaft¬
lichen Begründung bestand, auch in der Balneologie zu
überbrücken. So ist es z. B. gelungen, die Wirkung
der Solbäder in ansprechender Weise zu erklären. Durch
Solbäder wird die Oberhaut des Körpers allmählich mit
kleinsten Salzteilchen imprägniert, hierdurch werden die
Temperaturschwankungen des Körpers gemildert und
die Haut bleibt noch stundenlang nach dem Bade blut¬
reich. Diese stärkere Durchblutung der Körperober¬
fläche gibt nicht nur ein erhöhtes Gefühl von Wohl¬
befinden, sondern kann innere Organe entlasten und
die Rückbildung von Stauungen, Ausschwitzungen und
Schwellungen begünstigen. — Aber nicht nur neue
Methoden, sondern auch neue Wissenschaften sind
erstanden und für die Kurorte bedeutungsvoll geworden.
Die Bakteriologie, die Hygiene, die Klimatologie, die
Geologie und die moderne Technik bedingten neue,
vordem ungeahnte Aufgaben und Ausgaben. Daß die
Aerzte und die Verwal¬
tungen der Badeorte es
verstanden haben, diese
Aufgaben rechtzeitig zu
erfassen und tatkräftig
durchzuführen, daß sie den
ganzen Zuschnitt des Bade¬
lebens nicht einseitig ge¬
schäftlich, sondern unter
dem Gesichtspunkte auf¬
faßten: Was müssen wir
tun, um einen möglichst
vollständigen Kurerfolg zu
gewährleisten und um die
Kurgäste gegen Schädi¬
gungen jeder Art sicherzu¬
stellen? — Darauf beruht
neben der geschilderten
Krefeld: Synagoge Reichhaltigkeit der Heil-
quellen der Hochstand der deutschen Bäder.
Große Kurorte gingen voran und wirkten durch ihr Bei¬
spiel ; vor allem aber weckte derZusammenschluß von
Badeärzten und Badeverwaltungen zu großen Vereini¬
gungen das gegenseitige Verständnis für die neuen Forde¬
rungen der Wissenschaft und des modernen Verkehrs,
lange bevor man in den Badeorten der Nachbarländer den
Wert derartiger Verbände erkannt hatte. Hat die schon
1878 gegründete „Baineologische Gesellschaft'' zur Ver¬
tiefung der wissenschaftlichen Bestrebungen der Bade¬
ärzte ungemein viel beigetragen, so hat der seit 1882 be¬
stehende „Verein der Kurorte und Quellen-Interessenten"
auf die technische Seite des Quellenbetriebes, z. B. in
der Frage der Fassungen der Quellen, des einwandfreien
Versandes der Heilwässer, einen maßgebenden Einfluß
gewonnen und auch auf die Gesetzgebung, so bei den
Verhandlungen über Quellenschutz, günstig eingewirkt,
während wiederum der 1892 ins Leben getretene „Allg.
Deutsche Bäderverband", dem viele Badeverwaltungen
und Badeärzte angehören, für die Gestaltung des Kur¬
lebens große Erfolge erzielt hat. Daneben sind Aerzte und
Verwaltungen in Gruppenverbänden organisiert, so in
Schlesien, Thüringen, im Schwarzwald, in den Ost- und
Nordseebädern, und sorgen für den wissenschaftlichen und
wirtschaftlichen Ausbau der Bäder ihres Sondergebietes.
Alle diese Organisationen haben zu der Blüte des
deutschen Bäderwesens wesentlich beigetragen, sie
gaben ferner den Anstoß, daß an den Universitäten
endlich in neuester Zeit die Balneologie die ihr zu¬
kommende Beachtung zu finden beginnt, sie veranlaßten
Krefeld: Großer Webesaal in der Webeschule
endlich Einrichtungen, die eine Grundlage für die
zukünftige Entwicklung der deutschen Bäder bilden.
So ist durch die Initiative von Badeärzten und mit Unter¬
stützung der Bundesregierungen und zahlreicher Bade¬
verwaltungen, auch solcher in Oesterreich-Ungarn, im
vorigen Jahre eine Zentralstelle für Balneologie, das
erste derartige Institut, ins Leben getreten, welche die
Bearbeitung bisher ungelöster allgemeiner Fragen aus
all den in Betracht kommenden Wissenszweigen der
Seidcng^ewebe: „Columbus", die Gestade An\erikas erblickend", 48XÖO cm,
patroniert von H. Feldmann, pewebt von Julius List,
im Verloge der Fa. Krefelder Seidenbilder-und Gobelinhaus, G. m. b. H.
Balneologie, der Physiologie, der Geologie, der Klima¬
tologie usw. geeigneten Instituten zur Bearbeitung über¬
weist. — Eine besondere Pflege fanden die Forderungen
der modernen Hygiene. Die dahin gehenden Be¬
strebungen gingen ebenfalls von Aerzten und Verwal¬
tungen der Kurorte aus und fanden die wohlwollende
Unterstützung der Bundesregierungen. Der „Deutsche
176 m
DEUTSCHLAND Nr. 4
Ausschuß für die gesundheitlichen Einrichtungen in
den Kur- und Badeorten'' trat ins Leben, gebildet aus
ständigen Vertretern der Regierungen und der Bäder¬
verbände. Es ist dafür gesorgt, daß auch in den
kleinsten Bade- und Luftkurorten be¬
stimmte sanitäre Mindestforderungen
erfüllt werden müssen, über deren
Durchführung die Regierung wacht.
Die Forderungen beziehen sich auf
Wohnungsfragen, auf die Sicherstellung
ärztlicher Hilfe und geschulter Kranken¬
pflege, auf Isolierräume und Desinfek¬
tionsvorkehrungen, auf die Wasser¬
versorgung sowie die Beseitigung der
Abfallstoffe u. a., und sind sinngemäß
je nach den Verhältnissen des Bade¬
ortes abgestuft. Ferner haben die
Sicherheitsvorkehrungen in den See¬
bädern eine einheitliche Regelung ge¬
funden, der Hygiene des Gastwirt¬
gewerbes, der Milchversorgung, der
Ortsruhe wird Beachtung geschenkt.
Ein derartiges umfassendes Vorgehen
ist bisher in keinem anderen Lande
vorgekommen.
Hoch steht der Stand der Bade¬
ärzte; in den Spezialkurorten gilt
manch einer als anerkannte Autorität
für das dort zur Behandlung kommende Spezialfach;
durchweg findet man aber neben der medizinischen
Fachbildung reiche Kenntnisse in den erwähnten ein¬
schlägigen Wissenszweigen. Und mit ihnen wetteifern
die Badeverwaltungen und arbeiten unermüdlich,
um allem, was eine Kur erfordert, Rechnung zu tragen.
Weil sie es verstanden, alles dem Gesichtspunkt der
Kur unterzuordnen, deshalb sind die Badeorte wirklich
als „Oasen der Gesundheit" anzusehen. Viele Tausende
gaben sie in den letzten 10 Jahren für einwandfreie
Fassung ihrer Quellen, für neue Analysen, für die Ein¬
führung der physikalischen Heilmethoden; eigene Kurort¬
laboratorien wurden in manchen Spezialkurorten ein¬
gerichtet, und wo es erforderlich war, wurde auf kur¬
gemäße Küche hingewirkt. Für peinliche Reinlichkeit,
für Straßenbesprengung usw. ist fast allerwärts gesorgt,
und selbst unbedeutende und entlegene Badeorte wissen
mit bescheidenen Mitteln dem Aeußeren des Ortes ein
anmutiges Bild zu schaffen.
Bei alledem glaube man aber nicht, daß die Her¬
vorkehrung des Interesses an der Kur den Aufenthalt
im Badeorte für den Kurgast oder seine gesunden
Angehörigen einförmig gestalte. Man ist sich allerwärts
bewußt, daß der Erholungsbedürftige Unterhaltung und
Anregung bedarf, und daß begleitende Gesunde den
Ort nicht langweilig finden dürfen. Für Unterhaltung
aller Art ist auch in vielen kleinen Kurorten trefflich
Sorge getragen. Nur das Hasardspiel wird nirgends ge¬
duldet, weil es sich mit dem Charakter eines Kurortes
nicht verträgt, und sicher wären die Kurorte in Frankreich
weiter vorangekommen, wenn sie statt der fragwürdigen
Spiele des petits chevaux und der kleinen Roulette,
aus deren Einnahmen sie die Kurausgaben großen¬
teils bestreiten, nach deutschem Muster eine mäßige
Kurtaxe eingeführt hätten. — In den Veranstaltungen
entsprechen nicht nur die großen, sondern auch viele
mittlere Kurorte den weitestgehenden Erwartungen. Auch
hier überraschen oft die prächtigen Kurhäuser mit ihren
vornehmen Gesellschaftsräumen, Lese- und Musik¬
zimmern, Festsälen für Konzert und Tanz und mit den
oft hervorragenden Darbietungen der Kurmusik; und in
der Schaffung ausgedehnter Kurparke und gefälligen
Anlagen, in den wohlunterhaltenen Promenadewegen,
welche die meist schöne landschaftliche Umgebung der
Kurorte weithin erschließen, verrät sich die Liebe des
Deutschen zur Natur.
Der geschäftliche Verkehr bewegt sich in
soliden Bahnen. Einer guten Aufnahme ist der Kur¬
gast, auch der sprachungewandte Ausländer, sicher. Es
gilt ja, überall zu prüfen, damit man seinen speziellen
Bedürfnissen entsprechend sich wohl aufgehoben fühlt,
aber Uebervorteilungen sind selten. Der verwöhnte
Kurgast wird es angenehm empfinden, daß er auch in
den mittleren Badeorten seinen Gewohnheiten gemäß
leben kann, und umgekehrt braucht der in bescheidenen
Verhältnissen Lebende den Besuch der berühmtesten
Weltkurorte nicht zu scheuen. Das soziale Empfinden
ist in Deutschland hinreichend entwickelt, um nicht die
Zugänglichkeit der Kurmittel von einem großen Ver¬
mögen abhängig zu machen, lieber die Verhältnisse
des einzelnen Badeortes geben die von der betreffenden
Kurverwaltung herausgegebenen Prospekte erschöpfende
und in der Regel zutreffende Auskunft.
Die geschilderte Entwicklung des deutschen Bäder¬
wesens mußte allmählich auch auf das Ausland eine
zunehmende Zugkraft ausüben. Nach einer Zusammen¬
stellung von Dr. Rompel in Mainz (in den Veröffent¬
lichungen der Zentralstelle für Balneologie), die sich
freilich nur auf die preußischen und vormals nassauischen
Kurorte bezieht, wurden in ihnen 1865 etwa 6400 aus¬
ländische Kurgäste gezählt. Ihre Zahl sank bis 1880
auf 5000 und betrug 5 Jahre später auch erst 7600,
Niederrheinische Landschaft, ausg-estellt in der Kunstausstellung zu Krefeld
Prof. H. Lieseganjj, Düsseldorf
m DEUTSCHLAND 177
Nr. 4
1890 dagegen waren es bereits 24700, 1900 34600,
und im Jahre 1910 dürfte die Zahl 45000 erreicht
worden sein. In dem überraschenden anhaltenden
Rückgang bis 1880 zeigt sich die Wirkung der anfangs
erwähnten Aufhebung der Spielbanken. Das heutige
Geschlecht macht sich kaum mehr eine Vorstellung
von dem glänzenden Leben, das damals in den be¬
treffenden Badeorten unterbunden wurde. Anderseits
gibt der seit 1885 eingetretene Umschwung Zeugnis
von dem wachsenden Vertrauen des Auslandes zu
dem Heilwert der deutschen Bäder und zu den herr¬
schenden gesunden Verhältnissen, nachdem man den
Rücksichten auf eine möglichst vollkommene Gestaltung
der Kur alles andere untergeordnet hatte. — Unter den
Ausländern überwogen von alters her die Russen, sie
verteilen sich nahezu über sämtliche größere Kur- und
Seebadeorte. Ihnen kommen am nächsten in rascher
Zunahme die Kurgäste aus Oesterreich-Ungarn, die
sich mit Vorliebe den deutschen Seebädern zu wenden. Die
Engländer bevorzugen die westlichen Kurorte, ähnlich
die Amerikaner, bis jetzt freilich sich auf ganz wenige
Kurorte von Weltruf beschränkend; einer unter ihnen
konnte im vorigen Jahre die ansehnliche Zahl von.
1450 Angehörigen der Vereinigten Staaten aufweisen
Umgekehrt ist der Prozentsatz Deutscher, welche
Kurorte im Ausland aufsuchen, auch heute noch
unverhältnismäßig hoch. Einzelne tun dies gewiß aus
zwingenden Gründen; auch wird man es niemandem
verdenken, wenn er, mit den Verhältnissen im eigenen
Lande vertraut, sich auch einmal auswärts umsehen will;
ebenso ist mit dem löblichen Wandertriebe des Deutschen
zu rechnen, der vor Einseitigkeit bewahrt. Aber viele
Tausende gibt es, die ausländische Badeorte vor¬
ziehen aus falscher Vornehmtuerei oder befangen in
jener früheren Zeiten entstammenden urteilslosen Be¬
wunderung des Fremden unter Nichtachtung und Nicht¬
kenntnis des Schönen und Guten im eigenen Lande.
Daß eine derartige Bevorzugung fremder Kurorte jeder
tatsächlichen Berechtigung entbehrt, werden unsere
Ausführungen über den Reichtum Deutschlands an
heilkräftigen Bädern und über den in keinem anderen
Lande in ähnlicher Weise erreichten Hochstand des
gesamten deutschen Kur- und Bäderwesens in hoffent¬
lich überzeugender Weise dargetan haben.
Hygiene auf Reisen. ==—=—=
Von Dr. med. Erwin Jaeger, Leipzig.
Vortrag, gehalten am 21. Mai 1911 auf der Jahres-Versammlung des Sachs. Verkehrs-Verbandes in Dresden.
Motto: Wem Gott will rechte Gunst erweisen.
Den schickt er in die weite Welt,
Dem will er seine Wunder weisen
In Berg und Strom, in Wald und Feld.
V. Eichendorff.
Seit uralten Zeiten reist man. In grauer Vorzeit
schon haben Menschen ihre Wohnsitze verlassen, um
sich andere, bessere aufzusuchen. Der Fortschritt, den
die sich entwickelnden Völker genommen haben, gründet
sich im wesentlichen auf die Kenntnis fremder Völker
und Länder, die durch Reisen erworben wurde. Dagegen
sind die Völker, die ihre Wohnsitze nie oder nicht mehr
verlassen, stehen geblieben. Ganz besonders viel sind
unsere Vorfahren gewandert, daher auch der uns noch
heute innewohnende Wandertrieb.
Es ist hier nicht der Ort, die mannigfachen Gründe,
die das Reisen in der Vergangenheit veranlaßt haben,
bis zu dem von Claudius in dem bekannten Worte:
Wenn jemand eine Reise tut.
So kann er was verzählen
angegebenen, der schon in alter
Zeit, z. B. bei Herodot, maßgebend
war, zu untersuchen, sondern wir
wollen uns zunächst vergegenwär¬
tigen, wie die heutige Art des
Reisens sich aus anderen Formen
entwickelt hat, ehe wir daran gehen,
die Forderungen der Hygiene an
das Reisen zu besprechen.
,,0 Wandern, Wandern meine
Lust!"' ruft uns der Dichter zu.
Sicherlich haben die ersten Men¬
schen, die zum Wanderstab griffen,
solche Gefühle nicht gekannt. Sie
folgten einer harten Notwendigkeit.
Aber das hat nicht hindern können,
daß das Wandern, die älteste Art
der Fortbewegung, sich bis in die
Jetztzeit erhalten und mit zu¬
nehmendem Genuß an dieser
Tätigkeit getrieben worden ist:
Mit eilenden Wolken der Vogel dort zieht
Und singt in der Ferne ein heimatlich Lied.
So treibt es den Burschen durch Wälder und Feld,
Zu gleichen der Mutter, der wandernden Welt.
Niederungs-Landschaft von A. Wansleben (Original in der Stadt. Galerie zu Krefeld)
178 10308808988898^8^009088^^® DEUTSCHLAND M
Nr. 4
Und wer hätte nicht schon mit Begeisterung gesungen:
Der Mai ist gekommen.
Die Bäume schlagen aus.
Da bleibe, wer Lust hat.
Mit Sorgen zu Hausl
und wer hätte nicht wenigstens einmal zur Maienzeit
den Wanderstab ergriffen, um das Erwachen der Natur
mit eigenen Augen zu schauen und die Seele sich an
einem Bilde ohnegleichen erquicken zu lassen I
Der wandernde Handwerksbursche gehört, wenigstens
in der früheren Ausdehnung, der Vergangenheit an.
Dafür aber ziehen heute jährlich ungezählte Scharen
zur Sommers- und neuerdings auch zur Winterszeit
hinaus. Alt und jung, Männlein und Weiblein, lassen
sich von Scheffel warnen:
Wohlauf, die Luft geht frisch und rein.
Wer lange sitzt, muß rosten.
Gebirgs- und Wandervereine, Vereine für Ferien¬
wanderungen und Schülerwanderungen wetteifern mit¬
einander, den Wandertrieb zu pflegen und möglichst
noch zu wecken. Die
„Wandervögel'" machen
den erfolgreichen Ver¬
such, das Wandern in der
ältesten Form, nämlich
in der der Unabhängig¬
keit von menschlichen
Siedelungen undmensch-
licher Hilfe, zu betreiben
und ihre Jünger daran
zu gewöhnen, für ihre
Bedürfnisse nach Essen
und Trinken sowie Schlaf¬
stätten selbst zu sorgen.
Die großartige Einrich¬
tung der Schüler-Her¬
bergen, die im Jahre
1910 mehr als 54 000 mal
in Anspruch genommen
wurden, erleichtert auch
Unbemittelten das Wandern. Nur auf wenige noch
unter uns kann v. Eichendorffs Wort:
Die Trägen, die zu Hause liegen.
Erquicket nicht das Morgenrot
Anwendung finden.
Jünger als das Wandern ist das Reiten, das sich
auch bis in unsere Tage erhalten hat. Auch die Be¬
nutzung von Schiffen, die das Altertum bereits kannte,
muß zu den aktiven Fortbewegungsarten gerechnet
werden, die schon Jahrtausende gekannt sind und sich
bis in unsere Tage forterhalten haben.
Dagegen hat von den passiven Fortbewegungs¬
mitteln das Sänftetragen seine frühere Bedeutung ganz
eingebüßt, das Fahren auf dem von Tieren gezogenen
Wagen im Verhältnis zum gesamten Verkehr nicht
mehr die Bedeutung von früher. In einzelnen Gegenden
hat sich auch noch die mehr im Bilde und in der Er¬
zählung als im Gebrauch idyllisch erscheinende Post¬
kutsche erhalten.
Die Zeit, welche man früher auf das Reisen ver¬
wendete, ließ sich weder genau noch kurz bemessen.
„Wer weiß, wann wir uns Wiedersehen" war mit Rück¬
sicht auf die außerdem noch vorhandenen Gefahren
ein bei jeder Abreise berechtigter Gedanke. — Doch
erklärt sich nicht nur hieraus, daß unsere Vorfahren
weniger reisten als wir, sondern auch daraus, daß man
damals nur selten andere Beweggründe zum Reisen
kannte, als die Erledigung geschäftlicher Angelegen¬
heiten. Der Handelsmann, der Krieger, der Kranke, in
seltenen Fällen auch der Forscher, der fremde Völker
kennen lernen wollte, waren neben denen, die ihre
Wohnsitze zu wechseln wünschten, um neue, nach
ihrer Meinung bessere Lebensverhältnisse zu finden, die
einzigen, die hinauszogen. Die Natur wurde nur auf¬
gesucht, wenn es sich um neue Erwerbsquellen handelte,
sonst besuchte man nur bewohnte Stätten, weil die
Beziehungen von Mensch zu Mensch die Reisen ver-
anlaßten. Wie wenig Reiz die Natur selbst auf die
Reiselust des Menschen ausüben konnte, mag man
daraus ersehen, daß die ersten Bergbesteigungen in
den Alpen erst am Ende des 18. Jahrhunderts von
Genf aus unternommen wurden, einer Stadt also, die
schon jahrhundertelang
das herrliche Bild der
Alpenkette vor sich ge¬
habt hatte, ohne daß
jemand eine Besteigung
unternommen hatte. Erst
die intensivere Beschäfti¬
gung mit Naturwissen¬
schaften und deren da¬
mit zusammenhängende
gewaltige Entwickelung
brachten den Wandel.
Dem Wunsche, die Natur
kennen zu lernen, näherte
sich im 19. Jahrhunderte
durch die Erfindung der
Dampf-Maschine auch
die Möglichkeit, schneller
und billiger zu reisen.
Der Dampfwagen und das
Dampfschiff, in neuerer Zeit auch die mit elektrischer Kraft
getriebenen Transportmittel, haben die Möglichkeit des
Reisens derart erleichtert, daß der gesteigerte Verkehr
gern als das Kennzeichen unserer Zeit betrachtet wird.
Mit der Entdeckung der Dampfkraft begann auch
eine Aenderung der Produktion des Gewerbes. Die
fabrikmäßige Herstellung von Waren, die nicht mehr
nur noch auf Bestellung arbeitet, sondern unter Um¬
ständen auch auf Vorrat, veranlaßt den Unternehmer,
sein Absatzgebiet zu erweitern. Auch auf weite Ent¬
fernungen hin macht er sein Angebot: Die Unternehmer
oder ihre Vertreter müssen zu diesem Zwecke reisen.
Zeit ist Geld, das ist der Wahlspruch dieser arbeitsamen
Menschen. Sie haben das größte Interesse an der
Verbesserung der Verkehrsmittel und,, wie der Erfolg
des Deutsch-französischen Krieges von 1870/71 gezeigt
hat, die Heeresverwaltungen. Diese Bemühungen sind
von Erfolg begleitet und haben einen nie geahnten
Reiseverkehr ermöglicht.
Der Bürgerstand wird im wesentlichen der Träger
dieser neuen Gestaltung. Seine Bedeutung für das
soziale Leben der modernen Völker nimmt ebenso zu wie
Nr. 4 DEUTSCHLAND 179
sein Besitz, seine Fähigkeit über sogenannte flüssige
Mittel zu verfügen. Während auf der einen Seite durch
das Beispiel, das er gibt, sich die Intensität der Arbeit
im allgemeinen erhöht, erweitert sich auf der andern
Seite ihr Wirkungskreis infolge der Zuverlässigkeit und
Genauigkeit, mit der sich der Verkehr in der gleichen
Zeit abspielen lernt, ganz außerordentlich. Die ver¬
mehrte Inanspruchnahme der Kräfte des einzelnen
Menschen für die genannten Aufgaben vermehrt die
Zahl der Kranken und Erholungsbedürftigen. Die jähr¬
lich wiederkehrende Unterbrechung der Arbeit durch
den Urlaub bürgert sich ein und ergreift heute nahe¬
zu alle Stände und Berufsarten. Man verbringt den
Urlaub fern der Heimat, und wir erhalten damit ein
neues Moment für die Reisebetätigung, das noch da¬
durch verstärkt wird, daß die Zahl der bemittelten
Menschen, die zu ihrem Vergnügen reisen, sich von
Tag zu Tag mehrt. Damit steigen auch die Ansprüche
an die Verkehrsmittel und an die Orte, die die Zu¬
gereisten aufnehmen sollen, abermals. Wir können
als neueste Erscheinung an vielen Plätzen von einer
Fremden-Industrie reden.
Nachdem sich fernerhin die Erkenntnis verbreitet
hat, daß es falsch ist, die Lebensverhältnisse, unter
denen der Mensch sich befindet, als unabänderlich
gegebene zu betrachten, sondern daß sie zum Vorteil
für die Menschen geändert werden können, nachdem
sich die Hygiene im allgemeinen Anerkennung
verschafft hat, beginnt auch das Streben, das Reisen
hygienisch zu gestalten. Dabei hat sich heraus¬
gestellt, daß es falsch ist, Hygiene erst auf der
Reise zu betreiben, sondern ihre Weisungen müssen
möglichst schon vor Beginn der Reise beachtet werden.
Da nämlich jede Reise eine Reihe von Faktoren,
die auf den Menschen einwirken, wie Luftdruck, Be¬
lichtung, Temperatur, Ernährung, geistige und körper¬
liche Arbeit, mehr oder weniger ändert, und da fernerhin
der Mensch dieser Aenderung durch Anpassung gerecht
werden muß, d. h. also eine Summe von ungewohnter
Arbeit im Organismus leisten muß, die zunächst keine
sichtbare Wirkung, keinen ohne weiteres wahrnehmbaren
Arbeitseffekt hervorruft, so lautet eine der wichtigsten
hygienischen Forderungen für die Reise, schon das
häusliche, das heimatliche Leben so einzurichten, daß
die durch die Reise bedingten Aenderungen der Lebens¬
haltung sowohl der Zahl als auch dem Grade nach
möglichst gering sind.
Man beschränke schon zu Hause den Aufenthalt
in geschlossenen Räumen auf das allernotwendigste,
gewöhne den Körper auch an regelmäßige körperliche
Arbeit neben der geistigen. Spaziergänge, sportliche
Hebungen und vor allem auch Licht- und Luftbäder
sind zu empfehlen. „Immerwährend üben resp. arbeiten,
aber niemals forcieren", sagt Forel. Da es sich auf der
Reise sehr bewährt, die Hauptmahlzeit gegen Abend
einzunehmen, so richte man auch sein häusliches Leben
bereits so ein. Früh aufstehen, früh zu Bett gehen I
"Early to bed and early to rise, makes a man healthy,
wealthy and wise". Leicht bekömmliche Kost unter Ver¬
meidung allzu reicher Fleischkost genießen! Wer die
Reise nur nach harter, ganz besonders anstrengender
Tätigkeit in der Tretmühle des Berufs antreten kann,
weil es gilt, mit der Arbeit aufzuräumen und möglichst
vorzuarbeiten, der gönne sich erst noch einige Tage
Ruhe am häuslichen Herd, ehe er reist. Gewiß ist es
schön und sehr praktisch, sich für die Reise bereits zu
Krefeld: Partie aus dem Park des Kaiser-Friedrich-Hains
180 DEUTSCHLAND
Hause einen guten Plan auszuarbeiten, aber es ist nicht
richtig, in diesem Plan, dem Wunsch folgend, recht viel
Schönes und Neues zu sehen, allzu viel Unternehmungen
vorzusehen. Die Verfolgung solcher Pläne kann das
Vergnügen des Reisens zur Plage machen.
Viel Sorgfalt soll man der Kleidung vridmen. Alle
beengenden Kleidungsstücke: Korsett, steife Kragen,
Strumpfbänder, enge Stiefel usw. müssen vermieden
werden. Es empfiehlt sich, auch die Unterwäsche, die
man auf der Reise tragen will, bereits zu Hause zu be¬
nutzen, falls man gewohnt ist, daheim andere Wäsche
zu gebrauchen.
Von ausschlaggebender Bedeutung für den Nutzen
einer Reise ist die Gemütsstimmung, in der man sie
unternimmt. Lebenswichtige Vorgänge im Körper, wie
Herz- und Atmungstätigkeit, sowie auch die Verdauung
werden durch erhebende Gemütsstimmungen günstig be¬
einflußt. Nun hat ja das Reisen schon im allgemeinen einen
günstigen Einfluß auf die Besserung der Gemütsver¬
fassung des Menschen, diese Wirkung kann aber noch
ganz wesentlich dadurch erhöht werden, daß man dafür
sorgt, das Heim in guter Stimmung zu verlassen. Nicht
nur das Abhetzen, um die Reise zu ermöglichen, ist
daher zu verwerfen, sondern auch alle Störungen, die
den Reisenden hindern, mit Beruhigung rückwärts und
mit Zuversicht vorwärts zu schauen, sind nach Mög¬
lichkeit zu vermeiden. Man verlasse das Haus nicht
eher, als bis dort alles, so gut es eben geht, geordnet ist.
In die grüne Welt hinein
Zieh ich mit dem Morgenschein,
Abendlust und Abendleid
Hinter mir so weit, so weit I
Guten Morgen, guten Morgen!
In die Winde alle Sorgen,
Alle Tränen von den Wangen,
Aus dem Herzen alles Bangen,
Alles froh und alles frei.
Ob's der erste Welttag seil
Ob wohl jeder Reisende diese von Wilh. Müller in
den eben angeführten Strophen beschriebene Stimmung
sein eigen nennt oder — es muß auch das erwähnt
werden — sein eigen nennen kann?
Jedenfalls sei allen, die mit Genuß reisen wollen,
gesagt, daß der Pflege des Gemütes sowohl vor als
auch auf der Reise besondere Aufmerksamkeit zu
widmen sei. Die Ablenkung, die geplagte Menschen¬
kinder auf der Reise durch das Einwirken einer Summe
neuer Eindrücke erfahren, ist ja an sich schon für
den Organismus wertvoll, da auf diesem Wege Gehirn¬
partien, die daheim stark oder auch allzu stark in An¬
spruch genommen werden, wenigstens teilweise eine
wohltuende Ruhe infolge der für sie verminderten Arbeit
genießen; wenn sich ihr aber noch erhebende Gemüts¬
stimmungen gesellen, so wird die Leistungsfähigkeit
des Organismus noch mehr erhöht. Der Humor auf
Reisen ist eine für seinen Besitzer wie für seine Um¬
gebung wertvolle Eigenschaft.
Neben den Kunstprodukten des Menschen, die
sicherlich der Betrachtung wert sind, sei daher der
Natur recht viel Zeit gewidmet. ,,Die Natur ist das
einzige Buch, das auf allen Blättern großen Inhalt
bietet'". Wer sich die nötige Zeit läßt, der wird
Nr. 4
Lenaus Stimmungen nachempfinden können, die er in
den folgenden Strophen niedergelegt hat:
Die Felsen, schroff und wild.
Der See, die Waldumnachtung,
Sind dir ein stilles Bild
Tiefsinniger Betrachtung!
oder: Du allein nur konntest lehren
Uns den schönen Wahn
Seliger Musik der Sphären,
Stiller Ozean!
oder: Bald hing mein Auge freudetrunken
Stier an den Felsen, schroff und wild;
Bald war die Seele still versunken
Dort in der Ferne Rätselbild.
Gehen wir von diesen allgemeinen Gesichtspunkten
zur Betrachtung einzelner hygienischer Forde¬
rungen für die Art des Reisens über, so müssen diese
natürlich je nach dem Fortbewegungsmittel, das man
benutzt, verschieden sein.
Wer Wanderungen, Radtouren, Schitouren oder
Ritte unternimmt, der mache sich eine genaue Tages¬
einteilung zum Gesetz. Früh aufstehen und früh zu
Bett gehen, sei der Rahmen, in dem sich jeder Tag
abzuspielen hat! Die körperliche Anstrengung, die man
sich zumutet, sei in den ersten und letzten Tagen der
Reise geringer als in der dazwischenliegenden Zeit.
Das erste Frühstück darf reichlicher sein, als man zu
Hause gewöhnt war: Warme Milch, Kakao, Ei, Fleisch,
je nach den Gewohnheiten des Reisenden. Danach ist
aber auch eine Pause von einer halben Stunde ange¬
bracht. Die Hauptmahlzeit nimmt man am besten
abends nach Beendigung des Tagewerks ein, doch
stets am Frühabend bezw. Spätnachmittag, damit die
Nachtruhe nicht durch die Verdauungstätigkeit gestört
wird. Die Zwischenmahlzeiten, die man daheim gewöhnt
war, halte man auch auf Touren inne, man beschränke
sie nur nach ihrem Umfang und bevorzuge Früchte.
Um die gewohnten Zeiten einhalten zu können, führe
man daher die Nahrung im Rucksack bei sich. Süßig¬
keiten werden am besten in Lösungen genossen. Alko¬
holische Getränke sind, während des Tages wenigstens,
ganz zu vermeiden. Bestehen irgendwelche Bedenken
gegen das in der betreffenden Gegend vorhandene
Wasser (Niederungen, Brunnenwasser usw.), dann darf
man das Wasser nur gekocht als Kaffee, Tee, Zucker¬
wasser usw. genießen.
Radtouren und Ritte weisen den Reisenden meist
auf Straßen und veranlassen ihn daher, jeden Tag be¬
bestimmte Strecken zurückzulegen. Es ist aber ganz
falsch, in der gleichen Weise auch auf Wanderungen,
im Sommer zu Fuß, im Winter auf Schiern, vorzugehen.
Befindet man sich nicht in einer offenen, baumarmen
Landschaft, dann kann es gar keinen größeren Genuß
geben, als die stetig weiterführende Wanderung hin
und wieder durch Tage zu unterbrechen, an denen man
sich in den Wald versenkt und zunächst ziellos, nur
die Rückkehr am Abend zu bewohnbaren Unterkunfts¬
räumlichkeiten im Auge habend, umherbummelt. Die
Gebirgs- und Wandervereine haben auch in dieser Be¬
ziehung schon recht dankenswerte Anregungen gegeben.
In besonders glücklicher Weise aber wirken auf diesem
Gebiet die schon genannten „Wandervögel". Sie führen
Nr.4
DEUTSCHLAND
übrigens Kochgeschirr und Bettzeug mit sich und sind
so am besten imstande, ganz der Natur zu leben.
Das tritt auch bei einem ganz modernen Sport, der
sich dem Wandern in neuerer Zeit gesellt hat, dem
Berg- und Klettersport, in die Erscheinung.
„Auf die Berge will ich steigen.
Wo die frommen Hütten stehen.
Wo die Brust sich frei erschließet
Und die freien Lüfte wehen.
Auf die Berge will ich steigen.
Wo die dunklen Tannen ragen,
Bäche rauschen, Vögel singen.
Und die stolzen Wolken jagen.
Lebet wohl, ihr glatten Säle,
Glatte Herren, glatte Frauen I
Auf die Berge will ich steigen.
Lachend auf euch niederschauen."
hat schon — Heine gesungen.
Das Klettern in den Bergen darf wohl als die Art
Leibesübung in der Natur bezeichnet werden, die sich
am meisten von dem ursprünglichen Zweck der Reise
entfernt. Hier ist nicht das Ziel die Hauptsache,
sondern der Weg. Aber gerade darin liegt, wenigstens
für den, der sich
die damit ver¬
bundenen Mühen
und Lasten zu¬
muten darf, der
besondere Wert
dieses Sports. Er
stellt zudem nicht
nur eine vor¬
zügliche Uebung
derMuskeln, son¬
dern auch der
Nerven dar. Die
gleichen Vorzüge
sind auch Schi-
Wanderungen
nachzusagen, die
außerdem noch
in besonderem
Maße durch Kälte
und Wind kräf¬
tige Körper er¬
frischen.
Soll man sich
gegen Wind und
Sonne schützen?
so wird wohl man¬
cher fragen, der
solche Wanderungen zum ersten Male unternimmt. Zug
ist stets zu vermeiden, Wind dagegen ein außerordent¬
lich günstig auf den Körper einwirkendes Moment.
Er führt eine Massage der Haut herbei, die alle
Stubenhocker leider allzu sehr entbehren müssen, so
daß ihre Haut zumeist schlaff und welk ist. Die
günstige Wirkung des Aufenthaltes an der See ist
zum nicht geringen Teil auf die dort fast regelmäßig
herrschenden Winde zurückzuführen. Der Wind muß
im Gegenteil von uns als Freund betrachtet werden.
wie es Lenau in einem seiner von Liebe zur Natur
zeugenden Gedichte getan hat:
O Wind, nach deinem Rauschen
Sehnt' ich mich auf der See,
Wie einst mein Jägerlauschen
Im Wald nach Hirsch und Reh.
Gegen Wind, der den Körper in unangenehmer Weise
abkühlt, muß man sich durch entsprechende Kleidung
schützen. Ist Mangel an ihr vorhanden, dann bedecke man
den Körper unter dem Rock oder der Jacke mit Papier,
das den Wind in vorzüglicher Weise vom Körper abhält.
Sonne muß normalerweise jeder vertragen. Wer
das nicht kann, der bedarf der ärztlichen Behandlung.
Sonnenschirme sollten daher für Gesunde auf der
Reise entbehrlich sein.
„Wo wir uns der Sonne freuen.
Sind wir jede Sorge los,
Daß wir uns in ihr zerstreuen.
Darum ist die Welt so großl"'
sagt Goethe und findet damit leider nicht den Beifall
aller Menschen. Gegen Sonnenbrand auf Gletscher¬
touren und Winterwanderungen schützt man sich durch
Einfetten der Haut. Waschungen schränkt man ein oder
nimmt sie, wie überhaupt auf Wanderungen, am besten
abends nach dem Eintreffen im Unterkunftsraume vor.
Empfindliche Augen schützt man durch farbige Brillen.
Vielfach ist die Kopfbedeckung, die man bei Wande¬
rungen trägt, falsch. Sie ist zu dicht und verhindert
daher die Zufuhr frischer Luft zum Kopf. Am meisten
sündigen aber unsere Damen dadurch, daß sie ihr Haar
auf dem Kopf zusammenbinden und oft sogar noch durch
falsches Haar verstärken. Auch der Kopf der Frauen ver¬
langt seine Lüftung. Leichte Kopfbedeckungen, event.
nur Tücher, sind dringend anzuraten. (Schluß folgt.)
Insel Rügen auf der Internationalen Reise-Ausstellung in Berlin
182 DEUTSCHLAND Nr. 4
Sachsen auf der Internationalen Ausstellung für Reise- und
Fremdenverkehr in Berlin.
lieber den Erfolg der sächsischen Abteilung der
Berliner Reiseausstellung sind sich die Urteile des In-
und Auslandes vom ersten Tage an einig. Sachsen,
Oesterreich und das Reichsland dürften wohl durch die
Ausgestaltung ihrer Ausstellungsräume wie durch die
künstlerische und wirkungsvolle Auswahl der Aus¬
stellungsgegenstände an erster Stelle zu erwähnen sein.
Mit großem Geschick hat der Sächsische Landes¬
auschuß mit seinen künstlerischen und bautechnischen
Leitern Hofrat Prof. Seyffert und Bauamtmann Kramer
(Dresden) aus der Fülle dessen, was Baukunst, Gewerbe¬
fleiß und Naturschönheiten in Sachsen so überreich
bieten, das richtige herausgegriffen und zu einem ab¬
wechslungsreichen Bilde zusammengestellt.
Im Leipziger Raum nimmt den Mittelpunkt das
große Modell des Völkerschlacht-Denkmals ein; an den
Wänden befinden sich große Bilder hervorragender
Leipziger Bauwerke (Reichsgericht, Neuer Hauptbahnhof,
Altes und Neues Rathaus), der freundlichen Leipziger
Waldungen und der festen Muldenschlösser Leisnig,
Grimma und Rochlitz.
Aus dem bunt belebten Raum Erzgebirge und
Vogtland ist zu erwähnen die Ausstellung des König¬
lichen Bades Elster, sowie im Vordergründe das erz-
gebirgische Dörfchen, eine reizende Schnitzarbeit der
Spielwarenfachschulen zu Grünhainichen und Seiffen,und
links am Fenster unter Glas eine Ausstellung vonPlauener
Spitzen. Eine erzgebirgische Klöppelstube (links im
Vordergründe), die Modelle der berühmten Lauterbacher
Kirche (Mitte der Wand) und des Erzgebirgsvereins-
hauses auf dem Fichtelberg (1216 Meter hoch), sowie
eine Sammlung von Annaberger Perlennäherei (am
Fenster) zeigt Abb. 6.
Die Ausstellung der Königlich Sächsischen
Staatsbahnen enthält als besonderes Anziehungs¬
objekt einen eleganten Wintersportwagen, der bereits in
Nr. 1, 2. Jahrg., der Zeitschrift „Deutschland" besprochen
wurde. — Vom Leipziger Raum aus gelangt man nach
Meißen,wo besonders das große Modell von Stadt und
Burg, dahinter der große Glaschrank mit hervorragenden
Werken der Königlichen Porzellan-Manufaktur, ins Auge
fallen und mit den Landschaftsbildern aus Meißen,
kleineren Porzellangegenständen, darunter eine Samm¬
lung Meißener Wandteller (am Fenster), diesen stim¬
mungsvollen Raum zu einem der besuchtesten der
ganzen Ausstellung machen. Daneben der Raum
Dresden und Sächsische Schweiz mit vorzüg¬
lichen Bildern und Metall-Treibkunstgegenständen. Der
Blick auf Dresden zeigt die turmreiche, malerisch über
der Elbe sich erhebende Altstadt, die weltbekannten
■ 1 1 f iiH Ml
Köln: Gürzenich im Festschmuck am 22. Mai 1911
Nr. 4 DEUTSCHLAND 185
Säulen große Lorbeerkränze mit Goldbrokatschleifen,
endigend in Fransen, die abwechselnd preußische,
rheinische und kölnische Wappenfarben zeigten.
Den hervorragenden, seltenen Schmuck bildeten die
alten Stadtbanner, auf Anregung des Herrn Oberbürger¬
meisters Wa 11 ra f angefertigte, künstlerisch vollendete
Nachbildungen der kostbaren Originale, die das Histo¬
rische Museum birgt. An den Säulen ragten die vier¬
eckigen, mit langen Zipfeln ausgestatteten Dreikronen¬
banner aus der Wende des 14. Jahrhunderts und die
Fahnen mit dem schwarzen Doppeladler auf Goldgrund
empor, Wappenzeichen, wie solche im 16. Jahrhundert
die freien Reichsstädte vielfach führten, von der Galerie
wehten die beiden riesigen, nahezu 7 Meter langen und
über 3 Meter breiten Stadtbanner von 1513 und 1733.
Diese Prachtstücke der Fahnenmalerei haben als Mittel¬
punkt ihrer Darstellungen das kölnische Wappen mit
reicher Helmzier auf rotweißem Grund, umgeben von
einem goldenen Fries mit 38 zierlich ornamentierten
Wappenschildern, die auf die Schutzheiligen der Stadt
hinweisen. Die ältere Fahne zeigt den monumentalen
Charakter, die jüngere die etwas freiere Behandlung im
Sinne der Entstehungszeit. Zwischen diesen Bannern
warfen die acht großen Lichterkronen im Schmuck von
zarten Schlingpflanzen und Rosen ihre Strahlen in den
Saal hinunter, dessen Fußboden ein roter Teppich
überdeckte, auf dem 17 Tafeln für die Gäste Aufstellung
gefunden hatten. Die Ehrentafel in Hufeisenform war
für 51 Plätze auf dreistufiger Estrade am Westende des
Saales zugerichtet.
Den Abschluß bildete hier eine durch vergoldete
Architektur geteilte Rückwand aus dunkelrotem ge¬
mustertem Samt, in deren Mitte der Thronbaldachin über
den Sesseln für die Majestäten sich erhob, aus gleichem
Stoffe gefertigt, mit einem Behang aus Goldbrokat, der
den Reichsadler in Stickerei trug. Hinter dieser reichen
Dekoration ragte das frische Grün von Palmen und
Lorbeer empor, das sich von dem Rot der Vorhänge
unterhalb der Orgel wirksam abhob und mit dieser
zusammen das schönheitsvolle Bild des Saales in impo¬
santer Weise vollendete. Hierzu trug auch der Schmuck
der Ehrentafel bei, in dessen Besitz die Stadt im Laufe
der Jahre durch die freigebige Zuwendung ihrer Bürger
gelangte: Tischleinwand, silbernes Tafelgerät, Gläser,
hochragende Armleuchter, Pokale und Aufsätze, die für
die Höhe des heimischen Kunsthandwerks, insbesondere
der Goldschmiede- und Emailtechnik, beredtes Zeugnis
ablegen.
Nach den Angaben des Verfassers dieser Zeilen wurde
der Festschmuck des Gürzenich geschaffen, bei dessen
Ausführung Stadtbauinspektor Bolte und Gartenbau¬
direktor Encke ihm dankenswerte Unterstützung liehen.
Bad Münster am Stein.
Von allen Richtungen leicht mit Schnellzügen erreichbar,
liegt wenige Minuten von Bingerbrück entfernt, Nahe-aufwärts,
Bad Münster am Stein. Zweifach von der Natur begnadet:
durch seine ausgezeichneten, stark radioaktiven, jod-.
brom-, lithionhalligen gipsfreien Solquellen und durch die
einzigartige Schönheit der Gegend. — Eingebettet im er¬
weiterten Nahetale zwischen den schroff zu schwindelnder
Höhe aufsteigenden roten Porphirfelsen, des Rheingrafensteins
Bad Münster am Stein: Gesamtansicht
Nr. 4
DEUTSCHLAND 187
Unterstützung einsprängen. Die Opfer aber sind notwendig,
und die Entwicklung unseres Ausstellungswesens hat gezeigt,
daß sie nicht vergebens gebracht worden sind. Düsseldorf
hat sich unter den großen Jahresausstellungen eine achtung¬
gebietende Stellung errungen, seine Künstler sind bei allen
Unternehmungen im In- und Auslande gern gesehene Gäste
und ebenso sind die auswärtigen Künstler, in richtiger Er¬
fassung der rheinischen Marktlage, bestrebt, ihr Bestes an
den Rhein zu schicken. Dadurch ist der Wettbewerb ein
regerer geworden, mit der natürlichen Konsequenz einer
stärkeren Anspannung der Kräfte.
Wenn die Düsseldorfer Kunst in diesem Jahre recht gut
abschneidet, so ist das der löblichen Einsicht zu danken,
daß es sich auch diesmal nicht
allein um die Ausnutzung einer
guten Verkaufsgelegenheit, son¬
dern vor allen Dingen um die
Hebung und Befestigung des
guten Rufes der heimischen
Kunst nach außen hin handelte.
Diesen höheren Gesichtspunkt
hat die Ausstellungsleitung unter
Führung des Prof. Hermann
Emil Pohle umsichtig ver¬
treten, und die Künstlerschaft
hat ihr willige Gefolgschaft ge¬
leistet. So ist, zumal auch dies¬
mal die tatkräftige Unterstützung
eines bewährten Stabes von
Mitarbeitern nicht gefehlt hat,
von denen sich namentlich der
zweite Vorsitzende der Ausstel¬
lung, GeorgMacco, der Leiter
der Achenbach-Ausstellung, Pro¬
fessor Georges Oeder, und
der unermüdliche Geschäfts¬
führer, Hofkunsthändler Fritz
Bismeyer, in aufopfernder
Weise betätigt haben, ein Ge¬
samtbild zustande gekommen,
das sich unter den diesjährigen
künstlerischen Veranstaltungen
des Kontinents sehen lassen kann.
In drei Hauptgruppen sondert
sich das Unternehmen: in eine
deutsch - nationale Kunst-Aus¬
stellung, eine internationale
Aquarell-Ausstellung und eine
Ausstellung von Werken des
im vergangenen Jahre dahin¬
geschiedenen Altmeisters der
Düsseldorfer Kunst, Andreas
Achenbach. Eine schönere Ehrung für den Recken, der
mehrere Generationen hindurch das rheinische Kunstschaffen
überragt hat, konnte man nicht ersinnen, einen weihevolleren,
ergreifenderen Totengesang nicht anstimmen am Grabe des
großen Künstlers und — seiner Kunst. Denn auch diese ist da¬
hingegangen; sie ist nicht mehr der Wesensausdruck unserer
Zeit, die mit anders gestimmten Nerven arbeitet, mit anderen
Augen sieht. Das wird nicht verhindern, daß auch der Sammler
der Zukunft und der mit historischer Abstraktion begabte Kunst¬
freund in den Werken, die das Entzücken der Väter und der
eigenen Jugend gewesen sind, eine Quelle lauteren Genusses
finden. Wer würde sich nicht willig dem Reichtum an Er¬
findungsgabe, der Kraft der dramatischen Schilderung beugen,
wer könnte sich wohl dem Zauber des Farbenklanges und der
Komposition entziehen, der von Bildern ausgeht, wie sie die
Galerien von Dresden, Berlin, Köln und Düsseldorf,
die Privatsammlungen des Großherzogs von Oldenburg^
des Geheimen Kommerzienrats Franz Haniel in Düssel¬
dorf, des Kommerzienrats Fr. Burgers in Gelsenkirchen,
Gustav Klingelhöfer, die Erben des verstorbenen Kon¬
suls We b e r in Hamburg, Konsul Dr. F r i e d e r i ch in Düssel¬
dorf und all die andern Sammler in so dankenswerter Weise
beigesteuert haben.
In Kreisen der Museumsfachleute war man gespannt auf die
Aufmachung, die Professor Oeder dem Achenbach-Saale geben
würde; die Lösung durch einen vornehmen roten Galerieton
und durch dezente dekorative Zutaten hat allgemein befriedigt.
Im Gegensatz zu dieser Aufmachung sind die Räume der
anliegenden Aquarell-Ausstellung ganz auf weiß ge¬
stimmt. Nur wenige Ornamente und Leisten in Gold gliedern
die Wände, umschließen den Raum. Auch diese Dekoration,
vom Düsseldorfer Semperbund besorgt, entspricht in durch¬
aus befriedigender Weise ihrem Zweck. Die Wirkung der
Ausstellungsobjekte, von den zartesten Gebilden einer leichten,
flüssigen Technik bis zu pastosen Gouaches ist eine vorzüg¬
liche in diesen, zum behaglichen Genüsse einladenden Räumen
Für die Aquarell - Ausstellung war der Rahmen weiter
gezogen, sie hat internationalen Charakter bekommen.
Eine eingehendere Besprechung an dieser Stelle, wo lediglich
in knapper Form ein Bericht über die Beteiligung Düsseldorfs
am ganzen Unternehmen gegeben werden soll, erübrigt sich,
jedoch muß so viel wenigstens gesagt werden, daß der Kunst¬
freund hier fast alle Kulturländer, Frankreich, England,
Holland, Italien, Osterreich, Schweden, Norwegen,
Finnland und die S ch w e i z, selbstverständlich auch die
Deutsche Kunstausstellung Düsseldorf 1911 — Prof. Gerh. Janssen: Der letzte Gast
(Hofphotograph J. Söhn, Düsseldorf)
Nr 4
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J
IQO DEUTSCHLAND M
Nr. 4
Mission erfüllen I Wahrlich, bei einem solchen Werke spielen
Format und Darstellungfsmittel nur eine sekundäre Rolle, seine
innere Schönheit, eine Schönheit, die in der Zeiten Wandel un¬
verwüstlich bleibt, läßt es erst recht als eine Erwerbung-,
Deutsche Kunstausstellung Düsseldorf 1911
Karl Julz jun.: Spätherbst an der Erft
die künftigen Generationen noch zur Freude gereichen soll,
geeignet erscheinen*). Wie ist dieses Bild gemacht I Die
ganze Ausstellung zeigt kein Bild, das mit solch erstaunlicher
Bravour, mit solch sicherem malerischen Sehen und vor allem
mit einer so erdrückenden künstlerischen Kralt gemalt worden
oder von Eduard von Gebhardts „Lazare, komm heraus^'
aufgegangen ist, der sollte sich die Freude daran nicht
durch Forderungen des Tages verderben lassen.
Als ein Schulbeispiel folgerichtiger Entwicklung zu lich¬
terer Farbenentfaltung könnte Max Stern
gelten. Wer seinen Werdegang verfolgt hat,
muß seine helle Freude daran haben, mit
welcher Zähigkeit dieser Künstler seinem Ziele,
Vereinfachung der Form und der Palette, zu¬
strebt. Die vier Bilder, die er hier zeigt,
ein Putzmacherinnenatelier, eine Kokotte, ein
Paar in einer Loge und das koloristisch feine
Tierstück sind freudige Bekenntnisse eines
starken Wollens. Auch Josse Goossens
hat einen bedeutenden Schritt vorwärts getan;
er bringt jetzt in seine breite, schwere Strich¬
führung immer mehr pulsierendes Leben hinein.
Wilhelm Schneider-Didam hat, nament¬
lich in dem Porträt der Dame mit dem Muff,
sein herbes Charakterisierungsvermögen mit
einer großen wirkungsvollen Linienführung und
einer aufs Dekorative gerichteten Flächen¬
behandlung in Einklang zu bringen versucht.
Viel Schönes bringen die Landschafter des
Aussteller-Verbandes: Helmut Liesegang
die ihm eigenen silbrigen Flachlandschaften
und Städtebilder, Fritz Westendorpein
paar liebe, einfach gesehene und duftig dar¬
gestellte Strandbilder, Ernst Hardt ein
grandioses, sonnendurchglühtes Stück und
ein köstlich-saftiges kleineres Bild „Birken".
Heinrich Otto führt uns zu wundervollen
Fernblicken, bei denen das Herz sich in Sehn¬
sucht weitet. Erich Nikutowski bringt die in Aufbau und
Ton bekannten und beliebten Dörfer und Städtchen. Julius
Junghanns läßt seine vielseitige Begabung an Tierstück,
Landschaft und Stilleben aus, und zwar mit gleich guten
Resultaten auf diesen verschiedenen Gebieten. Wilhelm
Sehr euer, der Leicht- und Vielschaffende,
erscheint in der Marktszene, die sich am
Denkmal Jan Wellems abspielt, ein wenig flau
in der Farbe, einfach und groß dagegen in
einer Rheinlandschaft.
Der folgende Saal beherbergt die Gruppe
der „1899er". Um die soliden, in sich be¬
ruhenden Werke von Claus Meyer und
Eugen Kampf gruppieren sich in ihren be¬
kannten Qualitäten die Arbeiten von Walter
Petersen, Herrn. Emil Pohle, Ludwig
Keller, Gustav Marx, Otto Ackermann
und einer Anzahl jüngerer Künstler, die dem
Saal den Stempel des Fortschrittlichen auf¬
drücken. FranzKiederich mit seinen fest
und sicher gemalten „Rentenempfängern" und
Hans Kohlschein mit einer Historie „1814"
ziehen nicht allein durch das Format ihrer
Bilder die Aufmerksamkeit auf sich, sondern
auch durch die reine lichte Freudigkeit, die ver¬
stärkt noch in ihren kleineren Bildern wieder¬
kehrt. Der begabte und vielseitige Robert
Seuffert beweist, daß er sein übersprudelndes
Temperament dort, wo es angebracht ist, zu
zügeln versteht zum Vorteile eines dezenten
Zusammenklanges, wie bei der „Dame mit dem
Fächer" und dem „Mädchen aus Anticoli", während er der
wilden Kraft seines Pinsels beim „Bildhauer Benjamin" und der
„jungen Sizilianerin" freien Lauf gelassen hat. Wie er, zeigt
sich auch Walter Heimig in dem Bilde „Sommermorgen"
Deutsche Kunstausstellung Düsseldorf 1911 — Ernst Paul: Ziehende Herde
ist. Wem das Wahrhaftige und Menschliche, kurz das Gute
vom „letzten Gast'' oder von Louis Corinths „Totenklage"
*) Anm. Inzwischen sind die drei ausgestellten Bilder von Gerhard
Janssen sämtlich in Düsseldorfer Privatbesitz übergegangen.
Nr. 4
DEUTSCHLAND 191
und dem Porträt eines jungen Mädchens als geschmackvoller
Farbenkünstler. Wilhelm Hambüchen hat sich mit Land¬
schaften und Küstenbildern längst einen geachteten Namen
erworben; auch hier zeigt er wieder, daß er es in der Festig¬
keit des Vortrags und in der Sicherheit der Komposition
weiter bringt. In jüngster Zeit ist stärker ein eigenartiges
Talent hervorgetreten, das berufen erscheint, der wieder¬
erwachenden Freude am Stimmungsgehalte des Kunstwerkes
gerecht zu werden: Hermann Lasch. Er begnügt sich
nicht mit der Wiedergabe eines gut gesehenen Naturaus¬
schnittes, sondern gibt ein Tröpflein eigenen Herzblutes hinzu.
mittelte jauchzende Aufleuchten der blütenschweren Kuppen,
das alles hat in Fritz von Wille seinen begeisterten Schilderer
gefunden. Das „Einsamkeit" betitelte Eifelmaar zählt mit zu den
schönsten seiner vielen Schöpfungen dieser Art. Alexander
Bertrand hat ein gut und solide gearbeitetes Bild,
„Weißnäherinnen", gebracht, das sowohl durch die subtile
Behandlung des Stofflichen, wie auch durch die Bewältigung
der Schwierigkeiten in der Wiedergabe der gegen das helle
Tageslicht gestellten Personen von hohem Interesse ist.
Von den Porträtmalern hat Richard Vogts ein Damen¬
bildnis „Im blauen Kleide der Mutter" auf eine großzügige
Deutsche Kunstausstellung Düsseldorf 1911
Zu lyrischen Gedichten wandelt er die schlichten, ungekünstelt
wiedergegebenen Motive, die er aus den Nebentälern des
Rheins und der Mosel zusammenliest, und zwar in einer
flächenhaften Behandlung, die auch den Anforderungen des
modernen Zimmerschmuckes entgegenkommt.
Mit anderen Mitteln, aber ähnlich wie er, erschöpft
Fritz von Wille, der uns im nächsten Saale, dem der
,, Freien Vereinigung", entgegentritt, den herben Zauber
der Eifel. Der jähe, farbige Wechsel, das finstere Ziehen
der Wetter, die schwer lagernden Wolkenschatten, die uner-
grründliche Schweigsamkeit der Maare und wieder das unver-
— Alexander Bertrand: Die Weißnäherinnen
Silhouette gestellt und damit eine gute Wirkung erzielt.
Fritz Reusing legt ebenfalls seinen Porträts einen starken
farbigen Grundton unter, aus dem heraus er den Gleichklang
einer einheitlichen Schöpfung moduliert. Besonders glücklich
ist er in den in der Aquarell-Ausstellung hängenden Bildern,
denen noch taufrisch die Unmittelbarkeit des Erfassens eigen
ist. Als geschmackvoller Kolorist zeigt sich MaxWestfeld;
voll Duft und Reiz ist die rothaarige, mit der Manicure be¬
schäftigte Schöne. Gemessen und bedächtig ist Wilhelm
P i p p e r t in seinem, nach der malerischen Seite hin viel¬
versprechenden Bilde „Die Schwestern".
192 («
DEUTSCHLAND (R^e^^e^esee^^eeeeeeee® Nr. 4
Georg Macco, der die Schönheiten der ganzen Welt zu
meistern sich bemüht, hat sich diesmal bis nach Spitzbergen
verstiegen, wo er jnteressante Beobachtungen der farbigen
Begleiterscheinungen von Naturereignissen festgehalten hat.
Viele der bekannten Düsseldorfer, wie Max Volkhart,
Nordenberg, Wansleben, Mühlig, Albert Baur,
W i 11 s ch a s und andere sind noch in dieser Abteilung vertreten;
mit einer besonderen Ueberraschung hat Professor Georges
Oe der aufgewartet, indem er einige seiner feinempfundenen
Landschaften aus früherer Zeit zur Ausstellung brachte.
Die Gruppe der „1904 er" hat ein glänzendes Werk des
in diesen Tagen
den 73. Geburts¬
tag begehenden
Altmeisters
der Düsseldorfer
Kunst, Eduard
vonGebhardt,
aufzuweisen, die
Auferweckung
des Lazarus. Es
ist erstaunlich,
mit welcherEner-
gie der unver¬
wüstliche Künst¬
ler diesmal sein
ungebrochenes
Temperament
zurückgehalten
und wie er grade
in der gedämpf¬
ten Atmosphäre
die Wirkung bis
zur Offenbarung
zu steigern ver¬
standen hat. Mit
einer gewaltigen,
die Wunderkraft
ins Greifbare
übersetzenden,
die Wucht der
Worte: „Lazare,
komm heraus I"
begleitenden
Bewegung holt
Christus den
zum Leben
Wiedererweck¬
ten aus dem
Felsengrabe her¬
aus. Das Land¬
schaftliche hält
in einem vor¬
nehmen und
zurückhaltenden
Tone, der das
ganze Werk auszeichnet, die Bildwirkung zusammen. Auch
der Senior der Neudüsseldorfer Landschaftsmalerei, Eugene
DÜcker, ist in diesem Saale mit seinen beliebten Strand¬
motiven von der Ost- und Nordsee vertreten. Der 70. Geburts¬
tag, den der Künstler in diesem Jahre feiern konnte, war der
Anlaß, ihn mit einem besonderen Kabinett in der Aquarell-Aus¬
stellung zu ehren, wo eine Reihe von Arbeiten die staunenswert
sichere.Kunst des Meisters in dieser Technik vorzüglich illustriert.
Von den Jagdmalern Düsseldorfs haben sich hier ein
Rendez-vous gegeben: Christian Kröner mit einem „Herbst¬
morgen", Alfred Graf von Brühl mit einer, große weid¬
männische Sachkenntnis verratenden Sauhatz in brillant
beobachteter Schneelandschaft, und Otto vonGrote. Auch
dieser sucht, bei aller Betonung des Gegenständlichen, dessen
Zusammenhang mit dem Landschaftlichen nicht zu verlieren.
Adolf Maennchen hat eine Waldstudie und schnee¬
bedeckte Hütten aus Andermatt geschickt; Heinrich
Reifferscheid hat wieder sein Lieblingsmotiv, ein Interieur
mit Staffage bei Lampenlicht, aber in neuer Fassung und in
der bekannten, behaglichen Weise behandelt. Vom Grafen
Paul von Merveldt sieht man mehrere delikat verarbeitete
Interieurs von feinem, poetischem Reize und von Louis Feld¬
mann eine Kreuzigung. — Zur Gruppe „Niederrhein" haben
sich jüngere
Künstler ver -
einigt. Sie sind
die einzigen, die
darauf Bedacht
genommen
haben, ihren
schon an und
für sich gut
wirkenden Saal
durch die Hin¬
zuziehung von
plastischen
Werken noch
abwechselungs¬
reicher zu ge¬
stalten. Bilder
sowohl wie Pla¬
stiken habenda¬
durch gewonnen
und das Publi¬
kum dankt es
den Künstlern,
daß sie für eine
Unterbrechung
der langen Bil¬
derfolgen ge¬
sorgt haben.
Man wird bei den
jungen Leuten
nicht durchweg
Ausgeglichenes
erwarten; es
genügt, wenn
schon die An¬
sätze zu hoff¬
nungsvoller Ent¬
wicklung kon¬
statiert werden
können. Jos.
Ko hl sch ein d.
J.mit seiner un¬
stillbaren Sehn¬
sucht nach Licht
und Sonne und
WalterCorde mit seiner zum großen Stile berufenen Begabung
zeigen schon die Klaue des Leuen. H a n s M a y beweist Geschmack
für die Farbe und die Fähigkeit, sich in ihr zu beschränken;
Medard Kruchen ist seinen etwas engen Fesseln entschlüpft
und steht nun als ein kräftiger Mann da, der seine Sache mit Kraft
und Zuversicht anzufassen weiß. Und wie Hubert Ritzen¬
hofen, der stille Träumer, unverzagt seinen Weg gegangen ist,
so werden ihn auch seine Mitstrebenden, wie Lindemann,
Schmitz-Pleis, Paul und Reibmayr, zu machen verstehen.
Mit Plastiken treten in dieser Gruppe AdolfNieder und
Wilhelm Lehmbruck hervor, ganz besonders aber der
bereits zu reifer Meisterschaft gelangte BernhardHoetger.
Deutsche Kunstausstellung Düsseldorf 1911 — Claus Meyer: Frauen aus Flandern
(Hofphotogroph J. Söhn, Düsseldorf)
3Ö Q OQ Q Qö8 @ DEUTSCHLAND
193
Nr. 4
Gegenüber den vielen Gruppen sind die Künstler ohne
Anschluß nicht allzu gfünstig weggekommen. Hans Carps
recht gutes, sehr lebendiges Herrenbildnis z. B. hätte
einen besseren Platz verdient. Brillant schneidet Hermann
Angermeyer ab mit dem Bildnisse eines Kindes an der
Seite eines weißen Hundes, einem Bilde von prächtiger Zeich¬
nung und großer Tonschönheit. Theodor Funck glänzt
besonders durch eine Dame in geschmackvoller grüner Toilette
in stimmungsvoller Umgebung. Heinrich Hermanns bringt
ein paar farbige Kircheninterieurs, ein Feld, das auch
Albert Engstfeld mit großem Geschick betreten hat.
Von Wilhelm Fritzei sieht man eine sonnige Landschaft,
von JuliusMüller-Maßdorf erfreulich frische Girlanden-
Binderinnen und von Georg Wolf kraftvoll gemalte Kühe.
Als neue Erscheinung ist Lina Bürgers zu begrüßen, die
sich hier sowohl, wie in der Aquarell-Ausstellung vorteilhaft
eingeführt hat.
Mit dem von der Düsseldorfer Plastik eingenommenen
Raume endigt die Flucht der Säle. Hier finden wir außer
altem Bildhauern wie ClemensBuscher, die Vertreter der
jungen Düsseldorfer Schule, die sich bereits einen Namen
gemacht haben, wie Frederic Coubillier, Fritz Cauer,
Gregor von Bochmann d. J., August Bauer, Josef
Hammerschmidt, Jos. Körschgen, Heinz Müller,
und andere. Auch der junge Nachwuchs ist angetreten
und hat es verstanden, sich gleich in einem günstigen
Lichte zu zeigen. Peter Stammens Kinderakt ist ein
allerliebstes Stück und LeonLauffs' Mädchenfigur eine ernste,
architektonisch gut aufgebaute Brunnenzier. Auch Walter
Scheufens Arbeiten müssen erwähnt werden. Rudolf
Zieseniß imd Leopold Fleischhacker bringen gute
Porträts und HermannNolte außerdem noch sehr gefällige
kleine Bronzegruppen. Franz Brahmstedt zeigt mit dem
Halbakt eines jungen Mädchens, daß er den harten Realismus
seiner Erstlingsjahre zugunsten einer idealisierenden Stil¬
kunst glücklich überwunden hat. Claire Volkhart macht
uns zum ersten Male mit Arbeiten ihrer Hand bekannt, und
wir danken es ihr. In der graziösen Bronzeg^uppe „Lebens¬
freude" zeigt sie, daß sie eine Augenblicksbewegung graziös
festzuhalten weiß, und in einer Aschenurne gibt sie ein Bei¬
spiel gut verteilter plastischer Massen. Von FranzLinden
steht im Ehrenhofe eine reizende Brunnenfigur.
Zu erwähnen ist noch als nach Düsseldorf gehörig ein
im Saale der Münchener Scholle hängendes vornehmes
Damenporträt von Adolf Münzer, der auch sein prächtig
gelungenes Selbstporträt dort ausgestellt und schließlich
das Kabinett, das man Karl Ederer, dem jüngst an die
Akademie berufenen vielseitigen Wiener Künstler, eingeräumt
hat. Obschon er nicht mit größeren Oelbildern hervortreten
konnte, weil sie aus Privatbesitz nicht frei zu machen waren,
hat er sich doch durch seinen frischen Vortrag und ebenso
durch die bezwingende Ursprünglichkeit seines Temperaments,
wie auch durch die Vielseitigkeit seines Könnens, das sich
in zahlreichen kleineren Arbeiten bekundet, die Herzen der
Düsseldorfer im Sturm erobert.
Und endlich muß noch eines kleinen Ausstellungsraumes
gedacht werden, der eine Auswahl guter graphischer Arbeiten,
Radierungen und Zeichnungen enthält, wie auch auf den
reichen Inhalt der Düsseldorfer Abteilung in der Aquarell¬
ausstellung hingewiesen werden muß, wo die meisten Düssel¬
dorfer Künstler ihr Können in dieser Technik vorführen.
Zu guter Letzt wäre dann noch die interessante Abteilung
der Düsseldorfer Architekten zu erwähnen. Damit ist
in der vorliegenden Form eines flüchtigen Ueberblicks die
reichhaltige und vielseitige Beteiligung der Düsseldorfer Kunst
an der diesjährigen Kunstausstellung nicht erschöpft, sondern
nur in großen Umrissen ihr Anteil an dem — das kann man
wohl sagen — durchaus gelungenen Unternehmen skizziert.
Man hat sich daran gewöhnt, in den in regelmäßigen Ab¬
schnitten wiederkehrenden Ausstellungen im Kunstpalaste
einen Wertmesser der Düsseldorfer Kunst zu erblicken. Mit
Recht und — mit Vorbehalt. Mit Recht, weil man von einer
Künstlerschaft, die die ganze Welt zu Gaste lädt, erwarten
kann, daß sie bei einer Repräsentation im eigenen Hause das
Beste auftischt, was sie zu bieten hat. Darin hat die dies¬
jährige Ausstellung nicht enttäuscht. Mit Vorbehalt, weil
bedeutende künstlerische Persönlichkeiten, die für das Ansehen
Düsseldorfs als sogenannte Kunststadt ins Gewicht fallen, nicht
vertreten sind. Den genialen Wilhelm Kreis hat man mit
einer großen Kollektion nach Berlin in den Glaspalast am
Lehrter Bahnhof ziehen lassen; den hervorragenden Buch¬
schmuckkünstler F. H. Ehmke sucht man vergebens im
Katalog und ebenso den ausgezeichneten Goldschmied und
Emailleur C. A. Beumers. Dieser Vorbehalt soll nicht als Vor¬
wurf für die diesjährige Ausstellungsleitung gemacht sein, die
durch das System der Gruppeneinteilung nach mancher Rich¬
tung hin gebunden war, sondern lediglich als Fingerzweig für
zukünftige Ausstellungen, die durch eine stärkere Berücksichti¬
gung von Architektur und Kunstgewerbe das Gesamtbild vom
Düsseldorfer Kunstschaffen vollwertig zu gestalten berufen sind.
Mit dem Eifelverein in Montjoie.
Nach Montjoie, diesem wunderbar lieblich in das
wild zerklüftete Tal der obern Rur mit seinen alten Patrizier-
häusem und malerischen Bergstraßen eingebetteten Eifel¬
städtchen, hatte der Eifelverein seine 17000 Mitglieder
zur 23. Hauptversammlung geladen. Viele Hundert Freunde
des Eifelvereins waren dem Rufe gefolgt. Im Festschmuck
prangte das herrliche Städtchen, das wohl selten so viele
Gäste auf einmal sah und sie doch alle aufs beste zu
verpflegen und zu beherbergen wußte. Schon am Samstag
herrschte ein reges Treiben, große Scharen brachten die
Züge von fern und nah, und rüstige Wanderer hatten den
Weg zur Feststadt von einem der schönen Eingangstore in
die Eifel aus zu Fuß zurückgelegt. Begünstigt vom schönsten
Wetter, bot sich den vielen, die zum ersten Male die „Perle
der EifeP' besuchten, der ganze Zauber der herrlichen Gebirgs¬
landschaft von den vielen Aussichtspunkten und den bequemen
Höhen-Pfaden aus, Böllerschüsse weckten am Sonntag in
früher Morgenstunde die Schläfer, und mit flotten Marschweisen
zogen die ankommenden Menschenmengen von den ragenden
Waldbergen herab ins Städtchen. Den Festgottesdiensten in
den altehrwürdigen Kirchen beider Konfessionen folgte eine
Besichtigung der Stadt, des Kirchenschatzes in der Aukirche
und der umfassenden Photographiensammlung aus der Eifel,
die neben zahlreichen Amateuren besonders die verdienten
Mitglieder Walter Scheibler (Montjoie) und Ernst
Charlier (Aachen) aufs reichlichste versorgt hatten.
In der Hauptversammlung am Sonntagvormittag, die der
Vorsitzende Landrat Dr. Kaufmann aus Euskirchen mit
bestem Erfolge leitete, wurde nach Erledigung des Jahres¬
berichts und des mit dem ansehnlichen Betrag von über
20 000Mark abschließenden Voranschlags für 1912 beschlossen,
durch Einrichtung eines besonderen Verkehrs-Ausschusses
eine wirksame Vertretung der Eisenbahn- und sonstigen Ver¬
kehrsbedürfnisse in die Eifel hinein zu schaffen, sowie durch
Versorgung der Zeitungen in Rheinland und Westfalen mit
interessanten Nachrichten aus dem Eifelgebiet die
Aufmerksamkeit größerer Kreise auf die Eifel selbst und den
rastlos vorwärts strebenden Eifelverein immer wieder hinzu¬
lenken. Einen breiten Raum nahm die Frage der Schüler¬
herbergen, ihre Entwicklung und ihre Fortführung ein, und
nach einem überaus eindrucksvollen Vortrag des bekannten
Förderers der Jugend Wanderungen, Professor Kissinger
(Darmstadt), wurde beschlossen, den Zuschuß des Eifelvereins
für die Schüler- und Studentenherbergen in der Eifel von
800 Mark auf 2000 Mark zu erhöhen. Die Hauptversamm¬
lung bestätigte mit stürmischer Zustimmung die Ernennung
194
DEUTSCHLAND
des Oberpräsidenten Freiherrn von Rheinbaben,
der die Verhandlungen von Anfang bis zu Ende mit sichtlichem
Interesse verfolgte, zum Ehrenvorsitzenden und die
Erweiterungswahlen zum Vorstand. Der Oberpräsident dankte
mit herzlichen Worten und brachte das volle Interesse der
Staatsregierung und besonders des rheinischen Oberpräsidiums
an den Bestrebungen des Eifelvereins zum Ausdruck. Nichts
sei mehr geeignet, unser deutsches Volk wieder gesund zu
machen und zu erhalten in dieser rast« und ruhelosen Zeit,
als das feste Wurzeln im heimischen Boden, als das köstliche
Gut der Heimat und die Liebe zu ihr. Köstlich sei es, die
Menschen wieder auf die ursprünglichen Güter der
Natur zurückzuführen, und das ganz besonders in der
schönen Rheinprovinz, in der Eifel. Und so sei das letzte
Ziel des Eifelvereins, zurückzuführen zur Freude an der
Natur, ein hohes und hehres Ziel, dem nachzustreben eine
ernste und dankbare Aufgabe bleibe.
Bei dem Festessen am Sonntagmittag, bei dem manch
kerniges und auch manch launiges Wort gesprochen wurde,
stellte der Oberpräsident nochmals die Grundforderung für
das Wohl des deutschen Volkes: Zu rück zu r N a tu r, zurück
zur alten HeimatI
Milgeteilt wurde, daß die Lichtbildersammlung des
Eifelvereins eine wertvolle Ergänzung erfahren hat, daß
die Neuauflage des vom Schriftführer B e rg h o f f (Bonn) mit
vielem Fleiß und großer Sorgfalt zur Freude und Bequem¬
lichkeit aller Eifelbesucher herausgegebenen Sommerfrischen-
Verzeichnisses sich außerordentlicher Beliebtheit erfreut und
sehr starke Nachfrage findet, daß schließlich die Vorberei¬
tungen für die umfangreiche Festschrift zum 25jährigen
Jubiläum des Eifelvereins im Sommer 1913 in Trier in
vollem Gange sind. — Zur Instandhaltung der dem Eifel¬
verein gehörigen herrlichen Ruine Niederburg bei
Manderscheid wurde ein großer Betrag, der aus staat¬
lichen und Provinzmitteln ergänzt werden soll, bereitgestellt.
Um die Ehre, die nächste Hauptversammlung 1912 bei sich
zu sehen, stritten sich mit seltenem Eifer die luxemburgischen
Bergstädte Clerf, Ettelbrück und Echternach; die endgültige
Wahl des Ortes bleibt dem Hauptvorstand überlassen. Haupt¬
lehrer Langenberg (Eupen) befürwortete die Erhaltung
eines Teiles des Hohen Venns, ein Abschnitt am Getzbach
mit dem anschließenden Teil des Herzogenwaldes, als Natur¬
schutzgebiet. Regierungspräsident Dr. von Sandt (Aachen)
machte die interessante Mitteilung, daß bereits der Aus¬
schuß für Naturdenkmalpflege in Aachen dieser
Sache nähergetreten sei. Der Eifelverein wird mit dem ge¬
nannten Ausschuß in enger Fühlung bleiben und sich an der
bevorstehenden Ortsbesichtigung beteiligen.
In der Hauptvorstandssitzung am Samstagnachmittag, ,|
in der die Tagesordnung bereits eingehend durchberaten war, |
legte Professor Schürmann (Düren) die prachtvolle, allen 1
Angriffen trotzende Lebenskraft des Strohdachs klar. Der ,
Werl des Strohdachs ist kaum je in so fachmännischer, er¬
schöpfender Weise erschlossen worden.
Aus der Fülle der festlichen Veranstaltungen, die der
Ortsausschuß unter Leitung des Bürgermeisters Pleuß mit
gutem Erfolge getroffen hatte, sei nur genannt die Feier auf
der Burgruine am Sonntagnachmittag, wo Montjoies Bürger
und Bürgerinnen mit ihren vielen Gästen bei den Klängen
der Kapellen, den hervorragenden Chorliedern des Männer-
Gesangvereins und den prachtvollen Vorführungen des Turn¬
vereins in fröhlichem Verkehr beisammen waren. Am Abend
gab’s eine besondere Abschiedsüberraschung: in magischem |
Lichte erstrahlten plötzlich die düsteren Ruinen der uralten *
Burg mit ihren ragenden Zinnen und Turmgemäuern und
jenseits des Tales die Reste des Hallerturmes, und weithin
sprühten die Lichtgarben eines wundervoll wirkenden Feuer¬
werks über die trotzigen Felsklippen.
Dann ging's ans Abschiednehmen. Mit frohen Wünschen
boten sich die bewährten alten und die wanderfrohen jungen
Eifelvereinler den Abschiedsgruß, Dankes voll gegen die
schöne alte Stadt Montjoie, gegen die Eifel, die Seele und
Leib gesunden läßt in ihrer Berge und Täler weltentrücktem
Himmelsfrieden.
Nr.4 ■>QQ0QQQQQ3QQQ9QQQQ 993Ö9Q a i DEUTSCHLAND
i 195
WIRTSCHAFTLICHER TEIL
Bericht über die zehnte ordentliche Jahreshauptversammlung
des Bundes Deutscher Verkehrs-Vereine
am 6.—9. Juni 1911 in Worms.
Anwesend waren: Anhäuser, G., Redakteur, Darmstadt; Bau¬
mann, Amo, Direktor d. Fr. V. V., Eisenach ; Behrens, Bernhard,
KOnigl. sächs. Hofrat, Oberlössnitz-Dresden; Bender, Heinrich,
Stadtverordneter, Worms; Bigge, Wilhelm, Generalmajor z. D.,
Coblenz; Böcker, August, Hofphotog^aph, Donaueschingen;
Böhmer F. C., Fabrikant, Alzey; Bonin, D., Professor, Gr. Ober¬
lehrer; Bopp, Hermann, Dr. phil., Fabrikbesitzer, Frei-Weinheim
in Rheinhessen; Borger, Jos., Stadtrat, Bühl; Braun, Gustav
Otto, vom Verlag der Bundeszeitschrift „Deutschland“, Düssel¬
dorf, und Frau, Leipzig; Brieke, Ernst, Stadtsekretär und
Magistratsmitglied, Göttingen, und Tochter Luise; Cnyrim, Her¬
mann, Buchdruckereibesitzer, Worms; Conström, Oskar, General¬
sekretär, Berlin; Dahms, Wilhelm, Buchdruckereibesitzer, und
Frau, Lübeck; Darmstädter, Viktor, Stadtrat und Vorsitzender
des Verkehrsvereins, Mannheim; Decke, Dr. Ernst, Rechts¬
anwalt, Breslau; Duve, Heinrich, Drogenhändler, Altona-Elbe;
Ebel, Julius, Kaufmann, Worms; Eberhard, Heinrich, Lehrer,
Wilhelmshaven; Ehlers, Cäsar, Hamburg, und Tochter; Esch-
holz, Therese, Pensions-Inhaberin, Berlin; Freiträger, Bernhard,
Branddirektor a. D., Bremerhaven; Friedrich, Dr. Ernst, Professor
und Frau, Leipzig; Gontard, Friedrich, Kaufmann, Frau und
Tochter, Leipzig; Heim, Rudolf, Stadtverordneter, Worms; Helm,
Fr., Stadtverordneter, Giessen; Hein, Dr. Karl, Rechtsanwalt
und Stadtverordneter, Worms; Herbst, Christian, Hofpholograph,
Worms; Herda, Worms; von Heyl, Freiherr, Dr. Cornelius,
Fabrikherr, Worms; von Heyl zu Herrnsheim, Freiherr, Reichs¬
tagsabgeordneter, Worms; Hohl, Franz, Geschäftsführer des
Verkehrsvereins, Mannheim ; Hünefeld, Wolfgang, Leutnant a. D.
und Repräsentant der Verlagsanstalt Ullstein & Co., Berlin,
Leipzig; Hüttenbach, H., Kaufmann, Worms; Dr. Kayser,
Geheimer Regierungsrat, Gr. Kreisrat des Kreises Worms; Kelp,
Robert, Bürgermeister, und Frau, Zeitz; Kirsch, Hermann,
Geschäftsführer, Leipzig; Köhler, Heinrich, Oberbürgermeister,
Worms; Körfgen, Joseph, Privatier, Frankfurt und Bad Nau¬
heim; Köhler, Karl, Kaufmann, Ludwigshafen; Kranzbühler,
Bugen, Rentner, Worms; Krauss, Direktor, Düsseldorf; Krüger,
F.R., Schulvorsteher, Hamburg; Krug von Nidda, Regierungsrat,
als Vertreter der General-Direktion; Kuckuck, Dr. Jur. Alexander,
Syndikus, und Frau, Dortmund; Künne, Richard, Kaufmann
Braunschweig; Langenbach, Alfred, Weinhändler, Worms;
Lebrecht, Karl,Rechtsanwalt, Leipzig; Liebmann, Emil, Kaufmann,
Alzey; Löwe, Kornelius, Dr. jur., Direktor, Berlin; Lohnstein,
Ludwig, Kaufmann, Worms; Lorbach, W., Apotheker, Worms;
Mahler, Wilhelm jun., Worms; Metzke, Albert, Hauptmann a. D.,
Mainz; Metzler, Gg. Wilhelm, Gr. Bürgermeisterei-Beigeord¬
neter, Worms; Möckel, Hermann, Seminaroberlehrer a. D.,
Schneeberg in Sachsen; Muck, Ferdinand, königl. Notar, Bad
Dürkheim; Müller, Dr. Richard, Rechtsrat der Stadt Ludwigs¬
hafen, Ludwigshafen; Obenauer, Friedrich, Professor, Oppen¬
heim; Onken, Adolf, Schiffsingenieur a. D., Frau und Tochter,
Hannover; Ostertag, Robert, Stadtrat, Karlsruhe; Pfeiffer, Franz,
Kaufm^pn, Hoflieferant, Weimar; Prölss, Eduard, Branddirektor,
Magdeburg; Rauprich, Max, Sanitätsrat, Dr. med., prakt Arzt,
Wurzen bei Leipzig; von Reichenau, Wilhelm, Professor Dr.,
Mainz; Roth, Friedrich, Professor, Dr. phil., Leipzig; Rühl,
Louis, Direktor, Worms; Sattler, Albert, Schulinspektor, und
Frau, Braunschweig'; Schäfer, Heinrich, Eisenbahnbeamter,
Darmstadt, Vertreter für Niederramstadt - Traisa; Schmahl,
Fr. Karl, Kommerzienrat, Mainz; Scheurich, Reinhold, Kauf¬
mann, Alzey; Schmidt, Gustav, Bürgermeister a. D., und Frau,
Hannover; Schmidt, Martin, Regierungsrat, Mitglied der Königl.
Preuss. und Grossh. Hess. Eisenbahndirektion; Schmidt, Her¬
mann, Bürgermeister, Oppenheim; Schmidt, G., Bürgermeister,
und Frau, Hannover; Schnellbächer, Georg, Bürgermeister,
Lindenfels; Scholl, F, A., Taubstummenlehrer, Trier; Schumacher,
Jos., Direktor, Redakteur der Zeitschrift „Deutschland“, Düssel¬
dorf; Schwager, Emil, Stadtrat und Landtagsabgeordneter, Zittau ;
Schweninger, Karl, Oberst a. D., München; Seelmann, Werner,
Oberst a. D., und Frau, Binz auf Rügen; Selbst, L., Lehrer,
, Oppenheim; Seyfert, Dr. Johannes, Geschäftsführer des Bundes,
Leipzig; Sieben, Paul, Rentner, Auerbach a. d. Bergstrasse;
Streich, Elise, Hannover; Stübler, Adolf, Gemeinderat, Stuttgart;
Trumpier, Klemens, Kommerzienrat, Fabrikant, Worms; Thele-
mann. Reinhold, Oberst z. D., Stettin; Webel, Lucian, Stadt¬
verordneter, Mainz ; Weckerling, Dr. med., Arzt, Worms; Weiss,
Dr., J. G., Bürgermeister, Mitglied der badischen ersten Kammer,
Eberbach; Wernher, Karl, Oppenheim; Werther, Reinhold,
Redakteur, Hann.-Münden ; Wevers, Dr. Alfred, Bürgermeister,
Worms; Zulehner, Karl, Ingenieur und Bauunternehmer, Kassel.
Empfangsabend.
Am 6. Juni, abends 87 ^ Uhr, fand ein Begrüssungsabend
im Saale der „Zwölf Apostel“, veranstaltet vom Verkehrs-Verein
Worms, statt. Neben dem Bundesvorsitzenden, Herrn Gontard,
sassen der Vorsitzende des Wormser Verkehrs-Vereins, Herr
Reichstagsabgeordneter Freiherr von Heyl zu Herrnsheim und
der zweite Vorsitzende des Wormser Vereins, Herr Kommerzienrat
Trumpier. Als Vertreter der Stadt Worms waren anwesend die
Herren Oberbürgermeister Köhler und Bürgermeister Dr. Wevers.
Die Eisenbahnbehörde war durch Herrn Regierungs- und Bau¬
rat Schmidt vertreten. Am Begrüssungsabend waren etwa
150 Vertreter der Verkehrs-Vereine und -Verbände aller deutschen
Gauen anwesend.
Es erfolgten herzliche Begrüssungsansprachen seitens des
Herrn Reichstagsabgeordneten Freiherrn von Heyl zu Herrnsheim,
des Herrn Kommerzienrats Trumpier und des Herrn Bürger¬
meisters Dr. Wevers. Der Bundesvorsitzende Gontard dankte
mit launigen Worten für den schönen Empfang, der dem Bund
Deutscher Verkehrs-Vereine in Worms bereitet worden war.
Unter dem Klang der Kapelle des 118, Regiments, unter
verschiedenen musikalischen Darbietungen einiger Mitglieder
des Verkehrs-Vereins Worms und eines Sängerquartetts und
mehreren Ansprachen verlief der Begrüssungsabend in äusserst
anregender und herzlicher Weise.
Bericht über die öffentliche Hauptversammlung
am 7. Juni, vormittags 10 Uhr im „Cornelianum“.
Tagesordnung:
1. Begrüssung.
2. Jahresbericht (die Aussprache darüber fand in der ge¬
schlossenen Mitgliederversammlung statt).
3. Propaganda im Auslande (Referent: Herr Professor
Dr. Friedrich, Leipzig).
4. Vortrag die Schnakenplage (Referent: Herr Dr. Bopp,
Frei-W einheim).
’ 5. Feriensonderzüge (Referent: Herr Dr. Kuckuck, Dortmund).
2 ] ^6. Vortrag des Herrn Dr. Löwe, Berlin, über: Propaganda¬
mittel für die Zwecke der Verkehrs-Vereine mit besonderer
Rücksicht auf die Berliner Reise-Ausstellung).
Der Bundesvorsitzende, Herr Gontard, eröffnete die Sitzung
mit herzlichen Dankesworten an die Erschienenen kurz nach
10 Uhr und bat zunächst um Zustimmung zu der Absendung
von Begrüssungstelegrammen an den Kaiser und den Gross¬
herzog von Hessen. Dieser Vorschlag wurde einstimmig gut¬
geheissen.
Sodann wurde Herr Freiherr von Heyl zu Herrnsheim
unter lebhaftem Beifall zum Ehrenvorsitzenden der Ver¬
sammlung gewählt.
Der Herr Vorsitzende .begrüsste hierauf ganz besonders
Herrn Geheimen Regierungsrat Dr. Kayser, als Vertreter des
Grossherzoglichen Ministeriums, Herrn Reg^erungsrat Krug von
Nidda, als Vertreter der Provinzial-Direktion, Herrn Regierungs¬
rat Schmidt, als Vertreter des Herrn Eisenbahnministers,
Herrn Oberbürgermeister Köhler, als Vertreter der Stadt Worms
und Herrn Oberst von B e h r, Kommandeur des 1x8. Regiments.
Herr Geheimer Regierungsrat Dr. Kayser hiess den Bund
im Namen des Hessischen Ministeriums des Innern herzlich
willkommen. Ebenso begrüssten die Vertreter der Provinzial¬
direktion, der Eisenbahnverwaltung und der Stadt den Bund
und sprachen ihre Sympathie mit seinen Bestrebungen aus.
Hierauf gfing der Herr Vorsitzende näher auf die Aufgaben
des Bundes ein. Er wies besonders darauf hin, dass mehr
1Q6 l B99QQQ0QQQQQ30QQ ee898 QQQQQQ i l E DEUTSCHLAND 1 6 8600000606000000060 6 06660 1 Nr. 4
und mehr zwei Ziele in den Vordergrund treten: die Heran¬
ziehung von Ausländern zwecks Verbesserung der deutschen
Zahlungsbilanz und der Ausgleich der Interessen der
einzelnen zum Wo hie des Ganzen, soweit diese Inter¬
essen den Verkehr betrefTen und nicht vom Staat geordnet
werden sollen. Der Zuzug ausländischer Fremden, die im
Lande kaufen, ist unbestritten für die Volkswirtschaft von
grösster Bedeutung. Es kann als erwiesen gelten, dass Frank¬
reich einen guten Teil seines Goldschatzes in der Bank von
Frankreich und eines damit bedingten gleichmässigen Diskonts
und allgemeinen billigen Zinssatzes den Gold und Tratten in
das Ausland bringenden Fremden in Paris und an der Riviera
verdankt. Was wäre Italien ohne Fremdenindustrie? Ver¬
suchen wir genügende Ausländer herbeizuziehen! Freilich sind
wir jetzt wohl noch im wesentlichen in der Defensive. Es gilt
mehr denn je dagegen anzukämpfen, dass nicht Fremde durch
die Anstrengung anderer Länder fortgezogen werden. Hierbei
sei auch gesagt, dass es unseren eigenen Landesleuten die
Augen zu öffnen gilt, dass sie eine soziale Pflicht erfüllen,
wenn sie auch bei Erholungsreisen in erster Linie an das
Gewerbe ihrer Landsleute denken. Engherzig wollen wir freilich
hierbei nicht sein und uns fremden Völkern gegenüber auf den
Boden unbedingter Gegenseitigkeit stellen. Nur müssen wir
bei der Förderung von Reisen ins Ausland über ein gewisses
Mass nicht hinausgehen; eine Ausnahme wird vielleicht das
Reisen nach unseren Kolonien bilden.
Bei dem Ausgleich der Verkehrsinteressen im Inlande, bei
denen in der Regel die am Verkehr Verdienenden und das
Publikum die Gegensätze bilden, soll und kann der Staat nur
im Notfälle eintreten. Andernfalls würden wir hierbei an Ge¬
setzen und Verboten zugrunde gehen. Dagegen ist es Sache
des Bundes, alle in Frage kommenden Kreise, also unser ganzes
Volk darauf hinzuweisen, welche Pflichten ihm der Nutzen der
Gesamtheit auch im Verkehr auferlegt und dass dem Menschen
auch beim Reisen nur das nützen kann, wofür er Verständnis
hat. Viel hilft uns da die Schule und die Schule des deutschen
Mannes, das Militär. Dank den Lehrern, Dank den Offizieren,
die bewusst oder unbewusst dem Deutschen das Verständnis
für die Anforderungen des Verkehrs übermitteln. Dank aber
auch der Presse und allen, die hierbei mithelfen. Etwaige Uebel-
stände auf einzelnen Verkehrsgebieten werden wir schonungs¬
los aufzudecken haben.
Die Einhaltung der wichtigen Grenzen unserer Tätigkeit
wird immer eine Sache des Taktes und des Gefühls bleiben.
Gegenüber Reisebureaus und Buchhandel muss strengste
Unparteilichkeit massgebend sein. —
Zu Punkt zwei erstattete der Geschäftsführer des Bundes,
Dr. Seyfert, den Jahresbericht; er ging näher auf
einzelne Punkte desselben ein, soweit sie namentlich die
Oeffentlichkeit interessieren, und führte folgendes aus:
Der Jahresbericht stellt fest, dass die Kämpfe der Ent¬
wicklungsjahre des Bundes bis zu gewissem Grade zu einem
Abschluss gelangt sind. Unsere Kräfte sind infolgedessen jetzt
etwas frei geworden zu ruhiger, stetiger Arbeit. Schon der
Umfang des Berichtes gibt Zeugnis von der Fülle der Arbeit,
die im vergangenen Jahre geleistet worden ist. Der Bericht
geht zunächst auf die stattgefundenen Sitzungen und die
Zusammensetzung des Vorstandes, sowie auf die
Mitgliederzahl des Bundes ein. Die letztere hat einen
erfreulichen Zuwachs zu verzeichnen gehabt. Es sind nicht
weniger als 26 neue Mitglieder im vergangenen Jahre dem Bunde
beigetreten, und seit Abschluss des Berichtes liegen bereits
einige weitere Anmeldungen vor. Wir können daher mit Recht
behaupten, dass heute nahezu alle für den deutschen Fremden¬
verkehr massgebenden Vereinigungen dem Bund Deutscher
Verkehrs-Vereine angehören. Sie finden dann weiter einen
Bericht über die Ausstellung des Bundes auf der Inter¬
nationalen Ausstellung für Reise- und Fremden¬
verkehr in Berlin. Wie bekannt ist, wurde die Bundes¬
leitung auf der vorjährigen Hauptversammlung in Braunschweig
damit beauftragt, für eine würdige Vertretung des Bundes auf
dieser Ausstellung Sorge zu tragen. Die Ausstellung dauert
heute noch fort, so dass ein abschliessendes Urteil noch nicht
erfolgen kann. Der geschäftsführende Ausschuss hat jedenfalls
mit den ihm zur Verfügung stehenden geringen Mitteln eine
Ausstellung geschaffen, die beim Publikum grosse Beachtung findet.
In der vorjährigen Hauptversammlung konnten wir die Er¬
richtung zweier Au skun ftste 11 en im Auslande melden.
Im Laufe des Geschäftsjahres ist es gelungen, nicht weniger
als 29 solcher Auskunftstellen im Auslande zu errichten. Ueber
alles Nähere in bezug auf diese Punkte wird Ihnen heute noch
ein ausführliches Referat, und zwar das über Propaganda im
Auslande, erstattet werden.
Ueber das deutsche Verkehrsbureau auf der Welt¬
ausstellung in Brüssel hat Ihnen bereits Herr Direktor
Schumacher auf der Berliner Mitgliederversammlung Bericht
erstattet. Ich möchte hier in der Oeffentlichkeit nochmals der
erfreulichen Mitwirkung derPreussisch H essi sehen
Eisenbahn verwaltung beim Zustandekommen des Bureaus
gedenken.
Weiterhin befindet sich im Jahresbericht ein Hinweis auf
die literarische Tätigkeit verschiedener Bundesmitglieder in
unserem schönen Bundesorgan „D eu t s ch 1 a n d“ ; hoffentlich
wird die Beteiligung der Mitglieder in dieser Hinsicht zukünftig
in noch reicherem Masse erfolgen als bisher. Das Bundes-
organ selbst hat sich als ein äusserst wirksames Hilfsmittel
unserer Bestrebungen erwiesen. Der Bund ist durch dasselbe
im In- und Auslande bekannter geworden. Es ist auch neuer¬
dings Aussicht vorhanden, dass das Bundesorgan in den
D-Zügen der deutschen Eisenbahnen zum Aushang gelangt.
Es bedeutet dies allerdings eine starke finanzielle Belastung,
aber es steht zu hoffen, dass auch hierfür die Mittel bereit¬
gestellt werden können.
Auch mit dem spröden Gebiete der Errichtung einer ein-'
heitlichen Fremdenverkehrsstatistik hat sich der Bund
weiter befasst. Leider haben wir bei unseren Bestrebungen die
Unterstützung des deutschen Städtetages nicht gefunden. Wir
werden aber unablässig auf diesem Gebiete weiter arbeiten.
Es ist allerdings dazu notwendig, dass die einzelnen Verkehrs-
Vereine und Verwaltungen den Wert einer Fremdenverkehrs¬
statistik begreifen lernen und die in Frage kommenden Behörden
und Bevölkerungskreise aufklären. Es gibt heute noch manche
grosse Badeverwaltung, die ohne jede Fremdenverkehrsstatistik
arbeitet. Unser Münchener Bundesverein sagt mit Recht in
einem Bericht: Hebung des Fremdenverkehrs treiben wollen'
ohne Statistik, gleicht einem kaufmännischen Geschäft, das j
sich erkühnt, ohne Mass und Gewicht zu arbeiten. |
Ferner befasste sich die Geschäftsführung mit Thüringer j
Eisenbahnprojekten. Es ist hierbei hauptsächlich die Br- '
Schliessung der Rhön ins Auge gefasst. j
Weiter befassten wir uns mit der Beseitigung der Pflaster¬
zölle in bayerischen Gemeinden. '
Im Interesse der Erhaltung der Konkurrenzfähigkeit der
deutschen Ostseebäder auf Rügen gegenüber ausländischen
Bädern wurde die Agitation der Rügenbäder für den Ausbau
der Nebenbahn Puttbus —Göhren in eine Vollbahn
unterstützt.
Wir konnten auch einigen Bundesvereinen in der Ver¬
folgung lokaler Wünsche nützlich sein.
Die Bestrebungen des Verbandes deutscher Eil-
boten-Anstalten, die Freiheit der Beförderung einzelner
Briefe innerhalb des Stadtgebietes zu erreichen, wurde vom
Bunde unterstützt.
Zu den Schiffahrtsabgaben konnte der Bund keine
Stellung nehmen, da die Stellungnahme der einzelnen Vor¬
standsmitglieder sehr verschiedenartig war.
Ueber Feriensonderzüge folgt noch ein eingehendes
Referat, ebenso über die Sommerferien und den Bild¬
schmuck in den Eisenbahnwagen.
Der Bericht gedenkt zum Schluss der Auskunft¬
erteilung und Verteilung von Drucksachen, was
keine geringe Arbeit war.
Auf der vorjährigen Hauptversammlung waren die Aufgaben
des Bundes vor allem zerleg^ worden in Organisation, Propa¬
gandatätigkeit und Unterstützung der Mitglieder mit Rat und
Tat einerseits und in Bearbeitung von Verkehrsfragen ander¬
seits. Damals wurde weiter darauf hingewiesen, dass es gelte, die
deutschen Behörden dafür zu gewinnen, dass sie den Bund
mehr und mehr zur Mitarbeit heranzögen. Blicken wir auf
das vergangene Jahr zurück, so können wir mit Befriedigung
sagen, dass wir auf diesem Wege einen guten Schritt vorwärts
gelangt sind, --
Zu Punkt 3 folgte sodann der Vortrag des Herrn Professor
Dr. Friedrich (Leipzig) über
Propaganda im Auslande.
Der Vortrag, der bei den Anwesenden grössten Beifall fand,
wird in der nächsten Nummer der Zeitschrift „Deutschland**
zum Abdruck gebracht.
In der darauf folgenden Diskussion bezweifelte Herr Stadtrat
Ostertag die erfolgreiche Wirkung von Auskunftstellen im
Auslande, die vom Bunde nicht bezahlt werden. Er begrüsste
es daher, dass dem Bunde von den Bundesregierungen Gelder
zur Verfügung gestellt worden sind, wovon namentlich offizielle
Auskunftstellen, wenn auch wenige, errichtet werden sollen.
Herr Oberst Schweninger (München) machte darauf
aufmerksam, dass tadellos funktionierende Auskunftstellen
schwer zu erlangen seien, da einmal ungeheure Summen hierfür
aufzuwenden seien und anderseits noch nicht genügendes und I
gutes Auskunftpersonal vorhanden sei. Er ging sodann darauf 1
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ein, wie grosse Summen seitens der Verkehrs-Vereine für im Auslande für die FeriensonderzÜge zu Übernehmen. Auf
Inserate verschwendet werden. Bin empfehlenswerter Weg sei diese Weise würden die beantragten Sonderzüge zweifellos eine
die Sammelannonce. Weiter wies er darauf hin, dass genügende Benutzung aufweisen und für die Bisenbahnverwal-
man nicht zu umfangreiche Führer herausgeben sollte, sondern tungen rentabel sein.
kleine Prospekte, die, mit einem Bilde versehen, auf etwa Herr Direktor Schumacher (Düsseldorf) stimmte dem
4- bis 6 Seiten die* Hauptsachen der Landschaften, des Ortes Referenten bei und betonte, dass bei der Organisation von Ferien-
sagten und dadurch den Fremden interessierten. sonderzUgen, wie Sonderzügen überhaupt, mehr Rücksicht auf die
Herr Professor Fr ied rieh (Leipzig) wies in einem Schluss- deutschen Sommerfrischen, Kur- und Brholungsplätze ge-
wort darauf hin, dass der geschäftsftthrende Ausschuss von den nommen werden müsse. £r schlug vor, eine Kommission
, Auskunftstellen im Auslande Berichte über ihre Tätigkeit ein- einzusetzen, die in Bezugnahme auf die Vorschläge des Referenten
gezogen habe, die zum grössten Teile recht günstig lauten. die Angelegenheit weiter bearbeite.
Die Auskunftstellen des Bundes seien meist bei Verkehrs- Herr Oberst Schweninger (München) war der Meinung,
gesellschaften untergebracht, die selbst Interesse an dem Verkehr dass die Statistiken der Eisenbahnbehörden Über die Benutzung
' nach Deutschland und an unserem Propagandamaterial haben. von Eisenbahnzügen der Oeffentlichkeit übergeben werden sollten.
Es sei daher für ein gutes Funktionieren der Auskunftstellen wie dies in Bayern schon jetzt geschehe, da hierdurch am
gesorgt. — leichtesten falsche Schlüsse widerlegt würden. Er betonte im
Hierauf hielt unter Punkt 4 Herr Dr. B o p p (Frei-Weinheim) Gegensatz zu dem Referenten, dass die meisten Reisenden der
seinen Vortrag über die S ch n a k e n p la g e. Der eingehende Vor- Feriensonderzüge nach München nicht in das Ausland gingen,
trag gipfelte darin, dass der Bund Deutscher Verkehrs-Vereine sondern in München und im bayrischen Hochlande blieben,
die Angelegenheit der Bekämpfung der Schnakenplage weiter Herr Hofrat Behrens (Dresden) war dagegen der Ansicht,
verfolgen möge, obgleich die Frage nur ganz wenige Landstriche dass die meisten Reisenden, welche die Feriensonderzüge nach
Deutschlands berühre. Das Reichsgesundheitsamt müsse die München benutzen, nach Tirol und der Schweiz reisen. Er
Bekämpfung der Schnakenplage in die Hand nehmen, dann trat ebenfalls für die Einsetzung einer Kommission ein.
könne viel erreicht werden. Der geschäftsführende Ausschuss wird unter Zuziehung der
Herr Professor Dr. Reichenau (Mainz) ergänzte die Aus- Herren Dr. Kuckuck, Stadtrat Schwager (Zittau) und Krüger
ftthningen des Redners. (Hamburg) die Angelegenheit weiter verfolgen.
Herr Kommerzienrat Sch mahl (Mainz) machte darauf auf- Sodann hielt zu Punkt 6 Herr Dr. Löwe (Berlin) seinen
merksam, dass es gelte, nach grossen einheitlichen Gesichts- Vortrag über Propagandamittel für die Zwecke der
punkten vorzugehen. Verkehrs-Vereine mit besonderer RUcksicht auf
Hierauf wurde die Tagung um 12 Uhr durch ein von der die Internationale Ausstellung für Reise- und
Stadt Worms gegebenes Frühstück unterbrochen, das in der Fremdenverkehr in Berlin. Herr Dr. Löwe wies auf
prä<ditigen Halle des „Cornelianums** an schön geschmückten den Wert der Fremdenverkehrs-Statistik hin. Soweit eine solche
Tafeln eingenommen und zu dem die beste Marke Liebfrau- Statistik bereits bestehe, könne man schätzen, dass Deutschland
milch gereicht wurde. Herr Schulinsp. Sattler (Braunschweig) Millionen, ja vielleicht Milliarden durch den Fremdenverkehr
sprach in humorvollen Worten auf die Stadt Worms und gewinne. Die Fremdenverkehrsindustrie sei heute den grossen
stattete den Dank des Bundes für die gastliche Bewirtung ab. Wirtschaftsgruppen ebenbürtig geworden. Von grösster Bedeu-
Nach etwa einer Stunde wurde die Verhandlung fortgesetzt. tung für die Verkehrs-Vereine sei die deutsche Presse. Der
Der Referent über die Schnakenplage, Herr Dr. Bo pp, trat nach Redner verbreitete sich weiterhin über den Wert von Photo-
Wiedereröffnung der Sitzung dafür ein, dass ein in Gründung graphien, Karten und Plänen für die Propaganda der Verkehrs¬
begriffenes Institut zur Bekämpfung der Schnakenplage vom Vereine, die künstlerisch hergestellt werden müssten. Die
Bund finanziell unterstützt werden solle. — deutschen Verkehrs-Vereine müssten bestrebt sein, mehr Fremde
Hierauf sprach Herr Dr. Kuckuck (Dortmund) unter
Punkt 5 Über die bisherigen Schritte des Bundes in der Ange¬
legenheit der
Feriensonderzüge.
(Auch auf den Inhalt dieses Vortrages werden wir in der
nächsten Nummer näher eingehen.) Er wies vor allem darauf
hin, dass mit den bestehenden Feriensonderzügen die Deutschen
ins Ausland geführt würden und trat für die Einführung
von Sonderzügen von den deutschen Grenzen nach dem
Innern Deutschlands ein.
Zum Schluss beantragte der Referent, seitens der Mitglieder
folgende Punkte anzuerkennen:
L dass die Einrichtung der Feriensonderzüge in wirtschaft¬
licher Beziehung wichtig, aber in der augenblicklichen Form
sehr reformbedürftig sei;
2. dass die eisenbahnseitig aufgestellte Zweckbestimmung zu
eng begrenzt sei, daher erweitert werden müsse, wozu prak¬
tische Vorschläge allgemeiner Art seitens des Bundes für
die Interessenten bei der Eisenbahnverwaltung zu machen
sind;
3. dass die Interessenten spezielle Wünsche für Einlegung von
Feriensonderzügen an den Bund gelangen lassen müssen,
um diesem eine wirksame und praktische Vertretung zu er¬
möglichen, und beschliessen auf dem bisher eingeschlagenen
Wege fortzufahren, das Ministerium für öffentliche Arbeiten
in Preussen und den anderen Bundesstaaten zu den ge¬
wünschten Abänderungen und Erweitemngen der Einrich¬
tung der Feriensonderkarten zu veranlassen und hierin die
Bundesverwaltung nach Kräften zu unterstützen.
Herr Krüger (Hamburg) beantragte ferner: Der Bund
möge dahin wirken, dass im Auslande die erforderliche Propa-
gwda für Reisen nach Deutschland gemacht werde, um dort
eine grössere Anzahl von Sonderzügen nach Deutschland zu
veranstalten als bisher.
nach Deutschland hereinzubekommen, als Deutsche in das Aus¬
land hinauszuschicken. In bezug auf die Jugend-Erziehung
vertrat der Redner den Standpunkt, dass unsere Kinder in der
Heimat besser zu Hause sein müssten, als in andern Ländern.
Im Anschluss hieran erwiderte Herr Schulinspektor Sattler
(Braunschweig), dass die Schulen heute eifrig bemüht seien,
den Kindern unser deutsches Vaterland vertraut zu machen.
Der Redner äusserte sich bei dieser Gelegenheit mit grosser An¬
erkennung über die Berliner Reise-Ausstellung und die Aus¬
stellung des Bundes. Er habe Aeusserungen des Publikums in
der Ausstellung angehört, die anerkennend über die Ausstellung
lauteten. Er müsse als Folge der Ausstellung bezeichnen, dass
sehr grosse Mengen der Braunschweiger Prospekte in diesem
Jahre verlangt würden. Weiterhin gedachte er sowie Herr
Lehrer Selbst (Oppenheim) des Bundesorgans „Deutschland**
mit anerkennenden Worten, die nicht nur in jedem Lesezimmer
sondern in jedem deutschenHause zu finden sein sollte.
„Unsere „D e u t s ch 1 a n d“, bemerkte der Redner, „ist ein ausser¬
ordentlich wirksames Propagandamittel für unsere Bestrebungen.
In Braunschweig habe ich veranlasst, dass unsere Zeitschrift in
verschiedenen Lesezirkeln und Lesehallen ausgelegt wird;
ferner habe ich sie auslegen lassen in den Wartezimmern der
Zahn- und anderen Aerzte und später Erkundigungen darüber
eingezogen, welche Wirkung das Blatt auf die Leser ausübt.
Es ist mir darauf von verschiedenen Seiten gesagt worden, dass
die Patienten stets zunächst nach diesem Blatt
greifen und es infolge seiner wundervollen Aus¬
stattung undseinerDarbietungen gerne lesen. Wir
haben kein schöneres Propagandamittel als unsere „Deutschland“,
die von unseren Mitgliedern die weitgehendste Unterstützung
verdient.“ Redner bat die Bundesleitung, den Vereinen be¬
stimmte Anleitung zu geben, wie sich die Propaganda
in den deutschen und ausländischen Zeitungen mit Zweck¬
mässigkeit gestalten lasse.
Herr Dr. Löwe hielt dies für undurchführbar.
Herr Dr. Seyfert berichtete, dass die Reisebureaus zur
Füllung der Sonderzüge, von den deutschen Grenzen nach dem
Innern Deutschlands, mit Ausländern herangezogen werden
müssten. Er habe im Aufträge des geschäftsführenden Aus¬
schusses mit einer grossen englischen Eisenbahn-Gesellschaft
vor einiger Zeit Verhandlungen gepflogen. Betreffende Gesell¬
schaft sei bereit, den deutschen Sonderzügen englisches und
holländisches Publikum zuzuführen. Die Auskunftstellen des
Bundes im Auslande wären geeignete Stellen, um die Propaganda
Herr Oberst Seelmann (Binz) machte darauf aufmerksam,
dass man dem Bund alles mögliche übergeben möchte. Man
müsse ihm dann aber auch die entsprechenden Mittel zur Ver-
fügfung stellen. Um seine Aufgaben bewältigen zu können,
solle die Bundesleitung einen Antrag auf Erhöhung der Beiträge
der Mitglieder auf der Bundestagung stellen.
Mehrere Redner traten dafür ein, dass in Zukunft weniger
Punkte auf die Tagesordnung gesetzt werden möchten, dann
könnte jeder Punkt eingehender beraten werden. Hiergegen
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wurde jedoch eingewandt, dass die Bundestagung in der Haupt¬
sache nur Anregungen geben solle und nicht geeignet sei,
einzelne Punkte eingehend zu beraten.
Es wurde ferner angeregt, die Festlichkeiten auf den Bundes-
tag^ngen etwas einzuschränken.
Schluss der öffentlichen Hauptversammlung um 47.^ Uhr
nachmittags.
Nachmittags 5 Uhr fand das Festessen im grossen Saale
des städtischen Spiel- und Festhauses statt.
Etwa 150 Personen beteiligten sich an dem Essen; es
nahmen daran unter anderen teil: Herr Geheimer Regierungs¬
rat Dr. Kayser, Oberbürgermeister Dr. Köhler, Herr Regierungs¬
rat Schmidt (Mainz), Reichstagsabgeordneter Freiherr von Heyl
zu Herrnsheim, Dr. Cornelius Freiherr von Heyl, Oberst von
Behr, mehrere Mitglieder des Stadtverordneten-Kollegiums von
Worms und sonstiger Korporationen.
Das Mahl wurde durch eine Anzahl von Reden gewürzt.
Es sprachen: der Bundesvorsitzende, Herr Gontard, Herr
Freiherr von Heyl zu Herrnsheim, Herr Kommerzienrat
Wernher (Oppenheim), Herr Professor Dr. Friedrich (Leipzig),
Herr Bürgermeister Kelp (Zeitz), Herr Oberbürgermeister Köhler
(Worms), Frau Eschholz (Berlin), Herr Rechtsanwalt Lebrecht
(Leipzig), Herr Dr. Seyfert (Leipzig) und Herr Oberst Schweninger
(München).
Herr Guggenheim (Worms) erfreute die Anwesenden mit
einigen schönen Liedern, wozu ihn Herr Tannert (Worms)
begleitete.
Während der Tafel traf vom Gr o ssherz og von Hessen
auf das am Morgen abgesandte Telegramm folgende Antwort
ein: „Bitte übermitteln Sie den Herren meinen aufrichtigsten
Dank für freundliches Gedenken. Ernst Ludwig.**
Das Telegramm erweckte lebhaften Beifall bei den Teil¬
nehmern, und stehend wurde die Fürsten-Hymne gesungen.
Am Abend verlief das Gartenfest im Festgarten bei Musik
der Wormser Regimentskapelle und Gesang des Gesangvereins
„Liederkranz** in der denkbar schönsten Weise.
Auch von seiten Seiner Majestät des Kaisers traf nach¬
träglich eine uns ehrende freundliche telegraphische Antwort ein.
Bericht über die
„Geschiossene Mitgiiederversammlung“,
Donnerstag, den 8. Juni, morgens 9 Uhr, im ,,Cornelianum“.
Tages Ordnung:
1. Aussprache über den Jahresbericht.
2. Rechnungsbericht und Bericht der Rechnungsprüfer 1910/n.
3. Haushaltplan und Wahl der Rechnungsprüfer für 1911/12.
4. Führerautomaten (Referent: Herr Pfeiffer, Weimar).
5. Bildschmuck in den Eisenbahnwagen (Referent: Herr
Rechtsanwalt Lebrecht, Leipzig).
6. Die Bedeutung der Regelung der Sommerferien für den
Fremdenverkehr (Referent: Herr Professor Dr. Roth,
Leipzig).
7. Sammeleingaben betr. Fahrplanwünsche (Referent: Herr
Dr. Seyfert, Leipzig).
8. Verschiedenes.
Der Herr Vorsitzende eröffnete die Sitzung 9 Uhr 10 Minuten.
Zu Punkt I der Tagesordnung (Aussprache über den
Jahresbericht) wurde nichts erinnert.
Zu Punkt 2 (Rechnungsbericht der Rechnungs¬
prüfer 1910/11) erstattete Herr Bürgermeister Kelp (Zeitz) den
Rechnungsbericht und Bericht der Rechnungsprüfer. Es er¬
folgten einige Anfragen über verschiedene Punkte des Rechnungs¬
berichtes, über die vom Vorstand Auskunft gegeben wurde.
Es wurde der Bundesleitung die Anregung gegeben, alle
Zahlungen, auch solche auf Neben-Konten, durch die Bundes¬
kasse gehen und im Kassenbericht erscheinen zu lassen.
Hierauf wurde einstimmig dem Vorstand Entlastung erteilt. —
Punkt 3 (Haushaltplan und Wahl derRechnungs-
prüfer für 1911/12). Herr Bürgermeister Kelp (Zeitz) erstattete
den Bericht.
Es entspann sich eine längere Debatte Über die Bezeichnung
einzelner Punkte des Haushaltplanes.
Herr Oberst Schweninger (München) wies auf die
geringen Mitgliederbeiträge der Bundesmitglieder hin. Man
müsse sich daher mit den Ansprüchen an den Bund mässigen.
Der Bund sei finanziell nicht in der Lage, den vielseitigen An¬
sprüchen der Bundesmitglieder zu genügen. Es müsse an eine
Erhöhung der Mitgliederbeiträge gedacht werden.
Herr Möckel (Schneeberg) sprach gegen eine Erhöhung
der Beiträge; die Verbände hätten viele Ausgaben.
Es wurde beschlossen, die Frage der Erhöhung der Mitglieder¬
beiträge der nächsten Vorstandssitzung zu unterbreiten.
Der Hausb altplan wurde einstimmig genehmigt und die
Herren Köhler und Junghans wurden wieder zu Rechnungs¬
prüfern für das Geschäftsjahr I9n/i2 gewählt. —
Hierauf ergriff zu Punkt 4
Führer-Automaten
Herr Pfeiffer (Weimar) das Wort. Der Referent trat warm für
die Aufstellung von Führer-Automaten in der Nähe der Bahn¬
höfe, an gut sichtbaren Punkten, ein. Die zwei von dem
Verkehrs- und Verschönerungs-Verein Weimar aufgestellten
Automaten verbrauchten im letzten Jahre 8500 Stück Führer
ä IO Pfg., was einer Einnahme von 850 Mk. entspricht Hier¬
von gehen ab für Verwaltung der Automaten auf den Führer
2 Pfg. = 170 Mk. für 8500 Führer, mithin bleiben 680 Mk.
Ueberschuss. Der Führer des Weimarer Verkehrs-Vereins
kostet dem Verein fast nichts, da die Herstellungskosten durch
Anzeigen ziemlich gedeckt werden. Mithin hat der Verein durch
die Automaten einen ganz angenehmen Zuschuss, der bei dem
ewigen Geldmangel der meisten Verkehrs-Vereine gut zu ge¬
brauchen ist. Ein Automat, wie er in Weimar in Betrieb ist,
kostet etwa 50 Mk. und fasst 28 Führer. Der einzige Nachteil
des dortigen Automaten ist der, dass er nicht mehr als 28 Stück
Führer fassen kann, was für eine Stadt mit grossem Fremden¬
verkehr viel zu wenig ist. Der Referent wies auf die Automaten
der Deutschen Post- und Eisenbahn-Verkehrswesen-Aktien-
Gesellschaft in Berlin hin, die ein Fassungsvermögen von
100 Büchern im Format von 22:12 Zentimeter in der Stärke
von i’/a—2 Millimeter besitzen. Es können die Apparate Tür
jede Münze eingerichtet werden. Der untere Teil des Automaten
ist als Vorratsschrank für 500 Bücher zu benutzen. Die Auto¬
maten können ohne weiteres Führer verschiedenen Gewichts
abgeben, und es ist nicht nötig, dass jeder Automat für ein
bestimmtes Gewicht eingestellt werden muss. Eine Anzahl
solcher Automaten befinden sich seit einigen Jahren in Leipzig,
Köln, Magdeburg und Giessen in Betrieb, und es liegen von
allen Vereinen genannterStädteausgezeichnete Anerkennungen vor.
Der Kaufpreis des Automaten der Deutschen Post- und
Eisenbahn-Verkehrswesen-Aktien-Gesellschaft in Berlin beträgt
bei gleichzeitiger Bestellung von 100 Stück für das Stück
225 Mk. Die Kaufsumme kann in vierteljährlichen Raten ge¬
deckt werden.
Der Referent richtete an den Vorstand des Bundes die
Bitte, durch Umfrage bei den Bundesmitgliedern zu versuchen,
eine Gesamtbestellung von 100 Automaten zu erreichen und
sodann eventuell direkt mit der Firma in Verbindung zu treten,
um die gleichen Bedingungen auch bei geringerer Bestellung
zu erlangen.
Der Referent gab ferner die Anregung, zu erwägen, ob es
nicht möglich wäre, dass der Bund Automaten anschaffe und
solche leihweise den Vereinen abgebe gegen Jahresmiete, oder
gegen Abgabe von i- -2 Pfg. für jeden den Automaten entnommenen
Führer an die Bundeskasse. Er hielt es jedoch für besser, wenn
die Vereine für eigene Rechnung arbeiteten und der Bund nur
die Gesamtbestellung besorge. Die Hauptsache sei, möglichst
viele und gleichartige Automaten in Be rieb zu bringen.
In der hierauf lolgenden Debatte sprach der Vertreter des
Verkehrs-Vereins Giessen für kostenlose Abgabe der Führer
durch die Automaten.
Herr Oberst Schweninger (München) begrüsste und be¬
fürwortete die Aufstellung von Automaten dort, wo sich die
Auskunftbureaus der Verkehrs-Vereine nicht auf dem Bahnhof
befinden.
^Herr Conström (Berlin) regte an, der Bund solle an die
Gemeinde-Verwaltungen herantreten, damit sie die Automaten
anschaffen möchten. Die Verkehrs-Vereine sollten die Pro¬
spekte zur Verfügung stellen und die Automaten damit versorgen.
Herr Oberst Thelemann (Stettin) sprach dagegen; des¬
gleichen Herr Schulinspektor Sattler (Br.vunschweig), da die Ver¬
kehrs-Vereine bereits zum Teil allgemeine Unterstützungen ihrer
Gemeindeverwaltungen erhalten. Der Bund solle nur bei den
Bundesmitglie lern eine Rundfrage halten, welche Vereine einen
Automaten zu beziehen beabsichtigen und dann eventuell mit
einer Automatenfabrik wegen Gewährung einer Preisermässigung
in Verbindung treten.
Es wurde beschlossen, die Angelegenheit der nächsten Vor-
standssitzung zu unterbreiten. -
Zu Punkt 5 (Bilds chmuck in den Eisenbahnwagen)
berichtete Herr Rechtsanwalt Lebrecht (Leipzig). Er gab
Aufschluss über den bisherigen Verlauf der Angelegenheit und
gab das Gutachten der Leipziger Akademie für graphische
Künste und Buchgewerbe und des Vorstandes des deutschen
Buchgewerbevereins im Wortlaute bekannt. Er legte der Ver¬
sammlung mehrere farbige Künstler-Lithographien sowie ein
photographisches Probebild vor und ging sodann auf verschiedene
Einzelheiten ein (Format, Anzahl und Verteilung der Bilder,
Nr. 4 B99QQ09G99Q39 99 QQ Q Q QQCg^ ^ ^^ DEUTSCHLAND 199
Heranziehung eines Verlegers). Der Verleger könne eine grössere
An za hl Abzüge herstellen und sie, soweit sie nicht in den Eisen¬
bahnwagen verwendet oder von den Vereinen abgenommen
werden, im Kunsthandel vertreiben, was für die einzelnen
Vereine nur wünschenswert und vorteilhaft sein könne.
Der Referent fasste seine Ausführungen dahin zusammen,
idas8 farbige Künstler-Lithographien zu empfehlen seien, ferner
die Heranziehung eines Verlages und die Abnahme einer
bestimmten Anzahl Bilder seitens der Verkehrs-Vereine. Auch
solle der Bundeskasse eine Abgabe pro Bild von den Vereinen
zufiiessen. Der Bund müsse auf jeden Fall etwas künstlerisch
und praktisch Einwandfreies schaffen.
Die Versammlung bekundete dem Redner lebhaften Beifall.
Herr Schulinspektor Sattler (Braunschweig) trat für bunte
Photographien ein; diese seien billiger als Künstler-Lithographien
und ebenfalls von schöner Wirkung. Er glaube, dass der
Aushang von Künstler-Lithographien an den hohen Herstellungs¬
kosten derselben scheitern würde.
Herr Oberst Thelemann (Stettin) äusserte sich dahin,
dass man im Hinblick auf die vorliegenden prächtigen Künstler-
Lithographien doch versuchen solle, diese zur Einführung
zu bringen.
Herr Stadtrat Ostertag (Karlsruhe) schlug farbige Photo¬
graphien vor und dankte im übrigen Herrn Rechtsanwalt
Lebrecht für seine eingehenden Bemühungen in der vorliegenden
Angelegenheit.
Von anderer Seite wurde Zweifarbendruck in Vorschlag
gebracht, der billiger sei als Dreifarbendruck. Wenn man die
Bilder in Zweifarbendruck ausführen lasse, so könnten sich
auch kleinere Vereine an der Herstellung beteiligen.
Herr Schade (Heidelberg) machte verschiedene Bedenken
geltend.
Herr Rechtsanwalt Lebrecht erwiderte eingehend auf
die Ausführungen des Vorredners und erklärte, dass die aus¬
gesprochenen Bedenken bei der praktischen Ausführung des
schönen Plans sicher überwunden und die Bilder den Beifall
aller finden würden.
Hierauf trat Herr Dr. Löwe (Berlin) warm für Künstler-
Lithographien ein, indem er diese als beste und billigste Bilder
bezeichnet. Er sprach auch für die Gewährung einer Gebühr
an den Bund.
Herr Generalmajor Bigge (Coblenz) beantragte, dem ge¬
schäftsführenden Ausschuss alles weitere zu übertragen. Dies
wurde einstimmig angenommen. —
• Zu Punkt 6
Die Bedeutung der Regelung der Sommerferien
für den Fremdenverkehr
sprach Herr Professor Dr. Roth (Leipzig).
Der Referent ging zunächst auf die Uebelstände ein, die
durch das Zusammenfallen verschiedener Sommerfei ien vom
8. Juli etwa bis Anfang August verursacht werden. Als solche
Uebelstände werden betrachtet, dass die Unterbringung der
Kurgäste immer schwieriger, schlechter, teurer wird, dass die
Ueberwachung in sanitärer Beziehung erschwert wird, ja kaum
mehr zu leisten ist, dass auch direkt ungesunde Wohnungen
vermietet werden, dass in dem übermässigen An dränge als un¬
mittelbare Folge die Verführung zu leichtsinnigen Neubauten
liegt, wodurch wohl einmal ein wirtschaftlicher Notstand herbei-
gefOhrt werden kann, dass ferner der Abfluss der Sommer-
fnschler ins Ausland ganz wesentlich begünstigt wird, wodurch
viele Millionen verloren gehen, dass endlich auch die Eisen¬
bahn kaum den gewaltigen Andrang bewältigen kann. Das seien
Uebelstände, die nicht nur die Sommerfrischen und Kuroite
treffen, sondern auch die Besucher. Wenn man nun weiter
bedenke, um welche gewaltigen Summen es sich beim Sommer¬
reiseverkehr handelte — berechne doch Kauffmann im „Deutschen
Bäderbuch für 1905“ 360 Millionen Mark, die für Kuraufenthalt,
Bäder, Reisekosten usw. in Deutschland ausgegeben wurden,
jetzt gewiss über eine halbe Milliarde im Jahr — so sei schon
aus diesem Grunde der dringende Wunsch nach einer gedeih¬
lichen Regelung begreiflich.
Referent wies besonders darauf hin, dass der Anfang der
Berliner Ferien (8. Juli), der der Hansastädte (12. Juli), der
Sachsens (15. Juli) zu nahe aneinander liege.
Zum Schlüsse teilte der Redner mit, dass der Bund bereits
an den Verband der akademisch gebildeten Lehrer Deutsch¬
lands mit der Bitte um Mitwirkung bei den Bestrebungen des
Bundes, eine bessere Verteilung der Schulferien herbeizuführen,
herangetreten sei und bereits von dessen Vorstand die Zusage
zur Mitarbeit erhalten hat.
In der nunmehr einsetzenden Diskussion bat Herr Oberst
Seelmann (Binz), auch die wirtschaftlichen Verbände und die
Behörden für die vorliegende Frage zu interessieren. Die Frage
sei namentlich eine wirtschaftliche für die Bäder. Wenn der
Ostertermin festgelegt werden könnte, würde sich die Ange¬
legenheit leicht regeln lassen.
Herr Direktor Schumacher (Düsseldorf) empfahl, an die
Stadtverwaltungen heranzutreten und auch diesen Punkt der
Vorstandssitzung zur weiteren Bearbeitung zu übergeben.
Herr Schulinspektor Sattler (Braunschweig) schlug vor, an
den Preussischen Rektorenverein und an den Preussischen
Lehrerverein mit dem Ersuchen um^Mitarbeit in der Angelegen¬
heit heranzu treten.
Es wurde beschlossen, weiteres statistisches Material zur
Behandlung der Ferienfrage zu sammeln, sich mit anderen
interessierten Korporationen in Verbindung zu setzen und dann
an die Kultusministerien der deutschen Staaten mit der Bitte
um erneute Prüfung der Ferienfrage heranzutreten. —
Zu Punkt 7 (S^a mmele ingaben betr. Fahrplan-
w ü n s ch e) referierte Herr Dr. S e y f e r t (Leipzig).
Der Referent machte darauf aufmerksam, dass im Laufe
des Jahres eine grosse Anzahl Fahrplanwünsche mit der Bitte
um Unterstützung beim Bund einlaufen. Trete man fort¬
während mit grösseren oder kleineren Wünschen an die Eisen¬
bahnbehörden heran, so sei eine Ermüdung der Behörden und
eine geringe Beachtung der Eingaben zu befürchten. Auch
käme es häufig vor, dass sich Wünsche verschiedener Bundes¬
mitglieder widersprechen. Von der Preussischen Eisenbahn¬
verwaltung seien auch bereits Anregungen auf Einreichung von
Sammeleingaben durch den Bund gegeben worden. Solche
Sammeleingaben würden ganz besonders notwendig durch die
neuerdings, zunächst von den Preussischen Eisenbahndirektionen
eingeleiteten Konferenzen über Fahrplanverbesserungen, zu
denen der Bund und interessierte Bundesvereine eingeladen
werden.
Der Referent bat zum Schluss um Zustimmung zu der
Einreichung von Sammeleingaben, etwa ein- oder zweimal
im Jahre.
In Uebereinstimmung mit dem geschäftsführenden Ausschuss
wies Herr Dr. Kuckuck (Dortmund) darauf hin, dass die
lokalen Wünsche vom Bunde den Verbänden übergeben werden
möchten.
Herr Oberst Sch w eninger (München) wies darauf hin, dass
es vor allem gelte, sich in bezug auf Fahrplanwünsche Be¬
schränkung aufzulegen. Der Münchener Verein habe zur
Statistik gegriffen, um die Berechtigung oder Nichtberechtigung
von Fahrplanwünschen zu erweisen. Diese Statistik werde den
Vereinen von der bayerischen Staatseisenbahn-Verwaltung bereit¬
willigst zugestellt. Er befürwortete, dass die Sammeleingaben
den Stempel des Bundes tragen sollen.
Die Anfertigung von Sammeleingaben wurde hierauf
beschlossen. —
Unter Punkt 8 (Verschiedenes) wurde beschlossen, die
weitere Behandlung der Frage der Scanakenplage dem Vor¬
stand zu überlassen. Diejenigen Herren, die sich zu diesem
Punkte noch zum Wort gemeldet hatten, sollen ihre Wünsche
schriftlich einreichen.
Herr Bürgermeister Kelp (Zeitz) stellte den Antrag, den
Verkehrsbeirat aufzulösen und dessen Aufgaben dem Gesamt¬
vorstand zu überweisen. Dies wurde einstimmig beschlossen.
Es wurde dem Vorstand ferner die Anregung gegeben, den
Termin der Hauptversammlung zu verlegen, womöglich in den
März. Die Beratung über die Angelegenheit wurde dem Vor¬
stand überwiesen.
Herr Dr. K u ck u ck (Dortmund) bat, die Vorstandssitzungen
stets möglichst frühzeitig bekannt zu geben und an einem
günstig gelegenen Orte, nicht in Leipzig, abzuhalten.
Der gleiche Wunsch wurde von Herrn Stadtrat Ostertag
(Karlsruhe) geäussert.
Der Herr Vorsitzende schloss die Sitzung um i Uhr mittags
mit herzlichen Dankesworten an die Anwesenden für ihr treues
Aushalten bis zum Schluss der Sitzung.
Ausflüge nach Oppenheim und ins Neckartal.
Nach Beendigfung der geschlossenen Mitgliederversammlung
am 8. Juni begaben sich die Teilnehmer an der Bundestagung
nach dem Rheinufer, wo die Köln-Düsseldorfer Dampfschiff¬
fahrts-Gesellschaft den Dampfer „Overstolz“ bereit gestellt hatte.
Gegen 1V2 Uhr setzte sich der Dampfer zur Fahrt nach Oppen¬
heim in Bewegung. Die Kapelle des Wormser Regiments
begleitete die Ausflügler und Hess fröhliche Rhein- und Wein¬
lieder erklingen. Die Schiffsküche lieferte ein treffliches Mahl
und einen guten Tropfen Wein.
Während des Mittagsmahles wurden eine Reihe Reden
von den Herren Kommerzienrat Trumpier, Bundespräsidenten
Gontard, Professor Dr, Friedrich (Leipzig), Direktor Krauss von
DEUTSCHLAND it ee e eeeeeeeeeeeeoeseeeeeec i Nr. 4
200
der Köln-Düsseldorfer Gesellschaft, Conström (Berlin)^ Schade
(Heidelberg), Dr. Seyfert (Leipzig) und Dr. Löwe (Berlin) gehalten.
Bei prächtigem Sonnenschein landete man in Oppenheim,
wo Herr Bürgermeister Schmidt und Herr Kreisrat Wolff die
TeUnehmer der Bundestagung empfingen. Auf dem malerischen
Marktplatz zu Oppenheim richtete Herr Bürgermeister S ch m i d t
herzliche Begrüssungsworte an die Gäste und bot denselben
einen guten Tropfen Oppenheimer Wein an, „gereift in der
glühenden rheinischen Sonne, ängstlich bewahrt vor jedem
Tropfen Wasser“.
Herr Kommerzienrat Trumpier dankte hierauf mit herz¬
lichen Worten.
Sodann ging’s nach der Katharinenkirche, wo die Regiments¬
kapelle den verklungenen Ton von Sullivan und Agnus dei
aus der Manzonimesse von Verdi spielte. Es waren weihevolle
Minuten. Danach erklärte Herr Apotheker Wern her (Oppen¬
heim) in kurzen Zügen die Geschichte des Baues, der Zer¬
störung und der Wiederherstellung der Kirche, und er wusste mit
seinen Ausführungen alle Zuhörer zu fesseln.
Hierauf stiegen die Teilnehmer zur Landeskrone hinauf,
von wo aus sie den Blick entzückt Uber das sonnenbestrahlte
Hessenland schweifen Hessen. Auch hier wurde manche Rede
gehalten; Herr Finanzrat Dölp, der als Oppenheimer den
Vorsitz führte, sprach im Namen des Verschönerungsvereins.
Es sprachen ferner der Bundesvorsitzende Herr G o n t a r d und
Herr Direktor Schumacher (Düsseldorf). Letzterer gedachte
alle der tiefen Eindrücke, die die Kongressteilnehmer in Worms
und Oppenheim empfangen haben. Herr Rudolf Heilgcrs
sprach von den Schönheiten des Hessenlandes und gab eine
Probe hessischer Mundart, die mit stürmischer Heiterkeit auf¬
genommen wurde. Nach ihm sprach Herr D a h m s (Lübeck),
der in launiger Weise die Eigenart des Nordens Deutschlands pries.
Abends 7 Uhr erfolgte der Abstieg nach dem Schiffe. Unter
freundlichem Abschiedwinken herüber und hinüber setzte sich
das Schiff in Bewegung. Es war ein prächtiger, klarer Abend.
Während der Fahrt nach Worms versank die Sonne, und unter
fröhlichem Singen von Rheinliedern steuerte man dem Tagungs¬
orte Worms entgegen.
Kurz vor 10 Uhr kam Worms in Sicht. Ein Böllerschuss
erschallte, und aus dem Dunkel der Nacht trat plötzlich die
stolze Ernst-Ludwig-Brücke, von Rotlicht übergossen, hervor,
woran sich ein Feuerwerk anschloss. Es war ein prächtiger
Anblick.
Auf dem Lande beschloss noch ein zwangloses Beisammen¬
sein im „Rheinischen Hof“ den schönen Tag.
Freitag, den 9. Juni, vereinigte sich nochmals eine grössere
Anzahl der Bundesteilnehmer zu einer Fahrt in das schöne
Neckartal. Das erste Ziel war Eberbach, wo die Teil¬
nehmer von Herrn Bürgermeister Dr. W e i s s unter dem Klange
einer Musikkapelle herzlich empfangen wurden.
Im Hotel „Zur Post“ wurde den Gästen ein Ehrentnink und
Imbiss geboten.
Der Bundespräsident, Herr Gontard, ergriff das Wort,
um für die freundliche Aufnahme zu danken. Seine Rede gipfelte
in einem Hoch auf den Grossherzog von Baden. Es wurde
an denselben ein Huldigungstelegramm abgesandt, auf welches
eine herzliche Antwort an den Bund einging.
Herr Bürgermeister Dr. W e i s s gab einen fesselnden Rück¬
blick auf die Geschichte des Neckartales und feierte mit
packenden Worten die Poesie seiner Naturschönheiten; er
stellte dieser die Poesie des wirtschaftlichen Schaffens und der
Industrie zur Seite, in welch letzterer er dem so lange zurück-
gedrängten Neckartal einen weiteren Aufschwung wünschte.
Als guter Helfer zu diesem Ziele begrüsste er die Gäste, denen
er sein volles Glas widmete.
Es sprachen sodann der Vorsitzende des Eberbacher Ver¬
schönerungs-Vereins, der der Damen gedachte, Herr Schulinspektor
Sattler, der den Dank der Gäste abstattete, Frau Bürgermeister
Schmidt (Hannover), die im Namen der Damen auf den Bund
ein Hoch ausbrachte, und Herr Stadtveroreneter Heim (Worms),
der dem Herrn Bürgermeister Dr. Weiss den Dank der Ver¬
sammlung aussprach.
An das Frühstück schloss sich ein Rundgang durch die
Stadt und die nächste Umgebung an. Alle Teilnehmer waren
begeistert von der unvergleichlich prächtigen Lage der Stadt
Eberbach.
Hierauf wurde die Fahrt nach Neckarsteinach angetreten,
wo man sich zum festlichen Mittagsmahle vereinigte. Hier war
auch Herr Freiherr von Heyl zu Herrnsheim anwesend,
der auf die soziale Bedeutung günstiger Verkehrsgelegenheiten
in einer längeren Rede hinwies. Es schlossen sich hieran
während des Mahles eine Reihe weiterer ernster und heiterer
Ansprachen. Am Nachmittag gegen 5 Uhr fuhren die Teilnehmer
in einem geräumigen Nachen nach Heidelberg. Nach präch¬
tiger Fahrt landete man dort, wo ein Teil der Bundesmitglieder
der freundlichen Einladung des Städtischen Verkehrsamtes zu
Wasserspielen und zum Stadtgarten-Konzert folgten, während
ein anderer Teil nach kurzem Aufenthalt in Heidelberg wieder
nach Worms abreiste.
Die ganze Bundestagung verlief in bezug auf die ernsten
Beratungen und die festlichen Veranstaltungen in äusserst be¬
friedigender und harmonischer Weise.
Die Teilnehmer erhielten in den Sitzungen eine grosse
Reihe wertvoller Anregungen, und während der festlichen Ver¬
anstaltungen bot sich den aus allen deutschen Gauen zusammen¬
geströmten Vertretern reiche Gelegenheit, sich gegenseitig kennen
zu lernen und mancherlei Meinung auszutauschen.
Allen denen, die zu dem befriedigenden Verlauf der Bundes¬
tagung beigeiragen haben, sei hier nochmals der herzlichste
Dank des Bundes ausgesprochen.
Die Amerika-Nummer der „Deutschland“.
Die diesjährige grosse Sonderausgabe der „Deutschland“ in
englischer Sprache, die in erster Linie zur Propaganda in
Amerika dienen sollte, hat auch in der deutschen Presse eine
günstige Beurteilung gefunden. So schreibt u. a. die Köln.
Volkszeitung: „Die Verkehrszeitschrift „Deutsch¬
land“ hat ihren zweiten Jahrgang mit einigen Nummern be¬
gonnen, die wiederum die grösste Beachtung erfordern.
Der oberrheinischen Nummer, die sich mit Worms, Speier,
Mannheim, Heidelberg, der Bergstrasse, der Pfalz usw. befasst,
ist eine neue, für das englisch sprechende Ausland bestimmte
Empfehlungsnummer gefolgt, aber mit erweitertem Ziele, da
diesmal nicht bloss England, wie im vergangenen Jahre,
sondern Nordamerika das zu beeinfiussende Gebiet darstellte.
In ähnlicher Weise wie damals haben sich für diese ganz be¬
sonders hervorragende Leistung der Düsseldorfer Verlags-
Anstalt nicht nur deutsche staatliche, provinziale und städtische
Behörden, sowie private Unternehmungen, sondern auch ein¬
flussreiche amerikanische Persönlichkeiten erwärmt, wodurch
diese „American Travellers Edition“ um so mehr an den ge¬
eigneten Stellen und in dem geeigneten Umfange verbreitet
werden konnte. Das Geleitwort besagt: „Diese Nummer der
Zeitschrift „Deutschland“ soll den Bewohnern Amerikas ein
klares Bild der Naturschönheiten und Kunstschätze unseres
deutschen Vaterlandes geben. Wir hoffen, das durch sie eine
neue Anregung zum Besuch unserer lieben Heimat gegeben
wird, und dass diese Amerikanummer Überdies zu grösserer
Vertraulichkeit in den politischen und wirtschaftlichen Be¬
ziehungen zwischen den beiden grossen Nationen beitragen
wird.“ Man kann sich dem Ausdruck dieser Hoffnung nur
anschliessen, deren Erfüllung übrigens die sehr geschickt aus¬
gewählten einleitenden Aufsätze gewiss gute Dienste leisten
werden. ... Im ganzen eine Nummer von ganz ungewöhnlichem
Umfang und natürlich wieder hervorragender Ausstattung.“
Die „Berliner Neueste Nachrichten“ schreiben nach
einer eingehenden Aufzählung der verschiedenen Aufsätze:
„Und neben diesen beredten Kündern deutscher Landschafts-
eigentUmlichkeiten wissen andere Schriftsteller speziellere Gebiete
anmutig und belehrend zugleich festzuhalten, und eigenartige
Städtebilder: Leipzig, Hildesheim, Chemnitz, Hannover u. v. a. m.
entstehen dioramenartig vor den staunenden Blicken. Dem
lebendigen Text gesellt sich das lebendigere Bild — Uber aoo
künstlerisch-wertvolle Illustrationen unterstreichen gewissenhaft
das Wort. Da ist kein Eckchen in unserer Heimat, das hier
nicht vorteilhaft zur Geltung käme; keine Landschaft, die sich
nicht auf das allervorteilhafteste präsentiert. Männer wie der
amerikanische Austauschprofessor Münsterberg, wie der Heraus¬
geber der „New Yorker Staatszeitung“ Hermann Ridder reihen
sich in die Folge der Mitarbeiter ein, und wenn der eine das
Amerikainstitut in Berlin behandelt, dann findet der andere
gehaltvolle, beachtenswerte Worte zu dem Thema „The United
States and Germany“. Ernst von Hesse-Wartegg entdeckt
„Germany for the american tourist“, und ganz allgemein erörtert
das Verhältnis zwischen Deutschland und Amerika Dr. R. W.
Drechsler vom Berliner Amerikainstilut — kurzum — hier ist
auf dem verhältnismässig kleinen Raume von 172 Seiten
eine Monograp h ie deutscher Landschaft, deutscher
Tatkraft und deutschen Unternehmungsgeistes
zustande gekommen, wie sie in dieser Eigenart
bisher noch nicht geschrieben worden ist.“ . • .
Die erwähnte Zeitung bemerkt alsdann zum Schluss: „Schu 1 e n ,
namentlich diejenigen, bei denen die neueren Sprachen vor-
Nr.4 B a8QQQ0Q08QQ8QQQQGQQ0QQ08Q ga DEUTSCHLAND ^B 0 ee6eü)c e 0 o eo oeo6 eooe oöooco aB 201
en,
rar
nd,
teD
ran
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ner
ch-
der
an
snd
der
iten
bc-
herrschen, werden das Amerikaheft der „Deutschland** als ein
nicht leicht zu ersetzendes Anschauungsmaterial für die Geo¬
graphiestunde gern ihren Bibliotheken einverleiben. Sie, die
~ darauf bedacht sein sollten, ihre Zöglinge möglichst in das Alltags¬
leben der neueren Sprachen einzufUhren, werden nicht zuletzt
auch in dem hervorragend
ausgestatteten Anzeigenteil der
Amerikanummer wahre Fund¬
gruben für die Sprechübungen
finden/* | [)j [0
Die „M itteilungen des
Ver einsfür das D euts ch-
tum im Ausland** wür¬
digen die Sondernummer der
„Deutschland**, indem sie unter
der Spitzmarke „D e u t s ch -
Amerikanischer Reise¬
verkehr** folgendes schreiben:
'„Das sicherste Mittel, um die
über ein Land herrschenden
Vorurteile zu zerstreuen, ist,
dieses Land zu bereisen. Die
Förderung des internationalen
Reise- und Fremdenverkehrs,
durch die es den Bürgern
fremder Länder ermöglicht .
wird, sich ein selbständiges
Urteil über Land und Leute,
Sitten und Bräuche, Kultur¬
höhe und öffentliche Einrich¬
tungen des bereisten Staates
und Volkes zu bilden, hat daher
für diese selbst mehr als nur eine wirtschaftliche Bedeutung.
Gerade das deutsche Volk und die deutschen staatlichen Ein¬
richtungen haben aus mancherlei berechtigten und unberechtigten
Ursachen vielfach unter falscher Beurteilung seitens des Aus¬
landes zu leiden. Es ist daher sehr zu begrüssen, dass in neuester
Zeit die Organisationen zur Hebung des Fremdenver¬
kehrs sich stark entwickelt und ihre Arbeit zielbewusst aus¬
gebaut haben. Als ein wertvolles Mittel auf diesem Gebiete
RMERIKR-NUMMER
(diesjährige grosse englische Ausgabe
der „Deutschland“) ist einzeln zu
beziehen zum Preise von 1 Mark
(zuzüglich 30 Pfg Porto); für Abon¬
nenten der „ Deutsch land “ermässigter
Preis 50 Pf»;, (zuzüglich Porto).
Verlag der Zeitschrift „Deutschland“
Telephon 8757 Düsseldorf Postfach 444.
ist die von dem Verband Deutscher Verkehrs-Vereine heraus¬
gegebene Zeitschrift „Deutschland** zu bezeichnen, die in
glänzender Ausstattung mit reichem und mannigfal¬
tigem Text, begleitet von einem geradezu hervorragenden
Bildermaterial, erfolgreich bestrebt ist, im Auslande das Inter¬
esse an dem unerschöpflichen
Reichtum deutscher landschaft¬
licher und architektonischer
Schönheit zu erweitern. Ganz
besonders geschickt ist nach
dieser Seite hin die Sonder¬
nummer zusammengestellt, die
dazu bestimmt ist, den ameri¬
kanischen Reiseverkehr in noch
stärkerem Masse als bisher nach
Deutschland zu lenken. Dieses
Sonderheft, das im Gegensatz
zu den laufenden Nummern
im Hinblick auf den Zweck in
englischer Sprache verfasst ist,
wird im grössten Umfange auf
den deutsch - amerikanischen
Dampferlinien und in den ver¬
schiedenen Gebieten der Nord¬
amerikanischen Union zu Pro¬
pagandazwecken verteilt wer¬
den. Da gerade die Bezie¬
hungen zwischen Deutschland
und den Vereinigten Staaten
auf dem Gebiet des Geistes¬
lebens und der Kultur sich von
Jahr zu Jahr enger gestaltet
haben, und da ferner für das
Ansehen des nach Millionen zählenden amerikanischen Deutsch¬
tums eine bessere Kenntnis und damit zweifellos verbundene
höhere Wertschätzung des deutschen Mutterlandes in der Ge¬
samtheit der amerikanischen Nation von grösster Bedeutung ist,
so muss diesem neuen, vornehmen Propaganda¬
mittel der deutschen Ve rk e hr s - V erei ne auch aus
nationalen Gründen ein voller Erfolg gewünscht
werde n.**
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Bund Deutscher Verkehrs-Vereine.
Dem Bund traten folgende neue Mitglieder bei:
Badeverwaltung Ostseebad Heiligendamm.
Kur- und Verkehrs-Ver ein Konstanz a. Bodensee.
St. Georger Verkehrs-Verein, Hamburg (St. Georg).
Verkehrs -Verein Tiengen i. Schwarzwald (Baden, Amt
Waldshut).
Kurverein Wildbad (Württemberg).
Karl Riesels Reisebureau, Berlin, Unter den Linden 40/41.
Herr H. Brückmann, Fabrikdirektor der Kartomat Akt.-Ges.
für Apparatebau, Berlin W. 50, Tauentzinstr. 10.
Der frühere Vorsitzende des Bundes, unser hochverehrtes
Bhieninitglied Herr Direktor Otto Winkler, wurde von
Sr. Majestät dem König von Sachsen mit dem Ritterkreuz des
Albrechtordens 1. Klasse ausgezeichnet. Die Auszeichnung ehrt
den Bund selbst, infolge der langjährigen treuen Mitarbeit des
Herrn Direktor Winkler bei unserer Geschäftsführung.
Der Bund errichtete zwei weitere Auskunftstellen
im Anslande, und zwar in:
Rom, bei der Agentur des Nordd. Lloyd, J. E. Anniser,
Via del Tritone 145/147.
Westen de bei Ostende, „Deutsche Villen-Kolonie**.
Aus den Bundes-Vereinen.
Bericht über die Jahres-Hauptversammlung des
SSchsischen Verkehrs-Verbandes in Dresden
am 27. und a8. Mai igu.
Der Sächsische Verkehrs-Verband hielt seine diesjährige
Hauptversammlung im Künstlerhaus zu Dresden ab. Am Sonn¬
abend fand zunächst eine geschlossene Mitgliederversammlung
ttnd darauf folgend eine Vorstandssitzung statt. Herr Direktor
Winkler (Leipzig) eröffnete die Versammlung mit dem Dank an
die Anwesenden für ihr Erscheinen. Herr Hofrat Behrens
(Dresden) begrüsste die Gäste im Namen des Dresdener Fremden¬
verkehrs-Vereins. Hierauf wurde von der Geschäftsführerin
Frl, Müller (Leipzig) der Tätigkeitsbericht verlesen, aus dem
hervorgeht, dass die Mitgliederzahl von 115 auf 162 gestiegen ist,
Wid wird besonders hervorgehoben, dass sich in letzter Zeit die
Königl. Behörden, namentlich die Amtshauptmannschaften, für
die Bestrebungen des Verbandes mehr interessieren wie bisher.
Mit Dank wurde noch bekannt gegeben, dass von seiten der
Königl. Generaldirektion bei der Zusammenstellung des Fahr¬
plans eine grössere Anzahl Wünsche berücksichtigt worden sind.
Herr Kaufmann O. Hirschfeld (Leipzig) erstattete hierauf den
Kassenbericht, der allseitig genehmigt, ebenso den Voranschlag
für den Haushaltsplan 1911/12, der einstimmig angenommen
wurde. Als Kassenrevisoren für das neue Geschäftsjahr wurden
die Herren Buchdruckereibesitzer P. Jeenel (Plauen i. V.) und
an Stelle des Herrn Bürgermeisters Engelmann (Königstein),
der sein Amt niedergelegt hat, Stadtrat Müller (Meissen) gewählt.
Der alte Vorstand wurde beibehalten unter Hinzuwahl der
Herren Stadtrat Schwager (Zittau) und Kaufmann Stiegler
(Chemnitz). Als Vorort für die Jahre 1912/14 wurde Leipzig ein¬
stimmig wiedergewählt. Hierauf referierte Herr Kaufmann
O. Hirschfeld über „Sachsen im Sommer**. Es haben sich bis
jetzt nur ein Teil der in Frage kommenden Plätze gemeldet,
und wird die Herausgabe der Schrift in diesem Jahre nicht
möglich sein. Es wurde einstimmig beschlossen, den Führer
„Sachsen im Sommer** rechtzeitig im Jahre 1912 fertigzustellen.
Betreffend „Winter in Sachsen“ berichtete Herr Hirsch¬
feld, dass die Königl. Sächs. Generaldirektion in dankenswerter
Weise eine Beihilfe zu dem Führer bewilligt hat, der in voll¬
ständig veränderter Form erscheinen soll. Mit den erforderlichen
Vorarbeiten soll sofort begonnen werden, die Schrift muss vor
Beginn des Winters fertiggestellt sein. Dem geschäftsführenden
Ausschuss wurden die notwendigen Veränderungen überlassen.
Herr Hofrat Behrens (Dresden) teilte mit, dass der Dresdener
Verein als Ersatz für das vergriffene „Verkehrsbuch für Sachsen**
mit Unterstützung des Sächs. Finanzministeriums und der Königl,
Sächs. Generaldirektion eine Reklameschrift für Sachsen heraus¬
gibt, die in 100000 Exemplaren erscheint. In Abwesenheit
des Vorsitzenden der Verkehrskommission, Herrn Direktor
A. Zeise (Leipzig), berichtete Herr Red.-Sekr. P. Kabisch
(Leipzig) über die eingegangenen Anträge in Verkebrsangelegen-
heiten. Es lagen Wünsche vor von Meissen, Sosa, Neuhausen,
Döbeln, Annaberg, Johanngeorgenstadt, die nach eingehender
Besprechung zum grössten Teil unterstützt werden sollen.
Ueber die Geschäftsbehandlung der Verkehrskommission berichtete
die Geschäftsführerin. Sie schlug namens des geschäftsführ enden
Ausschusses Errichtung von Lokalstellen für die Kreishauptmann-
202 DEUTSCHLAND i^
schaftsbezirke zur Vorbereitung von Angelegenheiten lokaler Ait
vor. Es wurde demgemäss beschlossen und soll die Auswahl
der betreffenden Herren dem engeren Vorstand überlassen
werden. Herr Red.-Sekr. P. Kabisch sprich den Dank an die
KÖnigl. Sachs. Generaldirektion aus für die Erfüllung einer
Anzahl lang gehegter Wünsche gerade im letzten Jahre. Herr
Kaufmann O. Hirschfeld schlug vor, diesen Dark des Verbandes
schriftlich zum Ausdruck zu bringen, und wurde demgemäss
einstimmig beschlossen. Der Herr Vorsitzende schloss die
Sitzung 7.25 Uhr mit bestem Dank an die Anwesenden für
ihre Beteiligung. — In der darauf folgenden Vorstiudssi^zung
kamen nur interne Sachen zur Erledigung. - Kür Sonnabend¬
abend hatte der Verein zur Förderung des Fremdenverkehrs in
Dresden in Eichlers Original-Alpenrestaurant in der Hygiene-
Ausstellung zu einem gemüliiehen Abendessen eingeliden, bei
dem die Herren Hofrat Behrens und Stadtrat Plölner in liebens¬
würdiger Weise die Honneurs machten. Am Sonntag fand
die öffentliche Hauptversammlung statt, die von Herrn Direktor
O. Winkler mit einer Begtüssung eingeleitet wurde und mit
einem dreifachen Hoch auf Seine Majestät den König endete.
Einer Anregung, Seiner Majestät ein Begriissungs-Telegramm
zu übersenden, wurde Folge geleistet und trat ein Dank-Tele¬
gramm noch am selben Tage ein. Die Geschäftsführerin verlas
das Protokoll der Sitzung vom vergangenen Tage und den
Jahresbericht; beides wurde ohne Debatte genehmigt. Herr
Dr. med. E. Jaeger (Deipzig) hielt einen hochinteressanten
Vortrag über „Hygiene auf Reisen“, der im Druck erscheinen
wird. Als Ort der nächsten Jahresversammlung wurde Mittweida
gewählt. Anschliessend an das Referat der Geschäftsführerin
Frl. Müller (I..eipzig) über „Propaganda-Diteratur“ entspann sich
eine lebhafte Debatte, an der sich ein grosser Teil der An¬
wesenden beteiligte. Herr Rechtsanwalt Dr. Weise (Dresden)
sprach in interessanten Ausführungen über die „Tnternationale
Reise- und Verkehrs-Ausstellung in Berlin“, gab nähere Be¬
schreibungen der einzelnen Abteilungen und schilderte den
günstigen Eindruck, den die Gruppe „Sachsen“ auf den
Besucher macht. Hierauf f<»lgte eine kurze Aussprache über
die geplante „ S a ch s e n - N u m m e r “ der Verbandszeitschrift
„ D e u 18 ch 1 a n d “. Da Mitgliederanträge nicht Vorlagen, schloss
der Herr Vorsitzende kurz nach 2 Uhr die Versammlung und
sprach noch seinen besonderen Dank aus den erschienenen
Vertretern der Behörden Herrn Finanzrat Dr. Damsch, Herrn
Stadtrat Borak, Herrn Syndikus Dr. Karst, sowie den an¬
wesenden Mitgliedern und Gästen für das Interesse, das sie
den gemeinnützigen Bestrebungen des Verbandes bezeugen.
Ein Mittagsmahl iin Künstlerhause hielt eine Anzahl Be.sucher
noch weiter zusammen.
Der Verkehrs-Verein Leipzig
stellte am 27. Mai d. J. bei einer Besprechung des Bundes
Deutscher Verkehrs-Vereine mit der Köni:;l. Eisenbahndirektion
in Magdeburg den Antrag, dass von Leipzig aus, insbesondere
für den Sonntagsaustlugsverkehr billigere Zugverbindung nach
dem Harze geschaffen werden möchte. Die Künigl. Kisenbahn-
dircktion Halle a. S. teilte dem Verkehrs-Verein daraufhin mit,
dass der Sonntags-Sonderzug tlalle Halberstadt vom 25. Juni
ab versuchsweise von und bis Leipzig durchgeführt werden
wird. Es werden da/u in Leipzig (Berliner Bahnhof) Sonderzug-
Rückfahrkarten zu folgenden Preisen ausgei'.ebcn werden: nach
Ascherslebcn 3.50 Mk., nach Wegc leben .v.p Mk., nach Halber¬
stadt 4.60 Mk. Die Abfahrt von Leipzig (Berliner Bahnhof)
wird um 5 Uhr 10 Minuten vormittags, die Ankunft in Leipzig
am folgenden Montag um 12 Uhr 46 Minuten mittags erfolgen.
Bei au.sreichender Benutzung wird der Zug bis zum 17. Sep¬
tember verkehren. ICs bedeutet dies eine wesentliche Annehm¬
lichkeit für alle diejenigen, die Sonntagsaustlüge nach dem
Harze unternehmen wollen. Der Verkehrs-Verein hofft, dass
von der dankenswerten Einrichtung reichlich seitens des Pub¬
likums Gebrauch gemacht wird, damit die Königl. Eisenbahn¬
direktion Halle in der Lage ist, diese ICinrichtung ..uch »einorhin
zu erhalten.
Rhoingauiscl'ier Verkehrs-Verein.
Nach jahr'langen Bespiechun.'. en zwischen den beteilig
Kl eisen ist nunmehr unter dem Vorsitze des Burgermeisi-Ts
Keutner von Eltville ein Rheingauischer Verkehrs-Verein gegrünn. t
worden, der die Pflege der rhcingauischen Fjcmdenverkchis-
Interessen gegenüber den allgemeinen rheinischen sich z:.r
Aufgabe gemacht hat.
Rheinischer Verkehrs-Verein.
Der engere und der Gesamtvoistan.l hielten am 14. Juni
in Koblenz Sitzungen ab, in denen man sich hauptsächlich mit
dem der demnächst siaitfindenden H-.iuplversammlung vorzu¬
legenden Rechenschaft .bericht und der Jahrcsrechnnng für 1910,
sowie dem Arbeitsplan und dem Voranschlag für 19x1 beschäf¬
tigte. Aus dem J a h r e s b e r i ch t ist zu erwähnen, dass im
Interesse des Vercinsgebieies eine rege publizistische Tätigkeit
entfaltet wurde. Eine beträchtliche Zahl namhafter Schriftsteller
wurde veranlasst, Aufsätze Uber den Rhein in den angesehensten
Blättern Deutschlands zu veröffentlichen (eine Reihe von illu¬
strierten Aufsätzen hat auch in der Zeitschrift „Deutschland**
Aufnahme gefunden). Bemerkenswert aus dem Jahresbericht
ist die schon früher mehrfach hervorgehobene Tatsache, dass
sich die Schülerherbergen eines ausserordentlich starken
Zu.spruchs erfreuen, so dass bereits Zweifel entstanden sind, ob
die Mittel für die Beibehaltung dieser Einrichtung in der biSf
herigen Art weiter be8cli.ifft werden können. Für das laufende
Jahr schätzt man die Zahl der Uebernachtungen in den rheinischen
Schüler-Herbergen auf mindestenvS 10 000. Was die Jahres-
Rechnung betrifft, so haben sich allerdings Einnahmen und
Ausgaben noih die Wage gehalten, doch musste der Voi sitzende
wiederum bemerken, dass die Opferwilligkeit weiter Kreise, ins¬
besondere .solcher, die von dem Wirken des Vereins den grössten
Vorteil hätten, dem Verein gegenüber noch recht viel zu wünschen
übrig lasse, so dass namentlich gegen säumige Mitglieder künftig
strenger vorgegangen werden muss. Der Arbeitsplan des laufenden
Jahres hält sich im gewohnten Rahmen. Die Vorarbeiten für
die Umgestaltung des Rheinführers, der mit Abdrucken von
farbigen, nach der Natur aufgenommenen Lichtbildern ausge¬
stattet werden soll, haben bedauerlicherweise durch die Ungunst
der Witterung im vorigen Sommer eine starke Verzögerung
erfahren. Die Herausgabe ist deshalb erst im Jahre 1912 möglich.
Der neue, lediglich zu Propagandazwecken geschaffene, ebenfalls
mit farbigen Bildern ausgeschmückte Prospekt, der besonders
für die Berliner Reise-Ausstellung gute Dienste geleistet hat, ist
von dem jetzt in Berlin wohnenden rheinischen Schriftsteller
Artur Rehbein verfasst worden, der „den schönsten Strom
der Welt“ in der ihm eigenen irischen Art und rheinische Lande
und rheinisches Leben mit Begeisterung schilderte. — Die dies¬
jährige Hauptversammlung findet am 9. und 10. Juli in Mainz statt.
(Siehe Inserat in vorl. Nr.).
Verkehrs-Verein Barmen und das Bergische Land.
In der kürzlich abgehaltenen Sitzung führte den Vorsitz
Stadlvernrclneter Evertsbusch. Zur Internationalen Ausstellung
für Rei.>e- und Fremdenverkehr in Berlin hat der Verband Ber-
gischer Verkehrs-Vereine 400 Mark bewilligt. Es sind zur
Ausstellun*.: verschiedene Ansichten vom Bergischen Land
geschickt worden, u. a. hat der Barmer Verkehrs-Verein zur
Charakteristik für Barmen eine Abbildung des Bergischen Hauses
zur Verfügung gestellt. - Die Wegemarkierung geht ihrer Voll¬
endung entgegen; man hofft, im laufenden Sommer damit fertig
zu werden. Die Arbeit für den Bezirk Barmen haben Ver¬
messungsinspektor Wehberg und Landmesser Kalle übernommen.
Die vom Verkehrs - Verein angeschatften Klischees werden
ausserordentlich in Anspruch genommen und von allen mög¬
lichen Zeitschriften verlangt. Dies ist erfreulich, da eine bessere
Reklame für diese Gegend wohl nicht zu finden ist. Die
bisherigen Plakate „Barmen und das Bergi.sche Land“ sind
vergriffen. Man hatte deshalb schon früher wegen einer Neu¬
anfertigung beraten. Es wurde s. Zt. beschlossen, einen Wett¬
bewerb zwischen Lehrern der Kunstgewerbeschule zu veranstalten.
Es sind 3 Entwürfe angefertigt worden, die der Versammlung
vorgelegt wurden; die Entscheidung hatte der Vorstand über¬
nommen. Die Entwürfe sind: „Lug ins Land“ von Herrn
Demeter, „Blick aus dem Berg“ von Herrn Schlottke und
„Roinryke Berge“ von Herrn Bornemann, sämtlich von der
Kunslgewerbeschule. Gewählt wurde der Entwurf von Demeter,
w'oinit sich auch die Versammlung einver.standen erklärte. Die
Hciansgabe eines kleinen Führers durch Barmen wurde
beschlossen. Aul die vom 2. ic. Juli in der Ruhmeshalle
stalMiiulcnde photographisc'.e Ausstellung wurde eingehend hin-
-wiesen. Ini September wird in Barmen eine grosse Gartenbau-
Aus iclhing staitfinden. Zur Ei Öffnung derselben wird ein Blumen-
Kois.» vom Verkehrs-Verein veianslaltet werden. Ferner ist für
Mute Oktober ein Schaufenster-Wettstreit vorgesehen.
CcM' mecklenburgische Verkehrsverband
hielt am 30. Mai in Schwerin seinen Verbandslag ab. Den
Vojsit/ fiihrie Slrassenbahndirektor Siegmann, Rostock. Senator
n iiiivl Juslizrat Löwenihal wo'anten der Si zung als
Veilr-ter des Magistrats bezw. der repräsentierenden Bürger-
: ehatt bei und wünschten den Besticbungen des Verbandes
n.imens bvüde. Körper ;ch.iften besten Erfolg. Die Schweriner
Verkehrsvercin-giin ; hless die Vers .mmlung durch Rechtsanwalt
Dr. Steuer willkommen. N.\ch Voile.sung der S itziingcn gab
Kaufmann Vick, Kt> t*'ck. d'e Nanion der Vereine bekannt, die
dem Verband bis’^er beigotrel.m sind. E.? sind die Verkehrs¬
vereinigung in Schwerin, der Vcrkehrsausjchuss in Schwerin, die
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Wir erfüllen hiermit die schmerzliche Pflicht,
die verehrlichen Bundesmitglieder von dem Ab¬
leben der Herren:
Dir. Steinhäuser (Weimar)
und
Dr. Lind (Essen)
in Kenntnis zu setzen.
Die Verstorbenen haben mit Treue und Eifer
die Bestrebungen unseres Bundes unterstützt. Wir
haben mit ihrem Heimgange einen schweren Ver¬
lust erlitten. Sie werden bei den Bundesmit¬
gliedern unvergessen bleiben.
Bund Deutscher Verkehrs-Vereine
Friedr. Gontard,
1. Vorsitzender.
Dr. Seyfert,
Geschäftsführer.
Badeverwaltung Müritz, die gemeinnützige Gesellschaft Wismar,
Bürger- bezw. Verkehrs-Vereine in Neustrelitz, Strelitz-Alt, Neu¬
brandenburg, Rostock, Waren, Malchow, Warnemünde, Doberan,
Ribnitz, Teterow, Malchin, Dargun und Krakow. Die Satzungen
wurden nach längerer Beratung mit geringen Aenderungen
angenommen. Es sei erwähnt, dass der Verband seinen Sitz
in Roato ck hat. Die Vorstandswahl ergab: Direktor Siegmann,
Rostock (Vorsitzender), Kaufmann Vick, Rostock (Schriftführer),
Rechtsanwalt Dr. Steuer, Schwerin (stellv. Vorsitzender), Bade¬
kommissar V. Roques, Warnemünde (stellv. Schriftführer), Voss,
Teterow (Schatzmeister); Beisitzer: Senator Weltzien, Schwerin,
Syndikus Dr. Koch, Neubrandenburg, Dr. Glaser, Doberan, Zoll¬
rat Jahn, Wismar, Direktor Schlegel, Alt-Strelitz, und Rechtsanwalt
Kortüm, Waren.
Zum Syndikus des Essene r Verkehr s-Ver e i ns
wurde Herr Dr. J a n s s e n gewählt, bisheriger Syndikus des
Duisburger Verkehrs-Vereins.
Oeffentlicher Meinungs - Austausch.
Neutrales Gebiet zur Erörterung von Verkehrsfragen und Bundesange¬
legenhelten. Die Redaktion trägt nur die pressgesetzliche Verantwortung.
Ferienfahrkarten. Der „Kölnischen Volkszeitung“
wird geschrieben: Nicht die Ferienzüge sind hier gemeint,
sondern es handelt sich um den Vorschlag, eine alte, von der
einstigen Rheinischen Eisenbahngesellschaft getroffene Ein¬
richtung wenigstens für die Zeit der Schulferien wieder zu
beleben. Es ist ja gewiss recht anerkennenswert, dass die Staats¬
bahn nach dem Vorbilde der Monatskarten Feriendauerkarten
eingeführt hat; dass sie einzelne Sonntagfahrkarten
auch Mittwochs ausgibt. Für die Schulferien geht dieses
Entgegenkommen aber m. E. nicht weit genug. Die Dauer¬
karten legen die Ausflügler auf eine bestimmte Richtung fest;
bei häufiger Benutzung, die ja die Karten an sich wie auch die
freien Tage nahelegen, erschöpft sich das Interesse an den stets
nach derselben Richtung gemachten Ausflügen und damit deren
Wirkung schnell. Die Mittwochfahrkarten haben eine zeitlich
allzu beschränkte Gültigkeit und sollten wenigstens in den Ferien
für den ganzen Tag gelten. Aber warum lässt man nicht
wenigstens während der Ferien die einst täglich von der
Rheinischen Eisenbahn ausgegebenen Tageskarten wieder auf¬
leben? Der Familie, der Jugend der grossen Städte würde
damit ein grosser Dienst erwiesen, die Eisenbahn aber bekäme
zahlreicheFahrgäste,welche die Bahn sonst nicht benutzen, und der
Sonntagausflug^verkehr würde ganz entschieden entlastet, da das
Ausflugbedürfnis der Familien nicht bis zur billigeren Fahr¬
gelegenheit des Sonntags zu warten brauchte. — Diesen Aus¬
führungen kann man nur beipflichten. Die deutschen
Verkehrs-Vereine, die ja in letzter Zeit erfreulicherweise
in regem Gedankenaustausch mit den Eisenbahnverwaltungen
stehen und zur Besprechung von Verkehrsfragen und Verkehrs-
. wünschen herangezogen werden, würden sich den Dank weiter
Kreise verdienen, wenn sie die erwähnte Anregung unter-
' stützen wollten. Zur Förderung von Wandern und Reisen,
namentlich in der engeren Heimat, würde diese Ver¬
günstigung wesentlich beitragen, die besonders auch den Minder¬
bemittelten zugute käme, die nicht in der Lage sind, grössere
Ferienreisen zu unternehmen. -r.
Eisenbahnwesen.
Reiseverkehr zu Pfingsten. Bei herrlichem Wetter
brachten die Pfingstfeiertage allenthalben einen grossen Fremden¬
verkehr. Ueberall in den deutschen Mittelgebirgen, im Harz,
im Sauerland, im Schwarzwald, in den Vogesen usw. war der
Touristenverkehr lebhafter wie sonst. Die auf dem Rhein fah¬
renden Dampfer der grossen Gesellschaften sowohl wie auch
der Privatbesitzer und kleineren Gesellschaften waren durchweg
von Ausflüglern überfüllt, welche die kleineren und grösseren
Städte des Mittelrheins und landeinwärts aufsuchten, um von
hier aus ihre Touren in die reizvolle Umgebung zu unternehmen.
Besonders stark wurde das Nationaldenkmal auf dem Nieder¬
wald besucht. Auch viele Vereine trafen im Laufe der Tage
mit Musik ein. Die Hotels waren allenthalben überfüllt und
viele mussten in Privat- und Massenquartieren untergebracht
werden. Sehr lebhaft war auch der Automobilverkehr. Die
Eisenbahnzüge waren durchweg überfüllt und die Eisenbahn¬
verwaltungen dürften geradezu eine Riesenaufgabe bewältigt
haben, die eine recht interessante Statistik liefern könnte.
Zu den Sonderzügen nach den Ostseebädern
am 15. Juli 1911
a) von Berlin (Stett. Bhf.), b) von Dresden (Hauptbhf.), c) von
Halle oder Leipzig nach Sassnitz-Hafen werden im An¬
schluss an die bis Sassnitz auszugebenden Feriensonderzug¬
karten auch Sonderzugkarten zu ermässigten Preisen Sassnitz-
Hafen—Malmö und Stockholm ausgegeben. Die Preise der
Karten betragen: Sassnitz-Hafen — Malmö II. Kl. 17.10 Mk.,
III. Kl. 10.50 Mk.; Sassnitz-Hafen—Stockholm II. Kl. 47.40 Mk.,
III. Kl. 30.60 Mk. Diese Karten werden ausserdem allgemein,
also nicht nur für Feriensonderzugreisende, im schwedischen
Reisebureau in Berlin W. 64, Unter den Linden 22/23, und in
der Fahrkarten-Ausgabe Sassnitz-Hafen in der Zeit vom 6. bis
13. Juli, mittags 12 Uhr, ausgegeben. Für die Feriensonderzug¬
reisenden, die nicht bis Stockholm fahren, aber doch Schweden,
insbesondere Süd- und Mittelschweden, kennen lernen möchten,
gibt die Kgl. Generaldirektion Stockholm in Malmö weitere An-
schluss-Sonderzugkarten nach Hässleholm, Alfocsta, Nässjö,
Mjölby, Linköping, Norrköping und Katrineholm aus.
Feriensonderzüge nach der Nordsee.
Da die Feriensonderzüge von München und Nürnberg
nach der Nordsee, die in den Jahren 1909 und 1910 abgefertigt
wurden, sich beim bayerischen Publikum rasch eingelebt haben,
beabsichtigt die Verkehrsverwaltung, auch in diesem Jahre wieder
einen Feriensonderzug zu ermässigten Freisen für den süd¬
bayerischen Verkehr von München aus und einen solchen für
den nordbayerischen Verkehr von Nüinterg aus nach Hamburg
und Bremen zu fahren. Beide Züge werden am Samstag, dem
22. Juli, abgclassen. D.a die Hamburg-Amerika Linie und der
Norddeutsche Lloyd von Hamburg und Eremen aus für ihre
Dampferverbindungen nach den Bädern der Nordsee-Inseln An¬
schlussfahrkarten mit bedeutender Pieisermässigung abgeben,
bieten diese Züge eine sehr billige un 4 gute Fahrgelegenheit
zum Besuch der Wasserkante. Dem Publikum ist ausserdem
der Vorteil geboten, dass auf dem Rdc!^weg auch Berlin besucht
werden kann. Alles Nähere enthalten die Prospekte, die dem¬
nächst erscheinen. Sie werden in München bei dem Amtlichen
Bayerischen Reisebureau im Hauptbahnhof und im Stadtbureau,
Promenadeplatz 16, in Nürnberg bei dem Amtlichen Reisebureau
im Hauptbahnhof und ausserdem an den Fahrkartenschaltern
jäißT Stationen Ansbach — Augsburg — Fürth — Gemünden —
und Würzburg unentgeltlich abgegeben.
Feriensonderzug-Verkehr nach dem Riesengebirge
im Jahre 1911.
Den Bewohnern Pommerns und insbesondere Stettins wird
ein für den 2. Juli ds. Js. vorgesehener Feriensonderzug den
Besuch des Riesengebirges durch Fahrpreisermässigung und
durchgehende rasche Beförderung erleichtern. Der Ferien¬
sonderzug wird über Frankfurt (Oder) - Kohlfurt — Lauban —
Hirschberg (Schles.) bis Ober-Schreiberhau gefahren. In Greiffcn-
berg (Schles.) erh^t der Zug Anschluss nach Bad Flinsberg
oder Ullersdorf i. Isergeb. und nach Meffersdorf, in Hirschberg
nach Schmiedeberg und KrummhUbel. Zum Sonderzuge werden
auf den nachstehend aufgeführten Stationen Sonderzug-Rückfahr¬
karten II. und III. Klasse zu ermässigten Fahrpreisen mit zwei¬
monatiger Geltungsdauer nach den folgenden Bädern des
-rpjijifff Pff ,■
204 188 8 9 00000000000000 9 88998060 81 DEUTSCHLAND it e ee ee e eooocooceocccceoee i a B Nr. 4
Riesengebirges ausgegeben: Von Stettin (zurllck auch über Berlin
oder Posen), Stargard (Pomm.), GoUnow, Altdamm, Pasewalk,
Greifenhagen, Königsberg (Neum.), Küstrin Neust. Hbf., Landsberg
(Warthe), Reppen, Frankfurt (Oder), Guben, Sommerfeld, Sorau
nach Hirschberg (Schles.), Rosenau, Warmbrunn, Hermsdorf
(Kynast), Petersdorf i. Riesengeb., Ober-Schreiberhau, Schmiede*
berg i. Riesengeb., Krummhübel, Bad Flinsberg, Ullersdorf
i. Isergeb., Mefifersdorf. Die in Stettin ausgegebenen Sonder-
sug-Rückfahrkarten gelten auf dem Rückwege ausser über den
oben angegebenen Weg des Sonderzuges auch Uber Lauban —
Sommerfeld — Frankfurt (Oder) — Freienwalde (Oder) — Anger¬
münde oder über Lauban—Görlitz— Sprem berg, auch Kohlfurt-
(Kottbus oder Liebsgen)—Berlin (Görl. Bhf. oder Stadtbahn). Um
den Sonderzugreisenden auf dem Rückwege den Besuch der
ostdeutschen Ausstellung in Posen zu ermöglichen, wird
in Stettin eine dritte Art Sonderzugkarten zu ermässigten Fahr¬
preisen ausgegeben, die zur Rückfahrt über Kohlfurt—Sagan—
oder Freiburg—Breslau—Lissa—Posen berechtigen.
Ausstellungs-Sonderzüge nach Posen und Sonder¬
zug von Posen nach Marienburg-Danzig mit Fahr-
preisermässigung.
1. Zur Erleichterung des Besuchs der Ostdeutschen
Ausstellung in Posen ist die Ablassung folgender
Personensonderzüge mit 2. und 3. Wagenklasse nach Posen
(nur Hinfahrt) in Aussicht genommen (die Zeiten von 6oo
abends bis 652 morgens sind durch Unterstreichen der
Minutenzahlen gekennzeichnet).
Von Kattowitz über Kandrzln—Breslau
[Fahrpreis
am 17. Juni
„ 16. Juli
„ 12. August
für die
einfache
Fahrt
II. III.
Klasse
Mk. Mk.
Fahrpreis
I für die
V. Kattowitz üb. Tarnowitz—Kreuzburg
am 1. Juli
,, '29. Juli
,, 26. August
i einfache
Fahrt
II. III.
Klasse
Mk. ! Mk.
Kattowitz .
Königshütte
Beuthen
Gleiwitz
Kandrzin
Oppeln .
Löwen .
Brieg . .
Ohlau . .
Breslau Hbf.
»» n
Obernigk . .
Trachenberg
Rawitsoh . .
Lissa (Pos.)
Posen ....
ab
9 i 6 ' 9 .
981 8.
942 . 8 .
1004|8.
ooIg.so
,90'6.20
80 6.10
,40 6.80
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„ 11*8
„ 1163
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100 fr*
J 80 I 3 .
ab
160
200
2401
341;
5.30
4.50
4.00
3.80
3.60
3.00
2.60
2.20
1.85
1.36
am
Von Stettin
16. Juni
13. Juli
3. August
24. August
Fahrpreis
für die ein¬
fache Fahrt
II.KI.IIII.KI.
Mk. I Mk.
Htettin . . ab 8i8j 6.60
stargard (Pom.) „ 4.60
Arnswalde „ 943j 3.70
Woldenberg „ 1027 1 2.90
Posen ... an I 220 —
Kattowitz .
Königshütte
Beuthen .
Tarnowitz
Lublinitz .
Roseuberg
Krouzburg
Pitsohen .
Kempen . .
Schildberg
Posen . .
ab
830 8.40!6.80
842 8.20;5.70
884 8.00'6.60
917 7.60 6.30
982 6.70 4.60
i028|6.00
1085;6.50l
1113'4.90I
1138 4.20 ^
1188 3.8012.70
218 _ I _
4.00
3.70
3.4)
2.90
Von Königsberg (Pr.) —
am 21. Juni
„ 19. Juli
„ 10. August
„ 2. September
Danzig
Fahrpreis
für die ein¬
fache Fahrt
Mk. I Mk.
3.80
3.20I
2.60
1.961
[Königsberg (Pr.) ab
Braunaborg „
Elbing . . . . „
Marlenburg (W.) „
Danzig ... ab
Dirschau . . ab
Pelplin . . . „
Sohmentau . „
Hardenberg „
Laekowitz(Witpr.) „
Terespol . . . „
Bromberg . . an
„ . . ab
Hohensalza . „
Posen .... an
740
848 |
940
1010
982 |
1041
1106
1129
1139
1210
1224
106
114
226
417
11.90
10.00
8.60
7.90
ä 3 Ö
8.00
6.90
6.00
6.40
6.70
7.406.00
6.904.70
6.404.30
6.201
6.601
6.10
[ 4 . 00 I
2.90
4.20
3.70
3.60
2.80
1.95
2. Zu den Sonderzügen Kattowitz—Breslau werden auf
ihren Ausgangs- und allen Haltestationen e i n f a oh e Sonder-
zugkarteu II. und III. Klasse nach Posen, zu dem Sonder¬
zuge Königsberg—Danzig auf Station Posen Hbf. einfache
Sonderzugkarten von Posen nach Marienburg-Dauzig
zu den oben angegebenen ermässigten Fahrpreisen
ausgegeben.
3. Die Sonderzüge werden nur bei genügender
Beteiligung verkehren. Zu diesem Zwecke werden von
den Fahrkartenausgaben der Sonderzugausgaugs- und Halte-
stationon V o r m e 1 d u 11 g e n bis zu den nachstehend ange¬
gebenen Zeitpunkten entgegengenommen. Das Verkehren
oder Nichtverkehren der Sonderzüge wird alsdann auf allen
Sonderzugausgangs- und -Haltestationen an den nachbe-
zeiohneten Tagen durch Aushang bekanutgemaclit.
FUr den Sonderzug:
Vormeldnngen werden
entgegengenommen:
Das y erkehren od/br Nteht-
verkehren der SondeniOge
wird bekanntgemaeht: -
am
13. Juli . . .
bis
zum
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2. September
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27.
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29.
Berliner Ferienzüge.
FerieDsonderzüge, die nur 3. Klasse führen, werden in
diesem Jahre zum ersten Male von Berlin abgelassen. Von
den 27 FerienzUgen, die vom Stettiner Bahnhof in diesem
Sommer abgehen, führen 12 ausschliesslich die 3. Klasse,
während die anderen auch 2. Klasse haben. FUr die meisten
Reiseziele sind Züge von beiden Arten vorgesehen. Für diese
Feriensonderzüge ist eine Uebersicht fertiggestellt, die auf dem
Stettiner Bahnhof, den Reisebureaus usw. umsonst zu haben
ist. Die Züge gehen am 6., 10., ii., 12. und 15. Juli, sowie am
15. August Die Ausgabe der Fahrkarten beginnt vom 25. Juni
an. Wie in früheren Jahren wird nur eine beschränkte Anzahl
von Karten ausgegeben und dann der Verkauf geschlossen.
Man kann die Karten auch schriftlich gegen Einsendung des
Fahrpreises, des Portos, der Einschreibgebühr und des Bestell¬
geldes von der Fahrkartenausgabe Berlin, Stettiner Bahnhof, be¬
ziehen. Am 15. Juli ist wieder Anschluss zu ermässigten Preisen
nach Schweden.
Sonntagsausflüge
auf der Fähre Sassnitz-Trelleborg nach Trelle-
borg, Malmö oder Kopenhagen.
Wer in den Rügenschen Bädern weilt oder von Stettin
Greifswald, Heringsdorf, Swinemünde oder von anderen pommer-
schen Ortschaften aus Sassnitz besucht, dem bietet sich Gelegen¬
heit, über Sonntag auf den sehenswUrdigen Fährschiffen der
preussischen und schwedischen Staatsbahnen einen Ausflug zu
ermässigtem Fahrpreise nach Trelleborg, Malmö oder Kopenhagen
zu machen.
Fahrpreise für Hin- und Rückfahrt:
Sassnitzhafen-Trelleborg I. Platz 12.00 Mk., II. Platz 8.00 Mk.
Sassnitzhafen-Malmö I. Platz 14.80 Mk., II. Platz 9.80 Mk.
Sassnitzhafen-Kopenhagen I. Platz 19.00 Mk., II. Platz 13.00 Mk.
Die Seefahrtsonderkarten liegen nur in der Fahrkartenaus¬
gabe Sassnitzhafen auf.
Die Fahrt auf den nach Art der grossen Überseeischen
Dampfer gebauten eigenartigen Fährschiffen bietet während der
4-stündigen Ueberfahrt den Reisenden auf dem I. Platz alle
denkbaren Bequemlichkeiten und Annehmlichkeiten, einen Speise¬
saal für 100 Personen, Rauchsalon, Damensalon, Promenaden¬
decks, Schlafkabinen, Bäder u. a. mehr.
Die Sonderfahrkarten gelten von Sonnabend-Nachmittag
4 Uhr bis Montag-Nachmittag i Uhr. Es bietet sich hiernach
zu folgenden Vergnügungsreisen Gelegenheit:
I. Ab Sassnitz Sonnabend oder Sonntag 4.58 nachmittags bis
Trelleborg, an 8.58 abends. Man bleibt an Bord, nimmt
eine Schlafkabine nach Wahl ab 10 Uhr abends bis 7 Uhr
früh (Preis 2 Mk. i. Platz) oder nur während der Ueberfahrt
(Preis I Mk.) und reist nach Sassnitz zurück; ab Trelleborg
10.50 abends, an Sassnitz 2.50 früh. Im ersten Fall bleibt
man bis 7 Uhr in der Schlafkabine. Die Schlafplätze 2. Platz
kosten i Mk. und 0.50 Mk.
Bei Mondschein und klarem Wetter ist die Nachtfahrt
eine sehr lohnende. An Verpflegung mangelt es dabei nicht.
II. Ab Sassnitz Sonnabend wie zu i und direkt weiter nach
Malmö, wo gute Hotels für Uebernachtung vorhanden sind.
Am Sonntag 8 Uhr morgens zu Schiff weiter nach Kopen¬
hagen, wo man 9.25 eintrifft. Die Rückreise kann man
entweder am Sonntag-Abend 7.45 antreten und das Fährschiff
von 10.85 ab als Nachtquartier benutzen, oder man übernachtet
in Kopenhagen oder Malmö. Im ersteren Fall muss man
Kopenhagen Montag früh 5.45 verlassen, um mittels des
Fährschiffes 12.48 in Sassnitz wieder einzutreffen.
III. Ab Sassnitz Sonntag oder Montag 2.17 früh. Man nimmt an
Bord eine Schlafkabine ab 10 Uhr und lässt sich zum
Sonnenaufgang wecken. Ankunft in Trelleborg früh 6 . 17 .
Man bleibt an Bord oder besichtiget Trelleborg und fährt
mit dem um 8.48 Trelleborg verlassenden Fährschiff nach
Sassnitz zurück.
DEUTSCHLAND
IV. Ab Sässnits Sonntag früh wie zu nz und Weiterreise nach
■ Kopenhagen, wo man um 9.25 vormittags eintrifift. Für die
Mckreise bestehen die unter n angegebenen Fahrgelegen¬
heiten.
y. Abreise ab Sassnitz wie unter ii und unmittelbare Weiter¬
reise nach Kopenhagen, wo man Sonnabends 11.27 abends
eintrifift. Rückreise wie bei ii und iiz.
Schlusssitzung der Internatio nalen Eisenbahn-
Konferenz. Nach dreiwöchiger angestrengter Arbeit hat die
Internationale Eisenbahn-Konferenz in Bern endlich ihren Ab-
Automobilwesen.
An der Prinz-Heinrich- Fahrt nehmen teil 40 Wagen
von Mitgliedei n des Kaiserlichen Automobil-Klubs und 30 Wagen
vom Kgl. englischen Automobil-Klub. Es handelt sich um eine
reine Gesellschaftsfahrt, bei der jede Bewertung für Schnelligkeits¬
leistungen ausscheidet und nur die Zuverlässigkeit der Wagen
ausschlaggebend ist. Die Prüfung der beteiligten Kraftfahrzeuge
findet am 4. Juli in Homburg v. d. H. statt und erfolgt von
dort tags darauf die Abfahrt Die erste Tagesetappe ist Köln,
wo die Teilnehmer in den Nachmittagsstunden, Ziel Handels¬
hochschule, eintreffen werden. Die Oberleitung für die Strecke
Schluss gefunden. Ihre Arbeit war eine schwierige und ver- von Coblenz bis Köln und die gesamten Anordnungen für den
wickelte. Sie fand bei ihrem Zusammentritt drei vollständige, Aufenthalt hier sind dem Kölner Automobil-Klub Übertragen,
vom Internationalen Amt für Eisenbahntransport in Bern und der für seine Mitglieder einen Festabend in den Anlagen des
den Regierungen von Deutschland und Frankreich ausgaarbeitete Hotel du Nord veranstaltet, woselbst auch die offizielle Be-
Vorentwürfe für ein internationales Hebereinkommen über den grüssung des Prinzen Heinrich, der bekanntlich an der Fahrt
Reisendenverkehr und die Gepäckbeförderung vor, zu denen die teilnimmt, stattfindet. Für den Unterstand der Wagen hat die
anderen an der Konferenz beteiligten Staaten zahlreiche Ab- Militärbehörde die grossen neuen Pionierschuppen an der Riehler-
änderungsanträge eingereicht hatten. — Ein Blick in diese drei strasse zur Verfügung gestellt. Am 6. Juli, morgens 6 Uhr,
Entwürfe und die darauf bezüglichen Bemerkungen und Vor- erfolgt der Start nach Münster i. W. vom Kaiser-Friedrich¬
schläge der Vertreter der zwölf an der Konferenz beteiligten Denkmal am Deutschen Ring aus.
Staaten zeigt so recht die Schwierigkeiten, die der Konferenz -‘ -- ■ ■ ....—-...-
entgegenstanden und deren Grund in der Tatsache besteht,
dass in jedem der einzelnen Staaten diese Materie gesetzlich
anders geregelt ist. Es galt nun, möglichst einheitliche Be¬
stimmungen zu schaffen. Dies ist der Konferenz denn auch
ln gewissen Punkten gelungen, indem die einzelnen Staaten
möglichst übereinstimmende Tarife ausarbeiten werden. Wenn
das Ergebnis der Konferenz auch nicht völlige Einheitlichkeit
und Uebereinstimmung im Personen- und Frachtenverkehr ge¬
zeitigt hat, was man anfangs zu erreichen hoffte, so darf doch
ein ganz bedeutender Fortschritt festgestellt werden. Die Reisen
im Ausland sind durch die Ergebnisse der eben geschlossenen
Konferenz vereinfacht worden und die angeknüpften Beziehungen
werden sich mit der Zeit im Sinne einer gänzlichen Verein-
Schiffahrt.
Die Köln-Düsseldorfer Dampfschiffahrts-Ge-
sellschaften haben zwei neue grosse Schnelldampfer
ähnlich der „Borussia“ und der „Kaiserin Auguste Viktoria“
in Auftrag gegeben; beide Aufträge sind erfreulicherweise der
heimischen Industrie, der Schiffswerft Gebrüder Sachsenberg,
A.-G., Rosslau, Filiale Köln-Deutz, zuerteilt worden. Die Schiffe
werden bei Eröffnung der Saison 1912 in Dienst gestellt werden
und sollen in jeder Hinsicht den weitestgehenden Anforderungen
entsprechen.
heitlichung ausbauen lassen.
Direkte Auslandsverbindung mit dem Harz.
Den Bemühungen des Harzer Verkehrs-Vereins ist es gelungen, eine
direkte Verbindung von London über Hoek van Holland mit
dem Harze zu schaffen. Es werden von London aus unter
anderem direkte Fahrkarten ausgegeben nach Goslar, Harzburg,
Üsenburg, Wernigerode und Brocken.
Theater, festliche und sportliche
Veranstaltungen, Kongresse etc.
Rheinisches Sängerbundesfest in Köln. Gegen¬
wärtig herrscht überaus emsige Tätigkeit in den Kreisen des
Vorstandes des Rheinischen Sängerbundes und jener Kom¬
missionen, die berufen sind, die Vorarbeiten für eine glänzende
Die Paris—Ly on-Mittelmeer bahn hat Mitte Mai in
Bexlin, Unter den Linden 68a, ein eigenes amtliches
Verkehrsbureau eröffnet, in dem nicht nur Auskunft über
den Personen- und Güterverkehr erteilt wird, sondern auch
Fahrkarten für das Netz der genannten Gesellschaft ver¬
ausgabt werden.
Billige Rundreisen für Wanderungen im Schwarz-
'wald (Baden—Schwarzwald—Schweiz). Es ist im allgemeinen
noch zu wenig bekannt, dass zum Besuch der am meisten be¬
gangenen Touristengebiete des Schwarzwaldes und der Schweiz
besondere feste Rundreisekarten bestehen, die neben der Billig¬
keit noch manche sonstige Vorteile und Bequemlichkeiten bieten.
Diese Karten sind für alle Züge (Luxuszüge gegen Zuschlag)
gültig und berechtigen zu beliebigen Fahrtunterbrechungen ohne
irgendwelche Förmlichkeit. Aufenthalte sowie Abstecher sind
innerhalb der 2 monatlichen Gültigkeitsdauer ohne Beschränkung
zugelassen. Für Reisende, die eine Rundtour durch die Schweiz
auszuführen gedenken und die von Norden kommend durch
das schöne Badner Land fahren, bilden diese praktischen, ausser¬
ordentlich beliebten Rundreisekarten die vorteilhafteste Fort¬
setzung der einfachen Fahrkarten, die sie bis zu einer der
badischen Ausgabestationen gelöst haben. Die Karten bilden
eine glückliche Vereinigung der Glanzpunkte der Schweiz mit
Deutschlands schönstem Waldgebirge, seinen interessanten Eisen¬
bahnen und den weit berühmten Städten, Badeorten und Sommer-
Durchführung des in den ersten Juli-Tagen stattfindenden
Rheinischen Sängerbundesfestes zu treffen. Zu Anfang dieses
Monats fanden an jedem Abend Sitzungen der einzelnen Kom¬
missionen statt, deren Beschlüsse eine später abgehaltene Vor¬
standssitzung des Rheinischen Sängerbundes beschäftigten.
Nach den vorläufigen Bestimmungen wird das Fest am Sonn¬
abend, dem I. Juli, mit einem Kommers auf dem Festplatz vor
dem Aachener Tor eingeleitet. Sonntag findet in der geräumigen,
15 000 Quadratmeter grossen Festhalle das erste Konzert statt,
das von den gesamten Unterbünden veranstaltet und in der
Hauptsache den grossen wirkungsvollen Chor „Liebesmahl der
Apostel“ von Max Bruch bringen wird. Das auf no Mann
verstärkte Städtische Orchester eröffnet unter General-Musik¬
direktor Steinbachs Leitung mit der Wiedergabe des Vorspiels
aus den Meistersingern das Konzert. Der zweite Konzerttag
bringt Einzelvorträge der Unterbünde, von denen der Kölner
Unterbund mit etwa 1500 Sängern der stärkste ist. Montag,
nachmittsgs 2 Uhr, findet im Gürzenich ein Festessen statt; am
Abend wird der offizielle Teil der Veranstaltung durch ein
grosses Feuerwerk geschlossen. Mittwoch-Nachmittag soll noch
ein Kinderfest stattfinden. Der Festzug, der Sonntag-Nachmittag
3Y2 Uhr vom Neumarkt ausgeht, wird in Gruppen nach Unter¬
bünden eingeteilt. Der Zug nimmt seinen Weg vom Neumarkt
durch Schildergasse, Hohe Strasse, Minoritenstrasse, Breite
Strasse, Ehrenstrasse, Hohenzollernring, Flandrische Strasse,
Aachener Strasse zum Festplatze.
fHzcüien des Badnerlandes. Inhaber der Rundreisekarten ge-
niesaen ausserdem auf folgenden Bergbahnen der Schweiz 20
Fahrpreisermässigung: Arth-Rigibahn, Vitznau-Rigibahn, Rigi—
Kaltbad-Scheideggbahn, Stanserhornbahn, Pilatusbahn, Brienz-
Rothornbahn, Giessbachbahn, Thunersee-Beatenbergbahn. Die
Ausgabe der Karten erfolg^ während des ganzen Jahres ohne
vorherige Bestellung auf den badischen Stationen Heidelberg,
Mannheim, Karlsruhe, Baden-Baden, Offenburg, Freiburg. Der
bezügliche Prospekt ist durch die badischen Verkehrs-Vereine,
wie auch durch die * öffentlichen Verkehrsbureaus der Bundes¬
vereine und die Amtliche Auskunftstelle der Grossh. Badischen
Staatseizenbahnen im Internationalen öffentlichen Verkehrs-
bmrean in Berlin, Unter den Linden 14, kostenlos zu beziehen.
Arbeiter- und Armen-Fürsorgekongress. In den
Tagen vom 30. Mai bis 2. Juni fand zu London „National
Conference on the Prevention of Destitution“ unter dem Prä¬
sidium des Lord Mayors von London und unter Beteiligung
der allerweitesten Kreise Grossbritanniens, namentlich aus dem
Lager der Staats- und Kommunalverwaltungen, der Kirchen¬
beamten, der Parlamentarier und Juristen, der Schulmänner,
Mediziner, sowie von Trägern der freien Wohlfahrtspflege, statt.
Die Arbeiten des Kongresses wurden in fünf Sektionen erledig^,
die im einzelnen die öffentliche Gesundheitspflege, Bildunga¬
fragen, Arbeitslosenfürsorge, Fürsorge für Geistesschwache und
Geisteskranke sowie schliesslich allgemeine Fragen der Gesetz¬
gebung behandelten. Unter den Referenten des Kongresses be¬
fand sich neben im übrigen lediglich Engländern auch ein
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Deutscher, Beigeordneter Dr. Most, Düsseldorf, 'der in der
Sektion für Arbeiterfürsorge ein Referat über „Working Colonies
und similar Institutions in Germany** (Arbeiterkolonien und
ähnliche Einrichtungen in Deutschland) geliefert hatte.
Ausstellungen.
Deutschlands Brüsseler Bilanz. Die Ueberlegen-
heit der deutschen Maschinenindustrie wird drastisch beleuchtet
durch die Maschinenverkäufe auf der Brüsseler Weltausstellung.
Es haben, wie „Die Hilfe“ berechnet, dort verkauft: Deutschland
für ®/4 Millionen Franken, Amerika für ^|^ Million, England für
188000 und Frankreich, das so krampfhafte Anstrengungen
gemacht hatte, für — 15000 Franken. Also: Deutschland hat
an Maschinen verkauft: dreimal so viel wie Amerika, über vier¬
mal so viel wie England und fünfzigmal so viel wie Frankreich
Das ist ein gutes Zeugnis für deutsches Können. Auch sonst
steht Deutschland weit an der Spitze, denn es hat im ganzen
für IO Millionen in der Weltausstellung selbst verkauft, eine
Summe, die kein anderes Land erreicht hat.
Deutschland und das Ausland.
Verein für das Deutschtum im Ausland. Auf
dem Anfang Juni stattgefundenen Vertretertag des Vereins in
Coblenz wurden wichtige Beschlüsse gefasst. ,Bei der Fürsorge
für die Deutschen in Amerika wurde betont, dass hier keine mate¬
rielle Unterstützung in Frage komme, tondern dass nur die
reichen Mittel der geistigen Kultur Deutschlands angewendet
werden könnten. Professor Paszkowski führte aus, dass es in
Amerika eine „German Society of America“ gebe, die deutsche
Dichter und Gelehrte gewinne, um in deutschen Vereinen Vor¬
träge über deutsche Kultur halten zu lassen. In den letzten
Jahren waren aus diesem Grunde Ludwig Fulda und Karl
Hauptmann in Amerika, in diesem Jahre halten Rudolf Herzog
und Professor Paszkowski Vorträge. — Es wurden dann ein
deutsch-russischer und ein deutsch-bosnischer Ausschuss ge¬
gründet zur Hebung des Deutschtums in Russland und Bosnien.
Die Anstellung eines Koloniedirektors ist in Aussicht genommen.
Professor Paszkowski begründete einen Antrag zur Schaffung
eines Stipendienfonds, dem der Name „Ernst-von-Wildenbruch-
Stiftung“ gegeben werden soll. Mit Hilfe dieser Stiftung soll
den Ausländsdeutschen, die in Deutschland ihren Studien ob¬
liegen, ihr Studium erleichtert werden. In der Hauptversammlung
überbrachte Professor Wenz (Jena) dem Staatminister v. Hentig
die Ernennung zum Ehrendoktor der philosophischen Fakultät
in Jena. Staatsminister v. Hentig gab einen Ueberblick über
die 30 Jahre der Tätigkeit des Vereins. Man habe oft das
Wort „pangermanistisch“ auf die Bestrebungen des Vereins an¬
gewendet. Darauf könne nur immer wieder versichert werden,
dass im vernünftigen Deutschland niemand an eine Ausdehnung
unserer Grenzen auf fremdes Staatsgebiet denke, noch bisher
gedacht habe. Grundsatz des Vereins sei es zwar, die Zahl
derjenigen zu mindern, die durch das noch geltende Gesetz ihre
Reichsangehörigkeit gleichsam automatisch verlieren, und die
Zahl derjenigen deutschen Stammesgenossen zu vervielfältigen,
denen die Tür zur Wiedererlangung der einst verlorenen Staats¬
angehörigkeit geöffnet wird, indessen allen denjenigen, die end¬
gültig in fremdes Land sich angesiedelt haben, die Erringung
der fremden Staatsangehörigkeit zu empfehlen. Die Treue gegen
den neuen Staat sei durchaus vereinbar mit dem Festhalten an
deutscher Sprache und Kultur. Dafür biete die Geschichte und
die Gegenwart viele beweisende Beispiele. Der Redner schloss
mit dem Ausdruck der Hoffnung, dass dieses Problem in
einem Zeitalter der Sprachenkämpfe und des überall erwachten
Nationalbewusstseins in den Staaten mit gemischter Bevölkerung
zur friedlichen Staats- und Kulturgemeinschaft
der einzelnen Volksstämme führen möchte. —
Pfarrer M a ck aus Pilsen, der früher in Banjaluka, dem Zentrum
der deutschen Kolonien Bosniens, gewirkt hat, sprach über die
Notlage des Deutschtums in Bosnien. Bosnien hat ein bisher
noch viel zu wenig beachtetes hoffnungsvolles Deutschtum. So
wenig tragfähig das Sprach- und Verkehrsdeutschtum als Be¬
amten- und Offiziersdeutschtum für sich allein sein konnte, so
grosse Bedeutung gewinnt es durch den massiven Unterbau,
den ihm etwa 12000 deutsche Bauernkolonisten — zum Teil
rheinischen Blutes, aus Oberzissen und aus dem Brohltal, und
viele Hunderte deutscher Ingenieure, Werkmeister, Kaufleute,
Vorarbeiter usw. geben. Insbesondere das Bauerntum, das vor¬
wiegend aus den deutschen Siedlungen Galiziens, Russlands,
Südungarn und Slawonien, auch aus Niederdeutschland und
Schlesien stammt, verdient wegen seiner kulturellen Bedeutung
und seiner zähen Volkstreue um so mehr Beachtung, als sie
nicht verlorene Posten, sondern — im Norden Bosniens — zu¬
sammenhängende Ausläufer der deutschen Ansiedlungen im
Südosten der Donaumonarchie sind. Ueber 25 000 Deutsche
haben zurzeit in mehr als 30 Schulen die Pflegestätten deutscher
Sprache und Art.
Der deutsche Botschafter Graf Bernstorff war
am 13. Juni Gast der Universität von Chicago. Graf Bernstorff
sprach vor der Universität über die Grundlagen des Deutschen
Reiches. Die Universität verlieh dem Botschafter den Ehren¬
doktortitel.
Amerikanische Hochsaison in Berlin. Wie all¬
jährlich um diese Zeit, steht die Reichshauptstadt jetzt wieder
im Zeichen des engsten Verkehrs mit Amerika. Aber kaum je
sind die Gäste aus dem Dollarlande so zahlreich in Berlin
erschienen, als in dieser Sommersaison. Neben den vielen Ver¬
gnügungsreisenden aus Amerika, die zurzeit die erstklassigen
Berliner Hotels bevölkern, weilen namentlich Angehörige aus dem
Reiche der Kunst dort zu Gaste. Lillian Nordica, Geraldine Farrar
und Miss Nielsen, die grossen Theatertrustmänner Henry
W. Savage und Frank C. Whitney, die Opernleiter Dippel, Gatti-
Casazza und Kapellmeister Hertz u. a. m. haben gegenwärtig in
Berlin Aufenthalt genommen. Und jeder neue Dampfer, der
von „drüben“ in Hamburg oder in Southampton ankommt,
bringet neue und interessante amerikanische Gäste nach der
Reichshauptstadt.
Englische Sänger im Rheinland. Der englische Gesang¬
verein „Orpheus glee society“ aus Manchester hat auf seiner bis¬
herigen Fahrt wahre Triumphe gefeiert Nach einer prächtigen
Rheinfahrt kamen die englischen Sänger in Kö 1 n an; sie be¬
gaben sich später in das Vereinshaus des Kölner Männergesang¬
vereins, dessen Vorsitzender van Othegraven seine Freude über den
Besuch des Vereins aussprach, der einer befreundeten Nation
angehöre, mit der uns so viele ideelle und wirtschaftliche Inter¬
essen verbinden. Auch in anderen Ansprachen kam zum Aus¬
druck, dass durch den Besuch der Engländer wieder eine
gegenseitige Annäherung erfolgt sei. Dann erklärte der Sprecher
des englischen Vereins, die Gewissheit erlangt zu haben, dass
durch diesen Besuch die Freundschaftsbande zwischen beiden
Nationen fester geknüpft würden.
Bäder und Sommerfrischen.
Binz, Insel Rügen. Durch das Entgegenkommen des
Fürsten zu Putbus ist es gelungen, dicht beim Ort einen
Tontaubenschiessstand zu errichten. Die Leitung hat ein Verein
übernommen, der auch für Schiessen nach Wildscheiben sorgen
wird. Der Stand liegt in der Nähe des Bahnhofs, auf einer
Wiese mitten im Hochwald. Ein in Natureichen erbautes, sich
an den Stand anschliessendes Restaurant wird sich bald zum
Sammelpunkt der Schiessliebhaber und ihrer Familien ausbilden.
Für den Sommer sind Preisschiessen in Aussicht genommen.
Die Harzer Kurorte, die alljährlich vielen Tausenden
Erholung und Genesung bringen, hatten auch im Vorjahre in
der Mehrzahl eine steigende Besuchsziffer zu verzeichnen. Auch
Wernigerode, dessen Vorzüge als günstigstes Standquartier für
Ausflüge sich zu Pfingsten wieder gezeigt haben — es Über¬
nachteten 2000 Fremde — wird als Kurort und Sommerfrische
in immer weiteren Kreisen gewürdigt. Mildes Klima, in dem
die Edelkastanie noch reift, mittelreiche Niederschläge, vor
Winden geschützte Lage, weil allseitig von naheliegenden Berg¬
waldungen umgeben, herrliche Spaziergänge in beliebigen
Steigungen, der fürstliche Lustgarten als schönster Kurpark des
ganzen Harzes, das sind Wernigerodes Vorzüge und Heil¬
mittel ! Sie erweisen sich besonders geeignet bei Herzleiden im
Anfangsstadium, Nervenerkrankungen, zur Renkonvaleszenz nach
schweren Erkrankungen innerer Organe oder nach Operationen,
sowie ganz vornehmlich als Erholungsort für im Dienst oder
Geschäftsleben Ermattete. Seitdem Hasserode am Fusse der
Steinernen Renne eingemeindet ist, haben die Kurgäste jährlich
eine Zahl von 6000 erreicht. Vier neue illustrierte Schriften,
ferner der Wohnungs-Nachweis mit Plan, Zugverbindungen,
Vergnügungsprogramm in Mappe vereint kostenlos in den Reise¬
bureaus und direkt vom Verkehrsamt der Städtischen Kur¬
verwaltung zu Wernigerode.
Wiesbaden steht zurzeit im Zeichen der Hochsaison.
Die grosse Frequenz beweist, dass die heilkräftigen, schon im
Altertum bekannten Thermen ihren unvergleichlichen Ruf bis
in unsere Zeit erhalten und ständig vermehrt haben. Die Zahl
der Besucher belief sich in den ersten 5 Monaten dieses Jahres
auf 65 000 im Vergleich zu 61000 in dem gleichen Zeiträume
des Vorjahres, was einer Steigerung von 4000 Fremden gleich¬
kommt. Wiesbaden verdankt diese Wertschätzung in erster
Linie seinen grossartigen Kurerfolgen, sodann aber auch den
vielen anderen Vorzügen, die den Kurgästen sowohl wie den
Vergnügungsreisenden hier das ganze Jahr hindurch geboten
Nr. 41
DEUTSCHLAND
werden. Die geographische Lage Wiesbadens im Herzen Deutsch-
.lands ist eine sehr günstige. An die Hauptlinien des grossen
Eisenbahnverkehrs angeschlossen, ist es von allen Seiten leicht
und bequem zu erreichen und durchgehende Wagen und Züge
führen von den meisten Gressstädten Europas direkt nach Wies¬
baden. Mit der Entwicklung der Gressstadt hat die Entwicklung
der Kurstadt und der Ausbau ihrer Heilfaktoren gleichen Schritt
gehalten. Kaum ist das neue Kurhaus dem Verkehr übergeben
und schon erhebt sich in gewaltigen Dimensionen an der be¬
rühmten Adlerquelle inmitten der Stadt der Bau eines neuen
Badehauses. Ein Badehaus, das neben den Thermalbädern
alle Heilfaktoren der modernen Therapie in sich vereinigen und
allen Ansprüchen der Neuzeit in bezug auf praktische Einrichtung
und eleganten Komfort genügen soll. Wohl die zehnfache Zahl
von Kranken gegen früher aus allen Ländern des ganzen Erd¬
balls, deren Widerstandsfähigkeit im Kampfe ums Dasein erlahmt
ist, und die in ihrer Heimat keine HUfe finden können, kommen
jetzt alljährlich nach Wiesbaden, um nach kurzem oder längerem
Kurgebrauch befreit von ihren Leiden mit den Gefühlen tiefer
Dankbarkeit die gesegneten Quellen wieder zu verlassen, deren
Heilkraft ergänzt und verstärkt wird durch die Nutzbarmachung
aller modernen Hilfsmittel unserer hochentwickelten Heilkunst.
Einweihung des neuen Brunnenhauses in Bad
Münster am Stein. Am 14. Juni wurde das neue Brunnen-
und Badhaus der Oeffentlichkeit übergeben. Herr Dr. Gudzent,
erster Assistent bei Prof. Dr. His in der Berliner medizinischen
Klinik, hielt bei der Einweihungsfeier einen Vortrag über die
Erfahrungen mit Radium als Heilmittel. Zum Schluss
hob er hervor, dass Bad Münster am Stein mit seiner neuen
Quellfassung, seinen neuen Radiumsprudel-Bädern
und Emanatorien eine einzigartige, wohl kaum nachzu¬
ahmende, mustergültige Einrichtung für die Radiumbehandlung
geschaffen hat. Er gab der Hoffnung Ausdruck, dass noch viele
Gicht- und Rheumatiskranke in dem herrlich gelegenen
Bade Linderung und Genesung finden möchten.
Bad Kudowa. Auch in diesem Jahre wieder kann ein
ganz gewaltiger Aufschwung, den Kudowa nun schon seit
langem von Jahr zu Jahr nimmt, festgestellt werden. Die
Zahl der Kurgäste, wie auch die der Erholungsgäste, selbst
der Besuch von Touristen — die den berühmten Kurort aus
eigener Anschauung kennen lernen wollen — hat gegen das
Voijahr wieder bedeutend zugenommen. Fast 25 000 Bäder
sind bereits in dieser Saison verabfolgt worden. Kein
Wunder, wenn man bedenkt, welche Naturschätze hier zu Tage
treten; dass die heilkräftigen, schon seit fast 350 Jahren be¬
kannten und bewährten Quellen jährlich Tausende und aber¬
mals Tausende anlocken, um hier Heilung von ihren Leiden,
oder Ruhe und Erholung zu finden. Es ist erklärlich, dass der
Ruf dieser bewährten Heilquellen in immer weitere Kreise
drin^ und überall dort ein Echo weckt, wo es Menschen gibt,
die sich krank und elend fühlen, und denen hier ein Weg zur
Wiederherstellung ihrer Gesundheit gewiesen wird. Besitzt
doch Bad Kudowa die stärkste Arsen-Eisen-Heilquelle Deutsch¬
lands (im ganzen acht Quellen), die sich besonders gegen
Herz-, Blut-, Nerven- und Frauen-Krankheiten bewährt haben.
Das Bad besitzt die modernsten Einrichtungen, da grosses
Gewicht auf eine zweckmässige und allen Forderungen der
modernen Hygiene und Gesundheitspflege hinzielende Ge¬
staltung gelegt worden ist.
Bad Salzbrunn erfreut sich in dieser Saison eines
überaus zahlreichen Besuches, eine Folge der vielen Neuerungen
und Verbesserungen, die in letzter Zeit getroffen worden sind. —
Ausser dem Oberbrunnen und der Kronenquelle wird nunmehr
auch der Mühlbrunnen in einem eigenen Trinkpavillon zum
Ausschank gebracht. — Ein Licht- und Luftbad öffnet in dieser
Saison seine Pforten. — Das diesjährige Tennisturnier findet
vom 30. Juni bis 2. Juli statt. Die Salzbrunner Turniere erfreuen
sich seit Jahren grosser Beliebtheit und einer überaus regen
Beteiligung weit über die Grenzen der Heimatprovinz hinaus.
Bücherschau.
(Bäder-Literatur siehe auch unter der Rubrik: Bäder und
Sommerfrischen).
„Im Fluge durch Sachsen**. Vor uns liegt ein vor¬
nehm ausgestattetes kleines Heft, das soeben vom Verein zur
Förderung Dresdens und des Fremdenverkehrs herausgegeben
worden ist, um in Wort und BUd die Schönheiten des Sachsen¬
landes, seine Kunstschätze wie seine landschaftlichen Reize dem
Reisepublikum nahezubringen. Eine entzückende Meissner Por¬
zellanfigur, von Professor Joseph Goller gezeichnet, grUsst auf
dem farbigen Titelbild den Beschauer. Der Reichtum an Bil¬
dern aus Dresden und Umgebung, aus der Sächsischen Schweiz,
aus Leipzig, Chemnitz, dem Erzgebirge, dem Vogtland und
der Lausitz rollt die Schönheiten des Sachsenlandes, seine
Eigenart, seine Volkskunst, die mannigfachen Arten des Sportes
u. V. a. in glänzender Weise vor dem Beschauer auf. Das Heft
wird durch Vermittlung der Reisebureaus, der Verkehrs-Vereine
und anderer Institute dem Reisepublikum Deutschlands und
des Auslandes übermittelt. Die Mittel für Herstellung des
Heftes hat ebenso wie bei dem schon früher erschienenen Ver¬
kehrsbuch von Sachsen die Königliche Generaldirektion der
Sächsischen Staatseisenbahnen gewährt.
Die Bergstrasse (von Darmstadt bis Weinheim). Der
Verkehrsausschuss der Bergstrasse (Sitz in Auerbach) hat
in diesem Jahre einen eigenartigen, recht wirkungsvollen und
künstlerisch ausgestatteten Prospekt herausgegeben in Form
eines Panoramas, das nach einer von Herrn Jos. Stoll nach
der Natur aufgenommenen Zeichnung auf Stein hergestellt ist.
Die reizende kleine Druckschrift, die in kurzer Form über die
herrlich gelegenen Orte der Bergstrasse Auskunft gibt, ist durch
den genannten Verkebrsausschuss, wie auch durch die ver¬
schiedenen Ortsvereine kostenlos zu beziehen.
Der Rheinische Verkehrs-Verein in Coblenz hat
seinen „Rheinführer** neu erscheinen lassen, worin gleich¬
zeitig Literaturnachweis über die einzelnen Städte, Täler, Höhen¬
züge usw. enthalten ist. Das vom Rheinischen Verkehrs-Verein
herausgegebene Prachtalbum „Der Rhein, seine Nebentälor imd
Badeorte von Mannheim bis Emmerich“ kann direkt oder vom
Verein durch den Buchhandel zum Preise von 6 Mk. bezogen
werden. Im Aufträge des Vereins verfasste Gymnasiallehrer
Hoitz, Köln, das im Verlage von Karl Georg^ in Bonn er¬
schiene „Rheinwanderbuch, 18 Tage auf den Rheinhöhen
und im Rheintal**, das in klarer, übersichtlicher und fesselnder
Darstellungsweise die vom Rheinischen Verkehrs-Verein be-
zeichneten durchlaufenden Rheinhöhenwege Bonn—Bingen und
Beuel—Wiesbaden, sowie die von ihm eingerichteten Schüler¬
herbergen beschreibt; wertvolles Kartenmaterial sind ihm bei¬
gegeben.
Ueber die Unterkunftsmöglichkeiten im Badner
Land gibt der Badische Landesverband zur Hebung des
Fremdenverkehrs in Karlsruhe ein Verzeichnis heraus, das mit
BERLIN HRMBURfi
HOTEL ETOLAHADE
Das Vollendetste auf dem fiebiete der modernen
Hoteltechnik und des feinen Restaurantwesens.
208 ll 9a8Q098QQQQQQQQQ9330Q0Q00 99<l DEUTSCHLAND ^ €€>0060668606066000000000 ^ Nr. 4
Hilfe der Bürgermeisterämter des Landes aufgestellt und somit
von keinem Interessenkreise beeinflusst ist. Dieses Verzeichnis
enthält in gedrängter übersichtlicher Darstellung die Preise in
den mannigfachen Unterkunftsmöglichkeiten des badischen Landes
(Schwarzwald, Odenwald, Rhein, Neckar, Bodensee) und dürfte
zur bevorstehenden Reisezeit jedem Interessenten einen will¬
kommenen Anhaltspunkt zur Orientierung bieten. Dem Ver¬
zeichnis ist sodann noch die bekannte Broschüre „Das Badner
Land** angeschlossen und kann kostenlos vom Landesverband
bezogen werden.
Verschiedenes.
Eine neue Bismarck-Denkmal-Konkurrenz.
In Wiesbaden fand am 24. Juni die Versammlung sämt¬
licher Ausschüsse für das Bismarck-Nationaldenkmal statt. Nach
der Eröffnung der Sitzung des grossen Ausschusses, der auch
der 2. Vizepräsident des Reichstages, Dr. Schultz, beiwohnte,
durch den Vorsitzenden, Freiherrn von Rheinbaben, der einen
Gruss des dienstlich am Erscheinen verhinderten Reichskanzlers
über brachte, wurde zuerst nach den Vorschlägen der einzelnen
Landesausschüsse die Zuwahl von fünf Mitgliedern zum grossen
Kunstausschuss vorgenommen. Ausgeschieden aus der Be¬
ratung wurde unter allgemeiner Zustimmung die Behandlung
der Platzfrage, da, politisch betrachtet, der erwählte Platz, die
Elisenhöhe bei Bingen, ein bedeutsames Bindeglied der süd-
und norddeutschen Volksstämme bilde, und anderseits die
grosse schon für den Grunderwerb ausgegebene Geldsumme
(270 000 Mk.) eine Aenderung der wiederholt beschlossenen Stelle
ausscbliesse. In Uebereinstimmung mit den sodann mit über¬
wältigender Mehrheit der Versammlung kundgetanen Ent¬
scheidungen wurde in der sich anschliessenden Sitzung des
Entscheidungsausschusses (Grosser Kunstausschuss) einstimmig
folgender Beschluss gefasst: „Der grosse Kunstausschuss
erkennt dankbar und in vollem Masse die künstlerische
Würdigung an, die seitens der Jury den Entwürfen und ins¬
besondere dem an erster Stelle prämiierten Hahn-Bestelmeyerschen
Entwürfe zuteil geworden ist. Um zu einer Klärung und Ver¬
ständigung zu gelangen, soll den vom Preisgericht aus¬
gezeichneten zwanzig Künstlern Gelegenheit zu
einer weiteren Bearbeitung ihrer Entwürfe ge¬
geben werden. Bei dieser Gelegenheit sollen die Künstler
darauf aufmerksam gemacht werden, dass gegenüber den preis¬
gekrönten Entwürfen in weiten Kreisen der Wunsch laut
geworden ist, in dem Denkmal die Person Bismarcks
mehr in Erscheinung zu bringen. Ueber die zu erwartenden
um gearbeiteten Entwürfe sollen vorbehaltlich der endgültigen
Entscheidung des Entscheidungsausschusses zunächst nochmals
Jury und Kunstausschuss gehört werden. Für die Einreichung
der abgeänderten Entwürfe wurde der i. November ds. Js. als
Termin bestimmt.
Akademische Kurse für allgemeine Fortbildung
und Wirtschaftswissenschaften. Die Stadtverordneten¬
versammlung zu Düsseldorf hat in ihrer letzten Sitzung be¬
schlossen, mit Beginn des Winters 1911/12 „Akademische Kurse
für allgemeine Fortbildung und Wirtschaftswissenschaften zu
Düsseldorf** ins Leben zu rufen. Die Betonung gerade der
Wirtschaftswissenschaften neben der allgemeinen Fortbildung
flndet ihre Rechtfertigung ohne weiteres in dem Interesse und
in der Bedeutung, die den damit umfassten Gebieten der
Nationalökonomie, Technik, Handelslehre und dergl. für die
Interessensphäre der Stadt zukommen. Diese Kurse, die inner¬
lich wie äusserlich einen hochschulmässigen Charakter haben,
sollen, wenn sie Anklang Anden, alljährlich je in einem Winter¬
semester (etwa von Ende Oktober bis Ende Februar mit
Weihnachtsferien) und in einem Sommersemester (etwa von
Ende April bis Ende Juli) abgehalten werden.
EinFerienheim fürweiblicheAngestellte. In dem
freundlichen Eifelstädtchen Daun ist eine soziale Einrichtung
ihrem Zweck übergeben worden, die weit über Dauns Mauern
hinaus lebhaftes Interesse Anden wird. Die Firma Leonhard
Tietz A.-G. in Köln hat hier im geschützten Talgrund, in nächster
Nähe eines Hochwaldes, ein Ferien- und Erholungsheim für
ihre weiblichen Angestellten geschaffen, das in seiner Art als
mustergültig angesehen werden kann. Architekt Georg Falck
aus Köln hat diese Anlage im Blockhausstil errichtet und dabei
allen Anforderungen der Jetztzeit an Hygiene, Ausstattung und
Zweckmässigkeit entsprochen. Das Ferienheim, das ausser einem
grösseren Wirtschaftsgebäude mit Speisesaal, Lesezimmer,
Bibliothek, Wohndiele, gedeckten Terrassen und einer geräumigen
Küchenanlage sowie der Wohnung für die Hausverwalterin zwei
Schlafgebäude mit je 23 Betten in je 12 Zimmern, ferner einen
Stall und ein Waschküchengebäude enthält, ist so angeordnet.
Uflenkopltil: Nk.ZOOOOOOOO
Reservefonds: Nk. 61000000
Für die Reisezeit
empfehlen wir zur sicheren Aufbewahrung von Wert¬
papieren, Dokumenten,Geschmeiden, Gold- u. Silbergerät
die eisernen Schrankfächer in den
Stahlkammern
unserer Wechselstuben:
Berlin;
W., Französischestrasse 35/36
(nahe Hodwigskirche),
W., Potsdamerstrasse 126
(nahe EichhornstrasseX
W., Potsdamerstrasse 103 a
(Ecke Kurfürstenstrasse),
W., Kurfürstendamm 238
(Kaiser Wilhelm-Gedächt¬
niskirche),
W., Kurfürstendamm 216
(Ecke Fasanenstrasse),
W., Kurfürstendamm 181
(Ecke Konstanzerstrasse),
G., Königstrasse 33
(Alexanderplatz),
S., Oranienstrasse 145/146
(Moritzplatz),
SW., Friedrichstrasse 204
(Ecke Schützenstrasse),
SW., Lindenstrasse 7
(Ecke Neuenbiirgerstr.),
0., Frankfurter Allee 1/2
(Ringbahnhof),
NO., Gr. Frankfurterstrasse 32
(Ecke Fürstenwalderstr.),
NO., Greifswalderstrasse 205
(Ecke Marienburgerstr.)
N., Schönhauser Allee 144
(Ecke Eborswalderstr.),
N., Badstrasse 35/36
(Gesundbrunnen),
N., Müllerstrasse 6
(am Wedding),
NW., Turmstrasse 27
Charlottenbnrg;
Berlinerstrasse 58
(nahe Hauptpostamt),
Kaiserdamm 118
(Ecke Suarezstrasse),
W ilmerndorf;
Hohenzollerndamm 196
(Ecke Uhlandstrasso),
Schöneberg; Hauptstr. 18
(gegenüber dem Rathaus),
Barbarossastrasse 45
(Ecke Berchtesgadenerstr.),
Friedenau; Rheinstr. 1/2
(Ecke Schmargendorferstr.),
Südwest-Korso 77
(Ecke Kaiserallee),
Stegiitg; Schlossstrasse 85
(gegenüber dem Rathaus),
Cwr^-Lichterfeide;
Ost; Jungfernstieg 3
(Ecke Bahnhofstrasse'),
West; Garlstrasse 114
(Wannseebahnhof),
Tenipeihof; Berlinerstr. 8
(nahe Ringbahnhof),
Rixdorf; Kottbuserdamm 79
(Hohenstaufenplat z),
Berlinerstrasse 56/57
(nahe Hauptpostamt),
Pankow; Schönholzerstr. 1
(am Rathaus),
Tegei; Berlinerstr. 99
(nahe Hauptstrasse),
fl$pandan; Potsdamer-
(Ecke Stromstrasse),
Strasse 31/32 (Nicolaikircho).
An diesen Geschäftsstellen, sowie an unseren Wechselstuben:
Beriin; W., Motzstrasse 66 (Ecke Martin Lutherstrasse),
-G., Spittclmarkt 4/7,
5., Nene Rossstrasse 1 (Neue Jakobstrasso),
SW., Belle-Alliancestrasse 107 (iiai losch es Tor\
0, An der Jannowitzbrücke 1.
50., Köpenickerstrasse 1 (Schlesisches Tor),
so, Wienerstrasse 11 (Göriitzer Baimiiof),
NO., Landsbergerstrasse 100 (Büschingpiatz),
N., Brnnnenstrasse 2 Rosenthaier Tor),
N., Ghansseestraste 130 (Oranienburger Tor),
NW., Flensburgerstrasse 19a (Ecke Lessingstrasso),
werden auch verschlossene Depots (Pakete,
Kisten, Körbe, Koffer), welche verschnürt und ver¬
siegelt einzureichen sind, in Verwahrung genommen.
Nr. 4 iB9e9 000tt»a«»6^^ DBUtSCHLAND
!2ÖÖ
daw je nach Bedürfnis jederzeit Anbauten erfolgen können, die
sich dem Ganzen harmonisch einfttgen. Auf dem Grundstück
selbst befindet sich eine starke kohlensaure Stahlquelle, die an
Kraft und Qualität den Stahlquellen von Langenscbwalbach und
Pyrmont gleichkommt. Den Besucherinnen, die in diesem Heim
bei Weiterbezug des Gehalts kostenlos verpflegt werden, ist
somit Gelegenheit geboten, eine Trink- und Badekur im
eigenen Haus durchführen zu können. Ein Arzt steht ebenfalls
unentgeltlich zur Verfügung.
Photographische Aufnahmen aus der Natur
unserer deutschen Heimat. Die Staatliche Stelle für
Naturdenkmalpflege zu Berlin - Schöneberg (altes Botanisches
Museum) richtet ein Archiv für photographische Aufnahmen
aus unserer deutschen Heimat ein und hat den Direktor der
Gesellschaft Urania, Franz Goerke, mit der Leitung dieser
Sammlung beauftrag^. Die für das Archiv bestimmten Photo¬
graphien sollen sich vornehmlich auf die Natur ohne bauliche
Anlagen beziehen, z. B. auf charakteristische natürliche Land¬
schaften, Waldteile, Baumgruppen und ausgezeichnete Bäume,
Gebirgsteile, Felsgruppen und einzelne Felsen, fliessende
Gewässer, Seen und Wasserfälle, wildlebende Tiere mit ihren
Wohnplätzen u. a. m. Bei dieser umfassenden Veranstaltung
hofft die Staatliche Stelle auf eine freundliche Unterstützung
und Mitarbeit seitens der deutschen Amateurphotographen
rechnen zu dürfen und bittet sie, geeignete Bilder beliebigen
Formats, möglichst unaufgezogen, mit genauer Angabe der
Oertlichkeit, ihr zur Verfügung zu stellen. Alle diese Bilder¬
sammlung betreffenden Sendungen und Zuschriften wolle man
an den Genannten richten, der auch zu jeder weiteren Auskunft
gern bereit ist.
Die Krönungsfeierlichkeiten in England lassen
gegenwärtig die Passag^erziffern des atlantischen Ostwärts¬
verkehrs mächtig anschwellen. Der Dampfer „Kaiserin Auguste
Victoria'* der Hamburg-Amerika Linie beförderte wie die „New
Yorker Staatszeitung** mitteilt, auf seiner letzten Heimreise nicht
weniger als 877 Kajütspassagiere, von denen 575 in der ersten
und 30a in der zweiten Kajüte reisten. Das Schiff hat mit
diesen Ziffern die Höchstleistung der diesjährigen Passagier¬
beförderung im Ostwärtsverkehr erreicht. Bemerkenswert hohe
Passagierziffem hatten auch die mit ihm gleichzeitig New York
verlassenden Dampfer „Mauretania** der Cunard Linie und
„Rotterdam** der Holland-Amerika Linie zu verzeichnen. Die
„Mauretania** führte 847, die „Rotterdam** 660 Personen in
ihren Kabinen.
Führer-Automat. Eine nachahmenswerte Einrichtung
hat der bekannte Schwarzwald-Höhenluftkurort Tri-
berg getroffen. Die ankommenden Reisenden stossen in der
Empfangshalle des Bahnhofs auf einen Automaten, der
gegen Einwurf von zwei Zehnpfennigstücken abgibt: einen ver¬
schiedenfarbigen sogenannten „Pharusplan** der Stadt
(i : 5000), aus dem die Lage der öffentlichen Gebäude, der
Sehenswürdigkeiten, der einzelnen Hotels und Fremden¬
pensionen deutlich erkennbar ist, eine in Schwarzdruck ge¬
haltene Umgebungskarte (1:50000), einen illustrierten
Ortsprospekt, der über alles Wissenswerte Auskunft gibt,
ferner Verzeichnisse der Hotels, Fremdenpensionen
und Privatwohnungen mit ausführlichen Preisan¬
gaben. Ueber dem Automaten hängen in hübscher Eichen¬
rahme unter Glas die Drucksachen zum Beschauen ausgebreitet.
Den Kurgästen und Touristen, die nach Triberg kommen, ist
auf diese Weise ermöglicht, sich sofort zurecht zu finden, sich
zuverlässig zu unterrichten und eine ihrem Geschmack und
ihrer Geldbörse angepasste Unterkunftstätte auszusuchen. Der
Tätigkeit unzuverlässiger Wohnungsvermittler und Hotelagenten,
wie solche an jedem bedeutenderen Kurort und in den meisten
Fremdenstädten ihr nicht immer einwandfreies Wesen treiben,
ist damit ein grosser Stein in den Weg gelegt.
Postkreditbriefe. In der „Frankfurter Zeitung** wurd®
in einer Zuschrift aus London über „Postkreditbriefe“ auf die
Vorzüge der Reiseschecks der American Express Company hin¬
gewiesen. In Ergänzung hierzu sei darauf aufmerksam gemacht,
dass auch die Hamburg-Amerika Linie und der Norddeutsche
Lloyd seit Jahren Reiseschecks ausgeben, die genau dieselben
Vorteile bieten wie die der American Express Company. Sie er¬
freuen sich in Deutschland und im Auslande derselben allgemeinen
Beliebtheit wie in Amerika die Schecks der American Express
Company. Auch die Schecks der Hamburg-Amerika Linie und
des Norddeutschen Lloyd lauten nicht bloss auf Mark, sondern
auf Pfund, Sterling, Dollars, Kronen usw. Von den gewöhn-
-I I-
WT* Sorgenlos
und ohne Beschwerden zu reisen, ist wohl das Bestreben eines jeden, und zweifelsohne ist kein Gebiet so auf sach- und fachgemäßen Rat
angewiesen wie gerade das Reisewesen, wenn allen Neuerungen und Einrichtungen im Gefolge des modernen Verkehrs Rechnung getragen
werden soll. Auf Grund einer 70jährigen und erfahrungsreichen Tätigkeit auf diesem Gebiete ist die Firma THOS. COOK & SON in der
Lage, Vorteile und Erleichterungen zu gewähren, wie sie wohl von keinem anderen Unternehmen dieser Art geboten werden können.
??€iSBbill€ff€ *^^derzeit auf nahezu allen Eisenbahn-, Dampfer- und Postkutschlinien der ganzen Welt verwendbar. Diese Billette
-a_ berechtigen den Inhaber zu jeglicher Auskunft von seiten unserer Vertreter und aller Agenturen, ferner gestatten sie
die freie Benutzung der Leseräume in unseren verschiedenen Bureaus zur Erledigung von Korrespondenzen, sowie die unentgeltliche
Inanspruchnahme der Dolmetscher der Firma THOS. COOK & SON auf den wichtigsten Bahnhöfen und in den bedeutendsten Hafenplätzen.
I o A M Billette für Salon-Passagiere nach allen Weltrichtungen
ULCli und zu niedrigsten Preisen.
g\^g\g9£3ktc.f^n Unabhängiges, sorgenfreies Reisen; das Vollkommenste in
A\lvlVUriJi CIÄCll Bezug auf Reiseerleichterung.
Erstklassige Gesellschaftsreisen allen Ländern Europas u. Amerikas,
nach Ägypten, Palestina, Großbritannien und Irland.
Nildampfer
Regelmäßiger Passagierdienst vermittelst eigener erstklassiger
Dampfer.
^ Dieselben werden von den bekanntesten Hotels über die
I lUldt/UUpUIlÄ ganze Welt hin in Zahlung genommen.
Rank, und WArhcpIffPCrhäff Vorteilhafteste Bedingungen bei Inan-
DallK.- UllU VY CCllSClgCsCllall spruchnahme; Verausgabung von Zirkular-
Noten und Kreditbriefen nach allen Ländern.
THOS. COOK & SOH, Offizielle Vertreter der Deutschen Staatselsenbuhnveruultunoen
für die Ausgabe von Fahrscheinen.
Hauptbureau: liudg^ate Circa«, liondon.
Bremen, Bahnhofstr. 86 Köln, Domhof 1 Salzburg, Sohwarzstr. 7
Karlsbad, BLarkt Dresden, Pragerstr.43 Frankfurt a/M., Kaleerstr. 28
210 DBUtSiCHLAHD laooieeeaeesseeeeeeeeeeeeeei^ Nr. 4
Hcbim Schecks hebeci sie sich ebenfullfiii yot^thhft «tb,
dass jede Kuntr&lie der Höhe d^a QiJihrUj^^ fbfifäbt Die-^ei
Heiicächecks dcuti^äheti
werdcß von allen Ageritüreh dera^lbe^ scrwife y<iEi dbfl
fimerL an alltn grösseffn PtäUeß dar Welt ebenso :Wi^
Schecks der Amerjcaii E^p re es Company ln ßent 3 Tiimerf+
Auf : eämtJiicheti ScHiffislitjicti und den tneiaten i^af&npist^eni;
welche die Schiffe unserer beiden grössten Reedereien berühren^
sind dar eh Reiseschecks nasmrgeniäss ein übliches und ganit ^ang;-
h^s J^ahlungi&Tnlttaif und ^le können daher dan Vergleich luh
dem Reic±iskäfisetti?oht2n, den der Einsender für die erst ju
SchafTendeti Posikredtlhnefe fir Ansprach nimmt^ achpt^ jctkt
vollkommen au sh a! tan- Der Rjjtisehde hesChränki sich nicht hioss
darauf^ seine Schecks bc| defEinSÖ&ungssäieile uiiizuseizeni sondern
er ifli gewohnt, die ^XshUielie glejchaeiiig als eine will komme ne
Orlpntie^ung^^fitcHa tn benutzen; die ihrb über d?e Sehc^s-
wü rdi e Veltpri des prtcßr und manche » n d icr en Präge it her ei h
willigst. Ätiakdiiff
Edr dEe Ein i r a ^ u n g i n d a a O (t i ä t e 11 ? l*,e i p se I e e r
M e s - A dl" fedä h d ^ h^ Jt- Auflage, MiGhiie'iifsmcsöe igtt f, Öe^hn
Sdnntäg/ dfe« 37 > August)^ ial vom lVleS{i-AUs6Chua& der .
kammer Deiprjg soeben der massgebende Arimejdcbügeu
Vesaandt worden^ pic pÜnkiththe Rücksendung diesesf Anmcltlc-
hogehe äst alten AiissteUern dtingend iru empfehlen^ da die
Aufnahroe pdfff WeUerfühtüfig im Bucha davon abhüfigt, Keu
himzugetreteneti Auss-telleni, die das Formular noch niebt er¬
halten hithetx, emptfehlen wifV sPfort beim Meas-AtisfithusÄ der
Hähdelsknmmat' UeipÄig darum nachinaijchen.
Einunbtekonntes Ged i t tl e in r i 5 :Ji k V. K 1 e Is t.
In der Gräflich Schuffgotschschen JMaJdj^dtsHbhöthek ln
hmtin hat der Efibliothekar dssslhatr br. M; Schüler, ein bisher
unbekanntes Gelegenheitsgedicht TfictnJfiel^ vOcö Klewit gefunden,
der Dichter am 13* juU des Jahf<;i at» ^'^li'siufidaEwarirlg^
jähriger fUr das Fremdenbuch der Hampcibaüde unterhalb det
Schncekoppe verfasst und wozu ih4 iS^r liber^älUgt^nde EiU’
dfUtk eines Sonneniuuigaaga bEgeisieri battf*. Der Dichler tiitt*
in Begteiuing «einer Ädtwesti^r tl Irlke eine ’Touf aut cRe Scliöe«-
koppe uniemommen^ diß Reisenden paflsietten di& HaAtpelr
baude j d La d ama I sV ^ s (ik: k efne' Bau dt icu vn Uehet u^ebte n.
auf der Itoppe »felhst gab# >rKoppenhaudF’ h ie^ In der,
„Wöcha’" veröftenth¥;ht Dr» S[Ghuicr jetit Wödld^ ' der
Hymna aa die SöujigV
lieber die Häup^r d« Htesem hoch m der Lutte
Trägt .mich, Vater der Hlssö^Ui. Dein dretge^atkigtitr Falk»
Nebel WaHeh-.::’v'•x.-.. :•■■■'■■■;■
:W(e Nachtgei^ialten,' .• ;:
Um lurspr,: Uebiwrj dic: Scheitül der Riesen heA ^
Ünd ich crwarre dich^/Leuchtender!
Deinen prächtige^ Glätte borge der Finstecnj&V
AUerleuchtender ^ternt Du der u hmdllieban äju^L^
' Ewiger Herrscher, ; .
Du des Lehens
unversiegbarer Quellr giesse die Sltithlefi h^^atU/
UtUosl wälis; dein PUmmenrad!
Sieh' i Er wSlzt es hera uf ^ Die Nachts» Wie -
Leuchtend schreibet der GoU ceümti VHamen dahin
MU fit:m Griffel denj Strahle?^ . :
hüldjigt ihr mir?“^* : /
L *^rrs c h er! wi r h ul ctiji^fcn ^ d ir 1
\ 'd, 53,- ■■|dt .99 ,
am M turgtUf '-Icti von H V ii n t {ch K I el ^ t,
diil Schwe^koppe kam* chemnli Leütn» Im Regt, Qaxdc,
Hotelweseni
H öle l Bellevue, p> e e d c n- Ends Mai ä. ji* fni das
Höic| Bellevue nach f ünfinonäiiger ; wleiler eröffniit
Wörden* Das hellehfe* vöh; Ftltsilrehkedtcft und Arfstakri^ticf be¬
vorzugte Holet hat durch • die MeiatjQrharid Martin DÜUers eint
wesentliche Umgestaltung erfahren. Der imlacire
von frü her * di e ein sith nllg e G/i! be rla« ch e Be si t Eti ng; jüt
einem Hotel umgestalt?^ werden, duv allen iivuercu AhspiiiC’hJt'n
gerecht wird utii dtc vielen " Bchötihtsiten semer Uw^iBebuitg
wesentlich besier als friiher den öäBteti ins Äuge rllckt, ; Uhicr
Verzicht auf einen Ttii der im Erdgeschoss ynrhandcbfed
Premdenzimiiier und durch dre Veriegujl^ des Hauptttingauj^tä
nach der X^ti^frdtit G^Mudes, gegedtSher der Königlichen
Opefj wurde dl* Seite iiflch Theatßf^Ia!* frei ihr Hiit*
w icktuiag dtfr y riter h al tuttga - * Sthf^ib-, -V R^staaratio n s-
an d Garderob erä ttmef . die in direk te Vetbin d u ng ^ea etil ifei n d
nijtx tihef grossen, dth gfi'&lisiee.Ttcn ÄuspFflScben Ech’ügetjden
vocnthiK ausgestatfcien welche , inan durch eine
Drehtür betritt, per Boden ist mit MarmorplÄtieü belegte die
Wände niit Täfelungen aus RusterboUpaneelffnj bia aur;/Decke
r Biche u d, verkici det, Der grosse Sp'filKcsaÄl : : den ■ an-
«chltesseaden, nach der Elbe gcfege^^fi Ubefd*Cik|^
und dem herriichea Gerten «ind wie die FrhrfulecLejtmmer des
Erdgeschosses Vcm dreier Halle ,au?3 'direkt
Prachitrcppe auir Marmöt Jiihtf dach Ütn 'vollstetien^
m^bU'trttrL lfivt allem veraehenen Zinihttrn de* 'Ersten
SiockwtrkeÄ; und von da nach den oberen, durch den Aufbau
von 2We 4 |Stöckwerken entatandenen neuen Räumen, Da-*
durch isf dtr ganze Organii^mtis des Holele verpissisert: Wöfdoö,
pits WCitereti Umbauten erstreckep ^aith auf die Anlage Von
BaJWns äpr der Vorder^ und Garteßseitc, die Eiurfchiüng »luer
/^entriäibjisijrung und Warttiwaiseryereorguhg, Amer elektnachep
LichL, Signal- Tclephörtanlage, StaubsaTigatilage uud den
Einbau von Bädern und Tmlettenräumtn mit direkt an die Waasat-
leitung angeachlöiefttten Waachtiseheri* Gam Üeaoudere Sorg¬
falt wurde auf deö Bau vollständig Mueuer Küchenanlagfch,
KÜbiräümc^ KefWreliü uöff Wirtscbaftafiüma (nach Angaht^ff
des Herrn Diwktöts Rchh^eld) gelegt, uhd man darf wohl be¬
haupten, dosa gyhtde 4t^e wichtigen Räume ftir dttn
Hötelbetrieb müstejfgüliig und sehenswert sind, Der neu¬
angelegte Holelgarten mil aetnen Terrassen und Lanbengäögen
45t ei n c S e hc nawUrdi gkdt D resd ens. Das Hotel,: dc^esen. grösste t
Tag wohl der denkwürdige Huidig^ngszug dei Diesdhet Bürger¬
schaft vor dem alten Koichskanzler am 18, Juni 1893 war^ kann
in wenigen Jahren auf ein fiojahnges Bestehen tu rückblicketu
Seit 1897 liegt die Leitung der Akiieogesel lach aff io den Händen
des Herrn ü i t e k t o f o R i ch a r d R o n n e fe 1 d* Seine reichen
Erfahrungen upd. dni IchrtStleriscb feine GeffühJ von Profoai&or
Martin Diiller hahCp hißl eiti Werk geschaffen, das troit seits<&r
Ei n I ach heit d ti f ch: Vs e Ifffi god iä^geh c, vö rn effme A uaaiattu ng ifli t.
Anerkennung alier äeffif^T ernten wird,
^ aSchlUsS'd^a'redaktiöijdlko Teiles.
Si'iirl v-iXi^r liuJ ^ t3< aio-a ?.l3 • •'
;U} Par Atm' swHvctiiAü äutui«-
e^f'jir.FWwörj: ür, S e y r^j f i, ifüa üaeden hj^v«#cker
■ ■ * • lisV- ig;;. lö'r ■ :.'Am fii;t<lit4U ^. ff i Ä ■ ä, r li; ■ ia ’. ftstseü 0 rf,.'
■ -.itirttt; it- 'aiii ki;' Üö fl-if' f A arl * # i’kk * vl>. A?ä,'tfi f 4 ar|
tohtl ein jörteg, tclncS @Cfidjt, icjigf®! jnticii Ci|i iitfjcS ^ttt,
svcißt, lamiiictröctdjf Smut jnib ein (JlcHbcnö jiluincr 3:{*iuti. StßelS
öteiS er,imflf feit allein editf
$tccft 4 ttpt 4 td<CiliCttinncl)>$ciTc
tinnßefS.mAniUrgO.^lladClItUl. ?» 2t r)0'’^^ijt lUierfill^\itlia6cti.
IQr Hervise and EeolanisbedOrttlse.
Ilavi traft^e«^ «latir flauet.
Är^tJ. Lf^iuiii^
Ör* meö. Staehly.
K a ü fm u ii ü. Lut tuag^ :
DlrüKtor Bttttn*.
lü B Or$aii fOt die deutschen Verkehrs-Interessen b b
A mtliche Zeitschrift des Bundes Deutscher Verkehrs-Vereine
Strassbupger Münster
Schnellzng^Terbindnng^eii
zwischen
Straß borg und Met* einerseits, München, Frankfnrt a. M.—Berlin, Hambarg und Cöln anderseits.
d&wdtfrKT
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Straßburg.ab 5^5 8-12 1126 525 7 ^ IM) Hamburg H.ab 933 1236 j 905 1104
Frankfurt a.M.an 933 1236 i 23i 8^3 l(}^ 54 »; Frankfurt a.M.ab j 403 8^> 11^ 5^ 9-37
Hamburg H.an j 7^ 1 10^ | 1212 O^i 822 823 StraLburg.an ' 71^5 | 1228 3m 904 i24y
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1206
VIII. Met* — Cöln über die Eifel.
Straßburg;, Metz und die Vogesen
Sondernummer der Zeitschrift ^Deutschland'
Herausgegeben unter der Mitwirkung von
Stadtverwaltungen und Verkehrs-Vereinen
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jiLZzt.Ji.2.^ ^ X^ - -J-_>
DEUTSCHLAND
Organ für die deutschen Verkehrs-Interessen
Amtliche Zeitschrift des Bundes Deutscher Verkehrs-Vereine
Mitbegründet durch den Internat. Hotelbesitzer-Verein, Köln
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Nr. 5
Düsseldorf • Erste Juli-Ausgabe 1911 II. Jahrg.
Elsaß-Lothringen und die Vogesen.
Von Adrian Mayer, Straßburg.
Seit den Tagen Cäsars, da im ersten Jahrhundert vor
Christus die römischen Legionen jene alte große Kultur
das Rheintal abwärts gegen Norden trugen, deren Zeugen
wir noch heute so vielfach in diesen Landen begegnen, die
unsere westdeutschen Städte zu prunkvollen kaiserlichen
Residenzen, unsere den Vogesenbergen entquellenden Ther¬
men zu wohl ausgestatteten Badeorten emporgehoben hatte,
seither ist dieses Land auch der Mittel- und Kreuzungspunkt
der großen Heerstraßen der alten und neuen Zeit in kriege¬
rischen wie friedlichen Tagen geblieben. Als die Enkel des
Kaisers Karl zu Meersen an der Maas um 870 die Grenz¬
linie zogen, die, über den First der Vogesen laufend, das
Land zwischen diesen und dem damals und bis in das letzte
Jahrhundert so vielfach geteilten, in seinem Haupttalwege
nur schwer bestimmbaren Rheinstrome nach Ostfranken
zum deutschen Herzogtum
Schwaben schlug, da schufen
sie zugleich ein seither recht
viel umstrittenes Gebiet, das
abwechselnd den Strom statt
der Gebirgslinie als Grenz¬
scheide der beiden europä¬
ischen Reiche sah, bis ein
Jahrtausend nach der Akte
von Meersen neue Verträge
die Grenzpfähle wieder nach
oben auf den ragenden
Kamm des Gebirges trugen,
der durch seine scharfe Aus¬
prägung so sehr den Cha¬
rakter der natürlichen Völker-
g-renze trägt, wie er auch den
einer Sprachgrenze im wesent¬
lichen stets behauptet hat.
Die wechselnden Ge¬
schicke, die unter diesem
Zwiespalt das ganze Gebiet
zwischen Rhein, Vogesen und
weiterhin der lieblichsten Tochter des großen Stroms, der
Lothringen durchfließenden Mosel trafen, ließen bis in die
neuere Zeit dieses Land fast mehr unter den Einwirkungen
der kriegerischen Ereignisse und ihrer Nachwehen, statt in
bezug auf den Reichtum seiner uralten Kultur und seiner
außerordentlichen Naturschönheiten bewerten, die ersteren an
die sonnigen Zonen des Südens, letztere an die gewaltigen
Formen des alpinen Hochgebirges vielfach erinnernd. „Kein
anderer deutscher Gau kann mit der Fruchtbarkeit des Elsaß
wetteifern, wie auch kein deutsches Mittelgebirge an Gro߬
artigkeit und Waldespracht sich mit den Vogesen messen
darf; Kraft und Fülle in den Tiefen und auf den Höhen", so
rühmte schon vor Jahren ein begeisterter Wanderer Elsaß-
Lothringen und seine Bergwelt*). Und in der Tat weisen
die Vogesen in ihrem zum Teil alpinen Formenreichtum,
ihren malerischen Fernsichten, ihrem urkräftigen Wald¬
bestand und den zahlreichen poesie- und sagenumwebten
Burgruinen eine wohl selten wiederzufindende Reihe von
Vorzügen als Wander- und Erholungsgebiet auf, während
zugleich in den Tälern die alten Städte und Dörfer uns
in ihrer vielfach reizvollen Architektur und Eigenart von
frühester Vergangenheit und Geschichte des Landes erzählen.
Aber erst die neuere Zeit
hat mit der allgemeinen
Befestigung der inneren
Verhältnisse und zugleich
der immer wachsenden Er¬
kenntnis der Vorzüge dieses
Landes dazu geführt, daß
der moderne Verkehr und
das Suchen nach Gebieten,
wo die von der Unruhe
und Anspannung des All¬
tags niedergezogene lebende
Generation einen wohltätigen
Ausgleich zu finden vermag,
in Elsaß - Lothringen und
seinen Wäldern und Bergen
eine so reiche Verbindung
von Schönheit und Höhen¬
natur entdeckt hat, wie sie
in mancher Hinsicht selbst
den durch ihre Formen-
spräche überragenden Hoch¬
alpen nicht zu eigen ist
und womit wir uns in den nachstehenden Schilderungen etwas
näher befassen wollen. Es soll darin zunächst der Hauptstädte
des Landes, sodann seines Gebirges gedacht sein, begleitet
von einer mehr führerhaften Darstellung der für den Besuch
des Wanderers und Erholungsuchenden durch Lage und Schön¬
heit wesentlich in Betracht kommenden einzelnen Punkte.
*) „Die Vogesen in Wort und Bild" von Aug. Trinius.
Mülhausen im Elsaß: Rathaus
212 DEUTSCHLAND Nr. 5
Das Land und seine Hauptstädte.
Hier ist vor allem ^ p ,
btralzburg^
die altberühmte, vom Volksliede die „wunderschöne Stadt"
genannte, die, seit einem halben Jahrtausend von dem Wunder¬
bau des Münsters überragt und heute wieder neu empor¬
geblüht, als Hauptstadt des Landes ihren Zauber auf alle
Besucher ausübt. Schon der Altmeister deutscher Dichtung
Goethe, hat uns ihre eigenen Reize in „Dichtung und Wahr¬
heit" unvergänglich vermittelt. Hier hat er als begeisterungs¬
froher Student vom Turme des Münsters aus den Blick
schweifen lassen über Stadt und Land, hier reiften Pläne für
seine bedeutendsten Meisterwerke, entstanden eine Reihe der
schönsten Gedichte; von hieraus unternahm er seine Fahrten
in das Elsaß, nach dem von der Sage umrauschten, mit den
gewaltigen Steindenkmälern vorgeschichtlicher Zeiten um¬
wehrten Odilienberg, nach der damals berühmten Zaberner
Steige und dem Bastberge bei Buchsweiler, der in der
Legende als „Blocksberg" und Tanzplatz der Hexen des
Elsaß, wie auch wissenschaftlich durch den geologischen
Aufbau die Aufmerksamkeit anzieht; von hier aus besuchte
er oft das nicht allzuweit entfernt gelegene Dörfchen Sesen-
heim, auf dem der Jugendtraum mit Friederike noch heute
einen Glanz von Dichtersonne lebendig hält. An das alte
Straßburg mit seinen stimmungsvollen, durch ihre Bauweise
anziehenden Straßen und Plätzen aus dem Mittelalter aber
hat sich eine fast schon ebenso große Neustadt angegliedert,
die um den Kaiserplatz eine Reihe glänzender Monumental¬
bauten, ferner im benachbarten Universitätsviertel die zu
großer Bedeutung gelangte, von einem Kranz hervorragender
wissenschaftlicher Institute umgebene Kaiser-Wilhelms-
Universität und weiterhin den ob seiner schönen Anlagen weit¬
gerühmten städtischen Park, die Orangerie, aufweist. Durch
seine Lage an der alten, völkerverbindenden und heute zu
neuer Bedeutung gelangten Schiffahrtsstraße des Rheins und
dem hier abzweigenden wichtigen Kanalnetze nach Lothringen,
dem Rheinland und Frankreich, sowie als Kreuzungspunkt
großer europäischer Eisenbahnlinien und die an das Gebirge
durch das Vorland führenden Straßenbahnen bietet Straßburg
heute noch mehr als früher treffliche Vorbedingungen für
Verkehr und wirtschaftliche Entwicklung.
Von den Hauptstädten des Ober-Elsaß besitzt
Mülhausen
alten Ruf als gewerbfleißige Zentrale der oberrheinischen
Textilindustrie und des Maschinenbaus, wozu sich neuerdings
in der Nähe eine bedeutende Kalisalzgewinnung gesellt hat.
Einen mehr bürgerlichen Charakter hat dagegen das alte
Colmar,
die Bezirkshauptstadt, bewahrt, wo zahlreiche schöne Bauten
aus früheren Jahrhunderten und hervorragende Bildwerke, so
vor allem der Isenheimer Altar mit den Gemälden von
Meister Grünewald und die Madonna im Rosenhag von
Schongauer, eine Perle altdeutscher Malerei, auf die künst¬
lerisch bedeutende Vergangenheit des Elsaß hinweisen. Beide
Städte haben sich in der Neuzeit sehr verschönert, und
Elsässerin und Lothringerin
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Nr. 5 DEUTSCHLAND 213
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besonders Colmar bietet durch seine
Lage am Gebirgsfuße der Vogesen,
unmittelbar gegenüber dem Eingang
zum prächtigen Münstertal, Gelegen¬
heit zu den lohnendsten Ausflügen
in das Gebirge.
Von Straßburg aus bringt uns
die Fahrt durch den geschichtlich
berühmten Engpaß von Zabern, in
dem wir die Kunstbauten des Rhein-
Mame-Kanals zur Seite der Bahn¬
linie bewundern, die beide gemein¬
sam den Vogesenkamm im Doppel¬
tunnel von Arzweiler durchdringen,
zum anmutigen Moseltale nach
Metz,
der stolzen Hauptstadt von Loth¬
ringen. Die von den Moselarmen
durchzogene Altstadt von Metz hat
in Architektur, Straßen- und Flu߬
bildern vollkommen den eigenartigen
Lothringer Charakter bewahrt, über¬
ragt von der in reinster Gotik macht¬
voll aufstrebenden Kathedrale, dem
Stolz des Lothringer Landes. Der
mittelalterlichen und aus späteren
Zeiten stammenden Umwallungen
entledigt, hat auch Metz sich in den
letzten Jahren mit monumentalen neuen Stadtvierteln um¬
geben, während an die schmuckvolle Esplanade zugleich
die schönen Moselanlagen sich angeschlossen haben, von
denen man ein überaus anziehendes Bild auf das von
Rebhügeln und Waldbergen umkränzte
„Metzer Land“
gewinnt. An seine Hänge lehnen sich ringsum freundliche
Ortschaften in fast südlichem Charakter an, während die
Höhen von gewaltigen Befestigungswerken gekrönt sind; sie
blicken hinüber zu den Kampfstätten der Augusttage von
1870, die, geschmückt mit pietätvollen Denkmälern, für alle
Zeiten denkwürdiger geschichtlicher Boden bleiben werden
und jährlich viele Tausende von Besuchern aus nah und fern
anziehen. In der Ferne, flußabwärts gegen das aufstrebende,
ebenfalls von seinen Wällen befreite
Diedenhofer\
dehnen sich seitlich der Mosel die gewaltigen Anlagen der
Eisenhüttenindustrie Lothringens aus, in denen die reichen
Schätze des Bodens an Kohle und Erz verwertet werden.
* *
*
Wanderungen und Sommerfrischen
in den Vogesen.
Vor allem aber bieten
die Vogesen
durch ihren Reichtum an ausgedehntem kräftigem Hoch¬
wald und Formenschönheit der Landschaft ebenso Gelegen¬
heit zu einem gesunden und abwechslungsreichen Erholungs¬
aufenthalt, wie zu Wanderungen und Bergtouren.
Nähern wir uns vom Rheintal her dem Gebirgsfuße, so
finden wir schon die Ebene selbst mit ausgedehnten Reb-
anlagen in Form von Weingärten bepflanzt, die sich an
den unteren Hängen des Gebirges fortsetzen; dieses Wein¬
baugebiet ist bekanntlich das größte Deutschlands und hat
in guten Jahren über 1 Million Hektoliter Wein gebracht.
darunter edelste Sorten. Ueber dem
Reblande beginnt sodann die Wald-
region, meist prächtiger Hochwald
von Laubbäumen und Edeltannen,
eine Fläche von nahezu einer halben
Million Hektar umfassend. Nach dem
Kamme der Vogesen zu und diesen
selbst bedeckend, dehnen sich, be¬
sonders in den südlichen Hoch¬
vogesen, die teppichartigen Höhen¬
matten aus, auf denen man tagelang
wandern kann, prächtige Fernblicke
auf das elsässische und französische
Bergland, die Rheinebene und den
Schwarzwald, sowie die gewaltigen
Schneehäupter der Schweizer Hoch¬
alpen genießend. Kein Geräusch der
Tiefe stört hier die erhabene Ruhe,
die nur vom Lied der Heidelerche
oder dem Geläute der Herden unter¬
brochen wird. Seit Jahrhunderten
dienen diese Hochmatten als Weiden
den Zwecken der für die Südvogesen
charakteristischen Melkereien. Durch
ihre ausgeprägte Gliederung und
Kammbildung, die in dem von Nord
nach Süd verlaufenden Hauptkamme
zugleich die deutsch - französische
Landesgrenze bildet, sind die Nah-
und Fernblicke gerade in den Vogesen von besonderem Reiz
und vielseitiger Schönheit und werden darin auch von Ge¬
birgen, die größere Erhebungen aufweisen, kaum übertroffen.
Beiderseits des Gebirgskammes, in großartiger, geradezu
alpiner Umgebung, liegen die zahlreichen Gebirgsseen
eingebettet, die einen besonderen Schmuck der Vogesen
_____ Gebweiler: Rathaus
214 DEUTSCHLAND Nr. 5
bilden. Sie sind zum Teil Reste einstig-er Gletscher aus der
Eiszeit und vielfach noch von Gletschermoränen abg-eschlossen.
Dieses Hochg-ebirg-sbild gewinnt noch an Reiz durch eine
selten mannigfaltige Flora, reich an alpinen und sub¬
alpinen Arten. Vom Frühjahr bis zum Spätherbst erblühen
in immer neuer Farbenpracht auf den Höhenmatten und
Felshängen der blaue Enzian, der goldstrahlende Ginster
und die in seltener Fülle verbreitete Riesencampanula mit
ihren vom Weiß bis ins dunkelste Blau übergehenden Blüten,
während gelbe Narzissen neben feurigem Türkenbund die
Hochtäler schmücken.
Eine nicht geringere Anziehung üben die zahlreichen
Burgruinen aus, die malerisch im Norden und Süden der
Vogesen die hervortretenden Höhen krönen. Kein anderes
Land weist eine solche Fülle von Ueberresten ansehnlicher
Schlösser aus der Ritterzeit auf, die heute als efeuumrankte
Ruinen einen besonderen Hauch von Romantik über das
ganze Gebirge breiten. Daneben ist die im ersten Jahrzehnt
dieses Jahrhunderts auf Veranlassung Kaiser Wilhelms II.
neu ausgebaute stolze Hohkönigsburg sowohl durch ihre
prachtvolle Lage auf freiragendem Bergkegel, wie durch ihren
Umfang und architektonischen Eindruck zu einem der her¬
vorragendsten Anziehungspunkte des Elsaß geworden.
Die einzelnen, meist tief eingeschnittenen und bis an den
Hauptkamm des Gebirges reichenden Vogesentäler sind
durch Seitenbahnen leicht zugänglich gemacht, die von der
Hauptlinie Weißenburg — Straßburg — Mülhausen abzweigen.
Ferner gehen von der Bahn Colmar—Metzeral elektrische
Bergbahnen unmittelbar auf die Höhen, und zwar von
Türkheim nach dem bekannten Luftkurort Drei-Aehren
und von Münster auf den berühmten Grenzpaß der Schlucht.
Letztere hat Zahnradbetrieb und ist mit 1139 Meter Erhebung
die höchste Bergbahn Deutschlands; sie besitzt unmittelbare
Verlängerung auf französischem Gebiete nach dem 1361 Meter
hohen Gipfel des Hohneck und einen weiteren Anschluß
nach dem schön gelegenen französischen Kurorte Gerardmer,
Station der französischen Ostbahn mit Schnellzugverbindung
nach dem Inneren von Frankreich und Paris.
Eine Hauptroute durch die ganzen Vogesen ist vom
Vogesenklub, der seit fast vier Jahzehnten in verdienst¬
voller Weise für die Erschließung des Gebirges durch vor¬
züglich angelegte und mit Wegweisern versehene Pfade sorgt,
mit roter Markierung von Weißenburg an der pfälzischen
Nordgrenze bis zum Masmünstertal im Süden bezeichnet und
führt den Fußwanderer zuverlässig zu einer Reihe der schönsten
Punkte des Landes. Die Begehung erfordert im ganzen einen
Zeitraum von etwa 16 Tagen, doch lassen sich natürlich
auch beliebige Teil¬
strecken von guten Zu¬
gangswegen aus unter¬
nehmen. Die genannte
Hauptroute geht
von Weißenburg über
Niederbronn — Lichten¬
berg — Lützelstein —
Pfalzburg nach Zabern,
weiter über Dagsburg—
Wangenburg — Nideck
zum Donon und über
das Hochfeld nach
Hohwald, dem Odilien-
berg und Barr, alsdann
zur Hohkönigsburg und
nach Rappoltsweiler.
Von hier steigt sie all¬
mählich zu den Hoch¬
vogesen an und geht
über den Brezouard und
den Weißen See zur Schlettstadt: Neuer Turm und Straße
Schlucht, mit anschließender Kammwanderung zum Hohneck
und Großen Belchen. Der letzte Teil führt über St. Amarin
auf den Roßberg und vom Masmünstertal zum Sternsee und
Welschen Belchen, um beim Alfeldsee in Sewen zu endigen.
* *
*
Unterkunft und Kurorte in den
Vogesen.
Neben den in fast allen Ort¬
schaften der Täler vorhandenen
Gasthäusern befinden sich auf einer
Reihe von Höhenpunkten gut ge¬
führte, zum Teil mit allem Komfort
ausgestattete Berghotels, von
denen die von Donon, Schänzel-
Hohkönigsburg, Weißem See, der
Schlucht und Altenberg, ferner
St. Anna und das vom Vogesenklub
errichtete Belchenhaus besonders
bekannt sind. Ferner gibt es Unter¬
kunft in einer Anzahl von Forst¬
häusern, sowie einigen bewirtschaf¬
teten Höfen und Melkereien, letztere
nur in den Südvogesen. — Die Gast¬
häuser in den Ortschaften wie auch
auf den Höhen sind durchweg gut
geführt und bemühen sich, den fort¬
schreitenden Anforderungen zu ent¬
sprechen; sie bieten sowohl vorüber¬
gehende Unterkunft bei Wande¬
rungen, wie auch Standquartiere für
längeren Aufenthalt, in letzterem
Falle mit Pension zu mäßigen Preisen.
Außerhalb der vorerwähnten Hauptroute gibt es noch
eine große Zahl von lohnenden Ausflugsgebieten in
den Vogesen, von denen einige hier genannt werden mögen.
ln den Nordvogesen: Das Bitscher Land, die
Umgebung von Wörth, das Zorntal bei Lützelburg; das
Alberschweiler-St. Quiriner Waldland; das untere Breuschtal
Ruine Girsberg bei Rappoltsweiler: (52Ö m)
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Die Hohkönigfsburgf bei Schlettstaclt
Blick in den ,,hohen Garten" und auf das große Bollwerk
216 DEUTSCHLAND Nr. 5
mit Girbaden ** Grendelbruch und das obere Breuschtal
mit dem Climont bei Saales.
In den Siidvogfesen: Markirch und Umg-ebung mit
dem Grenzkamm der Vogesen; das Weinland von Kaysers-
berg-Reichenweier; Urbeis und Umgebung; Luftkurort Drei-
Aehren mit den Hohnackgipfeln; im Münstertal Türkheim
Atmungsorgane und auch als Luftkurort besucht. Wattweiler
bei Sennheim (Südvogesen), 450 Meter Höhe, in geschütztem
Tale, mit lithiumhaltiger Mineralquelle, neu eingerichtet.
Von den Mineralwassern der Vogesen sind besonders
die von Sulzmatt, Sulzbach und Sulzbad, ferner Badbronn und die
Carolaquelle zu nennen, deren Wasser weithin versandt werden.
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Oberehnheiin im Llsnß
und Münster mit Umgebung; die Burgen bei Colmar-Winzen¬
heim, der Hohe Staufen und Kahle Wasen, der Grenzkamm
beim Rainkopf und der Rothenbacher Kopf; das Thurtal bei
Wesserling-Krüt mit dem Felleringer Kopf und dem Drumont.
Den Vogesen benachbart und nur durch das historische
Völkertor von Beifort, die Burgundische Pforte, von ihnen
getrennt, erhebt sich das Wander¬
gebiet des E 1 s ä s s i s ch e n Jura,
mit Altkirch an der Bahnlinie
Mülhausen—Beifort als Ausgangs¬
punkt und dem schön gelegenen
Hauptort Pfirt als Mittelpunkt und
Standort für zahlreiche gut bezeich-
nete Wanderungen in das Juragebiet
bis zur Schweizer Grenze, auch als
Sommerfrische viel besucht.
Durch ihren Waldreichtum und
reine Höhenluft können dieVogösen
in allen ihren Teilen dem Er¬
holungsuchenden wie dem
Naturfreunde für kürzeren
oder längeren Aufenthalt empfohlen
werden. Eine Anzahl von eigent¬
lichen Kur- und Badeorten sind
schon seit alten Zeiten zu Ruf ge¬
langt und bieten Unterkunft zu
durchschnittlich mäßigen Preisen,
so daß auch der in bescheideneren
Verhältnissen Lebende überall zu¬
friedenstellende und freundliche
Aufnahme findet.
Von Kurorten sind zu nennen:
Bad Niederbronn, am Eingang
des bewaldeten Falkensteiner Tales
und des Burgcnlandes der Nordvogesen, in höchst anmutiger
Umgebung, mit eisenhaltiger Kochsalzquelle, die schon zur
Römerzeit geschätzt war. Rappol tsweiler und das Carola¬
bad, modern eingerichtet mit Schwimmbad; auch zur Trauben¬
kur geeignet. Badbronn-Kastenholz. Altweier, 800 Meter
hoch bei Rappoltsweiler, schön gelegen, bei Erkrankung der
Wintersport in den Vogesen.
Bieten die Vogesen schon in den übrigen Jahreszeiten
Landschaftsbilder von seltener Schönheit, so gilt dies in noch
fast höherem Maße von dem Winter, der uns über den in
der Tiefe des Rheintals brandenden Nebeln die klarsten und
weitesten Rundblicke eröffnet. Seit einem Jahrzehnt hat sich
in den Vogesen in immer wachsendem Maße der Winter-
Sport entwickelt, der den Städter in der früher nur als rauh
gekannten Jahreszeit aus Nebeldunst und Kälte in ein Neu¬
land von reiner, staubfreier Höhenluft und glänzendem
Sonnenschein hinaufführt und ihn zum Beherrscher der zuvor
Ruine Ramstein bei Schlettstadt
Nr. 5
DEUTSCHLAND 2t7
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fast unzugäng-lich gewesenen winterlichen Bergwelt gemacht
hat. Wir dürfen hier ein Urteil anführen, das im Oktober¬
heft 1910 der Zeitschrift „Der Winter", in einem Aufsatz von
Dr. Georg Paul Lücke (München), einem der frühesten Schi¬
fahrer der Vogesen, enthalten ist; der Verfasser sagt da
unter anderem folgendes:
„Die Vereinigung des voralpinen und des Mittelgebirgs-
typus in den Vogesen ergibt eine Abwechselung, welche die
Freude am Sport erhöht und die Ausbildung der physischen
und intellektuellen Kräfte begünstigt. Mehr wie in anderen
deutschen Mittelgebirgen bietet sich die Möglichkeitzu aus¬
gedehnten Touren, auf denen man allerGenüsse
der Winterwelt ohne besondere Anstrengung
teilhaftig wird. Eine auf die Hochvogesen beschränkte Er¬
scheinung, die geschlossene Kammbildung, bietet Gelegen¬
heit, stunden-, ja tagelang in abwechselndem An- und Ab¬
steigen ohne bedeutende Höhenunterschiede dahinzugleiten,
bei klarem Wetter angesichts der Hochalpen vom Montblanc
bis zum Säntis, ein Umstand, der jeden,der imSchilauf
nicht nur den Sport, sondern die Vermittlung
wint'erliche'rSchönheit sucht, veranlassen sollte.
Winter in den Hochvogesen
Blick auf Rothenbacher- und Rainkopf (1316 m)
diesem Gebiete deutscher Natur sein Augenmerk zu¬
zuwenden. Die Fahrt bietet Bilder, die an Erhabenheit ihres¬
gleichen suchen — wer das einmal gesehen, der vergißt es nicht."
Für die Anforderungen des Schneesports tragen die
bestehenden Wintersportvereine in umfassender Weise
Sorge, namentlich durch gute Markierung der zu befahrenden
Strecken. Der Schnee erreicht vielfach eine Höhe von
2 Metern und darüber und bietet auf dem Hauptkamme oft
bis in den Mai hinein noch weite, gut fahrbahre Bahnen.
Prachtvoll ist auch die Beleuchtung der alpenartigen Hoch¬
landschaften in der klaren Wintersonne, wenn Schnee oder
Rauhreif Bäume und andere Gegenstände in die seltsamsten
Gestalten mit kristallenem Behang umformen.
Auch der Rodelsport hat durch Anlage von sach¬
gemäß ausgeführten Bahnen in neuerer Zeit wirksame Förde¬
rung gefunden. Besondere Wintersportzüge vermitteln den
gesteigerten Bahnverkehr nach den Schneegebieten im Winter.
Die in früheren Jahren bestandene Unwirtlichkeit der Hoch¬
vogesen ist durch Anlage von Gasthäusern, die auch im
Winter geöffnet bleiben und zum Teil Zentralheizung besitzen,
auf mehreren Höhenpunkten der Vogesen wesentlich behoben.
Schneeschuhe und Rodel sind in ihnen meist leihweise zu haben.
Dagsburg in Lothringen (664 m)
Für den Schlittschuhsport werden in den Städten,
besonders in Straßburg, alljährlich gute Eisbahnen von Ver¬
einen angelegt und unterhalten.
Als Wintersportgebiete kommen für den Schnee-
schuh in Betracht: in den Nordvogesen der Kamm vom
Donon bis zum Schneeberg, wo auch beim Großmann die
Hütte des akademischen Touristenklubs Straßburg errichtet
ist, und das Hochfeldgebiet; in den Südvogesen die Um¬
gebung von Markirch mit dem Grenzkamm und Brezouard,
die Umgebung von Münster und Drei-Aehren, sodann der
ganze Hauptkamm vom Weißen See, dessen Umgebung ein
bevorzugtes Schigebiet bildet, über die Schlucht bis zum
Kahlen Wasen, Großen Belchen und Welschen Belchen.
Der Rodelsport hat sich in neuerer Zeit besonderen
Eingang verschafft und besitzt der Rodelklub Straßburg eine
landschaftlich wie technisch gleich schöne Bahn unweit der
Bahnstationen Rothau-Schirmeck beim Struthof. Weitere
Bahnen unterhalten Bitsch, Niederbronn, Zabern, Markirch,
Münster, Drei-Aehren und der Weiße See, Landersen und
St. Anna, sowie im Elsässischen Jura Altkirch und Pfirt.
Nähere Auskünfte werden von den einzelnen Verkehrs-
Vereinen des Landes und der Hotelier-Vereinigung der
Hochvogesen in Colmar unter Beigabe von Prospekten
erteilt. Ebenfalls erteilt schriftliche Angaben der Zentralaus¬
schuß des Vogesenklubs durch die mit dem Verlage der Zeit¬
schrift „Die Vogesen'" in Straßburg verbundene Auskunftstelle.
Hohbarr bei Zabern (458 m)
218 DEUTSCHLAND Nr. 5
Das alte Straßburg.
Wer es noch sehen will, komme bald! Da und dort
bröckelt es gewaltig, und in ein paar Jahren wird man
zweifellos einige spärliche, gerettete „Reste" des alten
Straßburgais eineArtvonReli-
quien — etwa wie Museums¬
stücke — zeigen. Heute aber
lebt das alte Straßburg noch;
ja, es gibt unter den deutschen
Großstädten kaum eine, in
der so große Teile des alten
Stadtgebietes sich unberührt
erhalten hätten, wie in Stra߬
burg. Von der Plattform des
Münsters aus läßt es sich gut
übersehen, wie um den älte¬
sten, regelmäßig umgrenzten
Bezirk der römischen Stadt
sich die mittelalterliche Stadt
herumlegte, wie immer wieder
die Mauern hinausgeschoben
werden mußten, um der
wachsenden Bevölkerung ge¬
sicherte Unterkunft zu bieten.
In der französischen Zeit hat
keine erhebliche Erweiterung
mehr stattgefunden. DerStadt-
bezirk, den die Deutschen
1870 zurückgewannen, war
kaum größer, als der, den
Ludwig XIV. im Jahre 1681,
von Mauern bewehrt, vorge¬
funden hatte. Erst nach 1870
ist die Stadt auf ihren jetzigen Umfang gebracht worden.
Zuerst römisch, dann germanisch, sehr früh christiani¬
siert und bald Bischofstadt, dann freie Reichsstadt und
schließlich königlich französische Stadt und seit der
Revolution Haupt¬
stadt eines Departe¬
ments — wahrlich,
es liegen hier vieler¬
lei Kulturschichten
übereinander. Von
den ältesten freilich
muß man die spär¬
lichen Ueberbleib-
sei in den Museen
suchen,in derElsäs-
sischen Altertums¬
sammlung im Alten
Schloß, wo Schmuck
aus Bronze und ed¬
lem Metall, wo Ge¬
fäße aus Ton und
Glas Zeugnis ab-
legen, daß wir auf ur¬
altem Kulturboden
sind. Aber von der Periode, in der der Bischof auch
die weltliche Macht in Händen hielt, haben wir andere,
mächtiger sprechende Kulturzeugen. Aus der Höhezeit
des Mittelalters ragen sie in unsere Welt herüber —
das Münster, die Thomaskirche, St. Stephan und Alt
St. Peter, mit bedeutenden Massen aus der kleinen Welt,
die sie umgibt, sich erhebend.
Sie alle und viele andere,
die untergegangen sind, sind
Zeugnisse und Erzeugnisse
eines reichen, hochgerich¬
teten kirchlichen Lebens,
neben dem das andere, das
bürgerliche Leben nicht allzu¬
viel bedeutete. Erst von dem
Augenblick an, da in einer
langwierigen Auseinander¬
setzung zwischen Bischof und
Bürgerschaft diese letztere
siegt, sucht sie ihrer neuen
Macht auch einen baukünst¬
lerischen Ausdruck zu geben.
Nun entsteht um diese kirch¬
lichen Bauwerke romanischen
und gotischen Stils herum die
Menge von Bürgerhäusern,
mit schmalen Fronten, hoch-
gieblig getürmt, mit steilen,
vielgeschossigen Dächern,
mit winkligen, vielfach über¬
bauten Höfen, von denen aus
eine Wendeltreppe in turm¬
artigem Gehäuse zu den
oberen Geschossen empor¬
leitet. Solcher Art sind die
Häuser des einzelnen; sie sind nicht anders denkbar als
auf der Grundlage bürgerlichen Selbstbewußtseins und an¬
sehnlichen Wohlstandes. Und stärker noch als beim Bau,
den der einzelne für sich errichtet, prägte sich dies aus
beim Bau der Ge¬
meinschaften, der
Körperschaften,
beim Bau der Pfalz
und der Münze, des
Kaufhauses und der
„Frauenhaus" ge¬
nannten Werkhütte
des Münsters. Spät¬
gotik und Renais¬
sance — das sind die
Stile, in denen sich
jene vorwiegend
profanen Zwecken
dienende Baulust
betätigt. Ist im 15.
und im beginnen¬
den 16. Jahrhundert
der Stein das be¬
liebtere Material, so
tritt später der Fachwerkbau immer mehr an die erste
Stelle. Die Fachwerkbauten mit reich geschmückten
und verzierten Fenstern, mit Ueberhängen und Erkern
Merkwürdige Naturbildungen in den Vogesen:
Kelchfelsen bei Alberschweiler
Luftkurort St. Anna (Südvogesen)
Nr. 5
m DEUTSCHLAND 219
ausgestattet, mit allen Reizen des Unregelmäßigen
und Zufälligen geschmückt — sie sind es, die dem
älteren Teile des alten Straßburg das Gepräge
geben. Mit einem stets sich erneuernden künstlerischen
Genießen durchwandert man diese alten Straßen und
Gassen. Nicht geradlinig führen sie hin in kilometer¬
langen Perspektiven, sondern in leichten Krümmungen,
so daß der Blick immer wieder auf etwas Festes trifft, auf
eine Hausfront, die sich in den Weg schiebt, auf einen
Erker, auf einen Turm. Und die Plätze in diesem alten
Straßburg sind nichts Kon¬
struiertes, nichts mit Zirkel
und Reißschiene auf dem
Papier Geplantes, sondern sie
sind natürlich geworden an
den Stellen, wo die Wege
zusammenliefen. Und noch
eins ist es, das diesem
Teile der Stadt erhöhten
Reiz gibt: die vielen an¬
mutig belebten Wasserläufe,
die es umziehen und durch¬
ziehen, die mit Spiege¬
lungen und Reflexen, mit
lauter und stiller Bewegung
die Zahl und Art der Sinneseindrücke bereichern.
Mit merkwürdigem künstlerischem Takt hat das fran¬
zösische Straßburg sich an das deutsche angegliedert
und zwischen die Bauwerke des 16. und 17. Jahrhunderts
hineingeschoben. Es ist ungeheuer viel gebaut worden
im 18. Jahrhundert. Das katholische und das fran¬
zösische Element bedurften in gleichem Maße einer bau¬
künstlerischen Repräsentation. Der Bischof schuf sich
zwischen Münster und Jll eine fürstliche Residenz durch
der Regimenter, die im Elsaß standen, die kleinen
deutschen Fürsten in französischem Sold und nicht
anders die hohen Beamten, die in der Grenzstadt die
französische Zentralgewalt zu vertreten hatten. So ent¬
standen die prächtigen Hotels der Hanauer Grafen
und der Herzöge von Zweibrücken, die jetzt freilich
anderen Zwecken dienen, als im 18. Jahrhundert: Rat¬
haus und Statthalterpalais und Generalkommando und
mehrere andere. Es sind Bauten vornehmster Art
mit monumentalen Fassaden, mit reich ausgebildeten
Höfen und Treppen, zum
Teil mit prächtigen Innen¬
dekorationen. Und an diese
Wohnstätten der Vornehmen
schlossen sich — beschei¬
dener zwar, aber kaum
weniger reizvoll — die bürger¬
lichen Wohnhäuser an. Noch
viele von ihnen sind erhalten,
auch sie erfreuen durch
reich ausgebildete Fenster
und Türen von bewegtem
Umriß, mit dekorativ wirk¬
samen Skulpturen und reichen
schmiedeeisernen Gittern.
Aus ganz anderen Bedürfnissen entstanden, verbinden
sie sich doch mit den Bauten der alten Reichsstadt
zu einem Gesamtbilde, dem weder Einheit noch
Mannigfaltigkeit fehlt.
Es ist leicht verständlich, daß das Jahrhundert nach
der großen Revolution diesen Leistungen nichts Eben¬
wertiges hinzuzusetzen vermochte. Straßburg führte bis
1870 das stille Leben einer Departementsstadt. Die
Eingliederung in den Körper des Deutschen Reiches
Abtei Murbach bei Gebweiler
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Diedolshausen mit der Judenburg
französische Architekten; die Aebte der benachbarten
Klöster empfanden das gleiche Bedürfnis nach Reprä¬
sentation und nicht minder als sie die Kommandeure
änderte seine Stellung und Bedeutung von Grund aus,
und diese Wandlung hat auch baulich einen klaren
Ausdruck gefunden. Eponymos.
Straßburg: Münster (Westseite), Aufgen. vom Museum, 1904
222 (gB ^ 9 B39ee9 B 9 0 9c^Be3ö ( »Q 0 « BQ a i] DEUTSCHLAND [» DO9eee^^)ee0eeeee0eeeeee0e qi Nr. 5
dieser Zeit und lassen die monumentale Wucht und
den Reichtum ornamentalen Schmuckes des Baues er¬
raten. Die westlichen Teile der Krypta rühren bereits
von einem späteren Umbau her, wohl aber sind die
Fundamente des frühromanischen Baues durchweg dem
gotischen Münster dienstbar gemacht worden.
Die Chroniken berichten uns von einer ganzen
Reihe von Bränden, von denen das Wernersche Münster
heimgesucht worden ist, und scheint besonders ein Brand
im Jahre 1176 verhängnisvoll gewesen zu sein. Er wird
aller Wahrscheinlichkeit nach der direkte Anlaß zu
einem gründlichen Umbau gewesen sein. Rücksichten auf
den Gottesdienst werden
sodann die Veranlassung
gegeben haben, den Neu¬
bau statt einheitlich,
in verschiedenen Ab¬
schnitten auszuführen,
und zwar begann man
in Verbindung mit dem
Neubau der nach Osten
an der Stelle des jetzi¬
gen Priester - Seminars
und Lyzeums an das
Münster sich anschließen¬
den Bischofspfalz, dem
sogenannten Bruderhof,
mit der Erneuerung der
Ostteile, dem Chor und
der Vierung mit den
beiden Querschiffen. Der
Umbau erfolgte in den
Formen des für das Elsaß
charakteristischen Ueber-
gangsstils, der in seiner
Raumbehandlung, seinem
konstruktiven Aufbau und
der Behandlung des deko¬
rativen Schmuckes zwar
durchaus als eine Weiter¬
bildung der romanischen
Bauweise angesehen wer¬
den muß, in der formalen
Ausbildung seiner archi¬
tektonischen Einzelheiten
jedoch allenthalben die
Einwirkung der zu dieser
Zeit im benachbarten
Frankreich bereits große
Triumphe feiernden neuen Bauweise, des gotischen
Stiles zeigt. So sehen wir überall die Vorliebe für
die Verwendung des Spitzbogens an Stelle des alter¬
tümlichen Rundbogens bei Gurt- und Fensterbögen,
den Diagonalrippen der Gewölbe usw. Diese Ein¬
wirkung des neuen Stils macht sich von der Mitte
nach den Seiten und von unten nach oben gehend
mehr und mehr bemerkbar. Am strengsten zeigt sich
der romanische Geist noch in der unteren Wandarkatur
der beiden Querschiffe, in dem Mittelportal der Nordseite
mit seiner in den neunziger Jahren des vorigen Jahrhun¬
derts erneuerten Relieffüllung, sowie in der merkwürdigen,
jetzt vermauerten und zur Aufstellung des spätgotischen
Taufsteines dienenden Portalnische in der Ostwand des
nördlichen Querschiffs mit ihrem eigenartig behandelten
friesartig zusammengezogenen Kapitälschmuck. Dies
Portal bildete vermutlich früher den Zugang zu dem nach
Osten sich an das Münster anschließenden Bischofshof.
Konstruktive Fragen der Ueberwölbung waren vermut¬
lich die Ursache der eigentümlich unsicheren architek¬
tonischen Gliederung der Westwand des nördlichen
Querschiffs, die auf eine Umänderung des Bauplanes
während der Ausführung schließen läßt. Auch die
beiden Kapellen in den Winkeln zwischen Chor und
Querschiffen verdanken erst einer nachträglichen Ab¬
änderung des Planes ihre
Entstehung, wie der be¬
reits angelegte Außen¬
sockel des nördlichen
Querschiffs in der Sankt
Johanniskapelle daselbst
zu erkennen gibt. Während
diese letztere, in romani¬
schen Formen begonnen,
jedoch in frühgotischem
Stil vollendet worden ist,
zeigt die entsprechende
Kapelle an der Südseite
noch durchweg die cha¬
rakteristischen spätro¬
manischen Formen des
Chores.
Den kunstgeschicht¬
lich interessantesten Teil
des Münsters bildet zwei¬
fellos das südliche Quer¬
schiff. Hier sehen wir,
vermutlich als Folge eines
Wechsels in der Bau¬
leitung, ganz unvermittelt
die Ablösung des roma¬
nischen Stils durch den
gotischen. Ohne die ge¬
ringste Rücksichtnahme
auf die Einzelformen des
von seinem Vorgänger
begonnenen und bereits
auf eine ziemliche Höhe
gebrachten Werkes wird
den neuen Kunstprinzi¬
pien Geltung verschafft.
Während das Transept
und Chor mit Einschluß der Wölbung und der Zwerg¬
galerie des Vierungsturmes, ferner das nördliche Quer¬
schiff beim Eintritt dieses Systemwechsels anscheinend
fertiggestellt waren, war das südliche Querschiff erst
begonnen, Ost- und Südmauer etwa bis zur Höhe
der unteren Gurtgesimse, die Westmauer höher, zum
Teil bis zum Gewölbe hochgeführt. Diese Bauteile
entsprechen in ihrer architektonischen Ausbildung
durchaus den entsprechenden Teilen im nördlichen
Querschiff. Auf die bereits angefangenen schweren
romanischen Wandsäulen nimmt der gotische Meister
keine Rücksicht. Unvermittelt mit neuen Sockeln
setzt er seine schlanken gotischen „Dienste'^ darauf
Straßburg: Klein Frankreich (Photogr.: Jul. Manios & Cie., Strofzburg)
Nr.5 DEUTSCHLAND 223
oder läßt dieselben auf besonderer Konsole beginnen.
Nicht einmal an der Westseite, wo die Höhe des
Gewölbeanfanges nahezu erreicht war, bedient er sich
der zum Zweck der Aufnahme der Gewölbebogen
angelegten Wandsäulen, schiebt vielmehr durchaus
eigenwillig eine selbständige Gewölbekonsole ein. Die
Wandflächen zeigen bereits das Streben nach größerer
Auflösung. Statt je eines Fensters in jedem Felde
wie im nördlichen Querarm hier je zwei Spitzbogen¬
fenster mit je einer darüber angebrachten Rosette
harmonisch zu einer Gruppe vereinigt, damit das für
die entwickelte Gotik so charakteristische Maßwerk vor¬
bereitend. An Stelle der freistehenden ungegliederten
Säule in der Mitte des nördlichen Querschiffs
sehen wir im Südschiff den charakteristischen
gotischen Pfeiler, in seinem Kern achteckig mit
acht sich anschmiegenden schlanken Säulchen,
den sogenannten Diensten, welche die Funktionen
des Pfeilers, die Uebernahme der durch Gurtbögen
und Diagonalrippen zugeführten Drucklast des
Gewölbes und deren Ueberleitung in den Boden
sinnfällig zum Ausdruck bringen sollen.
Einen ganz besonders eigenartigen Schmuck
hat dieser Pfeiler durch eine Gruppe künstlerisch
und kunstgeschichtlich ganz hervorragender
Skulpturen erhalten, die in drei Reihen unter
reichgeschmückten Baldachinen denselben um¬
geben und ihm den Namen des „Engelpfeilers''
oder „Gerichtspfeilers" vermittelt haben. In der
obersten Reihe sehen wir in der Richtung nach
dem Mittelschiff zu sitzend den Heiland als
Weltrichter, zu seinen Füßen eine Gruppe Auf¬
erstehender, rechts und links von ihm Engel
mit den Leidenswerkzeugen, in der mittleren
Reihe Engel mit Posaunen, zu unterst die über¬
lebensgroßen Standbilder der Evangelisten auf
Konsolen, die mit den entsprechenden Symbolen
geschmückt sind. Bewundernswert ist die freie
Behandlung, das offenbare Streben nach Lebens¬
wahrheit, die meisterhafte Ueberwindung der
Schwierigkeit des Standortes, dabei eine unver¬
gleichlich geschickte Stilisierung in der Be¬
handlung der Einzelheiten, insbesondere des an
klassische Vorbilder erinnernden Faltenwurfs der
Gewänder. Wenn auch ein Schulzusammenhang
mit gewissen Schöpfungen an der Kathedrale in
Chartres festgestellt werden kann, dürfen die
Skulpturen des Engelpfeilers doch als durchaus
eigenartige und selbständige Leistungen eines
hochbedeutenden Künstlers und seiner Schule^
als der Gipfel vielleicht der Entwickelung früh¬
gotischer Plastik überhaupt angesehen werden.
Denselben Künstlerhänden verdankt die Aus¬
schmückung am Aeußern des Doppelportals des
südlichen Querschiffs ihre Entstehung. Die
Anlage desselben rührt von dem romanischen
Meister her. Durch dessen Nachfolger wurde
das Portal mit reichem figuralen Schmuck ver¬
sehen, von dem ein großer Teil, besonders die
in den Portallaibungen vorhanden gewesenen
Standbilder der zwölf Apostel in der Revolution
zerstört worden sind und nur die Bogen¬
füllungen mit den Reliefdarstellungen des Todes und
der Krönung Mariä, sowie die beiden berühmten Stand¬
bilder der Kirche und der Synagoge die ursprünglichen
sind. Auch diese Bildwerke sind hervorragend schöne
Arbeiten, die hinsichtlich Komposition und Technik der
Behandlung den Statuen des Engelpfeilers gleichwertig
sind, dieselben jedoch in der Verkörperung des Seelischen,
dem Ausdruck der inneren Stimmung übertreffen. Die
übrigen Arbeiten sind wertlose Erneuerungen aus dem
Anfang des 18. Jahrhunderts. Mit den Bildwerken des
südlichen Portals verknüpft unbegründeterweise die Sage
den Namen einer Jungfrau Sabina, die als Bildhauerin
in der Hütte tätig gewesen sein soll. Der Umbau
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Straßburg: Haus Kammerzell, ^
Aufgen. vom Museum, 1904
□-□
224 DEUTSCHLAND Nr. 5
des frühgotischen südlichen Querhauses wird gegen
das Jahr 1230—40 fertiggestellt worden sein. Zugleich
und vermutlich von derselben Hand fand der Bau der
St. Johanniskapelle an der Nordseite statt. Der Name
des Meisters ist, wie auch der seiner Vorgänger,
unbekannt geblieben.
Bis zur Fertigstellung des Umbaues der Ostteile
stand an der Stelle des Langhauses noch das Schiff der
altehrwürdigen romanischen Basilika Bischof Werners,
aber sofort nach Vollendung dieser Arbeiten, jedenfalls
noch ziemlich vor der Mitte des Jahrhunderts, wurde
mit der Erneuerung auch
dieses Teiles begonnen, der
in zwei Bauabschnitten (mit
den vier westlichen Jochen
wurde erst nach 1264 be¬
gonnen) bis zum Jahre 1275
fertiggestellt worden ist. Im
Langschiff unseres Münsters
zeigt sich der gotische Bau¬
stil auf der äußersten Höhe
seiner Entwicklung! Hier
sind die letzten Konse¬
quenzen des französisch¬
gotischen Konstruktions¬
und Formprinzips gezogen.
Der ganze Bau ist auf¬
gelöst in ein System luf¬
tiger Stützen; statt der ab¬
schließenden raumgestalten¬
den Wände feingezeichnete
Maßwerke, angefüllt mit der
feurigen Glut farbensatter,
prächtiger Glasfenster. Die
starre, tote Ruhe des Steines,
die schlummernden Kräfte
der Materie, sie sind hier zum Leben erweckt, in eine
rhythmische, begeistert nach einem transzendenten Ziele
gerichtete gewaltige Bewegung verwandelt. Und doch,
wie ist dieser Rausch maßvoll gemildert gegenüber der
überschäumenden wilden Ekstase, dem übertriebenen,
fast beängstigenden Vertikalismus französischer Kathe¬
dralen! Wie wohltuend, wie beruhigend ist dagegen
hier der Raumeindruck! ln der idealschönen Harmonie
des Raumes, dem wunderbar abgetönten Verhältnis der
Breiten der Schiffe zu einander sowie zur Höhe in Ver¬
bindung mit der wohl abgewogenen Pfeilerstellung, der
damit erzielten seelenvollen Innigkeit des Raumgedankens
liegen die nirgendwo übertroffenen Vorzüge des Lang¬
hauses unseres Münsters, Vorzüge, die vielleicht nur
hier, an der Grenze zweier Kulturen entstehen und sich
entwickeln konnten. Auf der gleichen Höhe wie die
architektonische Gestaltung steht deren ornamentaler
plastischer Schmuck, der uns eine Pflanzenwelt wunder¬
bar empfundener und meisterhaft gestalteter Naturnach¬
ahmung offenbart.
Der zweifellos auch von dem ersten Meister des
Langhauses herrührende Lettner zwischen Schiff und
Chor ist seit dem 17. Jahrhundert zerstört; einzelne Reste
desselben werden im Frauenhaus aufbewahrt. Auch
für das Langschiff ist der Name des Künstlers wenig
verbürgt, vielleicht ist derselbe ein Magister Rudolfus,
deren zwei, wohl Vater und Sohn, anscheinend am
Münster betätigt waren. Desto bekannter ist aber der
Name des Werkmeisters, dem wir die prunkvolle West¬
fassade mit ihrer Rose und den reichen Portalen zu
danken haben, die neben dem luftigen Turm wohl mit
am meisten zum Ruhm des Straßburger Münsters bei¬
getragen hat: Erwin von Steinbach.
Als im Jahre 1275 mit dem Schluß der Gewölbe
der Umbau des Langhauses vollendet war, bildeten die
alten quadratischen romanischen Türme mit der da¬
zwischen liegenden Vorhalle den westlichen Abschluß
des Münsters und zugleich den letzten Rest des Baues
Werners von Habsburg. Es scheint eine Zeit lang die
Absicht bestanden zu haben, diese romanischen Türme
zu erhalten, wobei dieselben dann wohl, der größeren
Höhe des erneuerten gotischen Schiffes entsprechend,
einen Aufbau mit gotischem Helm erhalten haben würden.
Aber dieser Gedanke wurde aufgegeben; statt dessen
beschloß der prunkliebende und tatkräftige Bischof
Konrad III. von Lichtenberg als Krönung des vor
einem Jahrhundert begonnenen Werkes den Ersatz
der romanischen Fassade durch einen prächtigen
Neubau im gotischen Zeitgeschmack. Bereits zwei
Jahre nach Vollendung des Langschiffes wurde der
Grundstein gelegt, aber mehr als eineinhalb Jahr¬
hundert waren nötig, um, verändert und verstümmelt,
den großen Gedanken Erwins zu einem gewissen
Abschluß zu bringen.
Der Bau Erwins nimmt in der Entwicklungs¬
geschichte des gotischen Stiles eine sehr selbständige
Stellung ein. Während bei den französischen Vorbildern
das Fassadenproblem den Schwerpunkt auf die Portal¬
anlage legt, tritt diese letztere in dem Werk Erwins
zurück vor dem konstruktiven Gedanken des Ganzen.
Durch die kräftig vortretenden Strebepfeiler ist die
Dreiteilung der Fassade von unten auf energisch zum
Ausdruck gebracht, wobei sich die Portale in das
Luftkurort Drei-Aehren bei Türkheim (6Ö0 m)
DEUT SCH LAIM D
tißnae 4m zürüqlfliegendea M^|jeFilache h arm önisch
einfligen* Uoterstütsl wird dieses Prihiip durcK die
Ausdehauag einer sonst in der Rege^ dasr
Portal : beschrankten DekOratiorr^ ä die umgebenden
Wand” ün d P fe iJ eJ-flath e n. Ein ßy si em v 6 n; fei ng ea r -
beltetem Stab- <rnd Maßwerk ist frei vor die glatte
Mauer gestellt und höllt djeselbe gleichsam ifv eUt dürr;h^
sichtiges Spitxengewebe ein.
ist es I
Münsters Jenen «nbescltreibbcE prächb^^^ mäithenMfi
schönen Eindruck verleiht, voti '■b^soh^tetn-r'^^
lal^/ t>as Miuelpoftal ‘msbesoridere dient sodahh der
besonders, die der des SireBbufgef Verherrlicbwng der G&desmu am Mittelpfeiier dib
Madöono' rait sJeid Krtide,. beiderseiis die Propheten,: äii^:
auf den Eriöser -iiiniVei^ am Giebel, dem
dies Port-als äu oberst die
Thron Salbinr^ns nitt Ldw en aof
den Smlen, Die, Standbilder
■' ^ ■■■ ^dpdr tai a- ■ 'gaben
die Nut^snvvendung der Heils-
^r links die Darstellting; der
^ das entsprechende
.20 ihren Füßen mit der
’ Lanze, durchbohrend, tachts die
Pa re bei der klugen ürtd törichten
düng hauen m ü t Brä lü Igem
und dem Verrührer Juidi^er W
- • • - auf würfelfönnigeh Pö^tamenten
■. • iVi ii den DärsleOvmg’eh das Tier-
kreiSes.
_ ___ urid der enisprechen-
den MohatsbascbBftlgungeri/ Die
' Königs ^iBiidar unter den Balda-
chinen der Turm" Sirabepreiler,
' ■:. de^-^h- uT£:p.rübglicb nur '. drei
' Vörhcinden' waren, .'^.tnd .neuere
Arbeiten.
-' Hrw^ln s^^lbst, dar.^XTI-^
S«.rNm4.nbrom ^'’ batdeo Bauder^>esifass8defca.uih
■.■•;•• .,• ' Viel 'weiter als. €lw;b zur-Mi.üe.dar
besonders in den KachrniUhgS' und Abarttlstundaru gefördert, ein großer Brand in> Jahre 1^98 dar-
W^pn die sinkende ; Sohne den gewaltfgeh Baiii in Mvinster ernölltch .sahadigla^ dilrfte^^-^e^ Ursacbexv
flüssiges Gold tiidchi, wenn jede der ialvtraichen Ficleti des auffällig langsamen FotfSchreUens der Axbeifen
und Säukhen hhcTA^aßwerke Wledei’ iht^n Sch^ gewesen sein. Mit.gewissen Abweichungen y^ ur^
■M u f den BronzefOn d et • dah mt e r 1 1 e g en de ix Wat \d wir ft ^5 P I'U ngl i c h en PI ö rv ^ je docl i iin groß an d: ee p i o\
und so den Reichtum des archiieto Schmuck Sinne Erwins ist ^iodat^b der Bau durch dessen Söhne
ins Ungemessehe vermt^hrt. Allerdings und Enkel weitergefuhrt worden bis ^ur Höhe'
ijn seiner Wirkung so unvergleichlich schone deferative: Plattrorm, die irri JahTe 1365 erreichi wurde- der
System zugleich eint?, bo^it; Vergewahigung de:s Msslenal^ nach einem weiter^c^ inv Jabre 1^84
■öharakters* Möglich ist dä^fse Ibe tu i r d \nv h ein c komplh A<i s^fühni hg des plump eh 2 wi sehen baue;?? i'^d^chen den
vierte Anwendung vön Ankjarn^ Klainrnern/DiU^e und beiden Türmen oberhalb der Rose wätd d^r Gedanke
dergleichenV Dteise und dei übertriebotie. VerbkabsmM^ Erwine, der an dieser Steile eine luftige Galerie vor¬
der Einzelheiten, auch die UtsÄiie gesehen hatte, endgültig aufgegeben* Es scheint eine
erÄchree.kerjden Xd^tahdes d^r VenvHterun^ gerade dleiiief 2eit lang die Absicht bestanden haben ' statt ,zwei
Teile des Bauwerk^- Türmen nur einen mittlereri über der Rose zur Aos-
Vöp: schöner ^^T^ku^g ist aüth der äkulptüreri- führüng bringen wes rvach anderen Bei spielen aus
scfthiück der Portäie, der KTdCr zum großen Teil in 4^m vetänderten Geist dies spbtgOtischen Stiles: wohl
der Revolution Verstört mif : noch in d^>^n lebens- JfiT^ v^;uf:ß d)^- ^ vom
groß e n S ta n db i I d un d d e t i Bü g en - F ü 11 u n g e n i m ß r W i n Sehen P1 a n y ets ta n d Uch : gern hebt hä tt eJed nc h
Original erhalten- im übrigen :;a& im Anf^hfe d^zu kani dep berief im Jahre
19, Jabrhunderti^ erneuert worden ish Wenn die, noch weit über die Gfirn^n ^ti'irser, Heimat und,
erhaltenen Werke huch Aßß Skulpturciv vom südijchen Üeüfechlahds hinauf bekehntön sthwäbisch^h Meister
Qoerschiff nicht gleichgcstcdlt werden könpeh. sind lilrich von En-singen, deb WeiB^meist^r vom H
ches^lb^n doch von bervorrögencieir ki.insdWiri^ctw Mun^terbau, T^Uirng der BauhJUte nach Straßbürg^
d^otung; ihr Hü^rptwert liog^ jed^^ üi. dy.r Br Schöpfer des^ schlankeri Tufn^öktoghTVs; jmt,
Anpes^'ihg und Uhferordnung ant^r, die Archi i ektur, iieh vargei tagten vier We nd6 Ltreppeti o berhal b der t-
226 DEUTSCHLAND |ä^^ee^€^8^^^^8e8eee6^!»l Nr. 5
form, einer letzten Glanzleistung spätgotischen Stils an
unserem Münster. Ulrich von Ensingen sucht durchaus
nicht die Fehler seiner Vorgänger zu beseitigen und
etwa den Erwinschen Gedanken wiederherzustellen; er
benutzt die Plattform als Basis, um darauf einen desto
stolzeren, weit über die Maße des ursprünglichen Planes
hinausragenden Turm zu errichten, der kühn und selbst¬
bewußt weit in die Lande hinaus den Ruhm der mäch¬
tigen freien Reichsstadt verkünden sollte. Das Werk
wurde nach seinem Tode durch seinen Nachfolger Hans
Hültz von Köln vermittelst Aufsetzen der Pyramide im
Jahre 1439 zu Ende geführt. Wenig glücklich in seiner
Silhouette, ist dieser Turmhelm in technischer Hinsicht
doch wieder ein Meisterstück. Er ist besteigbar gemacht
bis zur Spitze, der sogenannten Laterne, und zwar ist
dies in eigenartiger Weise erreicht durch kleine Treppen,
die sich in Schlangenlinien an den acht Kanten der
Helmpyramide hinaufwinden.
Es ist zweifelhaft, ob Ulrich von Ensingen je an
die Ausführung von zwei Türmen gedacht hatte, später
ist der Gedanke an den Ausbau des zweiten Turmes
mehrmals wieder aufgegriffen worden, zuletzt noch 1870;
heute kann derselbe als endgültig aufgegeben angesehen
werden gegenüber dem
Willen, den Turm in seiner
jetzigen Gestalt für alle
Zeiten zu erhalten als das
Jahrhunderte alte Wahr¬
zeichen der Stadt.
Als bemerkenswerte
Anbauten des Münsters
kommen noch in Betracht:
die St. Katharinenkapelle
an der Südseite aus dem
Jahre 1347 von Meister
Gerlach, vermutlich einem
Enkel Erwins, die Sankt
Laurenzius - Kapelle von
1505 von Jakob von Lands¬
hut und die St. Martins-
jetzt Pfarrkapelle von 1520
von Meister Konrad Wagt,
beide an der Nordseite,
tüchtige Arbeiten des
spätesten gotischen Stiles.
Besonders die St. Lauren-
zius-Kapelle, dem nörd¬
lichen Querschiffarm vor¬
gelagert mit ihrer überreich
geschmückten baldachin¬
artigen Portal - Bekrönung
fordert, wenn auch in
streng ästhetischer Hin¬
sicht vielleicht nicht ganz
einwandfrei, bezüglich der
meisterhaften technischen
Materialbeherrschung rückhaltlose Anerkennung heraus.
Auch der Figurenschmuck dieses Portals zeigt trotz
seiner derb realistischen Auffassung hervorragend
schöne Einzelarbeiten, die, grundverschieden von
der Plastik des Südportals und der Erwinfassade, doch
auch wieder in der knitterigen Gewandbehandlung,
der bizarren Effekthascherei sich voll und ganz der
umgebenden Architektur anpassen und einfügen.
Die Zeit der Renaissance hat außer zwei eleganten
Wendeltreppen im Bereich der Dächer zu beiden Seiten
des Chores keine bemerkenswerten Neuschöpfungen
hervorgebracht.
Aus dem Jahre 1743 stammt die Kapitelsakristei
an der Nordseite, ein Werk Massols, des bauleitenden
Architekten am Rohanschen Schloß, ln den Jahren
1772 bis 1778 beseitigte Werkmeister Goetz eine Anzahl
kleiner Kaufläden, die sich im Laufe der Zeit rund um
das Münster zwischen den Strebepfeilern angenistet
hatten, und errichtete als Ersatz dafür an den beiden
Langseiten Neubauten mit monumentaler Fassade, die
er, ein Kuriosum der Kunstgeschichte, trotz bedeuten¬
den Widerspruchs in „gotischem Stil" zur Ausführung
brachte. Von diesem Umbau rühren die jetzt die beiden
Höfe an der Nord- und Südseite des Münsters ein¬
schließenden Arkadenmauern her, die insofern für die
Erscheinung des Bauwerks äußerst störend sind, als sie
die Höhenverhältnisse in ungünstiger Weise beeinflussen.
Verderblich war für unser Münster die Zeit der
französischen Revolution. Ihr fielen die prächtigen
Bronzetüren zum Opfer,
die in die Münze wander-
ten. Durch Dekret der
Kommissare St. Just und
Lebas wurde die Zer¬
störung der sämtlichen
plastischen Bildwerke an
dem zum Tempel der
Vernunft umgewandelten
Münster angeordnet. Nicht
weniger als 235 Statuen
sind diesem Vandalismus
zum Opfer gefallen, und
nur der Umsicht des
Profess. Hermann gelang
es, einen Teil derselben
durch Verbringen nach
dem Garten der Akademie
vor der Zerstörung zu
retten. Ein Antrag, den
Münsterturm selbst „wegen
Beleidigung der repu¬
blikanischen Gleichheit"
niederzureißen, ging glück¬
licherweise nicht durch,
jedoch mußte sich der¬
selbe das Aufsetzen einer
großen blechernen Jako¬
binermütze gefallen lassen,
die bis zum Jahre 1870
noch in der Stadtbibliothek
aufbewahrt wurde. — Mit
dem 19. Jahrhundert be¬
ginnt die Zeit der Restaurationen, unterbrochen durch neue
Zerstörungen infolge des Bombardements der Stadt im
Jahre 1870. Neben Beschädigungen am Steinwerk des
Turmes, besonders der Spitze, an verschiedenen Balu¬
straden sowie den Glasfenstern war besonders der Brand
des Hochschiffdaches und der Bedachung der Vierung
Dorfstraße in Ammerschweier (Ober-Elsaß)
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verhängnisvoll. Letzterer gab Dombaumeister Klotz Ver**
anlassung zur Ausführung des jetzt vorhandenen massiven
achteckigen Vierungsturmes, der im Gegensatz zu dem
bis 1870 vorhanden gewesenen abgestumpften Pyra¬
midendach die Gesamtsilhouette glücklich ergänzt. Die
ursprüngliche Bekrönung der Vierung, die sogenannte
Bischofsmütze, vermutlich ein Werk Erwins, war schon
bei einem Brande im Jahre 1759 zugrunde gegangen.
Betrachtet man das Münster in seiner Gesamt¬
erscheinung, so fällt auch dem Laien sofort die stilistische
Verschiedenheit der einzelnen Bauteile auf. Wir haben
die Ursache hierzu in der geschichtlichen Entwick¬
lung des Bauwerks
begründet gesehen.
Im Gegensatz zum
Kölner Dom bei¬
spielsweise, der trotz
der Jahrhunderte, die
zwischen Beginn und
Fertigstellung liegen,
sich doch als einheit¬
liches Produkt des
gotischenStiles zeigt,
ist das Straßburger
Münster durchaus
kein stilistisch ein¬
heitliches Werk. Ge¬
rade darin aber liegt
der hohe Reiz und das
Geheimnis derEigen-
art seiner Schönheit.
Wir erleben mit der
Betrachtung des Bau¬
werkes seine Ge-
schichte,die wechsel¬
volle Geschichte der
Stadt, die Geschichte
des deutschen Vater¬
landes. Und trotz
der Verschiedenheit
in der Gestaltung
der Einzelformen,
fast durchweg haben
es die Künstler ver¬
standen, ihre Werke
meisterhaft dem Ge¬
samten einzufügen,
ohne die Harmonie
des Ganzen zu stören,
ohne die über dem Wechsel der Stilistik
ewigen Gesetze des Schönen zu verletzen.
Betritt man das Innere des Münsters, so ist man
gefangen von dem feierlich mystischen Eindruck der
gotischen Architektur, besonders auch von der wunder¬
baren Harmonie des Langhauses, von der überwältigenden
Farbenpracht der alten Glasmalereien, und doch fehlt
zum weitaus größten Teil das, was zur Wiederherstellung
des Gesamtbildes unentbehrlich ist, die reiche Welt
liturgischen Mobiliars, womit ursprünglich der weite Raum
ausgefüllt war. Nicht weniger wie dreimal ist leider
allzugründlich mit der überreichen Pracht der Ausstattung
aufgeräumt worden: nach der Einführung des lutherischen
Elsässerin in Landestracht
(Photogr.: Jul. Manias & Cie., Stralzburg)
stehenden
Gottesdienstes im Jahre 1525, sodann bei Gelegenheit
der Wiederherstellung des katholischen Kultus nach
dem Jahre 1681 und zuletzt in der französischen Revo¬
lution. Nur gering ist die Zahl der noch vorhandenen
Kunstwerke, welche diese Stürme glücklich überstanden
haben. Das prächtige Grabdenkmal Konrads von Lichten¬
berg, ein Werk Erwins, verschiedene Epitaphien in der
St. Johannis- und der St. Andreaskapelle, das Grabmal
der Familie Bock in der St. Katharinenkapelle mit einer
Reliefdarstellung des Todes Mariä, der schöne spät¬
gotische Taufstein Dotzingers vom Jahre 1453 und
besonders die prächtige überreiche Kanzel, ein Werk
des Hans Hammer
vom Jahre 1485, die
aufVeranlassungvon
Straßburger Bürgern
für den berühmten
Kanzelredner Geiler
von Kaysersberg er¬
richtet worden ist,
ferner das hübsche,
reich polychromierte
Gehäuse der Orgel
von 1434, leider ohne
die mittlerweile ver¬
schwundenen bemal-
tenFlügel sind neben
der reichen Pracht
alter Glasmalereien
die einzigen Ueber-
reste aus gotischer
Zeit. Von demLettner
aus dem 13. Jahrh.
sowie dem über dem¬
selben errichteten
spätgotischen Fron¬
altar von Nikolaus
von Hagenau sind
nur noch einzelne
Reste erhalten, des¬
gleichen von dem
prächtigen Heiligen
GrabBischofBertolds
von Bucheck aus der
Katharinen-Kapelle.
Von besonderer
Berühmtheit ist die
astronomische Uhr
im südlichen Quer¬
schiff. Das Gehäuse aus Stein und Holz in den für
Straßburg charakteristischen Formen des 16. Jahr¬
hunderts, einer Verschmelzung von Spätgotik und
Renaissance, stammt vom Werkmeister Hans Uhlberger,
während die Malereien Schöpfungen des Tobias Stimmer
sind. Das alte Werk, das im Jahre 1574 als Ersatz
eines älteren Uhrwerkes unter der Leitung des Mathe¬
matikers Dasypodius durch die Gebrüder Habrecht ein¬
gesetzt worden ist, wurde 1842 durch ein neues Werk
von Schwilgue ersetzt und befindet sich jetzt in den
Sammlungen des Frauenhauses.
Von der früher vorhandenen prunkvollen Barock¬
ausstattung des Chores ist nur noch der marmorplakierte
228 DEUTSCHLAND Nr. 5
Altartisch von Massol erhalten. Zu erwähnen ist jedoch
hier noch der reiche Schatz an Gobelins im Besitz des
Domkapitels: neben zahlreichen Verdüren eine Reihe von
vierzehn farbenprächtigen Teppichen von Pierre d'Amours,
Szenen aus dem Leben Mariä darstellend, aus der Zeit
von 1640—50, die, ursprünglich für die Kathedrale von
Notre Dame in Paris bestimmt, im Jahre 1739 für das
Münster angekauft worden sind. Die Bemalung des
Chores ist neu und stammt von Steinle, mit Ausnahme
der von Steinbrecht oberhalb des Triumphbogens an¬
gebrachten Darstellung des jüngsten Gerichtes.
Wer heute Straßburg und das Münster besucht,
versäumt in der Regel nicht, zum Schluß die Plattform
zu besteigen und von dort, losgelöst vom hastenden
Treiben und dem Lärm des Alltags, Umschau zu halten
über die ruhende Masse des Münsters mit seinen Türm¬
chen und Fialen, seinen verschlungenen, geheimnis¬
vollen Galerien und Treppen und über die geräusch¬
volle Stadt unter ihm, die Masse altersgrauer Dächer,
dunkler Höfe und enger Gassen, und dann die lachende
fruchtbare, stromdurchglänzte Ebene. Und er schaut
zum Münsterturm empor, in dessen goldfunkelndes Ge¬
stein Tausende ihre Namen gehauen, unter so vielen
gleichgültigen doch auch so manch vertrauter Name.
Das Münster baut ihm die Brücke zur Heimat, baut
ihm die Brücke zwischen Heute und der Vergangenheit.
Und wie dasselbe hier an des Reiches Grenze an Glanz
und Leid vergangener Tage erinnert, ist es uns zu¬
gleich ein Symbol der Zukunft, einer licht- und glanz¬
vollen, glücklichen Zukunft des deutschen Vaterlandes.
Colmar und die Hochvogesen.
Von Karl Engel.
Wer vor etwa einem Jahrtausend auf dem alten Wege,
einer Art von breitem, durch Geleisspuren bezeichneten Pfade,
von dem einst römischen Argentoratum, dem nunmehrigen
Straßburg, nach Süden ritt, kam durch eine Landschaft, deren
Bedeckung und Bepflanzung äußerst wenig an die heutige
erinnerte. Brachland herrschte noch vor, Wälder und Gehölze
dehnten sich weit aus, große Weideflächen unterbrachen das
dünngesäete Ackerland, und wo der Weg sich der Jll näherte,
streifte er an Tümpeln, Röhrichten und weiten Sumpfstellen
vorbei. Die heutigen großen, volkreichen Ortschaften waren
erst angedeutet durch Ansiedlungen geringen Umfanges; nur
einige wenige, um fränkische und alemannische Herrenhöfe,
um Klöster oder alte römische Niederlassungen gruppiert,
erreichten den Umfang der heutigen größeren Dörfer.
Nach einem langen Ritte konnte der Reisende in der Ebene
zwei dicht zusammenliegende Häusergruppen auftauchen sehen,
eine hinter der andren, die vordere mit einem Kirchlein, die
hintere etwas höher liegend und die vordere mit ihren statt¬
lichen Stein- und Holzbauten eine Kleinigkeit überragend. Zur
Rechten waren in der Bergwand des Wasgaus, die den Reisenden
schon stundenlang begleitet hatte, zwei Lücken erkennbar, eine
ganz deutlich, die andere mehr in den Berghängen ver¬
schwommen, die Eingänge zum Münster- und Kaysersberger
Tale. Noch waren die Berggipfel nicht mit Schlössern
gekrönt, nur hier und da winkten vielleicht die Trümmer
eines alten römischen Wacht- und Signalturms dem Reisenden
düster und trübe entgegen. Zur Linken breitete sich eine
weite Ebene aus mit Waldstücken, Gehölzen, Baumgruppen,
Weide, Bruch- und Sumpfland, die sich in der Ferne im
Dunste verlor; der Dunst hatte die Horizontlinie verwischt
und bildete einen sanften Uebergang vom Grün und Braun
der Ebene zum Blau des Himmels. An einer Stelle, gerade
links von der erwähnten Häusergruppe, erhob sich aus dem
Dunst der Ebene ein blaugraues Bergmassiv, und dahinter
glaubte der Reisende durch den Dunst die Umrisse höherer
Berge erkennen zu können. Er hatte den Kaiserstuhl und
die fernen Berge des Schwarzwaldes vor sich. Sein Ritt hatte
ihn inzwischen weiter geführt, und er stand nun dicht vor jenen
beiden Häusergruppen; es waren die Anfänge des heutigen
Colmar. Der Ober- und der Niederhof hatten ihn in ihren
Bereich gezogen. Es waren Königshöfe, die Mittelpunkte der
Verwaltung und Bewirtschaftung des bedeutenden Kronbesitzes,
der sich weit nach allen Seiten und bis in das Gebirge aus¬
dehnte; meist Unfreie und Knechte waren es, die die Höfe
belebten; unfreie Frauen und Mädchen spannen und woben
hier mit fleißiger Hand für den Bedarf des Königlichen Hofes.
Beim Niederhofe hatten Benediktiner des Klosters im Gebirge
(von Münster) eine Niederlassung gegründet zur Bewirtschaftung
ihres Besitzes und zur Einnahme der Renten in natura, die
fromme Gönner ihnen geschenkt und gestiftet hatten. Die
Mönche hatten sich natürlich eine Kapelle, ein Gotteshaus
von bescheidener Größe, errichtet, und sie war die einzige
Stelle, wo die paar hundert Insassen der beiden Höfe zur
Anbetung Gottes, zur Erbauung, kurz, zur Erfüllung ihrer
religiösen Pflichten sich versammeln konnten. Klein und
schmucklos war das Kirchlein, bei dessen Errichtung wohl
das Holz als Baumaterial vorgeherrscht haben wird, und als
unser Reiter die mönchische Ansiedlung erreicht hatte, erfuhr
er von den Leuten, daß man mit dem Gedanken umgehe, an
die Stelle der Holzkapelle ein stattlicheres, steinernes Gottes¬
haus zu setzen. Der Reiter hielt dicht bei dem Platze, wo
heute St. Martin sich stolz in die Höhe reckt und mit ihrem,
noch immer der schlanken, krönenden Spitze entbehrenden
Turme alles überragt. Wir nehmen nun Abschied von dem
Reiter, der uns nach dem beginnenden Colmar gebracht hat,
und überlassen ihn den Händen der gastfreien Mönche.
Ober- und Niederhof, oder modern bezeichnet: Lyzeum
und Häusergruppe zwischen Kaufhaus und Martinskirche,
das sind die beiden Kristallisationspunkte, an die weitere
Siedlungen sich ansetzten und die dadurch in eine große
Häusergruppe Zusammenflossen. Das Colmar des 13. Jahr¬
hunderts war fertig. Aus den paar hundert Bewohnern waren
einige tausend geworden, die Königshöfe waren in andere,
*n geistliche Hände übergegangen, nicht mehr bildeten Unfreie
und Knechte die Mehrzahl der Bevölkerung, auch war der
früher vorherrschende Einfluß von Geistlichen und Mönchen
in stetem Rückgang begriffen; freie, starknackige, mit aus¬
gesprochenem Unabhängigkeitssinne begabte Menschen waren
hergekommen und hatten die Lücke zwischen Ober- und
Niederhof ausgefüllt; die sozusagen von selbst sich ergebende
Folge war, daß unter Kaiser Friedrich II. Colmar eine Stadt
wurde. Schon vom Jahre 1214 ab gebrauchte der Ort ein
eigenes Siegel, von 1222 zeigt sich auf ihm der Reichsadler,
ein Zeichen, daß der trotzige Unabhängigkeitssinn sich nur
dem deutschen Könige und römischen Kaiser zu beugen
gedachte; 1226 lösten die energischen Bewohner der Stadt
auf dem friedlichen Wege einer Pachtung die Bande, die das
aufblühende Gemeinwesen noch mit der Priorei von Peter-
lingen, der Besitzerin des Oberhofes, verknüpfte. Die Stadt
war nun ummauert, und die waffentüchtige Bevölkerung¬
konnte getrost von den ragenden Türmen und Zinnen ihrer
Ringmauer den unaufhörlichen Fehden, Kämpfen, Bürger-
Nr. 5
11 DEUTSCHLAND 229
kriegfen in der Zeit Friedrichs II., seiner Nachfolger und des
Interregnums Zusehen. Während in dieser stürmischen Zeit so
viele Städte und Gegenden ihre Unabhängigkeit und Freiheit
einbüßten und einen Herren fanden, wußte Colmar nach allen
Seiten seine unabhängige und freie Stellung festzuhalten. Es
hat nie einen anderen Herrn über sich gekannt, als den
deutschen König und den römischen Kaiser. Mit kluger
Diplomatie und mit tapferer Hand, wenn es nicht anders
ging, wußten die Bürger Colmars ihre freie, unabhängige
Stellung durch die Stürme der Zeit zu retten und zu erhalten,
bis wieder Ruhe eintrat und die so oft umstrittene und
manchem verhaßte Freiheit der jungen Stadtgemeinde zu
einer dauernden, von allen anerkannten Einrichtung wurde.
Die beiden Höfe, der Ober- und der Niederhof, sind gewiß
nicht die ersten Ansiedlungen auf dem Colmarer Boden ge¬
wesen. Sie haben wohl nur die Fortsetzungen von römischen
und keltischen Niederlassungen gebildet. Doch wollen wir dahin¬
gestellt sein lassen, ob der Name Colmar vom Lateinischen
kommt, von columbarium, von einem Taubenhause, das schon
von ferne hätte gesehen werden können und das Wahrzeichen
der Niederlassung gewesen wäre. Denn Columbaria ist nicht
die einzige Form des Namens, den Colmar im Mittelalter
führte. Ob der Name von Kelten oder Ligurern stammt —
auch das kann man mehr oder minder überzeugend be¬
gründen — wollen wir hier auch nicht weiter untersuchen.
Von ein paar hundert Bewohnern bis zu 42000 hat sich
Colmar im Laufe eines Jahrtausends emporgearbeitet. Es
gibt ja gewiß Städte genug, die sich innerhalb derselben oder
noch viel kürzerer Zeit in ganz anderm, in ungeheuerem
Maße vermehrt und vergrößert haben; aber in der Zeit, als
diese Städte noch kleine Dörfer mit Fischerhütten oder
Blockhäusern von Farmern waren, die das Wildwest-Gewand
noch nicht ganz abgestreift hatten, war Colmar schon eine
Stadt mit Verfassung, strenger Ordnung im öffentlichen
Leben, mit Schulen und sozialen Einrichtungen, mit statt¬
lichen öffentlichen, weltlichen und geistlichen Bauwerken; es
war schon ein kleines Staatswesen, das eine Rolle spielte,
und keine unbedeutende, im öffentlichen Leben, in der innern
und äußern Politik des alten römischen Reiches deutscher
Nation. Es gehörte zwar nicht zu den Großstädten des aus¬
gehenden Mittelalters, aber auch nicht zu den Kleinstädten,
es war eine Mittelstadt, deren politische Bedeutung an die
der Großstädte heranreichte, ja manche von diesen überragte.
Es war die größte, die tonangebende Stadt in dem bekannten
Zehnstädte-Bund des Elsasses.
Sehen wir nun, was aus dem Oberhofe, dem ältesten
Teile Colmars, geworden ist. Bald erhoben sich dort an
Stelle des ehemaligen Königshofs vom TO. Jahrhundert ab
die Klostergebäude und die dreitürmige Kirche des Priorats
St. Peter des Ordens der Benediktiner, gegründet von dem
Kloster Peterlingen im Waadtlande, dem der Oberhof durch
Schenkung zugefallen war. Klostergebäude und dreitürmige
Kirche sind heute verschwunden. Sie haben den Gebäuden
des heutigen Kaiserl. Lyzeums und der T742—1752 im Rokoko¬
stile erbauten Lyzeumskirche Platz gemacht, Schöpfungen
der Jesuiten, die unter Ludwig XIV. nach Colmar gekommen
waren und denen die Stadt, von Ludwig XIV. gezwungen.
St. Peter hatte herausgeben müssen. Sie hatte dafür die
weniger einträgliche Herrschaft Hoh-Landsberg eintauschen
müssen. Dicht hinter der Ringmauer lag St. Peter. Die Mauer
und die davor liegenden Ravelins, Kavaliere und Gräben sind
schon lange verschwunden, die letzten Reste im letzten
Drittel des vorigen Jahrhunderts. Schöne Baumpflanzungen,
prächtige Blumenanlagen schmücken den eingeebneten Platz,
auf den das Standbild des Physikers und Gelehrten Adolf
Hirn (1815 — 1890) herniederschaut.
Unser Reiter, den wir bei den Mönchen gelassen haben,
hatte recht gehört. Es sollte wirklich eine Kirche an Stelle
Felsen und Tunnel an der Schluchtstraße bei Münster
230 DEUTSCHLAND (0^^^^^088^80860860800^ Nr. 5
der alten Kapelle errichtet werden. Bald erhob sich ein
größeres Gotteshaus, aus festem Stein gefügt, auf der Stelle,
die jetzt ein Teil des Chores und des Schiffes der St. Martins¬
kirche einnehmen. Zwei Jahrhunderte später wurde sie zu
einer Kollegiatkirche erhoben mit einem Kapitel, an dessen
Spitze ein Propst stand. Mit Einsetzung des Kapitels hatte
sich auch das Bedürfnis eingestellt, eine größere und schönere
Kirche zu haben. In der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts
wurde der Bau einer Kirche in gotischem Stile begonnen. Es
wurden Teile der alten romanischen Kirche abgetragen und
Neubauten an ihrer Stelle errichtet, das heutige Querschiff
der Martinskirche ; der stehengebliebene Teil der alten Kirche
diente als Chor. Die Kosten des Baues überstiegen bei
weitem die finanziellen Kräfte des Stifts und der Stadt¬
gemeinde; nah und fern mußten daher Beiträge gesammelt
werden. Der erste Baumeister war Meister Humbret, wie uns
eine Inschrift an der Kirche selbst kund tut. Als Querschiff
und Langschiff vollendet waren und die Türme sich bereits
zu einer stattlichen Höhe erhoben, wurde auch das alte, bau¬
fällig gewordene romanische Chor durch ein neues gotisches
ersetzt (1356 — 1355); Baumeister war Wilhelm von Marpurg
(gestorben 1366 in Straßburg). Von den Türmen wurde der
nördliche nie ausgebaut, die Spitze des südlichen zerstörte
1572 eine Feuersbrunst, die auch andere Teile der Kirche
erheblich beschädigte. Die Turmspitze wurde nicht wieder
errichtet. In den Jahren 1909 bis 1911 fanden in der Kirche
umfangreiche Wiederherstellungsarbeiten statt, und es wurde
ihr im Innern möglichst dasselbe Aussehen wiedergegeben,
das sie im ausgehenden Mittelalter gehabt hatte. Da die
alten Malereien unter der losgelösten Tünche nach Form und
Farben deutlich sichtbar waren, wurden sie in den alten
Farben und Formen wieder angebracht. Das Chor wurde
gegen die Seitenkapellen geöffnet und die Rosetten in die
Wandöffnungen wieder eingesetzt. Das prächtige Stück alt¬
deutscher Malerei, die berühmte „Madonna im Rosenhag"
von Schongauer, einem Colmarer Meister, fand einen seiner
würdigen und passenden Platz in dem Flügelaltare an dem
linken Eckpfeiler des Chores.
Im 13. Jahrhundert kamen neue klösterliche Nieder¬
lassungen nach Colmar, die der Dominikaner und Franziskaner.
Das Dominikanerkloster wurde 1260 erbaut und zwei Jahr¬
zehnte später die Klosterkirche im Stile der Frühgotik. König
Rudolf von Habsburg legte 1283 den Grundstein zu ihrem
Chore. Das Kloster liegt nicht weit von der Martinskirche.
Seit der Revolutionszeit haben Kloster und Kirche mancherlei
erlebt und gesehen. Letztere wurde Fruchthalle, erstere
Gendarmeriestation; mit kurzer Unterbrechung 1813—1814,
während welcher es Kriegslazarett war, beherbergte es
ständig französische Gendarmen; heutigen Tages ist In den
alten Klosterräumen die Präparandenschule untergebracht.
Die Kirche wurde 1894—1898 restauriert und ihrer alten
Bestimmung zurückgegeben. Im Schatten der stillen Kloster¬
räume lebten und schafften emsige Forscher und Gelehrte;
an den Annalen der Colmarer Dominikaner kann der Geschichts¬
forscher des deutschen Mittelalters nicht vorübergehen, ohne
den fleißigen Mönchen für ihre wertvollen Nachrichten und
ihr fleißiges Sammeln herzlich zu danken.
Auch nicht weit von der Martinskirche, nur in anderer, in
nordöstlicher Richtung, lag das Franziskanerkloster. Es wurde
in derselben Zeit erbaut, wie das Dominikanerkloster. Die
Insassen des Klosters starben 1541 bis auf einen einzigen an
der Pest; da erwarb die Stadt die Gebäude, und als der
Magistrat 1575 die Reformation eingeführt hatte, wurde die
ehemalige Franziskanerkirche dem lutherischen Kultus über¬
lassen, und noch heute ist die protestantische Kirchen¬
gemeinde im Besitze des Schiffes. Das Chor wurde 1715
durch Königliche Verordnung vom Schiffe durch eine Mauer
getrennt und dient seitdem als Spitalkirche dem katholischen
Gottesdienst. Die schönen, eleganten Linien des Chores
waren bis vor kurzem durch Gebäude verdeckt, die sich dicht
um die Kirche scharten. Die Stadtverwaltung hat durch
Abbrechen und Wegräumen eines Hauses einen Zugang vom
Schlüsselplatze zum Chore geschaffen,
der vom Platze her einen schönen Aus¬
blick auf die langen, zierlichen Bogen¬
fenster gewährt. Das Innere des Schiffes,
die protestantische Kirche, hat durch
Einrichtungen und Umgestaltungen, die
nur auf die praktische Ausnutzung des
Raumes als Predigtkirche hinzielten, an
Schönheit viel eingebüßt. Vom alten
Lettner sind nur Teile erhalten ge¬
blieben; dagegen weist ein Nebenraum
hübsche spätgotische Deckenmalereien
auf. In die 1541 erworbenen Kloster¬
gebäude wurde nun das bisher innerhalb
der alten Ringmauer befindliche Spital
übergeführt.
Mit den Klöstern der Predigerorden
sind wir schon über die erste und älteste
Ummauerung Colmars hinausgerückt.
Kehren wir zurück in den Raum zwischen
Ober- und Niederhof und wir kommen
an die Stelle, wo einst das Aug\istiner-
kloster stand und Jetzt das Bezirks¬
gefängnis sich breit macht. Da, wo
jetzt Gefangene stille Einkehr in sich
halten, wo Reue und Besserungs-
gedanken, vielleicht auch Fluch- und Rachegedanken reifen^
da sann einst Johann Hoffmeister, der Prior, nach, wie er
seinem Gegner Luther am besten beikommen könnte, da saß
er brütend über den Predigten, die er vor Kaiser Karl V.
halten sollte.
Noch dreier geistlichen Niederlassungen, die mehr oder
weniger vollständig erhalten geblieben sind, hätten wir zu
gedenken. Sie lagen alle nicht allein außerhalb der ersten
Ringmauer, sondern anfangs auch außerhalb der zweiten,
der Erweiterungsmauer, sind aber bald mit in das Befestigungs¬
system der zweiten Erweiterung einbezogen worden; es sind
dies das Kapuzinerkloster, das Dominikanerinnenkloster Unter-
Gletschertal der Wormsa mit Fischbödle im Münslerlal
Nr. 5
DEUTSCHLAND BBs^^^ g ^^e e oooo oGcoeceoooc ai 23i
linden und das Katharinenkloster (frz. les Catherinettes). Das
Kapuzinerkloster, eine ziemlich junge Schöpfung (1699), heute
bischöflicher Konvikt, sei hier nur erwähnt.
Weit über die Grenzen Colmars, des Elsasses und Deutsch¬
lands bekannt wegen der kostbaren Kunst- und Buchschätze,
die es birgt, ist das ehemalige Frauenkloster „unter den
Linden". Kloster und Kirche wurden von 1252 ab erbaut,
1269 wurde letztere geweiht. Ein herrlicher frühgotischer
Kreuzgang, ein Werk des Dominikanermönches Vollmar, um¬
gibt den Hof des Klosters, in dessen Mitte im vorigen Jahr¬
hundert eine Brunnenanlage, gekrönt von dem Standbilde
des Colmarer Malers Martin Schongauer, gestellt wurde. Die
Revolutionsjahre machten aus dem ruhigen, stillen, Werken
der Mildtätigkeit und Barmherzigkeit ergebenen Frauen¬
kloster eine Stätte unruhigen, lärm- und geräuschvollen
Lebens, eine Stätte der Vorbereitung für Schlachten, für
Krieg und Blutvergießen. Es wurde Kavalleriekaserne und
Magazin der Garnisonverwaltung; die Pferde der Kavallerie
wurden im gegenüberliegenden Ackerhof und in den sogen.
„Ritterställen" (Ritterstallgasse) untergebracht. Das blieb so
bis Mitte des vorigen Jahrhunderts mit Ausnahme der Jahre
18T3/T814, wo es Kriegslazarett war; da war eine neue
Kavalleriekaserne (damals quartier de cavalerie-modele), jetzt
belegt vom Kurmärk. Dragoner-Regiment Nr. 14, im Norden
der Stadt fertiggestellt. Die Lanciers räumten die Kloster¬
räume, und alsbald stellten sich allerlei schweinslederne
Bände, große Folianten, dünne Broschüren, große Karten und
Atlanten ein, herrliche Gemälde, metergroße und kleine, auf
Holz und Leinwand, ausgestopftes Getier, allerhand bunt¬
scheckiges Gestein, Waffen und Tro¬
phäen, alte Hausgeräte, alte Fahnen
und Banner, und füllten die weiten
Räume. Die Bibliothek, die Gemälde¬
galerie, die natur- und kulturhistorischen
Sammlungen der Stadt hielten ihren Ein¬
zug. Die etwa 100 OCX) Bände zählende
Bibliothek ist reich an seltenen Druck¬
werken, an Handschriften und Inkunabeln,
die Gemäldegalerie zeigt uns eine Fülle
von herrlichen Werken der alten ober¬
deutschen Malerschule; die in der Ge¬
schichte der alten deutschen Malerschule
berühmten Gemälde des Isenheimer
Flügelaltars sind hier jedem Beschauer
und Kunstfreunde zugänglich. In dem
Saale der Gipsabgüsse, der prähistori¬
schen, römischen, alemannischen und
fränkischen Funde ist das Lebenswerk
eines Fürsten der Plastik, eines Colmarer
Kindes, Bartholdi, des Schöpfers der
New Yorker Freiheitsstatue, in Gips¬
modellen zu schauen.
Die Gebäude, die noch vor 70
Jahren das eigentliche Kloster umzogen,
wurden abgebrochen und auf dieser
Stelle das neue Stadttheater errichtet,
das in unseren Tagen umgebaut und etwas vergrößert wurde.
Das Katharinenkloster entstand in Colmar im Anfänge
des 14. Jahrhunderts. Nach den Revolutionsjahren wurde
es Militärlazarett, dann war es eine Zeit lang nach 1870
Kaserne und birgt jetzt in seinen weiten Räumen die Städtische
Fortbildung'sschule, die Landwirtschaftliche Versuchsstation,
und die ehemalige Klosterkirche ist zum Städtischen Konzert¬
saal umgebaut. Mit Ausnahme der stark veränderten Kirche
und einiger Teile der’übrigen Bauten entstammen die heute
bestehenden Gebäude dem 18. Jahrhundert.
Das Schmuckstück der weltlichen mittelalterlichen Bau¬
werke bildet zweifellos das Kaufhaus. In gotischem Stile 1480
aufgeführt und im 16. Jahrhundert durch Anbau vergrößert,
war es im 15., 16. und dann wieder im 18. Jahrhundert das
Heim des Magistrats, dann Sitz des Tribunals erster Instanz.
Im oberen Stockwerke bewundern wir den großen, durch viele
Fenster erleuchteten Saal, der mit seinen verschiedenartig
geformten Säulen uns ein Bild von der künstlerischen
Erfindungsgabe der alten Colmarer Steinmetzen gibt. Er
war oft Zeuge der Ratsversammlungen, in denen die Ab¬
geordneten der Zehnstädte des Elsasses hohe und niedere
Politik trieben und über Wohl und Wehe ihres Bundes und
des ganzen Landes Beschlüsse faßten. Das Kaufhaus war
in gewissem Sinne die Warenbörse des alten Colmars.
Da allein, in den Hallen des Erdgeschosses, durften fremde
und einheimische Kaufherren ihre Waren feilbieten, da
war übrigens auch der Brief- und Botenverkehr konzen¬
triert. Heute ist in den Sälen des oberen Stockwerks die
Fleischhauersche Sammlung kunstgewerblicher Gegenstände
untergebracht.
Fast dem Rathause gerade gegenüber reckt das frühere
Oberlandesgerichtsgebäude seine massige Gestalt. Sein jetziges
Aussehen erhielt es 1771. Hier tagte der conseil souverain
des ancien regime, die cour d'appel des modernen Frankreichs
und bis 1906 das deutsche Oberlandesgericht. In den früheren
Gebäuden hauste die Gesellschaft zum Wagkeller, eine Art
Klub, zu dem Magistratspersonen, vornehme Bürger und
Herren und Vögte der Umgegend gehörten; in einem 1581
beim Wagkeller errichteten Bauwerke hielt der Magistrat
über ein Jahrhundert seine Sitzungen ab. 1674/75 war
im Wagkeller das Hauptquartier des Großen Kurfürsten,
1681 und 1683 nahm da der Sonnenkönig sein Absteige¬
quartier. Im Jahre 1906 siedelte das Oberlandesgericht
in sein neues Heim am Hochlandsbergwall über, einem
prächtigen Bau im Renaissancestil.
Kehren wir vom Wagkeller zur Martinskirche zurück, so
treffen wir da auf einen architektonisch und künstlerisch
bemerkenswerten Bau, das jetzige Polizeigebäude. Hier befand
sich schon im 14. Jahrhundert die Gerichtslaube. Im Jahre
1575 wurde das jetzt dort stehende Bauwerk errichtet. Das
anmutige Renaissanceportal und die prachtvolle Loggia bilden
den Zielpunkt aller Kunstbeflissenen, welche die alten Städte
Europas nach architektonischen Kleinodien absuchen.
Donongipfel mit Tempel bei Schirmeck
Nr. 5
232 DEUTSCHLAND
Von den ehemaligfen Zunfthäusem sei das der Ackerleute
in der Vaubanstraße, im Colmar jenseits der ersten Er¬
weiterung*, ein Renaissancebau mit schönem Portale erwähnt.
Heute ist es Wirtschaft. Dann wollen wir auch die Wirkungs¬
stätte der Colmarer Meistersinger nicht vergessen, das Zunft¬
haus der Schuhmacher (Schädelgasse Nr. 28). Hier wirkte
der Colmarer Dichter Jörg Wickgram, der 1549 eine Sanges¬
bruderschaft gründete. Die Colmarer Meistersinger sind in
der Literatur- und Musikgeschichte nicht unbekannt, waren
sie doch die Besitzer der Liederhandschrift, die jetzt in der
Königlichen Bibliothek zu München auf bewahrt wird und über
1000 dem Mittelalter entstammende Lieder enthält.
Machen wir noch dem Kopf hause, so benannt wegen der
vielen Steinfiguren an der Straßenfassade, einem Renaissance¬
bau aus dem 17. Jahrhundert mit schönem Erker, dem
schönsten Privathause des alten Colmar, dem Pfisterhaus,
dem landschaftlichen Hintergründe des berühmten Bildes
„les racoleurs (die Werber)", dem sogenannten Hause Schon-
gauer und dem Hause Staub in der St. Johannisgasse mit
seinen beiden zierlichen Säulengalerien einen kurzen Besuch
und verlassen wir dann das alte Colmar und streben hinaus
nach dem neuen, dem Colmar des 19. und 20. Jahrhunderts.
Nur ungern tauchen wir unter den modernen, streng aus¬
gerichteten, mit Licht, Luft, Gas und Elektrizität versehenen
Steinmassen unter; denn noch gar viele stille, trauliche, male¬
rische Winkel gibt es in Colmar, die uns alte Zeiten zurück¬
rufen, bei denen es sich beschaulich träumen läßt von Reizen
längst vergangener Zeiten.
Das moderne Colmar, das einen wohl achtmal so
großen Raum einnimmt, wie das Colmar von 1700 und
1800, reckte sich hauptsächlich nach Süden und Westen
aus, während das aus Oberhof und Niederhof entstandene
Gemeinwesen seine Erweiterungen ausschließlich nach
Norden vorschob. Erst militärische und industrielle Bau¬
tätigkeit haben in jüngster Zeit der Erweiterung nach Norden
einen neuen Antrieb gegeben.
Im Westen der Altstadt dehnt sich das Marsfeld aus,
die Schützenwiese der alten Colmarer, der Mittelpunkt der
modernen Stadt. Die Anlagen und der Stadtpark mit den
alten, hohen, schattenspendenden Bäumen sind nach der
Revolutionszeit vom Präfekten Felix Desportes geschaffen
worden. Auf dem offenen, baumlosen Teile hat die „Große
Armee" ihr Erinnerungsdenkmal; das Standbild des Generals
Rapp, ein Erstlingswerk Bartholdis, erhebt sich dort. Rapp,
geboren in Colmar 1771, war der Sohn des Kaufhauspförtners.
In der Revolutionszeit in die Armee getreten, gehörte er bei
Marengo dem Stabe des daselbst gefallenen Generals Desaix
an. Er kam dann in die Umgebung des Ersten Konsuls,
wurde General und Aide de Camp (Flügeladjutant) des Kaisers
Napoleon, war 1813 Gouverneur von Danzig, befehligte 1815
das 5. Armeekorps und verteidigte das Unter-Elsaß und
Straßburg gegen die Invasionsheere. Er starb in demselben
Jahre, wie sein Herr und Meister, 1821 zu Rheinfelden. Im
Schatten der Bäume des Stadtparkes steht das Standbild einer
anderen militärischen Größe Colmars, des Admirals Bruat.
Er war geboren in Colmar 1796, trat in die Marine, war
Gouverneur der Marquesas-Inseln und der Antillen, be¬
fehligte die französiche Flotte im Krimkriege und starb
1855. Das Standbild, zu dessen Füßen vier steinerne Figuren
lagern, Personifikationen der Weltteile, die Bruat auf seinen
Seefahrten gesehen, steht im Rondelle des Parkes. Auch
dieses Denkmal verdankt dem künstlerischen Sinne, der kunst¬
geübten Hand Bartholdis seine Entstehung. Er ist übrigens
auch der Schöpfer nahezu aller Denkmäler der Stadt, des
Schwendibrunnens hinter dem Kaufhause, des trinkenden
Rebmannes an der Markthalle, des Roesseldenkmals auf dem
Schwarzenbergplatze und des Küfers auf dem Giebel des
Kopfhauses. Seine Freunde und Verehrer haben ihm selbst
nach seinem Tode in den Anlagen des Wasserturms ein
Denkmal gesetzt. Das beim Unterlindenmuseum errichtete
Standbild des blinden Dichters und Pädagogen Gottlieb Konrad
Pfeffel (1736—1809), des Verfassers der „Tabakpfeife", ist
von Friedrich, nicht von Bartholdi.
Wir durchqueren den Stadtpark, kommen am Musikkiosk
vorbei und stehen vor dem Bezirkspräsidium, im Volksmunde
„Prefectür" genannt. Schon vorher sahen wir die rotbraunen
Back- und die grauen Hausteine durch das Grün des Parkes
schimmern, Vorboten des schönen architektonischen Bildes,
das sich nun unseren Augen eröffnet. Der im Stile Ludwigs XIII.
gehaltene vornehme Bau wurde in den sechziger Jahren des
vorigen Jahrhunderts errichtet und 1866 seiner Bestimmung
übergeben. Noch heute prangen an seiner Fassade die In¬
schriften der vier alten Arrondissements des Departements
du Haut-Rhin: Colmar, Mulhouse, Altkirch, Beifort.
Wir sind nun schon an dem neuen, ebenfalls in Backstein
errichteten Postgebäude vorübergekommen, wir biegen in die
Ruffacher Straße ein, welche die Westseite des Marsfeldes
umsäumt, und streben dem neuen Bahnhofe zu, um eine Fahrt
in das Gebirge anzutreten.
Das Dampfroß hat die Ebene hinter uns abgerollt. Berge
scheinen sich uns vorlegen und unsere Weiterfahrt hindern
zu wollen, aber nein, weit klaffen die Berge auseinander, der
erste Berg zur rechten Hand, steil aufragend und auf seinem
Rücken eine Kapelle tragend, noch unbewaldet, der zweite
dahinter ebenso, nur Reben und Reben; endlich tauchen auch
hier die dunklen Flecke des Gebirgswaldes auf, die zur Linken
schon eine Weile in der Ferne langsam an unserem Zuge
vorbeiglitten. Türkheim I Türkheimer Brand, das köstliche
Naß, das da oben auf den Hängen aus dem Gestein seine
Feuerkraft geholt I Wir sind im Banne weinfroher Gemütlich¬
keit, im Banne geschichtlicher Erinnerungen. Denn Türkheim,
heute ein kleiner Ort, war eine der Zehnstädte, verbündet
und verbrüdert mit Colmar, wenn es auch manchmal wegen
der Wasserrechte auf dem Logei- oder Mühlbach nicht gerade
brüderlich herging. Neben diesem Bruderzwist stiftenden
Wasserlaufe sind wir hergefahren und haben zu Füßen jenes
Berges mit der grüßenden Kapelle das Feld gekreuzt, wo
einst am 5. Januar 1675 das Schicksal Colmars und der
Zehnstädte und Elsasses endgültig besiegelt wurde, wo
Kaiserliche, Münsterer, Lüneburger und einige branden-
burgische Regimenter mit den Gardes fran<;:aises, mit Cham¬
pagne, Orleans, La Murine sich balgten, wo der Große
Kurfürst dns überlegene Genie Turennes durch einen über¬
eilten Rückzug anerkannte.
Türkheim mit seinen malerischen Türmen, seinen Wein¬
bergen, liegt hinter uns. Bewaldete Berge säumen den
Eisenpfad des Dampfrosses ein. Reben werden selten,
verschwinden allmählich, Burgen, Plix- und Hohlandsburg,
sehen verwundert der vom Dampfrosse in eilenden Fluge
dahingezogenen Kette moderner Eilkutschen nach. Schon
auf der Fahrt von Colmar her, noch in der Ebene, hatten
zur rechten Hand der sargförmige Rücken eines hohen
Berges und die daneben ganz oben an die graugrüne Berg¬
wand geklebten weißen Häuser die Aufmerksamkeit der
Reisenden erregt. Der Hohneck (976 Meter) und der
Luftkurort Drei-Aehren (über 650 Meter Höhe) haben sich
ihnen vorgestellt.
Und weiter rollt der Zug, das grüne Wiesenband des
Tales mit den zwei Eisenstreifen und dem murmelnden
Wasser der Fecht Stück für Stück hinter sich werfend. Zum
Glück entschädigt die reizvolle Landschaft reichlich für das
tatenlose Sitzen im Wagen. Münster I Wieder ein Glied des
Zehn-StädtebundesI Ja, wir sind hier in einer Ecke des
heiligen römischen Reiches deutscher Nation, wo steifnackige,
rusch zur Tat bereite Mannen hausten, die nur dem Kaiser
sich beugen wollten.
Nr. 5 DEUTSCHLAND 233
Wir sind nun tief ins Innere der Vog'esen vorgedrungen
und sind ein paar 100 Meter gestiegen, ohne daß wir es
merkten. Rings sind wir von hohen Bergen umgeben, und
das Tal, durch das wir gekommen, hat noch kein Ende. Aus
dem Tale werden nun zwei, ein vorspringendes Bergmassiv
zwingt das Tal, in zwei Arme auseinander zu klaffen. An
dieser Stelle gründeten Benediktiner im 7. Jahrhundert ein
Kloster. Das Kloster wurde Reichsabtei, die Gemeinde und
Dörfer, die in der Folge auf dem ursprünglich klösterlichen
Gebiete emporschossen, wurden reichsunmittelbar. Die Stadt¬
gemeinde mit ihren Taldörfern wurde lutherisch, die Reichs¬
abtei blieb, und beide Teile, der katholische und lutherische,
bald mit einander hadernd, bald durch gemeinsames Leid
einander wieder näher gebracht, zogen der neuen Zeit ent¬
gegen, welche die Abtei hinwegfegte und die Selbständigkeit
der Stadtgemeinde vernichtete. Die Klostergebäude sind
verschwunden, und an ihrer Stelle breitet sich das Arbeiter¬
viertel aus. Die ehemalige reichsunmittelbare Stadt hat sich
industrialisiert; eine zu hoher Blüte gelangte, im Jahre
1775 eingeführte Baumwollenindustrie verschafft zahlreichen
Bewohnern der Stadt und Umgegend lohnenden Verdienst.
wogen eines Weltmeeres lägen gerade vor uns, unterbrochen
durch Wasserbecken, die den Erstarrungsprozeß nicht mit¬
machten und ruhig daliegen, die schimmernden Flächen der
Seen von Longemer und Retournemer.
Wohin sollen wir uns nun wenden? Nach Norden oder
Süden? Die Wahl fällt schwer, es ist auf beiden Seiten so
schön und vielversprechend. Wir gehen einen Kompromiß
ein und schlagen rasch in der nächsten Umgebung einen
Bogen nach Norden, bevor wir die Wanderung nach Süden
anlreten. Die deutsch-französische Grenze bezeichnet den
vorerst einzuschlagenden Weg, der uns in einer Höhe von
durchschnittlich 1200 Metern weiterführt. Wir streifen die
Boxen zu unserer Rechten, sehen in die Gründe hinunter und
hören, wie rauschende Wasser, über Steine springend, von
Fels zu Fels fallend, eine Bahn suchen nach dem breiten
Tale, durch das sie in ein bequemes Ruhebett in der fernen
Ebene kommen können. Wasser füllt nun die Kesselgründe
zu unserer Rechten; der Sulzerner See, der Forlen-Weiher und
dann die Dreiecke des kleineren Schwarzen und des größeren
Weißen Sees werden sichtbar, die Umgegend des letzteren ist
das jährliche Stelldichein elsässischer und fremder Schiläufer.
Nebelmeer im oberen Breuschtal, darüber die Donons
Von Münster befördert uns die elektrische Bahn rasch
auf den Kamm der Vogesen, zur Schlucht. Wir sind auf der
Grenze zwischen Deutschland und Frankreich. Da treffen
wir die Landstraße, die an den Berghängen rechts in vielen
Schleifen sich zur Kammhöhe hinaufgewunden hat. Wir sind
nun 1139 Meter über dem Meere. Ein reizendes Stück Erd¬
boden wogt hier auf und nieder, rechts und links, vor und
hinter uns. Von dem Kamme, auf dem wir stehen, lösen
sich Gebirgszüge ab und bilden Täler, in denen Wasser¬
rinnen nach der Rheinebene vorstürmen. Jäh stürzen vom
Kamme die Talwände ab, welche zu unseren Füßen die Täler
nach Frankreich zu verriegeln. Wie ungeheure Boxen be¬
gleiten den Kamm die kesselartigen Ursprünge der Täler, die
wir hier als Riesenschluchten ansprechen dürfen. Und überall,
allüberall Täler und Hänge „mit Hütten in den Armen, mit
Herden an der Brust"! Nach der anderen Seite, der West¬
seite hin, wo Welschland beginnt, ist alles gemildert, ver¬
hältnismäßig sich langsam abdachende Hänge, abgerundete
Kuppen und langgestreckte Gebirgswellen, soweit das Auge
reicht; man könnte meinen, die zu Gestein erstarrten Riesen-
Aber nun auf nach Süden! Wir wollen ja nach den
Hochvogesen! Das Schluchthotel ist hinter den Bäumen
verschwunden. Wie vorhin auf unserer Streife nach Norden,
folgen wir auch jetzt der Grenze und werfen Blicke in die
Boxen, die Kesselgründe, die uns zur Linken begleiten; immer
wilder und zerrissener werden sie. Die steilen Felsenhänge
lassen uns da oben ahnen, was die in der Ferne glitzernden
Wasser der Gebirgsbäche hier zu unsern Füßen, vor unseren
neugierigen Blicken gedeckt durch dichtes Nadelgeäst und
Laubdach, mit Felsen und Gestein zu kämpfen gehabt haben
müssen, wie sie nur um den Preis gewagter Sprünge und
tosender Fälle den ruhigen, sichern Lauf im fernen Tal er¬
kauft haben. Das Gelände steigt, bald sind wir über der
Baumgrenze: grüne Matten mit weidenden Rindern und Kuh¬
glockenklängen, dazu einsame Sennerwohnungen. Noch ein
kurzer Anstieg auf weichem Rasen, und wir stehen T36T Meter
hoch auf dem Hohneck. Der Grenzkamm wird .nun etwas
niedriger, aber vorerst sinken seine Gipfel noch nicht unter
1300 Meter. Auf einem vom Hohneck sich lösenden und
gegen die Rheinebene strebenden Bergrücken gehen wir eine
234 M
DEUTSCHLAND Nr. 5
Strecke weiter, lassen uns aber dann auf einem Zickzack¬
pfade an der steilen Wand eines Kesselgfrundes südlich des
Hohneck hinunter in die Tiefe. Schon sind wir wieder in dem
Geäst der Bäume untergeg-angen. Häuser, ein Damm und
dahinter die spiegelglatte Fläche des Schießrothried-Weihers
lichten auf dem Grunde des Kessels die Bäume. Wir steigen
noch tiefer in den Grund, wieder eine Lichtung mit Hütte
und kleinem Weiher, dem „Fischbödle". Steil türmen sich
hier über uns die Hänge des Grenzkamms auf, und drohend
treibt er gegen uns einen Keil vor, der Schießrothried und
Fischbödle von einander trennt, wir haben die „Spitzköpfe"
vor uns. Wer sich zur Besteigung des Matterhorns oder des
Mont Blanc trainieren will, findet hier Gelegenheit dazu, er
kann da alles üben, selbst den kunstgerechten Absturz.
Wir haben den Grenzkamm verlassen und lassen es nun
dabei. Die uns umgebende Gebirgslandschaft ist so herrlich,
daß wir dem Tale folgen wollen, das sich uns nach Südosten
öffnet. Es wird breiter; aber wild genug ist es noch immer,
lieber Fels und Gestein muß der Bach fallen und springen,
der uns geräuschvoll den Weg weist. Ein zweites, noch
breiteres Tal streicht quer an dem vorbei, aus dem wir nun
herauskommen. Wir wenden uns nach links und betreten das
Tal, das nordostwärts nach Münster streicht. Es ist eins der
Täler, in die das große Tal bei Münster auseinanderklafft.
Wir gelangen nach dem reizend gelegenen Metzeral.
Ein von Süden kommendes, schmales,, von Bergwänden,
die bald steil abfallen, umrändertes Tal nimmt uns auf.
Hinter Sondernach sagen wir der Straße Lebewohl und klettern
an der östlichen Talwand unter dem Laubdach der Bäume
nach dem Oberlauchensattel (1210 Meter) hinauf. Wieder
um fast 200 Meter abgestiegen, und wir stehen am Kessel
des Ursprungs des Lauchtales, angefüllt vom Stauweiher
Lauchensee. Wieder bergauf hastend, erreichen wir den von
Straßburger Pionieren hergestellten Pionierweg und auf ihm
bald unweit des Heidelbeerkopfes (1237 Meter) den Kamm
eines Gebirgsrückens, nennen wir ihn Belchen-Massiv, der
sich südlich des Hohnecks beim Rainkopf vom Grenzkomm
losgelöst hat und in weitem, nach Nordosten geöffneten
Bogen mit seinem stattlichen Südost-Ende, dem Großen
Belchen, gegen die Rheinebene vorspringt. Wir werfen einen
Blick in das dem Bogen unseres Kammes folgenden St. Ama-
rintale, übersäet mit weißen und roten Punkten, den zahl¬
reichen Weilern, Dörfern, Flecken, Fabrikanlagen und Städtchen
des Tales. Jenseits zieht unentwegt nach Süden der Grenz¬
kamm seine steile, in den Wipfeln 1000 bis 1200 Meter hohe
Mauer her. Zwei weiße Bänder, dünn wie ein Faden, sehen
wir aus dem Tale sich hinaufschlängeln, die Straßen über
den Col de Ventron (889 Meter) und Col de Bussong, die
nach dem Departement des Vosges hinüberführen.
Der Abfall des Belchen-Massivs, der den Bogen, auf den
wir schreiten, nach Norden und Nordosten ausfüllt, ist von
Tälern und Tälchen zerschnitten und durchzogen. Das be¬
deutendste ist dos der Lauch, dessen Anfang wir vor nicht
langer Zeit beim Stauweiher Lauchensee gekreuzt haben.
Wir sind schon eine ganze Weile wieder über der Baum¬
grenze und wandern über kahle Heideflächen, aus denen oft
genug der nackte Fels zutage tritt. Es steigt immer mehr
an, und endlich haben wir den höchsten Punkt des Reichs¬
landes, den Großen Belchen (1426 Meter), unter unsere Füße
gebracht. Die Gebirgslandschaft, die uns auf allen Seiten
umgibt, ist wahrhaftig der Anstrengungen wert, die uns auf
unserer Wanderung so manchen Schweißtropfen auspreßten.
Nach Norden, jenseits des Lauchtales, erhebt ein anderer Berg¬
riese sein unbewaldetes Haupt, der Kahle Wasen (1268 Meter).
Auch er lädt jeden Winter seine Schiläufer zu Gaste. West¬
lich und südlich umgeben uns der Grenzkamm und das sich
von ihm ablösende und dem Eisasse zustrebende gewaltige
Massiv, das sich uns mit dem Roßberg (1191 Meter) trotzig
entgegenwirft, von uns aber getrennt durch den unteren Teil
des St. Amarintales, in dem die Sammelrinne der Gebirgs-
wasser, die Thur, an Thann mit seinem Münster und seinem
Rangenwein vorbei gegen die Rheinebene dahineilt. Stunden-
und tagelang kann man sich auf der Höhe aufhalten, und
immer wieder wird man neue Schönheiten entdecken. Obdach,
Speise und Trank oder, wer es vorzieht, dejeuners und diners
spenden die liebenswürdigen Wirte des Belchenhotels. Der
Große Belchen ist ein alter Bursche, ober ein gar freundlicher
Geselle; wer einmal mit ihm zusammen gewesen, wird gerne
wiederkommen und ihn noch öfters besuchen.
Rasch steigen wir nun zu Tal, so rasch, daß wir beinahe
in den unterhalb des Kopfes eingebetteten tiefen Belchensee
gefallen wären. Die Rheinebene ist nicht weit von der Belchen¬
spitze, das Belchenmassiv erhebt sich am Rande der Ebene.
Bekanntlich bildet der Ostrand der Vogesen die Bruchlinie,
längs der die Gesteinsmassen, welche vor hunderttausenden
von Jahren Vogesen und Schwarzwald zu einem Massive,
einem „Horste", vereinigten, in die Tiefe sanken und von dem
Alluvium der Rheinebene begraben wurden.
Aber bevor wir die Ebene erreichen, umfängt uns noch
einmal die Romantik des Mittelalters. Die alte Kirche der
Abtei Murbach taucht auf, und wir gehen nicht vorüber, ohne
an den schönen Linien der alten, prächtigen romanischen
Kirche, von der die beiden Türme, das Querhaus und Chor
noch erholten sind, unser Auge erfreut zu haben.
Es dauert nicht mehr lange, und wir gehen in den Straßen
und der Häusermasse von Gebweiler unter. Wir betrachten
St. Leodegar- und Liebfrauenkirche und stehen bald an den
parallelen, schnurgeraden Eisenstreifen, die uns nach der
Ebene entführen und in den Schatten des St. Martinsturmes
zurückbringen wollen.
Unsere Rundfahrt ist zu Ende, und hochbefriedigt von
den herrlichen, wechselvollen Bildern, die wir geschaut, von
den geschichtlichen Erinnerungen, denen wir gelauscht, be¬
geben wir uns wieder, erfrischt und neugestärkt, an unser
gewohntes Tagewerk, dos noch lange die segensreichen Folgen
unserer Wanderung verspüren wird. Colmar und die Hoch¬
vogesen muß jeder gesehen und durchwandert haben, der
über Elsässer Eigenart, über die reiche Elsässer Geschichte,
über die landschaftlichen Schönheiten des Elsässer Landes
sprechen und urteilen will.
Wesserling und das St. Amarintal.
Von E. Eckert.
Die BahnMülhausen—Wesserling führt den Wanderer
in das großartigste der Vogesentäler. Vom Bahnhof
Wesserling aus sehen wir einen breiten Talkessel, aus
dem mehrere Hügel hervorragen. Der schönste der¬
selben heißt Wesserling. Er wird als eine Moräne
des umfangreichen Thurgletschers angesehen. Als die
Gletschermassen immer mehr auftauten und der ewige
Schnee langsam zurückwich, erzwangen sich die brausen¬
den Fluten um den Wässerling einen Abfluß, und ein
umfangreiches Wald- und Wiesengebiet trat an Stelle
des Sees. Hier pirschten die adeligen Mönche von
Murbach, die das ganze Tal seit dem Mittelalter be¬
herrschten. Auf dem Moränenhügel erbaute Eberhard
von Löwenstein, Fürstabt von Murbach, im Jahre 1637
Nr. 5
DEUTSCHLAND 235
das Jagdschloß Wesserling. Heute treffen wir auf dem
Querhügel, der die Scheidewand zwischen Ober- und
Untertal bildet, von einem prächtigen Parke umgebene
Schloßbauten, die Wohnungen der Fabrikherren. In der
Tiefe längs der Thur ziehen sich die Fabrikgebäude des
Welthauses Gros Roman & Cie. hin. Eins davon, ein
hohes Gebäude mit niederen Fenstern, trägt eine Tafel
mit der stolzen Inschrift:
„Erste mechanische Spin¬
nerei des Elsaß'' 1802.
Geologisch besteht
das Gebiet aus sedimen¬
tärem Gestein des Kulm
(erste Steinkohlenperiode),
das von ausgedehnten Gra¬
nitmassen durchsetzt ist.
Interessante Mineralien
und Erze finden sich am
Talhorn bei Felleringen,
außerdem bei Moosch,
St. Amarin und Mollau.
— Auch der Natur¬
freund findet hier die schönsten und mannigfaltigsten
Ueberreste aus der Eiszeit, wie man dieselben so
schön beisammen wohl nirgends in deutschen Mittel¬
gebirgen trifft. Gewaltige Moränen, mächtige, weit her¬
gebrachte eratische Blöcke, abgeschliffene Felsen und
unzählige geritzte Steine zeugen davon, daß das Tal
eine lange Gletscherzeit hinter sich hat.
Höchst lohnend ist das Tal für den Botaniker, der
hier viele sonst sehr seltene Pflanzen häufig findet,
worunter auch Vertreter der Hochgebirgsflora. Auf den
kahlen Kuppen, die aus den bewaldeten Höhen hervor¬
ragen, liegen Sennhütten. In manchen ist Wirtschafts¬
betrieb; aber auch in den andern erhält man Milch,
Molken, Butter und Käse. Eine großartig eingerichtete
Sennerei ist der Beiacker, wo sechs Betten den Touristen
zur Verfügung stehen.
Ende Oktober verläßt das
Weidevieh die Trift. Die
Hütten stehen aber auch
im Winter nicht verlassen.
Sie alle sind gemietet von
den verschiedenen Schi¬
klubs, deren Mitglieder im
Sonnenschein auf den
schneereichen Bergrücken
herumgleiten.
In allen Orten des
Tales finden Erholungs¬
bedürftige Aufnahme. Wer
zur Kur längeren Auf¬
enthalt nimmt, findet Rat
bei drei Aerzten, Wesser¬
ling (2), St. Amarin (1) und Heilmittel in zwei
Apotheken (Wesserling und St. Amarin).
a) Wesserling als Ausgangspunkt zahlreicher
Exkursionen.
Drei große, modern eingerichtete Gasthöfe in un¬
mittelbarer Nähe des Bahnhofes (Wiek, Bentz und
Pfadt). Ihnen gegenüber die Parkanlage Dengelberg mit
lauschigen Plätzchen und Ruhebänken und zahlreichen
Aussichtspunkten (Felsen Malakoff, Blick ins Obertal).
Pfad rechts Ausblick ins Untertal (um St. Amarin die
Orte Ranspach, Mitzach, Malmerspach und Moosch).
Vom oberen Waldsaum nicht selten Alpenaussicht.
Ein anderer Aussichtspunkt ist der Bloßen (Hüsel-
berg, 726 Meter, der Rigi des Tales), ein in der Mitte
des Tales aufsteigender
Bergkegel. Zahlreiche er¬
hebende Ausblicke. Auf
dem Gipfel großartige
Rundsicht.
Andere lohnende Aus¬
flüge sind : Brandkopf
(Waldpromenade), Bann¬
wehr, durch Ranspach zum
Wasserfall Brüscher, durch
die Störenburgallee nach
Mitzach und St. Amarin,
durch Felleringen nach
dem Wallfahrtsorte Odern
oder zum Schliffeis, mit
Fuhrwerk um den Bloßen (7 Kilometer, Fahrstraße).
Alles Spaziergänge, die in 1 bis 2 Stunden zurück¬
gelegt werden können; beträgt doch die Entfernung
eines Dorfes vom andern nur 10 bis 15 Minuten. Und
von all diesen Ortschaften will eine schöner sein als
die andere. — Diese Kleintouren sind beliebte Reise¬
ziele für „Feinschmecker", für ältere Leute, für Damen,
für Spätherbstausflüge.
Tagestouren von Wesserling aus.
1. Treh, 1140 Meter, 2 Stunden; Kammwanderung zum
Hahnen-Brunnen 1 Stunde; Krüt 2 V 2 Stunden =
5 V 2 Stunden.
2. Treh—Steinlebach (Sennhütte); Lauchenweier (Hotel),
Markstein (S.-H.), Brüscher (Wasserfall), Ranspach
(Prosper Müller und Benck, am Bahnübergang^
Wirtschaften), 6 Stunden.
3. Felleringen,Schliffeis,
Lochberg (1010 Meter),
Drumont (1208 Meter),
Tunnel an der Grenze
(Moselquelle, Grenzwirt¬
schaft Mura)Urbis, Wesser¬
ling, 6 Stunden.
4. Felleringerkopf (1226
Meter), Straessel (Senn-
Hütte), Jungfrauen - Fels,
Farm Grünenwald, Sankt
Nikolaus-Wasserfälle (sehr
lohnend), Krüt, 6 Stunden.
5. Urbis, Brückenbach,
Teufels -* Küche (Höhle)
Erzählung darüber vom,
Schriftsteller Robischung, Neuwald, Neuwaldskopf
(1232 Meter), Sechenat-Tunnel, Urbis (Restaurationen
Stierlen und Wassner), Wesserling zurück, 6 Stunden.
6. Mollau — Ruchberg, Beiacker, Mitzach (zwei saubere
Wirtschaften) Wesserling, 6 Stunden.
7. Mitzach, Beiacker (Rasthaus, 6 Betten, saubere Wirt¬
schaft, Molkerei), Vogelstein, Gsang (S.-H.), Roßberg
(1195 Meter), Beiacker, St. Amarin, 7 Stunden.
Krüt mit Ruine Wildensiein (Ober-Llsaß)
Urbis: Grenzort mit Siraße nach der Moseiquelle
236 DEUTSCHLAND Nr. 5
8 . lieber Mollau oder Urbis nach Storkensauen, Grün¬
wasen, Sternsee (Q40 Meter), Rotwasen (1099 Meter),
Urbis—Wesserling, 6 Stunden.
9. Sternsee, Rimbachkopf, Ruchberg, Mollau, Wesserling,
6 V 2 Stunden. Höchst lohnend. (Sternsee neue Schutz¬
hütte.)
10. Ranspach, Mordfeld (S.-H.), Hag (S.-H.), Großer
Belchen (1426 Meter, großes Hotel, Orientierungs¬
tafel). Abstieg nach Goldbach—Weiler, 7‘/o Stunden
oder Geishausen—St. Amarin, 7 Stunden.
Diese Ausflüge werden auch unternommen von den
Wanderern, die in den Nachbarorten ihre Standquartiere
aufgeschlagen haben, z. B. Felleringen mit seinem
schlanken Kirchturm und sauberen Häusern; Odern
(besuchter Wallfahrtsort, Nikolauswasserfalle); Urbis
(Grenzort, Tunnel, Moselquelle); Mineralbad Bussang
2 V 2 Stunden. Postverbindung
mit Bussang und Wesserling
(Postführer Kennel).
b) St. Amarin
und seine Ausflüge.
St. Amarin, Kantonsstadt,
Amtsgericht. Die Gründung
der Stadt reicht in die Mero¬
wingerzeit zurück. Webereien
Gros Roman von Wesserling;
Enveloppenfabrik Vuillard;
Seifenfabrik Schick-Herrgott;
Zigarrenfabrik Lindner; Hotel
Schüller, neu eingerichtet,
neuer Besitzer; Hotel zum
grünen Baum, Zusammen¬
kunft der Vogesenfreunde.
Von St. Amarin aus ist
der beste Aufstieg nach dem
Großen Belchen. Sanfte Stei¬
gungen durch den Herren¬
wald zum Sattel von Geis¬
hausen. Alsdann zur Hager-
Hütte zwischen Storkenkopf
und dem Belchen. Aussicht
auf Belchensee und Lauchen-
weiher. Von dort in 30 Min, zum Hotel Belchen (Tel. im
Hause). Sonnenaufgang, erhabenes Schauspiel. Wunder¬
bare Fernsicht. Alpen tauchen in ihrer ganzen Breite auf.
Von St. Amarin lassen sich auch die Tagestouren,
die bei Wesserling angegeben sind, ausführen. Eine
beliebte Tour ist auch der Aufstieg zum Beiacker und
Roßberg. Anfangs etwas steil, später sanft ansteigende
Waldpromenaden. Eine Tour von St. Amarin aus ist die
über Beiacker, Rimbachkopf, Sternsee, Bers zum Welschen
Belchen (Orientierungstafel), zurück über Giromagny und
Beifort, 2 Tage. Wer die Tour in einem Tage zurück¬
legen will, steigt vom Welschen Belchen zum Stauweiher
Alfeld hinab und benutzt von Sewen aus die Bahn über
Masmünster, Sennheim. (Anstrengend in einem Tag).
c) Das Dorf Krüt und seine Umgebung.
Von A. Litschgy, Krüt.
Krüt (früher Gereuth, Gerit, Grit, Gritt, Krüth, seit
1891 Krüt) ist durch die Verlängerung der Bahn
Mülhausen—Wesserling bis Krüt einer der wichtigsten
Ausgangspunkte für die verschiedensten Touren ins
Herz der Hochvogesen geworden. Im Jahre 1342 ent¬
standen und in seiner Entwicklung eng verknüpft mit
den Ortschaften Odern und Felleringen, erfreut sich
das Dorf einer pittoresken Lage am Fuße des Schlo߬
berges Wildenstein. Ein weitverzweigtes Wegenetz
führt nach allen Richtungen, und eine ganze Reihe
kleinerer, mittlerer und größerer Wanderungen, zumeist
durch herrliche Hochwälder, vorbei an rauschenden
Wasserfällen, sind von hier aus leicht auszuführen. —
Dem Besucher fällt schon beim Verlassen des Bahn¬
hofes ein steiler, urplötzlich aus der Talsohle sich
erhebender mächtiger Bergkegel auf, der ihn zu einem
Besuche förmlich zwingt. Es ist der Schloßberg mit
seinen schroffen Felswänden. Wer ihn nach einstündiger
Wanderung erklommen hat, den lohnt eine entzückende
Aussicht über das ganze obere St. Amarintal mit seiner
wildromantischen Umgebung. Das Schloß wurde am
7. April 1644 von den Schweden gesprengt. Zwei
Tunnels und einige Mauerreste sind stumme Zeugen
jener sturmbewegten Zeit. Unweit vom Schloßberg tobt
der Bocklochwasserfall, bekannt durch die Sage vom
schwarzen Hirsch. — Weniger wuchtig, aber ausge¬
zeichnet durch die einzigartige Umgebung sind die
vielgerühmten Nikolaus-Wasserfälle in fast unmittel¬
barer Nähe des Dorfes. Zu den kleineren Ausflügen
zählen wir dann noch die Wanderungen nach der
Ferme Werschmatt (Wirtschaft), nach dem lauschigen
Plätzchen „Emils Ruhe'' mit wundervoller Aussicht
auf Ebene, Schwarzwald und Alpen, nach der Grenze
am Winterungsattel, ein Rundgang vom Runsche-
tälchen nach dem Uhufelsen bei Odern, über den
Sauwasen nach der Sennerei Schaffert und nach
dem Dörfchen Wildenstein,
Steinsee mit Seehorn, 1220 m (französische Grenze)
Nr. 5
m DEUTSCHLAND 237
Mittlere und bequeme Tagestouren gibt es eine gar
stattliche Reihe und lassen sich überall hochinteressante
Rundtouren zusammensetzen. Wir nennen:
1. Krüt—Col de Ventron—Felleringer Kopf (1222 Meter)
—Drumont (1200 Meter, Orientierungstafel, große
Gastwirtschaft) und hinunter nach Bussang oder
Felleringen oder Urbis und Wesserling;
2. Krüt — Col de Ventron — Felsach (1200 Meter) —
Wintergees — Kleine Winterung — Große Winterung
(1209 Meter, treffliche Sennerei und neue, gut
geleitete Gastwirtschaft), Bocklochkopf und ab nach
Wildenstein oder Krül;
3. Krüt—Wildenstein — Col de Bramont — Lac des Cor-
beaux (Frankreich) —La Bresse — Cornimont—Ventron
—Krüt;
4. Krüt—Treh (1270 Meter)—Lauchensee und zurück
über Markstein nach Wesserling;
5. Krüt — Treh — Hahnenbrunnen — Schweißei — Schaffert
—Krüt.
Eine der lohnendsten Touren hier und in den
Vogesen überhaupt ist folgende: Vom Bahnhof bis in
die Mitte des Dorfes; beim Kruzifix rechts in die Kreuz¬
gasse über den Außenort Sauwasen auf prachtvollem
Weg durch den Wingwald, den schönsten Hochwald
der Südvogesen, dessen Prachtstämme von Tannen den
Reichtum der Gemeinde Krüt repräsentieren. Nach
IV 2 Stunden Sennerei Schaffert. Schöner Blick auf die
ganze Roßbergkette. Bald wieder durch Hochwald,
vorbei an der Sennerei Hüs nach dem Batteriekopf.
Großartige Aussicht über das Münstertal, auf Hohneck,
Schlucht, Drei-Aehren, Hohlandsburg, auf Rheinebene,
Schwarzwald, Jura und Alpen. Auf diesem Berge
(1310 Meter) hatte die Besatzung der Burg Wildenstein
im Jahre 1641 eine Festung angelegt, um den Uebergang
nach dem Münstertal (Herrenbergsattel) zu bewachen.
Vom Batteriekopf nach dem zugespitzten Rotenbachkopf
(1315 Meter), ebenfalls mit herrlicher Aussicht, und dann
nach dem massigen Rainkopf (1300 Meter), an dessen
Abhang die neuerbaute Rotenbachhütte zu finden ist.
(Von hier in 2 Stunden nach der Schlucht.) In der
Nähe die Thurquelle. Jetzt abwärts nach Wildenstein
(Hotel Alberoni.)
Wildenstein, das letzte Dorf im St. Amarintal, liegt
600 Meter über dem Meere und ist erst 1699 entstanden.
Etliche Glasbläser aus dem obern Sundgau und aus der
Schweiz legten hinter dem Schloßberg eine Glashütte
an. Bis zur großen Revolution war Wildenstein eine
Annexe von Krüt. Das Dorf ist zu längerem Aufenthalt
ebenfalls gut geeignet. In der Nähe der hübsche Heiden¬
badwasserfall mit interessanter Gletschermühle, daneben
zwei kleine Stauweiher mit lieblichem Hintergrund.
Ausflüge nach Rotenbachkopf, Hohneck, Schlucht, nach
der Schluchtbahn und mit dieser nach Gerardmer, an
den Seesattel, an den Lac de Blanchemer usw. Die
bedeutendsten Zugänge nach Krüt und Wildenstein
außer der Bahn sind folgende: Vom Münstertal über
den Herrenbergsattel oder über den Schweißeiwasen,
vom Hohneck über den Rainkopf, vom Gebweilertal
über Markstein oder Treh, von Frankreich über den
Col de Bramont und den Col de Ventron.
- Weißenburg* im Elsaß. =
Von Ober-Postsekretär Hermann Wünn, Weißenburg-.
Die Kreis- und Kantonstadt Weißenburg, die nörd¬
lichste Stadt des Elsaß, in prächtiger Lage am Fuße
des uralten, Sagenreichen Wasgenwaldes gebettet, besitzt
in Uebereinstimmung mit den Orten der angrenzenden
Rheinpfalz ein hervorragend günstiges Klima. Den
Gebirgsrand säumen Wälder aus Edelkastanien, alle
Süd- und Osthänge decken Reben, die Felder tragen
Hopfen und in den Gärten reifen Pfirsiche und Aprikosen,
Mandeln und Feigen.
Man begreift es, daß die frommen Männer des
heiligen Benediktus an diesem schönen Fleckchen Erde
nicht so ohne weiteres vorübergeeilt sind. Das an dieser
Stätte erbaute Kloster, welches mit Fulda, Prüm und
Reichenau und später mit Fulda, Hersfeld und Lorsch
zu den sogenannten kaiserlichen Reichsabteien zählte,
war dank seiner zahlreichen Gönner, unter denen Pipin,
Karl der Dicke und Otto II. an erster Stelle genannt zu
werden verdienen, zweifellos eins der mächtigsten in
deutschen Landen. Aber auch die Ansiedelung, die
unter dem Schutz ihrer Mauern entstand, wuchs all¬
mählich kräftig heran, um in der Folge zu einer geach¬
teten freien Reichsstadt emporzurücken. Zum Verhängnis
gereichte es der Niederlassung, daß sie im Grenzgebiete
zweier mächtiger, sich häufig befehdender Reiche lag.
Kampf und Kriegesnot starren uns denn auch auf jedem
Blatte der Chronik von Stift und Stadt entgegen, von
der Urzeit herauf bis ins abgelaufene Jahrhundert hinein.
Es sei erinnert an die furchtbare Verwüstung der Abtei
durch den Herzog Otto von Franken im Jahre 985, an
die große Feuersbrunst des Jahres 1004, es sei erinnert
an die 71 tägige Belagerung im „Weißenburger Krieg"
im Jahre 1469,70, an die Belagerung und Einnahme
der Stadt im Bauernkrieg Anno 1525, an die vorüber¬
gehende Besetzung durch König Heinrich II. von Frank¬
reich im Jahre 1552; es sei hingewiesen auf die sieben¬
malige Eroberung oder Besetzung der Stadt durch die
Mansfelder, Kaiserlichen, Schweden, Franzosen und
Weimarischen im 30jährigen Kriege, auf die Besitz¬
ergreifung durch Ludwig XIV. im Jahre 1673, auf die
Plünderung und Brandschatzung durch den Oberst
Labrosse im Jahre 1677 und auf die Besetzung durch
Marlborough im Jahre 1704. Wir sind längst noch nicht
fertig mit der Aufzählung historischer Geschehnisse, die
jetzt schon ermüdend wirkt. Wir wollen auch gedenken
des Sieges des Marschalls Villars über die Reichsarmee
bei Weißenburg im Jahre 1705, ferner der Einnahme der
der Stadt durch die Ungarn und der Niedermetzelung der
letzteren in Weißenburg durch die Franzosen im Jahre
1744; dann wollen wir uns erinnern der Erstürmung der
Stadt durch die Oesterreicher unter Wurmser sowie der
Besiegung und Vertreibung der Oesterreicher durch den
republikanischen General Hoche im Jahre 1793, und
schließlich wollen wir uns ins Gedächtnis rufen das Wüten
der bilderstürmenden Revolutionsmänner in Weißenburg
238 DEUTSCHLAND m
Nr. 5
im Jahre 17Q4 und den Sieg
der verbrüderten Preußen und
Bayern über die Franzosen
im Jahre 1870. Elend und
Not, Plünderung und Brand¬
schatzung, Tod und Verder¬
ben grinsen uns aus diesen
trockenen Daten entgegen.
Wieviel Orte gibt es, von
denen Heimsuchungen und
Wechselfälle in ähnlicher
Fülle berichtet werden?!
Unter dem Eindruck und
unter der Wucht dieser
Erinnerungen schreiten wir
durch das kleine Städtchen,
durch dasWeißenburg unserer
Tage hindurch. Was kann
noch übriggeblieben sein aus
früherer, schicksalsschwerer
Zeit? Aber wir sind über¬
rascht, in bestem Sinne über¬
rascht! Der Nachlaß an
interessanten Bauwerken ist
größer, weit größer, als sich
erwarten ließ. Aus dem
15. Jahrhundert allein haben
sich noch 8, aus dem 16. Jahr¬
hundert gar 22 und aus dem
17. Jahrhundert weitere 22
Profanbauten ins 20. Jahr¬
hundert hinübergerettet, nicht
alle prunkvoll zwar, aber doch wohlgeeignet, unser Inter¬
esse zu beanspruchen und die Erinnerung an längst
verklungene Zeiten wachzuhalten. Da ist zunächst das
Weißenburg im Elsaß: Denkmal der 111. Armee
(Verlag" R. Ackermann, Weifzenburg i. H.)
vom Alter geschwärzte „Salz¬
haus" aus dem Jahre 1448 mit
seinem übermächtigen Dach¬
stuhle, da ist ferner das Haus
Holzapfel, das wie ein Goliath
über seine Umgebung hinaus¬
ragt, erbaut im Jahre 1475
und noch heutigen Tages
geschmückt mit dem alten
deutschen Doppeladler und
der weißen Burg im roten
Felde, dem redenden Wappen
der Stadt. Da sind die
Häuser Dietenbeck und Schön
in der Wollengasse und das
Westercamp-Museum in der
Johannisgasse mit reichen
Holzschnitzereien aus den
Jahren 15Q8 und 1599, das
Haus Schneider am Bruch¬
staden mit einem inter¬
essanten Erker aus Sandstein
aus dem Jahre 1550. Ferner
stoßen wir da auf das Haus
Vogelsberger am Anselmann-
staden, das noch den Namen
seines Erbauers trägt, des
Landsknechtsführers Sebast.
Vogelsberger, den Kaiser
Karl V. aufheben und ent¬
haupten ließ, weil er dem
König Heinrich 11. von Frank¬
reich — entgegen dem kaiserlichen Verbot — gegen
klingenden Lohn zehn Fähnlein deutscher Landsknechte
zugeführt hatte. Da tritt uns auch das ehemalige Palais des
Weißenburg im Elsaß: Französisches Denkmal
(Verlag R. Ackermann, Weifzenburg i. E.)
Polen-Königs Sta¬
nislaus Lesezynski
in der Stanislaus¬
straße entgegen,
die Zufluchtsstätte
des Flüchtlings
aus dem Osten,
des nachmaligen
Schwieger - Vaters
Ludwig XV.
Und nun erst
die Werke kirch¬
licher Bau-Kunst!
Vor allem die ur¬
alte Stiftskirche mit
dem romanischen
Wehrturm aus dem
Jahre 1074 und dem
neuen, imposanten,
achteckigen Turm,
dessen Helm ein
ringsum laufender,
kronenartiger Reif,
das Wahrzeichen
der Stadt, als archi¬
tektonisches Zier¬
werk umschließt.
Weißenburg im Elsaß: Bayern-Denkmal
(Verlag R. Ackermann, Weifzenburg i. E.)
Nr.S DEUTSCHLAND 25Ö
Wir bewuiici^m dtß intöre^sörite Vorhai^ Jn einer
Gotil^ Äüfgführt ist, die d« r a 1 te n frön zösischen ti ahestehty
ywir bew^^ such den schönen Kreiagan^ irti Nordea. .
in 4^m die Grabsteine der Aebte AiafsteJJung öden
haben- Im Jnnen&n der Kirche ijiderCssiert uns der
ma cht ige K roh! e üchtC e n V orgaftge r der Si a d t
EU ihrem einstaalS'^'jlhirf b^Jkanpifn ^Kron-
weiBenbürg*^ verholfcn Keberh Auch dfi^^ :?JchÖnen Gisjs-
h^alereierv ons deni 14> Jahrhundert unt ,
denen Text imd Kfatere^n der ■ und des
.^HeUsspiegels" ztn VciHage gedi^r^t hßbeßv imd ' lief
ach f en swert, nicht v: rtd r» d er C> la s ge tu ä (de a u ü dettv
t5, Jabrhytidert mit, den ß^dni^sen ihrer Stifter (HÖ7).
Oanz verstccHt heg^ ^ hinten am Wah . die,
e^hgelische Kirche Sh/JjpKdyri nut ihrem müchtigeiy
altersgrauen Dache,., Der
Kwn de^ Bau^s utvd der
Tiim% stö ni m en 8 us der
tömamschen Uebergang
p^ti oda, d 1 e ü br igen Te 1 1 e
aus dem 15. imd 16. Jahr¬
hundert Osterhl:5'J> hcff
l^te hier' der eheinaHge
DöminikanennÖhch Martin
BuC^e der &p li tere Re fpr^ v i-
hia tt) r, des ß 1 s□ ß,: h actt
dem V QrbiId ; Luth e rs eine
Rechtfertrgunigsschnri au; , ^
dift KirchdnpforteBin
Sronje‘Medaillon Bu'cer^^
■ und eine Sandsteipbu^tCf^f
Lufh schtn üc k eh dä.3 ,
Iti n e F e .' j ' ;• G öl te ö 14 ä^s-.' r- ’;,
■;.ßn’t£Ückt ■; ■'Wirti;'., '■ ßfii 'S.
; Fret-tnd, malerische ;'
stad t-Szen e rie n se ln ^ wb n h ^
Lauter ieiulaagV
wandelt. ßciÄ^jnde Bild-
t'hen, Au^schmttej
^yie ttven sie sonstwp selten
findfitp uni da Vör
'Ahgan. Ich dehke an den
Diirchgdh^;vöh neuen
Anlagerr , dth :
Tüfe har höch der isrude r-
■wähle' io,;y^o Si% und ’ im läj«
Wasser die ahehrwürdfgen ' it
Reste der Siadtrhöuer aus dem IS. .Jahrhundert durch-
bfechedV iiih de-rikeTefner:.^in. den Ölh;k ■ Vbh der SchlnpL.
b fiScke a üä n prd wä rts ö de r. u mg ekeh r t i s e hn a n n -
Staden aus «iUdwarlSf auch denke i.ch an dtm
A u 5 bi ick vö n d e r B r Cie ke am ß r u ders in de r it ti ns o vri e a r i
die entzdckendtui d^äTlien längs dbt nltt^n Befestigungs-
reste in der Nahe dCs Wasseriurtps 8m RUscher Tore;
Wit ntfn 8i>er mich die f.tjenkmtder des
Krieges auFsucheru • Sie vut aliön Dingen werden
d Pfe md 1 1 hg i n t ercs^ie r en die Ge den ks f e i h e a u 1 d Cm
ftji^dl ich c?ah egi^nden;: wohigepRog tCn GöUesacker ,tth d '
d t e rag eh den Bf r ht^e ru ng s zel c 1 t eh d a d i tB eh ,a u f dem
Sch Ihchifeltiei ; Auf dem Erledt^ore ^ d esseit G tü her
frönzöfiscKef. :S^ g^emäß m ebenso wirkuhgS'^; wie
stimmcmgsvoÜef Eigenart äind von kostböteh,
l kht^ii G lasp erlenif fä nzen^ finden mr mberi den za hl-
reichen, Buf der ßuhestStle der
Göfe neh; Xfin gf SBer Mb.h \i m epi au s $ te i n; ä g s den
Ifoh^ükfecheh :;$iFe;ite^r.h^^ ?ib: Ebren worden ish
biinte ihm tritt ans Im Schutze ernster !Zypfes,sen die
ft: y h e$ tä t te uh Ifl Uck i Ith en Genie fa Is Ah e'l Do u ay «n tf
gegehv- N dC K e i riig e Sc h f i t te w e it e r und w \t st e hep
vö c^feRi sf hiieh t e n St &i nk re*x«,. d as ?ruh Oedtte 1 > i ü.
geräbifpfiM^ Deutschen aurgenchlel würde. ; / , ’f
,; ihm 0e i dem ah em als h e i'Ü u m,s t ri tt eüö h <,
Art ihinefm Füße igew^ahreri wir, lipks vom
im Felde einen verwitterten Obelisk. Der Pr^mdtingf
der ihn Itir ein Stelhmal deKriegirirt;, nicht
deriv dLLsieren Tode^, sondern dern iebeh erblühten Leben
W'ar et geweiht. Das ■ Monuri'ienf schaut a^\f ein Vollem
S 6 k ulü m £ urück u n d w' ü r d ;e
—gegerr den WiUön der
BLirgerschaCt, fntf Be-
treiben eines übereifngen
FucstendienerSp des fran^
iDsischen Präfekten in
S tm fi buf g, h üf. Ef f
inn^runj^ füP die Gebuft
des -vfKmvip von.
Hjeriog^ von ft eichst adt,
Sohhies des allgewal-
figeih ' K ’ (2Ü^.; M&fie'
101 Th Wenn wir aid"
der Vorhöhe öhf dkömü^^h
^md^ beälchligeit Wir isüf
i'T^t den etw^es pbsi|ifi gef
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^ ösisehe GcsjchöU von
■J^ern; 'des '.V-.: Korps, '■■.et::' •
0 b e rt w y r d e, u n d w ö der
frtuuö^sche .Schlacinenf:
Jetter Oouay Erde ,^önk..
hd ft 0 S Ciha l h u s th 18 SS e n
wif iUhs d 2fmtn er zeigen^
'k,.v„n d..r SrMujaflirückft. ' ■' ■»} welchem der gefabene
■L tfi -■■•'■ ..Gen&mJ’QUlgCbahrt.., wurde;
Die Wand des sc hJ ich len ftaiimeii" SchnVucM das wo KL
bekannte Bdd An;h^n von AVerhers, das uns den er¬
greifenden Momeiü welchem der riftetiiehe
Kronprinz Friednch WUhelnfvon Preußen, der Siegeryon
We i ß e n b urg^ i n :: st ü mn^ er An dö c ht an d er Bäh re des
Ge gn e r s weilt. Ah f d et Dreh P a p pelh ö h e. der h 4ch sl ep
^ Er he bü n g des Gelsber g es, b em e i k en w Ir da 5 ith eh 1 .
dynkrnat der Köpigsgrenödiöre {Nn 7), die am ödisbefgsd
schwere V.ei luste eThffyn haben, Vdn dieser; Höhe aui
leitete Doviny den hier aus übersefirntete^rv
cli die K 1 1gel s pntrAeh d d sen ilo,s Vorgela nde mit
verLlerhct^bringenviem Blei.. Xh;Kb^w'eiter
zum Dynkmal der Itf:. Armee,; e^hien ^ hohen, kreuzt^
gesclunückten Sandsteinsaule/d^r 03 , Fuß Vier prsichtige
ßronzelöw*en unvl ögern^-: EVztä fyin gh den Seiten de^
240 [D
m DEUTSCHLAND Nr. 5
Monuments, geschmückt mit den Brustbildern der An¬
führer, berichten uns von den schweren Verlusten des
geeinten Heerbannes, der Preußen und Bayern. Ganz
in der Nähe leuchten die Häuser des mauerumgürteten
Geisberg-Schlößchens auf, um dessen Besitz sich 1870
ein erbitterter Kampf entspann. Zahlreiche, noch heute
sichtbare Kugelspuren am Hause, rechts vom Eingangs¬
tore, reden eine gar ernste, eindringliche Sprache. Am
Nordabhange des Geisberges stoßen wir auf das fran¬
zösische Denkmal. Es besteht aus einem mit mili¬
tärischen Ausrüstungsstücken reichlich geschmückten
Obelisk aus weißem Vogesensandstein. Ein Genius aus
Bronze mit zwei vergoldeten Lorbeerkränzen schwebt
voran. Auf der Spitze des Monuments reckt sich der
gallische Hahn, der sich krähend ostwärts wendet. Nun
geht es hinab nach dem alten Concordia, dem Stand¬
lager der Römer, nach Altenstadt. Wir nehmen auf
dem Kirchhofe daselbst mehrere Einzelgräber und ein
Massengrab in Augenschein. Das Innere der uralten
Dorfkirche schmückt ein Geschenk Napoleons III., die
Kopie eines Marienbildes des berühmten spanischen
Malers Murillo. In der historischen Pappelallee, die
uns nach Weißenburg zurückführt, nehmen wir zwei
Monumente wahr, beide den Gefallenen des Infanterie-
Regiments Nr. 58 gewidmet, das hier in heißem Kampfe
gegen die algerischen Schützen, die Turkos, beträcht¬
liche Verluste zu verzeichnen hatte. Die schwarzen
Afrikaner hatten hinter der Mauer, die hier ein
größeres Grundstück umfaßt — jetzt Turkomauer ge¬
nannt — Deckung gesucht, dabei aber ebenfalls in
großer Zahl ihren Tod gefunden. Und wenn wir dann
nach Weißenburg zurückgelangt sind, mögen wir noch
vom malerischen Turm an der Schütt (Pulverturm) aus
in die Weinberge eindringen, um auch das Bayern¬
denkmal zu besichtigen. Ganz im Rebengelände liegt
es versteckt, eine schlichte Säule, gekrönt mit dem
aufgerichteten bayerischen Löwen, der den Wecken¬
schild in der Pranke hält.
Wie lieblich liegt doch jetzt das Städtchen, das
längst entfestigte, da unten zu unseren Füßen! Ein
dauerhafter Frieden hat die Wunden einer schicksals¬
schweren, wechselreichen Vorzeit geheilt. Ueber das
Gelände am Geisberg, das so überreichlich mit Blut
gedüngt wurde, zieht lachenden Auges und voll froher
Zuversicht der Landmann seine Furchen. Ernst und
nachdenklich wird er wohl dann einmal, wenn seine
Pflugschar ein kleines Hindernis herauswirft, Uniform¬
reste oder gar — menschliches Gebein, Zeugen der fast
vergessenen, unruhvollen Vergangenheit!
Aber nicht nur die Ereignisse des Krieges haben
dem Städtchen zur Berühmtheit verhelfen, noch ein
anderer Umstand hat mitgewirkt, es vor anderen Gemein¬
wesen auszuzeichnen. Vor mehr als 1000 Jahren ver¬
faßte hier der Mönch Otfrid in oberdeutscher Mundart,
in althochdeutscher Sprache ein umfangreiches Epos,
das er an Stelle des bis dahin allgemein verwendeten
Stabreimes zum ersten Male mit dem Endreim ausstattete.
Der Endreim ist seit jenen denkwürdigen Tagen zu einem
der wichtigsten Bestandteile der Dichtkunst aufgerückt.
Otfrid! Du schenktest der Stätte deiner Wirksam¬
keit den besten, unvergänglichsten Glanz! Als heller
Stern leuchtest du über Weißenburg! Deine Strahlen
haben die Menschheit ein Jahrtausend hindurch erwärmt,
einem Goethe, einem Schiller die Stirne geküßt. Deine
sieghafte Macht, deine lichtvolle Schönheit hat sich
Bahn gebrochen, hat sich eine große Welt erobert.
Metz.
Von Museumsdirektor J. B. Keune, K. Professor.
Lob der Stadt Metz.
Im sechsten Jahrhundert n. Chr. hat der Dichter Venantius
Fortunatus, der am merowingisch-austrasischen Königshof zu
Metz verkehrte, das Lob der
„schönen, strahlenden Mettis"
gesungen, und doch war diese
Stadt bereits unter römischer
Herrschaft im 2. bis 3. Jahr¬
hundert n. Chr., für welche Zeit
nur stumme Zeugen aus Stein
reden, weit schöner und größer
und glänzender gewesen. Und
im 11. Jahrhundert hat der ge¬
lehrte Sigebert von Gembloux,
der lange Jahre zu Metz ge¬
lebt und gewirkt hatte, dieses
in einem längeren Gedicht ge¬
priesen, das viel Rühmliches
von Stadt und Umgegend zu
melden weiß. „Die benach¬
barten (Bischofs-) Städte",heißt
es am Schluß des Lobliedes,
„Worms, Toul, Verdun, Lüttich,
Reims treten vor dir (Metz) zurück, dich ehrend gleich einer
Mutter, und die Mutter Trier (welches damals kirchlich über¬
geordnet war) steht gerne liebreich vor dir auf." Nachdem
aber die hervorragende und berühmte Stadt im 13. Jahr¬
hundert ihr Weichbild um das Dreifache vergrößert hatte,
ohne alle ihre Vorstädte mit ihrem Mauerring umspannen
zu können, und nachdem der
Bischof seine Gewalt über Metz
verloren hatte und die bischöf¬
lichen Hoheitsrechte seit 1300
allmählich an die städt. Adels¬
verbände, die „Geschlechter"
gefallen waren, da gipfelte
Elternliebe in dem höchsten
Wunsch, daß der neugeborene
Sohn einstmals Bürgermeister
der reichen, mächtigen Stadt
sein mög e. Denn zwar der Ober¬
hoheit des deutschen Kaisers
unterstellt, ist Metz freier und
selbständiger gewesen als alle
die anderen freien Städte des
heiligen römischen Reiches und
hat, vom Kaiser im Stich ge¬
lassen, sich allein aus eigener
Kraft mächtiger Feinde zu
erwehren gewußt. Daher nimmt denn auch Metz in schrift¬
lichen oder bildlichen Rangordnungen der Städte im Reich
mit den ersten Rang ein.
Metz: Moselarm am Theaterplatz
(Rückseite der Felsenstraße)
Nr.5 DEUTSCHLAND 241
Als jedoch Frankreich im Jahre 1552 die Stadt Metz
dem Deutschen Reiche entrissen und gegen den Kaiser be¬
hauptet hatte, hat ein Schweizer Schneider aus Solothurn ein
„schönes neues Lied gemacht von der Stadt Metz, wie sie
ist betrogen worden von dem König aus Frankreich'', ein
Lied, aus dem wir folgende
Reime herausgreifen: „(Der
König von Frankreich hat die
Metzer sehr betrogen:) Er
hat ihnen zugeseit (zugesagt),
niemand wölt (wolle) er tun
kein Leid und sie lassen bleiben
bei ihrem Brauch und Gerech¬
tigkeit, hat ihnen's treulich zu¬
geseit, begehr(e) auch niemand
zu vertreiben. Die von Metz
hand (haben) ihm (ge)glaubt,
des seind sie worden ihr(er)
Freiheit b(e)raubt ... O Metz,
was hast du getan, daß du den
Franzosen hast eingelan (ein¬
gelassen) I... Daß sich Metz
ergeben hat, des hört man all
Tag große Not von Weib und
auch von Kinden (Kindern),
auch kann man kein Haus groß
noch klein drei Meil(en) um die
Stadt Metz, ich mein', tut man
doch keines finden .. . Metz,
du bist schuldig dran, darum
ich dich nicht loben kann,
ich muß dich billig schelten."
Denn der französische Ver¬
teidiger der Stadt Metz hatte
die Umgebung von Metz durch
Niederlegung der Vorstädte
mit ihren Abteien, Kirchen
und Kapellen, Schlössern und
Höfen in weitem Umkreis in
eine Wüstenei verwandelt, hatte
die Stadt Metz selbst schreck¬
lich verstümmelt und die Bewohner großenteils aus der Stadt
gejagt. Dieser Verstümmelung folgte aber in den nächsten
Jahren eine weitere, indem der Verstärkung der Festung aber¬
mals ein ausgedehnter bürgerlicher Stadtteil zum Opfer fiel.
Trotzdem, obschon die Stadt diese unheilbaren Verstüm¬
melungen erlitten hatte, obschon ihr Glanz und Wohlstand
verblichen und ihre Bevölkerungsziffer auf ein Drittel — von
60000 auf 20000 Seelen — herabgesunken war, haben aus der
Fremde, besonders aus Frankreich zugewanderte Neubürger,
welche die Hälfte jenes Drittels der vormaligen Einwohnerzahl
ausmachten, sich in Metz wohl gefühlt und mit ihrem Lob der
Stadt nicht zurückgehalten. So hat der Ratsherr Abraham
Fabert, der nachher mehrfach Schöffenmeister (Bürgermeister)
der französischen Stadt gewesen ist, der Vater des berühmten
Marschalls, in einem im Jahre 1610 gedruckten Buch Metz
und seine berühmte Vergangenheit gepriesen und auf dem
beigegebenen Planbild der Stadt folgendes Zeugnis ausgestellt:
„Die Stadt Metz, berühmt unter den Städten Europas nicht
bloß wegen ihres Alters und ihrer Größe und wegen der
Schmackhaftigkeit ihrer leckeren Gerichte (delices de son
assiette), sondern auch wegen der Rechtschaffenheit und Auf¬
richtigkeit ihrer Bürger und als berühmte Schule für das
Kriegshandwerk." In einer im selben Jahr 1610 erschienenen
Gedichtsammlung hat auch der junge Paul Ferry, der spätere
hervorragende Prediger der reformierten Metzer Gemeinde,
den seine Zeitgenossen Bouche-d'Or, d. h. Goldmund nannten,
ein Loblied auf seine Vaterstadt gesungen. Und im folgenden
Jahrhundert bezeichnete der Kgl. Statthalter Herzog Belle-Isle,
der die Stadt und Festung gründlich umgestaltet, vergrößert
und verstärkt hat, Metz liebevoll als sein Schoßkind.
Diese altberühmte Stadt, die bereits bis 1552 fast
ununterbrochen 668 Jahre zum Deutschen Reiche gehört
hatte, wurde im Jahre 1871
nach heißem Ringen dem er¬
neuerten Deutschen Reiche
wiedergewonnen. Das wieder¬
gewonnene Metz war eine
durchaus französische Stadt.
Sprache, Bauweise und andere
Kennzeichen der Gesittung
waren schon damals franzö¬
sisch gewesen, als noch die
Stadt jahrhundertelang ein
Glied des alten Deutschen
Reiches gewesen war; während
der 3 I 8 V 2 Jahre, die Metz
Frankreich angehört hatte,
war aber seine Bevölkerung
eine ganz andere geworden,
und nachdem Louis XIV. und
die große französische Revolu¬
tion der Stadt ihre letzten aus
der reichsstädtischen Zeit über¬
kommenen Eigentümlichkeiten
und scheinbaren Vorrechte ge¬
nommen hatten, war sie zur
gewöhnlichen französischen
Provinzialstadt geworden, die
sich nur durch ihre Bedeutung
als starker Waffenplatz von
anderen mittleren Provinz-
Städten unterschied.
Nunmehr sind 40 Jahre
deutscherHerrschaft verflossen,
und in diesem Zeitraum hot
sich in Metz vieles, sehr vieles
geändert und, vornehmlich im
letzten Jahrzehnt, gebessert.
Sollen wir da mit unserem Lob der Stadt kargen, obschon
in weniger fortgeschrittenen und minder glücklichen Zeiten
geistig bedeutende Männer unser Metz in vollen Tönen
gepriesen haben?
Im Jahr 1894 hat Hermann Freise, ein Alt-Deutscher, der
viele Jahre in Metz tätig war, ein „Liedlein zu Ehren der
Jungfrau Metz" gedichtet, das also anhebt: „Nun rühmt
mir alle Städte im weiten Deutschen Reich: Dich soll mir
keiner schelten, es kommt, und das soll gelten. Dir, Metz,
kein' andre gleich". Wir pflichten dem Dichter bei: Metz
ist unter den Städten des Deutschen Reiches ganz einzigartig.
Und zu den vielen Eigenarten der Stadt, die für jeden
Fremden etwas Anziehendes haben müssen, gesellen sich,
zahlreiche Vorzüge, die nicht vielen Städten gemein sind
Der französische Charakter ist der Stadt verblieben: er
drängt sich jedem auf, der die Straßen der Altstadt durch¬
wandert, die hochragende, mächtige und trotzdem so leichte,
lichte Kathedrale und andere Bauwerke der einstmaligen
Reichsstadt Metz oder Bauten aus der Zeit der französischen
Herrschaft, insbesondere die einfachen und doch wuchtigen
und wirkungsvollen Bauwerke des 18. Jahrhunderts betrachtet
oder nach den reizvollen Dörfern in der Umgebung hinaus¬
wandert; er drängt sich auch auf, wenn man z. B. die sehr
sehenswerte Gemäldesammlung des städtischen Museums auf-
sucht, in der französische Kunst des 16. bis 19. Jahr¬
hunderts so zahlreich vertreten ist, wie wohl in keiner
Gemäldegalerie des Deutschen Reiches, oder wenn man mit
Metz: Kathedrale, Südseite, mit dem neuen, 1903
vollendeten Hauptportal
(Verlag der Neuen Phologr. Gesellschaft, A.-G., Steglitz-Berlin)
Nr. 5 D BUT S CH LAN D
243
wiirdcj ScUSVilioti! di^r Mcrselloh^^cliaft von Mt?U von
ki^Ine ni ton ^ö siscton t-a raktr ich erreich l o der r ii b er-
,:hol^^' in Twit l^ndsc^^^ Schöniwiien F^KTher ■
se^elen neuHclt^ toicK beV die Sfßdt e.Ilerdin^s stäikeren
^rb £^'he eben, Äber auch bi^^?; |?eMhrt Mex.t rn •
Jänd 5iCjh-aiM^c:he r H in s^i c b t, ei n h ervorra endeT Pia Öe 5i*^n :
wird jeder 5kh tie:^ußtj. den Ausblick von der Herr?-
rind fünf aii^QninienbjUt^ndb .ß5?^^ einern vemnzehen
hochI filmenden Pfeiler, bet jö«y insbe&Qhdere tÖ r^SÄmwen-
:ltiangi?nd& Bbgeh tnid Bergiinng eine der b^iöersi?its ^ht-
creb au t e n Btuntien »ru hen, d i e y.ieh ^ e<:hsel des Oe fhlle ?- iu •■■^t
taut^sln üTid de.sddrehßiel 3 ende^(a 5 s$r zxi klärenf^tsthaml^varetv/
&ies si nvi abe r d ie cn lleb^rb ie i bsei d er s i bizen
JRbonerbHuien von Meiste die noch über der Erde iätifthen.
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iicheh Hsi^lshbdeii ■ deoi S tp]^:: dW> Mcltßr^ oder n der ' Mehr i st jn der Erde vergraben, So ihstel dsr heulige Otiite
neuge?ichöffeheh Siraö^ aiisv; gßt:^ die unterbaIb• dhohivhoh der die Stelle einer im 16, Jalith«ndt i? orge ^
Esplanade d»^rch Oertenöhlö^en iddvvhrlH hinriehl:^ Vhid^^ : 1905 eig^e’sbf^mten Schapie H^imnnimt. Huf den
dieser Öf-s-iuß ist dem tlpturiVeund otoe daß et sich iResfen eines lyfjöÖen Amphi iherilers, däs- dem AmpMtheni^ •
ö usf 'Mt Stadl hin au«: %v: bem üJ t e ft geh Öll gt Wßt abe r, vdr» V e ro n h Gr ci ße gl ei ch kam it n d o n w n i|: en Am pKi--
mii Strhßenbahnr Dhmpischdf oder Eisen- ibefib:im nn Urrtfar»g überfroflen war. Die ^^andc seiner Lugen
bfihn^ Fyßwnhderdrig^^^ den umlk^genden Htiben tmd wnren mu auserle^jencmj vcin Gncch etil und;, den g^rVi^chist'heh
febeowktiinuen Dorfe uhternimmL wird riii sinne Mniie Inseln, Afrik-sr, ItaUen be^ogejicn Sieijiarii^ryerldeid^f
rejchUch entschadjg;! werden. ' Mermbrbi \den\ geschmüdfft. Llfti d^h Äe-k-;Schj9iu&fe)hingen
; Eunr SchbjtV fhhij, ein Varzi^pl bb /n erhöhein w ur die; Arene, in der db iCbrhpr^ dfcr <^adi^
gahi besöhiieri hervorgehohen werden^ das bi äethe reiche, und die TbrheUj&n .4rpiitermit Cih^r j^eCnäumeh
mhm- u wechselvotio Cm^chichie, dm tftKr, der Utn-^ VerUeihn^^ oder Versenkung Hille fernes
wütttihgerir die vich hieF vcdlaogen hnbem: mdr ü vielen sich nnf ui\d ah bi*wjc?jgend-b\ kA'rtt^rboden^ üW rasch sh de
p p rtd Denksei J n Jti ark i ge f i Wort en m ' lips sp r i c h t, Au fölhru öj| en imd B ü fm nn v n rwnhdl tl ng an fermögli d\ te.
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Ih- uer 1 er, liherwb\hier IZ i nne nnrJ i eini an d er Slad
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fkidw^bk g^chmückien ßrünpenhüas ieiieie, von wo Udbren
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Jöiuy Aiberbruokte die Leiidcttt. dem" räk‘hV^Tlu>dt der
mditJitigen Bp^ von denen obch bevvijndernBW'^rm Reifte
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.gaben, hmmUarldk-h;.. ixber dfes';y ici^n;?' Arbi^K'.' uhd ' IxHi ü-or
^-Augeri, fuhri^,. mim e-cxv^lmV:
.Kxsuffadx^n.,. MöKUcit, Ja-gtk Mus:ikiioto-n unfi; ..Musl.k,dnu.nnertr-.
• Lvpd Ta'h^J^.t^iDrteTi. Aul feihön:^; sejehexx-. ■Gr'ssbmdbdd.-'^
tro.g.i giH Oien et;' eines jener .sa-higeA - ■ lluhri^l" Mn*«?..
P(AdardaV pMt. k ckhiffkigWl „nic.b sejt \iett
hii >unL h'ijutlj^au I-age'.ube:.rdh;-''de5. Rpf*-;.?!'
erfreiH :tirrd nvich dereh ?^u.cht eijve 4et ÄW’mr h^.n Deut;^
■ Tor my d' S'elf.ler.nbxmd M .S ■ 't-^52.-. \uri en Vx».rstadta
. hei. mxmT;':'fCha* } oivp■|E^^.+ di L ■ Kapöxmc*risifä) ■.
Metxer G^l'n^itKh* wxtr aber diUtuolS; nicht srht>n am
Bj-lf^-;- rfelri^emeibd.ong^^.f«mdhiTber,: Vö.rortt^ ■'’j;« -. Ende, s’ondefn
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LxithTingwi hinaix^ urid reich« ÖrK
affehi -yp'n.-di*rw'H-. V'i M . .hoc.liL■ fortläibfenj:''■ %'■ ^ de- tr^desson ;sc.hdn ■
Jf^htrh'mkle-rtejLWie selir die '
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tat fganPiiTirti^p. h ts-tien, hak u n h“hx lif-e fi 0 ö iie tv ere^htuD ge n ^
244 DEUTSCHLAND Nr. 5
Verzierung-sweisen, Handelsgegenstände, Geldstücke, deren
Heimat und Ursprungsland Asien oder Aegypten oder Italien
war, sondern auch außerhalb der Metzer Gaugemeinde
gefundene Weihinschriften und Grabsteine, welche vorüber¬
gehende oder dauernde Anwesenheit von Mediomalrikern
bezeugen bei Trier, zu Mainz, in der römischen Ortschaft an
der Nidda bei Frankfurt a. M., zu Baden-Baden sowie in
ländlicher Gegend im heutigen Baden und Württemberg, in
Frankreich zu Bordeaux, Lyon, Autun, Sens, sowie im Badeort
Bourbonne-les-Bains, im englischen Badeort Bath, in einem
Tempel auf der Paßhöhe des Großen St. Bernhard in den
Alpen, zu Mailand und in Rom.
Im letzten Viertel des 3. Jahrhunderts n. Chr. wurde aber
Metz, eine vorher offene Stadt, befestigt und zugleich mit
Rücksicht auf Gelände und Verteidigungsfähigkeit verkürzt.
Damals wurde außer anderen prächtigen Bauwerken auch das
von der Stadtmauer ausgeschlossene große Amphitheater
niedergelegt und eingeebnet, um zu verhüten, daß die An¬
greifer sich seiner als Bollwerk gegen die Festung bedienten;
es wurde durch eine kleine Anlage innerhalb des Mauer¬
ringes ersetzt. Auch die großen und bilderreichen Familien-
grabmäler wurden damals auseinandergerissen und ihre
Blöcke mit Architekturstücken anderer Bauten in den Grund¬
mauern der Stadtbefestigung verwertet.
Im vierten Jahrhundert erstanden die ersten christ¬
lichen Gotteshäuser, und zwar zunächst, wie anderswo,
außerhalb der Stadtmauer. Ein innerhalb der Stadtbe¬
festigung gelegenes, dem hl. Stephanus geweihtes Gottes¬
haus diente den Bewohnern als Zufluchtsstätte, als die
Hunnen unter Attila, durch die wohl in Verfall geratene
Mauer nicht aufgehalten, am Karsamstag des Jahres 451
in die Stadt Metz eindrangen und sie in Asche legten.
Einige Jahrzehnte später ist es mit dem Römerreich
hierzulande zu Ende.
Das fränkische Metz.
Den letzten Rest des weströmischen Reiches in Gallien
hat der Frankenkönig Chlodwig aus dem Geschlecht der
Merowinger im Jahre 4Ö6 erobert. Hierdurch kam auch
Metz zu dem germanisch-fränkischen Reich. Als Chlodwig
im Jahre 511 gestorben war und sein Reich unter seine
Söhne geteilt wurde, wählte der älteste Sohn, Theuderich,
dem das östliche Teilreich „Austrasien" zugefallen war,
Metz als Hauptstadt und Herrschersitz. Nach kurzer Ver¬
einigung der Teilreiche wurde Metz im Jahre 561 infolge
nochmaliger Teilung wiederum zur austrasischen Haupt¬
stadt erhoben durch Sigbert I. (561 — 575); seine Gemahlin
(566), die schöne und kluge, aber herrische und rach¬
süchtige Brunhilde, deren Andenken noch heute im Volke
fortlebt, hat auch als Witwe die Geschicke des Landes
lange Jahre beeinflußt, bis sie im Jahre 613, an einen
Pferdeschweif gebunden, grausam zu Tode geschleift ward.
Von dem austrasischen Königspalast ist nicht einmal die
Stelle, wo er gestanden hat, mit Sicherheit bekannt. Die im
letzten Drittel des 6. Jahrhunderts erbaute Bischofskirche ist
bereits im 10. bis 11. Jahrhundert durch einen Neubau im
romanischen Stil ersetzt, der selbst wieder seit Mitte des
13. Jahrhunderts unserer gotischen Kathedrale Platz machen
mußte. Dagegen ist noch großenteils erhalten eine Kirche
der merowingischen Zeit, St. Peter auf der Zitadelle (jetzt
militärische Brieftaubenstation), woher die kunstgeschichtlich
sehr bedeutsamen Bestandteile einer Steinschranke des
7. bis 8. Jahrhunderts stammen, die durch Se. Majestät den
Kaiser dem Museum der Stadt Metz überwiesen sind.
Das Erbe der zu Scheinkönigen herabgesunkenen Mero¬
winger treten deren früheren Hausmeier (königl. Minister), die
Karolinger, an mit König Pippin (751 n. Chr)., dessen Sohn
Karl der Große (768—814) war. Dieser hat außer anderen
Angehörigen seines Hauses auch seine auf der Pfalz zu
Diedenhofen im Jahre 783 verstorbene zweite Gemahlin
Hildegard in einer vor den Toren von Metz gelegenen Abtei¬
kirche beisetzen lassen, die seit 717 dem hl. Arnulf, dem
Stammvater des karolingischen Geschlechts, geweiht war.
Diese Kirche lag bis 1552 auf einem infolge der Stadt¬
erweiterung eingeebneten Hügel, der zuletzt ein 1791 ange¬
legtes Festungswerk, die Lünette d’Ar<;:on, in der Nähe des
alten Hauptbahnhofes trug. In dieser Kirche hat auch der
Sohn und Nachfolger Karls des Großen, Kaiser Ludwig der
Fromme (f 840), neben seiner Mutter Hildegard seine Ruhe¬
statt gefunden, ebenso spater ein anderer Sohn Karls, der
Metzer Bischof Drogo, der auf Geschicke und Gesittung der
Stadt Metz einen großen Einfluß ausgeübt hat. Der Leichnam
des Kaisers Ludwig ruhte in einem aus Südfrankreich nach
Metz verbrachten, mit altchristlichem Bildwerk des 4. Jahr-
Metz: Reste der römischen Wasserleitung in Jouy-aux-Arches
hunderts geschmückten Marmorsnrg, der 1552 mit den Resten
der übrigen Karolinger nach einer innerhalb der Stadt
gelegenen Klosterkirche (jetzige Turnhalle der Kriegsschule)
übergeführt und während der Revolutionszeit versteigert und
vom Ansteigerer später zersägt wurde (Reste des Bildwerks
im Stadt. Museum).
Durch den Teilungsvertrag von Verdun im Jahre 843
wurde Metz dem mittleren der damals geschaffenen drei
Reiche zugesprochen, das nach seinem Herrscher Lothar
„Lotharingia'" genannt wurde, also einen Namen erhielt, der
noch heute unter gänzlich veränderten Verhältnissen im
Namen „Lothringen'' fortlebt. Der Vergleich zu Meersen bei
Maastricht im Jahre 870 löste das lotharingische Mittelreich
auf und teilte die eine Hälfte dem westfränkischen, die
andere Hälfte dem ostfränkischen Reich zu. Damals fiel Metz
und das Metzer Land an das ostfränkische Reich, das
Nr .5 DBUTSCHLÄNB 243
häUpt$äcWkh deüt.>Lhe>r Zun^ii^ yirli ^u-
samnieriseUtB? im?! giessen d^sui^tJyer KiirHf;r sphk?r diiuc^rnd
4ie von jm (^OÖ erh^iierle römischt^
Kuiserw'trdp
Ab' tiuKh Obiiiciötht’ der dtnitudi^iri iCöhiii'B
üjrd "i^f^rriinipf^Si. vi'Ordeiv wnTej\, sieh an das
ivestitöT^^^chifv y CiIrisch:'
iTftTizösb'th^ JRddt i^y. ^ .
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Ha n% c iS ? d e* ’ t-iit'.H i^ -ly <>h li
l IpüriFieJi ii juit Wüffefsi>'wöi^
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>eü\hart^n Ahgreh'^>ji'!'*r^. btidi^.n '
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^j?t.k>rbix>cli.jeri l■](rp ii, Jti■
oder Deu t srhen w.^u pn
^;etj>e:^evvohpef nach wie vur ko-
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■#irA df r Klrj;Fvo Sr.' Ihir^^r,i>] u' d-i?T e ■ ^u ' }VIp t ■/;
-^ ,' ” jVH'li.'- ■
Sehedn sein/ iuit 55wd SdhldsseiTi nU^'gea^tuUel
iii fl S ch [ h^Sidu. bii n U ehe r d U rk imde tV-'
sciriVide jö engui^eh^u Bdanner dftr PiäVi’e^h 4i^
,, di ?:. k U bi ch r; ; iihid je der vdu i 1 f u ers hfl t :S der
behfef Veru'dhn Äuf^terderu ^her wnidflh - Von
den (Mfurdk Möiores) der drei üiijiib
auf Grund : der Ate-
jiieMun^un: VetssuiehmsscF über den
Weuh^sui im Cfcindhe^ii^ geführt^
die Rrmiiti^^l^rvnA welchen tierh
ei Fl f V? 1 i de r ibii irgiin ge urh e Iten k t
und mtiaige Aubchlüsse übet die
in i 11 e] s kerh uhe.ö Verl i ät in b se d^r
Stfldt- MetZ: gibt •■
Um die Zeih dö diö Metier
ihrers Bischof d Aspr^ihituk:
der Stfvdi i^ertriebe.n
fäJ Ii rch di P r 0 Ö e Au^d ehi\ti rig-
de^ Mhur?rHMr >’0 äurc h die vor
_ den . ■ b i sbnrirg^iV ■: Stadtma o u rn u'r^
maneu^ ihre SEjfuchc fran^fi^i%eh. ; r.,
Meo als bischöllK..ht?, ihm iteh Stivk des
1 ^ fl ' j h-t^idcciohir/ijgf^u und gegen fejuöhch^aAn^ri^t^estihlitzrwiirdam
OöUtsCn&r) H.Gi.Cu'ßSi--'.•■ r. ^-■_ ■ .• • ..;. ■/,.•■■■ ..■■ 'Uütdi-dtefeF 'Sn^dfervvr;^^^ wurde “■ vcir
Dse,^eCfj(ghk^ie de.^ .de-S dcuj^schco K.hfd^ üEid -,' mH dero daJ
KflHer$ r.a ^KHr üfuicih dV^■M^:h,^e^ Oumts. tiiu^yen, gir^rh;' .hA)ibjc^o;^iK^frfit'd 0tirch dteilen.K soltle
rl p n ,ech ti?.ft :;d p r./.h^ts:^ rtjh h :>fi 0 tid t'fc. h'£i:_ i- b r j la de’’i 5^ 0 l :-
iunider;au l ? s■' 'VO'O ’iber-. E>iC'Ser ^dhb^T-
volUoj^ i^kh' Fn'f MrSj.gr tihdtolr Ad-uibpL*:! h ^-b^PQV f-. Cfcd
unter OilP ’bv dent. ürnfeu-. r Mnseufii,- f3f^.'*.f Sjüdt- -be.-r
^;f nt £ine k os tbn r fr :S ^ a h vb hi ir:r f-i\ i.
itv wHchprdcr Um's
: gurvjf ,Enk: Bhg:h>tihiUk;:fiv.^ln: •' *' '** -'rS^
f ir hl nt ßi di e.^-a s ^ £ ii V' ;,i; ^ 'ui i t Ug h ri 1: t
J:.^i-kun.': c? eOK' n.; -.h t. !'• i ; / ■ ’ j.:-•: • -. t -. j ■ ?
hni- -ilr-A-b-hi ■''' 11 Jlf ’'f ^^ t
IIi!|lll® i)'M ßf
-.1^ä ch 'dlü• S 1 wn)n.'" mH' 'Vor-
ve ch f eÄ-'.: Jj;nd ■ Frgiiuit b'U • b.K h.; ■ S
erüwihk^cdAß. teile:
ß<? r t rani ■' 1 'Z i
um dja. ■it.ndiis/.’h'f?
gemocht
Wahl
nnchwfnt^feMF^n;
ibeanilau;
S ch o ffcAi^fö.i ;■ hdt?’r hifIiuurm u b f.,grs i ;:
der ifh- RüHfec.&hoJfciv
VörsiiÄ . i'ühxte.-: ftfoiifeh: ^^vdk: -durch;
•seehH .- hafte' ghiif.kiclw-;'
\mh XVh ri ■. d.k?' ri ridVrh' c]vn. ^bsb ^’'>Jf''4': •. d g r..
d reiz-jehh' :. G^.icitwdrh'm.:'< i :- PiM+n lA^' I t>H.r
■-ffjTi't iitschor
Hisrhoi' jgiii-in'
■■bor.hoi:jkvuti^-.?t.ut^ikk» •■ .r>iukt_.*gXjhv tdre^ .
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Zii. Kdiit VtVlt^rirtubr Ih ika
i urn im ■ • ■ Gel ^m] u?it.'_ ■ crh.r.i,hr■ ■ bat • . t'r . - ' tinhe ti . jVdt -i- l?rrh> -y ^\ -'seo fl.
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ahgexjrdlt 'w+Vren, ■ fu »fhVer VI •■.iZ. vo-i^v- bi^r.h'iirnrts^'g.sttdfkrd
119Ö voitj devEl^rhen Khro'g hgsial%Vic^A UiR^ br.inmvul;
du Ö r A hs tfi I kl fl g d eg bt^iher 1fech t ^ st i t g t ten A''C?ri rüge
schrinlieh ■ftii'igtiferligi .u;h4^in -itjih’iun.'SrhreivE- nuhtunVAdi['I w^irrderi■
ijuklt'n. Zu diesem-':: /'ihr ■; •,-j.e^‘--hi • ’B-VtrrbwÄcrk ,■ uSti■
c:iu ^V'rüur^^ f-■. t Jhjirj: :ijri.■ der .r^äavheken -Steile'Air?etzt
I Tdon ■; ■ f 11 'y 1 mf' tt hkeif r-rmc J hrh -.fl n . dt e'- f Q.mi3:n ■ te
fy^rfSüvjfvA'" ’'thV:tirdk-^r,di^^ SttU^Wvdte h\ ,dk:
iif. 11C. t, uV*:i *. ;'E?;idos.s^’ht; .'tfe' /Vie.h-lVhVtgrt.kitche,
(Sf, MuT ü t ■■••■r^kUin:h>j . ‘uj^^-ci. rht i^fuiu.öler
k j-f'i u kg t'U.j'i ■• dtd vii ’hVfl er^f-flu m; • -«n civ' '■ ö a-';
l urng-.li c i:i;'. /ttech ■ ■• e.in g. A hs/eXd-uBn i.ö-vtp.r
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Äj-json) g.?:nvi^ihfc-:. erhefend
• {■ { di e- W’Hriu^rEg' dkk'In'hhur-'Ji
ü- \j e r d i i? j i l edrig-e r+ ■' S eit c/hi Oe • b't h m.fä-i
dAs. 1 \ii I ip IStbiff ■ hl 4 .te , Hdfeieit.:’: ,.'^h
1 1^0 l} oH I .?iiI. en - ■. Kirfb en-s^chitfen .■.; :?äbh.
f4V^7.0 -•^del-er>der Btodrtich
(.Bf d'u.r^k^ei r, ■' ä €s •■' .Riisdhtek^k/ • w#.d,
■flb^r: ypT bI/- em' er^idi dkrtili;.;d.m,. /bei
lieintfih■ • / hudhr^n- . '■ "in -gieiehe-hi
MhUß-/uodi.ÖMt:' .^{drbhtKuTiflj.mttdurth^
. gflrTtitrie- Ayiki.^^ug. //der • g-e'Wfthiireh'
\K-5irLdfhirhrijr-:/. tn-- ■F'e^kfir^rh;/.:;i>i^
Querhtius imd in dt'T iiihdgr
dem T.^* ' J.Qhr.huivdert .'/an'^gegfhltetert
siid] rc [ i en Shhfn qIw < to'd. :■;■ ■/.:■-. ■/ ^-■,:: ;■ ’■ ■'; /
hh^t- hüF'h a.ud.ere, klein'hf t^-Kirrhek
vy tsr^iki ■; ■ :^gXt/-:. d^-r-'" .-^4^ I k des./ (3.. ■ d ö h r-
rhnxid/ei'it:^ ■/•jrr-dgiti -StU' 'jermr- Ztvtl mo“’
dhroen Stü vier frauriiVkdrffi CnVilt nou
/ijTehiftjtV- ■ Viuej^nz^. St. Sego^.
ie'^j/J - -ß ^ .Mt:7n- fVses;e- reg.g Sru11a11 gk eo • - isi ^ e-iu ■ .Zeit^rn's.
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h>it jsrdfTtcK uu Vor-ihn- :nü •den'^^Ä-orM-fv|rte' d.eri. lö, i^ht^
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und; VtT^wnitijn^r Recitdi^^iUpiidwlimja;. ■üTki:i?-''’
• ■' icrM:tbitd)C;s .Ge:pf:3^k‘i; • .■'.^k'^-dhotVvvd'^hkfek^^ l'L iri vto’i' rlte('OT«che>i.'
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^V ottöd^ 4ii ufTTpl änstt»kif: St b^i^Io hlieb^u si nd,
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.-Mit^^hwk^^'^^ heSiahdi*n, SßlcrhörtyS^Bpn^r^iKn^ b^Sc^plßries")
^öh y s Jfdwu 14- - TiHe bet)jiity’QT[dst^rV. tf^ör^^£> die Ausi&cktiss^ ,
■';i';;i^'fit^de'%';'g:-ü&'r^^ ,dös ■ is't '-'deir'
löiny;ärat-;dor ^ dJ^ Fürsorg-^ fdr
-d i-ö St/tdtbii?bltJT'd der de ■ ‘l§ Jfl)äkAW*'^
das ^ .
r>ef Herr .der Sincit nad dtij;
G ob Le (Ci; wer jedhöb der Kaiser. DieüftO hbte seikt! C)ber^
itohok >ufiftiUcJbat: nhi; ^lütt^Vkd einer AbW^s^hltek ipi der
: > U cii-'h sstadt. Hei einein: sdichen
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jii ^eradezti vorlelZi^nde
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■sdrb<-^b' ■' ■-.AtgTA'oha
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^tt ei'ryo r ,, .Reptdii;®:'■, :'d*-ift-'-s^bich, -z-dyn .
e.hbr^i ,oifer, dnfe - Kiäcs.exr bü-t;.';
.vf iiye ’ScWm.fl'LrtOriil.ht .■ IdÖt''!'■■■' iKüfth-b;-
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Hi h 1!].^ sem Si^hi-n Ma^Ehnilhm fmd fiehkf.'^lMVb dtVliArtl Kas^l Vv
I/ui jil ivor Tihdtvbh^ ki^rw^rbt-hea Ho^j^rhe durch dioilamit
■ ■ vt'fi h ü ] > i t ea Fi^s HK: i i ■ r-^yinn h 1 1 tke I iTfil 41levbi’^^Xe tU r
dir Siiidi seV k'j»st,'.ip^ektr warvnr sCfAderu. nycb dhi:; Kaiser
det St^f^li-, wrenT"! y-o zu lordeT'n t
Atvi.z-sicii seiue So^rvergnt?-
Jif'rk rdin iu der daß {wie es uv emer
. dOfn ivdip 1414■"■ticibt) es keinen ■:^üretv.-
irieu' Api^) .■■ltii>>jit1'i:;..S"äidrie.s Merrn slelit, .-Die--
sW ]t^^fh:hteu^r*;ioh Ai4fr Auj^Tike hat
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\ Seit dt^m S.^: Ar.htKtindt^rl war Meu mil dem luvtehdriy^en
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Nr. 5 DEUTSCHLAND 247
Erb« und Erzfeinde waren die Herzoge von Lothringen, die
bald mit Gewalt, bald mit List sich in den Besitz der reichen
und vielbeneideten Stadt zu setzen suchten. In den Jahren
1323 bis 1326 hat der lothringische Herzog im Bunde mit
dem Herzog Johann von Luxemburg und König von Böhmen,
dessen Oheim Erzbischof Balduin von Trier, sowie dem
Grafen von Bar Metz bekriegt. Dieser nach der Zahl der
teilweise bei den Metzer Bürgern verschuldeten Angreifer
benannte „Vierherrenkrieg" endigte mit dem „Heringsfrieden",
der also heißt, weil von den Metzern gespendete Heringe die
Friedens « Abmachungen be¬
schleunigt haben. Vertreter
der Stadt Metz hatten sich
nämlich nach Pont-ä-Mousson
begeben, um mit Vertretern
der „vier Herren" über einen
Friedensschluß zu verhandeln.
Es war in der Fastenzeit,
und die Metzer hatten daher
frische Heringe als ihre Fasten¬
speise mitgenommen. Die Ab¬
gesandten der vier Herren trafen
sie beim Essen und äußerten
ihre Verwunderung, sie so gut
versehen zu finden. „Was?",
riefen sie, „wir blockieren eure
Stadt und halten die Straßen
gesperrt, und nun schmaust ihr
Heringe, während wir keine
bekommen können?" „Nun
ja", erwiderten die Metzer, „ihr
bildet euch ein, uns die Straßen zu sperren, wir aber sperren
sie euchl" Da baten die Abgesandten der vier Herren um
ein halbes Dutzend Heringe, um sie ihren Herren anzubieten;
die Metzer aber antworteten: „Da habt ihr hundert, die mögt
ihr ihnen von uns bringen." — Infolge der riesigen Geldopfer,
die dieser „Vierherrenkrieg" erheischte, wurde im Jahre 1326
behufs Tilgung der Kriegsanleihen bestimmt, daß bis zur
völligen Befriedigung der Gläubiger der Stadt eine direkte
Verkehrssteuer erhoben werden solle, u, a. vom Verkauf
der verschiedensten Erzeugnisse und von urkundlich über¬
tragenen Vermögenswerten,
also bei Kauf und Verkauf
von Grundstücken, Schuld¬
verschreibungen u. dergl.
Diese vernünftige Maßregel,
die den Mißstand, alte An¬
leihen durch neue Anleihen
zu tilgen, abstellen sollte, er¬
bitterte jedoch das Volk und
erregte einen Aufruhr. Daher
ist die Steuer fallen gelassen.
Doch wird in den Jahren 1384
und 1353 auf jenes Gesetz
zurückgegriffen, und später
wird die Steuer eine dauernde
Einrichtung. Der als oberste
Steuerverwaltung eingesetzte,
bereits erwähnte Siebener-
Ausschuß erhält ein kleines
Siegel, „bullette", um dem
Steuerzahler eine besiegelte
Empfangsbestätigung auszu¬
stellen, die den Gerichtsbeamten gegenüber als Ausweis dient.
Noch diesem Siegel heißt diese Verkehrssteuer „Bullette", sie
entspricht durchaus dem französischen (in Elsaß-Lothringen
bis heute beibehaltenen) „Enregistrement". Der Sitz dieser
Steuerbehörde, das Hotel de la Bullette am H. Kreuzplatz,
ist noch erhalten, nur ist der Bau teilweise umgestaltet. —
Nächst dem „Vierherrenkrieg" seien von den Kriegen des
folgenden 15. Jahrhunderts nur erwähnt der Angriff im Jahre
1444, bei dem der französische König dem Herzog von
Lothringen als Bundesgenosse zur Seite stand, und der vom
Herzog Nikolas von Lothringen im Jahre 1473 gemachte
Versuch einer Ueberrumpelung der Stadt, die aber durch des
Bäckers Harelle Eingreifen vereitelt wurde. — Das Jahr 1552
macht den Freiheiten der Reichsstadt Metz ein Ende. Uns aber
erinnern noch an die reichsstädtische Vergangenheit Bau¬
werke, welche die Zerstörungen
überdauert oder der Neuerungs-
Suchtstandgehaltenhaben. Daß
der hehre Bau der Kathedrale
großenteils in diesen Zeitab¬
schnitt fällt, war bereits gesagt,
ebenso der Ausbau anderer
Gotteshäuser. Die Stadtbefesti¬
gungen wurden verstärkt, so
auch das nach der benachbarten
Niederlassung des Deutschen
Ordens benannte „Deutsche
Tor", genauer: Deutschherren-
Tor (Porte des Allemands).
Denn in den Jahren 1445 ff.
wurde vor das alte Tor auf der
Landseite ein starkes Außentor
mit spitzwinklig vorspringen¬
dem Zinnenbau zwischen zwei
Türmen vorgeschoben und mit
dem rückwärtigen Torbau durch
einen von Bogengängen eingefaßten Hof verbunden. Aber auch
manche Wohn- und Warenhäuser aus reichsstädtischer Zeit
sind noch erhalten, freilich vielfach durch Umbauten entstellt.
Im Laufe der Zeit verändert und entstellt sind auch größten¬
teils die Bogen am Ludwigsplatz, der seine alte Bezeichnung
nach den Wechslerständen, den Vorläufern unserer Banken,
seit dem 18. Jahrhundert verloren hat. Wie dieser Platz, so
war auch der größte öffentliche Platz der Reichsstadt, der
am linken Ufer der (alten) Seille gelegene Champ ä Seille
(Saalfeld), der an 10000 Menschen Platz bot, ringsum mit spitz-
bogigen Lauben umrahmt.
Diese Bogen sind verschwun¬
den, der Platz selbst seit
1726/31 mit Kasernen be¬
setzt. An die ehemaligen
Verhältnisse dieses Platzes
wie anderer Stadtteile und
Bauten erinnern aber die in
den städtischen Sammlungen
ausgestellten Bilder von Alt-
Metz wie die hier geborgenen
Architektur - Reste und In¬
schriften. Von diesen letztem
verdient eine hierangeführt zu
werden, die an dem Tor des
1552 vernichteten Stadtteils
angebracht war (jetzt in der
SammlungimDeutschenTor):
Si nous avons paix dedans,
nous avons paix defors
= dehors,
in deutscher Uebertragung:
Wenn wir Frieden haben drinnen, haben wir Frieden draußen.
(Der Schluß mit den Abschnitten, welche die französische
Stadt und Festung Metz, 1552 bis 1870, die Schlachtfelder
um Metz und die Einschließung der Stadt im Jahre 1870, die
Sammlungen der Stadt Metz behandeln, folgt im nächsten Heft).
Metz: Kathedrale, Westseite
(Verlag der Neuen Photogr. Gesellschaft A.-G., Steglitz-Beilin)
Metz: Deutsches Tor
248 DEUTSCHLAND Nr.5
Elsaß^Lothringen als Weinland»
Von Prof. Dr. Paul Kuli sch, Colmar i. Elsaß.
Ja, ein Weinland ist es, unser Elsaß-Lothringen!
Von wo dich dein Weg ins Reichsland führt, Wanderer,
überall begegnest du alsbald den „Reben'^
Wo in der Hochebene Lothringens Taleinschnitte
wärmere Südhänge schaffen, an den Kalkbergen des
Sundgaus auf dem Wege zur Belforter Pforte, in den
Vogesentälern, hier fast bis an die Grenzen des Acker¬
baues hinaufsteigend, selbst auf weiten Strecken der
Rheinebene, wie in der alten Reichs- und Weinstadt
Colmar, blüht seit alten Zeiten der Weinbau.
Die Perlen aber im Kranze unserer Reborte findest
du an den sonnigen, heißen Hängen und den Vorhügeln
der Vogesen, von Weißenburg bis hinauf jenseits Mül¬
hausen. Zwischen Schlettstadt und Molsheim im Unter-
Elsaß, von Colmar bis nach St. Pilt im Oberland ver¬
breitert sich dieser Rebengürtel zu tiefen Weinbaugebieten,
die man an vielen Stellen erst in stundenlanger Wande¬
rung durchqueren kann. Du hast sie zu deinen Füßen,
wenn du von der Hohkönigsburg nach Norden und
Süden den Blick schweifen läßt. Dort umfaßt du mit
wenigen Blicken das herrliche Waldgebirge der Vogesen,
an dieses sich überall anschmiegend auf viele Stunden
Weges nur Reben und wieder Reben und darunter
schließlich die fruchtbare Rheinebene. Ein Landschafts¬
bild von seltener, ganz eigenartiger Schönheit!
Das ist das echte, elsässische Weinland, wo auf
weiten Strichen alles wirtschaftliche Leben im Weinbau
seine letzten Quellen hat. Auf den Weinbau in erster
Linie baut sich hier der Wohlstand des Volkes und
eine Jahrhunderte alte Kultur auf. Die Weinorte vor¬
nehmlich sind es, — man braucht nur Thann, Kaysers-
berg und Oberehnheim zu nennen — , die, umrahmt
von Reben, mit ihren Kirchen, Bollwerken und den
Zeugen einstiger Blüte des Bürgertums uns so viele alt¬
ehrwürdige und zugleich entzückende Städtebilderbieten.
Mit seinen 32000 Hektar Reben ist das Reichsland
das bei weitem größte Weinbaugebiet Deutschlands.
Bei der Ergiebigkeit unseres Weinbaues kann Elsaß-
Lothringen in günstigen Jahren mehr Wein erzeugen.
als das ganze übrige Deutschland zusammengenommen.
Und doch: Wie wenige von denen, die zum ersten
Male über diesen Rebenhügeln stehen, kennen den
Elsässer Wein!
Verschiedene Umstände wirken hier zusammen.
Das Elsaß ist nicht nur ein Land der Weinbauern, sondern
auch der Weintrinker. Wein ist noch heute, namentlich
auf dem Lande, in den meisten Ständen ein fast täg¬
liches Genußmittel. Man trifft in Deutschland kaum
einen anderen Landstrich, wo alle Standesunterschiede
gerade gegenüber dem Weingenuß so völlig verwischt
sind. Die den Elsässern mit Recht nachgerühmte frei¬
gebige Gastlichkeit gebietet es, keinen Fremden ziehen
zu lassen, ohne daß er den Wein im Keller, einen
,,gueten" Alten, versucht hat. Der Elsässer lohnt auch
den kleinen Dienst, sei es dem Briefboten oder dem
Kutscher, mit einem Schoppen Wein. Für viele meiner
norddeutschen Landsleute wird es etwas ganz Neues
sein, daß selbst draußen auf der Rheinebene, wo
gar keine Reben wachsen, bei der heutigen Leute¬
not eine Hauptsorge im bäuerlichen Betriebe die
Beschaffung eines ordentlichen „Trinkweines" für
Gesinde und Arbeiter bildet.
Elsaß-Lothringen verbraucht daher in vielen
Jahren mehr Wein, als es selbst erzeugt, nament¬
lich an den billigen Weinsorten, die das Volk
trinkt. Deshalb ist der Weinbau des Landes
auch jetzt noch vorwiegend auf den örtlichen
Bedarf zugeschnitten. Noch mehr traf dies
vor dem großen Kriege zu. Auf dem Markte
Frankreichs hatte der elsässische Wein neben
seinen bevorzugten Brüdern aus dem Süden
und Westen einen doppelt schweren Stand.
Jetzt bieten sich für den Verkauf nach Alt¬
deutschland viele aussichtsreiche Möglichkeiten.
Aber bei der Langlebigkeit der Rebe dauert
es Menschenalter, ehe solche Aenderungen in
den Absatzverhältnissen sich durchgreifend bemerkbar
machen können. Bis jetzt fällt nur in reichen Wein¬
jahren die Ausfuhr von Weinen aus Elsaß-Lothringen
gegenüber der Gesamternte einigermaßen ins Gewicht.
Auch sonst weisen die Verhältnisse des Elsaß
vielfach auf die Erzeugung von Tischweinen hin. Dem
Reisenden, der vom Mittelrhein kommt, wo er die
niedrigen Reben im Rheingau, bei Nierstein und an der
Hardt bei Deidesheim gesehen, fällt im Elsaß die hohe
Erziehung des Rebstockes auf. Die außerordentliche
Fruchtbarkeit und Triebkraft des Bodens zwingen den
Winzer, der Rebe einen längeren Schnitt zu geben.
Viele Böden, gerade im Herzen unseres Reblandes,
zwischen Beblenheim, Reichenweier und Rappoltsweiler
gehören nach ihrem Gehalt an löslichen mineralischen
Nährstoffen zu den reichsten Kulturböden, welche die land¬
wirtschaftliche Literatur überhaupt kennt, ln Gebweiler,
am Fuße des „Kitterle'', wurzelt der Stock in meter¬
tiefem, lockerem und zugleich feuchtem Moränenschutt,
einem gar nicht zu erschöpfenden Boden, ln solchen
Böden bei kurzem Schnitt einseitig auf Qualität zu
Rnppohsweiler im Elsaß (Phot. Albert Lutz)
Nr. 5 DEUTSCHLAND 249
bauen, wie am Johannisberg und im Clos Vougeot,
wo die Könige des Rheinweins und des Burgunders
wachsen, würde schlechterdings unmöglich sein.
Dafür lohnen aber solche triebkräftigen Böden eine
gute Rebpflege um so mehr hinsichtlich der Menge.
Es ist keine Sage: In besonders guten Jahren, wie 1900,
gibt dort ein Gutedelstock dem Rebmann, der seine
Pfleglinge immer gut besorgt,
ein „Erkele", ein ganzes Lese-
büttchen voll Trauben.
Eine Eigenart der elsässi-
schen Weine ist besonders
hervortretend: Auch in ge¬
ringeren Jahren werden sie
verhältnismäßig reif, d. h. milde
in der Säure, und zwar auch
in denjenigen Gewächsen, die
als kleine Tischweine gehen.
In unseren besten Weinorten
reift die späte Rieslingtraube
vielfach um 14 Tage früher, als
in anderen deutschen Wein¬
baugebieten. Selbst mittlere
Weinorte des Elsaß haben
eine Jahrestemperatur, die der
der heißesten Weinorte am
Mittelrhein nicht nachsteht.
Es ist daher überflüssig,
die Frage aufzuwerfen, ob
das Elsaß auch hervorragende
Weine erzeugen kann und er¬
zeugt. Nur Unkenntnis oder Mißgunst könnten sie ver¬
neinen. Um nur einige bessere Marken zu nennen:
Der Wolxheimer Riesling, der Barrer Traminer, der
Rappoltsweiler Riesling, der Reichenweierer Muscateller,
der Ammerschweierer Käferkopf, der Türkheimer Brand,
der Rufacher Hauler, der Gebweiler Kitterle, der Thanner
Rangen, die Rotweine von Scy bei Metz und von
St. Pilt, sie alle sind zwar nicht Hochgewächse im Sinne
der Auslesen von Hardt und Rheingau, sie machen
auch keinen Anspruch darauf, aber sie alle sind edle
Marken von einer ausgeprägten besonderen Art, zu der
der Kenner immer wieder gern zurückkehren wird.
Mein Beruf gibt mir oft Gelegenheit, wohlgepflegte
Weine guter Keller des Elsaß solchen Besuchern vor¬
zuführen, die vorher kaum je einen Elsässer Wein kennen
Ausblick auf Ste. Rufime bei Metz
Thann gegen den Roßberg
gelernt haben. Immer wieder tritt mir dabei entgegen,
wie sehr man von der Güte der Weine und deren
Billigkeit überrascht ist.
Der Elsässer Wein hat noch keinen Namen, das ist
sein größter Fehler. Fast alles, was bis jetzt an Wein
aus dem Elsaß nach Altdeutschland ging, wurde unter
anderem Namen verkauft. So mancher kleine „MoseP'
war überwiegend in einem geringen Nebental des Elsaß
oder in noch weniger rühmens-
’ werter Lage draußen auf der Ebene
; gewachsen.
Den Elsässer Wein unter seinem
Namen in den Verkehr zu bringen,
muß unser erstes Ziel sein. Tief¬
sitzende Vorurteile sind dabei zu
überwinden. Das wird um so
schwieriger sein, als gerade beim
Weingenuß die Suggestion unser
Urteil so sehr beeinflußt. Aber die
Frage muß gelöst werden, denn in
ihrer Lösung ruht zum guten Teil
die Zukunft unseres Weinbaues.
Viele Weine des Elsaß ent¬
sprechen durchaus dem Geschmack
der altdeutschen Abnehmer. Der¬
artige Gewächse werden selbst die
besten Bahnbrecher für den elsässi-
schen Wein sein, wenn sie nach
guter Kellerpflege in tadelloser Be¬
schaffenheit preiswürdig auf den
Markt gebracht werden.
250 meeoüüüQ&xxiüoooa^^ DEUTSCHLAND (B eeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeee m Nr.5
Der Strom der fremden Besucher kann in gewissem
Grade der Vermittler für den Absatz unserer Weine
werden. Es mag als gutes Vorzeichen nach dieser
Richtung gelten: In wenig Bergwirtshäusern dürfte man
so gute und preiswürdige Flaschenweine finden, als
droben, auf dem höchsten Gipfel des Elsaß, beim
„Belchenwolf".
An unsere Gäste aus Altdeutschland geht daher
die Bitte: Sucht, wenn ihr in die Vogesen zieht, auch
die Bekanntschaft des Elsässer Weines, auch da, wo ihn
das Volk trinkt, den offenen Wein. Ueberall findet
man Stätten, wo der einheimische Wein noch rein
und Unverschnitten fließt. Der „Neue" wird wegen
seiner unfertigen Art dem Fremden weniger Zusagen.
Wer nach Rappoltsweiler kommt, der gehe in die
Stadt Nanzig zum Krumb und fordere einen guten
alten „Zwicker".
Wer mehr Zeit erübrigen kann, der wandere durch
die Reben über Reichenweier nach Kienzheim an der
Kaysersberger Bahn. Reichenweier allein lohnt diese
Wanderung: Kaum ein anderer Weinort bietet ein so
getreues Bild elsässischer Weinkultur, in allen Bedeu¬
tungen dieses Wortes. Reichenweier erzeugt von der
edlen Rieslingrebe Gewächse, die unter den Elsässer
Weinen den Rheingauem am nächsten kommen. Der
wirtschaftliche Schwerpunkt liegt aber auch hier im
besseren Tischwein, dem „Zwicker", der von der „Gut¬
edeltraube" die milde reife Art und eine angenehme
Blume, von den mitgekelterten besseren Rebsorten aber.
wie Burgunder, Riesling oder Muscateller, seine kräftigere
Art und das ausgeprägtere Bukett hat.
Reichenweier ringt mit Rappoltsweiler um die Palme!
Der Wanderer möge selbst entscheiden: Er kehre in
Reichenweier beim Preiß in der Granate ein und frage,
ob noch 1904 er oder 1907 er Zwicker vorhanden. Er
versäume aber auch nicht, den Reichenweierer Riesling
mit dem Rappoltsweiler zu vergleichen.
Als vor einigen Jahren die Abgeordneten aus Elsaß-
Lothringen in der Wandelhalle des Reichstages ihren
Kollegen und den Vertretern der Reichsregierung eine
gewählte Sammlung von Weinen aus der Westmark zur
Probe gegeben hatten, ist manches freundliche Wort
über die Weine des Reichslandes gefallen. Besonders
treffend hat aber, wie ich meine, damals eine große
Tageszeitung in einer geistreichen Plauderei die Lage
beleuchtet. Der Verfasser, ein erfahrener Lebenskünstler
von auserlesenem Geschmack, damals schon an der
Schwelle der Siebziger, dessen Name auch auf dem
Gebiete der Literatur einen hellen Klang hat, äußerte
sich etwa wie folgt: „Ja, sie sind vielfach anders, die
Weine Elsaß-Lothringens, aber sie sind schön in ihrer
Art". Wer da weiß, wie oft gerade auf dem Gebiete
der Weinbeurteilung nicht nur individuelle, sondern auch
regionale Gewohnheiten und Geschmacksrichtungen
selbst viel größeren Weinen bitteres Unrecht zugefügt
haben, der kann nur wünschen, daß auch bei der Be¬
urteilung der Elsässer Weine deren Besonderheit mehr
Rechnung getragen werden möge.
=— Hygiene auf Reisen. ====——
Von Dr. med. Erwin Jaeger, Leipzig.
Vortrag, gehalten am 21. Mai 1911 auf der Jahres-Versammlung des Sachs. Verkehrs-Verbandes in Dresden.
(Schluß).
Leider werden die Touren, die unternommen
werden, noch allzu häufig über das Maß an Körperkräften
ausgedehnt, das Menschen, die daheim in ihrem Beruf
angestrengt arbeiten müssen, zusteht. Selbst in den
Erzählungen von den Reisen spielt die zurückgelegte
Strecke eine ungehörige Rolle. Ganz besonders leicht
veranlaßt das Radfahren Ueberanstrengungen, um am
Abend mit Befriedigung auf eine recht große Kilometer¬
zahl zurückblicken zu können. Damit ist schon viel
Schaden angerichtet worden, der gar nicht wieder gut
zu machen ist. Körperliche und geistige Tätigkeit
ergänzen sich nicht etwa in der Weise gut, daß ein
großes Maß der letzteren durch ein ebensolches der
ersteren ausgeglichen werden darf, sondern geistig an¬
gestrengte Menschen dürfen sich weniger körperliche
Arbeit zumuten als solche, die geistig nicht viel zu
arbeiten haben.
Sehr wünschenswert wäre es, den Radfahrern da¬
durch die Arbeit zu erleichtern und ihre Sicherheit auf
der Straße zu fördern, daß man grundsätzlich ihnen
eine Seite der Straße freigibt und die Fußgänger auf
die andere Seite verweist. Dadurch würde das Ueber-
queren der Straßen mindestens eingeschränkt, die Rad¬
fahrer bekämen einen besseren Weg, der durch Fuhr¬
werke nicht zerstört würde, und ihnen würde das nicht
nur lästige, sondern auch gefährliche Ausweichen vor
Automobilen erspart.
Auch ein anderes Fortbewegungsmittel, das Auto,
verlangt besondere Maßnahmen seitens der Straßen¬
behörden. Zum mindesten in der Nähe der bewohnten
Orte müssen die Straßen einen Ueberzug bekommen,
der die Staubentwicklung hindert. Am besten wäre
es, wenn kein Autoweg mehr durch bewohnte Ort¬
schaften, sondern nur noch an ihnen vorbei führte.
Dazu macht sich allerdings die Anlage neuer Straßen
nötig. Man wird aber auf die Dauer kaum an der Er¬
füllung dieser Forderung vorbeikommen. Für die im
Auto Reisenden machen sich Schutzmaßregeln gegen
den Wind und gegen das Eindringen von Insekten in
das Auge nötig: Brillengläser mit seitlichem Schutz
sind am meisten zu empfehlen.
Aehnliche Schutz - Maßregeln müssen auch von
denen ergriffen werden, die sich der Flugapparate
bedienen wollen; außerdem bedürfen sie, ebenso wie
die Ballonfahrer, des Schutzes gegen die Kälte durch
dicke Kleidungsstücke. Den Fliegern müßte das
Ueberfliegen bewohnter Ortschaften gänzlich verboten
werden, damit bei Unglücksfällen nicht auch Einwohner
gefährdet werden.
Von allen Transportmitteln wird aber wohl auch
noch in Zukunft neben dem Schiff die Eisenbahn
Nr. 5
DEUTSCHLAND m^eee&eeseeeeeeee^^e^^m 251
am meisten benutzt werden. Ihre Personenwagen sollen
so eingerichtet sein, daß sie das bei der Fahrt ent¬
stehende Geräusch auf ein Minimum herabsetzen.
Große Fenster, um recht viel Luft und Licht in die
Wagen eindringen lassen zu können, Korridore, die
geeignet sind, alle Zugluft fernzuhalten, regelmäßiges,
sorgfältiges Reinigen der Sitzgelegenheiten, um die
Möglichkeit der Uebertragung von ansteckenden Krank¬
heiten einzuschränken, sind Forderungen, deren Er¬
füllung von allen Eisenbahnverwaltungen zu verlangen
ist. Mit Plüsch überzogene Sitzgelegenheiten sind
mit Rücksicht auf die Uebertragung von Hautkrank¬
heiten weniger zu empfehlen als die mit Leder über-
„Wir fuhren allein im dunkeln
Postwagen die ganze Nacht;
Wir ruhten einander am Herzen
Und haben gescherzt und gelacht.
Doch als es morgens tagte.
Mein Kind, wie staunten wirl
Denn zwischen uns saß Amor,
Der blinde Passagier.""
in dem jetzigen modernen Eisenbahnwagen auftauchen.
Ganz schädlich für Eisenbahnreisende ist das Lesen
und Schreiben im Eisenbahnwagen, da die andauernden
Erschütterungen die Arbeit der Augen hierbei ganz
wesentlich erschweren. Man benutze im Gegenteil die
Tagung des Bundes Deutscher Verkehrs-Vereine in Worms vom 6.-9. Juni I9H
Photographische Aufnahme der Teilnehmer im Heylschen Garten (Phoi.: Chr. Herbst, Worms)
zogenen. Die Einrichtung von Schlafwagen auch für
die Reisenden III. Klasse ist aus hygienischen Gründen
sehr zu empfehlen.
Andererseits müssen aber auch die Reisenden alles
dafür tun, die Wagen rein zu halten. Das Ausspeien
in den Wagen ist aus ästhetischen und sanitären Gründen
unbedingt zu verbieten. Zu den üblen Angewohnheiten
vieler Reisenden gehört auch das Bedürfnis nach Unter¬
haltung, das sie oft zu befriedigen wünschen, auch
wenn der gesuchte Partner nicht das gleiche Bedürfnis
verspürt. Anders natürlich, wenn beide von gleichem
Wunsch beseelt sind. Dann mag auch das von Heine
besungene Idyll der guten alten Postkutsche:
Eisenbahnfahrt zur Ruhe für das Gehirn. Bei einigem
guten Willen wird das gehen, da die Eisenbahnfahrt
selbst genügend Ablenkung verschafft.
Die Schiffahrt bringt den meisten Reisenden weit
weniger Unannehmlichkeiten. Im Gegenteil, sie wird
von Aerzten nervösen Menschen unter Umständen mit
großem Erfolg verordnet. Sie ähnelt den Luftballon¬
fahrten darin, daß sie auch um ihrer selbst willen,
nicht um des Reisezieles willen, unternommen werden
kann und übt allein schon aus diesem Grunde genau
wie die Ballonfahrten einen beruhigenden Einfluß auf
nervös-hastende Menschen aus. Für viele freilich wird
sie immer die Unannehmlichkeit der Seekrankheit mit
252 DEUTSCHLAND Nr. 5
sich bringen. Solchen Reisenden sei empfohlen, es
mit Heine zu halten:
„Ich sehne mich dennoch nach dir.
Denn wenigstens bist du doch festes Land."
Wir haben nun ferner noch die Hygiene des
fremden Hauses, das der Reisende aufsucht, zu be¬
sprechen. Hier sei gleich vorweggenommen, daß zu diesem
Teil der Hygiene der Reisende selbst ganz außerordentlich
viel beitragen kann. Die Rücksichtnahme auf einander
kann den Reisenden im fremden Hause das eigene ver¬
gessen lassen, dort, wo sie fehlt, wird sich unter Um¬
ständen trotz aller Anstrengung des Wirtes und seiner
Gehilfen der Fremde heimwärts sehnen. Die geforderte
Rücksichtnahme bezieht sich nicht nur auf die eigene
Reinlichkeit, sondern auch auf die Sorgfalt, mit der
man unnötige Geräusche vermeidet.
Von den mannigfachen Aufgaben, welche die
Ankunft des Fremden dem Wirt auferlegt, sei er nun
Besitzer eines Hotels, Gasthauses, einer Sommerwohnung
oder ähnlichem, seien folgende hervorgehoben: Außer
den Schlaf- und Speiseräumen müssen weitere Räume
vorhanden sein, in denen sich der Reisende während
des Tages aufhalten kann, ohne von Kellnern zum Essen
und Trinken aufgefordert zu werden: Schreib-, Lese-,
Musikzimmer, Vestibül. Wenn diese Räume auch nicht
immer insgesamt vorhanden sein müssen, so achte man
doch darauf, daß wenigstens ein Teil von ihnen den
Fremden zur Verfügung steht, und zwar so, daß sich
der Fremde dort gern aufhält. Die dort ausgelegten
Zeitungen müssen stets ungebraucht ins Hotel kommen,
frische Umschläge erhalten und nach Gebrauch am
besten vernichtet und nicht weitergegeben werden.
Einrichtungen für weitere Unterhaltungen: Billard, Kegel¬
bahn, Golf- und Tennisplätze kommen nicht für jedes
Hotel in Frage, sind aber oft für den Fremden recht
wertvoll. Daß ein modernes Hotel Dampfheizung haben
muß, ist nahezu selbstverständlich, daß die in den
Stuben aufgestellten Dampfheizungskörper einer be¬
sonders sorgfältigen Reinigung auf ihrer Oberfläche
bedürfen, um die Staubentwicklung, die sonst mit dem
aufsteigenden warmen Luftstrom unvermeidlich ist,
zurückzuhalten, ist leider noch nicht ebenso selbst¬
verständlich. Elektrisches Licht ist für den Fremden
nicht nur angenehm, sondern bietet ihm auch noch
besondere Sicherheit für sein Leben. Mit Gas sind im
Schlafraume immer gewisse Gefahren verbunden. Jede
Stube sollte einen selbsttätigen Feuermelder haben.
Um das durch elektrische Klingeln auftretende Geräusch
zu vermeiden, bewährt sich die Einrichtung von Licht¬
signalen, deren Handhabung für den Fremden ebenso
bequem, für ein aufmerksames Hotelpersonal zuverlässiger
ist als die Klingelzeichen. Um möglichst viel Ruhe im
Hotel zu schaffen, sind Läufer, selbsttätige Türschließer,
Fahrstühle und die Anlage der Küche und der Kraft¬
anlagen derart anzubringen, daß Geräusche, die von
ihnen ausgehen, im Hotelgebäude nicht wahrgenommen
werden können. Jedes bessere Hotel sollte die Schlaf¬
räume mit Doppeltüren aus dem gleichen Grunde
versehen. Außerdem wird dadurch anderen der un¬
angenehme Eindruck abgelegter Kleidungsstücke erspart.
Unterhaltungen seitens des Personals mit den Fremden
auf den Korridoren müssen außerdem noch streng ver¬
pönt sein. Es muß der Stolz jedes Wirtes sein, seinem
Gast die Nacht durch Geräuschlosigkeit so angenehm
wie möglich zu machen. Dem Gaste muß es in einem
gut geleiteten Hotel wie Lenau gehen:
„Was mich erfreut' auf meinen Wegen,
Das träumt' ich nun im Schlafe nach."
Von gleicher Wichtigkeit für den Fremden ist die Rein¬
lichkeit des Hotels. Sie macht nicht nur den ersten,
sondern auch den bestimmenden Eindruck auf den
Reisenden. Alle Staubfänger müssen vermieden werden.
Danach sind die Fenstervorhänge einzurichten, Wand¬
schränke sind den anderen, meist noch gebräuchlichen,
vorzuziehen. Plüschmöbel sind nach Möglichkeit ein¬
zuschränken. Zur Reinigung der Möbel sind Staub¬
saugeapparate zu verwenden. Breite Fenster und
Korridore, damit Licht und Luft ungehindert Zutritt
haben I Man muß aber auch von ihnen Gebrauch
machen und nicht erst die Stickluft bei der Ankunft
der Fremden aus den schlecht oder gar nicht gelüfteten
Stuben vertreiben wollen.
Jeder Gast muß frische Wäsche bekommen. Die
Reinigung der Hotelwäsche sollte deswegen, weil sie
von ganz verschiedenartigen, in ihrer Eigenart oft nicht
gekannten Menschen benutzt wird, ganz besonders sorg¬
fältig gewaschen werden. Sie müßte in jedem Sommer
mehrmals gebleicht werden. Aus dem gleichen Grund
sollten alle Betten mindestens im Frühjahr und Herbst
gesonnt werden.
Klosetts mit Wasserspülung in genügender Zahl,
Toiletten möglichst auch mit dem Zufluß warmen Wassers
und mit so viel Handtüchern, daß jeder Gast ein noch
ungebrauchtes Tuch benutzen kann, moderne Bade¬
einrichtungen sind heute für jedes Hotel von Rang
selbstverständlich. Da Gäste bei längerem Aufenthalt
neuerdings gern Licht- und Luftbäder, auch Sonnen¬
bäder genannt, nehmen, so ist es gut, daß Hotelbesitzer
die Errichtung solcher Bäder an ihrem Wohnort ver¬
anlassen. Grüne Wiesen in den Luftbädern und in der
Umgebung der Promenaden sind Vorzüge, die wegen ihrer
beruhigenden Wirkung auf die Augen unschätzbar sind.
Die Küchen müssen groß und geräumig sein. Für
sie ist nicht etwa jedes Loch gut, das im Hause irgendwo
übrig bleibt. Nicht nur die Speisen sollen sich in diesen
Räumen wohlfühlen, d. h. vor Fäulnis und Verderbnis
geschützt sein, sondern auch das Küchenpersonal, weil
auch davon die Güte der zubereiteten Speisen abhängt.
Deshalb sollen die Küchen gute Ventilation besitzen,
damit eine erträgliche Temperatur herrschen kann.
Schweißtriefende Köche sind in einem gut geleiteten
Hotel eine Unmöglichkeit. Ueber den Herden sind
Abzugsvorrichtungen anzubringen, die den Schwaden
und Dunst aus der Küche entfernen und abseits führen.
Diese Einrichtung kommt nicht nur dem Küchenpersonal,
sondern auch den Hotelgästen zugute; sie werden nicht
mehr gleich beim Eintritt ins Hotel die ganze Speise¬
karte zu riechen brauchen, um evtl, damit schon ihren
Appetit zu beseitigen.
Glas, Fayence und Fliesen sollten in den Küchen
die größtmögliche Anwendung finden, um ihre Reini¬
gung zu erleichtern. Maschinelle Einrichtungen zum
Reinigen des Geschirrs ersparen Zeit und gewährleisten
größere Sicherheit. Im großen Betrieb zum mindesten
Nr. 5 ^
DEUTSCHLAND 253
sollte alle Eiskühlung in Wegfall kommen und an
ihre Stelle maschinelle Kühlanlagen treten, die je nach
Bedarf und der Eigenart des zu konservierenden Nah¬
rungsmittels ein Abstufen der gewünschten Temperatur
und außerdem die Zufuhr frischer Luft gestatten.
Daß für die Speisen nur einwandfreies Material
verwendet werden darf, ist selbstverständlich. Kon-
serven-Früchte und -Gemüse sollten nicht gelöteten
Blechdosen, sondern Glas- oder Steinguttöpfen, die in
der Art der Weckschen verschlossen sind, entnommen
werden, weil dieser Verschluß die Gewähr dafür gibt,
daß die in dem Gefäß enthaltenen Speisen unverdorben
sind; andernfalls ist ja als bereits äußerlich sichtbares
Zeichen der Verschluß nicht mehr genügend. Um dem
Wirt den Aufwand an Mühe und Material für die Speisen
in gehöriger Weise zu bezahlen, ist mit dem jetzigen
Bezahlungssystem zu brechen, wonach das Essen oft
unter dem Herstellungspreis abgegeben wird und der
hierdurch dem Wirt fehlende Betrag durch den zwangs¬
weisen Verbrauch von Alkohol gedeckt wird. Neinl
kein Trinkzwang, aber auch dem Wert der gelieferten
Speisen entsprechende Bezahlung dieserl Damit soll
hier nicht etwa die Mahnung ausgesprochen sein, den
Alkohol zu meiden. Jedem nach seinem Wunsche. Es
ist sogar keine Frage, daß bei fragwürdigen Wasser¬
verhältnissen am Orte Bier, das als gekochtes Getränk
sicher keimfrei ist, und Wein, der durch seinen Alkohol¬
gehalt vor Infektionsträgern geschützt ist, als erfahrungs¬
gemäß gut bekömmlich zu empfehlen sind. Da Kaffee,
Tee, Kakao, heiße Zitronenlimonade usw. aus gekochtem
Wasser hergestellt werden, so genießen sie den gleichen
Vorzug. Salz, Pfeffer, Senf, Zahnstocher dürfen dem
Reisenden nur in verschlossenen Gefäßen gereicht
werden, die ihm gestatten, nicht mehr zu entnehmen,
als er selber braucht, ohne den Rest des Inhalts direkt
oder indirekt mit einem Instrument berührt zu haben.
Die Kieler Woche.
Die Kieler Woche, das bedeutendste Ereignis auf dem Gebiete des Segel- und Rudersports, nahm auch in diesem
Jahre in Anwesenheit des deutschen Kaisers einen interessanten und glänzenden Verlauf. Besonders zahlreich
war diesmal die Zahl ausländischer Gäste, unter denen namentlich die Amerikaner stark vertreten waren. Das
amerikanische Geschwader war Gegenstand liebenswürdiger Aufmerksamkeiten seitens unseres Kaisers und
der Marinebehörden. Durch die freundliche Vermittlung der Marine-Kommandantur der Ostsee-Station wurde
den amerikanischen Gästen u. a. auch die Amerika-Nummer der Zeitschrift „Deutschland" zugänglich
gemacht, deren Inhalt und künstlerische Ausstattung der Führer des Geschwaders, Admiral Badger, in seinem
Dankschreiben mit sehr anerkennenden Worten hervorhob.
Von der Kieler Woche: Segelanholen bei starker Brise
Von der Kieler Woche: Amerikanisches Marinegeschwader in Kiel
Von der Kieler Woche: Der Kaiser und Gefolge an Bord der ,,Meteor" während der Regatta
101 DEUTSCHLAND 255
Nr. 5
Im allgemeinen wird die Infektionsgefahr überschätzt,
obgleich Infektionen im fremden Hause sehr selten
Vorkommen. Akute Infektionskranke kommen aus nahe¬
liegenden Gründen nur selten dorthin. Sie müssen in
jedem Falle ferngehalten werden, denn sie bieten eine
unbedingte Gefahr für ihre Mitmenschen. Dagegen ist
die Gefahr chronischer Infektionskranker für andere sehr
viel geringer. Am bedenklichsten sind noch die Haut¬
kranken. Aber dort, wo die
mechanische Reinigung
aller Gegenstände des
Hotels mit der genügen¬
den Sorgfalt betrieben
wird, wo außerdem regel¬
mäßig und reichlich Luft
und Licht in die Räume
eindringt, da ist wenig
Gefahr für den Reisenden
vorhanden. Sein bester
Schutz gegen solche An¬
fälle ist fernerhin, wenn
die eben genannten For¬
derungen erfüllt sind, er
selbst. Er hat nämlich
darauf zu achten, die
Widerstandskraft seines
eigenen Organismus zu
erhöhen; das ist aller¬
dings eine Tätigkeit, die
mehr in das Gebiet der
häuslichen Hygiene als
in das der Hygiene
auf Reisen fällt, und
die nach den Gesichts¬
punkten der Regelmäßig¬
keit und Mäßigkeit in
allen Phasen des Lebens
zu ordnen ist.
Damit aber verlassen
wir den engeren Rahmen
der Hygiene auf Reisen;
das gehört schon in die
allgemeine Hygiene, von der die Hygiene auf Reisen
naturgemäß ja nur ein Teil sein kamv Die letztere
wird der ersteren aber darin häufig überlegen sein, daß
sie oftmals allein der Anlaß ist, Menschen hygienisch
denken und handeln zu lassen. Daraus erhellt aber¬
mals ihre Bedeutung für die allgemeine Hygiene, deren
Pflege für die künftige Bedeutung unseres Volkes von
großer Wichtigkeit ist, wie u. a. der Ausspruch des
bekannten Hygienikers Löffeier zeigt:
„Im Wettstreit der Völker wird dasjenige Volk die Palme
erringen, das die Lehren der Hygiene sich am besten zu
eigen gemacht und zur Durchführung gebracht hat."
Nun wird man mir entgegenhalten, daß die Erfüllung
der aufgestellten Forderungen nicht jedem möglich ist,
wenigstens nicht immer im ganzen Umfang. Geld- wie Zeit¬
mangel werden häufig,
ganz besonders häufig
im Geschäftsverkehr, hin¬
dernd im Wege stehen.
Das wird zugegeben.
Aber bei vereinten An¬
strengungen wird es ge¬
lingen, doch für alle
Kreise auch auf unserem
Gebiete noch recht Er¬
sprießliches zu schaffen.
Glücklicherweise ist es ja
auch nicht die Hygiene
des Körpers allein, die
allerdings im wesent¬
lichen materiellen Auf¬
wand bedingt, sondern
auch die Hygiene des Ge¬
müts, welche die Hygiene
auf Reisen erst voll¬
kommen macht, und ihr
kann man eigentlich
nur mit gutem Willen
und Verständnis gerecht
werden. Darin aber liegt
das Erzieherische. Des¬
halb ist das Reisen für
unser Volk von größter
Wichtigkeit. Ein jeder
aber, der sich auf Reisen
begibt, kann, auch wenn
nicht alle äußeren Fak¬
toren so gestaltet sind,
wie sie im vorhergehen¬
den gefordert wurden, doch selber feststellen, ob die
Art seines Reisens die richtige war, wenn er nämlich
von jedem Reisetag mit dem Dichter Lenau sagen kann:
„Du warst mir ein gar trauter, lieber
Geselle; komm', du schöner Tag,
Zieh' noch einmal an mir vorüber.
Daß ich mich deiner freuen magl"
Kaiser Wilhelm als Seemann auf der Nordlandfahrt
(C. Chusseau-Flaviens, Paris)
Naturtheater im Benrather Schloßpark.
Den zahlreichen Versuchen, die neuerdings an den
verschiedensten Orten mit der Einrichtung von Natur¬
theatern gemacht worden sind, hat sich jetzt auch das
Düsseldorfer Schauspielhaus angeschlossen. Der alte
Benrather Schloßpark, dessen Erhaltung nunmehr nach
dem Ankauf durch die Gemeinde Benrath sichergestellt
ist, bietet durch seine Lage zu den benachbarten Gro߬
städten und durch seine reiche Naturschönheit eine
Stätte für ein Freilichttheater dar, die vor anderen durch
mannigfache Vorzüge ausgezeichnet ist. Mitten im
dichten Park, wo einst eine Reitbahn eine Lichtung
geschaffen hat, ist der Platz des Naturtheaters. Von
einer dichtgeschlossenen Wand von Laubbäumen um¬
geben, dehnt sich hier in Form eines gestreckten Recht¬
ecks die Wiese, auf der die Bankreihen für die Zuschauer
aufgestellt sind. An der einen Schmalseite ist die
256 DEUTSCHLAND (SB^^^^^^^öee^eeeeeee® Nr. 5
Bühne errichtet, von der herab sich Sophokles' gewaltige Handlung vor sich geht. Frau Luise Doumonts macht-
Antigone-Tragödie abspielte. Mit der notwendigen Be- volle und eindringliche Verkörperung der Antigone,
Schränkung an Illusionsmitteln, die im Wesen der Frei- deren Eindruckskraft sich schon im geschlossenen Raume
lichtbühne liegt, sind die Dekorationen gewählt. Von erprobt hatte, die sorgfältig einstudierten Chöre und die
Das Naturtheater im Schloßpark zu Benrath : Szene aus der Aufführung von Sophokles’ „Antigone'"
einem mit Tannengrün bekleideten Podium steigen trefflichen Leistungen der übrigen Darsteller übten aut
Stufen zum Palaste des Königs Kreon empor. Der das tausendköpfige Publikum des Naturtheaters eine
Palast selbst ist durch eine Säulenreihe mit einem Tor tiefe Wirkung aus. Man darf annehmen, daß das Schau¬
in der Mitte angedeutet. Zwei mächtige seitliche Säulen spielhaus nach der jetzigen Sommerpause den erfolg¬
erwecken die Vorstellung des Vorhofes, in dem die reichen Versuch noch weiter fortsetzen wird. Dr. F.
1
Wer verreisen will
der lese die reich illustrierte Zeitschrift
;,DE(JTSCHLF\riD'0 die in eingehender
Weise die deutschen Städte, -Kur- und Badeorte, Sommerfrischen und Wandergebiete durch
Wort und Bild würdigt und in ihrem Reklameteil zahlreiche Ankündigungen empfehlenswerter
Hotels und Sommerfrischen enthält. Die Zeit¬
schrift „DEUTSCHLAUD^' ist somit der beste
Führer durch die
deutschen Städte und Landschaften.
W= — — — -== J
258 DEUTSCHLAND
Nf.‘5.
Reise nach Deutschland machen und sie zu weiterer Besprechung
in die Auskunftstelle laden. Wie weit der Bund in dieser
Werbearbeit bei den deutschen Konsulaten, dem deutschen
Schulverein, dem Verband ausserdeutscher Aerzte, deutschen
Vereinen aller Art wird Unterstützung finden können, das wird
die Zukunft lehren.
Offenbar häng^ der Erfolg der von den Auskunftstellen zu
treibenden Werbearbeit in erster Linie von der richtigen Ge¬
staltung des Führermaterials ab. Die vorhandenen Führer sind
im Laufe der letzten Jahrzehnte ohne jedes einheitliche System
nach dem Gutdünken der leitenden Persönlichkeiten der ein¬
zelnen Orte entstanden und bieten nach Format, Umfang, Aus¬
stattung und Inhalt das buntscheckigste Bild. Sie sind auch
nicht für die Propaganda im Auslande bestimmt gewesen, son¬
dern sollten nur dazu dienen, den deutschen Reisenden und
den schon innerhalb Deutschlands befindlichen Fremden nach
dem betreffenden Orte zu ziehen und ihm hier Führer zu sein.
Dieses Material ist also für die Propaganda im Auslande mehr
oder weniger unbrauchbar. Die neuen Ziele erfordern neue
Führerformen. Man muss bedenken, dass die Propaganda im
Auslande nur den Zweck haben kann, den Verkehr nach Deutsch¬
land überhaupt zu steigern, nicht etwa den, für einen bestimmten
Ort oder auch nur für eine bestimmte Landschaft Propaganda
zu machen. Jeder Interessent sollte einsehen, dass seine Ge¬
schäfte am besten besorgt werden, wenn es gelingt, den allge¬
meinen Fremdenzuzug nach Deutschland erheblich zu steigern.
Der Bund will zu diesem Zwecke nach dem Beispiel der
von Oesterreich herausgegebenen Propagandahefte ein kleines
aber erstklassiges Heft über ganz Deutschland schaffen, das in
Text und reizvollen Bildern für die Schönheiten und Sehens¬
würdigkeiten Deutschlands im Auslande wirbt. Dieses Heft soll
also nicht etwa ein Baedeker oder dergl. für den Fremden sein,
sondern nichts anderes als ein glanzvolles Propagandaheft,
das in Massen im Auslande in deutscher, englischer, französi¬
scher usw. Ausgabe zu verbreiten ist und dem Fremden sagt;
Das, was dir Deutschland an Naturschönheit oder interessanten
Städten, an Heilquellen und ehrwürdigen Bauten, an Belehrung
oder Vergnügung bietet, findest du in dieser Art, in dieser
Reichhaltigkeit oder Originalität oder Billigkeit in keinem anderen
Lande. Der Bund beabsichtigt, um ein hervorragendes Pro¬
pagandaheft des genannten Inhalts zu erhalten, ein Preisaus¬
schreiben zu erlassen.
In allen Auskunftstellen wird ferner die herrlich illustrierte
Bundeszeitschrift „Deutschland“, deren Verbreitung alle inter¬
essierten Kreise sich angelegen sein lassen sollten, dauernd
ausliegen. Sie wird der Fremden Blick auf die Einzelland-
schaften Deutschlands richten. Es ist aber auch eine Haupt¬
aufgabe der Landesverbände deutscher Verkehrs-Vereine, die
der Bund in sich fasst, geeignete Propagandahefte für die
Landschaften zu schaffen. Wie oben hervorgehoben, fehlen
solche für die Propaganda im Auslande; die vorhandenen sind
für diesen Zweck wenig brauchbar. Bei der Abgrenzung der
Landschaften soll der geographische Gesichtspunkt massgebend
sein. Es werden also Propagandahefte (Führer) vom Harz,
vom Schwarzwald, vom Erzgebirge, von der Nordseeküste zu
schaffen sein, nicht solche von der Rheinprovinz, von Württem¬
berg, vom Königreich Sachsen usw. Es gilt, in diesen L a n d -
Schaftführern in grosszügiger Weise das Charakteristische,
das Besondere, die Eigenart der betreffenden Landschaft, das,
was sie vor anderen deutschen Landschaften in Bodenformen
und Städtebauart, Heilmitteln und Volksart auszeichnet, in reiz¬
voller Art hervorzuheben. Es gilt, damit sich die Fremden
bewusst der Landschaft zuwenden, die ihrem Geschmack ent¬
spricht, ein knappes aber eindrucksvolles Gesamtbild zu entwerfen,
nicht etwa alle Städte, Badeorte, Sommerfrischen, Gasthäuser
usw. oder gar Einzelheiten von ihnen aufzuzählen. Unschwer
werden sich in jeder Landschaft ein Geograph und ein Künstler
finden lassen, die bei der bezeichneten Darstellung den Verbänden
hilfreich an die Hand gehen. Der Fremde aber wird viel eher
nach einer Landschaft sich wenden, in ihr mit viel grösserem
Genuss reisen und gerne wieder zu ihr zurUckkehren, wenn der
Landschaftführer ihn in das Charakteristische von Land und
Leuten hineinführt. Auch diese LandschaftfUhrer werden in
deutscher, englischer, französischer, vielleicht auch russischer
usw. Ausgabe erscheinen müssen.
Auch die Landschaftführer können durchaus nicht die
Aufgabe haben, für einen besonderen Teil des Gebiets oder für
eine bestimmte Stadt oder gar für sämtliche Lokalitäten der
Landschaft Reklame zu machen. Ihre Aufgabe muss es sein,
dem, den das allgemeine Propagandaheft für Deutschland ge¬
worben hat, die einzelnen Landschaften Deutschlands zur Aus¬
wahl zu präsentieren. Hat sich der Fremde für den Besuch
einer Landschaft entschieden, dann treten die lokalen Führer
von Städten usw. in Wirksamkeit, die in knappet; übersichtlicher
Fassung und in deutscher, englischer, französischer usw.
Sprache vorliegen müssen. Die grossen Ortsführer von heute
wird man dem Fremden mit Vorteil erst wenn er sich in
Deutschland befindet zur weiteren Orientierung zugänglich
machen. Auch wird dann der in Aussicht genommene Bild¬
schmuck in Eisenbahnwagen dafür sorgen, dass der Fremde
über seinen ursprünglichen Reiseplan hinaus noch andere Land¬
schaften aufsucht.
Unter den Mitteln der nichtständigen Propaganda verdient
die Ausstattung internationaler Ausstellungen mit Auskunft-
steilen des Bundes, in denen den Besuchern der Ausstellung
Auskunft und Führermaterial gegeben wird, besondere Beachtung.
Die Errichtung des deutschen Verkehrsbureaus auf der Welt¬
ausstellung in Brüssel 1910 (in Gemeinschaft mit der deutschen
Eisenbahn-Verwaltung) und der Auskunftstelle des Bundes auf der
Internationalen Ausstellung für Reise- und Fremdenverkehr in
Berlin war äusserst erfolgreich. Aber derartige Auskunftstellen mit
eigenem Personal kosten viel Geld. Wenn in Zukunft nach Berliner
Muster in anderen Ländern internationale Ausstellungen für
Reise- und Fremdenverkehr stattfinden sollten, wird Deutschland
als Aussteller nicht fehlen dürfen, aber ganz anders auf dem
Platze sein müssen als dieses Jahr in Berlin. Es darf nicht
jeder Staat oder jede Landschaft Deutschlands für sich aus-
steilen, wobei durch das Vielzuviel jede Wirkung gegenüber
den geschlossenen Ausstellungen der anderen Länder: Oester¬
reich, Schweden usw. verpufft, sondern es wird gelten, eine
einheitliche deutsche Ausstellung mit grossen Mitteln in die
Wege zu leiten, die durch künstlerische Geschlossenheit und
Harmonie wirkt. Denn für Deutschland muss Reklame gemacht
werden, nicht für die Einzel-Landschaften; so kommen auch
letztere am besten auf ihre Rechnung.
Ein ausgezeichnetes Mittel gelegentlicher Propaganda im
Auslande werden auch Sondernummern der Zeitschrift
„Deutschland“ in fremden Sprachen sein; eine prächtig
illustrierte Amerika-Nummer erschien in diesem Frühjahr. Ferner
kommen in Betracht Lichtbildervorträge im Auslande, Artikel und
Annoncen in wichtigen ausländischen Zeitschriften und Zeitungen
und dergl. Unter dem sachgemässen Beirat der Auskunftstellen des
Bundes wird allmählich in das Annoncieren der Bundesmitglieder
im Auslande System gebracht werden müssen. Darin wird viel
gefehlt und viel Geld verschleudert. Zunächst ist von Wichtig¬
keit, dass die richtigen Blätter gewählt werden. Dann aber
scheint die Art der Zeitungsreklame eine verkehrte zu sein.
Jedes Gasthaus und Hotel, jede Sommerfrische und Stadt
preisen ihre Vorzüge besonders an. Unter dem Vielerlei geht
aber der Eindruck völlig verloren. Grosse und von ausgesuchtem
glänzenden Bild begleitete Annoncen von Landschaften, z. B.
der Sächsischen Schweiz, des Rheintals, des Harzes usw. scheinen
viel mehr Erfolg zu versprechen als hundert oder gar tausend
aneinandergereihte Annoncen. Der Gewinn an Fremdenverkehr
aber, den solche lockenden grossen Annoncen erzielen, verteilt
sich schliesslich in tausend Kanäle und kommt jedem einzelnen
Interessenten, der dem Landschaft- oder Landes^^rband an¬
geschlossen ist, zugute.
Eine geschlossene, einheitlich geleitete Propaganda wird
am besten vom Bunde und mit Hilfe des Bundes getrieben,
und es bleibt nur zu wünschen, dass die eminente Wichtigkeit
der Propaganda im Auslande von allen Interessenten, wie schon
von den Eisenbahnverwaltungen, so auch von den Stadt-,
Kurort-, Badeverwaltungen usw., und nicht zum wenigsten von
der deutschen Presse, die bisher fast teilnahmlos beiseite
steht, erkannt würde. Dann könnte die opfervolle, von dem Bund
Deutscher Verkehrs-Vereine, insbesondere von dem geschäfts¬
führenden Ausschuss des Bundes, der seinen Sitz in Leipzig
hat, zu Nutz und Frommen des Vaterlandes zu leistende Arbeit
sich noch wesentlich fruchtbringender gestalten als bisher.
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Feriensonderzüge.
aus dem Vorlrag, gehalten vom Geschäftsführer des Verbandes der Verkehrs-Vereine Westfalens, Dr. jur Alexander K uck uck (Dortmund).
. gelegenÜich der Zusammenkunft der Provin/.ialverbande von Rheinland, Westfalen und Sachsen in Bielefeld am 18 . Februar und in erweiterter
Form gelegentlich der Hauptversammlung des Bundes Deutscher Verkehrs-Vereine am '* 1 . Juni in Worms.
Aus den Vorträgen sei in Ergänzung der Berichte in Nr. 15,
L Jahrgang und Nr. 4, II. Jahrgang, noch folgendes nachgetragen:
Der Einrichtung der FeriensonderzUge liegt das Prinzip
augründe, dass eine Fahrt über weite Entfernungen gemacht
wird, au welcher zur Hinfahrt ein Sonderzug, zur Rückfahrt
ein fahrplanmässiger Zug benutzt werden muss; bei letzteren
ist bei ~ Schnellzügen der Zuschlag zu zahlen. Als alleiniger
Vort eil ist zu erwähnen, dass eine Ermässigung des Fahr-
~ Preises von ungefähr 25^/0 gewährt wird. Diesem Vorteile
stellen aber nicht unerhebliche N a ch t e i 1 e gegenüber. Häufig
sind die Züge überfüllt, sie führen zum Teil schlechtes Wagen¬
material mit und bestehen trotz der weiten Entfernungen, die
zuruckzulegen sind, nicht aus D-Zugwagen. Mit Ausnahme der¬
jenigen Feriensonderzüge, die zum Süden fahren, weisen sie
meistens eine lange Fahrzeit auf und erreichen höchstens die
Zeiten der Eilzüge, nicht aber diejenigen der D-Züge. Auch
wurden die Fahrtermine bisher zu spät bekannt gegeben und
mit ganz geringen Ausnahmen in der Fahrzeit auf die Monate
Juli und August beschränkt. Wenn nun in Anbetracht der dem
einzigen Vorteil gegenüberstehenden vielen Nachteile dennoch
eine starke Inanspruchnahme der FeriensonderzUge festzu¬
stellen ist, so muss man fragen, worin liegt der Grund dieses
Missverhältnisses. Man kann darauf antworten, dass es allein
die genannte Fahrpreisermässigung ist, die ja auch nicht un¬
erheblich bei grossen Familien, die reisen, ins Gewicht fällt.
Es ist nicht zu übersehen, dass als weiterer Grund das Ver¬
meiden von Umsteigen in Betracht kommt, was ja zur Reise¬
zeit in Hinblick auf das mitzuführende Gepäck sehr lästig ist.
Da es nicht Gepflogenheit der Verkehrs-Vereine ist, nur die
Schäden zu benennen, sondern auch Bestrebungen auf
Verbesserungen im Auge zu haben, bleibt nur übrig, die
letzteren anzugeben und zu besprechen.
Die Verbesscrungsbestrebungen müssen einmal bestehen in
der Beseitigung der aufgezählten Nachteile und ferner in prak¬
tischen Vorschlägen auf Verbesserungen.
X. Nach Möglichkeit müssen wenigstens für die weitesten
Fahrten D-Zugwagen verwandt werden, im allgemeinen aber
gute, durchgehende Coupdwagen.
a. Für die Fahrzeiten ist die Schnelligkeit der D-Züge anzu¬
streben, wobei zu den Haltestellen, welche nach Möglichkeit zu
beschränken sind, gute Anschlüsse aus der Umgegend, oder für
gewisse Gebiete, wie z. B. die verschiedenen Industriegebiete mit
ihrem gesteigerten Verkehr,Gabelzüge herangeführt werden müssen.
3. Bisher geschah die Bekanntgabe der Fahrtermine für die
Feriensonderzüge nicht in praktischer Form. Sie muss früher
geschehen, umfangreicher und so gestaltet sein, dass sie mehr
in das Publikum dringt. Sie muss geschehen durch die Heraus¬
gabe einer leicht verständlichen Uebersicht der einzelnen Ver¬
waltungen und durch eine ebenso angelegte Sammlung aller
einzelnen Uebersichten im Deutschen Reiche, die spätestens
Anfang April jeden Jahres erscheinen muss. (Die Bekannt¬
machung ist in diesem Jahre bereits früher erfolgt. Die Red.)
4. Die Beschränkung der Bezeichnung Ferien auf „Schul¬
ferien**, so dass die Züge nur im Juli und August verkehren,
sollte fallen gelassen werden; man muss der Bezeichnung
„Ferien** den weiteren Begriff „Urlaub“ zugrunde legen. Diese
Erweiterung ist aus wirtschaftlichen Gründen zu empfehlen, um
den Andrang in den beiden Sommermonaten abzuschwächen
und die Vcrteüung der Massen zu erreichen. Die Ferien¬
sonderzUge müssen also auch in den Monaten * Juni und
September verkehren; sie würden zweifellos von Kaufleuten,
unverheirateten Beamten und kinderlosen Eheleuten, die nicht
durch die Schulferien ihrer Kinder gebunden sind, stark benutzt
werden, so dass diese Aenderung auch wirtschaftlich für die
Eisenbahn Verwaltung von Vorteil wäre. Hierbei ist noch zu
bedenken, dass diese Aenderung der Eisenbahnverwaltung keine
Mühe verursacht, weil der Fahrplan für die Züge im Juli und
August festliegt, und somit ohne Aenderung auf die Monate
Juni und September übertragen werden kann.
5. National-wirtschaftlich ist aber der wichtigste Punkt:
die ZurUckführung der Sonderzüge von den Zielpunkten nach
der Ausgangsstation. Vor allem müssen die Sonderzüge, die
von Deutschland nach dem Auslande geführt werden, zurück¬
geleitet und neue Züge von der Grenze bezw. dem Ausland nach
Deutschland eingeführt werden. Das in dieser Beziehung aus
dem im Jahre 1910 gefahrenen Zügen festzustellende Resultat
ist unverständlich im nationalen Sinne zu nennen. Während
z. B. nach München az Sonderzüge verkehrt haben, fuhr von
München nach Hamburg i und nach Berlin kein Sonderzug.
Wenn es nach München zweifelhaft sein kann, ob der grösste
Teil der Mitfahrenden von München aus in das Ausland fährt,
so ist das Resultat noch auffälliger, wenn man weiter erwähnt,
dass direkt ins Ausland, nach Wien 5 und von Wien nach
Berlin nur i, nach Basel sogar 25 und von Basel nach Hamburg 2,
nach Berlin i Feriensonderzüge gefahren sind. Hierin eine
Aenderung zu erreichen, ist besonders erstrebenswert durch die
Verkehrs-Vereine, weil jeder von ihnen es zu seiner besonderen
Pflicht macht, nicht allein die Schönheiten Deutschlands den
Inländern vorzuführen, sondern vor allem die Ausländer
auf unser schönes Vaterland aufmerksam zu machen. Wenn
das bis hierher in die Materie eingefUhrte Publikum die vor¬
getragenen Vorteile und Nachteile als bestehend anerkennt, dann
drängt sich unwillkürlich die Frage auf, was ist geschehen und
was muss noch geschehen? — Der Referent greift dann auf
die gelegentlich der Hauptversammlung des Bundes Deutscher
Verkehrs-Vereine in Flensburg im Mai 1909 gefassten Beschlüsse
und die unterm 18. Dezember 1910 an den Minister der öffentlichen
Arbeiten in Berlin gerichtete Eingabe zurück. Der Inhalt ist
unsern Lesern aus früheren Berichten bekannt, ebenso die
Stellungnahme der Eisenbahnverwaltungen.
U. a. wird behauptet, dass die GegenzUge von der Grenze
nach dem Innern des Reiches voraussichtlich unzureichenden
Zuspruch aufwiesen und deshalb unwirtschaftlich wären aus
dem Grunde, weil die Ferien in Süddeutschland noch nicht be¬
gonnen hätten, wenn die Feriensonderzüge aus West- und
Mitteldeutschland zurückbefördert werden müssten. In technischer
Beziehung berichtigt die Eisenbahhverwaltung die Ansichten
über einen stattfindenden unwirtschaftlichen Leerlauf dahin,
dass dieser gar nicht stattfände. Denn nicht allein die Ver¬
waltung bezw. die Direktion der Abgangsstation stelle die
Wagen zu dem FeriensonderzUge, sondern an dieser Inbetrieb¬
stellung wären alle Verwaltungen beteiligt, die durch den
Sonderzug berührt würden; die Wagen würden diesen in
Güter- und geschlossenen Leerzügen wieder zugeführt. Gerade
in dem Fall, wenn die gewünschten GegenzUge eingerichtet
würden, müssten somit die Wagen nach ihrer Rückkunft einen
Leerlauf machen. Da diese technische Massregel sich der
Nachprüfung eines Nichtfachmannes entzieht, muss dieser Grund
gegen die Einführung der GegenzUge in Geltung bleiben, man
muss dann aber in Erwägung ziehen, ob dieser für die Eisen¬
bahn entstehende Nachteil den national-wirtschaftlichen überwiegt,
oder in Ansehung des letzteren zurückgestellt werden muss.
Was die Bekanntmachung der Ferienzüge anbetrifft, so
haben die Bemühungen bereits Erfolge gezeitigt. Im Namen
des zuständigen Ministeriums hat die Kgl. Eisenbahndirektion
Berlin versprochen, in Zukunft eine GesamtUbersicht über die
alljährlich in Deutschland verkehrenden Feriensonderzüge heraus¬
zugeben und sie ist für das Jahr 1911 tatsächlich Ende Mai er¬
schienen. Es haftet diesem Erfolge aber noch der im Anfang
genannte Fehler an, dass die Zeit der Erscheinung für die
Reise-Dispositionen der Teilnehmer zu spät liegt. Ferner hat
genannte Direktion den Willen kund gegeben, mit den be¬
teiligten Verwaltungen in Verbindung zu treten, um zu erreichen,
dass eine frühere Festsetzung und Bekanntgabe der Ferien¬
sonderzüge und eine Hinausschiebung des Verkaufsschlusses
für die Fahrkarten, der bisher auf den dritten Tag und bei
süddeutschen Zügen wegen der schwierigen Wagenführung auf
den siebenten Tag vor Zugabgang festgesetzt ist, stattfindet.
Der früheren Bekanntgabe steht bisher entgegen, dass sie
von einer gemeinschaftlichen Konferenz zur Beratung von Mass¬
nahmen für den Sonderzugverkehr abhängt, die zurzeit erst
Anfang Mai stattfinden kann, weil ihr wiederum die Festsetzung
des Sommerplanes vorausgehen muss.
Für das Gebiet der Kgl. Eisenbahndirektion Essen hat der
Verband der Verkehrs-Vereine Westfalens in Gemeinschaft mit
der Stadtverwaltung und dem Verkehrs-Verein in Gelsenkirchen
erreicht, dass einzelne neue Feriensonderzüge und mehrere
Gabelzüge Über die Nord- und Südlinie des Industriebezirkes
eingelegt sind; ausserdem ein Zug von Duisburg nach Halber¬
stadt Uber die Köln —Mindener Linie, neben dem schon früher
verkehrenden von Krefeld nach Halberstadt .über die Bergisch-
Märkische Linie, ferner von Duisburg nach Nordhausen über
Dortmund-Süd—Soest und Walkenried. An Gabelzügen sind
zu nennen: von Duisburg und Oberhausen nach Erfurt, die in
Dortmund vereinigt werden, von Herne und Hagen nach München,
die in Mülheim (Rhein) und von Herne und Dortmund nach Basel,
sowohl über Strassburg, wie über Karlsruhe, die in Duisburg
vereinigt werden. (Siehe auch den Belicht Seite 263.) •
Es bliebe noch übrig, aus dem Vergleich der neuen Auf¬
stellung mit der von 1910 festzustellen, ob noch andere neue Ferien¬
sonderzüge bereits eingelegt worden sind; für diese Arbeit konnte
es nicht mehr geschehen, da die erstere zu spät erschienen ist. —
Nach den eingehenden Darlegungen des Redners wurde der in
Nr. 4 bereits mitgeteilte Beschluss einstimmig angenommen.
260 BB 893 QO Q QQ d Q(K1Q Q 8 Q ^^^98898aa DBUTSCHLAND 16608680866666686 0 600 0 0860^ Nr. 5
Bund Deutscher Verkehrs-Vereine.
Geschäftsstelle: Leipzig, Naschmarkt, Handelshof.
Dem Bund trat bei:
Berliner Hochbahngesellschaft.
Die Tätigkeit des geschäfts führenden Aus¬
schusses erstreckte sich auf die Ausführung und Beratung der
Beschlüsse und Anregungen der Hauptversammlung
in Worms. In Sachen des von den eisenbahnbesitzenden
Bundesstaaten bewilligten Propagandafonds wurde ein
ausführlicher Arbeits- und Wirtschaftsplan aufgestellt. Im Laufe
dieses Monats noch wird der Propaganda-Ausschuss zu einer
Sitzung in Berlin zusammentreten, in welcher über die vom
Bunde gemachten Vorschläge beschlossen werden wird. In dem
Ausschuss sind die sämtlichen deutschen Eisenbahnverwaltungen,
der Bund Deutscher Verkehrs-Vereine, der Bayerische Landes-
Fremdenverkehrsrat, die amtliche Zeitschrift des Bundes, „Deutsch-
land'S und das Internationale öffentliche Verkehrsbureau in
Berlin vertreten.
Wegen der Beratung über weitere Schritte in Sachen der
Periensonderzüge wurde eine Sitzung der in Worms ge¬
wählten Kommission in Aussicht genommen.
Der Schluss der Internationalen Ausstellung für
Reise- und Fremdenverkehr in Berlin verursachte
mancherlei Arbeiten in bezug auf Abbruch und Rücktransport
der Ausstellungsgegenstände, sowie in bezug auf die Abrechnung.
In Verfolg des Beschlusses der Hauptversammlung richtete
der geschäftsführende Ausschuss an die Generaldirektionen in
Stuttgart, Karlsruhe, Strassburg, München, Schwerin, Oldenburg
und Dresden Eingaben betreffend Einführung einheitlichen
Bilds ch mucks in den Eisenbahnwagen. Die be¬
treffenden Landesverbände erhielten Abschriften dieser Eingaben.
Auch über die weitere Bearbeitung der Bekämpfung der
S ch n ak e n ist beraten worden. Es dürfte die Mitteilung
interessieren, dass das Kaiserliche Gesundheitsamt eine kleine
Broschüre über „Die Mückenplage und ihre Bekämpfung“
herausgegeben hat (Berlin, Verlag von Jul. Springer). Das
Büchlein kann allen Interessenten empfohlen werden.
Der Geschäftsführer der Auskunftstelle des Leipziger Ver¬
kehrs-Vereins, Herr Kirsch, wurde zum Besuch unserer
Auskunftstellen in Oesterreich-Ungarn auf Reisen ge¬
schickt. Diese Reise wird voraussichtlich wertwolles Material
über den Wert und den weiteren Ausbau unserer Auskunft¬
stellen ergeben.
Für die Unterhaltung und weitere Errichtung von Auskunft¬
stellen im Auslande ist es vor allem wissenswert, welches
fremdsprachige Propagandamaterial seitens der Bundes¬
mitglieder zur Verfügung gestellt werden kann. Der geschäfts¬
führende Ausschuss veranstaltete daher eine entsprechende
Rundfrage unter den Bundesmitgliedern, deren baldige Be¬
antwortung unseren Mitgliedern nochmals empfohlen wird.
Infolge der auf der Hauptversammlung in Worms gegebenen
Anregung betreffend Führerautomaten wurde eine Rund¬
frage bei den Bundesvereinen veranstaltet, um eine Grundlage
für die Frage zu schaffen, ob der Bund zweckmässigerweise die
gemeinsame Beschaffung der Automaten in die Hand nehmen soll.
Die Deutsche Motorfahrer-Vereinigung in München über¬
mittelte uns eine Denkschrift über den Automobil-Pflaster¬
zoll in Bayern, ferner eine Denkschrift über die Einführung
des Automobil-Pflasterzolles im Herzogtum Gotha.
Trotz der drohenden Umgehung Bayerns seitens der Mit¬
glieder des internationalen Verbandes der touristischen und
automobilistischen Vereinigungen der ganzen Welt scheint
man in Gotha nicht übel Lust zu verspüren, sich von der
übrigen Welt zu isolieren.
Das auf der Hauptversammlung in Worms erstattete Referat
über die Bedeutung derRegelung derSommerferien
der höheren Schulen für den Fremdenverkehr ver-
anlasste den geschäftsführenden Ausschuss, den Bundesvereinen
Fragebogen, betreffend Heimat, Aufenthaltsdauer und Anzahl
der Kurgäste und Nachtfremden im Sommer igii, zur Aus¬
füllung zu übermitteln. Die genaue Beantwortung der Fragen
liegt im Interesse unserer Bestrebung, eine zweckmässigere
Verteilung der Sommerferien herbeizuführen.
Während der Hauptreisezeit tritt eine Verbesserung der
Eisenbahnverbindung Leipzig — Wa rnemünde und Doberan
usw. ein. Die an dieser Verbindung interessierten Bundes¬
mitglieder wurden durch ein Rundschreiben hiervon unte: richtet.
Den geschäftsführenden Ausschuss beschäftigte weiter die
Tagesordnung der nächsten Sitzung des Gesamtvorstandes.
Herr Generalmajor z. D. Gadegast in Leipzig über¬
nahm die durch den Tod des Herrn Buchdruckereibesitzers
C. Mühlberg frei gewordene Stelle im geschäftsf Uhrenden Ausschuss.
Die Firma Lissone & Zoon, die bereits in Amsterdam
eine Auskunftstelle des Bundes unterhält, übernahm eine
weitere Auskunftstelle im Haag, Prinsestraat i8. Diejenigen Mit¬
glieder, die Interesse an der Verteilung ihres Propagandamaterials
daselbst besitzen, werden gebeten, dasselbe an die Geschäfts¬
stelle des Bundes einzureichen. Desgleichen bitten wir um
Uebersendung von Drucksachen für die Auskunftstellen in R o m
und Westend e.
Zum Schluss ist zu erwähnen, dass eine Samjn ei¬
se ndung von Drucksachen an die Bundesmitglieder zur Ver¬
sendung gelangte.
Aus den Bundes-Vereinen.
Hauptversammlung
des Rheinischen Verkehrs-Vereins.
Am g. und lo. Juli fand in Mainz die diesjährige Haupt¬
versammlung des Rheinischen Verkehrs-Vereins statt. Sonntag,
den g. Juli, hatten sich die Teilnehmer zu einer gemeinsamen
Besichtigung der Sammlungen des Römisch-Germanischen Zentral¬
museums im ehemaligen kurfürstlichen Schlosse zusammen¬
gefunden. Die Führung hatte Herr Dr. B e h n übernommen,
der mit seinen lichtvollen Erläuterungen den Besuch zu einer
Quelle interessantester Belehrung zu gestalten wusste. Am Spät¬
nachmittag war man einer Einladung des Mainzer Verkehrs-
Vereins zu einem Essen im Kasinohof „Zum Gutenberg“ gefolgt.
Abends fand man sich in der Stadthalle zusammen, deren
Garten zu Ehren der Gäste festlich beleuchtet war.
Die eigentliche Hauptversammlung wurde Montag, den
lo. Juli, in der Stadthalle abgehalten. Vor Eintritt in die Tages¬
ordnung erfolgte eine Anzahl von BegrÜssungen durch die
Vertreter der staatlichen und städtischen Behörden. Der Vor¬
sitzende des Vereins, Herr Generalmajor Bigge, stattete darauf
den Dank des Vereins für die freundliche Anerkennung ab, die
in den Begrüssungsansprachen zum Ausdruck gelang^ war, und
sprach die Hoffnung aus, dass das Zusammenwirken der
Behörden und der Verkehrs-Vereine immer reger
werden möge. Es seien ja keine selbstsüchtigen Motive, die dazu
Anlass gäben, sondern die Ueberzeugung, dass der Verkehr
einen wichtigen Kulturfaktor bilde, und dass man daher durch¬
aus im nationalen Interesse handle, wenn man ihn fördere
und organisiere. Freilich gehöre dazu, dass die Haupt¬
interessenten, d. h. die Hotel- und Gasthofbesitzer und ähn¬
liche Gewerbetreibende, die Verkehrs-Vereine auch unterstützten,
indem sie ihnen die nötigen Beiträge zahlten, um eine kräftige
Propaganda für die Rheinlande betreiben zu können. In dieser
Beziehung bleibe aber noch manches zu wünschen übrig. Auch
sei es höchst bedauerlich, dass die Rheinlande vielfach im Rufe
ständen, das Reisen in ihnen sei teurer als anderswo. Diesen
Ruf durch die Tat zu beseitigen, sei Pflicht aller Hotelbesitzer;
sie müssten dafür sorgen, dass der Fremde sich am Rhein
wohlfühle und den Wunsch habe, wiederzukommen.
Sodann wurde in die Verhandlungen eingetreten und zu¬
nächst der Rechenschaftsbericht für igxo vorgelegt. Aus ihm
erscheint folgendes erwähnenswert: igio zählte der Verein an
Mitgliedern 13g Behörden, Städte, Gemeinden, Kur- und Bade-
Verwaltungen, 87 Verkehrs- und ähnliche gemeinnützige Vereine
und 535 Einzelmitglieder, ausserdem ii Ehrenmitglieder. Wesent¬
liche Veränderungen hat der Mitgliederbestand nicht erfahren.
Sehr begrüsst wurde der Beitritt des Pfälzischen Verkehrs-
Verbandes mit dem Sitz in Ludwigshafen und des Verkehrs-
Vereins für das Berg^ische Land. Die Anzahl der vom Zentral¬
bureau abgeschickten Postsendungen belief sich auf 23 725 Briefe
und Postkarten, 28 562 Drucksachen und 2352 Pakete. Die Zahl der
Auskünfte betrug 32 gi6.
Ueber den FremdenbesuchamRheinim vergangenen Jahre
lässt sich der Bericht dahin aus, dass infolge der Witterungs¬
verhältnisse das Jahr xgio als eines der ungünstigsten im letzten
Jahrzehnt bezeichnet werden müsse. Nur das Frühjahr brachte
kurze Zeit sonniges Wetter, aber schon im Mai setzte eine
Regenperiode ein, die mit geringen Unterbrechungen bis in den
Spätherbst hinein anhielt. Hierunter haben namentlich diejenigen
Orte gelitten, die auf längeren Aufenthalt von Gästen eingerichtet
uni angewiesen sind (Bäder, Luftkurorte, Sommerfrischen),
während der Passantenverkehr im allgemeinen nicht zurück¬
gegangen, an zahlreichen Stellen vielmehr, trotz der Ungunst
der Witterung, nicht unerheblich gestiegen ist. Letzterer Um¬
stand, in Verbindung mit der auch im Jahre xgio bemerkbaren
wesentlichen Erhöhung der Verkehrsziffern bei den Verkehrs¬
instituten, lässt die Annahme gerechtfertigt erscheinen, dass es
an Reiselust und auch an Geldmitteln zu ihrer Befriedigung- im
allgemeinen nicht fehlt, und dass eine vom Wetter endlich ein¬
mal begünstigte Reisesaison ein bedeutendes Anschwellen des'
Fremdenverkehrs am Rhein bringen wird.
' . ^
r.'Zu demin der voijährigen Hauptversammlung angenommenen
die Rhexndampfer-Gesellschaften zur Schaffung
halb- oder ganzmonatigen Abonnements aufzufordern,
btenerkte der Vorsitzende, dass erfreulicherweise nunmehr auch
. die Köln-Düsseldorfer Dampfschiffahrtsgesellschaft mitgeteilt
habe« die Ausgabe von Abonnementskarten sei in Vorbereitung.
Was die Werbetätigkeit des Vereins im verflossenen
^ Jahre betrifft, so sind 15 000 Rheinführer in deutscher, 5000 in eng¬
lischer, je 3000 in französischer und holländischer Sprache neu
gedruckt worden. Der Text hat hierbei eine Neubearbeitung
und Erweiterung erfahren. Für das Jahr 1911 hatte der Vorstand
eine weitgehende Umgestaltung des Rheinführers beschlossen.
Das Werk sollte ein anderes Format erhalten, der Text sollte
wesentlich erweitert und vor allem sollten 50 bis 60 grössere,
nach einem neuen farbenphotographischen Verfahren hergestellte
bunte Bilder — neben den schwarzen — auf genommen werden.
Für' die Massenpropaganda sollte ein neues Werk, ein flugblatt¬
artiger Prospekt von nur 10—12 Seiten Umfang, aber mit einer
Anzahl besonders wirksamer, bunter Bilder ausgestattet, ge¬
schaffen werden, dessen Text nur eine allgemein gehaltene
Schilderung der Schönheiten der Rheinlande enthalten und zu
ihrem Besuche anregen, für die Ausführung einer Rheinreise
aber auf den grösseren Führer hinweisen sollte. Leider haben
sich diese Pläne nur zum Teil verwirklichen lassen. Infolge
des trüben, regnerischen Wetters im Sommer und Herbst 1910
hat der Farbenphotograph nur etwa die Hälfte der in Aussicht
_ genommenen Bilder aufnehmen können. Die Herausgabe des
neuen Rheinführers muss daher auf das Jahr 1912 verschoben
werden. Der Prospekt dagegen konnte schon im Frühjahr erscheinen.
Der Umfang der Propaganda für die Rheinlande in der
Presse ist auch im Jahre 1910 in erheblichem Masse gewachsen,
ln der Tagespresse sind Inserate (zumeist mit einem Klischee
in Strichätzung versehen) in 24 deutschen und sechs aus¬
ländischen Zeitungen, elf illustrierten Zeitschriften und einer
Anzahl von Reiseführern, Kurs- und Adressbüchern wiederholt
erschienen. Als besonders wirksam hat sich wiederum die
Herausgabe ganzer Rhein-Sondernummern illustrierter Zeit¬
schriften und die Veröffentlichung einzelner Aufsätze angesehener
Schriftsteller über das gesamte Vereinsgebiet oder einzelne
Teile desselben in Zeitungen oder periodischen (Monats- oder
Wochen-) Schriften erwiesen, wobei der Verein entweder das
gesamte Material, Text und Illustrationen, oder wenigstens
let^ere geliefert hat. (Auch die Zeitschrift „Deutschland*^ brachte
eine Reihe von illustrierten Aufsätzen über das Rheingebiet)
Zu den Kosten des auf der Brüsseler Weltausstellung er¬
richteten Deutschen Verkehrsb ureaus hat der Verein
einen Beitrag von 500 Mark geleistet.
Auf der Städtebauausstellung in Düsseldorf im
Sommer 1910 hatte der Rheinische Verkehrs-Verein eine eigene
Abteilung unter dem Titel „Der städteverbindende Rhein“ ge¬
schaffen. Es war hier das gesamte Propagandamaterial der
Rheinlande, nämlich 553 Führer, Prospekte, Karten, Pläne usw.
aus 245 rheinischen Orten ausgestellt.
Aus der Tätigkeit, die der Verein zur Erreichung von
Verkeh rsVerbesserungen entfaltet hat, sei vor allem der
an deh Minister der öffentlichen Arbeiten und die Eisenbahn¬
direktionen in Mainz, Frankfurt a. M., Saarbrücken und Köln
gerichtete Antrag erwähnt, für die Wanderfahrten der Jugend¬
abteilungen der rheinischen Gebirgsvereine bei einer Beteiligung
von mindestens zehn Personen eine Ermässigung des Fahr¬
preises für die dritte Wagenklasse um die Hälfte zu gewähren.
Leider wurde diese Bitte, die dem Wandersport der Jugend
einen neuen Aufschwung geben sollte, mit dem Hinweis darauf
abgelehnt, dass nach Durchführung der Eisenbahntarifreform
grundsätzlich alle solche Vergünstigungen ausgeschlossen seien.
Mit anderen Anträgen hatte der Verein besseren Erfolg.
So erreichte er bei den Schiffahrtsgesellschaften die Einrichtung
neuer Anlegestellen an verschiedenen Rheinorten und bei der
Eisenbahn Verwaltung eine bessere Berücksichtigung mancher
Orte im Fahrplan der Schnellzüge.
Ganz besondere Aufmerksamkeit wandte der Verein auch
im vergangenen Jahre wieder den Rheinhöhenwegen und
den S chüler herb o rge n zu. Im Sommer 1910 wurde das
noch fehlende Stück der Höhenwege von Bingen bis Mainz
ausgewählt und bezeichnet. Die Rheinhöhenwege haben nun¬
mehr eine Gesamtlänge von 500 Küometern. Die Wege¬
bezeichnung ist im Laufe des Sommers sorgfältig nachgesehen
und ausgebessert worden. Leider werden immer noch zahl¬
reiche Schilder mutwUlig zerstört, Pfähle umgerissen und ent¬
fernt usw. Eine erhebliche Verbesserung der Bezeichnung er¬
folgte an vielen Stellen durch das Anbringen von Ortsschildern,
die die nächste Herberge angeben. Mit der Bezeichnung von
Zugangswegen wurde auf der Linie Vallendar-Höhr ein Anfang
gemacht; die Massregel soll fortgesetzt werden. Zwei neue
SchUlerherbergen wurden in Bingen und Schlangenbad ein¬
gerichtet; dagegen sind diejenigen in Boppard und Rhens aus
Mangel an Mitteln eingegangen. Für ign sind Neug^Undungen
in Neuwied, Rüdesheim, Eltville und Oberingelheim vorgesehen.
Die Zahl der Herbergsbesucher ist wiederum stark gewachsen;
sie hat sich gegen 1909 fast verdoppelt und gegen 1908 fast
verdreifacht. Im laufenden Jahr wird die Zahl von 10 000 wohl
überschritten werden. Die erst 1910 neugesebaffene Schüler¬
herberge in Bingen war die besuchteste in ganz Deutschland
und Oesterreich; mehrere andere vom Rheinischen Verkehrs-
Verein unterhaltene stehen mir ganz wenig dahinter zurück.
Dieser gewaltige Aufschwung der vom Rheinischen Verkehrs-
Verein für die deutsche Jugend geschaffenen Einrichtung hat
aber leider auch eine weniger erfreuliche Kehrseite. Die Kosten
der Unterhaltung der Höhenwege und Schülerherbergen wachsen
in so hohem Masse, dass es schon jetzt grosse Schwierigkeiten
macht, sie aufzubringen. Der Rheinische Verkehrs-Verein hat
allen Herbergen zugesagt, für jeden Besucher einen Zuschuss
von mindestens 50 Pfg. zu leisten. Er hat zwar vom Minister
der geistlichen und Unterrichtsangelegenheiten einen einmaligen
Zuschuss von 200 Mark und von einigen rheinischen Städten
und Privaten Beiträge von geringerer Höhe erhalten, allein bei
dem mit Sicherheit zu erwartenden weiteren bedeutenden An¬
wachsen der Besucherzahlen in den Herbergen muss doch in
absehbarer Zeit der Augenblick kommen, wo die finanziellen
Kräfte des Vereins nicht mehr ausreichen. Der Verein richtet
daher an alle diejenigen, die für die Förderung der Wanderlust
unserer Jugend und damit für ihre körperliche und geistige
Bildung und Kräftigung Herz und Interesse haben, die dringende
Bitte, ihn durch besondere Beiträge zu den Kosten der Höhen¬
wege und Schülerherbergen zu unterstützen, damit diese segens¬
reichen Einrichtungen nicht an Mangel an Mitteln eingehen müssen.
Das von Herrn H. Hoitz im Aufträge des Vereins heraus¬
gegebene „Rheinwanderbu ch“, das eine genaue Beschreibung
der Höhenwege und des Rheintales selbst enthält, ist im Früh¬
jahr 1910 in zweiter, verbesserter Auflage erschienen. Es hat
einem allgemein gefühlten Bedürfnis abgeholfen und ist das
begehrteste rheinische Wanderbuch geworden.
Die Jahresrechnung für 1910 wies 25359 Mk. Mitglieder¬
beiträge aus und daneben 595 Mk. Einnahmen aus gewinn¬
bringender Tätigkeit. Von den Ausgaben entfielen 5698 Mk. auf
Anzeigen, 1620 Mk. auf Höbenwege und Herbergen, 6483 Mk.
auf den Neudruck der Führer und 2090 Mk. auf Porti. Die
Verwaltung des Vereins kostete 10310 Mk., worin 1800 Mk.
Miete für die Geschäftsräume einbegriffen sind. Der Kassen¬
führung wurde Entlastung erteilt. Zu Prüfern der Jahres¬
rechnung für 1911 wurden die Herren Bürgermeister Freiherr
von Scheibler (Lorch) und Direktor der Mosel-Dampfschiffahrts-
Gesellschaft Lans (Coblenz) gewählt. Sodann beschloss die
Versammlung zwei Satzungsänderungen vorzunehmen. Durch
die eine soll erreicht werden, dass die Hauptversammlung nicht,
wie jetzt, unter allen Umständen im Mai oder Juni stattfinden
muss, sondern auch auf eine spätere Zeit anberaumt werden
kann. Die andere Aenderung bezweckt, die Möglichkeit zu
schaffen, da, wo es angebracht erscheint, die Einladungen, die
in den öffentlichen Blättern erfolgen, auch durch besondere,
den einzelnen Mitgliedern zuzusendende Einladungen ergehen
zu lassen. Des weiteren ernannte die Versammlung zu Ehren¬
mitgliedern des Vereins den Oberpräsidenten der Rheinprovinz,
Staatsminister Freiherrn von Rheinbaben, und den Regierungs¬
präsidenten zu Coblenz, Herrn Scherenberg. Zum Ort der
nächsten Hauptversammlung wurde Remagen bestimmt.
Herr Bürgermeister Neff (Bingen) nahm Veranlassung, im
Anschluss an die Besprechung des Jahresberichts die Zeitschrift
„Deutschland“ mit anerkennenden Worten zu erwähnen, die
seit der kurzen Zeit ihres Bestehens geradezu Hervorragendes
geleistet habe und sich als ein willkommener und wertvoller
Bundesgenosse für die Interessen der Verkehrs-
Vereine im allgemeinen und besonders auch für den
Rheinischen Verkehrs-Verein erwiesen habe. Der
Redner glaubt, dass es angebracht sei, auch hier auf der Haupt¬
versammlung der Freude über das gelungene Werk und der
Anerkennung über das, was Verlag und Redaktion in der
schönen Zeitschrift geleistet, öffentlich zum Ausdruck zu bringen,
diese Anerkennung aber auch durch weitere Unterstützung zu
betätigen. — Diesen Erklärungen schloss sich Herr Kommerzien¬
rat S ch m a h 1 (Mainz) in lebhafter Weise an, indem er betonte,
dass angesichts seiner ursprünglichen zurückhaltenden Stellung¬
nahme bei den Gründungsverhandlungen es ihm heute eine
Ehrenpflicht sei zu erklären, dass er sich damals ein solch
hervorragendes Werk unter dem zu gründenden Bundes¬
organ nicht vorgestellt habe, und das zu schaffen ihm damals
die Leistungsfähigkeit der Vereine zu übersteigen schien. I n
dem abgeschlossenen I. Jahrgange liege aber nun¬
mehr ein Werk vor, das die kühnsten Erwar¬
tungen weit übertroffen habe, ein Werk, auf das die
262 18 888 09 0 8 600 000 0 00900^998^^ DEUTSCHLAND iiBeee ^j o eee e 8e ee6€3 0ö oc ee cce § Nr. 5
Verkehrs-Vereine, wie auch der Verlag und der Schriftleiter
stolz sein dürften. Besonderen Eindruck mache auch die
Zeitschrift auf den Ausländer, der in der Amerika-
Nummer eine solch bedeutende und eindrucksvolle
Propagandaschrift über Deutschland fände, wie
bis jetzt noch nicht herausgekommen sei. Diesen
Kundgebungen der Anerkennung und des Dankes, die aus der
Versammlung heraus lebhafte Zustimmung erfuhren, schloss
sich der Vorsitzende gerne an, indem er seinen Dank noch
besonders an den anwesenden Schriftleiter richtete.
Zum Schluss kamen verschiedene Anregungen aus der
Versammlung heraus zur Verhandlung. Auf Antrag des Herrn
Hoyer (Köln) beschloss die Versammlung, bei den zu¬
ständigen Behörden dahin vorstellig zu werden, dass der auf
den Loreleyfelsen führende Weg sowie der rheinwärts
gelegene Teil der Hochfläche dieses Felsens in einer der Be¬
deutung dieser Stätte entsprechenden Weise ausgebaut werden;
ferner soll der Rheinische Verkehrs-Verein die Errichtung einer
Schutzhütte auf der Höhe in die Wege leiten und dafür eine
Beihilfe gewähren. Die Versammlung beschloss, dem engeren
Vorstand die weitere Behandlung der Angelegenheit zu über¬
tragen. Auf Antrag des Herrn Geh. Regierungs- und Land¬
rats Berg (St. Goarshausen) wurde dem Herrn Ober¬
präsidenten der Rheinprovinz folgende Entschliessung tele¬
graphisch übermittelt: „Die zu Mainz am lo. Juli tagende
7. Hauptversammlung des Rheinischen Verkehrs - Vereins be-
schliesst, an die Rheinstrombauverwaltung den Antrag zu
richten, auf eine wirksame Verminderung der Rauchplage auf
dem Rhein durch weitere Einführung von Rauchverbrennungs¬
apparaten auf den Rheindampfern und Einrichtung mechanischer
Beschickung der Kessel, wie dies bereits von einer Anzahl von
Schiffahrts-Gesellschaften geschehen ist, einzuwirken.“ — Der
Herr Oberpräsident erwiderte darauf umgehend mit folgender
Depesche: ,,Herzlich danke ich für die mich sehr erfreuende
Ehrung. Wegen Rauchverminderung bin ich ganz in Ihrem
Sinne tätig, von Rheinbaben.“
An die Versammlung schloss sich ein gemeinschaftliches Essen
in der Stadthalle an. Am Nachmittag folgten die Teilnehmer
mit ihren Damen einer Einladung der Stadt Mainz zu einer
Dampferfahrt nach Bacharach, über die in der nächsten Nummer
berichtet wird.
Verschönerungs-Verein für das Siebengebirge.
Die dem Verein gestellten Ziele konnten auch im ab¬
gelaufenen Jahre in erfreulicher Weise weiter verfolgt werden.
So gelang es namentlich durch wertvolle Ankäufe den bis¬
herigen Besitz zu vervollständigen und damit zur Lösung der
Aufgabe, die Naturschönheiten des Gebirges zu sichern und zu
erhalten, weiter beizutragen. Es wurden angekauft rund
32 Hektar, ungefähr die gleiche Grundfläche wie im Vorjahre.
Der Gesamtgrundbesitz beziffert sich nunmehr auf 757 Hektar.
Die Mitgliederzahl des Vereins beträgt 658. Der Jahresbericht
sagt ferner: Wie in den vorhergehenden Jahren, so müssen
wir auch in diesem Jahre wieder an unsere Mitglieder die
dringende Bitte richten, uns in tatkräftiger Weise zu unter¬
stützen. Für die Herstellung und Instandhaltung von Wegen
und Anlagen stehen dem Verein, abgesehen von den Zinsen
des Stammvermögens, der Jachtpacht, den Holzpreisen usw.
hauptsächlich nur die Mitgliederbeiträgc zu Gebote. — Erfreulicher¬
weise ist allerorts eine stetig wachsende Begeisterung für Fuss-
wanderungen in unseren Sieben Bergen zu bemerken, und die
vom Verein geschaffenen Verbesserungen und Neuanlagen
scheinen sich des Interesses und des Beifalls der Wanderer zu
erfreuen. Das Häuflein der Getreuen aber, die dem Verein
auch Opfer zu bringen gewillt sind, ist nur ein geringes, und
mindert sich leider von Jahr zu Jahr. Auffallend berührt es,
dass gerade unter denen, die aus dem Siebengebirge erheblichen
pekuniären Nutzen ziehen, sich so wenig bereit zeigen, auch
ihr Scherflein für die Unterhaltung der Anlagen beizutragen.
Die grossen und zum Teil ausserordentlich kostspieligen Auf¬
gaben, die dem Verein gestellt sind, erfordern erhebliche Auf¬
wendungen. Wir erneuern deshalb auch in diesem Jahre
wieder unseren herzlichen Appell an alle, die dem Sieben-
gebirge Liebe und Interesse entgegenbringen, den Verein durch
Werbung neuer Mitglieder und durch freiwillige Spenden in
seinen Bestrebungen zu unterstützen.
Eifelverein.
Nach dem im Maiheft des Eifelvercinsblattes veröffentlichten
Jahresbericht hat der Verein wieder einen starken Zuwachs
seiner Mitglieder zu verzeichnen. Die Zahl der Ortsgruppen
beträgt jetzt 114 mit 15200 Mitgliedern, 1200 mehr als im Vor¬
jahre. 6 Ortsgruppen sind dem Eifelverein neu beigetreten.
Erfreulich ist, dass auch in den Städten des rheinisch-westfäli¬
schen Industriegebietes die Gründung von Ortsgruppen dem¬
nächst bevorsteht. Ueber die grossen Aufgaben und Arbeiten
des Eifelvereins wurde auf der vom 10. bis la. Juni in Monijoie
stattgefundenen Jahreshauptversammlung, auf der auch Ober¬
präsident Freiherr von Rheinbaben anwesend war, berichtet.
Nach vielen Bemühungen der Trierer Eifelfreunde hat sich die
Eisenbahndirektion Saarbrücken dazu verstanden, versuchsweise
Sonntagsfahrkarten nach Daun und Gerolstein auszugeben.
Wünschenswert wäre es, so meint der Vorstand des Eifel¬
vereins, wenn sowohl vom Rhein, von Coblenz, Andernach,
Remagen, Bonn und Köln, wie auch von Düsseldorf und Essen
sowie den übrigen grossen Städten des Industriebezirks für
Eifelbesucher diese Vergünstigung an Sonntagen eingeführt
würde.
Der Allgemeine Mosel-Verein
hielt in dem reizend gelegenen Treis unter starker Beteiligung
seine Hauptversammlung ab. Die Schülerherbergen des
Gebietes sind sehr zahlt eich besucht worden. Sie haben annähernd
3400 Mark Kosten verursacht. Die Einrichtung soll auch ferner¬
hin beibehalten, jedoch in der Weise eingeschränkt werden,
dass nur noch eine bestimmte Zahl von Betten unentgeltlich
zur Verfügung gestellt wird, während für die übrigen eine
geringe Vergütung gezahlt werden muss. Beschlossen wurde
der Anschluss der Moselorte an die Höhenwege des Huns¬
rücks- und des Eifelvereins. Johannes Trojan wurde
zum Ehrenmitgliede ernannt. Vorträge hielten Oberförster
Künster über „Die Geschichte von Treis und seiner
Burgen“ und Dr. Heusler aus Bonn über „Heimatpflege“,
Düsseldorfer Verkehrs-Verein.
In der 14. ordentlichen Hauptversammlung besprach der Vor¬
sitzende, Herr Bankdirektor Seheurenber g, den Jahresbericht
für 1910, aus dem folgendes hervorzuheben ist: In dem mit dem
31. Dezember 1910 abschliessenden 14. Vereinsjahre hat sich die
Mitgliederzahl von 706 auf 727 erhöht. Die Tätigkeit des Vereins
ist auch im letzten Jahre eine sehr intensive gewesen. Im
Rechnungsjahr 1910 betrugen die Einnahmen und die Ausgaben
gleichlautend 26 825 Mk. Die allgemeine Tätigkeit des Verkehrs¬
bureaus und die Inanspruchnahme der Geschäftsstelle zu schrift¬
licher und mündlicher Auskunfterteilung über die Stadt, über
Verkehrswesen und dergleichen waren auch im Berichtsjahre
im ganzen ausserordentlich lebhaft; so wurde u. a. unsere
Mitwirkung wiederum bei der Organisation verschiedener Kon¬
gresse in umfangreicher Weise erbeten. Der Internationale
Kongress für Bergbau und Hüttenwesen im Juni 1910 war für
den Verein die äussere Veranlassung, die längst gefasste Absicht,
die Herausgabe fremdsprachlicher Druckschriften über unsere
Stadt, zur Ausführung zu bringen. Unser grosser illustrierter
„Führer“, wie auch der kleine „Führer“ wurden bei dieser
Gelegenheit in deutscher, holländischer, englischer und fran¬
zösischer Sprache neu verlegt. Die redaktionelle Bearbeitung
des Inhaltes hatte der Direktor des Statistischen Amtes, Herr
Beigeordneter Dr. Most, ausgeführt. Die bei der Düsseldorfer
Verlagsanstalt in künstlerischer Ausstattung hergestellten Führer
waren für die Kongressteilnehmer eine willkommene Festgabe,
die Düsseldorfs Sehenswürdigkeiten und Schönheiten durch
Wort und Bild in weite Kreise getragen hat. Eine lebhafte
Tätigkeit konnte der Verkehrs-Verein auch auf dem Gebiete der
Reklame und Propaganda veranstalten. Zur Verstärkung
der für eine solche Tätigkeit erforderlichen Mittel wurden uns
von verschiedenen Seiten ausserordentliche Beiträge für den
Reklamefonds zur Verfügung gestellt. Aus der Werbetätigkeit
ist ferner hervorzuheben die Verbreitung von 200000 kleinen
Prospekten in Form von Briefeinlagen, in denen ebenfalls auf
die Vorzüge der Stadt und die gelegentlichen besonderen Ver¬
anstaltungen hingewiesen wurde. Im Ausland wurde eine lebhaftere
Propaganda durchgeführt. Ausser umfangreichen Insertionen
erwähnt der Bericht die Beteiligung an dem Deuts chen
Verkehrsbureau in Brüssel, das auf Anregung der
Zeitschrift „Deutschland“ in Verbindung mit der preussischen
Staatseisenbahn-Verwaltung und dem Bund Deutscher Verkehrs¬
vereine errichtet wurde. Mit den Verkehrs vereinen der Nachbar¬
städte (Köln, Krefeld, Elberfeld, Barmen, Bergischer Landes¬
verein, Dortmund usw.) standen wir in angenehmen Beziehungen
und in regem Verkehr und Gedankenaustausch. Es ergibt sich
daraus die erfreuliche Tatsache, dass neben der den Verkehrs¬
vereinen obliegenden Werbe- und Propagandatätigkeit rein
lokaler Art ein Handinhandarbeiten bei grossen allgemeinen
Fragen und gegenseitige Unterstützung der jeweiligen nachbar¬
lichen Sonderveranstaltungen wohl möglich sind. Gerade in
dieser Richtung dürfte vielleicht noch ein sehr weites Arbeits¬
feld für die Verkehrs-Vereine zu suchen sein. — „Mit besonderer
Freude“, schreibt der Jahresbericht, „können Yfir heute eiuoh das
■
Nr.5 ffi^öooQQQQoaooQQQQQQQQQGQ ffl DEUTSCHLAND iBe eoe eooe ee eoeo ooeooedctxiOoo i 263
des neuen Organs für die deutschen Verkehrsinter-
■ .^^*enr der .illustrierten Zeitschrift „Deutschland“, würdigen,
' nachdem nunmehr der erste Jahrgang in seinen 15 Nummern
Vorliegt.- Die Überaus günstige Aufnahme, welche die Zeitschrift
,iDeut8chland“ in den weitesten Kreisen des In- und Auslandes
gefunden hat, entsprach voll den Erwartungen, die man an ihre
vornehme, künstlerische Ausstattung, wie auch an ihren mit
. vieler Sorgfalt bearbeiteten textlichen Inhalt knüpfen konnte.
. Dieser Erfolg erfüllt unseren Verkehrs - Verein mit um so
grüsserer Genugtuung, als er an dem Zustandekommen des
Unternehmens mitgewirkt hat. Unter der grossen Zahl von
deutschen Städten und Landschaften, die „Deutschland“ in
Wort und Bild geschUdert hat, ist Düsseldorf in abgemessener
Weise gewürdigt worden. Die Hefte der „Deutschland“ stellen
somit ein hervorragendes Organ für die Förderung der deutschen
Verkehrsinteressen dar, was auch durch das lebhafte Interesse
bestätigt wird, das ihnen die Behörden in jeder Weise bisher
entgegengebracht haben“. Auf dem Gebiete der Verkehrs¬
verbesserungen hat der Verein verschiedene Eingaben behandelt
und namentlich in Verbindung mit der Düsseldorfer Handels-
^kammer den zuständigen Stellen eingereicht. So wurde u. a.
die Handelskammer mit Erfolg um Unterstützung gebeten, für
die Zeit der Brüsseler Ausstellung direkte Wagen von Düssel¬
dorf ngth Brüssel und umgekehrt zu befürworten.
Ferner hatte der Vorstand sich mehrfach bemüht, dass die
Köln-Düsseldorfer Dampfschiffahrts-Gesellschaft die Dampfer¬
fahrt nach und von Köln schon früher als den 15. Juli beginnen
lasse, und mit näherer Beg^ndung auch vorgeschlagen, für den
Verkehr Köln-Düsseldorf ein Schnellschiff in Dienst zu stellen.
Eine auf Anregung des Herrn Regierungspräsidenten geschaffene
Neuerung bedeutet die durch Zuschuss der Stadtverwaltung
unserem Verein möglich gewordene Ausgabe eines „Programm-
- Kalenders“, in dem die sämtlichen Vortragsveranstaltungen,
Konzerte usw. des laufenden Monats übersichtlich verzeichnet
sind. Herr Stadtbibliothekar Dr. Nörrenberg hat die Zusammen¬
stellung des Programms übernommen. Der Programm-Kalender,
.der jeden Monat in Tausenden von Exemplaren unentgeltlich
zur Verteilung kommt, wird auch von auswärts vielfach ver¬
langt, hat sich vortrefflich bewährt und daher allgemein sehr
günstige Beurteilung gefunden. In der Ergänzungswahl zum
Vorstand wurden gewählt: An Stelle des Herrn Postrat Feuer¬
sänger Herr Regierungsrat Kamlah, für Herrn Stadtverordneten
Eitel Herr Landesrat Adams, für Herrn Kaufmann Schrammen
Herr Chefredakteur Westphal, für Herrn Hoteldirektor Müller
Herr Hotelier Meyer. Zum Schatzmeister wählte die Versammlung
Herrn Bankier Tapken. Die übrigen auscheidenden Vorstands¬
mitglieder wurden wiedergewählt. Der Vorsitzende teilte hierauf
mit, dass d^r Vorstand den einstimmigen Beschluss gefasst hat,
Herrn Oberbürgermeister Marx zum Ehrenmitgliede des
Vereins zu ernennen. Herr Bankdirektor Scheurenberg betonte
die grossen Verdienste des Herrn Oberbürgermeisters Marx um
die Ausgestaltung der Verkehrsverhältnisse in Düsseldorf. Der
Vorstand schlage seine Wahl zum Ehrenmitglied nicht allein
aus Dankbarkeit vor, sondern erblicke einen Stolz darin, einen
solchen Mann als Ehrenmitglied auf dem Schilde des Vereins
führen zu dürfen. Der Vorschlag des Vorstandes wurde von
der Versammlung mit lebhafter Zustimmung aufgenommen und
genehmigt.
Der Verband der Verkehrs-Vereine Westfalens und
angrenzender Gebiete
hat Uber die Arbeiten und Erfolge des dritten Geschäftsjahres
durch seinen Schriftführer, Dr. jur. Kuckuck (Dortmund), einen
umfangreichen Geschäftsbericht erscheinen lassen. Nachdem im
ersten Teil über die Sitzungen, den Vorstand und die Mitglieder
gesprochen ist, werden im zweiten Teil die Arbeiten und auch
die Erfolge eingehend dargelegt. Man sieht speziell aus diesem
Teil, dass der Vorstand bemüht war, die satzungsgemäss über¬
nommenen Arbeiten derart auszuführen, dass für alle seine
Mitglieder ein direkter oder indirekter Nutzen daraus hervorgeht.
— Als Anhang sind diesem Bericht die beiden letzten Vorträge
des verstorbenen Schatzmeisters, Herrn Flörsheim (Dortmund),
über die „Postverbindung des Industriegebiets mit Süddeutsch¬
land“ und über „den Wegfall des Ankunftstempels“ und des
Herrn Alfred Meyer (Dortmund) über „das abgelehnte Schnell¬
bahnprojekt Dortmund—Düsseldorf und die „Ausgestaltung des
Eisenbahnnetzes im rheinisch-westfälischen Industriegebiet“ bei¬
gefügt. Das Mitgliederverzeichnis weist zurzeit log Mitglieder
an Verlcehrs-Vereinen, Verkehrs-Verbänden, Gemeinden, Kreisen,
Aemterm, Gesellschaften und Einzelpersonen auf. Von den
gemein, samen Arbeiten sind ausgeschlossen die Arbeiten, die
rein lokaler Natur sind oder die Anträge, die mit den Interessen
anderer Mitglieder kollidieren. Da sich die Arbeiten des Ver¬
bandes über ein grosses Gebiet erstrecken, ist es notwendig.
dass aus allen Teilen Westfalens und der angrenzenden Gebiete
Mitglieder eintreten und mitarbeiten, weil es sonst dem geschäfts-
ftthrenden Vorstande unmöglich ist, das erstrebte Ziel zu er¬
reichen. Wenn eine Gemeinde oder Korporation, oder auch
Einzelperson Interesse daran hat, den Inhalt dieses Jahres¬
berichts kennen zu lernen, kann er denselben von der Geschäfs-
stelle des Verbandes, Dortmund, Balkenstrasse x8, beziehen. —
Auch hatte der Verband bei der Eisenbahndirektion Essen an¬
geregt, wiederholt die durch das Kohlenrevier fahrenden Züge
sowohl über die KÖln-Mindener, wie über die Bergisch-Märkische
Linie zu führen, die Züge also in Dortmund bezw. in
Duisburg zu gabeln. Diesem Wunsche hat die Eisenbahn¬
direktion jetzt insofern entsprochen, als sie die vier Ferien¬
sonderzüge, die Anfang August nach München, Basel
und Erfurt fahren, sowohl über die Köln-Mindener, als auch
über die Bergisch-Märkische Linie leitet.
Sodann hatte der Verband der Verkehrs-Vereine West¬
falens im vorigen Jahre in einer an die Eisenbahn Verwaltung
gerichteten Eingabe vorgeschlagen, den seit dem i. Mai d. Js.
neu eingelegten Eilzug 197 Essen- Dortmund-Süd—Altenbecken
— Cassel von Altenbecken ab teilweise über Ottbergen—Nort¬
heim bis Nordhausen weiterzuführen, damit von dem Industrie¬
gebiet eine direkte Zugverbindung nach den Kurorten des
Südharzes hergcstellt würde. Diesen Wunsch hat die Eisen¬
bahnverwaltung allerdings noch nicht erfüllt. Sie lässt aber,
dieser Anregung folgend, in diesem Jahre zum ersten Male
einen Feriensonderzug aus dem Kohlenrevier nach
dem Südharz verkehren.
Es werden aus dem Industriegebiet im August d. Js. drei
Feriensonderzüge nach dem Harz gefahren.
A) Nach dem Nordharz: i. Am 4. August von
Krefeld über Essen—Dortmund-Süd nach Halber¬
stadt. Ab Essen H.-B. 7.06 vorm., Bochum-Süd 7.25, Langen¬
dreer 7.36, Dortmund-Süd 7.57, Soest 8.54, an Goslar 12.50
nachm. Abzweigestation für Hahnenklee, Wildemann, Claus¬
thal—Zellerfeld, Vienenburg an 1.13. Abzweigestation für Bad
Harzburg, Ilsenburg, Heudeber— Dannstedt an 1.54. Abzweige¬
station für Wernigerode, Schierke, Elend, Halberstadt an 2.13.
Abzweigestation für Quedlinburg, Thale, Bodetal. — 2. Am
4. August von Duisburg über Gelsenkirchen, Dort¬
mund H.-B. nach Halberstadt. Ab Duisburg 7.20 vorm.,
Gelsenkirchen 8.03, Wanne 8.12, Herne 8.21, Dortmund H.-B. 8.56,
an Goslar 2.11 nachm., Vienenburg 2.19, Heudeber-Dannstedt 3 Uhr,
Halberstadt 3.15.
B) Nach dem Südharz. Am 5. August von Duis¬
burg über Essen H.-B.—D o r t m u n d-S ü d —S o e s t—Al t e n-
becken —Northeim nach Nordhausen. Ab Essen H.-B.
7.45 vorm., Bochum-Süd 8.03, Langendreer 8.14, Dortmund-Süd
8.32, Soest 9.47, an Herzberg 1.33 nachm. Abzweigestation für
Osterode am Harz, an Scharzfeld 1.45. Abzweigestation für
Bad Lauterberg, St. Andreasberg, an Bad Sachsa 2.07, Walken¬
ried 2.13. Abzweigestation für Stöberhai, Braunlage, Nord¬
hausen an 2.42 nachm. Abzweigestation für Itfeld, Netzkater,
Hohegeiss usw.
Wir empfehlen angelegentlich die Benutzung dieser Ferien¬
sonderzüge, insbesondere auch des Zuges nach dem Südharz,
damit die Eisenbahnverwaltung bei starker Benutzung des
Zuges sich veranlasst sieht, in Zukunft ständig fahrende Eil-
züge über diese Strecke verkehren zu lassen. Erwähnt sei
noch, dass die Ausgabe der Sonderzugrückfahrkarten zu er-
mässigten Preisen bereits 10 Tage vor Ablassung der Sonder¬
züge erfolgt und drei Tage vor Ablassung des betreffenden
Sonderzuges mittags 12 Uhr geschlossen wird. Zu jedem der
vorstehend aufgeführten Sonderzüge werden höchstens 500 Fahr¬
karten ausgegeben. Sobald diese Höchstzahl erreicht ist, wird
der Verkauf geschlossen, also eventuell schon früher wie drei
Tage vor Ablassung des betreffenden Sonderzuges.
Der Verkehrs-Verein Barmen
hat in der Ruhmeshalle eine Ausstellung von Photographien
des Bergischen Landes veranstaltet. Der Vorsitzende des Verkehrs-
Vereins, Stadtverordneter Evertsbusch, verspricht sich, wie
er in seiner Begrüssungsansprache ausführte, von der Aus¬
stellung Erfolge zum Nutzen der Vaterstadt, der Heimat und
des ganzen Bergischen Landes, dessen Schönheiten von den
Fremden immer mehr geschätzt würden. Die Ausstellung ist
ausserordentlich reich beschickt; sie zeigt einmal, zu welch
künstlerischer Höhe es zahlreiche Amateure gebracht haben,
unter denen der Barmer Verein für Liebhaberphotographie eine
hervorragende Stelle einnimmt. Auch Schüler des Gymnasiums
haben gute Bilder ausgestellt, die zu einer Kollektivausstellung,
ebenso wie des eben genannten Vereins, vereinigt sind. Sie
bezeugen den Wert der Photographie für die ästhetische Aus¬
bildung der Schüler und für Unterrichtszwecke, insbesondere
264 I BQOQQQQQQQQGQQQQQQQQQQQQQQQd l DEUTSCHLAND BS 0GOOOO0O6OOO0G6006O6008€)tl B Nr.5 ‘
für den heimatkundlichen Unterricht. Diesen Zweck verfolgte
unmittelbar eine grosse Sammlung von Stereoskopbildern, die
ein Remscheider zusammengestellt hatte und die den ganzen
Wupperlauf nebst den besonderen Sehenswürdigkeiten der
Wupperstädte umfasste. Unter den Arbeiten der Einzelaus¬
steller nimmt das bergische Haus in seiner Eigenart eine
beherrschende Stellung ein. Vorzüglich sind Volkstypen bei
der Arbeit im Schleifkotten oder Hammer, oder in ihrer be¬
schaulichen Ruhe wiedergegeben. Eine Reihe von Preisen,
darunter auch zwei silberne und eine bronzene Medaille, die
von der Stadt gestiftet wurden, stehen zur Prämiierung für die
besten Arbeiten zur Verfügung.
Verkehrs-Verein Dortmund.
Der letzten Vorstandssitzung lag ausser verschiedenen
Wahlen die Einrichtung und Besetzung des neuen Verkehrs¬
bureaus am Hauptbahnhof ob. Zum zweiten Vorsitzenden
wurde Herr Kaufmann Gust. Wiskott jun. gewählt. Da der
ordentliche Verbandstag des Verbandes der Verkehrs-Vereine
Westfalens Dortmund als Vorort gewählt hatte, lag dem Vor¬
stande des Dortmunder Verkehrs-Vereins satzungsgemäss die
Wahl des geschäftsiührenden Vorstandes ob. Als Vorsitzender
und als Schriftführer wurden die Herren Oberbürgermeister
Dr. E i ch h o f f und Dr. jur. K u ck u ck einstimmig wiedergewählt,
während als Schatzmeister für den verstorbenen Herrn Flörsheim
Herr Kaufmann Strohn (Dortmund) eintrat und gleichzeitig die
Vertretung des Vorsitzenden übernahm. Zur Begutachtung von
Eisenbahnangelegenheiten und zur Vertretung der anderen Vor¬
standsmitglieder trat Herr Kaufmann Alfred Mey er (Dortmund)
in den geschäftsführenden Vorstand ein. Nachdem der Geschäfts¬
führer Herr Dr. Kuckuck über den Hergang der Haupt¬
versammlung des Bundes Deutscher Verkehrs-Vereine, der er als
Bevollmächtigter des Verbandes und des Vereins beiwohnte,
und über die Einrichtung verschiedener Verkehrsbureaus be¬
richtet hatte, ■ wurden noch einige Anträge und Wünsche auf
Verbesserungen von Verkehrseinrichtungen besprochen.
Sauerländischer Gebirgsverein.
Die Hauptversammlung fand in Arnsberg unter
dem Vorsitz des Bürgermeisters Locke statt. Der Verband
zählte 1909 14t Abteilungen mit 13593 Mitgliedern, im Vorjahre
156 Abteilungen mit 15 217 Mitgliedern, er ist also um 15 Ab¬
teilungen und 1624 Mitglieder gewachsen. Eingegangen sind
zwei, neu gegründet 17 Abteilungen. Der von dem Verein auf
der Nordhelle zu errichtende Robert-Kolb-Turm erfordert eine
Summe von izoooMk., die zum grössten Teile bereits gesammelt
ist. Der mit dem Frankfurter Verleger des „Sauerländischen
Gebirgsboten“ geschlossene Vertrag ist zum i. Januar 1912 ge¬
kündigt und die Drucklegung der Firma Girardet in Essen über¬
tragen. Die Schülerherbergen haben einen gewaltigen Auf¬
schwung genommen. Sie wurden im Jahre 1907 von 952, 1908
von 1500, 1909 von 3316 und 1910 von 4332 Schülern besucht.
Natürlich haben sich auch die Kosten entsprechend gesteigert,
und zwar haben dieselben in den entsprechenden Jahren be¬
tragen 1835 Mk., 1994 Mk., 3685 Mk., 4919 Mk. Die Lichtbilder¬
sammlung ist jetzt bei der Zahl 500 angelangt. Die Ausgrabungen
im Arnsberger Walde werden fortgesetzt, ebenso die Aus¬
grabungen an der Hünenburg bei Meschede. Karl Ewald (Hagen)
berichtete namens des Hauptwegeausschusses : Es sind jetzt bei
25 Hauptwanderstrecken 2500 Kilometer Wege gezeichnet.
Namens des Ausschusses für SchUlerherbergen berichtete
Lehrer Grossjohann (Lüdenscheid), namens des Verkehrs¬
ausschusses Stadtrat Perker (Hagen). Die Rechnungslegung
für die Hauptkasse wies eine Einnahme von 34220 Mk. und
eine Ausgabe von 24734 Mk. nach, so dass ein Bestand von
9486 Mk. verbleibt, hierzu kommt der Bestand von 7000 Mk. —
Eine Abteilung Düsseldorf des Sauerländischen Gebirgs-
vereins ist kürzlich in Düsseldorf gegründet worden. Der Vor¬
stand besteht aus folgenden Herren: Erster Vorsitzender Herr
Oberregierungsrat Cosack, zweiter Herr Rechtsanwalt Dr. Biesen¬
bach, erster Schriftführer Herr Oberzollrevisor Soemer, zweiter
Herr Dr. med. Berens, erster Kassierer Herr Kaufmann Bernhard
Winkhaus, zweiter Herr Zahnarzt Schulte, Beisitzer die Herren;
Architekt Franz Schneider, Professor Lausberg, Kriegsgerichts¬
rat Dörken, Fabrikbesitzer und Stadtverordneter Woeste.
Ein Sommerausflug des Vereins zur Förderung des
Fremdenverkehrs Hamburg,
Unermüdliches Streben mit weitsichtigen Blicken sind Grund¬
bedingungen im heutigen Hasten und Treiben unseres Geschäfts¬
lebens, und diese zielbewusste Aufgabe zu lösen, ist in erster
Linie mit stets das Bestreben eines jeden Verkehrs-Vereins,
wenn er seine Zwecke und Ziele in Einklang zu bringen sucht
auf der einen Seite zum Wohl seiner Vaterstadt, auf der andern
gleichzeitig zum Wohl und zur Hebung der geschäftlichen
Konjunktur in derselben. Wer Gelegenheit gehabt hat, im
Laufe der letzten Jahre die Fortschritte auf dem Verkehrs¬
gebiete zu beobachten, wird bestätigen, dass ein rastloses Vor¬
wärtsschreiten vieler Städte nicht zum geringsten der
Rührigkeit ihrer Verkehrs-Vereine zu danken ist. Man muss
es darum begrüssen, dass auch der Hamburger Verein zur
Förderung des Fremdenverkehrs ständig bemüht ist, mehr und -
mehr aus seiner Reserve herauszutreten, und hoffentlich unter¬
stützt durch das Wohlwollen seiner Behörde und durch das-
Zusammenwirken seiner Mitglieder weitgehendst in die Lage
kommt, allen Anforderungen, die heute an einen Verkehrs-
Verein von der Bedeutung Hamburgs gestellt werden, gerecht
zu werden. Dankbare Anerkennung verdient darum auch ganz
besonders das Wirken des Vorstandes, den Verkehrs-Verein
als solchen auch einmal ab und zu in der breiten Oeffentlich-
keit für sich selbst wirken zu lassen, und so versammelten sich
am 30. Juni viele Hunderte von Mitgliedern an den St. PauU-
Landungsbrücken, um eine Fahrt nach der Lühe zur Kirschen-
ernte in fröhlicher Stimmung unter bewährter Führung des
Schatzmeisters, Herrn C. Clausen, anzutrelen. Festlich geflaggt
lagen die beiden Dampfer „Gutenberg“ und „Germania“ der
Hamburg—Stader -Altenländer Linie bereit, die vielen Hunderte
von Damen und Herren aufzunehmen, und schon lange vor
der festgesetzten Abfahrtszeit war bereits der eine der Dampfer
vollständig besetzt. Alle Teilnehmer waren hoch befriedigt
von der schönen Fahrt, und allgemein ging die Stimmung dahin,
dass durch derartige ideale Zusammenkünfte dem Verein zur
Förderung des Fremdenverkehrs neue Freunde erstehen.
Der Verein zur Förderung Dresdens und des
Fremdenverkehrs
hielt am 5. Juli seine diesjährige Hauptversammlung ab.
Der Vorsitzende Hofrat Behrens berichtete über die Tätigkeit des
Vorstandes im abgelaufenen Voreinsjahr auf Grund des gedruckt
vorliegenden Rechenschaftsberichts. Namentlich berührte er die
neue Propagandaschrift Sachsen, die der Verein im Auftrag
der Generaldirektion der Kgl. Sächs. Staatsbahnen hergestellt
hat, sowie den Führer Dresden und das Elbgelände, der sich
solcher Beliebtheit erfreut, dass in einem Jahre 25000 Stück
vertrieben worden sind. Weiter berichtete er über die Beteiligung
des Vereins an der Internationalen Ausstellung für Reise und
Fremdenverkehr in Berlin. Zum Schluss besprach Hofrat Behrens
die gegenwärtige Internationale Hygiene-Ausstellung. Weiter
wurde gemäss dem Antrag der Rechnungsprüfer die Rechnung
für das abgelaufene Geschäftsjahr richtiggesprochen. Es folgte
die Ersatzwahl für die 12 ausscheidenden Vorstandsmitglieder.
Wiedergewählt wurden Rentier Ackermann, Kommerzienrat
Konsul G. Arnhold, Rentier Frohne, Pfarrer Gamper, Stadtrat
Hofmusikalienhändler Plötner, Hoflieferant Sieverts, Prof. Dr.
Vollmöller, Stadtverordneter Hoflieferant Carl Wendschueb,
Buchhändler v. Zahn und Hotelbesitzer Rühmann; neugewählt
wurden Stadtverordneter Grützner und Rechtsanwalt Hertel; zu
Rechnungsprüfern wurden wiedergewählt die Herren Bahmann,
Zeuner und Siegel. - Sodann entspann sich eine längere Aus¬
sprache Uber den Wert und Nutzen der Internationalen Hygiene-
Ausstellung. Kommerzienrat Arnhold erklärte, sie werde eine
nachhaltige Wirkung haben. Eine grosse Zahl von Personen,
die Dresden lange gemieden hätten, seien wieder hierher ge¬
kommen, ebenso eine grosse Anzahl, die Dresden zum ersten
Male besuchten. Stadtrat Plötner bestätigte diese Ansichten und
wies namentlich noch auf die schönen Schaufenster Dresdens
hin, das sich in dieser Hinsicht mit allen grossen Städten
Europas messen könne. — Auch Hofrat Behrens erklärte zu¬
sammenfassend, der Name der Stadt sei wieder einmal mit
Ehren durch die ganze Welt getragen worden, die Ausstellung
werde Dresden grossen und dauernden Nutzen bringen.
Verkehrs-Verein Mannheim.
Auf der diesjährigen sechsten Mitgliederversammlung des
Verkehrs - Vereins Mannheim begrüsste der erste Vorsitzende,
Herr Stadtrat Darmstädter, bei Eröffnung der Versammlung ins¬
besondere die Herren Polizeidirektor Dr. Korn, Amtsgerichts¬
direktor Giessler und Postdirektor Weiland und widmete dem
am 23. November v. Js. verstorbenen verdienstvollen zweiten
Vorsitzenden, Herrn Stadtverordneten - Vorstand Wilh. Fulda,
einen warmempfundenen Nachruf. Der Tätigkeitsbericht für
die Jahrr 1908/10, der im Druck vorlag, gibt ein übersichtliches
Bild von der weitverzweigten, erfolgreichen Wirksamkeit des
Vereins. Herr Stadtrat Darmstädter ergänzte den Bericht mit
einigen Bemerkungen über die Verkehrs-Vereine im allgemeinen
und über den Mannheimer im besonderen. Als sehr erfreulich
sei zunächst festzustellen, dass die Tätigkeit der Verkehra-
DEUTSCHLAND @ e öG ooo o 0 8 8ee6^6^^000€)€>e0e0 e ggi 265
£r\
^^iMSe&asm ■ von seiten der Städte und des Staates immer mehr
Aneskannt werde. Gerade die Zusammenschlüsse der Vereine
ju Verbänden hätten veranlasst, dass die Regierungen und
Bisenbahnverwaltungen die Verkehrs-Vereine auch materiell
unterstützen. Ein grosses Verdienst um die Förderungen der
deutschen Verkehrsinteressen habe sich die illustrierte Zeit¬
schrift „Deutschland** erworben. Diese erst ihren zweiten
Jahrgang eröffnende Zeitschrift, das amtliche Organ des Bundes
Deutscher Verkehrs-Vereine, habe eine Propagandanummer
inenglischer Sprache herausgegeben, die dazu be¬
stimmt sei, in Amerika in etwa 50 000 Exemplaren verbreitet zu
werden und den Amerikanern, die zumeist über Paris nach
Europa kommen und oft nur die Schweizer und Tiroler Alpen
und die Bäder besuchen, dis Schönheiten des deutschen Landes
vor Augen zu führen. Die Stadtverwaltung habe auf Anregung
des Verkehrs-Vereins die Herausgabe dieser Nummer unter-
'Btützt. Die auf Mannheim bezügliche Publikation präsentiere
sich mit den beigegebenen Illustrationen auf das vorteilhafteste.
Besonders in die Augen fallend sei die Wiedergabe des Manetschen
Bildes und einer packenden Hafenpartie. Das Original besitzt
Frau Geh. Kommerzienrat Lanz. Im Anschluss daran stellte
der Redner fest, dass der Stadt mit der Kunsthalle ein
grosser neuer Anziehungspunkt gegeben worden sei. Er könne
nicht umhin, dabej der grossen Propaganda-Versammlung zu
gedenken und der aufrichtigen Freude über das so grossartige
Gelingen Ausdruck zu geben. Es sei ganz selbstverständlich,
dass der Verkehrs-Verein dem neugegründeten Freien Bund
zur Einbürgerung der bildenden Kunst in Mannheim die aller¬
lebhafteste Sympathie entgegenbringe, denn der Verein sei
stets dabei, wenn Mannhein in einer Sache vorangehe. Man
sei auch überzeugt, dass es dem wundervollen Optimismus und
Idealismus Dr. Wicherts gelingen werde, das Ziel zu erreichen,
das er sich gesteckt habe. Sei so die Kunstpflege in Mannheim
ein neuer Faktor, Mannheim überall bekannt zu machen und
fremde Besucher hierher zu ziehen, so habe die Stadt in der
Waldpflege, in den seither bedeutend fortgeschrittenen Verbesse¬
rungen des Waldparks Neckarau ein Mittel, den Mannheimern in
unmittelbarer Nähe der Stadt eine Erholungsstätte zu bieten.
Aus dem Tätigkeitsbericht ist zu ersehen, dass Propaganda¬
tätigkeit und Bureaubetrieb eine beträchtliche Steigerung er¬
fahren haben. Nur durch Anspannung aller Kräfte war es
möglich, die stetig wachsende Arbeit zu bewältigen. Im
Namen des Vorstandes spreche er der Geschäftsführung
vollste Anerkennung aus für ihre unermüdliche, pflicht¬
eifrige Tätigkeit. Redner sprach weiter der Stadtverwaltung,
besonders dem Oberbürgermeister, den herzlichsten Dank dafür
aus, dass der städtische Zuschuss von 3000 auf 5000 Mark er¬
höht wurde, ferner den Behörden, den Mitgliedern und der
Presse. Der Kassenbericht, den in Vertretung des verhinderten
Kassiers, Herrn Direktor Nettei, der Vorsitzende erstattete,
weist als Rechnungssrgebnis des Jahres 1910 21415.76 Mark Ein¬
nahmen und 21597.42 Mark Ausgaben auf. Herr Amtsgerichts¬
direktor Giessler schloss sich den anerkennenden Worten des
Vorsitzenden über die ausgezeichnete Geschäftsführung voll an.
Der Voranschlag für 1911 balanciert in Einnahmen und Aus¬
gaben mit 19500 Mark. Der Vorsitzende machte bei dieser Ge¬
legenheit die Mitteilung, dass beabsichtigt sei, einen neuen
Führer herauszugeben. Der Voranschlag wurde einstimmig ge¬
nehmigt. Herr Geschäftsführer Hohl gab alsdann das Arbcits-
prog^amm für 190 bekannt.
Verband hessischer Verkehrs-Vereine.
Bad-Nauheim. Vom i. Juli 1 . J. ab hat der Verkehrs-
Verein die Geschäfte des Verbandes hessischer Verkehrs-
Vereine für die nächsten 2 Jahre übernommen. Die Geschäfts¬
leitung des Vororts besteht aus Herrn Rechtsanwalt und Notar
Stahl (x. Vorsitzender), Hartmann Stohl (Kassierer) und Wilhelm
Wallmann (Schriftführer). Es besteht die Absicht, Ende Aug^ust
oder Anfang September eine Verbands-Sitzung in Bad-Nauheim
abzuhalten. Dem Verband gehören zurzeit 22 Vereine an, aus
den Provinzen Starckenburg, Rhein- und Oberhessen.
Der Frankfurter Verkehrs-Verein hat, wie in der
Mitgliederversammlung vom 5. Juli mitgeteilt wurde, zur
schnelleren Erledigung des Geschäftsganges verschiedene Aus¬
schüsse gebUdet, so eine Presse- und Propaganda-Kommission,
Führer-, Finanz- sowie Handels- und Verkehrs-Kommission.
Mit den Fremdexi-Automobilfahrten durch den Taunus wird in
den nächsten Tagen begonnen. Vorläufig werden wöchentlich
drei Fahrten, Dienstags nach Königstein, Donnerstags nach Cron-
berg, Samstags nach Homburg unternommen. Der Preis beträgt
14 Mark für eine Person. Wie der neue Geschäftsführer, Direktor
Wermeling, weiter mitteilte, werden im Vorstand zurzeit ver-
'SChiedene Projekte zur Hebung des Fremdenverkehrs beraten,
der in diesem Jahre bedeutend abgenommen bat, so gegen das
Vorjahr im Monat Mai um ixooo, im Juni um 7000 Personen.
Aus Anlass der Eröffnung des Ostbahnhofs plant der Verkehrs-
Verein die Abhaltung eines Festspiels oder eines historischen
Umzugs.
Der Fremdenverkehr in Cassel-Wilhelmshöhe
hat in dieser Saison bereits einen bedeutenden Umfang erreicht,
namentlich durch die Jubiläumsausstellung der Deutschen Land-
wirtschaftsgesellschaft und die flugsportlichen Veranstaltungen
gelegentlich des Deutschen Rundfluges. Während der sechs
Ausstellungstage wurden 516352 Personen von der elektrischen
Strassenbahn befördert; die Betriebseinnahmen im Juni ergaben
demgemäss ein mehr von 64 400 Mark gegen Juni X910. In dem
klimatischen Kurort Wilhelmshöhe waren bis 6. Juli 2496 Per¬
sonen (ohne Passanten) anwesend. Die weltberühmten Wasser¬
künste sind auch während des Sommeraufenthaltes der Kaiser¬
lichen Familie dem Publikum zugänglich. Grosse Anziehungs¬
kraft übt auch die kolonialwirtschaftliche Ausstellung im
Orangerieschloss der Karlsaue aus. Eine Reihe von Verbänden
hält in dem zentral und landwirtschaftlich hervorragend gelegenen
Cassel in diesem Sommer Tagungen ab. Als Kongressstadt
wird die alte Hessenresidenz noch mehr in Aufnahme kommen
nach Vollendung der Stadthalle, die angesichts der Wilhelms¬
höher Parkanlagen im Westen der Stadt mit einem Kosten¬
aufwand von 1200 000 Mark (ohne Grunderwerb) errichtet wird.
Hebung des Fremdenverkehrs. Der kürzlich in
Gotha abgehaltene Thüringis che Städtetag hat sich
auch über Massnahmen zur Hebung des Fremdenverkehrs in
Thüringen unterhalten. Es erstattete im Namen des im vorigen
Jahre in Sangerhausen eingesetzten Ausschusses Herr Stadt¬
verordneter Otto Rudolf (Gotha) in einem längeren Vor¬
trage einen eingehenden Bericht. Der Redner erörterte die
Aufgaben, die zur Hebung des Fremdenverkehrs erfüllt werden
müssten, und betonte, dass ein einiges Vorgehen von ganz
Thüringen durchaus notwendig sei. Er macht; vieleilei
Vorschläge in dieser Richtung und wies dabei auch auf den
Autoverkehr hin, der in verschiedenen Teilen Deutschlands,
insbesondere im bayrischen Hochgebirge, zur Verbesserung
des Fremdenverkehrs ausgebildet worden ist. Er schlug ferner
vor, eine wesentliche Verbesserung der Bahnverhältnisse Thü¬
ringens zu betreiben. Weiterhin empfahl er eine im Mittelpunkt
gelegene Geschäftsstelle, die am besten in Gotha errichtet würde.
Schliesslich befürwortete er eine Entschliessung, die den Zweck
verfolgt, einen Verkehrsverband für Thüringen zu gründen und
alle Einzelheiten einer später einzuberufenden Gründungs¬
versammlung zu überlassen. Mit diesen Anregungen erklärte
sich der Städtetag einverstanden.
Eisenbahnwesen.
Neue Zugverbindungen zwischen Hamburg, Bremen
und Süddeutschland.
(Mitgeteilt von der Kgl. Eisenbahndirektion Hannover.)
Seit dem 1. Mai d. J. verkehren zwischen den Hanse¬
städten Bremen und Hamburg und Süddeutschland zwei neue
D-Züge mit 1. und 2. Kl. nach folgendem Fahrplan:
925 ab 1
1122 ftn ^
^ Hamburg Hauptbahnhof
' Hannover '
an 822
^ ab 5^
9i« ab
1131 an
Bremen
Hannover
an 784
ab 6^
11^ ab
420 an
Hannover |
an 637
ab 122
429 ab
5^ au
10^8 an
Elm
Würzburg
München
an 1222
ab 1022
ab 612
429 ab
5£2 aii\
55 * ab/
702 an
Elm
Frankfurt a. M.
Mannheim
an 122
/ab 11*1
\an 1112
an 988
99 *^ an
1118 an
Straßburg
Basel (Schweiz) Bundesbhf.
ab 707
ab 601
6^9 ab
789 an
727 * „
910 * „
831* „
1219 au '
Frankfurt a. M.
Wiesbaden
Heidelberg
Stuttgart
/ Karlsruhe g
Basel Bad. Bahnhof |
an 108»
ab 1008
9!*
„ 7»»
”
1 ab 6*7
*) über Mannheim
Die Züge führen von Hamburg und Bremen nach
Mannheim und München und zurück direkte Wagen und
Schlafwagen.
■»;<*»?j;-T*'*r? *i>!? ■;-;.■^■
•^ . vr’^.vs^
266 m B& dGeeß&3&3e&[^3&^ ^eee&&^ DEUTSCHLAND ig5^)eöQe$^^^) 0 e8e0^ g )eeee6G^ Nr. 5
D-ZUge und Eilzüge. Die Frühjahrs-Versammlung der
West deu t s ch e n Ve r k ehrskommission des Verban des
reisender Kaufleute Deutschlands beschäftigte sich, wie
die ,,Crefelder Zeitung** meldet, unter anderem sehr eingehend
mit der Zusicherung des Ministers, die Fahrpläne im westlichen
Deutschland in jeder Weise verbessern zu wollen. Hierzu
wurde hervorgehoben, dass die andauernde Vermehrung der
D-Züge im Interesse einer rascheren und bequemeren Beförderung
zu begrüssen sei; es müsse aber Wert darauf gelegt
werden, dass dieD-Züge auchwirklich einegrössere
Fahrgeschwindigkeit zeigten, als die Eilzüge;
die D-Züge 13/14 Köln—Berlin z. B. hätten die gleiche
lange Fahrzeit beibehalten, die sie als Eilzüge besassen.
Ferner müsse die Vermehrung der Eilzüge gleichen
Schritt halten mit der Vermehrung der D-Züge, und zwar
nicht nur im engeren, sondern im erweiterten Lokalverkehr;
nur so könne der‘Zweck, die D-Züge zu wirklichen, durch¬
gehenden Zügen mit weiter zu vermindernden Fahrzeiten zu
machen, erreicht werden. (Vgl. hierzu den Artikel in Nr. 15,
S. 44, des vorigen Jahrganges der „Deutschland“.) Auch müsse
der Begriff „Lokalverkehr“ ein umfassenderer werden; unter
den heutigen Verkehrsverhältnissen könne man doch sicher eine
Entfernung wie Aachen—Hannover als Lokalverkehr ansprechen;
für eine grosse Anzahl der rheinisch-westfälischen Kaufleute
und Industriellen sei bereits die Entfernung Köln —Berlin zum
„Lokalverkehr“ geworden. Die Ausführungen fanden den leb¬
haften Beifall der zahlreich besuchten Versammlung, der auch
die Vertreter der Handelskammern Barmen, Elberfeld, Duisburg,
Hagen, M. Gladbach anwohnten.
Wi e viel Forie n-So nder züge werden gefahren?
Welchen Umfang die Zahl der Ferien-SonderzUge angenommen
hat, ergibt folgende Darstellung: An die Ostsee werden in
den Monaten Juli und August 53 Sonderzüge abgelassen, den
Verkehr nach der Nordsee vermitteln 55 Sonderzüge; nach
Thüringen und dem Harz werden ii bezw. 18 Sonderzüge ge¬
fahren, nach dem Rhein (Köln) sind es deren 4. Nach dem
Riesen-, Glatzer-, Iser- und Altvatergebirge gelangen 23 Sonder¬
züge zur Ablassung. Besonders reichhaltige und mannigfache
Gelegenheit bietet sich wiederum zu Ferienreisen nach Süd¬
deutschland und der Schweiz. Nach München werden 69 Sonder¬
züge aus den verschiedensten Teilen Deutschlands gefahren,
woran anschliessend an einigen Tagen Sonderzüge nach Kuf¬
stein und Salzburg abgehen. Nach Basel vermitteln 43 Sonder¬
züge den Reiseverkehr, nach Stuttgart und Friedrichshafen ver¬
kehren 8 Sonderzüge, nach Berlin 20, nach Wien 6 und nach
der Sächsischen Schweiz 7 Sonderzüge.
Fahrpreisermässigung zum Besuche der
Hygiene-Ausstellung in Dresden. Arbeitnehmer,
die Mitglieder von Krankenkassen im Sinne der reichsgesetz¬
lichen Bestimmungen über die Krankenversicherung der Arbeiter
(einschl. der Knappschaftskrankenkassen) oder versicherungs¬
pflichtige Mitglieder eingeschriebener Hilfskassen sind, werden
bei Reisen, die sie zu ihrer Belehrung nach der Internationalen
Hygiene-Ausstellung in Dresden unternehmen, unter den folgen¬
den Bedingungen in 3. Klasse zum halben Preise der Fahrkarten
für Eil- und Personenzüge, in Schnellzü en ausserdem gegen.
tJirifmässigen Zuschlag, befördert. Auf der Hinreise müssen
Die diesjährigen Ferien-Sonderzüge mit Fahrpreisermäßigung werden abgolassen:
A. nach Norddeiitschland:
Von Barmen Hbf.
nach Bremen und Hamburg am 4., 5. und 11. August,
Von Ba^el
nach Cöln, Bremen u. Hamburg über Karlsruhe am dl. Juli.
Von €«ln Hbf.
nach Berlin am 4. August,
,, Bremen und Hamburg am 4. und 11. August,
„ Cassel am 4. August,
„ Erfurt (Thüringen) am 4. August,
„ Halberstadt (Nordharz, Südharz) am d. August,
„ Nordhausen am 5. August.
Von Crefeld Hbf.
nach Cassel über Duisburg am 4. August,
„ Halberstadt (Nordharz) über Duisburg am 4. August.
Von l>jl88^1dorf Hbf.
nach Berlin am 4. August,
„ Bremen und Hamburg am d., 4., B. und 11. August,
„ Erfurt (Thüringen) am 4. August,
„ Halberstadt (Nordharz, Südharz) am 5. August,
„ Nordhausen am 5. August.
Von Dnitsburg Hbf.
nach Erfurt (Thüringen) am B. August,
,, Halberstadt (Nordharz, Südharz) am 4. August,
„ Nordhausen am 5. August.
1 ; Von Elberfeld Hbf.
•i nach Berlin am 1. August,
, ,, Bremen und Hamburg am 4., 5. und 11. August.
'1 A'on Met* Hbf.
'j nach Berlin über Coblenz—Gießen am 7. August,
„ Bremen u. Hamburg über Coblenz -Cöln am 7. August.
Von ]?lüllieiiii (Bahr)
nach Berlin am 4. August.
' „ Bremen und Hamburg am 4., 6 . und 11. August.
j Von iirladbacb
I nach Berlin am 4. August.
Von Oberhauseit
; nach Berlin am 1. August,
,, Erfurt (Thüriugen) am 5. August.
'; Von Rheydt
l| nach Bremen und Hamburg am *4. August.
|l Von Saarbrücken
\\ nach Berlin über Trier (lerolstein am 4. August,
ij „ Bremen u. Hamburg üb. Trier—Gerolstein am 4. August.
Von Straübnrg; i. E. Hbf.
nach Cöln, Bremen mul Hamburg am 7. August,
„ Cöln am 7. August.
B. nach Süddeiitsclilaiid:
Von Barmen-RitterNliansen
uach Konstanz und Schatfhausen am d August,
Von ۟ln Hbf.
nach Basel über Karlsruhe am d. August,
„ Basel über Straßburg am 4. August,
„ Konstanz und Schaffhausen am 3 August,
„ München am 3. August.
Von Crefeld Hbf.
nach Basel über Karlsruhe am d. August.
Von Dortmnnd
nach Basel Über Karlsruhe am 3. August,
„ Basel ‘über Straßburg atn 4. August,
„ Stuttgart—Friedrichshafen am 4. August,
„ Konstanz und Sehaffhausen am 3. August,
„ München am 3. August.
Von Düssteldorf Hbf.
uach München am 3. August.
Von Essen Hbf.
nach Basel über Karlsruhe am 3. August,
„ Basel über Straßburg am 4. August.
Von Hagren (Westf.)
nach Basel über Karlsruhe am 3. August,
„ Basel über Straßburg am 4. August,
„ Stuttgart-Friedriehshafen am 4. August,
„ München am 3. August.
Von Herne
nach Basel über Karlsruhe am 3. August,
„ Basel über Straßburg am 4. August,
„ München am 3. August.
Nähere Auskunft erteilen die amtlichen Auskunftstellen in Aachen Hbf., Bonn, Coblenz Hbf. und Crefeld Hbf.)
die amtliehen Reisebureaus in Cöln Hbf. und Frankfurt (Main) Hbf. und die Fahrkartenausgaben unserer Bezirke, bei
denen auch Uebersichten, die die Beförderungsbestimmungon, Fahrpläne und Fahrpreise enthalten, kostenfrei erhältlich sind.
Königliche Eisenbahndirektionen ln Cöln, Elberfeld, Essen, Frankfurt (Main), Münster (Westf.)»
Saarbrücken und Kgl. Preußische und Großherzoglieh Hessische Elsenbahndirektion in Mainz.
Nr.5;- ,fiP99 9Q0Q8QQQ300QQQQ QQQ0QQQ @ DEUTSCHLAND Be €? Oe c ee e o eO O OOOO O OO O CCeeö ^ 267
'sich mindestens zehn Teilnehmer zu einer gemeinschaftlichen
Reise zasammenschliessen; die Rückreise kann auch einzeln
ausgefOhrt werden. Als Ausweis ist eine Bescheinigung der
-Krankenkasse darüber vorzulegen, dass das betreffende Mitglied
zum Besuch der Internationalen Hygiene-Ausstellung in Dresden
reist. Zu diesen Bescheinigungen ist unter handschriftlicher
Abändenmg der amtliche Vordruck zu verwenden, der zur Er¬
langung einer Fahrpreisermässigung für Mitglieder von Kranken¬
kassen usw. zwecks Unterbringung in Heilstätten usw. vor-
geschrieben ist. Die Fahrpreisermässigung für die Hinreise ist
bei der Fahrkartenausgabe der Abgangsstation möglichst früh¬
zeitig — spätestens 12 Stunden vor Abgang des Zuges — unter
Vorlegung der Bescheinigung für alle an der gemeinsamen
Fahrt teilnehmenden Personen zu beantragen. Der Beförderungs¬
schein hat eine Geltungsdauer von 4 Tagen, einschliesslich des
Lrösungstages, die zxlt Mitternacht des letzten Geltungstages
erlischt. Die Fahrpreisermässigung für die Rückreise wird von
den Fahrkartenausgaben in Dresden gegen Vorlegung der
Bescheinigungen der Krankenkassen gewährt.
Für die Bahnverbindung Malme dy — S t av el o t
sind nach einer Mitteilung des Eifelvereins im belgischen
Haushaitangsplan 1062384 Frank vorgesehen. Die Bahn soll
19x2 vollendet sein.
Schiffahrt.
Stromschiffahrtskommission. Die Stromschiffahrts-
kommission, an deren Spitze sich der Oberpräsident der Rhein¬
provinz befand, traf am 12. Juli auf dem Dampfer „Lippe** der
Strombauverwaltung auf dem Spoykanal an der städtischen
Werft in Cleve ein. Nach der Ankunft fand eine Rundfahrt
durch die Clever Waldungen statt, der abends gegen 87^ Uhr
ein Festessen im Kurhause folgte. Am 13. Juli früh brachte die
Bataillonskapelle dem Herrn Oberpräsidenten ein Ständchen.
Im Rathause fand alsdann eine Sitzung der Kommission statt,
die Staatsminister Oberpräsident Freiherr von Rheinbaben
mit der Mitteilung eröffnete, dass das Mitglied der Kommis¬
sion, Abg. Dr. Beumer an der Strombefahrung 25 Jahre
hindurch teilgenommen, bei keiner Fahrt und keiner Sitzung
jemals gefehlt und der Kommission das ihm eigene lebhafte
Interesse und seine grosse Sachkunde stets freudig zur Ver¬
fügung gestellt habe. Dafür sei ihm die Staatsregierung,
die Strombauverwaltung und die Kommission zu lebhaftem
Danke verpflichtet. Als Widmung der Kommission überreichte
ihm der Oberpräsident ein Blumenangebinde und als per¬
sönlichen Gruss einen herrlichen Rosenstrauss mit dem
Wunsche, dass der Himmel dem Jubilar noch lange Kraft und
Gesundheit verleihen möge, den Interessen unseres vater¬
ländischen Stromes zu dienen. (Lebhafte, allseitige Zustimmung).
Der also Gefeierte dankte tief bewegt in herzlichen Worten für
die ihn überraschende Ehrung, die ihn um so mehr freue, als
er in den 25 Jahren seitens der Kommission soviel Freund¬
schaft und Liebe erfahren habe, die ihn anspornen werde,
nach dem Masse seiner Kraft auch fernerhin im Interesse des
Rheines tätig zu sein. (Lebhafter Beifall). Der Oberpräsident
teilte dann weiterhin mit, dass das nichtständige Mitglied der
Kommission, Geh. Rat Prof. Dr. Frhr. v. La Valette (St. George)
gestorben sei, der als Vertreter des Rheinischen Fischerei¬
vereins seit den Jahren 1891 der Kommission angehört und
an ihren Arbeiten eifrig teilgenommen hat. Die Anwesenden
ehrten sein Gedächtnis durch Erheben von ihren Sitzen. An
seine Stelle ist Prof. Huppertz in die Kommission cin-
getreten. Ebenso hat die Kommission durch den Eintritt des
Kommerzienrats Gustav Stinnes ein neues Mitglied erhalten.
Den Schluss der Verhandlungen bildete eine eingehende Ver¬
handlung über die Rauchbelästigung durch Rhein¬
dampfer, eine Frage, die von Geheimrat Trilling (Köln) ein¬
geleitet wurde. An der Besprechung nahmen der Oberpräsident,
der Regierungspräsident von Düsseldorf, Dr. Kruse, Reeder
Hugo Stinnes, Abgeordneter Dr. Beumer, Geheimrat Kannen-
giesser, sowie die Direktoren Ott und Pieper teil. Dass Miss¬
stände vorhanden sind, die beseitigt zu werden verdienen, wird
von keiner Seite geleugnet; nur über die Mittel ist man ver¬
schiedener Ansicht. Die Mehrzahl der Redner wandte sich
gegen dise Regelung der Sache durch eine Polizei Verordnung;
Hugo Sti.nnes empfahl das Studium der Frage, wie die auf
den Scedampfern vielfach übliche Verbrennung der Kohle mit
erwärmter Luft auch auf den Rheindampfern eingeführt werden
könne. Mit Einstimmigkeit wurde sodann beschlossen, eine
Kommission zum gründlichen Studium der ganzen
Angelegenheit einzusetzen, von der auch der Vor¬
sitzende hofft, dass sie rasch und wirksam arbeiten werde, da
'er auf die freiwUlige Abstellung der offensichtlichen Missstände
den grössten Wert lege. Zum Schluss der anregend ver¬
laufenen Sitzung dankte Geheimrat Deussen (Krefeld) unter leb¬
hafter Zustimmung der Kommission dem Oberpräsidenten für
die vorzügliche Leitung der Verhandlungen und für die treue
Führung auf der Fahrt.
Verbindung zwischen Deutschland und Nord-
England. In Süddeutschland scheint es nicht allgemein be¬
kannt zu sein, dass die direkte Route von dort nach Nord-
England und Schottland ül : r Brüssel, Zeebrugge und Hüll führt,
und dass diese Route schon seit 1906 im Betriebe ist.
Hier dürfen wir erwähnen, dass Zeebrugge ein neuer Hafen ist,
am Eingang des Kanals, der nach Brügge führt, 25 Kilo¬
meter von Ostende und 7 Kilometer von Blankenberghe gelegen.
Ein Hafendamm, 2V2 Kilometer lang, ist schon gebaut worden
und bietet bequemen Raum für die grossen amerikanischen
Passagierdampfer. Der Dampferdienst Über die Zeebruggei; Route
steht mit den Lancashire und Yorkshire und North Eastern
Eisenbahnlinien Englands in Verbindung und die Abfahrtszeiten
während der Monate Juli, August und September 1911 sind wie folgt:
Abfahrt von Zeebrugge Kai jeden Sonntag, Mittwoch und Freitag,
7 Uhr abends; Abfahrt von Hüll (Kiverside Kai) jeden Dienstag,
Donnerstag und Samstag, 6 Uhr abends. Der Zwillingsschrauben¬
dampfer „Duke of Clarence**, der von Anfang an diesen Dienst
besorgt hat, besitzt den Ruf, eins der schönsten Dampfschiffe
zu sein, welche die Nordsee befahren. Die Seereise zwischen
Zeebrugge und Hüll wird in zwölf Stunden gemacht, und die
Passagiere für England haben Anschluss mit dem Dampfer ver¬
mittelst eines durchfahrenden Schnellzuges von Brüssel (Nord-
bahnhoO. Bei Ankunft in HuU (Riverside Kai) warten schon
Schnell-Durchgangszüge (D-Züge), die die Passagiere nach Brad¬
ford, Leeds, Halifax, York, Newcastle, Glasgow, Edinburgh,
Manchester, Liverpool, dem Seenlande und anderen wichtigen
Orten in Lancashire, Yorkshire und dem Nord-England befördern.
Ein ähnlicher Dienst ist auch bei der Rückfahrt nach Deutsch¬
land in Betrieb. Die Abfahrt des Djimpfers nach beiden Rich¬
tungen findet am Abend statt, damit die Passagiere an Bord des
Schiffes nach dem Essen eine bequeme Nachtruhe in den ge¬
räumigen und gut gelüfteten Kabinen geniessen können. Der
„Duke of Clarence** hat elektrische Beleuchtung und ist in höchst
vornehmer Weise ausgestattet. Durchgehende Fahrkarten werden
zwischen den bedeutendsten Städten Süd-Deutschlands und Nord-
und Mittel-Englands ausgegeben. Auch für die Beförderung
des Gepäckes wird gesorgt. Die Züge kommen in Hüll sowie
in Zeebrugge längsseits des Dampfers an und deshalb wird das
Gepäck, das frei ist, ohne Unannehmlichkeiten umgeladen.
In Hüll sowie in Zeebrugge gibt es Dolmetscher, und das sehr
tüchtige Personal des Dampfers einschliesslich der erfahrenen
Aufwärterinnen für die Damenkajüte ist auch gern bereit, den
Reisenden jeden Beistand zu leisten. Aus dem Vorgehenden
wird man ersehen, dass der Dienst nach Nord-England und
Schottland ausgezeichnet passt nicht nur für die Touristen,
sondern auch für Geschäftsleute, die dadurch direkt nach
ihren Bestimmungsorten in Nord-England oder Schottland be¬
fördert werden können, ohne sich in London aufhalten zu
müssen. Alle Anfragen bezw. Mitteilungen sind an die Firma
Aug. Balcke & Comp., Zeebrugge Quai, Belgien, zu richten.
Die Cowes-Woche verspricht in diesem Jahre einen
ungewöhnlich glänzenden Verlauf zu nehmen. Die Zahl der
Lustjachten, die sich angemeldet haben, ist grösser, als sie je
gewesen ist. Auch die Flotte der Rennjachten wird durch die
grosse Anzahl der fremden Boote sich auszeichnen. Aller
Wahrscheinlichkeit nach werden der König und die Königin
auf ihrer Jacht „Victoria and Albert** anwesend sein, und auch
König Alfons von Spanien und seine Gemahlin werden als
Gäste des Prinzen Heinrich von Battenberg erwartet. Wie
gewöhnlich wird die Regatta am i. August beginnen, wenn die
Rennen um den Königspokal gefahren werden. Am folgenden
Tage wird der Kampf um den Pokal des deutschen
Kaisers ausgefochten werden. Die Regatta endet am Freitag,
den 4. August, mit dem Rennen um den internationalen Pokal
der „Royal Yacht Squadron**, der von Lord Wandsworth
gestiftet wurde.
Personen- und Gepäckverkehr mit Ostsee¬
badeorten.
Beginn und Schluss der regelmässigen Fahrten
auf den Schiffstrecken.
I. Schiffstrecken.
I. Stettin — Swinemünde — Misdroy — Ahlbeck —
Heringsdor f—B ansin—Göhre n—S e 11 i n— Bin z—S a s s-
nitz mit Dampfern der Stettiner Dampfschiffs-
Gesellschaft J. F. Braeunlich.
268 l iPeeOQ(XIQQO000QC^ DEUTSCHLAND
Nr.5
«) vom 8. Juni bis 9. September werktäglich, vom 35. Juni bis
27. August auch Sonntags.
b) vom g. bis 20. September dreimal wöchentlich, letzte Hin>
fahrt am ig. September, letzte Rückfahrt am 20. September.
Ab Stettin: Dienstags, Donnerstags, Sonnabends.
Ab Sassnitz: Montags, Mittwochs, Freitags.
2. Sassnitz —Bornholm mit Dampfern der Stet¬
tiner Dampfschiffs-Gesellschaft J. F. Braeunlich.
Vom 26. Juni bis 6. September:
Ab Sassnitz: Montags, Mittwochs, Freitags.
Ab Bornholm: Montags, Mittwochs, Freitags.
Ausserdem Sonntagsfahrten vom ii. Juni bis 10. September.
3. Stettin —Swinemünde — Ahlbeck - Heringsdorf
— Bansin mit Dampfern der SwinemUnder Dampf-
schiffahrts-Aktiengesellscbaft.
Vom I. April bis x. Dezember werktäglich.
Vom I. Juni bis 31. August auch Sonntags.
4. Stettin—Misdroy (siehe auch Ziff. II. i)
a) über I^aatziger Ablage mit Dampfern der Dampf-
schiffahrts-Gesellschaft zu Cammin (Pommern)
Vom I. Juni bis 31. August täglich.
Vom I. bis 20. September dreimal wöchentlich.
Ab Stettin: Dienstags, Donnerstags und Sonnabends.
Ab Misdroy (Laatziger Ablage) : Montags, Mittwochs und
Freitags.
b) über Wasserweg —Misdroy Seebrücke mit Dampfer
„Prinz Heinrich“ der Reederei Boettcher &
R o e 8 e 1 e r.
Vom 15. Juni bis 19. Juni werktäglich.
Vom 20. Juni bis i. September täglich.
5. Stettin — Wollin — Cammin — Dievenow mi^
Dampfern der Dampfs chiffahrts-Gesellschaft zu
Cammin (Pommern)
a) Stettin—Dievenow:
Vom X. Juni bis 30. September werktäglich.
Vor dem x. Juni und nach dem 30. September laut beson¬
derer Bekanntmachung.
b) Cammin—Dievenow:
Vom I. Juni bis 21 September täglich.
6. Greifswal d—T h i e s s o w—G öhren-Sellin —Binz
— Sassnitz mit Dampfer „Kronprinz Wilhelm“ der
Reederei Paul Mestermann.
Vom 12. Juni bis xü. September werktäglich. Jeden Montag
fällt die Fahrt ab Sassnitz 6.30 vorm. aus. Sonntags¬
fahrten ab Greifswald 6.30 vorm, nach Rügen und zurück.
7. Stralsund—Breege mit Dampfern der Reederei
C. A. Beug.
Vom X. Mai bis X5. September werktäglich.
Vom x6. September bis x. Oktober viermal wöchentlich.
Ab Stralsund: Dienstags, Mittwochs, Donnerstags und Sonn¬
abends.
Ab Breege: Montags, Mittwochs, Donnerstags und Freitags.
8. Stralsund—Hiddensee (Landungsstelle Vitte)
mit Dampfer „Caprivi“ des Schiffskapitäns G. Bentzien.
Vom X. April bis x. Oktober werktäglich.
g. E1 b i n g—K ahlberg mit Dampfern der Dampf-
schiffs-Reederei A. Zeedler.
Vom x6. April bis 5. November täglich.
Luftschiffahrt.
Das Preisgericht für den Deutschen Rundflug
hat die Preise der B. Z. a. M. und die damit verbundenen Ehren¬
preise von insgesamt xoo 000 Mark wie folgt verteilt: x. Preis
(40000 Mk.) König; 2. Preis (25000 Mk.) Vollmöller; 3. Preis
(10 000 Mk.) Büchner; 4. Preis (7000 Mk.) Lindpaintner; 5. Preis
(6000 Mk.) Wittenstein; 6. Preis (5000 Mk.) Wienc^iers; 7. Preis
(4000 Mk.) Schauenburg; 8. Preis (3000 Mk.) Thelen. - - Von
den Extrapreisen des Kriegsministeriums erhielt den x. Preis
von 5000 Mk. König, den 2. Preis von 4000 Mk. Vollmöller.
Ausserdem wurde festgestellt, dass für die in Aussicht ge¬
nommene Bestellung eines Apparates des siegreichen Typs
durch das Kriegsministerium die Albatros - Werke in Frage
kommen. Von den Preisen der Stadt Berlin erhielt den i. Preis
von 2500 Mk. der Sieger des RundÜuges; der 2. Preis von
1500 Mk. üel an Büchner, der die letzte Etappe Halberstadt —
Berlin in der kürzesten Zeit zurücklegte; der 3. Preis von
1000 Mk. wurde Vollmöller zugesprochen, der während der
Etappenflüge mit 1350 Meter die höchste offiziell festgestellte
Höhe erreicht hatte, und zwar auf der Strecke Nordhausen —
Halberstadt. Der Ehrenpreis des Kronprinzen hei gleichfalls an
König als den Sieger des Rundfluges. Von den Extrapreisen
der Automobiltechnischen Gesellschaft für die erfolgreichsten
Motoren wurde der i. Preis der Daimler-Motoren-Gesellschaft
in UntertUrkheim bei Stuttgart zugesprochen, die den Mercedes-
Motor Vollmöllers lieferte; den 2. Preis erhielt die Arguss-
Motoren-Gesellschaft in Berlin - Reinickendorf, die den Motor
Büchners geliefert hatte. Beide Motoren hatten die von den
Fliegern zurückgelegten Etappen einwandfrei durchgehalten. —
Einige Proteste Köngs gegen Vollmöller wurden als nicht stich¬
haltig abgewiesen. — Der Deutsche Rundflug hat gezeig^t, dass
die deutsche Flugzeugindustrie in verhältnismässig kurzer Zeit
Hervorragendes geleistet hat. Wie der „Köln. Volksztg.“ von
fachmännischer Seite mitgeteilt wird, sind die von ihr hervor¬
gebrachten deutschen Apparate den ausländischen besonders in
bezug auf Betriebssicherheit und Stabilität mindestens ebexi-
bUrtig, die Ucberlegenhcit der französischen Eindecker liegt nur
noch in deren Schnelligkeit. Die drei ersten Preisträger, König,
Büchner und Vollmöller, sind mit Maschinen rein deutscher
Konstruktion geflogen. Besonders Vollmöllers Etrich Rumpler-
Eindecker, die Taube, kann sich den französischen BMriots,
Döperdusins usw. würdig zur Seite stellen. Auch die deutsche
Motorindustrie kann sich des Ergebnisses des Deutschen Rund¬
fluges freuen; Büchners Argusmotor und Vollmöllers Mercedes,
welch letzteren auch Hirth zu seinen glänzenden Flügen in Kiel
und zum Fluge um den Kathreiner-Preis München —Berlin ver¬
wendet hat, stehen den französischen Gndme-Motoren in keiner
Weise nach, sind ihnen im Gegenteil in bezug auf geringen
Betriebsstoffverbrauch überlegen. Dem Umstande, dass die
Hauptbeteiligten als Passagiere Offiziere, die im Kartenlesen,
überhaupt in der Orientierung besonders ausgebildet sind, an
Bord hatten, ist es in erster Linie zuzuschreiben, dass verhältnis¬
mässig recht wenig Verirrungen im Gelände vorgekommen sind,
trotzdem das Wetter oft dunstig und nebelig war. Natürlich
haben auch die von der Organisation getroffenen Vorkehrungen,
wie das Hochlassen von Fesselballons, Kennzeichnung der
wichtigen Eisenbahnschienen-Kreuze usw. die Orientierung wesent¬
lich erleichtert. Das Wetter war während des Rundfluges auch
bezüglich der Windstärken und Windrichtungen, auftretenden
Lufiwirbeln, Böen und Vertikalströmungen im allgemeinen nicht
besonders günstig, zeitweise sogar ausgesprochen ungünstig.
Es zeugt deshalb von grosser Vorsicht der Flieger beim Ent¬
schluss zum Abflug einerseits und Geschicklichkeit in der
Steuerung bei ungünstigem Wetter anderseits, dass der ganze
Rundflug so überaus glücklich verlaufen ist. Mit Rücksicht auf
die Wetterlage kann man das Starten in den frühesten Morgen¬
stunden oder späten Nachmittagsstunden, in denen die Luft
verhältnismässig ruhig und gleichmässig ist, nur gutheissen,
wenn es auch für das Publikum etwas unbequem war. So kann
man also das Ergebnis des Deutschen Rundfluges um den
B.-Z.-Preis der Lüfte als ein überaus günstiges und für die
Entwickelung der Aviatik in Deutschland bedeutungsvolles
bezeichnen.
Zeppelins Erfolge. Der neueste Zeppelin, das Passagier¬
luftschiff „ S ch w a b e n “, entwickelt eine Eigengeschwindigkeit
von 19,3 Sekundenmeter. Das ist ein Triumph des Systems
sondergleichen. Die Luftschiffe aller anderen Systeme, Parseval,
Siemcns-Schuckert, Lebaudy usw., würden, wenn sie eine solche
Geschwindigkeit - 69,5 Kilometer in der Stunde — wirklich
erreichten, doch alsbald daran scheitern, dass der Luftdruck die
Hülle eindrUckte. Nur starre Schiffe können ihn in noch
grösserer Stärke aushalten. Die „Schwaben“ ist als Passagier¬
schiff überdies auch noch mit besonderer Rücksicht auf grosse
Tragfähigkeit konstruiert, und der Zeppelin-Bau könnte, wenn
er diese Ansprüche zugunsten ausschliesslich der Schnelligkeit
niedriger schraubte, sogar noch mehr erreichen. Der Techniker
kann es ermessen, so schreibt die ,,Tägl. Rundschau“, welche
Summe von wissenschaftlicher und praktischer Arbeit dazu
gehört, um auch nur zwei Sekundenmeter mehr herauszu¬
konstruieren, wenn erst eine gewisse Schnelligkeit erreicht ist;
die Zeppelin-Schiffe aber sind in dieser Zeit der Stille von 14,2
auf 19,3 Sekundenmeter gekommen, ein Aufschwung ohne Bei¬
spiel. Nun ist nicht mehr „M. 4“, sondern „Schwaben“ das
schnellste Luftschiff der Welt. Die Leistungsprüfung am X5. Juli
bedeutet, dass dieses Luftschiff ohne Rücksicht auf Wind und
Wetter das ganze Jahr hindurch aufsteigen kann, während
bisher die Skeptiker sich daran stiessen, dass nur an rund
90 Tagen im Jahre die Flugmöglichkeit vorliege. Wir sind aus
dem Stadium der Modelle heraus. Wir haben das erste kriegs¬
brauchbare Luftschiff, ein Fahrzeug, wie keine andere Nation
der Welt es hat. — Mit der Schnelligkeit nimmt die Sicherheit
zu; bei Sturm kann die „Schwaben“ losmachen und im Luft¬
meer besseres Wetter ab warten. Mit der Schnelligkeit nimmt
auch die Steuerfähigkeit zu. Den Sturz im Teutoburger Walde
werden wir kaum wieder erleben. Im Kriegsfälle könnte das
Luftschiff meist ohne Ballastverlust über die Wolken gehen.
Nr. 5 DBUTSCHLAND Si eeeeoeeeoooooooeeeoeooc 0 ee a i 269
Wieder ein Zeppelinluftschiff in Düsseldorf.
Nach einer bei der Stadtverwaltung eingegangenen Mitteilung
der Delag wird das Luftschiff ch w a b e n“ im Laufe des
Monats August von Baden-Baden nach Düsseldorf kommen.
Ausstellungen.
Die Dresdener Ausstellung im Lichterglanz.
Wer des Abends die Internationale Hygiene-Ausstellung auf-
euchen-will, der wird schon aus der Ferne angelockt durch den
wunderbaren Lichterglanz, der von dem Gelände ausstrahlt.
Sobald man ln die Nähe des Grossen Gartens kommt, tauchen
aus dem Dunkel die leuchtenden Kronen der Bäume auf,
«wischen den Zweigen blitzen und funkeln Tausende von
Lichtem — es ist die Herkules-Allee, diese prachtvolle Völker¬
strasse, die mit ihrem märchenhaften Licht die ganze Umgebung
erstrahlen lässt. Das grosse internationale Leben, das jeder
Weltausstellung eigen ist, hat sich diese herrliche Promenade,
auf der die Paläste der fremden Nationen* stehen, als Mittel¬
punkt ausgesucht. Kein staubiges, lärmendes Gedränge herrscht
hier; an grünen Wiesen entlang wandelt man unter den Klängen
erstldassiger Konzertkapellen zu beiden Seiten dieser prächtigen
Allee in erquickender Luft, und das Gewirr der Stimmen aus
den Sprachen aller Nationen vermischt sich mit der Musik, mit
dem herrlichen Vogelsang und dem Rauschen der Bäume zu
einer eigenartigen stimmungsvollen Harmonie. Auch der Platz
vor dem Hauptportal der Ausstellung und der grosse Haupt¬
platz ist in ein strahlendes Lichtmeer getaucht; einen hervor¬
ragenden künstlerischen Eindruck macht dabei die Sims¬
beleuchtung, die die einzelnen Gebäude in ihren Umrissen aus
dem Dunkel der Nacht hervortreten lässt, was von eigenartiger
Wirkung ist und einen unvergesslichen Eindruck macht.
Eine Ausstellung dekorativer Kunst in Paris.
Die Vertreter der acht grössten französischen Künstlergenossen¬
schaften haben in einem ausführlichen Rapport für die Minister
und das Parlament den Wunsch begründet, dass im Jahre 1915
in Paris eine Internationale Ausstellung der modernen deko¬
rativen Kunst organisiert worden möge.
Deutschland und das Ausland.
Der Kaiser und die Deutsche Abteilung der
Turiner Ausstellung. Der Generalkommissar der von der
„Ständigen Ausstellungskommission für die deutsche Industrie'*
gebildeten Deutschen Abteilung der „Internationalen Industrie-
und Gewerbe-Ausstellung in Turin“, Geheimer Regierungsrat
Professor Busley, hatte während der Kieler Woche Gelegenheit,
dem Kaiser den deutschen Katalog persönlich zu überreichen.
Der Kaiser zeigte sich über die grosse Anerkennung sehr erfreut,
die dem deutschen Gewerbefleisse in Turin allseitig zuteil wird.
Auf dem 39. Le hrertage des nationalen deutsch-
amerikanischen Lehrerbundes wurde, wie aus Bufallo
gedrahtet wird, der Bericht des Ausschusses über die Veranstaltung
der Fahrt der amerikanischen Lehrerschaft nach
dem Deutschen Reich mit grosser Begeisterung auf¬
genommen. Der Tag der Abreise wurde auf dem. Juli 1912 fest¬
gesetzt. L. F. Thoma (New York) wurde mit der Leitung
der Fahrt unter Mitwirkung des bisherigen Reiseausschusses
betraut. Die Reise geht über Bremen. Folgende Städte werden
besucht: Hamburg, Köln, Rüdesheim (Niederwalddenkmal), Wies¬
baden, Heidelberg, Mannheim, Stuttgart, München (Chiemsee),
Nürnberg, Frankfurt-Main, Cassel, Eisenach, Weimar, Jena,
Dresden, Leipzig und Berlin.
Englisch-deutsch er Schüler au stau sch. Um ein
besseres Verstehen zwischen englischen und deutschen Schülern
zu schaffen, wurde vor einiger Zeit ein Schüleraustausch
zwischen England und Deutschland in die Wege geleitet. Auf
die Einladung des Direktors des evangelischen Pädagogiums in
Godesberg ging zu Ostern eine Abteilung von zwölf Schülern
der King^s College Schule in Wimbledon Commons unter
Führung ihres deutschen Oberlehrers nach Deutschland, um
eine Rheintour zu unternehmen. Die interessantesten Punkte
am Rhein wurden besucht und nach den in England ein¬
gelaufenen Berichten der Schüler haben sich diese ein einiger-
massen genaues Bild des deutschen Schullebens geformt. Die
historischen Städte Köln und Bonn wurden aufgesucht und der
Drachenfels wurde bestiegen. — Jetzt befinden sich 16 Knaben
der Godesberger Schule in Wimbledon. Nach täglich zwei¬
stündigem Unterricht werden Touren in die Umgebung unter¬
nommen, so z. B. nach Hampton Court und Schloss Windsor.
Auch Londons Sehenswürdigkeiten, wie der Tower, die Guild-
das Parlamentsgebäude und die Westminister Abtei, wurden
besichtig^. — Wie bekannt wird, hat die Schule in Godesberg
einen Preis gestiftet, der alljährlich dem besten Schüler einen
Besuch in Wimbledon für Rechnung der Schule ermöglicht.
Bäder und Sommerfrischen.
Helgoland. Die warme Witterung hat einen starken
Badeverkehr nach Helgoland gebracht; die Saison ist in
vollem Gange. Die Fremdenliste Nr. 10 zeigt schon 7500 Bade¬
gäste an.
Bad Pyrmont. Nicht nur durch seinen reichhaltigen
Schatz an Heilmitteln übt Bad Pyrmont eine immer grössere
Anziehungskraft auf die Kur- und Erholungsbedürftigen aus,,
sondern Hand in Hand mit diesen Vorzügen, die die Natur in
reichstem Masse Über dieses idyllische Fleckchen Erde aus¬
gegossen hat, gehen auch die künstlerischen Leistungen; und
hier sind es namentlich die Darbietungen auf dem Gebiete der
Musik, die den kunstsinnigen und kunstfreudigen Kurgast und
Fremden aus weiten Entfernungen anziehen. Helle Begeisterung
erwecken die Konzerte des berühmten Blüthner-Orchesters unter
Leitung des Kapellmeisters Fritz Busch. — Nach einer MitteUung
der Fürstlichen Brunnen-Direktion von Bad Pyr¬
mont betrug am 21. Juni 1911 die Zahl der Kurgäste 4166 Per¬
sonen, die Zahl der Passanten 8841 Personen, insgesamt also
13 007 Personen. Die Bäder-Abgabe betrug 3784 Moor-, 12 978
Stahl-, 5844 Misch-, 7269 Sol-Bäder, 281 Elektrische Bäder, 1454
Inhalationen, insgesamt 31610 Kurformen.
Bad Salzbrunn erfreut sich in diesem Jahre des stärksten
Besuches seit seinem Bestehen. Die Zahl der Kurgäste hat am
7. Juli 5000 überschritten, Personen mit kürzerem Aufenhalt
waren bis zum 7. Juli etwa 4500 zu verzeichnen, ausserdem
etwa 34000 Tagesbesucher. — An dem vom 29. Juni bis i. Juli
in Salzbrunn abgehaltenen VII. Internationalen Tennis-Turnier be¬
teiligten sich 60 Spieler. Für die ausgeschriebenen 9 Kon¬
kurrenzen waren 230 Nennungen eingegangen. Für die Meister¬
schaften im Herren- und Damen-Einzelspiel und dem gemischten
Doppelspiel waren Ehrenpreise vom Fürsten und der Fürstin
von Pless und Herrn von Tielsch (Reussendorf) gestiftet.
Bücherschau.
(Bäder-Literatur siehe auch unter der Rubrik: Bäder und
Sommerfrischen).
„Der Grosse Thüringer“, illustriertes Thüringer
Kurs- und Verkehrsbuch für Sommer 1911, ist vor kurzem im
Verlag der Annoncen - Expedition Wilhelm Loewy in Erfurt 66
erschienen. Seinem reichen Inhalt hat kein Geringerer
als der berühmte „Thüringer Wandersmann“, Geh. Hofrat
A. Trinius, ein poesievolles Geleitwort vorausgeschickt. Ausser
den Fahrplänen und Tarifen sämtlicher Eisenbahnlinien
Thüringens und der umliegenden Landesteile werden uns aber
auch eine grosse Anzahl der anziehendsten, besuchtesten Orte
in Wort und Bild vorgeführt, und wir erfahren überall gleich,
wo wir am besten aufgehoben, beherbergt und verpflegt sind,
und wie wir in der näheren und weiteren Umgebung interessante
Touren unternehmen können. (Preis 20 Pfg.)
Sommerfrischen im Taunus, Westerwald und
am Rhein. Ein Verzeichnis der Sommerfrischen im Taunus,
Westerwald und am Rhein (2. Auflage 1911) ist zu beziehen
gegen Einsendung von 25 Pfg. vom Vorstand des Rhein- und
Taunusklub Wiesbaden. Das Buch enthält auf 54 Seiten die
Adressen der Sommerfrischen in diesem vielbesuchten und
landschaftlich so schönen Gebiete. Neben allgemeinen Angaben
über Grösse und Höhenlage des Ortes, Bahn, Post und Omnibus¬
verbindungen, über die Umgebung und besondere Kurmittel
Anden wir bei jeder Adresse genaue Mitteilung Über Zimmer-
und vollen Pensionspreis (von 3 Mk. an). Angaben über Wein¬
zwang beim Essen, Ermässigung für Kinder, Art der Beleuchtung,
Zimmer- und Bettenzahl, Bäder, Gartenanlagen, kurz über alles
Wissenswerte, so dass bei Durchsicht des Buches die Wahl
einer passenden Sommerfrische keinem schwer fallen dürfte.
Eine Karte des in Betracht kommenden Gebietes ist dem Buche
beigefügt.
Meyers Reisebücher: „Rheinlande“ (von Düsseldorf-
Aachen bis Heidelberg-Mannheim). 13. Auflage. Mit ai Karten,
30 Plänen und 7 Panoramen. In Leinwand gebunden 5.50 Mk.
Verlag des Bibliographischen Instituts in Leipzig und Wien.
Wer eine Rheinreise mit Gewinn und Genuss machen will, dem
wird es sehr willkommen sein, dass „Meyers Rheinlande“ soeben
in einer neuen, gründlich um gearbeiteten Auflage erschienen
ist. Die Grenzen des Buches sind weit gezogen und umfassen
innerUalb der Punkte Frankfurt a. Main, Düsseldorf, Aachen,
Trier, Heidelberg und Mannheim jene gesegneten Gaue, die
270 DBUTSCHLAND l &e6e660666O66€)O06GGOOC66OCl l Nr. 5
wegen ihrer landschaftlichen Schönheit, der reichen geschicht¬
lichen Vergangenheit und des Reizes der Sage alljährlich das
Ziel von Hunderttaüsenden bilden. Riesengebirge, Iser-
gebirgeund^die Gebirge der Grafschaft Glatz. 17.Auf¬
lage. Mit 20 Karten, 10 Plänen und 2 Panoramen. Kartoniert 2 Mark.
Verlag des Bibliographischen Instituts in Leipzig und Wien.
Meyers bewährter Führer durch das „Riesengebirge“ mit
seinen waldreichen, vom alpenhaften Hochgebirgskamm aus¬
strahlenden Tälern ist nun schon zum 17. Male erschienen.
Ausser dem Riesengebirge beschreibt das handliche Bändchen
auch noch alle andern Gebirgsgruppen der Sudeten, wie das
Lausitzer-, Iser-, Waldenburger-, Heuscheuer-, Eulen-, Glatzer¬
und Alt Vatergebirge. Abermals ist der Text unter Mitwirkung
der Gebirgsvereine und einer Anzahl bewährter Mitarbeiter nach
dem neuesten Stand der Dinge umgearbeitet und ergänzt worden.
Zwei neue Baedeker: Nordostdeutschland und
Dänemark mit Nordwestdeutschland sind soeben erschienen
und behandeln diese Gebiete in der bekannten Ausführlichkeit und
Sachlichkeit, die den Hauptvorzug von Baedekers Reisebüchern
bilden. Beide Bände enthalten ein umfangreiches Kartenmaterial,
das bis auf die neueste Zeit ergänzt ist.
DerFrankfurter Führer. Der Verkehrs-Verein hat die
neue Auflage des Frankfurter Führers durch Weglassung über¬
flüssiger Angaben noch weiter verbessert, so dass das hübsche,
reich illustrierte Bändchen seinem Zweck aufs beste dient.
Griebens Reiseführer, Bandg: „London“. 13. Auf¬
lage (3.50 Mk.). Der Band „London“ ist einer durchgehenden
Umarbeitung unterzogen worden. Die Einleitung bildet das
Kapitel „Reisewege nach London“, das über die beliebtesten
Routen nach der englischen Hauptstadt, Fahrdauer der Dampfer,
Reisegepäck, Zoll usw. unterrichtet. — Band n: „B a d e n-
Baden und Umgebung“. 7. Auflage (i Mk.). — Band 45:
„Weserberge und Teutoburger Wald“. 9. Auflage
(2 Mk.). Das 180 Seiten umfassende Büchlein g^bt an Hand
von sieben sorgfältig ausgearbeiteten Karten eine Uebersicht
Uber das gesamte Gebiet des Wcserberglandes, sowie eine
praktische Zusammenstellung von Reiserouten durch dasselbe,
mit besonders eingehender Behandlung von Spaziergängen,
Ausflügen usw. von den jeweiligen Standquartieren aus. —
Band 46: „Strassburg undUmgebung, mitAusflügen
in die Vogesen“. 7. Auflage (0.80 M.). Durch die Neu¬
bearbeitung hat der Reiseführer für Strassburg wesentlich ge¬
wonnen. — Band 62: „Nürnberg“. 14. Auflage (60 Pf.). Der
sympathische Griebenführer „Nürnberg“ ist soeben in 14. Auf¬
lage erschienen. Schon beim blossen Durchblättern des Büchleins
heimelt es einem ordentlich an; die altbekannten Namen reden
ihre eigene Sprache zu uns, ob wir ihre Träger nun selbst
kennen oder nur durch Hörensagen mit ihnen vertraut sind;
die Hebaldus-, die Lorenzkirche, der Schöne Brunnen, die
Burg, das Bratwurstglöckle, und nicht zuletzt — das Gänse¬
männchen ! Welch reiche und tiefe Vorstellungen knüpfen sich
an diese altertümliche Patrizierstadt! — Band 97: „Die Holstei¬
nische Schweiz“. 3. Auflage (i Mk.). Die liebliche, Wald-
und seenreiche Landschaft des östlichen Holsteins ist eingehend
gewürdigt. Kiel und Lübeck bilden die Eingangstore, Plön,
Malente-Gremsmühlen und Eutin die Mittelpunkte des grossen
Fremdenverkehrsgebietes, das auf hundertfachen Wegen von
Touristen und Ausflüglern durchzogen wird. — Band 150 :
„Düsseldorf und Umgebung“ (60 Pf.). Die Aufnahme
von Düsseldorf in die Sammlung der Griebenschen Reise¬
führer rechtfertigt sich durch das rasche Emporblühen des
rheinisch - westfälischen Kunst- und Industriezentrums. Der
Bearbeiter hat dem Bande die grösste Sorgfallt angedeihen
lassen und in kurzer und übersichtlicher Form alles Wissens¬
werte Uber Düsseldorf geboten: Sehenswürdigkeiten, Kunst¬
genüsse und eine knappe, jedoch völlig erschöpfende Schilderung
des Stadtbildes, wie auch einen anregenden Spaziergang durch
die Stadt selbst. Den Besuchern des Rheintals, die neuerdings
mit Recht auch Düsseldorf in ihr Reiseprogramm einzuschliessen
pflegen, kann das 150. Jubiläumsbändchen der Griebenschen Reise¬
führer als handlicher Ratgeber empfohlen werden. — Die
Bände sind von der Verlagsbuchhandlung Albert
Goldschmidt, Berlin W 35, zum angegebenen Preise zu
beziehen.
Sommerfrischen und Pensionen im Bergischen
Land. Vom Verkehrs-Verein „Barmen und das Bergische Land“
wird geschrieben: Mit den herannahenden Ferien lautet eine der
wichtigsten Fragen: „Wohin gehen wir dieses Jahr in die
Sommerfrische?“ Nicht jeder Familienvater ist mit Rücksicht
auf den Geldbeutel in der Lage, weite Eisenbahnfahrten zu
machen, und muss darauf bedacht sein, vorteilhafter wegzu¬
kommen, ohne dabei den eigentlichen Zweck der Erholung
irgendwie zu beeinträchtigen. Zum Glück bietet unser herrliches
Bergisches Land so viele geeignete und prächtige Sommer¬
frischen und Pensionen, die vollen Ersatz für die weiter¬
gelegenen Reiseziele gewähren, dass man nicht in Verlegenheit
kommen wird. Ein Uebersichtsheftchen, das die Pensionen
sämtlich enthält, ist gegen Einsendung von 30 Pfg. durch jede
Buchhandlung zu beziehen und im Verkehrsbureau einzusehen.
Verschiedenes.
Auszeichnung des Düsseldorfer Verkehrs-
Vereins. Dem Verkehrs-Verein wurde durch den Sekretär des
Nationalen Bundes für Fremdenverkehr in Holland, Herrn van
Eysden ji n. in Utrecht, die grosse Medaille füi Verdienste im
Fremdenverkehr übersandt. Diese Medaille wurde auch seiner¬
zeit der Königin Wilhelmine und der königl. Familie in Holland
überreicht.
Auszeichnung Pierpont Morgans durch den
Kaiser. Eine in mehrfacher Hinsicht ungewöhnlich bemerkens¬
werte Ordensauszeichnung ist während der diesjährigen Kieler
Woche von Kaiser Wilhelm vollzogen worden. Der Kaiser hat
dem bekannten amerikanischen Finanzmann Pierpont Morgan,
der in Kiel mit seiner Jacht „Corsair“ zum Besuch der Kieler
Woche anwesend war, den Roten Adlerorden I. Klasse verliehen.
Der von Pierpont Morgan vor kurzem erworbene bekannte
Brief Luthers an Karl V. ist von seinem jetzigen Besitzer an
den Kaiser abgetreten und von diesem für Wittenberg bestimmt
worden. Pierpont Morgan, der „Grand old man“, wie er von
den Amerikanern bewundernd genannt wird, ist nicht nur der
unerreichte Herrscher auf dem Gebiete der Trustgründungen,
sondern kann auch als der grösste Sammler der Welt bezeichnet
werden. Der jetzt 74jährige Dollarmilliardär hat sich ein un¬
geheures Museum von Seltenheiten aller Art angelegt, für das
er alles zusammenkaufen lässt, was irgendwie für Geld zu
haben ist: Plastiken und Gemälde, religiöse Reliquien und
ägyptische Papyri, Handschriften und Miniaturen. Der Luther¬
brief, der durch Morgans Entgegenkommen jetzt wieder nach
Deutschland zurückkehrt, war für ihn erst am 3. Mai d. Js. bei
einer Autographen-Versteigerung in Leipzig um den Rekordpreis
von 102000 Mk. erworben worden. Es handelt sich dabei um
das denkwürdige Schreiben, das Luther nach seinem Aufbruch
BERUM HRMBURfl
HOTEL ESPLANADE
Das Vollendetste auf dem Qebiete der modernen
Hoteltechnik und des feinen Restaurantwesens.
- - > ■* '
DEUTSCHLAND BBe e^sseeeeeseee e oeooeoecco eei 27 i
▼om Reichstag in Worms 1521 aus Friedberg in Hessen mit
dem Reichsherold surück nach Worms an Kaiser Karl V.
schickte.
Rheinisches Sängerbundesfest. Gelegentlich des
grossen * Festkonzerts des Rheinischen Sängerbundes in Köln
wandte sich Staatsminister von Schorlemer an die
die weiten Räume der Festhalle füllenden Sänger und Zuhörer,
insgesamt 12 000 Personen, mit einer Ansprache, die des
politischen Beigeschmacks nicht entbehrte. Der Minister sagte,
er hoffe, dass der Rheinische Sängerbund abseits vom Getriebe
der Parteien, fern von Zwistigkeiten auf politischem, wirtschaft¬
lichem und konfessionellem Gebiet, unentwegt sein hohes Ziel
‘im Auge behalten werde, in der Pflege der Gesangeskunst und
im deutschen Liede die Liebe zum Vaterlande zu hüten und zu
fördern, den Nörglern zum Trotz, die nur emsig danach trachten,
die wirklichen und vermeintlichen Schattenseiten im Leben der
Nation herauszuflnden. Br muss das Lied der deutschen und
rheinischen Sänger, die Erinnerung an die grosse Vergangenheit,
das Vertrauen und die Hoffnung auf des Vaterlandes Gröss;;
und Zukunft, mit einem Wort: die Freude am Vaterland, wach¬
halten. Gewiss sind die grossen und mächtigen Erfolge,
die Deutschland auf dem Gebiete der Kultur, der Kunst und
Wissenschaft errungen hat, nicht möglich gewesen ohne das
mächtige Ringen im Widerstreit der Meinungen und Interessen.
Aber wenn wir bleiben wollen, was wir sind, wenn wir fest-
halten wollen, was wir in heisser Arbeit errungen haben, dann
müssen wir auch imstande sein, uns zu jeder Zeit im Kampfe
für das, was uns allen heilig und teuer ist, die deutsche Bruder¬
hand zu reichen.
Rheinische M itteilungen des Vereins für
Denkmalpflege und Heimatschutz. —Heft 2 behandelt
das Kapitel „Moderne Bauten und Entwürfe'^ Der Schriftleiter
Amtsrichter a. D. Dr. F. W. B r e d t bemerkt in dem einleitenden
Vorwort: Die Veröffentlichung soll jener Seite des Heimat¬
schutzes dienen, die ihr Augenmerk den jüngst entstandenen
und noch werdenden Bauten oder der Gegenwart und nächsten
Zukunft der Baukunst im Sinne einer bodenständigen Ent¬
wickelung, soweit eine solche mit den neuzeitlichen Erforder¬
nissen vereinbar erscheint, zuwendet. Diesem Zwecke folgend,
werden hier eine Reihe von ausgeführten Bauten und von Ent¬
würfen wiedergegeben, die sich, wie leicht ersichtlich, in zwei
Gruppen scheiden. Die erstere besteht aus Arbeiten desselben
Architekten, die für verschiedene Gegenden vorgesehen sind
und ebenso einen mehrfach voneinander abweichenden bau¬
lichen Bestimmungszweck haben. Die zweite Gruppe bringt
Entwürfe, die umgekehrt für eine bestimmte Gegend als An¬
regung zu ihrer architektonischen Gestaltung gedacht sind, im
Verwendungszwecke aber eine gewisse Begrenzung zeigen, da
sie, soweit sie hier abgebildet sind, städtische Hausbauten
betreffen. Der erste Abschnitt zeigt uns Bauten und Entwürfe
des Regierungsbaumeisters Ernst Stahl zu Düsseldorf (in Firma
Ernst Brand, Architekt, Trier, und Emst Stahl, Regierungs¬
baumeister, Düsseldorf). Die teils ausgeführten, teils nur ent¬
worfenen Darstellungen dieses Abschnittes zerfallen in vier
Sakralbauten, nämlich vier einfachere Kirchen, die sich über
den Hunsrück, die Eifel, die Mosel und die Saargegend ver¬
teilen, und fünf Profanbauten, die eine Platzgestaltung für den
Bebauungsplan eines Vorortes bei Düsseldorf, ein Schulhaus
in Gangelt, eine Kreissparkasse nebst Kreisausschussgebäude in
Wetzlar, eine Wirtschaft in Eller und ein Wohnhaus nach
niederrheinischer Backsteinbauart betreffen. Den Zeichnungen
und Grundrissen ist ein knapper Text beigefügt, der zu ihrer
Erklärung den notwendigen Anhalt bietet. Der zweite Abschnitt
des Heftes befasst sich mit der Bauweise des Bergischen Landes
im besondern.
Wettbewerb. Zur künstlerischen Hebung des Reklame-
und Firmenanzeigewesena in den Strassen der Stadt Köln
schreibt die Vereinigung für Kunst in Handel und Gewerbe
einen Wettbewerb für Firmenschilder aus. Zugelassen werden
alle Reklamen und Firmenankündigungen, die in Köln bis zum
I. Dezember 1911 zur praktischen Verwertung hergestellt und dem
Strassenbild eingefügt wurden, und zwar ausnahmslos fertig
ausgeführte Arbeiten. Das Preisgericht setzt sich zusammen
aus dem Direktor Creutz, Landesbaurat a. D. Rehorst, Baurat
C. Schellen, Regierungsbaumeister A. Senz, Direktor Thormählcn.
Preisausschreiben für Wan d m al e r e i. Die D üs s el -
dorfer Kunstakademie erlässt in bezug auf ein vorhandenes
Stipendium von 3000 Mark eine Aufforderung zur Bewerbung
um ein al fresco auszuführendes Wandgemälde, die sich an
kunstsinnige Einwohner des der Akademie zur Pflege der
Sorgenlos
und ohne Beschwerden zu reisen, ist wohl das Bestreben eines jeden, und zweifelsohne ist kein Gebiet so auf such- und fachgennäßen Rat
angewiesen wie gerade das Reisewesen, wenn allen Neuerungen und Einrichtungen im Gefolge des modernen Verkehrs Rechnung getragen
werden soll. Auf Grund einer 70 jährigen und erfahrungsreichen Tätigkeit auf diesem Gebiete ist die Firma THOS. COOK & SON in der
Lage, Vorteile und Erleichterungen zu gewähren, wie sie wohl von keinem anderen Unternehmen dieser Art geboten werden können.
^Jederzeit auf nahezu allen Eisenbahn-, Dampfer- und Postkutschlinien der ganzen Welt verwendbar. Diese Billette
_ berechtigen den Inhaber zu jeglicher Auskunft von seiten unserer Vertreter und aller Agenturen, ferner gestatten sie
die freie Benutzung der Leseräume in unseren verschiedenen Bureaus zur Erledigung von Korrespondenzen, sowie die unentgeltliche
Inanspruchnahme der Dolmetscher der Firma THOS. COOK & SON auf den wichtigsten Bahnhöfen und in den bedeutendsten Hafenplätzen.
I L Billette für Salon-Passagiere nach allen Weltrichtungen
U OCl ÄCwIdnrICIl und zu niedrigsten Preisen.
Unabhängiges, sorgenfreies Reisen; das Vollkommenste in
/\IVlvOrtJi CIÄCII Bezug auf Reiseerleichterung.
Erstklassige Gesellschaftsreisen allen Ländern Europas u. Amerikas,
nach Ägypten, Palestina, Großbritannien und Irland.
Nildampfer
Regelmäßiger Passagierdienst vermittelst eigener erstklassiger
Dampfer.
^ Dieselben werden von den bekanntesten Hotels über die
1 IvIldl^OUpUnÄ ganze Welt hin in Zahlung genommen.
Bank- und Wechselgeschäft spruchnahme; Verausgabung von Zirkular-
Noten und Kreditbriefen nach allen Ländern.
THOS. COOK & S0H,0fnzlelle Vertreter der Deutschen Stuotseisenbidinveroaltunien
für die Ausgabe von Fahrscheinen.
Hauptbureau: Jjiidg^ate Circus^ ILoiidoii*
Bremen, Bahnhofetr. 86 Köln, D.omhof 1 Salzburg, Sohwarzstr« 7
Karlsbad, Karkt Dresden, Pragerstr.43 Frankfurt a/M., Kaiserstr. 28
272 .
DEUTSCHLAND i^aeeeei E ic efe e e etxo ooo^^ Nr.lS
Waf^läm.aiere^^ 0jc6i^e uttguac^
^^fföissaö i^e&ttkb' ^tmd
tjAirg, dee d^rSiifhin^'
l^i,, dfe ■jmdi^üirn^atalfr;
«Orders, in.. Pwm: -^on -
fbrd'iejn,.' ■ Pii vailiey'• dife: . rise u: - -kx tid*':-i.\V d■
KuUc^ äia tiet&nj «Uctj tsünti ;?u iöf
würden.^ WoVJod itie Beweibüngen unter A.D§rsibft der Aft.
drösac und B«siäiaafeüli&tt der b(i; 2 'tlg:lichij£n Räüuifi, iTtit'
Wonnung: von erwünecliteD M&tiveri der Dkrsttfjltin|f biy Jüfln
n 4 i»- der Ditekiion der Kg'L kiiniatä^cademift in OtiAsel-
dorf tUgeheü Imssen.
Ein flaues Bpörtfantcl io O b er w i e ö oti Ib^al; Ict
Cbt!3m«iü Würde Unc p.AUg- Zi^J\ ChernDit*, in eioiSf V^r*
BamrttlunifvynfV der indnstrie-, Handeln und Spott-
der^ W AnjlshanpHn^n Dr. Wciaswangt!
beivFnbntijV Giesellischaift g-tgriindtt, dte rn phars^itscji-
ünil ein tnodfernAogenanateäi Sponijotel ferbaücu wUJ:,
&cb '^Tx- ^ip fcr erötfnfel wt rden aDl 1. Q bsi ^ba] hftttfe
in disn 1 p Wb jf ab fen nitiht h nr c i n cri 4 rk en ^ o ti d;
Sn.niöi:^frl3£ bJ cfvje rkebjr, s niiö ern ; ' bäl:: .■■.^ä^b vor' ' .if m
Wiptkrr ditf th dö n W i nierspo rt abt. ; «iitvn p kpli. ht diff
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6;. JsiIl in Weise eröfTmt. O^r jiW-feb* Afea
VerkebrE- 'tin.d,.'Wintfe#Äpönvt^iit]it .ödn'nisshj Niitar vöre-A'^^ ^
hli&li ' feine ' AnÄpjrÄCfer ' itv. dir "tr', .die ■kntaietang -deä'
voilendetfett sch&Jifeii- Bauerl SchildfrfW h^id ii3iJfen> 4i&' ^iifider
Enlistebun;g heigetm^eji haben, hersiifebfin l) tnk'.Im
gnösisen 'ko.nvferaäiiisnsMid ■ fhnd ;hi<M-auf -..tin
dfetn über loon Feföftnirh tcilh3m t^vir
m abU würd e ^ ne S *ihe vu o A bei t g feh^l W ci, d e th
Erbauer äftsKurhausen. ArcbiwVtHui (MUnchetib dc-m JäiJÄirkS-
amxxnann Ffeihwn von Elin er, dem HeT^n Sj^^ch im
NBunen des Fremdenverk^tir^i.V'Preida l^dTicbftn Dasi in ,
allien semen Teilen prächtig ausgefUbrE« Kürddl .s«Uit:r
ganzen aicb dfe^ lihigfehhbJ^ vor2ilgHeh hnd
sfeiber lnneuc\fit*Fbtuii§. die "prÄktUchtn Njeüc:iuhg:if;h feinfty ^i*iiB»fefi;
rrT^darnca Wirisfehafläbfetrhities ahfWfcisi^! bUdfel einfe ntye- ^ierdtj!
des sfeböiieD OrtcÄ:
A n h a d f d c 4 K i o ) :4r ^ ü Jt e ^ ü & i ^ i f r. h d ch, D e r B e si bt ts r
dfe:^ Scblurütsfes Dfitchenhurg' bekköhiiiäWiniefv Tütim^ B.
Vön SimanT hat b^kahhi» }i<d*l^*^hflch vnn dem
Pr in js.fe n Bern hä r d irü . t- Bi £ d-. k t ulliib erworben^ fn
dem Parke de t ehernaligtn AiVici '5Vir4 . ^ eiMt^öa 11 fr .,M öticb
-V^n Heiarerbach*^ Vöö P, Saufet ^ur Aulfuhrun^ kumnien.
NiLinr^chu.^'jtp-kitik ixx'A fe.t;''e.'b;.üH«• 1,fl■ 'Hif -
s ich tri. - Wie
dfe^' KidserBj.' iltr .'neuti^h'/ wied^^^'-
mhr, dift Setiflnlc<tleT!ie'jfdi: Ndmir^ii^difepisy:^^
der ■l-UafihuTg«?.r '■Ti^chY^ern'
etelhen eolt IvC^iieriÄ t^. Mhiik hvtjjfeflh’
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NftlUrp ar k ve rein fe . >j|t i^tüt d bare 13 tilg e V V fetitäge
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Leitfaden f.^r- d^j5r* Phniogtuptvhöi^ ; ^ $eit<^ö
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Hir lien^ und EilioluiiislieillliJie.
Oa^ igamtate Jahr settflTDet«
ÄTKtl , Leitung
Dr. toed; Staeblj^r
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tii^t Äj-i^^^aiflora .ln^l:Ht»ge'ii\V:feiteL StiVrk abr,.
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: Kp.vrsainknit ;H(“ird hiipAHiu öTt tiuiäaeUitj; £*.^«r Sistiefel
ffcliüncn Aiit5i?Pbflba bni^äxtlit ütid mUilflti,,
■: Z*>if. vnr&e!iaff^^tx: fejucrlisiciii xUj
: b\ . ai Iteiii bi'rtji»jriiui t^c'hhbp:<3!^c4ilBNiu i>#ut#chlatuJR
‘iSuiL^au^ und fiiülOh mrpljg« fbr&r ilPhp-i VpTKllfft Tsoo
, > Wh ' 1i ffii 11 «u ö A n tiilh gHT'^ 0i 1 'T!‘1 £>Af atü v c^rl cfh uh liia m
Vx^^)^■t öfir iSm^^n axifrAllo^id llnchglnuK, eopdena
glVh''hKtHtig nXlrr *»>,^1=1 JHhb^n \VSttx*rxuf*zj;iflhiflÜaBi» mw^tc
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: Jn DtlKsf'idorf-ltidii liiLci ^^pHrHäFFährSk ifhr ^«flrieghari) und
■ f.Tan.0ppTi iibl(H Hoixliiitt»»n. Bin«Irot gi?trtüiul^n Lnftöthleliteh
f m Hii I ra u ih ^ 1 ct d ^^vti!it^^^f h>i ;rAolf*) Pm glu i cfi v oTSüSlk^Jidb
gi'iCcn KJBVfi liüd lfit2.eyj&6 dal^f VfX^r i:(>rii?glVftfe+>p itolKbauSfvr SY*f^£n
BlcDüJ D- a. ft tthd D. k: (1. M, ntr fede Wmflrun^ -fhf
.,Jii,bTi?sez 0 U Thid fdr jÄcles KrhrtÄ eu7pftbf<Mv l>(e SUboF
ßfehen ilolÄbänöhf flrbleXte« auf dojf BrfiBäöftic WAHÄtiASfelltihg
tBfl hößhiiit* Ausz^idmiiog^ dcii Qrao4
Nr.«
s iBi Orion rar die deutschen Verkehrs-Interessen ■ ■
dnitllche Zeltschrllt des Bundes Deutscher Verkehrs-Vereine
Juli 1911
Thüringen: Der Napoleonstein am Dietharzer Grund
Phot. V. Carl Mittag, Friedrichroda.
Uebersichtskarte bindungen nach Cassel
- (Entworfen von der Kgl. Eisenbahndirektion Cassel.) — ■■ ■
•Emden •Geestemünde AHdmbur^
1 Ißremen /
Cöln
tHannover
»Berlin
Dorf mund
Düsseldorf ^ ^/^nsberg • /
Ä—-^2—*—V3S5CI / No
Iberfeld
Nagdebur
issel
Nordhausen
Coblenz
Ciessen
rankfurta.t
^f^rdEiscnach
\ Weimar''^3ena
Leipzig
^Lichlenfels
bGcmünden
»Dresden
Bodenbach f\Te^5chen
Mannheiini
5lrassburg4
^Hendelberg
»Karlsiuhe
, Baden-Baden
^SEuHgarl
'ürzburg
lürnberg
Freibürg
Passau
n.Wtcn
^Basel
ijri^iclishfn.
r/ V. Vorarlberg
►München
Eine Zusammenstellung der Fahrpläne für die besten Zugverbindungen nach Cassel
:: :: befindet sich auf der 3. Umschlagseite. :: ::
DEUTSCHIÄND
Organ für die deutschen Verkehrs-Interessen
Amtliche Zeitschrift des Bundes Deutscher Verkehrs-Vereine
Mitbegründet durch den Internat. Hotelbesitzer-Verein, Köln
♦ ♦
I Bezugspreis pro Jahr 6 M.,viertel- t
♦ jährlich 1.50 M., Einzelnummer ♦
• 40 Pf. — Erscheint gegen Mitte ♦
t eines jeden Monats (im Juni, Juli J
t und August monatlich zweimal) ♦
Amtliches Organ des Rheinischen Verkehrs-Vereins,
des Sächsischen Verkehrs-Verbandes,
des Verbandes Bergischer Verkehrs-Vereine
und des Verbandes der Verkehrs-Vereine Westfalens.
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t Anzeigenpreis 40 Pfennig die I
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X Breite. — Bei Wiederholungen J
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Nr. 6
Düsseldorf • Zweite Juli-Ausgabe 1911
11. Jahrg.
Das Thüringer Land
Von Geh. Hofrat Aug. Trinius.
Im Banne des Inselsberges.
Hat man von der Wartburg ob Eisenach niedersteigend
das von Landhäusern reich und bunt durch\virkte Marien¬
tal durchwandert, so gelangt man durch das liebliche
Annatal und die enge, von feuchten Felsen dicht umsäumte
Drachenschlucht — eine echte Tiroler Felsklamm — die
„Hohe Sonne“, ein stattliches Gasthaus, wo durch einen
Durchhau uns noch einmal die Thüringer Landgrafenfeste
wie im grünen Bildrahmen grüßt. Nun haben wir Renn¬
stieg unter den Füßen, jenen uralten Höhen- und Grenz¬
pfad, der über den gesamten Thüringer Wald in sechs
Tagereisen läuft und seit der Zeit der Minnesänger
bereits besungen worden ist. Rasch steigt der hier in
eine Straße umgewandelte Grenzrain an. Ueppiger Laub¬
wald wölbt sich zum Dome über uns. Wenn da und dort
eine Waldblöße sich einschiebt, so schweifen nach Osten
die Blicke zum duftüberschwebten Hörseltale, aus dem
der Zaubersitz der Frau Venus in einsamer Schönheit
aufsteigt, nach Westen aber blauen die fernen Basalt¬
kuppen der „Hohen Rhön“, ln der Tiefe ruht zwischen
Matten und dem lieblichen See die weimarische Sommer¬
residenz Wilhelmsthal, lichte und schlichte Bauten, geweiht
wie der ganze Talgrund durch Erinnerungen. Voran an
Goethe, der die Szenerie dieses holden Erdenwinkels
deutlich und bewußt in seinem einst gefeierten Roman
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SOS
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SOS
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Eisenach: Wartburghol
Nr. 6 DEUTSCHLAND 275
AVarte. Ein Sonnenaufgang oder -Untergang von hier
droben geschaut zählt für jeden Thüringfahrer zu den
Genüssen, die er AVie einen Schatz mit heim nimmt. Zu
den Bergen der Rhön und des Hessenlandes, zum Harz
und den Saalhöhen, AVeit, AVeit über das teppichartig sich
breitende Thüringer Land fliegt das entzückte Auge fort.
Strahlenförmig fächern sich von dem „Thüringer Rigi“
die Täler nach allen Seiten. Nach Westen leiten ein
paar tiefpoetische Waldgründe hinab nach Bad Liebenstein
im Meininger Lande. Vornehm und schmuck zeigt sich
dieser Ort, über dem aus schAVeren Buchenwipfeln die
Ruinen des Liebensteins trauernd sich zeigen. Ein kleines
Paradies öffnet sich oberhalb Liebensteins über den
hängenden Dolomitklippen bei Glücksbrunn-Schweina:
Park und Schloß Altenstein. Es ist der Sommersitz des
greisen, hochverehrten Herzogs Georg von Meiningen,
der einst der deutschen Schauspielkunst neue Wege wies
und bis heute
einer der ragend-
sten Fürsten ge¬
blieben ist, die
offenen Auges und
Herzens auf allen
Gebieten der Kunst
fördernd und er¬
munternd wirk¬
ten, bei Lebzeiten
heute schon ge¬
feiert in Ehrfurcht
und Liebe, da er
in seiner hohen
Gestalt und dem
gebietenden Alter
wie aus fernen
Tagen noch in
diese hastende Neuzeit stolz
hineinragt. Schloß Altenstein,
ein Meisterstück Albert Neu¬
meisters in Karlsruhe, ist
eine Perle der Baukunst.
Terrassenförmig schmiegt sich ein Garten um
den Fürstensitz, köstliche Niederblicke ins Werratal
erschließend. Und dann dieser stundenweite Park,
der alles bis auf Meer und Firnen besitzt, was zu
einer Landschaft großen Stils gehört. Hier über
diese grüne Schwelle brandet nicht der Unfrieden der
Welt draußen. Schönheit und Kunst atmet hier allein.
Andere Täler winden sich vom Inselsberge hinab nach
der Sommerfrische Brotterode, auch einst ein originelles
Bergnest, das nach einem verheerenden Brande völlig neu
erstand. Seitlich davon senkt sich ein neuer Grund nach
dem freundlichen Dorfe Klein-Schmalkalden, und setzt
man dann über einige Dörfer die Wanderung fort, so
gelangt man endlich nach der trauten und berühmten
Reformatorenstadt Schmalkalden. Wie köstlich mutet
dieses Gewirr der altertümlichen Bauten an, hochgieblig,
durch Jahrhunderte niederblickend auf das Getriebe der
arbeitstüchtigen und so heiter-sangeslustigen Stadt, die
einst in den Tagen Luthers so manchmal erlauchte Herren
und Fürsten, Reformatoren und Abgesandte Roms emp¬
fangen durfte! Hoch über der interessanten Stadt thront
das schöne Hessenschloß, die Wilhelmsburg, und unten
am Eingänge des Gottesackers, da schläft der Komponist
Karl Wilhelm, dessen Töne zur „Wacht am Rhein“ einst
deutsche Krieger zu höchsten Taten anfeuerten.
Und nun vom Inselsberge nach Osten hinüberge¬
wandt! Da lacht ein von herrlichen Buchenbergen
eingesäumter Grund herauf, der Wintersteiner Grund,
an dessen Ausgange sich als schlichte Sommerfrische
das Dorf Winterstein malerisch aufbaut, einer der
schönsten Waldorte des Gebirges. Und Wandert man
über den felsgeschmückten Meisenstein an den Wart¬
bergen hin, so gelangt man wieder zu einer anmutigen
Sommerfrische, einem kleinen Juwel unseres Gebirges:
Bad Thal. Schroff steigt über den Häusern der von
einer Ruine gekrönte Scharfenberg empor, an dessen
Fuße unter einem Granitblock Emil Palleske schläft,
der uns „Schillers Leben“ schenkte und der einst als
Vortragsmeister gefeiert durch die halbe Welt zog.
An den Wintersteiner Grund reiht sich der Mühlbach¬
grund. Wo dieser in ein breites, von saftigen Matten
ausgepolstertes Tal ausmündet, ruht Kabarz. Oberhalb
des Ortes bauen sich am Fuße des Dataoberges die
beiden Landhäuser auf, die sich der so früh dem
Leben und der Kunst entrissene dramatische Sänger
Alvary-Achenbach einst als einen sommerlichen Ruhe¬
hafen erbaute. Nachbarlich von Kabarz liegt die vornehme
Sommerfrische Tabarz am Ausgange des ebenfalls vom
Inselsberge niederstreichenden Lauchagrundes. Hat eine
rauhe Forstverwaltung auch in diesen einst so präch¬
tigen Wäldern unbarmherzig gehaust, der Lauchagrund
mit dem angrenzenden Tal der Strenge, sie beide bilden
noch immer ein Schaustück romantisch-deutscher Gebirgs¬
tallandschaft. Prächtige Felsen steigen über dem Wipfel¬
meere herauf, und wenn die Sonne über den gelben
Flechtenbehang gleißt, so schimmern die Porphyrkanzeln
1
276 DEUTSCHLAND Nr. 6
wie eitel Gold. Tabarz mutet ungemein dem Merzen an.
Tief in den Lauchagrund verlieren sich schmucke Pension¬
häuser, und in alle Fenster und Baikone rauscht der
Hochwald, singen die
gefiederten Musikanten,
die vom lieben Herrgott
dem Waldneste gestellte
unbezahlbare Kurkapelle.
Wandert man von
Tabarz aus östlich über
einen sich quer vorlegen¬
den Bergrücken, so ge¬
langt man nach dem Berg¬
städtchen Waltershausen,
dem Hauptsitze Thüringer
Puppenindustrie und . . .
Gothaer Zervelatwurst,
lieber dem Orte grüßt
die alte Landgrafenfeste,
Schloß Tenneberg. Die
nähere Umgebung der
Puppenheimat birgt so
viel Anmut in Berg und
Wald, daß auch hier jetzt
die ozondurstigen Städter
ferner Gaue sich für
Wochen heimisch fühlen.
Hart zwischen Gebirge und Land ruht Waltershausen.
Sein Schloß grüßt hinüber zum Schlosse Friedenstein bei
Gotha, der winterlichen Residenz des Herzogshauses
Coburg-Gotha. Gotha nennt sich mit Recht auch eine
Blumenstadt. Schon der Eintritt vom Bahnhofe her
nimmt in seiner heiteren Vornehmheit gefangen. Palast
reiht sich hier bis zur Innenstadt an Palast. Die welt¬
berühmten Versicherungsbanken, die ja von Gotha zu¬
meist ihren Siegeszug erst in die Welt hielten, haben
sich hier stolze Heime geschaffen. Theater, herzogliche
und ministerielle Bauten, Loge, Post, Schloßhotel und
andere in Gärten eingebettete Gebäude folgen
aufeinander. Wie herrlich schmiegt sich der von
Teichen belebte Park an das Museum und das
Riesenschloß Friedenstein! Und unterhalb der
Residenz rauschen zwischen gärtnerischen Anlagen
stufenweise Wassergarben hinab zum alten Markt¬
platze, den das alte Rathaus und reich geschmückte
Bürgerhäuser aus den Tagen der Renaissance zieren.
Droben erhebt sich das Standbild des wackeren
Herzogs Ernst des Frommen, dem Stadt und Land
so unsagbar viel Segen und Wohlfahrt verdanken,
der nach den wehevollen Jahren des 50jährigen
Krieges seinem Lande wieder Ordnung, Gesittung
und Frieden brachte.
Von Waltershausen aus wandert man am Fuße
des Gebirges ein Stück hin, um dann bei der alt¬
berühmten Erziehungsanstalt Schnepfenthal, einer
Gründung des großen Pädagogen Salzmann, in das
Reinhardsbrunner Tal einzubiegen, dessen Quellen
auch noch im Bannkreise des Inselsberges zu Tage
brechen. An der schmucken Klostermühle, dem
prächtig gelegenen Parkhotel vorüber erscheint plötzlich
vor uns wie ein Märchenbild Schloß Reinhardsbrunn im
dreifachen Kranze blauäugiger Seen, uralter Mönchslinden
und ernster Waldberge. Aus einem Benediktinerkloster
ist dieser köstliche Fürstensitz hervorgegangen, der uns
immer wieder an die Poesie eines Walter Scott erinnert.
Zu allen Zeiten ist Rein¬
hardsbrunn bestrickend.
Hier schloß der geniale
HerzogErnstll. die Augen
für immer, Reinhardsbrunn
War ihm, dem einge¬
fleischten Weidmanne, ein
Lieblingssitz geworden.
Und nun kehrt in jedem
Sommer ein glückliches,
junges Fürstenpaar hier
ein: Herzog Karl Eduard
und seine hohe Gemahlin
Adelheid Victoria. Manch
schönes Thüringer Trach¬
tenfest ist hier im grünen
Rahmen des Parkes unter
den Augen der gütigen
Schutz - Herrin vorüber¬
gerauscht. Nur einen
Büchsenschuß von Rein¬
hardsbrunn baut sich die
erste und schönste Som¬
merfrische des Thüringer
Waldes auf: Friedrichroda! Abgesehen von den zahl¬
losen flüchtigen Wanderern kehren hier jährlich im Sommer
mehr denn 13000 fremde Gäste für Wochen ein. Der
neu erwachte Wintersport, dem hier eine so schöne Stätte
bereitet wurde, lockt ebenfalls Tausende herbei. Was
ein Kurort nur bieten kann, dem verwöhntesten wie dem
schlichten Geschmacke: Friedrichroda weiß jedem ge¬
recht zu werden. Heiteres und buntes Treiben entfaltet
sich, wenn von der Bastion des Kurhauses die Klänge
der Kurkapelle niederrauschen, auf den Straßen und
Promenaden es hin und her wogt, die Wälder ihre Grüße
senden und die Sonne über Gärten und all die Landhäuser
wandert, die sich rings an den Berg lehnen und tief in
das Tal hinein reizvoll festgenistet haben. Die Natur lieh
Gotha: Schloß Friedensteia
mit Denkmal Herzogs Ernst des Frommen
Nr. 6 DEUTSCHLAND 277
dem Orte unsagbar viel. Kunst und Menschenfleiß haben
dann wacker weiter geschaffen, Vieltausenden eine liebe,
grüne Heimat für Wochen zu bereiten. Aus allen fünf
Erdteilen kommen sie jetzt gewallfahrtet, und wer hier
einmal Wurzeln mit seinem Herzen schlug, der kehrt immer
Wieder in dieses grüne, windgeschützte Paradies zurück.
Von Georgenthal bis zur Schmücke.
Eine kleine Stunde von Friedrichroda entfernt liegt
das gothaische Walddorf Finsterbergen, sehr malerisch
vom Leinagrunde in der Tiefe umkränzt, über dem die
rötlich schimmernden Hainfelsen prächtig ragen. Gegen¬
über krönt als höchst gelegenes Gebäude des Ortes das
Kurhaus den zum Walde aufsteigenden Ort. Alte Reise¬
führer schildern Finsterbergen noch als den einsamsten
Ort des Gebirges. Das ist längst dahin. Finsterbergen
ward als Sommerfrische „entdeckt“, und die jährlich
wachsende Anzahl freundlicher Landhäuser beweist die
sich steigernde Beliebtheit des Dorfes. Berg- und Wald¬
luft strömt hier von allen Seiten herein, und manch dörf¬
licher Einschlag
leiht besonderen
Reiz für stadt¬
müde Seelen.
Jenseits der
Hainfelsengeht’s
ein Stück durch
Hochwald,bis wir
bei dem „Kande¬
laber“, oderauch
Bonifazius-Säule
genannt, auf eine
freie Waldkuppe
hervortreten, um
nun mit einem
Blicke drei rot
gedächerteWald-
nester zu über¬
schauen: Engels¬
bach , Alten -
bergen und das
hoch gelegene
Friedrichroda
Von Georgenthal geht es nun den Apfelstedter Grund
hinauf, an Sägemühlen vorüber, bis der Doppelort Tam¬
bach-Dietharz sichtbar Wird. Beide gothaische Waldnester
empfangen jetzt jährlich sommerliche Gäste, denen es die
dicht angrenzenden Hochwälder, die Fülle der hier vom
Rennstieg niederstrahlenden Täler angetan hat. Poetisch
schöner mutet das kleinere Dietharz an. Liegt die letzte
malerische Fachwerkhütte hinter uns, so öffnet sich der
durch seine grotesken und wieder auch kühnen Fels¬
gruppen berühmt gewordene Schmalwassergrund. Wiesen,
von üppigstem Blumenflor übertupft, breiten sich in der
Tiefe, von allen Seiten drängen sich aus Waldesdämmer
Felsgebilde heran. Endlich schließt sich der Grund.
Die Quellfäden verlieren sich höher zwischen Gestrüpp,
Moos und Moor. Doch die Straße setzt sich nun auf
Stunden weiter fort durch totenstillen Hochwald, sobald
wir an dem Porphyrriesen bei Falkenstein vorüber sind.
Ernst, fast schwermütig legt sich der dunkle Mantel des
stolzen Fichtenwaldes um uns. Fast kommt allmählich
ein Sehnen nach Licht und Befreiung über uns. Und
dann wird es
hell vor und über
uns. Der Ge-
birgskamm ist er¬
reicht. Von alter¬
tümlichen Grenz¬
steinen umsäumt
und begleitet,
kommt der Renn¬
stieg von Nord¬
westen zu der
höchsten Erhe¬
bung des Ge¬
birges herange¬
keucht. Verwor¬
renes und ver-
strüpptes Dik-
kicht, von Farnen
und halbmanns¬
hohem Beeren¬
gebüsch durch¬
setzt, rahmt ihn
Katterfeld. Jenseits des letztgenannten Dorfes steigt^»?ein. Ein schier ungebändigtes Freiheitsgefühl überkommt
man nieder in das Tal der Apfelstedt und begrüßt
bald am blitzenden Hammerteiche und anderen Kloster¬
seen die liebliche Sommerfrische Georgenthal. Es wird
einem beim Durchwandeln dieser friedvollen Siedelung
ganz wohlig zumute. Es liegt so eine eigene, fromme
Weihe über dem Tal, seinen Teichen und still in den
Himmel steigenden Wäldern, auch für den, der da nicht
Weiß, daß sich hier einst eine fromme, gelehrte und auch
kunstfrohe Stätte erhob, das dem Drachentöter geweihte
Zisterzienserkloster Georgenthal. Dem Ortsgeistlichen
Baethcke müssen wir es danken, daß er mit rührender
Hingabe und reichem Wissen die fromme Stätte wieder
so weit zugängig machte, daß uns jetzt das geordnete
Ruinenfeld immerhin ein gutes Bild entschwundener
Klosterpracht gibt.
Ein Stück südlich von Georgenthal rauscht die
Ohre ins offene Land. Hier ruht das aus einem Eisen-
hammer hervorgegangene Luisenthal, eins der besten
Gasthäuser des Waldes.
uns. Denn der stolzeste und schönste Teil des Grenz¬
rains hält uns für die nächsten Stunden im Banne. Immer
wieder öffnet sich zur Rechten der Wald, herrlichste
Ausblicke in das besungene Land der Henneberger
gewährend, nach der Rhön, den Hessenbergen, den Höhen,
die tief im Süden den Main begleiten. Näher heran
ragen trutzige Bergriesen, Schutzwächter und Trabanten
des Gebirges, das sich nun vor uns zum Hauptmassiv
auftürmt. Man blickt in tief eingeschachtelte Wald¬
nester. Heimliche Quellen rieseln halblaut aus Moos
und Gestein. Speeresbreit, wie alte Chroniken schon
berichten, erscheint hier noch der „heilige“ Pfad. Was
zog nicht alles im Laufe der Jahrhunderte an den grauen
Grenzwarten vorüber. Dunkel und dumpf klingt es von
Mord und wehevollem Blutgemetzel aus alten Forstnamen,
aus Ueberlieferungen und Sagen, die den Rennstieg um¬
flüstern. Als der mutige Bonifazius längst das Kreuz
den Thüringern gepredigt hatte, schlich man doch noch
heimlich hier oben entlang, an versteckten Kultstätten
278 DEUTSCHLAND
Nr. 6
den finsteren Göttern zu opfern. Davon spricht so
deutlich der ragende Donnershaugk! Ein Wundersames
Wandern hier droben für den, der da einsam dahinzieht
und mit des Waldes Seele Zwiesprach hält! Zuweilen
eilt aufgescheuchtes Wild über die grüne Wildbahn;
Wolken ziehen lastend über unsere Häupter hin, Winde
brausen uns Freiheitslieder in die Ohren. Fern in der
einst Herzog Ernst II. so gern weilte, sowie das schieferge¬
deckte Kirchlein. Sommer und Winter sieht übrigens jetzt
Oberhof gleich lebendiges Treiben. Dank der Fürsorge
des regierenden jungen Herzogs hat sich seit ein paar
Jahren der Ort zum Mittelpunkt alljedes Wintersports
entwickelt. Die tief verschneite Pracht dieser Hoch-
Waldlandschaft imt alle Herzen im Sturme gewonnen.
Beim Gänseliesel im Leinagrunde bei Finsterberg-en
(Nach einer Aufnahme von Hofph. Wiedemann, Roda, S.-A.)
Der Brandleiteteich bei Finsterberg-en
^Nnch einer Aufnahme von Hofph. Wiedemonn, Roda, S.-A.)
Tiefe deuten schweelende blaue Rauchschleier an, wo
der Mensch das Eisen reckt, Hammerschlag dröhnt, Funken
sprühen, während um uns der Gottesfrieden deutschen
Waldes weht.
Plötzlich grüßen sonnübergossene Häuser von einer
Hochfläche, von Baikonen wie ausgehängte Vogelbauer
umzogen. Die Häuser mehren sich, der Wald beginnt
sich zu beleben, Kraftwagen donnern die Bergstraßen auf
und nieder, allüberall Gruppen von städtischen Sommer¬
gästen sitzen am
Waldesrande oder
pendeln auf und
ab, die köstliche,
reine Luft mit
jedem neuenWind-
hauch durstig ein¬
zuatmen. Oberhof
ist erreicht 1 Er
stellt mit seiner
805 Meter be¬
tragenden Höhen¬
lage den höchsten
gothaischen Ort
dar. Die Fülle
gutgepflegter Ge¬
birgsstraßen, die
zumTeil strecken¬
weise glatt dort¬
hin führen, einge¬
schlossen in ein
wogendes Meer
von köstlichsten
Wäldern, Tälern, romantischen Felsgruppen, hat Oberhof in
verhältnismäßig kurzer Zeit aus einem armen Holzhauer¬
dörfchen zu einer glänzenden Sommerfrische emporge¬
hoben. Nichts erinnert hier oben mehr an jene still¬
beschaulichen Tage, da man das kleine Holzhauerasyl noch
als ein Idyll aussprach, als der helle, von Hirschgeweihen
geschmückte Bau des bescheidenen Jagdschlößchens, in dem
Wenn drunten im Lande längst die Haselsträuche grünen
und erste Anemonen die Köpfchen heben, erglänzt hier
droben noch in wallenden Schneemänteln die Natur, hallt
der Schiruf, das lustige Jauchzen der Rodler durch die
weite, große Stille. Dann hebt plötzlich das Tauen an.
Der Lenz pocht auf sein angestammtes Recht. Und nicht
allzulange Währt es, und über die Hochmatten ist ein seliges
Blühen und Duften gekommen, im nahen Walde ruft
der Kuckuck, und die Wildwasser stürmen zu Tale, all¬
überall das große,
heilige Wunder zu
verkünden.
Von Oberhof ge¬
langt man über das
Rondell, wo eine
Reihe der schönen
Bergstraßen sich
kreuzen, in zwei
Stunden erhabener
Rennstieg-Wande-
rung zuerst zum
Schneekopfturme,
dem überhaupt
höchsten Punkte
desThüringerWal-
des, von dessen
Zinnen sich ein
Weites, farben¬
reiches Bild ent-
rollt,dannbalddar-
auf zur Schmücke,
der am höchsten
gelegenen menschlichen Wohnung „auf dem Walde“.
911 Meter hoch, bietet die Schmücke mit ihren beiden
schmucken Bauten ein treffliches Standquartier wie eine
Raststätte für Wanderer. Hervor ging die Schmücke
aus einer schlichten Sennerei, bis dann als erster Wirt
der „dicke Joel“ einzog und durch seinen sprudelnden
Witz und die ihm eigene kernhafte Schalkhaftigkeit und
Nr^6
270
Oeradheii ihr wlch^ Afi^fehu
dsü endlich d i^;; Begi^ning diit. 'Sm rX^i: vi^;„
ein Gasthaus wmtdßlteXda^^ a^^^ das- bc^scXLeitl^e; ;:
OeWand damaliger Tage ^iMtreifie* Üeber ^m. bafbeS;- ;
jaivfbundeirt Dichter Ludwig Beä^^;. ::
Wirt der Rasen. OocTi BfeTd
Bildnis t^t nöeh heute in den Hetinfeti ilitercu^ Thürmger
iu schsüeä und seine Schnaken und SchnMrreJi gehen
ndr:ih jmnier ger^ MtmAri 0^^ Waldv
^chstfXsi eingerähriit ruht t[?e Schmucfe^ äm Reim^^tiege
\m V'ofdefgruhd breitet sicK niedorsetikende Matte.
Ü^er diese öian in echte TUhringer Berg-
Öuskr recfcen Sacfeeifetehu v^telman
Zigeunerkoffr andeie Bergfiesen ihre
Hi^upter In den Himmeh ln der Mitte v ^b(ir
hebt ÖoetBes 4 *f!rHafceflefL der^ mn
mütrigches HmipL Dort in der : Tief^ ratischt ,dift
lfm, durch Goatlües Bergweit traümver*firen hhi, dfe
einst so süßen^ uasterbi ichen W tris«* ri j snsclien ditifttev
Böch ÄrTi^tadt.
ATh ABhaifge das
: Scfiti^Xkopfs; brachen
aus finsierefh WaJd-
diclnchL Moor u Ud
Sumpf äli die
fäden äütäge, welche
die beiden öerab^che
spersetii di^ W iId c md
ciie STahme Gera, tiie
sich dann erst bei
Plauen l?etejhen, urh
nun über ;Är?istadL
Erfurt sich, zur Ver-
einigung iiiii der- Lhb
striit zü Wenden.
Hat :dm jB^Bnanlage
Dietendorf -- Obei hpf;
mch ti'iet nu der .ur'
BpriinglEChen Schdu:
heu liefe Än Qera. ArnstmU:
taies gesündigt, ivdem sie streckem*i?G.st^ dem WiW-
bache mn neues Bet t. an wies, Wälle m die
köstliche :Berg)Uud$th^ift ,§chfib; 'p> ist' bniuer nndi m
\?ieL des ScBüiten f] ier zu iluden- daß d ; He ri ciari
oft Peleriag hä]Un, 2wlschen beide !t :WiIdblfch
sich ahfangs ein .hobef Bergrückefr ^luf dem sieh das glUs^:
hiaseiide Geliiberg niii t^einen freuridlitlieU Behrmsungep;
aufbauti* Hin echt Thüringer W^Udd mi] tfeHIicb in
X^i'öer'Trciefr’'■ H .geeign^ii, ^dfe EehebttöSt ■.•aB"-'
Sommerfrische ^lv steigern. AllöbtT:iU gntöeu die beimnt ■
liehen ßergkuppßh tnit ihrem Misebwald Limf^ und
Nädelbpb und iioeh über ilmbn grXtft der StchU'
Warle auf dein Sch n eeköpf in dmi ■ ireiOu : Bniuur
luheim WTe ck ern die muntererv recht s und:
jlhks in die Äahmc^'Gör^i Vergjßmcü'nufcld silumen
die tjfer' dcÄ durch si^ftlge /WÜeseu ellend^^n B^JcheÄ.;
Felskansteln fugan aus dem ■ DickiGht der \VaIden
ub^r den kreist der Bussard Bei .Arlesberg:
ttiii Öse Zahtw Gerd aus dem öbereh AV^dgriniUe m
ireifcre^ GOIätide^.m nm über efn rsaaf ü&Her .fdrt Xich
rmnh Plaue. 2 u wen^^ Wendet man sich Von dem
Tel^erideR Arlü^berg reobts .^eitüch in den Wald,; m Xfr
Xi^:cht. man m enter Bulben Stunde ein . kleines Jawel des
■Gebltgesi die g^thaische Somitmrfnsctie Elgersburg; Em
:’§01-*u tzküätleiu f and schuf tlföher ScBönlieitfin niht hfer tm
Fih'eden de& TlocliWufdes. Eigetsbiirg, malensch Von der
wieder jmrgesstelUebr-B^ Naniens Überragt, zühit
rhit 2ti den ältesLen Thünrtgbns/ Das wundetr
Same Naß, das higr dfet POlphyr entfließ^ Wald und
Bergluft sind die denen dergöthalsclie Oii
Taus^de schon g^krättigt^^W^ dife Hermat entlkii.
Wdder. großzügiger offenbart sich d&s Ta\ der
aFidereu: öernV Da^- hat: clas^ VdilX. etiipfund^^n;
da es Jahrfmfidcrten dmsem Tale düo Namen der
AVüden Gera lieh. Der mödeiiie A^ürkehr darf ja nicht
mebt: aacb FOrderu der; Poesie fragetc UncT doch
bleibt cs schadei daß dieser Gfund Ahäage
Baha\Va!ieÄ uiid Oüterbahnhofe^js hingenjrfert^ w Wö
zwischen derv beiden Meilen Ayäc!Mi?rh„ W
pdrrberg die
rnmm' .M-MGit^re^ ■
il^Pll und breiteres TM ein
tritb ftiht der .,Öüft-
berger HammePA eine
der tf aiilichste n Qast-
■... siülieüVdes' Gebirges.-,';
tiberförstereij S^ge
:miUile hiid xkts Gast'
Aiaus gehen sicii mn
friaM^'^hes Stelldich*
evn; Ang.ezogefi von
dem pöeAlscheu
dl^r StM t)ö- iitit
Elsässer FriisA LieU"
hurd seit Jahren ^kh
tiier lut Soutther fesF
'gesiedeJt. .•■■... ■•■ V.;.-./--.-^-.;
Lieber das geWerb-:
rübnge gothaische
DöH Ciräfenrbda ge-
iängi ETian endlich nach
dem ;$ohderhMiser
irn^i^isklrc.hf-
StädiküvPlauei. BLdde GerM^üche haben sic)j gsstnod^ji? mi
'äürcWhe^^^^^ Grund, bis A.uh''
;^,tadf zur Linken dre ,,prc5t :G(eichen“ in Slrfet
.die-Herrenhiiter ftöi'uiife ■ N'eu-DietefKloff WffüktÄ'
;.FimKA ’a!te' Por.:?'el!at)]''abrik _ eine Sehen^iii,ti%d%kGt\'
ÜMe^ : behütet, erhebt sich als schchie Rmne/die
EhrcHb^urg* imnm lachender, anmutiger igestalt^i sich der ;
.Orund;.; Die gelben Kalksthroffen der Sergxcäride ^eben r
cxmi&niivhki.ombn G^ d^r W^ahlmselu. SchHtcbt^e
miJ hunlfarbigen Ayieseih ;DänTi tötjcht
das frennd|iidie Arnsiad die Luidenstadt, äuf, van
..0r; Mtirt.ih;L'itther 't-finmat .Ms- BIM.'-mU-.vXmem-
hi Petersdm ve-ir^fejicö', ' Der Stolz der
mU’^Tesi?;UiiiM Siä^^ ist seine herirhche ■L^^^^^^iüenki^ch^ -
■u^utfedeütel^eX•Bimw<är ■rohnmisdPgoti$dher Art, ' Dobh
auch tktr MarkrphMx irfit dfexn dtn altcfi ^^cliönen
ßörgertiänse.rn, clör $ichU>S^art^^n’ mh den ReMeh ntid
schlanliori Tunn der sliXu Hrjlburg Ncideckv
liffcViB Lind vlules uhdere leihen Ariistadt große Anztehuug^i;
kra.fL Hkf .sue.He sich WilltbaH^ Ruhe-
1
280 DEUTSCHLAND Nr. 6
hafen, hier wohnte die Qartenlaubendichterin E. Marlitt
und nahm die Huldigungen der Mädchenpensionate gerührt
entgegen. Reich an trauten und romantischen Ausflugs¬
punkten ist Arnstadt. So ist es kein Wunder, wenn hier
sich immer reicher der Zustrom von Ansiedlern und
Sommergästen ergießt.
Es ist eine wahrhaft
liebenswürdige Stadt,
und ob sich auch in
den letztenJahrzehnten
Handel undWandel ganz
bedeutend hoben, völlig
neue Stadtteile nach
demBahnhofe zu empor¬
wuchsen, an dem Bilde
der Innenstadt konnte
man nichts ändern und
die Anmut und Lieb¬
lichkeit der Umgebung
blieb sich treu.
Längs der Ilm.
Unterhalb der herr¬
lichen Mordfleckwiese
droben am Rennstiege
kommen all die Silber¬
bächlein neugierig zu¬
tage gesprungen, die sich dann unten bei Stützerbach
sammeln, um nun den gemeinsamen Namen Ilm anzu¬
nehmen. Stützerbach, politisch, wie so mancher Waldort
dieses Gebirges, in zwei Teile getrennt, besitzt sehens¬
werte Glashütten und wird seit Jahren als freundliche
Sommerfrische
gern besucht.
Noch ist im
„Weißen Roß“
der Tanz-Saal
zu sehen, in
welchem einst
Goethe mit dem
jungen fürst¬
lichen Freunde
Karl August so
gern die dunkel¬
äugigen Mäd¬
chen im Reigen
schwenkte, wo
man liebte und
schwärmte und
derLustBecher
in jugendlicher
Hast bis zum
Grunde leerte.
Mit Stützer¬
bach sind wir in
Goethes Berg¬
welt eingetre-
Ilmenau : Goethe vor seinem Häuschen teil. Der herr-
ouf dem Kickeihahn üdi sich nun
Öffnende Talgrund, von stolzen Bergen begleitet, hat leider
durch die Neuanlage der Bahn Ilmenau — Schleusingen
manch herben Schaden in seiner Schönheit erfahren
müssen. Wer freilich im Zuge bequem dahingleitet, der
ahnt nichts von der Einbuße, die das Tal der Ilm
erfahren mußte, wie man gegenüber dem Gebirge den
Wundersamen Nahegrund seiner friedvollen Schönheit
Völlig entkleidete. Denn aus dem Wagenfenster hinaus
entrollt sich ihm ein
Wandelpanorama von
oft ganz hervorragen¬
den Landschaftsbildern.
Diese Berg- und Zahn¬
radbahn ist im übrigen
die erste solcher An-
lagen,die der preußische
Staat bauen ließ. Das
friedvolle Bild, das der
große Dichter so oft be-
sang,daserimVereinmit
seiner Liebe zur Frau
von Stein in Briefen,
Liedern, Zeichnungen
immer aufs neue feierte,
schaut heute längs der
Ilm nicht mehr so fried¬
voll geschlossen aus, als
es einst des Dichters
Augen erfreute. Zur
Rechten türmt sich der
breitgebuckelte Kickeihahn dunkel bewaldet auf. Zer¬
rissene Edeltannen auf einem Porphyrkegel deuten die
Stelle an, wo am Hermannstein sich die Höhle birgt, in
der Goethe so gern weilte im seligen Gedenken an die
Geliebte. Weiterhin der Hirschsprung erzählt uns, daß
der Dichter hier im Anblick des überaus malerisch ge¬
legenen Doppelortes Kammerberg-Manebach sein großes
Gedicht „Ilmenau“ anheben läßt. Höher noch denn der
Hermannstein grüßt das sogenannte Goethehäuschen, ein
grauer Holzbau, der nach dem Brande wieder aufgerichtet
wurde. In dem ehemaligen Pürschhäuschen lebte der
Dichter zuweilen. Hier droben entstand, wie bekannt,
sein Wundersames Nachtlied: „Ueber allen Wipfeln ist
Ruh“. Unweit davon finden wir auf der Höhe das
schlichte weimarische Jagdschlößchen, das seit zwei
Jahren der „in allen Kulturlanden hochberühmten“ Gabel¬
bachgemeinde als Sitz ihrer liederfrohen, Waldfrischen
Versammlungen dient. Ein Stück weiter steht das Wald-
warthaus „Zum kleinen Gabelbach“, das bisher der
genannten Gemeinde eine liebe Heimat War. Endlich
hat dann die Regierung, dem Zuge der Neuzeit sich
beugend, gleich dahinter ein „modernes Hotel“ hingesetzt,
das ja Tausenden von Fremden mag willkommen sein,
den deutschen Literaturfreunde an dieser Stätte aber
doch mit heimlichem Schmerz erfüllen muß. Mit ihm ist
für immer die Keuschheit einer hochgeweihten Stätte
totgeschlagen worden.
Kammerberg und vor ollem das wie ein Alpendorf
aufsteigende gothaische Manebach, in dem Masken und
tausenderlei bunte, schnurrige Dinge für lustige Feste
hergestellt werden: beide Waldorte heben sich jährlich
mehr und mehr in der Gunst städtischer Besucher. Sitzt
man hier doch so recht im Herzen des Gebirges, und
jeder Schritt erzählt von großen klassischen Tagen.
Steigt man durch die steilen Berggassen von Manebach
Der' Greis
dem Kickeihahn bei Jlnienau
IJir hu i\u, Uinunil hiSt
.'Uic,'. J.ful u nJSchnu. .,n stULst
Dtn.dtr ,topfidt rhnj ut.
FJopoth mit hi/lisl^
Acn \cft hin lüj Trrihtm mun’i
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Süsiff /'»»/«’i/i i’ituu
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Xptttf.i/ /tu
/hum <'/>/./- huitJi
Pitl'.yd. .: -v
Itiirti nur, btilJl
/l'llhtst^DuyU(Ä !
Nr. 6 DEUTSCHLAND 281
an der Kirche empor in den Hochwald, so erreicht man
in einer halben Stunde den Mönchhof, eine tief poetische
Raststätte am Schnittpunkte einiger Bergstraßen. Gegen¬
über dem Waldwarthause haben wir im Sommer 1906
den uralten Mönchstein wieder zwischen Farnen und Jung¬
tannen aufgerichtet, den eine wehmütige Sage umflüstert.
Von Manebach aus nähern wir uns nun rasch der
ehemaligen Bergwerkstadt Ilmenau, die rechte Goethestadt,
Sanatorien in Gemeinschaft mit Waldesduft und Berges¬
hauch locken mit jedem Frühling Scharen von Gästen
nach der Goethestadt und Wanderer aller Nationen
schreiten über die klassischen Stätten und bringen ihre
Huldigungen dem deutschen Genius dar.
Mit Ilmenau sind wir aus dem eigentlichen Gebirge
herausgetreten. Die Ilm windet sich durch den Hüttengrund,
der von Fabriken, Pochwerken, zahllosen Werkstätten
Paulinzella ; Gesamtansicht
Überreich verbunden mit unvergeßlichen Erinnerungen an
all die Großen aus Deutschlands zweiter klassischer
Dichterperiode. Eine Fülle von Tafeln an den Häusern
erzählt uns von denen, die einst von Weimar so oft
herüberkamen, in frischer Bergherrlichkeit sich des
Lebens zu freuen. Einer aber schreitet gehobenen
Hauptes und mit leuchtenden Augen voran, der Liebling
der Frauen, der die süßesten Geheimnisse der Menschen¬
brust verstand und
in ewigen Liedern
ausströmte: Johann
Wolfgang Goethe!
Ilmenau hat sich
nun lange in eine
blühende Industrie¬
stadt verwandelt,
deren Essen drüben
jenseits des Bahn¬
hofes dampfen. Es
besitzt ein großes
Technikum. DieAlt-
stadt aber und das
heitere Reich von
schmucken Land¬
häusern, das sich
jenseits der Ilm am
Waldesrande ent¬
wickelte, das ge¬
hört allein den Kur¬
gästen. Treffliche
tapferer Arbeit besetzt ist, und eilt nun ins offene Gelände
hinaus. Sie streicht an den Häusern des interessanten
kleinen Stadt-Ilm vorüber, über dessen Dächer ein uralter
romanischer Kirchbau die ehrwürdigen Doppeltürme reckt,
wo innerhalb des Gassengewirrs sich auf dem Marktplatze
das Denkmal der „Thüringer Nachtigall“, des Komponisten
Methfessel, erhebt. Nun gehFs über die freundliche Sommer¬
frische Kranichfeld, über dem zwei Bergschlösser stolz
thronen. Weiterhin
nach Nordosten er¬
reichen wirBerka an
der Ilm. Das so an¬
mutig zwischen be¬
waldeten Höhenhin-
gelagerte weimari-
sche Städtchen ge¬
nießt seit langem
Ruf als ein vorzüg¬
licher klimatischer
Kurort, in den der
Lärm der Welt nie
hineindrang. An dem
Kurhause hin zieht
sich die Goethe-
Allee, dem Dichter
geweiht, der ja auch
hierher so manch¬
maleilte, der lauten,
oberflächlichenLust
eines Vergnügungs-
Weimar: Großherzogliches Residenzschloß
I
282
DEUTSCHLAND Nr. 6
süchtigen Hofes für Tage zu entrinnen, wenn er seines
hohen Berufes sich bewußt ward. Burgen und liebliche
Aussichtspunkte sind in Fülle um Berka ausgestreut, und
die Ufer der Ilm bieten reizvollen Wechsel.
Und nun betrittst du heiligen und für alle Zeiten ge¬
weihten Boden, Wanderer! Mit Türmen und hochgelegenen
Landhäusern grüßt dich schon von weitem das berühmt
gewordene Ilm-
Athen, Weimar!
Die Heroen jener
großen Tage
würden sich sehr
verwundert die
Augen reiben,
kehrten sie heute
noch einmal zu¬
rück. Belvedere,
Tiefurt, Etters¬
burg: sie zeigen
Wohl noch das
alte,gutbekannte
Gesicht. Wie ist
aber die Resi -
denz des groß-
herzogl. Hofes
seitdem herauf¬
geblüht? — Als
Qoetheeinst hier
Einzug hielt, da
forderte noch am
Tore der Hüter
den Paß. Kein
Pflaster, keine
Beleuchtung, in
den Gassen das
trübe, übel duf¬
tende Abwasser
der schier recht
armselig drein¬
blickenden Bür¬
gerhäuser. Mehr
ein ummauertes
Acker - Bürger-
Städtchen denn
eine Residenz!
Zudem war kurz
vorher ein Teil
des Schlosses ab¬
gebrannt. Und
heute! Wer da
vom Bahnhofe
kommt, den emp¬
fängt eine baum¬
überschattete
breite Straße, mit Palästen und blühenden Gärten be¬
setzt. Museen und herrliche Neubauten durchsetzen
die Innenstadt, während draußen im weiten Bogen vor¬
nehme Stadtteile erstanden. Die Kunst besitzt ihre
wertvollen und gediegenen Stätten. Das neue Hof¬
theater, vornehm schlicht im Aeußeren, bietet im Innern
köstliche Augenweide und weist alle Vorzüge modern
technischer Hilfskräfte und Einrichtungen auf. Ein
Gang durch die Zimmer und Säle des umfangreichen
Schlosses wird zu einer Wanderung deutscher Kunst¬
geschichte und Literatur. Unweit davon baut sich am
Ufer der prächtig umwaldeten Ilm der Renaissancebau
des Goethe-Schiller-Archivs auf, die hochherzige Stiftung
der verstorbenen Großherzogin Sophie. Was die hohe Frau
hier schuf, das wetteifert mit der Schöpfung ihres unverge߬
lichen Gemahls,
des Großherzogs
Karl Alexander,
welchem Weimar
auch ein Reiter¬
bild weihte: der
Wartburg, die er
seinem ganzen
deutschen Volke
als hehrstes Erbe
zurückließ.
Der Park zu
Weimar! Kann
seine stille und
feine Schönheit
je ausgesungen
werden? Welch
ein langer Zug
von Männern
schreitet da im
Geiste an uns vor¬
über! Weimar ist
heiliger Boden.
Den Zauber, der
diese Ilm-Stadt
umschwebt,kann
keine Neuzeit je
völlig ertöten.
Die Häuser, in
deneneinSchiller
und ein Goethe
einst wohnten,
schafften, der
schattige Garten
der Toten, in
denen die Für¬
stengruft unter
düsteren Bäumen
sich erhebt, Erz¬
bilder und Haus¬
inschriften, alles
redet seine be-
sondereSprache.
Vor uns versinkt
hier so oft die
ruhelose Gegen¬
wart und herauf
steigt wieder, was in Werken, Briefen und Erinnerungen
Gemeingut des deutschen Volkes, besser, aller Kultur¬
völker geworden ist. Heute pulst durch die schöne
weimarische Residenz ein freies künstlerisches Leben.
Das neue Hoftheater hat eine neue Anziehungskraft der
Stadt verliehen. Musteraufführungen und Schülervor¬
stellungen locken jetzt jährlich Tausende von Fremden
herbei, die nach kürzerem und oft auch längerem
Nr. 6
0 DEUTSCHLAND ^
283
Verweilen in Weimar gehobenen Sinnes wieder heim¬
kehren, ein Stück deutscher Poesie im Herzen tragend.
Von Weimar wendet sich die Ilm leise rauschend
über Oßmannsstedt, wo einst der Dichter Wieland sein
Gut besaß und im Parke auch neben seiner Gattin wie
der Freundin Brentano seine letzte Ruhestätte fand,
lieber Apolda fort, der stark gewerbrührigen Stadt, nähert
sich nun die Ilm dem Bad Sulza. Dieses weimarische
Solbad Sulza genießt von altersher bedeutenden Ruf.
Seine Solquellen besitzen starke Heilkraft, das Gradier¬
werk mit Wandelhalle sind stark besucht. Allein 25 Bade¬
anstalten stehen den fremden Besuchern geöffnet. Und
nun noch eins gesellt sich hinzu: die reizvolle Umgebung.
Steigt man eine der Berglehnen hinan, so überblickt man
ein Stück des gewundenen Ilmtales, nach Osten hin aber
lachen uns nachbarlich die hellen, von Weinbergen be¬
deckten Höhen des heiteren Saaletales entgegen. Denn
schon bei dem nächsten Orte Großheringen eint sich die
Ilm mit der Saale. Das muntere Bergkind des Thüringer
Waldes nimmt von uns Abschied. Von der Quelle bis
hierher zur Saale: welch eine Flut von gewaltigen und
lieblichen Erinnerungen umweht nicht das bescheidene
Flüßchen! Lebe wohl, silberflüssige Tochter des Thüringer
Waldes, die du einst unsterblichen Liedern lauschen durftest!
Im Schwarzatale.
Dicht unter dem Rennstiege entspringt in einer
Höhenlage von 717 Meter die steingefaßte Quelle der
Schwarza, deren Tal mit zu dem Schönsten zählt, was
der Thüringer Wald überhaupt aufzuweisen hat. Fast
messerscharf ist das Obere Schwarzatal von dem Unteren
Schwarzatal hinsichtlich des Charakters geschieden. Zeigt
der obere Teil mehr einen lieblicheren Anstrich, so
offenbart der untere Teil von Schwarzburg bis Blanken¬
burg eine fast heroische Größe. Die Schwarza ist
darum auch bemerkenswert, weil sie — in dem politisch
zerstückelten Thüringen wirklich eine Seltenheit! — nur
durch ein einziges Land, Schwarzburg, ihren Weg
zwischen Quelle und Mündung nimmt. Sie stand dem
uralten Fürstenhause und dessen Stammsitz Pate, sie
gab einer Reihe von Ortschaften längs ihres Laufes den
Namen. Goldführend ist sie mit sieben Seitenbächen
durch Jahrhunderte gewesen. Noch heute tragen die
Fürsten von Schwarzburg nur Trauringe, die aus dem im
eigenen Lande gewonnenen Edelmetall gefertigt sind.
Ein prächtiges Bergland, durch das die Schwarza dahin¬
strömt, ein schöner, dunkeläugiger Menschenschlag, der
die Siedelungen des Tales und die droben auf den Höhen
bewohnt! Porzellan- sowie Holz Warenfabriken nebst
Schieferbrüchen ernähren die Bevölkerung. Dazu gesellt
sich die Anfertigung von Medikamenten, die schon vor dem
Dreißigjährigen Kriege durch die „Königseer“, oder auch
„Balsamträger“ genannt, weit hinaus bis nach Holland und
Oesterreich vertrieben wurden. Das Schwarzatal und die
Fülle der verschwiegenen Nebentäler, sie bilden noch
immer dem echten Naturfreunde eine ungetrübte Quelle
tiefsten Genusses.
Bereits das erste Walddorf unterhalb der Quelle,
Scheibe, stellt eine Sommerfrische von gewinnendem Reize
dar. Duftige Wiesen füllen den Grund. Dicht dahinter
Die Schwarzburg' (Photogr.; Hugo Lösche, Rudolstadt/
284
m DEUTSCHLAND Nr. 6
steigen die prächtig bewaldeten Berge steil empor. Hier
über Alsbach nach Limbach, wo der Rennstieg so scharf
sich abdacht, daß beim Regen die Wasser vom Dache des
Wirtshauses hier zum Rhein, dort zur Elbe rinnen. Herr¬
lich zeigt sich gegenüber der geheimnisvolle Wurzelberg
in seiner Waldwirrnis. Hier oben findet man noch die
letzten größten Tannen Deutschlands. Wohin wir auch
von Scheibe die Schritte lenken, immer wieder tritt uns
Jenseits von Sitzendorf, wo von rechts die Sorbitz
aus einem ganz entzückenden Tale zur Schwarza strömt,
da engt sich ein wenig der Grund. Uralte, seltsam
geformte Buchen stehen am Wege. Dann zeigt sich
plötzlich inmitten des grünen Rahmens von Wiese und
Wald, Wasserumflossen, wie ein heller Märchensitz der
malerische Bau des „Weißen Hirschen“, mit eins der vor¬
nehmsten Gasthäuser des gesamten Gebirges, und hin-
Solbad Salzung'en: Kurhaus mit See
eine Schönheit und ein Frieden entgegen, der es schwer
macht, die Stätte wieder mit dem Gewühl der Großstadt
vertauschen zu müssen.
Auch die nachfolgenden Orte im Oberen Schwarza¬
tale, Langenbach, vor allem Oelze mit dem trefflich
geführten Hause „Zum Kieslerstein“, Katzhütte, Schwarz¬
mühl, Blumenau bieten dem ozonbedürftigen, wander¬
frohen Städter guten Ruhesitz, Augenweide und Herzens¬
freude. Ebenso sei hier gleich
eingeschaltet das droben über
dem rechten Ufer gelegene Ober-
Weißbach, in dessen Pfarrhaus
einst der ideale Kinderfreund
Friedrich Fröbel das Licht der
Welt erblickte, und wo auf dem
nachbarlichen Kirchberge sich
als ein Lugaus der Fröbelturm
erhebt, von dessen Zinnen das
Auge die Saalehöhen, Thüringer-
und Frankenwald überschaut, wie
eine Reihe der Granitkuppen des
„heiligen“ Fichtelgebirges. Mit
Spürsinn und einer Karte kann
man lange Wochen im Tale
der Schwarza hausen, um jeden
neuen Tag ein neues Wanderziel
sich zu suchen. Amtlich abge¬
stempelte Kurorte findet man hier
noch nicht. Wald, Wasser, Luft
und eine sieghafte Schönheit
unverfälschter Natur sind die
Apostel einer Heilslehre, die Leib
und Seele gleicherweise segnet.
sichtlich seiner Lage wohl einzig. Der Ausblick von den
Terrassen dieses Hauses genießt fast Weltruhm, gleich
dem Niederblicke vom nahen Trippsteine. Hier saß einst
in schönen Maientagen Während ihres vierwöchigen Auf¬
enthalts Hollands jugendliche Königin und schied mit der
Versicherung, kaum angenehmere Tage je in der Fremde
verlebt zu haben, denn in diesem vornehm-trauten Hause.
Der „Weiße Hirschen“ ist seit bald 100 Jahren der
Nr. 6 DEUTSCHLAND 285
Nachbar des hell schimmernden Stammsitzes der Fürsten
des Landes. Nur durch die Bastei geschieden, blicken
sich beide Bauten in die Fenster. Das Schloß bietet mit
dem Kaisersaal, der Kapelle wie seinen Sammlungen
manch Sehenswertes. Doch das Schönste bleibt doch
immer wieder das, was eine gütige Natur um diese fürst¬
liche Residenz, um das anmutige Dorf an prangender
Schönheit legte. Auch der dem Hirschen gegenüber¬
liegende „Thüringer Hof“ entrollt von seinen Garten¬
anlagen malerische Einblicke in den Wasserdurchrauschten
Grund. Ob man vom Trippstein, der Schabsheide, dem
Helenensitz das Bild dieser intimen Sommerfrische genießt,
immer mischen sich Bewunderung mit Freude ob solcher
Offenbarungen einer alle Kunst übertrumpfenden Natur
zusammen. Schwarzburg ist zu allen Zeiten ein begnadeter
Ort. Wer erst für Wochen hier sich festlegte, nicht in
wilder Hatz die Sterne der gedruckten Führer abhaspelte,
um dann schleunigst weiter zu rasen, der wird die Fülle,
den Reichtum dessen in tiefen Stimmungen erfassen, was
diese abgeschlossene Bergwelt bietet. Ihr und dem gast¬
lichen Fürstensitze sang ich einmal zu:
Leuchtend aus dem grünen Grunde
Steigst herauf in stolzer Pracht,
Märchenschön zu jeder Stunde,
Sonnumhlitzt, in Sternennacht.
Heimlich hör’ des Flusses Rauschen,
Der um deinen Fels sich schlingt,
Und ich möcht’ der Lieder lauschen.
Was von Berg und Tal dir klingt.
Ja, ein tiefes Sehnen füllet
Mir das Herz, gedenk’ ich dein.
Traute Stätte, wal’dumhüllet,
Schwarzburg, heller Edelstein!
Und nun leb’ wohl, Perle des Schwarzatales! Drei
Wege öffnen sich jenseits Schwarzburgs dem Wanderer.
Er kann drunten im Tale dahinschreiten, die Straße hin
oder jenseits der über Geröll und Geschiebe stürmenden
Schwarza auf einem staubfreien Fußpfade unter Ufer¬
bäumen hin. Dann singt ihm für ein paar Stunden das
Wasser heiß wirbelnde und wieder versonnene Wander¬
lieder in die Seele. Er schaut mit Andacht zu den steilen
Schieferhalden, Felskanzeln und zu den in den blauen Himmel
ragenden Schroffen und Graten und vernimmt im feinen
Rauschen der stolzen Wälder das Hohelied der Ewigkeit.
Wild wechselt’s zuweilen vor ihm hin; aus engen Seiten-
tälchen kommen silberne Wildwasser angesprungen. Der
Schlag einer Holzaxt hallt von irgendwo unter den Bäumen
her, aus einem Steinbruche vernimmt er das Schürfen
und Kollern von niederrollendem Gestein. Libellen gaukeln
über das Wasser, und der Sang der Waldmusikanten
begleitet ihn treulich bis zum Ausgange des Tales bei
Blankenburg. Man kann aber auch rechts und links die
Uferwand erklimmen, um nun die Höhe innezuhalten,
wundersame Einblicke in den scharf gewundenen Fels¬
paß zu gewinnen, durch den sich in Jahrmillionen das
Wasser seine Bahn ertrotzte. Das ist dann ein selig
Dahinschreiten, über sich den Himmel, die ziehenden
Wolken, drunten Fluß, Tal, Straße, alles von zerklüfteten
Felsmassen für ein paar Stunden kraftvoll gerahmt und
farbenreich abgetönt.
Endlich blitzt ein breites, leuchtendes Wehr im Flusse
auf. Wir steigen bei den großen Gasthäusern des Chry¬
sopras hernieder, von rechts grüßt an schön belaubter
Bergwand die mächtige Anlage des Sanatoriums Schwarz¬
eck mit den so malerischen Neubauten. Dann halten
wir in der von Gärten und Landhäusern höchst anmutig
iimkränzten ThüringerSommerfrische Blankenburg unseren
Einzug. Blankenburg hat einen guten Namen. Es ver¬
eint sich so viel, was einen längeren Aufenthalt immer
wieder verschönt. Eine wirkliche Gartenstadt von holdem
Frieden umweht. Rinne und Schwarza einen sich hier,
zwei Täler durcheilend, von denen ein jedes seine be¬
sonderen Reize birgt. Hoch über der rudolstädtischen
Sommerfrische, in der einst Friedrich Fröbel seinen
ersten Kindergarten anlegte,
da erhebt sich hinter einem
Gürtel schwer rauschender
Buchen auf einem 400 Meter
hohen Bergkegel die trefflich
erhaltene Ruine des Greifen¬
steins, der einst wohl aber
auch die Blankenburg geheißen
haben mag. Hier droben Ward
demdeutschenVolke ein Kaiser
einst geboren. Im Jahre 1304
erblickte Günther XXI. hier
droben das Licht der Welt.
Den tapferen und hochgemuten
Grafen von Schwarzburg er¬
wählten die deutschen Fürsten
dann 1349 zum Kaiser. Er
Ward im Dome zu Frankfurt
feierlichgekrönt,starb aberbe-
reits im Juni desselben Jahres,
mutmaßlich an Gift, das Rom
ihm hatte beibringen lassen.
Er ruht im Dome der glänzen¬
den Mainstadt; ein Abguß
seines Grabsteins befindet
Schmalkalden
286 DEUTSCHLAND iiB €^> € ^)eee e e€^)0eeeeeoee8» e » g) Nr. 6
sich in der Kapelle zu Schwarzburg. Noch heute aber
Weht bei Anwesenheit der Fürsten in Schwarzburg
hoch vom Dache die gelbe Hausflagge mit dem stolzen
Kaiseraar. Ueberaus lieblich zeigt sich von der Mauer¬
brüstung der Ruine des Qreifenstein das schön ge¬
schwungene Talbild. Man blickt nieder auf Markt, Gassen
und den Kranz schmucker Landhäuser des so heiteren
Blankenburg, und dann Wandert der Blick weiter über die
Schwarza, bis wo sich diese angesichts gelb leuchtender
Kalksteinschroffen mit der Saale vereinigt.
Im Südosten des Thüringer Waldes.
Bis noch vor ein paar Jahrzehnten galt für die meisten
Thüringfahrer die Schmücke gleichsam als der Schlag¬
baum nach Südosten hin, über den man nicht weiter
hinausstrebte, sondern nun zur Ilm niederstieg, hier den
Kreislauf über Paulinzella, Schwarzburg zur Saale zu
beschließen. Seitdem ist die Kenntnis gestiegen von den
zahlreichen Schönheiten, die auch der Südosten des
Gebirges aufzuweisen hat, wie ja auch mit einer Wieder¬
belebung des Interesses am Rennstieg*) nun jährlich
Hunderte den grünen Grenzweg zwischen Hörsei und
Saale pilgern.
Bis hinüber zur Saale haben sich seit einigen Jahr¬
zehnten im Gebirge droben auf den Höhen wie in den
Seitentälern zahlreiche Sommerfrischen aufgetan, die ja
auch alles aufzuweisen haben, was abgehetzte Großstadt¬
kinder brauchen: Ruhe und Beschaulichkeit, Berg- und
Waldluft. Eingeordnet in das stille Getriebe dieser
Waldnester, überkommt bald dem Fremdling ein wohliges
•*) Der Rennstieg, illnstr. 2. Aufl. T. C. C. Bruns Verlag, Minden.
Gefühl. Jeder Tag bringt neue Offenbarungen, das
Kleinste in Wald und Flur gewinnt an Interesse. So
vollzieht sich unbemerkt die Gesundheit von Leib und
Seele, der Südosten des Thüringer Waldes gibt sich ein¬
facher, Kurorte im eigentlichen Sinne kennt er nur wenige.
Weder Wettrennen noch Künstlerkonzerte, Reunions noch
sonstige großstädtisch auffrisierte Feste Warten seiner.
Die Natur muß alles ersetzen. Das bedingt darum auch
schlichtere Preise und einfachere Daseinsformen.
Hat man, von der Schmücke kommend, den Rennstieg
bis über die herrliche Mordfleckwiese verfolgt, so steigt
dicht vor uns der ernste Finsterberg empor, dessen Gipfel
ein weites, schönes Landschaftsbild gewährt. Jenseits
breitet sich auf rauher Bergmatte das preußische Dorf
Schmiedefeld aus, das infolge des Reichtums angrenzender
Naturschönheiten und der frischen Berglage sich immer
kräftiger als Luftkurort entwickelt. Ueber das reizvolle,
tief eingeschachtelte Dörfchen Vesser gelangt man zu
dem romantischen Berggasthause „Stutenhaus“, einer
Perle unter den Gasthäusern des Gebirges. Bis nach
Coburg schweift von hier droben das Auge über ein
Meer von Wäldern, über tief eingeschnittene Täler.
Gegenüber glänzen in der Sonne die Dächer des hoch¬
gelegenen Dorfes Frauenwald, ebenfalls eine gern auf¬
gesuchte Sommerfrische. Von Frauenwald steigt man
dann in den tief poetischen Grund der Schleuse, deren
blitzende Wellen an manchem freundlichen Waldneste
vorüberziehen, das sich zwischen Frühling und Herbst
gern der Aufgabe fremder Gäste widmet. Ich erwähne
nur das betriebsame Unter-Neubrunn im Schleusetale.
Wendet man sich durch den entzückenden Tannengrund
Die Apostelfelsen mit Blick auf Oberschönau (Verlag Carl Mittag, Friedrichroda)
Nr. 6
DEUTSCHLAND 287
wieder empor zum Rennstiege, so erreicht man bei dem
Weiler Kahlert den Grenzrain wieder. Links, nur wenige
Minuten rückwärts, bauen sich die schiefergedeckten
Hütten und Häuser von Neustadt am Rennstieg auf, auch
heute eine beliebte Sommerfrische, rechts gelangt man
auf der Schwalbenhauptswiese an dem mir freundlichst
gewidmeten „Triniusfelsen“ vorüber nach dem fast alpin
anmutenden Dorfe Masserberg. Ehemals ein armes Ge-
birgsdorf, dessen Bewohner mit der Hand Streichhölzer
anfertigten, hat der Ort sich jetzt aufgerafft, Neubauten
geschaffen und darf nun jeden Sommer immer reichere
Scharen Fremder empfangen, die mit staunender Bewunde¬
rung die reichen Schönheiten der Umgebung durch¬
streifen. Folgt man von hier weiter dem Rennstieg, der für
die nächsten Stunden die erhabensten und verschwiegensten
Reize seines ganzen Weges aufrollt, so gelangt man über
Limbach endlich nach
Neuhaus und Igelshieb,
den überhaupt höchsten
Ortschaften des Waldes,
in denen bisher selbst
der Sperling noch nicht
zu finden war. Glas¬
bläser und Porzellan¬
arbeiter (Gläser und
Porzelliner) hausen hier
droben. Wenn sommer¬
lang die Matten über¬
reich blühen, die Wälder
flimmern im Sonnen-
glanze, dann kommen
jetzt die armen Städter
aus der Tiefe, in vollen
Zügen hier die reine
Luft einzuatmen, sich
Fernsichten und der
Weihe der weiten, toten¬
stillen Wälder zu freuen.
Im Winter aber türmen
sich hohe Mauern von
Schnee bis in den Lenz
hinein. Dann schallt der
Heilruf der Schiläufer
durch die glitzernde Pracht, und Männlein und Weiblein
tummeln sich auf den Rodelbahnen.
Wirft man sich von Neuhaus-Igelshieb südlich in den
summenden Hochwald, so taucht man bald hinab in das
Tal, an dessen oberem Ende sich die Wiege Thüringer
Glasbläserei, Lauscha, birgt. Ein ganz prächtiger Ort,
für ein paar Wochen vor Anker zu gehen! Allüberall
blicken die Waldberge in die Fenster, aus den dunklen
Augen der auffallend schönen Mädchen, den frischen
Mannesgesichtern lacht uns Lebensübermut, Schalksinn
und Liederlust entgegen. Und sucht man die wackeren
Leute bei der Arbeit an den Stichflammen auf, so faßt
uns Achtung und Bewunderung vor dem Können, das in
„der Lausche“ seit mehr denn 300 Jahren daheim ist.
Wendet man sich an dem Straßenübergange bei der
„Kalten Küche“ vom Rennstiege nördlich nieder, so
gelangt man in das Tal der Zopte und erreicht bald das
malerisch von dem Wespenstein überragte meiningische
Städtlein Gräfenthal, gleich der Stadt Lehesten eine
Wahre Hochschule der Schieferindustrie. Auf dem Schloß
saßen einst die mächtigen Grafen von Pappenheim, und
wer ihnen ins Angesicht schauen will, der Wende sich zur
hochgelegenen Kirche, wo uns in der Apsis des Chors
die markigen Gestalten, bunt übermalt, in zum Teil treff¬
lichen Grabdenkmalen grüßen. Gräfenthal darf mit Recht
sich auch unter die Sommerfrischen mischen. Das Tal
und was sich seitwärts birgt, bietet eine Fülle des
Schönen und Sehenswerten. Ich erinnere hier nur an
die fränkisch-thüringische Grenzwarte, die wieder aus der
Vergessenheit emporgehobene Burg Lauenstein im Tale
der Loquitz.
In die Loquitz mündet auch die Zopte, und aus dem
Tale der stark strömenden Loquitz wenden wir uns dann
in das liebliche Tal der Sormitz, um hinauf zu einer
der reizvollsten kleineren Sommerfrischen des Thüringer
Waldes zu pilgern: dem Schwarzburger Städtlein Leuten-
berg, das sich seit ein paar Jahren auch des Anschlusses
an das große deutsche Schienennetz erfreut. Hier ist
gut weilen. Von dichten Laubwaldungen bedeckte Berge
kränzen den sauberen Ort, dem der Friede und die
Behaglichkeit gleichsam aus den Augen gucken. All¬
überall öffnen sich verschiedene Seitentälchen, aus denen
blinkende Bäche zwischen Blumen und Matten hervor¬
rieseln. Gute Wege leiten zu gefeierten Aussichts¬
punkten. Hoch über Markt und Gassen aber thront eines
der ältesten und malerischsten Bergschlösser Thüringens:
die Friedensburg, die ebenfalls in einem Teil ihrer Räume
zur Aufnahme Fremder eingerichtet wurde. Ein stiller
Abend hier droben, wenn die Sonne sacht hinter den
schlafenden Bergwäldern sinkt, das bleibt ein Erinnern
für das Herz, das noch lange nachklingt.
Noch einer still beschaulichen Stätte im Südosten
des Gebirges sei in Freundlichkeit hier gedacht: dem
reußischen Städtlein Bad Lobenstein. Es baut sich
Die Feste Coburg Fränkische Krone")
288 DEUTSCHLAND Nr. 6
überaus anmutig im forellenreichen Tale der Lemnitz
auf, die nicht allzuweit davon sich mit der Saale ver¬
bindet. Lobenstein ist nicht nur eine gern aufgesuchte
Sommerfrische, es stellt auch einen namhaften Kurort dar,
der in seiner Stein¬
quelle eine bekannte
Heilquelle aufzu¬
weisen hat. Die
Kur- und Badean¬
lagen liegen neben
dem zum Amts-
hause umgewandel¬
ten alten Schloß
in einem wunder¬
schönen Park, über
dem noch heute der
Hauch einer Zeit
Weht, welche noch
nichts von Dampf
sowie Elektrizität
wußte. Es ist Stim¬
mung über diese
Gartenanlagen aus¬
gegossen. Auf einem
spitzen Bergkegel
ragt der trauernde
Rest eines alten Herrschersitzes auf, dem Gesamtbilde
erhöhten Reiz zu leihen. Auch Lobenstein ist ein rechtes
Asyl für echte Naturfreunde, die gern für ein paar
Wochen dem bunten Geräusch der Welt entfliehen wollen.
Im Werratale.
Ehe wir nach Osten hin das Gebirge verlassen, sei
noch eine kurze Streife durch das burgenreiche Werra¬
tal eingefügt, das
den Westrand des
Thüringer Waldes
begrenzt, an der
anderen Seite von
den scharf profilier¬
ten Basaltkuppen
der Vorder - Rhön
begleitet. Lachende
Dörfer und maleri¬
sche Städtlein füllen
dasTal. Dazwischen
grüßen uns als Eigen¬
tümlichkeit dieses
Landstrichs: Burgen,
Herrschersitze und
umwehrte Gottes¬
häuser. Sagen und
Mären umflüstern
das Tal; die Ge¬
schichte redet zu
uns, und leuchtende
Gestalten aus großen Dichtertagen wandeln im Geiste
neben uns. Wer hier an den Ufern dahinwandelt, den
umtönen Lieder, wie sie Rudolf Baumbach dem Volke
sang, den umwittert Poesie, und der Sang der Wellen
Burg- Lauenstein, Fränkisch-thüringische Grenzwarle
(Verlag- Carl Mittag, Friedrichroda)
Rudolstadt mit Heideckshurg-
Nr. 6 DEUTSCHLAND 289
mischt sich mit dem Rauschen der tiefen, stillen Wälder,
unter denen die der bekannten Zillbach voranstehen, zu
der früher unser Kaiser gleich seinem unvergeßlichen
Vater mit jedem Frühjahr kam, der Jagd auf Auerhähne
sich hinzugeben.
Der einzige Kur- und Badeort, den dieser Teil des
Werratales aufzuweisen hat, ist das meiningische Städt-
lein Salzungen, dessen mächtige Salzlager schon unter
Kaiser Karl dem Großen urkundlich genannt werden,
um die einst in vorgeschichtlichen Zeiten Hermunduren
und Chatten sich die Köpfe blutig schlugen. Die starken
Salzquellen, die Inhalationseinrichtungen bringen jährlich
Tausenden Linderung und Heilung, so daß die hübsche
Stadt, die noch reich an altertümlichen Häusern ist, immer
Ein lohnender Ausflug von Salzungen aus ist vor
allem ein Besuch der Ruine Krayenburg, dann zum Haut¬
see, der eine kleine schwimmende Insel in seiner Mitte
führt, und dann von da zu dem entzückenden Idyll einer
ganz intimen Sommerfrische, nach Frauensee. Dies kleine
Frauensee ist ein Gedicht. Was tufs, daß man hier
deutlich die Zeit summen hört?! Wer hierher kommt,
den packt der Zauber dieser waldeingeschlossenen Stätte
und er verzichtet gern auf laute Vergnügungen und be¬
frackte Kellnerscharen. Das Frauenkloster ist längst
verschwunden. Wie in einem Theater des Altertums
bauen sich, im Kreise ansteigend, die bunten Häuser um
den Waldumfriedeten See. Die Kirche, die Oberförsterei
sowie ein Rittergut nebst Amtshaus bilden die Haupt-
Saalfeld: Der 1000jährige Hohe Schwarm mit Schlößchen Kitzerstein
schmucker sich entfaltet hat. Um den fast kreisrunden
See sind schöne Kuranlagen hergestellt worden; schmucke
Landhäuser im Henneberger Stil wachsen aus der Erde,
über üppig umblühten Stadtmauern schaut das alte Schloß
hervor, Stadt, See und die Berge in der Ferne grüßend.
Am Gradierwerk spielt sich der „ernste“ Teil des Bade¬
lebens täglich ab, wobei die Kurgäste gespenstisch ver¬
mummt in grauweiße Gewänder und Hüte die salzige
Luft unter den heiteren Klängen der Kurkapelle einatmen.
Berühmt ist seit langem der Salzunger Kirchenchor wie
immer noch die Sulzberger Fußtinktur, die dem Erfinder
so reichen Gewinn einstens abwarf, daß der edle Mann
wie seine Gattin konnten der Stadt große, segensreiche
Stiftungen hinterlassen.
bauten des weimarischen Dorfes, das kaum 500 Seelen
zählt. Trefflich Wohnt es sich in dem Kurhause Buchonia,
dessen Name an die Riesenbuchenwälder erinnert, die
einstens Rhön und Thüringer Wald weithin verbanden.
Von Salzungen Wandert man auch hinüber nach dem
Dorfe Möhra, dem Stammorte des Reformators Luther,
dessen Erzstandbild sich vor der Kirche erhebt. Auch
nach dem Frankenstein lenkt man gern die Schritte,
wenn drüben die Sonne hinter der Rhön niedertaucht
und der Spiegel der Werra, die Teiche des breiten Tal¬
grundes wie flüssiges Gold noch einmal aufschimmern.
Wasungen mit seiner hochgelegenen Maienluft bietet
auch lieben und gemütlichen Sommeraufenthalt. Dann
taucht die herrliche Burg Landsberg auf, reich mit edlen
2Q0 DEUTSCHLAND m
Nr. 6
Kunstschätzen angefüllt, bis wir dann in Meiningen unseren
Einzug halten. Heute hat Meiningen Weltklang. Diese
feine, fast zurückhaltend sich gebende Residenz, der
Ruhehafen hoher Pensionäre, verdankt dem ehrwürdigen
Herzoge Georg II. unsagbar viel. Als er seine „Meininger“
in den 70er Jahren hinaussandte, da ward die Künstler¬
fahrt ein Triumphzug ohnegleichen. Die deutsche Schau¬
spielkunst rieb sich erwachend die Augen. Nun prangt
an der Stelle des abgebrannten Hoftheaters ein schmucker
Neubau seit den Dezembertagen 1909. An Stelle des
Theaters, das seine Pflicht erfüllt hatte, trat wieder die
Musik in den Vordergrund. Bülow, Steinbach, Berger
und nun Max Reger bezeichnen genugsam den idealen
Weg, den man hier einschlug.
Wie anheimelnd wirkt sofort vom Bahnhofe her der
Eingang zur Werrastadt, wenn wir den Weg durch den
schattigen Englischen Garten nehmen. Manch sinniges
Denkmal erinnert uns an Männer, denen Meiningen für
einige Zeit Heimat war. So der ernste Tondichter Brahms,
ferner Jean Paul und der Märchensammler Ludwig Bech-
stein. Verträumte Teiche lugen unter tief hängendem
Gezweig hervor. In dem einen spiegelt sich das schmucke
Hoftheater ab, das in Front die schlichte und doch so
stolze Inschrift zeigt: „Georg II. dem Volke zur Freude
und Erhebung“. Gegenüber erinnert eine Haustafel an
Friedrich von Bodenstedt, andere Tafeln erzählen von
Rudolf Baumbach, Julius Sturm, von Schillers ältester
Schwester, die hier an den Hofrat Reinwald verheiratet
war. Mit zwei romanischen Türmen hebt sich die stil¬
voll wieder hergestellte Stadtkirche über den Dächern
empor. Ein interessanter Bau ist die Elisabethenburg,
die Residenz des Herzogs und seiner kunstfrohen Ge¬
mahlin. Reiche Kunstschätze birgt der umfangreiche
Schloßbau, den die Werra leise umfließt und an den der
aussichtsreiche Herrenberg sich dicht anschließt. Unweit
der Brücke, die zu der Berglehne leitet, finden wir eine
packende Erzbüste von Otto Ludwig, dem großen Dra¬
matiker, dem das Leben so ernst verlief. Man muß die
Uferhöhen emporklimmen, um zu erkennen, wie reizvoll
Meiningen sich im grünen Tale hinschmiegt, um der
äußeren Form früher gern die „Harfenstadt“ geheißen.
Heiter in seiner Lage, der Gemütlichkeit auf Markt
und Gassen, mutet auch das in Gärten eingebettete
Hildburghausen an. In dem Schlosse, das einst die Herzoge
des Hildburger Hauses
bewohnten, hausen jetzt
freilich Soldaten, doch
der verlassene Park er¬
zählt uns noch von jenen
Tagen, da diese kleinen
Fürsten sich wollüstig
und üppig wie der fran¬
zösische Sonnenkönig
Ludwig XIV. blähten und
für verkaufte Landes¬
kinder Feuerwerke ab¬
brannten und tolle Feste
begingen. Auch die
Königin Luise ist manch¬
mal hier gewesen. Das
alte Rathaus bildet im
Rahmen der gemütlichen
Stadt einen anziehenden
Mittelpunkt. Hildburg¬
hausen weiß von Karl
Maria von Weber und
Jean Paul zu erzählen,
ebenso von der ge¬
heimnisvollen Dunkel-Gräfin, welche unter den Laub-
bäiimen am Schulerberge ihre letzte Ruhestätte fand.
Freundliche Umgebungen machen einen Aufenthalt in
Hildburghausen angenehm.
Bei Eisfeld wendet sich nun die Werra im scharfen
Knick dem Gebirge zu, unter dessen westlicher Ab¬
dachung sie in zwei Quellen entspringt. Hier steigt auch
der 865 Meter hohe Bleß empor, an dessen Fuße sich
nach Südosten hin noch ein kleines Juwel von Sommer¬
frische in tiefem, grünem Talgrunde aufbaut: Dorf Rauen¬
stein, über dessen Hütten äußerst malerisch Burg und
Kirche sich aus den Wipfeln des Hochwaldes abheben,
der Dorf und Tal mit weitem, wallendem Mantel schützend
umschließt. Wer in Rauenstein sich festlegt, dem öffnet
sich in den angrenzenden Bergwäldern ein schier un¬
erschöpflicher Reichtum von Naturgenüssen, noch nicht
berührt von dem Lärm der Welt und dem Uebereifer
rühriger „Verschönerungsvereine“.
Im Saaletale.
Gleich dem Tale der Schwarza zeigt auch das
herrliche Saaletal zwei völlig getrennte Teile. Wo das
eigentliche Tal anhebt, offenbart es in seinem oberen
Teile tiefgrünen Waldcharakter. Eng treten die Ufer¬
wände zumeist zusammen, Stille schwebt darüber hin, und
aus dem Grün heben sich helle Burgen und verschlafene
Städtlein. Wer hier wandert, der meint, die Welt läge
viele Tagereisen jenseits der Berge. So geht es bis
Eichicht—Saalfeld hin, bis dann plötzlich ein wunder¬
samer Wechsel eintritt. Der Wald mit seinem Grün
wandelt sich in scharf hingebeizte, gelbleuchtende Kalk¬
wände, auf denen die Sonne prall zittert. Lachende
Jena von Osten (Nach einem Gemälde von Chr. Natter)
Nr. 6
^ DEUTSCHLAND m
291
Ortschaften, Burgen in Fülle, Weinberge und heitere
Städte voll Klang und Studentensang wechseln durch¬
einander. Dazwischen sausen völkerverbindende Bahn¬
züge Tag und Nacht. So zieht sich der untere malerische
Teil bis unterhalb der alten Bischofsstadt Naumburg hin,
um dann mehr und mehr den eigentlichen Talcharakter
einzubüßen.
Bereits im oberen Saaletale reihen sich eine Fülle
lieblicher und beschaulicher Sommerfrischen aneinander.
So unterhalb des kleinen reußischen Jagdschlößchens
Weidmannsheil der Neuhammer bei Saaldorf, dann das
märchenstille Bergstädtlein Saalburg, der entzückende
Aufenthalt in Burgk, dessen weißer Schloßbau sich so
energisch von der schwarzen Tannenwald abhebt. Und
dann vor allem das kleine preußische Städtlein Ziegen¬
rück, zu dessen Füßen sich eine wahre Schatzkammer
von Naturschönheiten in lachender Fülle breitet. In tief
eingerissenen Felsgassen windet sich hier der Fluß durch,
von Felsgebilden umstarrt, von ernsten Wäldern über¬
rauscht. Hier kann man klettern und wandern, schwärmen
und wieder still genießen, immer umflutet von dem Hauche
einer Natur, die uns jeden neuen Tag zu neuer Liebe
und Bewunderung hinreißt. Auch die neu geschaffene
Sommerfrische zwischen Ziegenrück und Burgk, Wals¬
burg, sei bestens empfohlen.
Von Ziegenrück flußab ist es dann ein heimlich
stilles Wandern. Oft legen sich Strecken dazwischen,
wo nur des Flusses Rauschen das weite, tiefe Schweigen
unterbricht. Dann kommt endlich von links her bei
Eichicht die Loquitz
herbeigeströmt, und
noch ein letztes Wan¬
dern im Schutze auf¬
ragender Uferwälder
hin, dann taucht turm¬
reich die „Steinerne
Chronik“ Thüringens
herauf: Saalfeld! Es
ist hier nicht der
Raum, die glanzvolle
Geschichte dieser in
ihrer Architektur so
berühmt gewordenen
Stadt auch nur zu
streifen. Sie setzt
mit den Tagen erster
deutscher Kaiser ein
und führt uns bis
zu dem unglück¬
seligen Gefecht von
Wöhlsdorf. Heute ist
Saalfeld eine kraft¬
voll blühende Stadt,
durchpulst von regem
Bürgergeiste und ge¬
hoben durch Handel
und Wandel. Ihre Lage lockt immer wieder Fremde zum
längeren Verweilen an, und Tausende kehren hier jährlich
ein, die steinernen Denkmale der Stadt zu genießen.
Schon von der breiten Saalebrücke eröffnet sich vor dem
Betreten der Altstadt ein berückend schönes Bild auf
Saalfeld. Links und rechts dehnen sich die malerischen
Ufer; die Ruine des Hohen Schwarm, das zierliche
Schlößchen Kitzerstein werden sichtbar. Dann durch
das Tor an herrlichen Bürgerhäusern aus der kraft- und
saftvollen Renaissancezeit, an der romanischen Hofapotheke
vorüber zum prächtigen Rathause, zur erinnerungsreichen
Johanniskirche, zu Hunderten von versteckten Bauüber¬
resten ferner Tage. Und wie prächtig wandert es sich
am Ufer hin nach Graba mit dem fingerschlanken Kirch¬
turme, dem Residenzschloß des Herzogs von Meiningen
inmitten eines stillen Parkes! Wie reich ist sonst noch
die Umgebung dieser Stadt!
Rudolstadt hat dagegen nicht allzuviel Altes aufzu¬
weisen. Sein hoher Reiz liegt in der gesamten Lage
zwischen Saale, dem mächtigen Fürstenschloß Heidecks¬
burg und den grünen Bergwäldern dahinter, in denen die
echten Rudolstädter ihre „Tränken“ besitzen. Aber über
Markt und Straßen ruht wie über dem weitgeschwungenen
Tale eine solch erfrischende Heiterkeit, ein Gesunden
der Seele von allem Mißmut und aller Sorgenlast, daß
man es wohl begreift, wenn Rudolstadt immer mehr in
der Gunst der Welt draußen aufsteigt und die Zahl
derer anschwillt, die sich hier für Wochen oder auch
für immer niederlassen.
Heimlich still mutet dagegen das hochgelegene Orla-
münde an. Und doch rastet es sich hier auch gut. Der
verwilderte Park mit den letzten Resten der einst so
mächtigen Burg, die hellen, schönen Blicke weit in die
Lande, das gemütliche Dahinleben in dem Altenburger Städt¬
lein, dies alles hat etwas Anziehendes. Auch die weithin
schauende Leuchtenburg bei Kahla lockt so manchen
heran, und nicht nur für Stunden, sondern sich hier ein¬
zulegen und über die Bastionen fort unter alten Bäumen
drunten der Welt Hasten gemächlich zu betrachten.
Und nun Alt-Jena! Geliebt und besungen, du „liebes,
närrisches Nest“, du Inbegriff seliger Jugendtorheiten und
292 DEUTSCHLAND Nr. 6
überschäumender Burschenherrlichkeit! Braucht’s noch
der Worte, deine Schönheit und Anziehungskraft zu
preisen, deinen Ruhm zu künden, zu sagen, was du un¬
gezählten Tausenden für ihr ganzes Leben geworden und
geblieben bist? Wohl sinkt ein Merkmal nach dem
andern, auch die alte, schöne Saalebrücke soll dem
modernen Verkehr weichen, ein neues Jena erdrückt fast
das Bild, das durch Jahrhunderte festgewachsen schien;
und doch wird’s noch lange Währen, ehe der Geist, der
in Jena, seinen Bierdörfern, um seine Ruinen und klassi¬
schen Stätten Weht, für immer totgeschlagen sein wird.
Zwischen Frühling und Winter kommen Scharen Besucher
zu der lachenden Musenstadt, klassischen Erinnerungen
nachzugehen, Studentenfeste mit zu begehen, Saaletal¬
poesie in vollen Zügen zu genießen. Und so wird’s
auch ferner bleiben. Ziegenhain braut noch immer sein
Stätte geweiht durch das Angedenken unseres größten
Dichters, Goethe! Wenn es für ihn galt „Herzenswunden
auszuheilen“, so flüchtete er hier hinauf, bis seine Seele
wieder ihren Frieden gefunden. Noch als ein SOjähriger
Greis dichtete er hier oben eines seiner ergreifendsten
Lieder dem Vollmonde entgegen. Dornburg ist eine Stätte,
zu der man immer wieder gehobenen Sinnes zurückkehrt.
An dem meiningischen Camburg vorüber erreichen
Wir dann jenseits von Groß-Heringen die Burgen Saaleck
und Rudolsburg. Wer kennt die Rudolsburg nicht? Seit
einst Franz Kugler in einer warmen Sommernacht im
Burghofe mit Kreide sein Lied „An der Saale hellem
Strande“ begeistert niederschrieb, ist das Lied Gemein¬
gut unseres Volkes geworden. Und wer je hier droben
einmal bechernd saß, dem bleibt die Stunde und die
Poesie der grauen Feste unauslöschlich in Erinnerung
Weißbier, auf dem Fuchsturm dampfen noch immer die
Rostbrätchen, und in Kunitz unterhalb der romantischen
Ruine zischen die berühmten Eierkuchen bräunlich-gelb
in der Pfanne. Ein wonniges Leben und Dahinschlendern
in und um Jena, ein unbekümmertes Vergessen, was
uns sonst Wohl bedrückt und niederhält. Darum: Alt-
Jena lebe hoch!
Von der Kunitzburg über die Berge gelangt man
durch einen der herrlichsten Buchenwälder Deutschlands
zu der lieblichen Sommerfrische Tautenburg. Hier ist
Wirklich Frische, Natur und Schönheit daheim. Der kleine
Ort schaut drein, als habe sich hier ein beschauliches
Glück häuslich eingerichtet. Von Tautenburg erreichen
wir wieder das Saaletal gegenüber den drei hoch über
dem Flusse auf scharfer Kante horstenden Schlössern
von Dornburg. Für immer ist diese rosenumsponnene
Ein Ausflug zum Unstruttale.
Gegenüber dem alten Bischofsitze Naumburg, dessen
prächtig durchbrochene Türme die so anmutig hingelagerte
Stadt überragen, da ergießt sich sacht unter Weiden und
Ufergebüsch die Unstrut in die Saale. Wendet man sich
nahe der Vereinigung beider Flüsse zu einer der nahen
Anhöhen, so genießt man ein wahrhaft herzbewegendes
Bild in dem von Dörfern, Burgen, Weinbergen und Gärten,
Wiesen und Aeckern gefüllten Tale. Auch an steilen,
grell blendenden Weinbergen geht es hin, bis uns Freyburg
an der Unstrut plötzlich begrüßt. Eine traute Stätte,
für ein paar Wochen mal Rast zu machen. Türme und
Mauern haben sich noch gut erhalten, die schöne
romanische Stadtkirche erzählt noch von den Tagen, da
Thüringer Landgrafen droben auf dem grauen Bergschlosse
Nr. 6 DEUTSCHLAND 293
Hof hielten. Freyburg war der Ruhehafen des politisch
so hart verfolgten Turnvaters Jahn, während die moderne
Welt es besonders durch den edlen Schaumwein kennen
gelernt, der in den sehenswerten Sektkellereien von
Kloß & Förster lagert. Am Haus des Turnvaters, dem
Bad Kosen mit Brücke und Kirche
ZU Ehren eine Halle, ein Museum wie seine Büste
geschaffen wurden, geht’s zur düster blickenden Neuen¬
burg hinan, die, von trutzig heraustretenden Strebepfeilern
umwehrt, eines der ältesten und stolzesten Bergschlösser
Thüringens darstellt. Ludwig der Springer, der Erbauer
der Wartburg, ließ sich hier oberhalb der Unstrut die
zweite Residenz erbauen, und das Drama jener unseligen
Liebe, die mit
der Ermordung
des jungen Pfalz¬
grafen Friedrich
von Sachsen ihr
Ende fand, mag
ihmdieBurgnoch
näher ans Herz
gerückt haben.
Hier oben finden
wir noch den
Edelacker, auf
dem einst der
eiserne Landgraf
die Adligen vor
den Pflug span¬
nen ließ, damit
sieerkennensoll-
ten, wie schwer
sie bisher das
arme Volk be¬
drückt hatten.
Der Kaiser Rot¬
bart hat auf der
Neuenburg ge¬
weilt, und die
ebenso kunst¬
volle als eigenartige romanische Doppelkapelle erzählt von
jenen Tagen, da das Leben sich noch im Rundbogenstil
abspielte. Auch Preußens Schutzengel, die Königin
Luise, weilte hier. Wunderschön ist der Niederblick,
der bis zu den Türmen der „Seestadt“ Leipzig reicht.
Weiter nun die Unstrut
empor! Fast jeder Ort, jede
Burg ruft Erinnerungen herauf,
die von der Geschichte geweiht
Wurden. Denn gerade der
Boden dieses Tales hallt wider
von den Tritten großer Kaiser
aus dem Sachsenstamme; hier
spielte sich der Untergang des
Königreiches Thüringen bei
der Burg Scheidingen (Burg¬
scheidungen) in wehevollen,
blutgetränkten Bildern ab.
Gegenüber der Burg Nebra
breitet sich droben über der
Uferlehne ein köstlicher Laub¬
waldaus. In diesem soll Heinrich
der Finkler am Vogelherd ge¬
sessen haben, da die deutschen
Sendboten kamen, ihn zum
Kaiser auszurufen. Bei den
Dörfern Groß- und Klein-
Wangen treten die mächtigen
Sandsteinbrüche heran, deren edles Material bei vielen
Profanbauten Berlins Verwendung fand. Unter Obst¬
bäumen tritt dann das Weltstille Memleben in Sicht. Vom
Kloster und der Kaiserpfalz sind noch schöne Ruinen zu
schauen, besonders das Kirchenschiff sowie die unter¬
irdische Krypta, in der die großen Sachsenkaiser so oft
in der Mette die Knie beugten. Ruine Wendelstein, die
Freyburg- a. d. U.
2Q4 DEUTSCHLAND Nr. 6
berühmte Klosterschule Roßleben, Wiehe als Heimat des
letzten und größten Welthistorikers, Ranke: jeder Schritt
in diesem Tale läßt uns immer wieder stille stehen.
Ein gut besuchtes Solbad stellt das preußische
Städtlein Artern dar. Ringsum breitet sich die gesegnete
Güldene Aue aus und von allen Seiten blicken grüne
Berge herein. In Artern schwang der Urgroßvater von
Goethe den Hammer in der Schmiede in der Harzstraße,
sein Sohn zog als
Schneidergeselle
in die blaue Welt,
um sich endlich in
Frankfurt amMain
dauernd nieder¬
zulassen. Unser
großer Dichter
hat freilich nie
gern daran er¬
innert sein wollen.
Interessant ist das
wasserumflossene
Schloß inHeldrun-
gen,einpoetischer
Ausflug winkt in
den beiden Sach¬
senburgen, wo die
Unstrut nun nach Westen sich wendet und das Tal an
Reiz verliert. Aber vor uns winkt, bläulich uinduftet,
das kleine Kyffhäusergebirge, heute das Ziel ungezählter
Tausender, seitdem das gewaltige Denkmal sich neben
dem geborstenen Barbarossaturm erhebt und die einstige
märchenstille Heiligkeit der Stätte in ein wahres Jahr¬
marktsleben sich wandelte.
Am südlichen Fuße des von Eichen und Buchen über-
rauschtenGebirgesruht das freundliche Frankenhausen,auch
reich an mannigfaltigen
Erinnerungen. Furcht¬
bar tobte hier auf dem
Schlachtenberge neben
dem Hausmannsturme das
Gemetzel gegen wehrlose
Bauern, deren Blut den
Berg herab in Strömen
floß, da kein Mann am
Leben gelassen wurde.
Später haben berühmte
Musikfeste einen harmo¬
nischeren Einschlag in die
Geschichte der Stadt ge¬
bracht. Das Solbad von
Frankenhausen genießt
guten Ruf. Dazu gesellt
sich ein gemütliches Leben
und die Fülle der Natur¬
schönheiten, die sich rings der Schwarzburger Hauptstadt
aneinander drängen. Sehenswert ist die Barbarossahöhle.
Doch dann zieht es uns empor in den rauschenden Hoch¬
wald. Eine wundervolle Kunststraße leitet zum Ratsfelde,
einer Bergmatte, auf der wir neben dem Wirtshause die
Oberförsterei sowie das fürstliche Jagdschloß finden. Den
Zauber des wild- und aussichtsreichen Kyffhäusergebirges
voll auszukosten, das erfordert längere Zeit, als die
Durchschnittsbesucher sich selbst vergönnen. Denn diese
Wälder sind über alle Maßen schön und überall hallt es
leise hinein von Sagen und Mären. Und dann blickt man
nieder in die Güldene Aue und läßt Jahrhunderte deutscher
Geschichte an sich vorüberziehen.
Am Nordrande des Gebirges bauen sich, malerisch um¬
buscht, die rötlich leuchtenden Ruinen der Rotenburg auf.
Hier ist in der Tat noch gut weilen. Ein Stück Kyffhäuser-
poesie hat sich
jetzt hierher ge¬
flüchtet, und der
tapfere Wirt, der
frühere Hüter der
Kaiserpfalz Kyff-
hausen, Günther
Reinick, trägt viel
mit dazu bei, diese
Stimmung festzu¬
halten. DieRuinen
bieten viel Inter¬
essantes. Deut¬
sche Studenten
habendemReichs-
schmied Bismarck
eine weithin in
das Land ragende
Feuersäule am Nordrande erbaut. Von hier blickt man
hinüber zu den blau umdufteten Höhen des Harzes, von
dem einst so oft die Kaiser herüberkainen, auf Kyffhausen
und Tilleda ihre Residenz aufzuschlagen.
Der Brennpunkt aber für alle Besucher bleibt ja doch
das leuchtende Denkmal, das aus der Meisterhand von
Bruno Schmitz hervorging und ruhmreiches Zeugnis von
dem rührenden Opfermute deutscher Kriegsveteranen und
Kriegervereine ablegt, welche die Kosten dieser Riesen¬
schöpfung auf sich nahmen.
Die alten Ruinen mit der
Burgkapelle, dem Erfurter
Tor, dem Barbarossa¬
turm sind seitdem tief
in den Schatten getreten.
Staunend betritt man das
herrliche Denkmal, schaut
dem am Tische sitzenden
Kaiser Rotbart ins ernste
Gesicht, begrüßt in Ver¬
ehrung den hoch zu Roß da¬
herreitenden Kaiser Wei߬
bart, um dann von den
Zinnen des Turmes das
weit geschwungene Land¬
schaftsbild in sich aufzu¬
nehmen. Und wer hier
droben einmal hielt, da die
Sonne hinter den Bergen des Harzes verblutend sank,
da das Singen und Lachen froher Menschenkinder von den
Wegen ringsumher emporklang, der hat in solcher Stunde
heimlich den Segensspruch über Deutschland gesprochen,
daß es immer möge blühen in Kraft, Selbstachtung und
Frieden, ein Bollwerk allen Feinden, ein Hort des Segens
und der Freude denen, die in dem weiten schönen Garten
Deutschlands beruhigt ihrem Tagewerk nachgehen!
Sondershausen von Osten
Sondershausen: Parkteich mit Schloß
Kr. 6 DEUTSCHLAND 295
Erfurt.
Von Dr. Hans Haupt.
Dort, wo an der alten Gerafurt die beiden
Haupthandelsstraßen Deutschlands sich kreuzen,
jene alte Königsstraße, die quer durch Deutsch¬
lands Mitte von Westen her vorrückend den
Osten erobern half, und der große Handelsweg,
der seit uralten Zeiten von Franken über den
Thüringer Wald nach Norden führt, — da mußte
eine Stadt entstehen! Der Begriff „Stadt"' stand
von jeher unter dem
Zeichen des Verkehrs!
An dieser Stelle liegt
Erfurt, das alte; älter als
seine Geschichte, älter
sogar als die Sage, eine
Ansiedlung, die aus den
ältesten Zeiten mensch¬
lichen Daseins stammt.
Inmitten des Hercy-
nischen Waldes hat die
Volkssage diese Ansied¬
lung einem Dornröschen
gleich mit verhüllendem,
aber duftigem, blumigem
Dornen-Gerank umspon¬
nen, aus dem uns an der
Schwelle der historischen
Ueberlieferung ein er¬
wachendes Jungfräulein
als blühendes Gemein¬
wesen entgegentritt.
In fruchtbarer Gegend
entstanden, durch fleißige
Kolonisten erschlossen, im
Zeichen des Verkehrs ge¬
wachsen, durch kaiser¬
liche Privilegien gefördert,
wurde aus dem Dorf die
Stadt. Erfurt ist die Metro¬
pole Thüringens nicht
durch eine Reihe von Zu¬
fälligkeiten geworden, son¬
dern aus geographischen, Erluri : Dom-Dreieck
wirtschaftlichen und politischen Ursachen. Das Luther-
wort „Hier muß eine Stadt stehen, wenn sie gleich
wegbrennete", bezieht sich nicht bloß auf die sprich¬
wörtliche Fruchtbarkeit dieser Gegend.
Bonifazius und seine Jünger als Träger einer neuen
Kultur, Karl der Große als Schöpfer des mittelalterlichen
Exporthandels, ein fleißiges, produzierendes Patrizier¬
geschlecht haben hier eine der bedeutendsten wirtschaft¬
lichen Zentralen in deutschen Landen geschaffen trotz
Augsburg und Nürnberg.
Wirtschaftliche Mittelpunkte werden zum Sitz des
Wohlstandes. Reichtum aber führt zu politischer Macht,
zu Bildungsbedürfnis und Kultur. Alles das hat sich
in Erfurt erfüllt. Die Kapitalmacht der Erfurter Gefrunden
(Stadtadel) hat der Stadt trotz der Oberhoheit von
Kurmainz die Unabhängigkeit bewahrt, denn reichs¬
unmittelbar wollte man hier gar nicht werden.
Aber mächtiger sollte die Stadt sein als jeder
Fürst, jede andere Stadt in Thüringen. Dieser
Wille ward Wirklichkeit! Das zeigt die Rolle,
die Erfurt in der thüringischen Geschichte
gespielt hat.
Das Kulturbedürfnis kam in der Gründung
der Universität (13Q2) zum Ausdruck, einer der
ersten unter ihren deut¬
schen Schwestern. Ihr
war die Erfüllung einer
hohen, wissenschaftlichen
Mission Vorbehalten: „Der
Sieg des Humanismus über
die Scholastik", an dem
die Erfurter Hochschule
und mittelbar der Rat der
Stadt, der für die Freiheit
der Lehre eingetreten war,
lebhaften Anteil hat. So
ist es kein Zufall, wenn das
alte Collegium majus in der
Michaelisstraße das Ge¬
burtshaus der Reformation
und Erfurt mit seinem
Augustiner - Kloster die
Lutherstadt geworden ist.
Von der Macht Erfordias
wissen die thüringischen
Raubnester zu erzählen,
die Rudolf von Habsburg
mit den Erfurtern ge¬
brochen hat, ferner die
Fürsten und Städte, mit
denen Erfurt Krieg führte;
von dem Reichtum der
Erfurter Waidjunker aber
künden die glänzenden
Reichstage und die Bau-
und Kunstdenkmäler alter
Zeiten. — Aus allen Jahr-
(ösihcher bingang) hunderten sind in Alt-
Erfurt die Zeugen dieses Reichtumes und der Kunst¬
freudigkeit vorhanden. Noch stehen auf dem Petersberge
die Ueberreste einer romanischen Basilika, noch grüßt
über die Graden herab der Dom, der in jahrhunderte¬
langem Werdegang die romanische und gotische Stil¬
epoche in sich eint. Die reine Gotik ist in Kirchen und
Profanbauten in reicher Fülle vertreten, die Renaissance¬
architektur in zahlreichen Patrizierhäusern (Stockfisch,
breiter Herd, roter Ochse usw.), die Barockfassaden des
Regierungsgebäudes (Dalbergsches Palais), der Wage
(jetzige Stadtbibliothek am Anger) und des Karthäuser¬
klosters sind Zeugen des künstlerischen Schaffens vieler
Jahrhunderte.
Ihre Machtstellung aber hatte die Stadt nicht be¬
haupten können. Der wirtschaftliche Umschwung durch
die Entdeckung der neuen Weltteile, innere Unruhen, die
296 DEUTSCHLAND m
Nr. 6
wechselnde politische Konstellation, die eine Isolierung
der thüringischen Hauptstadt herbeiführte, und die herein¬
brechenden Kriegsnöte haben dann langsam aber stetig
am Niedergange der Stadt gearbeitet. Als 1648 die
Friedensglocken erklangen, war die berühmte Erfordia
turrita zu einem Landstädtchen unter kurmainzischer
Herrschaft geworden.
Einen neuen Aufschwung bedeutete die Statthalter¬
schaft Karl von Dalbergs. In der Zeit dieser beginnenden
neuen Blüte kam Erfurt 1802 an Preußen. Schon nahte
von neuem ein Verhängnis durch die napoleonischen
Kriege. Damals hat die Königin Luise ihre Blicke über
die gesegneten Gefilde des Dreienbrunnens schweifen
lassen an jener Stelle, wo jetzt im Luisenpark ihr Ge¬
dächtnis durch ihren Namen und ihr Bild verewigt ist.
ein, der mit dem alten Lebenselement der Stadt, der
Agrarwirtschaft, begonnen hatte.
Man nennt ja Erfurt stets in einem Atemzuge mit
seinem schönen Beinamen „die Blumenstadf". Man
hat ihr den stolzen Namen streitig machen wollen.
Glaubte doch mancher, daß die moderne kommerzielle
und industrielle Entwicklung des Platzes diesen Titel
nicht mehr zeitgemäß erscheinen lasse. Das ist ein
Unrecht! Wer Erfurt mit seinen herrlichen Anlagen,
denen sich jüngst der Stadtpark auf der Daberstädter
Schanze als neueste „geschmackvolle Visitenkarte'" der
Stadt zugesellt hat, wirklich kennt, wer die großen
Gärtnereien mit ihren Treibhäusern und Topfkulturen
besucht und den Duft der Freilandkulturen (Blumen¬
felder) geatmet hat, wer die fruchtbaren Gefilde des
Dann sah Erfurt den großen Korsen auf der Höhe seiner
Macht und den Fürstenkongreß, wo der französische
Schauspieler Talma sich rühmen konnte, vor einem
Parkett von Königen gespielt zu haben. Als dann
nach dem Friedensschluß endlich die französische
Besatzung aus der Zitadelle des Petersberges ab¬
gerückt war, da lag an dessen Fuß nicht mehr die
stolze Metropole Thüringens, sondern ein verarmtes
Landstädtchen mit einer Schuldenlast von 20 Millionen
Mark und 15000 Einwohnern.
Eine Summe von Intelligenz, von Unternehmungs¬
geist und Arbeitskraft ist aufgewendet worden, bis die
Großstadt Erfurt im Laufe eines Jahrhunderts wieder
zu 125 000 Einwohnern heranwachsen konnte. Auf
allen Wirtschaftsgebieten setzte der neue Aufschwung
Dreienbrunnen mit seinen in Deutschland einzigen Kresse¬
klingen gesehen hat, der weiß: Hier ist noch immer Deutsch¬
lands größter Garten, hier ist Erfurt, die Blumenstadt I
Auch die Statistik, die getreue Helferin in zweifel¬
haften Dingen, bestätigt es. Im Königreich Preußen
kommen auf 1000 Einwohner 3,3 in der Gärtnerei
beschäftigte Personen, in Erfurt 29,4; auch die Boden¬
benutzung zeigt ein stetiges Anwachsen der Gärtnerei¬
betriebe. Während in der Mitte des vorigen Jahrhunderts
4,8des gesamten Areals der Stadt gärtnerisch bebaut
wurden, sind in diesem Jahrhundert 247o des ackerfähigen
Bodens der Gartenwirtschaft nutzbar gemacht.
Eine andere Frage aber ist es, ob diejenigen recht
haben, die das Prädikat der Gartenstadt bis auf die
Zeiten Karls des Großen zurückführen wollen. Es ist
298
DEUTSCHLAND Nr. 6
Benzinmotor für die Gegenwart so außerordentlich
wichtig sind. Wer als Volkswirt von solchen Anlagen
und Fabrikschloten mehr angezogen wird, als von Land¬
schaft und Altertümern, kann durch einen Besuch dieses
neuesten Erfurt einen Einblick in die wirtschaftliche
Bedeutung Erfurts leicht gewinnen.
So hat sich Erfurt wieder zum unbestrittenen wirt¬
schaftlichen Mittelpunkte des thüringischen Landes aus¬
gewachsen. Wo man
jedoch diese Tatsache
zu bezweifeln sucht, da
fehlt der vorurteilsfreie
Blick für wirtschaft¬
liche Vorgänge.
Das gilt auch für
das kulturelle Gebiet,
denn die geistige Reg¬
samkeit der wieder
zu hohem Wohlstand
emporgearbeiteten Be¬
völkerung kommt in
den Schöpfungen der
Neuzeit zu schönem
Ausdruck. Erfurt steht
bezüglich der Verwal¬
tung, der Schulen, der
sozialenEinrichtungen,
des geistigen Lebens
und des Verkehrs auf
derHöhe der Zeit. Frei¬
lich, was die Eisen¬
bahnverbindungen be¬
trifft, so ist für die
Erfurter noch mancher
berechtigte Wunsch im
Kursbuch und auf der
Eisenbahn - Karte un¬
erfüllt geblieben. Aber,
wie man mit zäher Ener¬
gie es durchzusetzen
verstand, daß seiner¬
zeit die thüringische
Eisenbahn von Berlin
nach dem Westen über
Erfurt gebaut wurde,
so fehlen auch heute
die Männer nicht, die
Willen und Kraft in den
Dienst der Allgemein¬
heit stellen und die
Verkehrs-Verhältnisse so auszugestalten suchen, wie
es für die Stadt selbstverständlich ist, die an dem
Kreuzungspunkte der mitteldeutschen Verkehrsstraßen
in grauer Vorzeit entstanden ist.
Eine erfreuliche Pietät und Liebe herrscht in der
Stadt für die vielen Denkmäler der großen Vergangen¬
heit, ohne daß man sich den Geboten modernen Fort¬
schrittes widersetzte. Daß auch manche Sünden gegen
den guten Geschmack mit unterlaufen, kann nicht
wundernehmen. Aber ein Zufall ist es nicht, wenn
trotz Danzig und Nürnberg noch heute in den alten
Stadtteilen Alt - Erfurt mit freundlichem Matronen¬
angesicht auf uns blickt, während Jung-Erfurt, ein
lachendes, schönes Kind der Neuzeit, im Schmuck eines
hochmodernen Gewandes uns zulächelt. Man erhält
hier das Alte, soweit es angeht — jeder Stein in Alt-
Erfurt repräsentiert ja ein Stück Geschichte — aber
man unterwirft sich
in Jung-Erfurt dem
modernen Geschmack.
Nichts wechselt so
häufig als die Model
Deshalb ist hier auch
ebensowenig wie in
anderen Städten schon
ein modernes Kunst¬
ideal gefunden worden.
Ueberall aber, wo die
neuen breiten Straßen¬
züge mit ihren grünen
Baumreihen, wo die
Villenviertel mit schön
gepflegten Gärten ent¬
standen sind, gibt sich
ein ernstes Ringen
nach einem Schön¬
heitsideal kund, dem
man die Anerkennung
nicht versagen kann.
Ich habe meine
Leser nicht durch die
Stadt zu den histo¬
rischen Gebäuden ge¬
führt, nicht zu den
Lutherstätten und den
verschiedenen Samm¬
lungen, ich habe mit
ihnen nicht den präch¬
tigen Steigerwald be¬
sucht, den Stolz der
Erfurter, mit seinen
schönen Aussichts¬
punkten, auch den
Luisenpark nicht mit
seinen intimen, land¬
schaftlich so über¬
aus reizvollen Bildern.
Wir haben auch die
Cyriaxburg nicht er¬
klettert, um einen Blick auf den Domberg mit dem
ehrwürdigen Dom und der Severikirche und die sich
um diesen Mittelpunkt ausbreitende turmreiche Stadt
zu werfen. Das war böse Absicht! Ich möchte, daß sie
alle selbst J^fmen und schauten. Der Erfurter Verkehrs-
Verein (Geschäftsstelle Löberring 3/4) gibt ihnen den
besten Führer mit auf die Wanderung, den man sich
denken kann. Sie werden dann viel mehr sehen und
bewundern, als ich ihnen heute verraten könnte.
Erfurt: Blick vom Dämmchen nach der Krämerbrücke
Nr. 6
DEUTSCHLAND 299
15. V. C.-Turnfest in Gotha, 6, bis 9. Juni 1911
Der V. C., der Verband der Turnerschaften
aufdeutschen Ho ch sch ulen, feiert aller zwei Jahre
in Gotha sein großes Turnfest. So auch heuer. Von
den 53 Turnerschaften des Verbandes, die sich auf fast
alle deutschen Universitäten und Technischen Hoch¬
führt, die hübsche Gruppenbilder ergaben. In diesen
Freiübungen trat so recht der eigentliche Charakter
des Verbandes zutage. Mütze und Band verschwanden
und lösten die farbigen Unterschiede der einzelnen
Turnerschaften, und nur das schlichte deutsche Turn-
Hohenstaufen im Festzuge
schulen verteilen, waren etwa 1000 Mitglieder, Aktive
und Alte Herren, erschienen, um ein machtvolles Zeugnis
von der Entwicklung und Werbekraft des V. C. abzu¬
legen. Die Eigenart dieses Verbandes besteht darin,
daß er den alten studentischen Prinzipien, der Farben-
und Waffenfreudigkeit, ein neues, das des Turnens, des
kleid verband die Glieder des V. C. zu einem großen
Ganzen, das einzig dem Wappenspruch: „Mens sana
in corpore sano'' gehorchte.
Im Sechskampf errangen 25 Herren Preise; dar¬
unter Paul Raap, Albertia (Leipzig) I 26 V 2 , Fritz
Walther, Asciburgia (Würzburg) 126, Kurt Königs-
Studentenulk in den Straßen von Gotha
Sports und des Wanderns gesellt hat. In diesem Jahre
kann der Verband auf sein 40jähriges Bestehen zurück¬
blicken. Im Mittelpunkt des Festes stand das Turnen.
Gemeinsam wurde von den aktiven Turnerschaften des
Verbandes eine Reihe schwieriger Freiübungen ausge-
dorf, Alania (Braunschweig) 126, Otto Saame, Tuisco
(Hannover) 125, Alfred C z o s s e k, Stauffiae (Charlotten¬
burg) 122 V 2 r Hans Brüwer, Munichia (München) 121 V 2 f
Kurt Harder, Stauffiae (Charlottenburg) 120 Punkte.
Im Fünfkampf war Sieger Meier, Albertia (Leipzig);
300
DEUTSCHLAND (eB ee ^ ^ e e8€)e0eeee^^) e ee^^ e^^ Nr. 6
letzter Gegner Hinterberg, Ghibellinia (Göttingen). Beste
Leistungen erzielten u. a. Auers, Cheruscia (Göttingen)
11,40 Meter Dreisprung, Stüber, Albertia (Leipzig) und
Hinterberg, Ghibellinia (Göttingen) 150-Meter-Lauf
in 17^1 f, Sek., Meier, Albertia (Leipzig) 9 Meter im
Außerdem wurden von sieben Korporationen
Sondervorführungen veranstaltet, die allgemeinen Bei¬
fall fanden. Den Wanderpreis, den Ehrenschild
des Verbandes Alter Turnerschaften, errang
mit 128 Punkten die Turnerschaft Albertia (Leipzig).
Turnerschaft Salia, Jena
Kugelstoßen und 23 Meter im Gerweitwurf. — Im Eil- — Kommers, Festessen, Ausflüge in die Umgegend
botenlauf war Sieger Alberti a (Leipzig) in 697r, Sek., von Gotha usw. umrahmten den ernster Arbeit gewid-
Borussia (Berlin) TOVs und Bra n denburgi a (Berlin) meten Teil des Tages in anmutiger Weise. Unsere
70~U Sek. — Im Korporationswetturnen errangen Abbildungen geben zwei Aufnahmen von dem ge-
Allgemeine Frei-Uebung^en
u. V. a. eine Ehrenurkunde und Kranz mit Schleife:
1. Brunonia (Danzig) 64, 2. Vandalia (Halle) 63,
3. Borussia (Berlin) 60, 4. Cheruscia (Göttingen) 58,
5. Hohenstaufia (Tübingen), Mu nichia (München),
Salia (Jena) und Tuisco (Hannover) je 56 Punkte.
meinsamen Turnen wieder; eine dritte zeigt eine Gruppe
aus dem Festzuge: die Tübinger Turnerschaft Hohen¬
staufia, die ihres alten großen Mützenformates wegen
allgemeine Aufmerksamkeit erregte, und eine vierte
Aufnahme endlich schildert eine niedliche „TralP'-Szene.
-0-
Nr. 6
DEUTSCHLAND 301
Metz.
(Fortsetzung und Schluß.)
Von Museumsdirektor J. B. Keune, K. Professor.
- Belle-Isle -
Nach einem Pastellg^emälde
des Museums der Stadt Metz
Die französische Stadt und Festung Metz
(1552—1870).
Nachdem am 10. April 1552 die Franzosen, in die Stadt
hineingelassen, diese mit Truppen besetzt hatten, hielt am
18. April 1552 König Heinrich II.
von Frankreich durch die Porte
Serpenoise (an der Stelle des
heutigen Prinz - Friedrich - Karl -
Tores) seinen Einzug in Metz, dem
Namen nach als „Stellvertreter des
heiligen (Deutschen) Reiches und
Schützer der Stadt", in Wirklich¬
keit als ihr Herr und Souverän.
Metz war jetzt eine französische
Stadt, wenn auch der französische
Besitz erst infolge des Dreißig¬
jährigen Krieges anerkannt und
durch den Frieden von Münster in
Westfalen im Jahre 1648 rechts¬
kräftig geworden ist. — Doch vorher mußte die Stadt gegen den
übermächtigen Angriff des Kaisers Karl V. behauptet werden.
Der Beginn der Belagerung zog sich bis zum Herbst (Oktober —
November) des Jahres 1552 hin. Die Verteidigung hatte Herzog
Franz Guise, vom König Heinrich II. zum Befehlshaber der Stadt
ernannt, ebenso geschickt und tatkräftig wie rücksichtslos
vorbereitet. Um dem Belagerer jeden Stützpunkt und jede
Unterkunft in der Nähe der Stadt zu nehmen, wurden die
Vororte und sonstigen Bauten im Vorgelände der Stadt zer¬
stört; diesen Maßnahmen fiel unter vielen anderen Bau¬
werken auch die erwähnte altberühmte Abtei St. Arnulf zum
Opfer. Dann hat Guise die Niederlegung eines ganzen
inneren Stadtteiles angeordnet, der bei einer Belagerung
besonders bedroht war; mit seinen Trümmern wurde eine
zweite, rückwärtige Befestigung geschaffen. Auch zahlreiche
andere, hinter der Mauer gelegene Gebäulichkeiten mußten
fallen und einer breiten, zur Erleichterung der Verteidigung
angelegten Straße Platz machen (noch kürzlich sind bei
Abtrag des Deutschen Walles nördlich vom Deutschen Tor
viele Reste von damals zer¬
störten Häusern zum Vor¬
schein gekommen).
Diesen und anderen Ver¬
teidigungsmaßregeln war der
Oberbefehlshaber der kaiser¬
lichen Armee, Alba, der mit
seinem Heer am 19. Oktober
1552 vor der Stadt ein¬
getroffen war, nicht ge¬
wachsen. Obschon die kaiser¬
liche Artillerie an der dritten
Angriffsstelle, westlich von
der Porte Serpenoise, mehrere,
teilweise zusammenhängende
Breschen gelegt hatte, wagte
zum großen Verdruß des
Kaisers, der sich seit dem
20. November wieder bei
seinem Heere befand und
in dem auf Anordnung von Guise, doch nur teilweise zer¬
störten Schloß (jetzigen Hof) La Horgne-au-Sablon im Süden
von Metz notdürftig Unterkunft gefunden hatte, Alba den
Sturm nicht, weil der Verteidiger der drohenden Gefahr
durch einen inzwischen rückwärts aufgeführten hohen Wall
entgegengearbeitet hatte. Zu diesen Mißerfolgen gesellte
sich im Dezember eine Seuche, die zur Aufgabe der Be¬
lagerung nötigte; m.it Anfang Januar 1553 zogen der Kaiser
und sein Heer ab.
Durch die glänzende. Verteidigung der Stadt, die Guise
mit geringer Truppenzahl durchgeführt hatte, war der Besitz
von Metz Frankreich gesichert und blieb es bis zum Jahr 1870
Freilich war die Stadt infolge der durchgreifenden, umbarm¬
herzigen, aber zweckdienlichen Anordnungen ihres Vertei¬
digers schrecklich verstümmelt. Eine weitere starke Ver¬
stümmelung der Stadt wurde verschuldet durch die vier
Jahre später zur Behauptung des Besitzes der Stadt erbaute
Zitadelle (1556—1562), deren Anlage die Vernichtung eines
ausgedehnten bürgerlichen Stadtteiles zur Folge hatte. Infolge
der Erbauung der Zitadelle verschwand auch die Porte
Serpenoise, ein wichtiges Tor im Süden der Stadt, das seit
1200 Jahren dem Verkehr gedient hatte und erst 300 Jahre
später (1851/52) infolge der außerhalb der Stadtumwallung
entstandenen Bahnhofsanlagen erneuert ist. Nur Baulich¬
keiten, die in den inneren Bering des neu errichteten Boll¬
werkes hineinfielen, blieben erhalten, wurden jedoch ihrer
bisherigen Bestimmung entzogen und militärischen Zwecken
dienstbar gemacht, wie die erwähnten Gotteshäuser St. Peter
und Templerkapelle. Anderseits wurden aber auch einige
außerhalb des Bereiches der Zitadelle gelegene Kirchen ver¬
stümmelt oder gar völlig niedergerissen, damit sie im Ernst¬
fälle dieser in die Stadtbefestigung eingefügten selbständigen
Festung nicht gefährlich werden sollten.
Für die Festung Metz bedeuteten jedoch alle diese Ver¬
stümmelungen der bürgerlichen Stadt eine erhebliche Ver¬
stärkung. Ueberhaupt haben die Franzosen erst Metz, ins¬
besondere auch, wie nachher noch kurz erzählt werden soll,
im 17. und 18. Jahrhundert zu dem starken, uneinnehm¬
baren Waffenplatz umgebaut, als welcher es allbekannt und
genannt war.
Der gewaltige Rückgang der Bevölkerungsziffer, der
mit der Verkürzung der bürgerlichen Stadt Hand in Hand
ging, und die durch starke Zuwanderung bewirkte gründliche
Umwandlung der Einwohnerschaft war bereits in anderem Zu¬
sammenhang hervorgehoben.
Aber nicht nur die Stadt
und ihre Bevölkerung waren
anders geworden, sondern
auch ihre staatsrechtliche
Stellung. Wohl wurden reichs¬
städtische Behörden und Ein¬
richtungen vorläufig noch bei¬
behalten, allein ihr Inhalt und
ihre Bedeutung waren keines¬
wegs mehr die alten, und mit
der Zeit wurden sie durch
französische Einrichtungen
ersetzt. Vertreter des Königs
von Frankreich war der Gou¬
verneur des Trois Eveches,
der königliche Statthalter der
Provinz der Drei Bistümer,
also der 1552 von den Fran-
Metz: Paradeplatz (Stadthaus und Hauptwache) ^osen besetzten Gebiete der
Städte und Bistümer Metz, Toul, Verdun. Die Befugnisse des
jetzt von diesem aus der gesamten Bürgerschaft gewählten
Schöffenmeisters (maitre-echevin), dem diese Sonderbezeich¬
nung — jedoch mit einer Unterbrechung — bis zur großen
Revolution verbleibt, sind von denen eines gemeinfranzösischen
302 DEUTSCHLAND Nr.ö
korfifgUch^n BiFrgori‘ijf;eiö**3r'Sf yerschi'ö4«;^^'’'
Ü)e B^ördfe ab^r at.tcI^ dtsxri
tlifi ; n ö ä \ i ■ ati i, sei tdem ■ n o <:)i. ii^iw V^ r^svt 4 4e r J m ti £v erwst ^
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Schöffen ESfi^VörreGhl
\vur4^ j edod!V tjeir Si a d i,. b e-
las^sen i durfie^ ;wie y.ü r
reicbsstfld 1 h cKen- Zcii<? rid
rn\t . ihrem WQpperi
Ihren W ö h rz &i eben « nd. mi l
e i g cner W eh nm h lnh.
bis LopirÄ XIV eine
Sti^d tistih e
wie Äüsgföbie bnd Äfj;-
n eilJtiis s t M T 1 schr^h GeH^ii
un terso g: fe. A ü ^ r4m^s w tl rdt?
in der Mätiter Mhn;t& norh
w ei t (t r hl^ m Je h re l
Geid ijn$t:hl h her fmfh
ÄO&iscivCji Geid niTl deinK*snn^'
2ei c: h e h A A; Zwei der nhc?l l
vun der Stadt ire;^vf&g'«?aeiv
von Pintsen yT^d$treß.^n ijnf dein tinLn-obnisten nickwärligen,
mii teialierlieiteri. Neuschaffung und Ver-^
breiterun g VCrv PhiTicen tind S trnßen inv inneirn , d^ Stadt
Mit diesjeh Art^^t^hen häiitjeiv
eng Äüsa mtn en ' Heubatrje ci^
nemikh einmal Errichtung
von Küsernen^/ bn denen
m Mtiz bis-dahin gr^er
MpiigeV igfjewesen war^ ijnd
von ^nstfjgj^
mi litäriscHen Gehn u deUi denn
di e Schdpf*^hg vpn BaüdHtfe^
meferft irtdeiTi emfäthen.wirjk^^
^^amorvStil der Zeit, der fran- :
jspskehen Spatrenaissäuciew
den Neuerungen des
ZebnlCe^s von BeDe-Isle si^kh
nÜT ei"wähnt das Mosel fort
/ckt : ?iei 1 17 2 fl ö n gelegter
■ «uf dem Unken
,. fer^ ■ def ' o^ber •' büup i-
;s^i: UiC^;h nvi li tatis c he Be ^
■' d^dVnrtg' h ßf:i e ■ ■: imd. '' ■ ho ch ■
h Ä :da, d iesielfi fi ü%e de Kn t en
B^rtkk€'n> h;vpr v-omehmltch
: ■P'rähi^T>?'Stt^:Ubt;A^!5'U:^|:^^ mit derh 'GnraaLjile iCpnimpißet
G eld tü^kart en, . die. T'^fi■• 0 WQ'rr 1 ifvl' ! i ■ xtnd ' ■ AiUr *-5:'.. v. vn i litil n'?^ titc'•■' t jehtu.ifjdfi'. l-üUefc • ■ d^aah: ■ -die ■. if hi w ah dl n n^ einer
lf>34 clie.T^ierr’aUch-,.yR^kfe'^,.- • ::te^4;- ;.■.-dr AVt^idy:hik^i^3.i
tider'' hkßert geigen rlen vier . ; det ■ ^Jt«tsit. m (nrn, :173BiH schließ-
o vri :S\ adjsiegeln.... { ir. B,' 'I’5.3^); ^ 027]l,st:!i^Utt^■.: -AUtpn ■ i■.. /!; \ h-.ii ..y%.;'-T 7:34; li'Sgdhht^n o. i^tii,A^erj^.r üB erü-n ^ d^s.: Par nxl
hmE^en /mu Troti w\% dernneich Bfitwertjng Hri ; du': v ' plntjte.i und sevne>h\heithch^ Ümr^hhVü;rig nach den T^an
Zugb h5'r i g k e r t ^iirrr ’ .r>£?.u.t ä c:heh Rei Ä. rtR^s^cesef ^ w'iaT^^'en..
König Lou4 XIA" i^d dk Stedt MirfiS ^eii.rhbd-kp
i>icht etwü .daditn.ir^ daß er wk Ui!i'irT<^tkt f da^s
Recht ofgencT MhnifuägxmR nal^mr^ wohl Mn?.f xlurrfi 4k
Aufhehung: • des • h IV. ?tTx Johr*^" 1■
Isss^nen Bdiktes von Niyip^ey^ d;a^: xk^n |?eh:irmkcten freie
Rel|g>QnT?hbirrng der Wid^rrui
dieses Ediktes durch l.oals XIV in^ nJaUrc' lOflS nötigt p 30tM^J
tii rh p ew e r hi kiß'i ge' ■ bt-' ^ er B ii r g e r, i h i'er
I klm a t :den Rtjtkün :r»i kf^hvftn- utad. .. nyf U Beriin n nd
,;. Br b k t rp; ^ k a u t: 11
Tmbii aTtdere^; Geg-etiden. •
' stis‘Ä'.tiWiin'5Witv :■■
;;' '''Oie-: -■- \\'Tder>^iMädty:*j- ■
vTi^MgkgU ■ -<fe - ^
■hhsgei^'en '
in >1 er ■ Jtwis. :7CJ • etfkb«.
: . lieh ■ dp'hir; .^Wn';..
P rd ße $■ ¥ c5tVf f ’^-
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; ■;. rle^seh PKh i?:b.'uh d.rii n 4-pi.
• •'die, fra lii.ö'ikdhert, ■
P1 a V15 r itl k^V iab
fietitächhrv ■ tmd- -
fhndist; h <ri\ Greu t e nmp'eböut w irft)hh. ; hat 1Ü7 'i Htirli
die von Mr^tÄ 7if ver^thrken b*5g4>hhein Ooch;
wbfdcA. Arfjn VaOhän gepiam Anlagen chirtuvk- /tpr
•. U45w.e:isa..xhfr£:hgef(4i rt ^.''.
Das W^rk von Van iv^i’ i^rt fej^pridy.n Jahr> xt n Jet t
Gumiontaigne fortge?^eizh Oie Befei^gungsn t or-
inpniüip!^ fäilrrv^in ;d><! Königs Leuis %V
'{■|715-^1774K . Königlicher-.ÖkMifrmr war
YJanmis (sek T723 iiis T7t>l) Name
einen wicKtigien Ab^tdini 11 m der Uicltt^ tht SUvdt
b^^eichneb da er däs Stadtbild von Mc.Ul
gesfaitet hat. Diö U ravvta nd 1 ungch und Htvifuln-gen^ die
tmter dem Gouvernemenl von. Bei krisle vorg^encunrneix
oder durch ihn veranlaßt' wttr&n^ j^indi ViürSitäfH<1[>gr drrr
Befestigung von MeU; ErweUferung dev Sp.tiit
'!■
I mk 4e
Metrer Bürger ni^ MiltbVUrrjriiistei
io Mol? 1070 '
d«:$ liei VOTf Aig km sbi :)}^^ Ars^h Vtvk tBlondei,',det
dpjf. im Srit dr'r ZHjt 17AI 1704 aus geführte?,
^furt'h' erae 'bilderrcLche'-g-öUs^th^
TotkoH'e tU'iapfporr-nl'de-r'' K^phedrnk. entw'ctrfen hat.
'■ fKtt. fAm^diruhriihg''der Anjagen hat
\sie ni xdif \ mehr <o,lebL Atu^^nr tlurCb? "»Ii*^ d.fim^ 1 ige Baitlü
keit nngefYjsjgt%> BaiöiVerkf^ sind. idierhrtUpt i?!^t ivich Stdurrrv
lod io Ans^rMt -viUHdetkx nlimtü b die Fassade der
.A b no kkrt>/.* ^ ^ i-J?' en ' P h k.rÄ f.rtj.i!A), Sf, ’V inc <*t\z ■ (17ÖÖ -"-.l 766)
imd tiei ei^g'tüih.h ktr den kv.nügliCbc^n Stnttlmlter ab
üiul .Dic"n.stpg7:|>Hviri^yimmix*; .(1775 04. .Hq.u^
■ .;4<"nkmCi1vri dhrinU-t ikii. hUe.;^^ fhurien-r 'wie f (1.73 ö ff,A
, Sh^dth^u?^ (fJAO -Lr^^ .riihfidu'He dlf?' frön;^d^
■' ■: de< J.gUjUnnäJjtTfs ■■'i|n-dy- - EMe -1763
■'^ r^nig. d-ü^. Bi^chtdsy
:' ...'.(eo Lkr
•S E 1.4 j XX ■ Jthtip j e 17jgf n
MH^kThnUe) wurde
: dbf<4i dh> Revo'^
luikhi vereiictt.
lli e g roß L‘ I ra ii
rnsi^iife Rovo-
h^Xm. {lim Ed
iilac-h X xkm kf mijf
■ ■.Urheh Sf.i-tiirhivEb£‘ ■
.iihd fivrn
;:.fitimr ■ Ht\ izit'di--- ■
■ übnV ,'.Xvayr '
xhijrh dk Neotin-
tf^ßifTtg vm\ ("ronk“
reich- liHUptsfWt
tk^ä AToselde.paV*’
t ent s; 1 n fotgxx
der Fh Tji ehiui g
4vr Klrch^fng.iiier itxfMi ......^. .... ..... ,.^.
. wurde tkr iMar?* kUtits^irgv^cn he^--
.' ■\ ^ ; -vEljic^ei^u£ii
■des Frommen. v«?r- •■, yewIvhinmer^v^-.-i^^
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tiniuuis lit i:tj?>At:}f. ijtxtvmni.
A {.illtil cilNCITOrENS
\ u,M.niF> I''
lp:'„;..
Nr, 6 DEUTSCHLAND 303
steigert, die Kathedrale eusg^irijumt und zum Vermieten
ausgeschrieben, viele andere Gotteshäuser abgerissen oder
hefnden und unwürdigen Zwecken dlervstbßr gemacht.
Aus der FoIge:reit sei nur erwehnf, daÜ im Jahre 1Ö40
eine DampfschiftverbindüTig mit Nancy und Trier eingerichtet
und 1830 die erste Eisenbahnlinie Frouard'f^Me« im Äaschluß
an diic /^^^‘hindung ParisNaeroffnex wurde,
diw 1852 die Linie tmd 1054 die Strecke
Met?."^Diedenhoren—Tdil^ie (die übrigen Hisen-
Der strategische Erfolg 4^^s »faktisch fryohddsw'- deutschen
Sieges War die erhebliche
Riiek«uges, ln der ScKUcrht De tödlich
verwundet wo^den^^^ ^töfb am L
Wehrend <h> fraivzösische Armee Marsch in
dor Dichtung nach Verdvm deutschen
Korps der Ih Armee (Prinz Friedrichvon Preußen)
bemüht^ südlich von dits Mo-^el zü erreichen und
übersdireilen. ; L hntet SteinmeU (Korps 1, VlI
WM#) \ 7 {IIL ! • wkkAi'' »~]ikr'V. f 1 V .1 ^cr fevTlr^ir-
die TÖmische Leitung. Im Jahre 1867 hat Kaiser
Napoleon lU die Festung durch Anlage weit vorgesch/jbener
Forts gegen die Wirkung der modernen Belagerungsgeschütxe
zti sichern uriternornrnem Doch als Frankreich im Julr’1870
den Krieg erklSrle, waren von den geplanten Befesrigungtm
nur xwei emigermaßen fertiggesJollt (5t. Quentin,
rille)», die übrigen waten noch im Bau
(Sl. Julien, Queuleu) oder kaum, ja teih
weise überhöupi nicht hegonnerh
Die Schlachtfelder um MeU
und die Einschliefzung der
Slödt im Jahre 1870.
Durch die beiden Nlf'derlegeri. fran-
iösiseber H^erestrile am 6. August
f^’önh und Spkhern) war die st*ii
dem 12. August dem C>ferbefri[il des
Murschells ßazainö tmiersißlbe Arntee^.*:.
an welcher der niinfnoHr völlig vettVlüte
Nonve hem*-Armee'’ holten bHeb, xum
Rückzug gezWungem Die Absicht d<(*r
Franzosen, vor Metz^ an der Nii*d> eine
Verteidigixngs-Schlacht zu schb'^genr
wurde öu/g^gebfen und der Rückzug
über Motz bnd Verdirn bis Ciuiions
ongeordnel, dftmff hier die V^teinigung
mit (dem b^i Wordi-'-TTöschwcitcr gi*"
sthlagenen) Mac Aktborv rrtohfe. Der
Rüctezttg vtihzog sirii ubtrövis langsam,
da die Anweisung für Marschordnung
und Mar^icbrichhing unzM.lMn^bch
waren und die große
masse auf die Straße Mefe^'GröyefioMe
angewiesen wurde. — Jedetiiads wmr
aber der Rückzug am Somung. ds‘m
dtvisionen sowie dW Korps HI iC. Äivef^sleberi> und X (Voigts-
RheU) nebst der letzterem Korps i>eige^gc]>eni?n Hrigndo der
Gardedtfigoner angewiesen, rechts ohzusch'venken und den
Abzug der Franzo.sen uui den Straßen nach Verdun zu
sturen. Da man jedoch voraüssetzen mußte, daß die Rheirc'
Armee ihren RüekmörscH nach der Maas mit allen Kräften
beschleunige^ richtete irich der Vor**
rnatsch der deütseberi Korps grroöenteils
in eifve Gegend, b*si zu der noch kein
französischer Trüppenteil
und nur die auf dem rechrÖF^uf^eh^rt^
Flügel von Corny--'Noyeo(tr üfe
vömit'kende 5. Division (Siulpn^e!) vom
Ul. Korps srieö unmiiteibar auf den
Feind, und zwar htchi, wie ihön aftnahm,
auf eine Nacidudv äcm^ die ver-
sammettG franz<>5!^»rhe Armee^ Dieser.
Vormarsch der faridan deiitschen Korps
batte die Schl/irid bei Vionv iHe —
.M a r s -1 a - r ö u r zur Folge, welche die
Franzosen gewphnlirh nls Schlacht
RezonviJJe bezeichnen, W. August 1&70:
Wahrend N^^po]i?bn jun 10, August in
aller Frühe auf der tnitliefen Straße
GraveloUe — Motrnaisoft - Conflans
Verdun enikommen war, begann der
Kampf auf dersibliichetv Straße bei Vion-
ville mit iütkm Angxift der 5, dentseben
KfA volierie* Division, zu der skJr nach her
noch die 0. KavßlienerDiv.iskm
Als dann diö 5v Diri^xop yom UL Korps
von Gorzeh^i um Kj Ubf auf der Hoch*-
ßöchu .südiiclv vk.>h RezonVibe- - V^nrilfe
anhmgte, .Srtand sjy* eihür g'$Waltfi^7?n
Ueberniacht gegenüliofr Tmtzdym verv
mochten die DeutscdtcA sich ivichtMofi
(1 er Hoch fl iiehe zu beft e up t en, ^hdf^'rn
fjuch chirch dwi Oi DjvJsIdn
die iluer Sclm'^.srcfr-Divts'ioh^^ links
14, August, im vollen O tmge., als <l<is nocli
auf det /«chipti Möst^lseite sfejsetiäe. Duntrool clev 1. Garde-Re^,imtf\i.s zM Fmi«
im AüJfbruth bogriffeft* Ui SuPriV/it
Ö. Korps unter Decö^ hjachmfttags g^^gen 4 Uhr von V^of- her zu Hilfe e»]te, Vif>nvUlt? deirr Feind zu erdterfexi ühd
huppen de-s Vlh preußtseben Korps ifberfaj>chend ongogriffen ^hU »nh d^m linken Flügel nördlich, Mhe der jetzt die
Würde. Dies führte zur ScWäcbt beFCoiombey‘*Noui.lTv> deutsch-{ranzösHchev G allen Römerstraße
welche die Franzosen nacb dein Dorf Mef^ -Verdun fcstÄct^eticm, Dein Ungestüm
deutscher Seile waren an dresor St hlecbt htibriMg ! rbiiVU, Korps war «s zti vetdurrken, daß die Fronzosen
(Zösttowf und das nördlich zu Hihe krnnm^mle: ösfpröUW
U. Korps (Manteuffrih Weil die SddaL^bt liftjvt
und vorbereitet war, so kamen, dh? iir<>pfenvi'ei.'ie
ins Gefechr, und auf d*m linken deuih<ch^^n Flüge konnten
eiet ainri Abend Trup/pon dto benoeddJarten 16, XhriSioä
yöm IX.- Korps eingTrifeh. Die Ftonzös«^ bötf*it> ih.r^h
die Minderzohl der Angreder tut^bt ^i^kannten und ihre große
Üobemifttht nicht Dod^ der Zeit rnußte die
franz’üylsdt^^ Uvberz<;ihl tsur Geltung kointnepK und, um der
bedrängten tU machen, grilT die
Rttterci an. Ucbeihmipr ist die deutw^b« ^Rriterei im Verlauf
dic^ier Schlacht in nU5gedeKm^"-stem wie niemals
RüGkit.ug unterbrechendka^nvpfcdi’oh k-t'Krt gemueht Kriege, als' ScblÄdntnfppe in Tätigkeit
Wären öuf den Kononemionner losmanstrhicit, sq daß die getreten. Srhoin vorher hatten Husuren erlotgreich öpge«
deutschen Ttuppciv gegen die Uebermucht einc^n schweren griflon und den franzöülschei) Oborhefebhhaber Bnzaine selbst
Stand halterW Doch blioben die Douischen Herreo dC5^ ln höefv^te Gefniir gebmohb Spater uhf?r konnte der bloß'*
Schlacbtfeideä Und drangen noch in der Dunkelheit bis in die gesiriUef Vori einer Urngehung laidrphte Ihtki^doMtKche Flügel
nächste Nahe der östlichen (unfertigen): Fürt?5 von Mvis vor* nur ah!l«.stet und gesichert w'erden durch den y4m Freihgrath
304 lOB^a^^aaseeeggaea ooQGaQ e e sa DEUTSCHLAND Bi ejOCTgseeecoooeeeoeo i DöOöeae s Nr. 6
Teiles JiredaW-
vVoD 4 Uiir ab Isr^gte je;döcb das Xv Korp.^v ttadr
MöTgc'Jii V ö ri' 4 ^ K j l o m erte rn d:em Sobl a cU tfetd, m. T/i
Tpipi>en ereJ^fig^ linken 4eunscb^?n f'Td^al iu
teigem ü>:id eine Ueberfluigrel'Mng^ ;rü^ Dpth
^'Wd^ : dfe ö: Stell ufi g <l urcl I den. A nhnn r^ch ■ l V. tV sn'^
^Qsjschen Karp^ (Tndmiröult) sehs- g^fälitdetr mnd de^bnib
diang dk eing'etrtrtieae 58, Bri^ödö des XvKorp^?^ auf
dem öiit)ersten linkeii deutsebeu Fluiyrel über eine rtord-^
i!\st!kb v'Qn Marsda-Toinr verlsufendc steile Sicbiucbr Vo^
wü.r4e ebfr durch, eine hernneilemle franzö'si^Kdie iHvislon
unter sebw^r^ten Vertnslen (mrch eme Pnhrie der IfSer
Terdwe^eMferlwen^ fU rückte warfen: päe Inpfere Brie^^de wäre
ai.rfgerieben \vf?rdetij we m\ sich die Garded ragoner nich(
jdert tmd dwixh dire n. yerlustTeichen Ängf i ff die irber die
Scldti^b E yordrirvg'enden prJö.pÄdsen lAim Stehen pjebracti l
hatten da^ Gecljdu Von
Ot ^Ve?otre* * / dfis s ich .fj u .f d Ksm pfbej^i eh t .h De n Ab-
iW-t eig'^iTidic'hm Srdd^idht bildete anf dienern Td) des
Schi hihiielde^i e 6 IJThr. o ben d ü di^r grd Ö te R e i t f?r k n in k.j [
dft.'? der sieh d+rr Ht>thdhirt(^e' ; v'6n •'Vide'^mirT-^
sriitdi ■■.• vbu -, M'^ves^ l I pn t\ . te. -/upd ■' \i\ 'ijn'ih■•'■ d£e
■ •hlzischeb, wfJT.'ftuf .•
t ein-' ciepif: dH' - Stphl ö-rh t ^■..; - :.-
erith-ta^nnt'. dtWh' An^riST«?^- d^ö hier ’.-'^-.-i
Tii^■ ■ ■ •'sb>f iüimtfg ' berheigieed ten .
i T;-. Gr eh adi.« eh't«?- ■■
g'i?.■ • l'Isbermsä ch i' IM.'
BliilfK the' ■ -f ö fX- ■■: d e r.-: Sl r^e Görze ^ ■
.R&xönvilHV.' ^ äd-siiih rtk^n v : Sc hli e b I * rh ■ ■. •'
■ i rpiein; ^.'. h }er^r': . 4tm ■ vS ii-efs f-
■re^d*^.^n{'r5ddt>h; n-j« c h X tdl r d.i;/; ■ O.t n jLi -
Dh'i^ion
ins ■ Gt; fecht'.dH vdnm nis' zu y ntnm en
in it d er 1 ß* pTöiißi^t;. ke h D'm .^iiDn d n 5^
lX.' ■ A ri M tin nJ ■ 1'te.-'
Um b^wt'Vieh, d-nb d*n Dcütsc 1 11 !n
Herren des ScIdßchhhddfHs ^ejen
: i/e fö 1 il , Pvi rvz Tnydt' k k.. :' g '
■Abend {?■■■ Ulir)''k.'kv Vt^r-^-'-
g ei I p\ i '.'■ pe in Bti'fVlit k r>nnte n ti r
hhti ni^iisnhD fffiHprtichen i
■.we'rtlyn^:'" -Tii?^c-lH l\uog i
•ist: i<:fifh: Yipfi^^hi^h ■ • hHkt ■ nb- ' •
zu-spn^hrn. mimerh^h wfir imfef -
, Tt d^m^l U m si ii o d eil' ge w a ^ f
UUil gMVibrlfriv und wird, ijßb^.r
yo n ■ ,M t k e in i ^ ^ O e sc1 1 \ c I il ^
des Dpi rt ^ick - hm *b i^i ^ch en Kf i ege s
v-on 1 ft ? P i ?! MV h t g 11 1 gnh e.i 6i>n
Attir 17, ;An^ust war es d le Aü fghbe: vi B ni atne, den
Abmnrsch der Rhem-Araii^e erzwmjgejv thi?
die pttn trjcl wn wtu tera Vers(f j rkuivg<?n In?iefleh k bnntPf
zog i ndes-^en !>^:inn Korj z urÜI:.k d wiils ke> dic Fung
MeiÄ im Riickth^ efn^ ^pbr gtinatige • VHiiiHnUk
d Ift yöh rl er H cichi l^..h e o Le b, ■ tfes' IXhtTfc^- K ö rit*i? ile s
u hu r di e P a c 1 1 thä frr M 0$<: o o 0 fvi ’ zi^v Sc) d fjß fi^hmtif:# ti
iö^Grangj!?, Dorf Arhrnut;^i|er hlu ^uirt Durr Su Priv^iHa’*
Alpni nhd; vpn Vorgeii^heheTten ? SfeilOnge^^ nnter
imderah Sh ■ ffubei-i (dHIhTi von GHVelötte) Ste»
Oenes iwöBftiUv yedy St PdV^Thnd RHHodrt vOn
^ St;. Privair-ejobe^rBk-•••■■ ;'■ ■ ■
fHn fothlM Bozaine unzv>^ckrfmÖig dem
sidsz hHkenh»;>kcn Vt* Kheps (Cfmr^>beri)* Tüt^ährend er sciüic
die- TCnH^rgifirde. hini^Jf ;den\ linken bei
g Hnti^; HÖ tsrerdem f>uryh thn uvi^t wurHts? BnisdiTio6ung'
.n ] 7 sS ii.^Lvi ^r'; •
Penk ntn t dn & ^ G a rv
hi Sl. PrU'
de^. i'ranzöfijrSihi^n Obf^rbefehUhabers war deutschen
den om lÖ* Atigu^t beabsichtigtefi.
entscheidenden Angriff /aof den ahziehenden acHr bei Metz "
Gehenden Ffemd $ie^ban Korps zu versairiTBein fUh X^ Vlfl^
IX^ Vil, Garde/ Königlich SHchsisches Xll/K0rp3p 4 ucb dem
Ti öch im Anm«rsch b«^griffenen 0, Korps (pürptnefnJ wurde
als ZiU da^^ Zu g^wäiftgetide SchlaGbifeld angdwieiseii. 0öS
h Kö Fp s so? hc d hgog ou ohf:: ti^ r Vkiftn !Mo selse? t^e, veH
VjHibi^n. Von den Korps^ diu ftlf dH
au f de? lin k js?a AIti ty z-ur S HlI a wa ren; snlhen dH zur
h Armee g^TbdrigftjV KprpEi ö(hf dern'
rcditen rlüg.et A^dryrst nichf angnirHv^i^e VOrgdhen u ein
^,?jVükL d. dH sfeb^
dH Kor|.i.s^ t y, Ö und XII pörd^^
Oisiw fl rH; " örb^wo^^^n. wü ?d eri t Ui rd er di esem v o.rrückenden
hdd^^ dH fjtideft Kdi p$ UI und Xr dH zwei Tag«
i tjyd r ;dfü :Ar^h Wfttf^v Knmpi yö r n rht ti l i ch öus geforlvten h a tt^;
^rntl ReHrve. ; . . ■
. Diese:Alaßnöhnien ftihrteTi j^tr Schiacht .bei G t ö yel o i t
Sti P riva^l > dm henifitkeBFSwort^rw&l!>iff verkehnerT^tom"
geiUvlagt^h wurde. B.azaine tlhgrhöß iuH Bntsch^^idung^-
khm I )i scmie Kntpsfüh fer ^icK bst und h ie )t sich mcHi
- (ib^ieit5; vorn SchfecHHId m PleppeviUe/ wo er
yrvj 'i^T'J"' . Lfc^ AngeIegenheiten, ejtedigle^ Mitbt^^
pinq:Cv L5r dieses spitderbnre V&rhüiHn wird
/ H ^ ; Hlb?iT. ge Wesen seilp * d a air
.h\ tfipietet Stijdah doch ein unBihtger
■ , Heerfdlvrer watir Zugleich jschgint.
es ihm aUerdtngaS such '— aus 4^;^
nämhcheni wie vielleicht aus ppü»^
itijrhcrt oder v^wEndteri RücksjchHri
, - ri’i h 1 s da fp i t rech t ü m^i geh
i \t ijein. vöt 1 Met 1 1 os?!tiko #4 TU ep<
l > ijß die K r&nzpsea s m 16. Ad4äh|
nkht im Äbnmrsch hegrifik n warep/
■ -v'■ . *^Hs* 3 ■ furkwhj.fige ■KteUtmg
eing^ tto Ufmen h ui ^ w 0 r deuisc h er’«
sei t?^: inv wischeri ßi:S W ah.T5»cheinivc h
;, * HäI gb>H4 h dtich w^ar di e Auiifehnijmg
./jeher ■. .Siejliuilg . [iVclv -Horden hichT
eiXanm* Dii über der p!ihri?T dVjS
fX. Korp-Sv icin, 5 einerseits ein.
rranidsisrhes Lager ^üdimh von
AnifUiw^eiier für emt? Fronzüsl^he
Nachhut ap^alh; eröffaete er um
V2 Ulir mittags DfilUUv VjCtn VerwevlÖ«^
UL DiviÄUJD. cor.zy.hig den
Kph’^Si;’: DH Ah^^rtüfe'I et'
• tiy- he.,sohdere.:, vi^Y , d H 1 n
■ 'ti gg d n^^lH'hr ■ g', v-p^rges'ch.p b ehe
AHiihkHif^idhrdet ^
''{"hru^ Heidc'rum.hiir^^' ^^hHt.hrissert •zlMb^kg^hehr; was
Q. Frish sse n 4 ö t u. Uh (.w 1 el>ehswiJkr. fu nb 0 r pn ch den Ur^
ziih? UJ^itgeD v v M ii k rtm p Ht h, ■ ithifd er i ha* .Hi erhei bl Hben
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Motz diese m Die ztuft IX. Korps
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in de 11 Kumpf ciiL und mirl> eb>e ftngade des hochhariichen
ßiTtdekorpy jRcgiiftprftar AloityridyT und Idhsftbeth hebst deh
G^^rdi^^SchdUrrd bftlf krlUtig nnf diesem Gel'crhMetde,
Auf dem hisrvön gtUrCmhte:v Sci\l acht fei d de^f recliieh
deiiHdien pKfgeH wint^ Mtgegen doff wprtingbcheh Ab-
üicht rlt^r obersteft Mi^eresrJ.tVTuiigv hftCKdrihklidter .Kampf
geföhtlv der ftWir keipiirr vhHchytdeiVden Lihdg/^eVllgH^y Vo
Gr« Vc fo i 1 e w (i rd n dH; OsHejj e Manc h i n tdit tzt
i5nd gegQxy 'S llht da^ Gelidfi Sh Hub van ve^eliHdehon
Abi^dlmgeh das/(dumnb zur fhdhe aii^ ir^jmden Ihfänlefie-
lr"'lU^gi n-teot^5- in'P Lih
at n.Vk.Hfj4v:---:'
Nr. 6 DEUTSCHLAND
305
Regfimentern zusammeng-esetzten rheinischen) VIII. Korps gce-
meinschaftlich erstürmt und dauernd gehalten. Die gesamte
Artillerie des VII. und VIII. Korps hatte eine wirksame Stellung
auf der Westseite der Mance-Schlucht vor Gravelotte und
dem Gehöft Mogador, bis Steinmetz einen gemeinsamen An«
griff der Artillerie und Kavallerie auf
der Hochfläche östlich von der Mance«
Schlucht anordnete, der undurchführbar
war. Von den drei Batterien, die über¬
haupt zum Auffahren kamen, konnten
sich unter schwersten Verlusten nur
zwei längere Zeit halten. Um 7 Uhr,
also in der Dämmerung, griff auf diesem
Schlachtfelde noch das II. Korps ein.
„Es wäre richtiger gewesen, wenn der
Chef des Generalstabes der Armee
(Moltke) dies Vorgehen in so später
Abendstunde nicht gewährt hätte", lautet
die Selbstkritik Moltkes in seiner bereits
angeführten Geschichte des Krieges.
Einen Erfolg vermochten auch die Pom¬
mern hier nicht mehr zu erkämpfen.
Die Entscheidung fiel vielmehr auf
dem entgegengesetzten, linken deutschen
Flügel. Hier war um 3'/2 Uhr die vor¬
geschobene französische Stellung in
Ste. Marie-aux-Chenes erstürmt worden.
Während dann die Sachsen unter ihrem
hervorragenden Führer, dem damaligen
Kronprinzen, späteren König Albert, ihren
Flankenmarsch, der die Schlacht ent¬
scheiden sollte, fortsetzten, unternahm
die preußische Garde, ohne die Um¬
gehung der französischen Stellung durch
Grabstein von drei einheimischen Männern, ge¬
funden auf einem Friedhof römischer Zeit im Wald
Neuscheuer bei St. Quirin iKreis Saaiburg i. L.),
jetzt im Museum der Stadt Metz
usw. nicht gänzlich verhindern konnte. Die Deutschen be¬
festigten ihre Stellungen, und auch die Franzosen sicherten
ihre Lager durch Befestigungsarbeiten.
Nun war es Aufgabe von Bazaine, den um seine Armee
und die Festung gezogenen Ring zu durchbrechen, um sich
mit Mac Mahon zu vereinigen und auch
die auf Verpflegung solcher Truppen¬
massen nicht eingerichtete Festung von
diesen zu befreien und nicht beider
Schicksal zu verquicken. Hatte doch
die Rhein-Armee zu den in Stadt und
Festung vorhandenen 90 000 Menschen
einen Zuwachs von mindestens 180000
Mann und 40000 Pferden gebracht I
Bazaine zeigte sich jedoch seiner Auf¬
gabe wieder nicht gewachsen. Der
einzige ernstliche Versuch, sich von der
Umklammerung zu befreien, war ein Aus¬
fall in östlicher Richtung und führte zur
Schlacht bei Noi s s e vi 11 e-S er v i gny
(31. August bis 1. September), die unge¬
fähr auf demselben Gelände geschlagen
wurde, auf dem sich der Kampf am
14. August abgespielt hatte. Der Aus¬
fall war gegen die Stellungen des
I. preußischen Korps gerichtet. Trotz
anfänglicher Erfolge der Uebermacht
mußte der Versuch eines Durchbruches
aufgegeben werden, nachdem die
Nachbartruppen zur Unterstützung der
tapferen Ostpreußen herangezogen
worden waren. Die späteren, seit dem
letzten Drittel des Septembers unter¬
nommenen Ausfälle bezweckten haupt-
die Sachsen abzuwarten, auf Anordnung des Korpskommandeurs
Prinz August von Württemberg, doch gegen die Ansicht des
Divisions-Generals v. Pape, einen Angriff auf St. Privat, der
kurz vor dem Dorf zum Stehen kam. Trotz der ungeheuren
Verluste (fast jedes der angreifenden Regimenter verlor
1000 Mann) hielten die Gardetruppen zäh an ihrer Stellung,
wo sie sich eingenistet hatten, fest. Doch sie wären ver¬
nichtet worden, wenn nicht die Artillerie das Dorf St. Privat
mit dem zugehörigen Vorwerk Jerusalem in Brand geschossen
hätte und das Eingreifen der Sachsen immer wirksamer ge¬
worden wäre. Gegen 7 V 2 Ghr be¬
gann der gemeinsame Sturm der
preußischen Garde und der von
Roncourt her anrückenden Sachsen,
der St. Privat in deutschen Besitz
brachte. Die französische Garde
kam zu spät, um die Entscheidung
noch aufhalten zu können. Durch
die Eroberung von St. Privat und
den Rückzug des VI. französischen
Korps war die Stellung der Fran¬
zosen unhaltbar geworden: in der
Nacht und am frühen Morgen des
19. August zogen sie sich in den
Bereich der Festung zurück.
Damit war die Einschließung
der Festung gelungen, die am
Abend des 19. August vollständig
durchgeführt war. Seitdem war Metz
70 Tage lang von allem Verkehr mit
Pfosten einer Stein- ^er Außenwelt abgeschnitten, wenn
schranke merowingrischer auch das Einschließungsheer die
°ScWanKenban“d'^^''' notdürftigsten Verbindungen durch
(Museum der Stadt Metz) landeskundige Boten, Briefballons
sächlich Beischaffung von Lebensmitteln für die darbende
Festung. Dies gilt selbst für den kräftigsten dieser Vorstöße,
der am 7. Oktober auf dem linken Moselufer nordwärts
gemacht wurde und zu Kämpfen nördlich von dem (zwischen
Metz und Maizieres gelegenen) Schloß Ladonchamps um
die Weiler Bellevue und St. Remy und die Höfe Les Grandes
Tappes und Les Petites Tappes führte. Schon vorher (gegen
Ende September) hatten sich die deutschen Einschließungs¬
truppen genötigt gesehen, mehrere Ortschaften und Höfe
(Peltre, Colombey u. a.) niederzubrennen und so die dort vor¬
handenen Vorräte zu vernichten, um nicht dauernd Angriffen
und Verlusten ausgesetzt zu sein.
Die Not in der Stadt und Festung war groß und ver¬
schlimmerte sich immer mehr. Die eingeschlossenen Truppen
lagerten fast alle außerhalb der Stadt unter freiem Himmel,
gegen die zeitweise scheußliche Witterung durch ihre luftigen
Zelte kaum geschützt; wetterfester waren schon die nord¬
afrikanischen „Gourbis", Wohnlöcher mit Schutzdächern aus
Reisig, welche die bei Ban St. Martin, dem Hauptquartier
von Bazaine, lagernden Garde-Zuaven sich hergerichtet hatten.
Zu den Übervielen Verwundeten gesellten sich infolge der
schlechten Unterkunft und der mangelhaften Verpflegung
zahlreiche Kranke, so daß die Höchstzahl der gleichzeitig zu
besorgenden bettlägerigen Verwundeten und Kranken auf
mindestens 27 (X)0 zu veranschlagen ist. Zu ihrer Pflege
reichten die Lazarette, Spitäler, öffentlichen Gebäude, Kasernen
und Privatwohnungen nicht aus, daher wurden in Garten¬
anlagen (z. B. auf der Esplanade mit anstoßendem Boufflers-
Garten) Zelte und auf der Place royale (jetzt Kaiser-
Wilhelm - Platz) 300 Eisenbahnwagen zur Aufnahme von
Verwundeten und Kranken eingerichtet. Dazu fehlte es an
Desinfektionsmitteln, weshalb man zu Kaminruß und Gerber¬
lohe seine Zuflucht nahm. Mit Chloroform mußte die Ein¬
schließungsarmee aushelfen. Ueberaus empfindlich war die
306 pEUTSCHLAND Nr. 6
SflUnot. 'Um dem MoRgei. Hn KGcbsals
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TriUj^pVfv'- b'V^iVt.z?.. ■ Ahi ^^-’lhe.rt .t-.:i^^-e
■ ''^. t.Jvh.i ir' ■• 'h Uic:^ i:. ti'C-^r ■ ■ de u j v^dvu P i ii [ ek J-
. sel'pe.ft Si ^ n K t: t z. rn ?.f,
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frahzcy.^vöcbi2:p ■ Aimvt?:. .-rhrkma um
' ■• Oki ■ Aftch': - d en' .'i Im an n ge«
pjlicidige. efrdschere ur^d bescheidene Deukmtiler enichteb
widcftc die wd AfmVvUi Bötaillone
^; bn h^. n ^; n t sVhll h sch-b ehren Kreu z ep. d p f d en
-St .äplia h.■ ■ w'p ■ H dd eh! ■' uöch- -der;''. Scltlft c b.’c z ur öwi geit-,': ß uK e
AvUrdeh, diV^eri lldUden ziehen öOteglich
jratdn udc'T f exixVßi:?hf Fr"(iie i>ft a us wei(er Ferne
■ ti nm\ d, ; um ' diö Orte aufrusut^hem die seit
■i O;.-deliters’-iti: M midv' sind ■ tmd bei ' i VleUeidti sfic
Ünd.'. iäh-'.ihr Vöterlahd
■e;j^bItJH't.'-bhbeti,; -kein ..U'''nVVn'' Zirr: ij'tVbh .bt
/Ai■ ■ ilhiß'war-uieFvu^^s'^^ft-■' gi^'^Avurh;!.erp'; •■.Diese ■ F.pßwnhdenmgen
U'^rdV p ^seru!Urh. 4jbjjakbrzt 4d rdi ulzut^ der Bisen-
.b^tihn.s^ftr ' 14r idle ■'nstlhdten ScMnchifhtder der .vStfVrka!
jM'0m^NP>r-^^ly—.F-*jdlv' 'ÜhFu^.-Me^^-/’ • ViijgV'- B.use.fvdc>ri% • fht die.
r.h+m' Si;ldjHA:hi.kt44^r' dvt Strerkieu.; Me UT;---'Ch.‘:UeFStv'^
m^'unr4.■A(T^^v^:t^*■eUer•,. — ArSn-, MeU^/-;Hnv^e^hh'AFugb.y^^^
■■ K • ■'{ i OT 'Fr e n k reit h | .und V Vin. • b.lV r' bheh. K r (eip ^
;.?;W;.dbhv^bri' NuvV^jul — Oöfie 'Kl. J^Tub 'Gtrch-SiraSen-
büihb ruvrb M «rlrr der AuUi-AVrhmdung Mer^.—Greve"^
^ihef ApJr Futi^vi^tidenyr’tg udet der Koötr.
■ iSpisTEi:y;ketf ligtu»uhf t id< th/k.scKrepfet, sei d örauf
iT.? n] (i yi/ f k Snm g ein uf h t. tb \t > d t p rs^ - l u f tr r e t % u nd
d?.j ä i\Te t /- er L?> nd t d ^h ^ tv-i,V R u u. eF uh r teP^ über dp S ch I t/
Jhlder mit FJrtts.dike Pdtu A^nn zu FVVise.n' veb- ■
.-fA^fl^^>Uh^•i^>■ -br-d Abh>hTt t>iri VerkVbrsl>u>.ehu des,
Vrrki4vn.v-Vi/c-ln'Ä,;7.U MiJ'U Kfät^t^r^Wiltvebrt-3M.si-f
Die Sammluogen der Stacii Mete.
'DU Ht-hh Kw.-busitw sd'U rauche Uruf bedvui^'^nde Samm-^
.1 V'jv^j'eu,. dhV .S-ic "’% h ui fi-h tuzi gtU CiV^VhcJuken. 'tri ■^ d der
t'dhr.igt* 13 un.d ■ lluier^stüinmg
r.p^i-1 ^,.---■ -1 y-.- : • .■■ '• 'V;^u Fi»’N/ \ 3iii'4fi' -Q f.Ur ■ ViJT^ttieri. , "
... ■. :. J^ti-uu ölidtup Tt*\i .aber- ci^'en.-e-r ■ Üpfer^
'Vdligt^t-dt ■ veTd£tTskT...,'-.'X?ie. .wUhilgeilen
^tfetüuJp d[(?set $-4.m'm.bihU'®U dy.viH^.
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k'rVis MeUV im lVbjy.i--.mh 4^^ Sihd? Alelz
SiUlV
Nr. 6 DEUTSCHLAND 307
Schriften, wertvolle Urkunden und anderes Gut ihr eigen
nennen, dem man sonst in Museen gerne begegnet.
Seit Einrichtung der Museumsverwaltung sind aber von
dieser mehrere neue Museen gegründet oder übernommen,
und die Sammlungen sind jetzt an fünf Stellen zerstreut.
Für diese Zerteilung war allerdings mitbestimmend der durch
steten Zuwachs noch gesteigerte empfindliche Platzmangel
im alten Museum an der Bibliothekstraße, doch ist bei den
Neugründungen die Schaffung einheitlicher und in sich ab¬
geschlossener Sammlungen stets im Auge behalten.
Das Altertumsmuseum ist eine Gründung der Metzer
Akademie und reicht bis zum Jahre 1822 zurück. In neuerer
Zeit verdankt es hervorragende Förderung der Gesellschaft
für lothringische Geschichte und Altertumskunde. Die Samm¬
lung stellt sozusagen
den „Niederschlag" der
Geschichte des Metzer
Landes dar.
Der jüngeren Stein¬
zeit (bis etwa 2000
vor Chr.) gehören an
vierFeuersteinäxte und
zwei Steinhämmer, dar¬
unter ein prächtiger
langer Spitzhammer,
aus der Mosel zu
Longeville bei Metz,
der Bronzezeit (etwa
2000-850 vor Chr.)
ein Grabfund von
Pepinville bei Reichers-
berg, Beigaben, unter
denen sich wahrschein¬
lich Gewichte (gleich¬
zeitig Geldstücke) vor¬
finden. Gegen Ende
der Bronzezeit, im 9.
vorchristl. Jahrhundert,
hat ein Händler im
Bereich der heutigen
Ortschaft Niederjeutz
bei Diedenhofen seine
bronzene Ware ebenso
der Erde anvertraut,
wie dies in den Prärien
Amerikas noch in
neuerer Zeit Brauch ge¬
wesen ist. Aus Hügel-
g-räbern der ersten
Eisenzeit oder Hall¬
statt - Periode (etwa
850 — 450 vor Chr.)
sind insbesondere zahl¬
reiche Schmucksachen, Arm- und Halsringe herausgeholt,
darunter zwei Spitzenmanschetten vergleichbare Armbänder
aus Bronze; der jüngeren vorgeschichtlichen Eisenzeit oder
La Tene-Periode entstammen u. a. eine schöne Gürtelkette und
ein bei Weckersweiler im Kreis Saarburg i. Lothr. entdecktes
Depot von Eisenbarren (Eisenluppen).
Auf Steindenkmäler aus der Zeit der Römerherrschaft
wurde bereits im geschichtlichen Zusammenhang aufmerksam
gemacht. Hier seien noch folgende Funde hervorgehoben:
Auf dem der römischen Stadt Metz benachbarten Teil des
südlichen Gräberfeldes wurde im Jahre 1910 eine kostbare
Aschenurne aus ägyptischem „Alabaster" entdeckt, die also
der Zeit der älteren Brandbestattung angehört. Der Zeit der
jüngeren Erdbestattung gehören dagegen an ßleisärge des
4. Jahrhunderts aus Sablon und Metz mit Deckelverzierungen,
die syrischen Einfluß zeigen; zwei auf dem Bann von Metz
gefundene Bleisärge waren in mächtige Steinsärge einge¬
schachtelt und der in dem einen der beiden Gräber
beigesetzten Frauenleiche waren zahlreiche Gegenstände mit
ins Grab gegeben, darunter ein kunstvoller Griff von einem
im Grabe verwesten Gegenstand (Fächer?), Armbänder, eine
Spindel und Nadeln aus Gagat (Jet). Dem Boden von Sablon
entstammt u. a. eine Saug- und Druckpumpe (sipho), einer
Tempelstätte zu Montigny-Sablon u. a. zwei wohl erhaltene
Weinseiher aus vergoldeter Bronze, Weihegaben, und ein
Standbild der Victoria, Nachbildung eines berühmten (nicht
mehr vorhandenen) griechischen, später zu Rom aufgestellten
Marmorbildes, aus Stein der Metzer Gegend, also hier am
Platze gearbeitet. Von einem verschwundenen Dorf bei
La Horgne-au-Sablon
zeugen zahlreiche hier
gefundene Grabsteine
und ländliche Götter¬
bilder. Der Schenkung
des hochherzigen, un¬
vergeßlichen Herrn E.
Huber zu Saargemünd
(f 2. Dezember 1909)
verdanken wir u. a. die
sehr zahlreichen und
wertvollen Fundstücke,
die seine aus eigenen
Mitteln unternomme¬
nen Grabungen auf
dem Herapel, einem
130 Meter über dem
Tal gelegenen, in römi¬
scher Zeit besiedelten
Bergplateau diesseits
Forbach zutage ge¬
fördert haben, dar¬
unter eine Taschenuhr
(Sonnenlichtuhr) aus
Bronze. Auf dem Bann
des heutigen Dorfes
Merten im Kreise
Bolchen war gegen
Wetter- und Blitzge¬
fahr errichtet eine an
15 Meter hohe Bild¬
säule. Zu Saarburg
in Lothringen wurde
1895 ein Grotten¬
heiligtum (Spelaeum)
des orientalisch-persi¬
schen Sonnengottes
Mithra (Mithras) auf¬
gedeckt mit einem
gegen Ende des 4. Jahrhunderts n. Chr. zertrümmerten Altar¬
bild; in nächster Nähe fanden sich zwei Altäre der einheimischen
Gottheiten Sucellus (mit Hammer) und Nantosuelta (mit Häus¬
chen und gallischer Hütte). Aus den heutigen Waldungen
der nördlichen Vogesen kommen eigenartige Grabhäuser und
sonstige Funde, die beweisen, daß jene Höhen einstmals be¬
wohnt und bebaut gewesen sind. Während die genannten und
die meisten sonstigen Stücke aus dem Gebiet der römischen
Gaugemeinde der Medriomatriker herrühren, stammen andere
beachtenswerte Steindenkmäler aus den benachbarten Gau¬
gemeinden der Leuker und Treverer (Trierer). So lag im
Gebiet der Leuker eine Ortschaft, vicus Soliciae oder Soli-
mariaca (bei Neufchäteau, Dep. Vosges), von deren Grab¬
steinen das Museum seit 1839 über 20 Stück mit Bildnissen
der Verstorbenen besitzt, darunter eine Darstellung, die Mann
hinailiiialeiei von i^iinoges iiii ivlacseuiu der oiadi ivietz
Bildnis des Königs Karl IX von Frankreich (1560—1574)
300 DEUTSCHLAND
«i\d Ftaa ifi tsderr vOir Augeiv fijbrt. betichteAs- insbesöritie^re m die Sch^^chieu nm Meiz «nd di;^ EmschM^^ßü^
w^rke Biy^meoxe kommen Arl^t^ ^Oröjii^Jhum) itn ehe- der Stadt im Jabre T&7p (Möuöraa
malie;ea Trier^rTanfh: Amk viaher ^mpbienf; löthrirt^l&che rmthtert^tückt^;
/wsr sthöD im 0. jEihrhürtdcrr tiaeb H&tz verbrächt der LtJihring^efi von Mii,^eife; lothHf^dscKe HöiSE&höhtjnj^^geg^eEi^
in^-^ aefsttJtrki^lte ülichrisftUche stünde; eine mit ailcoi Zubijhör eing^emrhtete: iorbon^fisc^^
M^rxiiorsafg: des 4* Jährhüriderts^ die Ruhc*itätte der Leiche Küche und Stüber glasierte Oi^nkiichcih^ bi|djiiciieu
Lud fie:^ prömmeii, Dar^leUim^rj^ wie etK’h ÄhdeFe Hriengrnisse «jus fsjebranntem
AUi^ fränkischc'n MaW tiltimroen die In önd^Tecfi Iba au,rs. Lt>7hrmgen; s^hließUch kirc^^bche^ 0«gen^
Ea’semmenhob?^^ hervörgehoben<^ Bestandteile einer Stein- i-tände Lödirirf^;^b
5 fchi ari k et tlervTi S ch I a n genlm t»d e r und v erWJJhd ti?n Z 'm rmast er , lii m Saü f ei ^ be-a^ rri ch te t en^ 11 r f^h cti Sch ii 1 -
aÖüsr?ung^ durch rmcmische Vötstel lung verrute tu Ag'c? böu i&ü ni\ Aar Tsi xt'Lia^;\Ästry^ ß eA} hüben y 0 r!ÜAul 1 u ns
dem weiibreh Lothringen kümmen GrdbeHVjn^^ dunen g/ihmd-en o;ne reuh KVinitI und andere Stücke
genannt seien ditV Eei^äben dnnt Filt’dirof hnd Baun des
Ä^etrieh bei Kleirvhetbngi^n (Kri'ds Died*Vfiböi 5 n''Oyi). ln Öemit]de^öterXe tsi ebenso Ivexvoirtagend wie
Die El(eaUdn^i(lbI Ädö]l?^ö {XO* dQhi'hio'idertri) hahnri ^.nhhekh vertreten dev^ Bildivis . aber auch vun. ündereu
wir bbrnits gerühmt. Aus dem Anhmg ch< 13. ialtrhundnn^ Oottiing^n der Malern ^sittd gute Stucke vorhöhden: U
b!e]5i|^^ \vjr Teile you nJ?iütfuiuuqi.jpfliöngefv|>aiA;^U hbben vuili? grcißere Sihdte keine
decken u!i^ Eidit?]itbtdi, mi Bikicrn bc^wrüt^ yi-ertn Sammlung vt>u. G'^^uaWen n*iXcrr^an;it^n, Gorbiildiih aus
yor^ denen QO inr Musetbtr gi^'hoFgcfv Silndv gefunden rtn J/trvt jdiet' S"tiiü>m .begr^duXL t^iid hiyr vor allem aber
li(5et:e. Erwuluvi ^^teb noch ein R ebdu i är df:s vh^hrhundeff ^ Vdre Hdhyivdt'rh ist «H erst er Stehe
£jUs Vansbt^rg tKrais JJolph^n) und mehrere si^ht jbt?bcht^{v^t- t\j u-erui^ri R^iiuhraud^y dc^i^enx ^ tineä aUen Münnes
werte miUetalieirhd^rh Sieinhildur nm A!ef^ und Utn^egeniLL qü.k Jtd^r £01 <Bo<^LRend:uuudt 143) Bildnissen
2 :. B. ■ Gewolbo-Schhlfef.^inaL-'15. jL'ihrh'Mndbfts. nu^—der fti Ca-’i'.ser/.fnd hrribu vrb'V'iWVßtVd ub^^rlegen
•■#vebiuhgcrn-. -Ksrc:hu- der Cblesdncr '.Sj^dirLdto ist, dünn Jakob- Qi^rfaics-it;;-tutyi'r iuiL;.:Swyb‘Vörrdg;bc:heb-BiM
•1L'.'■ Jnhfhu au^- ■ Scy un-T-'y^' '\: '/ /.b.-:'
'AlU'uird&:.. ■ MutZ'.
; Dem 16.. Jßivrbu'rvd^^rt gcfidran •• ■
ün ^in spvhgrodschcr $j|oinerner-- .
KiiTibm IV’Lm'Hd rivs Med 2 ;, emur’ ■. '.
Bnlu^vtradn WirktJr^^K%^oll r\ac'hga-^
ibri^ev njehrem sthdne • • ■
H r 5 j 3 tycltnit^^pi^^n. Sah r iri uu n i g -
feh%' t^rnd ihe in großer !?.aid
vorh nAdy? (C n g uß e i sef i ' cn Kn Tii} n-
phdicn JvtJS l.öf}'< ringen^ von cUvviV
150Ö bis 10 . Juhflmndert
Kifiemreichenid.
AL £ih\h UntciTibieiluivg de^r
AU^rUtmsmuseums ist; üR^iT^eheo
die M ü rvz S U m m 1 u n g di e vor
aUem 741 M^'lZ titKl in aruieren
Mi)ri^iv Ok 11 t^n dr^s ha. ul)gcn Bnjt(tk t■ s,
Lb thringen g vsicldugene St Ucke
s 6 Wie i nu^irLtfi! h di B e^ i r aut -
ge(undyue>Sch^tre wie ^in/tolne Geidsibeke iauückMthiigL
5m'-.umMt u, ayGK>'id.und' ihrer .Nßch.'-.
b&rstbmmö ? eUiC Sömmlung rumX^cIjej MüMeny meist in
Lolb^fiogcn; gefund^rL dörUfUcr u^nu Auslese aus flem groLkuV
Sirb nd •. : Ni eii 0 f r a n'tgen .i m Kr ■ Ule de n hufr n - t
(3, uJ^shrhuridctl n, Chn); ulno 'Subimhing incro-
Wiogiscli^T: iloldmün^Ori; Siibtugbld Kdtf'üin.gnr und 1 leuv-’
ri ch % h, y ogl er s,, U* 1 1 w eis e 2 tr Me f 7 . pT H gt; G ekl 4er
M e t litu U i s t h fii e; G el d 4 e r R e bdj ssb^ 4 jt MHk?.; Gel d^t ü cke un 1 1
Jetons dei iranfdsLsthbnStadi MuU 4nüdil3'>J), des
} ierzQgtit ms Lo i h n t i; f 7 ü n ÄÖsirSC i Mim Acm; d^^vxt^^^’i i c 15)1 et.
Der Gcsciiichle der Sfndi McTt. nickst der yolkskutule vou^
L 0 th irt ngen Lt da > i n * let Bui wit klunjf bt --gr \ flc^oe M u s y ^ i tu
j FU D ^ u t s ch V a 1 ö f g CUht. \ i,jher Isn 4cn sic h hk>r vü^r
. V^jfdgl' : u nf.i An stehlen der Sin-^k . Atchii?kxi?revikfe
■Ul id: iln sei) ri f^ on ü 1 Ui • V e rsch w 11 n ij<^n exv hh ad t hu!i^'n • üHd ’■. vb;n '■
RbgeriHsenetr Biuiwri-rkcn ; Bilder nu'ä AitrMct^:, u.mi snwotil
Äbhikitingea votV PiatieoH Stru&e?e knii uls auth Vöh
rbsllkhkeii.eo ki uUer tuxd tvuutTeu^ und dutgLv Vetürd^
nungrn tmd ih>kannlmachvingen 4^ KbAigtumsT
der Revol u ti ctFi ün rj aus s p ai er en Jj'ib r^ ix; ts ü ^ e auf Me
ug i it h g. St h n f i s 1 u c k u u nd L>r u c fcftc h eü; Mts Geld u n d
Ijuhkbiun^eti; .Meuer Sb 5 jgeUtemt>yl Abüxiitken ;
Hnmvetubgen ön die Belogcrung vm m 1552 tmd
GeHeUschulAUfid ein Stillr-ben 4m-
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K w ntl rugu n g - Au Ü erde in seit-n: 0 mi i das Ko 1 os sc 1 b i I d d C r:
Schlucht bet Hoheirlinden (5* Deretuiver I«HÖO) rrüt Genetöl
Rich(ji jarvcc (goh. Mß 1 7 1770 h j?ciith B vb) t Schb^unr ursprübg)ich
iür diu histi>riscbß CkunüldtgaleHh hn S(.TdoÖ ku Versaiil^ts
bc?;Uintnt; darm mbhvcre Ijtuvhddu Atxh Tb. I>evilly (gub:
M ul z 1151 fV) ^ d f bf T t ttr) Hi u k I H Tä i ü ck; u g der 1 m n 2 (j si sc h en
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Nr. 6 DEUTSCHLAND 309
im Jahre 1822 begründet und war bis 1839 im Stadthaus
untergebracht. Durch Ankäufe und Geschenke wuchs sie
immer mehr. Von den Ankäufen seien nur die aus einer
Privatsammlung zu Nancy in den Jahren 1840, 1846, 1850
erworbenen Bilder, von den zahlreichen Geschenken nur
Rigaud, Geschenk des Grafen du Coetlosquet 1840, und
insbesondere Rembrandt, Vermächtnis des Marquis d'Ourches
1867, genannt*). Auch in neuester Zeit sind Ankäufe, und
zwar moderner Gemälde, gemacht worden, wozu die Landes¬
regierung Beihilfen gewährt hat. Von diesen neuesten An¬
käufen seien beispielsweise erwähnt: Fritz Rabending,
Gletscher, 1888; Eugen Bracht, „Durch die Heide"; Edmund
Blume, „Ein Opfer des Streiks", 1892.
Zur Gemäldesammlung zählen aber auch u. a. eine kost¬
bare Emailmalerei von Limoges, Bildnis des Königs Karl IX
von Frankreich; das farbenprächtige Glasgemälde „L'Artiste"
(Der Künstler) von dem Metzer Charles-Laurent Marechal,
Selbstbildnis in altniederländischer Malertracht; zahlreiche
vorzügliche Zeichnungen von Migette nebst einigen Gemälden
aus der Geschichte von Metz; zwei Radierungen von Emile
Boilvin (geb. Metz 1845) mit Beigabe von Federzeichnungen;
Büsten des gelehrten Metzer Arztes Anucius Foes (16. Jahr¬
hundert), des Marschalls Abr. Fabert (geb. Metz 1599), des
Luftschiffers Pilätre de Rozier (geb. Metz 1754) und andere.
Schließlich sei von den in der Gemäldegalerie (Anbau
von 1900/01) aufgestellten Kunstmöbeln rühmend erwähnt
eine Standuhr, Stil Louis XV.
Im Entstehen ist zurzeit eine Skulpturensammlung,
zu deren Aufnahme das ehemalige Landhaus Frescatelly in
dem von der Stadt Metz 1867 eingerichteten und später
mehrfach vergrößerten „Botanischen Garten", einem Stadtpark
auf dem Bann von Montigny, instand gesetzt ist. Diese Samm¬
lung wird umfassen Bildwerke der in Metz geborenen Bildhauer
Pioche, Fratin, Petre, Hannaux, auch plastische Arbeiten des
Metzer Schuhmachers Lepetit (1806—1881), ferner Gruppen
*) Vor Begründung einer städtischen Gemäldegalerie waren der
Sladt im Jahre 1807 von Kaiserin Josephine, der ersten Gemahlin
Napoleons I, zwei Gemälde geschenkt, alte oder gleichzeitige Kopien
nach van Dyck und Rembrandt.
und Figuren des 18. und 19. Jahrhunderts aus der Fayencerie
Niederweiler bei Saarburg i. L., nach den dort noch vor¬
handenen Formen angefertigt, schließlich Plaketten, sowie
Abgüsse, hauptsächlich von antiken Meisterwerken der Plastik.
Außer den erwähnten Zeichnungen und Gemälden hat
der zu Trier 1802 geborene, später zu Metz, dann zu Longe-
ville seßhafte, im Jahre 1884 verstorbene kunstsinnige Zeichen¬
lehrer und Maler Aug. Migette der Stadt Metz sein Haus
in Longeville mit der hier untergebrachten Sammlung
testamentarisch vermacht; doch ist die Stadt erst 1908 in
den Vollbesitz dieser Schenkung getreten. Die vornehmlich
aus kunstgewerblichen Gegenständen, Zeichnungen, Gemälden
und Stichen zusammengesetzte Sammlung ist im Rahmen
einer Zimmereinrichtung untergebracht, deren Mobiliar Migette
durch neue Möbel ergänzt hat. Erwähnt seien nur drei
Majolika-Büsten des 16. Jahrhunderts, mehrere Zierschränke,
drei farbige Zeichnungen aus den Jahren 1622, 1637, 1639.
Die naturgeschichtliche Sammlung besitzt eine
namhafte mineralogisch-geologische Abteilung und in der
reichen zoologischen Abteilung ein sehr seltenes Exemplar
des seit 1844 ausgestorbenen Riesenalk (Brillenalk) oder,
wie die Isländer diesen früher im Norden von Europa und
Amerika sehr häufigen, schließlich nur noch bei ihnen
heimischen Vogel nannten, „Geirfugl" (Geiervogel).
Solch wertvoller Besitz ehrt eine Stadt. Doch mit dem
Besitz allein ist es nicht getan, die Sammlungen müssen
auch unterhalten, gepflegt und ausgebaut werden. Und
hierfür hat seit dem Bestand einer Museumsverwaltung
der Gemeinderat der Stadt Metz stets verständnisvoll die
Mittel bewilligt. Da aber das städtische Museum nach
dem Urteil der sachkundigen Gelehrten und Fachleute die
Aufgabe eines lothringischen Landesmuseums zu erfüllen hat
und auch tatsächlich erfüllt, ist es Aufgabe der Landes¬
verwaltung, zu helfen, daß den reichen Sammlungen die
erforderlichen Räumlichkeiten zuteil werden. Alsdann wird
das — freilich auch trotz der ungünstigen Raumverhältnisse
zugkräftige — Museum seine volle Anziehungskraft ausüben
können und die Wertschätzung finden, die ihm gebührt.
Die Festfahrt des Rheinischen Verkehrs-Vereins^,
gelegentlich der diesjährigen Generalversammlung in Mainz am TO. Juli 19TT.
Von Hans Ludw. Linkenbach.
Die rheinische Erde hatte ihr Feiertags¬
kleid angelegt, um die Teilnehmer der Mainzer
Versammlung freundlich willkommen zu heißen.
Und auch der Himmel war im Bunde mit der
gastfrohen Stadt und den Veranstaltern des
bisher so eindrucksvoll verlaufenen Festes.
Sein strahlend blauer Baldachin spannte sich
hoch über den Bergen aus und spiegelte sich in
den mattgrünen Wellen des Rheins. Die Nach¬
mittagssonne goß fast verschwenderisch ihr
Licht über die Landschaft, daß alles im warmen
Goldglanz flimmerte und glitzerte. An der
Landungsstelle lag das buntbewimpelte Schiff
und harrte der Abfahrt.
Kurz vor 4 Uhr erschienen die von der Stadt
Mainz eingeladenen Gäste und kamen über den
von Lorbeerbäumen flankierten Steg an Bord.
Ein helles Glockensignal, Tücherschwenken
und fröhliche Zurufe — brausend und zischend
setzte sich das „Rheingold" in Bewegung. Lang¬
sam teilte sein weißer Riesenleib die kühlen
Fluten und trug uns dem Rheingau entgegen-
Bacharach
310 DEUTSCHLAND Nr. 6
Wer ihn nicht kennt, den blühenden Zauber unseres
heimatlichen Stroms, dem wird eine solche Fahrt durch den licht¬
verklärten Sommertag* zu stiller Andacht. Wir aber, die ihn
verstehen von Jug*end an, die ihn mit offenen Herzen und
heiteren Sinnen trinken, wie den funkelnden Wein, der an
seinen Ufern wächst, wir können nicht träumen vor dieser laut
redenden Schönheit. In unseren Adern regt sich das rheinische
Blut und läßt uns nicht Zeit zu beschaulicher Ruhe. Mit¬
jubeln müssen wir, mitsingen und uns befreien von all dem
Druck und Drang ernster und dunkler Stunden. Und je öfter
wir, ans Schiffgeländer gelehnt, durch die altbekannten Lande
fahren, desto mehr neue Reize und Schönheiten vermögen wir
zu entdecken, desto weiter wird uns die Brust, daß wir nicht
schweigen und feiern können, sondern unsere Freude hinaus¬
tragen müssen in den blühenden Tag.
Und so war es auch diesmal wieder. Keine versonnenen
Grübler, nur festlich gestimmte Menschen, die das Bedürfnis
hatten, sich mitzuteilen, ihrer Freude Ausdruck zu geben,
brachte der Dampfer nach Bacharach, dem lieben, traulichen
Mainz: Stadlhalle
Nest. Dort begrüßt uns der Bürgermeister, und General¬
major Bigge dankt ihm mit herzlichen Worten. Und nun
verleben wir eine schöne Stunde in den Mauern des alter¬
tümlichen Städtchens. Durch freundliche Gassen geht's, über
Treppen und Stiegen und den trutzigen Wehrgang entlang.
Aus blumengeschmückten Fenstern winken uns blonde
Mädchen lachende Grüße zu, und pausbäckige Kinder kommen
herbei, um uns noch ihrer Art willkommen zu heißen. Im
Templerhof und vor dem „alten Haus" wird Halt gemacht.
Ein Stückchen Mittelalter lebt da in unverfälschter Reinheit
vor uns auf. Und vor diesen Zeugen einer längst versunkenen
Zeit werden auch der nüchternste Sinn und dos verhärteste
Gemüt wieder jung und froh. Ganz leise flackert das
romantische Fünkchen wieder auf, das doch nun einmal in
eines jeden Deutschen Brust schläft. Unbewußt fast glimmt
es weiter und verzehrt all das kleine und große Alltags¬
leid, das unsere Genußfähigkeit niederdrückte. Und es
flackert lustig fort und erlischt auch nicht, als wir aufs
neue das Schiff betreten, um nach Mainz zurückzufahren.
Noch steht die Sonne voll am blauen Himmel, noch glüht
und gleißt der herrlichste Julinachmittag über den Landen
am Rhein. Bald aber zieht sich das helle Tagesgestirn hinter
die sich dicht vorschiebenden Berge zurück und nur ein
milder Orangeglanz, der den Horizont und die flimmernden
Wellen färbt, kündet seinen Niedergang.
Die Dörfer und Städtchen zu beiden Seiten des Stroms
begrüßen das langsam vorüberziehende „Rheingold" mit
Glockenläuten und Böllerschüssen. Und jetzt flammt drüben
schon das erste zage Lichtlein zum Willkomm auf. Noch ist
der Tag zu kraftvoll und das wohlgemeinte, bescheidene
Flammenzeichen muß im helleren Glanz ersticken. Bald
aber sinkt die Dämmerung tiefer und tiefer. Groß und schön
steigt der Mond hinter den rheinhessischen Höhen empor und
badet sein volles Antlitz in den leise plätschernden und
raunenden Wellen, als gösse er flüssiges Silber über den Strom.
Julimondnacht am Rhein I
Wie im Märchen ist's und wie durch Märchengärten
treiben wir langsam dahin. Und nun — ein neuer Gruß
vom Ufer her, schon
bedeutend wirkungs¬
voller als der erste.
Bravo I klingt's vom
Verdeck, und die
Kapelle spielt einen
brausenden Tusch
zum Dank hinüber.
Ein hübsches Land¬
haus zeigt seine breite
Fassade in rotem ben¬
galischem Licht, ein
anderes wieder um¬
fließt ein zarter, grün¬
goldiger Schimmer,
Hattenheim und Er¬
bach wetteifern in
effektvoller Beleuch¬
tung, und jetzt, da
die Nacht schon ihre
Flügel über die Land¬
schaft gesenkt hat und
die schwarzvioletten
Konturen der Berge
scharf Umrissen sich
am Firmament ab¬
zeichnen, leuchtet auf
einmal Eltville in
blendender Helle am
Strande auf. In rotem
und grünem Licht llimmert jedes Haus des Städtchens, und
das ganze bunte Bild gruppiert sich um den hochauf-
ragenden, prächtig illuminierten Kirchturm. Unter uns der
rauschende Rhein, fern drüben der dunkle Kranz der Taunus¬
berge und hier, aus dem falben Dämmerlicht hervorstrebendr
die entzückendste Farbensinfonie.
ln weinumlaubten Säulengängen stolzer Villen, auf Türmen
und Dächern und drunten am Ufer, allüberall, wohin das
Auge blickt, ruht der sanfte, magische Schimmer bengalischen
Feuers, und der Rhein spiegelt ihn wider und vermischt die
einzelnen Farbentöne zu einem buntflimmernden Reflexbilde.
Auch weiterhin begleiten uns die frohen Grüße der Anwohner;
Raketen zischen auf und mächtige Holzstöße lodern hell
empor. Und am Ende der Fahrt bietet sich uns ein neuer
imposanter Anblick: die Mainzer Straßenbrücke leuchtet in
tausend roten und grünen Flämmchen durch die Nacht: ein
letzter stimmungsvoller Dankgriiß an die Gäste des Kongresses.
Und wenn wir uns jetzt in Erinnerung an die schönen,
unvergeßlichen Stunden der Rheinfahrt fragen, was an allem
Nr. 6 DEUTSCHLAND 311
wohl das Schönste war^, so kommen wir in Verleg'enheit.
Aber eins dürfen wir doch wohl besonders hervorheben: den
edlen Wetteifer, mit dem der g-esamte Rheingau zur Verherr¬
lichung" des Festes beitrug-, und die Uneig-ennützig-keit, mit
der das g-eschah. Wo anders wird man, ohne eigene Inter¬
essen zu verfolgen, die Gäste derart begrüßen? Nur am Rhein
ist das möglich, nur am Rhein kennt man die selbstlose Gast¬
freundschaft, die sich hierin kundgibt.
Weil man sich selber freut an dem bunten Bilde rheinischen
Lebens, will man auch anderen Freude machen; weil man sich
selbst glücklich fühlt in diesem gesegneten Lande, möchte
man auch andere glücklich sehen. Das ist rheinische Artl
Im Lahntal.
Von Heinrich Herkenrath,
So wenig begangen wie das Lahntal ist wohl keines der
größeren Nebentäler des Rheines. Eindrucksvollere Partien
wie das Lahntal über Ems und Nassau hinaus nach Obernhoi,
Balduinstein, Diez, Limburg,
Runkel, Weilburg, Braunfels,
Wetzlar usw. mit seinen zahl¬
reichen rechts und links ins
Gebirge hinaufsteigenden,
meist dicht bewaldeten Seiten-
tälchen; mit seinen allehr¬
würdigen Ortschaften, in
denen meist ganze Stadtteile
— wie in Nassau, Diez,
Limburg, Runkel, Weilburg
— noch in der mittelalter¬
lichen Anlage erhalten und
bewohnt sind; mit seinen
zahlreichen Schlössern und
Burgen, mögen sie als hoch¬
ragende Ruinen vom Wandel
der Dinge auf Erden Zeugnis
geben oder sorgfältig in ihrer
ursprünglichen Gestalt erhalten in unseren Tagen modernen
Zwecken dienen, eindrucksvollere Partien wie das Lahntal
weist Nord- und Westdeutschland nirgends auf. Das alles ist
Limburg.
nur zu wenig bekannt. Im Rheintal wogt seit Menschen¬
gedenken der Strom des Fremdenverkehrs auf der Landstraße,
auf der Schienenbahn, auf den Dampfschiffen; nicht minder
lebhaft ist es in den all¬
bekannten Nebentälern, der
Ahr und der Mosel. Wer aber
kennt das Lahntal, außer etwa
in der nächsten Umgebung
der Weltkurstadt Ems? Wer
hat als Tourist den Wander¬
stab angesetzt im herrlichen
Lahnstein, um hier den Trubel
des Rheinverkehrs für einige
Tage zu verlassen und ein¬
zubiegen in die stille Ruhe,
aus der dort die Lahn nach
ihrem langen Lauf vom Eder-
kopfe herab in den mächtigen
Rheinstrom sich ergießt?
Niemand, der den noch
seltenen Weg ging', machte
ihn unbefriedigt. Wer stieg
von dem idyllischen Kurörtchen Nassau hinauf in die über¬
wältigend großartigen Schluchten des Gelbbach-, des Dörs-
bach-, des Jammerbachtales, oder von Laurenburg in das
Diez a. d. Lahn: Schloß
Niederlahnstein: Gesamtansicht
312 DEUTSCHLAND Nr. 6
Tal des Rupbaches usw., ohne zu staunen, ob der noch un¬
gestörten, weil unbekannten Herrlichkeit dieser Natur? Wer
durchwanderte gar das Lahntal oberhalb Nassaus etwa bis
Diez oder Limburg? Und doch fehlt hier noch gerade das,
was den echten Touristen und den wahren Naturfreund so
öde anmutet: — die breite, staubige, automobildrohende
Chaussee. Hier hat die chaussierte Landstraße das Flußbett
verlassen, um über das Gebirge die Bischofstadt Limburg zu
erreichen. Dicht über dem Wasser¬
spiegel, des öfteren aus dem jäh ab¬
fallenden Felsen gesprengt, windet
sich durch das enge, hochbewaldete
Tal nur noch der holperige, schmale
Leinpfad, und den stillen Frieden der
stundenlangen Wanderungen stört
kein neuzeitliches Hasten und Ge¬
töse. Einzig der Sang der auffallend
zahlreichen Vogelwelt, die hier noch
ein Eldorado hat, erreicht und er¬
götzt das Ohr des Touristen. Es ist,
als scheue selbst die Eisenbahn,
diese wunderbare Stimmung zu ent¬
weihen; sie verschwindet allein auf
der bloß 25 Kilometer langen Strecke
von Nassau bis Limburg dreizehn¬
mal unterm Tunnel im Schoße des
Gebirges.
Kein Wunder, wenn das Völkchen
dieses paradiesischen, stillen Land¬
striches seine alte deutsche Eigenart
in weitem Maße sich erhalten hat;
wenn es festhält an ererbten Bräuchen Limburg: Am
und Einrichtungen. Wie mutet es den großstädtischen
Touristen an, der hier in dieser Weltverlorenheit zwischen
Lahn und waldigem Gebirge das Miniatur-Dörfchen Kalkofen
betritt, das mit Stolz auf seine 700jährige Vergangenheit
zurückblickt und bis in dieses Jahr hinein völlig abgeschlossen
vom großen Weltverkehr daliegt wie vor Jahrhunderten; hier¬
hin, in diesen Frieden, führten bislang nur der Leinpfad und
der Waldweg. Wie mutet es ihn an, wenn er da im Gasthaus
erfährt, daß auch diese kleinste Gemeinde des ehemaligen
Herzogtums Nassau heute
noch mit ihren dreizehn
Haushaltungen und 62
Einwohnern eine selb¬
ständige Gemeinde bildet
mit Selbstverwaltung ihrer
Angelegenheiten, wie alle
übrigen Ortschaften des
interessanten Nassauer
Ländchens; hier braucht
die Gemeindevertretung
nicht erst gewählt zu
werden — ein glücklicher
Zustand; — alle männ¬
lichen selbständigen Ge¬
meindeangehörigen bilden
die Gemeindeversamm¬
lung, die sich ihren Bürger¬
meister kürt wie die sonst
etwa notwendigen Orts¬
beamten,und kaum minder
stolz ihrer Würde sich be¬
wußt sind, wie die feinge¬
kleideten Kollegen in den
prunkreichen Rathäusern
der Großstädte Frankfurt,
Köln, Düsseldorf usw.
Alles ist dal auch in diesen kleinsten selbständigen Oertchen.
Sogar die unvermeidlichen zwei Parteien, die gewöhnlich in den
beiden Wirtslokalen der Gemeinde ihre feindlich-friedlichen
Lager aufgeschlagen haben und aus deren gegenseitiger
Kontrolle und Kritik das Wohl der Gesamtheit als erwünschte
Frucht erwächst. Bis in die jüngste Zeit hat das wackere Land¬
volk Nassaus auch seine alten Trachten treu in Ehren gehalten.
Erst vor wenig Wochen trug im vormaligen Amte Limburg eine
große Landgemeinde ihren 75jährigen
Bürgermeister zu Grabe, dem nach
40 Jahre langem Dienste der Tod das
Zepter über seine Dorfgenossen aus
der müden Hand gewunden hatte und
der immer bis in die letzte Zeit Stolz
darein setzte, auch vor seinen Vor¬
gesetzten bis hinauf zur Regierung
in Wiesbaden und bei amtlichen Kon¬
ferenzen im blauen Heimatkittel und
mit der hohen Ballonmütze auf dem
Kopfe anzutreten. Daß dieser an Geist
und Körper kerngesunde Stamm der
Nassauer ungewöhnlich stark ausge¬
prägten Heimatsinn hat und auch
in der Fremde dem Geburtsländchen
Treue bewahrt, ist bekannt. Das ist
um so beachtenswerter und rühmlicher,
als das rauhe Klima des Westerwaldes
und des Taunus, zwischen deren beiden
Gebirgsmassen die Lahn in ihr enges,
tiefes Bett gelagert ist, den Bewohnern
wenig Nahrung aus der Landwirtschaft
gab und so die Dörfer seit Generationen
Fischmarkt
zwang, einen großen Teil ihrer Männer und auch ihrer Weiber
viele Monate des Jahres nach auswärts auf Verdienst zu ent¬
lassen. Mädchen und Frauen dienen während der Saison in den
nassauischen Badeplätzen Ems, Nassau, Wiesbaden, Homburg,
Soden usw., viele wandern mit ihren Männern als Händler
durch Deutschland und die Nachbarstaaten; die Männer sind
in Rheinland und Westfalen bis hinab nach den großen See¬
städten als Bauhandwerker bekannt; als nüchterne und fleißige
Leute genießen sie wohlverdiente Wertschätzung, und hierin
Wetzlar: Lahnbrücke mit Dom
Nr.6 DEUTSCHLAND 313
treten die jüngeren erfreulicherweise noch größtenteils in die
sicherführenden Fußstapfen der Väter. Alle aber, die da im
beginnenden Frühjahr das Reisebündel schnüren und die Sorge
um Elternhaus, Acker und Vieh den zurückbleibenden Alten
und Frauen mit den Kindern überlassen, verläßt der Gedanke
an die Daheimgebliebenen nicht; für diese wird draußen ge»*
schafft; Geld verdient. Und wenn im Herbst die Badeplätze
die Hotels schließen, wenn die Baustellen
vor dem Froste stille legen und Schnee
und Unwetter dem wandernden Händler
die Landstraße verleiden, dann wälzt sich
der große Strom der Rückwanderer in
die Orte links und rechts der Lahn;
dann wird's lebendig in den Dörfern,
und für einige Monate erfreuen sich die
Familien des Beisammenseins. So lebt
der Nassauer gewissermaßen ein glück¬
liches Doppelleben: Alljährlich taucht
er hinein in das neuzeitliche Getriebe
gerade dort, wo in den Fabrikzentren
die rastlose Industrie unablässig Neu¬
bauten und werteerzeugende Anlagen
schafft, oder dort, wo in den Badeplätzen
der Ertrag dieser Arbeit reichlich zu¬
sammenfließt und verzehrt wird; er
kommt da in Berührung mit der Neuzeit
und lernt ihr Leben kennen, ihren Geist
und ihre Schöpfungen. Aber er bleibt
nicht leicht im überstürzenden TrubeL
er geht nicht darin unter; seine Nerven,
sein Geist schöpfen alljährlich neue
Kraft in dem ruhig fließenden Borne der
altvertrauten stillen Heimat, in der der
junge Mann sein eigenes Nest wiederum
erstrebt, wie die Alten vor ihm taten und für ihn. Das Doppel¬
leben des Nassauers erklärt seinen aufgeweckten Sinn und
seine vielfach über das Mittelmaß hinausgehende Weltklugheit.
Der Verkehr dieses Nassauers in der Fremde bleibt
natürlich nicht ohne Wirkung auf die Heimat. Die alten
ärmlichen Strohdachhäuschen verschwinden mehr und mehr;
die Dörfer links und rechts der Lahn, des südlichen Wester-
Weilburg: Gesamtansicht
Waldes und des nördlichen Taunus zeigen fast alle anmutiges,
properes Aeußere; die Städtchen, die zumeist schon durch
ihre Lage das Auge des Wanderers ergötzen, nicht minder.
Die Ansprüche an Kleidung und Lebenshaltung passen sich
der Neuzeit an. Dazu kommt, daß ein dichtes Eisenbahnnetz
das Nassauer Ländchen nördlich wie südlich der Lahn durch¬
spannt und die Verwertung der Bodenschätze, Erze, Mineral¬
wasser, Basalt, Ton und der Landwirt¬
schaft und Viehzucht erleichtert. So
wachsen die alten historischen Städtchen
der Gegend zusehends zu größeren Ge¬
bilden sich aus; aber glücklicherweise
ganz anders als die modernen Gro߬
städte in vorwiegend industriellen Be¬
zirken. Hier in Nassau baut sich die neue
Stadt regelmäßig wie ein breiter Kranz um
die Altstadt herum, die dann als Kern
im Innern sorgfältig die mittelalterlichen
Straßenbilder erhält und pflegt mit den
engen, gewundenen Gassen, den reich¬
verzierten hohen Fachwerkgiebeln, den
weit ausgelegten Etagen, Baikonen und
Erkern, den sinnreichen Schnitzereien im
Holzwerk usw. Wer beispielsweise in
Diez, in Limburg oder Weilburg am
Bahnhofe im Neustadtviertel den Zug
verläßt, der ahnt nicht, wie ganz anders
stimmungsvoll dort die nahe Altstadt im
Zentrum auf ihn wirken wird, die sich
wie in fast allen nassauischen Städtchen
zu Füßen und am Hange eines mäßigen
Felsens hinschmiegt, auf dessen Spitze
das alte Schloß oder der Dom majestä¬
tisch das Ganze überragt. Wenn gar der
Zufall den Fremden just dann in eine solche Altstadt führt, wenn
dort ein Fest gefeiert wird und die Anwohner ihre zierlichen
Häuser noch durch Fahnen, Teppiche, Baumzweige und Bilder
schmücken, dann mag auch den nüchternsten Beschauer eine
Ahnung durchziehen, wie lieblich familiär ehedem die Vor¬
eltern dort gelebt haben mögen. Die Hauptplätze an der
Lahn wie im nahen Westerwalde und Taunus haben offen¬
sichtlich schon in der
Vergangenheit einer
gewissen W ohlhaben-
heit sich erfreut und
zugleich eines löb¬
lichen Sinnes für
Schönheit und Kunst.
Zahlreiche Privat¬
bauten in allen nassau¬
ischen Plätzen sind
Zeugnis dafür; ganz
hervorragend aber
öffentliche Gebäude,
wie Rathäuser; in
erster Linie Kirchen:
der Dom zu Wetz¬
lar und der sieben-
türmige Dom zu Lim¬
burg sind Kunstwerke
allerersten Ranges,
deren Besuch überaus
lohnend ist.
Mich hat das Lahn¬
tal gepackt, als ich’s
zum erstenmal durch¬
wanderte. Und immer
wieder, wenn ich's
Limburg: Altstadt, rechts Walderdorffer
Hof, im Hintergrund der 7 türmige Dom
314 DEUTSCHLAND Nr. 6
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Schloß Stolzenfels bei Coblenz
□
machen kann, greife ich zum Wanderstabe, schreite hoch¬
gemut den lieblichen Fluß entlang und durch die herr¬
lichen Wälder, genieße die Schönheit der Natur und freue
mich der Schätze der Kunst in der Erinnerung an die.
die einst hier lebten und sie schufen. Wo ich mich nieder¬
lasse zu kurzem oder längerem Verweilen, da finde ich
allemal, wie angenehm und liebenswürdig der heutige
Nassauer dem heiteren Fremden gegenüber zu Diensten steht.
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Nr. 6 »lOtwoe i oüasM a o e oQa e oQQQt^^ DEUTSCHLAND a ooeeeca e ooeooooeeeee e ooee ai 315
Aus den Bundes-Vereinen.
Verkehrs-Verein Duisburg.
In der letzten Vorstandssitzung des Verkehrs-Vereins wurde
für den bisherigen Syndikus Herrn Dr. Janssen, der nach Essen
geht, Herr Referendar Emil E i ck aus Herford gewählt. Herr
Geheimrat Weber dankte Herrn Dr. Janssen im Namen des
Vereins für seine aufopfernde Tätigkeit und wünschte ihm viel
Erfolg in seinem neuen Wirkungskreise. Darauf dankte Herr
Dr. Janssen dem Vorstande für die Unterstützung, die er stets
bei ihm gefunden habe, und schloss mit dem Wunsche für
weiteres Wachsen und Gedeihen des Verkehrs-Vereins. Der
Verein hat, wie in der Sitziing besprochen wurde, Schritte
getan, um das von der Regierung geplante Rheinschiffahrt-
museum nach Duisburg zu bekommen; vielleicht sei das alte
Gebäude der Duisburg-Ruhrorter Bank in der Feldstrasse zur
Aufnahme des Museums geeignet. (Siehe auch die Mitteilung unter
„Verschiedenes**, Seite 321. Die Red.) Beschlossen wurde ferner,
im Verkehrs-Verein eine Zentralstelle zum Kartenverkauf für
Konzerte, Theater, sportliche Veranstaltungen usw. einzurichten.
Krefelder Verkehrs-Verein.
Am 6. Juli XQH fand bei Wischer unter dem Vorsitz des
Rechtsanwalts Justizrat Dr. Drathen die Hauptversammlung
des Verkehrs-Vereins statt. Der Vorsitzende wiederholte die
bereits in der letzten Vorstandssitzung vorgebrachten und schon
erwähnten Gründe, die es angezeigt erscheinen lassen, den Ver¬
kehrs-Verein in das Vereinsregister eintragen zu lassen. Der
Vorschlag, die Zahl der Vorstandsmitglieder auf 15 herabzu¬
setzen, wurde angenommen. Ebenfalls wurde die notwendig
werdende Aenderung der Satzungen beschlossen. Der Verein
wird fürder heissen „Verkehrs-Verein der Stadt Krefeld e. V.**
Für den neuen Vorstand wurden folgende Herren gewählt:
Justizrat Dr. Drathen, Rechtsanwalt Angerhausen, W. Prinzen-
berg, J. Perpe^t, Dr. Buscher, Architekt Giersberg, O. Schmieder,
H. Brünsing, Ernst Oppenheimer, Polizei-Inspektor Scheuer,
Reg.-Rat Jentges, H. Wilmeroth, Paul Grein, Prof. Hübler und
G. Bredow. Als 16. Vorstandsmitglied tritt ein satzungsgemäss
von der Stadt Krefeld zu bestimmender Herr hinzu. In der
nachfolgenden Vorstandssitzung wurde Rechtsanwalt Justizrat
Dr. Drathen zum Vorsitzenden, Rechtsanwalt Angerhausen zu
seinem Stellvertreter, Treuhänder Perpe^t zum ersten Schrift¬
führer, Gustav Bredow zum zweiten Schriftführer und
W« Prinzenberg zum Schatzmeister gewählt.
• • Der Verband bergischer Verkehrs-Vereine
hielt kürzlich im Kaiserhof in Lennep seine Jahres-Hauptver-
sammlung' ab. Bürgermeister Stosberg hiess die Gäste will¬
kommen und wünschte den Beratungen reichen Erfolg. Im
geschäftlichen Teil kamen zur Sprache: Schüleraustausch,
Schülerherbergen, Eisenbahn wünsche, Wegemarkierung usw.
Die Vorstandswahl ergab alsdann die Wiederwahl des sehr
umfangreichen bisherigen Vorstandes. Ueber die Wahl des
Ortes für die nächste Tagung wurde noch kein fester Entschluss
gefasst. Es soll zunächst Solingen in Aussicht genommen
werden. Weiter nahm die Versammlung, wie das „L. Krsbl.“
berichtet, einen Vortrag des Schriftstellers Fischer aus Alferz¬
hagen über „Städtebundtheater** entgegen. In Anlehnung an
eine*Anregung des Theaterdirektors SchifiTermüller, des Leiters
des westfälischen Städtebundtheaters, beleuchtete Redner zu¬
nächst die Erfolge des Theaters, das sich als ein Bedürfnis
kleinerer Städte herausgestellt habe. Es handle sich dabei um
durchaus einwandfreie künstlerische Aufführungen, die den
Städten in nicht zu grosser Anzahl geboten würden. Grund¬
bedingung für ein solches Unternehmen sei, dass es von Stellen
in die Wegs geleitet werde, deren hohes Ansehen jedes Miss¬
trauen an die künstlerischen Leistungen beseitige. Gerade jenes
Misstrauen führe zum finanziellen Zusammenbruch und lähme
auf jeden Fall die Kraft und Schaffensfreude. Als Stellen, die
das Unternehmen decken müssten, kämen in erster Linie der
„Rhein. Städtebund** und der „Bergische Bund** in Frage. Jede
Stadt könnte sieh dann, je nach dem vorhandenen Theater¬
bedürfnis, eine Reihe von Vorstellungen sichern. Da das Unter¬
nehmen eine feste Fügung aufweisen müsste, sei die Schaffung
eines in allen Angelegenheiten zuständigen Vorstandes not¬
wendig. Diesem würde auch die Ueberwachung der Leistungen
und die Wahl der Stücke obliegen. Bürgermeister Dr. Barth
(Gummersbach) betonte die hervorragenden Leistungen des
Direktors Schiffermüller. Die Anwesenden erklärten sodann die
Schaffung eines derartigen Theaters für erstrebenswert.
Der Schlossbauverein Burg a. d. Wupper
hielt am 29. Juli im Schloss seine Hauptversammlung unter
dem Vorsitz des Landrats Dr. H e n t z e n (Lennep) ab, der
den Rechnungs- und Jahresbericht für igxo/ii erstattete. Die
Rechnung schliesst in Einnahme und Ausgabe mit 41101 Mk.
ab; an Eintrittsgeldern wurden 24242 Mk. eingenommen. Die
durch die Lotterie aufgebrachten goooo Mk. sind zum Teil für
den Bau des Grabentores verwandt worden; dessen Dachräume
sollen zu Schülerherbergejn eingerichtet und besonders für die
Zwecke des Wandervogels bereitgestellt und mit Hängematten
versehen werden. Man hofft dadurch die Wandersache im
Bergischen Lande zu fördern. Dem Schlossbauverein sind 70
neue Mitglieder beigetreten, er zählt jetzt 420 Mitglieder. Die
Zahl der Besucher betrug im verflossenen Jahr 102000; auch
in diesem Jahre ist der Besuch sehr gut. Dr. Dönhoff
(Solingen) dankte namens des niederrheinischen Kreises der
Wandervogel-Vereinigung für das Entgegenkommen des Schloss¬
bauvereins. Der Rechnungs- und Jahresbericht wurde genehmigt
und der Verwaltungsetat für 1912/13 wurde auf 26700 Mk. in
Einnahme und Ausgabe festgesetzt. Der Rheinische Verein
für Denkmalpflege und Heimatschutz beabsichtigt im
nächsten Jahr auf Schloss Burg sein Jahresfest zu feiern.
Dieses soll mit dem auf Ende Mai in Aussicht genommenen
Schlossbauvereinsfest verbunden werden. Dombau¬
meister Arntz (Köln) erläuterte dann an der Hand von
Plänen die weiterhin geplanten Bauten. Schliesslich wurde
das neuerbaute Grabentor besichtigt und von der Bauleitung
übergeben.
Der Eifel-Verein
hielt am 2g. Juli in Call eine Hauptvorstandssitzung ab, die
sehr zahlreich — u. a. von 40 Ortsgruppen — besucht war.
Aus der umfangreichen Tagesordnung seien folgende allgemein
interessierende Punkte hervorgehoben. Als Ort der nächsten
Jahres-Hauptversammlung wurde Echternach gewählt. Um
den fortlaufend wachsenden Anforderungen an die Kasse des
Vereins zu begegnen, sollen die Ortsgruppen zur Prüfung der
Frage aufgefordert werden, ob es sich nicht ermöglichen lasse,
die Beiträge zum Hauptverein um ein geringes zu erhöhen,
ohne dass es gleichzeitig notwendig ist, die jetzt bestehenden
Mitgliederbeiträge heraufzusetzen. Der Ortsgruppe Brohltal
wird eine Beihilfe von 100 Mk. bewilligt zum Bau einer Schutz¬
hütte auf dem Fornicher Kopf bei Brohl, am Rheinhöhen weg
Andernach—Brohl, unter der Bedingung, dass vorher die Pläne
vorgelegt werden. Zu den Instandsetzungskosten der historisch
interessanten Stadtmauer in Hillesheim werden gleichfalls 100 Mk.
beigetragen; der Ortsgruppe Kaisersesch wird zur Anlage eines
Weges durch das romantische Tal der Wilden Endert, das
bisher unzugänglich ist, ein Kostenzuschuss in Höhe von 150 Mk.
gewährt in der Erwartung, dass die nicht unbedeutenden Gesamt¬
kosten zum Restbeträge von den Interessenten an der Mosel
getragen werden; zu Wegebauten, die im Interesse einer vorteil¬
hafteren Führung der Wanderlinie Düren —Trier notwendig
werden, erhält die Ortsgruppe Bollendorf einen Zuschuss von
200 Mk. Die Kosten einer Werbeschrift, die die Ortsgruppe Brüssel
herausgeben wird, werden zur Hälfte in Höhe von 125 Mk. vom
Hauptverein getragen; zu den Kosten einer Wegeverlegung
zwischen Mülheim und Aremberg der Strecke Brohl—Montjoie
werden der Ortsgruppe Blankenheim 200 Mk. zugewiesen. Der
Herbergsausschuss wird um 7 Mitglieder verstärkt. An die
Leitung der Schülerherbergen in Hohenelbe wird der Antrag
gerichtet, den Kostenbetrag für die Ausfertigung der zum Besuch
der Schülerherbergen berechtigenden Karten um das Doppelte,
auf 1.70 Mk., zu erhöhen. Dem Fabrikbesitzer Th. Weber in
Euskirchen wird für die Zuwendung einer Spende von 3000 Mk.
für die Zwecke der Schülerherbergen in der Eifel lebhafter Dank
und Anerkennung ausgesprochen. Einstimmig wurde beschlossen,
mit der Herausgabe der grossen Eifelwegekarten im Massstab
X : 50000 nunmehr zu beginnen. Die nächste Hauptvorstands¬
sitzung wird am 7. Oktober in Waxweiler abgehalten. Am
folgenden Tage findet in Prüm eine grosse Brandprobe an
eigens zu diesem Zweck errichteten Gebäuden, teils mit harter,
\
teils mit Strohdachung statt, um den Beweis zu führen, dass
die Behauptungen von der grösseren Feuergefährlichkeit des
Strohdaches unwahr sind. Der Vorsitzende, Landrat Dr. Kauf¬
mann (Euskirchen) wies zum Schluss mit besonderer Befriedigung
auf das wachsende Interesse aller Bevölkerungskreise an den
Bestrebungen des Eifel - Vereins hin, das eine fortdauernd
gUnstige Entwicklung des Vereins für die Zukunft verbürge.
Die Ortsgruppe Düsseldorf des Eifelvereins
hat in einer besonders einberufenen Hauptversammlung be¬
schlossen, das Grundstück im Urfttal zwischen Urft und Netters¬
heim anzukaufen, auf dem der Römerkanal beginnt und die
ihn speisende Hauptquelle entspringt. Die unter dem Namen
Römerkanal bekannte Wasserleitung nach Köln, deren Spuren
am Vorgebirge und in der Nordeifel noch vielfach die Auf¬
merksamkeit der Bewohner auf sich lenken, gehört zu den
bedeutendsten Baudenkmälern im Rheinland, die ihren
Ursprung der Römerherrschaft am Rhein verdanken. Unter der
Erde verborgen, zieht sich der Kanal von der Höhe der Eifel
in wundersamen Windungen über das Vorgebirge hinab ins
Rheintal, vorsichtig alle Schluchten und Buchten umgehend;
bald durchschneidet er die Wasserläufe in ihren Tälern, bald
übersteigt er die Bergrücken, so dass es den Anschein hat, als
ob er sich in einer Wellenlinie auf- und abwärts bewege.
Gleichwohl vollzieht sich der ganze Lauf mit beständigem Ge¬
fälle, wie durch Messungen und Wägungen nachgewiesen ist.
Seinen Ursprung hat der Kanal, dessen Gesamtlänge 77,6 km (in
der Luftlinie 53) beträgt, im Urfttal 2 km aufwärts von Urft. Hier
befindet sich an der linken Talsohle die jetzt von dem Düssel¬
dorfer Eifelverein angekaufte Quelle, „Grüner Pütz“ genannt,
die nach teilweiser Beseitigung der früher vorhandenen Sand¬
steineinfassung sehr versandet ist, aber noch Reste des zemen¬
tierten Beckens zeigt. Wie aus der bald erfolgten Vergrösserung
der noch vorhandenen Sohle zu schliessen ist, nahm der Kanal
wahrscheinlich auch die etwa 100 Meter entfernten „Sieben¬
sprünge“ auf. Der Kanal ist, wie einer seiner besten Kenner,
Professor Hürten in Münstereifel, annimmt, wahrscheinlich in
der Regierungszeit Hadrians (117-138) erbaut worden, dessen
Name in den volkstümlichen Benennungen des Kanals „Aderich“,
„Adnif“, „Adersgraben“ noch nachklingt. Dass das Wasser
lange Zeit hindurchgeflossen ist, folgt mit Sicherheit aus der
Dicke der abgelagerten Sinterschicht. Auf seinem langen Lauf
hat der Kanal drei grössere und acht kleinere Wasserläufe
unterirdisch in ihrem Bett durchschnitten und ein stetes Gefälle
bewahrt, obgleich er über vier ScheiderUcken hinweggestiegen
ist. Er erweitert seine Grössenverhältnisse unterhalb Eiserfey,
nachdem er die starken Quellen des Hausener Baches auf¬
genommen hat, der in der Nähe der bekannten Kakushöhle
hinter DreimUhlen auf dem Kalkfelsen entspringt. Nur einmal,
in dem Tal bei dem Dorf Vussem, verlässt der Kanal seine unter¬
irdische Lage, die seinem Quellwasser die niedrige Temperatur
bewahrte; hier ist er in einer Breite von 72 Meter über Bogen-
gewölbungen geleitet, von deren sechs Pfeilern noch einer als
niedriger Stumpf erhalten ist. Die Einführung der Wasser¬
leitung in die Stadt Köln erfolgte auf einer Hochleitung, von
der verschiedentlich Reste erhalten sind. Der bedeutsamste
Ueberrest ist ein Auslass im südlichen Querschiff des Domes.
Eine Abzweigung versorgte das römische Lager bei Neuss
mit frischem Quellwasser, doch ist der Lauf dieses Kanals
nicht mehr ganz festzustellen. Jedenfalls hat sich der Düssel¬
dorfer Eifelverein ein nicht nur von allen Geschichtsforschern
und Naturfreunden, sondern sicher auch von den vielen Be¬
suchern der schönen Eifel gewürdigtes Verdienst erworben, als
er diese historische Stätte, deren Vernichtung die geplante
Trockenlegung des umliegenden Wiesengeländes bedingt hätte,
mit erheblichen Opfern erwarb, um sie in ihrem gegenwärtigen,
gegen die Römerzeit wenig geänderten Zustand der Nachwelt
zu erhalten.
Der Mannheimer Verkehrs-Verein
hat wieder verschiedene Neuerscheinungen von wertvollem
Propagandamaterial zu verzeichnen. Die vor kurzem besprochenen
Korrespondenz-Beilagezettel, von denen 250 000 Stück gedruckt
wurden, sind, dank der anerkennenswerten Mithilfe von Firmen
und Privaten, bis auf einige Tausend Exemplare verwendet.
In einer Auflage von 30000 Stück ist nun eine Postkarte her¬
ausgegeben worden, die das verkleinerte neue Plakat des
Verkehrs-Vereins, von dem etwa 4000 Exemplare in der letzten
Zeit im In- und Ausland verbreitet wurden, darstellt. Es ist
dies eine allegorische Zusammenstellung des Wasserturms
als Wahrzeichen des modernen Mannheim, vor dem sich
Merkur und Pallas Athene die Hand reichen: der Gott des
Handels, Verkehrs und des gewerblichen Lebens mit dem
FlUgelstabe, die Beschirmerin der Künste und Wissenschaften
mit einem Wappenschild, das die Eule und ein gezähntes Rad
veranschaulicht. Auch diese Postkarte wird Firmen und
Privaten kostenlos im Verkehrsbureau verabreicht. Neu er¬
schienen, in einer Auflage von 12 000 Exemplaren, ist ein Stadt¬
plan von Mannheim, der auf der Rückseite Spezialplänchhn
enthält vom Waldpark Neckarau, den Vorstädten Freuden-
heim, Neckarau, Käfertal und Waldhof, sowie vom Städtischen
Industriehafen mit seinem verfügbaren Gelände. Vor kurzem
hat der Verkehrs-Verein auch 500 Exemplare des bekannten
künstlerischen Vogelschaubildes unserer Stadt, welche die Stadt¬
verwaltung dankenswerterweise zur Verfügung gestellt hat,
nach dem In- und Ausland verschickt. Ebenso wurden auch
die 35 000 dreisprachigen illustrierten Prospekte von Mann¬
heim, die in Kürze alles Wissenswerte Uber unsere Stadt mit-
teilen, in die Sommerfrischenhotels des In- und Auslandes, wo
jetzt die Hochsaison im Gange ist, versandt. Einige Hundert
Exemplare der illustrierten Verkehrszeitschrift „Deutschland“ in
deutscher und englischer Ausgabe, die umfangreichere illu¬
strierte Aufsätze über Mannheim bringen, wurden gleichfalls
an geeignete Adressen verschickt. Man sieht aus obigem, dass
der Mannheimer Verkehrs - Verein seine Propagandatätigkeit
immer reicher entfaltet; hoffen wir daraus für unsere Vater¬
stadt das Beste.
Pfälzischer Verkehrs-Verband.
Der Pfälzische Verkehrs-Verband hielt am 10. Juli seine
Monatsversammlung ab. Der Verband zählt nunmehr 50 Korpo¬
rationen, seit der kurzen Zeit seines Bestehens eine erfreuliche
Anzahl und auch ein Beweis, dass das Interesse an der
Förderung aller Verkehrsbestrebungen in der Pfalz rasche Fort¬
schritte macht. Der Ausschuss wurde ergänzt durch Zuwahl
des Herrn Oberingenieurs Adjunkt Thiel in Landstuhl. Es folgten
dann Berichte über die Tagungen des Bundes Deutscher Ver¬
kehrs-Vereine in Worms, über den bayerischen Landesfremden¬
verkehrsrat und über den pfälzischen Fremdenverkehrsrat, bei
denen insbesondere die bayerische Gewerbeschau 1912, die Aus¬
gabe von Sonntagskarten, die gastwirtschaftlichen Kurse ein¬
gehend behandelt wurden. Die Versammlung beschloss ferner,
eine Reliefkarte für die Pfalz, wie solche für das bayerische
Hochland, Schwarzwald, Schweiz längst bestehen, in Auftrag zu
geben. — Der vom Verkehrs verband ausgeschriebene photo¬
graphische Wettbewerb für pfälzische Landschafts¬
bilder erfreut sich ungemein reger Sympathie, denn nicht nur
die Bedingungen werden zahlreich eingeholt, auch die Preise
haben eine weitere Erhöhung erfahren. Bis jetzt sind 750 Mk.
bar für Preise ausgeworfen. Diese Summe verteilt sich in
folgender Weise:
10 Bilder für Bergzabern und Umgebung
5 „ „ Gleisweiler „ „
10 „ „ Neustadt „ „
10 „ „ Landau „ „
4 „ „ Edenkoben „ „
5 „ „ Zweibrücken „ „
ingesamt 450 Mark. Die Restsumme von 300 Mark ist für
allgemein pfälzische Bilder bestimmt. Da in nächster Zeit der Aus¬
schmückung der Personenwagen mit Bildern auf den deutschen
Eisenbahnen näher getreten wird, wäre es sehr wünschenswert,
wenn durch zahlreiche schöne Bilder, die aus dem Wettbewerb
hervorgehen sollen, auch bei dieser Gelegenheit die Pfalz
würdig vertreten wird. Der Pfälzische Verkehrsverband hat
sich bereit erklärt, die preisgekrönten Bilder auch dem Pfälzer¬
waldverein für Führer, Bilder u. dgl. zur Verfügung zu stellen.
Verein für den Fremden-Verkehr in Hannover.
Die Leitung der Geschäftsstelle des Vereins ist dem Garten¬
techniker Krone (Schriftführer des Provinzial-Gartenbauvereins)
übertragen worden. Seit dem Tode des Hofbuchhändlers
Kiepert hatte dessen Witwe die Geschäftsführung noch bei¬
behalten.
DerVerein für Mosel, Hochwald und Hunsrück
hielt in Boppard seine stark besuchte Hauptversammlung ab.
Nach dem Jahresbericht zählt er 21 Ortsgruppen, 9 Verschöne¬
rungsvereine, 5 Kirchen, 12 Städte, 14 Gemeinden zu Mitgliedern.
Es ist eine eigene Vereinszeitschrift gegründet worden. Die
Wegebezeichnung ist wesentlich vorangeschritten und wird
weiter vervollständigt werden. Landrat Dr. von Nasse in Bern¬
kastel wurde zum Vorsitzenden gewählt, Oberpräsident Freiherr
von Rheinbaben zum Ehrenvorsitzenden ernannt. Einzelnen
Ortsgruppen wurden Beihilfen zugesagt. Die Schülerherbergen
sind viel in Anspruch genommen worden. Da infolgedessen
die Kosten zu sehr gestiegen sind, soll in Verbindung mit
anderen Vereinen dahin gewirkt werden, dass die gänzliche
Befreiung der Besucher von der Bezahlung eingeschränkt werde.
Zu Werbezwecken soll eine Lichtbildersammlung angelegt, später
auch in Bernkastel eine Zentralauskunftstelle eingerichtet werden.
Die nächste Hauptversammlung findet in Mer zig statt.
Nr- 6 i il ii^Qq ei 9Q 9 Q(KicKio^ DEUTSCHLAND B eeeeeoeeeceeeeooeeeoeeeeee« 3I7
Dior Personenverkehr von Gross-Berlin erreichte
Im' ersten Vierteljahr dieses Jahres 283 Millionen. Auf das
Jahr käme also weit über eine Milliarde, mindestens X132
Milli onen, da der Verkehr im Laufe des Jahres ohne Zweifel
noch, anwächst. Von diesem Gesamtverkehr entfällt der Löwen-
antefl mit 160 Millionen auf die Strassen-, Hoch- und Unter¬
grundbahnen, 86 Millionen auf die Stadt-, Ring- und Vorort¬
bahnen und 37 Millionen auf die Omnibusse. Gerechnet sind
hier nicht bloss die Verkehrsmittel von Berlin im engeren Sinn,
sondern auch die besonderen Unternehmungen von Schöneberg,
Spandau, Köpenick, Rixdorf und dem Kreis Teltow.
Der Prem denver kehr Inder Schweiz. Im Touristen¬
besuch in der Schweiz ist, wie aus Genf gemeldet wird, wegen
der ausserordentlich günstigen Saison dieses Jahr ein Rekord
erzielt worden. Von den schweizerischen Bahnen wurden im
Monat Juni nicht weniger als 6920000 Fahrgäste befördert.
Eisenbahnwesen.
Die p.reussisch-hessische Eisenbahn- Pinanz-
gemeinschaft. Zu der Frage der preussisch-hessischen
Bisenbahn-Finanzgemeinschaft hat der Ministerialdirektor Offen¬
berg (Berlin), der mit der Durchführung des 1896 abgeschlossenen
Gemeinschaftsvertrages dienstlich in besonderem Masse befasst
war, in einer Abhandlung Stellung genommen, die wertvolle
neue Gesichtspunkte eröffnet. Die Abhandlung, die als Sonder¬
abdruck der „Frankfurter Zeitung“ veröffentlicht ist, betrachtet
jninächst den Zustand vor Abschluss des Staatsvertrages von
1896 und weist darauf hin, dass Preussen fast 20 Jahre früher
mit der Verstaatlichung der Bahnen begonnen und seine Bahnen
wesentlich billiger gekauft hatte als Hessen. Er widerlegt die
.Ansicht, als sei durch Verkehrsablenkungen im Jahre 1904 auf
den Strecken der damaligen hessischen Ludwigsbahn die Bildung
der Teilungsziffer für Hessen ungünstig ausgefallen; er betont,
dass Hessen dementsprechend einen geringeren Kaufpreis für
die Bahn gezahlt habe und erklärt weiter auf Grund vor¬
gebrachter Zahlen, dass es nicht berechtigt sei, der Gemeinschafts¬
verwaltung aus der nach Uebernahme der hessischen Bahnen
erfolgten Verkehrsumlegung einen Vorwurf zu machen. Die
Entwicklung der hessischen Rente sei bis zum Jahre 1908
günstiger als die der preussischen gewesen und die Unzufrieden¬
heit in Hessen habe in diesem Jahre des allgemeinen Nieder¬
ganges besonders lebhaft eingesetzt, weil damals die Erträgnisse
kaum zur Bezahlung der Schuldzinsen reichten. Preussen habe
in dieser Zeit ein Sinken seiner Rente um Ys verzeichnen,
während auf Hessen nur Y4 komme; dabei werde weiter
vergessen, dass der hessische Ortsgüterverkehr hinter dem
preussischen zurückstehe und dass bei der Berechnung des
Ertrages für Preussen naturgemäss eine höhere Rente heraus¬
kommen müsse, da es bei Eintritt in die Gemeinschift bereits
x^/3 Milliarden seines Anlagekapitals abgeschrieben habe. Bei
den Ansprüchen Hessens gegen die Gemeinschaftsverwaltung
komme es nicht so sehr darauf an, was Preussen aus dem
hessischen Netze gemacht habe, als darauf, was Hessen selbst
daraus hätte herauswirtschaften können. Im Vergleich mit sechs
anderen Staaten wird zahlenmässig nachgewiesen, dass Hessen
der einzige Staat sei, dessen Bahnrente im Durchschnitt des
letzten Jahrzwölfts, der Zeit der Gemeinschaftsverwaltung,
gegenüber dem Jahr 1896 gestiegen und gegenüber dem Jahr
1897 — dem ersten Gemeinschaftsjahr — wenigstens annähernd
gleichgeblieben sei, während alle Bahnen der genannten Staaten,
einschliesslich Preussen, einen Rückgang der Rente aufweisen.
Hätte Hessen die 38 > Millionen, welche die Gemeinschafts¬
verwaltung bis 1910 an Reinüberschüssen an die hessische
Staatskasse abgeliefert hat, sämtlich zur Schuldentilgung ver¬
wendet, so hätte es schon eine Abschreibung von Uber 10 Prozent
seines Anlagekapitals vornehmen können. Die hessische
Regierung hat — das erkennt Offenberg an — die Vorteile aus
dem Biaenbahnvertrag stets loyal zugegeben. Hessen sei im
Verhältnis zu seiner Einwohnerzahl reichlicher mit Bahnen aus¬
gestattet als Preussen, was auf der einen Seite als Vorteil zu
betrachten sei, auf der anderen Seite auf die hessische Staats¬
kasse nachteilig wirke, indem es eine geringere Rentabilität des
hessischen Bahnnetzes erklärlich mache. Seit dem Tiefstand
im Jahre 1908 hat sich das Erträgnis für Hessen wesentlich
gebessert; es stieg von 10,6 Millionen im Jahre 1909 auf 13,5
Bäillionen und wird 1910 voraussichtlich auf 15,2 MUlionen
Mark wachsen. Der Verfasser schliesst mit dem Wunsche, es
möchten seine Ausführungen dazu beitragen, der rein sachlichen
Beurteilung des Gemeinschafts Vertrages im hessischen Volke
Raum zu schaffen, damit der Vertrag wieder das werde, als
was er gedacht war: ein Band zwischen Nord und Süd.
Arbeitersonderzüge zum Besuch der Posener
Aixastollung. Der Bisenbahnminister hat sich bereit erklärt,
auf Antrag von Werksleitungen Arbeitersonderzüge zur Er¬
leichterung des Besuchs der Ostdeutschen Ausstellung in Posen
abzulassen, soweit es die Rücksichten auf die ordnungsmässige
Bewältigung des allgemeinen Verkehrs gestatten. Zu diesen
Sonderzügen werden Rückfahrkarten zum Preise von 1,5 Pfg.
für das Kilometer verausgabt werden, die für die Hin- und
Rückreise nur mit den Sonderzügen berechtigen. Voraus¬
setzung für die Gewährung der Vergünstigung ist, dass die
Beförderung in geschlossenen Gruppen unter Führung erfolg^,
die Anmeldungen hierzu spätestens acht Tage vorher geschehen
und mindestens 250 Personen auf einen Sonderzug vereinigt
werden. Die Ausstellung gewährt diesen Besuchern ganz
bedeutend ermässigte Eintrittspreise, weshalb man hoffen darf,
dass die Werke gern und reichen Gebrauch von dieser Ver¬
günstigung mach-‘n werden. Uebor die Finanzlage der Ost¬
deutschen Ausstellungen wird von zuständiger Seite mit¬
geteilt, dass die Ergebnisse bisher so günstige sind, dass, wenn
nicht ganz aussergewöhnliche Umstände eintreten, es nicht
notwendig sein wird, die Garantiefondszeichner heranzuziehen.
Eröffnung einer neuen Gebirgsbahn. Die Amt¬
liche Auskunftstelle der Königlich Bayerischen Staatseisenbahnen
im Internationalen öffentlichen Verkehrsbureau in Berhn W 8,
Unter den Linden 14, teilt uns mit: Am 14. August ds. Js. wird
die neugebaute, für den Reise-Verkehr hochbedeutsame Bahn
Schliersee — Bayrischzell teilweise bis zur Station Fisch¬
bachau in Betrieb genommen. Der Rest der Strecke gelangt
voraussichtlich am i. Oktober ds. Js. zur Eröffnung. Diese
Bahn erschliesst ein landschaftlich hervorragend schönes Gebiet,
erleichtert wesentlich die Besteigung der Hochwarten der
Schlicrseer Alpenwclt, des Wendelsteins, der Rotwand, der
Brecherspitze, der Bodenschneid usw. und macht ein geradezu
ideales Wintersportgebiet in erhöhtem Masse zugänglich. Die
Eröffnung dieser neuen Linie wird in Touristeakreisea freudig
begrüsst werden.
Versuche mit Schnellzugwagen. Während man
bisher bestrebt war, durch Vermehrung der Achsen eine ruhigere
Laufart der Schnellzugwagen herbeizuführen, will dies die
preussische Staatsbahnverwaltung jetzt auf einem ganz anderen
Wege erreichen. Nach einem Erlass des Ministers der öffentlichen
Arbeiten werden demnächst auf der Strecke Berlin—Cassel—
Frankfurt a. M. und auf einigen anderen Linien Fahrversuche
mit D-Zügen vorgenommen, bei denen die Wagenräder mit
einem erweiterten Spielraum von 20 Millimeter zwischen den
Schienen versehen sind. Bekanntlich passen die Wagenräder
nicht genau auf die Schienen, sondern sie haben zur leichteren
Ueberwindung von Krümmungen einen Spielraum nach der
Saite, der zurzeit 10 Millimater baträgt. Mit der Erweiterung
der Fahrspur hofft man zu erreichen, dass der Lauf der
Wagen ruhiger wird. Schon vor einigen Monaten hatte die
Bahnverwaltung auf der Strecke Berlin —Cassel—Frankfurt a. M.
in einem D-Zug-Paar je einen derartigen Wagen laufen lassen.
Diese Versuchswagen zeigten jedoch keine bessere Gangart als
die gewöhnlichen. Man führt dies aber darauf zurück, dass in
die Züge immer nur ein einzelner derartig ausgerüsteter Wagen
eingestellt und beobachtet wurde, wobei es nicht ausgeschlossen
ist, dass dieser Wagen durch den unruhigen Lauf der übrigen
Wagen ungünstig beeinflusst worden ist. Deshalb sollen nun¬
mehr sämtliche Wagen verschiedener Zugpaare mit dem er¬
weiterten Spielraum ausgestattet und längere Zeit hindurch be¬
obachtet werden.
Neue internationale Bestimmungen für Per¬
sonen- und Gepäck verkehr. Ueber die Bestätigung der
neuen Beschlüsse auf der internationalen Konferenz zur Aus¬
arbeitung eines internationalen Uebereinkommens für Personen-
und Gepäckverkehr wird mitgeteilt: Die Bestätigung des Ueber¬
einkommens und sein Inkrafttreten wird noch einige Zeit
in Anspruch nehmen, da es in den beteiligten Staaten erst von
den parlamentarischen Körperschaften genehmigt werden muss.
Von allgemeiner Bedeutung ist die Vorschrift, dass Ausnahmen
zugelassen werden sollen von der Verpflichtung der Reisenden,
der zollsteueramtlichen und polizeilichen Abfertigung des Reise¬
gepäcks auf den Grenzstationen persönlich beizuwohnen. Auch
hat die Konferenz eine Entschliessung angenommen, in der die
Staaten ersucht werden, möglichst weitgehende Erleichterung
in dieser Beziehung eintreten zu lassen. Wichtig ist ferner die
Bestimmung, dass für die vorübergehende Aufbewahrung von
Reisegepäck auf den Eisenbahnstationen künftig im ganzen
Gebiete des Uebereinkommens die Eisenbahnen nach Massgabe
der landesgesetzlichen Bestimmungen als Verwahrer zu haften
haben. Ueber die MindestgUltigkeitsdauer der Fahrkarten wurde
beschlossen, dass bei einfacher Fahrt für je 150 Kilometer ein
Tag, bei Hin- und Rückfahrt bis 100 Kilometer vier Tage, für
je weitere 100 Kilometer zwei Tage in Betracht kommen sollen.
: /•
318 B B e oQQQQOQQQoeQQQOooQQQOQöQQ g] DEUTSCHLAND i pcoececeeeeeeeccecooeoee e a l Nr. 6
Eine ganze Reihe von Bestimmungen für den internationalen
Reiseverkehr, der bisher unter der Buntscheckigkeit der Vor¬
schriften der verschiedenen Länder und der Tarife beeinträch¬
tigt wurde, ist nun einheitlich geregelt worden. Ein grosser
Teil dieser Bestimmungen lehnt sich eng an die der deutschen
Eisenbahn- und Verkehrsordnung an. Hierzu gehören die Be¬
stimmungen Uber Beförderungspfiicht, Begriff des Reisegepäcks,
Haftung für Schadenersatz bei Verlust, Verminderung usw. des
Reisegepäcks und Haftung für Ueberschreitung der Liefer¬
frist. Die Bestimmung über die Fahrpreisermässigung für Kinder
ist sogar noch erweitert worden, um in einzelnen Staaten die
Beibehaltung noch günstigerer Bestimmungen, als sie in der
deutschen Ordnung vorgesehen sind, zu ermöglichen.
Die erste grosse Gesamtdarstellung des deut¬
schen Eisenbahnwesens sowie der technischen Einrich¬
tungen, des Verwaltungs-, Verkehrs- und Finanzwesens wird
demnächst erscheinen. Das Werk, das unter Förderung des
preussischen Eisenbahnministers, des bayerischen Verkehrs¬
ministers und der übrigen deutschen Eisenbahnzentralbehörden
zustande gekommen, ist redigiert vom Geh. Oberregierungsrat
Hoff, dem Präsidenten des Eisenbahnzentralamts in Berlin.
Das gesamte Werk zerfällt in 39 Abschnitte, von denen jeder
ein besonderes Gebiet des deutschen Eisenbahnwesens behandelt.
Eine Abteilung ist auch den Eisenbahnen in den deutschen
Kolonien gewidmet und vom Geh. Oberbaurat im Reichskolonial¬
amt Balzer bearbeitet. Das Werk begegnet dem grössten Inter¬
esse der fremden Eisenbahn Verwaltungen. Es wird darum
zugleich in englischer, französischer und spanischer Sprache
erscheinen. Die japanische Regierung hat bereits eine grössere
Anzahl der Werke in englischer Sprache bestellt.
Luftschiffahrt.
Das Denkmal für die bei Leichlingen verun-
glückten Luftschiffer, das am Jahrestage der Katastrophe
(13. Juli 1911) enthüllt wurde, ist von der Rheinisch-Westfälischen
Motorluftschiff-Gescllschaft und dem Niederrheinischen Verein
für Luftschiffahrt gestiftet und besteht aus einem auf einem
Granitsockel ruhenden,'aoo Zentner schweren Granitblock. Vor
dem letzteren liegt ein Adler zu Tode gestürzt, der in seinen Fängen
einen Lorbeerkranz festhält. Eine Bronzeplatte trägt die Inschrift:
13. Juli 1910.
Himmelan ging Euer Flug,
Wie der Aar der Sonne entgegen.
Ach, ein widrig Geschick
Stürzte Euch jählings herab.
Zum Gedenken an
Oscar Erbslöh, Max Toelle, Rudolf Kranz, Hans Leo Höpp,
Josef Spicks.
Errichtet von der
Rheinisch-Westfälischen Motorluftschiff-Gesellschaft und dem
Niederrheinischen Verein für Motorluftschiffahrt.
Das Denkmal ist entworfen von Professor Janssen in Düssel¬
dorf. Inmitten der prächtigen, waldreichen Umgegend, gegen¬
über der Luftschiffhalle, steht das Denkmal da als Zeichen der
Dankbarkeit für Männer, deren Tatkraft bis heute noch nicht
zu ersetzen gewesen.
Die Zusammenstellung derGewinne beim
Deutschen Rund fl ug ist jetzt erfolgt, nachdem auch die
Ergebnisse des Ueberharzfluges sowie der Wettbewerbe in
Nordhausen und Halberstadt Vorlagen. Von den rund 400 000 Mk.,
die ausser den Ehrenpreisen und Dauerpreisen zur Verfügung
standen, gewann der Sieger des Rundfluges König den Haupt¬
anteil mit etwa 90000 Mk. inkl. der Summe, die vom Kriegs¬
ministerium für den Ankauf des erfolgreichsten Apparates aus¬
gesetzt worden war. An zweiter Stelle steht Vollmöller mit
79615 Mk. Büchner, der dritte Preisträger, brachte es auf
47890 Mk., Lindpaintner auf 32511 Mk., Wiencziers auf 26673 Mk.,
Hirth auf 20250 Mk. und, wenn man auch bei ihm die kriegs¬
ministerielle Summe für den Ankauf des von ihm benutzten
Ettrich-Rumpler-Apparates anrechnet, auf 48250 Mk. Es folgen
dann Dr. Wittenstein mit 19 046 Mk., Eyring mit x8117 Mk.,
Thelen mit 16557 Mk., Schauenburg mit 14494 Die übrigen
Teilnehmer am Rundfluge sowie an den örtlichen Wettbewerben
gewannen Summen von 7845 Mk. bis herab auf 48 Mk. Nach
Firmen geordnet, haben die Apparate der Luftverkehrsgesell¬
schaft mit den Fliegern König, Laitsch, Wiencziers und
Eyring (Albatros-Zweidecker resp. Moräne-Eindecker) zusammen
139 623 Mk. gewonnen. Auf Ettrich - Rumpler - Eindecker ver¬
dienten Vollmöller, Hirth und Marine-Ingenieur Loew 128 656 Mk.
Auf Aviatik-Zweidecker brachten es Büchner, Lecompe, Schmidt
und Jeannin zusammen auf 48467 Mk. Auf Grade-Eindecker
verdienten Roever, Schall, Noelle, Treitschke und Schwandt
zusammen 19200 Mk., während Hoffmann und Jahnow auf
Harlan-Eindecker 11342 Mk. gewannen. Die Übrigen Preise
entfallen auf verschiedene Maschinen.
DerSiegerdesenglischenRundfluges Beaum ont
(Schiff-Leutnant Conneau) hat in der letzten Zeit nicht weniger
als eine halbe Million Frank an Preisen gewonnen.
3026 Kilometer in der Luft. Das Luftschiff „Schwaben**
machte am a. August von Baden-Baden aus seine 25. Passagier¬
fahrt, seitdem es in die Hände der Delag übergegangen ist. Auf
diesen 25 Fahrten wurden ausser seiner Besatzung von durch¬
schnittlich 10 Personen im ganzen 360 Personen durch die Lüfte
getragen. Die Dauer einer Fahrt betrug durchschnittlich zwei
Stunden, insgesamt 57 Fahrtstunden. Es wurde eine Gesamt¬
strecke von 3026 Kilometern zurückgelegt, was einer durch¬
schnittlichen Geschwindigkeit von 53 Kilometern in der Stunde
entspricht. Zu bemerken ist, dass in der Regel nur mit zwei
Motoren gefahren wurde, und dass einzelne Fahrten bei recht
ungünstigen Wind- und Wetterverhältnissen stattfanden. An
obiger Fahrt nahm der französische Sportsmann Graf de la Vaulx
teil, der am Schluss erklärte, aus einem stets ehrlichen Bewunderer
sei er ein begeisterter Schwärmer für das Luftschiff des Grafen
Zeppelin geworden. — In der zweiten Augusthälfte soll das
Luftschiff „Schwaben“ seine Passag^erfahrten wieder in Düssel¬
dorf aufnehmen.
Wettfahrt zwischen P-Luftschiff und Schnell-
zug. Eine sehr interessante Wettfahrt spielte sich kürzlich auf
der Strecke Venedig—Mailand ab, als zu gleicher Zeit der
Mailänder Schnellzug und das Militärluftschiff P II Venedig
verliessen. Das Luftschiff blieb zwar während der Fahrt etwas
zurück, holte aber den Schnellzug während des Aufenthaltes in
Mestre und Padua ein. Später verschwand das Luftschiff in
den Bergen, während der Zug Mailand zueilts.
Schiffahrt.
Die Rauchverminderung auf dem Rhein. Gelegent¬
lich der Hauptversammlung des Rheinischen Verkehrs-
Vereins in Mainz hat der zum Ehrenmitglied des Vereins
ernannte Oberpräsident der Rheinprovinz, Staatsminister Frei¬
herr von Rheinbaben, erklärt, dass er für die Rauch¬
verminderung auf dem Rhein im Sinne des Vereins tätig sein
wolle. Wie jetzt aus Coblenz gemeldet wird, hat der Ober¬
präsident zur Erörterung der Frage, wie der Rauchplage auf
dem Rhein abzuhelfen sei, eine Versammlung von Sach¬
verständigen nach Köln berufen, die am 28. Oktober im
dortigen Regierungsgebäude zusammentreten soll. Sie wird
sich aus Reedern, Schiffs-, Maschinen- und Kessel-Ingenieuren,
Gewerbeaufsichts- und Dampfkessel-Ueberwachungsbeamten zu¬
sammensetzen. Für die Beratung ist vom Oberpräsidenten vor¬
läufig folgende Tagesordnung vorgesehen: i. Bericht der im
Jahre 1904 ernannten Kommission zur Prüfung der Frage der
Rauchverminderung; 2. Mittel zur Verminderung der Rauch¬
entwicklung: a) maschinelle (besondere Einrichtung der Feuerung,
Einbau von Apparaten zur Niederhaltung des Dampfes usw.);
dabei wird zu erörtern sein, ob die Einrichtungen in bestehende
Dampfer eingebaut oder nur bei Neubauten verwendet werden
können; b) Brennmaterial (Qualität der Kohlen, anderes Brenn¬
material als Kohlen); c) Heizer (Vorbildung, Anleitung in der
Bedienung des Feuers, Vermeidung des häufigen Wechsels des
Personals); d) Anpassung der Schleppleistung an die Maschinen¬
stärke, also Vermeidung der Ueberanstrengung der Dampfer;
e) Rücksichtnahme auf die Oertlichkeit.
Ausstellungen
Das Bad in der Hygiene-Ausstellung.
Die Heilquellen sind die natür¬
lichen Coraposita Gottes. Sie sind
vollkommener an Tugend und
Kraft, denn alles andere.
(Paracelsus.)
Die Entwicklung des Badewesens führt uns die Dresdner
Hygiene-Ausstellung in einzig dastehender Weise vor. Während
wir in der Historischen Abteilung sehen, wie bereits im Mittel-
alter grosse Badefreudigkeit herrschte, wo jung und alt, reich
und arm Badereisen machte, bis der Dreissigjährige Krieg und
das Ueberhandnehmen der Seuchen dem ein Ende bereitete,
wird uns in der Halle für Bäder und Kurorte links vom Haupt¬
eingang das Badewesen in seiner jetzt bestehenden hoch¬
differenzierten Form vorgeführt, ln wundervollen Dioramen
ziehen an unserem Auge die bedeutendsten Badeorte der Welt
' Nr.jy»^^9a pci0QQQQ9QQ0QQ0QQQ 99999aa DEUTSCHLAND g)o e cooooe€)oooeooce 0 ooocicc e 8 ei 319
vorüber, eine hygienische Heerschau, wie sie imposanter nicht
gedacht werden kann. Kein Besucher der Hygiene-Ausstellung
sollte es versäumen, diese interessante Abteilung zu besuchen,
um sich über die Vorzüge der einzelnen Bäder zu unterrichten.
Der Fachmann findet in der wissenschaftlichen Abteilung ein
von Professor Kionka (Jena) in vorbildlicher Weise zusammen¬
gestelltes wissenschaftliches Material, das Aufklärung über
baineologische Probleme in leicht fasslicher Weise gibt. Es ist
natürlich unmöglich, hier alle die zahlreichen Aussteller einzeln
zu nennen. Das Königliche Bad Elster führt uns die muster¬
hafte Einrichtung seiner Räume für Moor- und Reinigfungsbäder
in natura vor. Das Weltbad Karlsbad repräsentiert sich in
einem dunkel gehaltenen geschmackvollen Aufbau. Weiter sehen
wir Wiesb a den mit einem schönen Modell des neuen Kurhauses;
das Moor- und Damenbad Franzensbad; Marienbad mit
seinen berühmten Waldpromenaden; Baden-Baden; die
Fürstenbäder Pyrmont (für „Blutarme**) und Wildungen
(für Steinreiche); Teplitz mit neuem Radium-Emanatorium
der Quellgase; das Gichtbad Salzschlirf (mit hübschen Photo¬
graphien vom Besuch der Königin Carola herrührend); das
Solbad Kreuznach mit den aus dem Quellsinter hergestellten
Radiumpräparaten usw. Von den grösseren Sanatorien sind
vertreten: Dr. Lahmanns Sanatorium „Weisser Hirsch** mit
interessanten Stoffwechselpräparaten aus dem physiologischen
LfSboratorium unter der Leitung von Professor Kraft und
von Zimmermannschen Stiftung in Chemnitz (Leiter: Chefarzt
Dr. Loebell). Von Mineralbrunnen sind zu nennen: Apollinaris¬
brunnen in Neuenahr, Biliner Sauerbrunn in Bilin, Reinhards¬
quelle in Wildungen, Brambacher Sprudel, Briesnitzer Friedrich-
August-Quelle usw. Deutschen Fango zu radioaktiven Schlamm¬
bädern zeigen Eifelfango - Gesellschaft (Neuenahr) und Gräflich
Wolff-Metternichsche Fango-Verwaltung auf Schloss Gracht bei
Liblar, ln friedlichem Wettbewerb mit den natürlichen Kur¬
orten demonstrieren einige Fabriken ihre künstlichen Bäder für
Hausgebrauch und Nachkuren. In erster Linie ist hier die
geschmackvolle Ausstellung der Firma Max Elb, G. m. b. H.
(Dresden) mit den bekannten Dr. Zuckerschen Bädern (Dr. Zuckers
Kohlensäurebäder „mit den Kissen**, Biox-Bäder, Silvana-Bäder)
zu nennen, die bekanntlich über die ganze Welt Verbreitung
gefunden haben und in beleuchteten Glaswannen sehr instruktiv
vorgeführt werden, dann die Radiogen-Gesellschaft und Radium-
Aktien - Gesellschaft mit Radiumapparaten, Emanatoren usw.
Die Firmen Moosdorf und Hochhäusler (Berlin) und Thier¬
gärtner, Volz und Wittmer (Baden-Baden) zeigen Badeeinrich¬
tungen und gesundheitstechnische Apparate für Sanatorien und
Kurorte. Den Inhalt der wissenschaftlichen Abteilung zu be¬
schreiben, würde zu weit führen. Folgende Abteilungen geben
ein ungefähres Bild ihrer Reichhaltigkeit: Mineralquellenanalyse,
Radium, Mineralquellen fassung, Balneologisch-chemisches
Laboratorium, Geologie der Mineralquellen, Mineralquellen¬
produkte, Geographische Verteilung der Mineralquellen,
Wirkungsweise der Mineralquellen, künstliche Bäderpräparate,
Ausstellung der Königlich Sächsischen Landes-Wetterwarte.
Kurz, die glänzende Zusammenstellung auf der Internationalen
Hygiene-Ausstellung ist dazu berufen, die Kenntnis der Bäder-
wissenschaft in die breitesten Schichten zu tragen. Dr. Rk.
Ausstellung von Photographien des Bergischen
Landes in Barmen. In der vom Verkehrs-Verein veranstalteten
Ausstellung von Photographien des Bergischen Landes erfolgte
die Preisverteilung. Je eine silberne Medaille der Stadt Barmen
erhielten der Verein für Liebhaber-Photographie Barmen für
seine'Kollektiv-Ausstellung und Max Michaelis (Barmen) für seine
Gesamtleistung einschl. der ausserhalb der Kollektiv-Ausstellung
ausgestellten Bilder; die bronzene Medaille der Stadt Barmen
Friedr. Röder (Barmen) für seine Gesamtleistungen einschl. der
ausserhalb der Kollektiv-Ausstellung ausgestellten Bilder. Die
Leistungen der Herren Michaelis und Röder waren dem Charakter
der Ausstellung entsprechend als gleichwertig befunden und die
Verteilung durch das Los entschieden worden. Die vier gleich
zu bemessenden Preise, von denen drei der Verkehrs-Verein und
einen der Verein für Berufsphotographen gestiftet hatte, wurden
unter die Herren Paul Lemperts und Friedrich Schleg^tendahl (beide
Barmen), Joh. Müller (Elberfeld) und Herrn. Cleffmann (Voh¬
winkel) verteilt. Mit Diplomen für hervorragende Leistungen
wurden bedacht die Herren Herrn. Bäumer, Max Luhn, Gust.
Köttgen, Dr. Sprenger, C. Idelberger (sämtlich Barmen), Walter
Berga (Krefeld), der Verein für Liebhaber-Photographie des
Barmer Gymnasiums und die Handwerker- und Kunstgewetrbe-
schule Barmen. Lobende* Anerkennungen wurden zuerkannt
Gust. Schirp (Vohwinkel), Gust. Schenk (Remscheid) für Volks¬
typen und Heinrich Schwarz (Barmen) für Bilder aus der ein¬
heimischen Vogel weit.
Ein Wandermuseum für Kunstgewerbe. Ein
interessantes und verdienstvolles Unternehmen wird demnächst
in der Schweiz seine Wirksamkeit beginnen: Der Direktor der
Züricher Gewerbeschule, M. de Praetere, organisiert
gegenwärtig ein grosses Wandermuseum für Kunstgewerbe, das
bestimmt ist, den Handwerkern der kleinen Provinzstädte an¬
schaulich vor Augen zu führen, was das moderne Kunstgewerbe
hervorbringt. Das Wandermuseum umfasst eine grosse, leicht
auseinander zu nehmende Halle, die 45 Meter lang und 40 Meter
breit ist. Das Gerüst besteht im wesentlichen aus Eisen, und
die Wanddekorationen sind sehr einfach gehalten. An der
Ausaenseite dieses Gebäudes können leicht Glasschränke auf¬
gestellt werden, in denen Kunstgegenstände zur Ausstellung
kommen; das Innere der Halle gliedert sich in vier Abteilungen,
die je eine besondere Ausstellung vor Augen führen werden.
Eine Reihe von Automobilen wird bei den Gastspielfahrten des
Museums die Ausstellungsgegenstände, in denen alle Zweige
des Kunstgewerbes vertreten sind, von Ort zu Ort befördern.
Bäder und Sommerfrischen.
Bad Kudowa hat sich in den letzten Jahren zu einem
Kurort ersten Ranges mit internationalem Charakter entwickelt,
da aus allen Gegenden der ganzen Welt Kranke herbei¬
strömen, um hier Heilung von ihren Leiden zu finden. Auf
dem Kurplatz, in den Anlagen und auf den Strassen herrscht
ein frohbewegtes Leben und Treiben, besonders während der
Konzerte, oder abends, wenn eine Illumination der gesamten
Anlagen oder des Schlossberges das Bad und seine nächste
Umgebung wie in Zauberlicht getaucht erscheinen lässt. Der
Umstand, dass täglich bis zu 2000 Bäder verabreicht werden,
dürfte wohl besser für die ausgezeichnete bewährte Heilkraft
der Kudowaer Quellen, besonders bei Herz-, Blut-, Nerven-
und Frauen-Krankheiten, sowie Rheumatismus, Gicht, Nieren-
und Blasenleiden sprechen, als es schöne Worte vermöchten.
Bad Salzbrunn übt mit seiner schönen Lage und seinen
herrlichen Anlagen nicht nur auf Kurgäste, sondern auch auf
Vergnügungsreisen de, Kongressteilnehmer usw. eine grosse An¬
ziehung aus. Ausser 6800 Kurgästen mit Begleitung und
6080 Passanten haben bis zum 20. Juli 40668 Tagesbesucher
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Gtkl^eihb^äV ge bi^ in die Nähe ihier Wohnüng au fahren
öäftf W dort nufstu steifen; Für die mit Dampf er
m Swincrtäü^^ reffenden Gä^te fäll t die □ nangepehme Mog-
Ucshkett löFtitien Anschlussaug nach Ahibeck i:U verpassen und
ebfet>^h' daft dtüT^it Verbünden^ Husten durch die Städb Dazu
isft d^r für die kleineren Gep^äckstÜcke, die jeder eern
bdi ^ich' häh ^ aro Keiaeakl pngelangt ist, nnnöiig
woTtlerp Ahob btaucht iijap nicht *u WAiten, bis frie endlich
diitth: dih BjtvjdUeiir Min nimmt dergleichen Am
DAtnp fär mit, in d en Om ni bu9 und hat n lies nach; kür Z eh
ihV'deh; W<?hhhh^^^
,0er;B-t äö d des Kofhän&e ö in Py rhtöoV .arm i* Augn^t
hat nSa<^ e^histr MiKhit uhg der Küi di rekho ö d;as Kürha uä und
das Kufholet antn Teil jsembru Dis tjf$ 4 dhe de^ Bmndiss
ist tc^mntiieb, Saibatientiiindting ihlolgc der überm ässigen
Hitze. per ßadebetdtb lyifd hl^batd ln vollem Umfang:
wieder nüfgennnirodctv da Öb^E Badekabtnen Unbeschädigt
ge blieben s m d, ebeheo dae I n hakt of i um ’ D tt. ü br ig e K u r- u n d.
Badebetrieb erleidet keioe Umefhrpchtiirig. — Nach amtlicher
FesrstelJung ist der Brand der FdrbUlciaen Kurgebändc dnreb.
Sei b »ten t k ü n du n e von rfmoit^^ deck ejg e ntsi^vn hI e n ^
. P & s 0y & h 4 - I ^ M H h c h eit «Shit
ätu: d*ü[; 'vöfiteh uiid m o di^n^ftetL Hotelia d er bayerischeo
Hanpratadf, 0 *^ Hotei Tkgt an 4eh herrhishen
Äiilögesj, dem vornehtKÄtehi edhtg^an tsttd Ifrekstcn TeiSa 4 i!f
Sta dst: Seine Eciiferhhh g vo n dv:ti T heaterrii 4eni öUkpjilÄiie^
der St^efe^siao, der Giyptotheki den Pioatortheken ‘und dtin
tneisten übrigen Sehenswürdtgkeitien beträgt in allen PäUen nnr
einige Minuten- Dk äussere Blfscheinttng wird bestimmt diindi
ewei mächtige^ sehlossarüge Fronten in den edlen Formen eines
sp äte n L. o uis X V1., wel ch cn b r^iibT pfl itehg e sch m Ück te Terrassen
vorgelagert sind. Die innere EEorichiutig stellt oacli den durch¬
greifenden Umbauten, die in den Jabrect 1905/06 Und 19.10 utifer
der Leitung erster MUncheoer KütistUfr vof^homuiEu wurdtme
ge Leiste Münchener KunÄt^wefbes d^t
und i^ctja^ficht in bearug auf Bej^uemli^hketr, Oysüfttthcjt and
4ii;5^i;^4v4ck''-den-^ Ahforde.iü.ngy£j-. D'ie'.G6öei4c^h>ft3=^.
/Ä4^ö(i-e,;T;4it-'.?rstof'.’0iote: dey-' KpAvefSÄitooss^aairmli:-jips'tn^ndeca
Ma^i^albiJi.Schßpfun dm ArchUekteo Ino A^CampheLl^^ fj-ogeo
e)'les<stje^^ Efeg.ain?! ..urid 4bcf|ege!^er kÜpKiteriacbcf
CJ^ Ai i ii ü4d wählen zu d e n S&heti sw ü td igk eJTkh dkt Äta dt' Deds
Gartbnlipfe, der in deo Sömmsv^UJonaT^p als Rahmen fÜT eip
voruehmES geselliges Leben dient, wnrdö in arbhitekiotsi*Ktser
uifiil gärtnerischer Hinsicht etiie be^anreiche Und sümmiiögS''
volle Durchbdijanfi gegeben-
Verschiedenes.
Fg a i;;,s p.4;Ä _ M tX jn ei’i ci: ti ' iip-.t li-V- _ Dj* weltberühmten,
, Festn^üiftuitfungen. yün Meisterwerken Richard
, ■ Tliid Mb^rts Münch ein hub^&n Ende Juli ihren
3^.lich ip diesem Jahife ein vor^
F«blikum nach dt-r HAuptsiadi |0Ä;yerna
für dia^e Feetspiele sind
.■ ^pAeihüf.hPß.-. Mid': ■'■■:;ytih':-- der.Arn14-^heii:A^us^kuhftsielle der
Kft!!i,l*hirb Stia*'^"!r.c^WsT>hhh-.rtS'.^n:' .i^.. Iptemntiicinalcn
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i %i T'JrfLtrtT tjrtlf. C*f j dy) - T' hü fi 'fH ' Ifjölkit -% F r^\
r^'thd 0^ k bhjRöft^
Stfentlichen Verkehrsbureau in Berlin W 8, Unter den Linden 14,
'an Interessenten bereitwilligst kostenlos abgegeben.
Die erste Zuwendung für das geplante Rhein-
schiffahrtsmuseum. Die zu Anfang dieses Jahres von
der Zeitschrift „D e u t s ch 1 a n d‘^ angeregte Frage der Er¬
richtung^ eines Rheinschiffahrtsmuseums ist auf fruchtbaren
Boden gefallen. Wie bereits durch die Presse mitgeteilt worden
ist, bringt namentlich der Herr Regierungspräsident Dr. Kruse
dem Plan grosses Interesse entgegen. Auf seine Veranlassung
sind wnächst im Kunstgewerbe-Museum zu Düsseldorf zwei
Räume für die Sammlung zur Verfügung gestellt worden, mit
der Herr Direktor Robert Visser in Büderich den Anfang
gemacht hat, indem er durch die Redaktion unserer Zeitschrift
das Modell eines der älteren Dampfer der Köln-Düsseldorfer
Gesellschaft, der „Stadt Bonn**, geschenkt hat. Das Modell
wurde seinerzeit von dem Vater des Stifters angefertigt, der
Idnge Jahre Kapitän bei der Köln-Düsseldorfer Gesellschaft
war. Das etwa 70 Zentimeter lange Modell bildet bis in die
kleinsten Einzelheiten eine genaue Wiedergabe des Dampfers
„Stadt Bonn**, der in seinen Einrichtungen zum Vergleich mit
den modernen Rheindampfern herausfordert, die natürlich eine
Reihe von ■ Veränderungen und Verbesserungen aufweisen. —
Es wäre zu begrüssen, wenn nunmehr weitere Zuwendungen
für das Rheinschiffahrtsmuseum folgen würden.
Einen Wettbewerb zur Erlangung eines Bebauungs¬
planes hat die Stadt Düsseldorf im Inseratenteil der vorliegen¬
den Nummer ausgeschrieben. Es handelt sich hierbei um ein Aus¬
schreiben gprossen Stiles, dessen Lösung den Forderungen des
Verkehrs, der öffentlichen Gesundheit, der Wirtschaftlichkeit und
der Schönheit auf Jahre hinaus genügen soll. Das Projekt
werden wir in einer der nächsten Ausgaben eingehender würdigen.
Errichtung einer Akademie für kommunale
Verwaltung in Düsseldorf. Die Stadtverordneten-Ver¬
sammlung zu Düsseldorf hat am 25. Juli auf Grund einer vom
^Beigeordneten Dr. Most ausgearbeiteten Denkschrift dem Vor¬
schläge der Verwaltung auf Errichtung einer Akademie für
kommunale Verwaltung zugestimmt. Die neue Hoch¬
schule wird die erste und einzige ihrer Art in Deutschland
sein. Anregung zu ihrer Errichtung boten die Ausführungen
des Bonner Universitätsprofessors Dr. Stier-Somlo auf dem
Rheinischen Gemeindetag vom 19. Juni igii, wo der Gedanke
zur Gründung einer solchen Anstalt von allen Seiten auf das
lebhafteste begrüsst wurde. Die Akademie bezweckt die Aus-
büdung leitender Kommunalbeamten, also insbesondere künftiger
Stadt- und Landbürgermeister auf der Grundlage hochschul-
mässigen Unterrichts, der einerseits die für den Kommunal¬
beamten wichtigen Rechts- und Wirtschaftsmaterien, andererseits
die verschiedenen Gebiete der kommunalen Praxis berücksichtig^.
Die Studiendauer soll zwei Semester umfassen. Ein eingehender
Lehrplan wird demnächst veröffentlicht werden nebst den Namen
der Dozenten, die teils Universitätsprofessoren, teils Praktiker
sind. Ueber die Aufnahmebedingungen geben die Satzungen
der Akademie genaue Auskunft. Sie sind vom Direktorium
der Akademie (Adresse: Oberbürgermeisteramt
Düsseldorf) kostenlos zu beziehen, wo auch jede Aus¬
kunft erteilt wird. Die neue Hochschule erfüllt zweifellos ein
dringendes Bedürfnis; fehlt es doch bislang in ganz Deutsch¬
land an einer Studienanstalt, wo solche Männer eine gründliche
theoretische Ausbildung in den Fragen des kommunalen Lebens,
wie auch einen allgemein umfassenden Einblick in dessen Praxis
gewinnen können, die, ohne etwa die Befähigung zum Richter¬
amt oder höheren Verwaltungsdienste zu besitzen (für die Tech¬
niker gilt mutatis mutandis das gleiche) sowohl geneigt als
ihren Eigenschaften nach imstande sind, leitende Stel¬
lungen in der Stadt- und L a n d g e m e in d e v e r w al-
tung zu übernehmen. In einer Zeit, in der das kommunale
Leben eine schlechthin beispiellose Entwicklung vollzogen hat
und damit jede Gemeindeverwaltung vor Aufgaben so vielseitiger
und schwieriger Natur stellt wie vordem auch nicht in an¬
nähernder Weise, ist es nur natürlich, dass auch in diesen Kreisen
je länger je mehr der Wunsch laut und brennend geworden
ist, eine gründliche fachliche Ausbildung geniessen zu können.
So soll die Akademie für kommunale Verwaltung allen An¬
wärtern auf solche Posten die nötige Ausbildung gewähren:
bereits im Amt befindlichen Kommunalbeamten, die sich zu
Höherem ausbilden wollen, ferner insbesondere Referendaren,
beflissenen und inaktiven Offizieren, die ja heute einen beson¬
ders grossen Anteil für diese Posten stellen; weiter werden
Nationalökonomen und Techniker, die gegenwärtig mehr als
jo den Anspruch auf Mitwirkung in der Leitung kommunaler
u=
Sorgenlos
J^^iSCbUlcftc nahezu allen Eisenbahn-
_ bßrßchtiaen dßn Inhaber zu iealicher Ai
und ohne Beschwerden zu reisen, ist wohl das Bestreben eines jeden, und zweifelsohne ist kein Gebiet so auf sach- und fachgemäßen Rat
angewiesen wie gerade das Reisewesen, wenn allen Neuerungen und Einrichtungen im Gefolge des modernen Verkehrs Rechnung getragen
werden soll. Auf Grund einer 70jährigen und erfahrungsreichen Tätigkeit auf diesem Gebiete ist die Firma THOS. COOK & SON in der
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VerwalmQgBTf eibebeni dife Möglfchfe^st jii emäi Sp^jÜausbüdüTif
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Feruec feijtDTneG ^mehnebeu aadjer^'ü Persän^mkr^Ssiaeii AbiiU'
Heuten höherer Lithrdnstalten iri Besrachti; für die »^cb th detr
Ak^denxie für kommÜniU Verw^ltufr^ der Aüägäfigspuokt
eine gaajt neue LrS(un7ä.bri nndt ÄTig^sichts der ÜeberfUlluttg der
weiteren Senatjgen Akadetniscben Berufe, euch ^uaaiehtyreiche
Lsufbahu eröffnet. Die Entwieldung der neuen und neirArtigen
ijtocbiachule/ die in I>Ü5»eldorfr wo bereit» «ine Verwaltung^-
bcamtenachule fUr mittlere KtunmuttaJbeuitite und eine PoH/ei-
mchule für den Pßlizeidienst beatehcu, gerade am recbteo piatae
wird xhari mit. Interesse i^erfolgen dürfen. Zutn Studien-
lesH er dieser Akademie Ut der bekannte Umversit^tiji^Friofesaor
Dr. Stier-Somlb in Bnun berufen Wordinv
Bin« l hier es eftute Grü n d ung. Oie genofis^scbaft-
^'^he Organis^tinnsform erobert sieb immer neue Gebiete de»
Wrrtsehaft^ebens, Ein besohdcra lehrreiches Beispiel dafür
^jeiet das San^orbim und Erholutigab6rm' Finkeumühle* da»
'^öm bisherigen Beeilter, Herrn Dr. HoIZt m eine Genosaen“
. 5>,chaft mit bea^hrärikter Haftung darcbaus geraeininUüdg^n
Charakters nmgewahdclt w^Tdett ist. Jeder, der die Ansialt
3uf5U>;bV. y fi^eiden feefreii ^ werden, sann«
schwache Gesundheit m kräftigen öder sich vbn den Anstren^
gutieen dea Berufe!eben» itvertfneU hüler irjEtli^her Aufsfeiit
xtL ethofeti, soll dfei^ in Pinkenmühle' itv der Gnwiisshetf ibn
k ö n ne.ti %. lii dieser Änetitlt kiÄt mein arid ein i nteresse, recht 5f3 ol
an dir eu v^rdienehi uri d hi er ksii.nst du hnti edingt vörtraiien^
Zunächef wird Wie bisher jodermioin Adi'äahme linderi, kpäfer
aber nur noeb Mitglieder der Genossenschaft, so dis» die
Anstalt nach Und nach caisächlicb in den Efgenbeslt^ der
GcEatutbeit der AhftultsbesuchÄr sibergebtn wird. Und damit
hört rie natürlich auf^ ein: Unteriiehnien tu «ein. dessen Ertrag
einem einzelnen oder emigen KapitaUsten augute komrpit.. Die
Genossenschaft Wird so Umemehmeio, das »©inen Ertrag
ledig lieb im iDtercBie seiner Mitglieder; verwenden kann. Di©
n©ue Genossenschaft hat ©ich au»«erd©m m § ^ >bf^r Salzurig
ein groösaügiges Programm , gegeben dOd ibieti
'VDrstahä äirf GHsb^äti© für die GeöcbäftsfiÖirubg festgelegtj
die imaig daiteb*hi. abf d©ti eemeinnüt3igcn Erfolg der Anstalt
von gröastcni Emfluaa Wcfderi dürften und dem Progt*mtn der
GeselJscbaft für g^oeiertiscbaftiiche Kultur entnommen Äiud. dl«
{hr?;n Sitz iugleieb tjach Firiktnmlihie verlegt hat* UnteressentöG
erfahren oTheres direkt durch da^ Sanatpeinm und Erholuugi"
heim Finkeomuhle, e» G. m. b, Mellenbach b Tbüi.
Die Einweihung des neuen B o t m er K r a n k ©h ^
h a u s e s» In Anwirsenbeh des ObcTpräaidenterii Frhrii^ von Rhein-»
baben, dea RegieningsPräsidenten Dr. Kruse. des Geheimen
Medizinalrata Dr, Borntrlger» Von. Bftigenxdnrten, Stadtyer-
otdnetEö. Vertretern der Aerzteschafti von KränfceivVasseii^ der
Berufs gen OÄsenscha.A^üi Wurde am nj. Jiili die neue städtfeche
: KrarikenanstMt feierlith ihrer Bestimmung. libc^rgtb©n. Der
Gberbürgermeistet teilt© mü,. dass die Stadtvtroirdneteti'»
yersammlung in ÜehereinfitimiiJUTig mk der Verwaltung als
^iiisseccs Zeldhea ddt den am Bau uti-
tuittelbär beteiligi&n feChhfkch^ri Beamten Geld&e^si^bepk© Ubef-
wiesen und dass sie beschlossen habe^ angeaifebt^ dVir grossen
Dienste, düe der Oberarzt der äus^rn Abteilutig^ Geheimrat
Dt-: Heus ner, J ah r^xebht e hin dp rch den 1 ei den dea Milhbfgern
geleistet habender zur neuen städtischen Kranke riÄRattalifuhtenjdon
Hauptsfr asse den Nam en Heu a n e ratraase befeul egen ■ i> eh eimtat
HeusneT gab e'ineti i-Mer^sarifen .TTeberblfek ilibeT dte - EuP
Wicklung des Kraukenhauswe^tm^, Der .DbprprSjfiideiit Frhf^
von Rtiemb&ben sprach allein a.m. Bau Beteiligten den Dank
der Staati^regierung au» rmd gab folgend© Aüa^oichtiUngen
bekannt t Oberarzt Dr, Koli erhielt dtep Titel SauitStsfat.
Dr, Heuaoer den Roten Adlerordeu 4* Klattfie j. dip^ ^iadtver-
ordneten Kommerzienrat Julius ^rbfilöh und Qtiö
Kror/ertörden 3. Klasee, der Fabrikaot Kitd .^eumänu und dPr
St ad i vero rdn e te E verts b u ac h den R roneßo td e n 4 . JCl d e r
Maarerpolfer Figge das Allgemeine EhreiVteichen, An mnth
Stadibauinspeklrors Frey gang über
dW Anlftgc hrid neueri Krankenhauae» schloss
sieb eine BeidtbligUng arij wobei sich alle anerkennend über
dl© f^ifeepjfftcheriv .
BüchefschäU-
R e ch t a e jf t l g 4 ii Ö e g 1 o n der F o r i e h - u n d R e r * e-
z « i t ikt Wie ailjälirl^ii! 4©^:: a ch s ch l a g e - (R e I s e) *< B u jth.
erachienen. Die vorliegende siebente Folge bringt inspfern älci©
Neuerung, als 4ife4iWS Te;ji© umfasst* Der all gemein ©uhd
d©t beiehrtikde Mpien Ttote^reSRant^^ Abhandiuogeß über
ejmseluc Gebiete^ *äv ftv Odenwkld. Pfälzerwajd^ 3chweU, Sec-
bSddr^ per dritte Teil enthiüt di© Adressen voh etwa too Hotel©,
Oflwihk'Uisera und peosionen. Diese babe^iV dch verpflichtet,
da® Gdaien voUe Aujfmerksimkett 'ZU widmen uiid Teii
b^eündere Vergünsttgungen zu gewähren n AUä dtn gleichseiliig
mitgeteiiteh Preisangaben geht herw'or. wi© ausserordentlich
hä lüg (m a;. “xS Mk. pro Woche) ein Ferien© ufantb©Il ge-
^Italien kann*. Da© Nach h ch fege -( Refee) - Buch ist h©i ; d Vf Aua-
kunftsteil© für Landaufenthsilt, Mannheim, L : gegen
Einiondiing v on 30 Pfg* in Briefm a rken erfcfel Öich;
Des Handbuch des Deuts eben Tohfi ng* Club für
r^ri wird jetzt ©USgegefaeq. Der ctsIo Teil beschKligt ©ich
mit den inueren Angelegenheiten de© Klubs, ©erneu Statuten,
seiner Geschäftaordnung; er bringt äuch dae jährlich anwachaeade,
Vexzeichnis seiner SektlöDeuj das heuer auch emett Znwach© ©n
der Spree und in Sachsen bringt, ln der histonechen Reihenfolge
der Aufnahme von verst^hiedenen Spnrtiwelgen in das Programiafl
des Klub©, der d©n Wonderspon ln fünf verschiedenen Arten
püegt« gliedert ©rieb dann der Inhalt des Buchea und vermittelt
jedem.- der eanem dieser SportzWalge huldigt, ootweudlge und
reiche Aufe^rhlUsee* Für Radfahrer und Kjaftfahrseuf-Beartsef
«ind bcatimtni, öud wohl, rlu heberjcigftn di© neben Votichriftcii
für Greniüberechrejtung, Die Ablcliüng für Winterepoil gibt
praktisch© Anleitung für AUsrüitung und Toui^n. iü dieker jet*T
in ihrer Schönheit eikannteu jÄhreseeit, Dfe. AhtelUiug fÖr
Luftschlffahri berichtet über die fünfzehn Fahrten, J^iuh^
ballon© itu leti^en;Jahr© und ©e^gt dl© Vörteiie dtr MUglfeder,^
die an einet künftigen Fahtt teil nehmen wollen.. Was; iü der
jüngsten Schnpfung de© Klubs, im Waaeersport. gemietet Wurde,
wie »(hoc Flpttill© sich «ntwickjedte und welchea Bestimmungen
di*, Teilnahme en den Segelfahrten ides Club© ©of dem Starn¬
berger See tinterotehl^ teilt der. nächste Absthaitt des Buche© mit
Jmerisaäh^en. können 4ä© Handbuch de© Deutschen Tourhäg-
Club durch di« Gesehnt©steifer; Müoohen. PrADoerstrasse 34,
': bezfeheh-'’ ■
Bcblue© de© tedaküonellen Teile©»
Si?jiiüfUVH^»r aad iHt d*o sifefrEb. TVsli Joiöf Sobaoiteher
■ -ja bö fttijl 4etf i fUr, ifek - »F hfe fch»hJ ü ad .©mü lfih»n Taü dar Bu □ d «-
ch.UD: -Rt. * f t^ »kttr A ftä Dv»tk»hrt-
T*r4iftiie fe hM i f et: diStia A oe©lk^f«*ei*; B ?; u U ä 0 r fe in DtLit»! d nif*
l^rVrA hnd V^rlfjc d.©t b u 4 »r f e r 1 © ft © et »1 i A.-0. in Dnieald^rf,
perfotgt ivic& lebe nactf«);mttn$ ftetr edttcft
Steckenpferd - Clltenntilcii * Seife
noft fiergttiafin y fceft« Se^fr }m
iSrlAuantt^ fdrfeih» reip^ett
&Ulibcn&f4l[?MCn (Teftils* h 50 jit
Miiiinraninnin«
©ni Kwissatu^^
fOr HersSse und EiholunistedOrttlse.
Äri,tl Leitung
Dr^ möd, Staahly
t>aR £;anz«i Jahr
JlAufmUiiii. Leitnng!
Direktor Bntüu
THÜRIMGEM
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Die Stuodenangaben bedeuten die
kürzeste Fahrzeit von London.
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DEUTSCHLAND
Organ für die deutschen Verkehrs-Interessen
Amtliche Zeitschrift des Bundes Deutscher Verkehrs-Vereine
Mitbegründet durch den Internat. Hotelbesitzer-Verein, Köln
X Bezug-spreisproJahröM.,viertel- X
♦ jährlich 1.50 M., Einzelnummer ♦
♦ 40 Pf. — Erscheint gegen Mitte ♦
J eines jeden Monats (im Juni, Juli X
♦ und August monatlich zweimal) ♦
Amtliches Organ des Rheinischen Verkehrs-Vereins,
des Sächsischen Verkehrs-Verbandes,
des Verbandes Bergischer Verkehrs-Vereine
und des Verbandes der Verkehrs-Vereine Westfalens.
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Nr. 7
Düsseldorf • Erste August-Ausgabe 1911
II. Jahrg.
Bad Harzburg.
Von Hermann Grammlich.
Unter den Kurorten, deren der waldreiche Harz
wahrlich eine große Anzahl aufzuweisen hat, nimmt
Bad Harzburg wegen seiner landschaftlichen Schönheit
sowie der mannigfaltigen Lieblichkeit seiner Lage einen
hervorragenden Platz ein. An die Stelle, wo die Radau
aus den Bergen in die allmählich sich bildende Ebene
hinaustritt und die erregten Wasser des lustigen Gebirgs-
flusses ruhiger werden, setzt Bad Harzburg an und klettert
weithin an den Bergen hinauf. Die Stadt selbst ist mit
einer ungeheuren Raumverschwendung angelegt, fast
jedes Haus hat seinen Garten mit Obstbäumen, die im
Mai wundersam blühen und deren süßer Duft dich bis
hoch in die Berge hinein verfolgt.
Bad Harzburgs Höhenlage eignet sich namentlich
für Herzleidende und Nervöse, durch Tätigkeit Abge¬
spannte, für die Hochgebirgsklima zu energisch wäre.
Die unmittelbare Nähe der Waldungen erleichtert selbst
Schwachen den Aufenthalt unter dem Schattendach
herrlicher Bäume, an den Ufern rieselnder Gebirgsbäche
in einer Luft, die durch meilenweite Fichten- und Buchen¬
bestände förmlich durchsiebt und mit Ozon und Waldes¬
duft überladen ist. Zu solchen Raststätten führen zahl¬
reiche vortrefflich gehaltene Wege, mit einer Gesamtlänge
von ungefähr 150 Kilometern, und die den Wanderer
weiter geleiten ins Dickicht, auf die Höhen zu Fernblicken
in das Land, den rüstigen sogar bis an den Brocken,
dessen kahles Haupt den südlichen Horizont machtvoll
beherrscht. An Ruhesitzen ist kein Mangel, viele
Hunderte von Bänken sind in den Waldungen von Bad
Harzburg aufgestellt, über dessen Bedeutung als Luft¬
kurort Geheimrat Professor von Bergmann schreibt: ^Bie
Luft in Bad Harzburg ist so unvergleichlich schön, wie
ich sie nur noch im Engadin gefunden habe."
Daß Solbäder, unterstützt durch solche Luft, sich
als besonders heilsam erweisen, bedarf eigentlich keiner
Unterstreichung; tatsächlich erzielt die Juliushaller Sole
(lO^/o) außerordentliche Erfolge bei rheumatischen und
gichtischen Leiden, Skrofulöse und Rachitis, sowie auf
Bad Harzburg : Bück vom oberen Weslring
324 DEUTSCHLAND Nr. 7
dem großen Gebiete der Nerven-, Stoffwechsel- und
Frauenkrankheiten. Neben den Badekuren, die in dem
vornehmen städtischen Badehause verabfolgt werden,
spielt die Krodoquelle in Bad Harzburg eine wichtige
Rolle. Sie hat als leicht abführender Kochsalzbrunnen
ähnliche Ergebnisse wie Kissingen und Homburg und
weist in bezug auf die Neubelebung träger Darmtätigkeit
ganz hervorragende Resultate auf. Die Anzahl derer.
welche die Krodoquelle dankbar verehren und trinken,
wächst von Jahr zu Jahr. Den originellen Namen
verdankt die Quelle dem Götzen Krodo, dessen Altäre
in vorchristlicher Zeit auf dem Burgberg gestanden
hoben sollen. Eine dritte Quelle, die Juliusquelle,
liefert das bekannte Tafelwasser, den Juliushaller Sauer¬
brunnen, der sich in der alten und neuen Welt beson¬
derer Beliebtheit erfreut.
Zu allen diesen Faktoren gesellen sich noch
angenehme Wohnungs- und Verpflegungsverhältnisse.
Neben Logis mit dem größten Komfort gibt es auch
Wohnungen für Leute mit bescheidenen Ansprüchen,
in jeder Hinsicht gut und preiswert. Um sich schon in
der Heimat ein ge¬
naues Bild von der
Höhe der Kosten zu
machen, versendet das
Herzogliche Badekom¬
missariat kostenfrei ein
Wohnungsverzeichnis
mit sämtlichen Preisen
für Logis und Bekösti¬
gung. Diesem ist ein
Orts-Plan beigefügt.
Auf Wunsch stehen
„Illustrierte Führer",
ärztliche Broschüren
über Harzburgs natür¬
liche Heilmittel von
der obengenannten Be¬
hörde kostenlos zur
Verfügung.
Wollte man nun Bad
Harzburg als Kranken¬
stadt in ominösem
Sinne des Wortes be¬
zeichnen, so hätte man
damit das unrichtigste
getroffen. Im Gegenteil. Hier sprudelt des Lebens
frischer Born so froh und freudig wie nur irgend anders.
Im Mittelpunkte des geselligen und geistigen Lebens
steht das Kurhaus, ein einfacher, vornehmer Bau mit
einer breiten Veranda, die bequem 600 Personen faßt.
Von der davor gela¬
gerten halbkreisförmi¬
gen Terrasse bietet
sich ein wundervoller
Ausblick. Nach links in
die freundliche Stadt,
nach rechts ins berg¬
ansteigende Tal, —
gegenüber aber über¬
fliegt das Auge die
blühenden Anlagen
und Rasenplätze mit
ihren Fontänen, und
jenseits des rauschen¬
den Radauflüßchens,
das Tal und Stadt
durchfließt, hebt sich,
mit dunklen Fichten
undhellgrünenLärchen
bestanden, der Burg¬
berg in steilem Winkel
empor zur stattlichen
Höhe von 463 Meter
über dem Meere. Wenn
Bad Harzburg: Kinderspiel- und -Turnplatz
Bad Harzburg: Sonnenbadwiese im Walde
Nr. 7 DEUTSCHLAND 325
im Sommer die Kurkapelle ihre Weisen ertönen läßt
und das bunte Treiben der Badegesellschaft sich hier
entfaltet, kann man sich kaum ein schöneres und dabei
unterhaltenderes Bild denken. Und wenn das Wetter
regnerisch ist, oder kalte Abendluft das Sitzen im Freien
nicht gestattet, dann ist für den Gast Harzburgs noch
lange nicht die Zeit zum Trübsalblasen gekommen.
Dann entwickelt sich neues Leben in den Gesellschafts¬
räumen des Kur¬
hauses, dessen Kon¬
zertsaal zu erlesenen
musikalischen Dar¬
bietungen benutzt
wird, während grös¬
sere und kleinere
Klubzimmer, Lese-
und Musikzimmer
allen denen zur Ver¬
fügung stehen, die
sich in kleinerem
Kreise gemütlich ver¬
einen wollen.
Bekannt ist die
Leistungsfähigkeit
und die künstlerische
Höhe des Bad Harz¬
burger Kur-Orche¬
sters unter Leitung
des Kapellmeisters
Florenz Werner, die
zweifelsohne zu den
besten Deutschlands
gehört. Der herzog¬
liche Badekommissar
Major a. D. Dommes
legt überhaupt auf
gute Musik und
erstklassige künst¬
lerische Veranstal¬
tungen besonderen
Wert. Bad Harzburg
bietet im Sommer
u. a. auch durch Her¬
anziehung bedeuten¬
der Künstler Kunst¬
genüsse, um die es
manche Großstadt
beneiden dürfte.
Will man Bewe¬
gungum sich sehen und buntes Gemenge und die Farben
sommerlicher Toiletten, so setzt man sich zum Kaffee¬
trinken auf den vielgerühmten Platz „Unter den Eichen"
in den Schatten dieser prächtigen alten Bäume. Nicht
so geräuschvoll ist's hier wie auf manchen anderen
großen Kurplätzen, der Ton ist auf Piano gestimmt,
fast gemütlich, niedersächsisch gemütlich möchte man
zuweilen das Bild nennen. Ein so hingedämmerter
Nachmittag hat tatsächlich etwas Beruhigendes an sich.
Die älteren Leute sitzen und trinken Kaffee, die Jugend
promeniert umher, flirtet ein wenig bei den Klängen
der Musik; so verbringt man zwei bis drei Stunden
des Nachmittags, bis die Glocken zur Abendtafel läuten.
Bud Harzburg: Die Riefenbachfälle
An Vergnügungen sonstiger Art hat Bad Harzburg noch
ein Kurtheater, das sehr gut ist und durch häufige
Gastspiele bekannter Künstler noch gewinnt. Eine
besondere Anziehung erhält der Badeort auch durch
die großen Rennen, die alljährlich zu Anfang Juli ab¬
gehalten werden.
Eine Einrichtung weist Bad Harzburg auf, die
man sonst kaum anderswo antrifft: die Sonnenwiese
im Kalten Tal; eine
ausgedehnte, rings
von Bergen umge¬
bene Wald-Wiese,
die dem Publikum
zur Benutzung frei¬
gegeben ist. Da sitzt
man denn in Strand¬
körben herum, liegt
auf Plaids oder auf
dem bloßen Hosen-
Boden auf dem
Rücken, läßt sich die
liebe Sonne in den
Mund scheinen und
den Herrgott einen
guten Mann sein.
Kinder, denen der¬
artige Siestas lang¬
weilig sind, tummeln
sich unterdessen in
ihren hellen Sommer¬
kleidern, auf denen
das Gras so hübsche
grüneFlecken hinter¬
läßt, den Hang hin¬
unter und machen
den weitgehendsten
Gebrauch von einer
Freiheit, die ihnen in
der Heimat nicht wie¬
der geboten noch ge¬
stattet werden kann.
Für Kinder ist über¬
haupt besonders ge¬
sorgt. Der geräumige
Spielplatz mit allen
Kletter-, Hänge- und
Springgeräten ladet
die kleine Welt ein,
die frohundzwanglos
unter sorgsamer Aufsicht eines Badedieners und einer
Spiellehrerin in der reinen Bergluft die Muskel stählt.
So läßt man das Leben an sich vorbeifluten, das
stark und freudig pulsiert, und wenn man des Treibens
müde ist und Frieden sucht, dann geht man ein paar
Schritte den Berg hinan in den Wald, den herrlichen
Wald, den kostbarsten Schatz, den Bad Harzburg auf¬
zuweisen hat. Dort scheint der ewige Friede zu wohnen,
nur das wundervolle Rauschen der Waldbäume und das
Summen und Singen von Millionen von Insekten, das
die Stille nur noch tiefer und eindrucksvoller macht,
tönt an dein Ohr. Da wird der Mensch glücklich und
wunschlos und schreitet durch den stillen Frieden hin.
326 DEUTSCHLAND Nr. 7
immer allein, immer allein .... Es ist, als ob sich Wahrheit werden und ein sonderbar gestaltetes Männlein
plötzlich ein Märchen auftun, als ob zwischen den heraustreten müßte, das wir mit dem Dichter anreden:
dunklen Pichten und den Buchenstämmen, deren „Schatzhauser im grünen Tannenwald
Gewand matt wie Seide schimmert, wie sie die alten Bist schon viel hundert Jahre alt,
Damen tragen, plötzlich Wilhelm Hauffs Erzählung zur Dir gehört all' Land, wo Tannen stehn" . . .
Von hessischen Trachten und Tänzen.
Von Paul Heidelbach, Cassel.
Es ist allgemein bekannt, daß außer den Friesen
kein anderer deutscher Stamm so unverrückt seinen
ursprünglichen Sitz behauptete wie die Hessen, die
Nachkommen der einstigen Chatten, was mit den Haupt¬
grund dafür bildet, daß auch kein anderer deutscher
Stamm deutsche Sitten und Sagen so treu festhielt wie
gerade sie. Das hessische Bergland, im Herzen Deutsch¬
lands gelegen und begrenzt vom rheinischen Schiefer¬
gebirge, vom Thüringer Wald, von Main und nieder¬
sächsischer Ebene ist reich an den verschiedenartigsten
Trachten undMund-
arten. Seine Be¬
wohner, schon von
Tacitus mit ehren¬
den Worten als
tapfer gepriesen,
hängen bei einer
gewissenDürftigkeit
und Strenge der Le¬
bensweise noch fest
an Sitte und Ueber-
lieferung der Väter.
In Hessen sammel¬
ten einst die Brüder
Grimm, selbst hes¬
sischen Ursprungs,
den reichen Schatz
ihrer Märchen und
Sagen; den nörd¬
lichen Teil dieses
Landes durchfließt
der deutscheste aller Ströme, die Weser; über die sanft¬
geschwungenen Höhenzüge des Hessenlandes erhebt
sich der König der hessischen Berge, der sagenum¬
wobene Meißner, auf dem Frau Holle ihren Sitz hat,
und das deutsche Volkslied, uralte Kinderspiele und
Reime finden in Hessen noch heute wie in den Tagen
der Urväter liebevolle Pflege.
Die ausgedehntesten Gebiete, in denen man heute
noch die Tracht als übliche Kleidung antrifft, sind, von
der Schweiz abgesehen, Hessen, Schwarzwald, Spree¬
wald, Oberbayern und Tirol. Daneben gibt es noch
auf Rügen, in Hinterpommern, in der Lausitz, in Alten¬
burg, im bayerischen Franken und im Elsaß Trachten¬
inseln. Nun unterliegt es ja keinem Zweifel — und
das hübsche Werkchen von Spieß (Teubner) hat uns
eingehend die Gründe dafür aufgewiesen —, daß die
deutsche Volkstracht einem unrettbaren Schwinden ver¬
fallen ist. Darüber dürfen wir uns nicht mehr hinweg¬
täuschen. Es bleibt nur noch eine Frage der Zeit,
wann dieses Schwinden der Volkstracht, mit dem zu¬
gleich eine ganze Anzahl ästhetischer und sittlicher
Werte verloren gehen, sich vollzogen haben wird und
nur noch Trachtenmuseen und Trachtenbücher uns
Kunde geben von einem der wichtigsten Faktoren
deutschen Volkstums. Eins aber kann schon jetzt ge¬
sagt werden, daß die hessischen Landleute und unter
ihnen in erster Linie die als Objekt wissenschaftlicher
Forschung und durch die Meisterwerke eines Knaus,
Bantzer, Thielmann, Lins, Ubbelohde weithin bekannten
Schwälmer und neben ihnen die Schaumburger im
Wesergebiet, die heute noch mit zäher Liebe an ihrer
Tracht festhalten,
zu den letzten ge¬
hören werden, die
von dieser ihrer
Tracht lassen.
Es sind genau
100 Jahre her, daß
sich Jeröme, der
Benjamin der napo-
leonischen Familie,
der sieben Jahre
hindurch in unserer
hessischen Resi¬
denz Cassel den
König von West¬
falen spielen durfte,
vor dem Schlosse
zuWilhelmshöhe —
es trug damals den
Namen Napoleons¬
höhe — die hessi¬
schen Landleute in ihren mannigfachen Trachten vor¬
führen ließ. Dieses seltene Schauspiel sollte sich auch in
diesen Tagen gelegentlich der Jubiläumsausstellung der
Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft, die vom 22. bis
27. Juni in Cassel tagte und einen gewaltigen Menschen¬
strom nach dort führte, wiederholen. Siebzig Paare aus
zehn verschiedenen hessischen Kreisen zogen am Er¬
öffnungstage der Ausstellung durch deren fahnenge¬
schmückte Pforten, um zunächst unter der inmitten des
Ausstellungsgeländes auf dem Casseler Forst gelegenen
Hesseneiche am Denkmal der hier während der napo-
leonischen Fremdherrschaft erschossenen hessischen
Patrioten dankbaren Gedenkens einen riesigen Lorbeer¬
kranz niederzulegen und dann während des ganzen Tages
das an sich schon buntwogende vieltausendköpfige Bild
der Ausstellungsbesucher in ihrer farbenfrohen Tracht
ungemein zu beleben. Es muß im allgemeinen zu¬
gegeben werden, daß offizielle Trachtenfeste, bei denen
die Bauern eigentlich doch nur die Neugierde der Städter
befriedigen sollen, zu verwerfen sind, und daß jeder,
der volkskundliche Interessen hat, auf die bäuerlichen
Schwälmer Jugend
Nr. 7 DEUTSCHLAND 327
Kirmessen zu verweisen sein wird. Hier aber lag die
Sache doch anders. Aus allen deutschen Gauen waren
die Landwirte herbeigeströmt, und wie sollte man ihr
berechtigtes Interesse an den Trachten unseres Gaues
anders und leichter befriedigen, als indem man unsere
hessischen Bauern offiziell zu einem solchen Trachten¬
fest einlud? Gehört es doch auch mit zum Programm
der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft, der wach¬
senden Landflucht u. a. auch dadurch zu begegnen, daß
man die Erhaltung und Neubelebung der Volkstrachten
zu fördern sucht. Schließlich war es auch für uns Be¬
wohner der Residenz ein außerordentlich seltenes und
darum um so erfreulicheres Ereignis, einmal fast alle in
Hessen üblichen Trachten mühelos beieinander zu sehen.
Da waren es zunächst die kernigen Gestalten der
Schwälmer, die allgemeines Aufsehen erregten, die
Männer in ihren weißleinenen kurzen Hosen und Otter¬
mützen, teilweise auch im festlichen Leinenkittel, die
Frauen in ihren buntgestickten Betzein und den nur
bis über das Knie reichenden drei bis vierzehn auf¬
einander sitzenden
Beiderwandröcken,
unter denen das
schlohweiße Hemd
unten noch etwa
handbreit hervor-
ragt. Statt der roten
Weste tragen die
ältem Männer eine
solche aus hell¬
blauem Tuch, statt
der grünen oder
roten Kappe, die
mit Otter-Pelz ge¬
füttert ist, einen
Zweispitz; über den
Schnallen-Schuhen
werden die weißen
Wollstrümpfe mit
dunkelblauenTuch-
Gamaschen ver¬
deckt. Die Frauen
tragen schwarze, die Mädchen rote Mützchen (Betzein)
aus Seide. Das Leibchen wird auf der rechten Seite
geknöpft, und zwar mit rot oder grün gestickten Knöpfen.
Die bestickten Hemdärmel reichen bis zum Ellbogen
und werden überdies meist noch aufgestreift. Die eigent¬
lichen Jacken sind aus dunkelgrünem Tuch, die blauen
oder schwarzen Röcke am Saum rot, grün oder blau
eingefaßt. Die weißen baumwollenen Strümpfe, die vom
Knie ab sichtbar sind, bilden geradezu ein Kunstwerk
durch ihre mühevolle Herstellung; sie sind mit bunt¬
seidenen, in Gold- oder Silberstickerei strotzenden
Strumpfbändern umwunden und stecken in Schnallen¬
schuhen mit sehr spitzen Absätzen. Bei Hochzeiten
trägt die Braut das sogen. „GeschappeP', einen blumen¬
korbähnlichen Kopfputz, zu dem ungezählte Ellen Band
verwandt werden. War die Tracht der Schwälmer aus
den schon erwähnten Gründen bereits manchem bekannt,
so war diejenige der Leute aus den Kreisen Rotenburg,
Frankenberg — die Männer in der charakteristischen
Zipfelmütze — Fritzlar, Schmalkalden — die Frauen in
Sonntags-, Tanz- und Wochentracht — den meisten
völlig neu. Die Bewohner der Marburger Gegend fielen
durch ihre schöngewachsenen Vertreterinnen auf. Aus
Schenklengsfeld im Kreise Hersfeld waren sechs junge
Bauernmädchen und ebensoviel Burschen erschienen.
Die Mädchen trugen die alte Landecker Tracht, wie
man sie in ihrer Vollständigkeit selten zu sehen bekommt,
Schnallenschuhe, sogen. Zwickelstrümpfe, niedriges,
ausgeschnittenes Mieder mit farbigen Schnüren, kurzen
Hemdärmeln, Faltenrock und als Kopfputz die kapuzen¬
artige, eckige schwarze Haube mit langen, über die
Schulter herabfallenden Bändern. Recht bodenständig
in der Tracht ist auch der Kreis Kirchhain, der dreizehn
Paare entsandt hatte. Da waren zu sehen die ober¬
hessische und die katholische Tracht, ferner die Sonder¬
trachten von Schweinsberg, Rauschenberg, Allendorf
und Schiffelbach, vor allem aber ein Bauer aus Nieder¬
wald in der Tracht von T82Q mit großem Dreispitzel,
blauem Schoßrock und hirschledernen Kniehosen. Neben
ihnen und den Schwälmern erregten am meisten
berechtigte Bewun¬
derung die Bewoh¬
ner der Grafschaft
Schaumburg. Wäh¬
rend die Männer
eine verhältnismäs¬
sig schlichte Klei¬
dung tragen, eng¬
anliegende Aermel-
westen, einfache
Mützen und lange,
dunkle, gleichfalls
eng anschließende
Hosen, repräsen¬
tiert die Tracht der
Frauen und Mäd¬
chen gleich der¬
jenigen der Schwäl-
merinnen einen
Wert, der den für
eine elegante städti¬
sche Robe weit
übertrifft. Unwillkürlich fallen sie dem Beschauer in die
Augen mit ihrem bis zu den Knöcheln reichenden Haken¬
rock aus zinnoberrotem Tuch, den mit lang herabhängen¬
den, verschiedenartig gefärbten Nackenbändern ver¬
zierten, das Haar fast völlig verdeckenden und bis über
die Augenbrauen reichenden schwarzen Mützen, deren
Seitenklappen auch die Ohren nicht sehen lassen. Aus
diesen Klappen sahen vorn die wallnußgroßen, aus gol¬
denen Halbkugeln bestehenden Ohrringe hervor, und
nicht minder kostbar waren ihre oft bis zu fünfzig Mark
werten, reich bestickten und mit buntem Flitter besäten
Einbindtücher, über denen wertvolle Halsketten getragen
wurden. Auch die Schaumburger führten im Zuge ein
Brautpaar mit, dessen weibliche Hälfte einen schweren
und hohen bändergeschmückten Kranz (siehe Abbildung)
aus unzähligen dicken Glasperlen und Flittergold auf
roten, mit kleinen Spiegeln überhäuften Bändern auf
dem Kopfe trug. Ganz allerliebst nahmen sich übrigens
auch die kleinen Schwälmer Buben und Mädchen aus,’
die einige Tage später auf dem Dorfanger der Aus-
328 DEUTSCHLAND Nr. 7
Stellung in großer Zahl erschienen und dort allerhand
Reigen- und Ballspiele aufführten.
Seinen Gipfel erreichte dieses hessische Trachten¬
fest, als seine Teilnehmer sich nach einem Besuch der
Wilhelmshöhe abends in einem der Casseler Säle wieder
zusammenfanclen und nach gemeinsamem Mahle der
Tanz alsbald zu seinem Rechte kam. Hier wurde natürlich
der berühmte, ebenso charakteristische wie anstrengende
Schwälmer Tanz mit besonderer Spannung erwartet und
dementsprechend mit jubelndem Beifall aufgenommen.
Dieser Tanz entwickelt die ganze bunte Pracht, die
der Schwälmer auf seine kostbare Kleidung verwendet,
und das Auge des Zuschauers schwelgt förmlich in
Farbensinfonien. Die Paare tanzen erst rechts, dann
links herum, die Burschen oft auf einem Bein; am
Schluß der einzelnen Teile stampfen sie meist mit dem
Fuße auf; oder aber das Mädchen dreht sich allein
tanzend herum, während der Bursch, in die Hände
klatschend, hinterherhüpft; oder das Mädchen erfaßt
das von dem Burschen hochgehaltene bunte Taschen¬
tuch und dreht sich unter seinem hochgehaltenen Arm;
oder schließlich Bursch und Mädchen treten sich gegen¬
über, nähern sich einander unter malerisch aussehenden
Bewegungen und lassen dann einander wieder los. Beim
Schluß des Tanzes stampfen alle Paare wie auf einen
Schlag heftig mit den Füßen auf. Sind die Burschen
erst in Stimmung gekommen, so jauchzen sie. Die
Ausführung des Schwälmer Tanzes, dessen untergelegter
Text oft gleichzeitig von den Burschen gesungen wird,
ist wegen der damit verbundenen, durch das überaus
schnelle Zeitmaß hervorgerufenen Anstrengung schwer.
sodaß diese Tänze nicht sehr oft auf der Kirmes getanzt
werden. Sie haben einen scharf ausgeprägten Rhythmus,
stehen in ‘‘^/ 4 -Takt und bewegen sich nur in Dur-Tonarten.
Ihre packenden Weisen haben sich bei den Dorfspiel¬
leuten seit uralter Zeit erhalten und werden von diesen
nach Zigeunerart auswendig gespielt. Johann Lewalter,
der verdienstvolle Herausgeber der niederhessischen
Volkslieder, hat zehn dieser Schwälmer Bauerntänze
zum ersten Male aufgezeichnet und veröffentlicht und
außerdem auf Grund zahlreicher Erwägungen einmal im
„Hessenland'' die Hypothese aufgeslellt, daß auch das
Nationallied der Amerikaner,
der „Yankee Doodle", ein
Schwälmer Tanz, zur Zeit
des nordamerikanischen Frei¬
heitskrieges von den hessi¬
schen Truppen mit herüber¬
gebracht sei.
Nicht minder entzückt war
man von den ganz eigen¬
artigen Tänzen der Schaum¬
burger. Dieses wackere Volk,
das mit den Schwälmern in
der Erhaltung alter Trachten
und Sitten wetteifert, kennt
außer dem Marschierwalzer,
dem Stourigen und lötourigen
u. a. auch den seltsamen lang¬
englischen Tanz, bei welchem
sämtliche Paare zu gleicher
Zeit walzen, in den sich plötz¬
lich ändernden Zeitkurs ein-
treten und in Polka, Galopp,
Rheinländer usw. chassieren.
Es ist unmöglich, diese höchst
komplizierten Tänze hier im
einzelnen zu schildern. Man
muß es gesehen haben, wie
die stattlichen Paare sich zum
Reigen die Hände reichten, um sich dann zu vielge¬
staltigen Gruppen zu vereinigen und wieder zu trennen,
wie die Burschen die Mädchen mit lautem Juchzer in
die Höhe hoben und schließlich, wenn die Stimmung
aufs höchste gestiegen war, die Mädchen den Hals der
Burschen umklammerten und von diesen unter Freuden¬
rufen fast horizontal in endlosem Wirbel herumgeschwenkt
wurden. Das alles gab sich so malerisch, so harmonisch,
daß man sich in später Abendstunde nur schwer von
diesem fröhlichen, bunlbewegten Bild trennte, zumal
als vollends von den Bänken schlichte alte Volkslieder
ertönten. Es mag ein schwerer Tag für unsere braven
hessischen Bauern gewesen sein; aber sie konnten das
Bewußtsein mit fortnehmen, daß dieser Tag bei allen, die
das Glück hatten, diese prächtigen Tänze zu sehen und
die schönen alten Trachten zu bewundern, einen nach¬
haltigen Eindruck gemacht und die Ueberzeugung
geweckt hat, daß sich von der festragenden Insel hes¬
sischer Trachten und Gebräuche in absehbarer Zeit
nichts abbröckeln läßt.
Bauern in Schaumburger Tracht
Nr. 7 DEUTSCHLAND 329
Kreuz und quer über die Egge.
Von Dr. med. Lünnemann, Bad Driburg*.
Im östlichen Westfalen erstreckt sich auf der Grenze der Auf steilem, aber schattig*em Pfade steigen wir zur Höhe
Kreise Paderborn und Büren einerseits, Höxter und Warburg* hinan und haben bald den Gipfel erreicht. Alte, bäum-
anderseits das Eggegebirge. Es bildet den Grundstock des gekrönte Wälle umziehen in weitem Bogen die Kuppe, im
früher mit dem Gesamtnamen Osning bezeichneten Gebirgs- Westen zu einem breiten Toreingange umbiegend; sie be-
Zuges, der die östliche Grenze des großen münsterischen zeichnen das alte, von Karl dem Großen zerstörte Slandlager
Tieflandbusens bildet und sich von der Diemel im Süden der Sachsen. An Stelle der zerstörten Irminsul erbaute Karl
bis an die holländische Grenze erstreckt. Das Eggegebirge, der Große hier eine Kapelle. Bald darauf wurde von Neuen¬
bestehend aus einem Hauptkamme und den diesem nach heerse aus hier eine Klosterniederlassung gegründet, der
Westen und Osten vorgelagerten Höhenzügen, ist reich an im 12. Jahrhundert eine von Fürstbischof Bernard II. erbaute
landschaftlichen Schönheiten. Stundenlang kann man hier Burg folgte. Sowohl von der Kapelle, dem Kloster, als be-
durch die Wälder wandern, die in reizvoller Abwechselung sonders von der Ritterburg, die seit dem 15. Jahrhundert
bald aus Buchen, bald aus Rottannen bestehen; in den Tälern zerfallen ist, sind noch heute umfangreiche Trümmer vor¬
rauschen die silberklaren Bächlein und führen uns zu zahl- handen, welche in jedem Altertumsfreunde das größte Inter¬
reichen Ansiedelungen, die noch heute vielfach Reste aus der esse erwecken. Von der Plattform des vor wenigen Jahren
Karolingerzeit und dem späteren Mittelalter in ihren Kirchen, erbauten Kaiser-Karl-Turmes bietet sich — ebenso wie von
Klöstern und Herrschaftssitzen aufweisen. Auf den Höhen der unweit gelegenen schönen Aussicht auf der weißen Mauer
finden wir im Waldesdickicht versteckt umfangreicheWallburgen — ein herrlicher Blick in den Nethegau und zu den Weser-
aus alter Sachsenzeit und trutzige, mittelalterliche Bergfesten. bergen bis hinauf zum Herkules bei Cassel. Der Osthang
Nahe der alten, sehenswerten Bischofsstadt Paderborn der Egge ist von Kalkfelsen gebildet, die zum Teil, wie
steigt die Eisenbahnlinie die Höhen hinan, und donnernd fährt wir an der Iburg sehen, schroff in das Tal abstürzen. Eine
der Zug über einen mächtigen Viadukt in den weithin herrliche Flora hat sich hier eingenistet. So finden wir bei
bekannten Bahnhof Altenbeken ein. Tief zu unseren Füßen Driburg zwei Blümchen, die hier ihren einzigen Standort
liegt das freundliche Dorf, langgestreckt in dem engen Tale, in ganz Westfalen haben: das einblütige Wintergrün (Pirola
beschützt vom Hauptkamme der Egge mit seinem dunklen uniflora) und die weiße Braunelle (Brunella alba). Auch
Tannenhintergrunde. Wir wandern auf bequemer Landstraße manche andere seltenere Vertreter der Kalkflora erfreuen hier
durch den duftigen Wald zum Rehberge, von dessen Höhe unser Auge. Durch herrliche Buchenwälder, dann und wann
ein herrlicher Fernblick die Mühen des Aufstieges lohnt. lieblichen Ausblick in die Tallandschaft bietend, lenken wir
Nach Osten in das lippische Land, die belebten Fluren des unsere Schritte dem an den Quellen der Nethe gelegenen
Wetigaues und die Bergwelt des Nethegaues. Trutzige Ge- Dorfe Neuenheerse zu. Schon im 9. Jahrhundert wurde hier
birgsriesen, der Schwalenberger Wald, der Köterberg, Solling von Bischof Luthard und seiner Schwester Walburgis ein
und Reinhardtwald geben den Rahmen zum prächtigen Bilde.
Nach Westen über Altenbeken hinaus erglänzen die Türme
der alten Paderstadt im hellen Sonnenscheine. Führwahr, ein
entzückendes Bildl Tief unter uns aber im Innern des Berges
rollt der Eisenbahnzug durch den 1732 Meter langen Tunnel
der Weser zu. Im Jahre 1905 stürzte ein Teil des Tunnels
ein und verursachte eine fast ein ganzes Jahr dauernde,
erhebliche Verkehrsstockung. Vom Rehberge wandern wir
südlich zum Eggewege, einem uralten Grenzwege, der sich
über den ganzen Kamm des Gebirges hinwegzieht. Grüner
Rasen deckt den zwischen harzduftenden Rottannen und
dichtbelaubten, hochragenden Buchen verlaufenden Pfad.
Rotes Heidekraut, blaue Enzianen sprossen aus dem Sand¬
boden hervor. Nach einstündiger Wanderung folgen wir
jedoch den Wegzeichen talwärts und gelangen zu dem reizend
gelegenen Badeorte Driburg. Wer hätte nicht schon gehört
von den heilkräftigen Stahlquellen dieses Ortes, wo all¬
jährlich Tausende Genesung suchen und finden. Schon
seit fast 500 Jahren sind diese aus dem Buntsandstein der
Talsohle entspringenden Quellen bekannt, die schon von
den Püderborner Fürstbischöfen gehegt und gepflegt wurden.
Wenn wir auch noch keinen Badeaufenthalt nötig haben,
so halten wir es doch der Mühe wert^ die herrlichen An¬
lagen zu besichtigen, in welchen Natur und Kunst ein
herrliches Landschaftsbild hervorgezaubert haben.
Das Driburger Tal, umgeben von waldigen Höhenzügen,
wird beherrscht durch den ruinengekrönten Kegel der Iburg.
„Rings der Wälder tiefes Schweigen!
Aus des Tales Nebelhülle
Hob die Iburg ihren Scheitel
In die sternenklare Stille;
Alter Hain, aus dessen Wipfeln
Sonst die Irminsäule ragte.
Die zum Schmerz und Schreck der Sachsen
König Karl zu brennen wagte." (Weber: Dreizehnlinden.)
Rieseneiche bei Börlinghausen
330 DEUTSCHLAND Nr. 7
Damenstift gegründet, das bis zur Säkularisation blühte.
Die interessante, alte Abteikirche und das Wohngebäude der
Abtissin sind noch gut erhalten. Die einzelnen Stiftsdamen
wohnten zum Teil im Dorfe zerstreut; noch heute sehen wir
einige der alten Stiftshäuser mit den Wappen der Inhaberinnen
geschmückt. Nicht weit von Neuenheerse erheben sich auf
steilem Bergkegel Burg und Stadt Dringenberg, von Bischof
Bernard V. zur Lippe im 14. Jahrhun¬
dert gegründet, lange Zeit hindurch die
Sommerresidenz der Paderborner Fürst¬
bischöfe. — Steigen wir nun von Neuen¬
heerse zu dem einige Kilometer ent¬
fernten Bahnhofe hinauf, so sehen wir
hier den bemerkenswerten Neuenheerser
Einschnitt, wo die Eisenbahn Alten¬
beken—Warburg den Hauptkamm des
Eggegebirges durchbricht; mächtige
Sandsteinfelsen erheben sich in grotesker
Gruppierung zu beiden Seiten. Der
Eggeweg führt uns nun durch stille
Tannenwälder zur Karlsschanze, einer
alten Sachsenburg. Hier kreuzte der
den Rhein mit der Weser verbindende
Hellweg den Eggeweg. Ein weitaus¬
greifender Außenwall und zwei durch
einen Graben getrennte Innenwälle
schützen dasKernwerk der Karlsschanze.
In der Nähe finden wir den kleinen Her¬
gott, Reste eines ehemaligen Christus«
bildes; am östlichen Abhang ragt der
faule Jäger, ein mächtiger Opferstein,
aus dem Tannengrün, tief unter ihm
sehen wir am Klippenrande die Druden¬
höhle. Am Westrande der Karlsschanze
stürzt der Hellbach in enger Schlucht zwischen turmhohen
Sandsteinfelsen hurtig ins Tal hinunter, dem nahen Orte
Willebadessen zueilend. Auch hier wurde schon 11^9 ein
Benediktinerinnenkloster gegründet, dessen umfangreiche Ge¬
bäulichkeiten jetzt im Besitz des Freiherrn v. Wrede sind.
Von der Karlsschanze gelangen wir auf dem Eggewege
zu den nahen Teutoniaklippen, die — gleich dem unweit
Am Fuße des Rehberges
gelegenen Aussichtsturm Bierbaums Nagel — wohl die schönste
und ausgedehnteste Fernsicht im Eggegebirge bieten. Die
roten Sandsteinklippen stürzen hart zu unseren Füßen steil
ab in den Buchenwald der Tiefe, lieber diesen hinweg schweift
der Blick nach Norden zu den lippischen Bergen, zum Nethe¬
gau und Solling. Im Osten sehen wir den Reinhardtswald,
weiter den Habichtswald mit ihren zahlreichen Kuppen, von
In den Stiftswaldungen von Hardehausen
einer grüßt der Herkules bei Wilhelmshöhe den Wanderer.
Auch Waldecks Bergland, endlich die Briloner Berge mit den
Bruchhäuser Steinen werden im Südwesten sichtbar; davor
breitet sich das ausgedehnte Waldgebiet der südlichen Egge.
Zahllose Ortschaften des Nethegaues und der weiten Warburger
Börde lugen aus dem Waldesgrün oder fruchtbaren Kornfluren
hervor. Mitten in der weiten Börde ragt einsam der ruinen¬
gekrönte Basaltkegel des
Desenberges; auch die Alt¬
stadt Warburg grüßt mit
ihrem schlanken Turme
freundlich herüber. Von
den Klippen eilen wir zu
Tale, wo aus dichtem Park¬
grün das Schloß des Gra¬
fen Stolberg zu Börling¬
hausen hervorragt, ein
interessanter alter Bau,
der schon manche Jahr¬
hunderte überdauert hat.
Nicht weit vom Orte ragt
am Ausgang eines Waldes
die Rieseneiche empor, die
mit einem Umfang von
12 Meter in 1 Meter Höhe
als der stärkste Baum
ganzWestfalens bezeichnet
werden kann. Der knorrige,
gleichmäßig verzweigte
Baumriese prangt trotz* ^
seiner tausendjährigen W
Vergangenheit bis irt die
höchsten Spitzen alljähr¬
lich im herrlichsten Laub-
Nr. 7 DEUTSCHLAND 331
schmuck; sein Kronenumfang- beträgt über 70 Meter. —
Von Börlinghausen geht's nun wieder über über die Egge,
vorbei an der alten Burg, den spärlichen Resten einer
sächsischen Feste, in das Gebiet der alten Zisterzienserabtei
Hardehausen. Beim Opferstein in einer wildromantischen
Gebirgsschlucht wird kurze Rast gehalten, dann folgen wir
dem munter plaudernden Bächlein und gelangen bald zur
Am Ufer des Schwarzbachs finden wir die Suhlen der
Wildschweine, durch das dichte Gebüsch bricht eilenden Laufes
der Edelhirsch mit stolzem Geweih, hallend und schallend
erklingt der Waldruf des Auerhahns. Fürwahr eine Lust ist
es, hier dem edlen Weidwerk obzuliegen I Wer glaubt es uns,
daß einst mitten in diesen schier undurchdringlichen Forsten
eine mächtige Burg stand, um welche sich ein blühendes
Gemeinwesen mit Kirchen und Klöstern,
mit Rathaus und Stadttoren angesiedelt
hatte? Blankenrode, das westfälische
Vinetal Schon 1248 wurde die Burg
von Bischof Simon erbaut und den
Brobickes übertragen. Die Stadt be¬
herbergte in ihrer Blütezeit 4—5000
Einwohner; häufig finden wir die Namen
ihrer Richter und Ratsherrn in den Ur¬
kunden. Gegen Ende des 14. Jahr¬
hunderts war diese Gegend der Schau¬
platz der erbittertsten Kämpfe zwischen
den Paderborner Fürstbischöfen und
dem unter Führung des Grafen von
Waldeck stehenden Benglerbunde. Im
Jahre 1401 gelang es dem Waldecker
Grafen, die Burg einzunehmen und die
Stadt zu zerstören. Was nicht bei der
Erstürmung umkam, flüchtete in die be¬
nachbarten Ortschaften. Niemals kehrten
die Bewohner zurück; die Stätte blieb
wüst, nach und nach deckte der Wald
seinen grünen Mantel über die Trümmer,
Burg und Wälle, Tore und Straßen ver¬
bergend. Noch heute sehen wir den
Jungfernbrunnen, in den sich das von
rohen Landsknechten verfolgte ßürger-
meisterstöchterlein stürzte; noch heute erblicken wir unter
den letzten Trümmern des Bergfrits das tiefe Verließ, so tief,
daß kein Fuß sich in das undurchdringliche Dunkel hinunter¬
wagt. Manch seltenes Blümlein zeigt dem Wanderer an, daß
hier fremder Boden — Galmei — sich befindet: das Galmei¬
veilchen (Viola lutea), Hallers Gänsekresse (Arabis Halleri)
und die Frühlings-Miere (Alsine verna) sind dem Botaniker
hochwillkommene Funde. Zahlreiche Schutthalden, so im
Ruinen der Iburg
Abtei Neuenheerse
alten Abtei. Diese ist eine Gründung der Zisterziensermönche
des Klosters Kamp bei Rheinberg aus dem Jahre 1140.
Schöne Parkanlagen umgeben die weitläufigen Gebäulich¬
keiten, vor welchen sich die Bildsäulen deutscher Könige und
Paderborner Fürstbischöfe erheben. Auch einige alte Portale
sind bei der jüngst vorgenommenen Renovierung zu Ehren
gekommen, als die Gebäulichkeiten in eine Erziehungsanstalt
für verwahrloste Knaben verwandelt wurden. Leider ist die
Basilika des Klosters nach der
Säkularisation im Anfang des
19. Jahrhunderts abgebrochen
worden; als einziger Rest der¬
selben steht im Park das Oktogon,
eine kleine, zweistöckige Kapelle.
Meilenweit erstrecken sich die
zur Abtei, jetzt zur Oberförsterei
Hardehausen gehörigen Wal¬
dungen; vielfach sieht man noch
die mit Kreuz und Krummstab
geschmückten Grenzsteine. Der
schönste Mischwald nimmt uns
auf, niemals eintönig, niemals
gleichartig, immer wechselnde
Szenerie; Bäume und Bäche,
Licht und Schatten wetteifern mit¬
einander, uns tief in den Waldes¬
zauber zu verstricken.
„Schattenkühle, Tempelstille,
Kaum ein Wispeln in den
Zweigen,
Duft'ger Hauch aus Moos und
Buchen,
Alles ist so hold und eigen I''
(Weber; Dreizehnlinden.)
332 DEUTSCHLAND Nr. 7
besonderen die unfernen Bleikuhlen geben Zeugnis von früher
hierorts emsig betriebenem Bergbau auf Blei und Galmei. —
Doch nun geht es hinab in das Diemeltal, aus dem die
,,Auf der Egge Bergesrücken
Muß ein jeder einmal stehn
Und mit seligem Entzücken
Einmal nur zu Tale sehnl
Türme Marsbergs uns grüßen. Wir nehmen Abschied von
der schönen Egge mit den Worten des leider so früh ver¬
storbenen Dichters des Eggeliedes:
Ja, der Anblick macht ihn trunken.
Er singt selig, wie beim Wein:
Wenn ich tot bin hingesunken.
Grabt mich auf der Egge einl'^
(Erich Schacht.)
Die ^^Heidelberger Woche".
Alt-Heidelbergs Zaubername besitzt unter den Fremden¬
städten eine vielbeneidete Anziehungskraft. Nach Hundert¬
tausenden zählt die Schar derer, die von Heidelbergs Schloß
und seinem landschaftlichen Reize alljährlich angelockt werden.
180000 Namen werden allein jährlich durch die Fremden¬
liste aufgezeichnet. Und doch ist Heidelberg keine Fremden¬
stadt im Sinne der heutigen Verkehrs-Fremdenindustrie. Die
Fremden kommen und gehen, nippen flüchtig an den köst¬
lichen Reizen und fahren mit dem nächsten Zug weiter.
Und worum das? Die Antwort ist nicht schwer, und die
benachbarten „Konkurrenzstädte" waren redlich bemüht, ihr
weiteste Verbreitung zu geben: „In Heidelberg ist nichts los''.
Einst war das anders, da war Heidelberg Station, nicht
Durchgangspunkt wie heute. In den sechziger, siebziger
und achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts war man in
bezug auf „allen erdenklichen Luxus und Komfort" nicht so
verwöhnt wie heute, und die berühmten russischen und eng¬
lischen „Kolonien" in Alt-Heidelberg sind Beweis genug,
daß man sich in der altehrwürdigen Neckorstadt wohl und
behaglich fühlen konnte — nicht nur auf Tage, sondern auf
Wochen und Monate. Aber heute ist in Heidelberg „nichts
los". Die Heidelberger sind ehrlich genug dies einzusehen,
und die Erkenntnis ist der erste Schritt zur Besserung.
Heidelberg hat den Anschluß etwas verpaßt, aber es ist
eifrig bestrebt, die Distanz wieder einzuholen. In diesem
Frühjahr hat sich ein „Verein zur Förderung des
Fremdenverkehrs" gebildet, der in der kurzen Zeit seines
Bestehens eine außerordentlich glückliche Entwicklung ge¬
nommen hat. Unter der geschickten Leitung seines ersten Vor¬
sitzenden, des Prinzen Wilhelm zu Sachsen-Weimar, der
auch den Baden-Badener ein willkommener Förderer ist, hot
der Verein nicht nur eine mustergültige Organisation sich
geschaffen, er ist auch an die Verwirklichung seines Pro¬
gramms mit Eifer herangetreten. Nach zwei Richtungen hin
bewegt sich diese Tätigkeit. Erstens soll für Heidelberg
eine systematische, zweckentsprechende Reklame in die
Wege geleitet, und zweitens sollen in Heidelberg selbst solche
Veranstaltungen und Einrichtungen ins Leben gerufen werden,
die geeignet sind, das Odium von Heidelberg zu nehmen:
„dort ist nichts los".
So wurde denn kürzlich zum ersten Male in den
größten Zeitungen eine „Heidelberger Pfingstwoche" ange-
kündigt. Ueberall wurde man neugierig, Tausende setzten
sich auf die Bahn. Der Erfolg der Festwoche war groß.
Man darf in Heidelberg „nur etwas bieten", dann kommen
die Fremden schon. Sämtliche Veranstaltungen fanden bei
gewaltigem Zudrong des heimischen und auswärtigen Publi¬
kums statt.
Wir wollen hier nicht alle Festlichkeiten Revue passieren
lassen. Die Woche begann mit einer Schloß- und Brücken¬
beleuchtung und schloß auch wieder mit diesem glänzenden.
weitberühmten Schauspiel ab. Eine Reihe von Konzerten im
Freien (darunter ein Wohltätigkeitskonzert für die Geschädigten
im Taubertal) bildeten das nötige Bindemittel zwischen den
Veranstaltungen größeren Stiles. Zu diesen ist zunächst ein
Somrnernachtsfest in den vereinigten Stadt- und Neptun¬
gärten mit Tanzspielen auf dem Rasen zu zählen. Am
meisten Alt-Heidelberger Stimmung und Lokalkolorit wies
ober ein schön verlaufenes Schloßgartenfest mit einer benga¬
lischen Beleuchtung der Ostfassade des Schlosses auf. Es
war ein packendes Bild, die wuchtige Masse der Türme und
der ernsten Trümmerreihen in rotglühender Pracht aus dem
Dunkel der Nacht und des Waldes emporsteigen zu sehen.
Selbst die guten Heidelberger waren von diesem pyrotech¬
nischen Schauspiel entzückt und hingerissen. Dem feucht¬
fröhlichen genius loci Alt-Heidelbergs wurde aber am Fuße
des Scheffeldenkmals gehuldigt, von wo des Dichters und
andere volkstümliche und studentische Weisen über die
nächtliche Stadt hinausschallten. Sehr eigenartig und gewiß
sehenswert waren auch nächtliche Wosserspiele auf dem
Neckar, wobei besonders die von hundert Turnern auf einem
verankerten Schiff gestellten, mit Scheinwerfern erhellten
Marmorgruppen und Pyramiden interessierten. Daß auf
sportlichem Gebiete zwei Tennis-Turniere und eine interne
Regatta in den Rahmen dieser ersten Heidelberger Woche
sich einfügten, sei lediglich aufgezeichnet.
So darf Heidelberg nur ins Volle greifen und es kommt
mit verhältnismäßig geringen Mitteln etwas zustande, das
sich sehen lassen kann. Tausende von Fremden waren in
dieser „Woche" Gäste von Alt-Heidelberg, allein sechs¬
hundert Landsmannschofter vom L. C., die sich am Neckar
zusammenfanden, und einige hundert Philologen, die in der
Musenstadt „tagten". Was aber Heidelberg „macht", über
allem liegt der undefinierbare Zauber der Romantik, der sich
zu einer köstlichen Verschmelzung verbindet, mit dem liebens¬
würdig-heiteren Sinn der Pfälzer und Pfälzerinnen. Wer
einmal so ein Heidelberger Fest mitgemacht hat, dem wird
der Charme der Heidelberger Mädchen, den vor und nach
Scheffel schon unzählige Studentengenerationen wohlig
empfunden, unvergeßlich sein.
So war in Heidelberg einmal wirklich etwas los, und
wenn der Begriff „Heidelberger Woche" erst öfters draußen
als etwas Feststehendes gehört worden ist, wird er beim
reisenden Publikum haften bleiben und noch ganz anders
seine Anziehungskraft üben. Und wer einmal aus dem
Zauberborn Alt-Heidelberg getrunken, dem erst erschließt
sich der Sinn des Wortes von Kotzebue: „Wenn ein Unglück¬
licher mich fragt, wo er leben müsse, um dem lauernden
Kummer dann und wann eine Stunde zu entrücken, so nenne
ich ihm Heidelberg; und wenn ein Glücklicher mich fragt,
welchen Ort er wählen soll, um jede Freude des Lebens
frisch zu kränzen, so nenne ich ihm abermals Heidelberg".
Das Heidelberger bchlob
Schloßbeleuchtungen finden statt: 6., 17. und 29. September, sowie 25. Oktober (Tonkünstlerfest)
334 DEUTSCHLAND Nr. 7
Wandern und Reisen im deutschen Lied.
Von Rektor Hammelrath, Düsseldorf.
„Singen und wandern
Paßt eins zum andern"
sagt der Wahlspruch des
Schwäbischen Alb-Vereins.
In der Tat, uns Deutschen
scheint beides eins zu
sein. Wenn Deutsche wan¬
dern, also nach Riehl „auf
eigenenFüßen gehen, um mit
eigenen Augen zu sehen, mit
eigenen Ohren zu hören", so
ist das ohne Sing und Sang
wohl kaum denkbar. „Nach
eigenem selbstgesteckten
Ziele mit holdem Irren hin¬
zuschweifen", wieGoethe das
Wandern poetisch erklärt,
weckt im Herzen des natur¬
liebenden Germanen alsbald
„der dunklen Gefühle Gewalt, die im Herzen wunderbar
schliefen." Er singt. — So ist es von jeher gewesen,
und es dürfte schwer festzustellen sein, wem höheres
Alter gebührt, dem Wandern oder dem Singen.
Soweit unsere Geschichte zurückreicht, wandert der
Deutsche. Am stärksten kommt dieser Wandertrieb in
der Völkerwanderung, im Landsknechtwesen, in den
fahrenden Leuten des Mittelalters, den vagierenden
Scholaren, den wandernden Handwerksburschen zum
Ausdruck. Daß er in der Gegenwart nicht erloschen ist,
dafür bietet der blühende „Verband Deutscher Gebirgs-
und Wandervereine"*) einen sprechenden Beweis.
Seit und solange der Deutsche aber wanderte, sang
er auch. Rauh war die Stimme unserer Altvordern, so
daß ihr Sang dem Wagenrasseln auf einem Knüppel¬
damm glich, und furchtbar genug mag
der Barditus im Teutoburger Walde den
Römern in die Ohren geklungen haben.
Kunstgerechter, aber nicht weniger ein¬
drucksvoll erklang tausend Jahre später
deutscher Sang in Paris, als Kaiser
Otto II. am Ende einer Wanderung nach
Frankreich hinein auf dem Montmartre
durch alle Geistlichen, die er zusammen¬
bringen konnte, ein Halleluja des Sieges
anstimmen und durch 60000 seiner
Krieger begleiten ließ.
Froher Kampfesmut und Siegesjubel
entflammt den Deutschen ebensosehr
zum Liede wie die Treue, die mit großen
blauen Kinderaugen uns entgegen¬
leuchtet. Deutscher Humor, der lacht und
jauchzt, deutscher Frohmut und deutsche
Geselligkeit, Sehnsucht in die Ferne und
das bittere Heimweh, sie drängen zum
Liede, wenn das Sinnig-Innige, Be¬
trachtende und Seelenvolle, wenn das
*) der seine diesjohrig^e Hauptversammlung vom
8. bis n. September in Wildungen äbhält.
Schwermütig-Träumerische der deutschen Art über¬
quillt — beim Wandern.
Singt auch der Bewohner des hohen Nordens ebenso¬
wohl sein Lied wie der braune Araber, der auf wind¬
schnellem Vollblut den heißen Wüstensand durchmißt,
hat auch der prachtliebende Indier so gut seine Lyrik
wie der Tscherokese in den Jagdgründen des fernen
Westens, so wirkt doch auf keines Volkes Gemüt die
Naturbetrachtung so stark wie auf das deutsche.
Beim Wandern fesselt uns das Band, das uns mit
der Schöpfung verbindet. Beim Wandern spricht zu uns
ihr Blühen und Verwelken, ihr Seufzen nach Freiheit
und ihre opferfrohe Hingabe an den Herrn.
Am reinsten quillt der Born deutscher Gemütstiefe
in den Volksliedern, wie sie sang der Wanderer bei der
Lindenwirtin „in einer Sommernacht lustig in die Winde."
Das Volkslied ist das magische Horn, von dem
Achim von Arnim und Clemens Brentano zu Beginn
ihrer kostbaren Sammlung erzählen, jenes „Wunder¬
horn", dem unsagbar angenehme Melodien entströmen,
lieblicher als das Gezwitscher der Vögel, als das Wogen
der Harfe und als Sirenengesang.
Seine Reize enthüllt das Volkslied dem reinen,
einfaltvollen und doch erhaben fühlenden Wanderherzen.
Daher entstanden die meisten Liebeslieder, die Lieder
vom Scheiden und Meiden, vom Abschied und Wieder¬
sehen, von der Treue und der Untreue auf der
Wanderschaft.
„Dort oben auf dem Berge Die eine ist meine Schwester,
Da steht ein hohes Haus. Die andre ist mir gefreund’t.
Darein geh’n alle Morgen Die dritte, die hat keinen Namen,
Drei hübscheFräulein ein. Die muß mein eigen sein."
Als er dann „Innsbruck muß lassen und fährt dahin
sein Straßen ins fremde Land hinein", da fragt er die.
Abschied im Morgengrauen
V. Moritz V. Schwind.
(Mit Genehmigung der Photogr.
Gesellschaft in Berlin.)
Nr. 7 DEUTSCHLAND 335
die er liebt wie ^kein Feuer, keine Kohle kann glühen
so heiß": „Warum bist du denn so traurig? Bin ich
aller Freuden voll? Meinst, ich sollte dich vergessen?
Du gefällst mir gar zu wohl, Laub und Gras, das mag
verwelken, aber treue Liebe nicht; kommst mir zwar
aus meinen Augen, aber aus dem Herzen nicht."
Groß ist der Schmerz, „wenn ein treu verliebtes
Herz in die Fremde ziehet." Am liebsten war der
Wanderer „ein Vöge¬
lein, scheut Falk und
Habicht nicht, flög'
schnell zu dir!"
Bei sieben Jahre
dauert die Walze
durch das deutsche
Land. Kein Brief
— kein Erinnerungs¬
zeichen I „ Entlaubet
ist der Walde gen
diesen Winter kalt;
beraubet ward ich
balde meines Liebs:
das macht mich alt."
Rückkehr bringt eitel
Freude oder tiefes
Herzeleid, wenn „ver¬
dorret war der Baum",
wenn„derherztausige
Schatz bei einem an¬
dern tut steh'n".
Einfach, bewegr,
ergreifend, ohne alle
künstlichen Mittel
und kaum nachahm-
lich harmoniert mit
dem Text die Melodie.
So eigenartig ist die
Volks-Melodie, daß
nur wenigen Ton¬
künstlern ihre Nach¬
ahmung gelungen ist.
Leichter noch ist die
Nachdichtung gottbe¬
gnadeten Poeten ge¬
worden. An erster
StelleunsermGoethe,
dem „großen Wieder-
erwecker des ge-
sundenNaturgefühls'i
Wegen seines Umherschweifens in der Gegend von
Frankfurt „der Wanderer" genannt und doch „nur ein
kosmopolitisch angehauchter Reisender", schrieb er
nach einer Abendwanderung bei Ilmenau, in den An¬
blick eines ausgedehnten Bergwaldes versunken, jenes
berühmte, seither tausendmal gesungene „lieber allen
Gipfeln ist Ruh". Da mochte den Dichterfürsten das
Heimweh der Erdenwaller erfüllt haben: „Ich wandre
meiner Heimat zul"
Mit Goethe lauschten ein Uhland, ein Eichendorff,
ein Heine und ihre Plejaden dem Volkslied die Musik
ohne Melodie ab, jene Sangbarkeit, die durch den
Zauber der Worte, des Rhythmus und des Reimes im
Volksliedverse enthalten ist, wie „der Schmetterling in der
Chrysalide". Von Reichard und Zelter bis zu Mozart
und Beethoven haben die Tondichter gewetteifert, unsere
volkstümlichen Lieder in Musik zu setzen.
Gibt es heute eine Wanderung ohne Goethes
„Sah ein Knab' ein Röslein steh'n", ohne Eichendorffs
„Wer hat dich, du schöner Wald" oder „In einem kühlen
Grunde"? Immer wird das deutsche Volk Heines
schwermütige „Lore¬
ley" oder auch Hauffs
„Steh' ich in finstrer
Mitternacht" und sein
„Morgenrot" singen.
Das Wandern, das
Wasser, Räder und
die „Steine selbst,
so schwer sie sind",
haben'sdemBurschen
angetan, daß er wan¬
dern muß. Mit „Stab
und Ordenskleid der
fahrendenScholaren"
will er „zur guten
Sommerzeit ins Land
der Franken fahren".
„Drauß ist alles so
prächtig" und es ist
ihm „so wohl, wenn
beim Schätzle be¬
dächtig a Sträußle"
erholt. Dies „Sträu߬
chen am Hute, den
Stab in derHand,muß
ziehen der Wandrer
von Lande zu Land".
Als früh am Morgen
klang sein „Lieb'
Heimatland, adel"
unddasbewegte„Muß
i denn, muß i denn
zum Städtle hinaus":
„Vater, Mutter sah'n
ihm traurig, und die
Liebste sah ihm nach'f
Leid und Trennungs¬
weh sind bald ver¬
gessen, denn „recht
lustig sei vor allem,
wer's Reisen wählen
„Frisch voran, frisch voran I
O welche Lust, von einem Ort zum andern.
Jubelnd aus voller Brust
Durch Hain und Flur zu wandern I"
Mit der deutschen Wanderlust vereinigt sich die
stärkste Liebe zur engem Heimat, die besonders bei
Schwaben und Aelplern, aber auch bei Bewohnern der
von Natur nicht begünstigten Landesteile zum unbe-
zwinglichen Heimweh wird:
„Schlehen im Oberland,
Trauben im Unterland.
Drunten im Unterland
Möcht' i wohl seinl"
Blick auf die Westerwaldbcrgc
(Siehe Artikel „Frühjahrs-Wanderung- am Rhein".)
Blick auf das Wiedtal von Weißfeld
will''. Drum:
336 101
101 DEUTSCHLAND Nr. 7
Linz am Rhein
Walcisee am Wege nach Altwied
Endlich kehrt der Gesell zurück ins ^Land
der Freude, Land der Lieder", wird Meister
in der Heimatstadt, „Frau Meisterin wird
seine Lore".
So quillt der Liederschatz des deutschen
Volkes fort und fort, und gar unerschöpflich
ist der Born deutscher Wanderlieder.
Wer vermöchte zu zählen die lustigen
Sänge wandernder bemooster Burschen, die
bald lachenden, bald trauernden Lieder
marschierender Soldaten, die Turner- und
Jägerlieder, die Lieder vom Rhein und
seinem Wein und dem Land „so wunder¬
schön in seiner Eichen grünem Kranz"?
Im deutschen Gemüt liegt die Quelle der
deutschen Lyrik. Das Gemüt ist der klare
See, in dem sich der blaue Himmel glück¬
licher Wandertage, die goldnen Sterne froher
Gefühle widerspiegeln. Auf diesem Boden
sprießend, findet das Lied die Geheimnisse
großer Kunst: Kraft, Einfachheit und Wahr¬
heit. Da sich dies goldne Dreigestirn am
reinsten in Gottes freier Natur offenbart, so
wird immer wieder das Wandern zum Singen
und Dichten einladen.
Im Nußbaumwäldchen des heimatlichen
Schloßgartens, in dem Wipfel eines hoch¬
stämmigen Baumes sitzend, über das Blüten¬
meer der Bäume voll Sehnsucht und voll
Wanderlust hinausschauend, dichtete Eichen
dorff, der Poet deutscher Wanderer, sein
herrliches: „O Täler weit, o Höhen!"
Und der Deutsche wandert und dichtet
fort; denn auch heute noch
„Die Bächlein von den Bergen springen.
Die Lerchen schwirren hoch vor Lust:
Was sollt’ ich nicht mit ihnen singen
Aus voller Kehl’ und frischer Brust I"
Frühjahrs -Wanderung
am Rhein.
Von Prof. Ludwig Stelz. — Mit photograph.
Aufnahmen von Photograph H. Groß, Bonn.
„Wohlauf, die Luft ist frisch und rein,
„Wer lange weilt, muß rosten!
„Den allerschönsten Sonnenschein
„Läßt uns der Himmel kosten I
singen unsere älteren Schüler und die Stu¬
denten und bleiben in der Kneipe im Tabaks¬
qualm sitzen. Und was wäre es doch für
unsere Stadtjugend so gut, wenn sie die
Worte in die Tat umsetzte! Mit dem Ruck¬
sack auf dem Rücken, den Stecken in der
Hand, Zufriedenheit und Frohsinn im Herzen
an Stelle des gut gefüllten Geldbeutels drauf
los wanderte!
Und das Wandern wirdjetzt so leicht
gemacht. In allen Gegenden Deutschlands
sind Ortsvereine entstanden, die sich zur
Aufgabe gesetzt haben, die schönsten Punkte
Hummelsberg von Nordosten
Nr. 7 DEUTSCHLAND 337
ihrer engeren Heimat, ihre besten Zugänge
und Verbindungswege zu markieren. Ent¬
legene Fußpfade, die sonst nur der kundige
Förster und Postbote, der Fremde aber kaum
an Hand der Meßtischblätter fand, kann nun
jeder Tourist ohne die geringste Gefahr des
Verirrens begehen.
Unter allen Teilen unseres Vaterlandes
besitzt aber die Rheingegend einen Vor¬
zug, der ihr nicht streitig gemacht werden
kann, denn er ist klimatischer Natur. Volle
14 Tage bis 3 Wochen früher tritt
das Frühjahr hier ein als ander¬
wärts. Und Ende März hat der Mittelrhein
eine Periode geringsten Niederschlags, genau
so wie Ende September. Ein besseres Zu¬
sammentreffen für eine genußreiche Wande¬
rung ist kaum denkbar. Im Herbst, zur
Zeit der Traubenreife, wird der Rhein ja viel
besucht, aber im Frühjahr während der
Baumblüte, ist er leer.
Seit ich den vom Rheinischen Verkehrs-
Verein markierten Rhein-Höhenweg*), ich
darf wohl sagen, entdeckt habe, begehe ich
ihn um diese Zeit mit Vorliebe. Auch in
diesem Jahre habe ich wieder überall die
„Saison eröffnet". Begegnet bin ich wieder
keinem einzigen Touristen, oft stundenlang
keinem Menschen. Denn die Markierung
des Rheinhöhenwegs führt weit vom
Rhein ab, tief in das Gebirge hinein. Und
das hat man ihr zum Vorwurf gemacht. Ganz
zu Unrecht! Denn nur so war es möglich,
die stillen Waldwege einzubeziehen, die eine
so wirksame Medizin für unsere gepeitschten
Nerven sind.
Nun sind diese Wege allerdings nicht
überall in gutem Zustand. Besonders, wenn
noch Schneegestöber und Regen gelegent¬
lich dazukommt. Aber derbe, gut geschmierte
Rindslederschuhe und Gamaschen helfen
darüber hinweg. Die herrlichen Blicke finden
sich nun einmal nicht auf den gepflegten
Kieswegen der Großstadt, und die frische
reine Waldgebirgsluft meidet die Fabriken
und Großbetriebe. Und wenn Aussicht und
frische Luft dem Touristen geboten werden
sollten, waren eben Holzabfuhrwege und
Jägerpfade nicht zu umgehen. Gerade da¬
durch, daß die Markierung vom Rhein ab
durch seine Nebentäler auf die
Höhen hinauf und wieder hinab
geführt wurde, war es möglich, die Auf¬
einanderfolge der Landschaftsbilder
so wechselnd und verblüffend zu
gestalten.
Und nun lade ich zum Beweise dessen
meine Leser ein, mit mir nur einen einzigen
Tag zu wandern. In dem freundlichen
StädtchenLinz, das durch seinen riesigen
•> R h e i n wan d e r b u ch. 16 Tag^e auf den Rhein¬
höhen und im Rheintal mit 4 Weg^ekarten von Hans Hoitz.
Preis 1.20 Mk.
Bück von oben auf die Ruine von Altwied
Lufikurort Rengsdorf
338 DEUTSCHLAND Nr. 7
Basaltversand bekannt ist, haben wir genächtigt. — Nun
wandern wir aufwärts durch das Leiterseiltälchen,
eine ganz charakteristische, tief in die Schiefer¬
felsen gerissene Rheinschlucht. Nur mit Mühe
ist hie und da dem Hang der Platz für den Pfad
neben dem murmelnden Wässerchen abgewonnen.
An hübschen Punkten laden Bänke zur Rast ein. Wir
aber steigen gemächlich weiter und erreichen nach
einer Stunde die Hochebene. Die Buschwälder der
Talseiten sind hinabgesunken und darüber erschließt
sich der Blick ungehindert auf die weite Rhein¬
ebene. Vor uns öffnet
sich die Mündung des
Ahrtals, von dem burg¬
gekrönten Basaltkegel
der Landskrone be-
herrscht.UndimHinter-
grundl Sind das nicht
dieVorberge derAlpen,
die das Bild bekränzen?
Im Glanze des Neu¬
schnees prangen die
Hohe Acht bei Adenau,
der charakteristische
Mosenberg beiMander-
scheid und eine ganze
Kette anderer. Und es
gehört nicht allzuviel
Phantasie dazu, sich
etwas wie Alpen Vor¬
täuschen zu lassen.
Aber weiter! Der
Wald nimmt uns auf.
Nur einige vorwitzig
grünende Weißdorn-
sträucher, ebenso die
schwellenden Knospen
der Buchen verraten
ein Erwachen aus dem
Winterschlaf. Noch
lassen seine Zweige die
Sonne ungehindert hin¬
durch, dem kaltenNord-
ostnehmen sieaber die
Kraft. So überlassen
wir uns ganz dem be¬
haglichen Gefühl der
wärmenden Strahlen.
Links, gleich am Wege, erscheint ein kleiner,
weltvergessener Waldsee, tief und klar. Welchen
Genuß müßte im Sommer ein Bad darin gewähren! Aber
„Zutritt verboten"! Warum nur? Folgen des Haftpflicht¬
gesetzes? Soll der Eigentümer ihn etwa zuschütten,
damit ja niemand darin ertrinken kann?
Nach einer halben Stunde treten wir aus dem Walde
heraus. Vor uns liegt das kleine Dörfchen Weißfeld,
und nun öffnet sich der Blick auf die Westerwald¬
berge im Osten. Tief liegen die engen Täler unter
uns, die sich rechts und links zum Wiedbach hinwinden.
Die Kuppen müssen ihnen ausweichen, sich kulissen¬
artig immer tiefer und tiefer hintereinanderschieben.
Vergeblich sucht das Auge nach Ordnung in dem Gewirr.
Und darüber hat die Frühjahrssonne ihre Farben
gezaubert: Ein blauer Duft schwebt auf den dunklen
Tannenwäldern, ein hellvioletter Schleier über den braun¬
roten Knospen des Buchenwalds. Und im Vordergrund
das Zwiebelbraun der alten Blätter auf dem Buchen-
und Eichenbuschwerk. Dazwischen die zart gelbgrünen
Pyramiden der eben knospenden Lärchen.
Wo der Wald vor der Kultur zurückgewichen ist,
liegen Dörfer mit schwarzen oder roten Dächern, vor¬
sichtig in die Mulden hingebettet, inmitten des Mosaik¬
musters der Felder aus hellem Gelb und saftigem Grün.
Ein Farbenbild, so
prächtig, wie es nur
der Frühling zustande
bringt, und das sich
vor jenem anderen,
dem Blütenmeer in den
Tälern, nicht zu ver¬
stecken braucht.
Wir verweilen und
staunen — entdecken
immer neue Schön¬
heiten, aber „Weiter"
heißt die Losung.
Nun steigen wi r
zum Mahlberg auf.
Es ist eine der vielen
Basaltkuppen, welche
die Hochebene des
Schiefergebirges unter¬
brechen. Ein Stein¬
bruch hat ihn auf der
Nordseite bereits zur
Hälfte abgefressen.
Aber gerade so läßt
sich der Bau des Berges,
wie an einem idealen
geologischen Schnitt,
erkennen.
In lauter sechsseitige
Säulen hat sich die
Basaltlava des Berges
aufgelöst. Wie riesige
Register von Orgel¬
pfeifen stehen sie in
Stockwerken überein¬
ander. Lage für Lage
wird herausgeholt und
wandert rheinabwärts zumBau vonGrundmauern,Dämmen,
Häfen an die Küste der Nord- und Ostsee. Rechts und
links stoßen die Basaltsäulen fast unvermittelt an die
hoch aufgestellten, verbrannten Schieferschichten.
Wessen Phantasie reicht aus, sich das Landschafts¬
bild jener Zeit vorzustellen, als dieser Basaltberg sich
bildete? Als drüben in der Eifel die Maare, jene tiefen
stillen Seen auf dem Grunde der Trichter, noch Vulkan¬
schlünde waren, noch Wasserdampf, Rauch und elek¬
trische Entladungen in die Luft schickten. Als gewaltige
Ausbrüche und Stürme die Asche 30, 40 Kilometer
weit trugen und ablagerten. Ueberall die Lavaströme
hervorquollen und mit ihrer dunklen Glut den Himme
röteten. Begann der Rhein schon als flacher Ablauf
Partie im unteren Leiterseiltälchen
340 DEUTSCHLAND Nr. 7
des großen oberrheinischen Binnensees seine Sägearbeit
auf der Schieferebene, oder war der Schluß bei Bingen
noch vollkommen?
Alle diese Fragen werden ausgelöst, während wir
in dem Steinbruch herumklettern und überall die unver¬
kennbaren Zeichen des feuerflüssigen Ursprungs der
Basaltmasse erblicken.
Nun ist aber das Herumklettern in Steinbrüchen
nicht jedermanns Sache. Auch steht, wie überall, das
ominöse „Zutritt verboten" angeschlagen. Und nicht
immer helfen ein paar freundliche Worte beim Auf¬
seher, der unser Interesse zu würdigen versteht, dar¬
über hinweg.
Aber das Siebengebirge bietet im Oelberg
eine Gelegenheit, einen derartigen Schnitt zu erhalten
und bequem zugänglich zu machen. Auch dieser Berg
ist durch einen Basaltbruch bereits halbiert. Um sein
völliges Abtragen zu verhüten und das schöne Sieben-
gebirgsrund zu er¬
halten, hat der Ver¬
schönerungsverein für
das Siebengebirge ihn
angekauft. Nun sollte
dieser sich aber nicht
mit der angebrachten
Tafel„Zutritt verboten"
begnügen. Würde der
Wasser-Tümpel auf
seinem Grunde durch
einen Stollen trocken¬
gelegt und einige
Aufräumungsarbeiten
durchgeführt, vor allem
aber an verschiedenen
Stellen die Schichtung
noch besser entblößt,
so würde dadurch
eine Sehenswürdigkeit
ersten Ranges geschaffen. Der Zugang vom Margareten¬
hof aus ist ja sowieso schon vorhanden.
Aber weiter, immer weiter!
Die Bezeichnung führt vom Mahlberg an durch
prächtigen Hochwald. Stundenlang wandern wir
eben fort. Plötzlich treten wir heraus.
Tief unten liegt Altwied, überragt von seiner
umfangreichen, efeuumrankten Ruine, den klotzigen
Bergfried inmitten. Und wie die Neuzeit in diese Welt¬
einsamkeit hineingreift! Auf der Landstraße pustet,
rattert das Auto, das die Sommergäste von der Bahn¬
station Neuwied nach Rengsdorf bringt, jetzt freilich
noch mit wenigen Einheimischen besetzt.
Und hinter der Ruine die große Stauanlage. Die
Wiedniederung hat sie in einen schmalen, langgestreckten
See verwandelt, der das Wasser zu einem Elektrizitäts¬
werk liefert.
Steil ist der Abstieg, ganz alpin der auf einen
Nebenpfad, vor dem der weniger Kundige gewarnt wird.
Nun zu unserem heutigen Ziel Rengsdorf. Wir er¬
reichen es aber nicht auf dem gewöhnlichen, wenig
schattigen, steil ansteigenden Pfade. Die Markierung
macht noch einen Umweg durch ein waldiges Neben-
tälchen der Wied über den Aussichtspunkt „Alm¬
blick". Hochwald, soweit das Auge reicht. Nur tief
unten im Tal ein schmaler Wiesenstreif, vom Bach in
Windungen durchfurcht. Und oben, wo die steilen
Hänge von weniger geneigten Platten unterbrochen sind,
zwei, drei weitgedehnte Wiesenflecke im Wald. Nur
die Herden und ihr Glockengeläut fehlen jetzt, um den
Namen zu rechtfertigen. Im Spätherbst werden sie auch
wohl da sein.
Nach kurzer Rast steigen wir weiter und erreichen
endlich die Hochebene. Vor uns liegt der aulblühende
Luftkurort Rengsdorf, in der Ferne das weite Neu-
wieder Becken ausgebreitet. Die in den Abendhimmel
qualmenden Schornsteine deuten auf eine gewerbtätige
Bevölkerung dort unten. Sie zeigen aber auch, wie klug
es war, die Markierung in einem achtungsvollen Bogen
drum herum zur Höhe zu führen. Schornsteine und
Rauch haben wir in den Städten mehr wie genug. —
Ganz Mittel- und Süddeutschland habe ich in den letzten
30 Jahren im Frühjahr
durchwandert, viel
Schönes und Inter¬
essantes habe ich da
gesehen. Eine solche
Reihenfolge ganz
verschiedener, in
ihrer Art gleich
schönerLandschaftS“
bilder, im Verlauf
nur eines einzigen
Wandertags, habe
ich nirgends ander¬
wärts gefunden.
Da höre ich denZuruf:
„Das ist alles ganz
schön und gut. Aber
wer kann sich'sleisten,
wochenlang am Rhein
zu weilen, wenn er
nicht einen Millionär zum Vater hat?" — Das trifft für
den Touristen ganz und gar nicht zu. Wer als solcher
untertags aus der Faust zehrt und die dem allgemeinen
Fremdenstrom etwas entzogenen Städtchen als Nacht¬
quartiere wählt, verbraucht nicht mehr als anderwärts
auch. Ich pflege mit 5 Mark bequem auszukommen.
Für die Schüler besteht, hervorgerufen von dem
Rheinischen Verkehrs-Verein, ein ausgedehntes Netz
von Schülerherbergen, wo sie Nachtquartier und
Frühstück umsonst erhalten. Leider ist, wohl aus Rück¬
sicht auf die Kosten, diese Vergünstigung auf die drei
obersten Klassen der Höheren Schulen und die Hoch¬
schulen beschränkt. Ich sage leider, denn ich bin der
Ansicht, daß das selbständige Wandern der Schüler
bereits mit dem 14. Jahre beginnen kann. Wenigstens
haben wir es in diesem Alter geübt, ohne die Hilf-
mittel, die jetzt geboten werden, und mit Geldbeträgen
so lächerlich gering und doch für uns ausreichend. Und
in diesem Alter muß die Gewöhnung zum harmlosen,
naturfreudigen Wandern einsetzen, bevor noch das ganze
Interesse unserer Jugend durch den Sport aufgesaugt ist.
Wenn ich unbeobachtet mit anhöre, mit welcher
Gründlichkeit und Wichtigkeit unsere Schüler die Sport¬
verhältnisse erörtern, so scheint eine völlige Verkehrung
Nr. 7 DEUTSCHLAND 341
der Begriffe von Arbeit und Spiel, von Notwendigem und
Nebensächlichem bei ihnen einzureißen. Deshalb wird
gerade das allgemeine Streben, unser deutsches Wandern
zu erleichtern und von neuem zu Ehren zu bringen, von
grundlegender Bedeutung. Denn das Wandern gewöhnt
zu Einfachheit und Selbständigkeit, steigert die Willens¬
kraft und erweitert den Gesichtskreis. Den Körper stählt
es durch langen Aufenthalt und Bewegung in frischer.
reiner Luft. So wird es zu einem Haupterziehungsmittel
für unsere Jugend und zu einem wichtigen Erhaltungs¬
mittel der Körper- und Geisteskraft für uns Alte.
Drum auf zum frischen, fröhlichen Wandern!
Und im Frühjahr, wo wir Winterrauch und Winter¬
staub in den Lungen und die Winterarbeit in den Nerven
haben, hinaus:
in das Frühjahr, in die Sonne, an den Rhein!
August Trinius, der Thüringer Wandersmann.
(Zu seinem 60 . Geburtstage.)
Thüringens Schönheiten haben in Nr.6 der „Deutsch¬
land" eine kurze Würdigung erfahren. Man hatte diese
dem Schriftsteller übertragen, der hierzu wohl am
berufensten ist: August Trinius, dem Thüringer Wanders¬
mann. Ihm, der am 31. Juli seinen 60. Geburtstag
feierte, seien die folgenden Zeilen gewidmet.
Der Thüringer Wandersmann ist von Geburt kein
Thüringer. In Schkeuditz bei Leipzig erblickte er vor
nunmehr 60 Jahren das Licht der Welt. Doch schon
nach wenigen Monaten zogen die Eltern nach Erfurt,
das dem Dichter die eigentliche Heimat geworden ist.
Der Dichter schreibt: „Das alte, zum Teil düstere Stadt¬
bild mit seinen Festungswerken, der Steigerwald mit der
fernen blauen Linie des Thüringer Waldes, dies alles
hat unsagbar tief auf mich eingewirkt und legte wohl
in mich die Anlagen, die ich dann später in Schilde¬
rungen der Natur offenbarte. Ich hänge tief an Erfurt,
und jetzt beginnt diese Neigung wieder zu wachsen,
da ich so weit doch durch die Welt kam."
Mit 12 Jahren kam Trinius nach Berlin, dem er bis
1890 treu blieb; dann setzte er seinen Wanderstab nach
Thüringen. 21 Jahre, den größten Teil seiner Meister¬
jahre, lebt er nun in Thüringen. Was ihn hierher lockte,
sagt der Dichter mit folgenden Worten:
Ich hab' wie ein Spielmann durchfahren das Land
In Lenzglück und Sommerpracht,
Wenn die Felder still wogten, die Sichel erklang.
Und die Wälder rauschten so sacht.
Es war wie ein Suchen nach Rast und nach Glück
Und trieb mich von Ort zu Ort,
Nun umrauschen Thüringer Tannen mein Dach,
Nun zieht es mich nimmer fort.
In Waltershausen, dem freundlichen Städtchen, hat
er sich bleibend niedergelassen, hat von hier aus immer
neue Schönheiten Thüringens erwandert und erfahren.
Er ist dadurch zu einer der bekanntesten Gestalten
Thüringens geworden.
An Auszeichnungen, Orden und äußeren Ehrungen
hat es dem Geheimen Hofrat nicht gefehlt.
Das Wandern, die alte deutsche Wanderlust, steckt
unserm Dichter tief im Blute. Sie hat für ihn, ähnlich
wie für die Fahrenden alter Zeit, etwas Dämonisches.
Er hat Gebirge und Getal zu jeder Jahreszeit befahren,
nicht zuletzt im Winter. So sagt er in einem Gedichte,
Das Tuskulum des Geh. Hofrats August Trinius in Waltershausen
342 DEUTSCHLAND Nr. 7
das er seinem zu früh verstorbenen Wanderfreunde,
seinem Sohne Werner, weihte:
Wenn aus vereister Winterstarre sich
Natur aufatmend rang, zum Sonnenlichte
Millionen Augen hoffnungsfroh zu richten
Aus Busch und Wald — da hört ich deine Stimme:
„Komm', Vater, komm'I Laß in die Berge heute
Uns tapfer steigen, wie wir's oft getan I
Die Quellen brechen auf, der Amselschlag
Hallt wieder über unsere Wälder hin.
Empor zum Rennsteig I Wo die Blicke schweifen
Weit über sonnengoldne Länder fortl . . .
Wie einst Walter von der Vogelweide, so kann auch
Trinius sagen: Lande hab' ich viel gesehn. Wie jener
ist er gefahren von der Elbe bis zum Rhein:
Ich bin durch alle deutschen Gauen
Als ein fahrender Mann gezogen.
Und habe mit Mädchen, braunäugig und blauen.
Gebechert, geküßt und — gelogen.
Wir sehen ihn im Schiffe den Golf von Biscaya kreuzen,
sehen ihn bewundernd stehen im internationalen Völker¬
tempel, der Peterskirche zu Rom. Aber sein Hauptziel
waren und blieben die landschaftlichen Reize des
deutschen Vaterlandes. Nur sie hat er in seinen
Wanderbüchern besungen.
Die Wanderbücher bilden den Hauptteil seiner
Werke. Folgen wir dem Dichter auf seinen Fahrten,
so werden wir zunächst geführt nach der Mark, „deren
Adagio ihn anzog", Fontane mit seinen „Wanderungen
durch die Mark" ist gewiß auf unsern Wandersmann
nicht ohne Einfluß geblieben. Was Trinius beim
Wandern erschaute und erlebte, das berichtet er in drei
Werken: „Auf märkischer Erde", „Märkische Streifzüge",
„Vom grünen Strand der Spree". In den Spree- und
Havellandschaften, im Lande Lebus hat er offenen Auges
und Herzens Land und Leute betrachtet und sie in
jenen Werken dargestellt.
Zur Elbe ist dann der Dichter hingefahren, zur
alten, stolzen Hansastadt Hamburg. Und wie an jedem
Binnenländer, so hat diese Stadt an ihm in verstärktem
Maße ihren Zauber bewährt. In seinem Buche „Ham¬
burger Schlendertage" berichtet er von dem gewaltigen
Eindruck, den der Mastenwald des Hafens, das Geschäfts¬
leben auf Börse und Markt auf sein Herz gemacht haben.
Im nahegelegenen Sachsenwalde besuchte unser Dichter
das Grab Ottos des Großen, dem er einst, als dem Ehren¬
schulzen von Gabelbach, die „Chronik der Gemeinde
von Gabelbach" widmete.
Das Moseltal mit seinen grünen Bergen und Reben¬
hügeln beschrieb er in dem Wanderbuch: „Durchs
Moseltal". Der treuen Arbeit der Winzer spricht er
den Dank aus für ihr redliches Schaffen zu Ehren des
deutschen Weinbaues.
Gehaltvoll ist auch das Buch: „Durchs Unstruttal".
Der geneigte Leser merkt bald, daß er sich in aus¬
gesuchter Gesellschaft befindet. Da hat er in Trinius
den Naturfreund zur Seite, der ihn auf die Schönheiten
der Landschaft, über Form und Farbe, auf die stillen
Reize von Berg und Fluß aufmerksam macht; da wandert
mit ihm der kenntnisreiche Thüringer Wandersmann, der
die alten Inschriften entzifferte und die verstaubten Hand¬
schriften las, der angesichts von Kirchturm und Ruine
den Geist rückwärts wandern läßt in schwere und heitere
Zeiten vergangener Jahrhunderte; der unaufdringlich
Antwort gibt auf manche Frage, die sonst unbeantwortet
bleiben würde. Da hat der Leser zur Seite den präch¬
tigen bayerischen Professor, der mit seinen launigen
Betrachtungen nie Langeweile oder Reiseunlust auf-
kommen läßt.
„Durchs Werratal" ist ein anderes Wanderbuch
betitelt, das dem Leser ein wertvoller Führer bei einer
Werrafahrt sein kann. Ein monumentales Werk ist das
achtbändige „Thüringer Wanderbuch". Der Dichter hat
sich mit liebevollem Verständnis in die Betrachtung von
Thüringer Land und Leuten in Sage, Geschichte und
Gegenwart vertieft und stellt das Geschaute zusammen¬
hängend dar. Jeder Besucher Thüringens, besonders jeder
Thüringer, wird mit Vorteil diese Wanderbilder lesen.
Freilich ist hier gleich zu bemerken, daß es falsch
sein würde, ein ganzes Werk von Trinius in einem Zuge
durchlesen zu wollen. Wer das tut, der ist bald über¬
füttert und verliert den Geschmack am Lesen.
In vielen kleineren Schriften hat unser Wanders¬
mann Nachlese in Thüringen gehalten. Ich nenne nur:
„Den Rennsteig". Menschen von historischem Sinn und
Gefühl werden stets, wo sie die uralte Bergstraße aus
dem Dunkel des Waldes auftauchen sehen, von einer
eigenen feierlichen Stimmung erfaßt. Trinius hat die
alte Heerstraße in sein Herz geschlossen, sie befahren
und anderen durch sein Buch eine Rennsteigwanderung
fruchtbarer gemacht.
Es würde zu weit führen, alle Werke unseres Dichters
aufzuführen. Im ganzen hat er mehr als 50 geschrieben,
unter denen jeder, der sich für eines der Lande von
der Mark bis zu den Vogesen interessiert, etwas für
sich findet.
Mit dem Thüringer Wandersmann eine Fahrt zu
machen, sei es auch nur eine Buchfahrt, ist ein hoher
Genuß des echten Wandergeistes wegen, der uns aus den
Werken anweht, des Geistes der Wanderlust, sinniger
Naturbetrnchtung, der Liebe zum deutschen Vaterland.
Lothringen.
Von Museumsdireklor Prof. J. B. Keune.
Der Bezirk Lothringen bildet mit den beiden elsässischen
Regierungsbezirken seit dem Jahr 1871 die Reichslande Elsaß-
Lothringen. Durch diesen Zusammenschluß sind Landesteile
mit verschiedener Vergangenheit und Volksart aneinander¬
geknüpft. Da aber der Begriff „Lothringen" für viele in
dem Begriff „Elsaß" völlig untergeht und selbst bei reichs¬
ländischen Veröffentlichungen und Veranstaltungen dem
lothringischen Bezirk das ihm gebührende rechtmäßige Drittel
häufig nicht zugestanden wird, so sei unserem Deutsch-
Lothringen ein Platz an der Sonne gegönnt und seiner Eigen¬
art eine kurze Besprechung gewidmet.
Der Name „Lotharingen", „Lothringen" geht auf
das 9. Jahrhundert n. Chr. zurück, da das im Jahre 843
gebildete mittelfränkische Reich nach seinem Herrscher Lothar
(Vater und Sohn) benannt war. Nachdem aber die über¬
lebenden Söhne Ludwigs des Frommen, Ludwig der Deutsche,
344 DEUTSCHLAND Nr. 7
Schloß Ladonchamps b. Woippy (Landkr. Metz)
nordwestlichen Ecke des heutigen Bezirkes Lothringen. —
Außerdem umspannt aber Deutsch - Lothringen noch ver«
schiedene kleinere einstmals reichsunmittelbare Gebiete, wie
die Reichsgrafschaften Dagsburg und Kriech ingen, die
Freiherrschaft Finstingen usw., sowie Stücke der haupt¬
sächlich in den angrenzenden, heute rheinpreußischen und
unterelsässischen Bezirken gelegenen Grafschaften Saar¬
brücken (Nassau) und Lichtenberg (Hanau), Herrschaften,
die alle nach der von
Kaiser Maximilian 1.1512
eingeführten Einteilung
zum Oberrheinischen
Kreis zählten.
Diese verschiedenen
Landesteile sind zu ver¬
schiedenen Zeiten
an Frankreich ge¬
fallen, am frühesten
die Stadt Metz mit ihrem
Gebiet und die weltliche
Herrschaft des Bistums
Metz, die im Jahre 1552
von Frankreich besetzt
und im Friedensvertrag
von Münster in Westfalen
im Jahre 1648 endgültig
an dieses vom ehemaligen
Deutschen Reich abge¬
treten wurden. Dieden-
hofen ist während des
Dreißigjährigen Krieges
im Jahre 1643 von den
Franzosen erobert und
im sogen. Pyrenäischen
Friedenl659 mit dem zu¬
gehörigen Sprengel von
Spanien an Frankreich
abgetreten. Das Herzog¬
tum Lothringen kam erst
im Jahre 1766 an Frank¬
reich, als der Schwieger¬
vater des französischen
Königs Louis XV, Stanis¬
laus Lesezinski, starb,
dem das Herzogtum als
Ersatz für die verlorene
polnische Königswürde
im Jahre 1735/36 zugesprochen war; allerdings hatte
Frankreich schon zu Lebzeiten des Herzogs Stanislaus in
der Hauptstadt Nancy durch einen Vertreter Regierungs¬
gewalt ausgeübt. Erhebliche Gebietsteile des Herzogtums
Lothringen waren bereits viel früher an Frankreich ver¬
loren. Denn im Jahre 1661 halte der Herzog von Loth¬
ringen die Festung Sierck mit 30 Dörfern, das Gebiet
der Abtei Gorze und außerdem einen Landstreifen von
der Breite einer halben lothringischen Meile abtreten
müssen, die Route de Lorraine, die die gleichzeitig Frank¬
reich überlassenen, damals festen Plätze Saarburg und
Pfalzburg mit dem Metzer Land verband und den unge¬
hinderten Durchmarsch französischer Truppen nach dem
Elsaß gewährleisten sollte.
Eine ähnliche Militärstraße hat sich Frankreich zum
Zweck der Verbindung mit der (von Louis XIV ge¬
schaffenen) Festung Saarlouis im folgenden Jahrhundert,
nach der Erwerbung des Herzogtums Lothringen, gesichert,
indem es von Nassau-Saarbrücken durch Verträge vom
Jahre 1766/1770 verschiedene Dörfer und Forsten erwarb.
Nicht wenige Ortschaften im heutigen Bezirk Lothringen
haben aber noch bis zur französischen Revolution (1792/93)
zum alten Deutschen Reich gehört, und die bis dahin reichs¬
unmittelbaren Herrschaften, zu welchen sie zählten, sind mit
dem ganzen linken Rheinufer durch die Friedensabmachungen
von Luneville im Jahre 1801 an Frankreich abgetreten, bei
welchem sie auch nach den Freiheitskriegen verblieben. Diese
Landstriche sind also keine 80 Jahre fransösisch gewesen,
als sie 1871 Deutschland wiedergewonnen wurden, anderseits
hat das erneuerte Deut¬
sche Reich im Jahre 1871
auf ausgedehnte Ge¬
biete, die vor 100 bis
320 Jahren noch zum
alten Reich gehörten,
keinenAnspruch erhoben.
Die große französische
Revolution hat aber nicht
bloß die letzten Ueber-
bleibsel der deutschen
Reichsherrlichkeit besei¬
tigt, sondern auch die
von Frankreich belassene
oder vorgenoinmene, auf
geschichtliche Ueberlie-
ferung gegründete Ge¬
bietseinteilung mit ihren
gesonderten Gewohn¬
heitsrechten aufgehoben
und durch die Departe¬
ments ersetzt. Die im
jetzigen Bezirk Loth¬
ringen enthaltenen Ge¬
meinden waren zwei
verschiedenen Departe¬
ments, der Mosel und der
Meurthe, zugeteilt. Von
den vier Kreisen (arron-
dissements) des Mosel¬
departements — Metz,
Briey, Diedenhofen und
Saargemünd — verblieb
nach dem Friedenschluß
von 1871 der größte Teil
des Kreises Briey bei
Frankreich. Dafür wurden
aber zwei Kreise des De¬
partements der Meurthe,
Münze"' zu Vic vor ihrer Herstellung
Nr. 7 DEUTSCHLAND 345
Chateau«Salins und Saarburg i. L., zum Regierungsbezirk
Lothringen geschlagen. Die Zahl der Kreise dieses Bezirkes
wurde durch Neubildung der Kreise Metz-Stadt, Bolchen und
Forbach auf acht erhöht; ein neunter Kreis kam 30 Jahre
später (190T) hinzu durch Zweiteilung des Kreises Dieden-
hofen, dessen Bevölkerungsziffer infolge des Aufschwunges
der Eisenindustrie beträchtlich gewachsen war.
Diese eben näher bezeichneten Ländergebiete sind von
der deutsch - französischen Sprach grenze durch¬
zogen, und zwar dergestalt, daß höchstens ein Drittel der ein¬
heimischen Bevölkerung des Bezirkes Lothringen französischer
Zunge ist, während zwei Drittel das Deutsche als Mutter¬
sprache haben. Wer im deutsch-sprachigen Lothringen bis
1870 und in der folgenden Zeit nur Französisch sprach,
wurde vom Volksmund als „Welscher'" gekennzeichnet, und
wenn hier jemand aus der einheimischen, ansässigen Bevölke¬
rung Französisch parliert, so zieht er seiner Muttersprache
die im Unterricht oder im Verkehr erlernte fremde Zunge
vor. Natürlich sprach und spricht das Volk kein Hoch¬
deutsch, wie es die Schule lehrt, sondern Mundarten, die
vornehmlich dem fränkischen Sprachgebiet angehören, nach
Osten zu jedoch vom Alemannischen beeinflußt und in der
südöstlichen Ecke rein alemannisch - elsässisch sind. Im
Nordwesten spricht das Volk die luxemburgische Mundart,
wie sie auch im Großherzogtum Luxemburg und in den an¬
stoßenden ehemals herzoglich-luxemburgischen Landstrichen
des Bezirkes Trier gesprochen wird (z. B. „Kand" statt
„Kind"; „Spatzen" statt „Spitzen"). Diese Mundart weicht
völlig ab von der in der Pfalzburger und Dagsburger Gegend
gesprochenen Mundart, zu der die im mittleren Lothringen
gesprochenen Mundarten von Bolchen, Forbach, Saargemünd
den Uebergang bilden. Alle diese deutschen Mundarten
wimmeln aber geradezu von Wörtern und Ausdrücken, die
der französischen Sprache entlehnt sind.
In den lothringischen Landstrichen französischer Zunge
kommt naturgemäß in der Familie und im Verkehr die
Muttersprache zu ihrem Recht, doch scheuen sich die Ein¬
heimischen nicht, auch die in der Schule erlernte deutsche
Sprache zu gebrauchen. Im Verkehr der Landbevölkerung
wird meist ein Patois (Mundart) gesprochen, und zwar unter¬
scheiden sich le Patois Messin im Metzer Land, le Saulnois
in der Gegend der oberen Seille und le Vosgien in den
Vogesen. Beispielsweise wird in der Metzer Mundart von
jeher volles a wie ä gesprochen, wie ouvräge statt ouvrage,
und daher auch in alten Inschriften und Urkunden entsprechend
Schloß zu Diesdorf im Kreis Diedcnhofen-Ost
geschrieben (ai statt a). Diejenigen Familien, die im Französisc h
sprechenden Teil des Bezirkes Lothringen Deutsch sprechen,
sind aus deutsch-sprachigen Gegenden eingewandert.
Infolge der starken Einwanderung, unterstützt durch die
erhebliche Auswanderung von Familien französischer Zunge,
hat aber das Sprachverhältnis im französischen Teil des
Bezirkes Lothringen eine einschneidende Veränderung er¬
fahren, vor allem in Metz und seinen Vororten sowie in den
Industriegegenden. So hat heute zu Metz die Deutsch
sprechende Bevölkerung, auch von den Soldaten ganz ab¬
gesehen, die Ueberzahl, und die Altdeutschen, die unsere
Stadt besuchen, dürfen sich daher nicht, wie es gewöhnlich
geschieht, darüber wundern, daß hier so viel Französisch
gesprochen wird, sondern vielmehr, daß nach nur 40 Jahren
die deutsche Sprache zu Metz allenthalben zu hören ist.
Dies ist aber nicht etwa die erste Verschiebung, der die
sprachlichen Verhältnisse von Lothringen unterworfen gewesen
sind, denn vor 300 Jahren hat sich die Sprachgrenze zu
ungunsten der deutschen Sprache nach Norden verschoben und
346 DEUTSCHLAND Nr. 7
zahlreiche Ortschaften, deren einheimische Bevölkerung heute
Französisch spricht, waren, wie alte Urkunden, Flurnamen
und andere Kennzeichen beweisen, früher deutsch, so Hayingen,
Lörchingen, Dieuze. Zu Dieuze ist ja im Jahre 1497 der
berühmte Gelehrte Musculus, der so seinen deutschen Namen
Meusslin (d. h. Mäuslein) nach der gelehrten Humanisten-Silte
seiner Zeit lateinisch übersetzt hat, als Sohn eines Küfers
geboren. Dagegen war das benachbarte Vic immer französischer
Zunge. Allerdings haben Bischöfe von Metz deutscher Her¬
kunft im 15. Jahrhundert Deutsche und vor allem deutsche
Handwerker in Vic und den Französisch sprechenden Teilen
des bischöflichen Gebietes angesiedelt, und so erklärt es sich,
daß in dem damals gemischtsprachigen Marsal die Aufschrift
einer Glocke, die ein Conrat von Vieh (Vic) im Jahre 1508
gegossen hat, in Deutsch gehalten ist.
Die Verkürzung des deutschen Sprachgebietes in Lothringen
war hauptsächlich durch den Dreißigjährigen Krieg verschuldet.
Zahlreiche Ortschaften waren damals zerstört und verödet.
Die ausgestorbene Bevölkerung wurde auf Anordnung von
Louis XIV durch Ansiedler ersetzt, die aus dem inneren
Frankreich stammten. Infolge dieser Maßnahmen verschwand
die deutsche Sprache aus der Gegend von Albesdorf und
Dieuze bis Lörchingen.
Wie in sprachlicher Hinsicht, so bietet auch land¬
schaftlich Lothringen Verschiedenheiten. Denn das frucht¬
bare, dicht bevölkerte Moseltal bei Metz, dessen Lieblichkeit
seit uralten Zeiten gerühmt wird, bildet einen Gegensatz
einmal zu den heute dünn besiedelten und weithin von Wald
bestandenen Höhen der nördlichen Vogesen und anderseits
zu den zwischen Mosel und Vogesen wie auch westwärts sich
ausbreitenden Hochflächen, auf denen der Landmann mit
saurem Schweiß dem zähen Boden die Kornfrucht abringt.
Die Nordvogesen mit ihren herrlichen Waldungen, kühnen
Sandsteinfelsen, Burgruinen und anmutigen Ortschaften in
den Taleinschnitten gehören zu den schönsten Gebirgsland¬
schaften. Hervorgehoben seien nur im Bitscher Land die
Burgen Waldeck und besonders Falkenstein, zwischen denen
sich der Hanauer Weiher, „einer der schönsten Seen der
Vogesen" ausbreitet, dann Lützelstein, Alberschweiler und
das Dagsburger Land.
Doch auch das lothringische Hügelland entbehrt durch¬
aus nicht der landschaftlichen Schönheiten, wennschon
manche Landstriche reizlos sind. Denn die einförmigen
Hochflächen sind unterbrochen von lieblichen Tälern, wie der
Orne, der Fentsch, der Kanner, der Rossel, oder belebt durch
ausgedehnte Laubwaldungen, wie den Forst von Remilly oder
die Wälder bei Hargarten, Reste des alten, berühmten Reichs¬
forstes Warent oder Warant, dessen Name nur noch auf
preußischer Seite
umCarlsbrunn fort¬
lebt, und durch die
Lothringen eigen¬
tümlichen Stau¬
weiher, die zeit¬
weise zum Zwecke
des Fischfanges
abgelassen werden
und Ackerfeldern
Platz machen.
Angenehme Ab¬
wechslung in die
manchmal einför¬
mige Landschaft
bringen auch die
Ortschaften mit
ihren alten, ehr¬
würdigen Kirchen
oder festen Schlös¬
sern, die an ent¬
schwundene Zeiten
erinnern.
Unter den K i r-
ch e n seien vor
allem die eigen¬
artigen Festungs¬
kirchen erwähnt,
die im Mittelalter
zu Kriegszeiten der
Bevölkerung Zu¬
flucht und Schutz
boten, so im Metzer Lund zu Chazelles bei Scy, zu Lessy,
Norroy-le-Veneur, Mey, Arry, im weiteren Lothringen z. B.
der Kirchturm von Heckenransbach (Kreis Forbach). Auch
sonstige mittelalterliche Kirchen sind zahlreich in Lothringen;
sie sind vielfach, wenn auch romanische Bauteile erhalten
geblieben sind, in gotischer Zeit umgebaut oder neu gebaut.
Aus der großen Zahl seien beispielsweise genannt die frühere
Abteikirche zu Gorze, die Kirchen zu Lorry-Mardigny,
Diedersdorf, Münster, Vic, Marsal, Finstingen, Hessen, ferner
die einsame Bergkirche Usselskirch (Lützelkirch d. h. kleine
Kirche) bei Bust und die „Moderkirche" (Mutterkirche),
ein inmitten des Friedhofes von Farschweiler stehen ge¬
bliebener runder Turm der ehemaligen Dorfkirche, weiter
die Kirche in Sillegny mit eigenartigen Wandmalereien des
16. Jahrhunderts, die Kirche in Settingen mit vorzüglichen
Glasgemälden des 15. Jahrhunderts, schließlich von sonstigen
kirchlichen Bauten die Reste der berühmten Abtei Stürzelbronn
mit einer jetzt in der Kirche eingemauerten einzigartigen
Kalendertafel des 12. Jahrhunderts, sowie das neben der Kirche zu
Schorbach stehende romanische Beinhaus des 12. Jahrhunderts.
Von jüngeren Kirchen verdient Erwähnung die im 18. Jahr¬
hundert neu erbaute Kirche der Abtei St. Nabor, jener Abtei,
der die Stadt St. Avold Ursprung und Namen (mund¬
artlich : Santeför) verdankt.
Inglingen im Kanton Metzerwiese, Kreis Diedenhofen-Ost
Nr. 7 DEUTSCHLAND 347
Befestigte Kirche zu Chazelles bei Scy im Landkr. Metz. Nach einer Zeichnung von Aug. Migette im Museum zu Metz.
Zahlreich sind auch die Schlösser. Sie lieg-en jedoch,
abgesehen von den Burgruinen in den Vogesen und einigen
anderen Burgresten, wie Frauenberg, nicht auf Höhen, sondern
im Tal und waren durch vier (auch nur zwei) Ecktürme und
Wassergräben gegen Angriffe gesichert. Es möge der Hin¬
weis auf die Schlösser von Mardigny, Anserweiler, Homburg
(bei Kedingen) genügen. Von umfangreicheren Befestigungen
seien Rodemachern und die Bergfestung von Sierck genannt.
Von alten Zeiten und Zuständen kündet auch das 6 Kilo¬
meter von Metz an der Landstraße nach Busendorf noch
stehende Hochkreuz, dessen nach dem Volksglauben weis¬
sagende Kraft von heiratslustigen jungen Leuten, besonders
Mädchen, durch Steinwürfe befragt wird, das letzterhaltene
der fünf Kreuze, die ein Edelherr der Reichsstadt Metz,
Nicol. Louve, im Jahre 1445 im Umkreis der Bannmeile von
Metz hat errichten lassen.
In ihrer Zertrümmerung oder Umgestaltung mahnen jene
alten Bauwerke uns zugleich an die Vergänglichkeit
und Veränderlichkeit der irdischen Dinge. Noch ein¬
dringlicher tritt diese Mahnung an uns heran, wenn uns die
Altertumswissenschaft oder Geschichte als Helferin der
Heimatkunde belehrt, daß an jetzt vereinsamten Stätten einst¬
mals Leben und Pracht geherrscht haben. So hat an der
Stelle des heutigen recht bescheidenen Dörfleins Tarquinpol,
das sich auf einer Land¬
zunge eines der erwähnten
Stauweiher, des Linder¬
weihers, ausdehnt, eine
stattliche, in der Ge¬
schichte öfters genannte
gallisch-römische Ansie¬
delung, Decempagi, be¬
standen, von deren glän¬
zenden Bauten nur die im
Ort selbst wie im Park
von Niederlinder und im
Metzer Museum vorhan¬
denen Reste Zeugnis ablegen. Und auf der weiten Rund¬
blick bietenden Höhe des Herapel bei Kochern-Forbach ist
heute „geackert Feld'", doch „eine alte, große Stadt soll
drunter liegen aus der Heiden Zeit", denn der Boden hat
Altertumsfunde in großer Zahl geliefert und, durch Grabungen
geöffnet, auch Baureste gezeigt, die beweisen, daß in den
vier ersten Jahrhunderten unserer Zeitrechnung auf dem
jetzt einsamen Bergrücken eine bedeutende Ortschaft sich
ausgebreitet hat, und, wie das Volk sich erzählt, sitzt die
einstmalige Beherrscherin der verschwundenen Stadt, Hera,
im Innern des Berges auf der Deichsel eines mit Schätzen
beladenen Wagens und harrt der Erlösung. Der Dags-
burger Schloßberg aber, ein merkwürdig gestalteter Sand¬
steinfels, auf dem zu Ehren des hier geborenen h. Papstes
Leo IX. eine Kapelle im vorigen Jahrhundert gebaut ist, trug
noch vor 240 Jahren ein stolzes, von den Franzosen 1677
erobertes und 1679 geschleiftes Schloß, das Sitz des
Dagsburger Grafengeschlechtes war. Die in den benach¬
barten Waldungen der Nordvogesen lagernden Steine dagegen
sind Reste der Siedelungen, Friedhöfe und Heiligtümer, die
auf den einstmals bewohnten und beackerten, seit 1500 Jahren
verlassenen Höhen bestanden, auf denen heute nur noch
wenige Dörfer mit ähnlich angelegten terrassenförmigen Acker¬
feldern zu finden sind.
Während diese dereinst belebten Stätten jetzt vereinsamt
sind, ist in früher stille Täler und unbebaute Gegenden heute
Leben und Lärm eingezogen durch die Industrie. Es hieße
Lothringens Bedeutung verständnislos verkennen, wenn man
seine industrielle Entwicklung unberücksichtigt ließe. Am
großartigsten ist der Aufschwung, den die Eisenindustrie
seit den letzten Jahrzehnten genommen hat und noch dauernd
nimmt. Lothringen allein fördert mehr als 60 Prozent des
gesamten deutschen Eisenerzes zutage. Dieser Aufschwung
ist eine Folge des von dem Engländer Thomas (1878) er¬
fundenen, aber in Deutsch¬
land ausgereiften Verfah¬
rens, das der früher wegen
ihres Phosphor-Gehaltes
mißachteten „Minette"
(so heißt hierzulande das
eisenhaltige Gestein) zur
Wertschätzung verhelfen
hat. Mit der Ausbeutung
der Minette ging und geht
die Anlage von ausge¬
dehnten Hüttenwerken
Hand in Hand. Das Gebiet
dieser hochentwickelten lothringischen Eisenindustrie liegt
westlich der Mosel: Maizieres, Hagendingen, Rombach, Groß-
Moyeuvre, Ueckingen, Hayingen, Algringen-Kneuttingen-
Nilvingen, Aumetz, Deutsch-Oth, Diedenhofen u. a.
Während die Gewinnung und Verarbeitung der Eisenerze
in Lothringen recht alt ist und nur ihr mächtiger Aufschwung
der neuesten Zeit angehört, reicht die Gewinnung der Stein¬
kohle nicht über die Mitte des vorigen Jahrhunderts zurück,
nimmt aber in den Kreisen Forbach und Bolchen immer
größere Ausdehnung an. Denn zu den älteren Kohlengruben
Schloß zu Mardigny, Gemeinde Lorry-Mardigny im Landkreis Metz
348 DEUTSCHLAND Nr. 7
von Karlingen, Spittel, Merlenbach und von Kreuzwald sind
in jüngster Zeit weitere Betriebe getreten.
Auch die lothringische S al z ge winnung ist bedeutend.
Die reichen Salzlager finden sich im oberen Tal der Seille,
die diesen ihren Namen (Salia, Saille = Saale, d. h. Salz¬
fluß) eben jenen seit uralten Zeiten ausgebeuteten Salzlagern
verdankt. Die Gewinnung könnte noch heute eine unbegrenzte
sein, wenn nicht die Salinen auf Grund einer Vereinbarung
die Herstellung des Salzes aus der Sole eingeschränkt und
dem Absatz angepaßt hätten.
Eine alte lothringische Industrie ist auch die Herstellung
und Verarbeitung des Glases. Die Glashütten, die in
Rodungen des Forstes Warent im Bereich der Grafschaft
Saarbrücken und anders¬
wo entstanden waren und
denen die Ortschaften
Kreuzwald-Huf (eines der
drei Dörfer, aus denen
Kreuzwald zusammenge¬
wachsen ist), Merlenbach
(ursprünglich „Glas-
hütte'^ genannt) und an¬
dere ihre Entstehung ver¬
danken, bestehen lange
nicht mehr. Dagegen
hat sich die seit dem
16. Jahrhundert in der
Gegend von Bitsch be¬
triebene Glas-Industrie
zu Münzthal - St. Louis,
einer der bedeutendsten
Kristallfabriken Europas,
Meisenthal(Kunstgläser),
Götzenbrück (Brillen-,
Uhrgläser, Glasglocken)
zu großer Blüte ent¬
wickelt. Erst seit dem
19. Jahrhundert (1836,
1848) aber besteht die
bedeutende Glasindustrie
zuDreibrunnen-V allerys-
thal im KreisSaarburg i.L.
(Uhren-und Brillengläser,
verziertes Hohlglas).
Diel754 begründete
Fayencerie zuNieder-
wei 1er, deren Erzeug¬
nisse (insbesondere auch
die von hervorragenden
Künstlern entworfenen
Figuren und Gruppen)
sehr hoch geschätzt
werden, stellt heute nur
noch gewöhnliche Alltagsware her. Dagegen hat sich die
1780 entstandene, sehr ausgedehnte Fayencerie von Saar¬
gemünd durch ihre neben einfachem Geschirr erzeugten
Kunstfayencen wohlberechtigte Achtung auf dem Weltmarkt
errungen. Hier werden auch die bekannten und vorzüglichen
„Saargemünder Platten" aus Ton angefertigt.
Von den sonstigen zu Saargemünd betriebenen Industrien
ist noch die 1829 hier aufgekommene Herstellung von
Hutplüsch durch Huber & Cie. zu rühmen, die (mit einer
Zweigstelle in Püttlingen) bis in die neueste Zeit den Vorrang
auf dem Weltmarkt behauptet hat. Eine gleiche hervor¬
ragende Stellung nimmt Lothringen ein mit der Fabrikation
von lackierten Pappwaren durch Adt zu Forbach, wo
die 1844 begründete Herstellung von Tabaksdosen aus Pappe
sich zu einer außerordentlichen Mannigfaltigkeit entwickelt hat,
die mit ihren Gebrauchsgegenständen aller Art wie Luxus- und
Phantasiewaren für den Weltbedarf tonangebend geworden ist.
Die seit den 1870er Jahren stetig gesteigerte Bautätigkeit,
insbesondere Festungsbauten und Bahnanlagen in Lothringen
haben die Ausdehnung und Anlage großer Ziegeleien sowie
den bedeutenden Steinbruch betrieb gefördert. Daß der
Kalkstein der Metzer Gegend seinen seit römischer Zeit
bewährten Ruf auch heute behauptet, sei nebenbei gesagt.
Schließlich muß noch von lothringischen Hausindustrien
die Herstellung von Perlenkränzen und Stickereien erwähnt
und die in Metz und Umgebung blühende Konserven-Fabri-
kation und Gartenkultur (Spargel, Blumenkohl, Erdbeeren,
Mirabellen usw.) gebührend hervorgehoben werden.
Zur Hebung der Indu-
strie wie überhaupt zur
Förderung von Gewerbe,
Handel und Verkehr sind
Kunststraßen uner¬
läßlich. Schon unter fran¬
zösischer Verwaltung
sind vorzügliche Staats¬
straßen angelegt ; auch
war Lothringen seit den
1850er Jahren von meh¬
reren Eisenbahnlinien
durchkreuzt, die Privat¬
gesellschaften gebaut
hatten. Schließlich besaß
Lothringen von künst-
lichenWasserstraßen den
1853 vollendeten Rhein-
Marne-Kanal mit dem
Saar-Kohlenkanal, von
welchen der erstere im
Kreis Saarburg i. Lothr.
die Schiffe auf Brücken
über Landstraßen und
Wasserläufe hinwegführt
und in zwei Tunnels die
Vogesen durchbricht, im
größeren Tunnel (2,306
Kilometer), zwischen Arz-
weiler und Lützelburg in
Lothringen, neben der
Eisenbahn, diese jedoch
im Bergesinnern über¬
kreuzend.
Von Kanal anla gen
hat die deutsche Verwal¬
tung nur die von Frank¬
reich begonnene Kanali¬
sierung der Mosel bis
Metz fortgesetzt (1876).
Die Rufe nach Weiterführung der Moselkanalisation, die für
die Entwicklung der lothringischen Eisenindustrie von größter
Wichtigkeit ist, sind bis jetzt unerhört geblieben. Dagegen
hat die deutsche Verwaltung in den vergangenen 40 Jahren
ihrer Wirksamkeit Hervorragendes geleistet für Vermehrung
und Verbesserung der übrigen Verkehrsstraßen.
Von Eisenbahnen durchquerten Lothringen im Jahre
1870 die Strecken (Frouard — )Noveant — Metz — Saarbrücken
(1850, 1852), (Paris — Frouard — Nancy — ) Avricourt — Saar¬
burg — Straßburg (1851, 1852), Metz — Diedenhofen — Luxem¬
burg (1854, 1859), Diedenhofen — Fentsch — Longwy (1863),
Avricourt — Dieuze (1864), Karlingen — Beningen (1866) und
Beningen — Saargemünd — Bitsch — Niederbronn — Hagenau
(1865, 1869), auch zum kleinen Teil Saargemünd—Saar¬
brücken (1. Juni 1870 eröffnet). Alle übrigen Eisenbahn-
Louve-Kreuz
Nr. 7 DEUTSCHLAND 34Q
Verbindungen sind erst durch die deutsche Verwaltung ge¬
schaffen oder fertiggestellt. So laufen von Metz statt der
drei im Jahre 1870 vorhandenen Linien und einer vierten,
damals schon im Bau begriffenen, 1873 vollendeten Linie
(Metz —Amanweiler—Verdun) heute insgesamt neun Eisen¬
bahnen aus. Dazu sind die Gleise vermehrt und an die
Stelle der alten Barackenbahnhöfe sind würdige, umfang¬
reiche Steinbauten getreten. In Metz ist sogar der als Nach¬
folger des älteren Bahnhofes neuerbaute, 1878 eröffnete
Hauptbahnhof nach 30 Jahren (1908) durch einen gro߬
artigen zweiten Neubau an anderer Stelle ersetzt.
Die Landstraßen werden immerzu verbessert und
vermehrt. Vom Verkehr verstoßene Ortschaften, z. B. in
entlegenen Gebirgsgegenden, sind unter deutscher Ver¬
waltung durch Kunststraßen an die Verkehrsadern an¬
geschlossen, denn es ist seit vielen Jahren Grundsatz, jähr¬
lich durchschnittlich 20 Kilometer neue Kreisstraßen zu
bauen und durch diese alle abseits von den Hauptstraßen
gelegenen Dörfer an diese anzuschließen. Zu den Kunst¬
wesen, in der Erhaltung der geschichtlichen Baudenkmäler
und überhaupt der Pflege der geschichtlichen Vergangenheit
des Landes, wie sie die vom Bezirkspräsidenten geleitete
Gesellschaft für lothringische Geschichte und Altertumskunde
seit 1889 in gemeinsamer Arbeit Einheimischer und Ein¬
gewanderter sich angelegen sein läßt, so muß man bekennen,
daß Lothringen seit 1871 entschieden fortgeschritten ist.
Wer dies leugnet, zählt zu den Geistern, die stets verneinen,
da sie bewußt oder unbewußt als ihre Lebensaufgabe
betätigen, Unzufriedenheit zu säen und mit Mäkelsucht zu
prunken.
Anhang: Der Weinbau in Lothringen.
(Hierzu vergleiche das Bild im Heft 5, Seite 249.)
In Lothringen wird seit uralten Zeiten Wein gebaut. Dies
beweisen bildliche Darstellungen aus der Zeit der Römer¬
herrschaft, insbesondere Steinbilder des Weingottes Bacchus,
den in einer auf dem Herapel gefundenen Nachbildung des
berühmten Marmorbildes des griechischen Meisters Praxiteles
Dagsburger Schloßberg bei Dagsburg, Kreis Saarburg i. L.
Straßenbauten gehören aber auch Brücken, und da sei
bloß hervorgehoben, daß innerhalb der Grenzen Lothringens
die Mosel — von ihren Nebenarmen ganz abgesehen — statt
der früheren fünf festen Brücken heute deren sechzehn
besitzt (darunter vier ausschließlich oder vorwiegend für den
Eisenbahnverkehr). Zu den neuen Brückenbauten zählt auch
eine Ueberbrückung bei Moulins, wo gelegentlich eines
Unwetters am 14. März 1614 die Mosel sich ein neues Bett
gerissen und die sehr alte, noch vorhandene Brücke außer
Dienst gestellt hatte: also hat hier die deutsche Verwaltung
einen uralten Verkehrsweg, der in der Geschichte der Reichs¬
stadt Metz eine große Rolle spielt, nach fast 300 Jahren wieder
geöffnet.
Rechnet man zu diesen Verkehrsmitteln die kräftige
Förderung auf anderen Gebieten, wie z. B. im Unterrichts-
der Gott des Handels und Geldgewinnes Mercurius auf seinem
Arm trägt. Daß die Weingärten im Mittelalter und noch im
18. und 19. Jahrhundert Flächen eingenommen haben, die
heute durch Wohnhäuser und andere Anlagen dem Weinbau
entzogen sind, lehren alte Namen (z. B. nach einstmaligen
Weingärten benannte Straßen in Metz) und Flurkarten.
Wenn nun aber auch heute mitten in der lothringischen
Hochebene an günstigen Hängen Weinberge anzutreffen sind,
so beschränkt sich doch das eigentliche Weinbaugebiet auf
zwei Gegenden: das Tal der Mosel mit den anstoßenden
nächsten Seitentälern und das Tal der Seille. Denn hier
liegen, hauptsächlich in den Kreisen Metz-Land und Chäteau-
Salins, dann auch in der Gegend von Diedenhofen und
Sierck, die wirklichen Weinbauorte, von denen 33 Gemeinden
mehr als 50 Hektar bis zu 280 Hektar Weinbaufläche mit
350 DEUTSCHLAND Nr. 7
ihren Banngrenzen umschließen. Leider ist in neuerer Zeit
der Weinbau durch die Reblaus, deren Bekämpfung aus¬
gedehnte Weinbauflächen geopfert wurden, und durch anderes
Mißgeschick schwer geschädigt. — Die besten Weinlagen
finden sich bei Metz und moselaufwärts bis zur Grenze um
Vallieres,Augny,Lorry-
Mardigny, Dornot, Scy,
Lessy, dann Plappeville,
Longeville, Rozerieulles,
Ste. Ruffine, Jussy,Vaux,
Noveant, Corny und
Arry, außerdem im Tal
der Orne am Just-
berg, den einstmals ein
Klosterbau krönte (die
mächtige Klosterkelter
ist noch zu Wallingen
bei Rombach vorhan¬
den), um Gentringen bei
Diedenhofen und um
Oberkontz auf der linken
Moselseite gegenüber
Sierck, schließlich im
oberen Seille-Gebiet bei
Vic,Marsal,Harraucourt
und Salival.
Mit Ausschluß der
Gegend von Sierck, wo
Mädchen in lothringischer Tracht
an den Ruinen der römischen Wasserleitung bei Ars an der Mosel
Weißwein gezogen und in neuerer Zeit zur Weinbehandlung'
nach Altdeutschland ausgeführt wird, werden mit ganz ver¬
einzelten Ausnahmen (so des vorzüglichen Dornot blanc) blaue
Trauben gepflanzt, aus denen ein Rotwein nebst seiner Abart,
dem Vin gris (d. h. Grauwein), einem leicht gefärbten Rot¬
wein, gewonnen werden.
Doch wird vielfach aus
dem Saft der blauen
Trauben ohne Schalen
einWeißwein („Clairet'O
hergestellt, der, gleich
dem Vin gris mit seinem
Gehalt an natürlicher
Kohlensäure, sehr be¬
liebt ist und neuer¬
dings zur Bereitung von
Schaumwein viel ver¬
braucht wird. Schon vor
mehr als zehn Jahren
machten die von der
deutschen Schaumwein-
Industrie in Lothringen
aufgekauften Mengen an
Clairet einDrittel desge¬
samten zu Schaumwein
verarbeiteten Rohstoffes
aus. Seitdem hat aber
dieSchaumweinindustrie
Befestigte Kirche zu Arry im Landkreis Metz. Nach einer Zeichnung von Aug. Migette im Museum zu Metz.
352 DEUTSCHLAND Nr. 7
reichlich Gebrauch gemacht hat, daß sie rechtzeitig daran
gedacht hat, die Fabrikquartiere, die naturgemäß nirgends
schön und sauber sein können, von den Zier« und Schmuck¬
vierteln zu trennen. Auf dem weiten Plan, der sich von den
Mauern der alten Stadt bis zu den grünen Hängen des
Kaiserberges dehnte und der mit dem friedlich weidenden
Vieh gewissermaßen ein Ingrediens der niederrheinischen
Landstadt war, erhebt sich heute eine ganze neue Stadt
im Feiertagsgewand. Noch ist da draußen nicht alles
zur Wirklichkeit geworden, was geplant wird, — um so besser
kann man dort aber eine moderne Villen- und Gartenstadt
im Werdezustand studieren.
Schon heute stößt die Stadt
Duisburg unmittelbar an ihren
herrlichen Wald, der mit
seinem sanft gewellten Auf
und Ab, den stundenweit
sich erstreckenden schattigen
Wegen, den romantisch-
träumerischen Plätzchen, wie
dem Heiligen Brunnen, an
den sich manche pietätvolle
Sage knüpft, dem idyllischen
Steinbruch und endlich dem
eigentlichen Kaiserberg mit
dem hochragenden Wasser-
türm und dem Reiterdenkmal
unseres alten Kaisers für
jeden Besucher stets neuen,
unerschöpflichen Reiz bietet. Eine kleine, nur halbstündige
Wanderung durch die parkortigen Waldungen des Kaiser¬
bergs bringt uns an die reizvoll gelegene Pferde-Rennbahn,
wo sich jährlich achtmal ein in sportlicher und mondäner
Hinsicht interessantes Leben entwickelt. In unmittelbarer
Nähe der Rennbahn befindet sich das modern und zweck¬
mäßig eingerichtete Solbad Raffelberg, welches sich
eines von Jahr zu Jahr steigenden Besuches erfreut, und
dessen lediglich für erholungsbedürftige Kinder bestimmte
Dependance ebenfalls außerordentlich frequentiert wird.
Wenn man vom Plateau
des Kaiserberges nach Westen
blickt, sieht man vor sich die
regelmäßigen Straßenzüge
der großen Stadt, die von
einem weiten Kreis rauchen¬
der Schornsteine eingesäumt
werden. Es sind das die mah¬
nend emporgehobenen Zeige¬
finger von Wanheimerort,
Hochfeld, Rheinhausen, Ruhr¬
ort, Meiderich, Hamborn und
Oberhausen, die uns daran
erinnern, daß wir uns in einer
Gegend befinden, in der man
nicht müßig geht, in der an¬
haltend, mit Anspannung aller
Kräfte gearbeitet wird. Das
wird übrigens der Fremde, den die Eisenbahn herbeigeführt hat,
schnell gewahr. Die Hauptstraße der Stadt, die Königstraße,
zeigt sich im Bahnhofsviertel von ihrer nüchternen Seite. Die
Zweckmäßigkeits-Bauten triumphieren durchaus. Aber schon
ist man dabei, auch hierin Wandel zu schaffen, und in Bälde
wird die Königstraße im Verlauf des ganzen Straßenzugs die
elegante, vornehme Großstadtstraße sein, die sie bereits heute
von der traulich im Grünen gelegenen Tonhalle bis zum
Kuhtor, wo die Altstadt ihren Anfang nimmt, darstellt.
Hier erhebt sich unter anderen der imposante Neubau des
Landes- und Amtsgerichts, hinter dem sich binnen
kurzem die monumentale Front des im Bau begriffenen
Stadttheaters bemerkbar machen wird. In diesem Viertel
finden wir auch zwei schöne, moderne Schulgebäude: das
Königl. Gymnasium und die Städtische Mädchen¬
mittelschule. Zur linken Hand, gleich am Beginn der
Düsseldorfer Straße, befindet sich die Getreidebörse mit
ihrer in wuchtigem archaisierenden Stil erbauten Fassade.
Die Altstadt Duisburgs ist im ganzen nicht allzu reich
an pittoresken Gebäuden und malerischen Winkeln, aber diese
fehlen wiederum auch nicht ganz. In der Gegend des Alten
Marktes, der Johanneskirche, der Niederstraße kommen
Freunde eines altertümlichen
Stadtbildes voll auf ihre
Rechnung. Durch die Altstadt
ziehen sich zwei der wichtig¬
sten Geschäftsstraßen Duis¬
burgs : die Münzstraße
und die Beekstraße. Hier
ist in großen Geschäfts¬
häusern der modernsten Art
alles zu haben, dessen man
zum täglichen Gebrauch oder
zum verfeinerten Leben be¬
darf. Manches des Inter¬
essanten bietet ferner dem
Fremden der im Herzen der
Altstadt gelegene Burg¬
platz. Zunächst erhebt sich
hier das mit mittelalterlichen
Formen in anmutiger Weise kokettierende Rathaus, ein
ausgezeichnetes Werk des Professors Ratzel (Karlsruhe), mit
einem höchst sehenswerten Sladtverordneten-Sitzungssaal und
den hübschen Sammlungen des städtischen Museums. Rechts
vom Rathaus sehen wir die alte Salvatorkirche, ein
Wahrzeichen der Stadt. Auf dem Burgplatz erinnert das
vornehme Mercatordenkmal an den berühmten Gelehrten,
der sein Lebenswerk in Duisburg geschaffen.
Vor sechs Jahren sind die Städte Ruhrort und
Meiderich mit Duisburg vereinigt worden, und es ist
klar, daß in der verhältnis¬
mäßig kurzen Zeit aus diesen
drei verschieden gearteten
Kommunen noch nicht eine
homogene Stadt erstehen
konnte. Aber die Anzeichen
eines innigeren Zusammen¬
schlusses mehren sich doch
von Jahr zu Jahr. Schon ist
das Projekt einer neuen, zeit¬
gemäßen Straßenverbindung
Duisburgs mit Ruhrort, quer
über die Häfen weg, der Ver¬
wirklichung nahe, und wenn
erst der ebenfalls geplante
Durchbruch vomKuhtor durch
die Münzstraße und die Gäß-
chen der Duisburger Altstadt
zustandegekommen ist, wird ein imposanter großstädtischer
Straßenzug vom Hauptbahnhof stracks bis nach Ruhrort
führen. Die Hauptsehenswürdigkeit des letztgenannten Stadt¬
teils sind natürlich die grandiosen Hofenanlagen, die
ja an anderer Stelle dieser Nummer eine besondere Wür¬
digung erfahren. Aber von Ruhrort aus schwingen sich
auch die gewaltigen Bogen der neuen Brücke über den
Rhein, einer wahren Meisterleistung der Brückenbaukunst.
Ueberwältigenden Eindruck erwecken — namentlich zur Zeit
der Dämmerung — die heroisch dräuenden Brückenköpfe des
gigantischen Bauwerks. Am besten begibt man sich auf die
Solbad Raffelberg: Kurhaus
Solbad Raffelberg: Badehaus
Nr. 7 DEUTSCHLAND 353
Brücke und läßt das Panorama der rechten Rheinseite an sich
vorüberziehen. Dann hat man das ganze Leben und Treiben
auf dem mächtigen Strom vor Augen, und dann fällt einem
u. a. der ragende Giebel der Schifferbörse auf, die daran
gemahnt, daß der riesige Schiffahrtsverkehr — 1910 wurden
287-2 Millionen Tonnen umgeschlagen I — Ruhrorts nationale
Bedeutung ausmacht. Die Bedeutung von Ruhrorts Schwester«
Stadtteil Meide rieh hingegen beruht ausschließlich auf der
Industrie, — doch davon wird weiter unten noch die Rede sein.
Wenn man, von Crefeld kommend, über die Rheinhausen-
Hochfelder Brücke fährt, gibt die Industriestadt Duisburg
gleich ihre Visitenkarte ab. Ragenden Burgen gleich erheben
sich am Duisburger Ufer enorme Fabrikanlagen: die
Niederrheinische Hütte, das Kupfer- und Messingwerk, die
nalem Ruf, die in der nach amerikanischem Muster empor¬
gewachsenen Stadt an der Ruhrmündung domiziliert sind.
Eine Reihe von Riesenfirmen weist die Eisenindustrie
auf. Da sind zunächst einmal die Rheinischen Stahl¬
werke zu nennen, die mit ihren drei Walzwerken, den fünf
mächtigen Hochöfen, zwei Martinstahlwerken und einem
Thomasstahlwerk eine maßgebende Rolle spielen. DieA.-G.
Phönix, ein Unternehmen, das von Ruhrort unzertrennlich
ist, verfügt gar über sechs Hochöfen, zu denen sich binnen
kurzem ein neuer gesellen wird, ein Thomas- und ein Martin¬
stahlwerk. Die Niederrheinische Hütte, eines der
ältesten Werke am Platz, gehört zu dem großen Konzern des
Industrie-Fürsten Henckel-Donnersmarck. Erwähnung ver¬
dienen an dieser Stelle noch das HochofenwerkVulcan
Duisburg: Brückenkopf der Rheinbrücke
Fabrik feuerfester Produkte, die Duisburger Kupferhütte, die
Brückenbauanstalt Harkort, die Gelsenkirchener Bergwerks
A.-G. haben sich hier im Fabrikviertel Hochfeld, niedergelassen.
Hier glüht es in den Essen und Hochöfen, hier stampfen in
donnerndem Rhythmus die Hämmer, hier qualmt die ernste,
bedeutungsvolle Zeile der Riesenschlote zum Himmel empor.
Hier gewinnt auch der Besucher, der Duisburgs wirtschaftliche
Bedeutung an Ort und Stelle zu studieren beabsichtigt, einen
trefflichen Eindruck von dem temperamentvollen Pulsschlag,
der das industrielle Leben unserer niederrheinischen Industrie-
und Handelsmetropole so entscheidend beeinflußt.
Vielleicht ist im Anschluß an diese Betrachtung und im
Zusammenhang mit dem flüchtigen Spaziergang durch das
neue Duisburg nicht ohne Interesse ein kurzer Ueberblick
über jene industriellen Anlagen von internatio-
(Gelsenkirchener Bergwerks A.-G.) und die Meidericher
A.-G. für Hüttenbetrieb, eine neuere Gründung.
Der florierende Stand der Duisburger Eisenindustrie hatte
bald bedeutende Eisenverarbeitungswerke hierher
gezogen. Weltruf genießen u. a. die Harkort’sche Brücken-
bau A.-G. und die Schiffswerft, Kessel- und Ma¬
schinenfabrik Ewald Berninghaus, eine jener deut¬
schen Werften, die erfolgreich den Kampf mit der holländischen
Konkurrenz aufgenommen haben. Genannt seien ferner das
Blechwalzwerk Schulz-Knaudt und die Vereinigten
MaschinenfabrikenAugsburg-Nürnberg, die gegen¬
wärtig im Begriff sind, einen Teil ihres Betriebes an die
Peripherie Duisburgs, nach Großenbaum, zu verlegen.
Ein Unternehmen, das hierhin zu rubrizieren ist, sind
wir in der Lage, einer eingehenderen Würdigung zu unter-
354 DEUTSCHLAND Nr. 7
ziehen. Es ist dies die Deuts che Maschinenfabrik A. G.
Entstanden durch Zusammenschluß dreier früher selbständigen
Werke, bildet die Deutsche Maschinenfabrik A. G. heute ein
Riesenunternehmen, dessen Erzeugnisse in die ganze Welt
versandt werden.
Arbeiter und weit
über 800 Beamte.
DerjährlicheUm-
satz an Fabri¬
katen schwankt
zwischen 30 und
40 Milk Mark.
Schon wer die
riesigen Bureau¬
gebäude an der
Werthauserstraße
sieht, die aus
einem Vorder-
und einem Hinler-
flügel mit je fünf
Stockwerken bestehen, wird die Bedeutung dieses Unter¬
nehmens zu würdigen wissen. Es verlohnt sich wohl, einen
kurzen Ueberblick über das ausgedehnte Tätigkeits¬
gebiet der Deutschen Maschinenfabrik A. G. zu geben,
zumal angenommen werden kann, daß schon vielen Lesern,
sei es bei der Besichtigung von Werksanlagen, sei es
auf Ausstellungen oder sei es endlich auf irgend einer
Reise an die Wasserkante der Name dieser Firma vor Augen
oder zu Ohren gekommen ist. Wer erinnert sich z. B. nicht
von Reisen an die Wasserkante her jener Kranrieson
von ungeheuren Abmessungen und Tragfähigkeiten, die weit¬
hin sichtbar ihre mächtigen Auslegerarme in die Luft streckten,
mit denen sie, sagenhaften Riesen gleich, unheimlich große
Gewichte mit spielender Leichtigkeit zu heben vermögen!
Fast ausnahmslos sind diese Riesenkrane aus den Werk¬
stätten der Deutschen Maschinenfabrik A. G. hervorgegangen.
Wenngleich der Bau von Riesenkranen für sich schon ein sehr
weites Arbeitsfeld darstellt, so bildet er doch nur einen geringen
Teil des gesamten Tätigkeitsgebietes der Firma. Daneben
nimmt der Bau von Einrichtungen für den Bergbau und
den Hüttenbetrieb einen sehr weiten Raum ein. Es sei nur
an die Auslührung von Bohr- und Schrämmaschinen und von
Fördereinrichtungen für Bergwerke, von Hochofen-, Stahl- und
Walzwerken jeglicher Art mit sämtlichen zugehörigen Hilfs¬
einrichtungen für die Hüttenindustrie erinnert. Schon
die günstige Lage inmitten des rheinisch - westfälischen
Industriebezirks gibt der Deutschen Maschinenfabrik A. G.
Zwei Magnelkrane zum Träger transport
gebaut von der Deutschen Moschinenfobrik A. G,, Duisburg
zum Bau derartiger Werksanlagen Gelegenheit in Hülle und
Fülle. Da es der hier zur Verfügung stehende Raum nicht
gestattet, das ausgedehnte Arbeitsgebiet dieser Firma er¬
schöpfend zu behandeln, so sei es nur noch erlaubt, auf die
in beigegebener Abbildung dargestellte Klappbrücke für
den Duisburg-Ruhrorter Hafen hinzuweisen.
Duisburg liegt, wie wohl allgemein bekannt ist, inmitten
einer Gegend, in der eifrig Bergbau getrieben wird. Auf Duis¬
burger Gebiet selbst befindet sich die Zeche West ende (Eigen¬
tum der Phönix A. G.), die i. J. 1910 3200 Arbeiter beschäftigte
und 870000 Tonnen Kohlen förderte. Im Kohlenhandel
spielt eine dominierende Rolle das sogenannte Kohlenkontor
(„Rheinische Kohlenhandels- und ReedereigesellschafT")^
vor 8 Jahren durch einen wirtschaftlichen Zusammenschluß
des Kohlensyndikats mit interessierten Großhändlern und
Großreedern entstand. Wenn man an Duisburgs Handel und
Verkehr denkt, muß man wohl auch des blühenden Getreide-
und Holzhandels Erwähnung tun, der für die Geschäfts¬
lage im deutschen Westen von ausschlaggebender Bedeutung
ist. Natürlich sind in Duisburg auch eine Reihe wichtiger
Rheins chiffahrts re edereien ansässig. Im ganzen
schwimmen 139 Duisburger Schleppdampfer und 474 Duis¬
burger Schleppkähne auf dem Rhein; eine recht . stattliche
Flotte! Die größten am Platz arbeitenden Firmen sind
_
Feststehender Hammerdrehkran von 150 t Tragfähigkeit
gebaut von der Deutschen Maschinenfabrik A. G., Duisburg-
Mathias Stinnes (22 Schleppdampfer und 83 Kähne
mit zusammen über 82000 Tonnen Ladefähigkeit), Harpen er
Bergbau A.G., Abteilung Schiffahrt (18 Dampfer, 76 Kähne,
65 000 Tonnen), Karl Schroers (18 Dampfer, 36 Kähne,
45000 Tonnen). Mit die älteste Duisburger Industrie ist
schließlich die T a b ak i n d u s t r i e. Wenn sie heute auch
nicht die maßgebende Rolle wie früher spielt, so haben doch
die Firmennamen Böninger und Carstanjen weit und
breit geachteten Klang. —
Also das ist Duisburg: eine uralte Stadt, in lebhafter
Weiterentwicklung begriffen, bis zur Weißglut eifrig und
arbeitsam, ein Wahrzeichen niederrheinischen, — nein, deut¬
schen Fleißes. Wer die Gegend des rheinisch-westfälischen
Industriebezirks aus informatorischen Gründen zu bereisen
hat, kann dort schlechterdings keine Stadt finden, die ihm
alles das, was er in diesem Bezirk nur suchen kann, derart
im Extrakt zu bieten vermag, wie gerade Duisburg. Die
Tage, die der auswärtige Besucher hier verbringen darf, wird
er nie zu den verlorenen zählen.
Das Werk beschäftigt mehr als 6000
Klappbrücke
gebaut von der Deutschen Maschinenfabrik A. G.
für den Duisburg-Ruhrorter Hafen
Nr. 7 DEUTSCHLAND 355
Von den Duisburg-Ruhrorter Häfen und der Ruhrorter Hafenfähre.
Von Dr. Schröter, Duisburg-Ruhrort.
„Wer nach Duisburg kommt und die Häfen nicht sieht,
kennt Duisburg nicht“; dieser Ausspruch besteht zu Recht.
Wohl birgt die zu beiden Seiten der Ruhrmündung am
Rhein und am Ausgang des rheinisch -'Westfälischen In¬
dustriegebietes gelegene Stadt manch Sehenswertes in
ihren Mauern, wohl zieht der Duisburger Wald alljährlich
viele Tausende von Besuchern an, aber seine Größe und
Bedeutung hat Duisburg vor allem durch seine Häfen
erlangt. Sie sind die größten Binnenhäfen der
Welt. Zur Kennzeichnung des Riesenverkehrs, der sich
in den Rhein-Ruhr-Häfen vollzieht, bedarf es der An¬
führung nur einer Ziffer: nicht weniger als 28,5 Mi 1-
lionenTonnen sind 1910 in ihnen umgeschlagen Worden.
Die Wichtig¬
keit der Schaf¬
fung von Hafen¬
anlagen istin
Ruhrort, das
seit dem Jahre
1905 in Duisburg
eingemeindet ist,
schon vor zwei
Jahrhunderten
erkannt worden;
man hat dort von
1715 bis 1753
ein Stück von
einem alten
Ruhrbett zu
einem Hafen
ausgebaut. Als
dannumdieMitte
des 18. Jahrhun¬
dertsein König¬
liches Kohlen-
Magazin in
Ruhrort errichtet
wurde, da war
der weiteren
Entwicklung des
Platzes der Weg
gewiesen. Es bedeutete einen wichtigen Schritt auf dieser
Bahn vorwärts, daß Friedrich derGroße die Ruhr,
die bis in die 70er Jahre des 18. Jahrhunderts nur auf
kurze Strecken zu befahren war, für die Kohlen¬
abfuhr schiffbar machen ließ; war das in erster
Linie eine Maßnahme zur Förderung des märkischen
Steinkohlenbergbaus, dem am linken Niederrhein und in
Holland gegen den Wettbewerb der englischen Kohle
neue Absatzgebiete erschlossen werden sollten, so wurde
damit zugleich Ruhrort in seiner Stellung als Umschlags¬
platz wesentlich gefestigt.
Im 19. Jahrhundert haben sich fast ohne
Unterbrechung Hafenbauten und Hafenerwei¬
terungen im jetzigen Stadtgebiet Duisburgs
aneinander gereiht. In Ruhrort wurden der alte Hafen,
der Schleusenhafen, der Nord- und Südhafen, sowie der
Kaiserhafen vom Staate, und zwar vom Ruhrfiskus, ge¬
schaffen; die finanzielle Grundlage für diese kostspieligen
Bauten bildete der Ruhrschiffahrtsfonds, dessen Ein¬
nahmen früher vornehmlich aus Ruhrschiffahrtsabgaben
und jetzt aus den Hafenerträgnissen bestehen. In Duis¬
burg schufen zwei Aktiengesellschaften den Außen- und
Innenhafen; die Stadt, die 1889 diese Anlagen übernahm,
nachdem sich 1860 beide Gesellschaften unter dem Namen
„Rhein-Ruhr-Kanal-Aktien-Verein“ vereinigt hatten, baute
den Parallelhafen dazu. Von der Köln-Mindener Eisen¬
bahngesellschaft war der Ruhrorter Eisenbahnhafen, von
der Rheinischen Eisenbahngesellschaft der Hochfelder
Hafen erbaut Worden; beide Häfen sind in den 80er
Jahren des vorigen Jahrhunderts verstaatlicht worden.
Seitdem standen sich nur noch Fiskus und Stadt
als Eigentümer der Häfen gegenüber. — Da
erweiterte der Staat bei dem stetig wachsenden Ver¬
kehr seine Ruhrorter Hafenanlagen um mehr als das
Doppelte durch den Bau des Hafenkanals und der Hafen¬
becken A, B und C. Noch war diese Erweiterung nicht
vollendet, als 1905 im Zusammenhang mit der Eingemein¬
dung von Ruhrort und Meiderich in Duisburg zwischen
dem Ruhrfiskus als Eigentümer des Ruhrorter Hafens
und der Stadt Duisburg als Eigentümerin des Duisburger
Hafens eine Hafenbetriebs- und Interessen¬
gemeinschaft abgeschlossen wurde, in die demnächst
auch der Ruhrorter Eisenbahnhafen und der Hochfelder
Hafen aufgenommen werden sollen, nachdem diese beiden
Häfen 1907 bezw. 1908 von der Eisenbahnverwaltung auf
die Wasserbauverwaltung übergegangen sind. Die Ver¬
waltung der vereinigten Häfen wird vom Ruhr¬
fiskus geführt, dem ein von der Stadt Duisburg
gewählter Hafenbeirat zur Seite steht.
Eisenbahndrehbrücke in ausg'eschwenkter Lag-e
356 DEUTSCHLAND Nr. 7
Die vier öffentlichen Häfen, die amtlich als Duis-
burg-Ruhrorter Häfen bezeichnet werden, haben einen
Flächenraum von 632 ha. Ihre Wasserfläche be¬
deckt 184 ha. Die Umschlag- und Lagerplätze um¬
fassen 225 ha, die Wege- und Eisenbahnanlagen 223 ha.
Die nutzbare Uferlänge beträgt 44 km, die Gleislänge
265km. In diesen öffentlichen Häfen stellte
sich 1910 der Schiffsverkehr auf 19 Mill.Tonnen,
In unmittelbarer Nähe der Duisburg-Ruhrorter
Häfen befinden sich eine Anzahl privater Umschlag¬
stellen, zu denen in den letzten 20 Jahren mehrere
Zechen- und Hüttenhäfen bei Duisburg hinzugekommen
sind, insbesondere die Häfen der Friedrich-Alfred-
Hütte (Krupp), der Zeche Rheinpreußen (Haniel), der
Gewerkschaft Deutscher Kaiser (Thyssen) und der
Gutehoffnungshütte (Haniel). Der Bau eines Hafens
der Gewerkschaft Diergardt wird zurzeit vorbereitet.
Nach wie vor steht in den Rhein-Ruhr-Häfen
unter den Umschlagsgütem die Steinkohle nebst
Steinkohlenbriketts und Koks an bei weitem erster
Stelle. Zwar ist der Verkehr auf der Ruhr schon seit
zwei Jahrzehnten Völlig erloschen, dafür sind aber in
immer wachsendem Umfange die Eisenbahnen die Zu¬
bringer für die in den Häfen auf die Wasserstraße um¬
zuladenden Kohlen geworden. 1910 stellte sich in den
Rhein-Ruhr-Häfen die Kohlenabfuhr auf 15V4 Mill.
Tonnen. Als zweitwichtigstes Massengut ist Eisen¬
erz zu nennen, das in der Anfuhr 7,2 Mill. Tonnen be¬
trug. Eisen wurde 1910 zu l,4Mill. Tonnen versandt.
Die Getreide- und Holzzufuhr hatten einen Umschlag
von 840000 Tonnen bezw. 707000 Tonnen aufzuweisen.
Daß Tausende, namentlich aus dem rheinisch-west¬
fälischen Industriegebiet, alljährlich diese Riesenhäfen
mit ihren großzügigen Einrichtungen: den Kohlenkippern,
Erzverladebrücken, Kranen, Ladebühnen, Elevatoren und
Lagerhäusern kennen lernen und den Verkehr zu Wasser
beobachten mochten, ist leicht begreiflich; aber wenige
hatten dazu Gelegenheit. Man konnte wohl vom Ufer und
von den Brücken aus dem rastlosen Treiben zuschauen,
aber inmitten des Verkehrs auf den Wasserflächen der
Häfen zu weilen, war nur einem kleinen Teile der Besucher
beschieden. Wer nicht das Glück hatte, etwa anläßlich
Schifferbörse mit Kaiser-Wilhelm« und Bismarck-Denkmal
Die Duisburgf-Ruhrorter Häfen aus der Vog-elschau
der Tagung eines größeren Vereins auf einem Dampfer
der Hafenverwaltung oder auf dem Boot einer großen
Hafenfirma in die Hafenanlagen fahren zu können, war da¬
von ausgeschlossen. Es fehlte an der erforderlichen
Verkehrsgelegenheit, es fehlte ein Unternehmen
zur Vermittlung des Personenverkehrs in den Häfen.
Diesem Mangel ist mit der 1909 erfolgten Er¬
richtung derRuhrorterHafenfähr-Gesellschaft
m. b. H. zu Duisburg-Ruhrort abgeholfen Worden. Von
der Schifferbörse aus, der einzigen Börse dieser Art
in Deutschland, deren Zweck die Erleichterung des Ab¬
schlusses von Schiffsfracht- und Schleppgeschäften ist,
unterhält die Gesellschaft regelmäßige Fährver¬
bindungen im Duisburg-Ruhrorter Hafen und
bietet damit allen im Hafengebiet tätigen
Personen wie den Schiffern und nicht zum
wenigsten den Fremden bequeme Ge¬
legenheit, die einzelnen Hafenteile
und umgekehrt von dort aus Alt-Ruhr¬
ort zu erreichen. Hat so auf der einen
Seite außer den unmittelbar Beteiligten und
den Besuchern der Häfen die Hafenverwaltung
und die Stadtverwaltung ein erhebliches Interesse
an dem Bestehen der Hafenfähr-Gesellschaft, so
kommt sie auf der anderen Seite auch dem
Geschäftsleben Duisburg-Ruhrorts zugute.
Das ganze Unternehmen ist von vorn¬
herein als gemeinnütziges aufgefaßt worden.
Das Stammkapital von 77600 Mark haben vor¬
nehmlich Ruhrorter Hafen-Interessenten aufge¬
bracht, und die beteiligten Behörden haben die
Hafenfähre nach Kräften unterstützt. Die
Schifferbörse hat mit einen Teil des Gesell-
Nr. 7 DEUTSCHLAND 537
* Bedeutet die Linie der Hafenfähre
** Kennzeichnet die Mündung des Rhein-Herne-Knnals
Schaftskapitals eingezahlt, die Stadt Duisburg hat sich
zur Deckung eines gewissen Fehlbetrages bei den Ge¬
schäftsabschlüssen der Gesellschaft bereit erklärt, und die
Hafen Verwaltung hat, außer einem Zuschuß für die
Herstellung und Unterhaltung der Fähranlegestellen sowie
der Befreiung vom tarifmäßigen Hafengeld, dem Unter¬
nehmen das alleinige Recht zur Ausführung der regelmäßigen
Fährverbindungen in den von den Booten der Gesellschaft
berührten Teilen des Duisburg-Ruhrorter Hafens, wie auch
das alleinige Recht zur entgeltlichen Personenbeförderung
auf Besichtigungsfahrten im Duisburg-Ruhrorter Hafen in¬
soweit, als diese Fahrten von einer Anlegestelle des Hafens
oder der Rheinstrecke zwischen der Essenberger Fähre
und Haus Knipp ihren Anfang nehmen, auf eine
Reihe von Jahren zugestanden. Ohne eine solche
Unterstützung hätte sich das Unternehmen nicht
schaffen lassen, weil es, um dem Verkehr voll¬
kommen zu dienen, die Fahrpreise auf das Min¬
destmaß festgesetzt hat; für die r e g e 1 m ä ß i g e n
Dampferfahrten, die von der Schifferbörse
aus durch den Kaiserhafen zum Becken C des
Hafenkanals ausgeführt werden, beträgt der Fahr¬
preis nur 10 Pfennig pro Person. Um namentlich
dem auswärtigen Publikum den Besuch und die
genaue Besichtigung der Duisburg-Ruhrorter
Häfen zu ermöglichen, veranstaltet die Gesell¬
schaft auch Run,'d- und Sonderfahrten durch
die Hafenanlagen. Die Rundfahrten werden täg¬
lich nach Bedarf bei hinreichender Teilnehmerzahl,
die Sonderfahrten, die auf Wunsch auch auf
die rheinaufwärts und rheinabwärts
gelegenen benachbarten Ausflugsorte
ausgedehnt werden, nach besonderer Verein¬
barung über Ziel und Preis ausgeführt. — Das mit dem
31. März 1911 zu Ende gegangene Betriebsjahr hat noch
wesentlich dem Ausbau des Unternehmens gegolten.
Zu dem Dampfer „Ruhrort 1“, der 50 Personen auf¬
nimmt, wurden die Dampfer „Ruhrort 2“ und „Ruhr¬
ort 3“ hinzuerworben, die je 150 Personen fassen. Seit¬
dem haben die Boote von der Schifferbörse aus regel¬
mäßig im Sommer von 5.30 Uhr früh, im Winter von
6.30 Uhr früh bis 10.30 Uhr stündlich, von da ab halb¬
stündlich bis abends 5.30 Uhr, sodann wieder stündlich
bis 8.30 Uhr abends im Sommer und bis 7.30 Uhr im
Winter verkehrt. In umgekehrter Richtung sind die
Boote vom Becken C aus in den gleichen Zeitabständen
Während des Sommers von 6 Uhr früh bis 9 Uhr abends
und im Winter von 7 Uhr früh bis 8 Uhr abends gefahren.
Unterwegs legen die Boote an mehreren Stellen
an. Die Dampfer „Ruhrort 2“ und „Ruhrort 3“, die
von der Firma Christoph Ruthof in Kastei bei Mainz
erbaut worden sind, sind recht gediegen ausgestattet
und auch mit Kabinen versehen. Sie zeichnen sich
durch besonders ruhigen Gang aus und sind für Be-
sichtigungs- und Vergnügungsfahrten von Schulen,
Vereinen und Gesellschaften recht geeignet. Dem¬
nächst Wird die Hafenfähre noch ein viertes Boot,
und zwar ein Motorboot, in Dienst stellen.
Ihre Daseinsberechtigung hat die Hafenfähre im
abgelaufenen Geschäftsjahr schon vollauf erwiesen.
Sie hat auf den regelmäßigen und Rundfahrten
85000 Personen befördert, von denen sicherlich
die Mehrzahl auswärtige Besucher gewesen sind,
und es ist nicht daran zu zweifeln, daß, je mehr das Unter¬
nehmen bekannt wird, seine Benutzung entsprechend
zunimmt. Das ist auch notwendig, denn das seitherige
finanzielle Ergebnis War ungünstig. Bisher haben die
Betriebseinnahmen die Betriebsausgaben nicht decken'
können; für das verflossene Geschäftsjahr liegt ein
Verlust von rund 7000 Mark vor, und wenn vielleicht auch
für die nächsten Jahre für die Gründer und Förderer des
Unternehmens ein geldlicher Erfolg ausbleiben wird,
so haben sie doch für immer das Verdienst, daß
sie die Duisburg-Ruhrorter Hafen-Anlagen
dem allgemeinen Verkehr erschlossen haben.
Boot der. Hafenfähre
Mechanischer Kohlenkipper im Kaiserhafen
Rhein-See-Dampfer am Kohlenkipper
Nr. 7 iB88 QO Q QQ9 Q G QQQQQQa3QQ88B8@ DEUTSCHLAND iB eeeeeeeeoee€»eeoeeeoeeeeeeq i 35d
Eine Wanderung nach den Masurischen Seen*^
Von C. E. Lack.
Masurens Seen, nächst dem Bodensee die größten Binnen**
seen Deutschlands, bilden steigend das Wanderziel erholungs**
bedürftiger Touristen. Die märchenhafte Ruhe, die über dieser
einzigen, 100 Kilometer langen Wasserstraße lagert, das stets
wechselnde, von der modernen Kultur fast noch unberührt
gebliebene Landschaftsbild vermag den Besucher wohltuend
anzuregen und zu fesseln.
117 Meter überragen die blauschimmernden Seen die Ost**
see. Das Bild des Himmels und der hohen, schön bewaldeten
Ufer spiegelt sich in ihnen ungetrübt wider. Das Zusammen**
fließen der verschiedenen Abtönungen von blau und grün
verleiht diesen Spiegelungen unbeschreibliche Schönheit. In
9 bis 10 Tagen kann man ab Berlin (Friedrichstraße) nicht
nur die Seen bequem besuchen, sondern auch noch die Haupt**
Sehenswürdigkeiten Ost** und Westpreußens kennen lernen.
An einem Mittwoch (1. Reisetag) geht's 9.26 mit dem
D**Zug nach Marienburg; 4.54 angekoramen, begibt man sich
sofort zum Hochmeisterschloß. In seltener Pracht 1280 vom
Deutschen Ritterorden erbaut, dann aber mit dem Niedergang
des Ordens mehr und mehr in Verfall geraten, zeigt es sich
heute wieder in alter Schönheit und Größe. Die Restaurations**
arbeiten nahmen nahezu 50 Jahre in Anspruch und dauern
noch an. 7.21 abends gehTs nach Danzig; Ankunft 8.41 abends.
Donnerstag (2. Tag) wird durch die Besichtigung der
Sehenswürdigkeiten von Danzig voll in Anspruch genommen.
Am Freitag (3. Tag) erfreuen wir uns der schönen Um**
gebung: Langfuhr, Oliva, Westerplatte.
Sonnabend (4. Tag) ist für Zoppot zu verwenden und
daselbst 5^2 Dhr nachmittags der Salon**Schnelldampfer zu
einer Seefahrt nach Pillau—Königsberg zu besteigen.
Sonntag und Montag (5. und 6. Tag) wird die alte
Krönungsstadt Königsberg i. Pr. (Paradeplatz, Schloßteich**
Promenade, Tiergarten usw.) und die samländische Küste
(Rauschen, Georgenswalde, Warnicken) besucht. Noch am
Montag geht's 6.21 abends vom Südbahnhof Königsberg ab
nach Lötzen, das nach 2V4Stündiger Bahnfahrt erreicht wird.
Dienstag (7. Tag) müssen wir 10.50 am Wendehafen sein,
um auf den inselreichen, 110 Quadratkilometer großen Mauersee
hinausfahren zu können. 12.20 wird der Dampfer an der Insel
Upalten verlassen und 2.15 wieder bestiegen, denn es gilt
jetzt zum Eichenpark von Steinort zu gelangen. 7.30 abends
bringt uns der Dampfer wieder nach Lötzen zurück.
Mittwoch vormittag (8. Tag) ein dreistündiger Spaziergang
nach dem Tabaksberge (Ausblick auf 7 Seen) und dem Tafel**
berg mit dem Brunokreuz. Nachmittags Besuch des schönen
Stadtwaldes (Karpfenteiche, Schützenplatz, Aussichtsturm,
Wilhelmshöhe).
Am Donnerstag (9. Tag) 8.00 vom Bahnhafen aus Fahrt zum
Niedersee. 3.51 ab Bahnhof Rudczanny nach Cruttinnen (Bahn**
hof). Von 4.13 bis 4.25 Spaziergang zur Murava, dannTalfahrt
auf dem idyllischen Cruttinnafluß. Die Kähne müssen vorher im
Gasthaus Söcknick, das sich jetzt Kurhaus nennt, mit Zeitan**
gäbe bestellt werden (Fernsprecher Altukta 5). Daselbst Logis.
Am Freitag (10. Tag) zu Wagen über Eckersdorf zum
Philipponen**Kloster und nach Rudczanny. 3.52 mit der Bahn
nach Allenstein (Ankunft 6.05 abends). Eventuell am 11. Tage
Allenstein und das liebliche Alletal, dann heimwärts.
Will man die Reise um einen Tag kürzen, so fährt man
Freitag 9.04 ab Bahnhof Cruttinnen nach Allenstein, kommt
daselbst 1.10 an, besichtigt das Alletal und fährt nachts über
Thorn—Schneidemühl heimwärts. (D**Zug ab 8.51 abends,
Berlin an 6.16 früh.)
Wer zur Ostpreußenfahrt 14 Tage verwenden kann, wird
nicht versäumen, von Königsberg aus auch die hochinteressante
Kurische Nehrung zu besuchen, auf der sich die höchsten Dünen
Europas erheben, und zu diesem Besuch mindestens einen
Tag verwenden. Ab Königsberg 6.49, an Cranzbeek 7.47, an
Nidden 11.20; ab Nidden 5.20, an Königsberg 9.50 abends.
Von Lötzen aus ist ferner der Besuch des Kruglinner Sees
und des Rothebuder Forst (1 tägige Bahn** und Wagenfahrt) recht
genußreich. Bei weiter verfügbarer Zeit würde das kaiserliche
Jagdschloß Rominten und der es umgebende schöne Forst
nicht unbeachtet gelassen werden dürfen. (Bahnfahrt bis zur
Station Rominten, dann 12 Kilometer Wagenfahrt.)
Ja, Ostpreußen ist, wenn auch kein Gebirgsland, doch schön
und besuchenswert. Reisezeit vom 8. Mai bis 2. September;
später ist der Besuch der Seen nur mit Benutzung von Sonder**
Dampfern möglich, die jedoch bereitwilligst gestellt werden.
•; Der Führer „Masurens Seen" und die grofee zugehörige Pharuskarte vom Seengebiet gewähren weiteren Aufschlulz und können für 50 Pfg
postfrei durch die Masurische Dampferkompagnie E. Riech & Co. in Lotzen bezogen werden.
Touren-Zusammenstellungen
in zwangloser
(Unsere Mitarbeiter und Leser bitten wir, sich dieser Rubrik zur
Bekanntgabe interessanter Touren und Erteilung praktischer Winke
bedienen zu wollen. Die Red.i
Neuntägige Tour durch den Harz.
(Besonders für Naturfreunde und gute Fußgänger.)
1. Tag: Bad Harzburg — Radaufall—Riefenbachtal—Käste
—Hexenküche—Mausefalle—Romkerkall—W aldhaus—Go s 1 a r.
2. Tag: Goslar — Steinberg — Hohekehl — Hahnenklee —
Bockswiese—Auerhahn—C1 a u s t h a 1.
3. Tag: Clausthal — Altenau — Magdeburger Weg — Steile
Wand—Torf haus—B r o ck e n.
4. Tag: Brocken—Goetheweg—Oderbrück—Achtermanns**
höhe—Königskrug—Braunlage—S ch i e r k e.
Reihenfolge.
5. Tag: Schierke—Hohneklippen—Ottofels—Steinerne Renne
— Bahnfahrt von Station Steinerne Renne nach Wernigerode.
6. Tag: Wernigerode — Hartenberg—Hüttenrode—Toten-
rode—Roßtrappe—T reseburg.
7. Tag: Treseburg—Rübeland — (Hermannshöhle) — Bahn**
fahrt nach Sorge — Hohegeiß — (dicke Tannen) — Wieda —
Stöberhai.
8. Tag: Stöberhai (früh aufbrechen)—Bad Sachsa—Bahn**
fahrt nach Kelbra—Rotenburg—Kyffhäuser—Roßla—Bahnfahrt
bis Rottleberode—Stolberg.
9. Tag: Stolberg — Josephshöhe — Lindenberg — Bahnfahrt
nach Alexisbad — Mägdesprung — Victorshöhe — Suderode.
(Vorgeschlagen von Mittelschullehrer a. D. Schräder in
Wernigerode.)
r
Wer verreisen will
der lese die reich illustrierte Zeitschrift
„DEUTSCHLRMD'', die in eingehender
Weise die deutschen Städte, Kur- und Badeorte, Sommerfrischen und Wandergebiete durch
Wort und Bild würdigt und in ihrem Reklameteil zahlreiche Rnkündigungen empfehlenswerter
Hotels und Sommerfrischen enthält. Die Zeit- C ■■ L J L« ^'
Schrift „DEUTSCHLRHD^^ ist somit der beste rUlirCr dUrCll ul6
deutschen Städte und Landschaften.
-- 1
360 B BQOCXiQOQ C KaaOQ QQCO O Q Q Q Q Q Q Q Q^ DEUTSCHLAND
Nr. 7
WIRTSCHAFTLICHER TEIL
Die Bedeutung der Verkehrs-Vereine für Staat und Stadt.
Aus dem Vortrag des Herrn Oberbürgermeister Köhler, Worms.
Die Tätigkeit der Verkehrs-Vereine bei uns in Deutschland
ist ja noch eine verhältnismässig junge. Ein sehr grosses Re¬
gister ihrer Taten ist deshalb noch nicht vorhanden. Das aber
kann man wohl sagen, dass sie hervorgegangen sind aus der
Not und aus dem Bedürfnis der Zeit. Zunächst sind sie auf¬
gebaut — das sagen wir ganz offen und ehrlich — aus ledig¬
lich materieller Grundlage. Sie sollen den Verkehr, der nach
und nach aus unseren deutschen Gauen gewichen war, inner¬
halb der deutschen Gaue und vom Ausland her nach den
deutschen Gauen hin wieder heben und fördern. Es gab eine
Zeit, da hatte man im Ausland für die deutschen Lande mehr
Interesse, als das heute der Fall ist. Nach dieser Richtung zu
wirken und zu arbeiten, das ist mit die Aufgabe der Verkehrs-
Vereine, und ich glaube, dass wir heute sagen dürfen, selbst
nach dieser kurzen Spanne Zeit, dass sie diese Aufgaben ge¬
löst haben, und dass sie auf dem Wege nach noch besserer
Lösung dieser Aufgaben begriffen sind.
Ich sagte ja schon, dass die Bestrebungen der Verkehrs-
Vereine in erster Linie in materieller Grundlage wurzeln,
dass sie den Verkehr innerhalb der einzelnen Städte, innerhalb
def einzelnen Landesteile heben wollen, dass sie für das wirt¬
schaftliche Fortkommen der Bewohner und dafür sorgen wollen,
dass zahlungsfähige Fremde in möglichst grosser Zahl in die
Städte und einzelnen Landschaften kommen. Ich darf aber hinzu¬
fügen, dass dieses Bestreben zu gleicher Zeit getragen ist von
einem idealen Gedanken; und welches Streben wäre bei uns
in Deutschland, und sei es noch so materiell festgewurzelt, nicht
auch von idealen Gesichtspunkten getragen. Dieses Ideal finde
ich darin, dass man durch die Verkehrs-Vereine dem Deutschen
sein Vaterland zeigt. Greifen wir uns doch einmal an die
eigene Brust und geben wir doch offen und ehrlich zu: Wieviel
Menschen gibt es eigentlich, die ihre Vaterstadt gründlich
kennen, und die all die Schönheiten und herrlichen Städtebilder,
die wundervollen Reize der Umgebung kennen, die wissen,
welche mächtige und grosse Vergangenheit Uber diese Stadt
hingebraust ist, und die wissen, welche und wieviele Zeugen
grosser Vergangenheit bis auf unsere Tage noch zu uns reden?
Es ist die Aufgabe der Verkehrs-Vereine, den Bürger der Stadt
darüber aufzuklären, was ihn umgibt, was ihm eigentlich das
Leben in dieser Stadt lieb und wert macht. Und wieviel
Menschen gibt es denn, die das Land kennen, in dem sie leben,
wieviel gibt es, die in diese oder jene Provinz einmal hinaus¬
gegangen sind und die dieses oder jenes Städtchen in ihrer
Nähe kennen lernen und wissen, was darin alles Schöne zu
sehen ist. Es sind verschwindend wenige! Woher kommt
das? Zum grossen Teil, weil die Wege dahin den Leuten un¬
bekannt sind, weil sie nicht wissen, was sie da suchen sollen.
weil sie der Anleitung bedürfen, um das zu gemessen, was
alles an Schönem und Grossem geboten wird. Auch hier ist
es wieder die Aufgabe der Verkehrs-Vereine, helfend einzugreifen
und dem, der hinausgehen will, der die Natur und die Reste grauer
Vorzeit sehen, sich an ihnen erheben und sie gemessen will, die
Wege zu weisen. Und ich darf wohl weitergehend sagen, wie
wenige gibt es, die unser grosses, mächtiges deutsches Vaterland
kennen; denn die Grossstädter, die in den D-Zügen hin-
und zurücksausen, aussteigen, dann in die Wagen eingepackt
werden und in ihre Wohnung oder ins Hotel gefahren werden,
sehen wenig von dem, was sie durchfahren haben, sie sehen
wenig von dem Wertvollen in den Städten und Landschaften.
Auch hier ist es wieder die Aufgabe der Verkehrs-Vereine,
helfend einzugreifen und zu sagen: Weile doch hier einmal
an diesem Platz, steige einmal aus, aus dem hahinsausenden
Zuge, es ist der Mübe wert, einmal hier eine Stunde zu voll¬
bringen. Oder bleibe an dieser Station und wandre einmal in die
Täler hinein, die sich da ausbreiten. Du wirst zurückkommen
und fühlen, dass du nicht umsonst einmal Halt gemacht hast.
Ich darf wohl sagen, wer uns unsere Heimat zeigen
will, sei es die Stadt, das Land, das Reich, der
erfüllt eine grosse und gewaltige Aufgabe! Der
Bund Deutscher Verkehrs-Vereine besteht noch
nicht lange, und er blickt auf eine schwere Entwicklungs¬
zeit zurück, aber er darf sich doch sagen, dass er, wenn
er sich von diesem idealen Gedanken weiter tragen lässt,
ein mächtiges Ziel erreicht, denn die Liebe zur Heimat, auf die
er sich beruft, sie ist es, die in jedem Deutschen tief wurzelt.
Und mit diesem idealen Gedanken wird ihm auch die Zukunft
auf diesem Gebiet gehören. Wenn es ihm erst gelungen ist,
alle diejenigen, die es wollen, gründlich durch die Heimat zu
führen, ihnen Stadt, Dorf, Land und Reich in all ihrer Schön¬
heit und Pracht, in ihrer mächtigen und grossen Vergangenheit
recht zu Gemüte zu führen uni dadurch die Liebe zur Heimat
zu wecken, die nur da wirklich und dauerhaft bestehen kann,
wo die nötige Erkenntnis vorhanden ist, dann kann er auch
vor das Ausland hintreten und kann sagen: Ihr da draussen in
der Fremde, die ihr an unserem Deutschland seither vorüber¬
gegangen seid, kommt einmal her zu uns und seht, wie pracht¬
voll sich die Natur ausbreitet, wie mächtig sich die Städte
erheben. Da kommt einmal her, wie hier alles arbeitet und
schafft in neuer Kraft, und kommt hierher in den prachtvollen
deutschen Wald, um Erholung zu suchen, oder auf dem Rhein¬
strom dahinzu fahren, der die Pracht der Ufer euch zeigt.
Dann wird es ihm gelingen, auch das Ausland wieder erneut
auf Deutschland und seine Schönheiten aufmerksam zu machen
und mehr und mehr zu erreichen, dass das Ausland zu uns kommt.
Verkehrspropaganda in kleineren und mittleren Städten.
Nach einem Vortrag von M. Weber, Vorstand des Stadtverkehrsamtes Cassel, auf dem Hessischen Städtetag in Gudensberg.
Nach einer geschichtlichen Einleitung über die Entwicklung
des modernen Fremdenverkehrs und einer Betrachtung seiner
wirtschaftlichen Vorteile im allgemeinen beleuchtete der Redner
eingehend die einschlägigen Verhältnisse im ehemaligen Kur¬
hessen. Der Niederhessische Touristenverein mit dem Sitz in
Cassel habe durch die Herausgabe und Verbreitung von „Rat¬
schlägen für die Wirtschaftsführung“ vorbildlich gewirkt und
sich den Dank aller Interessenten verdient. Hieran schlossen
sich folgende Ausführungen über kommunale Fremdenverkehrs¬
politik: Mit der Schaffung günstiger Unterkünfte- und Ver-
pfleg^ngsverhältnisse, die nach dem Vorhergesag^en die not¬
wendigsten Voraussetzungen tÜr die Entwicklung des Fremden¬
verkehrs in kleinen und mittleren Städten bilden, darf es
natürlich nicht sein Bewenden haben. Der Verkehrspolitik
fallen noch eine Reihe anderer Aufgaben zu, als da sind:
Schaffung günstiger Bahnverbindungen, Regelung des lokalen
Verkehrs, Reklame u. dergl. Da im Plenum der städtischen
Körperschaften derartige Fragen meist vor anderen zurück¬
treten müssen, empfiehlt sich die Einsetzung von besonderen
Verkehrsausschüssen, die sich am zweckmässigsten aus
Vertretern des Magistrats, der Stadtverordneten und der Bürger¬
schaft zusammensetzen. Bei letzteren müssen auch Angehörige
des Wirtestandes berücksichtigt werden. Sollte am Platze ein
gemeinnütziger Verkehrs - Verein, Verschönerungs-Verein oder
ein in diesem Sinne arbeitender Wanderverein bestehen, ist auf
eine Verständigung und ein Zusa mm e n gehen mit diesen
Vereinen Wert zu legen. Eine Menge örtlicher Verkehrs¬
fragen lässt sich auf diese Weise sachgemäss erledigen.
Der Fremdenverkehr ist aber nicht lokal; wenn irgendwo,
so ist besonders bei den Bestrebungen zur Hebung des Fremden¬
verkehrs jede engherzige Kirchturmpolitik verwerflich. Das hat
uns wieder das Ausland, namentlich die Schweiz, Oesterreich,
Ungarn und Schweden lehren müssen; die genannten Länder
sind schon vor Jahren dazu übergegangen, Auskunftbureaus
im Ausland zu errichten. Dieses Beispiel befolgt jetzt der
Bund Deutscher Verkehrs-Vereine. Wenn es auch nicht leicht
ist, mit den genannten, durch Naturschönheiten und Kultur
ausgezeichneten Ländern in Wettbewerb zu treten, so kann
doch Deutschland durch zielbewusstes Vorgehen den inter¬
nationalen Verkehr horanziehen.
In den deutschen Gressstädten und Badeorten hat man die
wirtschaftliche Bedeutung des Fremdenverkehrs nach und nach
Nr. 7- P9QQaGQQ93Q a e8 9 083 9 QaGQQQ ( l l DEUTSCHLAND § 006000066 0 000066060066666666 8 361
einsehen gelernt und besondere Einrichtungen geschaffen, die
von den Stadtverwaltungen oder Vereinen mit städtischer
Untersttttiamg unterhalten werden. In der Erwägung, dass eine
einzelne Stadt in der Verkehrspropaganda, in der Verbesserung
der Eisenbahnverbindungen und dergleichen wenig ausrichtet,
haben sich in den deutschen Gauen eine Reihe von Einzel¬
verbänden nach geographischen, politischen oder sonstigen
Gesichtspunkten gebildet. Diese stellen zum Teil machtvolle
Organisationen dar, wie beispielsweise der Mitteldeutsche Ver¬
kehrsverband, der Verkehrsverband für Westfalen, der Nieder¬
ländische Verkehrsverband, der Thüringische Verkehrs verband,
der Rheinische Verkehrs-Verein, der Badische Landesverband,
der Bayerische Verkehrs verband usw. Nur im Gebiet des
hessischen Städtetages scheint man die Vorteile eines Zusammen¬
schlusses der in gleicher Richtung arbeitenden Organisationen
noch nicht zu würdigen. Auch hier gibt es zahlreiche Verkehrs-,
Verschönerungs- und Wandervereine, die teilweise Erfolge zu
verzeichnen haben, die aber ein einheitliches, zielbewusstes Vor¬
gehen vermissen lassen. In den „Touristischen Mitteilungen**
aus beiden Hessen bedauert ein Besucher der Internationalen
Ausstellung für Reise- und Fremdenverkehr mit Recht, dass
ausser den auf einem kleinen Raum vorgeführten Bildern von
Cassel und Marburg vom ehemaligen Kurhessen und von
Waldeck nichts zu entdecken ist, und dass dadurch noch der
Eindruck verstärkt werde, die genannte Gegend habe dem
Fremden nichts zu bieten. Für die Beschickung derartiger
Ausstellungen müsse in Zukunft eine Verständigung gefunden
werden. Ein gemeinsames Vorgehen wäre auch sehr zu
empfehlen beim Inserieren in Zeitungen und Zeitschriften;
die einzelne Stadt kann sich nur bei Aufbringung bedeutender
Mittel zur Geltung bringen; ein grösseres Sammelinserat dagegen
Bund Deutscher Verkehrs-Vereine.
Geschäftsstelle: Leipzig, Naschmarkt, Handelshof.
✓
Wie wir bereits inNr.5 (II. Jahrg.) des Bundesorgans „Deutsch*
land** berichteten, wurde der Geschäftsführer der Auskunftstelle des
Leipziger Verkehrs -Vereins, Herr Kirsch, zum Besuch unserer
Auskunftstellen in Oesterreich-Ungarn auf Reisen geschickt.
Das Resultat dieser Reise ist ein recht befriedigendes. Den Bundes-
mitgliedem wird noch davon Kenntnis gegeben werden.
Es wurden bei Gelegenheit dieser Reise Abkommen mit
folgenden Firmen wegen Uebernahme von Auskunftstellen des
Bundes getroffen:
Wien, Nagel & Wortmann, Operngasse 6,
Fiume, Chiosk Mayer, Buchhandlung, Piazza Dante,
Triest, P. Christofidis, Hotel de la Ville,
Abbazia, Nagel & Wortmann,
Pr e s s b u r g. Städtisches Verkehrsbureau, Hutterergasse.
In einem Rundschreiben wurden die Bundesmitglieder um
Angabe von Einrichtungen, welche der Aufnahme der
Fremdenverkehrsstatistik dienen, ersucht.
An die Mitglieder des Gesamtvorstandes ging ein aus¬
führliches Zirkular betr. die nächste Vorstandssitzung.
Der Bund Deutscher Verkehrs-Vereine ist am 5. Juli 1911
in das Vereinsregister des Kgl. Amtsgerichtes in Leipzig
eingetragen worden.
(Das Bundesorgan, die Verkehrs-Zeitschrift
„Deutschland**, liegt in sämtlichen Auskunftstellen des
Bundes auf).
Aus den Bundes-Vereinen.
Der Verein zur Förderung des Fremdenverkehrs
in München und im bayerischen Hochland
hat mit dem Verein für hauswirtschaftliche Frauenbildung ein
Abkommen getroffen, demzufolge dieser in seinem Vereinshaus
in München im Auftrag des Fremdenverkehrs-Vereins gastwirt¬
schaftliche Kochkurse veranstaltet, die speziell für Teilnehme¬
rinnen, welche der Fremdenverkehrs-Verein namhaft macht,
bestimmt sind. Der Fremdenverkehrs-Verein gibt jeder Kurs¬
teilnehmerin als Beitrag zur Deckung der Kurskosten, die sich
einschliesslich der Kosten für Unterkunft und Verpflegung auf
150 Mk. stellen, ein Stipendium von 20 Mk. Ausserdem erhalten
Schülerinnen, die den Kurs mit besonderem Erfolg absolviert
haben, eine Erinnerungsgabe vom Fremdenverkehrs-Verein
zuerkannt.
Verkehrs-Verein Mannheim.
Mehr und mehr bricht sich die Erkenntnis Bahn, dass für
Propagandaschriften die illustrative Ausstattung neben der
äusseren Gestalt von höchster Wichtigkeit ist. Namentlich ist dies
für* die Propagandaschriften der Verkehrs-Vereine
lenkt die Aufmerksamkeit der Fremden auf die Gegend über¬
haupt. Da die Ansprüche der Vergnttgungsreisenden und der
Erholungssuchenden verschiedenartig sind, wird Stadt und Land
aus einem derartigen gemeinsamen Vorgehen gemeinsam Nutzen
ziehen können. Als Beispiele wirksamer Kollektiv¬
anzeigen sei auf die Empfehlungsanzeigen verschiedener
Verbände in* der Verkehrs-Zeitschrift „Deuts chla n d**, die im
Saale ausliegt, verwiesen. Die Bekanntmachung eines Ortes
durch die Veröffentlichungen eines grösseren Bezirkes gibt
auch die Möglichkeit, etwaige eigene Drucksachen an die
richtigen Adressen gelangen zu lassen. Ein derartiger Zusammen¬
schluss, der für die Wandervereine im Gebiet des Städtetages
nach vielen Bemühungen erreicht worden ist, wird den Bestre¬
bungen dieser Vereine keinen Abbruch tun, sie vielmehr er¬
gänzen. Die Wandervereine suchen gute Vorbedingungen für
den Passantenverkehr zu schaffen; die Verkehrs-Vereine und
dergleichen haben unter Ausnützung dieser Vorraussetzungen
durch zielbewusste Werbetätigkeit den eigentlichen Fiemden-
verkehr zu fördern. Damit soll aber durchaus keine scharfe
Abgrenzung vorgezeichnet werden; in der Natur der Sache
liegt vielmehr ein fortgesetztes Hand-in-Hand-Arbeiten. — Der
Vortrag über die Bedeutung des Fremdenverkehrs in mittleren
und kleineren Städten klang in einem doppelten Wunsche
aus. Einmal, dass jeder an seinem Platze an einer Verbesserung
der VerpÜegungsVerhältnisse, der ersten Voraussetzung für eine
Entwicklung des Fremdenverkehrs, wirken möchte; zum andern,
dass die jetzt noch getrennt arbeitenden Organisationen zur
Hebung des Verkehrs zu einem Verkehrsverband für Kurhessen
und Waldeck sich zusammenschliessen sollten, um vereint dem
Vereinsgebiet die ihm zukommende Stellung im Verkehrsleben
und einen grösseren Anteil an dessen Segnungen zu verschaffen.
zutreffend, die jetzt, während der Hochsaison, in Massen in die
Sommerfrischen hinausgehen, vielfach aber unbeachtet bleiben
können, wenn nicht durch irgend eine Eigenart das Auge fest¬
gehalten wird. Der Verkehrs-Verein Mannheim wählte deshalb
seit 2 Jahren für seine dreisprachigen, vornehm illustrierten Pro¬
spekte, wie auch für seine weitverbreiteten Inserate die interessante
Turmsilhouette Mannheims, deren Wirkung durch teilweise
Verwendung von Negativschrift noch erhöht wurde. Er geht
nun noch einen Schritt weiter, indem er beabsichtigt, seine nächst¬
jährigen Propagandaschriften mit farbenphotographischen
Reproduktionen auszuschmücken. Zu gleicher Zeit liess
der Verkehrs-Verein etwa 70 photographische Aufnahmen
gewöhnlichen Herstellungsverfahrens fertigen, um für Klischees,
Postkarten, Ansichtsalbums usw. wieder neue Motive zu besitzen.
Verkehrs-Ausschuss der Bergstrasse.
Der „Engere Ausschuss** des Verkehrs-Ausschusses der
Bergstrasse hielt am 5. August eine Sitzung in Jugenheim im Hotel
zur Krone unter dem Vorsitze des Herrn Rentners Sieben (Auer¬
bach) ab. Der Vorsitzende schilderte die Finanzlage des Aus¬
schusses in eingehender Weise, welche trotz der erheblichen
Aufwendungen in diesem Jahre für Beschaffung des Panoramas,
Beteiligung an der Berliner Internationalen Ausstellung für
Reise- und Fremdenverkehr und grosse Kosten für Annoncen
usw. eine gesunde genannt werden könne. Der Voranschlag
sei nirgends überschritten worden. Dem Vorstande stehen
jedoch Mittel aus früheren Zeiten im nächsten Jahre nicht mehr
zur Verfügung. Es sei deshalb wünschenswert und bei der
intensiven Arbeit, die geleistet würde, auch sehr notwendig, die
Beiträge reichlicher fliessen zu lassen. Zu Punkt 3 der Tages¬
ordnung machte der Vorsitzende Mitteilung von der seitens der
Grossh. Kurdirektion von Bad Nauheim beabsichtigten Aus¬
stellung des Dioramas der Bergstrasse in der neuen Trinkkur¬
anlage in Bad Nauheim. Es handelt sich hier um das Diorama,
welches auf der Berliner Reiseausstellung vom i. 4. bis 20. 6.
ausgestellt war. Zu Punkt 4 gab der Vorsitzende Kenntnis von
der Absicht der Preuss. Hess. Eisenbahn-Verwaltung, in den
Abteilen der D- und Personenzüge künstlerischen Bildschmuck
zur Empfehlung landschaftlich hervorragender Gegenden anzu¬
bringen. Trotz erheblicher Kosten, die diese Empfehlung unserer
Gegend verursachen wird, beschloss die Versammlung, eine An¬
zahl Bilder von der Bergstrasse anzumelden und wählte eine
Kommission von 4 Herren, sowie Herrn Professor Metzendorf
(Bensheim) als künstlerischen Beirat zu dem Zwecke, die in
Frage kommenden Bilder zu bestimmen. Zu Punkt 5 der Tages¬
ordnung wurde Kenntnis gegeben von dem Erscheinen illustrierter
Artikel von der Bergstrasse in der Zeitschrift „Deutschland**.
Die Versammlung fasste den Beschluss, falls die Ausgabe er¬
folgen sollte, die Bergstrasse ihrer Bedeutung entsprechend be¬
handeln zu lassen. Der Vorsitzende machte Mitteilung von dem
erheblichen Zuschuss, den die Preuss. Hess. Eisenbahn-Ver¬
waltung dem Bund Deutscher Verkehrs-Vereine von
DEUTSCHLAND iB oeeceoeeeeo ecoo eoooooceecB Nr. 7
362
Inhalts - Verzeichnis
zum I. Jahrgang der Zeitschrift
„Deutschland“.
Vielfachen Wünschen entsprechend, haben wir
ein ausführliches Inhalts-Verzeichnis zum 1. Jahr¬
gang unserer Zeitschrift herstellen lassen, das aus
folgenden Abschnitten besteht:
1. Chronologische Inhaltsübersicht der
15 Nummern,
2. Alphabetisches Sachregister,
3. „ Ortsregister,
4. „ Jllustrationsregister,
5. „ Personenregister.
Das Verzeichnis umfaßt 28 Seiten und kenn¬
zeichnet beredter als Worte den vielseitigen Inhalt
des 1. Jahrganges, in dem nicht weniger als 11ÄO
deutsche StÄdte nnd Orte Erwähnung ge¬
funden haben und 590 Jllastrationeii deutscher
Städte-Ansiehten, Kunstsehätze und landschaftlich
schöne Punkte im Bilde wiedergegeben sind. Was
die „Deutschland“ in diesem Zeitabschnitt zur Pflege
von Heimatkunde und Heimatliebe, zur Förderung
der deutschen Verkehrs-Interessen geleistet hat,
beweisen schon die vorstehend genannten Zahlen.
Der Wert des nicht nur auf manchem Familien¬
tisch, sondern auch in so vielen Bibliotheken und
Lesezimmern aufliegenden Jahrganges wird durch
die Ausführlichkeit des Inhalts-Verzeichnisses noch
erhöht.
Unseren verehrliehen Abonnenten wird das
Inhalts-Verzeichnis mit der vorliegenden Nummer
kostenlos geliefert. Gleichzeitig machen wir
darauf aufmerksam, daß wir zum Aufbewahren des
I. Jahrganges
eine Einbanddecke
in gefälliger Ausstattung hersteilen Hessen, die
zum Preise von 1 Jflark, zuzüglich 25 Pfg. für
Versand, von unserer Geschäftsstelle bezogen
werden kann. (Bei portofreier Einsendung der sämt-
Uchen Nummern des Jahrganges übernehmen wir
auch das Einbinden. Preis für Einbanddecke und
Einbinden Iflark zuzüglich Porto.)
FehlendeNummern des I. Jahrganges werden,
soweit der Vorrat reicht, zum Preise von 40 Pfg.,
zuzügUch Porto, naehgeliefert. Vollständige Jahr¬
gänge fertig eingebunden liefern wir zum Preise
von Mark 8.50, zuzügUeh 50 Pfg. für Porto.
DÜSSELDORF
Postfach 444
Verlay der ZeiM „Deutidiland“.
jeUt ab, jedoch unter ihrer Mitbestimmung, zu Reklamezwecken,
vornehmlich im Auslande, jährlich zur Verfügung stellen werde.
Ist hierin nicht eine erfreuliche Anerkennung der vielseitigen
und betriebsamen Tätigkeit der deutschen Verkehrs-Vereine
durch die staatlichen Behörden zu erblicken? Bayern tut dies
schon lange mit einem sehr hohen Betrage! Sollte dies nicht
auf den enormen Fremdenverkehr in Bayern förderlich ein¬
gewirkt haben? Nach dem Bericht des Vorsitzenden Uber die
hervorragende Tätigkeit des grossen Rheinischen Verkehrs-
Vereins — Sitz in Coblenz —, durch den auch die Interessen
unserer Gegend zur Vertretung kommen, und nachdem dieser
sich bereit erklärt hat, unseren Vorsitzenden in seinen Gesamt¬
vorstand aufzunehmen, wurde beschlossen, dem Rheinischen
Verkehrs-Verein einen Jahresbeitrag zuzuweisen. Es wurde
ferner beschlossen, an das Ministerium des Innern eine Eingabe zu
richten, betreffs Erlass einer Polizeiverordnung zwecks Entfernung
der missständigen Plakate an der Eisenbahnlinie, wozu der § 35
des Denkmalschutzgesetzes genügende Handhabe bietet. Der Vor¬
sitzende gab noch Kenntnis von dem überaus lebhaften Fremden¬
verkehr an der Bergstrasse im laufenden Sommer, von der grossen
Zahl der eingelaufenen Anfragen, von dem Versand und der
Verbreitung des neuen Panoramas in Uber 10 000 Exemplaren und
dem lebhaften Zuzug von Ansiedlern in unseren herrlichen Orten.
Der Verband mitteldeutscher Verkehrs-Vereine,
dem auch der Halberstädter Verkehrs-Verein angehört, ver¬
sendet jetzt den von der zweiten Mitgliederversammlung auf
dem Verbandstag in Kösen am ii. September v. Js. gutgeheissenen
Verbandsprospekt. Die in geschmackvollem Zweifarbendruck
von der Faberschen Buchdruckerei hergestellte Propaganda¬
drucksache „gewidmet zur Erinnerung an die provinzial¬
sächsischen, anhaltinischen und nordthUringischen Lande vom
Verbände mitteldeutscher Verkehrs-Vereine“ bringt auf der
Vorderseite eine Elblandschaft, vom Weinberge bei Hohenwarthe
aus gesehen, während die Schlussseite mit einer Saaleland¬
schaft, beides für Mitteldeutschland charakteristische Titelbilder,
geschmückt ist. Zwei Seiten enthalten eine mitteldeutsche Eisen¬
bahnkarte mit Angabe der kürzesten Eisenbahnverbindungen in
Stunden. Auf den übrigen 12 Seiten sind Namen der 40 Städte,
meist mit Bilderschmuck und kurzen Beschreibungen versehen,
aufgeführt, in denen die Mitglieder des Verbandes, Magistrate,
Bürger-, Verschönerungs-, Verkehrs- und ähnliche Vereine ihren
Sitz haben. Auch der Harzer Verkehrs-Verband mit seinen
56 Mitgliedern, Magistraten, Kurverwaltungen, Eisenbahn¬
direktionen, Harzklubs, Verkehrs-Vereinen usw. in 53 Ort¬
schaften und „Thüringen“ sind mit schönen Abbildungen
vertreten. - Für die Zukunft ist an Stelle des jetzigen Karten¬
formprospektes die Herausgabe von Propagandabroschüren ins
Auge gefasst. Der diesjährige Verbandstag soll im September
in Wernigerode oder Halberstadt abgehalten werden.
Verband Deutscher Gebirgs- und Wandervereine.
Die Hauptversammlung des Verbandes Deutscher Gebirgs-
und Wandervereine findet zu Bad Wildungen im Theatersaal
des Kurhauses Samstag, 9. September, nachmittags z'/j Uhr,
statt. Anmeldungen zur Teilnahme wolle man möglichst bis
zum 15. August an Herrn Rechtsanwalt H. Wenning, Cassel,
Hedwigstrasse 12, richten. Freitagabend ist in Bad Wildungen
im Bayerischen Hof Gelegenheit für die Vorschwalben zum
Beisammensein, wo auch von 6 bis 8 Uhr abends eine Vor¬
besprechung über Jugendwanderungen abgehalten wird mit Licht¬
bildervorträgen Über Jugendwanderungen, sowie über Winter¬
sport und seinepflege in denDeutseben Mittelgebirgen,
letzterer vonDr. med. Jaeger, Vorsitzendem des Leipziger Schi-
Klubs. Die mit der Hauptversammlung verbundene Ausstellung
(in der Schulturnhalle) von Einrichtungen, Gebrauchsgegen¬
ständen und Werbemitteln für Wandern und Reisen soll auch
bodenständige und künstlerisch wertvolle Reiseandenken vor¬
führen, für deren Schaffung jüngst der Harzklub besonders tat¬
kräftig eingetreten ist. Anmeldungen und Anfragen wolle man
an Herrn Max Seidinger in Bad Wildungen richten.
Der kürzlich gegründete Rheingauer Verkehrs-Verein
tritt zum ersten Male mit einem Rundschreiben in die Oeffent-
lichkeit. Herr Bürgermeister Dr. Keutner aus Eltville, der vor¬
läufig die Geschäfte führt, erklärt in dem Schreiben, dass der
Verein beabsichtigt, noch in diesem Jahre mit einer Reklame
herauszutreten. Es ist geplant, einen Führer durch den
Rheingau herauszugeben.
Gründung eines niederrheinischen Verkehrs-
Vereins. Am Samstag hatten sich in Xanten im Schützen¬
hause Vertreter einer Anzahl niederrheinischer Orte zusammen¬
gefunden, um über niederrheinische Verkehrsinteressen zu be¬
raten. Anwesend waren Vertreter aus Mörs, Sonsbeck, Goch,
Kalkar, Emmerich, Wesel und Xanten, im ganzen 28 Herren.
Nach der Begrüssung sprach Oberingenieur Rütter (Cleve) über
die Gründe der Zusammenkunft. Im Anschluss hieran be¬
antragte Bürgermeister Dütz-Josum (Goch) die Gründung eines
Niederrheinischen Verkehrs-Vereins. Der provisorischen Vor-
standsgründung pflichtete man bei. Der anwesende Geh.
Kommerzienrat Deussen, Vorsitzender der Handelskammer
Krefeld, sagte den Bestrebungen des Vereins seine Hilfe zu.
Aus den anwesenden Herren wurde zunächst eine aus 16 Herren
bestehende provisorische Geschäftsleitung gewählt. Die Ver¬
sammlung schloss mit dem allseitigen Wunsche, dass die ge¬
steckten Ziele erreicht werden möchten. Nach Schluss fand eine
Besichtigung der Ausgrabungen auf dem Fürstenberge bei
Xanten statt.
Schüler- und Studentenherbergen in der Eifel.
Die vom E i f el V e r ei n eingeführte und von fast allen Gebirgs-
vereinenWestdeutschlands übernommene Einrichtung der Schüler-
und Studentenherbergen hat sich im Laufe der letzten Jahre einer
derartigen Beliebtheit unter der wandernden deutschen Jugend,
namentlich bei den Gymnasialschülern der grossen Städte des
Rheinlands, zu erfreuen gehabt, dass die Aufbringung der be¬
trächtlichen, alljährlich viele Tausende betragenden Mittel auf
nicht unerhebliche Schwierigkeiten stösst. Der Eifelverein hat
den durch Zuschüsse der Behörden, Stadtverwaltungen und
Nr. 7 ■B GQCXWQQQQQQQQQCK^^^ DEUTSCHLAND 363
einiger Einzelxnitglieder nicht gedeckten Kostenbeitrag in diesem
Jahre auf 2000 Mark erhöhen müssen. Bereits der durch das
besonders günstige Pfingstwetter gegen das Vorjahr wiederum
stark gesteigerte Verkehr in den Herbergen lässt jedoch be¬
fürchten, dass der Verein nach Schluss der Herbstwanderzeit
mit einem Fehlbetrag schliessen wird, wodurch der Fortbestand
der für unsere Jugend so überaus segenswerten Einrichtung in
Frage gestellt werden könnte. Der Hauptvorstand des Eifel¬
vereins hat daher unlängst in seiner Hauplvorstandssitzung in
Montjoie die Hoffnung ausgesprochen, dass hochherzige Freunde
der Jugend dem Verein Stiftungsbeiträge zur dauernden
Beibehaltung der Einrichtung zuwenden möchten. Erfreulicher¬
weise hat hierauf der Fabrikbesitzer J. Th. Weber zu Eus-
kirchen dem Eifelverein den Betrag von 3000 Mark zum
Zweck der Förderung des Herbergswesens übermittelt. Wir hoffen,
dass dieses Beispiel noch viele andere, die für die körperliche
und geistige Kräftigung der wanderlustigen deutschen Jugend
Herz und Interesse haben, zur Nachahmung veranlassen wird.
Eine neue Bahn im Riesengebirge ist am 8. August
feierlich dem Verkehr übergeben worden. Es ist dies die von
der Hirschberger Talbahngesellschaft gebaute elektrische Strassen-
bahn von Warmbrunn nach Giersdorf. Mit dieser neuen Bahn wird
endlich die grosse Mitte des Gebirges, die sehr reich an land¬
schaftlichen Schönheiten ist, dem allgemeinen Verkehr er¬
schlossen. Bisher gingen Bahnen nur an die beiden Flügel
des Gebirges, nach Schreiberhau und Hermsdorf im Westen
und Krummhübel im Osten, so dass die Ortschaften in der Mitte
von dem Aufschwung, den der Fremdenverkehr in den letzten
Jahren genommen hat, nur einen sehr geringen Anteil hatten
und in ihrer wirtschaftlichen Entwicklung zurückblieben. Auch
wurde wegen des Mangels einer Bahnverbindung die Mitte
des Gebirges, besonders Giersdorf und Hain, fast gar nicht zum
Anfangs- und Ausgangspunkt von Gebirgstouren benutzt.
Die Walhalla bei Regensburg. Tausende, die der
Reiseweg aus Norddeutschland gegen Süden führt, sehen kurz
nach Verlassen der alten Reichsstadt Regensburg den mächtigen
Bau der Walhalla flüchtig herübergrüssen, aber nur wenige
nehmen sich Zeit, diese hochinteressante Schöpfung König
Ludwigs I. näher kennen zu lernen. Und doch genügt hierfür
ein geringer Aufwand an Zeit und Geld. In nicht ganz einer
Stunde führt die Walhallabahn zum Fuss des Hügels, auf dem
der gewaltige Marmortempel, deutschem Ruhm und Heldentum
geweiht, in höchster künstlerischer Vollendung thront. In Stein
gehauen Anden wir hier die Grössten unseres Volkes ver¬
sammelt, hehre Fürsten des Blutes und Geistes, Fürsten des
Krieges und Friedens. Nähere Auskünfte sowie Prospekte gibt
kostenlos die Amtliche Auskunftstelle der Königlich Bayerischen
Staatseisenbahnen im Internationalen Verkehrsbureau in Berlin,
Unter den Linden 14.
Eine nachahmenswerte Einrichtung. Um das oft
genug unangenehm empfundene Zusammentreffen von Konzerten,
Vorträgen und Vereinsfestlichkeiten, wie auch anderer Veran¬
staltungen möglichst zu vermeiden, hat der Verkehrs-Verein
in Münster folgendes Mittel zur Abhilfe gefunden: Er lässt
in seinem Geschäftszimmer eine Liste auf legen, in die angesetzte
Festlichkeiten, Versammlungen, Konzerte, Vorträge und sonstige
Veranstaltungen eingetragen werden können. Machen die Vereine,
Behörden und sonstigen Veranstalter den gewünschten Gebrauch
von der Liste, so wird sie, da sie eine bequeme Uebersicht aller
geplanten Veranstaltungen gibt, bestens ihren Zweck erfüllen.
Eisenbahnwesen.
Direkte Fahrkarten Berlin — B a de n w ei le r. Wie
die Königl. Eisenbahndirektion Berlin bekannt gibt, sind ab
15. August direkte Fahrkarten Berlin — Badenweiler erhältlich.
Preis I. Klasse Mk. 70.45, II. Klasse Mk. 43.05, III. Klasse
Mk. 27.90. Die Einführung dieser Karten wurde durch die stets
zunehmende Zahl der Kurgäste aus der Reichshauptstadt er¬
forderlich. Das altrömische Thermalbad Badenweiler gehört
zur Gattung der Wildbäder und hat wegen der doppelten Eigen¬
schaft als Thermalbad und Luftkurort und infolge der hervor¬
ragenden Heilerfolge bei Nerven- und Herzkrankheiten, sowie
bei Gelenkrheumatismus, Gicht, Krankheiten der Atmungsorgane
usw. einen jährlich beträchtlich steigenden Besuch aufzuweisen.
Reiseerleichterungen für die Ausstellungen in Italien
im Jahre 1911.
(Mitgeteilt von der Königl. Eisenbahndirektion Cöln.)
Während für die Ausstellungen in Rom und Turin Karten
zu ermässigtem Preise von der italienischen Grenzstation ab
bis 31. Oktober igii ausgegeben werden, sollte die Veraus¬
gabung derartiger Karten für die Ausstellungen in Florenz mit
dem 31. Juli eingestellt werden. Diese Anordnung ist auf Ver¬
anlassung der Italienischen Staatsbahnen dahin abgeändert
worden, dass die Karten nach Florenz bis auf weiteres auch
noch nach dem 31. Ju 1 i d. Js. ausgegeben werden können.
Auskunft erteilen auf Verlangen die amtlichen Fahrkarten¬
ausgabestellen der grösseren Bahnhöfe.
Zollamtliche Behandlung des nach Italien und Süd¬
frankreich über den Gotthard abgefertigten Reise¬
gepäcks in Chiasso und Luino’*’).
(Mitgeteilt von der Königl. Eisenbahndirektion Cöln.)
Die zollamtliche Behandlung des über den Gotthard — Chiasso
oder Gotthard—Luino nach italienischen und südfranzö-
sisehen Stationen abgefertigten (eingeschriebenen) Reisegepäcks
vollzieht sich in den Bahnhöfen Chiasso und Luino in folgender
Weise :
I. Nach italienischen Stationen.
1. Das mit SBB Zügen Nrn. 127 und 103 in Chiasso
eintreffende, direkt nach italienischen Stationen abgefertigte
Reisegepäck (mit Ausnahme desjenigen nach Como) wird, sofern
sich der Aufgeber oder Eigentümer im Zuge beflndet, in den
Anschlusszügen FS Nr. 63 und 69 während der Fahrt von
Chiasso bis Mailand im Zuge selbst durch mitreisende italienische
Zollbeamte revidiert. Wenn der Aufgeber oder Eigentümer
nicht mit dem gleichen Zuge wie das Gepäck reist, so wird das
letztere in Chiasso ausgeladen. Ist das Gepäck nach einer
italienischen Station mit Inlandszollamt abgefertigt, so erfolgt
die Weiterbeförderung unter Zollverschluss mit dem ersten auf
den direkten Anschlusszug folgenden Zug. Hiervon ausge¬
nommen ist das nach Mailand C abgefertigte Gepäck, das in
allen Fällen, ob der Gepäckscheininhaber mitreist oder nicht, mit
den F S Zügen 63 und 69 an den Bestimmungsort geleitet wird.
Das direkte Reisegepäck nach Como der Züge SBB
Nr. 127/FS 63 und SBB 103/FS 69 wird je nach Umständen
(Umschlagszeit, Anwesenheit oder Abwesenheit der Reisenden)
entweder in Chiasso oder in Como zollamtlich abgefertigt.
2. Bei allen andern Zügen wird in Chiasso in der
Regel das direkt nach italienischen Stationen abgefertig^e Reise¬
gepäck im Bahnhofe selbst zollamtlich revidiert, ebenso bei
allen Zügen in Luino. Das nach den Stationen Mailand C,
Genua PP, Turin PN und San Remo abgefertigte Reisegepäck
wird indessen, wenn sich der Gepäckscheininhaber zur Zoll¬
revision nicht meldet, oder wenn er die Zollrevision auf der
Bestimmungsstation verlangt hat, unter Zollverschluss an den
Bestimmungsort weitergeleitet, und zwar ohne Gebührenberech¬
nung. Der nämlichen Behandlung unterliegt dasjenige Reise¬
gepäck, das nach einer der nachstehend genannten Stationen,
in deren Städten sich italienische Zollämter 1. Klasse
befinden, direkt abgefertigt ist. Für dieses Reisegepäck ist
aber auf der Bestimmungsstation für das Verbringen der Gepäck¬
stücke vom Bahnhofe in das Zollamt eine angemessene Gebühr
zu entrichten. Es sind dies folgende Stationen: Ala, Ancona,
Arona, Bari, Barletta, Bologna, Brindisi, Catania, Como, Civita-
vecchia, Domodossola, Florenz, Livorno, Luino, Messina, Modane,
Neapel, Novara, Oneglia, Palermo, Pontebba, Porto Empedocle,
Porto Maurizio, Ravenna, Reggio di Calabria, Rimini, Rom,
Salerno, S. Giovanni Manzano, Sampierdarena, Savona, Siracusa,
Spezia, Taranto, Torre Annunziata, Trapani, Udine, Venedig,
Ventimiglia und Verona.
Reisegepäck, das nach einer italienischen Station
ohne Inlandszollamt abgefertigt ist und das an der Grenze
wegen Abwesenheit der Gepäckscheininhaber nicht zollamtlich
revidiert werden kann, bleibt in Chiasso bezw. in Luino liegen,
bis die letzteren sich zur Zollrevision melden.
II. Nach südfranzösischen Stationen.
1. Das mit den Zügen SBB 127 (63), 103 (69), 125 (65), 109
(75) in Chiasso ankommende Reisegepäck nach südfranzösischen
Stationen wird mit den in Klammern beigesetzten italienischen
AnschlusszUgen unter Zoll rerschluss bis Ventimiglia weitergeleitet.
2. Das mit den SBB Zügen 105, 115 und 129, die keine
direkte Fortsetzung nach der französischen Riviera haben, in
Chiasso ankommende Reisegepäck nach südfranzösischen
Stationen wird mit den italienischen Zügen 63 bezw, 69 unter
Zollverschluss weiterbefördert,
3. Den mit dem Zollverschluss in Chiasso verbundenen
Förmlichkeiten braucht der Gepäckinhaber nicht beizuwohnen.
*) S B 15 —- Schweizerische Bundesbahneu;
r S - Ferrovie Stato (llalienisclie Staalsbahiiea)
'.-f ■ i •
364 P9QQQQ0QQQQ000QQQ(>QQQQ90Q0( M1 DEUTSCHLAND (gCCCC)OO06OO0€)000€)OOO€)0000€I l Nr. 7
Die grössten Bahnhöfe der Welt. New York besitzt
bereits seit kurzem den grössten Bahnhof der Welt, den Bahn¬
hof der Pennsylvania-Bisenbahn, der elf Hektar Raum für sich
in Anspruch nimmt. Diese riesige Anlage wird aber trotz
ihrer ungeheueren Ausdehnung an Orossartigkiet von dem
Bahnhof der beiden Eisenbahngesellschaften New York Central
und New York-Newhaven-Haven-Hertford, der 1915 fertiggestellt
sein soll, überlroffen. Während der Pennsylvania-Bahnhof keine
Wagen beherbergen kann, wird die Grand Centralstation 1149
Wagen aufnehmen können. Zu der Erbauung dieses neuen
Riesenbahnhofs werden 80000 Tonnen Stahl verwendet, d. i.
das Doppelte der Menge, die bei dem Pennsylvania-Bahnhof
verbraucht wurde. Die Anlage kostet gegen 800 Millionen Mark,
und die Kosten würden noch um ein Beträchtliches grösser
sein, wenn nicht die Gesellschaften bereits drei Fünftel des
Terrains vorher besessen hätten. Ausserdem wird der Bahn¬
hof eine ganze Reihe von Verbesserungen aufweisen. Die
Güterwagen werden sogleich beim Eintreffen der Züge von
den Passagierwagen getrennt. Die Reisenden ünden beim
Aussteigen Toilettenzimmer vor, in denen sie ihre Kleidung
wechseln und ihre Toilette machen können; auf grossen
Balkons können die Freunde auf die Ankommenden
warten und die Einfahrt der Züge beobachten. Der Bahn¬
hof wird ganz unterirdisch angelegt, und Uber ihm werden
sich Wolkenkratzer von 20 Stockwerken erheben, Hotels,
ein grosses Varietötheater, sogar eine Kirche, so dass für
die in New York Anlangenden sogleich in jeder Beziehung
gesorgt ist.
Mitgeteilt von der
Königl. Eisenbahn-Direktion Breslau.
Die D-Zuge 18/19
zwischen
Berlin—Breslau—
Oderberg
Kättöwitz
haben die aus nebenstehender Zusammenstellung
ersichtlichen Verkehrszeiten und Anschlußgelegeu-
heiten. Besonders hervorzuheben sind die günstigen
Anschlüsse in Berlin von und nach Paris, London,
Christiania, Stockholm, Kopenhagen, in Kandrzin
nach und von dem Oberschlesischen Industrie¬
gebiet, in Oderberg nach und von Wien, Budapest,
Bukarest, Constantza, Belgrad, Konstantinopel,
Krakau, Lemberg und Odessa.
Die Züge führen:
Personenwagen;
i.—3. Kl. Berlin—Breslau—Kattowilz,
1. —3. Kl. Berlin— Breslau—Oderberg,
1.—2. Kl. Berlin—Oderberg—Wien Nordbahnhof.
1.—2. Kl. Berlin—Oderberg—Budapest Ostbahnhof
und zurück.
Schlafwagen:
1.—2. Kl. Berlin—Oderberg—Ruttek—Budapest—
Belgrad—Sofia—Konstantinopel.
Die Reisedauer beträgt:
von Berlin Schlesischer Bahnhof nach
Wien Nordbahnhof rd. 12 Std.
Budapest Ostbahnhof „ 17 „
Konstantinopel „ Gl „
nach Berlin Schlesischer Bahnhof von
Wien Nordbahnhof rd. 12 Std.
Budapest Ostbahnhof „ 17 „
Konstantinopel „ 68 „
von Breslau Haui)tbahnhof nach
Paris rd. 21 Std.
London „ 26 „
Kopenhagen „ 14 „
nach Breslau Hauptbahnhof von
Paris rd. 23 Std.
London „ 24 „
Kopenhagen „ 16 „
Die Zeitangaben entsprechen der für die Fahrpläne der verschiedenen Länder
vorgeschriebenen Zeit.
!
1
^545|
1
: *6^Ö
108
6^
^ ab Christiania.
^ „ Stockholm .
„ Kopenhagen.
„ Saßnitz.
„ Warnemünde.
an Berlin Stettiner Bahnhof .
an i
n
11
n
»»
ab
ktl200
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1260
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334
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* 868
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1109
1
1
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ab Heringsdorf.
an
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\ nur vom
1
1
7^
an Berlin Stettiner Bahnhof .
ab
1036
j 1. 7.—19. 8.
416
ab Stettin.
an
1030
1149
6H11
an Berlin Stettiner Bahnhof .
ab
831
940
1124
ab Kiel.
an
242
26^
„ Lübeck.
106
314
„ Hamburg.
j08
i
707
an Berlin Lehrter Bahnhof
ab
900
♦
♦111
ab Bremen.
an
139
201
' 7li» :
707
an Berlin Lehrter Bahnhof
ab
8*0
843 ab 16. 6.
—
~
„ Berlin Schlesischer Bahnhof
—
—
1 —
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ab Paris.
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736
—
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„ Magdeburg .
M
1067
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1 _
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ab Paris .
an
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—
—
§S30 •845
§830
„ London .
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—
4538
—
„ Amsterdam .
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—
748 X
—
—
„ Brüssel .
11
800
—
945
—
1(»I0
„ Cöln Hauptbahnhof . . .
11
363
648
548
160
320
,, Hannover .
11*7
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12»6
536
710
an Berlin Schlesischer Bahnhof ab |
744
763
843
711
ab Cliarlotteiibiirg ....
an
867
710
„ Berlin Zoologischer Garten
769
733
„ „ Fried rieh Straße
11
745
746
,, „ Schlesischer Bahnhof „
7.36
1
„ Frankfurt (Oder) ....
11
6*8
887
ab Görlitz .
—
1100
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—
i !llii
ab Liegnitz.
1
1
1230j
an Schönau (Katzbach) . . .
.
—
IM
„ Frankenstein (Schlesien)
—
1
1200
an Breslau Uauptbahnhof
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an Glatz.
.
—
648
„ Kaliscb.
ab
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1128
„ Lodz Kalischer Bahnliof .
11
660
3*5
„ Warschau Brester Bahnhof
210
113
ab Oppeln.
1
150
„ Kandrzin.
an
1«
2*9
an Gleiwitz.
ab
112
24K
„ Zabrze.
?)
1250
261
„ Beutheii.
11
1260
813
„ Kattowitz.
11
12*6
218
ab Ratibor.
1
2^
an Oderberg.
ab
106
64*
an Krakau.
ab
9W
130
„ Lemberg.
»1
246
920
„ Odessa.
860
810
an Wien.
ab
746
1260
„ Budapest üstbahnhof . .
11
300
960
„ Constantza.
»
, 630
747 >
f „ Konstantinopel ■ . . . .
1 8*3
♦ Uber Trelleborg.
f „ Qjadser.
♦ „ Hannover.
♦ „ Hamburg.
§ über Hoek van Holland—Harwlch.
• „ Vllsaingen—Box-tel—Ober-
hausen oder Crefeld.
4 „ Ostende oder Calais.
X Umsteigen in Easen Uber
Wesel—Emmerich.
■ über Budapest—Belgrad
-Bofla.
Nr. 7 BaoQGOQQQQaQQoaQ eaeeee^^aoi DEUTSCHLAND i BöBeoeeeeoeeeeeGeoococcsoocaB 365
Cin neuer Zentralbahnhof in Berlin. Im Mini¬
sterium der öffentlichen Arbeiten werden Pläne für einen grossen
Zentralbahnhof ausgearbeitet, die erkennen lassen, dass die
jetzigen Zustände unhaltbar sind und keine Steigerung des
Verkehrs mehr vertragen. Der Anhalter Bahnhof ist über¬
lastet, der Potsdamer ist der Schrecken aller Reisenden, der
Stettiner trotz des Ausbaues zu klein, der Görlitzer veraltet, der
Schlesische mit dem Wrienzener vollständig unzulänglich, der
Lehrter eine reine Sackgasse. Die neuen Pläne sehen eine
Verbindung der Bahnhöfe und eine wesentliche Entlastung
derselben vor. Der Lehrter und alte Hamburger Bahnhof
sollen vollständig verschwinden, ebenso das alte Zellengefängnis
an der Lehrter Strasse, die Haidestrasse mit dem Hamburger
GUterbahnhof usw. Dadurch würde das grosse Gelände des
Lehrter Güterbahnhofes an der Paulstrasse für den Eisenbahn¬
fiskus überflüssig und kann für andere Zwecke nutzbar gemacht
werden.
Automobilwesen.
Das Preisaussch reiben zur Erlangung eines
Geschwindigkeitsmessers für Kraftfahrzeuge, das
seinerzeit vom Mitteleuropäischen Motorwagen-Verein erlassen
wurde, hat jetzt durch den Spruch des Preisgerichts seine
Erledigung erfahren. Die Entscheidung des Preisgerichts war
aufgehalten worden durch die erforderlich gewordene Klärung
einer von den abgeschlossenen Arbeiten der Preisrichter unab¬
hängigen Frage. Es waren, wie seinerzeit mitgeteilt, 83 Be¬
werbungen eingelaufen, die
bekanntlich in der Aula der
Königlich Technischen Hoch¬
schule in Charlottenburg zur
Aufstellung gelangten. Aus
der Prüfung gingen sechs
Apparate zum engeren Wett¬
bewerb hervor, die danach
einer Erprobung im prak¬
tischen Betriebe an den Fahr¬
zeugen der Verkehrstruppen
unterworfen wurden. Trotz
der überraschend guten Lö¬
sungen in manchen Einzel¬
heiten, welche die Anforde¬
rungen gefunden haben, die
an einen für die Preisver-
teUung geeigneten Apparat
gestellt waren, kam das Preis¬
gericht doch zu der Entschei¬
dung, dass keiner der vor¬
geführten Apparate den Be¬
dingungen des Preisausschrei¬
bens ganz entspreche. Es war
daher gemäss den Bedin¬
gungen des Preisausschreibens
der zur^ Verfügung gestellte
Preis von 6000 Mk. auf die¬
jenigen Bewerbungen zu verteilen, die der Lösung der Aufgabe
am nächsten gekommen waren. Hiernach wurden i. der Firma
G. Hasler in Bern für den Apparat „Tel“, dessen Herstellung
und Vertrieb die Firma Seidel & Naumann in Dresden über¬
nommen hat, 3000 Mk., a. dem Apparat der Firma Gebrüder
Junghans in Schramberg 2000 Mk. und 3. dem Apparat „Protektor“
der Firma H. Grossmann in Dresden 1000 Mk. zuerkannt.
Die Apparate dieser Firmen haben in der weiteren Folge
erhebliche Vervollkommnungen erfahren und infolgedessen im
Kreise der Automobilisten vielfach Verwendung gefunden.
Luftschiffahrt.
Dr. jur. H o o s, der seinerzeit als Erster in Köln Flüge
ausführte, ist nunmehr endgültig von Berlin-Johannisthal nach
Köln übergesiedelt. Dr.Hoos beabsichtigt, hier eine Flieger¬
schule zu gründen, und hat auch bereits mehrere Schüler an¬
genommen. Es stehen ihm für die Fliegerschule vier Eindecker
zur Verfügung, die schon in Köln eingetroffen sind und jetzt
in dem Flugzeugschuppen bei Merheim montiert werden. Dieser
von dem Kölner Klub für Luftschiffahrt gepachtete Schuppen
toll in nächster Zeit wesentlich vergrössert werden.
Düsseldorfer Flugsportklub. In der zweiten Hälfte
September findet in der Luftschiff halle zu Düsseldorf eine Aus¬
stellung für Luftschiffahrt statt, verbunden mit einem
Plugzeug-Modell-Wettfiiegen. Es können Flugzeug-
Modelle und andere die Luftschiffahrt betreffende Modelle,
auch wenn solche am Wettfliegen nicht teilnehmen, zur Aus¬
stellung angemeldet werden. Anmeldungen nimmt der D U s s e 1 -
dorfer Flugsportklub entgegen, von dem auch die näheren
Bestimmungen für die Ausstellung und für die Ausschreibung
zum Flugzeug-Modell-Wettfliegen zu erhalten sind. Um die
Konstrukteure von Flugzeug-Modellen usw. zu unterstützen, soll
für diese eine Ausstellungs- bezw. Platzmiete nicht erhoben
werden; es sind Preise in Aussicht genommen für die Her¬
steller der Apparate, die die besten Leistungen erzielen im Ent¬
fernungsflug, Schnelligkeitsflug, Kreisflug und Belastungsflug.
Theater, festliche und sportliche
Veranstaltungen, Kongresse etc.
23. August: In Düsseldorf grosses Rheinfest im Anschluss
an den 12. deutschen Handwerks- und Gewerbekammertag.
Im September: In Cassel Kurhessischer Lehrertag.
2. —IO. September: In Görlitz Kochkunst-und fachgewerblicho
Ausstellung für Gastwirts- und Hotelwesen.
3. September: Fernfahrt der Deutschen Automobil-Vereine nach
Posen, veranstaltet vom Berliner Automobil-Klub.
3.— 8. September: In Heidelberg Hauptversammlung der
Internationalen Vereinigung für vergleichende Rechts¬
wissenschaft und Volkswirtschaftslehre.
September: In Coblenz Tagung des Westdeutschen
Verbandes selbständiger
Konditoren.
7. -9. Sept.: In Osnabrück
XXVI. Wanderversammlung
des NordwestdeutschenForst-
vereins.
8. —n. Sept.: In Danzig Kon¬
gress der deutschen Eisen¬
bahnärzte.
9. —IO. September: In Bern-
burg Jahres-Versammlung
des Stenographen - Bundes
Sachsen - Anhalt — System
Stolze-Schrey.
9. — II. Sept.: In Bad Wil¬
dungen (Waldeck) Haupt¬
versammlung (24. Deutscher
Wandertag) des Verbandes
Deutscher Gebirgs- und
Wandervereine.
10. Sept.: In Mainz Jahres¬
fest der Mittelrheinischen
Vereinigung evangelischer
Gesangvereine.
10. —12. September: In Mainz
Tagung des Verbandes
Deutscher Bierverleger
11. —12. September: In P o s e n
Tagung des Deutschen Städtetages.
14. —17. September: In Coblenz Tagung des Vereins Deutscher
Eisengiessereien.
16. September: In Coblenz Beleuchtung des Ehrenbreitsteins.
16.—25. September: In Barmen Bergische Gartenbau-Aus¬
stellung, verbunden mit der Dablienschau der Deutschen
Dahlien-Gesellschaft
17 — 18. September: In Heidelberg Bund Deutscher Architekten.
21.—22. September: In Posen Besuch der Ostdeutschen Aus¬
stellung durch den Verein Deutscher Eisenhüttenleute.
21.—24. September: In Münster 40. Abgeordneten-Versammlung
des Verbandes Deutscher Architekten- und Ingenieur-Vereine.
24. September: In Breslau Hauptversammlung des Vereins
Deutscher Eisenhüttenleute und Einweihung des Hütten¬
männischen Instituts.
24. September: In Düsseldorf Schaufliegen des Düsseldorfer
Flugsportvereins.
28. —30. September: In Osnabrück Jahresversammlung des
Niedersächsischen Vereins der Gas- und Wasserfachmänner.
29. September: In Heidelberg Naturforschertag.
30. September bis 2. Oktober: In Leipzig Hauptversammlung
des Verbandes sächsischer Gewerbeschulmänner.
I. Oktober: In Leipzig 16. Hauptversammlung des Sächsischen
Lehrervereins.
I. —3. Oktober: In Düsseldorf Herbstrennen des Düsseldorfer
Reiter- und Rennvereins.
Anfang Oktober: In Düsseldorf Ausstellung von Flugsport¬
apparaten in der Zeppelin-Luftschiffhedle und Wettfliegen
von Flugzeugmodellen.
4 .- 5 -
Die
RMERIKR-MÜMMER
(diesjährige grosse englische Ausgabe
der „ Deutschlandist einzeln zu
beziehen zum Preise von 1 Mark
(zuzüglich 30 Pfg Porto); lurAbon-
nentender „ üeutschland“ermässigter
Preis 50 Pfg:. (zuzüglich Porto).
Verlag der Zeitschrift „Deutschland^^
Telephon 8757 Düsseldorf Postfach 444.
366
DEUTSCHLAND l^ ^XX ) Ot)OO OCOO £ l OOeeO
Nr. 7
Bis zum 8. Oktober einschl.: In Düsseldorf Grosse Nationale
Kunstausstellung und Internationale Aquarellausstellung im
Städtischen Kunstpalast.
g. —13. Oktober: In Köln VII. Internationaler Kongress für
Kriminalantropologie in der Handelshochschule.
12.—15. Oktober: In Cassel Jugendbund-National-Konferenz.
22.-25. Oktober: In Heidelberg 47. Tonkünstler-Versammlung
. (Lfiszt-Fest).
9.—15. November: In Osnabrück Wanderausstellung Münchener
Künstler in der Stadthalle.
Ausstellungen.
Internationale Hygiene-Ausstellung Dresden 1911.
Mit der am g. August erfolgten Eröffnung des spanischen
Pavillons ist nunmehr der Kreis der internationalen Aussteller
vollständig geschlossen. Da sich die letzten Arbeiten hinter
verschlossenen Türen abspielten, war man sehr gespannt zu er¬
fahren, welche Gebiete der Hygiene in Spanien besonders ge¬
pflegt werden, und ist nun über die Proben seiner Kultur und
und seiner hygienischen Bestrebungen aufs höchste überrascht.
Ausser den Ministerien des Innern und der öffentlichen Arbeiten
und einiger hygienischer Institute Spaniens befinden sich die
Städte Madrid, Bilbao, Sevilla und Carthagena unter den Aus¬
stellern. Ein illustrierter Prospekt über die gesamte Ausstellung
kann durch die Amtliche Auskunftsstelle der Kgl. Sächsischen
Staatsbahnen im Internationalen öffentlichen Verkehrsbureau in
Berlin, Unter den Linden 14, kostenlos bezogen werden.
Posener Ausstellung — Autofahrt. Der Berliner
Automobilklub veranstaltet in der Zeit vom 2. bis 4. September
eine Posener Ausstellungsfahrt, zu der Einladungen an sämt¬
liche Kartellklubs im Osten ergangen sind. Es werden Auto¬
mobile kommen aus Berlin, Breslau und dem übrigen Schlesien,
Bromberg, Stettin, Danzig, Königsberg usw. Die Abfahrzeiten
werden so geregelt, dass die Autos ungefähr gleichzeitig in
Posen eintreffen. Das Programm ist folgendermassen festgesetzt:
Sonnabend, den 2. September, abends 8 7*2 Uhr Begrüssungs-
abend; Sonntag, den 3. September, vormittags 9V2 Uhr, Be¬
sichtigung der Ausstellung; mittags i2V.i Uhr, Abfahrt von dem
Haupteingange an der Glogauer Strasse zum Korso durch die
Stadt; mittags 2 Uhr, gemeinschaftliches Essen im Weinrestau¬
rant mit anschliessender Preisverteilung; abends 8 Uhr zwang¬
loses Zusammensein im Restaurant Ober-Bayern. Montag¬
nachmittag wird dann die Rückfahrt angetreten.
Eine Ausstellung der Darmstädter Künstler-
Kolonie. Die Darmstädter Künstler-Kolonie rüstet sich wieder
zu einer Ausstellung. Bei einer Besprechung der Künstler und
einiger Sachverständigen, die kürzlich unter Leitung des
Geheimrats Römheld stattfand, ist mit Genehmigung des Gross¬
herzogs beschlossen worden, im Sommer 1913 eine Künstler-
Kolonie-Ausstellung zu veranstalten. Diese soll zeigen, dass
die Kolonie über allen Wechsel der Personen hinaus ihrem
alten künstlerischen Programm treu geblieben sei. Die Stadt
Darmstadt ist gebeten worden, ihr Ausstellungshaus auf der
Mathildenhöhe zur Verfügung zu stellen. Ausserdem wird man
von den Etagenhäusern, die am Olbrichweg östlich des Aus¬
stellungsgebäudes nach dem Projekt von Professor Albin
Müller bis zum Frühjahr 1913 errichtet werden, zwei für die Aus¬
stellung in Anspruch nehmen, um hier künstlerische Wohnungs¬
einrichtungen zu zeigen, wie sie für Mietwohnungen von
Familien mittleren Einkommens geeignet sind. In dem städtischen
Ausstellungshaus dagegen sollen u. a. verschiedene grössere,
zum Teil mit dekorativen Malereien zu schmückende Räume
in reicher Ausstattung vorgeführt werden. Zur Auszeichnung
solcher Firmen, die mit hervorragenden industriellen oder
gewerblichen Leistungen auf der Ausstellung vertreten sein
werden, ist eine Anzahl von Staatsmedaillen von der Regierung
erbeten worden. Die geschäftliche Leitung der Ausstellung hat
die Kabinettsdirektion übernommen, die zu ihrer Unterstützung
ein Komitee bilden wird. Auskünfte werden von der genannten
Behörde erteilt.
Deutschland und das Ausland.
Ein deutsches Institut für Ausländer in Berlin.
Am 16. Oktober ds. Js. wird unter dem Namen „Böttinger-
Studienhaus*^ das erste deutsche Institut für Ausländer unter
staatlicher Autorität in Berlin ins Leben treten. Der Gedanke,
der bei der Errichtung dieser Anstalt leitend war, ging dahin,
ein Institut zu schaffen, das der grossen Masse gebildeter Aus¬
länder und Ausländerinnen Gelegenheit gibt, deutsche Sprache,
deutsches Geistesleben und damit deutsche Kultur kennen zu
lernen. Der frühere Ministerialdirektor Althoff war der erste,
der aus diesem Gedanken heraus mit Hilfe des um die
Förderung wissenschaftlicher Bestrebungen verdienten Herrn
Dr. von Böttinger das „Böttinger-Studienhaus“ in Göttingen
gründete, das jene Ideen verwirklichen sollte. Jedoch konnte
diese Anstalt dort nur einer verhältnismässig geringen Anzahl
von Ausländern zugute kommen. Man kam daher zu dem
Entschluss, das Institut nach Berlin zu verlegen. Das neue
Studienhaus ist darauf berechnet, seinen Mitgliedern die Möglich¬
keit zu geben, die deutsche Sprache zu erlernen sowie sich
einen hinreichenden Ueberblick über die Entwicklung des
deutschen Geistes- und Kulturlebens zu verschaffen. Der Ver¬
wirklichung dieses Programms dienen praktische Uebungen im
mündlichen und schriftlichen Gebrauche der deutschen Sprache.
Vorträge über deutsche Literatur, Kultur und deutsche Ein¬
richtungen, Diskussionsabende, Ausflüge in die Kulturstätten
Deutschlands, Führungen durch die Kunstschätze, gesellige
Veranstaltungen usw. Mit dem Institut, das in der Neuen
Königlichen Bibliothek (Universitätsstrasse 8) sein Heim ge¬
funden hat, ist eine eigene Bibliothek verbunden, die weitere
Orientierung über die behandelten Wissensgebiete ermöglichen
soll. Der Lehrkörper besteht aus Dozenten der Berliner
Universität und Oberlehrern Berliner höherer Lehranstalten.
Direktor der Studien anstalt ist Professor Dr. Wilhelm Pasz-
kowski. Zu dem Kuratorium gehören u. a. ausser dem Stifter,
Herrn Geheimen Regierungsrat Dr. von Böttinger, die Herren:
Geheimer Mcdizinalrat Professor Dr. Rubner, derzeitiger Rektor
der Königl. Friedrich-Wilhelms-Universität zu Berlin, Geheimer
Regierungsrat Professor Dr. Erich Schmidt, Geheimer Regierungs¬
rat Professor Dr. Diels, Geheimer Regierungsrat Professor
Dr. Brandl. Mit der Begründung des deutschen Instituts für
Ausländer in Berlin ist ein neues, wertvolles Glied geschaffen
worden, die geistigen Beziehungen Deutschlands zum Auslande
weiterhin zu fördern und damit deutscher Sprache und deutscher
Art ausserhalb des Mutterlandes die ihnen gebührende Stellung
in der Weltkultur zu sichern. Das Institut reiht sich damit den
durch den Professorenaustausch und das Amerika-Institut
schon so erfolgreich gepflegten Bestrebungen zur Förderung
✓ A
BERUM HRMBURQ
HOTEL ESPLANADE
Das Vollendetste auf dem Qebiete der modernen
Hoteltechnik und des feinen Restaurantwesens.
DEUTSCHLAND B eeeeee g »ee € )8 e e6 8 eaoee€»eo t ^ 36f
Nr. 7
s
des gegenseitigen Verständnisses unter den Nationen im Aus¬
tausch der modernen Errungenschaften der Kultur viel¬
versprechend an.
Deuts cheAckerbau-Kolonien in Mexiko. Welchen
Wert die Regierungen fremder Staaten auch heute noch gerade
auf die Gewinnung deutscher Kolonisten legen, zeigt erneut
eine Nachricht, welche die Mitteilungen des Vereins für das
Deutschtum im Ausland mexikanischen Blättern entnehmen.
Danach plant die mexikanische Regierung die Aufteilung grosser
Ländereien zur Besiedelung durch deutsche, österreichische und
Schweizer Bauern. Eine Privatgesellschaft mexikanischer Gross¬
kapitalisten will ausgedehnte, fruchtbare und grösstenteils be¬
wässerte Landstriche parzellieren und vorzugsweise an deutsche
Siedler mit geringen Mitteln za günstigen Bedingungen abgeben.
Die neugegründete Gesellschaft Compania Agricola Colonizadora
de Mexiko will zunächst die Parzellierung von 62000 Acres am
SUdufer des Chapala-Sees wegen ihres gemässigten Klimas und
der guten Verbindungen mit grösseren Märkten in Angriff
nehmen. In der Leitung der Gesellschaft und als Auskunft-
quelle für deutsche Bewerber zeichnet ein Herr Artur Thielheim
in Mexiko. Zweifellos harrt in Mexiko noch eine ungeheure
Menge fruchtbaren Bodens der Erschliessung durch eine Siedler¬
bevölkerung, die tatkräftiger und üeissiger ist als der indolente
und bedürfnislose Mexikaner. Immerhin erscheint aber bei der
gegenwärtigen Unsicherheit der ganzen politischen Verhältnisse
Mexikos und den sehr verschiedenartigen klimatischen Verhält¬
nissen des Landes eine vorsichtige und genaue Erkundung an
zuverlässiger Stelle geboten. Es sollte daher niemand sich auf
Abmachungen einlassen, ehe er eine eingehende Auskunft ein¬
geholt hat.
Hotelwesen.
Hotelbesitzer-Kongress in Berlin.
Vom 16. bis 21. Oktober findet in Berlin der zweite
Kongress der im Jahre igo8 in Rom gegründeten
Föderation Universelle des Sociötös d’Hoteliers
in Verbindung mit der Generalversammlung des Internationalen
Hotelbesitzervereins (Sitz Köln) statt. Für den Kongfress, der
es sich zur Aufgabe gemacht hat, die sich aus der rapiden
Steigerung des internationalen Reiseverkehrs für das Hotel¬
gewerbe ergebenden Aufgaben und sonstige berufliche Fragen,
deren Bedeutung über die Grenzen eines einzelnen Landes
hinausgeht, zu erörtern und zu lösen, und der seinen vor¬
läufigen Sitz in Köln hat, werden umfassende Vorbereitungen
getroffen. Dem Ehrenpräsidium, an dessen Spitze der preussische
Minister für Handel und Gewerbe, Exzellenz Dr. Sydow, steht,
sind auch die Botschafter und Gesandten der Länder, aus denen
sich nationale Berufs Vereinigungen der Föderation Universelle
angeschlossen haben, beigetreten. Angeschlossen haben sich
bisher die bedeutendsten Verbände in Deutschland, Frankreich,
Italien, Oesterreich-Ungarn, der Schweiz, Belgien und Holland.
Die Vorarbeiten für den Kongress und seine Leitung liegen in
den Händen des zeitigen Präsidenten O. Hoyer (Köln). Die Vor¬
bereitungen für die festlichen Veranstaltungen hat der Verein
Berliner Hotelbesitzer übernommen. Aus den Verhand¬
lungen des Kongresses und des Internationalen Hotelbesitzer-
Vereins sind hervorzuheben die Fragen der Erleichterung der
Zollrevisionen für Reisegepäck, der Schaffung einer
internationalen Hotelordnung, der Vereinheitlichung
der gesetzlichen Vorschriften Über die Haftpflicht des
Hoteliers, des Schmiergelderunwesens, der Haft¬
pflichtversicherung. Nach dem Festprogramm findet am 16. Ok¬
tober die Eröffnung des Kongresses im preussischen Abgeordneten¬
hause und abends Empfang in den Räumen des Zoologischen
Gartens statt, am 17. Oktober die Generalversammlung des Inter¬
nationalen Hotelbesitzervereins im Rathaus und abends ein
Empfang durch die Stadt Berlin, für den kürzlich die städtischen
Körperschaften 10 000 Mark bewilligten. Es folgen am nächsten
Tage verschiedene Veranstaltungen im Restaurant des Zoo¬
logischen Gartens, in den Hotels Adlon, Bristol, Kaiserhof, im
Metropoltheater, am 19. Oktober die Tagung des Kongresses
im Kaisorsaal des Rheingold und abends Festbankett im Zoo¬
logischen Garten. Der letzte Tag ist für Ausflüge in die
Umgebung Berlins bestimmt. Zu den Veranstaltungen haben
nur die geladenen Gäste, die Mitglieder der der Föderation Univer¬
selle angeschlossenen Verbände und deren Angehörige Zutritt.
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363 DEUTSCHLAND laaeeeeeeee^eee esec e eecee aB Nr. 7
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Bertm kcunmeci- ’ v.■
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hm rausch len Bad Hararl^ii^ Ethotuhg g’Äsücbt utid gefUßdeii.
Infplge der grossirft Api^ihi fi*ueh lat anderer Hptils uaid VlUen
fand jeder Gast het|Ufrm eift« ihm Jtusageiid^f Wohiautig.
bcsQnders artgcnehTO wuTäwi der groaaftri Hitse die triebt
kühlen Ahende nn.d Näehte empfünden, die dlin Gr^ißsstiidtem
ein ungeahntea t^hsat Dj^ Hpchquehwasscrleitungeii
.hahftn si^ tadellon bewährt, Trota wochenlangor Trockenheit,
war siets Äm iUeberi'lüss an kühlem, krlstahklarem QuellwAsser
vorhanden. Die Cdoiitfte Auj^st und September sind die eigent-
iiehan ÖlunJsmt5nÄte HaiKburgSv. Im Wald md auf den
Prömepadep wM ee eljtl.er, daun die SchuUerien sind meiÄt au
Upd eihe^ h^ kräftige Gebirgsluft durchflutet Tal
und bloh'th^ ifVergl. auch den Artikel Hariburg*S Seite 313).
B ad U d d! w a . Küralkh wurde hier mit d^r Aufführung
d ^ Ä'.hen Märchenüpieles TTKinSommefttachtätTa^in*'':
d ’sch'p li gep I s n t e N athrtlieate r erö ffrie t, B im Vp tetei fu ng.
WÄf -iÄSti; Jppa PereoDcti besucbt und bat deti eii ad
VUJr orho 1 ung derartlger Vorstellunjm' Freien^
diii^ hhch 6f^€^^5 in diesem Sommer erfolgen ^joUetj^ irjpr dankbar
wefiiä ter i. kö nnDer zu ei n er zw ecke n tspre ch^nde n N äf ii r ^
bübhc iVUi&gcstaUetc PisiTa hititstr ^fachtba^: dea Charloiten“
bsdes eignet hierfür vor^ÜgUiiii^ Öle BöhwÄ wird von
atifi ß irii eo ü h a. fe« steh^ den ; feah «igruppe Jbu
Während wtfit dahimer der In dflß: f^^chthih^ hineinragetide
SchltJi&abcre: eiae u v omÜ gti tdt un H Ahgiia* B er iwiec toi
WuHhobeTiprächiigen Kiefemund "t'Ab.htf.b der Kudowaer
K UT p ärk fii &&l tun g h n ta.tr Sch ö ishiit >i u« dartaa aufjjuw eise n
bat — bei hau er raum siet gt von duf Bühne ans an,
so dass man selbst von den hmierejn PJätÄWT ftus bequem daa
a'kh auf derNht^utbühne Abwickclode Shhaü^jpid Verfoigen kann.
Verschiedenes*
^ i m Korort gibt
le^hÄhd , der ,^,Vo^£5kctltt^ ^«ireng“. ' Er schheiht’; Aerger« dich
bi&hf / ü Der, yerndiiftijgte begegnet sdpnlosen
4 iA rikh »h^«rxi mit liumof und
äidh auch hkM lihet dJeKurmusik* Si«
erfretit die stätidigon Eitiiw'obher des Kurorte^, und. hilft brnven
Musikern Über die erwerbslose Sohttrter/reit hinweg,*: ,Ahej^ richn*
dein Tagewerk in der Sommerfrische gfö ein, dss?s du ,di^ ffw*:
tonzerten weislich aua dem Wege igeihesb Üetiii woiio dit ihtJdi
heiwotmst, hast du keiti Vergnügen d^voo und raubst dbn Iiob^li
Einwohnern des Kurorte*, den-en die Müfeik Gequss bereiiet, d<ta.
Pbii£- Musst du gleichwohl Widerwillig eituDil aioi^pQ Kotiert
beiwohnen, «o wiege dein Haupt nicht etwa in Gedatiken naett
dem Takte dar Mtistk. Mati iahme sonst du sei«
ebftnfalls musikalisch» - Aer^er^i- dich fiidjt, wenn du deinen
Namen nicbi in 4cr KurUste findeflL atebt Tnei^ er^ darin,
wenn man den Kurort verlm^pfth ^hnb
des Namens in dm KuriiMij für viel« .äi^ einiig* G 4
ihran Nanieo gedmekt «u m bei
manchen Mehschcii th\ beglüCkcfidcar Gefühl erwedefp Indessen
ist cs noch erfretilkhet., man findet, ^ftnett NÄmen
: öhAfh^upi; okAii man :iJhn verdrückt. fiindcL ; tlnd das
isf bei ;dÄn' tneiSVdO'Nain-e*o :m; Lter KürHste der EsiU Dalinr
; nui.h itar keihÄO ifwi^cki. jn der iCnrtiste ndch Namen
von . preundeni' Vjerw.iir*dtch üüti fi^kaiuiten zu forschen. Sie
-.sind mekt die Tit^i sind richtige >n.tnal wenn
es - hodhklmgenda sind.. Ühd ein^ richng^
g^dtutkieo. Namen eines Heben Mensthen eikdeckt ihn
stihneli ^rUlsuchen wiH, so ist etf, wcho man in ä^ucin i-og
nacH ihm fra,gt, sicherlich ab gereist. ^ Man
onen von anderen Ditjgen ak nnr von seinen J^den. —
Krage niem^a» wenn du einen BeVitntiten anf der Küt^jrqmenade
trifft»!, öh i,5eine Hebe Frati“ auch da ßr künntd inaswischÄn
gegehkden und mit Seiner folgtüideh Krad ^uf der Hoch^eitS’-
reise sein und weiss dann nithti welche hebe Eraü“ du mein$t^
— Das Tragen von EhOTiagen hei einem Baarhi .mit dem du tra
Kuion bekautit wüst, bewesär mcht, daas daa Paar eia EhapÄ^f:
;■- ----
Bliek alif Guifeliani luH IS^ltlaß in W^jas^tutr^rr
eOCBEW
.Kr^|ssi:ü.dt Eb;rW0hrfer!;l^-'
■-•■ÄAgbA t-ftJid e'f;:
triff f;
AnsM . 4v ii; Qy Cochem
fies AIMIIS11 Vereirtüp
Union-Hotel
AltrehpmmiMe^ erstes H^ßs
arHi JH irejer
üfge am Mctseiüimit'
LitnÖf^r 'l%^jrrßssep:-.'^ähäi^'
-== Erstktassis^es , - ,
Wein-Ikstsurafit;
- Qhini’i>bs ;AjTv^ ^
AuiO'Garfige, Tdeplioii HK iU
-"-:---v- ;Bej£ttZl^rT ..' =
Qebr.ti off mann.
Scbloß-H&tel
.• .EifWCfÄi^if ■■
UrbolwjupttkmiQkidt..
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b M'rti ! t n
Hotel Ho»
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. ...,.■ i'‘lhU.Uwv ll vwf v.
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1f iirWttW I Eifcji? ^‘Vr.-^ iir.frv
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Nr. 7 iB 9GOQOC»3OQOQQQQ90e o Q Q Q QQ QQ agi DEUTSCHLAND i§8 ec)ö0e o eeee8eceoc»eeeooeeq i 36Q
ist. Selbst ein Streit zwischen den beiden kann in dieser
Beziehung täuschen. — Verabrede mit Leuten, die du im Kur¬
orte vor einer Stunde kennen gelernt hast, nicht gleich Tages¬
partien, oder fordere sie gar auf, dich daheim zu besuchen.
Wenn du auch ein Recht hast, dich für einen grossen Menschen¬
kenner zu halten, so kannst du dich doch täuschen. Und man
täuscht sich meist Uber seine Reisegefährten. Denn in der
Fremde gibt sich jeder anders als daheim. Auch du erscheinst,
losgelöst von deinem Beruf, von deinen Alltagssorgen und All¬
tagspflichten» jenen anders, als sie dich daheim wieder¬
finden, und auch du kannst enttäuschend wirken. — Glaube
alles, was dir auf Reisen vorgelogen wird. Wenn du Zweifel
in das Reiselatein irgendeines modernen Münchhausen setzest,
birg ihn tief in deinem Busen, denn es hat gar keinen Zweck,
solchen Zweifel zu äussern. Du wirst nur für unhöflich
gehalten, und der andere, der dich angelogen hat, hält sich
durch solche vermeintliche Unhöflichkeit berechtigt zu der
Grobheit — auch dir dein Reiselatein nicht zu glauben.
Die Städter auf dem Lande. Ueber dieses Thema
schreibt der Pfarrer Nuzinger in den Süddeutschen Blättern für
Kirche und freies Christentum beherzigenswerte Worte. Er
teilt die Menschen, die im Sommer aus der Stadt als Kurgäste
aufs Land ziehen, in zwei Klassen. Die einen, die in ihrer
städtischen Umgebung nicht ihrer vermeintlichen Bedeutung
entsprechend zur Geltung kommen, wollen wenigstens auf dem
Lande eine Rolle spielen und suchen so viel als möglich aus
sich zu machen. Die andern werfen alles, was sie in der Stadt
plagte und einengte, hinter sich, sie wollen Herz und Gemüt
auf leben lassen und kommen nicht, um über alles zu kritisieren,
um über alles „Ländlich-Sittliche*' die Nase zu rümpfen, sondern
um neue Eindrücke in sich aufzunehmen. Indem nun Pfarrer
Nuzinger die beiden Arten von Menschen ausführlicher be¬
schreibt, rührt er ein Thema an, das jedem Menschen, der als
Städter auf das Land kommt, von Wichtigkeit sein sollte. Denn
leider sind die Unterschiede zwischen städtischem und ländlichem
Empfinden heute mehr denn je auseinander geraten. Daran
ändert die erleichterte Verkehrsmöglichkeit nichts oder nur sehr
wenig. Der Bauer nimmt vom Städter dies und das an, aber
der Städter nimmt sich nicht die Mühe, sich in Wesen und Art
des Bauemvolkes zu versetzen. Daher kommt es dann, dass
mancher Städter sich einbildet, Kultur auf das Land zu bringen
und nur grobe Unkultur hinausträg^. „Man glaube nicht, dass
der Bauer für die städtischen Ungezogenheiten keine Empfindung
habe. Er hat oft viel feinere Empfindung, als diese aufge¬
blasenen Städter, die kein Gefühl haben für das Unschickliche
ihres Benehmens, weil es ihnen überhaupt an Herz und Gemüt
fehlt.** Zum Schluss erhebt Nuzinger die Mahnung: „Habt
Achtung vor den ländlichen Sitten! Denkt doch daran, dass
ihr nur Gäste auf dem Lande seid! Gäste haben die Pflicht,
die Ordnung des Hauses zu respektieren, in dem sie Unterkunft
gesucht und gefunden haben. Glaubet nicht, weil ihr manchem
im Dorf etwas zu verdienen gebt, dass ihr deshalb das Recht
habt, das Leben des Dorfes zu verwüsten! .... Habt Achtung
vor unsern Bauern und ihrer Eigenart, die für unser Volksleben
von unschätzbarer Bedeutung ist. Freut euch, dass ihr auf dem
Lande noch urwüchsiges, starkes Volkstum und Heimatgefühl
antrefft, dass dort noch eine andere, rauhere — und bessere
Luft weht, als in der Stadt. Darum, wer aufs Land geht, möge
auch sein Herz mitnehmen für unser Landvolk!“
Was ist Reisegepäck? Das Reichsgericht hat über die
Frage eine Entscheidung gefällt, die besonders jetzt zur Reise¬
zeit zur Verhütung vieler unbegründeter Beschwerden von all¬
gemeiner Bedeutung ist. Aus Anlass eines Einzelfalles — aus
einem Behälter wurde Geld gestohlen — bestimmte das Reichs¬
gericht, dass eine Sache nur dann als Reisegepäck angesehen
werden könne, wenn sie sich auf dem Beförderungsmittel
(Eisenbahn, Schiff usw.) offenbar zu dem Zweck befindet, um
durch dieses Beförderungsmittel von einem Ort zum anderen
gebracht und in dem Zielort verwendet zu werden. Es werden
dazu Koffer und Gepäckstücke gehören, die einen derartigen
Inhalt haben. Eine Beförderung von Geld durch die Eisen¬
bahn oder das Schiff komme im allgemeinen nicht in Betracht.
Trotzdem könnte auch Geld als Reisegepäck angesehen werden,
wenn der Reisende cs in einem Behälter verfrachte, um es von
einem Ort zum andern befördern zu lassen. Dann darf es aber
nicht vorher benutzt werden (z. B. bei längerem Aufenthalt eines
Althistorischcs Städtchen mit prächtigerhaltenen
Baudenkmälern des Mittelalters. Stützpunkt zu
reich lohnenden Ausflügen nach der sog. Bern-
casteler Schweiz (bedeut. Natursehenswürdigkeit
des westl. Deutschlands), Burg Landshut; von
hier der unvergleichlich bezaubernde Blick in das
weingesegnetö Tal der Mittelmoael, unmittelbar
auf die berühmten Weinberge Berncastels, als:
I)oktor,Badstube,Lay,Kosenberg,Schwanen etc.,
auf die blühenden Weinorte: Graach, Wehlen, Zeltingen, Liesor, Mülheim, Dusemond mit dem Brauneberg, landeinwärts in die
waldreichen Schluchten und zerklüfteten Felspartien der Borncasteier Schweiz. — Dieses Fleckchen Erde hat sich den Charakter
eines romantischen Idylls bewahrt und eignet sich deshalb sehr zu längerem Sommeraufenthalt für Erholungsbedürftige sowohl
wie für weingrüne fröhliche Zecher. — Spezielle Auskunft erteilt bereitwilligst der Vorstand des Gewerbe -Vereins.
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DEUTSCHLAND
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beföi'd^Tt weiöfcn, uih; Unterwegt /trerwendet au wctderi. In diesem
^*^11 ist ein GtgenetÄÖd vßi^tit.alij ReisegepRck bcir^tihtenH Und
es ki^mtnen auch tiScbt äiö ^eHet^liciiäii ßeaiimmtiDgen
iji Betracht* die flk Reisegepäck g;eiten. Dadürcb wird die
allg^Stticihe Ansicht difiSE jeder Gegenstand, der sieh aut
eine m B efä rderu ' gt«ttc3iigi5 1 ü g ni weich ein 2! wecVi :he-'
a߻U'^ehcn -s:ei* -,weU e& ^'ich'
ih der» khrh d esi d«ff beö ffuie a B«t'ö x de r be fih d^t;
F r .nupx de S|; ra^che » *m ,d ihre E r 11 r u u n g. So heüteli
istfh tSnsr Br^jsiihUjre,. die von beUkbntc'ff l^arsgenschiiidtsoheff:
Vdacla^a^feuthH^uidihne I^gemcijddt) m Beriin-Sch^^nt-
hevg: itur ,Ar;MÄrung der S^racbcuejrktnun^ her-
. ä -. ■ WiT^,:' ■ I>]^r ' • Viä?|ia^ser ■ b.a t; jpä;' ■ Ve rs ia ri detj-, einem; ' an ■
»ich eFTiSt^> 1» i s sei?3cb^|Ij Thema f'reo nd^ i che^' | otcr^äs a
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BtriebtägüKk; ln 'iftm ^n(auli hta-t IftTO 4ii Heft jir', fl* &h SöS"
{Sp'Lllji iinkaK sind i^PHü Uuff^fftch^a aiiDgü,* F01 U«t hlnBlng^riitea: Es ma ft
baiil^n: AntreSsü^Igi?!!.: «nwleT[tlJr?rp-Titfltj?i!f ü^tca^ir 1, Ivqrps
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Tät U-Oft ixn]U1c.bi0.i]: Ti$U der
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bftip^ikr fUf 'Bx-ü ^ Kivr l.‘lij BttBaelfJoirn
J}.riq.elS U.a^ Tj^TFJ»; üi-l .d o r- f af Vn rt* ^ a k nMn. 11 -Ö. la A. »tf.;
Bücherschau,
• . ^ Pa4' ift-' s t h .tt t'si d e t . s u 1 -d'c ■ h. I* »t p j: i g r
M e: v tf/t k e:h r.efl- -.B iftk ä u f «■ -fdite. Mäthaelk-'
xgtt dts pk^^j-V’O^iTs^s&t iijri, dtt M(rssi~AüssCliu|h
Han deiakam mst ; Le j ähf^ i eh her a usgibt and d eii ibr m
hckantiten MesÄ-Au5^ti?Üem unentgeltlicli jusendetr isi zur bovor-
Btehendeo |VlichaeUs^Mcs»Mii; iBv^inri- Sonutag, den 27, August X
in >S» Autisge ersChitin^t^^ Buch bringt die Narncti aller
bekannt gewordenen Mess^^Eihksutstirrjien, alphabetisch geordnet
Utl'tcr Angf^be des WohnVlties, der Artikel, die eingckaxift werden,
der Me^ch, denen die. l£iiflkMttfer in Leipzig aniutreffen sind,
desT Messwohnung^ äsr Läntiec, für die si© «nkaufeti UnSW, Pie,
Zahl der F1 r m 0 n j keraFnis^ohe. Metall-^
ferie-, Spietwaren und vetwuadte ßtanchen) weist äudTi
wieder einen erheblichen auf und beträgt jeijrt tj
Nachstehende TJebersicht, die wir dem' Vorwort de*£ Buches
entoehmtn, veran{3chauh'clu das Anwsschsen der tm ETokAtitsT-
Vefzeic hoi s aufgeiührtcin F tr m^. wähtehii d^s Je ■ ^zihfzth nia i;
t 9. Auflage) 6401 jgö7 (t4* Anfligej ta ßiß :
±903 -ito. ,■■■■ ■ ■ ■ '■r. 75'$4 ■ ^ ■ <>5'.' ■•. :-H ■ ' ■ > '’ii'ü54
r^b4 i H. » 9*5 ) ^^v.
xgnj „ > 5105 , ,
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vH ?Th b bt r g e r W o ett^^ ti p: ^ p g v ^ icji kine :Bifostdiöre
bftuflftfft; ‘ d^: dfis F^fderuug de?
P’rpöi d^»h V^T kehrs i h f jii^mbdr® usg &gfebsh I ?tff V er tag van
Thhodor W, BfaridV e^chied^u isu Pis Öüchiein soll dem
Ff^rudßh zsigenv was KäUftbufS ih m meinet) Sehens wür dig-
;:^4iien Bonst noch ah VetgAo^^Age^h Uisw* bietoti Eä sind deshalb
ll&s Jalir ^eöflTwet, —-—
Afatf Laitüff A rCanfmäuTi L^^ifurtg
Df, med. Staehly; DlrektoF Butin-
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Zeitschrift
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|| ;iü' .^^rdcnuig :dc.T totiditn Verkehrs^
j| lftfm 5 strri;fiir u* BÄtletpropAeaiuüi
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illustergülttöc Baöeemridiiungeii 1 Hen»önrögm^ staiieSöIe
3SS ^mcksodm uProspeefe dufth dm Hufdirectiofi, 3w
Diibbu*^ (Bahinl.ac)aof 70 Q£iqMüihetrn‘|^uhr'Sp^!clorf(B^hr!ib'k>s^
s| Di« öesdjäfts^^ der Dcuisäjtätid,:
n Dn53eld6n. Postfact; nisinm«r ?t V4,
|| : : tmÄ| kMlenlös ;flUÄkiihtr M
II Prsspiirtt (ftutsiäjer' $t;idtc ; oJttt SJjdtr.
eine iarte* leeifje iiaut, rc^fig^s jü^£nhfrtfd7C&
Ztusfel^en nnb ein iBefid^e öline Sommetfprpjicn utiö rtflut-
unmnisFeitvItsHtl, batjer gebrauctien fietiurM« atlein cditc
» Cba Batffbiaf a St Söpfg. febett
itirn
1 £411
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a ■ otson fOr die deutschen Uerkehn-lnteressen a a
Amtliche Zeitschrift des Bundes Deutscher Oerkehrs-Oerelne
Möwen an der Nordsee
^orddeich
fEmden
Hapbur
Bremen
Hannoven
Münster)
Düsselaorf
•Elberfeld
Northeim
sfidttingen y
Köln
Frankfuf
Cassel
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^becK
^atzeburg
.^Haqcnow
Tambupg
^irtenbepg«
[aim schweig
t^ebupg
\£/sferßreräa
Eichenber
Lei PIK
Schnellzug vepbindungen j
nach Westerland.
Sommepfahpplan 1911.
/ Zi/sammengesfeJ/f yonder/Cön/g//{j7e/7l/se/}&ahnaf/reJ(f/onß/fo/73j
Dres^
..;i.Ki.
1. n.Ki.
300 i
^513
8<2
G15
910
Anschluß von Hamburg-Altona siehe nebrnstehend.
Zuschlagpflichtige Schnellzüge sind durch eine punktierte
Linie bezeichnet.
Von Rostock . . .
„ Lübeck
an Hamburg Hbf,
Von Berlin LehrterBf. ---
an Hamburg Hbf. . |
Altona „ . I 66i> 56 g lois 135
l.-S.Kl Kl. 1.-8. Kl. i.-:i. Kl.
Von Dresden Hbf. . . : Tio ? — ^ 3ü e
„ Leipzig Berl.Bhf. 102^2? 1005 w — ^ ^
„ Magdeburg Hbf. 1‘212| 12121 90® ^
an Harburg „ 6021 —l ? — ^
„ Hamburg „ 521 £ 960^ IO8 ^
„ Altona „ 66ii 65i ? lOi»? 135 ^
* Außerdem 530 über Berlin. Diese Verbindung ist 536
von Dresden Hbf., 8®® an Berlin Anh. Bhf., von Berlin
Lehrter Bhf. 900^ an Hamburg Hbf. l“3. an Altona Hbf. 135.
„ Cassel. o 122£ o | 1222 o 212 o
„ Göttingen ... 1221 ^ 12 *!: 400 437 400
„ Hannover . . ßis 3;14 313 3li 652 822 552
an Harburg Hbf. . . 560 0*3 — I: — — — —
„ Hamburg Hbf. . G«» Qn GOSM 6^1 8*2 1123 8 **
„ Altona Hbf. . . G30 705 G3o| 705 8^2 höo 8 ^'-^
t Die Verbindung 827 von Frankfurt besteht ab Kreiensen
nur vom l. Juli bis 31. August,
o über Bebra.
Von Cöln Hbf. . .
„ Düsseldorf Hbf.
,, Elberfeld ,,
„ Münster „
„ Bremen „
an Harburg „
„ Hamburg „
,, Altona ,,
l.-J.KI.
1.-8.Kl.
1.-8.KI. 1.-8.KI.
t.-4.10.1
1J27
461 8Hg
— llli
—
1217
627 _ S
— 1217
—
1220
652 9^
— 1220
—
232
76S :11S~
— 232
514
: 5 O 8
1031 420-
758 50 H
1003
; G3G
: - ;-
— ^ —
—
G55
1200 GS3
951 655
109
719
1227 659
1013 719
130
Von Hamburg St.
Pauli Landungs¬
brücke ohneHalt
^ in Altona . . .
g.voii Cuxhaven . .
Q
an Hörnum
„ Westerland
f j Von Hamburg Hbf.
> [ ,, Altona ,,
^ I au Ho^^erschleuse
I ab Hoyerschleuse
|||an Westerland
Dampfer der
Hamburg-
Amerika
Linie
800 vorm.
12*0
zwischen
515 u. 700
Zug¬
verbindung
über
Itzehoe
Zug-
verbindnng
Uber
Itzehoe
zwischen
G25 u. 745
662
1000
71c
1026
1120
019
1145
245oder300
200
öoo „ 610
Tliglich in
Nur am
Nur am
den .Monaten
7., 8., 23., 24.
1.. 9.-17.,
Juli bis Sept.
Juli;
25. .31. Juli;
6 , 7., 21.. 22.
8 -16., 23 -30.
August;
August;
4.. 5 Sepibr
6.-14. Septbr.
Zug-
TerbinduDg
Uber
Neu-
münster-
Jübeck-
Husum
Nur vom
2 -6., 18.-22.
Juli;
I I I |l.-3. Septbr.
Der Eilzug Altona —Hamburg—Cuxhaven verkehrt täglich von
Altona Hbf. 9‘0^ von Hamburg Hbf. 10^5^ von Harburg Hbf. 10*^,
au Cuxhaven Hafen 120®.
Fahrpreise nach Westerland
(für einfache Fahrt, oinschl. Schnellzug-Zuschlag).
I. Kl. II. Kl. in. Kl. . ___
Von Lübeck .
, Lehrter Jlhf.
„ Berlin ,, - . .—
SiMdthahn
„ Dresd.Hbf u.-Neust.
Leipzig Berl. Bf. .
„ Magdeburg Hbf. .
Frankfurt a. M. . .
„ Cassel.
„ Göttingen ....
„ Hannover .
„ Cöln Hbf.
„ Düsseldorf Hbf. . .
„ Elberfeld Hbf. . .
„ Münster (Westf.) .
„ Bremen.
„ Himburg-Altona .
11. Kl.
III. Kl.
22.30 M.
15.C.0 M
32.70 „
22.40
41.40 ,.
27.80 „
37.00 „
24.90 „
31.10 „
21.20 „
45.20 „
29.80
36 70 „
24.10 „
32.50 „
22.10 „
27.90 „
19.10
40.70 „
27.40 „
38.90 „
20.20 „
38.30 „
25.80 ..
32.80 „
22.00 „
25.00 „
17.10 „
19.20 „
13.50 „
17.20 „
15.60 „
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Uber den Landweg
„ „ Seeweg
(L Kil- od. P«rs.-ZUge)
DEUTSCHLAND
Organ für die deutschen Verkehrs-Interessen
Amtliche Zeitschrift des Bundes Deutscher Verkehrs-Vereine
Mitbegründet durch den Internat. Hotelbesitzer-Verein, Köln
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♦ 40 Pf. — Erscheint gegen Mitte ♦
X eines jeden Monats (im Juni, Juli X
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Amtliches Organ des Rheinischen Verkehrs-Vereins,
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und des Verbandes der Verkehrs-Vereine Westfalens.
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Nr. 8
Düsseldorf • Zweite August-Ausgabe 1911 II. Jahrg.
Von der Mosel.
Traben-Trarbach;, mit Rückblick auf seine Geschichte.
Von Prof. Ad. Plathner.
Die Doppelstadt Traben-Trarbach — seit dem
T. April 1904 sind die bis dahin getrennten Orte in einen
verschmolzen — gehört nach der Zahl ihrer Einwohner — sie
beträgt nach der neuesten Zählung 5242 — noch nicht ein¬
mal zu den mittelgroßen Städten; es ist auch kein Ver¬
waltungsmittelpunkt eines größeren Bezirkes. Das war es
in früheren Jahrhunderten, als Hauptort des sogenannten
Oberamtes Trarbach. Aber trotzdem führte es damals, in
jenen Zeiten, wo das ganze Deutsche Reich durch seine Zer¬
splitterung so klein und schwach war, abseits von den
wenigen großen Verkehrsstraßen ein bescheidenes Stilleben.
Wenn heute der Name Trarbachs weit über die Grenzen der
Rheinprovinz hinaus einen guten Klang hat, so verdankt es
das einmal seinem hochentwickelten Weinbau und Wein¬
handel, ferner derHeil-
kraft seiner warmen
Quelle und endlich —
nicht zum mindesten
— den wunderbaren
Reizen seiner Lage
und Umgebung.
Freilich die ersten
Ansiedler unserer Ge¬
gend hat das alles
nicht herbeigezogen;
vielmehr lockten die
große Fruchtbarkeit
des Bodens und das
günstige, milde Klima
schon in grauer Vor¬
zeit zur Bebauung.
Die ältesten, sicher
nachweisbaren Be¬
wohner gehörten zu
dem großen Volke
der Kelten, die jahr¬
hundertelang nicht
nur das heutige Frank¬
reich, sondern auch das ganze südliche und mittlere Deutsch¬
land erfüllten. Sie haben wahrscheinlich auch Traben, dem
älteren der beiden Orte, seinen Namen gegeben. Die Bedeutung
desselben bleibt wegen der geringen und unsicheren Grund¬
lagen, die wir zur Erklärung keltischer Worte haben, dunkel.
Klar dagegen liegt die weitere Entwicklung, die sich an ihn
anknüpft, vor uns. Nach der linksseitigen Ortschaft haben
nämlich Deutsche später dem gegenüber einmündenden Huns¬
rückbach den Namen T r abener Bach gegeben (der heutige
Kautenbach), und danach hießen sie dann auch die in
der Talöffnung entstehende rechtsseitige Ortschaft zunächst
Travendrebach (so in einer Urkunde vom Jahre 1143),
später zusammengezogen Trarbach. Aber die Deutschen
waren nicht die unmittelbaren Nachfolger jener Kelten.
Dazwischen liegt die Römerherrschaft. An sie erinnern in
unserer Gegend Münzfunde sowie die Römerstraße, die von
Traben den Berg hinansteigt, um das Moselufer mit der großen
Heerstraße Trier —Kaisersesch zu verbinden. Das wertvollste,
noch heute blühende und labende Erbe aus Römerzeit ist
aber der Weinstock, den sie an unseren Bergabhängen zuerst
pflanzten. Wie dieses
staatsgewaltige und
kriegserfahrene, aber
auch wirtschaftlich
hochgebildete Volk,
als seine Stunde ge¬
kommen war, von den
jugendfrischen Ger-
manen-Stämmen
auch an der Mittel¬
mosel, und zwar hier
von den Franken, ver¬
drängt wurde, das
entzieht sich im ein¬
zelnen unserer Kennt¬
nis, ebenso, wie der
große Karl, der in der
Pfalz zu Aachen und
Ingelheim Hof hielt,an
dem lieblichen Mosel¬
flusse gewaltet hat.
Von seinem minder
tüchtigen Nachfolger
Ludwig demFrommen
(814—840) jedoch hören wir, daß er bedeutende Güter und
Einkünfte in und bei Traben der Aachener Marienkirche
schenkte. Auch das Kloster Corvey an der Weser und
Himmerod in der Eifel haben dort Besitzungen erworben, aber
die maßgebenden Herren wurden im Laufe der Zeiten nicht die
geistlichen Stifter, sondern weltliche Herren, die Grafen von
Trarbach mit Grevenburg
372 DEUTSCHLAND Nr. 8
Spanheim (so lautet der Name im Mittelalter immer, erst
g-egen dessen Ende Sponheim). An der Nahe mit einer breiten
Basis anhebend, zog sich ihre Grafschaft über den Hunsrück,
allmählich schmäler werdend, und endigte in dem Uferstreifen
Enkirch—Trarbach—Wolf. Keiner der Spanheimer ist so
bekannt wie die Spanheimerin, Frau Loretta, eine geborene
Gräfin Salm. Sie geriet zu der Zeit, wo sie für ihren Sohn
Johann die Vormundschaft führte, in Streit mit dem Erz¬
bischof Balduin von Trier, einem der zielbewußtesten,
geschicktesten und tatkräftigsten Fürsten dieses Stiftes, der
wie kaum ein anderer im Mittelalter das Gebiet des Erz¬
bistums Trier abgerundet und seine Macht gemehrt hat.
Während dieser Fehde fuhr im Frühsommer 1328 der Kirchen¬
fürst ohne starkes, wohlbewehrtes Gefolge die Mosel hinab —
Die Mär zu Sponheims Herrin drang^.
Wie lachte Frau Laurette f
Quer durch den Fluß zu seltnem Fang^
Ließ spannen sie die Kette.
Und als Herr Balduin zog heran.
Kein Warner war vorhanden.
Da lag er bald mit Maus und Mann
In Frau Laurettas Banden.
An der Portswiese, unter¬
halb der Starkenburg, wo die
Gräfin residierte, geschah es,
was hierein begeisterterVerehrer
des Mosellandes nach dem Be¬
richte alter Chroniken vermeldet.
Doch wenn eine verbreitete
Ueberlieferung nun weiter be¬
richtet, von dem Lösegelde, das
der Bischof in der Höhe von
n 000 Pfund Heller tatsächlich
bezahlen mußte, sei die Burg
oberhalb Trarbach gebaut und
nach der mutigen, rasch ent¬
schlossenen Gräfin die Gräfin¬
burg genannt worden, so hat
sie sich in dem frei und üppig
sprossenden Garten derSage ver¬
loren. Die richtige, ursprüng¬
liche Schreibung ist vielmehr
Grevenburg, und Greve ist
(wie Grebe, Grabe, Grave) nur
eine andere Form für Graf. Also
„Grafenburg"'bedeutet derName,
und höchstwahrscheinlich hat
Lorettos Sohn Johann III., der
von I33T—1399 regierte, einer¬
seits Trarbach zur Stadt erhoben, anderseits und im Zu¬
sammenhang damit das Schloß erbaut, denn 1357 wird die
Grevenburg in einer Urkunde zuerst erwähnt, und 1359 heißt
es zuerst: zu Trainrebach in der stad.
Schon mit Johanns Enkel Johann V. erlosch 1437 der
Mannesstamm der Spanheimer Grafen; Erben ihrer Lande
wurden die Markgrafen von Baden und die Grafen von
Veldenz (bei Mülheim oberhalb Berncastel) und nach deren
baldigem Aussterben die Pfalzgrafen aus der Simmernschen
Linie. Laut einer Abmachung regierten die Erbfürsten die
Lande, wenigstens die sogenannte hintere Grafschaft, zu der
auch Trarbach gehörte, gemeinsam. Zu den Pfalzgrafen von
Simmern gehört Friedrich III., genannt der Fromme, eine
ungemein sympathische und charaktervolle Fürstengestalt des
16. Jahrhunderts. Dieser begann 1557 auch in der hinteren
Grafschaft mit der Einführung der Reformation. Als er zwei
Jahre darauf nach dem Tode Otto Heinrichs, der den ent¬
zückenden Ottheinrichsbau im Heidelberger Schlosse aufführte,
zum Kurfürsten von der Pfalz erhoben wurde (1559), über¬
trug er dem Herzog Wolfgang von Pfalz-Zweibrücken
seinen Anteil an der hinteren Grafschaft Sponheim.
Fortan waren die Herzöge von Zweibrücken bezw. eine
Nebenlinie von diesen, die Pfalzgrafen von Birkenfeld, und
die Markgrafen von Baden Gemeinsherren in den Landen
von Birkenfeld über den Hochwald und wieder hinab zur
Mosel nach Trarbach, bis sie im Jahre 1776 das Gebiet
teilten: Baden erhielt den Süden mit Birkenfeld, Pfalz-Zwei-
brücken den Norden mit Trarbach.
Inzwischen hatten die furchtbaren Kriegsstürme, die über
das gesamte deutsche Vaterland dahingebraust waren, auch
das Moseltal nicht geschont. Im Laufe des 30jährigen
Krieges besetzten nacheinander Spanier (1620), Schweden
(Sommer 1632), Kaiserliche (um Johanni 1635), Franzosen
und wieder Kaiserliche (im letzten Abschnitt des Krieges) die
Stadt. Als diese Drangsale, Einquartierungen, Plünderungen,
Seuchen eben notdürftig über¬
wunden waren, erklärte (April
1681) Ludwig XIV. die hintere
Grafschaft Sponheim für einen
Bestandteil des französischen
Reiches, und nach den Plänen
Seb. Vaubans, des berühmten
Festungsbaumeisters, wurde auf
dem Sattel des Königsberges,
zwischen Cröw und Cövenig, die
Festung Montroyal aufgeführt,
die 1692 ungefähr fertig war.
Zwar mußte der skrupellose Er¬
oberer 1697 seinen Raub wieder
herausgeben und die Festung
schleifen lassen, aber dem Berge
oberhalb Traben hat sie doch bis
heute seinen Namen gegeben.
Auch in den spanischen Erb¬
folgekrieg (1701—1714) wurde
die Grafschaft hineingezogen.
Zuerst nahmen die Franzosen
(November 1702) Stadt und
Schloß; Anfang 1703 eroberte
der auf seiten der Verbündeten,
des Kaisers, der Niederlande,
Englands u. a. stehende Erbprinz
Friedrich von Hessen-Kassel zu¬
nächst die Stadt zurück; kurz
vor Weihnachten 1704 zwang er
dann auch den Kommandanten
der Grevenburg, den Königs¬
leutnant, zur Llebergabe.
„Verletzt bin ich, aber nicht vernichtet" konnte bisher
noch jedesmal das Schloß getrost von sich sagen, nachdem
das Wetter vorübergezogen war; da fiel es einem Kriege
zum Opfer, der das Rhein- und Moselland, aber auch das
gesamte Deutsche Reich seinem Gegenstände nach gar nichts
anging, nämlich dem Kampfe um die polnische Krone (1733
bis 1735). Im Laufe dieses Erbfolgekrieges nahmen die
Franzosen am 9. April 1734 zunächst durch Ueberrumpelung
die Stadt ein, und dann begann die Belagerung und Be¬
schießung der Burg, die am 2. Mai damit endigte, daß der
Kommandant von Hohenfeld, von der Aussichtslosigkeit eines
weiteren Widerstandes überzeugt, dem Generalleutnant Grafen
von Belle-Isle das Schloß übergab. Im Juli darauf wurde
es in die Luft gesprengt. Seitdem gibt es nur eine Ruine
Grevenburg.
Von da ob herrschte bis gegen Ende des Jahrhunderts
Friede. Aber die aus der französischen Revolution sich ent¬
wickelnden Kriege fegten auch die alten Regierungen an
Nahe und Mosel und auf dem Hunsrück fort, und nach dem
kurzen, aber in seinen Wirkungen tiefgreifenden und nach¬
haltigen weltgeschichtlichen Drama der Nopoleonischen Zeit
Nr. ft E^EÜTSGH LAN D 375
«TW'f:-- ?,.,i^-:,- t
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üA^i SiöiA^ Umg'cgeAd sIä
dÄS^ Kreises 7isli A St^ck 4^5^ K Ö nigr e i th is P re u ß tü und
i>ekön^ 4sdtn'eK Anteil en dem S^en, der in der Zag'ehdrig^keiT
tu fff* l^rt Staats wes^\ j^ehdrt;^ dös uuf nj Km volle
GesithitdLie Z^tfö^blickf und flöhe ÄufiTqben V^r sUh lud.^ dejt^i:
Im eng'en Kfei^ vtueofi^en Mfh -Sinm
Es wächst der m ^ P ^ grd^etn citeA 1
Nach dieser
ernillt von Krieg Aind Krit^^ei^rhreh Wll unii . rh^
d urrJi d j e St ä die, v f>4> ^ heA bfe t udi; uen
Bqde iA Trarbach 5Ttir44reinem Hdda de4t-pTiedehs
nd nu^str^l;behde< wirii;clKahhcherHT>rw ht^ketinci^mthen^
Die An.^chluöstiecke ön die Sf^iä;tsb^h;n
Wiirde im ^^ahre t6Ö2 de?:
■ dem- Vjftrkehr- uböt-gebeni-'. Denk-^. ': ■ ■'■' .
irtßlfr der sKen Vergönnen beit
d&g^^n Wieist dfir Stndit'eiS links
von der Mösef j)ör spärlich äuT
DeJ Äacber^iV imd
dem Hotei Ctncß*'Eeiüi 4®|3rt;n-
über# deutet hbch Pdh aüf
jene Sih«nku%^ Ludm^B di^s
FfonimeA nK das, Aach ertej Denn-*
si ifh Des k^^ütt^e Wdling^bäu dr?
erdiiä 1 1 ei h bäh seji^^s Renäis^ s ance\
Porta h dfffäsen lid^<sr\ ?auj> fee tt"
i fort en S t e i n e n t>esl eh t j hesor 14 er s
m ft I eri ^>ch wirkt- das
hoh^j wi^chtlig« Hüftpr. gesehen/
per rh eii^sch ö ■¥ hc (vwi^rksbl mit
sehxeii jtntinnigrXnlTigr^n
5 i raben rn u S de w pt äcb f
4clüiii;®jefL^^rfenster,n und der^
Htke; 4i^: d weeb selntk*
Form ühd ^"<f^feHieden^trtJEfe;
fögtjng die Fnss/Hb^?i äußar^
örden tl ich be! e hepJ /w nr bhem«J^.:
d-utch" efn \g ö b<^ ry.ü>^j).Jt^^pdh- Bii\i-^: ■ -'
tv":n ih. Tr^ib^ 'V^jnret^e.rif rifeJfdf-
d^s rthf-f
d öTe n Sch rnuck w^cr *, v ol Üe CHms-
niftlereicin an den F^VtÄtGTVf trug*
und d as Söge A ann te Sie a-^rip: f t
Häus, das eis Muiterbea^j>iel in
ver-schifedenen : .■ ' i
h ch ^ti W prkfth Äliltiäb mt« ^
ftindah ha l. 8e id e h ß 1 tler Brat jd
■•.vöh TB7Ö .'Seriit^t'h erlvnhen ist :-'
dfjgogeh hü?5 it^hrF^jchwerk-bJih ; d 1 e
h^i ft llcjn fei cb t hm bft fmon iiitba ünd- ühersiediT I Ic i i ^ A A o rd “
hu nj^^, Verlsi hdu n g und V ftrsch {h \g nng- <i>>r H ö Ü i e J oii 1 o cl i
lange duich Veqfeij tfe> Bfek^jn
■. Die. VC ih'.' Bob nho f ■ nm, : n en ■ föis.d i.tmv,. ;3:tpa - - rl t p-1 ütj...
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das FK*ßurer er reicht diese kü :in- I'^iOJi bk:
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jene gehören ium Hunsrück# diese tt? dern fehöh genetnnteri
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der tingleicb^Ä ßesemntmß' ^^i'ddönge irfelgu der Himniieliä-’
riehtung und nftcli ihrer ^ilärkereti ridef schwächet-en Neigung
V er {eil en aic h, a bgese b en it 4 i^f -iiö denbe^reb affe nh t t.Wsl 4^
Wemberg/ ;Weide, Felder und Biiuinwlej^4t-
VeÜ3hbt^d^bUei;t des «jibf -feh,
VQU Tkh' '^^^4 Si-ha11ai\ im Vef4yA tüfidot
skh die/ tihetidllch wntvde'lhntjc^
Ffitbai>g«i und BekUchiöngeft . in- .d^n emEefen 4fer
Jöhres^eiten.
Ifi die Isen lahdschükhchen Rnlimen schmmgl sich nun die
Sfelt- :b.ine!n 1 Am oheren Rande voh Traben "steigt.<].ör spt tzo
Tinm der
K t r ch a nuf; hltdii W«3?ii dftvpn
der Tum? dc£ .bald
k «t h Q I i s ch e rv K i r cK e, der
hol sein ein Satteldach an schwär^,
bische Kirebön eHnnerb Ven
den beiden Trarbaciier Kirebeti
:ist j>tir d IC. ktfi hol iic he «n d a c
A ustn ü ndun g d^ Kaii tan hach ös
z:« stliem dibi^f ihr 4tli^hf tiicb
am /ihharigA fes Wdlfe feügeü
V V) ft fi S^'^b Ä äße h*n ^Tf di e yi ?Js deis
Hi^rnv Amtsgent htsiftTs Mülli^ts
p§n re ebife tmd Ü nk^ n Ul er sa u m
begleife ehie Reib» sta i (1 feber
. G 4bH großen T ®41 ePpvaf-
wöhntingcn^ äb^r aiiib feilex^en
und ktiufmJifiiiischü
endlich ^inigc Kot^is,. lAsgeSötiit
legen sm Zeughl^ ab yoh feiu
glüftzcfidtm Aufebwurig^ des
IVb-^sekWeihbönd^H in den. ver-
gangan^iu dah rtehniem Besän-
dex5: w^öbliuend wirkt auf dem
finken Ufe erste HaiJi& nri
der Brikke öufwärEs durch seine
schlichte Vornehmheit, fern^ir
das' leiste, dem Wol fer Berg^
gjegcrtübörp aina Schöpfung
I g ef V : S tcft ß b fj rger S t ad iv-
böneutais Bö^b!ow, durch die
let ( •1 k 4 4 eher ä LirJenrü h rü rrg (.
dk wahUibgemeÄsafe>wia^41bsi-
. Vf^rstimdliCfe.Ffe.hatvve-rtftjibfag
1 : tviid^[ t* rlmfi c Fü fi fügung m diö gnnsr? wniniftülbere
’ ,fed: n mg^loing - Dnzwi$chen trit t hervor da^ij im
V efefeifchon Jahrzehnt n a cb 4i n g m ■ Br ft nd e neu uufge füh r t e
11 r> f, n I C i ft üF e (t ^ das äUd? ii^ Firi^n ynd Farben
tdi g J^l£#it^^fy: glh k h (rli n.a dia a Iren M ov^Ih a i isft r 4 n Iah nh n nd
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fe Auf di?m fehfe Ufe kann- /skh die die BHlayu
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-yd t Ih rfiliiü. - ih ä<htl|£i4fV. Aiadj^nrdrütdache.'- tmiii.er . 'hö.cjV;. s4hen ■
lassen. Wrtrdig und ferrsebofdich lie^ aufwärts; ,an
der e rs t e n a u Trft tbft.ch' ! r d ■; bh-rö b f übtendi? n S tra Be,
V o ti d e re n F n i rtph'^f di ei; T * nbjrh h ft C^ b : T rübeh äiisginjf, je t z\
die DunvpfehiÜf' öbfhbtvh* düs B.Ödki n g-sche befef^
kenbwert c! iLrch ein kri'dtigifs Barockrpofe) nach rfe Kc^iho^*
s l raße zu u n4 in die f /flernttifgCacbiuh U verPocbten durch
dii?.n AüiejnthQlt Goeihes# der «wf voä. Frankreicb
fiii Jrii ^ re 1702 do n ehv kehrt e- Pt^': Ecfe an der näc h^tä ti
Ä 1 Vfn Fi iT sse ,s enk r g 1 1 u f; e *j! ft n d en $ tfd b Whd d i j reJt d ös K o s i; n 4/
ml?>g:e|vjUh welches FMO das fKiädertjähngeh
strihtms feierte* In diesem Wüfd^; esL ubejr
374 DEUTSCHLAND Nr. 8
die Grenzen von Traben-Trarbach hinaus besonders bekannt
durch sein Preisausschreiben für das beste Mosellied im
Jahre 1845 und 1898; dem des erstgenannten Jahres ver¬
danken wir das noch jetzt am meisten gesungene und tat¬
sächlich auch von allen nach Text und Melodie volkstümlichste
Mosellied: Im weiten deutschen Lande zieht mancher Strom
dahin, von Pfarrer Reck aus Feldkirch bei Neuwied, kompo¬
niert von G. Schmitt. An den Fuß des Wolfer Berges endlich
Grevenburg vom Wolfer Wald aus gesehen
lehnt sich die neue Kellerei des Herrn Jul. Kayser an. Sie
verzichtet auf reiche Ornamentik und nähert sich in ihren
wuchtigen Formen und der übersichtlichen Gliederung dem
Charakter einer Burg. Die eben genannte Kellerei ist wie das
Hotel Clauß-Feist, der Brückenkopf der Moselbrücke und
verschiedene andere größere Gebäude Traben-Trarbachs nach
(len Plänen des Architekten Bruno Möhring (Berlin) ausgeführt.
An diesen sämtlichen Gebäuden entlang führt die im August
1905 eröffnete Moseltalbahn, die eine sehr erfreuliche neue
Verbindung zwischen Trier und Bullay herstellt und die
Mosel von Berncastel aufwärts überhaupt erst erschlossen hat.
Ob der Wanderer, der alle diese Eindrücke in sich auf¬
genommen hat, nun an dem Brückenköpfe des rechten Ufers,
der Brückenschenke, glücklich vorbeikommt, oder ob es
ihn lockt, in einem der verschwiegenen, originell angelegten
und ausgestatteten Turmstübchen, umspielt von den Geistern
des Moselweins, der Fülle der Bilder nachzusinnen und ein
Weilchen zu träumen? Aber dann müssen wir auf der Brücken¬
straße weiterziehen. Sie ist zum größeren Teile neu, enthält
aber auch ein Gebäude mit alter, wechselvoller Geschichte,
das alte Oberamtshaus, im 18. Jahrhundert Regierungs¬
gebäude für das Trarbacher Ländle, nach dem Beginne der
preußischen Herrschaft dem Progymnasium, später Voll¬
gymnasium, überwiesen, jetzt Amtsgericht. Die Brückenstraße
hat einen schönen Prospekt durch das Kaysersche Haus,
erbaut in den letzten Jahren vor 1760. Die Bearbeitung des
Steins wie die Ausführung des Geländers auf dem Balkon
hält sich in feinen Rokoko - Formen; am reichsten
und zierlichsten aber sind diese entwickelt an der
Tür, die in ihrer Art einzig an der ganzen Mosel
dasteht. — Rechts von hier führt die Straße an dem
vorhin erwähnten Böckingschen Hause vorbei zu der
Landungsstelle der Dampfer, links langsam steigend
zum Marktplatze, wo wieder links die Schott
Straße abzweigt. Diesen Straßen fehlt das An
mutig - Abwechslungsreiche und das Mannigfach -
Charakteristische leider ganz, das die Straßen und
Gäßchen anderer Moselorte, besonders die von En¬
kirch, so überaus und immer von neuem anziehend
macht. Schuld daran ist der furchtbare Brand,
der 1857 einen großen Teil der Stadt in Asche legte
darunter auch den Marktplatz.
Die jetzige Apotheke steht etwas weiter aufwärts,
dem Eingänge der Weihertorstraße gegenüber, die
ihrerseits wieder den Namen von dem ehemaligen
Weihertor hat, ebenso wie der Weihertorplatz.
An diesem beginnt die Wildbadstraße, zunächst mit
einem Enggaß, aber bald in offener Fluchtlinie. Sie
kündet an, daß wir uns dem Badeorte Trarbach
nähern. Nach einigen Minuten zweigt rechts ein
Weg nach Berncastel ab, in IV 4 Stunden führt er
hinüber, während der Talweg der Mosel über 20
Kilometer lang ist. Kurz darauf tritt an der Berges¬
halde ein größeres Gebäude hervor, das neue Gym¬
nasium, in seiner Lage vielleicht vor allen höheren
Lehranstalten der Rheinprovinz ausgezeichnet. Das
Alumnat Lutherhaus daneben bietet etwa 60
Schülern gute Unterkunft, sorgfältige Pflege und ge¬
wissenhafte Ueberwachung.
Noch etwa eine Viertelstunde weiter — und zur
Linken taucht mitten im Grünen, umkränzt von wohl¬
gepflegten Anlagen, deren mannigfaltige Ziersträucher
von kunstgerechter, fachmännischer Auswahl zeugen,
dos Kurhaus auf, gewöhnlich das „Neue Bad" ge¬
nannt, zum Unterschiede von den etwa ^4 Stunde
talaufwärts liegenden Badehotels. Sie alle verdanken
ihre Entstehung dem Wildsteinsprudel. Dessen
planmäßige Erschließung und Verwertung datiert erst
aus dem letzten Viertel des vergangenen Jahrhunderts, während
eine warme Quelle in einem Stollen des oberen Kautenbach¬
tales längst bekannt war. Im April 1883 schlug der Tror-
bacher Bergwerksverein durch einen 400 Meter langen Stollen
in einem 2—3 Meter dicken Quarzgange eine Therme von
28® R = 35® C an. Nachdem ein Seitenstollen eine zweite
Quelle erschlossen hatte, hob sich die Wassermenge von
738 auf 876 Kubikmeter innerhalb 24 Stunden. An die Stelle
des Bergwerksvereins trat seit dem 25. Mai 1899 die neue
Gesellschaft zur Hebung und Neugestaltung des Bades unter
dem Namen; Trarbacher Immobilien-Gesellschoft m. b. H.
Der Gesamtbesuch betrug:
Jahr
Kurgäste
Passanten
1908
3424
6300
1909
3520
6500
1910
3800
5200
Besonders heilkräftig erweisen sich die Bäder bei rheu¬
matischen und gichtischen Leiden. Auch eine radio-aktive
Kraft wird dem Wasser zugeschrieben.
Nr. 8 DEUTSCHLAND 375
So sehr auch der murmelnde Kautenbach lockt, ihn in
alle seine Seitentäler, bis in die letzten Verzweigungen hin,
zu verfolgen, und so sehr auch die ihn einschließenden Berges«
hänge mit ihren malerischen Ausblicken winken, uns zwingt
die nicht allzureich bemessene Zeit zur Auswahl und Be«
Schränkung. Und die unmittelbare Umgebung der Städte
bietet auch noch Schönes genug, was sich rasch erreichen
läßt. Vom Anfang der Schottstraße steigt links zunächst eine
Treppe hinan, dann führt ein Pfad durch die köstlichen Reben«
hänge des Schloßberges zunächst auf das Kriegerdenkmal,
den tapfern Söhnen Traben«Trar«
bachs geweiht, die für ihr großes
Vaterland, aber auch für ihre
liebe, schöne Heimaterde, für
„die grünen Berge,
den Fluß im Tal"
mutig in den Tod gingen.
Der weitere Aufstieg zur
Grevenburg und zu dem Berg«
grat über ihr macht es erst be«
greif lieh, wie schwierig die
Belagerung und Einnahme des
Schlosses ohne unsere weittra«
genden Geschütze war. Schon
umfassender als vom Krieger«
denkmal ist der Blick von den
verschiedenen Winkeln und
Warten der Ruine, aber das
reichhaltigste Panorama eröffnet
sich noch weiter oberhalb von
der Bismarck höhe, welche
zwischen der „Hecke" (Eichen«
schälwald) hervorlugt, nachdem
uns der dunkle Tannenwald aus
seinem feierlichen Schatten ent«
lassen hat. Die lange Mosel«
schleife erscheint in ihrer ganzen
Ausdehnung, der Königsberg
mit seinem flach hingestreckten
Plateau, dem breiten vorderen
Rande und dem schmalen Sattel weiter zurück; zur Linken
tauchen die Ruinen des Wolfer Klosters auf. Zu unseren Füßen
ragen aus Weinbergen die Trümmer des alten Zollturms hervor,
weiter rechts dehnt sich am Bergeshange Enkirch aus, und
dahinter reihen sich und schieben sich ineinander, in mannig«
fachem Farbenspiele, Berge und Bergvorsprünge.
In dem Umfange der Fernsicht wird dieser Punkt noch
übertroffen von den „Graach er Schanzen". Sie wurden
rechts von dem Wege nach Berncastel, oberhalb des Wolfer
Waldes, in den Jahren 1795/96 von dem französischen
GeneralJourdan ange«
legt und nehmen den
höchsten Punkt der
näheren Umgegend
ein (430 m). Doch
schon beträchtlich
tiefer führt ein rieh«
tiger,Guckkastenweg'
am Bergesabhang ent«
lang, ausgehend von
der Wildbadstraße,
oberhalb des Schlöß«
chens, bald durch
Wald und bald durch
Lichtungen. Im Süden
ruht waldumkränzt, in
seinem ersten Teile noch mit Häusern besetzt und von Wein«
bergen eingefaßt das Kautenbachtal. Von dem letzten Ausläufer
des Bergrückens, der dieses vom Schottal trennt, schaut die
evangelische Kirche herab, die seit den Zeiten, wo eine
schlichte Nikolaus«Kapelle auf dem Felsen stand, mannigfache
Veränderungen erfahren hat (besonders 1509—1513 und nach
dem Brande von 1857). Rechts in der Nähe davon deutet ein
Ueberrest die Linie der alten Stadtmauer an. Flußaufwärts
senkt sich der Wald mit verschiedenartigem Grün zur Mosel
und jenseits dehnt sich bis zum Fuße der Weinberge, Lagen
von gutem Klang, ein frucht«
bares Garten« und Wiesenland,
der Kartenich, durchzogen von
einer schattenden Nußbaum«
allee, die nach den Häusern von
Rißbach führt; ob sie mehr
dem Landschaftsbilde einen
reizenden Mittelpunkt geben oder
durch ihre ganze Umgebung ge«
hoben werden, läßt sich schwer
sagen. Ihre architektonische
Schönheit, besonders das reiche
Holzwerk an dem einen, kommt
erst in der Nähe zur Geltung.
Julius Wolf hat diesen Platz
in seinen „ Landsknecht von
Cochem" verwoben.
Von dort ist’s nicht mehr weit
bis zur Höhe des Montroyal
und bis zu einem Pavillon an
seinem Rande oberhalb Traben.
Dieser schenkt uns den schön«
sten Ueberblick über Trarbach,
über die verschiedenenBerggrate,
die, mehr oder minder tief mit
Grün umkleidet, hier zusammen¬
laufen, und die Häuserreihen und
Häusermassen mit ihren blau«
grauen Schieferdächern, welche
die Talgründe und den Mosel«
uferrand ausfüllen. — Fast den ganzen durchlaufenen Weg
durch die Städte, von Traben zu unsern Füßen über die Brücke
bis zum Kurhaus Wildbad und über die Berge der näheren
Umgebung, können wir von diesem Schauinsland noch einmal
verfolgen. Die Fülle der Bilder war für die kurze Spanne
Zeit fast zu groß, und erst die ruhige Betrachtung eines
längeren Aufenthaltes vermag die ganze Schönheit voll«
kommen zu erschließen. Freilich, je mehr Reize sich nach
und nach offenbaren, um so schwerer wird es wiederum
sein, sich loszureißen. Doch —, wenn auch der erste
Besuch das Verlangen
nach einer baldigen
und häufigen Wieder«
holung weckt, und
wenn dann mit jedem
Mole die Anziehungs«
kraft immer unwider¬
stehlicher wird —
„Was tut's? — Ich
wag ins Verderben,
Ins süße mich lachend
hinein I
Will gerne für Leben
und Sterben
Dem Zauber verfallen
sein 1"
Rißbach b. Traben a. d. Mosel
Gesamtansicht von Berncastel-Cues
376 DEUTSCHLAND Nr. 8
Radium-Solbad Kreuznach,
Am 5. August fand unter Beteiligung der Staats¬
behörden sowie einer großen Zahl von Vertretern der
medizinischen Wissenschaft sowie der auswärtigen Presse
die Einweihungsfeier des neuerbauten Badehauses für
Radiumtherapie — wohl das erste seiner Art in Deutsch¬
land — statt. Nach
einer Besichtigung
der Kreuznacher
Radium-Fabrik im
Salinental sprach
Bürgermeister Dr.
S ch 1 e i ch e r im
Kurhaussaal über
die neue Entwick¬
lung, welche Bad
Kreuznach durch
dasRadium erlebe,
und begrüßte die
Festgäste. Sodann
hielt Professor Dr.
K i o n k a (Jena)
vor einer zahl¬
reichen Versamm¬
lung einen äußerst
interessanten Vor¬
trag über „Die
Entwicklung der
Radiumtherapie",
in welchem er hervorhob, daß Kreuznach bis jetzt der
einzige Badeort Deutschlands sei, der seine Radium¬
salze aus den eigenen Quellen gewinne. Es folgte
darauf die Einweihung der neuen Quellenhalle für Trink¬
zwecke, bei welcher Gelegenheit Dr. Karl Aschoff
Erläuterungen gab über die neu gefaßte Elisabeth- und
Viktoriaquelle, die jetzt derart zum Auslauf gebracht
sind, daß ein Gasemanations-Verlust ausgeschlossen ist.
Die geschmackvolle und vornehme Ausstattung der
Quellenhalle er¬
regte allgemeinen
Beifall und Bewun¬
derung.
Von hier aus
begaben sich die
Festgäste an das
neuerbaute Bade¬
haus für Radium¬
therapie, vor dem
der Erbauer des¬
selben, Architekt
Oskar Schütz
aus Köln, den
Schlüssel an den
KurdirektorHaupt-
mann Fernow
übergab, der mit
einigen Worten
den Eingang öff¬
nete. Das neue
Badehaus, ein im
Renaissance - Stil
erbautes Gebäude von vorzüglicher Wirkung, mit einem
Säulenvorbau und Kolonnaden für Verkaufsläden, ist
auch im Innern von ausgesuchtem, vornehmem Ge¬
schmack. Es enthält 56 Badezellen, die in zwei Etagen
Radium-Solbad Kreuznach: Neues Badehaus für Radium-Therapie, Schmuckhof
VV
V
A
AA
n
W
V
A
AA
Kreuznach: Kurgarlcn des Radium-Solbades
A
AA
VV
V
A
AA
Nr. 8 DEUTSCHLAND 377
in hellen und luftigen
Korridoren, die den
Lichthof einschließen,
untergebracht sind. In
der Mitte des Ge¬
bäudes befindet sich
ein Schmuckhof. Außer
den Zellen, die, ge¬
räumig und hell, alles
enthalten, was von
einer modernen Bade¬
einrichtung heute ver¬
langt wird, und bei
denen besondere Vor¬
richtung für Radium¬
bäder getroffen sind,
gibt es noch Ruhesäle
für Herren und Damen
sowie einen elegant
eingerichteten Warte-
und Lesesaal. Außer den neuen Radium-Inhalatorien
sind auch neue Inhalations-Einrichtungen für Sole, ferner
Radium-Solbad Kreuznach: Ruhesaal im neuen Bäderhaus
elektrische Vierzellen¬
bäder und kohlensäure
Solbäder vorhanden.
Nach der Besich¬
tigung vereinte die
Gäste ein Festessen
im Kursaal, bei dem
allgemein die freu¬
digen Gefühle über die
neue glänzende Ent¬
wicklung, die Kreuz¬
nach jetzt erlebt, in den
Reden zum Ausdruck
kamen. Am 6. August
wurde der Betrieb im
Badehause eröffnet und
wurden die Zellen so¬
fort stark in Anspruch
genommen. — Der Be¬
such des Bades ist ein
so glänzender, wie er seit 20 Jahren nicht erlebt wurde,
und beträgt die Frequenzziffer bis heute 10898 Personen.
Wieder ist der Herbst gekommen,
Und mit ihm der Wein gereift.
Was kann Grillenfang da frommen,
Wenn, soweit das Auge schweift.
Wir auf allen Bergeshöhen
In der Sonne goldnem Strahl
Erntefroh die Winzer sehen.
Jubelnd laut hinab ins Tal.
Grüßt nicht lachend auch die Sonne
Uns auf rebumrankter Flur,
Ladet nicht zu Lust und Wonne
Ringsumher die Vollnatur?
Frisch, genießt das schöne Leben,
Trinkt den feurig goldnen Wein,
Beides uns von Gott gegeben
Zum Genuß und Seligsein.
Hier an altgeweihter Stätte,
Wo die Väter einst gezecht.
Laßt auch zechen um die Wette
Heute uns nach Fug und Recht.
Schwärmen wollen wir und singen
Bei dem duftenden Pokal,
Daß die alten Lieder klingen
Weithin durch das grüne Tal.
Und wenn einst der Herbste Reihe
Uns gebleicht hat Haar und Bart,
Dann gedenkt in stiller Weihe
Mancher schönen Burschenfahrt.
Träumt im jungen Enkelkreise
Euch zurück in sefge Zeit.
Summt noch einmal leis' die Weise
Von der Burschenherrlichkeit.
Verfasser: Bünger.
Auf der Internationalen Hygiene^Ausstellung in Dresden.
Der Fremde, der heute nach Dresden kommt und
die große Weltausstellung der Hygiene besucht, wird
vor allem das wunderbare Gelände, in dem die Aus¬
stellung liegt, bestaunen. Die warme Sympathie, die
der König von Sachsen, der Protektor der Ausstellung,
der großen Idee entgegenbrachte, zeigte sich auch darin,
daß er in hochherziger Weise ein gewaltiges Stück von
dem altberühmten Königlichen Großen Garten für die
Zwecke der Ausstellung zur Verfügung stellte. Und
hier in diesem riesenhaften, prachtvollen Gelände er¬
heben sich die gewaltigen Gebäude, welche die Aus¬
stellung beherbergen. Eine besondere Sehenswürdig¬
keit bildet die Herkulesallee, eine Völkerstraße von
nie gesehenem internationalem Reiz. In dem tiefen
Grün dieser Allee, zwischen sagenhaft alten Bäumen,
breitästigen Linden und Buchen liegen die Paläste der
fremden Nationen, und das große internationale Leben,
das jeder Weltausstellung eigen ist, hat sich diese
herrliche Promenade als Mittelpunkt ausgesucht. Man
glaubt sich auf einer Promenade eines großen Welt¬
bades zu befinden. Kein staubiges, lärmendes Gedränge
herrscht hier, an grünen Wiesen entlang wandelt man
378 DEUTSCHLAND Nr. 8
unter den Klängen erstklassiger Konzertkapellen zu
beiden Seiten dieser prächtigen Allee in erquickender
Luft, und das Gewirr der Stimmen aus den Sprachen
aller Erdteile vermischt sich mit der Musik, mit dem
herrlichenVogelsang und
dem Rauschen der Bäume
zu einer eigenartigen,
stimmungsvollen Harmo¬
nie. Beim Dunkelwerden
aber flammt es unter den
Bäumen auf. Tausende
von kleinen Lichtern
blitzen zwischen den
Zweigen hervor, und bald
ist die ganze Promenade
in ein strahlendes, feen¬
haftes Lichtmeer ge¬
taucht, dessen grandiose
Wirkung geradezu unbe¬
schreiblich ist. Im Innern
der Paläste der fremden
Nationen ist alles das
ausgestellt, was die ein¬
zelnen Völker im Laufe
der Zeiten auf dem ge¬
waltigen Gebiete der
Hygiene erfahren und
erprobt haben, und es ist
kein Zweifel, daß dieser
gegenseitige Austausch
an ideellen Werten, die dem Glück der Menschen
dienen, von weittragendster Bedeutung sein wird.
Was in den einzelnen großen Hallen untergebracht
ist, kann unmöglich im
Rahmen eines kleinen Ar¬
tikels aufgezählt werden.
Alles, was auf der Aus¬
stellung vorgeführt und
gezeigt wird, ist für den
Besucher eine Quelle der
Belehrung und der Auf¬
klärung, jeder einzelne
Gegenstand in den vielen
imposanten Gebäuden
zeigt dem Besucher mit
eindringlicher, überzeu¬
gender Deutlichkeit, was
für die Gesundheit dien¬
lich ist, durch welche ein¬
fachen Mittel man seinen
Körper kräftigen, stählen
und verschönern kann
und von welchen Schäd¬
lichkeiten man sich fern¬
halten muß. Die Industrie
ist in 15 Abteilungen in
die Ausstellung einge¬
gliedert, und zwar tritt sie
in allen ihren Zweigen
möglichst umfangreich und vollständig auf. ln großen
Hallen sind die einzelnen Gebiete, wie Ansiedlung und
Wohnung, Ernährung, Verkehr und Krankenfürsorge,
Armee- und Marinehygiene usw. vollständig getrennt und
für sich behandelt, und gerade diese Anordnung macht
es dem Besucher kinderleicht, sich rasch und gut zu
orientieren und sich in das für ihn besonders Wichtige
in Ruhe zu vertiefen. —
Das Hauptinteresse kon¬
zentriert sich wohl auf die
große Halle für populäre
Hygiene, den „Palast
des Menschen". In
diesem gewaltigen, mit
hohen Säulen gezierten
Kuppelbau ist dem nicht
über wissenschaftliche
Kenntnisse verfügenden
Laien das gesamte Gebiet
der menschlichen Ge¬
sundheitspflege in klarer
Weise vor Augen geführt.
Nicht in toter Form wird
der Stoff gezeigt. Alles
wird an instruktiven, der
Natur getreu nachgebil¬
deten Modellen und Prä¬
paraten und in möglichst
lebendiger Art vorge¬
führt. Was den Menschen
im Laufe seines Erden¬
daseins betrifft,von seiner
Geburt bis zum Grabe,
wird hier in gründlicher, fast rücksichtsloser Weise dar¬
gestellt. Wir lernen die Entwicklung des menschlichen
Körpers, seinen Bau und seine Organe in ihren
einzelnen Funktionen
kennen, werden belehrt
über nützliche und schäd¬
liche Kleidung, gesunde
und gesundheitsschäd¬
liche Wohnungen werden
uns vorgeführt, anfan¬
gend bei den Bauten der
Ameisen und Hamster,
endigend bei den großen
Versorgungs - Anstalten,
Asylen und Heimen. Die
Ernährung wird gründ¬
lich durchgenommen. Mit
Ueberraschung sieht der
Besucher eine Reihe von
billigen Nahrungsmitteln,
von deren hohem Nähr¬
wert er bisher noch nichts
wußte; er wird in die Ge¬
heimnisse der Nahrungs¬
mittelfälscher eingeweiht
und gewinnt eine schier
unerschöpfliche Fülle
wertvoller Anregungen.
Der Pflege des Körpers
ist ein großer Raum gewidmet, die Bedeutung von Wasser-
und Luftbad für den Körper wird dargetan, wir werden
über den Wert der Massage belehrt, an Atmungs-
Geh. Rat Dr. Beutler, Oberbürgermeister von Dresden
Geh. Kommerzienrat K. A. Lingner, Präsident der Ausstellung
Nr. 8 DEUTSCHLAND 379
Dresden: Hauptplatz der Ausstellung" mit Halle für populäre Hyg-iene „Der Mensch'
messern kann der Besucher seine Lunge prüfen und
üben; Tabellen, Bilder, Präparate und vergrößerte Nach¬
bildungen veranschaulichen die Zahnerkrankungen und
belehren über die Pflege der Zähne — kurz, kein Gebiet
der menschlichen Gesundheitspflege, von den Regeln
für die Hut und Pflege des Säuglings bis zu den Vor¬
schriften für das Greisenalter ist hier vergessen, so daß
schon allein die „Populäre Halle" dem Besucher
einen dauernden Gewinn
für das Leben bietet.
Eine 20000 Jahre alte
Kultur zieht an dem Be¬
sucherderhistorischen
Ab t e i 1 u n g vorüber. Zum
ersten Male wird hier die
Geschichte der Hygiene
vom frühesten Altertum
bis auf unsere Zeit zur
Darstellunggebracht, und
an hochinteressanten Ob¬
jekten,zumTeil täuschend
nachgebildeten Ausgra¬
bungen und Funden wird
gezeigt, was frühereZeiten
und Völker auf dem Ge¬
biete der Gesundheits¬
pflege aufweisen konnten.
Und da die Gesundheits¬
pflege zugleich in das
allgemeine Leben voll¬
ständig eingreift, so bildet
die historische Abteilung
ein großes, lebendiges
Lehrbuch der Kulturge¬
schichte, wie es in gleicher Vollständigkeit und An¬
schaulichkeit wohl kaum jemals einem größeren Publikum
geboten wurde. Eine mit der historischen Abteilung ver¬
bundene Ethnologische Unterabteilung führt uns
die heutigen Naturvölker vor und zeigt ihre Lebens¬
weise und ihre zum Teil seltsame, primitive Auffassung
von Krankheiten und Tod. Der Teil des Geländes, auf
dem sich der Sportplatz der Ausstellung befindet, ist
geradezu ideal zu nennen. Er bildet durch seine wunder¬
hübsche Lage und die ganze Anordnung der einzelnen
Gebäude beinahe den schönsten Platz Europas, der
trotz seiner Größe eines
gewissen intimen Reizes
nicht entbehrt. Außer
dem Sportlaboratorium
und der Musterturnhalle
enthält er noch ein großes
Undosa-Wellenbad (nach
dem Muster des Undosa-
bades am Starnberger
See), welches während
der Dauer der Ausstel¬
lung auch als Familien¬
bad eingerichtet ist.
Einzigartig ist für die
Erholung sowie für Ver¬
gnügungen und Belusti¬
gungen desPublikums ge¬
sorgt. Nach dem Grund¬
satz, daß Frohsinn der
Seele auch den Körper
frisch und gesund erhält,
hat man auf der Hygiene-
Ausstellung einen Er-
holungs-Park ge¬
schaffen und dafür ge¬
sorgt, daß dieser Teil des
Ausstellungsgeländes zu einem Platz echter Fröhlichkeit,
zu einer Stätte wirklicher Erholung wird. Ohne wilden,
aufdringlichen Jahrmarktsrummel, ohne wüsten, ver-
Prof. Dr. Renk, Zweiter Präsident der Ausstellung
380 DEUTSCHLAND Nr. 8
wirrenden Lärm entfaltet sich hier ein buntes, frohes
Leben, das zu dem ernsthaften Zweck der Ausstellung
eine liebenswürdige, heitere Folie bildet. Dabei ist für
jeden Geschmack, für jede Laune und Stimmung gesorgt.
Ein künstlerisches Marionettentheater zeigt uns rei¬
zende Puppenspiele und Operetten; wer mehr die gro߬
städtische Eleganz und Unterhaltung liebt, begibt sich in
das Trocadero oder nach dem Sekt-Pavillon und
der American-Bar; ein großer Wurstelprater mit
Thomasbräuausschank gibt Gelegenheit zu einem heitern
kleinen Imbiß. Eine Künstler- und Studenten¬
kneipe, aus deren Innerem fröhliche Studentenweisen
erschallen, ladet zu frischem Trünke ein; orientalisches
Leben herrscht in der ostasiatischen Ecke: ein
Theater bringt Vorstellungen
echter Geishas, die durch den
Reiz ihrer Schönheit und die
Grazie ihrer Bewegung all¬
abendlich das Entzücken der
Zuschauer bilden, chinesischer
und indischer Gaukler, Kunst¬
handwerker, Zauberer und
Schlangenbeschwörer und in
einem orientalischen Restau¬
rant wird von einheimischen
Köchen ein indisches Früh¬
stück serviert. Wer reiten will,
findet in einem großen Hippo¬
drom eine hübsche Manege,
um die sich die Zuschauer¬
tribünen reihen, während ein festlicher Tanzsalon
nebenan der Jugend seine Pforten geöffnet hat. Ein
reizender Biedermeiergarten, in dem muntere Herren
in der stimmungsvollen Tracht aus Großvaters Zeiten ser¬
vieren, lockt zu einem stillen Gläschen. Daneben ragt
das zierliche Minarett eines marokkanischen Cafes
hervor mit seinem im reinsten maurischen Stil er¬
richteten Säulenhof, in dem echter arabischer Mokka,
von Eingeborenen bereitet, serviert wird, während die
schönsten Tänzerinnen des Morgenlandes, Fakire und
ein orientalisches Orchester für Unterhaltung sorgen.
Eine Anzahl vornehmer Terrassen-Cafes und Wein¬
restaurants schließen sich an, eine oberbayerische
Bierschenke, in der die Alpenlandschaft so echt ist,
daß man sogar die Berge hinaufkraxeln kann, ein
Freudenrad, eine Schieß halle und anderes. In
dem zweiten Teil des Ausstellungsgeländes, zu dem
zwei große, mit Rollbahnen versehene Straßenüber¬
brückungen führen, setzt sich der Vergnügungs¬
park fort. Eine Reihe von Theatern, Cafes, Volks¬
restaurants und Konzerthallen sorgen auch hier für
Ergötzlichkeit und Abwechslung; Rodelbahnen, Kasperle¬
theater, Taifunrad, ein von nahezu 100 eingeborenen
Aethiopiern bevölkertes Abessinierdorf, Musik-, Gesangs¬
und Tanzvorführungen bringen Frohsinn und munteres
Leben in die Massen, und bei allem Jubel und aller
Lustigkeit keine Roheit, kein schreiendes Jahrmarkts¬
treiben, nichts von dem vogel¬
wiesenartigen Johlen und
Lärmen, überall eine echte,
frohe Stimmung, wie man sie
bis jetzt noch auf keiner Ver¬
gnügungsstätte gefunden hat,
eine Stimmung, die sich auf
den freudigenGesichtern wider¬
spiegelt und die Menschen ein¬
ander näher bringt, wie die
Glieder einer einzigen, großen,
fröhlichen Familie.
Wie groß das Interesse ist,
das man allgemein der Aus¬
stellung entgegenbringt, ergibt
sich schon aus der Zahl der Be¬
sucher. In der ersten Woche haben 336 000 Personen
die Ausstellung besucht, heute hat die Zahl der Aus¬
stellungsbesucher bereits die dritte Million über¬
schritten, und es ist zu erwarten, daß sich diese Zahl
in den kommenden Wochen noch um ein bedeutendes
erhöhen wird. Bietet doch Dresden im Sommer 1911
die seltene Gelegenheit für den Fremden, seinen Sommer¬
urlaub zu mäßigen Preisen in einer Großstadt zu ver¬
bringen, die ihm alle Bequemlichkeiten und alle Vorteile
eines vornehmen Kurortes gibt ohne die hohen Bade¬
ortspreise, und die ihm zugleich durch den Besuch der
Internationalen Hygiene-Ausstellung einen
wertvollen Gewinn für sein Leben bringt. M. H.
Aus dem Undosa-Wellenbad
Nr. 8 DEUTSCHLAND 381
Die deutsche Nordsee.
Von Paul Damm-Etienne.
Erst eine kurze Spanne Zeit ist ins Land gegangen,
seitdem die Wirtschaftspolitiker auch die den Fremden¬
verkehr belebenden Faktoren als wertschaffende Mo¬
mente anzusehen gewillt sind. Vorher war für die
Beurteilung der wirtschaftlichen Bedeutung eines Landes
lediglich der Umstand maßgebend, ob der Grund und
Boden einen landwirt¬
schaftlichen Ertrag lie¬
fert, ob Bergbau, In¬
dustrie und Handel ein
reichlichesEinkommen
schaffen.Daß aber auch
„abstrakte" wirtschaft¬
liche Werte geschaffen
werden können, die für
manche Gebiete ge¬
radezu von ausschlag¬
gebender Bedeutung
sind, wurde vielfach
nicht anerkannt. Ein
wirtschaftliches Gut
mußte eben gefühlt
und gesehen werden
können. Und doch hätten die tatsächlichen Verhält¬
nisse anders lehren müssen. Schon im Altertum gab
es Orte, die infolge ihrer klimatischen Vorzüge, durch
das Vorhandensein heilsamer Quellen und durch be¬
sondere Naturschönheiten das Reiseziel vieler kranker
und erholungsbedürftiger Personen waren. Im alten
Griechenland und Rom waren die Badereisen keine Un¬
wesens prägnant in die Erscheinung. Denn erst mit
der Verbilligung der Reisemöglichkeiten konnte der
Bade-, Erholungs- und Reiseverkehr einsetzen, wie er
sich heute in so bedeutendem Maße vor unseren Augen
abspielt. Ein Blick nach unseren deutschen Badeorten,
nach der Schweiz, nach Italien beweist zur Genüge, daß
Klima, Schönheit und
Kunst wertschaffende
Momente in der Form
derBelebung desReise-
verkehrs von nicht zu
unterschätzender Be¬
deutung sind. Viele
Hunderte Millionen
Mark werden jährlich
in Deutschlands Kur-
und Badeorten umge¬
setzt, Summen, welche
lediglich als Einkünfte
aus der Fremdenver¬
kehrsindustrie als die
Werte schaffende Ur¬
sache anzusehen sind.
So können demnach Gebiete, die vom Standpunkte der
Landwirtschaft, der Industrie und des Handels als arm zu
bezeichnen sind, reich sein, wenn sie durch Vorzüge der
Natur den Fremdenverkehr anzuziehen vermögen.
Die deutsche Nordsee, arm an Bodenschätzen,
an Industrie und Handel, und doch so reich! Reich, weil
sie so unendlich viel Gaben besitzt. Kranke und Erholungs-
Liegehallen der Nordsee-Kuranstalten Föhr-Südstrand
Borkum: Obere und untere Promenade mit Wandelhallen
gewöhnliche Erscheinung, freilich konnten nur reiche
Leute sich diesen immerhin nicht geringen Luxus
gestatten.
Daß Klima, Naturschönheiten und heilwirkende
Wässer wirtschaftlich von großer Bedeutung sein können,
trat erst mit der Entwicklung des modernen Verkehrs-
bedürflige zu kraftvollen Menschengestalten zu bilden.
Die alten Friesen, sie waren ehedem kühne See¬
fahrer, Walfischfänger, Handwerker zur See, weil ihr
Boden nicht reich genug war, das zum Leben Nötige
hervorzubringen. Und heute? Wenn auch viele noch
nach alter Ueberlieferung übers Meer gehen, nach der
382 DEUTSCHLAND Nr. 8
Neuen Welt, um drüben einer glückverheißenden Zukunft
entgegenzugehen, so sind doch viele schon boden¬
ständig geworden. Mag es sein, daß sie es unbehaglich
empfanden, daß, wie oft der Fall, die Frau im wohl¬
geborgenen Friesenhaus dem Gatten nur in Gedanken
nahe sein kann, der Mann fern vom eigenen Heim,
meist ungekannt von den Kindern, sein Brot in der
Fremde verdient. Gewiß, ganz ohne Einfluß mögen
diese Umstände nicht gewesen sein, aber das bewegende
Element war die Umgestaltung in den Erwerbsverhält¬
nissen. Die ehemaligen Seefahrer sind Industrielle
geworden. Ja, eine richtiggehende Industrie hat sich
auf der Nordsee entwickelt.
Es ist noch nicht so lange her, da kannte man
noch nicht das allgemeine Bedürfnis, den Körper
einmal im Jahr in die Reparaturwerkstätte zu schicken,
ihn aufzufrischen für neue Arbeit und Taten. Es war
nicht nötig; denn früher, als keine Großstädte Lärm,
Nervosität und Straßenstaub entwickelten, wo noch nicht
der hastende, das heutige Leben beherrschende Geist
die Gemüter unbehaglich aufrüttelte, da war auch das
Bedürfnis nach einer körperlichen Erholung recht gering.
Aber heute, wo Großstadt an Großstadt sich reiht, wo
Fabrikschlote fast in ununterbrochener Reihe die Lande
durchqueren, da bedarf der Körper einer periodischen
Auffrischung dort, wo Licht, Luft und Wasser ihre
heilsamen Kräfte in reichlichem Maße spenden.
Und wo wäre das mehr als am Meer! Diese Natur¬
kräfte, sie sind die Maschinen, mit deren Hilfe die Ver¬
edelung am menschlichen Körper vorgenommen wird.
Und so ist die Fremdenindustrie auch eingezogen
auf der deutschen Nordsee, weil gerade hier wie kaum
an einem zweiten Ort die naturheilwirkenden Bedin¬
gungen in so überaus reichem Maße vorhanden sind.
Helgoland, von der Düne aus gesehen
Die deutsche Nordsee, sie vermag mehr zu geben,
als meist bekannt. Sie bedeutet in ihrer Eigenschaft
als Riesenheilanstalt für Erholungsbedürftige einen der
kostbarsten nationalen Schätze. Und diese Bedeutung
muß der Staat zu würdigen wissen; denn in der Heran¬
ziehung gesunder Staatsbürger leistet das Meer unbe¬
zahlbare Dienste. Wenn manchmal der Binnenländer
es scheut, nicht nur während der Sommerzeit seinen
Aufenthalt an der Nordsee zu nehmen, dann trägt der
Name „Nordsee", der vielfach falsche Begriffe auslöst,
die Schuld. Westsee müßte sie heißen analog der Be¬
zeichnung Ostsee für die östlich von Schleswig-Holstein
gelegenen Gewässer. Und daß dies der richtige Aus¬
druck wäre, beweist, daß schon vor etlichen Jahrzehnten
Trudi
die Westsee der allgemeine Ausdruck war. Nordsee
wird so leicht zum nordischen, kalten Meer gestempelt,
und dem ist nicht so. Die Nordsee hat unter dem Ein¬
flüsse des Golfstromes, der die Wärme aus der äqua¬
torialen Gegend mit sich führt, und auf Grund der
Eigenschaft des Meeres als großer Wärme-Regulator
viel gleichmäßigere Temperaturen als das Binnenland.
Im Sommer ist es hier durchweg bedeutend kühler und
im Winter unvergleichlich wärmer
als im Binnenland. DieNordsee-
inseln sind im Winter die
wärmsten Orte Deutschlands.
Die „Westsee" ist daher hervor¬
ragend zu H e r b s t - u n d W i n t e r-
kuren geeignet. — Die Bedeutung
der Nordsee für den Erholungs¬
aufenthalt spiegelt sich am besten
in den Besuchsziffern wider. Nach
der am Schlüsse des Artikels folgen¬
den Verkehrsstatistik hat die Zahl
der Besucher sich in den letzten
zehn Jahren nahezu verdoppelt.
Wohl der beste Beweis, wie sehr die
Erkenntnis von der Heilkraft der See
in immer weitere Kreise dringt. Und
wenn die wirtschaftliche Bedeutung
der Nordsee-Fremdenindustrie an
dem erzielten Umsätze gemessen
werden soll, ergeben sich folgende
Zahlen bei einemdurchschnittlichen
Aufenthalt von 21 Tagen und einer täglichen Ausgabe von
10 Mark: Aufenthaltstage Umsatz in Mark
1900 .... 2223963 22239630
1905 .... 3318630 33186300
1910 .... 4051614 40516140
Die Ziffern sind aber in der Wirklichkeit sicher noch
Nr. 8 DEUTSCHLAND 383
größer, da einmal eine Reihe kleinerer Bäder unberück¬
sichtigt blieben und dann auch die durchschnittliche
Aufenthaltsdauer sehr gering angenommen wurde.
In einem Halbkreis gelagert, von der Grenze Hollands
bis zu Dänemarks Gestaden, bevölkern die deutschen
Nordseebäder das Meer. Getrennt durch die Mündung
der Elbe, bilden sie zwei Wirtschaftsgebiete, von denen
ein jedes infolge der Lage zum Hinterland
und der dahin führenden Eisenbahnlinien
sein eigenes Verkehrsgebiet besitzt.
Die ostfriesischen Bäder Borkum,
Juist, Norderney, Langeoog, Spie¬
keroog, Wangerooge und Cux¬
haven bilden die Reiseziele mehr
aus Hannover, Oldenburg,Rhein¬
land und Westfalen, während die
nordfriesischen Bäder Büsum,
Amrum,Wyk,Föhr-Südstrand und
Sylt von Kurgästen aus Schleswig-
Holstein, Hamburg, Brandenburg
und den benachbarten Gebieten
hauptsächlich besucht werden. Zwar
greifen diese beiden Verkehrsgebiete
infolge der verbesserten Verkehrsverhält
nisse und insbesondere auf Grund der von
den deutschen Großreedereien betriebenen
Nordseelinien allmählich ineinander über, aber sie bilden
doch immerhin heute noch für die Beurteilung des Be¬
sucherkontingents der Nordseebäder die Richtlinie.
Was vor allem die Nordsee so wertvoll für den
Erholungsaufenthalt macht, das ist die große Ver¬
schiedenartigkeit unter den Bädern. Jedes besitzt seine
besonderen Vorzüge, seinen eigenen Reiz. Die ost¬
friesischen Inseln zeichnen sich durch frische Wiesen
und Weiden aus.
NichtmitUnrecht . _
bezeichnet des¬
halb Borkum sich
als die „grüne
Insel". Die nord¬
friesischen Inseln
sehen ihren Stolz
in den herrlichen
Dünen, die Ge¬
birgszügen gleich
die Inseln be¬
grenzen. Wer sich
nach Unterhal¬
tung und Amüse¬
ment sehnt, wird
Borkum, Norder¬
ney oder Wester¬
land bevorzugen,
wer still und un¬
gestört von Tages
Last und Sorgen
sich erholen will,
dem wird haupt¬
sächlich Juist,
Wangerooge mit
seinenSchwester-
Inseln, Amrum
oder Föhr das willkommene Reiseziel sein. Wer die
tosende Brandung liebt, der wird auf Sylt sein Meeres¬
sehnen stillen, und wer die Vorzüge der ruhigeren See
zu schätzen weiß, der wird am Wattenmeer auf Föhr
seine Zelte bauen.
Soll die Nordsee eine Gesundungsstation sein, dann
muß auch der Tätigkeit des Arztes ein weites Arbeitsfeld
eingeräumt werden; denn jede Kur kann nur
dann von dauernder Wirkung sein, wenn
sie sich unter ärztlicher Leitung voll¬
zieht, die unrichtige Anwendungen
unter Berücksichtigung der indivi¬
duellen Veranlagungen vermeidet.
Mit der Nordseekur ist der Name
eines Mannes verknüpft, der zu
den Begründern und den tat¬
kräftigsten Förderern der Meeres¬
heilkunde zu rechnen ist. Der
Arzt Karl Gottfried Gmeli n, ein
geborener Württemberger, hat das
große Verdienst, in jahrelanger
Arbeit den Beweis für die hervor¬
ragenden Erfolge der Nordseekur an
erster Stelle erbracht zu haben. Seiner
Arbeit nicht zuletzt sind die steigenden Be-
süchsziffern zu danken, seiner ärztlichen Tätig¬
keit, daß die Nordsee als Jungbrunnen zum Gemeingut
der Nation geworden ist. Mit der zähen Energie, die
den Schwaben eigen ist, hat er seine Ideen auch als
Unternehmer verwirklicht. Unter seiner Leitung ist am
Südstrande von Föhr eine Gartenstadt, ein neues Seebad
erstanden. Wo vor 13 Jahren weder Strauch noch Haus
stand, da blicken heute freundliche Häuser drein, um¬
geben von Gärten und Wald. Inmitten dieser Kolonie
Westerland
Gehöft in Westerland
384 DEUTSCHLAND Nr. 8
liegt ein großes Sanatorium, das mit den dazugehörigen
Villen und Blockhäusern Hunderten von Erholungs¬
bedürftigen Aufnahme gewährt. Da das Nordseeklima
vor allem die Entwicklungsjahre des Menschen günstig
zu beeinflussen imstande ist, sind daselbst für Kinder
besonders ausgedehnte Einrichtungen vorgesehen. Um
es denselben gleichzeitig zu ermöglichen, neben der Kur
dem Schulunterricht obzuliegen, wurde das Nordsee-
Pädagogium geschaffen, an dem außer einem Professor
von Ruf 16 Oberlehrer die Erziehungstätigkeit ausüben.
Daß Gmelin für seine Gründungen gerade Föhr auser¬
wählte, hat seine guten Gründe. Keine andere Insel
besitzt ein derartig mildes Klima, das eine reiche Vege¬
tation erstehen ließ. Sie wird deshalb nicht mit Unrecht
die deutsche Insel Wight und die Riviera der Nordsee
genannt. Selbst im Winter
blühen die Rosen. Nicht
der Hochsommer, sondern
Frühjahr und Herbst bieten
die schönsten Tage, und
die Wintermonate sind
meist so warm, daß das
Liegen im Freien ermög¬
licht wird. Infolgedessen
ist der Betrieb das ganze
Jahrhindurch geöffnet,und
die Winterkuren gewinnen
von Jahr zu Jahr neue
Freunde in großer Zahl.
Wie aber jede für den
Fremdenverkehr geeignete
Gegend von den zu ihr
führenden Verkehrswegen
abhängig ist, so sind auch
die Nordseebäder begreiflicherweise in ihren Lebens¬
bedingungen festgekettet an Eisenbahn- und Schiffahrts¬
linien. Schienenstränge führen nach allen Ueberfahrts
plätzen. Im Sommer verkehren direkte Badezüge, und
auch im Winter läßt sich die Reise ohne jegliche Be¬
schwerden ausführen, da mehrere Schnellzüge im Tage
die Verbindung mit den Küstenplätzen aufrecht erhalten.
Den Seeverkehr von Hamburg und Bremen aus
beherrschen Hamburg-Amerika Linie und Norddeutscher
Lloyd. Beide Großreedereien haben in richtiger Er¬
kenntnis von der hervorragenden Bedeutung der Nord¬
see frühzeitig den Seebäderdienst aufgenommen und
damit die deutschen Nordseebäder, aber auch die ganze
Nation zu großem Danke verpflichtet. Unterstützt werden
die Großreedereien durch die Wattdampfschiffahrts¬
gesellschaften, die auf den von den Großreedereien
nicht befahrenen Strecken den Verkehr aufrecht erhalten.
Die Aktiengesellschaft „Ems" stellt die Verbindung des
Festlands mit Borkum und Norderney her, die Reederei
Esens—Langeoog verbindet die in ihrer Firma ent¬
haltenen Orte; die Sylter Dampfschiffahrtsgesellschaft
hält den Verkehr der Insel Sylt mit der Festlandsstation
Hoyerschleuse aufrecht, und die Wyker Dampfschiff¬
reederei verbindet Föhr und Amrum mit dem Festland
und seit kurzem direkt Sylt mit Föhr im Anschluß an die
Dampfer der Hamburg-Amerika Linie mit Hilfe des Motor¬
schiffes „Albert Ballin". Dieses Schiff, das mit Bolinder-
Rohöl-Motoren ausgestattet ist, bedeutet für die Nordsee¬
fahrt einen außergewöhnlichen Fortschritt. Die Schiffs¬
verbindungen zwischen dem Festland und den Inseln sind
nicht feststehende, jeden Tag zur selben Stunde ausführ¬
bare, sondern sie wechseln
beinahe täglich, weil in¬
folge der unregelmäßig ein¬
setzenden Flut und Ebbe
auch der Wasserstand, der
für die Schiffahrt ma߬
gebend, ein verschiedener
ist. Da das Motorschiff
jedoch nur einen Tiefgang
von etwa 60 Zentimeter
besitzt, kann es fast immer
unabhängig von Flut und
Ebbe verkehren. Seine
Einstellung bedeutet den
Uebergang zur regelmäßi¬
gen Linienfahrt im Watten¬
meer, und es ist zu hoffen,
daß dieser technische Fort¬
schritt bald in größerem
Maße Verwertung findet. — Sind so alle Voraussetzungen
gegeben, die für einen angenehmen Aufenthalt und für
gute Verbindungen bedingt werden, so bedarf es nur
noch der stets weiteren Verbreitung von der Heilkraft
der Nordsee, damit sie alle, die müd und abgespannt,
wissen, daß der Nordseestrand ihnen Gesundung ver¬
spricht. Sie sollen aber auch wissen, daß Herbst und
Winter gleich der übrigen Zeit für die Nordseekur
geeignet. Und damit ist vielen Kreisen, die während
des Sommers an die Arbeit gebunden, ein Dienst
erwiesen. Deutscher! Denke aber auch daran, daß
Deine Mitbürger auf den Inseln keine Kosten gescheut
haben. Dir den Aufenthalt so bequem wie möglich zu
gestalten, damit Du in der Lage bist, neue Kräfte an
der See zu sammeln; denke daran und zeige Deinen
Dank: Geh' an das deutsche Meer!
Dr. Gmelins Sanatorium a. Föhr: Pädagogium
Verkehrs-Statistik.
Jahr
Borkum
Juist
Norder¬
ney
Langeoog
Spieke¬
roog
Wange¬
rooge
Helgo¬
land
Cux¬
haven
Büsum
Amrum
Föhr
Wyk und
Südstrand
Sylt
Summe
1900
16 474
3 451
25 927
3 528
1337
3 545
18 763
10 260
2156
ca. 2000
4 823
13 639
105 903
1905
20439
5 001
37 874
4 890
1783
7 706
26707
20033
3 252
ca. 2300
5 893
22152
158030
1910
26386
7 003
42 590
5 361
1880
13 813
31 856
23100
5 298
2675
6788
26184
192 934
Sturm- und Spring-Flut am Nordstrande von Juist
386 DEUTSCHLAND Nr. 8
Nordseebad Juist
lieber den großen sanitären Wert der Seebäder ist
man sich heute allgemein klar. Der vom Hasten und
Jagen des modernen Erwerbs- und Berufslebens mit¬
genommene Großstädter weiß, daß er an der Meeres¬
küste die erwünschte Erholung findet, daß sich in der
reinen Seeluft, in dem ausgezeichneten Klima seine
abgespannten und überreizten Nerven am ehesten wieder
stärken, er weiß, daß dort seine frühere Leistungs¬
fähigkeit wieder zurückkehren wird, die ihn befähigt,
den schweren Kampf ums Dasein neuerdings und mit
größerem Erfolg aufzunehmen. Diese Erkenntnis hat
sich immer mehr Bahn gebrochen, und nach den neuesten
Forschungen, namentlich nach den umfassenden Unter¬
suchungen, die im Sommer 1909 durch die Professoren
Dr. A. Loewy, Dr. Franz Müller, Dr. W. Cronheim und
Dr. A. Bornstein*) in großem Maßstabe an der Nord¬
see angestellt worden sind, hat sich
der große Einfluß gezeigt, den See¬
klima und Seebäder auf den mensch¬
lichen Organismus ausüben, und wie
durch diese beiden Faktoren der
ganze Organismus angeregt, be¬
lebt und regeneriert wird. Deshalb
nimmt auch von Jahr zu Jahr der
Besuch der Seebäder und nament¬
lich der Nordseebäder zu, bei denen
im Vergleich zu anderen Bädern viel
intensiver diese beiden Heilfaktoren
ihre Wirkung äußern, und von diesen
wiederum haben besonderen Vor¬
zug diejenigen Bäder, die ihrer Lage
nach diese Wirkungen gehörig zur
Geltung kommen lassen.
In dieser Beziehung verdient
ganz besonders das Nordseebad
Juist hervorgehoben zu werden;
denn die Insel Juist, auf der der
Badeort gleichen Namens liegt, be¬
findet sich in der glücklichen Lage, weitab vom Fest¬
lande zu liegen (30 km) und bei der nicht unbeträcht¬
lichen Längenausdehnung von 17 km nur eine Breite
von 500—700 m aufzuweisen.
*) Einflufz des Seeklimas und der Seebäder auf den Menschen von
Prof. Dr. A. Loewy, Berlin. Verlag von A. Hirschwald.
Langeoog: Blick vom Kurhaus Hotel Falke auf den Strand
Nordseestrand von Juist
Nr. 8 DEUTSCHLAND 387
Infolgedessen zeigt Juist
auf das deutlichste den Cha¬
rakter des Seeklimas. Die
Luft ist rein und milde, wirkt
belebend und erfrischend.
Das Klima ist nicht plötz¬
lichen Temperatur-Schwan¬
kungen unterworfen. Fast
gleichmäßig bleibt die Tem¬
peratur, und weder macht
sich eine drückende Schwüle,
wie so oft auf dem Fest¬
lande, unangenehm bemerk¬
bar, noch sind die Abende
und Nächte kalt.
Hervorzuheben sind in
Juist die schönen Dünen¬
partien, die zu lohnenden
Spaziergängen einladen, die
eigenartige Flora, die Ge¬
legenheit zu Bootfahrten so¬
wie die Jagd auf Seehunde,
die auf den Sandbänken im
Wattenmeer sich aufhalten.
Hervorzuheben ist ferner der
herrliche Strand. Derselbe
ist in seiner ganzen Aus¬
dehnung gut zu begehen,
fest, feinsandig und frei von
spitzen Steinen, dabei jedoch
so durchlässig, daß er gleich
nach zurückgetretener Flut wieder gangbar ist. Aus
diesem Grunde können auf dem Strande, wo sich
immer ein frohes, bewegtes Leben abspielt, und im
Schutze der malerischen, hohen, steilen und mannigfaltig
gestalteten Dünenketten interessante Fußwanderungen
und Wagenfahrten unternommen werden, wie sich auch
Gelegenheit zu Spielen der
verschiedensten Art bietet.
Zur Ebbezeit sieht man Herren
und Damen Tennis, Croquet
und andere Bewegungsspiele
auf dem durch die Flut ge¬
härteten Strande spielen,
radeln, reiten oder fischen,
die Kinder dagegen finden
Lust daran, aus dem feinen
Sande Dämme aufzuwerfen,
an denen die Wellen ihre
zerstörende Kraft hinlänglich
beweisen.
Außer zu Seebädern ist auch
zu Luft- und Sonnenbädern
Gelegenheit geboten. Neben
dem getrennten Herren- und
Damenbad ist ein Familien¬
bad eingerichtet, um den
Eltern Gelegenheit zu geben,
mit den Kindern gemein¬
schaftlichzubaden. Daß diese
Einrichtung sehr viel Anklang
gefunden hat, beweist ent¬
schieden der Umstand, daß
gerade das Familienbad im
Vergleich zu dem getrennten
Herren- und Damenbad an
Frequenz unverhältnismäßig
stark zugenommen hat. Von
sonstigen Einrichtungen des Nordseebades Juist ver¬
dienen die vorzüglich eingerichtete Warmbadeanstalt,
eine Wasserleitung, die den Ort mit tadellosem Trink¬
wasser versorgt, Beachtung. Mit diesen Anlagen ent¬
spricht Juist allen Anforderungen, die an Kur- und
Badeorte ersten Ranges gestellt zu werden pflegen. Für
Langeoog; Kurhaus Hotel Falke
Altes Insulanerhaus im Nordseebade Juist
388 DEUTSCHLAND Nr. 8
Unterkunft und Verpflegung sorgen mehrere Hotels, Pen¬
sionen, sowie zahlreiche Privatwohnungen. Ein Prospekt,
der von der Badeverwaltung bereitwilligst und kostenlos
auf Anfordern eingesandt wird, gibt in dieser Beziehung
ausführliche Auskunft und ermöglicht es, daß ein jeder,
der die Absicht hat, Juist zu besuchen, schon daheim
an der Hand des Wohnungsverzeichnisses und des Lage¬
planes sich eine Woh¬
nung wählen und mit
den Vermietern in Ver¬
bindung treten kann.
Das Nordseebad Juist
genießt als ruhiges,
ländliches Bad, das
seinen einfachen deut¬
schen Charakter be¬
wahrt hat, einen Welt¬
ruf und wird dasselbe
durchweg von einem
vornehmen, guten Badepublikum besucht, das der Mehr¬
zahl nach aus alten Stammgästen sich zusammensetzt.
Die Verbindung von Juist mit dem Festlande, die
bisher infolge einiger Untiefen, die im Wattenmeer
passiert werden müssen, nur zur Zeit der Flut und bei
täglich wechselnden Fahrzeiten möglich war, hat eine
wesentliche Verbesserung erfahren durch die Neu¬
einführung der Dampferlinie Emden (Außen¬
hafen)— Juist, die, unabhängig von der Flut, die
Fahrten nach regelmäßigem Fahrplan ausführen kann.
Diese und die seit Jahren bestehende direkte und
kürzeste Dampferlinie zwischen Norddeich und Juist
sorgen für eine schnelle Ueberfahrt. Ohne Zweifel
wird diese Neuerung dem Badeorte neue Freunde
erwerben und von den
alten mit Freuden be¬
grüßt werden, denn
wer Je auf hoher Düne
in Juist die Sonne
in das rotglühende
und schäumende Meer
untersinken sah, dem
wird Juist unvergeßlich
bleiben. Wer es vor¬
ziehen sollte, mit der
Fahrt nach oder von
Juist aus entweder mit der Hin- oder Rückfahrt eine
lange Seereise zu verbinden, um Helgoland und die
beiden Welthandelshäfen Hamburg und Bremen oder
den Kriegshafen Wilhelmshaven kennen zu lernen, dem
ist durch die Linie des Norddeutschen Lloyd
oder der Hambu rg-Amerika Linie mit deren Salon¬
dampfern erwünschte Gelegenheit geboten.
Strand-Hotel Kurhaus Nordseebad Juist
Sol- und AVoorbad Bernburg*,
Erst seit dem Sommer 1Q02 ist die an der Saale
grünem Strande gelegene, vom Herzoglichen Schloß
überragte Stadt Bernburg in die Reihe der Solbäder
eingetreten, doch hat sie sich seitdem nicht nur als
Solbad behauptet, sondern auch eine der ersten, ja
der allerersten Stellen einzunehmen gewußt. Denn
wie aus den vergleichenden Analysen hervorgeht, außer¬
dem aber auch von vielen Patienten und Aerzten bezeugt
wird, steht die Bernburger Sole nicht nur an Salzgehalt,
sondern auch an Heilkraft mit an allererster Stelle, so
daß es kein Wunder zu nennen ist, wenn sich das
Solbad in glänzender Weise weiterentwickelt.
Die Badeanlage hat inzwischen eine große Erweite¬
rung erfahren, da der rege Verkehr die Neueinrichtung
einer Anzahl von Sol- und Moorbadezellen und eines
elektrischen Lichtbades notwendig machte. Im Bade¬
hause kommen zur Verabreichung: Wasserbäder, Brause¬
bäder in allen Formen, Solbäder, Malzbäder, Fichten¬
nadelbäder, Kohlensäurebäder, kohlensaure Bäder,
Dampf- und Heißluftbäder, elektrische Lichtbäder und
Moorbäder, außerdem aber auch Inhalationen von Sole
oder sonst verordneten Medikamenten.
Das eigentliche Solbadehaus besitzt eine Reihe von
Wannen- und Brausebädern, und zwar sind die Zellen
auf das vornehmste eingerichtet und mit elektrischer
Beleuchtung und Dampfheizung versehen, im übrigen
aber entspricht die ganze Einrichtung in jeder Hinsicht
allen Anforderungen der Hygiene und des Komforts.
Näheres über die Einrichtung, über Kurmittel und Heil¬
anzeigen enthält der Bade-Prospekt, den die städtische
Kurverwaltung Interessenten bereitwilligst und kostenlos
zusendet. An dieser Stelle sei jedoch noch erwähnt.
Bernburg: Städtisches Kurhaus
Bernburg: Villenviertel für Kurgäste, gegenüber dem Kurhaus
Nr. 8 DEUTSCHLAND 389
daß das Sol- und Moorbad Bernburg während des ganzen
Jahres — also auch im Winter — geöffnet und jetzt
besonders von Gicht- und Rheumatismuskranken lebhaft
besucht ist, die hier sämtlich wesentliche Besserung,
in vielen Fällen auch gänzliche Genesung finden.
Bernburg ist eine schöne, auch landschaftlich reizend
gelegene Stadt mit sauberen, fast durchweg mit hoch¬
gewachsenen Bäumen gezierten Straßen, großen Plätzen,
herrlichen Anlagen und zahlreichen in geschmackvollem
Villenstile gebauten Häusern. Die Lebensverhältnisse
sind billig, so daß sich Bernburg besonders auch für
dauernden Aufenthalt und Ansiedlung eignet. Kurgäste
finden zum Teil Unterkunft im Kurhause selbst, dessen
Logierzimmer mit ausgesuchtem Geschmack ausge¬
stattet sind, außerdem aber ist für sonstige Unter¬
kunftsgelegenheiten bestens gesorgt, wie auch an
Unterhaltung, reizenden Spaziergängen und Ausflügen
kein Mangel ist. Eine Kurtaxe wird nicht erhoben.
(Nachdruck verboten.)
Die Lüneburger Heide.
Ein Gesamtbild von Albert Schmidt, Hamburg. — Mit Aufnahmen vom Naturschutzpark*) in der Lüneburger Heide.
Durch dreierlei zeichnet sich die Lüneburger Heide aus:
erstens durch eine Reihe springlebendiger Flüßchen, zweitens
durch unendlich große Strecken Waldes und drittens durch
die unermeßlich schöne Heide selbst. Zwischen allem aber
haben sich noch lebenslustige und von blühender Gesundheit
strotzende Städte und Dörfer ausgebreitet und der ganzen
Gegend mit zu Dutzenden von farbenfrohen Bildern verhelfen.
Nirgends haben diese sich auch eindrucksvoller entwickeln
können. Keine Großstadt, kein weitmaschiges Eisenbahnnetz,
keine übermäßig große
Industrie hat bis auf den
heutigen Tag das Idyll
zerstören können, das wir
in der Heide besitzen.
Was uns Nord¬
deutschen die Heide vor
allem sehr angenehm
macht, das sind ihre Wal¬
dungen, die sich anmutig
durch sie hinziehen und
stets zu freundlicher Ein¬
kehr laden. Wir stoßen
in der Nähe von Ham¬
burg zuerst auf die Haake
und Emme, die eine zu¬
sammenhängende Wal¬
dung bilden. Sie gehören
zum Forstrevier „Die
schwarzen Berge" und
leiten, wie auch bekannt
sein wird, ohne Unterbrechung zum Rosengarten über. Man
kann also, wenn man in Hausbruch den Bahnhof verlassen hat
und dann zur Höhe des Bergpavillons hinaufgestiegen ist, ohne
den Fuß aus dem Walde heraussetzen zu brauchen, stunden¬
lang, ja tagelang im Walde herumspazieren und sich des
längeren an einem schönen Buchen- und Eichenbestande
ergötzen. Weiter bietet sich vom Höhenzuge hier und da
Gelegenheit, interessante Ausblicke zu halten auf das vor¬
liegende platte Land und auf das jenseitige Elbufer. An
interessanten Punkten bieten Haake und Emme u. a.: den
Reiher Berg, die majestätische Aussicht, den Vereinsweg,
den Kaiserstuhl und die dicke Buche.
Der Forst Rosengarten, der in seiner Art wohl der Haake
und Emme gleicht, sonst aber durch seinen herrlichen Wald¬
bestand imponiert, birgt an Sehenswürdigkeiten den rühmlichst
bekannten Karlstein und die Karlsquelle.
Während in der Haake, Emme und im Rosengarten an
der Hand verschiedener Wegweiser auch die ortsunkundigen
Wanderer größere oder kleinere Ausflüge unternehmen können,
ist der an den Rosengarten grenzende Stuvenwald (wenn man
nicht die den ganzen Wald der Länge nach durchquerende
Hauptschneise benutzen will) schon schwieriger zu bewundern.
Je weiter man sich nun in die Heide verliert, desto
prächtiger werden die Waldungen. Und desto massiger hebt
sich auch der Komplex von der Gegend ab. Aber trotz des
Massigen machen sich nirgends reizlose und uninteressante
Partien bemerkbar. Ueberall, wohin man nur zu schauen vermag
wird das Auge grenzenlos gefesselt durch die Eigenarten der
Gegend. So bietet — um nur zwei vollwertige Beispiele aus
der Menge der vorzüg¬
lichen Aussichtspunkte
der näheren Umgegend
zu nennen — der Flidder-
berg in den Lohbergen
und der Brunsberg in der
Suerhopheide weite Aus¬
sicht auf die umliegende
Landschaft, namentlich
aber gewinnt man bereits
dort Bilder von cha¬
rakteristischen Heide¬
flächen. Bevor nun der
Fuß die eigentliche Lüne¬
burger Heide berührt,
stößt er noch auf eine
Anzahl kleinerer Wal¬
dungen, wie den Sünder,
den Kleckerwald, den
Buchwedel und die Loh¬
berge. Alle vier tragen
einen klangvollen Namen und sind in hiesigen Wanderkreisen
als Ausflugsorte sehr beliebt. Der Sünder und die Lohberge
sind sehr bergig. Sie bieten dadurch viel des Sehenswerten.
Täler und Höhen, dazwischen Schluchten, wechseln beständig.
Und zu alledem bieten die Lohberge an der Westseite noch
einen Hochwald, wie er schöner und romantischer selbst nicht im
Gebirge auftreten kann, und ein Wässerchen, den Büsenbach,
wie es meines Erachtens reizvoller in der ganzen Lüneburger
Heide nicht wieder auftritt. Der Kleckerwald, der, was Wald¬
schönheit anbelangt, bei weitem nicht an den Sünder und die
Lohberge heranreicht, ist zwar auch hoch gelegen, doch tritt
die hohe Lage weniger scharf hervor. Dem aufmerksamen Be¬
obachter wird es auffallen, daß an einigen Stellen das Terrain
nach der Seite zu gering abfällt und so leichte Abhänge gebildet
werden, die an den Ufern der Seeve enden. In dem Baum¬
bestände des Kleckerwaldes ist das Nadelholz vorherrschend,
doch treten hier und da auch herrliche Buchen mit in den
Vordergrund des Interesses. Den Hauptanziehungspunkt des
Kleckerwaldes bilden natürlich die Hünengräber. Das dort-
selbst sich im Jagen 22 befindende größere Hünengrab ist
rv •
Lüneburger Heide: Wilsede
•) Die schönsten Teile der urwüchsigen Lüneburger Heide sind bekanntlich durch die Initiative des Vereins Naturschutzpark in Stuttgart,
Pfizerstralze 5, ferner durch die reichlich zur Veriügung gestellten Mittel der preufzischen Regierung, der Stadt Hamburg usw., sowie durch
die Unterstützung verschiedener Privatpersonen dadurch vor dem Untergang gerettet worden, dalz man sie zum ersten Naturschutzpark in
Deutschland auserwählte. Wer dieses großzügige Werk noch unterstützen möchte, der wende sich mit Anfragen umgehend an obigen verein.
390 DEUTSCHLAND Nr. 8
das älteste seiner
Art und jetzt wohl
annähernd 4000
Jahre alt. Es be¬
steht heute noch
aus 7 3 erratischen
Blöcken, die einen
mächtigen etwa
40 Meter langen
Steinkreis bilden.
Zwei geöffnete
Grab Kammern
sind es nament**
lieh, die dem Be¬
sucher sofort in
die Augen fallen
und ein beredtes
Zeugnis ablegen
für vorgeschicht¬
liche Begräbnisse
mächtigerFürsten.
Das zweiteHünen-
grab findet sich
im Jagen 13 vor.
Auch hier wird es
durch einen Kreis
von Granitblöcken
gebildet; jedoch
steht es an Schön¬
heit und Größe
weit hinter jenem
zurück.
Der Buchwedel
in der Nähe von
Stelle, ungefähr
250 Hektar groß,
zeichnet sich auf
seinem Höhen -
rücken durch einen
mächtigenBestand
an schönen hoch-
stämmigenBuchen
aus, während die
sanften Abhänge
von Föhren geziert
werden. Sonst ist
der Buchwedel weniger berühmt. Sein Nachbar, der Forst
Pattensener Dieke, drei Kilometer südlicher gelegen, der aber
in einem Atemzuge mit dem Buchwedel genannt werden darf,
macht durch eine große und sehenswerte Reiherkolonie sehr
viel von sich reden. Auf Wälder von sehr großem Umfange
stoßen wir dann noch zwischen den Bahnkörpern Lüneburg —
Buchholz und Uelzen — Soltau. Wer die Waldpracht der Lüne¬
burger Heide nicht kennt, der wird sicher über sie erstaunt
sein. Beispiele markanter Art bieten schon der Garlstorfer,
Hanstedter und Toppenstedter Wald, von denen der erstere
wohl der größere und zugleich der schönste ist. Die drei
Waldungen sind von den Stationen der neueröffneten Heide¬
bahn Winsen—Hutzel sehr leicht und bequem zu erreichen.
Nadel- und Laubholz wechseln beständig in ihnen ab und
bieten teilweise in Verbindung mit einer guten Forstkultur
Bilder von bezaubernder Schönheit. Einer Zaubersladt gleicht
beispielsweise der kleine Ort Hanstedt, der, umgeben von den
eben genannten Wäldern, anmutig daliegt und neuerdings wie
Müden sehr oft von Malern zu Studienzwecken aufgesucht
wird. In der Umgegend von Hanstedt reizen der Höllenberg,
der Moorkuhlenberg, die Farenkuhle und die Harfentanne in
den Olserkuhlen zu Ausflügen.
Von ungefähr
gleichemUmfange
wie der Garlstorfer
Forst ist die unweit
Munster sich aus¬
dehnende Raub¬
kammer, welche
im Laufe der Zeit
ein sehr beliebter
Ausflugsort der
Heide geworden
ist, weil sie auch
zu den bedeutend¬
sten und umfang¬
reichsten Nadel¬
holz - Waldungen
imLüneburgischen
gehört. Man kann
stundenlang in
der langausge -
streckten Föhren-
Waldung umher¬
wandern, ohne
jemals fürchten
zu müssen, dem
Rande der Raub¬
kammer zu nahe
zu kommen. Men¬
schen trifft man
auf Streifereien
dort fast nie. Nur
Raubwild, oft so¬
gar in größeren
Trupps,kreuzt,auf-
gescheucht durch
das Sprechen und
Singen der Wan¬
derer, scheu die
Wege.
Sehr hübsch in
der Raubkammer
gelegen ist die Be¬
sitzung Lopau, die
durch herrliche
Fischteiche und
namhafte Fisch-
züchtereien und durch die von dort aus unternommenen Auf¬
forstungen mittels moderner Maschinen sehr interessant wird.
Noch einige Schritte sind wir gezwungen weiter landein¬
wärts zu machen, um zum Unterlüß und Breitenhees zu gelangen.
Beide Waldungen liegen ziemlich nahe der Grenze der
Lüneburger Heide im Süden, sind jedoch wiederum durch die
Station Unterlüß sehr leicht zu erreichen. Während über
den Breitenhees Bemerkenswertes nicht zu sagen ist, ist der
Unterlüß durch den im Innern (Jagen 3496, 342a und 335a)
sich erstreckendenUrwald in Wanderkreisen bekannt geworden.
Sehenswert ist auch die Wetterfichte im Jagen 342a.
Die letzte größere Waldung der Lüneburger Heide, die
nun noch ihrer Erwähnung harrt, ist die Göhrde an der Bahn¬
station selbigen Namens. Die Göhrde ist berühmt geworden
durch unsern Kaiser, der in jedem zweiten Jahr zur Jagd
hierher kommt und sich dann auch regelmäßig einige Tage
dortselbst aufhält. Das Jagdschloß liegt von der Station
Göhrde nur etwa 5 Minuten entfernt, bietet aber, was die
Einrichtung anbelangt, nichts besonders Auffallendes. Der
Königliche Forst Göhrde, der des Wildreichtums wegen rings
von einem Wildgatter umgeben ist, ist etwa TO Kilometer
lang und an verschiedenen Stellen wohl an 7 Kilometer breit.
Heide im Herbst: Hoher Wacholder mit Blick auf den Wilseder Berg
(Photograph Kofahl)
Nr. 8 DEUTSCHLAND 391
Am meisten vertreten sind die Wildschweine und das Rot¬
wild. Körungsplätze befinden sich an verschiedenen Stellen
der Waldung*. Der Baumbestand der Göhrde setzt sich
zumeist aus prächtig-en alten Eichen, Föhren und Birken
zusammen. Infolge der verschiedenen Baumgattungen bietet
denn auch die Göhrde durchweg reizvolle Waldbilder, wenn
auch hier und da sich leider die moderne Waldkultur durch
parkartige Anlagen störend bemerkbar macht. Wie die
Göhrde selbst, so ist auch ihre Umgegend reich an male¬
rischen Punkten; u. a. ladet das Bad Hitzacker erholungs¬
bedürftige Personen zur Einkehr und zu längerer Rast ein.
Außer den aufgezählten Waldungen birgt die Lüneburger
Heide noch eine Menge kleinerer Waldungen, die zwar
sämtlich auf diesen oder jenen Wanderungen gestreift werden
müssen, die aber durch ihre weniger hervortretende Größe
und ihre nichts Besonderes bietende Bodenbeschaffenheit und
Waldschönheit nicht von sich reden machen, also hier nur
der Vollständigkeit halber erwähnt zu werden brauchen. So
finden wir bei Radbruch noch den Radbrucher Forst, den
Forst Langeloh bei Wintermoor, die kleine, rings von Heide
umgebene Waldung Tobs bei Schierhorn, den Wisselforst
bei Bomlitz, unweit Fallingborstel, den Süsing bei Bevensen usw.
Betont werden muß hier aber doch, daß selbstverständlich
auch die letztgenannten Waldungen des Aufsuchens wert sind
und Freunden unserer niedersächsischen Waldungen nur warm
empfohlen werden können.
Mehr noch als durch die Waldungen besticht natürlich
die Lüneburger Heide durch sich selbst. Wer sie namentlich
zur Blütezeit aufsucht, dem wird sich ein stimmungsvolles
Landschaftsbild bieten, wie es keine andere Gegend unseres
Vaterlandes auch wohl nur annähernd aufzuweisen hat.
Weithin dehnt sich zur Blütezeit das rosenrote Heidemeer.
Und gleichsam aus seinen Fluten steigen der Wacholder,
Birken und Kiefern viel. Wohin man schaut, atmet die
Gegend Ruhe und schenkt sie uns Erholung. Kein Geringerer
Lüneburger Heide: Fallingborstel
als unser unlängst verstorbener Detlev von Liliencron hat
dieses auch rückhaltslos anerkannt. Er singt:
Tiefeinsamkeit, es schlingt um deine Pforte
Die Erika das rote Band.
Von Menschen leer, was braucht es noch der Worte,
Sei mir gegrüßt, du stilles Landl
Aber auch während der übrigen Jahreszeit ist die Lüne¬
burger Heide eine Landschaft von eigenartigem Reiz. Ohne
daß übermäßig viel Reklame für sie gemacht zu werden
braucht, wächst der Strom von Fremden, der sich an Sonn¬
tagen sowohl als auch an Wochentagen nach ihr ergießt,
von Jahr zu Jahr ins Unermeßliche.
Wir teilen heute im allgemeinen die Lüneburger Heide
in drei große Gebiete ein, und zwar: in die Ost-, die Zentral-
und in die Südheide. Vergessen darf man bei dieser Ein¬
teilung jedoch nicht, daß diese Heidedistrikte noch von
kleineren, weniger in die Augen stechenden Heideflächen
begrenzt werden. Wir Hamburger suchen z. B. die nörd¬
lichen Grenzdistrikte der Lüneburger Heide, die Neugrabener
und Fischlaker Heide, auf, weil sie uns am gelegentlichsten
liegen und von den Bahnhöfen Neugraben und Hausbruch in
nur wenigen Minuten zu erreichen sind. Die Neugrabener
Heide besitzt in dem Falkenberge eine reizvolle Unter¬
brechung und gewährt im übrigen noch durch den welligen
Boden angenehme Bilder. Weitere großartige Fernblicke
gewähren der Schein- und Bredenberg. Vermöge ihrer Höhe
ist man in der Lage, das jenseitige Elbufer von Nienstedten
bis Schulau und nach rechts hinüber bis auf das Häusermeer
von Hamburg und Altona bloßen Auges zu schauen. Welch
ein herrliches Panorama sich einem dort bietet, läßt sich
kaum beschreiben.
Alles in allem entwickeln schon die Neugrabener und
Fischlaker Heide trotz ihrer geringen Ausdehnung recht an¬
schauliche Heidebilder, die, was betont werden muß,
selbst von der zwischen Lüneburg und der Göhrde sich
erstreckenden Ostheide an Naturschönheit nicht übertroffen
werden. Sonst ist aber die letztere bedeutend größer und
bietet auch be-
’ deutend mehr Ab¬
wechslung als jene.
Lüneburg mit den
vielen altertüm¬
lichen Bauten, die
Göhrde mit ihren
prachtvollen Wal¬
dungen und ihrem
reichen Wildbe¬
stand, das als Kur¬
ort sehr zu empfeh-
lendeHitzacker, das
romantisch schöne
Kloster Medingen,
die für Lüneburg so
wertvolle Illmenau,
alle tragen sie ihren
Teil dazu bei, den
Wert der Ostheide
insgesamt zu er¬
höhen. Dennoch
muß hier gesagt
werden, daß die
Ostheide viel von
ihrem früherenCha-
rakter verloren hat,
wozu namentlich
die überaus gün¬
stige Lage an der
Haupt-Bahnstrecke
392 DEUTSCHLAND Nr. 8
Hamburg—Hannover und die Nähe der Elbe viel beigetragen
haben, so daß sich nach und nach eine lebhafte Industrie
und ein rühriger Handel hat breit machen können und noch
heute die Bevölkerung stets zu neuem Fleiß anspornt.
Was die Ostheide an ihrem Charakter durch Handel und
Industrie verloren hat, das hat die charakteristische Zentral¬
heide durch die vielen in den letzten Jahren Hals über Kopf
betriebenen Aufforstungen eingebüßt. Ueberall machen sich
bereits die Neuaufforstungen schädigend breit und versuchen,
der Zentralheide auch noch das letzte bißchen von ihrer
ernsten Eigenart zu nehmen. Ein Bild von berückender
Schönheit bietet sie denn auch nur noch in der Gegend von
Berg jederzeit umgibt. Hier ist eine jener Stätten, von
der Benzmann so schön sagt: „Hier bin ich Mensch, hier
darf ich's sein."^ Und wer dann noch den Berg und den
Totengrund im Lichte des Mondes gesehen hat, der wird
begreifen, daß man bei solchen Punkten sich länger als
gewöhnlich aufhält.
Auch den Vorteil hat die Zentral- der Ostheide voraus:
sie ist waldreicher. Der Garlstorfer, Hanstedter, Toppenstedter
Wald, bei Munster die Raubkammer, sind prächtige Stätten
echter Waldeinsamkeit. Die Landes - Versicherungsanstalt
Hannover hat sich diese zunutze gemacht, indem sie für ihre
Rechnung in der Nähe des Klosterforstes Lüneburg ein Heim
Lüneburger Heide; Schnuckenheerde auf der Hatung,
bestanden mit selbstangesamten Föhren, Tannen, Wacholder
Wilsede. Hier entfaltet sie gleichsam zur letzten, entschei¬
denden Abwehr gegen die heranziehende Forstkultur all ihre
Kraft. Der Totengrund zur Blütezeit gleicht einer großen
Vase, angefüllt mit einem Strauß herrlicher, rosenrote Blüten
tragenden Blumen. Wer sich durch das immense Blumenmeer
hindurchwindet und seine Augen sich weiden läßt an dem
Herz und Gemüt erquickenden Bild, der wird den Totengrund
Zeit seines Lebens lieb gewinnen müssen. In allernächster
Nähe des Totengrundes, jenseits Wilsede, wächst auch der
Wilseder Berg aus dem Erdboden heraus, um gleichsam treue
Wacht zu halten über seine Mutter, die Zentralheide. Die
Fernsicht des Berges ist über alles Lob erhaben. Sie reicht
bei gutem, klarem Wetter bis zum Harz. Viele wollen sogar
schon den Brocken aus dem Bergmeer des Harzes heraus¬
ragen gesehen haben. Was unter allen Umständen auch
noch sehr zu loben ist, das ist die lautlose Stille, die den
(Photograph Kofahl)
hat erbauen lassen, um Rekonvaleszenten wieder zu ihrer
vollen Gesundheit zu verhelfen. Der Hauptort der Zentral¬
heide ist Bispingen. Dieser Ort hat sich vornehmlich durch
die zunehmende Wanderlust der Großstädter und durch die
Entwickelung zum Kurort einen Namen erworben. Doch ist
auch die Umgegend von Bispingen infolge der mannigfachen
Heide- und Waldbilder überaus geschätzt. Noch schöner als
das Dorf Bispingen liegen meines Erachtens die Bockumer
Mühle und das romantische Gut Lopau.
Der letzte Teil unserer Schilderungen umfaßt die Südheide
unterhalb der Bahnlinie Uelzen—Langwedel. Diese übertrifft,
was malerische Gegenden, was Wald und Heide anbetrifft,
die geschilderten Rivalen noch um ein beträchtliches. Wer
die Böhmische Schweiz an der Lieth, das prächtige Müden,
das kirchenreiche Hermannsburg, die malerischen Gegenden
bei Lutterloh, den wunderbaren Forst Stuk, den 150 Meter
Nr. 8 DEUTSCHLAND 393
hohen Falkenberg, wer weiter die romantisch schönen Täler
der Oertze, Böhme und Aller in der Südheide nicht gesehen
hat, der kann sich überhaupt keinen Begriff von dem machen,
was Heideschönheit bedeutet.
Die Heidelandschaft bei den „Sieben Steinhaufen" ist die
markanteste, die ich je in meinem Leben gesehen habe und
überhaupt wohl sehen werde. Gleich einer Schlange windet
sich der Weg zu ihnen durch düsteres, halbmannshohes
Heidekraut und den hier üppig wachsenden Ginster. Hier und
da gesellen sich zu Heidekraut und Ginster die in der Heide
nie fehlenden, prächtig
gedeihenden Wacholder.
Zur Blütezeit läßt sich
das Bild, welches die
Südheide gerade hier
bietet, nicht im entfern¬
testen beschreiben Dann
singt sie ein schlichtes
Lied voll echter Harmonie
und zu Herzen gehender
Töne. Nirgends wieder
habe ich die Heide so
warm und begeisterungs¬
voll singen hören.
Unvergeßlich bleibt
mir auch der Anblick
der „Sieben Steinhaufen".
Das größte Grabdenkmal,
das wir aus vorgeschicht¬
licher Zeit in Deutsch¬
land besitzen. Fünf Stein¬
haufen zieren noch heute
den Platz. Der größte
von ihnen — von geradezu
imponierender Gestalt I —
hat eine Länge von etwa
5 Metern und eine Breite
von 4 V 2 Metern. Die
übrigen sind ein ganz
Teil kleiner, aber auch
noch von ziemlich gros¬
sem Umfange. Von den
,Sieben Steinhaufen" kann
man dann endlich in
reichlich 4 Stunden beim
Falkenberge (mit dem
Sanatorium Achterberg)
anlangen, von dessen Um¬
gegend Dr. R. Linde, der
treffliche Heideschilderer,
so schön sagt: „Die Landschaft zwischen Manhorn und dem
Falkenberge gehört zu dem eigenartigsten, was die Heide
überhaupt bietet. Eine solche Wacholderwildnis gibt es so
leicht nicht wieder. In langen Wänden, dicht aneinander
geschmiegt, sind sie aufgewuchert, beschnittenen Taxushecken
vergleichbar. Ueber der purpurnen Heide mit ihrem grau¬
grünen Anflugwald hebt sich ein Berg des Südens in schöner
Linienführung lichtblau ab, der Falkenberg (150 Meter). Und
da jeder Maßstab fehlt, so scheint er weit mächtiger als er
ist, wie ein fernes, hohes Gebirge."
Die Schönheit Hermannsburgs und Müdens — beides Glanz¬
orte der Südheide — habe ich bereits erwähnt. Müden ist eine
aufblühende Malerkolonie und im Laufe der Zeit wohl im¬
stande, Worpswede erfolgreich zu schlagen. Die Umgegend von
Müden bietet den Malern
nämlich auch — genau
so wie die von Worps¬
wede — Bilder von wahr¬
haft üppiger Pracht. Her¬
mannsburg hat sich dahin¬
gegen durch Missions¬
arbeit in allen Teilen der
Erde einen ruhmvollen
Namen gemacht. Einige
Worte seien hier auch
noch über die Umgegend
von Fallingborstel, die
„Lieth", genannt: „Die
Böhmische Schweiz", er¬
laubt. Sie liegt unmittel¬
bar bei Fallingborstel und
besteht aus einer grös¬
seren Buchenwaldung, die
das saftige Wiesental auf
der Höhe umschlingt.
Diese bewachsenen Ab¬
hänge, Gruppen von
Laub- und Nadelholz,
umsäumen in wirksamer
Weise die Böhme selbst.
Der Höhepunkt, zugleich
aber der schönste Aus¬
sichtspunkt der ganzen
Gegend, ist die „Belle¬
vue". Ein Panorama von
überwältigender Schön¬
heit bietet sich hier dem
Wanderer, das schönste,
meines Erachtens, in der
ganzen Lüneburger Heide.
* ♦
*
So bietet denn die Lüne¬
burger Heide, wohin man
auch seine Schritte lenkt
oder seine Blicke wendet, in den Wald oder in die Heide,
Bilder von üppigem, landschaftlichem Reiz, die das einmal
geprägte Wort: „Die Lüneburger Heide sei der beste Natur¬
schutzpark Deutschlands" nur zu wahr erscheinen lassen.
Lüneburger Heide: Weg zum Wilseder Berg (von Witthöfts
Wirtschaft zur Berghöhe)
Was soll und will der Verein Naturschutzpark?*^
Wer offenen Auges um sich schaut, wird sich der schmerz¬
lichen Erkenntnis nicht verschließen können, daß gerade das
gepriesene Zeitalter der Naturwissenschaften die Natur ver¬
unstaltet und entvölkert hat, wie kein vorhergegangenes es
getan. Unfraglich ist ja unsere moderne Wirtschaft, die jeden
Zollbreit Boden sich dienstbar zu machen sucht, der größte
Feind der natürlichen Lebewelt. Dazu kommt dann die immer
weiter sich ausdehnende Industrie mit ihren verheerenden
Wirkungen, ihrem betäubenden Lärm, ihren giftigen Gasen
und Abwässern. Selbstredend wäre es unsinnig zu verlangen,
der Mensch solle seine Kultur zurückschrauben und unsere
Landwirtschaft, unsere Industrie sollten Stillstehen, der Tier-
*) Durch geringe Höhe des Jahresbeitrages (mindestens Mk. 2.—; zur Erlangung 1 ebenslänglicher Mitglied¬
schaft einmalige Zahlung von mindestens Mk. 100.—) ist es auch dem Minderbemittelten möglich gemacht, bequem sein
Scherflein beizusteuern zur raschen Durchführung des gemeinnützigen Unternehmens. Die Geschäftsstelle des Vereins Natur¬
schutzpark in Stuttgart, Pfizerstr. 5, versendet auf Wunsch Werbematerial, darunter eine anziehende, reich illustrierte Schrift
„Naturschutzparke in Deutschland und Oesterreich" (Preis Mk. 1.—), erteilt Auskünfte und nimmt Beiträge entgegen.
394 DEUTSCHLAND Nr. 8
und Pflanzenwelt zuliebe. Um so mehr aber erwächst uns
auf der anderen Seite die heilige Pflicht, das harmonische
Ganze in der Natur zu bewahren, soweit es sich irgend mit
den Interessen jener Kultur verträgt, und wenigstens bestimmte
Teile des heimatlichen Bodens mit allem, was er trägt und
hegt an Tieren und Pflanzen, in ihrem landschaftlichen
Charakter unversehrt zu erhalten, um sie unseren Kindern und
Enkeln als köstliches Erbe zu hinterlassen.
Um diesen Gedanken durch die Schaffungvon Natur-
schutzparken*) in Deutschland und Oesterreich
weisen die zahllosen begeisterten Zuschriften, die auf jenen
Aufruf hin eingelaufen sind, und noch immer einlaufen, selbst
von Stammesgenossen aus Nord- und Südamerika, aus Ost-
und Westafrika, aus dem Orient und aus Ostasien. Gerade
der im Auslande lebende Deutsche weiß ja am ehesten die
Schönheit unserer heimischen Natur, die Wunder unseres
herrlichen Waldes zu schätzen und zu würdigen, weil er sie
eben schmerzlich entbehren muß.
Daß es unerläßlich sei, für die praktische Durchführung-
jenes großen Planes eine eigene, unabhängige Or-
Quellteich in der Lüneburger Heide (Photograph Kofahl)
zu verwirklichen, wandte sich die Kosmos-Vereinigung in Stutt¬
gart, gemeinsam mit dem „Dürerbund" und dem „Oesterr.
Reichsbund für Vogelkunde und Vogelschutz, Wien", unter¬
stützt durch eine lange Reihe klangvoller Namen, mit einem
Aufrufe an alle Naturfreunde. Soll die Naturschutzbewegung
nachhaltige Erfolge zeitigen, dann muß sie vor allem eine
vaterländische, volkstümliche Bewegung werden. Daß die
Idee der Schaffung von Naturschutzparken aber in der deut¬
schen Volksseele allenthalben freudigen Widerhall findet, be-
*) Der erste deutsche Naturschutzpark ist bereits in der
Lüneburger Heide entstanden und zu seinem größten Teile auch
schon Eigentum des Vereins „Naturschutzpark" in Stuttgart.
ganisation zu schaffen, stand außer allem Zweifel, und
zu diesem Behufe wurde nach eifriger, in der Stille ge¬
förderter Vorarbeit für den 23. Oktober 1909 eine Zu¬
sammenkunft Gleichgesinnter in München anberaumt. Das
Ergebnis der Sitzung, die zweifellos einen Markstein in der
Geschichte der deutschen Naturschutzbewegung bilden wird,
war die Gründung des Vereins „Naturschutzpark", als
dessen Sitz Stuttgart gewählt wurde. Derselbe hat in
Deutschland die Rechte einer juristischen Person erworben,
doch soll der gemeinsame deutsch-österreichische
Charakter des Unternehmens allzeit betont und fest¬
gehalten werden.
Nr. 8 DEUTSCHLAND 395
Schloß Wernigerode im Harz
In dem idyllisch gelegenen Harzstädtchen Wernigerode tagt am 9. und 10. September die Hauptversammlung des
Mitteldeutschen Verkehrs-Verbandes, dem auch der Harzer Verkehrs-Verband als rühriges Mitglied angehört.
Auf der Tagesordnung der diesjährigen Mitglieder-Versammlung stehen interessante Beratungs-Gegenstände.
(Vergl. auch den Artikel auf Seite 400 des wirtschaftlichen Teiles in der vorliegenden Nummer.)
396 DEUTSCHLAND Nr. 8
lieber die Beischläge in Danzig*l
Von Gerichtsassessor Dr. Otto Loening.
Wenige deutsche Städte können sich mit der alten
Hansastadt Danzig messen. Herrlich gelegen, nicht fern
von der Mündung der Weichsel, im Nordwesten um¬
geben von den prachtvollen Olivaer Wäldern mit ihren
an den Thüringer Wald erinnernden Tälern und Höhen,
vereinigt Danzig die Reize des Seestrandes und die
Ruhe des Waldes, während in ihr selbst sich ein emsiges
Leben abspielt, das zugleich die Geschäftigkeit eines
Seehafens mit dem fröhlichen Treiben des Flußlebens
verbindet. Doch nicht die Umgebung und die eifrige
Tätigkeit der Bewohner allein ist es, was Danzig zu
einer der schönsten Städte Deutschlands macht. Nach
Nürnberg und Rothenburg a. T. ist Danzig die Stadt,
die sich am stärksten ein historisches Stadtbild
bewahrt hat. Zwar ist das eigenartige Bild, das Danzig
im Schmuck seiner Wälle von außen her bot, zerstört.
aber im Innern finden wir noch überall das schmale
und hohe Zwei- oder Dreifensterhaus, mit dem Giebel
der Straße zugewendet, das seine Entstehung längst
vergangenen Zeiten verdankt. Dies altertümliche Bild
wird erhöht durch den gewaltigen Bau der weithin
sichtbaren Marienkirche, durch den mit der Ge¬
schichte Danzigs eng verknüpften Artushof, durch
das von emsigem Bürgerfleiß zeugende pracht¬
volle Rathaus mit seinem hohen, schlanken Turm,
durch das Franziskanerkloster, den Stockturm,
das Zeughaus und die vielen, namentlich am Ufer
der Mottlau noch wohlerhaltenen, teilweise sehr
charakteristischen alten Stadttore. Was aber
Danzig einen ganz besonderen Reiz gewährt, das
sind die sog. Beischläge. Zwar finden wir
Beischläge auch in anderen Städten, z. B. in
Elbing, Chester, Bern, aber in keiner anderen
Stadt treten sie uns in solch lückenloser Reihe
wie in Danzig entgegen. Leider mußten in den
letzten Jahrzehnten viele Beischläge dem stärker
werdenden Verkehr weichen, so daß wir von
den im Jahre 1865 noch vorhanden gewesenen
1741 Beischlägen, Vorbauten und Treppen heute
nur noch etwa 120 zählen können; und auch
diese wenigen werden vielfach von den Hauseigentümern
als lästig empfunden. Während noch in den 60er
Jahren des vorigen Jahrhunderts auch in den Haupt¬
straßen, wie in der Langgasse, an allen Häusern Bei¬
schläge vorhanden waren, sind sie jetzt meist nur noch
in den weniger verkehrsreichen Stadtteilen erhalten
geblieben. Will man heute eine Anschauung
von der architektonischen Physionomie des alten
Danzigs gewinnen, so muß man von der sog.
Langen Brücke an der Mottlau durch eins der
alten Stadttore die Brotbänken-, Frauen- oder
Heilige Geistgasse betreten. Hier ist der Mo¬
dernismus noch nicht zu seinem Recht gelangt,
hier lernen wir noch die Beischläge und Vor¬
bauten kennen, die dem Danziger Stadtbilde
seinen charakteristischen Stempel aufgedrückt
haben. Ihre Entstehung liegt noch im dunkeln.
Man streitet darüber, ob das Bestreben, das Erd¬
geschoß trocken zu legen und das Grundwasser
von den Kellern fernzuhalten, den Anlaß zu ihrer
Ausbildung gegeben hat, oder ob die Beischläge
nur als erweiterte Sitzplätze vor dem Hause an¬
zusehen sind; genug, die ungleich hohen und
mit ihren Stufen verschieden weit in die Straßen
eingreifenden Beischläge und Vorbauten geben
dem Straßenbilde etwas überaus Reizvolles, das
noch vermehrt wird, wenn man seine Phantasie
spielen läßt und sich in frühere Zeiten versetzt: Die
Brüstungen der Beischläge sind mit grünen Blumen¬
kästen bestellt, aus denen allerlei altmodische Gewächse
emporranken; um den sauber gedeckten Tisch mit
messingenem Geschirr sitzen vergnügte Danziger Patrizier
in ihren reichen Trachten in eifrigem Gespräch über die
Danzig: Beischlag in der Frauengasse
Danzig: Beischlag in der Frauengasse
') Veryl. auch den Aufsatz „Danzig" von Jos. Bvichhorn in Nr. 11 (1010) der „Deutschland".
Nr. 8 DEUTSCHLAND 3Q7
Stadt- und Weltbegebenheiten; und das alles beschattet
von dem Grün der noch heute vielfach, meist schief in der
Straße stehenden Bäume. Die bekannte Handzeichnung
von Chodowiecki, der selber ein Danziger Kind, von
dem Beischlag vor dem sog. Englischen Hause von 1775
und eine ganze Reihe köstlicher Radierungen des um
seine Vaterstadt hochverdienten Danziger Künstlers
Johann Wilhelm Schultz (geh. 1801) geben uns
höchst reizvolle Einblicke in das Leben, das sich
auf den Beischlägen im Freien abgespielt hat.
Die Beischläge sind nicht Teile des be¬
wohnbaren Hauses, sondern vielmehr unge¬
deckte, die ganze Fassadenbreite des Hauses
einnehmende Plattformen von etwa 3 und 4
Meter Tiefe, die mit oder ohne Treppenstufen
den Zugang zu dem Hause vermitteln und in
der Höhe der Türschwellen liegen. Sie bilden
eine Terrasse vor dem Hause, auf der sich in
früheren Zeiten bei gutem Wetter die Haus¬
bewohner aufhalten konnten. Die Brüstungen,
welche die überall verschieden hohen Beischläge
von der Straße abschlossen, enthalten vielfach
interessante, wenn auch weniger künstlerische
Abbildungen biblischen, allegorischen oder auch
dekorativen Inhaltes. Sie sind der Haupt¬
schmuck der Beischläge. Ueberall verschieden
gestaltet, bieten sie in ihren Einzelheiten
dem Künstler manches lehrreiche Motiv, dem vorbei¬
wandelnden Fremden immer von neuem Stoff zur Unter¬
haltung dar. Ursprünglich war wohl immer eine Tren¬
nung durch massive Scheidewände zwischen den ein¬
zelnen Beischlägen vorhanden, heute sind z. B. die
Beischläge an der Nordseite des Langenmarktes gleich
hoch, die Zwischenwände gefallen. Interessant sind
übrigens auch die Abdeckungen, die als Rinnen
dienen und die Niederschläge aufzunehmen be¬
stimmt sind, die sie durch reich als Delphin¬
oder Fischköpfe ausgebildete Mundstücke der
Straßenrinne zuführen. Eine gewisse Bedeutung
kommt auch den steinernen Pfosten zu beiden
Seiten des Treppenantrittes zu, die dem Ge¬
länder als Stützpunkt dienen. Anfangs nur große
steinerne Granitkugeln auf niedrigem quadra¬
tischen Sockel, wie z. B. an dem Beischlage
Jopengasse 5Q, werden diese Pfosten seit dem
17. Jahrhundert aus hohen quadratischen oder
rechteckigen Pfeilern gebildet, die je nach dem
Geschmack der Zeit ausgeführt worden sind.
Namentlich die Rokokozeit hat diesen Pfeilern
öfters eine sehr geschmackvolle Form gegeben.
Diesen Zeiten gehören auch die schönsten Bei¬
schläge selber an, die uns noch erhalten sind,
unter denen wieder der Beischlag Jopengasse 1
besonders unser Auge fesselt. Seine Brüstungsplatten
zeigen schön gebildete Idealarchitekturen in Flachrelief.
Bemerkenswert sind auch die Brüstungsplatten am Bei¬
schlag Brotbänkengasse 14, die figürliche Darstellungen
der vier Jahreszeiten enthalten. Auch die Beischläge
Frauengasse 6 und 17 mit biblischen Darstellungen
sind beachtenswert.
Die Brüstungen geben uns gleichzeitig die Mög¬
lichkeit einer ziemlich genauen Zeitbestimmung für die
Entstehungszeit der Beischläge, bei einzelnen ist uns
auch auf den Treppenpfosten das Baujahr angegeben.
Der bei weitem größte Teil der noch erhaltenen Bei¬
schläge stammt aus dem 17. und 18. Jahrhundert, doch
gehen einige noch in die zweite Hälfte des 16. Jahr¬
hunderts zurück, so die mit gut geschmiedetem Brüstungs¬
geländer versehenen Beischläge vor dem Pfarrhause der
Katharinenkirche und der an dem Hause Frauengasse 13.
Und wenn auch das Bild von Anton Möller im
Rathause ,,Der Zinsgroschen" von 1601 noch frei¬
liegende Wände an Häusern, die später mit weit aus¬
liegenden Beischlägen bedeckt sind, und erst kleine
Ansätze zu solchen kennt, so wissen wir doch, daß die
Beischläge bereits viel früher bestanden haben. Bereits
die alte Danziger Willkür von 1454 kennt sie. Aus
ihr können wir auch weiterhin entnehmen, daß bereits
in dieser Zeit der Rat der Stadt gegen diese Ausbauten
eiferte und sie nach Möglichkeit zu verhindern suchte.
Wie wenig allerdings die Bestrebungen des Rates Erfolg
hatten, zeigen alle späteren Redaktionen der Willkür.
Sie alle kennen in mehr oder minder geänderter Form
ähnliche Verbote. Nachdem Danzig sodann 17Q3
Preußen einverleibt wurde, nachdem es weiter nach der
kurzen freistaatlichen Zeit von 1807 bis 1814 unter
Danzig: Beischlag in der Brotbänkengasse
308 PBUTSCH^L^ Nn ö
^^anJEÖs^schem SthutJ ani 2, Ja5 ix^r 1814 wiederum an \.lundeh hat. Jn dirfi Sinn e hatauch das Landgericht
Preußen kam, U'urd^^j}: deißrlig^e Bestlmrnujiin die Dcsririg iilicl. dö$ Öbi^riandeSgerichl Madenwerder aus
verschiedenen Büuördni:ingen aufgenommen* Bereit^ eient^chlederi. Ob die Beischlags-
die Bekanntmachung <}.esPdlizetpräsitlenteh der hiesigen ; parieUe lin öhindW^h eingetTögeh, ^ lediglich
Seer und Handhmgs-Stadt Dähzig vom 0. Mal 1814, TatirageT» die im eth7;elneh dyreh das Gmndbuck
betirefft^nd Bauten und Rt^pamturen/ bestimmt das: GntscheuiEn Ist Ist tUeS; wie hsTnentlich bei den Par-
partbrigichen der baufälligen Beischläge und verbietet zellen, auf deneh die in den JOßr Jahren abgebrochenen
ihrts NduanlageL Emetn wurde dann die Frage ein - Beischläge gestanden haben, nicht Üer Fall, so spricht
gehfehcl behandelt btJi Geleg^nhdil der Vörarbeiten ^wi- die VerrTUilung fdr stSddsches' Eigentum* Nun har man
S:äüö rd n ü ng v on T8G8, d re in 17 dann auch ä h nli ch e gern eint, da ß der Gr u fi d, uh d -Boden d er Beisc h läge
Bestimmungen enthielt. Nach der beute in Cieltung schon deswegen mcht im Pnvöielgentufa der Beischlags^
st ehe n den uord n u n g sm4 ' cin au r Bew^a hf ung besit t^r steheh köhnhr WeBes s£ch be 1 ih m un\ Bürger-
des archriektonjscheh Aassefiens^ dar Straßen^ steighind hahdeley das a^ orfenthchen
soweif es. die Verkcdfrerh^Uhüberhaupt
jiulassen, beizubelmlten, llebferh® Ux\ Gegen-’
sat 2 J zti d^ri 60er und 7Öer Jahmn cle^t vorigen Jahr-
hirndeuris dse; S besfrebl* die Rtifste
der Blthh Bauweise, nömenthch, dje ’ BeiÄChlöge, soviel
wie-in.dglicb äu erhaltenV
Eig ent i mv Vi er G e m e i n d e s e i * Do ch t r i f f t di e s er Ge si g h ts -
punkt nlclh ;!5u^ . Bnmöl ist es sehr ttB^ichy ph
jähials^^^^d zwhchön d^r-OiebeHVi^nt.^
vmd.dem Rinnstein hiniaufende Tefi dcr hi lSönyig
, früh »^f eis Füßgän gei wog benm ?i. w^orden isf; «dönn
aber bf^trchV man tiur die
Zu diesem Zwecke.isi aiich
auf G r u i iä sog' Vgr ^
un'^daUbrigfs-GeNetzes ein
Orfestahtt^riassen worden,
i n yi el ^Ive m ii ^ § 4 be s o n “
ders hEtvnrge hoben wird/
d ß ß. ä ] s getvO h m ig 11 ngs:-^
p ß i e lihge b a id ic he Seh -
der ung i uj c i \ de^ "Um b^u
öder die BeiseMghitg vöu
BeigcfJägeri rit geltcrihab?.^
so 4 a.ß heb i ^ b e t e ine r ti c h-
tig eil H andh a h ii ng d i t?;:
s t g in n i chl ^ u h^ fö r c. h i e n
s t e 1 dr d ö ß : W' e d e riV4 h d äs
artrhiiektcitu^theÄussehea
Dfu^iiigi BdsvhUsg in :dhf
der S t vii ße ri dureh Bösei t ig>in g de f Büjsc 1 üä go leidcn wh li
In terei^fin t sip d tib rlge ns die jtüc Kt ii c n V e r h al lii is>; e
an den dje^^ in>tx rmm&r wiederkehrfcnder
Strehlg.ked^A auch heatti noch'hicht völlig gckblrt sind.
aus .dem ^oVt d<^T D-ai Willküren
ge h t utyct, wi i ii eir>i&eiuen Sslä)äaReh h 1 xy V(j\d wiedei
nathgü^wd^5sen ist, gehörte d^(är: ördnÄ hnd Bodeiv, auf
dem tlifi Bmschiäge m der Smdt/
Pxöueh gas^exudtirchwan*
dem, um 50 fort eihzusehem
daß hier tatsächlich Ketite
ein Bi i rg er ste i g Ti i c ht tu e hr
existierU Dadurch/daß das
Terra in durchgängig W-
batii worden liQt es
heute seine Bestimmung
aU Bürgerte lg zu dlenijn
verdreh, es 'M tät^atehlicK
und r^^chUich meines Ge^
m ei rr gebrautdyes ent kiei ^
Wörden.
fit nach dem bisher Ge¬
sagten ein PrJvatei gen tum
ö n. dem Be iich \ ags!and
hicbt 0 usgesßhiosseny Jtn vi4*F^ll en vorha nden,, so
ist dan^H m>ch hix^hi: gesagt, daß der einzelne Privat-
eigent t\me f: hiebt ha Interesse des öffentlich an V erkehre s
oder aus feu^?Tpohzedk:hen Gründen gezwühgen werden
kapn, seinen abzu brechen* ge hindert werden
kann, eir'e n s )n iu ^errichteh* oder daß,ihm sogor aus
ä ütl i e titschen Grün den d\ e. Gen ehmigung: ^um Äb brucK
^elne^ Bäischläges -Versteigert wi^rdert Auf eine
AJIävähUch iät jedoc nameiuych durch die den heutigen Hlörtefung aller dieser den/ öffentlictiep Rechte iinga-
Grtindbücharn entsprech e nE) b^?hücher im ä du rtK
die Bede lUuhg d erselben füt^ die EigärvhdhsVethäBnisse»
eine Ve rsch Ie b un g d er Bi g^n t u m $ verhli ftn isse zii gtm s l en
der er: eih^etictaTT- Heu !t^ hahgl das
Bigehtumg recht der Gfü hdfltiche da yon ab; ob d ie Bei-'
scblägsparz^ 1 le Bes-l mdbe\\ in dem Gründbuche ein-
getrsgeh ,:Isi und. t*b 1 ;ü den letzten Jahrzehnten e in
rechfej^esrhüfthuher G.mi-idäigentumS" Erwerb stattge-^
hadgeii Fragen, tu denfen tibrig^hs auch die ä mit
Unrexht in deri öOär JahTäh von den Gerichten stets
Verneinte Enischndigungispflicht ge-hÖirt, sott jedoch hier
nicht weiter cingegöngen/werdeip. Sie hängen teilw'eise
mit den sch wi engsten tmd - ümsh-ittdnsten Fragern des
gesamten öfientlichien Rechtes iusammen. Man mußte
weit ausholerü um hüT einigerm die eine oder
die andere Frage In feeftiedlgender Weise zu lösen*
Wer verreisen
der lese die reich fllustrierie Zei{s<NriH J^ÖEÜTSCHLflliD“, die
in eingell eil der Weise die deutschen Slädle^ Kyr- und Badeorte^
Sömmerlrischen und Wandergebiete durch Wort und Bild würdigt und la Threni Rektameteil zahlrekhe Rn
kühdigyngen empfehlenswerter Hotels und Sommerfri.sriieh en!^ Die Zeitschrift ^^DEUTSCHIRMD'^ ist somit
der beste Führer durch die deutschen Städte und Landschaften.
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Nr. 8
DEUTSCHLAND
399
Die Amerika-Nummer der „Deutschland“.
Ein großer Teil der in 50000 Exemplaren hergestellten diesjährigen großen Sonderausgabe der „Deutsch¬
land“ in englischer Sprache (American Travellers' Edition 1911) hat ihre Verbreitung bereits in Amerika und England
gefunden, während ein kleinerer Teil zur Propaganda für die nächstjährige Reisezeit zurückgestellt ist. Soweit
sich jetzt schon übersehen läßt, werden die Erwartungen, die an die Herausgabe dieser Sondernummer gestellt
wurden, sich in vollem Maße erfüllen. Zahlreiche Anfragen aus dem Ausland zeugen von der Wirkung der Amerika-
Nummer, die auch in der Ausland-Presse eine sehr günstige Beurteilung findet.
Die “Daily Mail“ schreibt:
For Travel in Germany.
A publioation of great interest and value to Engliah-
speaking tourists about to visit (Terinany is ‘‘Deutschland'’,
the Organ of several unions for the promotion of international
intercourse. The purpose of this publication is to afford
soine idea of the natural beauties and art troasures of Ger¬
many, and to provide a now incentive to visit the great
country. The object could not he berter oarried out, inasmuch
as the artjcles are interesting. the typography, paper and
illustrations are superb, and the viewa of ([uaint mediaoval
buildings, houaes, frowning castles, rivera and lakos make
one want to pack one’a bag and take the first train to
Germany.
An additional induceinont is an ariiole by Baron von
Hesse-Wartegg, pointing out the ease wiib which the tra-
veller ignorant of the language of the country caii travel
throughout Germany. “D e u t scb 1 a n d” i a p u b 1 i s h e d, in
E n g l i 8 h, a t D ü a a e 1 d o r f.
Zum Reisen in Deutschland.
Kin .sehr nützliches und wertvolles Werk für Englisch
.spn*ohende Touristen, die beabsichtigen. Deutschland zu
besuchen, ist «lie Zeitschrift ,,I)eutschland‘*, das Organ von
mehre! en internationalen Verkehrsverbäudon. Der Zweck dieser
Schrift ist, die Naturschönheiten und Kunstschätze Deutsch¬
lands in weiteren Kreisen bekannt zu machen und neue
Aufmunterungen zum Besuch dieses großen Landes zu geben.
Besser könnten diese Ideen unni(»glich ausgeführt werden,
da die Artikel interessant sind, di(? Typographie, das Papier
und di«' llln.strati')non alle prächtig sind und die Ansichten
von mittelalterlichen (Udjäuden. Häusern, alten ISchlüsseni,
Flüssen und Seen derart anziehend sind, daß der Leser sofort
Lust bekommt, seinen Koffer zu packen und mit dem ersten
Zug nach Deutschland zu fahren.
Eim* weitere Veranlassung dazu bildet ein Artikel von
Baron von IIes.se- Wartegg, wodurch die Benuemlichkeit an¬
gedeutet wird, mit welcher ein Tourist ohne Kenntnisse der
düulsc.lien Sprache durch ganz Deutschland reisen kann.
Die Zeitschrift ,,Deutschland“ wird in Düsseldorf in eng¬
lischer Sprache ausgegeben.
Die amerikanische Zeitung “The Altoona" schreibt:
Interesting Publication.
American Travelers’ Edition of Deutschland Now Out.
The States raihvays of (Termaiiy have issued a largo
volilme of special interest to American travelers in the
current numher of “Deutschland”, a magazine published at
Düsseldorf. The magazine is splendidly ))rinted in English
and will prove an oxcellent gui<lo to any one traveling in
the Fatherland.
It is profusoly illustrate«! with scenes in historical (»er-
many; photographs of the Kaiser an«l leading statosmen,
and many of the famous structures of ita citios. Ii^vcn to
those who do not contemplal«^ a visit beyond soas, t ln» book
is full of interesting informati«)!! and its general gotup
explains wh}’ .so many American dollars are lunid to Euro])e
axinually, for peoplo witli inoney to spen«! are boiind to be
attracted by the way in which the heautioa of the conntiw
are portrayed.
Interessante Zeitschrift.
Die Amerika-Nummer von „Deutschland“ soeben erschienen.
Die doutschon Staats-Eisonhnhnen hahen soeben einen
großen Baml von l)<‘s«»n«bu’em W('rt für amerikanische Reisende
auHgeben las.sen , uml zwar «lie Amerika - Nummer der
,.Deutsc,hlau«l“, einer in Düsseldorf orschoinondon Zeitschrift.
Das Heft ist in engl isolier Sprache prachtvoll gedruckt und
ausgestattet und wir«! allen denjenigen, die (las Vaterland
durchreisen, als au.sgtvzoiclmeter Führer di(}nen.
Die Nummer ist mit Bildern aus der deutschen Geschichte
reichlich illustriert, dazu mit Photographien des Kai.sers, der
leitenden Staatsmänner und vielen der berühmtesten städti¬
schen (J(‘l)äudo. Aiicdi für diejenigen, welche ni(iht boab-
.sichtigen, über das Meer zu fahren, hat das Bncih seinen
W<*rt. denn es enthält vieles, wa.s interessant und lehrreich
ist. Soine ganze Ausstattung erklärt auch die Art und
W«‘i'^e. wodurch so viele ..Dollars“ jährlich nac-h Euro])a
gelockt w«*rden. (b'im jeder, welcher Geld in den Taschen
hat, muß durch die Weise, in welcher Deutschlands Sohön-
heit(Mi hier ahgehildet sind, sich nach dort hingezogen fühlen.
Auch von maßgebenden Perscuilichkeiten wird der Wert der Amerfka-Nummer anerkannt. So äußert
sich z. B. Professor Hugo Münster!)erg, der amerikanische Austausch-Professor und erste Direktor des in
diesem Jahre eröffneten Amerika* Instituts, wie folgt:
Die Amerika-Nummer «hsr ,,Deutschland“ ist mir eine Quelle aufrichtigster Freude. Das Buch erfüllt
meines Eracliteris nach seine .Aufgabe in hervorragendsten* Weise, und da der Verteilungsplan in hohem Maße
geeignet ist, «las .schöne Heft .so wirklich in die Hände aller derer zu bringen, für die es in erster Linie
bestimmt ist, so verspreche icdi mir ungewöhnlichen Erfolg von der Wirksamkeit dieser Nummer für die
Kräftigung der Beziehungen zwischen Deutschland uml den Vereinigten Staaten. Es kann hier kein Zweifel
obwalten, daß die Sclifinlieiten Deutschlands noch lange nicht genügend von den Amerikanern gewürdigt
werden. Der Hauptstrom der Europaroisendeii geht «loch noch immer nach England, Frankreich und der
Schweiz und berührt h«>chstens die Rheing(?gend. Die .scliöiien Bilder und Beschreibungen Ihres Buches
können so manches dazu beitragen, diesen Hauptstrom auch zu den deutschen Hauptkulturstütten im ganzen
liande hiiizuieiten.
Mit bestem Wunsche für den Erfolg Ihres Werkes
Ihr ^ehr ergebener
Hugo M ii n s t e r h e r g
Direktor des Amerika-Instituts.
400 m3G f a f aoooc3OQG0c*X3(^^ DBIITSCHLAND iB e ooc e cg eeoocceoeeee e eeee fli Nr. 8
Bund Deutscher Verkehrs-Vereine.
Geschäftsstelle: Leipzig, Naschmarkt, Handelshof.
Auskunftstellen des Bundes im Auslande.
1. Abbazia, bei Nagel & Wortmann, Hotel Stefanie.
2. Amsterdam, bei Lisson & Zoone, Singel 155.
3. Aussig, bei dem Oeffentlichen Fremden-Verkehrsbureau,
Stadthaus.
4. Budapest, bei dem Fahrkarten- und Reisebureau der
Fremdenverkehrs- und Reiseunternehmungs-Aktien-Gesell-
schaft, IV. Vigadö-tör i.
5. Fiume, bei Herrn Meyer, Buchhandlung, Piazza Dante.
6. Franzensbad, bei dem Auskunftbureau des Landes¬
verbandes für Fremdenverkehr in Deutschböhmen, Isabellen¬
promenade.
7. Göteborg, bei dem Nordisk Resebureau, Palace-Hotel.
8. Haag, bei Lisson & Zoone, Prinsestraat 18.
9. Helsingfors, bei Alex F. Lindberg, Agentur des Nord¬
deutschen Lloyd.
10. Karlsbad, bei dem Auskunftsbureau des Landesverbandes
für Fremdenverkehr in Deutschböhmen, Mühlbrunnstrasse.
11. Kiew, bei A.Schlesinger, Agentur des Norddeutschen Lloyd.
12. Konstantinopel, bei M. Mewes, Generalagentur des Nord¬
deutschen Lloyd.
13. London, bei der Great Rastern Railway, West-End’Office,
Regent Street 12 a.
14. Lüttich, bei Fran9ois Brimbois, Passage Lemonnier 18
15. Mailand, bei Giov. Corr. Meiss, Agentur des Norddeutschen
Lloyd, Galleria Vittori Emanuele.
16. Malmö, bei dem Nordisk Resebureau, 2 Ostera Hamngaten.
17. Marienbad, bei dem Auskunftbureau des Landesver¬
bandes für Fremdenverkehr in Deutschböhmen, Stephan¬
strasse, Haus „Goldener Falke“.
18. Moskau, bei E. Garbell, Agentur des Norddeutschen Lloyd.
19. Nagyvärad (Grosswardein), bei dem Fahrkarten- und
Reisebureau, Filiale der Budapester Gesellschaft
20. Odessa, bei Mac. Nabb, Roug^er & Co., Agentur des Nord¬
deutschen Lloyd.
21. St. Petersburg, bei Ad. Reddersen, Agentur des Nord¬
deutschen Lloyd, Newski Prospekt 28. III. 12.
22. Prag, bei dem Auskunftbureau des Landesverbandes für
Fremdenverkehr in Deutschböhmen, Graben, Deutsches Haus.
23. Pressburg, Städtisches Verkehrsbureau, Hütterergasse.
24. Reichenberg, bei dem Reisebureau des Landesverbandes
für Fremdenverkehr in Deutschböhmen, Schückerstrasse 3,
Reisebureau „Anker“.
25. Riga, bei W. Goltz & Co., Ecke Kl. Sand- und Kl. Schmiedestr.
26. Rom, bei J. E. Anniser, Agentur des Norddeutschen Lloyd,
Via del Tritone 145-146-147.
27. Stockholm, bei dem Nordisk Resebureau, Operahuset.
28. Tdtrafüred (Schmeks), bei dem Fahrkarten- und Reise¬
bureau, Filiale der Budapester Gesellschaft.
29. Tomesvär (Josefstadt), bei dem Fahrkarten- und Reise¬
bureau, Stadthausgasse 2, Filiale der Budapester Gesellschaft.
30. Teplitz, bei dem Reisebureau des Landesverbandes für
Fremdenverkehr in Deutschböhmen, Königstrasse.
31. Tiflis, bei Drachenfels Kutzschenbach, Agentur des Nord¬
deutschen Lloyd.
32. Tokio, bei der Deutschen Gesellschaft für Natur- und
Völkerkunde Ostasiens, Imagwa-kochi, Itchome.
33. Triest, bei P. Christofidis, Hotel de la Ville.
34. Westende b. Ostende, bei Robert Hoffmann, Deutsche
Villen-Kolonie.
35. Wien, bei Nagel & Wortmann, i. Operngasse 6.
36. Yokohama, bei der Redaktion der „Deutschen Japan¬
post“, Yamashita-cho 60.
37. Zägräb (Agram), bei dem Fahrkarten- und Reisebureau
der Fremdenverkehrs- und Reiseunternehmungs-Aktien-Ge-
sellschaft in Budapest, Ulica Marije Valerije 6.
(Das Bundesorgan, die Verkehrs-Zeitschrift
„Deutschland“ liegt in sämtlichen Auskunftstellen des
Bundes auf).
Aus den Bundes-Vereinen.
Der Verband Mitteldeutscher Verkehrs-Vereine
hielt in den Räumen der Magdeburger Handelskammer eine gut
besuchte Ausschusssitzung ab, zu der sich Vertreter aus Halle,
Kösen, Aschersleben, Wernigerode und anderen Städten einge¬
funden hatten und die der Vorsitzende, Stadtverordneter Karl
Miller, mit begrüssenden Worten eröffnete. Dann besprach er
die Stellung des Verbandes und der deutschen Verkehrs-Vereins-
Verbände überhaupt zu dem Bunde Deutscher Verkehrs-Vereine
und führte aus, dass der Bund finanziell durchaus auf eigenen
Füssen stehen und zur Erreichung seiner grösseren Ziele Zu¬
schüsse aus Staatsmitteln zu erhalten suchen müsse; er
müsse auch lediglich die Interessen des Inlandes am Verkehr im
Auge haben. Die Verbände müssten sämtlich zu dem Programm
des Bundes Stellung nehmen. Die Aufgaben der Verkehrs-Vereine
und -Verbände hätten durch Erhöhung des Reiseverkehrs auch
eine Vermehrung der Einnahmen der Eisenbahnen zur Folge,
deshalb läge es im wohlverstandenen Interesse des Staates, die
Vereine und Verbände und besonders den Bund finanziell zu
unterstützen, wie das seitens anderer Staaten bereits geschehe.
Die Finanzfrage sei die wichtigste. Man beriet weiter^ein^ehend
u. a. über folgende Punkte: Es soll die Lokalpresse mehr für
die Zwecke des Verbandes interessiert werden, es soll immer
wieder auf Dezentralisation der Schulferien und Ausdehnung
auf 3 Monate im Interesse der Eisenbahnen, Erholungsorte,
Hotels und des gesamten Publikums hingewirkt werden. Dr. Wolfif
tritt für Einschränkung der kleinen Ferien ein und befürwortet
die Einrichtung zweier gleich langer Ferienhälften für den
Sommer und den Winter. Ueber bessere Propaganda in den
Eisenbahnwagen erhob sich eine längere Debatte. Man will dem
Reisepublikum auf jede zulässige Art zur Kenntnis bringen, dass
es einen Verkehrsverband gibt, der seine Interessen wahraimmt,
ebenso wie Reise- und Verkehrsbureaus, die kostenfrei üen
Reisenden mit Rat und Tat zur Seite stehen. Ueber die Jahres¬
rechnung von 1910 II berichtete für den dienstlich abgerufenen
Schatzmeister eingehend Herr Beyerlein, der sich auch über den
Verbandsprospekt und die Verteilung der Kosten (1850 Mk.) auf
die Mitglieder verbreitete. Schliesslich zollte der Vorsitzende
der durchaus entgegenkommenden Haltung der Eisenbahn¬
behörden auf Verkehrsverbesserungsvorschläge des Verbandes
volle Anerkennung.
Die 3. Mitglieder-Versammlung findet in Wernigerode
am 9. und 10. September 1911 statt. Der Hauptversammlung
geht eine Vorstands- und Ausschusssitzung im Hotel „Gothisches
Haus“ voraus mit folgender Tagesordnung: i. Geschäftsbericht;
2. Kassenbericht; 3. Festsetzung des Voranschlags; 4. Beratung
über Zeit und Ort des nächsten Verbandstages. Die Tages¬
ordnung der Mitglieder-Versammlung am 10. September, 10 Uhr
vormittags, weist folgende Beratungsgegenstände auf: i. Geschäfts¬
bericht des Vorsitzenden; 2. Kassenbericht des Schatzmeisters;
3. Genehmigung des Kassenvoranschlags; 4. Besprechung des
Verbandsprospekts, Vertrieb desselben; 5. Bericht des Geschäfts¬
führers über die Anträge und Referate des Verbandes laut Akten¬
auszug; 6. Mitgliederwerbung; 7. Entgegennahme von Verkehrs¬
wünschen; 8. Vortrag des Universitäts-Privatdozenten Dr. WolfT
(Halle a. S.): „Wie ich durch deutsche Gaue wandere“
(Betrachtungen eines Volkswirtes); 9. Referate des Vorsitzenden
über: a) die Finanzierung des Bundes Deutscher Verkehrs-Vereine,
b) Einrichtung sogenannter Verkehrsecken in den Provinzial¬
zeitungen, c) die Dezentralisation der Schulferien im
Interesse des Verkehrs und der Volkswirtschaft; 10. Stellung¬
nahme des Verbandes zur Anbringung von Propagandabildem
oder Plakaten in den Eisenbahnwagen oder Bahnhöfen; ii. Ver¬
billigung des Abonnements auf die Zeitschrift „Deutschland“
für die Verbandsmitglieder; 12. Drucksachenverteilung durch die
Zentralgeschäftsstelle; 13. Wahl des nächtsjährigen Vorbands¬
tagungsortes; 14. Allgemeines. Auf dem Beg^üssungsabend im
Hotel „Monopol“ wird der Vorsitzende des Verbandes, Herr Stadt¬
verordneter Miller (Magdeburg), einen Vortrag halten Uber;
„Die Bestrebungen und Ziele des Bundes Deutscher
Verkehr8-Vereine, der Verbände und Vereine im
Interesse des Verkehrs“. An die Hauptversammlung
schliesst sich ein Mittagessen im Hotel „Deutsches Haus“ und
ein gemeinschaftlicher Spaziergang durch den Lust- und Tier¬
garten zum Fürstlichen Schloss und in das Christlanental an.
Nr. 8 a»Q 0 QQ 0 Q 90 QQ 000 Q 0 ß 930 Q 0 QQ ilB DEUTSCHLAND
Der Fremdenverkehrs-Verein Nürnberg
hat vor kurzem an eine sehr grosse Anzahl von Hotels und
Gasthöfen des In- und Auslandes eine Verkleinerung des Plakates
von Nürnberg von Professor Bek-Gran unter Glas und Rahmen
verschickt. Wie die eingelaufenen Bestätigungen zeigen, ist
das Plakat, das zum Teil auch mit russischem Text versehen
ist, allerorts als ein künstlerisch wertvoller Wandschmuck gern
angenommen worden und an geeigneten Stellen zum Aushang
gekommen.
Verband Bergischer Verkehrs-Vereine.
Im Hotel Kaiserhof in Lennep fand die Jahreshauptver¬
sammlung des Verbandes Bergischer Verkehrs-Vereine statt. Einen
breiten Raum im Jahresbericht nahm der Abschnitt „Studenten-
und Schülerherbergen“ ein. Der Berichterstatter führte
u. a. aus: „Schülerherbergen erfreuen sich überall grosser Beliebt¬
heit. Sie lenken nicht nur den Wanderstrom auch nach kleineren
Orten, sondern tragen unendlich viel dazu bei, dass deren Vorzüge,
ihre landschaftlichen Schönheiten, ihre Industrie usw. weiteren
Kreisen bekannt werden. In Ründeroth ist eine vom Lehrer
Kronenberg geleitete Studenten- und Schülerherberge vom
besten Erfolge begleitet.“ An die Ausführungen schloss sich eine
rege Aussprache an. Rektor Spratte (Radevormwald) will auch
Herbergen für Volksschüler errichtet wissen. Gerade die Kinder
aus den minderbemittelten Kreisen hätten das Wandern in Gottes
freier Natur am nötigsten. Er verwies auf die von ihm bereits
vor mehreren Jahren ins Leben gerufene Schülerherberge, die
sich bestens bewährt habe. Die Versammlung sprach sich all¬
gemein auch für die Errichtung von Volksschüler-Herbergen aus
und wählte eine fünfgliedrige Kommission, welche die Frage
näher prüfen und über sie in der nächstjährigen Hauptversamm¬
lung berichten soll. Eine lebhafte Erörterung entstand bei dem
Punkt „Eisenbahnwesen“. In Zukunft sollen sämtliche Eingaben
an die Eisenbahndirektion vorher dem Verbands Vorstand ein-
gesandt werden, der dann in eine Vorprüfung eintritt und
gegebenenfalls die erforderlichen Erhebungen anstellt. Ueber den
Stand der Wegebezeichnung berichtete Direktor Artur Gunkel
(Elberfeld). Der Arbeitsplan für igii/iz wurde angenommen.
Es lag eine Anregung des Theaterdirektors Friedrich Schiffer¬
müller betr. Städtebundtheater vor, der, wie Bürgermeister
Dr. Barth aus Gummersbach berichtete, dort einen Zyklus von
Vorstellungen gegeben hat. Hierzu teilte Bürgermeister Stos-
berg (Lennep) mit, dass der Städtebund in der nächsten Zeit
Stellung zu der Frage nehmen werde. Die Angelegenheit wurde
hiermit vorläufig als erledigt angesehen. Die Einnahmen des
Verbandes betrugen 3187 Mk., die Ausgaben 1365 Mk. In einem
fesselnden Vortrage, verbunden mit Lichtbildern, zeigte Dr.
Brandt (Elberfeld) den Versammlungsteilnehmern die Schön¬
heiten des Bergischen Landes.
Der Verband der Verkehrs-Vereine Westfalens]
und angrenzender Gebiete
hat einen umfangreichen Geschäftsbericht erscheinen lassen. Nach¬
dem im ersten Teil über die Sitzungen, den Vorstand und die Mit¬
glieder gesprochen ist, werden im zweiten Teil die Arbeiten und
auch die Erfolge eingehend dargelegt. Man sieht aus diesem Teil,
dass für alle seine Mitglieder ein direkter oder indirekter Nutzen
daraus hervorgeht. — Als Anhang sind diesem Bericht die beiden
letzten Vorträge des verstorbenen Schatzmeisters, Herrn Flörch-
heim (Dortmund), über die „Postverbindungen des Industriegebiets
mit Süddeutschland“ und über „den Wegfall des Ankunftstem¬
pels“ und des Herrn Alfred Meyer (Dortmund) über „das ab¬
gelehnte Schnellbahnprojekt Dortmund —Düsseldorf und die
Ausgestaltung des Eisenbahnnetzes im rheinisch-westfälischen
Industriegebiet“ beigefUgt. Das Mitgliederverzeichnis weist zur¬
zeit X09 Mitglieder auf.
Württ.-Hohenzollernscher Fremden-Verkehr.
Die Württemb.-Hohenzoll. Vereinigung für Fremdenverkehr»
derenTLeitung in den Händen des Vorsitzenden des Stuttgarter
Vereins für ^Fremdenverkehr, Stadtrat S t ü b 1 e r, liegt, hat sich
auch im letzten Jahr weiterhin entwickelt. Ihre Mitgliederzahl hat
sich gegen 1909 um mehr als die Hälfte vermehrt. Es gehören
ihr nunmehr loi Mitglieder, nämlich 22 Amtskörperschaften, 47
Gemeinden, 18 Verkehrs- und 10 sonstige örtliche Vereine, der
Schwäbische Albverein, der Württembergische Schwarzwald¬
verein und 2^Hotels an, die zusammen rund 5000 Mk. Beiträge
bezahlen, so dass der Vereinigung mit dem jährlichen Beitrag
der Königlichen Generaldirektionen der Staatseisenbahnen mit
xoooo Mk. jährlich X5000 Mk. zur Verfügung stehen. Sie ent¬
faltete auch im Jahre i9io''.eine lebhafte Reklametätigkeit durch
Anzeigen und Veröffentlichung beschreibender und illustrierter
Aufsätze in in-*und ausländischen Zeitungen und Zeitschriften,
durch Ausleihen von Lichtbilderserien zur Veranstaltung von
il 401
Vorträgen über das Schwabenland usw. Aus der übrigen Tätig-'
keit der Vereinigung im Jahre xgxo sind besonders hervorzuheben
die Arbeiten für die mit Farbenphotographien ülustrierte Schxift
„Das Schwabenland in Wort und Bild“ (Auflage 30000 Stück)
und für den Reiseführer durch Württemberg und Hohenzollern
(Verzeichnis der Sommer- und Winterunterkünfte für Erholungs¬
bedürftige und Sportsfreunde, Auflage 20000 Stück), die beide
zur Ausgabe kamen und eine sehr weitgehende Verbreitung im
In- und Auslande finden, ferner für die Schwäbische Landes¬
ausstellung auf der Internationalen Ausstellung für Reise- und
Fremdenverkehr in Berlin 1911. Ein ungewöhnlich starker
Besuch der württembergischen Bäder- und Luftkurorte aus
Norddeutschland zeigt, welche Erfolge dieje Ausstellung zeitigte.
Am 15. März 1912 wird die Schwäbische Landes-Ausstellung für
Reise- und Fremdenverkehr in Stuttgart eröffnet.
Verbandstag der Eulengebirgs-Vereine. Der
Verband der Eulengebirgs-Vereine beschloss, seinen diesjährigen
Verbandstag am 23. und 24. September in Breslau abzuhalten.
Leipziger Messe und Wohnungsfrage. Wie die
städtischen Behörden Leipzigs seinerzeit bei der Neuregelung
der für die Musterlager in Betracht kommenden Messen sich
der Aussteller angenommen und im Kaufhause wie auch später
im Handelshofe mustergfültige Ausstellungsräume geschaffen
haben, so sind sie jetzt im Verein mit dem Messausschuss der
Handelskammer Leipzig und dem Verkehrs-Verein bemüht, für
die Unterkunft der Messbesucher Sorge zu tragen. In der
Hauptsache handelt es sich dabei um die Einkäufer, für die das
Auffinden einer geeigneten Unterkunft zur Messe mit grösseren
Schwierigkeiten verbunden ist als für die Aussteller. Letztere
besuchen meist schon seit Jahren die Messen, haben sich des¬
halb an bestimmte Hotels und Privatwohnungen ge¬
wöhnt und dort rechtzeitig eine Unterkunft gesichert. Aber auch
soweit dies nicht der Fall ist, finden sie, da sie, um das Aus¬
packen und Aufstellen der Muster zu überwachen, einige Tage
eher als die Einkäufer nach Leipzig kommen, nicht schwer
Wohnung. Die Einkäufer dagegen treffen in der Regel erst zu
Beginn oder gar erst im Laufe der Musterverkehrswoche ein.
Da sind fast alle Hotels voll besetzt. Privatwohnungen
sind zwar in der Musenstadt Leipzig, deren Musensöhne
(Sommer 1911; 4888) während der Mustermessen in den Ferien
sind, reichlich vorhanden, aber vielfach nicht bekannt. Deshalb
hat der Rat sich veranlasst gesehen, vorzuschreibon, dass, wer
zu den Mustermessen Fremden ausserhalb der Gasthäuser gegen
Entgelt Unterkunft gewähren will, die zu vermietenden Räume
spätestens eine Woche vor Beginn der Messe, für die vermietet
werden soll, bei dem Verkehrs-Verein (Handelshot am
Nasch markt), der bis auf weiteres als Anmeldestelle
bestimmt ist, anzumeldon hat. Der Verkehrs-Verein als amt¬
licher Messwohnungsnachweis weist kostenlos die Mess¬
wohnungen nach. Die Angaben, die der anmeldende Vermieter
über die ihm im Anmeldebogen vorgelegten Fragen macht, sind
so lange für ihn bindend, bis er sie unter Aenderung der An¬
meldung widerruft. Ohne gleichzeitige Aenderung der Anmeldung
darf kein höherer Mietzins gefordert, auch dürfen nicht sonstige
erschwerende Bedingungen hinterher gestellt worden. Auch
Uber den Inhalt des Mietvertrages sind einige Bestimmungen
getroffen, die als vereinbart gelten, wenn nicht ausdrücklich
etwas anderes vereinbart wurde. Sodann findet er in der ge¬
mieteten Wohnung einen Abdruck der Ordnung aushängen.
Um Streitigkeiten leicht und schnell erledigen zu können, hat
der Rat Schiedsrichter ernannt, die in der obengenannten
Anmeldestelle ständig anwesend sind. Dieser neu eingerichtete
amtliche Nachweis von Messwohnungen tritt bereits für die am
27. August d. J. beginnende Michaelismesse in Wirksamkeit.
Ganz wesentlich hängt allerdings der Erfolg davon ab, dass
rechtzeitig die Vermittlung in Anspruch genommen wird.
Der Fremdenverkehr an der Mosel nimmt von Jahr
zu Jahr zu. Namentlich sind es Belgier, die mit Vorliebe
Ausflüge an die Mosel und den Rhein machen. Mehrfach sind
im letzten Sommer schon grössere Reisegesellschaften mit
Sonderzügen aus Belgien hier eingetroffen. Unlängst kam spät
abends ein Sonderzug aus Brüssel mit 200 Touristen in Trier
an. Die erforderlichen Quartiere waren schon im voraus bestellt
worden, sonst würde es schwer gehalten haben, die Leute alle
in Gasthöfen unterzubringen. Auf dem Bahnhof fand die Ver¬
teilung der Quartierbillette statt, dann löste sich die Gesellschaft
in kleinen Gruppen auf. Die Belgier blieben bis zum folgenden
Tage in Trier, dann ging die Reise weiter moselabwärts nach
dem Rheine zu.
Vom Schwarzwald. Blättermelduogen zufolge plant eine
grosse leistungsfähige Gesellschaft eine elektrische Bahn auf
die Hornisgrinde.. Ausgehend von Achern soll sie Saabach, Ober-
sasbach berührend, zunächst nach Sasbachwalden geführt werden.
DEUTSCHLAND
D Nr. 8
402
DerkünftigeRundreiseverkehrum den Erdball.
Aus Stockholm wird geschrieben, der Generaldirektor der
japanischen Eisenbahnen, Herr Riutaro Nomura, hielt sich kürz¬
lich in der Begleitung von vier Ingenieuren der Staatsbahnen¬
verwaltung von Tokio in Schweden auf, wo die Herren unter
anderem die Kraftanlagen am Trollhättawasserfall und die Vor¬
aussetzungen für einen elektrischen Eisenbahnbetrieb auf längeren
Strecken studiert haben. Die Herren hatten unlängst einen
Eisenbahnkongress in London besucht, wo eine für den direkten
Verkehr Europa—Japan, wie für den „Rundreiseverkehr um die
Erde“ gleich wichtige Frage gelöst worden ist. Einem einüuss-
reichen schwedischen Pressorgan gegenüber hat sich der japan¬
ische Generaldirektor über die Ergebnisse der Londoner Ver¬
handlungen wie folgt ausgesprochen: Bisher ist der Eisenbahn¬
verkehr Europa -Japan mit der sehr unangenehmen Seereise
von Wladiwostok bis zum nächsten japanischen Hafen verbunden
gewesen; diese Schiffsreise nimmt 36 Stunden in Anspruch.
Künftig sollen nun durchgehende Fahrkarten verkauft werden,
die für die Fortsetzung der Eisenb.ihnreise aut der Linie des
„South Mandschurian Railv/ay“ bis zur Südspilze Koreas gültig
sind; diese Eisenbahn ist, seitdem sie in japjiuschen Händen
ist, von einer schmalspurigen in eine normalspurige umgewandelt
worden und kann also leicht mit dem europäischen Eisenbahn¬
netz in Verbindung gesetzt werden. Mittels dieser B\hn wird
man künftig mit einem einmaligen Uinsieigen in Kuan Tschen
Tsee bis Port Arthur und Dalny, oder bis Fusan kommen künneri:
Fusan ist derjenige Hafen des Festlandes, welcher Japan am
nächsten liegt. Von dort kann man mittels einer nur sieben-
stündigen Seereise die japanische Stadt Moji erreichen. Wenn
diese Verbindung benützt wird, erspart man bei einer Reise von
Europa nach Japan oder umgekehrt nicht weniger als 24 Stunden,
ln demselben Zusammenhang plant man auch die Einrichtung
eines Rundreiseverkehrs um den Erdball, worin die genannte
Route das erste Glied sein soll. Die Reise soll dann weiter
Über den Stillen Ozean und durch das amerik mische b'estiand
gehen. Auf diese Weise wird man künftig bedeutend billiger eine
Reise um die Erde vornehmen können wie bisher, da es üblich
ist, von Japan aus den Seniffsweg nach Europa z\i benützen.
Mit der neuen europäisch-japanische»! Verbindung als Ausgangs¬
punkt sollen mehrere in den Einzeihciien verschiedene Reisen
um die Erde arra.igiert werden; eine dieser Routen wird in.m
über Skandinavien, eine andere vielleicht über Deutschland l«*{>en.
Der Fremdenverkehr in Wien. Kim* interessante
Statistik des Magistrats stellt iolgeiide, den i*'reindenver!:ehr
betreffende sehr interessante Daten zur Verfügung: Seit dem
Jahre 1884, in welchem man in Wien 182887 in Hotels
angekommene Fremde gezählt hat, ni.> zum bcalu;en Tage ist
die Zahl der Fremden von Jahr zu Jahr ohne Unfcrbicv liung
gestiegen und hat im Jahre 1910 die Zahl 00388] erreicht. Dio
Kaiserjahre 1898, 1908 und 1910 rage»i bcuondei.» hervor; doch
weisen die darauifolgenden Jahre stets Tause»ule mehr Fremde
nach, als die den Kaiserjahren vorausgegangenen Noimal/uzugs-
jahre. Selbst das Jahr 1909, in dem wegen lier unsicheren
politischen Lage und der drohenden Kiiegsgefahr der Freuiden-
zuzug nicht nur in Wien, sondern überall ins Stocken »-.erict,
weist noch Uber 8000 Fremde mehr auf als das Jahr 1907.
Das erste Halbjahr des J..ihre3 1911 hat bereits 200 3O1 Hotelgäste
nach Wien gebracht, das ist um 6000 mehr als das er.sle Halb¬
jahr 1910, in dem mit beginnendem Mai die Jagdausstellung
eröffnet wurde. Diese Zilfern zeigen klai und deutlich, welchen
Anziehungspunkt Wien immer mehr und mehr für den Fremden
bildet. Zieht man v/eiter in Betracht, das.s in den letzten
fünfzehn Jahren zahlreiche Fremden-Pensionen entstanden sind,
deren Insassen bei der Zählung sl.ilistisch iiicht berücksichtigt
wurden, die aber gewiss eine sehr stattliche Zahl lepräsenliorcn,
so stellt sich die Situation noch güiisliger.
Eisenbahnwesen.
Für die w i 111 e r 1 i ch e n L u x 11 s z U g e nach dem Süden
sind bis jetzt folgende Verkehrszeilen zwischen den bcleiliglen
Verwaltungen vereinbart worden. Der Gotth.nd-Kxpiess gehl in
der bisherigen Weise von Beilin über K irisruhe bis zum 20. No¬
vember. Vom 30. November bis zum 27. April verkehrt er ala
Riviera-Express über Strassburg und Genua nach der Riviera.
Vom 30. April an gehl er wiedei als Golth.ird-Expiess über
Karlsruhe. Als Gegenzug verkehrt der Golthard-lixprcss bis /um
30. November über Karlsruhe, am i. und 2. Dezember Uber
Strassburg. Als Riviera-Kxpresa kommt dieser Zug vom 3. De¬
zember bis zum 30. April über Strassburg zurück. Die AbJahil-
und Ankunftzciten von Berlin usv.^ bleiben die.selbeti wie l>isher.
Der Berlin - Neapel-Express verkehit vom 4. Dezember an Mon¬
tags und Donnerstags ab Berlin 9.40 Uhr. Zuilick kommt er
am Sonntag und Donnerstag 9.13 Uhr abends.
Die Behandlung erkrankter Eisenbahnrei¬
sender wird durch folgende Verfügung geregelt: Wenn fest-
gestellt worden ist, dass Reisende unterwegs erkrankt und hilflos
geworden sind, so ist bei genügendem Aufenthalt der nächst
erreichbare Arzt für die erste Hilfe heranzuziehen. Ebenso ist
zu verfahren, wenn ein Reisender im Bahnhofsbereich ausserhalb
des Zuges erkrankt. Der Arzt ist durch den betreffenden Bahn¬
hofsvorstand oder Vertreter zu ersuchen, seine Rechnung
möglichst umgehend der Eisenbahndirektion einzusenden. Der
Bahnhofsvorstand hat der Eisenbahndirektion von dem Vorfälle
unter genauer Angabe der Personalien des Erkrankten unver¬
züglich Anzeige zu erstatten.
Schiffahrt.
Dampfer „Wiegand“.
Unter dem Namen „Wiegand“ ist vor kurzem von der
Bremer Roland-Linie ein neuer Dampfer in Dienst gestellt
worden, der für den Verkehr zwischen Bremen und der West¬
küste Südamerikas bestimmt ist. Es handelt sich hier um einen
Frachtdampfer von 418 Fuss Länge und von etwa 8000 Tons
Tragfähigkeit, der aut der Werft des Bremer Vulkan in Vegesack
erbaut und mit allen modernen Einrichtungen als Frachtdampfer
versehen ist. Die Prob:rfahrl dieses Dampfers wich äusserlich
wesentlich von der sonst üblichen Art der Frachtdampfer-Probe-
tahiten ab, und zwar waren sowohl der Name, wie auch die
Bestimmung des neuen Dampfers dafür massgebend. Dadurch,
dass die Roland-Linie einem ihrer Schiffe den Namen des
verstorbenen Generaldirektors des Norddeutschen Lloyd bei¬
legte die Taute erfolgte durch Frau Regierungsrat Petzet,
die einzige Tochter Wiegands vollzog sie einen Akt pietät¬
voller Dankbarkeit. Bei ihrer Gründung stand Dr. Wiegand der
Roland-ln'nie mit seinem Rat stets treu zur Seite. Mit gesundem
Optimismus wies er ihr den V/eg. der zum Ziele führen sollte.
Obgleich er offi/iel! nicht der Verwaltung dieser Gesellschaft
angchürte, widmete er ihr, so lange er lebte, sein warmes und
foiilernJr*-. Intciessc mit ganzer Hingabe, so dass sein Name
anfs eIlg^U• mit d.'r RolanJ-Linie verknüpft ist. Während diese
Bczifhungen /.wischen der Gesellschaft und Wiegand beim
Stapellaut von beruiener Seite hervorgehoben wurden, gab die
Probeiahrt des neuen Dampfers Gelegenheit, noch einmal
Wivgando Verdienste um Bremens Handel und Schiffahrt sowie
a.icb in eisici Linie um den dcviischen Schiffbau zu betonen.
Bei einei.i i oainahl. das im Konveisationshause auf Helgoland
von der Roiand-Linie voianst.iUcl war, wies der Leiter des
Breinei Vulkan in Vcge.sack, Herr Direktor Nawatzki, mit
waii.ien Worten aut di*‘-.e Verdienste besonders hin. In erster
Linie habe Wiegan.l den Schittbau an der Weser in hervor-
rag<*.idv;i Weise gctördcri. Kr sei es gewesen, dem auch der
Bremer Vulkan zu eiueiu grossen Teil seine ausserordentliche
Entwicklung und Ausdelinuu'; verdanke. Von Wiegand sei die
Anlegung zi.i Ausdehnung des Unternehmens ausgegangen, so
dass es imsi i.ide sei. Schifte zu bauen, wie sie die Neuzeit ver¬
lange. Der Bremer Vulkan sei gern auf die Ideen Wiegands ein¬
gegangen un»l gegen Ende des letzten Jahrhunderts zur erhob-
liihen Vcigrösserung seiner Anlagen geschritten, deren Areal
in der Zeit von 1898 bis 1911 von 90000 auf 360000 Quadrat¬
meter gestiegen sei. wähieuil das arbeitende Kapital von i* .» auf
IO Millionen Mark angewachsen sei.
Korfu als Aul.iiit hatcii des Norddeutschen Lloyd.
Dei Norddeutsche Lloyd hat beschlossen, vom März nächsten
Jahies ab d.ie Dampfer der l.mie Genua Neapel Alexandrien
auch Korfu aiilaiifen zu lassen und dadurch seinen Passagieren
Gelegenheit >11 geben, auch die Insel, auf der der Kaiser im
Fiühjahr längeren Aufenthalt zu netimen pÜegt, kennen zu
lernen. Du* Damptfr weiden vorläufig jedoch nur in den
Monaten Mäiz, Apiil, Mai uni Juni Korfu berühren, und zwar
sowohl auf der Ausreist* als auch auf der Heimreise.
Kurze Ferienreisen zur See.
Zur Zeit der grossen Ferien wird in vielen Familien, die
niv hl im Seebade oder in der Sommerfiische Aufenthalt nehmen,
der Wunsch nach kürzeren, ein- oder mehrtägigen Ausflügen
rege, um sich die Tage der Freiheit abwechslungsreich zu ge-
st.illen und sich, sei cs 'u Wasser oder zu Lande, an der Natur
zu erfreuen. Die deutschen Seebäder mit ihrem mannigfaltigen
Leben und Treiben auf den Promenaden und dem bunten Durch¬
einander an dem mit Sandburgen übersäeten Strande gelten
vielen nicht mit Unrecht als das erstrebenswerteste Ferienreise¬
ziel, seitdem Eisenbahnen und Dampfschiffe sie auch für den
wcilenlfernten Binnenländer in greifbare Nähe gerückt und ge¬
steigerter Komfort sie den ausländischen Modebädern gleich¬
wertig gemacht haben. Vielen aber genügt es nicht, tage- oder
gar wochenlang sich mit einem bescheidenen Plätzchen am
Nr. 8 müeGOOÜ&Ü(X^&d&3&^^ DEUTSCHLAND I lC iOO OOOe e OOOÖO^ 403
Strande zu behelfen, sie sehnen sich hinaus in die unermess¬
liche Weite des Meeres, hinaus an die Küsten ferner Länder,
die ihnen neue Eindrücke bieten. Mit einem Reichspostdampfer
des Norddeutschen Lloyd fahren sie für billiges Geld um halb
Europa herum und besuchen in zwölf bis vierzehn Tagen nicht
nur die alten Hauptstädte Hollands und Belgiens, sondern lernen
auch die Küsten Englands, Frankreichs, der Iberischen Halb¬
insel, die malerische Stadt Algier, die liebliche Riviera auf der
Fahrt nach Genua kennen, um dann vielleicht in Italien oder in
der Schweiz Aufenthalt zu nehmen oder auf schnellstem Wege
wieder heimzukehren.
Nicht jeder aber ist in der Lage, über eine drei- bis vier¬
wöchentliche Ferienzeit zu verfügen oder sie ganz auszunutzen.
Wer nur einige Tage Zeit hat, braucht nicht zu glauben, dass
für ihn Seereisen nicht in Frage kämen. Im Gegenteil! Die
Küsten Englands und Frankreichs, die Insel Wight oder die
normannischen Inseln im englischen Kanal bilden Reiseziele, die
mit den grossen transatlantischen Dampfern des Norddeutschen
Lloyd, den nach New York fahrenden Schnelldampfern wie Post¬
dampfern, auf allerbequemste Weise zweimal wöchentlich von
Bremen aus zu erreichen sind. Vier bis acht Tage reichen
schon aus, um eine derartige Reise nach England oder Frank¬
reich und zurück zu unternehmen. Wer z. B. an einem Sams¬
tag mit dem Lloyddampfer „George Washington“ die Reise
Uber Southampton nach Cherbourg antritt, erreicht am Sonntag¬
abend Cherbourg, wo er übernachtet. Am Montagvormittag
ist Zeit genug vorhanden zu einem Rundgang durch die Stadt,
oder, was vorzuziehen ist, zu einer Fahrt in die Umgebung.
Nachmittags kann dann die Rückfahrt mit dem fahrplanmässigen
• Schnelldampfer des Norddeutschen Lloyd erfolgen, der am
Dienstag in Bremerhaven eintrifft. Wer sechs Tage zur Ver¬
fügung hat, benutzt den Dienstags von Bremerhaven abgehenden
Schnelldampfer und tritt am Samstag mit dem von New York
kommenden Postdampfer von Plymouth oder von Cherbourg
aus die Rückreise an. Für achttägige derartige Fahrten bieten
die Dienstags von Bremerhaven abgehenden und am folgenden
Dienstag dort wieder eintreffenden Schnelldampfer die beste
Gelegenheit. Wer sie auf einer Fahrt nach und von England
benutzt, verfügt über genügend Zeit, um die Hauptpunkte Süd¬
englands, die Insel Wight oder London zu besuchen, während
er, falls er Cherbourg als Reiseziel nimmt, Ausflüge nach Paris,
St. Michel, den normannischen Inseln u. a. unternehmen kann.
In neuerer Zeit sind derartige kurze Seereisen, die mit inter¬
essanten Ausflügen ins südliche England oder in Frankreich
leicht zu vereinigen sind, sehr in Aufnahme gekommen. Ein
vom Norddeutschen Lloyd herausgegebener Prospekt „Nach
dem englischen Kanal“, der allen Interessenten auf Wunsch
unentgeltlich zugesandt wird, enthält alles Nähere über sie.
Theater, festliche und sportliche
Veranstaltungen, Kongresse etc.
Die Grosse Woche in Baden-Baden, 25. August
bis 3. September. Auch in diesem Jahre ist das Programm
der grossen Badener Rennwoche mit besonders glanzvollen
Veranstaltungen ausgestattet. Frankreich und Belgien entsenden
ihr bestes Pferdematerial, so dass sich auf dem grünen Rasen
von Iffezheim schwere, an spannenden Momenten reiche Kämpfe
abspielen werden. Die Gesamtzahl der Gewinne beträgt über eine
halbe Mill. Mark. Das anwesende Zeppelin-Luftschiff „Schwaben“
wird dem Rennen sowie dem Blumenkorso usw. sein besonderes
Gepräge verleihen. Ab Karlsruhe, Baden-Baden und Strassburg
verkehren nach dem Rennplätze Sonderzüge zu ermässigten
Preisen. Ausführliche Programme sind kostenlos durch die amt¬
liche Auskimftsstelle der Grossh. Badischen Staatseisenbahnen im
Internationalen öffentlichen Verkehrsbureau in Berlin W. 8., Unter
den Linden 14, zu beziehen.
Sommer-Schikurse. Die amtliche Auskunftstelle der
Königl. Bayerischen Staatseisenbahnen im Internationalen öffent¬
lichen Verkchrsburoau, Berlin, Unter den Linden 14, teilt uns
mit: Seit Mitte Juli Anden in den Oetztaler Alpen unter der
bewährten Leitung des bekannten Münchner Schilehrers Karl
Kress Sommer-Schikurse statt. Den Abschluss dieser Ver¬
anstaltungen bildet ein hochalpiner Lehr- und Wanderkurs, der
in der Zeit vom 20. August bis 3. September abgehalten wird,
und der die Teilnehmer in das gewaltige Hochgebiet der Oetz¬
taler Alpen, Uber prachtvolle Pässe und auf hochragende Gipfel
führt. Diese Veranstaltungen werden in Sportkreisen sicher
lebhaften Anklang Anden.
Im September: ln Berlin Internationaler Kongress für Säug-
^ j lingsschutz.
jm September: ln Cassel Kurhessischer Lehrertag.
I. —a. September: In Z o p p o t Generalversammlung des Ver¬
bandes preussisch-deutscher Vororte.
3. September: Fernfahrt der Deutschen Automobil-Vereine nach
Posen, veranstaltet vom Berliner Automobil-Klub.
3.—5. September: In Dresden Generalversammlung des Bundes
der Industriellen.
3. — 8. September: In Heidelberg Hauptversammlung der
Internationalen Vereinigung für vergleichende Rechts¬
wissenschaft und Volkswirtschaftslehre.
4. —5. September: In C o b 1 e n z Tagung des Westdeutschen
Verbandes selbständiger Konditoren.
5. -6. September: In Eisenach Deutscher Pfarrertag.
7.-9. September: ln Osnabrück XXVI. Wanderversammlung
des Nord westdeutschen Forstvereins.
7. — XI. September: In Würzburg XXVI. Deutscher Weinbau-
kong^ess.
8. —10. September: In Frankfurt a. M. V. Deutscher Impf¬
gegner-Kongress in Verbindung mit dem II. Weltkongress
gegen die Impfung und dem I. Deutschen impfgegnerischen
Frauentag sowie einer Zusammenkunft des Vereins impf¬
gegnerischer und des Vereins vivisektionsgeg^erischer Aerzte.
8. —IX. September: In Danzig Kongress der Deutschen Eisen¬
bahnärzte.
9. September: In Würzburg Generalversammlung des Deut¬
schen Weinbauvereins.
9.—lo. September: In Bernburg Jahres-Versammlung des
Stenographenbundes Sachsen-Anhalt (System Stolze-Schrey)»
9. —n. September: In Bad Wildungen (Waldeck) Haupt¬
versammlung (24. Deutscher Wandertag) des Verbandes
Deutscher Gebirgs- und Wandervereine.
10. September: In Mainz Jahresfest der Mittelrheinischen Ver¬
einigung evangelischer Gesangvereine.
10.—12. September: In Mainz Tagung des Verbandes Deutscher
Bierverleger.
II. —12. September: In P o s e n Tagung des Deutschen Städtetages.
12.—13. September: In Dresden II. Deutscher Richtertag.
14. —17. September: In C o b 1 e n z Tagung dos Vereins Deutscher
Eisengiessereien.
15. —16. September: In Dresden Konferenz des Deutschen
Komitees für Internationale Sozialversicherung.
16. September: In Coblenz Beleuchtung des Ehrenbreitsteins.
17—18. September: In Heidelberg Bund Deutscher Architekten.
17. —19. September: In Dresden VI. Tagung Deutscher Berufs¬
vormünder; zugleich Mitgliederversammlung des Archivs
Deutscher Berufsvormünder E. V.
21.—22. September: In Posen Besuch der Ostdeutschen Aus¬
stellung durch den Verein Deutscher EisenhUttenleute.
21. —24.September: In Münster 40. Abgeordneten-Versammlung
des Verbandes Deutscher Architekten- und Ingenieur-Vereine.
23. —25. Septbr.: In Dresden I. Deutscher Reichsmittelstandstag.
24. September: In Breslau Hauptversammlung des Vereins
Deutscher Eisenhüttenleute und Einweihung des Hütten¬
männischen Instituts.
24. September: In Düsseldorf Schaufliegen des Düsseldorfer
Flugsportvereins.
24.-27. September: In Dresden IV. Internationaler Kongress
für Neumalthusianismus.
24.—30. September: In Rom VII. Internationaler Kongress gegen
die Tuberkulose. Mit dem Kongress wird eine Ausstellung
verbunden.
24. —30. September: In Karlsruhe 83. Versammlung Deutscher
Naturforscher und Aerzte.
25. -28. September: In Stettin 36. Kongress für Innere Mission.
28. —30. September: In Osnabrück Jahresversammlung des
Niedersächsischen Vereins der Gas- und Wasserfachmänner.
29. September: In Heidelberg Naturforschertag.
30. September bis 2. Oktober: In Leipzig Hauptversammlung
des Verbandes sächsischer Gewerbeschulmänner.
30. September bis 4. Oktober: In M ü n chen Deutscher Gemeinde-
Beamtentag.
I. Oktober: In L e i p z i g 16. Hauptversammlung des Sächsischen
Lehrervereins.
I.— 3. Oktober: In Düsseldorf Herbstrennen des Düsseldorfer
Reiter- und Renn vereine.
5.—8. Oktober: In Dortmund 24. Generalversammlung des
Evangel. Bundes.
Oktober: In Köln VII. Internationaler Kongress für
Kriminalantropologie in der Handelshochschule.
12.—15. Oktober: In Cassel Jugendbund-National-Konferenz.
16.—21. Oktober: In Berlin Kongress der F^döration Universelle
des Sociötös d'Hoteliers in Verbindung mit der General¬
versammlung des Internationalen Hotelbesitzervereins (Sitz
Köln).
22. -25. Oktober: In Heidelberg 47. Tonkünstler-Versammlung
(Liszt-Fest).
404 i iPQQ 9 OOQQQQQ 9 0 e QOQa 89 O 9 OQOQ(«i DEUTSCHLAND aeeo e eooeo e ec e oeeeoooeoee ai Nr. 8
Ausstellungen.
Internationale Ausstellung von Neuheiten und
Patenten der Eisen- und Maschinen-Industrie in
Budapest. Das Prämiierungsergebnis ist, wie die
„Ständige Ausstellungskommission für die deutsche Industrie**
mitteilt, für die von ihr organisierte Deuts che Abteilung
erfreulich günstig ausgefallen. Obwohl die Zahl der deutschen
Aussteller nur rund lo^/^ der Gesamtzahl betrug, sind von den
bewilligten lo goldenen Staatsmedaillen 4 auf Deutschland ent¬
fallen (Gesellschaft für Hochdruck-Rohrleitung G. m. b. H., Berlin;
Heinr. Lanz, Mannheim; Mühlenbauanstalt und Maschinenfabrik
vorm. Gebr. Seck, A.-G., Dresden; R. Wolf, Magdeburg-Buckau)
sowie 7 von den 20 ferneren goldenen Ausstellungsmedaillen,
ferner 4 silberne Staatsmedaillen, xi silberne Ausstellungs¬
medaillen, 3 bronzene Staatsmedaillen, 3 bronzene Ausstellungs¬
medaillen und ein Anerkennungsdiplom. Dieses Resultat bedeutet
einen für die deutsche Industrie in Ungarn hervorragenden
Erfolg. Auch soll die Ausstellung finanziell für die deutschen
Teilnehmer ein sehr günstiges Ergebnis gebracht haben; man
spricht davon, dass deutsche Firmen bereits für etwa zwei bis
drei Millionen Kronen Aufträge erhalten hätten.
Ueber die Vorarbeiten für die „Grosse Japa¬
nische Ausstellung Tokio 1917** erfährt die „Ständige
Ausstellungskommission für die deutsche Industrie“, dass nach
einer Nachricht der in Tokio erscheinenden Zeitung „Jiji“ im
Budget des laufenden Rechnungsjahres der Betrag von 420 000 Yen
(i Yen gleich 2.09 Mark) für die Veranstaltung ausgeworfen ist.
Der Gesamtplan ist zunächst dem Finanzministerium zur Ge¬
nehmigung unterbreitet worden. Als sicher gilt, trotzdem der
Voranschlag noch geheim gehalten wird, dass der ursprünglich
in Aussicht genommene Betrag von 10 Millionen Yen infolge
der allgemeinen Preissteigerung nicht ausreichen, sondern auf
15—20 Millionen erhöht werden wird. Der Voranschlag soll
dem Parlament in der nächsten Session vorgelegt und die Ver¬
teilung der Kosten auf 5 Jahre beantragt werden. Inzwischen
ist kürzlich im Japanischen Staatsanzeiger ein Ausschreiben zur
Erlangung von „Allgemeinen Plänen für die Baulichkeiten der
Grossen Japanischen Ausstellung“ veröffentlicht worden (An¬
ordnung der Haupt- und Spezial-Gebäude, Flächenverteilung,
Gruppierung von Gärten, Teichen, Wasserfällen usw. sowie die
wichtigsten Erdarbeiten). Für den Wettbewerb, der auch Aus¬
ländern offen steht, sind drei Preise ausgesetzt, und zwar einer
von 3000, zwei von 2000 und drei von 1000 Yen. Eine Ueber-
setzung der Ausschreibung sowie die bezüglichen Pläne sind
an der Geschäftsstelle der Ständigen Ausstellungskommission
(Berlin NW., Roonstrasse i) einzusehen. Die Entwürfe sind
bis zum 30. September 1911 dem Bureau für die Grosse Japa¬
nische Ausstellung, Ministerium für Ackerbau und Handel, in
Tokio einzureichen.
2.—10. September: In Görlitz Kochkunst-und fachgewerbliche
Ausstellung für Gastwirts- und Hotelwesen.
16.—25. September: In Barmen Bergische Gartenbau-Aus¬
stellung, verbunden mit der Dahlienschau der Deutschen
Dahlien-Gesellschaft.
29. September bis 12. Oktober: ln E 1 b e r f e 1 d Rheinisch-West¬
fälische Ausstellung für das Baugewerbe und Wohnungs¬
wesen, veranstaltet von der Freien Baugewerke-Innung.
Bis zum 8. Oktober einschl.: In Düsseldorf Grosse Nationale
Kunstausstellung und Internationale Aquarellausstellung im
Städtischen Kunstpalast.
Anfang Oktober: In Düsseldorf Ausstellung von Flugsport¬
apparaten in der Zeppelin-Luftschiff halle und Wettfliegen
von Flugzeugmodellen.
9.—15. November: In Osnabrück Wanderausstellung Münchener
Künstler in der Stadthalle.
Mitte Dezember: In Berlin Ausstellung verkäuflicher Hand¬
arbeiten im „Berliner Frauenklub von 1900**.
Deutschland und das Ausland.
Eigenhändiges SchreibenTafts. Der amerikanische
Kongressdeputierte Richard Bartholdt, der am 2. September in
Potsdam die Steuben - Statue des New Yorker Bildhauers jÄger
übergeben wird, ist vom Präsidenten Taft beauftragt, dem Kaiser
ein eigenhändiges Schreiben zu überreichen. * ^
Deutsche Kolonisation in Bosnien. Die 30. Haupt*
Versammlung des Vereins für das Deutschtum im Ausland hat
durch die dort im Vordergrund stehende Behandlung der Lago
des Deutschtums in Bosnien das öffentliche Interesse auf diese
deutschen |Volkssplitter gelenkt. Etwa 8000 deutsche Bauern,
zum Teil südungarische Schwaben und reichsdeutsche Siedler
aus Niedersachsen und Preussen bilden dort eine Anzahl deutscher
Dörfer, die hier und dort schon zu schöner wirtschaftlicher Blttte
gelangt'sind. Das gibt Anlass, davon Notiz zu nehmen, dass
die starke Auswanderung der mohammedanischen Bevölkerung,
die vor 2 Jahren mit der Einverleibung Bosniens in Oesterreich-
Ungarn einsetzte, neue, sehr günstige Kolonisationsmöglichkeiten
erschlossen hat. Polnische und tschechische Banken haben die^^
günstige Gelegenheit beim Schopf gepackt, türkische Rieseng^ter
gekauft und mit grossem Gewinn an polnische und tschechische
Bauern parzelliert. Auch für Deutsche böte sich hier noch sehr
viel, sowohl im Parzellierungsgeschäft, wie als Ansiedler. Zumal
abwanderungslustige südrussische deutsche Bauern beider Kon¬
fessionen täten besser, hier neue Wohnsitze im Anschluss an
die bestehenden protestantischen und katholischen deutschen
Sprengel mit deutscher Kirche und Schule zu suchen, als sich
in den Steppen Sibiriens und Turkestans zu vergraben. Der
Seeweg von Odessa zur Adria bietet eine bequeme und billige
Fahrgelegenheit, der Boden ist fruchtbar und trägt Weizen, Mais,
Wein und Obst.
Vaterland und Muttervolk. Dass sich mit der Liebe,
der Pflichttreue und dem Stolz auf das neue Vaterland im
Herzen der Ausländsdeutschen auch die treue Anhänglichkeit
zum alten Mutterlande innig verbinden lassen, zeigen in be¬
sonders schöner Weise die Worte, die der frühere Gouverneur
des südbrasilischen Staates Sa. Catharina und brasilianische
Staatsminister, der jetzige Senator Dr. Lauro Müller, ein in
Brasilien geborener Sohn deutscher Eltern, in Berlin als Gast
der deutsch-südamerikanischen Gesellschaft sprach. Dr. Müller
nannte sich mit Stolz Mitglied dieser Gesellschaft und erwähnte,
dass seine Eltern von der Mosel rheinabwärts nach Brasilien
gezogen seien, und fuhr dann fort: „Die stets grosse Liebe jener
Auswanderer für ihr Vaterland war wie die Sehnsucht des in
der Ferne weilenden Sohnes nach der daheim gebliebenen
Mutter, nur gemildert durch die Liebe zur neuerwählten Scholle,
der Heimat ihrer Kinder. Daher kommt es, dass wir Brasilianer
deutschen Blutes mit dem Stolz auf unseren Amazonenstrom
eine kindliche Ehrfurcht tür den Rhein unserer Väter verbinden.
Sie sehen also, meine Herren, dass, wenn Ihr Werk zur grösseren
Annäherung Deutschlands und der Länder Südamerikas den
Beifall von Südamerikanern und Deutschen verdienen muss,
kein Beifall freier, offener und begeisterter sein kann als der,
welcher Ihnen von denen ontgegcngebracht wird, die wie ich
stolz sind auf ihr Vaterland und das edle Volk, von dem ich
abstamme.**
Bäder und Sommerfrischen.
Nordseebad Langeoog. Als ein Platz, der den Kur¬
gästen zu längerem Aufenthalt angelegentlichst empfohlen werden
kann, ist das KurhausFalke (siehe Bild Seite 387) zu nennen.
Ein grosser Bau mit weiter Fernsicht auf das Meer und mit allem
nötigen Komfort ausgestattot, bietet neben ausgezeichneter, auf¬
merksamer Verpflegung die Annehmlichkeiten eines gutgeleiteten
Hotels in ruhiger Umgebung. Ein grosses Lesezimmer, Schreib¬
zimmer und Billardzimmer sorgen für Ruhe und Abwechslung;
Düsseldorfer Verlags-Anstalt Aktien-Qeseiischaft
Graphische Kunst - Anstalt
Kasernenstraße 18 — Fernsprecher 8766 , 8767
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Telegramm-Adresse: KUNSTDRUCK
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Drack und Verlag der Verkehrs-Zeitschrift „DEUTSCHLAND“, Organ für die deutschen Verkehrs-IntereaMUr.
Nr. 8 DEUTSCHLAND l aeee e eceeeeeoeoeceoee^jceööeq i 405
ausgezeichnete, seit Jahren beliebte Künstlerkonzerte sind für
viele Kurgäste eine angenehme Zugabe. Wie die Einfachheit
und Ruhe der Gnindcharakter Langeoogs, die Möglichkeit
sich zurückzuziehen jederzeit gegeben, so auch im Hotel Kur¬
haus 'Falke. Wer nicht gemeinsam mit den übrigen Hausgästen
leben und essen will, findet auf den um das Haus laufenden
Veranden die Möglichkeit, sich jederzeit in beschaulicher Ruhe
zurUckzuziehen, und hat dabei doch die grossen Vorteile des
Seeklimas. Das in jedem Jahre wiederkehrende Stammpublikum
beweist wohl am besten, dass man dort gut aufgehoben ist.
Fahrpläne, Prospekte, Führer von Langeoog werden jederzeit
kostenlos versandt vom Hotel Kurhaus Falke, Nordseebad
Langeoog.
Nordseebad Juist. Ueber dem Dorfe Juist thront auf
den höchsten Dünen das prachtvolle Strand-Hotel und
Kurhaus Juist. Es lieg^ in selten schöner Lage, gleich wie
ein Schloss am Meer. Das ganze Strand- und Badeleben kann
man von seinen Fenstern aus beobachten, und die Gäste, die
einmal dort gewohnt haben, kehren gern wieder in dieses
schöne, ruhige Hotel zurück. (Siehe auch den Spezialartikel,
Seite 386 und die Abbildung Seite 388).
Besuch der Ostseebäder. Recht erfreuliche Ziffern
weist in diesem Jahre der Besuch unserer Ostseebäder auf.
Dank der warmen Witterung suchen Tausende Kühlung und
Erholung an dem schönen Ostseestrande. Es zählen Ahlbeck 18 671,
Binz 18 671, Cranz 12 045, Heringsdorf 12 000, Kolberg 23 000,
Misdroy 12075, Sassnitz 14600, Swinemünde 32442, Warnemünde
x6 295,^ Zoppot 15726, Glücksburg 1503, Travemünde 9302, Nien¬
dorf 4521, Timmendorf 4529, Scharbeutz 1971, Boltenhagen 2633,
Arendsee 6913, Brunshaupten 12396, Heiligendamm 1545, Graal 3842,
Müritz 4667, Prerow 3000, Zingst 3000, Lohme 2117, Sellin 11472,
Baabe 2262, Göhren X1240, Carlshagen 1657, Zinnowitz 9288,
Zempin 1286, Koserow 2587, Uckeritz 1006, Bansin 6525, Ost-
Dievenow 2012, Berg-Dievenow 3224, Stolpmünde 3248, Oliva 2892,
Westerplatte 850, Kahlberg 3396, Rauschen 7917 und Schwarzort
2400 Kurgäste.
Bad Salzbrunn. Das in dieser Saison eröffnete Licht-
Luft-Bad erfreut sich bei seiner idyllischen Lage einer grossen
Beliebtheit bei den Kurgästen. Die hiesigen hygienischen Ein¬
richtungen haben auch bei den abnormen Witterungsverhältnissen
dieser Saison, der grossen Hitze und Dürre, glänzend bestanden.
Die Wasserleitung liefert ein einwandfreies Quellwasser aus dem
Riesengebirge in beliebiger Menge und unsere neue Kanalisation
mit biologischer Kläranlage bewährt sich ausgezeichnet. Beide
bieten wohl für den Ort die beste Gewähr für das Fernbleiben
von Epidemien. Die Zahl der Kurgäste und deren Begleitung
betrug bis zum 14. August: 9000 Personen, der gemeldete
Fremdenverkehr 8180 Personen, zusammen 17180 Personen. Das
bedeutet gegen 1910 mit 16122 Personen ein Mehr von 1058 Per¬
sonen. Ausserdem wurden 54363 Tagesbesucher gemeldet.
Frühjahrs- und Herbstkuren in Bad Münster
am Stein. Durch das neuerbaute heizbare Brunnen- und Bade¬
haus ist die Kurverwaltung in der Lage, die Kurzeit bis zum
15. Oktober auszudehnen und den Gästen auch noch die Kur¬
mittel in der für Bad Münster besonders empfehlenswerten Zeit
im Frühjahr und Herbst zugänglich zu machen. Im Frühjahr
bietet hier das romantisch-idyllische Tal im Blütenschmuck einen
besonderen Anziehungspunkt. Im Herbst ist bei der schönen
Herbstfärbung der Bäume die günstigste Gelegenheit zur Trauben-
Die
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(diesjährige grosse englische Ausgabe
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kur. Die Kurkapelle spielt bis zum i. Oktober. Besuchszahl der
Kurgäste ohne Passanten bis 23. August: 7038.
Bad Pyrmont. Von dort wird geschrieben: Ueber den
Brand des Pyrmonter Kurhauses sind vielfach übertriebene
Nachrichten verbreitet. Fremde, die nach Pyrmont kommen,
sehen sich meistens erst suchend nach den Spuren des Brandes
um, ohne sie finden zu können. Die Kurdirektion hat es ver¬
standen, in ausserordentlich kurzer Zeit wieder alles in Stand
zu setzen. Schon zwei Tage nach dem Brande bot das Bade¬
leben wieder das gewohnte Bild. Der Badebetrieb und die Folge
der täglichen Vergnügungen haben kaum eine Unterbrechung
erlitten. — Die Fürstliche Brunnen-Direktion Bad Pyrmont
teilt uns mit, dass am 23. August die Zahl der Kurgäste 10981
und die der Passanten 22516 Personen betrug. Die Bäder-
Abgabe betrug 11397 Moor-, 39617 Stahl-, 18199 Misch-, 194x9
Sol-Bäder, X019 Elektrische Bäder, 5027 Inhalationen, zusammen
94678 Kurformen.
Verschiedenes.
Ein neues Tätigkeitsfeld für die Schau-
spielergenossenschaft. Die „Kommunale Rundschau**,
das Organ des Reichsverbandes deutscher Städte, wird einen
Artikel des Generalsekretärs der Genossenschaft Deutscher Bühnen¬
angehöriger, Dr. Osterrieth, bringen, der sich eingehend mit der
Frage der Städtebundtheater befasst und zur Leitung solcher
Theater die Genossenschaft der Bühnenangehörigen in Vorschlag
bringt. Er weist darauf hin, dass durch Beschluss der Delegierten¬
versammlung vom Jahre X910 das Präsidium der Genossenschaft
beauftragt sei, für die Schaffung von Städtebundtheatern
einzutreten und sie eventuell innerhalb der Grenzen der vor¬
handenen Mittel in eigene Regie zu übernehmen. Nachdem
er kurz die wirtschaftlichen Vorteile berührt hat, die die Ueber-
nahme von Städtebundtheatern durch die kapitalkräftige Genossen¬
schaft den kleinen Städten bringen müsse, setzt er zum Schlüsse
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deutgcher Städte wird ■v^ieüeicht hö<rh :in, stirnei ; toijähiri^
Qenecilverssimtntung ßhet dies« Prnjekt beenden; ^Frkh Ztg.i
B i fc E f h si 11 u n g d c r a H c fl M a i n b r ü Ck e Kar le d e ä
G rcasetSi 8eit jahfen ist Eranfcftlrt am Mäiu vejv eirJei»
s chwcr en Vertust e bed r ohl, 4er dein elterHlm Hc hie u Ghara kie r
des Südibildes unberectititit-aren Schaden jcufügep würde: dte
aUe ßdain h röckei die tnit iUren irßt aigen, roden Sanditeinpfeile tn
und -Bogen Fränkratt am Mättj beherrscht, hat ^t'ch ixv den
letale» Jahrein immer mehr als em schwere* yerkebf&UinfJenvts
erwiesen. Die frÜbmitifelaJlerJicbLdn Eagitn iind schön seit Jahr^
jtehnten tiir den gewaltsig an wachsen den Flttasi?erkebr an eng
iind aum Teil ^rind sie durch dtfe Sehiffe SfStg&f bis :sur Ema^r^'
g efahr beecha dtg b Üu n, 4^ miebdf e 70 -Mit 11 iö n c □" Ba u d es
grossen gntuitteihif vnr der Völbndüng siebt,
I äs^t ^IcJi tf Ver E nt^^betdu d« f Brb c^ke^fV ige n i r ht n g e f
hinausKChiebiiitti Unekiij^keferer) <w*scb^^^ dem preussisc'hen Staat
und d:er Stadt Frtthk/wrt haben bieher die Losung der Praf*
Ver^ 0 gerh 4e tm ^ndn 91 t tithx e fiainrgemä bs d an ach, 4an iür jdl<>
aite cbÄr^ktefj^iiach und in seiner gEdruneeneü
Sifetjge sö tmpüshj^t^ l^AuW^rfe ^u erhaben und striübte sicE
mit Hecbi gegen de^; ^edankeny der Stelle dtr PlHkke Kaxj«
des Of osAen eine iiföderße Eiseukönsuultiiön erstehen *U aehen.-
Nub hat fiais StadtbaVi^^ti s^o berichtet der ;,Ci^et:öfiä''^j duKlh
den TietbanVorstsfid kbelle eitieti Plan lertigstcUcu 'fassen, der
im weacmikheri die Erha.ltutjg, dieses hisiorischen
alter Baukünei, gäwährkl^tÄt^ das neue Bfückenmbdeil brirtgt
durch VcrritigtTiirrg der Arj^abd der Flutbögen bei |g;leKbielliger:
Verfareiteruiig und Erhöhung eiüe Bcibehaliung des bisheVigen
baulFcbftn Chnrdkter^ iihd ^chäjfFt damit ein Bild, dai^ siuch TÜr
da)i ^sdh^scL vefwdhtite Auge keine Schädigung der maiefi^chen
/restmtWirkung bietet. Der Flbn Isi s^wöbl vt?m preDMtsclien
S^ate als von der Stadt Prunkfuft hb^tts und j|fer»de
}etEt. wird , ein Preiaau sschteiheri: ert*s tjeo, das FrankfUtter
öröc^enfejaukün stier n dir djfese^t IdbiicäMtn Öftdankdnia
Überweist.
Aücb drt re^ireiide kjlein^ M^uiusel mit
vb^lett öaüwefiten Wird d^^ufcb Wöhl .erbhlieu
Biicherschau.
Die Verein i g u n gr; 1. hternatinnÄler Pe t? ä i o ut e n
Gross- B e 1 1 ? 4 s ' versendet beteiiwjilffgsi einen Stadfp^u von
Etrtin nebst et nein Vera cjCFsniÄ der Ängefichlösseöea Pedaißtien,
Der Plan ist aü :-beJ!ihery 44^^^ von MoseW Bediib W öa,
Keithstr, t ^ Fi m, ^JSch4l/i -H 24 , K«ed4ebstr. töS; Hrau R,
Riedel, tJW 40^ Hibdef$trt 9 tr/i 4 .
des fedAttdSG^^ TeUes,
jk^K rarwu wwtlitdr UU dtu iüitftäfls. ttfil ; J öb« f dcHuia ae b ■ r
Th für tib4 sisutieliflü Tiii äei &tiftd*»-
aarlific^lUsQ l Ür. ft «7 ^* f i i U^ÄchaftVilößut( 48 k Üaotfitbet Varirefers*
ia ; fÜT Üsii r ü a & 7^ 8 r k in I>e*fl«ldqrr,
Diuek y iMrlaflü tlar i> U a s a I a tfht t U.j; a a «* • U fs Dn»eldbfr.
i-i|;ia^W.L^r:uj
Kaufmünn. Leitung
Direktor EatLn,
ÄfittL I.eiMing
BK hiEeä, Stäehlj^.
^ürd, bttvut ftiv-* iti di^h ItÄiUimL VbT^vfbtlfr itureh KtKihon
bä vo^ ’^V i' 1 vr^ ht^' 1 lü. ; 11V -t MlWIrw h fy tU ih l». 1 €t di d
cTiMn^iiftiti^iäslbfK dltise beiidibn
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btvd ^iJT Zfi'häi/mig ÄLij^rnt-ruiil dnd
Ätpjiiil (i fp V'orri 11 l;i&tFuüpf ä^H !iitlndl\>djrut TjtiH brnrj^f.^l EVruni^i'n
nbd dii'btT Fxdjj:pni, iVk*? IbVtybdürtdifiii t. Ivris'mf'r« lUjsjbP^Tirvif rjuik-
bt' ii. Sk tt h, ■ ..V U rH d iM j I i J *, , J f b i b' • ■ ’ >’ il't k i W i^
'rid-Tint kii :^'iVfbi 4 d>‘ fiv^ti rddnntil. nji i’i v‘^nt|i id i ■ wejLo'f i ->Jr*f»
J "id■!■ p*If*>iif'HM':i F'f; ■ i h ■ ulti*t i\ T:^ IkTIc^■,, As 1 i•^
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VtrdBviiflb d u >ft#nrerBkr&aB vidfmetfüit. >h n4,^^'
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f^ö^bhuiok 'löi' mit ye^öiahllui^sSJ lIp'U verRel /dMn Timniltii i-ni
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B n or$on fOi die deutschen oerkehrs-lntetessen ■ m
Amtliche Zeitschrift des Bundes Deutscher verKehrs-Verelne
Sept. 1911
Burg Cochem an der Mosel
IMiot. Aufii, I). Klisscrath. Coohriu
Schnellste Uerblndungen zulschen Hnmhn rg und den nonllschen Hauptstddten.
(Zusammengestellt von der Königlichen Eisenbahn-Direktion Stettin )
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6«p~tJC.flvv
94 ?atvv 4 *rvU.vi^e
Berlln-(«»oiei.b.rD)-Rristianla.
Fahrjir.: 1. 89. h), 11. 59 30, III. 38.70 M.
Einmal umsleigen zwischen Saßnitz
Hafen und .Malmö während der Fahrt
im Durcligangszuge.
1109 8i5 ab Berlin an 835 034
047 12115 IR Stralsund A 503 305
458 212 Saßnitz Hafen j 3io 108
910 035 y Trälleborg
9^ 710 an Malmö
1015 738 ab Malmö
4^ 21 ^^^ an Gotenburg
1200 1010 an Kristiania
10^ S-Js
ab 1001 766
an 938 736
ab 333
ab 734 545
Fahrzeit: Berlin —Gotenburg 18/19Std.
Berlin - Kristiania 26/27 Std.
Berlin-Kopenhagen.
Fahrpr.: I. 37.00, 11. 27.40, III. 17.70 M.
Einmal umsteigen in Malmö.
1109 815 ab Berlin an 835 6^
458 212 o,b Saßnitz Hafen ab 3io IO 8
950 716 an Malmö ab lOoi 756
1002 815 ab Malmö au 9^ 7^0
1127 950 an Kopenhagen ab 822 6®^
Fahrzeit: 12/13 Sld.
Berlin-Kopenhagen.
Fahrpr.: I. 36.30, 11.25.50, 111. IG.OOM.
Durchlaufende Wagen 1. — II. Kl.
Schlafwagen.
8‘i9 1108 ab Berlin an 855 (;38
1236 302 CK Rostock A 500 222
^102 3 ^ AVarnemünde 45i 222
315 5 ^ y Gjedser 230 1 222
042 944 an Kopenhagen ab 11^5 822
Fahrzeit: 10/11 Std.
Hnrnhurg-Stochholm.
Fahrpr.: 1.70.60, 11.48.20, 111. 31.10 M.
Einmal umsteigen zwischen Saßnitz
Hafen und Malmö während der Fahrt
im Durchgangszuge.
913 7m ab Hanihurg an 958 8‘£1
1012 822 ^ Lübeck A 904 729
1238 1018 : Rostock ' 655 519
247 1205 Stralsund 522
458 222 Saßnitz Hafen 1 322 1^®
1022 730 y xMalmö 1022 756
853 Stockholm ab 10^7 830
Falii-zrii; 23 Std.
Hamburg - (Gotenbnro)— Kristiania.
Fahrpr.: 1.83.40, 11. 5(;.50. HI. 36.20 M.
Durchlaufende Wagen 1.—III. Kl.
Schlafwagen.
913 710
ab
Hamhiirg an
958
8H
10*2 822
R
Lübeck Ji
901
7-9
1238 l()is
Rostock
()55
5*9
247 1205
Stralsund
522
322
458 217
Saßnitz Hafen
3*0
108
1015 73«
Alalmö
1001
75G
4^ 218
y
Goten bürg ^
333
13:4
1200 1010
an
Kristiania a
b
734
545
Falii'zeit
: Hamburg -Gotenburg 19 bis
19 St., Hamburg —Ivristiaiiia
26/27 St.
Hamhurg-Kopenhngen.
Fahrpr.: 1.30.30, 11. 22.70, III. 13.50 M.
Durch laufen de Wagen I.—II. Kl.
Schlafwagen.
913 11 ^) ab Hamhiirg au SH 6>5
102 332 m Warnemünde 1 159 222
310 553 t Gjedser A 230 1222
642 944 an Kopenhagen ab 1165 822
Fahrzeit: 9/10 Std.
Hamhurg-Kopenhngen.
Fahrpr.: I. 28.20, 11. 21.40, III. 12.70 M.
Zweimal umsteigen.
705 1108 ab Hamburg an 1050 723
915 1^ m Kiel 1 850 527
ßto 863 A Korso r ? 244 IQOO
448 1005 an Kopenhagen ab 1245 750
Fahrzeit: 10/11 Std.
Hamburg -(Fredericia)— Kopenhagen.
Fahrpr.: 1. 30.30, H. 22.70, III. 13.50 M.
Durchlaufende AVagen I.—II. Kl.
Schlafwagen.
838 822 al) Hamburg an 1142 844
149 1 ^ 4^ Vamdrup A 642 ßn
302 ojo Frederica | 542 222
ßm ß28 y ICorsör 155 9^
836 8*3 an Kopenhagen au i 2 oo 750
Fahrzeit: 11/12 Std.
DEUTSCHLAND
Organ für die deutschen Verkehrs-Interessen
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Nr. 9
Düsseldorf • September 1911
II. jahrg.
Der Cochemer Krampen.
Text und photographische Aufnahmen von Prof. Ad. Plathner.
Als im Mittelalter im süd¬
westlichen Deutschland das weit¬
verzweigte und reich ausgebildete
System der Römerstraßen all¬
mählich verfiel, und bevor die
neuere Zeit ihre Kunststraßen
anlegte, die mit geschickter
Ueberwindung der Steigung auch
Gebirgs-Landschaften durch¬
queren, bildeten die Flußtäler
die natürlichen und fast ein¬
zigen Verkehrswege. Auch die
moderne Eisenbahn folgt in
bergigem Gelände soweit als
möglich den Flußbetten. Aber
manches Gewässer zieht wie in
toller Willkür, nach eigenen
Launen seine Bahn, ohne sich
darum zu kümmern, ob die ge¬
rade Linie nicht vielleicht die bequemere und zweckmäßigere
wäre. So kennt schon der römische Dichter Ausonius (4. Jahrh.
n. Chr.) die Schalkhaftigkeit der Moselle, die sich darin gefällt,
dem Wanderer durch ihre fast auf den Ausgangspunkt zurück¬
laufenden Windungen zu necken. Dadurch hat der Fluß auch
bis in die Neuzeit hinein auf weite Strecken den Schienen¬
strang von sich ferngehalten. Erst im Jahre 1905 wurde die
Moseltalbahn vollendet, welche die Ortschaften zwischen Trier
und Bullay mit einander verbindet, und der ganze Talweg von
Bremm (oberhalb Eller) bis Cochem ist noch heutzutage von
keiner Bahnlinie durchzogen, eine sicher an einem bedeutenderen
Flusse seltene Erscheinung. Kurz hinter Neef tritt der von
Trier nach Coblenz fahrende Zug in einen kleineren Tunnel
ein, überschreitet darauf die Mosel, um nach einiger Zeit
wieder in einem Tunnel, dem 4,2 Kilometer langen Kaiser-
Wilhelm-Tunnel, dem längsten von Deutschland, zu ver¬
schwinden. Braust er aus diesem in Cochem wieder hervor,
so hot er eine Krümmung von 22 Kilometer Länge, den sog.
Cochemer Krampen, abgeschnitten. Dieser verdient es
keineswegs, so beiseite liegen gelassen zu werden: Denn
abgesehen davon, daß er die charakteristischen Eigentümlich¬
keiten der Mosellandschaft ausgesprochen und in reichem
Maße darstellt, enthält er einige der schönsten Punkte des
gesamten Moseltales.
Der ganze Krampen läßt sich gliedern in zwei Schenkel, am
Anfang und am Ende, der erstere von Eller bis Nehren fast
östlich, der letztere von Ernst bis Cochem im ganzen west-süd¬
westlich gerichtet, dazwischen drei nach Osten gekrümmte
Bogen, der größte und am weitesten vorspringende der von
Beilstein, dazwischen eine tiefere Einbuchtung nach Westen
oberhalb Beilstein und eine flachere unterhalb davon. Schon
unterhalb von Bremm, dessen Moselfront unter anderem
ausgezeichnet ist durch ein zweigiebeliges Fachwerkhaus
(von 1670) mit reichem Schnitzwerk, besonders an den
Fensterbrüstungen, beginnt jene erste nach Osten gerichtete
Strecke. Die linke Seite, wo Rebenterrassen den steilen
Abhang des Calmund erfüllen, bildet einen wirksamen
Kontrast zu den weicheren Formen des rechten Ufers. Jetzt
ist das grüne Wörth mit diesem ganz verwachsen, früher
war es vom Flusse umrauscht, und die Trümmer der Kirche,
die es trägt, sind die Ueberreste des Augustinerinnenklosters
Stuben, das 1136 hier gestiftet, 1790 in ein freies Damen¬
stift umgewandelt und in der Zeit der französischen Revo¬
lutionskriege aufgehoben wurde. An die Au schließt sich
Buchenwald an und führt langsam zur Höhe hinauf, die von
der Peterskapelle gekrönt und am Fuße von dem vorher
erwähnten ersten Tunnel durchbrochen wird. Ihre Fortsetzung
bildet der Hochkessel (421 Meter). Seine mit Wald oder
mit grünen Wiesenstreifen bedeckten Abhänge lassen an der
Mosel nicht einmal für einen Weg Raum, während jetzt auf
dem linken Ufer ein freundliches Vorland mit Feldern, Wiesen
und Baumpflanzungen den Fluß begleitet. Es beginnt an der
Stelle, wo der Ellerbach die linksseitige Bergwand durch¬
bricht und der Eisenbahn das Tal schafft bis zu dem Mundloch
des Tunnels. Bald kommen wir den dicht bei einander
liegenden Orten Eller und Ediger näher. Letzteres läßt
sich urkundlich bis ins Jahr 635 zurückführen, und von
seiner ehemaligen Befestigung sind noch einige Reste vor¬
handen. Nicht minder tragen zu der malerischen Wirkung
der Uferseite bei die in der reizvollen Mannigfaltigkeit der
alten Zeit aufgeführten Gebäude. Auch das Innere des Ortes
birgt noch einiges kunstgeschichtlich Interessante. In zwei
zierlichen, geschmackvollen Türen ist der Rokoko- und
Empirestil vertreten, der rheinische Holzbau durch ein
hübsches Haus in der Oberstraße mit Rundbogengesims
am massiven Erdgeschoß, geschnitztem Eckpfosten und an¬
sprechender, in dieser Form oft vorkommender Brüstungs¬
füllung und durch das älteste bestimmt datierbare Fach¬
werkhaus der Mosel. Die Untersicht des Giebelvorsprungs
(der Nase) zeigt die Jahreszahl 1549. Das durchbrochene,
vor dem Giebeldreieck angebrachte Holzwerk (der sog. Zier¬
oder Schwebegiebel) kommt in ähnlicher Form in Bruttig
mehrfach vor. Endlich lohnt die Kirche einen Besuch. Eine
kräftige Brüstungsmauer mit weit vorgekragten Bögen stützt
die Terrasse, auf welcher der Chor ruht; rechts daneben
Beilstein (Mosel): Kirchenportol
408 DEUTSCHLAND Nr. Q
steigt unter einem Tor die Straße nach Cochem allmählich
empor. Die Verzierungen des Turmes, die rote Sandstein¬
galerie, die flankierenden Ecktürmchen mit ihren Kreuzblumen
aus Metall und die Dacherker kehren auch an anderen Orten
des Krampens, z. B. in Nehren, Mesenich, Briedern und
Bruttig wieder. Auf dem weiteren Wege bis Senheim bildet
einen Richtpunkt die etwa eine Stunde oberhalb dieses Ortes
frei auf der Höhe stehende Linde. Die Straße berührt das
zerfallene Gemäuer eines viereckigen Turmes, den einzigen
Ueberrest der ehemaligen Ansiedlung Leimen, und den kleinen
Ort Nöhren oder Nehren mit seiner alten, schlichten und
ansprechenden Kirche und erreicht dann Senhals, das Sen¬
heim entsprechende Dorf des linken Ufers. Da Senheim im
Jahre 1838 zum größten Teile abbrannte, bietet es wenig
Altertümliches; aber schon in der Römerzeit überschritt hier
eine Straße, wahrscheinlich eine Verbindung zwischen der
Trier—Binger und der Trier—Andernacher Höhenstraße, den
Fluß. Späterhin kamen die Warenzüge aus den Nieder¬
landen nach Frankfurt hier durch; heutzutage gehen Wege
oder Straßen nach Bullay, Merl, Grenderich, Liesenich
und Strimmig (auf dem Hunsrück) von hier aus, und neuer¬
dings. ist eine Ueberbrückung der Mosel an dieser Stelle
geplant, ein neuzeitlicher Beweis für den sicheren Blick
der Römer in der Beurteilung von Verkehrsmöglichkeiten.
Gerade die Außenseite der Moselkrümmung bei Senheim
ist durch steile Rebenterrassen hervorgehoben, unterhalb
verschwinden sie bald wieder, und in zunehmend breiterem,
erst hinter Briedern wieder schmäler werdendem Streifen
übernimmt jetzt das rechte Ufer das grüne, von mannig’-
fachen Formen des Pflanzenwuchses belebte, sanft abgedachte
oder ganz flache Vorland, während auf dem linken Ufer
Weinberge den größten Teil des tiefen, nach Westen ge¬
richteten Bogens einnehmen; den steilsten Abhang und damit
die beste Weinlage bietet der Rüberberg, Briedern gegenüber.
Auf dieser ganzen Strecke des linken Ufers berührt die Straße
nur ein Anwesen, einige Gebäude gegenüber Mesenich. In
Mesenich selbst ist außer einem leider überputzten Fach¬
werkhaus (von 1585) mit zum Teil verschiefertem Erker
und einem früheren Besitztum der Abtei Brauweiler, einem
Barockbau des 18. Jahrhunderts, eine Einzelheit am Kirch¬
turm bemerkenswert. Die romanische Form der über einer
Mittelsäule gekuppelten Fenster kommt an der ganzen
Mosel und am Krampen auch sonst vor, aber hier sind
die Kapitelle als Köpfe profiliert. In Briedern ist die Kirche
durch einen Fachwerk-Anbau erweitert, eine im Rheinlande
seltene Erscheinung. Unter den Bürgerhäusern wirkt
eins sehr anziehend, weil es ohne architektonischen Auf¬
wand durchaus eine bestimmte Eigenart aufweist.
Bald kommt nun eine Burgruine in Sicht,
die einzige des ganzen Krampens; sie deutet
die Nähe von Beilstein an. Nur an dieser Stelle
durchbricht ein längeres Tal vom Hunsrück
her die Uferhöhen, es mündet aus gerade an
dem mittleren, größten und am weitesten nach
Osten vorgeschobenen Bogen des Krampens,
annähernd gleich weit von Eller und Cochem
entfernt. Wege und Straßen führen von hier
nach Zell und Merl an der Mosel, nach Strimmig’
auf dem Hunsrück und nach Kloster Engelport
im Flaumbachtal. Hatte somit die Natur selbst
dazu aufgefordert, einen solchen Mittelpunkt
zu benutzen und mit „ihrer Erfindung Pracht"
den landschaftlichen Rahmen geschaffen, so
hat nun Menschenhand in diesen ein Städt¬
chen hineingebaut, so einheitlich, so mit
der Umgebung übereinstimmend, als seien nur
künstlerische Gesichtspunkte dabei maßgebend
gewesen. Und daß dieses Kleinod weithin
sichtbar sei, dafür sorgt die Lage im Winkel
der weitausholenden Krümmung. Der rechte
Teil des Städtchens (der Ort erhielt 1319
Stadtrechte und 1322 einen Markt) mit dem
stattlichen Burghause lehnt sich an den Schlo߬
berg, der andere steigt zwischen zwei Bächen
zu der 1656 errichteten Kirche und dem
daranstoßenden 1686 gegründeten, 1808 ein¬
gegangenen Karmeliterkloster empor. Alles
überragen die Burgtrümmer, vor allem der
mächtige Bergfried. Im Innern des Städtchens
drängen sich die Gebäude, herrschaftliche aus
Stein und bürgerliche in Fachwerk, neben- und
übereinander, mit möglichster Ausnutzung des
engen gegebenen Raumes, und so entsteht
diese Fülle reizender, ausgeprägter Winkel
und Gäßchen. Die Bauten sind zum Teil Kunst-
und Geschichtsdenkmäler zugleich. Den Giebel
des mächtigen, düsteren Speicher- und Kelter¬
hauses, das die Vorderseite mit dem mehr¬
seitigen, oben in eine Haube ausgehenden
Treppenturme dem kleinen freien Platze am
Rathause zukehrt, während die Längsseite durch
eine Brücke und eine Anzahl Bögen oben Stütze
Eckhaus in Fankel
Nr. 9 DEUTSCHLAND 409
und Verbindung" mit diesem selbst sucht, ziert eine Wappen- lieh jenseits zwischen Obstbaumhainen hervorschauenden
tafel in Renaissanceformen mit der Jahreszahl T577. Das Dörfern Po 1 tersdorf und Ellenz. War jenes ursprünglich
gleiche Wappen und dieselbe Jahreszahl kehrt über dem ein Reichslehen, so waren sie Reichsdörfer; aber nachdem im
Bogen des Eingangstores wieder. Damals stand die Burg mit Jahre 1309 Kaiser Heinrich von Luxemburg Johann von Brauns-
Zubehör schon in Lehensabhängigkeit von Trier, im früheren horn zum Richter über beide Orte ernannt hatte, fielen sie
Mittelalter war sie Reichslehen gewesen, und die Herren von nach dem Aussterben dieses Hauses (1363) mit Beilstein als
Winnenburg oder Wünnenberg (im Enderttale bei Cochem) Lehen an die Herren von Winnenburg. So vollzieht sich hier
hatten die Herren von Braunshorn, die von einer Burg ein Stück der Entwicklung, welche die gesamte politische
nördlich von Castellaun stammten, abgelöst. Als nämlich Geschichte Deutschlands seit dem Mittelalter beherrscht: Die
im Jahre 1363 der letzte männliche Sproß dieser letzteren Reichseinheit und die Reichsgewalt tritt zurück, Einzelgewalten,
Familie starb, war Gerlach von Winnenburg durch seine geistliche und weltliche, kommen an ihrer Statt und auf ihre
Heirat mit Lisa von Braunshorn der nächste Erbberechtigte. Kosten empor. Von älteren Bauwerken ist in Poltersdorf
Den Winnenburgern folgten 1652 als Lehnsträger die Frei- die Kirche zu erwähnen. Die Turmspitze krönt eine rad-
herren von Metternich. Auf der oben erwähnten Wappen- artige Metallverzierung, den Fuß der Turmpyramiden beleben
tafel weisen die drei Hörner auf Braunshorn, die Kreuze auf mehrere Erker, deren Nasen oben in Metallverzierungen über-
Winnenburg hin; die drei Muscheln der Metternichs finden gehen. Die Fenster sind zu zweit über der Mittelsäule ge-
sich erst, zusammen mit den eben erwähnten Zeichen, als kuppelt. Die Durchfahrt unter dem Turme war wegen der
Herzschild auf einem Wappen an einer Mühle im Hunsrück- Beschränktheit des Raumes praktisch notwendig, hebt aber
tale oberhalb von Beilstein. Etwas mehr als ein Menschen- zugleich das Gesamtbild, wie so oft bei älteren Bauwerken
alter später erlebten die neuen Besitzer des Schlosses dessen künstlerische Wirkungen und praktische Zwecke in natürlicher
Einnahme (Oktober 1688) und vollständige Zerstörung (März Verbindung stehen. Am Moselufer in Ellenz erinnert eine
1689) durch den französischen Generalleutnant Grafen von dem hl. Sebastian geweihte Kapelle an das Erlöschen der
Montalt, aus der Zeit der glorreichen Verheerungskriege Pest im Jahre 1624; der Turm trägt einen ganz besonders
Ludwigs XIV., des allerchristlichsten Königs. Wieder ein reichen Aufsatz aus Kunstschmiedearbeit. Noch etwas älter
Stoß von Westen her, einer der Eroberungszüge, welche die ist ein Fachwerkhaus, das sich mit seinem Giebel quer
französische Revolution im letzten Jahrzehnt
des 18. Jahrhunderts aussandte, war der Grund,
weshalb die Herren von Metternich auch das
Burghaus am Fuße der Ruine (das jetzige
Hotel Lippmann mit den großen Wirtschafts¬
gebäuden, Speicher usw.) aufgaben. Die Zeit
der gewaltigen Erschütterungen und Um¬
wälzungen um die Wende des 18. bis 19. Jahr¬
hunderts ist verewigt durch die Inschrift unter
dem preußischen Adler am Rathaus: „König¬
lich Preußisches Großherzogtum vom Nieder¬
rhein". Die Bezeichnung, eigentlich der Name
für eines der oft so willkürlich zurecht¬
geschnittenen napoleonischen Staatengebilde,
ist hier erhalten geblieben, trotzdem dieses
selbst nur so kurze Zeit bestand, und der
größte Teil von ihm schon seit 1824 „Rhein¬
provinz" heißt.
Ehe wir Abschied nehmen von dieser
romantischen Stätte, steigen wir noch einmal
die steile, vielstufige Steintreppe zur Kirche
hinan. Frisches Grün sprießt über dem
Portal und zu Füßen des Christusbildes in
der Muschelnische; eine feine geschnitzte
Kante hebt den Mittelpfosten der Tür hervor.
Hier können wir die Bilder früherer Tage an
uns vorbeiziehen lassen, hier können wir
hinabschauen in das malerische Gewirr der
Schieferdächer, Häusergruppen und vielver¬
schlungenen Gassen, und über den Fluß hin¬
über auf das breit und behaglich hingelagerte,
unten ganz flache, dann sanft ansteigende
halbkreisförmige Gelände des andern Ufers,
das mit seinen ruhigen, gleichmäßigen Flächen
einen wirksamen Gegensatz hervorbringt zu
den scharf ausgeprägten Formen und den
mannigfaltig ausgebildeten Umrissen der Land¬
schaft und des Städtchens auf der rechten
Seite. Doch wie heutzutage die Beilsteiner
Fähre einen regen Verkehr zwischen beiden
Ufern vermittelt, so bestand auch schon in
alter Zeit eine Gemeinschaft politischer Zu¬
gehörigkeit zwischen Beilstein und den freund-
Rathaus in Fankel
410 DEUTSCHLAND Nr. Q
vor eine Seitenstraße legft. Die
ausgesprochene Entwicklung in die
Höhe, mit der die starke Betonung
der senkrechten Holzglieder und der
spitze Dachwinkel zusammenhängt,
die geringe, dem natürlichen Wüchse
folgende Krümmung der größeren
Streben weisen das Gebäude trotz
der Jahreszahl 1611 der Holzarchi¬
tektur der älteren, gotischen Zeit zu.
Die große Heerstraße bleibt
dauernd auf dem linken Ufer; rechts
führt von Beilstein nur ein schmaler
Weg auf steilem Uferrande, neben
steiler Felswand. Doch bald er¬
weitert sich das Tal auf dieser
Seite, und oberhalb eines früher
flußumrauschten, jetzt ganz mit dem
Lande verwachsenen Wörths er¬
scheint der Ort Fankel. Mehrere
Staffelgiebel heben sich schon von
weitem ab und künden ein höheres
Alter an. Tatsächlich fühlt sich
der Wanderer, zumal wenn er von
Norden, von Bruttig her kommt,
beim Anblick des Tores in eine mittelalterliche Stadt versetzt.
Das größere Gebäude, unter dem sich die hier eintretende
Straße nach kurzer Zeit gabelt, und aus dem sie in mehreren
dunklen, rundbogigen Toröffnungen hervorgeht, ist das Rat¬
haus, in Urkunden auch Tanz- und Spielhaus (Spelhuisse)
genannt; noch heutzutage dient es als Tanzsaal für Hoch¬
zeiten und andere Feste. Das Straßenbild, welches wir jetzt
überschauen, enthält alle die Eigentümlichkeiten, die ältere
Städte zum Unterschiede von den modernen so anziehend
machen: Die gewundenen Linien der Straßen selbst, die
Verschiedenartigkeit der Höhe, der Giebel und der Dachlinien
der einzelnen Häuser, die Mannigfaltigkeit in der vertikalen
Gliederung (Erker und Vorkragungen). Besonders kräftig ist die
— das
Haus in Ellenz (1611)
linke Straßenecke betont durch das
hoch aufsteigende, mit 2 Türmchen
oben flankierte Gebäude, nach
seiner ganzen Anlage auch noch in
gotische Zeit zu setzen. Renaissance¬
formen dagegen zeigt ein hübscher
Erker, der mit gebräuntem Holz und
weißem Fenstergitter aus der efeu¬
umsponnenen Wand eines Hauses
am Wege nach Bruttig vorspringt.
Der eben genannte Ort enthält als
Hauptsehenswürdigkeit — neben dem
schönen spätgotischen Turme der
Kirche, dem alten Schulhause und
mehreren Fachwerkbauten, zum Teil
mit dem früher erwähnten Schwebe¬
giebel — das Schunk-Feidensche,
früher Paulische Haus, vom Mosel¬
ufer weithin sichtbar. Die Formen
des massiven Baues (die ornamen¬
talen Stücke, wie Fensterrahmen,
Giebelrand aus rotem Sandstein) ent¬
sprechen der Jahreszahl 1659; die
Renaissance geht allmählich in den
Barockstil über. In der Raumver-
teiliing und Innenausstattung finden wir die Grundzüge des
älteren Moselwohnhauses wieder, nur in größerem Maßstabe
und in besonders glänzender künstlerischer Ausschmückung.
Eine ähnliche Behandlung der Decken, Balken mit einfachem
Schnitzmuster, auf Unterzügen ruhend, kommen auch an
anderen Orten der Mosel vor, aber die Treppe mit ihren
prächtigen Gewänden und der in einem Stück durch mehrere
Stockwerke reichenden Spindel, ein Werk, an dem ein Meister
der Holzschnitzkunst seine ganze Erfindungskraft und feinen
Geschmack zugleich offenbart hat, die Rahmen von Türen und
Wandschränken in ähnlichen Mustern, dazu ein Kamin aus
gebranntem Ton und ein Ofen, dessen gußeiserne Platten zahl¬
reiche Darstellungen aus der biblischen Geschichte enthalten,
sind Kabinett¬
stücke besonderer Art,
denen auch die weitere
Umgebung nichts Eben¬
bürtiges an die Seite zu
stellen hat. Von den
Fenstern auf der Rück¬
seite des Hauses füllt der
Blick auf ein zwar nur
sechzig Jahre älteres,
aber weit altertümlicher
aussehendes Gebäude
in H o 1 z a r ch i t e k t u r.
Ein mit einem Helm be¬
deckter Turm flankiert
die eine Giebelseite, ein
Tor, über dem statt eines
Gesimses Schwertlilien
üppig sprießen, vermit¬
telt den Zugang zu dem
Hofe und vollendet das
ausdrucksvolle architek¬
tonische Gesamtbild.
Unterhalb von Bruttig
beginnt die letzte der
drei östlichen Bogen des
Krampens; wie überall
fällt nach der Außenseite
der Krümmung die Berg¬
wand steil ab, während
Ediger an der Mosel
Bruttig b. Cochem: Fachwerkbau (1599)
Nr. 9 DEUTSCHLAND 411
Tor in Fankel
der sanft abgedachte Kamm gegenüber mannigfache Vege¬
tationsformen gestattet und den Ortschaften Ober- und Nieder-
Ernst, die zwei ziemlich alte Fachwerkhäuser enthalten,
genügend Raum bietet. Fern in der Richtung auf Cochem
heben sich schon auf der freien Höhe die Umrisse eines
mächtigen Baumes ab: Es ist die Löscher Linde, deren
riesiger Stamm schon an
250 Jahre zählt. Im Vorder¬
gründe aber, am rechten Ufer,
sucht Valwig zwischen Berg
und Fluß sich den nötigen
Platz. In einer schmalen, an¬
steigenden Straße ruht hier
auf massivem Untergeschoß
ein ansprechender F a ch-
werk-Oberbau; dieBalken-
köpfe springen unverkleidet
vor, das Dach ist durch
sogenann'te Aufschieblinge,
wie oft an der Mosel, ge¬
knickt. Auf diese Weise er¬
hält der Verband des Dach¬
gespärres eine größere Festig¬
keit, und zugleich wird die
Dachlinie graziöser. Vorbei
an einem zierlichen Heiligen¬
häuschen aus Holzwerk, durch
köstliches Rebengelände führt ein Weg zu den Häusern
von Valwigerberg und seiner Marienkapelle, die in ihrer
Schlichtheit so charakteristisch, in ihrer Unregelmäßigkeit
so harmonisch wirkt.
Von aufopfernder Fürsorge für die Aermsten der Armen
redet weiter abwärts links ein ausgedehntes einzelnes An¬
wesen: Ebern ach, ehemals eine Propstei des Klosters
Maria-Laach. In den umfangreichen Gebäuden, die nur zum
Teil aus älterer Zeit stammen, pflegen und behüten Franzis¬
kanerbrüder über 300 Geisteskranke. Die ganze Anstalt liegt
etwas abseits von der Straße, unmittelbar an dieser eine
Kapelle mit kräftiger, etwas schwerfälliger Barockschnitzerei.
Mit Entsetzen vermag die dort befindliche Wasserstands¬
marke (von 1784) den Wanderer zu erfüllen. Auf dem rechten
Ufer verdeckt der rote, der
Lurley ähnliche Felsen der
Brauseley einstweilen noch
jeden Ausblick. Aber er
gleicht einem Vorhang, der
das Schönste und Prächtigste
nur verhüllen will, um es
überraschend und vollständig
auf einmal erscheinen zu
lassen. Sobald das Schiff um
die Felsecke herumgebogen
ist und sich Sehl, dem jetzt
mit Cochem ganz zusammen¬
gewachsenen Nachbarorte
nähert, eröffnet sich ein ganz
einzigartiges Landschafts¬
bild: Hinter der vornehm¬
ruhigen Mosel - Krümmung,
über den Häusern von Sehl
und Cochem, die zum Teil
den Ufersaum bedecken, zum
Teil schon den Berg hinansteigen, erhebt sich stolz und
frei der Felskegel mit dem neu aufgebauten Schloß und
dahinter rechts in der Ferne die Ruinen der Winneburg
des Stammsitzes der früher erwähnten Ritterfamilie. Gegen¬
über Cochem lagert sich Cond, und im Hintergründe
zwingen hochragende Bergwände den Fluß von neuem zu
einer Windung. Unter den tief herabhängenden Zweigen
der Bäume, welche die Straße freundlich begleiten und
Bremm a. d. Mosel: Zierfenster mit Brüstung
412 DEUTSCHLAND Nr.9
beschatten, versenken wir uns still, wie g^ebannt, in das
wundervolle Naturg-emälde vor uns, das „des Abends sanfte
Röte lieblich malt". Aber indem Gestalten und Geschehnisse
versunkener Zeiten in unserer Erinnerung- emporsteigen,
wandelt sich die friedlich heitere Szenerie vor unseren Augen.
Dunkle Wolken schwärzen den Himmel, die Stadt hallt wider
von Waffenklang und Kriegsgeschrei, und auf einmal bricht
mit lautem Krachen die Feuersäule aus dem alten Schloß
Cochem und der fernen Winneburg hervor. Am 16. und
19. Mai 1689 war es, wo de Saxis, lieutenant du roi des
Sonnenkönigs Ludwigs XIV., beide Burgen in die Luft sprengte.
Noch furchtbarer hauste im August desselben Jahres Marschall
de Boufflers; nach Erstürmung der Stadt und nach Greueln
aller Art ließ er sie in Flammen aufgehen. So ging das alte
Cochem zu Grabe, das auf eine reiche Geschichte zurück¬
blickte. In der machtvollen Zeit deutschen Kaisertums war
das Schloß eine Reichsfeste gewesen; aber die Kaiser des
späteren Mittelalters, welche die Reichseinheit nicht zu wahren
Mauerkränzen; er, der einsichtige, willensstarke Vertreter
moderner Großindustrie das Ritterschloß eines unter**
gegangenen Zeitalters I Weithin leuchtet, besonders im
Glanze der sinkenden Sonne, das Mosaikbild des heilige^
Christophorus von Salviati, eine der vielen Sehenswürdig¬
keiten des Baues. Doch auch in der Stadt zu seinen Füßen
liegt manches malerische Plätzchen, manches bemerkens¬
werte Kunstdenkmal. Den Brand von 1689 hat überdauert
das Enderttor mit dem hübschen Fachwerkanbau; nach der
Zerstörung neu aufgeführt wurde das hochliegende Kapuziner¬
kloster mit Kirche (1699) und der Turm der Pfarrkirche, die
dem hl. Martin geweiht ist. Aus noch späterer Zeit (1739)
stammt das Rathaus, früher kurfürstliches Amtshaus, und
wahrscheinlich auch die Häuser mit den Wellengiebeln an
der Moselpromenade. Der neue Bahnhof, der Motive des
alten rheinischen Fachwerkbaues in reichem Maße verwendet,
wirkt günstiger von der Stadt als vom Bahnsteig aus. Der
Haupterwerbszweig ist Weinbau und Weinhandel, dazu treten
Beilstein (Phot. Aufn. v. Apoth. Klisserath, Cochem)
vermochten, deren Interesse auch ganz in der Förderung
ihrer Hausmacht aufging, gaben den Reichsbesitz aus der
Hand. Karl IV., der Luxemburger, brachte diese Entwick¬
lung zum Abschluß, indem er 1346 dem Erzstifte Trier das
Schloß Cochem als volles Eigentum überließ. Doch dieser
Einzelstaat konnte sich, wie wir sahen, gegen die geschlossene
Macht Frankreichs nicht wehren.
In Paris holte sich damals der Deutsche aus guter
Familie seine Bildung, französische Sprache, Literatur, Sitte
und Mode beherrschte Deutschlands Staatengewirr. An¬
gehörige des hochgebildeten westlichen Nachbarvolkes ver¬
ewigten sich auch durch Cochems Zerstörung; die „blonden
Barbaren'^ machten es in mühsamer Arbeit von 2 Vo Jahr¬
hunderten zu dem, was es jetzt ist, und ein Deutscher mit
französisch klingendem Namen, der Geh. Kommerzienrat
Ravene aus Berlin, beseitigte die letzten Spuren ehemaliger
Zerstörung, indem er die Burg in den Jahren 1871 bis 1877
nach den Plänen des Königl. Baurats Raschdorff neu auf¬
führen ließ, mit allen Türmen und Türmchen, Zinnen und
Färbereien, Gerbereien, Holzschneidemühlen, Zigarrenfabriken
und anderes. Dem Personenverkehr und der Warenbeförderung
sind günstig die Bahnstrecke von Trier nach Coblcnz, deren
Züge sämtlich hier halten, die Dampferlinien zwischen den¬
selben Orten sowie die Posten nach Kaisersesch und Lutzerath
und die Verbindungen zu Wasser und zu Lande moselaufwärts.
Diese befriedigen allerdings nur bescheidene Ansprüche, und
auch die Dampfschiffahrt stockt nicht nur in solchen anor¬
malen Sommern wie 1911 oft mehrere Monate. Erst der
Dampfer „Marienburg" hat letzthin trotz des tiefen Wasser¬
standes eine Fahrt von Coblenz nach Trarbach glücklich
vollendet. Aber auch nach einer Bahnverbindung sehnt sich
der Krampen mit Recht. Dabei hot der Freund entlegener,
einsamer Gegenden, die eine unberührte Natur und eine
am Orte erwachsene Kunst noch leidlich rein und ganz be¬
wahrt haben, nur den stillen Wunsch: Möge nicht die Hebung
des Verkehrs mit einer zu großen Verunzierung der Land¬
schaft und einem zu starken Verlust an Kunstdenkmälern
erkauft werden I
Nr.9 DEUTSCHLAND 413
Berncastel.
Berncastel im Sonnenglanze
Jedes Wandrers Herz entzückt,
Mit des Liedes goldnem Kranze
Deine Schönheit sei geschmückt.
Hinter dir die Rebenhänge,
Von der Sonne überflammt.
Strahlst du in des Tales Enge
Ein Juwel auf grünem Samt.
Schwarzgelb deine Banner flogen
Einst in manchem Waffentanz,
Und das Rathaus, seine Bogen,
Schmückt der Sagen Efeukranz.
Hoch am Berg des Schlosses Reste
Künden altes Heldentum,
Streit und Kampf und frohe Feste
Und der Minnesänger Ruhm.
Deines Weines edle Marken,
Die den besten zugesellt.
Tragen auf des Ruhmes Barken
Deinen Namen durch die Welt.
Doctor, Lay und Badstub', Schwanen,
Schloßberg auch, der Landshut Zier,
Zeigen sieggewohnt die Fahnen
Wohl in jedem Weintournier.
Drum auf altgeweihtem Grunde,
Berncastel, blüh' fort und fort.
Beim Pokal in froher Runde
Spricht sich erst das rechte Wort:
— Klingen mag der Heilruf brausend —
„Schütze Gott den grünen Strand,-"
Schirm Dich Gott noch manch Jahrtausend,
Du Juwel im Mosellandl „-
Georg Barthel Roth.
Augsburg. ============—
Man hat nicht mit Unrecht Augsburg die „stärkste
Individualität unter den ehemaligen süddeutschen Reichs¬
städten" genannt. Geschichte und äußeres Bild der
Stadt rechtfertigen
dieses Urteil. Ihrem
ganzen Wesen nach
tritt sie höchst eigen¬
artig aus der Reihe
derjenigen deutschen
Städte hervor, die das
Gepräge einer bedeu¬
tenden Vergangen¬
heit an der Stirne
tragen. Es ist wahrhaft
klassischer Kultur¬
boden, den man in
dieser alten schwäbi¬
schen Metropole be¬
tritt. Als römische
Kolonie ist Augsburg
in der Zeit desKaisers
Augustus begründet
worden, von dem es
noch denNamenträgt.
Nach dem Zeugnis
des Tacitus war die
Augusta Vindelico-
rum der glänzendste
Mittelpunkt römi¬
schen Lebens in den
nördlichen Voralpen¬
ländern. Und wenn
auch von dieser
antiken Stadt heute
keine Bauwerke, son¬
dern nur sehenswerte
Sammlungen in dem
städtischen Maximiliansmuseum augenscheinliches Zeug¬
nis geben, so hat die spätere mittelalterliche Bischofs¬
und Reichsstadt doch aus ihrem römischen Ursprung
mancherlei kräftige
Impulse empfangen.
Aus keiner Epoche
deutscherVergangen-
heit kann man Augs¬
burg hinwegdenken,
ohne ein wesent-
eignisse, als Stätte
eines hochentwik-
kelten industriellen.
Augsburg: Rathaus mit Augustusbrunnen
liebes und leben¬
erfülltes Stück deut¬
scher Kultur- und
Volksgeschichte aus¬
zutilgen. Als Sitz
eines der altehrwür¬
digsten deutschen
Bistümer, als mäch¬
tige mittelalterliche
Stadt-Republik, als
Mittelsplatz zwischen
Deutschland und der
sonnigenWelt Italiens
in Handel, Wissen¬
schaft und Kunst, als
Brennpunkt eines ge¬
waltigen Welthandels
und Großverkehrs,
als Lieblingsaufent¬
halt deutscherKaiser,
als Schauplatz glanz¬
voller Reichs-Ver¬
sammlungen sowie
welthistorischer Er¬
414 DEUTSCHLAND Nr.9
künstlerischen und kunstgewerblichen Schaffens, so tritt
uns Augsburg auf den Blättern der Geschichte entgegen.
Wessen Herz und Sinn ist noch nicht ergriffen worden
von den Bildern, die sich auftun, wenn man der be¬
wegten Zeiten des Kaisers Maximilian I., des „letzten
Ritters", und der Reformation gedenkt, in welchen Augs¬
burg am meisten im Vordergründe stand? Mit Recht
spricht man da von einer Aera der Fugger und Welser,
um die Glanzperiode deutschen Welthandels zu be¬
zeichnen, in der Augsburger Kaufleute, Warenzüge und
Kauffarteischiffe in aller Welt anzutreffen waren und
die Welser in Venezuela eine deutsche Kolonie be¬
gründeten, in welcher
die Kapitalmacht der
oberdeutschen Han¬
dels-Fürsten, vorab
Jakob und Anton
Fuggers, in die poli¬
tischen Geschicke
Europas entschei¬
dend eingriff und ein
Herrscher wie Karl V.
die deutsche Kaiser¬
krone nur mitHilfe des
Augsburger Geldes
erringen konnte. Mit
dieser Stadt ist ja
auch die unvergäng¬
liche Erinnerung an
die Verkündigung der
Confessio Augustana
verknüpft, die 1530
im Saale der bischöf¬
lichen Pfalz am Fron¬
hof vor sich ging, ist
verknüpft die Erinne¬
rungen denReligions-
frieden, der 1555 das
heroische Zeitalter
der Reformation be¬
endete. Eben in jener
Epoche hat Augsburg
der Welt Männer
der Wissenschaft ge¬
schenkt wie Konrad
Peutinger, den ge¬
lehrten Humanisten
und Freund Kaiser
Maximilians, und als
würdige Genossen
des großen Nürnbergers Albrecht Dürer Künstler wie
Hans Holbein, Hans Burgkmair, Christoph Amberger,
neben denen überdies nicht wenige Meister zweiter
Ordnung Beachtenswertes schufen. Und diesem Boden
entsprossen auch so duftige Frauenblüten wie Philippine
Welser, die sich einen Habsburger zum Gemahl gewann
und deren edle Gestalt Sage und Dichtung verklärt haben.
Schon diese wenigen Andeutungen dürften dartun,
welch eine Fülle von bedeutsamen Erinnerungen den¬
jenigen auf Schritt und Tritt umgibt, der aufmerksamen
Auges und Geistes die Straßen Augsburgs durchwan¬
dert. Dabei kommt ihm auch die heimatliche Geschichts-
Augsburg: Alter Wasserturm am Roten Tor
und Kunstpflege, die in der Stadt sehenswerte Samm¬
lungen geschaffen hat, vortrefflich zustatten.
In der Gemäldegalerie, in dem reichhaltigen
und reizvoll ausgestatteten städtischen Maximilians¬
museum und in dem kleinen, aber hochbedeutenden
Fuggermuseum, das in den herrlichen ehemaligen
Fuggers chen Kunstkammern im Fuggerhause
untergebracht ist, dann im Rathause und in ver¬
schiedenen Kirchen, namentlich im Dom, im St.Ulrichs-
münster und in der Kirche von St. Anna ist Gelegen¬
heit geboten, das reiche künstlerische Schaffen Alt-
Augsburgs kennen zu lernen in zahlreichen schönen,
zum Teil einzigarti¬
gen Erzeugnissen der
Malerei und der Bild¬
hauerei, der Gold¬
schmiedekunst und
der Möbelkunst, der
graphischen Künste,
überhaupt so ziem¬
lich aller Zweige des
Kunstgewerbes ver¬
gangener Tage. In
alledem ist die „glanz¬
volle Sonne einer
ruhmvollen Stadtge¬
schichte in tausend
Einzelstrahlen zer¬
legt" und doch ein ge¬
schlossenes Gesamt¬
kulturbild geboten.
Dazu das Stadtbild
als solches! Als das
„Pompeji der Re¬
naissance" hat ein
hervorragenderSchil-
derer altdeutschen
Kultur- und Volks¬
lebens Augsburg in
bezug auf sein archi¬
tektonisches Aeußere
angesprochen. Dabei
dachte er nicht nur an
so berühmte Bürger¬
häuser der Früh¬
renaissance, wie das
fresk enges chmückte
Fuggerhaus oder
das mit Erkern ge¬
zierte Museums¬
gebäude und das Weiserhaus, sondern wohl noch
mehr an die prächtigen Schöpfungen einer von italieni¬
schen Vorbildern stark beeinflußten Straßenkunst im
Zeitalter der Spätrenaissance. Welch eine bewunderns¬
werte architektonische Raumkunst hat diese Zeit mit
erquickender Selbstverständlichkeit hier entwickelt! Da¬
durch vornehmlich ist das charakteristische Aussehen
der Altstadt bestimmt, wenn auch die Gotik früherer
Jahrhunderte und das Barock und Rokoko späterer Zeiten
durch beachtenswerte kirchliche und profane Gebäude
und allerlei architektonische Details eine reizvolle
Mischung in das Gesamtbild bringen. Meister Elias
416 DEUTSCHLAND Nr. 9
bayerischen Seen und Alpengebiete, vorab der
nahe, neuerdings immer mehr geschätzte Ammersee
zu rechnen sind, sondern auch die nächste Landschaft
mit ihren Auen und Forsten, namentlich im west¬
lichen schwäbischen Hügelland. Wer immer in Augs¬
burg für kürzere oder längere Zeit Halt macht, wird
sonach mit den verschiedensten Ansprüchen auf seine
Rechnung kommen; niemand, der Augen hat su sehen
und Sinne Schönes zu genießen, wird ohne Gewinn
für Geist und Seele von dannen ziehen.
Deutschland und Amerika*^
Von Dr. R. W. Drechsler. Amerika-Institut. Berlin.
Was liegt an einem Namen? Und doch muß eine
gewaltige symbolische Kraft in der Tatsache stecken,
daß die Neue Welt ihren Namen aus den Händen eines
bescheidenen mittelalterlichen deutschen Gelehrten emp¬
fing, jenen weitberühmten
zaubervollen Namen, der
durch die Seelen der Men¬
schen dieser Welt wie ein
jubelnder Trompetenstoß
und eine mächtig stür¬
mende Glocke geklungen
hat. Der deutsche Kosmo-
graph Martin Waldsee-
müller, aus Frei bürg
gebürtig, taufte in seiner
1507 erschienenen Cosmo-
graphiae Introductio den
neu entdeckten Kontinent
mit folgender feierlicher
Formel:.und jetzt,
nachdem diese Erdteile
gründlicher erforscht sind
und ein vierter durch
Americus Vesputius ent¬
deckt worden ist, sehe
ich keinen Grund, warum
man diesen Erdteil nicht
nach Americus, seinem
scharfsinnigen Entdecker,
Amerige nennen soll, das
heißt dasLand des Americus,
oder America, da ja auch
Europa und Asia ihreNamen
von weiblichen Wesen ab¬
leiten.“ Die Beziehungen,
die so von Anfang an zwi¬
schen Amerika und Deutsch¬
land hergestellt wurden,
sind niemals unterbrochen,
sondern von Jahrhundert zu Jahrhundert inniger und
fester geworden, und was für eine gewaltige Ent¬
wicklung ist es gewesen, von den Tagen dieses alten
Geographen an, der über den Landkarten des jungen
Kontinents brütete und seine Landsleute und die Gelehrten
aller Welt über das Wenige aufklärte, was damals von
dieser terra incognita bekannt war, bis zu dem modernen
Reisenden und Touristen mit seinen erschöpfenden Reise¬
handbüchern und ausführlichen Karten! Wieviel größer
noch ist die Kluft zwischen Tyrker, dem ersten germani¬
schen Besucher auf amerikanischem Boden, der im
Jahre 1000 n. Chr. mit Leif Ericsons isländischer Expe¬
dition nach „Weinland“ kam, und seinem heutigen Lands¬
mann, der vom Deck eines Hamburger oder Bremer
Dampfers aus die phantastischen Umrisse des geheimnis¬
vollen New York mit klopfendem Herzen grüßt! Tausend
verschiedenartige Kräfte sind unaufhörlich an der Arbeit ge¬
wesen, um solche Wunder¬
werke der Gegenseitigkeit
hervorzubringen. Dann und
wann konzentrieren sich die
Ergebnisse solcher Ent¬
wicklung in besonders mar¬
kanten Erscheinungen, wie
es z. B. die im Frühjahr er¬
schienene deutsch-amerika¬
nische Nummer dieser Zeit¬
schrift ist, oder äußern sich
in weithin wirkenden Reden
bei großen internationalen
Gelegenheiten. Die wich¬
tigste Veranstaltung dieser
Art in der neueren Ge¬
schichte der deutsch-ameri¬
kanischen Beziehungen War
zweifellos die im Dezember
1910 erfolgte Feier der
Enthüllung des grandiosen
Denkmals, das die amerika¬
nische Regierung dem An¬
denken desBaronsFriedrich
Wilhelm Freiherr von
Steuben in Washington
errichtet hat. Die Reden
des Präsidenten Taft, des
deutschen Botschafters und
des Senators Bartholdt be¬
deuten einen Markstein in
der Geschichte der Bezie¬
hungen beider Länder. Die
ganze Feier war durch¬
drungen von dem Geiste
jenes schönen Grabspruches, der auf Steubens Gedenk¬
tafel in der deutsch-lutherischen Kirche in der Nassau¬
straße in New York zu lesen ist: „Hochgeschätzt, ge¬
achtet und gefördert von George Washington, erfüllte er
das Volksheer, das nach dem Ratschluß des Himmels
die Unabhängigkeit der Vereinigten Staaten erstreiten
mußte, mit militärischer Zucht und Tüchtigkeit.“
Die Lektion, welche dieser große Meister des Drills
den Milizleuten der Revolution beibrachte, kam dann
durch eine seltsame Fügung einem anderen deutschen
Offizier zugute, dersiezum Besten seines deutschen Vater¬
landes verwerten konnte. Als der junge Gneisenau,
seines Zeichens Leutnant in der Ansbach-Bayreuthischen
W. H. Toft. Präsident der Vereinigten Staaten
von Nordamerika
') Vergl. den Artikel „Germony and American" in der Amerika-Nummer der ..Deutschland".
Nr. 9 DEUTSCHLAND 417
Armee, im Jahre 1782 nach Amerika kam, konnte er
manches von der neuen Taktik und Strategie des amerika¬
nischen Volksheeres lernen, wie Steuben es ausgebildet
hatte. Zwar blieb er nur ein Jahr im Lande und nahm
kaum Anteil am aktiven Dienst: doch sicher lernte er
da manches für die Aufgabe, die ihn daheim bei der
Reorganisation des preußischen Heeres für die Freiheits¬
kriege erwartete. So fand friederizianische Kriegskunst,
nachdem sie durch das amerikanische Medium gegangen
war und die junge Republik aus der Feuertaufe gehoben
hatte, ihren Weg vom atlantischen Gestade zurück nach
Preußen, um hier den napoleonischen Bann zu brechen
— ein gewaltiges Beispiel für die Innerlichkeit der
gegenseitigen Beziehungen!
Für diejenigen, welche
heutzutage auf dem Pro¬
menadendeck eines der
schnellen Ozeanrenner des
Lloyd oder der Hamburg-
Amerika Linie spazieren
gehen, mag es nicht ohne
Interesse sein, sich zu er¬
innern, daß das erste Fahr¬
zeug, welches eine voll¬
ständige Schiffsladung von
Deutschen nach Pennsyl¬
vania brachte. Gravesend
am24.Juli 1683verließundin
Philadelphia am 6. Oktober
1683 eintraf. Dieses Datum
bezeichnet den Anfang jenes
wunderbaren Prozesses der
Einwanderung,der von jener
Stunde an nie unterbrochen
worden ist. Die ersten
Ansiedler in Germantown
oder „Armentown“, wie sie
ihren Flecken mit grimmem
Humor tauften, kamen ge¬
rade aus denjenigen Ge¬
genden Deutschlands, die
der moderne amerikanische
Tourist mit Vorliebe auf¬
sucht : es Waren zum
größten Teil Weber und
Winzer vom Rhein. Aus
Krefeld, der Seidenstadt,
kamen die meisten dieser
Pioniere, „deren Mühsale
und Anfechtungen groß waren, übertroffen nur von ihrer
christlichen Ergebenheit und unermüdlichen Geschäftig¬
keit.“ Wenn der amerikanische Reisende den Rhein auf¬
wärts zieht und Deutschlands schönste Romantik genießt,
durchwandert er all die Zeit ein Gebiet, aus welchem
seine Nation seit den frühesten Zeiten neues Menschen¬
material und neue Kräfte gezogen hat. Die P fa 1 z sandte
zu Anfang des 18. Jahrhunderts nach New York Tausende
ihrer ,,Gärtner, Schlächter, Maurer, Zuckerbäcker, Brot¬
bäcker, Schuhmacher, Silberschmiede, Gerber, Tabak¬
pflanzer und viele, die mit der Versorgung des Hauswesens,
der Land- und Pferdewirtschaft vertraut waren.“ New
Jersey und Maryland, Virginia, Nord- und Süd-Carolina,
Georgia und Neu-England nahmen nacheinander ihren Anteil
an der deutschen Einwanderung, und allen kamen die her¬
vorragenden wirtschaftlichen und sittlichen Kräfte dieser
Ansiedler zugute. Die deutschen Kolonisten nahmen
sich der Sache der Freiheit mit der ganzen Glut und
Wucht ihrer patriotischen Herzen an. Peter Mühlenberg
und Christoph Ludwig Steuben, Hans Kalb und Georg
Herkimer festigten die Bande der deutsch-amerika¬
nischen Freundschaft mit ihrem Blut. Nicht geringer
war der Anteil der Deutschen an dem großen Vordringen
nach Westen. Sie Waren gewöhnt an die Beschwerden
der Pionierarbeit, beseelt von der Sehnsucht nach einer
dauernden Heimstätte, jener tiefsten Sehnsucht des
deutschen Herzens; und so
drangen sie ruhig und un¬
widerstehlich vor in das in¬
dianische Territorium über
Kentucky und Tennessee
und später durch das Ohio¬
tal, deutsche Jäger und Mis¬
sionare, Handwerker und
Händler, friedlich Seite an
Seite mit den britischen
und anderen Kolonisten.
Theodore Ro ose Veit hat
die aufregenden Abenteuer
dieser großen „Eroberung
des Westens“ glänzend
geschildert und auch den
Deutschen die Rolle zuge¬
wiesen, die ihnen in diesem
Drama gebührt. Vielleicht
läßt sich hier, aus diesen
Assoziationen des deut¬
schen Stammes mit den
Schicksalen der Hinter¬
wäldler, eine Erklärung auf¬
spüren für die merkwürdige
Vorliebe der deutschen
Jugend für den Typus der
Lederstrumpf-Erzählungen.
Prof. C. Alphonso Smith,
der Roosevelt - Austausch¬
professor an der Universität
Berlin im Winter 1910/11,
traf das Richtige, als er in
seiner interessanten An¬
tritts-Vorlesung bemerkte,
„daß es dem Amerikaner
schlechthin unmöglich scheint, an Feindseligkeiten mit einer
Nation zu denken, die mit den Lederstrumpferzählungen
so vertraut ist wie die deutsche“. Diese Vertrautheit
ist denn auch keine bloß literarische, sondern wurzelt
viel tiefer; sie stammt aus der tätigen Teilnahme der
deutschen Rasse an der Eroberung und Erschließung des
großen nordamerikanischen Kontinents. — Im 19. Jahr¬
hundert schwoll der Strom deutscher Einwanderer be¬
ständig an: Wisconsin und Minnesota, Texas, Kansas,
Nebraska und Kalifornien wurden erschlossen und die
stärksten Bande deutsch-amerikanischer Freundschaft
geknüpft. Charles Sealsfield (Karl Postl), der erste
große deutsche Schriftsteller auf amerikanischem Boden
D. J. Hill, der bisherige amerikanische Botschafter in Berlin
418 DEUTSCHLAND Nr. 9
hat die Wechselfälle und Abenteuerlichkeiten dieser
interessanten Zeit in einigen seiner oft bizarren, aber
ungemein fesselnden Novellen und Romane verewigt.
Doch schrieb sich die amerikanische Geschichte selbst
das größte historische Dichtwerk mit jenem zweiten
großen Kriege, der Nord und Süd verschmolz und alle
widerstrebenden Elemente zu einer glorreichen Union
verband, die fast zu gleicher Zeit auch das Ideal des
deutschen Volkes war, um hier nur ein paar Jahre nach
dem Abschluß des amerikanischen Sezessions-Krieges
durch die Errichtung des Deutschen Kaiserreiches ver¬
wirklicht zu werden: eine andere auffällige Parallele,
welche die Innigkeit der Verwandtschaften und Be¬
ziehungen zwischen Amerika und unserem Vaterland mit
symbolischer Bedeutsam¬
keit zum Bewußtsein bringt.
Wenn zwei Länder
gleichen Anspruch auf einen
Mann Wie Karl Schurz
erheben können, der als
Staatsmann und General,
Schriftsteller und Redner
die besten nationalen Eigen¬
schaften beider verkörperte,
so kann zwischen diesen
Nationen nur Sympathie
und freundschaftliches Ver¬
ständnisherrschen. Niemals
ist die Verquickung sol¬
cher nationalen Zweiheit zu
einer geschlossenen per¬
sönlichen Einheit besser
verwirklicht worden als in
diesem größten Deutsch-
Amerikaner, der ein so
guter Amerikaner war, weil
er ein so guter Deutscher
war. Als er im Jahre 1852
in seine neue Heimat kam,
hatte er eine Segelfahrt von
28Tagen hinter sich: trotz¬
dem war er voll freudiger
Entschlossenheit und nahm
sich vor, „alles von der
hellsten Seite zu sehen und
sich durch keine Enttäu¬
schung aus dem Gleich¬
gewicht bringen zu lassen“.
Dieser echt amerikanischen
optimistischen Lebensregel,
die gerade für Reisende in fremden Ländern Leitspruch
und Prinzip sein sollte, hat außer Schurz der große ameri¬
kanische Reisende und Dichter Washington Irving Aus¬
druck gegeben in der Vorrede zu seinem unsterblichen spa¬
nischen Reisebuch, der „Alhambra“: „Vor allen Dingen ver¬
sahen wir uns mit einem gehörigen Vorrat an gutem Humor
und dem aufrichtigen Bestreben, die Dinge so zu nehmen,
wie wir sie fanden, glatt oder rauh, und immer Freude
an ihnen zu haben.“ Jeder Reisende ist schließlich in
seiner Art ein Vertreter des Landes, von dem er kommt.
Ehrliches Bestreben, die Natur und den Charakter des
fremden Landes zu begreifen mit allen ihren Vorzügen,
Nachteilen und Eigentümlichkeiten, die Art und Weise
zu verstehen, wie die Leute im fremden Land ihr Leben
führen und die Dinge dieses Lebens anfassen, eine be¬
sondere Bereitwilligkeit, allen Gelegenheiten die beste
Seite abzugewinnen: das sind die Grundsätze, die jeder
Reisende im fremden Lande als wertvollstes Reisegut im
Koffer führen sollte.
Abgesehen von dem beständigen Austausch indi¬
vidueller Reisender und Auswanderer, die als eine
lebendige Kette in unaufhörlicher Bewegung von einem
Ufer des Atlantischen Ozeans zum anderen sind, haben
sich auch die offiziellen Beziehungen beider Länder
stets würdigster Pflege erfreut. Kaum eine andere
fremde Macht hat als amtliche Vertreter nach Berlin
Männer von so außerge¬
wöhnlichen Eigenschaften
gesandt wie die Vereinigten
Staaten, Männer, die sich
durch Charakter und Bil¬
dung, Geschäftstüchtigkeit
und Gelehrsamkeit aus¬
zeichneten. Botschafter
wie George Bancroft,
Bayard Taylor, Andrew
D. W hi t e haben dem deut¬
schen Volke einen hohen
Begriff von dem Genius der
großen Nation gegeben, die
sie vertraten. Das feine
Gleichgewicht, auch der
amtlichen Beziehungen, ist
stets gewahrt geblieben;
denn die deutschen Ver¬
treter in Washington,wie von
Holl eben, von Stern¬
burg und Graf Bern¬
stor f f, haben sich als ihrer
amerikanischen Kollegen
durchaus Würdig erwiesen.
Glücklicherweise hat es
ebenfalls nie an Einflüssen
gefehlt, welche die gün¬
stigen persönlichen und
staatlichen Beziehungen in
kräftigster Weise gestützt
und gefördert haben. In
ersterLinieisthierbeinatür-
lich zu denken an die ge¬
waltige Entwicklung der
Schiffahrt in den letzten
Dezennien, wie sie die interessante Geschichte der
Hamburg- Amerika Linie und des Norddeutschen
Lloyd darstellt. Die Statistik dieser beiden deutschen
Riesenunternehmungen zeigt besser als alle Abhand¬
lungen, Reden und Vorträge die Lebenskraft, die den
Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und
Deutschland auf allen Gebieten innewohnt. Hier kann
der Beobachter den mächtigen Puls dieser Wechsel¬
beziehungen fühlen, wie er in dem Rhythmus der großen
Schiffsmaschinen schlägt; hier enthüllen sich dem Blick
die tausendfältigen Fäden, aus denen die Bande der
Brüderlichkeit gewoben sind. Verwirrende Ziffern von
John G. A. Leishmon, der neue Botschafter
der Vereinigten Staaten von Amerika in Berlin
Toflnetigf^iistU; unä Dime)iafoneii der SGlaffe^ Vöti^xÄ
mellen per Sitmde und Pferd&kiäfteb,- die NameTt der
^öWreiciten; Linten mä Seehäfen,; der Wertetäiien und
0dck$ bilden ein Itupo^nnfes da^ geeignet
feine emigermaöen ztdängijche Vprsteiiiing der Qrö^e
dffe^^^r Oesellsthaften zu gehen,
' jd;m aber- dOcb . vor ■
dfii? Be^ieNüngeu ’ dienen, ihre
Haridelsflotfe bewältigt fled gröfieran Td^ des Hahdets-^
. verkehrt^w^^rschiEn den beiden Lnndern, der zu ungeahntem
ÖmMfj^e äfigewacbäfeti/ ist. Der Import DeutschIsinds
ndüv dbu Stu^ted für 1909/10 be-
Städieii S49555926 Dolleri sts Verkäufer tt/ird
Deüt?sCllatid mH diesen '-"■
iJ^iileni nur Tiocb v-on Grol3^
britnunjenaufdem äTnejJM-; ■
hlselTon j^'^arkt
Oi^ Errtcbtiing cW am erb
kaivL^rhett^
IhderdeiiHrten Hauptstadt
ist fein Ecblagertder BfeWeSs
für die ftusgedetinten Ham
del,sbe;&iebub^fefer Bel dem
F^eslbankeii: dieser
VeremigMg stellte der
OirekföT der, Deulsdien
■Bank'- tfife- Behaupt ubg \,.
daB;-äufeb ■dte.'de:Ut'schs.'B^.r--''
.;" tfeÜlgüni^'r.am ■■ ■■■■■ämerikäfii;' ....
■kekeu'- fidrsfep ut&kt ■'g.fe^feh"';:';
wärtig. endJicH Mtifen Üm-
fat3g-a^§[€»>n'tufen bat,.der ■
den-' iielitfiC'h
srdü^n Hkndefcbeiriehtmgea.
fentspfIcbi,:Vüai' u'
konsuJan$<he Täti^keH in
den ificbtifetfen Sstödtfeb
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Bfötvfeii für dife
Ht'bendigkWlt üb d Lebens^
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^eiHsebe Geschäft vkdfäUfg bfefirmhtet und sHgeteg i ^
und srjr hat die Neue Wdt. zum Sdiuicl ab-
kßßtied der deütjs^rä:! Arbeit m deuisebe
Lesungen in den
allen NaOpnen i$i l>^tsclüsb'4’:^äbr.dftiE^5fen
gewesen amenkbniödie Grrung'eujichaftett ;aütonfei#i"n
untl von jhüen m lernen. Deuischbmd würde auch, das
erste Land .sein, wdbg dfe gmfien Beiträge iuf
sation der Menschheit an^üerkfenhen,. die. ATheHka ixmh
d^m Äus'^priiieh des eheman^en ..Lkijversiläfsffr^ijidonte^
Ghörtes Eliöt geltefeH; bst:- ,Ber F^^rt^dirht; den
die.;V^ereihTgten Staaten nicht nui in der Theprfe^^^pßdern
auph in di^r Praxis; öfebtei der
Schiedsgerichtsfrage gemacht hapenii da? grobe p
der religiösen TöIerauÄ: di^e EntWjckliing ,-feia^.s um-
fesepd.j^u >^l^em'feiaen BeWefs; den
gebfeWl ^; daß sjeb die Vdlker Verschiedenster
ured bfder günstigen. Uibsti^hdfeti ;aehi
WM tar pöiffechen Pretbetil. erzlehaa lassen; und endlich
ibfe-Vferbtfeitbug mai: ferifeh eu ,Wpli Istandes uhier die größt-
mögliche der Bevölkerung-h Ebenso hat Deutsphland
: schdPÖ di goldeiiC Lebte des „achfesse :
Ifeijit,: 'Reiche: dip .großen: ämfertkanisebeü Wohttälfb^r^
Wirksam gepredigl nrtd betiitigt \mbtn . ihre hd
-. /-. ' dater, auch iii Oentkchland
sprjdhwd^rtiicU- = fdt ■ ■■' größ-^;--
üilgige Ff¥gebigkMt gfe^
Wonjen. ,,Dhjs EvahgeljiiJTi
des Reichtums'^ das .sie
Verbffelteien^ ist aupl ^4
den besitÄ^bdein K!a$^fen
Dentschland s gedru pgeriv
dlfe Sfet^t: au af len Enden
dein Rufe nach BetätigtU>ä
Pier böefe staaBbüfget-
iicfen tugemt imd PfiiclH
folgen, Ühd: .ukiil phnn
tiefste B^epkMnrkfeHi i&i.
daß 4er feuplf ^ciillch^te;
amerikciui^cbe '., Vertreter
dieses groÖörrttgfen, offeü-
I ichen iVor
kuf^em
Kaiser \
Verf fö.'':':Er
■'nchtung
■’S t H t u n er
fr> Dedtschiüfid, Dieser
■ leUle.. - Beitrag , zur För^
dernng der dentscb-ainerN
-: kanfschfen Bfe^3ehuiigen er-
: ü ffnfet ürtgeainite A usbl(cke
und. Mögficbki^ite
Gebiete d^r, Völkerfreiind-
schalt* Am24.^$fefjtfember
Joü4 schrieb Carnegie au
den deutsche^ Dpbfe.tsetj^e^^
^, , . ^Bvangefiums, .des
t>T4 f ;■ V'uü fe: rfb. i J V lUscL o r: Bc tsch ■■ Ir Wö s h i n.g ic,r\ eitht u i ui- 1 ■': ■' Wir ''^oIHfe n
i\k vet4:f£S5en. wie der detHsche Kaiser bfe! einer denk-
WÜrdigerj Gelegenheit daran erwmrie^ dass, die EngtiscU
sprfeebfibdeü Rassen, Briten nnrf Am^fik^n^rt Vom gbfekm
teuiohäsfcheu Urspnmge ün4 'wie die- BetHschen: darum
WrdlfeB vi^f. .,:
r ‘.>-, lü d.ie.^etu Freimtiscfcaftsbiirul feajrn Beut^ti-
fand die Rolfe spfefeu, diV A^nrerlkii .aa Ruderer
Wip^e m den Augen, Europa« ge^pteff .
DetH^diland besitatt alle 'hm Etgen^ch^irteir/ i^uricK dje
eÄ dem aivledküuiscbcm . Gbiste als ein >.Land. unbe-
gf^pzter .kann mH . seben
feintighrtigen .^ solfüen
Ku);turWer!efiL ■ptil; disiä.-'Land^^
420 DEUTSCHLAND Nr. 9
Gegenwart, sondern „das Land der Zukunft“ für alle
Amerikaner, welche die gewaltige lebendige Seele ihres
Landes erweitern und vertiefen wollen. In der Ent¬
wicklung dieser großen Volksseele kann niemals eine
Stockung eintreten, solange Deutschland das Mekka der
amerikanischen Reisepilger bleibt.
Die Uebergabe des Steuben-Denkmals in Potsdam.
Die Uebergabe des Steuben-Denkmals durch die Sonder¬
botschafter der Vereinigten Staaten Richard Bartholdt und
Charles B. Wolffram, die zu den bedeutendsten lebenden
Vertretern deutschen Schrifttums und Vermittlern des deutschen
Geistes in Amerika zählen,
fand am 2. September in
Gegenwart desKaisers, zahl¬
reicher Fürstlichkeiten und
hoher Persönlichkeiten statt.
Dieser feierliche Vorgang
lenkt abermals die allge¬
meine Aufmerksamkeit auf
die alten geschichtlichen Be¬
ziehungen zwischenDeutsch*
land und den Vereinigten
Staaten hin, die bis in die
Tage der Unabhängigkeits¬
kämpfe der Union zurück¬
reichen. General Steuben,
welcher als junger Offi¬
zier unter Friedrich dem
Großen gefochten und sich
in reifen Mannesjahren dem
Dienste für den jungen Frei¬
staat jenseits des Ozeans ge¬
widmet hat, vertritt für seine
Person und für ungezählte
nachgefolgte Stammesge¬
nossen den Anteil, den das
Deutschtum zu dem Aufbau
des großen amerikanischen
Gemeinwesens beigetragen
hat, das jetzt als eine Welt¬
macht in die Geschicke der
Völker mitbestimmend ein¬
greift. Herr Bartholdt
übergab dem Kaiser das
Denkmal mit folgender in
deutscher Sprache gehal¬
tenen Rede : „Ew. Majestät I
Im Aufträge des Präsidenten
der Vereinigten Staaten sind
wir übers Meer gekommen,
um in Vollziehung eines
Kongreßbeschlusses Seiner
Majestät dem deutschen
Kaiser und dem deutschen
Volke das von Jägers
Meisterhand geschaffene
Standbild des Generals von
Steuben, eines großen Deut¬
schen, Bürgers und Helden
zweier Welten, als Geschenk
des amerikanischen Volkes
darzubieten. Wenn ich in
Erfüllung dieser ehrenvollen
Mission der Dolmetsch der
Gedanken und Gefühle des
amerikanischen Volkes sein darf, so freut es mich, im
Namen der Sonderbotschaft des Präsidenten versichern zu
können, daß das dargebotene Geschenk ein Unterpfand des
Friedens und der Freundschaft sein soll und zugleich eine
eherne Bürgschaft für die Aufrichtigkeit des von uns Ameri¬
kanern gehegten heiligen Wunsches, daß die Bande tradi¬
tioneller Freundschaft, die, gefestigt durch den Kitt der
Blutsverwandtschaft, das große Deutschland stets so innig
mit den Vereinigten Staaten verknüpft hoben, sich immer
enger um die beiden Kulturvölker schlingen mögen. Der
Name Steuben hat jenseits des Meeres einen gar guten
Klang. Sein Träger war die Verkörperung deutscher Ordnung
und deutscher Manneszucht und jener Treue, von der der
Dichter sagt, daß, wenn sie
nicht so alt wäre wie die
Welt, gewiß ein Deutscher
sie erfunden hätte. Er war
nicht nur der Ordnung
schaffende Genius der
Kolonial-Armee, sondern
auch der unermüdliche
Organisator des Sieges.
In gerechter Würdigung
seiner großen Verdienste
errichtete ein dankbares
Volk, nationale Unter¬
schiede hochherzig außer
acht lassend, seinen Manen
vor dem Weißen Hause in
Washington ein Denk¬
mal, das jene Ver¬
dienste, sowie über¬
haupt denrühmlichsten
AnteilderDeutschenan
der großen „Frei-von-
England'" - Bewegung
versinnbildlicht und
späteren Geschlechtern in
dankbare Erinnerung rufen
wird. Und die heutige Feier?
Sie ist gewiß ein schöner
Akt internationaler Höflich¬
keit, aber dürfen wir die be¬
reitwillige Annahme dieses
Standbildes nicht auch dahin
deuten, daß Steubens altes
Vaterland und sein hoher
Herrscher gerne diejenigen
würdigen, welche dem Deut¬
schen Namen in der Fremde
Ehre gemacht haben? Die
Tatsache, daß das auf
deutschem Boden errichtete
Steuben-Denkmal auch
diese Sprache redet, wird
von Millionen Herzen jen¬
seits des Meeres, die an¬
läßlich dieses Aktes heute
an sich höher schlagen,
mit hellem Jubel begrüßt
werden. Von der sach¬
lichen zur politischen und
ideellen Bedeutung dieser
Feier ist nur ein Schritt.
Gibt es wohl zwei Völker,
die, auf der Tradition unge¬
trübter Freundschaft fußend
und einer Zukunft noch innigerer Beziehungen entgegenblickend,
besser berufen wären, in dem großen Humanisierungswerk
der Zeit, in der Förderung von Kunst und Wissenschaft und
in allen auf die Hebung der Volkswohlfahrt gerichteten Be¬
strebungen gemeinsame Sache zu machen? Wir leben in
einer Zeit internationaler Verständigung, welche die Erkenntnis
gereift hat, daß die friedliche Entwicklung wichtiger ist, als
alles, was die Völker entzweit, und Deutschlands 40jähriger
Friede bietet Amerika die Gewähr, daß es nur des Anstoßes
Das Steuben-Denkmal in Potsdam
Ein Geschenk der Vereinigten Staaten an das deutsche Volk
Nr.9 DEUTSCHLAND 421
bedarf, um die schon bestehende gfeistige Verständigung- zur
politischen Tatsache werden zu lassen. Möge der heutige Tag
zum geschichtlichen Markstein solch glücklicher Entwicklung
werden." — Der Kaiser erwiderte folgendes: „Mit aufrichtigem
Dank nehme ich das Denkmal in Empfang, das Sie im Auf¬
träge des Herrn Präsidenten der Vereinigten Staaten von
Amerika und in Vollziehung eines hochherzigen Kongre߬
beschlusses mir und dem deutschen Volke als Geschenk des
amerikanischen Volkes übergeben. Als vor einigen Monaten
das Steuben-Denkmal in Washington enthüllt wurde, hat man
überall im deutschen Lande mit Interesse die Feier verfolgt
und mit lebhafter Befriedigung gesehen, wie erhebend und
eindrucksvoll sie unter regster Beteiligung von Regierung
und Volk verlaufen ist. Jetzt freuen wir uns, von diesem
tüchtigen deutschen Mann, der in begeisterter Hingabe und
vornehm schlichter Pflichterfüllung der Sache des amerika¬
nischen Volkes seine Kräfte widmete, ein von Amerika ge¬
stiftetes Abbild auch auf deutschem Boden zu besitzen. Die
Worte, mit denen Sie der Bedeutung des Standbildes und
der heutigen Feier beredten Ausdruck verliehen haben, finden
im Deutschen Reich lebhaften Widerhall. Mit Recht haben
Sie auf die blutsverwandten Beziehungen und die ununter¬
brochene Freundschaft hingewiesen, welche die deutsche und
die amerikanische Nation miteinander verbinden und stets
und immer enger verbinden sollen. Ich bitte Sie, meinen und
des deutschen Volkes Dank entgegenzunehmen, daß Sie hierher
gekommen sind und uns dies schöne Denkmal übergeben haben.
Ich darf der Erwartung Ausdruck geben, daß Sie sich auch bei
dem Herrn Präsidenten und bei dem amerikanischen Volk zum
Dolmetsch dieser unserer Gefühle machen wollen."
Professor Münsterberg.
Professor Münsterberg, der bekannte Harvarder
Psychologe, welcher zwei Semester hindurch als Aus¬
tauschprofessor an der Universität Berlin gevdrkt
hat, hat am 24. August d. J. Deutschland verlassen, um
sich nach seinem akademischen Wohnsitz in Cambridge
(Mass.) wo die Harvard-Universität belegen ist, zu be¬
geben. ProfessorMünsterberg
las an der Berliner Universität
während des Wintersemesters
IQlO/ll über „Experimen¬
telle Psychologie" und „Idea¬
listische Weltanschauung", im
Sommersemester IQll über
„Einführung in die Philo¬
sophie" und „Willensfreiheit".
In ehrenamtlicher Neben¬
funktion war er mit der
Gründung und Organisierung
des Amerika - Instituts
betraut, das unter der be¬
hördlichen Leitung desKultus-
ministeriums eine Zentral¬
stelle für die systematische
Förderung der kulturellen Be¬
ziehungen zwischen Deutsch¬
land und den Vereinigten
Staaten darstellen soll. Aus
Anlaß seines Scheidens und
in Anerkennung seiner ver¬
dienstvollen Leistungen in
diesem reichen, doppelten
Wirkungskreise verlieh ihm
Seine Majestät der Kaiser
den Roten Adlerorden zweiter
Klasse. Ein kurzer Blick auf
den Lebensgang und das
Schaffen dieser interessan¬
testen aller lebenden deutsch¬
amerikanischen Persönlich¬
keiten magalsEinleitung dem
vorangehen, was Professor Münsterberg selbst über das
Institut, diesen krönenden Abschluß seiner langjährigen
Bemühungen um deutsch-amerikanische Freundschaft
und Verständigung, zu sagen hat.
Am 1. Juni 1863 in Danzig geboren, absolvierte
Hugo Münsterberg das Gymnasium seiner Vaterstadt
und widmete sich philosophischen, psychologischen,
naturwissenschaftlichen und medizinischen Studien in
Genf, Leipzig und Heidelberg. Nachdem er 1885 zum
Dr. phil. in Leipzig und 1887 in Heidelberg zum Dr. med.
promoviert hatte, habilitierte er sich 1890 als Privat¬
dozent der Philosophie in Freiburg i. B., um bereits 1891
zum außerordentlichen Pro¬
fessor befördert zu werden.
In dieser Zeit schon traten
bei dem Schüler Wundts
diejenigen wissenschaftlichen
Studien in den Vordergrund,
die das Hauptwerk seines
Lebens bilden sollten: schon
1889 veröffentlichte er „Bei¬
träge zur experimentellen
Psychologie" und erwarb sich
als experimenteller Psycho¬
loge einen solchen Namen,
daß 1892 ihn die große ameri¬
kanische Harvard-Universität,
an welcher der berühmte
Psychologe William James
wirkte, zur Organisierung
eines psychologischen Labo¬
ratoriums berief. Mit be¬
hördlichem Urlaub folgte
Münsterberg der Einladung;
doch entwickelte sich aus
dieser nur als vorübergehend
gedachten Verbindung ein
dauerndes Verhältnis, und
so wirkt denn Münsterberg
seit 1892 an dieser ältesten
amerikanischen Alma mater
als ordentlicher Professor der
Psychologie und Direktor
des psychologischen Labora¬
toriums. Seine Bedeutung in
der internationalen Gelehrten¬
welt zeigte sich, als man ihn im Jahre 1904 mit der
Organisierung des Internationalen Gelehrtenkongresses
der Weltausstellung von St. Louis beauftragte, einer
Riesenaufgabe, die er glänzend löste. Es scheint, als ob
seine psychologischen Studien und Erkenntnisse ihn
gerade zu jenem genialen Organisator in der Beherrschung
Professor Hugo Münsterberg
422 D E UT SCH LAK D Nr. Q
von Xlensdt^t und Verhältnissen gemflcHt als
der er s^jck wieder bei der Gründung des Ain-eTiiciJ^instiniis
bewä brE i\a b Be so n d e rs b ervo rz u h e b e n ist, daÖ Pro hm ör
Milbsierberg trotz seines achtsehjnjährigert AdferttbäUei:
irr deh Vefem^gteb StaeteB; deutscher Reirhsblirg^dr ge-
b1 1 eheh ;ts L In di e sef B4zii ehung i st sein Buclv -,rA üs^
P e ulscK-A m eri ka B er li n 19 OQ, b es önd e r$ e rWa h neri
wertt Als Miitler größten Stils zwischen deh beiden
Ländern Kat er sich betätigt niit seinem großen
bäncligen Werk ,,Die Amerikaner^, Berlin 1904, von dem
in Kürze eine umgearbeitete Auflage erscheinen, %vird.
Neben seinen, rem fach wisse n sch aftlich^n Sch ri Mn be¬
anspruchen noch be^öndäre Beachtung für den äfJge^
meinen Leser seine ^Amerikanische CharakterzügG'^ (eng-
UschhBoston 1003^ „Das ewige Leben'" (englisch), Boston
19Q5^ Ond „Psychotherapie" {englisch), New ybrk 1909,
yOh Mb h S t HaWard-Aust^iisdv^röre^br an der Urtiv$rsil^it in feriin/
pätf'ilflE
Di e S G h Sn eh l< ä ütri^ ' d es h e ue n Am e r i ka -1 n-sti tii ts
wurden offizieH mit S^gihn -diesfe Jäfe^s eröffnet, Um
jeder Mißdeutuhg yöFV vArTvh&r yDr^irböugen, seiMlas
Folgende gesagt : Diese Ahkündigirng ist nichl nur anF
Ziifassen als eipe mehr oder weniger herzlfchtJ Bih-
iadung an die arnerikanfsehen Reisenden, das Institut
als eine neue Sehenswürdigl;eit in der schonerttleuiäcKen
ffauptstadt lu besuchen; auch soll damit
n} Cht dev Ein druck erweckt: wenfeh ^ ols ,;v' ^ Vr T'*
sei £: h ^eb\e Rä uvnti c h kal tp n ä Ik. Ha vtji t~
tjuartierÄu beirachteh AmetikaMr
seih e LähdiaI^dte IreiTen kabh. oder ajs
in Aus k un ft b u r e mi , wo P a hfp 1 än e und
1 lpt+’lfüiir?^r auf durchreisendAmeö-
kaMc; w^jjten ■ .Das Institut hht kcdne“^
dienet Ziei^y und- difcv bioß Schötdü^i^G.n
w »ird e u u ux d e ß rB fei ri feb ■ i'h' d e n st$dhs
Rddfh ;:d es Ivi^t 1 Ip.i^ ^ to rfeh' Die n ve i st eh
wefdäh nun dem'ScMuß kdnvmön, daß dh s
Amerika dnsiiUd wßhviirc Kehn lieh e in&Unter'
ri cß ^ B in ri c h t u n g ! Sa i : w i e; di e äm e n k<v-'
n tsc hen Ccd 1 öges fm Ö vie .n ty v>e]Jeic ht fh
Hferm für Qin.er:äkähi5Che StuMntefh
Aehniiche^. Nichts von üilddeuv M es.
Das Ame ri kerl nst itii f in BevKci ist dj e Vev'
wirkji Ghvu>g ■ ine^ vü [1 jg ne uen, \H^n fe<;, es:
ist dipv^erÄte UntfethöhrMh seiner- Arb doch
iiofi'feh tvir feiTi'ri(:luigy dtrS es nur vi?:^^, t;rs;te
ein e r i öT^ gen. R.el h e Vi feit o r e r s öle her 1 j s ^
s i itu tionei 1 sein wird. Der tuts ist;
shldit^Ölicb, die KuiturbeMhur^gen ’^wL^cMn Dtiutschland
uncl den A^eLffelnlglen Staät^f^ fordert $tär]tfen
unrl düdürch in düs/ hlcht^kothiEne^lelfe^^^^ . möht-
politische Feld jeM GrdnuKlA^^ CXTgäni^^ihöh ^
rt5iiö.n^lfer IhtGi essei\ hiheifizutragen, ,d^eh si ich HKutiei
und Jv^üik :z^r äUen Xeitön^ e
: : Auf den Kulturgebiete.n , wfes . bisher ntles .deh ge-
leieFÜli^fc'A -Ern
dcjnüfifn.tspt^cbehd ein C:h,ao$. Sichcr^kh hai m auf
deiitsÖfifef Seite: hkfvt hfi Berrtühvvhjgen gfefehlte hirt' dem
a ri pi^cb eh: L #?e n- a n nt; zu we rdeh d ie
Betftehm\geK zci fördehm, für die ?ehnMHhonen
De t j t^c h “ Ata er l k a hJpy t H ^ n ä t ü r liehen V fer nüt t fe w 3 r^n.
Und ^ noch m e h r 1 ha b e ri s d i e A i ne r 1 kaMn he tu ö ht,
d ie deivtsc hejv eu itu; t udi er e n im r 1 mi t u tsd lei^
i d e en v e rt ra u t V.ü ^ w e rde fi:: . Tü u $ etü 1 fe vö 1 1 antö lik an i -
sehen Studenten bähen ß deuitsjchen
Universilöfen übeh derr getfägen, und Hundefb'
tousende von Reisenden haben unser.Vateriahd kwMh
gelernt; Und doch wn^sen schheßlkh beiden
gioBen fortsehntiHehäteri Natmaen nur wenig von;
ander tmcl sind sieh viel tu wenig bewußt, wieviel sjfe
von emander fensn können und wieviel mehr jede
d.9 s B t ü z eu u n d gen |e ü e n k ön n te, was d.k fe nde re b ffetet
:NeImen. w -1 r ein Beisp 1 e11 D 1 e oberflächllchstfe Ueber-
sie h £ der llebersetzüngej\ aU s der Literniu f ii^lgt,. daß
[ /i’i'Ä
A ni t? r ikfi-l n s t i Ui i in ßej li t\t Di rek t ti ry i W rp v t
viele der besiten deufecheir Sucher hfembls ins Englische.
6 heJ'setzt w cu den st hd, w u h rc n d v 1 elem w^ertIosfem
Gesehreibset die unverdiferne;:BKffe der ep^bschen
Uebersetzung zuieü geword^ih O^tmu so lii rietn
petdsdrbfV dk BekahmÄch^k hdt tnöKHkm
TU 1 nd e rw er t i g en B rz e u gn i sse n de r ä rn e r ik anlsehe n Li t eT*-
ratur. vmu übelt worde 11 > während viele der:gediegenslen
und ch^riiikterishstchsten ätnerfkänfehfea Bikher nienißl^
bis Deutsche über^e^zt w'urdem s eä; mm ztirn
B eh ]>kd e Ine de r ZahMi c h fe n Fur^ kd bn en d ^ s A m e r 1 k
InsÜ tutg .sein, ckfür - .Snrge zh Ir0geh, daß dies p Uu«‘
Ordnung aufhöre und, die wertvüüst^n Erzcttgriisse deV
iäivTaturen auf beulen Sei 1 eh de?^: O
> ,fefekbhhf werden. Das isol! Tucht heißesi, du S in» i n st iint
, sei d ^tk e ü i>ef Hfetz l i>r >4 vei ö f 1 ep tl k hi wer d ei n.
. Oes^LtsÜUii würde gegebf^nen BaUs unter Hera ndehung
v^On Fa ci'i männern die g^feeignetstUh Biichcr auszuwühjen
vetsiIcl 1 eh und mit dep Ver Iegerü, Uebe 1 $ w hd
•Autofeh ;verh«^^^ , imv. m AMn Dienst : dieser
■hlefafHchbn Khlhnaufgabß zu siellen- Sölth änrügehde
*! V£Lt|iL Ariik^f nTliw Am^lrpknd^ hV B Wirtin'' jti/fhtr AftWriJüi
Nr. Q DEUTSCHLAND 423
und fördernde Tätigkeit ist typisch für das ganze Pro¬
gramm des Amerika-Instituts. Es ist da, um zu leiten
und zu organisieren, um das Bewährte zu stärken und
das Schädliche zu unterdrücken.
Das Feld, dem diese administrative Arbeit gewidmet
sein soll, ist tatsächlich unbegrenzt. Alles in Erziehung
und Wissenschaft, Kunst und Literatur, Theater und
Musik, Forschung und Technik, Recht und sozialer
Wohlfahrt, öffentlicher Meinung und internationalen
Veranstaltungen gehört dazu. Die bloße Tatsache, daß
große Scharen amerikanischer Studenten über den
Ozean kommen mit einem unbestimmten Verlangen
nach deutscher Bildung genügt nicht, um die besten
Resultate zu erzielen. Unser Institut hat zum Beispiel
begonnen, statistische Umfragen zu halten und Material
zu sammeln mit Bezug auf die Ansichten der hier
studierenden Amerikaner über Universitätseinrichtungen,
Bibliotheken, Studentenleben usw. mit Vorschlägen zu
wünschenswerten Veränderungen. Solche persönlichen
Aeußerungen bilden eine unschätzbar wertvolle Grund¬
lage für die Beurteilung und richtige Behandlung der
amerikanischen Studenten an deutschen Hochschulen.
Vor allem ist das Institut auch bereit, jedem Deutschen,
der nach Amerika mit irgendwelchem Forschungs- oder
Studieninteresse geht, seine Hilfe anzubieten, ihn mit
Rat zu unterstützen und ihn in förderliche Verbindung
mit Bibliotheken und Museen, Laboratorien und Archiven,
Universitäten und Schulen, städtischen und Regierungs¬
behörden zu setzen. Natürlich gilt dasselbe für Ameri¬
kaner, die zu Studienzwecken nach Deutschland kommen.
Als erste handgreifliche praktische Aufgabe hat das
Institut zunächst den gesamten wissenschaftlichen Druck¬
sachenaustausch zwischen Deutschland und den Ver¬
einigten Staaten in die Hand genommen, in gleicher
Weise, wie dies auf amerikanischer Seite schon seit
langer Zeit durch das Smithsonian-Institut in Washington
geschieht. Durchschnittlich 1200 Bücherpakete, die ohne
alle Kosten für Absender oder Empfänger von und
nach Amerika amtlich befördert werden, passieren
wöchentlich das Institut. Gleichzeitig wächst auch die
Amerika-Bibliothek des Instituts stetig: in National¬
ökonomie, Politik, Geschichte, Pädagogik und Sozial¬
wissenschaft weist sie schon beträchtliche Bestände auf.
Die besondere Stärke des neuen Instituts liegt
darin, daß es keinen Rivalen haben kann, noch selbst
Rivale sein kann für irgend eine gegenwärtige oder zu¬
künftige Organisation. Die vielen hundert Einrichtungen,
welche die Beziehungen zwischen den beiden Ländern
fördern, sind unserer Arbeit nicht nur höchst will¬
kommen, sondern unsere vornehmste Aufgabe ist
gerade, sie alle anzuspornen und zu kräftigen. Ebenso
wie eine Handelskammer niemals als die Rivalin einer
Geschäftsfirma gedacht werden kann, so kann das
Amerika-Institut niemals in einen Konflikt kommen mit
jenen zahllosen Gesellschaften und Verbindungen,
Bureaus und Agenturen, privaten und öffentlichen Unter¬
nehmen, die sich zum Ziele gesetzt haben, die Bande
zwischen den beiden Ländern fester zu knüpfen. Wir
hoffen, daß immer mehr und mehr solcher Anstalten ins
Leben gerufen werden, gleichviel ob das Institut direkt
daran beteiligt ist oder nicht. Wir sind dazu
da, die Saat auszustreuen und freuen uns,
wenn andere die Frucht einheimsen. Je
mehr amerikanische Gesellschaften und
Klubs, Bibliotheken und Auskunftbureaus
in Deutschland gegründet werden, und je
mehr deutsche Auskunft-Bureaus und
Bibliotheken, germanische Museen und
germanische Häuser in Amerika entstehen,
in Harvard, Columbia oder sonstwo, um so
befriedigter werden wir sein. Nicht eine
von all diesen Einrichtungen könnte jemals
in prinzipiellen Gegensatz zu unserem In¬
stitut treten, das nur diese tausendfältigen
Bemühungen organisieren und systematisch
fördern will. Unsere Hoffnung geht dahin,
daß auch die amerikanische Regierung
schließlich dem deutschen Beispiel folgen
wird. Ja, wir hoffen zuversichtlich, daß der
Tag kommen wird, an dem eine solche
zentrale Organisationsstelle in jedem
Lande bestehen wird, und zwar nicht nur
für den Verkehr zweier Nationen, sondern für die Kultur¬
beziehungen des Landes zu allen fremden Ländern.
Ein weitgesponnenes Netz internationaler Kulturinstitute
würde dann dem nicht-politischen und nicht-kommer¬
ziellen Leben der Welt dieselbe organisierte Wechsel¬
beziehung verleihen, welche die Diplomatie der Politik gibt.
Mit anderen Worten, wir bedürfen gleichsam einer Schutz¬
zollpolitik auf kulturellem Gebiete, aber nicht, um die
Freiheit zu unterbinden, sondern um Durcheinander und
Zufälligkeit zu überwinden. Im Handel wird der Grund¬
satz der Freiheit reguliert durch die persönlichen Inter¬
essen, die Fortschritt und Initiative sichern. In der
Kulturwelt bedeutet das Fehlen jedes Schutzes, daß
die wichtigsten Entschlüsse den niederen Instinkten,
der Trägheit, dem Vorurteil, kurz allem, was dem wirk¬
lichen Fortschritt entgegenarbeitet, überlassen bleiben.
Im Handel mag eine Schutzzollpolitik auch Nachteile
haben: sie kann nicht eine Klasse stärken, ohne eine
andere zu schwächen; sie kann nicht eine Nation
schützen, ohne die Interessen einer anderen zu hemmen.
Amerika-Institut in Berlin: Bibliothek
424 DEUTSCHLAND Nr. 9
Aber in der Kulturwelt ist der Gewinn des einen auch
der Gewinn des andern. Neue Werke auf dem Gebiete
der Wissenschaft und Kunst, der sozialen Wohlfahrt
oder Technik, neue Erziehungs- oder Unterrichts¬
methoden, neue Institute, Museen und Bibliotheken,
neue Bücher, Kongresse und Expeditionen dienen der
ganzen Menschheit, ohne irgend eines einzelnen Inter¬
essen zu schädigen. Schutz der Kulturinteressen ist
seiner Natur nach selbst international. Er füllt zwar
niemandes Tasche, aber er bereichert die Schatzhäuser
der menschlichen Kultur und erzeugt gegenseitiges
Interesse und gegenseitige Sympathie, aus denen un¬
berechenbare ideelle Werte hervorgehen. Und kann
da noch irgend ein Zweifel bestehen, daß diese gegen¬
seitige Sympathie gleichzeitig die günstigste Bedingung
für die Beilegung aller politischen und kommerziellen
Schwierigkeiten ist? Es kann keinen Konflikt mehr
geben, der nicht durch beiderseitigen guten Willen zu
lösen wäre, sobald die gegenseitigen Gefühle der Sym¬
pathie und der Freundschaft da sind. Die Aufgabe des
Amerika-Instituts, das sich die systematische Förderung
der Kulturbeziehungen zwischen Amerika und Deutsch¬
land zum Ziele gesetzt hat, besteht daher letzten Endes
darin, indirekt auch für ungestörten politischen und
kommerziellen Verkehr zu wirken. Es ist ein Friedens¬
werk, dessen Einfluß von Jahr zu Jahr stärker empfunden
werden wird, aber das schon jetzt ein höchst bedeut¬
sames und vielversprechendes Pfand ist für die herzlichen
Gefühle, die unser Vaterland der großen Schwesternation
jenseits des Meeres darbringt.
Von Eduard von Gebhardts Art und Arbeitsweise.
Von Hermann Board.
Der Großen Kunstausstellung im städtischen Kunstpalaste
zu Düsseldorf, die am 8. Okt. ihre Pforten schließt, ist vor
kurzem ein neues Werk Eduard von Gebhardts eingereiht
worden: „Christus im Hause des Petrus". „Und Jesus kam
in Petri Haus und sähe, daß seine Schwieger lag und hatte
das Fieber. Da griff er ihre Hand an, und das Fieber verließ
sie. Und sie stund auf und dienete ihm". Diese Stelle im
8. Kapitel des Evangeliums Matthäi hat der Künstler der
Darstellung zugrunde gelegt, allgemein soll sie aber ein
Beispiel unbedingten Gottvertrauens wiedergeben. Drei der
neuesten Staffeleibilder des Meisters sind nunmehr auf der
Ausstellung zu sehen; zwei davon, das oben erwähnte Bild
und „Lazare, komm' heraus" (nach Evang. Johannis 11.43)
sind in diesem Jahre entstanden, während das dritte, „Paulus
im Kerker", dem vorigen entstammt.
Die staunenswerte Produktivität Gebhardts, der bekannt¬
lich im vergangenen Jahre noch das große Wandgemälde
„Die Himmelfahrt Christi" in der Düsseldorfer Friedhofs¬
kapelle vollendet und außerdem noch eine Reihe von Tafel¬
bildern religiösen und profanen Inhalts herausgebracht hat,
rechtfertigt das Verlangen nach einem Einblick in seine
Arbeitsweise.
Eduard von Gebhardt steht im 73. Lebensjahre; da
mutet es ganz wundersam an, mit jedem neuen Werke fest¬
zustellen, wie sich bei ihm Temperament und Ausdrucks¬
fähigkeit auf gleicher Höhe halten, ja sich fast zu steigern
scheinen. Ein klassisches Beispiel dafür ist „Christus im
Hause des Petrus", ein Bild, das ebenso sehr die geistige
Vertiefung der Gebhardtschen Kunst, wie auch eine un¬
gewöhnliche Kraft des malerischen Vortrags aufweist. Beim
Lazarus hat er mit Absicht die Farbenskala gedämpft gehalten,
während er hier ohne Rückhalt in die Farbe hineingeht. Dort
wohlerwogene Zurückhaltung, hier ein forsches Sichausgeben,
wo die Vorwürfe scheinbar das Entgegengesetzte erwarten
ließen — Gegensätze, die in der nimmer rastenden Erfinder¬
freude des Künstlers ihren letzten Grund finden. Diese
geistige Unabhängigkeit und Beweglichkeit macht seine
Technik frei. Genügt ihm die Skizze, die Impression, um
das auszudrücken, was er sagen will, so läßt er sie, breit
hingesetzt, stehen, im anderen Falle „arbeitet er sie aus".
Nach großen monumentalen Aufgaben, ist es ihm Erholung,
Frauen- oder Mädchenköpfchen mit spitzem Pinsel bis ins
kleinste durchzumodellieren, gleichsam, als wenn er sich
durch diese Versenkung ins Detail ein Gegengewicht zu
dem Schaffen aus dem Sollen konstruieren müßte. Rastlos
wälzen sich bei dem sich nie Genüge Leistenden die Probleme,
die über Tag und Stunde hinaus im Unendlichen schweifen und
die doch, in irdisches Gewand gekleidet, im künstlerischen
Niederschlage einen allen verständlichen Ausdruck finden.
Dank einer seltenen körperlichen Rüstigkeit und einer
gottbegnadeten Elastizität des Geistes ist Eduard von Gebhardt
dem von innen und von außen auf ihn einstürmenden Drängen
gewachsen. Im erschöpfenden Sinne des Wortes beherrscht
die Arbeit sein Leben, in ihr findet jede seelische Spannung
ihren Ausgleich; eine weit über menschliches Durchschnitts¬
maß hinausgehende Arbeitskraft und Arbeitsfreudigkeit läßt
ihn keinen Tag als verloren beklagen.
Ein geistlicher Verehrer des Meisters hat von seinen
Beobachtungen während der Ausmalung der Friedenskirche
in Düsseldorf einiges ausgeplaudert: Wie der Künstler bei
Tagesanbruch, ausgerüstet mit dem einfachsten Imbiß, hinaus¬
zog zur Arbeitsstätte, wie der damals nahezu Siebzigjährige
tagsüber auf schwindelnden Gerüsten turnte und wie er bis
zum letzten Sonnenstrahl das Tageslicht auszunutzen suchte,
mit einer einzigen Unterbrechung, der halbstündigen Mittags¬
rast, neben seiner Arbeit.
So geleitet ihn auch heute noch das frühe Morgenlicht
zur Arbeit und die Dämmerung zurück, nur daß unter behut¬
samer Kontrolle von seiten seiner Lieben eine regelmäßige
Mittagspause in das Tagesprogramm eingeschoben wird.
Seine Werkstatt auf der Akademie, denn von einer solchen
ist eher zu reden, als von einem Künstleratelier im land¬
läufigen Sinne, hält ihn jahraus, jahrein gefangen. Erholungs¬
reisen, wie sie der gewöhnliche Sterbliche für notwendig hält,
sind ihm lästiger Zeitverlust. Unternimmt er sie einmal auf
Drängen der ihm Nahestehenden, so führen sie ihn ins
Ryksmuseum,ins Mauritshuis, ins Louvre, ins Kaiser-Friedrich-
Museum, nach Dresden und Cassel, kurz überall dorthin,
wo für ihn Anregung aus den Werken der geliebten alten
Meister zu holen ist.
Gebhardt wird kunstgeschichtlich unter den Realisten
geführt. Mit Recht. Aber man wird einem Künstler mit der
bloßen Klassifizierung nicht gerecht. Gebhardts ausgeprägte
Realistik ragt weit in das Gebiet der idealisierenden und
individualistischen Kunst hinein; begnügt er sich doch nicht
mit einer naturgetreuen Abschrift seiner Modelle, sondern
formt aus ihnen Typen, Gestalten, voll von intensivem Leben
und voll Leidenschaft, die Kinder seines Empfindens, Art von
seiner Art sind. Gewiß ist die Natur für ihn ein nie ver¬
siegender Quell, aus dem seine Kunst schöpft, denn nicht
die nebensächlichste Kleinigkeit findet sich auf seinen Bildern,
die nicht vor der Natur gemalt wäre, doch, wie alles Irdische
Nr. Q DEUTSCHLAND 425
für ihn nur ein Gleichnis ist, so ist ihm auch die äußere
Form ein Gefäß, in das er den Strom seiner Empfindung
leitet. Das, was er innerlich durchlebt, was er als Künstler
von sich geben will und muß, das bis zur letzten Ausgiebigkeit
des Wortes klar und verständlich zu sagen, ist Ziel und Zweck
seines Strebens. Die Ausdrucksmittel stehen für ihn dabei
in zweiter Linie, sie passen sich jeweils der künstlerischen
Wiedergabe des Gedankens an. Von den alten Meistern hat
er sie übernommen, aus dem eindringenden Studium ihrer
Werke hat er sich sein Rüstzeug geschaffen.
Alle Welt weiß, daß Eduard von Gebhardt den sich
jagenden Versuchen unserer Zeit, zu einer monumentalen Stil¬
kunst zu gelangen, skeptisch gegenübersteht. Nur aus der
Fortentwicklung des historisch Uebernommenen erwartet er das
entdecken glaubte, entlockten, Worte, von denen ein einziges
eine Flut kritischen Unwillens aufwiegt. Wer einen Künstler
nach seinen kunstkrilischen Aeußerungen beurteilen will, geht
fehl, denn jeder Künstler und je größer er als solcher dasteht,
desto mehr, ist Partei, muß Partei sein. Je stärker die Per¬
sönlichkeit, desto ausgeprägter die Stellungnahme. Man hüte
sich aber, daraus Rückschlüsse auf den Künstler und den
Menschen zu ziehen. Der Künstler will nach seinen Werken
beurteilt werden und der Mensch nach seinen Taten. Eduard
von Gebhardts Werke sprechen für sich selbst und seine Taten,
seine Menschlichkeit wissen am besten die zu beurteilen, die
mit und unter ihm gearbeitet haben, seine Schüler. Wer
einmal an seine Tür geklopft hat, vergißt nicht die zwingende
Liebenswürdigkeit, mit der er aufgenommen wurde, und wer
Ed. von Gebhardt: Christus im Hause des Petrus
Heil der Kunst, und nur dann, wenn überragende Kräfte aus
dem Ererbten und dem Gegenwärtigen die Konsequenz zu
ziehen wissen.
An der modernen Freilicht- und Hellmalerei, am Im¬
pressionismus und Pleinairismus ist Eduard von Gebhardt vor¬
beigegangen. Begreiflicherweise, denn wer könnte wünschen,
daß ein Mann, der sein Leben lang nur Deutsch, kerniges
Deutsch gesprochen hat, auf seinen alten Tagen noch lernen
soll, sich in einer fremden Sprache auszudrücken? Ver¬
gnüglich hat man die ungeschminkten Worte kolportiert,
die seiner impulsiven Natur vor allzu gewagten Experimenten
entflohen, aber man vergaß auch die Worte der Anerkennung
zu wiederholen, die ihm künstlerische Werte, wo er sie zu
(auf der Großen Kunstausstellung in Düsseldorf)
einmal ein Stündchen in der Werkstatt des Meisters geweilt
hat und sah, wie freudig und hilfsbereit er selbst in der ärgsten
Arbeit jedem Rufe seiner Schüler folgt, der nahm die
Bewunderung der Persönlichkeit dieses seltenen Mannes mit.
Heftige Frühlingsstürme sind über die Erde gegangen
und haben am Baume der Kunst gerüttelt. Manches Blatt,
das ehedem geglänzt und geprunkt hat, ist davon gefegt,
mancher Zweig, der keck die Arme gen Himmel reckte,
geknickt worden; aber ein Ast, der so fest gefügt ist wie
die Kunst Eduard von Gebhardts, der sein Mark mit den
Wurzeln des Stammes aus dem Boden der Mutter Natur sog,
hat standgehalten und wird standhalten, — die Stürme der
Welt gehen darüber hin.
426 DEUTSCHLAND Nr. 9
Leipzig- und die Kunst.
Von Dr. Julius A. Wentzel.
Leipzig, das hinsichtlich der Einwohnerzahl nunmehr
im Reiche an dritter Stelle steht, das ferner in baulicher
Hinsicht mit dem neuen, gewaltigen Zentralbahnhof und
dem Völkerschlachtdenkmal,
sowie zahlreichen Neu- und
Umbauten im Innern der Stadt
eine große Veränderung er¬
lebt, begann auch in letzter
Zeit seine Beziehungen zur
Kunst ein wenig zu revidieren.
Den Anfang machte man mit
demTheaterwesen. Das Stadt¬
theater, einst unter Heinrich
Laube maßgebend und ein¬
flußreich, ging aus der Pacht
eines einzelnen in städtische
Hände über. Und Max Marter¬
steig, der in Köln und in den
Rheinlanden wohlbekannte
Theaterleiter,übernimmtlQl 2
die Direktion der drei städti¬
schen Bühnen. Man erwartet
unter seiner Leitung einen
erheblichen Aufschwung.
Die Kunst schlechthin, die
Malerei, wurde in den letzten
Jahren auf dem Leipziger
Boden immer ein wenig stief¬
mütterlich behandelt. Zwar
leben allererste Künstler hier,
wie Klinger und Seffner,
und einzelne Mitglieder der
Kunstakademie, wie zum Beispiel Walter Tiemann,
genießen vor allem auch als Buchkünstler großen Ruf,
und ferner leben eine Reihe schaffensfreudiger jüngerer
Talente hier, aber es fehlt ihnen einmal der rechte
Zusammenschluß, um nach
außen hin eine gewisse Sto߬
kraft auszuüben, und dann
verhält sich das Leipziger ge¬
sellschaftliche und geistige
Leben in vielen Beziehungen
ablehnend, zurückgezogen
undkonservativ.EinKünstler-
verein bestand hier, dann
löste sich ein Künstlerbund
aus ihm, und schließlich trat
tatenfroh die „Sezession" auf
den Platz. Ihr gebührt un¬
zweifelhaft das Verdienst,
mit der von ihr 1910 veran¬
stalteten Ausstellung „Leip¬
ziger Sezession"einen Schritt
nach vorwärts getan und das
künstlerische Leben wieder
in Fluß gebracht zu haben.
War bei dem ersten Vor¬
stoß, den die Sezession unter¬
nahm, vieles mehr auf Rechnung des guten Willens als
auf gute Harmonie aller Teile zu setzen, so darf das
zweite Ausstellungsunternehmen, das organisch aus der
Sezession erwuchs, als fort¬
geschritten und wohlgelungen
bezeichnet werden. „Leip¬
ziger Jahresausstellung 1911
in Verbindung mit dem Deut¬
schen Künstlerbund" lautete
der offizielle Titel der Aus¬
stellung, die in den Räumen
des eigens hierzu umgebauten
Städtischen Kaufhauses, wo
sonst ausübende Künstler
singen, musizieren oder de¬
klamieren, ihr Heim auf¬
schlug. An 500 Oelgemälde,
Radierungen, Zeichnungen,
Plastiken und Architekturen
vereinten die Säle, in denen
manchmal leider recht un¬
günstige Licht-Verhältnisse
herrschten*). An bekannten
Namen sah man Louis Co-
rinth, Hermann Gröber
aus München, dessen flottes
„Reiterbildnis" im Vorjahr
in der Sezession Aufsehen
erregte, den Weimarer, von
einem antiken, großen Zug
beseelten Ludwig von Hof¬
mann, den Berliner Orlik,
Max Slevogt aus Berlin, Stuck, der einen „Pan" und
Hai\sThoma, der „Goldene Wolken" ausstellte. DasWert-
*) An ein eigenes „Künstlerhaus" ist in absehbarer Zeit leider nicht
zu denken, wenn nicht die Stadt die Initiative und in den — Beutel greift!
v. Volkmann: Viehweide
Rhein (Gewinner des Romanapreises):
Porträt des Herrn F.
Nr.Q DEUTSCHLAND 427
vollste der Ausstellung bestand darin, daß Altes und Neues
in reizvollen Einzelerscheinungen vereinigt war und das
Leipziger Publikum somit auf eine von vielen Künstlern
geleistete Gesamtarbeit zum erstenmal in diesem Rahmen
hingewiesen wurde. Es wäre leicht zu sagen, wieviel
moderne gute Werke fehlten oder wieviele der aus¬
gestellten Werke dem Kunst¬
kenner längst wohlvertraut
waren, aber der Hauptvorzug
blieb trotzdem bestehen, und
das war ein „kunsterziehen¬
der". Um einzelnes heraus¬
zugreifen, sei an das ent¬
zückende „Knaben-Bildnis"
von LeopoldGraf von Kalck-
reuth erinnert, ferner an Max
Liebermanns „Muschel¬
fischer", in denen ein Meer
von Licht und Sonne flutet,
an Hans von Volkmanns
„Felder und blaue Ferne" und
an dessen „Viehweide". Be¬
sonderes Interesse erweckten
die zwei Preisträger des dies¬
jährigen Villa Romanapreises,
Ludwig Cauer und Fritz
Rhein. Cauer verdankt seinen
Erfolg einer Bronze-Figur:
„Der Speerträger". Straffheit
spricht aus der Muskulatur
des jungenKriegers, in dessen
Ausgestaltung antike, ruhige
Auffassung sich ausdrückt.
Fritz Rhein aus Berlin, der
zweite Preisgewinner, stellte Graf v. Kalckreuth
Dame und Kind, Porträt des Herrn F., Baby und einen
Rückenakt aus. In allen diesen Gemälden verrät sich
ein bemerkenswerter Zug, individuell zu gestalten und
die innere Eigenart des darzustellenden Gegen¬
standes auch auf die äußere Leinwand zu bannen.
Dabei arbeitet seine Malweise mit durchaus erfreu¬
lichen Mitteln und sucht, fern von jeder farben¬
blendenden Effekthascherei, nur das auf die Fläche
zu bringen, was zum Darstellungsobjekt selbst gehört.
Das neue Werk von Max Klinger bildete den „Clou"
der Ausstellung. Es stellt eine Marmorgruppe dar, ein
Material, an dem sich Klinger
mit immer neuer Liebe immer
von neuem versucht. Aus dem
Marmor hebt sich langsam ein
Mädchenkörper herauf. Sie
neigt den Kopf zurück und
greift mit der Linken in ihr
Haar. Unter ihrem linken
Arme lugt ein anderer Kopf
hervor. Was dieses Mädchen,
die wie verklärt aufschaut,
bedeuten will im Verein mit
dem anderen symbolischen
Kopf, ob man sie Schönheit
oderBegeisterung oder ideales
Streben, schließlich „Poesie
und Gedanke" nennen soll,
darauf kommt es herzlich
wenig an. Der Eindruck des
Zarten, aus dem Stein Heraus¬
geborenen blieb dem Ge¬
dächtnis innehaften. Von Leip¬
ziger Künstlern war vor allem
Schulze-Rose u. a. mit
seinem Gemälde „Veteranen"
zu nennen, Karl Lederer-
Weida mit „Küstenland-
schaft"undAlbrechtLeistner
: Knabenbildnis n^it „Zirkuswolken", Willi
Specht mit „Herbstlandschaft". Unter den Radierungen
ragten die von Richard Bessert hervor, von Bruno
Heroux, von Alois Kolb und von Heia Peters.
Neben den Plastiken Klingers (Bronze von Karl Lamp-
recht und von Steinbach) waren die Statuen von Mathieu
Molitor zu erwähnen, die Lessingbüste von Carl
Seffner und nicht zuletzt die drei Plastiken von
Reinhold Carl: „Die Beichte", „Der Bursche",
„Vor dem Spiegel". — Der neuen, letzten großen
Jahresausstellung blieb jedenfalls das unleugbare
Verdienst, auf der Bahn, künstlerisches Verständnis
immer mehr und mehr in breitere Schichten der
Pleißestadt zu tragen, einen gewichtigen Schritt
vorwärts getan zu haben. Auch der rege Besuch
zeigte, daß aufnahmefähiger Boden vorhanden ist.
In Zukunft beabsichtigen die Leipziger Künstler
in drei Gruppen: Verein, Bund und Sezession,
auszustellen und die anderen, die zu keiner
dieser Gruppen gehören, sich unter Führung
Klingers zu alljährlichen Ausstellungen zu ver¬
einen. Auswärtige und ausländische Künstler
sollen ferner eingeladen werden. Der zweite
Schritt, der somit in dieser künstlerischen Bil¬
dungsfrage für Leipzig getan wurde, weist auf
eine kommende dritte Phase hin, die man schon
jetzt im Hinblick auf das bereits Erreichte mit
noch größerer Erwartung begrüßen darf.
Liebermann: Muschelfischer
428 DEUTSCHLAND Nr. 9
Aus dem mittleren badischen Schwarzwald.
Von J. de Pellegrini, Triberg.
Intime Städtebilder.
Des Schwarzwaldes unerschöpfliche Herrlichkeiten
sind viele tausendemal schon in allen Tönen gepriesen
worden. Treffliche Schilderungen der tannenumrauschten
Höhen, der duftigen Täler, der sprühenden Wasserfälle,
der murmelnden Bäche, der köstlichen Bergluft vermochte
auch die „Deutsch¬
land" schon darzu¬
bieten. Diesmal aber
sei ein Blick hinein¬
geworfen in die auf
grünem Talgrunde,
auf sonniger Höh'
hingestellten alten
Städte und Städt-
lein. Von stillen, be¬
schaulichen Plätzen
wollen wir in ein¬
same Winkel, in
enge Gassen schlen¬
dern, wollen einmal
des Schwarzwaldes
intime Slädtereize
kosten. Aus einem
gewaltigen Kranze
pflücken wir nur
etliche Blumen und
binden daraus einen
kleinen, anmutigen
Strauß . . . Wenige
Worte sollen be¬
redtere Bilder be¬
gleiten. Wir folgen
der Spur der welt¬
bekannten Schwarz¬
waldbahn, die von
Offenburg südwärts
über den mittleren
badischen Schwarz¬
wald bis an die
Gestade des blauen
Bodensees führt. An
derGrenze der wein¬
gesegneten Ortenau
überrascht schon
von weitem durch
sein mittelalterliches
Aussehen Gengenbach, von dem der berühmte
Schwarzwalddichter Wilhelm Jensen sagt: „Es ist die
Stadt ein Schmuck- und Kabinettstück nicht nur des
Schwarzwaldes, sondern ganz Deutschlands, ein reiz¬
volles Denkmal der Vergangenheit desselben, gleichsam
ein erhaltenes Paradigma einer kleinen mittelalter¬
lichen Reichsstadt". Neugierig lugen massige Türme
über die da und dort erhaltene Ringmauer hinein ins
farbenfrohe Kinzigtal. Einzig in seiner Art ist einer von
ihnen, dessen fast zwei Meter dicke Mauern in acht¬
eckiger Anordnung mächtig zu einem hohen Spitzdache
emporstreben, unter dem das Wappen der Stadt, die
halbgekrümmte Forelle, weit über die Lande hinschaut.
Drei anheimelnde Straßen, zwischen trauten alten Bürger¬
häusern, führen zum Mittelpunkt des Städtleins, dem
Marktplatz mit dem aus dem Jahre 1784 stammenden
schmucken Rathaus und dem Brunnen-Denkmal Kaiser
KarlsV.,des Mehrers
der Zunftrechte der
Stadt. In stimmungs¬
vollen Seitengassen
wähnen wir uns
etliche Jahrhunderte
zurück. Da stehen
Reih' an Reih' Rie¬
gelhäuser mit vor¬
springendem Ober¬
geschoß, die den
Gassen die dumpfe
Kühle geben und den
gegenüber wohnen¬
den Nachbarn ge¬
statten, sich zum
Fenster hinaus die
Hände zum Morgen¬
gruß zu reichen. Eins
dieser alten Gesellen
ist das Stammhaus
Viktor von Scheffels,
dessen Vater hier
geboren und dessen
Großvater Keller¬
meister der Abtei
war. Wappenschilder
an den Häusern
geben Kunde von
Adelsgeschlechtern,
deren letzteSprossen
auf dem am Berg¬
hang hingeschmieg¬
ten Gottes - Acker
ruhen. An harte
Belagerungs - Zeiten
mahnen in alters¬
graue Hausfassaden
eingemauerte Stein¬
kugeln. Von hohem
Kunstwerte ist die
im Anfänge des 12. Jahrhunderts entstandene drei"
schiffige Klosterkirche, die als Pfarrkirche wieder instand
gesetzt wurde. Gar vieles und eigenartiges noch gäb's
zu erwähnen, so das alte Richtschwert auf dem Rathaus,
des letzten Henkers Grab an der efeuumsponnenen Fried¬
hofmauer; eins aber sei nicht vergessen, das „Bergle" mit
seiner Kapelle und dem wundervollen Madonnenbilde. Zu
Füßen liegt Gengenbach, ein Bild aus längst vergangenen
Tagen, rings umgeben von grünen Fluren und umfächelt
von der mildesten Luft. Des höheren Schwarzwaldes
Gengenbach im Schwarzwald: Stammhaus des vaterländischen Dichters
Viktor von Scheffel
J
Schwarzwaldbahn: Partie zwischen Hausach und Villingen
430 DEUTSCHLAND Nr. 9
„Zuo Hasela drin im Schwarzwald hüst
Ein stamm von g-üoter art.
Der mann ist mann und keiner zust
Ihm ung-estraft den hart.
Wehren kann jedes Kind sich
Zuo Hasela an der Kinzig-.
Das schafft und freit, das denkt und schwatzt.
Wie g-rad sein sinn ihm stät.
Ja, wer sich hass zum trinken sazt.
Hat doch ein mul, das g-ät.
Die maasskrüg- sind nit winzig-
Zuo Hasela an der Kinzig-."
Triberg im Schwarzwald:
Wallfahrtskirche „Maria in der Tanne"
Bergkuppen türmen sich im Süden auf, und im Westen
schimmern die blauen Linien der Vogesen, vor denen
sich des Straßburger Münsters schlanke Gestalt erhebt.
Inmitten des üppigen Kinzigtales dehnt sich eine
andere uralte Ansiedelung aus, wohl schon zur Römer¬
zeit dahin gestellt, Haslaha, Hasle, jetzt H a s 1 a ch. Ein
berühmter Sohn dieses Städtchens, der Volksschrift¬
steller Heinrich Hansjakob, hat den Namen seiner
Heimat, die er in kernhafte Schwarzwaldgeschichten
immer wieder einzuflechten wußte, weiter verbreitet.
Und mit Recht! Noch ist's das liebe, freundliche Heimat¬
dorf, nach dem sich die Söhne und Töchter, die draußen
in der Welt sind, sehnen, zu dem sie's allezeit hinzieht.
Deshalb hat sich auch in dieser Gegend noch die male¬
rische Volkstracht erhalten, in der Bauer und Bäuerin
aus ihren verschwiegenen Tälern im Einspänner zu den
Märkten Haslachs fahren. Die Straßen sind noch
wenig oder gar nicht angekränkelt von modernen
Bauten, und wenn auch Haslach Sommerfrische wurde,
blieb der angenehme Eindruck des sauberen, ein¬
ladenden Landstädtchens bis jetzt glücklich bewahrt.
Ein mittelalterliches Sprüchlein sagt:
Da wo die Berge näher aneinander
rücken, wo sie die Schwarzwaldbahn
zwingen, ihren Weg über schwin¬
delnde Brücken und durch den Leib
der Berge zu suchen, hat Hornberg
seinen Platz genommen. Wie konnte
es bei der prächtigen Lage des Städt¬
chens anders sein, als daß dies aus¬
gesprochener Luftkurort werden
mußte. Und trotzdem, liebe, alt¬
modische Straßenbilder und lau¬
schige Winkel sind nicht ganz ver¬
schwunden. In der Nähe des Rat¬
hauses, am zerklüfteten Ufer der
geröllereichen Gutach entlang, am
Fuße des steilanstrebenden Schlo߬
berges finden wir sie. Manch protzig
modernes Haus mit Eisenbaikonen
und großen Schaufensterscheiben
unterbricht leider die Reihe gut er¬
haltener alter Giebelhäuser in der
Hauptstraße. Auch der heimliche
Frieden der Schloßruinen hat im
geräuschvollen Treiben eines ele¬
ganten Hotels einen ungleichen
Gefährten erhalten. Und doch läßt
sich oben, den Blick über den Kranz
Hornberg im Schwarzwald
Nr. 9 DEUTSCHLAND 431
der Berge schweifen
lassend, immer noch
ein Plätzlein finden,
an dem in traumver¬
lorener Einsamkeit der
Schwarzwald uns ge¬
fangen nimmt.
Im Herz des mitt¬
leren Schwarzwaldes,
in dem bergumschlos¬
senen Triberg, durch
seine Wasserfälle und
den Ruf als Sommer¬
und Winterkurort be¬
kannt, späht man um¬
sonst nach alten Bil¬
dern. Das Amtsstädt¬
chen ist 1826 einem
verheerenden Brande
zum Opfer gefallen
und neu aufgebaut.
Verschont blieb die
an steiler Felswand
klebende Wallfahrts¬
kirche „Maria in der
Tanne" mit ihrem köst¬
lichen Glöcknerhäus¬
chen, beide den Malern
eine willkommeneVor-
lage. Der großartige,
goldstrotzende Hoch¬
altar und die überreich
geschnitzteKanzel sind
unübertrefflichePracht-
werke des späten Ba¬
rock, denen mit dem
ganzen Innern der
Kirche erst vor kurzem
ein kunstsinniger Pfarr-
herr neuen Glanz und
Farbe verleihen ließ.
Am Scheitel der
Schwarzwaldbahn,über
grüne Hügel der Hoch¬
ebene lustig hinge¬
zettelt, leuchten die
roten Dächer von Sankt
Georgen.Eine rührige
Industrie hat es ver¬
mocht, den Ort zu fröh¬
lichem Wachstum und
erfreulichem Gedeihen
zu bringen. Umgeben
von geschäftigem Be¬
triebe, behauptete sich
bis auf den heutigenTag
in des Städtchens Mitte
ein friedlicher Platz.
Aus ihm ragt, hoch
über die Dachfirste,
eine gewaltige Linde
in den blauen Aether,
T=^
Villingen im Schwarzwald: Das alte Rathaus
gleichsam ein treuer
Eckhardt aus längst
vergangenen Tagen.
Das ist der Klosterhof
mit seinerKlosterlinde,
an deren Stelle vor
mehr als 800 Jahren
St. Benedikts Söhne
ihre Behausung auf¬
geschlagen und das
Christentum in die Ur¬
wälder des Schwarz¬
waldes getragen haben.
Die Wipfel der Kloster¬
linde schauen liebevoll
nach einem etwa ein
Stündlein südlich lie¬
genden kleinen Kirch¬
lein im Dorfe Peter¬
zell, ehemals dem
Kloster Reichenau und
später jenem in Sankt
Georgen zugeteilt. Et¬
liche wollen wissen,
dieses Kirchlein habe
schon zu Karls des
Großen Lebzeiten ge¬
standen.
Wie Gengenbach
am nördlichen Ende
des mittleren Schwarz¬
waldes eine mittelalter¬
liche Eingangspforte
darstellt, so hat auch
die südliche Pforte
ein stattliches Bollwerk
in der Altertumsstadt
Villingen. Noch ist
fast die ganze Stadt
mit einer gut erhal¬
tenen, von Türmen und
Toren unterbrochenen
hohen Ringmauer um¬
geben. Die alten tiefen
Festungs-Gräben vor
den Stadtmauern sind
wohl verschwunden.
Ein breiter Gürtel herr¬
licher Anlagen mit
prächtigen alten Laub¬
bäumen aber zeigt an,
wo sie einstmals waren.
In die breiten Straßen
blicken viel hundert
Jahre alte Hauswände,
die dann und wann
mit einem kunstvollen
Erker, mit Wappen,
Wasserspeiern und
Fratzen geziert sind.
Im alten, bilderge¬
zierten Rathaus — aus
1
432 DEUTSCHLAND Nr. 9
Villingen im Schwarzwald: Inneres der Benediktiner-Kirche
dem 15. Jahrhundert stammend — ist gar manches aus
Villingens ruhmreicher Vergangenheit zu sehen; nicht
minder anziehend ist das von der opferwilligen Bürger¬
schaft vor kurzem mit einem großen Aufwand instand
gesetzte doppeltürmige Münster, wohl das bedeutendste
der Baudenkmäler der Stadt, die solche in reicher Zahl
aufweist. Die Altstadt umgibt eine schmucke Kette vor¬
nehmer Villen und Wohnhäuser, deren Türmchen und
Giebelchen zwischen dem üppigen Laubwerk des Ring¬
parks neugierig hinüberblinzeln nach ihren Altvorderen,
die den Kindern der modernen Baukunst gerne den
Platz an der Sonne gönnen, aber es nicht zu fassen
vermögen, daß man sie nicht ganz unter sich ließ, daß
sich in ihren gemütlichen Kreis neumodische Kumpane
gesellen durften, die gar nicht zu ihnen passen wollen.
Wenn die unendlichen Wälder Villingens im fahlen
Mondenschein Heimatlieder rauschen, wenn tiefe Stille
ringsum herrscht, dann sieht man die Fratzen gar böse
nach ihren ungebetenen Nachbarn grinsen. Da kracht
und ächzt es wohl unheimlich im Sparrenwerk der alten
Häuser, die einander ihr Leid klagen. Und mancher
Schläfer wälzt sich erschreckt auf die andere Seite.
□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□
Weithin schritt ich durch deutsches Land,
Und was mein Herz gesungen.
Was ich an Erdenschönheit fand.
Ist froh hinaus geklungen.
Meinen Freunden!*^
(31. Juli 1911.)
Der Heimat dienen war mir Glück
Durch lange Wanderjahre,
Nun kehrt die Lieb' zu mir zurück.
Daß ich beglückt erfahre:
Waltershausen i. Thür.
Durch Deutschlands grünen Garten hin
Dir Freundesherzen schwingen. . . .
Laßt tief bewegt aus treuem Sinn
Euch meinen Dank still bringen.
A. Trinius.
*) Der Dank des Dichters für die Huldigungen zu seinem 60. Geburtstage.
□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□
Berichtigung; Der Verfasser des Gedichtes „Burschen fahrt im Herbst" in Nr. 8 der „Deutschland" heifzl nicht Bünger, sondern
Richard Kröger (Friedenau-Wilmersdorf). Die Red.
A
9
DEUTSCHLAND ügecioeoee e eeeeeeeGs eGeeeeoee flB 433
Aus den Bundes-Vereinen.
Niedersächsischer Verkehrs-Verband.
Der Vorstand des Niedersächsischen Verkehrs-Verbandes,
vertreten durch Mitglieder der Städte Hamburg, Hannover,
Braunschweig, Hildesheim, Göttingen und Bremerhaven-Geeste-
münde-Lehe, hielt kürzlich in Hildesheim eine Sitzung ab,
in welcher der Vorsitzende, Senator Fink (Hannover), zunächst
mit anerkennenden Worten des verstorbenen Geschäftsführers
A. Kiepert gedachte. Nach Mitteilungen über die Jahresrechnung
und den Haushaltsplan wurde beschlossen, die nächste Haupt¬
versammlung im April 1912 abzuhalten, zu welchem Termin
auch das Wanderbuch durch Niedersachsen fertiggestellt
sein soll. Die Redaktion des Buches wurde von dem neuen
Geschäftsführer Krone übernommen, dem die Herren Fink
(Hannover), Sattler (Braunschweig) und Cassel (Hildesheim)
als Mitarbeiter zur Seite stehen werden. Als Vorbild wurde
das prächtig ausgestattete Tiroler Reisebuch bezeichnet, in dem be¬
sonders der Reklametitel als mustergültig anerkannt werden müsse.
Von verschiedenen Seiten wurde dann Klage darüber geführt, dass
die Verschandelung der Ruheplätze durch Touristen
überhand nehme, und müsse auch der Verband helfend ein-
greifen, dass die ästhetische Seite der Touristik mehr und mehr
zur Geltung komme, dass man also überall der Schönheit mit
Schonung begegne und nicht die Natur durch Papier, Speise¬
reste und Flaschenscherben verunstalte, nicht Bäume, Sträucher
und Blumen beschädige und kaltherzig vernichte. Professor
Convenz habe in einem Briefwechsel mit dem Geschäftsführer
Krone seine höchste Befriedigung darüber ausgesprochen, dass
die Verkehrs-Vereine sich dieser Seite des Heimatschutzes nach¬
drücklich annähmen.
Der Pfälzische Verkehrs-Verband
wird bei seiner nächsten Mitgliederversammlung eine Aus¬
stellung von pfälzischen Andenkenartikeln ver¬
anstalten, um die einschlägige Industrie anzuregen und zu
fördern.
Tätigkeitsbericht für 1910 des Fremdenverkehrs-
Vereins für Strassburg und die Vogesen.
Der Bericht bringt zunächst die „Verkehrsschmerzen“ des
Vereins zur Kenntnis, ferner die Vorgänge im Vorstand, die
veranstaltete Reklame usw. Interessant ist ein kleiner Aufsatz
von Dr. Eichelmann, Direktor des Statistischen Amtes der
Stadt Stiassburg, über den Fremdenverkehr in Strassburg im
Jahre 1910. In diesem Artikel wird bedauert, dass die Anzahl
der Nächte und Tage, welche die einzelnen Fremden in Strass¬
burg zubringen, nicht erfasst werden können. Der Verfasser
würde es schon für einen Fortschritt halten, wenn sämtliche
Hotels ein monatliches Verzeichnis darüber führten, wie viele
Fremdenbetten täglich benutzt würden.
Jahresbericht des Verkehrs-Vereins Mannheim
für die Jahre 1908—1910.
Der Verkehrs-Verein gibt im Einverständnis mit der Mit¬
gliederversammlung alle 2—3 Jahre einen ausführlichen Jahres¬
bericht heraus. Der vorliegende Bericht ist daher ausser¬
ordentlich umfangreich und zeugt von einer grossen Rührigkeit
des Mannheimer Vereins. Es würde zu weit führen, auf die
vielseitigen Tätigkeitsgebiete des Vereins einzugehen, die auf
eine Hebung des Fremdenverkehrs in Mannheim abzielen. Der
Verkehrs-Verein Mannheim hat sich ausser mit lokalen Fragen
jedoch auch mit weitblickenden Verkehrsfragen, die auf eine
allgemeine Förderung des Fremdenverkehrs abzielen, befasst.
So z. B. mit der Frage der Vereinheitlichung der deutschen
Eisenbahnen und mit einer grossen Reihe von Fahrplan¬
verbesserungen, die nicht nur der Stadt Mannheim, sondern
auch dem grossen deutschen Durchgangsverkehr zugute kommen.
(Vergl. auch den Bericht in Nr. 5 der „Deutschland“.)
Verkehrs-Verein Heidelberg.
Auch in der heissen Jahreszeit hat der Verkehrs-Verein
seine Arbeit zur Hebung des Fremdenverkehrs in Heidelberg
weitergeführt. Diese Tätigkeit bestand hauptsächlich in einer
wirksamen Reklame durch Zeitschriften und Plakate. In ver¬
schiedenen illustrierten Zeitschriften, darunter in der „Deuts ch-
Isnd“, Organ für die deutschen Verkehrsinteressen, Hess er
Aufsätze und AbbUdungen über Heidelberg erscheinen. Besonders
umfangreich wurde die Plakatreklame in verschiedenen Fremden¬
plätzen des In- und Auslandes ins Werk gesetzt. Das Schloss¬
beleuchtungsplakat, das in seiner zweiten Lieferung durch
Hinzunahme einer weiteren Farbe noch besser als die erste
das Lebendige des bengalischen Feuers wiederg^bt, wurde vor
allem in der Schweiz, die gerade in diesem abnorm heissen
Sommer eine ausserordentlich starke Fremdenfrequenz hatte,
in wirksamster Weise verbreitet. In Interlaken, Bern, Luzern,
Zürich und Basel war das Plakat in 500 Exemplaren mehrere
Wochen lang zu sehen. Im Inland waren die Fremdenplätze
Konstanz, Freiburg, Badenweiler, München, Bayreuth (während
der Festspielzeit), Baden-Baden (Grosse Woche), Homburg
und Wiesbaden mit zusammen 800 Plakaten gewählt. Man
darf von dieser Reklame erwarten, dass sie viele Fremde ver¬
anlassen wird, zum Schluss der Sommersaison nochmals
Heidelberg aufzusuchen, das bekanntlich gerade zur Herbstzeit
besondere Reize entfaltet. Zum Besuch der angekündigten
Schlossbeleuchtungen am 17. und 29. September, ferner am
25. Oktober, wird ausserdem durch Inserate aufgefordert werden.
Verkehrs- und Verschönerungs-Verein
Bad Niederbronn.
Vom Ministerium des Innern ist dem Verein für seine
Bemühungen um die Einrichtung der elsass-lothringischen
Abteilung bei der Internationalen Ausstellung für Reise- und
Fremdenverkehr in Berlin der Dank der Landes Verwaltung
ausgesprochen worden. Das in Form eines geschmackvollen
Diploms gehaltene Schreiben wurde mit einem passenden
Rahmen versehen und am Kurhaus ausgehängt.
Mittelrheinische Ortsverkehrs-Vereinigung.
An der in Rüdesheim abgehaltenen Versammlung nahmen
Vertreter nahezu aller einzelnen Ortsverkehrs-Vereine
teil. Insbesondere waren die Rheinstädte vertreten, die inner¬
halb des Vereinigungsbereiches Schülerherbergen unterhalten.
Es fand eine lebhafte Aussprache darüber statt, ob die Ein¬
richtung der Schülerherbergen in bisheriger Weise ferner bestehen
bleiben kann. Die allmählich steigenden Unkosten für die Unter¬
haltung der Herbergen müssen, soweit solche anteilweise von
den Verkehrs-Vereinen getragen werden, verringert werden. Der
Anfang September in Leipzig tagenden Vertreter-Versammlung
der Schülerherbergen wurden dieserhalb geeignete Vorschläge
unterbreitet. Einige sonstige interessante Anträge fanden sinn¬
gemässe Erledigung. Von der Gründung eines Verkehrs-Vereins
in Bingerbrück nahm die Versammlung freudigst Kenntnis und
beglückwünschte den anwesenden Vertreter.
Verkehrs-Verein Mülheim (Ruhr).
Die Stadtverwaltung hat der Anregung des Vereins folgend
einen Wegeplan durch unser schönes Broich-Speldorfer Wald¬
gebiet herausgegeben, wovon eine grössere Zahl der Bürger¬
schaft kostenlos zur Verfügung gestellt wurde. Auch die vom
Verkehrs-Verein herausgegebenen Postkarten mit dem preis¬
gekrönten Bilde des Reklameplakates (Kahlenberg, Bismarckturm,
Kahlenbergbrücke und Ruhrpartie am Kahlenberge darstellend)
sind nun fertiggestellt und erfreuen sich ihrer hübschen Aus¬
führung wegen des allgemeinen Beifalles.
Der Verkehrs-Verein Mülheim (Ruhr) hat ein
künstlerisch ausgerührtes Plakat hersteilen lassen. Zur Erlan¬
gung von Entwürfen war ein Preisausschreiben erlassen
worden. Der Jury gehörten die Professoren Ludwig Keller,
Willy Spatz und Walter Petersen in Düsseldorf an. Der zur
Ausführung bestimmte Entwurf stammt von Wilh. Lanken (Essen).
Das durch die Firma Julius Bagel (Mülheim a. d. Ruhr) her¬
gestellte Plakat wirkt besonders durch die vornehme, ruhige
Farbenzusammenstellu n g.
Duisburger Verkehrs-Verein.
Kürzlich fand eine Vorstandssitzung statt, in der zunächst
durch den Syndikus Herrn Eick von der Gründung des Nieder-,
rheinischen Verkehrs-Vereins Mitteilung gemacht wurde. Der
Verein wird von Fall zu Fall mit dem Verband Zusammen¬
arbeiten. Als erste Massnahme wird die Verbesserung der Zug¬
verhältnisse auf der Strecke Duisburg—Cleve betrieben werden.
Ferner wurde beschlossen, die Bürgerschaft auf das vom
Verkehrs-Verein herausgegebene Bach „Duisburg am Rhein“
'■•V
434 i s3OO(3O0ooddSd&i^^ DßUTSCHLAHD BBeeees eeeeeooeeecceoeeeceei i Nr.j0.
Inhalts -Verzeichnis
zum I. Jahrgang: der Zeitschrift
„Deutschland“.
Vielfachen Wünschen entsprechend, haben wir
ein ausführliches Inhalts-Verzeichnis zum I. Jahr¬
gang unserer Zeitschrift herstellen lassen, das aus
folgenden Abschnitten besteht:
1. Chronologische Inhaltsübersicht der
15 Nummern,
2. Alphabetisches Sachregister,
3. „ Ortsregister,
4. „ Jllustrationsregister,
5. „ Personenregister.
Das Verzeichnis umfaßt 28 Seiten und kenn¬
zeichnet beredter als Worte den vielseitigen Inhalt
des I. Jahrganges, in dem nicht weniger als 11ÄO
deutsche Sthdte und Orte Erwähnung ge¬
funden haben und 590 «f llustrationen deutscher
Städte-Ansiehten, Kunstschätze und landschaftlich
schöne Punkte im Bilde wiedergegeben sind. Was
die „Deutschland“ in diesem Zeitabschnitt zur Pflege
von Heimatkunde und Heimatliebe, zur Förderung
der deutschen Verkehrs-Interessen geleistet hat,
beweisen schon die vorstehend genannten Zahlen.
Der Wert des nicht nur auf manchem Familien-
tiseh, sondern auch ln so vielen Bibliotheken und
Lesezimmern aufliegenden Jahrganges wird durch
die Ausführlichkeit des Inhalts-Verzeichnisses noch
erhöht.
Unseren verehrliehen Abonnenten wird das
Inhalts-Verzeichnis kostenlos geliefert. Gleich¬
zeitig machen wir darauf aufmerksam, daß wir
zum Aufbewahren des I. Jahrganges
eine Einbanddecke
in gefälliger Ausstattung hersteilen Hessen, die
zum Preise von 1 Mark, zuzüglich 25 Pfg. für
Versand, von unserer Geschäftsstelle bezogen
werden kann. (Bei portofreier Einsendung der sämt¬
lichen Nummern des Jahrganges übernehmen wir
auch das Einbinden. Preis für Einbanddecke und
Einbinden Mark 1^.50, zuzüglich Porto.)
Fehlende Nummern des I. Jahrganges werden,
soweit der Vorrat reicht, zum Preise von 40 Pfg.,
zuzüglich Porto, nachgeliefert. Vollständige Jahr¬
gänge fertig eingebunden liefern wir zum Preise
von Mark 8.50, zuzüglich 50 Pfg. für Porto.
DÜSSELDORF
Postfach 444
Verlag der Zeltsilirift Jeglidiland".
erneut aufmerksam zu machen und dessen Ankauf als Nach¬
schlagewerk besonders auch den Einheimischen zu empfehlen.
Um die Zahlung der Mitgliederbeiträge zu erleichtern, wird der
Verein ein Postscheckkonto einrichten, so dass Einzahlungen
demnächst durch Zahlkarten erfolgen können.
Der Verkehrs-Verein Dortmund
hat seit August im östlichen Anbau des neuen Hauptbahnhofes,
gegenüber der Fehmlindenbastion, eine neue Geschäftsstelle er¬
öffnet, um einerseits den Fremden, die nach Dortmund hinein¬
gehen, gleich Gelegenheit zu bieten, Uber Dortmunder Ver¬
hältnisse richtige Auskunft zu erhalten, andererseits auch den
Mitgliedern in ausgiebigerem Masse dienen zu können, da das
Bureau am Markt aa räumlich sehr beschränkt ist. Letzteres
Bureau behält jedoch der Verein auch bei. Im Bureau am
Bahnhof sollen hauptsächlich Auskünfte in Reiseangelegen¬
heiten erteilt werden; es werden dort auch Prospekte aus¬
gegeben und in Zukunft auch Fahrscheine der Strassenbahn und
andere Billette verkauft. Eine Lesegelegenheit ist vorhanden,
um das hiesige Adressbuch, Kursbücher, Zeitungen usw. ein-
ehen zu können.
Der neugegründete RheingauerVerkehrs-Vejein hat
in Eltville ein Verkehrsbureau errichtet, dessen Leitunfif
Bürgermeister Dr. Keutner übertragen wurde. Zum Geschäfte-
führer des Bureaus ist der Kaufmann Schuhmacher ernannt.
Der Fremdenverkehr inWürzburg hat sich wesent¬
lich gegen die Vorjahre gehoben; namentlich Passanten vom
Hochgebirge, von den Bayreuther Festspielen, von den böhmischen
Bädern und von Bad-Kissingen versäumten es selten, hier
Rast zu machen und die zwei hervorragendsten Punkte der
alten Mainstadt, das prächtige Residenzschloss und die ehr¬
würdige Festung Marienberg, zu besichtigen.
Eisenbahnwesen.
Die neue Eisenbahnbrücke bei Düsseldorf- Hamm.
Die neue Eisenbahnbrücke über den Rhein zwischen Düssel¬
dorf-Hamm und Neuss ist am 9. September in Betrieb genommen
worden. Mit dem Bau der Brücke wurde am 7. August des
Jahres 1909 begonnen. Es ist also gelungen, das gesamte
Bauwerk, das vier grosse Stromöffnungen zu je no Meter Weite,
drei eiserne FlutöfFnungen von je 42 Meter Weite und zwölf
steinerne Viaduktbogen von rund 20 Meter Weite aufweist, in
der verhältnismässig kurzen Zeit von zwei Jahren und einem
Monat fertigzustellen. Die Senkkästen für die Pressluftgründungf
der drei Strompfeiler wurden von der Firma Aug. Klönne in
Dortmund hergestellt. Die Gründungsarbeiten selbst, auch die der
Turmpfeilcr, sind von der Firma Grün & Bilflnger in Mannheim
und diejenigen der Flutpfeiler von der Firma Bassier & Gormanns
in Düsseldorf ausgeführt, während die architektonischen Turm¬
aufbauten von der Firma Boswau& Knauer in Düsseldorf vollendet
wurden. Die Anlieferung und Errichtung der Eisenkonstruktion
lag zu gleichen Teilen in den Händen der beiden Brückenbau¬
anstalten Hein, Lehmann & Co. in Düsseldorf und der Gute¬
hoffnungshütte in Oberhausen. Die Leitung der gesamten Bau¬
arbeiten erfolgte durch die Bauabteilung Düsseldorf (Regierunga-
baumeister Woltmann) unter der Oberleitung der Königlichen
Eisenbahndirektion Elberfeld. Die Baukosten beliefen sich auf
5 100 000 Mk.
Die Eisenbahnstrecke Marienberg — Erbach (6,ao
Kilometer lang) wurde am i. September feierlich eröffnet.
Damit ist die Eisenbahnlinie Herborn—Erbach fertiggestellt und
einigen Westerwaldorton ein langersehnter Wunsch erfüllt.
Ein Erlass über die Raucher-Abteile in de-n
Eisenbahnzügen. Der Minister der öffentlichen Arbeiten
hat folgenden Erlass an die Preussisch-Hessischen Eisenbahn¬
direktionen gerichtet: „In der Presse wird darüber Klage geführt,
dass es in den Zügen oft an den erforderlichen Plätzen für
Raucher fehlt, während die Nichtraucher- und Frauenabteile nur
mässig besetzt sind. Insbesondere wird hervorgehoben, dass
viele Frauen in den Raucherabteilen zum Nachteil der Raucher
Platz nehmen. Wenn auch nicht in Frage kommen kann, die
Vorschriften für die Bezeichnung der Abteile in den Zügen
abzuändern, so sind die Zugbeamten doch anzuweisen, in höf¬
licher Form darauf hinzuwirken, dass einzelreisende Frauen und
Kinder möglichst in den Frauen- und Nichtraucherabteilen Plate
nehmen.“
Ueber 157 Millionen Fahrkarten sind nach der
soeben erschienenen amtlichen Verkehrsstatistik im letzten
Rechnungsjahre auf den Stationen des Eisenbahndirektions¬
bezirks Berlin verkauft worden; es sind dies über 2,a Millionen
mehr als im Vorjahre. Von der Gesamtsumme entfallen auf
den Fernverkehr mehr als 12 und auf den Berliner Lokal verkehr
über 145 Millionen.
Aerztliche Sprechstunden in den D-Zügen nach'
Badeorten. In den D-Zügen, die zwischen Podwoloczyska
und Karlsbad verkehren, ist auf Verfügung der österreichischen
Staatsbahnverwaltung ein interessanter Versuch gemacht worden.
Da nach Karlsbad hauptsächlich kranke Personen fahren, so hat
die österreichische Staatsbahnverwaltung angeordnet, dass sich
in den Zügen nach Karlsbad und einigen anderen böhmischen
Badeorten zweimal in der Woche Aerzte befinden, die hier
Sprechstunden abhalten sollen. Allerdings dürfen die Aerzte
nur in dem Falle von den Passagieren in Anspruch genommen
werden, wenn die Passagiere in der Eisenbahn plötzlich erkranken.
Der Arzt, der sich in dem Zuge befindet, erhält einen besonderen
Wagenabteil, der auch von aussen als ärztliches Sprechzimmer
kenntlich gemacht ist, damit die Reisenden wissen, wo sie sich
ärztlichen Rat holen können.
Aussichtswagen auf englischen Eisenbahnen.
Ein interessanter Versuch ist soeben auf der London und
North Western Eisenbahn begonnen worden. Die Touristen¬
züge, die täglich während der Saison zwischen Llandudno nadtx
DEUTSCHLAND
455
Nr, 9
BettwB-y-coed und Blaene Festiniog: verkehren, erhalten je
einen Beöbachtungswagen. Der Wagen selbst ist lang und
nach allen Seiten zu offen, gut ventiliert und nett ausgestattet,
ähnlich wie die Wagen auf den amerikanischen Eisenbahnen.
Ein jeder Wagen hat z6 Sitzbänke für je 4 Personen und einen
Gang in der Mitte, so dass 64 Personen bequem untergebracht
werden können. Die Spiegelglasfenster an den Seiten des
Wagens und vorn und hinten gestatten den Passagieren einen
guten Ausblick in die Landschaft, durch die der Zug fährt, und
vom Innern des Wagens aus können ohne jede Unbequemlich¬
keit photographische Aufnahmen gemacht werden. Wenn der
Versuch bei den Vergnügungsreisenden Beifall findet, sollen
diese Beobachtungswagen allgemein eingeführt werden.
Schiffahrt.
Wöchentliche Schnelldampferlinie nach Eng¬
land. Die Regierung der Vereinigten Südafrikanischen Staaten
fordert durch ihren Vertreter in London Angebote auf eine
wöchentliche Schnelldampferlinie nach England. Ein bestimmter
Ausgangshafen in England ist nicht vorgesehen, dagegen muss
unterwegs Funchal auf Madeira an gelaufen werden und in
Südafrika Kapstadt. Ausserdem steht es der Reederei frei, auch
noch andere Häfen auf der Route anzulaufen. Wahrscheinlich
sind Differenzen zwischen den südafrikanischen Staaten und
der Union Castle Line die Ursache zu diesem Ausschreiben.
Zu Ratenkämpfen dürfte es wohl nicht kommen. Aber anderer¬
seits wird sich der Passagierverkehr noch mehr als bisher der
schnellsten Linie zu wen den.
Post nach Ostasien und Australien. Da die
Dampfer des Norddeutschen Lloyd nach Ostasien und Australien
trotz der Cholera nach wie vor in Neapel anlegen, wird auch
die Zuführung der Post Uber diesen Hafen erfolgen. Abgang
der letzten Post aus Berlin für Ostasien an jedem zweiten
Mittwoch vom 23. August ab, und nach Australien an jedem
vierten Montag vom 11. September ab, abends.
Ueber den Kölner Hafenverkehr schreibt das
städtische Nachrichtenamt: Der Schiffsgüterverkebr betrug Juli
igzo: Z02498 Tonnen, Juli zgzz: Z26 694 Tonnen, hat daher gegen
den gleichen Monat des Vorjahres um 24zg6 Tonnen zugenommen.
.Im ganzen beträgt die Zunahme in den ersten sieben Kalender¬
monaten gegen die gleichen Monate des Vorjahres Z4ZZ02 Tonnen,
bei 840640 Tonnen Gesamtverkehr.
Luftschiffahrt.
Die grosse Fernfahrt der „Schwaben^^
Das Luftschiff „Schwaben“ hat am 6. September unter
Führung von Dr. Eckener mit sieben Passagieren die Fernfahrt
nach Gotha über K arls ruhe , Mannheim und Frankfurt
am Main angetreten. „Schwaben“ überflog um 9.05 Uhr Frank¬
furt a. Main, begleitet von dem Eulerflieger Leutnant Hiddessen,
der von Darmstadt ab dem Luftschiff gefolgt war. Um Z2.Z5 Uhr
wurde das Luftschiff in Gotha gesichtet und landete um
Z2.30 Uhr. Die 405 Kilometer lange Strecke wurde in rund
6V2 Stunden mit einer Stundengeschwindigkeit von
62 KUometern zurückgelegt. Ueberall wurde das Luftschiff
freudig begrüsst. Am 7. und 8. September wurden Rundfahrten
ausgeführt, an denen u. a. teilnahmen: der Grossherzog und die
Grossherzogin von Sachsen und der Herzog und die Herzogin
von Sachsen-Coburg und Gotha. — Am 9. September erfolgte
die Weiterfahrt nach Berlin, die eine geradezu glänzende
Leistung des Luftschiffes und seines Leiters darstellte. Ueber
diese Fahrt der „Schwaben“ äussert sich Hauptmann Hilde-
b r a n d t folgendermassen im „Berl. Lokalanz.“ : „Das Luftschiff
„Schwaben“ hat heute gewissermassen seine Feuerprobe be¬
standen! Vom Aerologischen Observatorium zu Lindenberg
(Direktor Geheimrat Assmann) lagen schon seit gestern un¬
günstige Nachrichten Über die heutige Wetterlage vor. Danach
herrschte sehr böiger Wind mit Neigung zu Gewittern. Die
Fahrt wurde trotzdem gewagt. Als das Luftschiff in Sicht des
Potsdamer Luftschiffhafens erschien, wurde vom Meteorologischen
Institut auf dem Brauhausberge eine Windgeschwindigkeit von
Z3 Meter in der Sekunde gemeldet und hervorgehoben, dass der
Wind sehr böig sei. Danach waren in einer Höhe von 200
bis 300 Metern Z5 Meter in der Sekunde. Hätte die „Schwaben“
nicht die für Luftschiffe enorme Geschwindigkeit von Z9,3 Meter
in der Sekunde, so würde die Fahrt sicher nicht zu einem
glücklichen Ende gebracht worden sein. Auch Luftschiffe
anderen Systems, die nur bis zu z6 Meter Geschwindigkeit
haben, wären diesen Böen nicht gewachsen. Auch die Landung
vollzog sich sehr schwierig. Nach Angabe des Führers Dr.
Eckener war diese Fahrt eine der schwierigsten infolge des
böigen Windes. Die Schrauben mussten nach der Landung
wieder angestellt werden, damit man gegen den herrschenden
Wind an die Ankerstelle fahren konnte. Die Leistung der
„Schwaben“ kann nach alledem nicht hoch genug ver¬
anschlagt werden.“ — In sehr anerkennender Weise hat
sich auch der Fahrtteilnehmer Admiral v. Hollmann über
die Fahrt von Gotha nach Potsdam ausgesprochen. Er ist
namentlich erstaunt über die ausserordentliche Ruhe, die dem
Schiff während der ganzen Fahrt eigen war. Der Führer des
Luftschiffes teilte mit, dass das Luftschiff von vornherein mit
2 Motoren gearbeitet hätte. Bei den ausserordentlich ver>^
schiedenen Luftströmungen, die sich vom Südwestwind bis zum
Nordwind wendeten, war man jedoch genötigt, schliesslich mit
4 Motoren zu arbeiten. Die Fahrt verlief sehr flott. Das Luft¬
schiff hielt sich grösstenteils in einer Höhe von aoo Metern. —
Die Rückfahrt nach Gotha und die Weiterfahrt nach Düssel¬
dorf am Z2. September verlief ebenso glücklich. Die Landung
vor der Düsseldorfer Luftschiffhalle erfolgte gegen z®/4 Uhr.
Da das Einbringen in die Halle bei dem herrschenden starken
Seitenwind mit grosser Gefahr verknüpft gewesen wäre, ent¬
schloss sich der Führer des Luftschiffes, Dr. Eckener, der
die „Schwaben“ bereits auf 75 Fahrten erfolgreich geführt hat,
zu warten, bis der Wind nachgelassen hatte, ehe er das Luft¬
schiff in die Halle bringen liess. Gegen 5Y2 Uhr war die Zeit
hierzu gekommen, und das Luftschiff konnte mit Hilfe der neuen
mechanischen Ein- und Ausfahrvorrichtung ohne Beschädigung
in die Halle gebracht werden, wenn dies auch des immer noch
herrschenden böigen Windes wogen nicht ganz ungefährlich
war. Das Luftschiff wird, obwohl endgültige Bestimmungen
hierüber noch nicht getroffen sind, voraussichtlich etwa Z4 Tage
in Düsseldorf bleiben und nach kurzer Ruhepause von hier
aus wieder Passagierfahrten unternehmen. (Hier ist
auch das Luftschiff zu besichtigen. Siehe Bekanntmachung
Seite 440.) — Das Luftschiff „Schwaben“ hat, wie uns noch
aus Baden-Baden mitgeteilt wird, bis zu der Fahrt nach
Gotha einschliesslich der vor Ausführung der Passagierfahrten
stattgefundenen Probefahrten 74 wohlgelungene Fahrten aus¬
geführt, bei denen ausser der Besatzung von durchschnittlich
IO Personen mehr als 700 Passagiere durch die Lüfte getragen
wurden. Die Dauer einer Fahrt betrug durchschnittlich 2 Stunden,
und der auf diesen Fahrten durchmessene Weg dürfte an¬
nähernd 7500 Kilometer betragen. Zu bemerken ist dazu, dass
in der Regel nur mit 2 Motoren gefahren wurde, und dass einige
Fahrten bei recht ungünstigem Wind und Wetter stattfanden.
Der Wettbewerb in den Lüften. Als die „Schwaben“
auf ihrer jüngsten grossen Fernfahrt von Baden-Baden nach
Gotha in das Gebiet Eulers kam, konnten „die vom Flugdrachen“
natürlich nicht der Versuchung widerstehen, die günstige Ge¬
legenheit zu benutzen, dem „ Luftschiff“ als solchem, dem
feindlichen „Ding an sich“, eins auszuwischen. Ein kampf¬
bereiter Recke vom Fähnlein Eulers schwang sich also auf den
Drachen und propellerte gegen den feindlichen Luftwurm an..
In der Luftfestung, wo man nur mit den Windmühlen von zwei
schnaufenden Teufelsmaschinen dahingebummelt war, steckte
man die Köpfe zusammen, als man den flinken Luftjäger hinter
sich sah, und beschloss, die Feste bis aufs äusserste zu halten,
das heisst, nach Kräften auszureissen. Man spannte also den
dritten Motor ein und verlegte sich aufs Abwarten. Unter
diesen Umständen ist nach der Theorie das Luftschiff eigentlich
mausetot. Warum? Weil der Flugdrache eben schneller fliegt,
noch höher hinauf kann, wie der Lenkballon, ihn also einfach
vernichten oder, in Ketten gelegt, mit nach Hause nehmen kaum.
In der Theorie. Im Kriege — der Praxis — bekommen aber
selbst die schönsten Theorien durch die besonderen — fast
könnte man sagen: individuellen — Verhältnisse ihr Loch.
Muss jeder Flugdrache schneller fliegen als jedes Luftschiff?
Eine interessainte Frage. Im vorliegenden Falle ist sie, nach
einer Erklärung Dr. Eckeners, der die „Schwaben“ führte, verneint
worden. Er sagt nach der „Köln. Ztg.“: „Als ich alle drei
Motoren mit voller Kraft laufen liess, zeigte es sich, dass der
Zweidecker nicht nur nicht aufholen konnte, sondern ständig
am Terrain verlor. Er versuchte sein Glück in verschiedenen
Höhenlagen, in der Meinung, vielleicht in irgendeiner Schicht
günstigeren Wind zu bekommen. Vergebens. Die „Schwaben“
lief ihm sicher davon. Als wir in Frankfurt ankamen, war der
Flieger 2 bis 3 Kilometer hinter uns. Erst als wir dann Uber
der Stadt eine Schleife machten und den dritten Motor wieder
abgestellt hatten, kam der Flieger wieder nach. Ich möchte
dieses feststellen, um damit die allgemeine Anschauung zu
widerlegen, als ob Luftschiffe im Vergleich mit den Aeroplanen
stets langsamere Luftfahrzeuge sein müssten.“
Ein neuer Flieger-Höhenrekord. Der Aviatiker
Garros in Paris hat einen neuen Höhenrekord aufgestellt, wobei
er 4200 Meter erreichte.
Die erste Luftpost. Die Eröffnung der Luftpost
zwischen Hendon und Windsor fand vor einigen Tagen statt,
wurde jedoch durch starken Wind beeinträchtigt, der den Start
verzögerte. Anstatt der angemeldeten vier Piloten flog nur einer
von Hendon nach Windsor und zurück.
Die Stadt Mannheim hat mit der Deutschen Luft-
Schiffahrtaktiengesellschaft in Frankfurt a. M. eine
Vereinbarung getroffen, wonach dieser ausser dem sogenannten
Ankerplatz der Gebrauch des städtischen zur Anlegung eines
Luftschifflandeplatzes bestimmten Geländes auf der Friesen-
heimer Insel mit einem Durchmesser von 500 Meter zur Vor¬
nahme von Luftschifflandungen überlassen wird. Die Gesellschaft
wird den Platz für ihre Zwecke ausbauen und unterhalten und
den Betrieb von Landungen selbst in die Hand nehmen.
Die Errichtung einer Reichsanstalt für Luftschiff-
fahrt begegnet, wie aus guter Quelle mitgeteilt wird, grossen
Schwierigkeiten wegen der hohen Summen, die notwendig sind,
um die erforderlichen Untersuchungen im grossen Massstab in
unmittelbarer Anwendung auf die Praxis vorzunehmen. Leichter
durchführbar sind die wissenschaftlichen Einzeluntersuchungen
in den Laboratorien der technischen Hochschulen und des
Instituts für angewandte Mechanik der Göttinger Universität,
mit denen bereits begonnen wurde. Die Technische Hoch¬
schule in Aachen hat zurzeit als Spezialaufgabe Modelle von
Flugapparaten, Ballons und Luftschrauben auf die günstigsten
Formen hin zu prüfen. Zu diesem Zweck ist ein Luftstrom¬
kanal von vier Quadratmeter Querschnitt errichtet, in dem durch
einen zoopferdigen Ventilator ein Luftstrom von 25 Sekunden¬
meter erzeugt wird.
Automobilwesen.
Internationale Automobil-Ausstellung Berlin 1911.
Ein umfassendes Bild von den neuesten Errungenschaften der
Automobil-Industrie wird die vom 12. bis 22. Oktober statt-
ffndende, vom Kaiserlichen Automobilklub und dem Verein
Deutscher Motorfahrzeug-Industrieller veranstaltete Internationale
Automobil-Ausstellung geben. Alle in Betracht kommenden
deutschen Automobilfabriken, Karosseriefirmen und die Zubehör¬
fabriken haben ihre Beteiligung angemeldet, und die ange¬
sehensten Firmen des Auslandes werden ihre neuesten Erzeugnisse
zur Schau bringen. Prinz Heinrich von Preussen hat das
Protektorat über die Ausstellung übernommen.
Stempel -Rückzahlung in Automobilsachen.
Bekanntlich hat der preussische Finanzminister kürzlich verfügt,
dass der Stempel von 3 Mark, der auf dem amtsärztlichen
Zeugnis bei Erneuerung eines Kraftfahrzeug - Führerscheins
verwendet wurde, auf Antrag zurückgezahlt werde. Das
Formular für einen solchen Antrag hat der Mittel¬
europäische Motorwagen-Verein in Berlin SW. ii,
Hafenplatz 5, im Einvernehmen mit den zuständigen Behörden
drucken lassen und versendet es gegen Einsendung von 15 Pfg.
in Briefmarken. Das Formular erscheint um so zeitgemässer,
als die Interessenten vor einiger Zeit in der Fachpresse irrtüm¬
lich an eine falsche Behörde gewiesen wurden.
Theater, festliche und sportliche
Veranstaltungen, Kongresse etc.
Kaiserbesuch in Aachen. Zur Enthüllung des Denk¬
mals für Kaiser Friedrich III. in Aachen trifft der Kaiser am
18. Oktober dieses Jahres dort ein. Zuletzt war der Kaiser am
19. Juni 1902 in Aachen.
September-Oktober: In Worms Lutherfestspiele zum Besten
der Lutherkirche.
14. —17- September: In Co bien z Tagung des Vereins Deutscher
Eisengiessereien.
15. —16. September: In Dresden Konferenz des Deutschen
Komitees für Internationale Sozialversicherung.
15. —16. September: In Heidelberg Hauptversammlung und
Kongress der internationalen Vereinigung für vergleichende
Rechtswissenschaft und Volkswirtschaftslehre.
16. September: ln Coblenz Beleuchtung des Ehrenbreitsteins.
16.—17. September: In Osterode i. Harz 9. Hauptversamm¬
lung des Harzer Verkehrs-Verbandes.
16.—17. September: In Frankfurt a. M. 8. Delegiertentag des
Zentralverbandes Deutscher Tonkünstler und Tonkünstler¬
vereine (E. V.)
x6.—17. September: In Dresden Tagung des Deutschen Schrift¬
stellerverbandes.
x6.—x8. September: In Berlin 3. Verbandstag des Verbandes
der Wegebaubeamten Deutschlands.
X7—x8. September: In Heidelberg Bund Deutscher Architekten ~
X7.—19. September: In Dresden 6. Tagung Deutscher Berufs¬
vormünder; zugleich Mitgliederversammlung des Archivs
Deutscher Berufsvormünder E. V.
19. u. 27. September: In Baden-Baden Grosse Herbst-Konzerte
des Städtischen Orchesters im Grossen Saale des Kurhauses.
20. —21. September: In Dresden 31. Jahresversammlung des
Deutschen Vereins für Armenpflege und Wohltätigkeit.
20. —30. September: In M U n ch e n Kongress des Internationalen
Verbandes zum Studium der Verhältnisse im Mittelstände.
21. —24.September: In Münster 40. Abgeordneten-Versammlung
des Verbandes Deutscher Architekten- und Ingenieur-Vereine.
23.—24. September: In Eisenach Bachfest der Neuen Bach¬
gesellschaft.
23.—25. Septbr.: In Dresden I. Deutscher Reichsmittelstandstag.
23.—25. September: In Würzburg dritter Verbandstag der
bayerischen Wagnermeister.
23. — 26 . September: In Erkelenz Provinzialausstellung, ver¬
bunden mit der Generalversammlung des Landwirtschaft¬
lichen Vereins für Rheinpreussen.
24. September: ln Breslau Hauptversammlung des Vereins
Deutscher Eisenhüttenleute und Einweihung des Hütten¬
männischen Instituts.
24. September: In Düsseldorf Schaufliegen des Düsseldorfer
Flugsportvereins.
24.— 27. September: In Dresden 4. Internationaler Kongress
für Ncumalthusianismus.
24.-30. September: In Karlsruhe 83.Versammlung Deutscher
Naturforscher und Aerzte.
24. —30. September: In Rom 7. Internationaler Kongress gegen
die Tuberkulose. Mit dem Kongress wird eine Ausstellung
verbunden.
25. —26. September: In München Versammlung des Inter¬
nationalen Vereins für medizinische Psychologie und
Psychotherapie.
25.—26. September: In Bad Nauheim Hauptversammlung des
Vereins der Kurorte und Mineralquellen - Interessenten
Deutschlands, Oesterreich-Ungarns und der Schweiz.
25.-28. September: In Stettin 36. Kongress für Innere Mission.
28.—30. September: In O s n a b r ü ck Jahresversammlung des
Niedersächsischen Vereins der Gas- und Wasserfachmänner.
28. —30. September: In Dresden Internationaler Kongress für
Mutterschutz und Scxualreform.
29. September: In Heidelberg Naturforschertag.
29. -30. September: In Bonn 7. Internationaler Kongress gegen
die Tuberkulose.
30. September bis 2. Oktober: In Leipzig Hauptversammlung
des Verbandes sächsischer Gewerbeschulmänner.
30. September bis 4. Oktober: In M ü n ch e n Deutscher Gemeinde-
Beamtentag.
I. Oktober: In L e i p z i g 16. Hauptversammlung des Sächsischen
Lehrervereins.
I.— 3. Oktober : In Düsseldorf Herbstrennen des Düsseldorfer
Reiter- und Rennvereins.
5. -8. Oktober: In Dortmund 24. Generalversammlung des
Evangel. Bundes.
6. -7. Oktober: In Leipzig 3. Hauptversammlung des Ver¬
bandes der deutschen gemeinnützigen und unparteiischen
Rechtsauskunftstellen.
9. - IO. Oktober: In Nürnberg Generalversammlung des Vereins
für Sozialpolitik.
9. —13. Oktober: In Köln 7. Internationaler Kongress für
Kriminalantropologie in der Handelshochschule.
10. - II. Oktober: In B e rlin 2. Mitgliederversammlung des Reichs¬
verbandes deutscher Städte.
12.—15. Oktober: In Cassel Jugendbund-National-Konferens.
15. Oktober: In Düsseldorf Verbandstag des rheinisch-west¬
fälischen Bezirksverbandes der Gesellschaft für Verbreitung
der Volksbildung.
16. — 21. Oktober: In B er 1 i n Kongress der F6d6ration Universelle
des Sociötös d'Hoteliers in Verbindung mit der General¬
versammlung des Internationalen Hotelbesitzervereins (Sits
Köln).
22. -25. Oktober: In Heidelberg 47. Tonkünstler-Versammlung
(Liszt-Fest).
25.—31. Oktober: In Turin 5. Internationaler Luftschifferkongress.
Ausstellungen.
Die Deuts che Schutzvereins - Ausstellung iu
Salzburg. Wer ein wenig nur den Kampf des Deutschtums
in Oesterreich verfolgt hat, der kennt die grosse, vielleicht aua-
schlaggebende Rolle, welche die grossen Organisationen der
deutschen unpolitischen Schutzvereine, Deutscher Schulverelni
Bund der Deutschen in Böhmen, Südmark, NordmährerbtUi^
DEUTSCHLAND
Tiroler Volksbund und wie sie alle heissen, in diesem Kampfe
spielen. Es war daher ein wertvoller und glücklicher Gedanke,
alles das in einer Ausstellung zu vereinen, was diese Organi¬
sationen im Lauf der Zeit an Aufklärungs-, Kampf- und Werbe¬
material geschaffen haben. Die Deutsche Schutzvereins-Aus¬
stellung, die in Salzburg bis Ende September geöffnet sein wird,
ist prächtig ausgefallen und bietet ein wirkungsvolles Bild ziel¬
bewusster nationaler Organisationsarbeit. Ausser den öster¬
reichischen Vereinen ist auch der reichsdeutsche Verein für das
Deutschtum im Ausland mit seinen Schriften und dem Karten¬
material vertreten, das ihm auf der Brüsseler Weltausstellung
die zweithöchste Auszeichnung, das Ehrendiplom verschaffte.
Wir empfehlen allen reichsdeutschen Besuchern Salzburgs die
Besichtigung der Ausstellung aufs wärmste.
Deutschlands Vertretung bei der Internationalen
Jury in Turin ign. Bei den Anfang September in Turin be¬
ginnenden Internationalen Juryarbeiten ist Deutsch¬
land unter den ausstellenden 21 Staaten dank den Bemühungen
des Deutschen Generalkommissars stattlich vertreten. Wie die
„Ständige Ausstellungskommission für die deutsche Industrie**
mitteilt, gehören dem aus 35 Personen bestehenden obersten
Preisgericht 3 Deutsche an, und zwar: der Unterstaatssekretär
im Reichsamt des Innern Dr. Richter, Exzellenz, der General¬
direktor der Siemens-Schuckertwerke Dr. Berliner und Direktor
Schmidt, Mailand. Den Gruppen-Präsidenten stellt Deutschland
bei folgenden 4 (von 26) Gruppen: Feinmechanik, Verkehrs¬
mittel, Musikinstrumente und Goldschmiedekunst, sowie den
Vize-Präsidenten in 8 weiteren Gruppen, ln den 126 Klassen-
Preisgerichten stellt Deutschland für 22 Klassen den Präsidenten,
für 19 andere den Vize-Präsidenten, ausserdem noch 98 Preis¬
richter und 46 Hilfspreisrichter. Insgesamt werden also 188
deutsche Preisrichter des Amtes walten.
Warnung! Der notorische Ausstellungsschwindler Berczi,
vor dem wiederholt, so durch Preussischen Ministerialerlass
vom 2. Februar igo6, öffentlich gewarnt worden ist, wirbt als
„Generalkommissar** für eine „Exposition Internationale
d'Alimentation, Brasserie, Vins et Liqueurs etc.**,
die im Herbst ds. Js. in Antwerpen stattfinden soll und als
deren „Directeur-Organisateur** ein von früheren Anlässen gleich¬
falls unvorteilhaft bekannter Ausstellungsmacher fungiert. In
der schon durch den damaligen Ministerialerlass als typischer
Medaillenschwindel gekennzeichneten Art wird eine Bezahlung
der Gebühren nur im Falle der Prämiierung mit der Goldenen
Medaille verlangt. Die „Ständige Ausstellungskommission für
die deutsche Industrie** warnt hiermit vor diesem Treiben und
vor dem evtl, strafbaren Gebrauch der „Auszeichnungen**, denen
ein öffentlicher Wort nicht beizumessen ist.
Bis zum 8. Oktober einschl.: In Düsseldorf Grosse Nationale
Kunstausstellung und Internationale Aquarellausstellung im
Städtischen Kunstpalast.
16.—25. September: In Barmen Bergische Gartenbau-Aus-
stelung, verbunden mit der Dahlienschau der Deutschen
Dahlien-Gesellschaft.
ax.—22. September: In Posen Besuch der Ostdeutschen Aus¬
stellung durch den Verein Deutscher Eisenhüttenleute.
29. September bis 12. Oktober: In E 1 b e rf e 1 d Rheinisch-West¬
falische Ausstellung für das Baugewerbe und Wohnungs¬
wesen, veranstaltet von der Freien Baugewerke-Innung.
Anfang Oktober: In Düsseldorf Ausstellung von Flugsport¬
apparaten in der Zeppelin-Luftschiffhalle und Wettfliegen
von Flugzeugmodellen.
9.—15. November: In Osnabrück Wanderausstellung Münchener
Künstler in der Stadthalle.
Deutschland und das Ausland.
Eine nationale Rednerliste. Der Verein für das
Deutschtum im Ausland beabsichtigt im Interesse seiner mehr
als 300 Ortsgruppen eine Rednerliste herzustellen, die den Orts¬
gruppenvorständen die Möglichkeit geben soll, sich für ihre
Vortrags- und Werbeabende geeignete rednerische Kräfte ohne
Schwierigkeit zu sichern. Die Geschäftsstelle des Vereins, BerlinW,
Kurfürstenstrasse 105, bittet daher alle diejenigen Herren, die
die Aufnahme ihres Namens und ihrer Anschrift in diese Liste
wünschen, sich mit ihr in Verbindung zu setzen und ihr genaue
Angaben über Namen, Stand und Wohnort, über die zur Aus¬
wahl stehenden Vortragsstoffe (mit oder ohne Lichtbilder), über
die Zeitdauer, für die der Vortragende zur Verfügung stehen
kann, sowie über seine Honorarforderungen für Einzelvorträge
und zusammenhängende Vortragsreihen zu machen. In Betracht
kommen als Vortragsstoffe in erster Linie alle das Deutschtum
im Ausland und die Vereinsarbeit berührenden Fragen, sowie
Darstellungen der einzelnen Gebiete des Auslanddeutschtums.
Für letztere sind als Vortragende solche Persönlichkeiten
erwünscht, die die von ihnen zu behandelnden Gebiete aus
eigener Anschauung kennen.
Italienische Handelskammer in Berlin. Um die
Entwicklung der kommerziellen Beziehungen zwischen Italien
und Deutschland zu fördern und zu erleichtern, ist in Berlin
eine italienische Handelskammer für Deutschland errichtet
worden, deren Ehrenpräsident der italienische Botschafter Pansa
und deren geschäftsführender Präsident Villa ist. Mitglieder
des Vorstandes und Vizepräsidenten sind Biraghi und Corbone,
Schatzmeister ist Falena. Das Institut, das in diesen Tagen in
das Vereinsregister eingetragen wurde, ist immer bereit, seine
Dienste allen deutschen Firmen zur Verfügung zu stellen, die
kommerzielle Verbindungen in Italien haben, oder solche anzu¬
knüpfen suchen. Die Beitrittsstatuten stehen Interessenten zur
Verfügung.
Das deutsche Schauspiel im Ausland. Zu den
Mitteln, durch die der Verein für das Deutschtum im
Ausland in Uebersee die Erhaltung und Sicherung des
deutschen Sprachgutes, die Freude an deutscher Kunst und die
fortlebende Gemeinschaft der kulturellen Anschauungswelt hüben
und drüben pflegt, ist seit einigen Jahren das Theater getreten.
Mit dem Sitz in Hamburg hat sich aus den Kreisen des
HUMDERT EMTWÜRFE
- aus dem Wettbewerb für das ==
Bismarck-hational-Denkmal
- auf der Elisenhöhe bei Bingerbrück-Bingen =
:: Herausgegeben im Aufträge der Denkmals-Russchüsse ::
Mit 139 jllustrationen und 48 Seiten Tejct, Qroß 4°
:: mit erläuterndem Tert Künstler-Verzeichnis usw. ::
Zu beziehen durch die unterzeichneteVerlags-Rnstalt und die Buchhandlungen.
Düsseldorfer Verlags-Rnstalt R.-Q., Graphische Kunstanstalt.
- DÜSSELDORF, Postfach 444. —
; Preis 4 Mark :
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438 !BB BQD i 3 f 30 OC m GO Q a ^^ DEUTSCHLANÖ MKiODOCOOOOOOOOCOOCCK^ Nr. 9
VereJnÄ- UttW? dtr Firma ^ D e u t £ cli e $ T h« ^at t, r ä a & E(J-
acaefikÄ-* cittto ^^eUsch^ft mit beschrankter Haftung gebildet*
die mit; höchst btfreulichcm Erfnig* für dits d«htscbe Sachet
aber auch auf wirtEchaftiieh gesutidat prtipd^^c; mit guteh
Biiht^ettkräfcet» ut)ter der künstterischeit Und tachnieche^ t^eitbhg:
von Gu^stäv Blühm und Philipp Lesing Gaatspiaimattn autjEcbftt
in Braatiiebi Arg^dbien tmd Chüe unternimmt. Uebarapt wohin
sie kommen, iti dan grösseren Städten wie ia den Kolonie« des
Urwalds/werden die Klinstlej mit Btgeiatamng aufgenhiftiinism
OebrraÜ fmden sie einen Hunger nach etnÄter, ecbtet* wahfcr
Kuns It wie sie Goethes st‘*, Schill^?tia ,.Räubtl^^^ Leastttga
„Minna von Barnhelm“ u. a. darbieten. Djie Xheatermge wetdftTi
da diauäöen iffu Fiisttagen für ah und jung,, ■ Üem Verhebmeti
naeb. witdf: liachdetn der erste Verauch durchaus geiübgeii ist,
eine Ausdäfeming des Uni^tnehmene auf andere Gebiete des
Deutschtums jcuiaeitä des Oseans und xu gicjcbem Zwecke eine
Kapitaivermebmug gepUrm Vörssituender der GeaeUachaft ist
Kotar D r, Hatis R^ijeirin Hamburg i.
Bäder und Sommerfrischen.
Bad We ste rIiiind. Dite rmt so vieJen Vorsiigon
KJ i mä 3 ti^d der 1 au ds chafIfi eben Natur au egestattfi* Ui^n\0i t-
NordseEinäel $yli mit meinem berühmte« Bade Westiriar^if haf ,, di-c Lbä eum t, Öktobfi'»pteib Die Wein¬
in diesem jöV*y: ^e^ünstigt^ hertUchsiem Wetieff 'cin.eu berge Hefern inl^r be sonders schöbe Trauben xur Kur.
werden vemouUmh mabctmTlei VeVajiaauhtJngttn suttßhöent
unseren WintergäSieu atitfenehme Zs^tretihbrgen bleteir dürften.,
Sch o D :jel 2 1 SSt aus xädiltHficbeu AutVagien nbd' A ome^dongeü jt u
echlSeasea, dass starker Wkrterbesuch ^4^ erwarten ist.
Bad Sal zbru ujp.. Die Nachaais«« tmt ihrer
RitTtejce hat Bad Sal^zbtunn neihe Schfireh: ^ Beaucberti ku-
geführt, doi Zuaug t. 3«pi*tuber biMiüfijÄt Kiirgä«t«* —
Vot HUsverkauftem itiima« fHnd iam ii. August W
eifi Lriedcrabeod «tattj dei von dem Grafen Gottpled vqu iHbbh-
berg fRobuitotk)i der Breslauer Koueetisäugeriri FtSiulciri Sureck
und Bf. Flemitünfg <Bad SaVi^brübn) wurd^^ Bor
erbebUi^he Reinetträg wurde d^m Fonds, .BaXt
K X a n k * n h a u 3 c s i n B ia. d S o, 1 £ b r u ti n — 0 ie
Zahl der Kurgäste mit Be^eitu.u^ b®hbg bi» :if* - Sc^f^ber
g72S, die Z 3 hl der D urch rejsetäd bci 854 ® PefÄ bn fcn *
IS 576 F erao ucn; -aus^sefd em G Ct a 4 TÄgesbbdöcdxeiy
B a d M ü ü 31 e r a m S i ttj;,; Mit; deit hb^SlrÜttj^^ R^dtdmluft-
pcrlbädern und de;m urtmittrfJbar mit Qb&UHnernauHtiCfn geÄpH^Äten
Flirsanatoriiim sind hervarrägeride tiichti.'.RhehtnaEism'UA
und Herzleiden efficii wofdem Bm Bea^h^zahi ist uin mehr
»I3 1:50p gH^legeii. Daa btTr^iRhe ifeibätwettef gestatt*? noch
bl:e abctida u Ohr im Frel^ bvt siLaen und der Müs|k au lauschen.
u ogcHhntt^l -r apsne rgt? w uhtil it^h
s tork*ft Au fs cjiwup g ge ob mm Cn I
WäbtÄ-nd d&r Monate Jü3i und
Augus^t^ m d*ii Tage n d et Hoch -
war W^^a^rland so Über*
•tMt, dass wiederholt; di* tln-^
krfbriuguug der AnkommeiJdeD
iii MassencjuariteTeri: erfolgeti’
Es war vor au shU sehen,
4b,=s3 die Basuchaiififer dife Zahl
Vöb ;jo 000 Gäste.n weü über-
^hreite^o wütd^. Mit groeseer
Spätiimög wUNt* nun di?i- Aor
knivft des 30 ouoi Bicuucb^tr^ ent,'
gegeuge^ehen. Er traf am 3. B&p-
t^mh*r abends von Hoyer*
übet Mühkmüräch eihv
wo er von dem
Kötvett^nksipitän ä, P, Frhrn. vpri
DicpchbV.ffick-'GrtJtcr^ empfangen
W td e. Tm uscfide y u u K b t g äs r ?t?
Uttd ;Ein w ohr> westerlonda
W ir eil ftiti Bahnhüf v ersuimnioh.
AJm^ Vixx^inUiü der Kurkapüllcf
.dhd wnef ’-,$fabhofte.n. Mem^tChen-'
men s e w u r de 01? x Ge ehrte
(H «Tf , Pq, hrika nt Luh r\ a ti ö
6 arfneh? in -ise■ he Wnhn ung
gel gI f^ -E's •,.bf ■ ^ü 1 n Schöner
A nfabg;; -öef bh-h cins^eäL^cfidt;«
■ Nw.i"t^"8;i8.p.ryi, :dih ' he s q n d ft fs
äu fsihcTn
äui Uüiaerer titairi emlfidet D er -r - ▼ .. t», , rr
H Ä s^h & p m m /i t u n d J ß j
H e r h PS t n ö r N c r d is e
aiud tmhescbreihUch schön und fmdifn nkbl die
gelMihtehde WiiTdifio^ngV^ Pie KufMpeib .htid simthehe Bade-
e iwrich tue gen . blei ben bis fu m 39,/ ;. he st ehe u, Die
• §©e bä de r ■ we r tl e n n öc h bi ^tin'i •■■. '■ '.p.^fie 0, g e ha 1,1 c n /,
O ®:t:i^ ft & b 4(3 Bin ;k , l it s cl R h g« n> Der pisd,
dn »füf dfrt btffihdhcb^s Ehfepaar HtU: Wests
ifrt mm i 3 *p tenib e t zu r Anm cl d un g. g cb ugt;' rja d*r ]Ö a de-
dit*tKtoh Wurde ihm dß fein, nusige^üitetcr Öirui^r Bähftptnspftkt :
•.W.tdihhi'ns''.''tn StibtrhEpnÄe •.und;-"eine .'Freikarte ., dtifch: •
Öä d ö: d irekt 01 t) be rfi t Seeim th n u b? f r^icb ty-. Bi o z. ktit^ cifjf,) t >lch;:
s^tier niehr au . ^me-üi yo^Ytieb1ueo^ bftsdc|it(jp.::.Si{:Ei'4 ..
b.ad^ während d^ir Saison weilten ßiwä 16 pTO^ent husil^hdisch^
Oäit* zur Efholudg in Bdnx. Die Besüchs^iffftf, 'ihi
'. Je tÄteii • hr^ehnv V er dfei fachn ■' ■
Bad Py rniont: Der ßf^hh; Ihi. Byfmönter KufhAu^ bst
jum Gltjck der dlesjährigen Kurzcit nieht gtschade^ Ogtix■ sijbf
gh^hhen. ypn dem der durch die -to jh ;^u
: ffr^heti ist, hat nfeh auch t!eV Badi&beuSfeh auf der Höfaict' efhailteh.
Es werden Jeut noch. übih JUPu Bäder läglioU abgegeben. Auch
4 erj Wimor über wird dtr Öahleb j»h Ausnahme der
bäder trou des Bauena aufrech? efJbaite^ Ebeßs*? kaiin da^
t.« 5 *jdTnihet gedlfnet blftjbftn. Dagegen '^fttEd dB 3 H^tel ' am.
3 ftp fern ber geäChi’P«äöh den, 4 « tu ii dho. .Um - .und N eu *
b&uun ®ofoft bhgößhhh^ werden aöü: Im h*üJan
/» j9/p/ -Zink iw4 Kup/^lL
Jeinste j/fufi^^^j0iu
Der. Kufbetrieb hlciht bia 15, Ok¬
tober unverändert im Gange; dio
Kura bg^ be. ikt jeut auf df* Hälfte
ertnaissigt»
S chl p k 3 ° 4 PA tk
Wi J h e I.meh dh «v ;
da H Ka ia e riiehäe Ho flageT seit
dem S5. Aug^üst von WÜhpItns.-
lihhe verlegt ief, kann djjt® lonero
des Schlosses wiedef bps^uthtigt
werden, Aach dii* äussere Ab-
jspetruüg itinea Teilfta der Park*«
en Ipg en isf d ani ll aufg eh phen*
T f ö t£ 4 ft r Regen a nnli t ftntfHl ten
die weUberlihmten WausHrkÜns^
jeden Mittwoch Und Son ntftg ihr*
Tätigkeit. Di* alt^ AhJiiehuhga-
krttii der Wilhelm sh dfoe ajs t^uft-
kurart zweigt iidb huch In diesen^-
Scmjrtier* dtün bis Mitte Augusi
Waren KUrgäHie in cieti Kür-
soiiialieh, Hotets und Privat^
p ROsmuen an wesejaö. Gerade ein
SpütsohitTieraufenihiii auf- der
von Kun st und ^ uf reIbh be ^
dhdht *tx W ilhe 1 msiiö he hinter^
lässvt angetieJime Ennnerungen^
.K ■ei & 1 b e r g. Wenn dieae
Z^iilen erätchciceu, dann int
Wieder einer jeoer grossen Kpi^-
g res SÄ vorüber, die unaerft
Univerfiitäi hierher gezogen hat;
T T n , 1T,, f TT tt 1 * i 1 ttts ^ Tirguhg der InEejrßadpnalefl
■ V .fcfe.t rUjgTi i i g ■ ■■■ für vergleichend c
■: RechtawiSBftnschaji*.-.’.uod ■'Vblka««,
wirtschaftslehre, Nun zieht jcaan wiftdef die Fhhne« upd;Ffag^
ein, freilich auf nicht aliauJangiw Zeit d^htd s^ihon 'Mitte Sep¬
tember tagt hier der Bund devnschft^^ dteftftä
Monats kommen die deutschen Naturfdr^cheFr vori atu
uii8i herüber und gegen Ende Oktober Wird das tisi^Fest eine
gvok&e Zdihlj vonjMiaiiikkünaliefn und MusikfroundiiTi In unaerftn
Mauern vÄrBttmmfilu. — Heidelberg beginnt jodl«
schön;st« J'fi ht^a. Prächiig sind die Tönuogoo
des Dflubes in lißs^rm Sch:ips sgarten, der bekanntli^ü rjNch
an fremdtMndi^GJb^fl Stsüden und Bäumen ist Von hftsifiiidftTcr
Prsieht aber ist 4 ?« Scfelossruitie, über derfetj gtuhe* G«mäu«!r
di« feungroten Blätter des wilden Weines sich b weiten. D»
GiebftJfassade des glSaiU'nen 3 aaJbaues.. der Etker am Spldatcii-
bau und yor allem der „ G*sp reTigte Turmtra^n 4 lei*Ei
Schmuck. — Die Saison war In dieaem Jahre nicbi besser^, aber
auch nie tu schlechter ale^ früher. Wgnn wie mit 14x051 Fremden
Eud« August um über ^ooo gegen das Votjabr zurück eindf so
iat tu b«n!t-k 3 ichtigejn, dass uiie gerade der Spätsommer 19jo
ganze Schwärme von Englarui^rn und Am«rikanern gebraehl
hat, di« auf d^-t Rückreise Von Ohef-amm^rgau uiiaei« Stadt
p as aivrt und hi>r 4 eft prpg ra m m äa^ri gen Au f out halt gen otatxt tu
luibea; Der täglieh*^'ZuE^«^' Fremden beträgt :ru^k«(it U'bch
fast 5 ou^ von denen di« ; meisten freilich issach yepsuhvräudön,
obgleich «igentlieh tieÜdeibe.rg. deu DauerboWohhern eitie jgffAJiv
Mepge von Vorjfr'ügep bifttbb .
Nr. 0 tBi 0060&(300öoo(3^^ DEUTSCHLAND Beeeeoceoeeeccoooocecoc^ 43d
Oeffentlicher Meinungs-Austausch.
Neutrales Gebiet zur Erörterung von Verkchrsfragen und Bundesange¬
legenheiten. Die Redaktion trägt nur die pressgesetzliche Verantwortung.
Zum Artikel „Deutschland** Nr. 8, August igu
„Oie deutsche Nordsee“.
Deutscher, „Geh' an dasdeutscheMeer !**, so schliesst
der Artikel „Die deutsche Nordsee** in der Zeitschrift „Deutsch¬
land** Nr. 8, August ign. Gewiss eine durchaus berechtigte
Aufforderung, aber welche Erwägungen stellen sich hier am
Rhein ein bezüglich der Wahl des Aufenthalts in einem
belgischen Seebad oder einem deutschen Nordseebad. Z. B.:
Von Köln stehen dem Besucher der belgischen Badeorte Blanken-
berghe. Ostende usw. täglich nicht nur einer oder zwei, sondern
eine ganze Anzahl der besten Schnellzüge zur Verfügung,
sowohl am Tage, als auch bei der Nacht, dabei am Tage
prachtvolle durchlaufende D-Wagen, Speisewagen. Speziell in
den Zügen zwischen Köln und Ostende lässt die belgische
Staatsbahn es sich angelegen sein, besonders gute Wagen ein¬
zustellen. In der Nacht stehen Schlafwagen zur Verfügung.
Selbst Luxuszüge, wie der Wien—Ostender und der Nord-
Express, können benutzt werden. . Die Reisedauer von Köln
nach Ostende beträgt Stunden, nach Blankenberghe nicht
viel mehr. Auf dem Wege nach oder aus dem belgischen See¬
bad bietet Brüssel mit seinen Sehenswürdigkeiten eine an¬
genehme Unterbrechimg. Wie sieht es dagegen z. B. mit der
Reise von Köln nach Borkum aus ? Es stehen besondere Bade¬
züge zur Verfügung, aber welcher Art? Morgens 8.57 von Köln,
in Emden 2.51, in Borkum gegen 7V3 Uhr abends, also nahezu
n Stunden unterwegs, dabei von Komfort keine Rede. Für
die lange Reise einfache Abteilwagen, aber auch noch nicht
einmal die besten, um wenigstens darin ein Gegengewicht gegen
die schönen Durchgangswagen nach Ostende zu stellen. Diese
Wagen schliessen natürlich das Mitnehmen eines Speisewagens
aus. Dafür ein Aufenthalt in Rheine von einer halben Stunde,
welche Zeit in der Regel durch Verspätung erheblich reduziert
wird. Nun aber der Nacht-Badezug: Köln ab 10.50 abends.
Hiermit gelangt man in 12 Stunden nach Borkum. Der Zug
verkehrt nach Emden auf dem Umwege über Münster, aber
nicht genug damit, dass die rheinischen Besucher das Ver¬
gnügen der verlängerten Eisenbahnfahrt haben, sie müssen
hierfür auch einen erhöhten Fahrpreis gegenüber dem für die
Fahrt mit dem Zuge 8.57 vormittags über Rheine zahlen. Von
einem Schlafwagen in dem Zuge ist ebenfalls keine Rede. Dass
viele angesichts dieser Verbindungen die Reise nach Ostende
und Blankenberghe vorziehen, ist selbstredend. Hier sollte die
Staatsverwaltung eing^eifen, denn mit vollem Recht ist in dem
Artikel ausgeführt, dass der Staat die Bedeutung dieser kost¬
barsten nationalen Schätze zu würdigen wissen müsste.
N. N., Köln.
Verschiedenes.
Ein Internationales Statistisches Amt.
Die Frage der Errichtung eines Internationalen Statistischen
Amtes, die von Präsident Dr. R. van der Borght auf der
12. Tagung des Internationalen Statistischen Instituts zu Paris 1909
angeregt und dort einem Ausschuss Überwiesen war, ist in
einer Sitzung des Instituts im Haag einen wesentlichen Schritt
vorwärts gekommen. Die Versammlung hat einstimmig den
Wunsch ausgesprochen, dass unter der Autorität des Instituts
ein „ständiges internationales statistisches Bureau** errichtet
werde. Seine Aufgaben sollen u. a. bestehen in der Heraus¬
gabe eines Jahrbuchs und anderer internationaler periodischer
Veröffentlichungen, in der Verwaltung der Bücherei und des
Archivs des Instituts, in der Vorbereitung der Sitzungs¬
programme des Instituts usw. Die Einzelheiten der Aus¬
führung, Mittelbeschaffung usw. sind spätem Beratungen Vor¬
behalten. Zu dem Zweck soll der Ausschuss bis zur nächsten
Tagung weiterbestehen. Den Regierungen der Niederlande und
der Schweiz, die sich beide zur Einleitung der etwa erforder¬
lichen diplomatischen Schritte bereit erklärt haben, wurde der
Dank der Versammlung ausgesprochen.
Das Naturschutzgebiet im Hohen Venn. Um
die Erhaltung eines Teiles des Hohen Venns bemühen sich
bekanntlich seit einiger Zeit der Eifelverein und das Komitee
für Naturdenkmalpflege im Regierungsbezirk Aachen, von denen
vor einigen Wochen eine eingehende Besichtigung des in
Frage kommenden Geländes vorgenommen worden ist. Kürzlich
hat nun der Minister für Landwirtschaft, Domänen und Forsten
dem Komitee auf dessen Eingabe mitgeteilt, dass die Forst¬
verwaltung die in der königlichen Oberförsterei Eupen gelegenen
„Miste** bis auf weiteres nicht auf forsten oder zur Torf¬
gewinnung verwerten werde. Für die Zeit der Nichtbenutzung,
für deren Dauer keine Gewähr geleistet werden könne, gestatte
der Minister gern den Anbau von Venppüanzen. Ein Verkauf
der „Miste** liege zurzeit nicht in seiner Absicht. Das neue
Naturschutzgebiet liegt rechts von der durch den Wald führen¬
den Landstrasse Eupen—Montjoie, die vom Forsthaus Neu-
Hattlich ab über das Hohe Venn geht. Das Gelände steigt
von der Eupener Strasse aus allmählich an, ist anfangs grasig,
später moorig, mit meterhoher Torfschicht, und von seinem
höchsten Punkt aus hat man ein urwüchsiges Vennbild mit
Fernsicht auf Steling (Kaiser Karls Bettstatt), Botrange, Baraque
Michel, Hertogenwald, Aachener Wald, Lousberg und die nahen
Höhenzüge jenseits des Getzbachs und der Weser. Seine Aus¬
dehnung beträgt ungefähr 7000 Ar oder 280 Morgen. Erfreulich
ist die Nachricht, dass auch auf der belgischen Seite, nur
wenige Kilometer von unserm Gebiet entfernt, ein Naturschutz¬
park zur Erhaltung des Venns eingerichtet werden soll. Wie
dem Eifelverein hierzu aus Brüssel gemeldet wird, hat die natur¬
wissenschaftliche Abteilung der Belgischen Akademie bereits
ein Gesuch an die belgische Regierung und gleichzeitig an die
interessierten belgischen Gemeinden gerichtet, zwecks Errichtung
eines Nationalparkes auf dem Hohen Venn im Anschluss an
das preussische Naturschutzgebiet.
Weiterer Ankauf für den Naturschutzpark. Für
den Naturschutzpark bei Wilsede wurde wieder ein Ankauf ab¬
geschlossen. Der Verein Naturschutz (Sitz Stuttgart) kaufte von
dem Grosskätner Ebeling in Wesel (Kreis Winsen) eine Heide¬
fläche und einen Teil des Weseler Baches in Grösse von 286
Morgen. Der Kaufpreis im Betrage von 19 700 Mk. wurde durch
Vermittelung der Kreissparkasse in Winsen ausbezahlt.
Goethe-Andenken für Hannover. Eine Reihe von
Goethe-Andenken werden in kurzer Zeit nach Hannover kommen.
Wilhelmine Buff in Köln, eine 91jährige Dame, die letzte ihres
Namens und Nichte Charlotte Kestners (Werthers Lotte), ist im
Besitze einer ganzen Reihe von Gegenständen, die aus dem
Buffschen Haushalt in Wetzlar stammen, und zwar aus Lottes
Zeit. Sie hat diese Gegenstände jetzt für das Kestner-Museum
in Hannover bestimmt. Es befinden sich darunter mehrere
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Das Vollendetste auf dem üebiete der modernen
Hoteltechnik und des feinen Restaurantwesens.
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ÄüHict^eldg:t, Die Kosutti betrugen: bi^ Pari»
aB$b Suppißiucnt für Sebiff 180 Frsusk»!iv Xmxfc^afdet
ui^ ^OTithtigeB 300^ Franken^ gro (iasa die «jisä» etwÄB
über ^odo Ffankcn Öle Telegranamkosten natürücb
nicht gerecimet» . . ,
■■. Bücherschau,
S Ä u c r i ö d j » ch a W-^ in d e r b ü öhj : Fii türer d>a
Hauptwegen(ädi des Sauierländisf[hen Gtfeirgüveröiiis, itestaii»-
gegeben voö H* Kmcbt, ^it "^aillreichfiti Ülu»trau006^ Sperial-
karten und einer Ueber^iiJhCsUaric des Wandergebietes (24Ü SeitenJv
Preis 1,70 Mk, Veriag ^un Thaden & Sebme^
TuanOj/Bssen^ V V
Per Kanjpf gegen die R^aehpiagc in England,
In fegtarid hÄt die Rauchplage, üfitet der VkU induatrie-Zentren
de» dcÄ iu leiden haben, da^d gefUhri, der Frage der Rauch~
vermindoning besDndete Auimerksatnkeit zUauwenden,. Für
diesen ^weüit haben sich dort bereits grössere InteressenteTi-
Verpimguragen gebildet, die neuerdings, uw auch weitere Kreise
dafür iu gawitmen, durch VeranstaUuog von Ausstellungen für
ihre BeHtrebuogeTi Propaganda machen wollen. So wird, wie
liie ^Ständige AuBatellungskornmission für die deütsche Industrie*^
berichte^ Wit Unterstütziing, der üStuoke Abatetnent League of
Gfe ai ri i a in' ^ uh ä der >, G öaJ &m nit e Ab ate men i Röck iiß
WöVjtTubef di. Jst in Mü u ch Vöh dhrtig^h Gösell^chalt
für Äaupbbekam^^ eine. Abatgruieut Ejtfeibitiöri*^'
Äusulieb, dk A^ruem^^^^ icigiEri soih 10 welcher Au^dehwir g
Gms und Elelttri^iÖt aich iiit Küch», Hei/ung, B^iküchtüng übd
Ventilä|iou vcrwendeii UsseEi und welche Vort^Üü: diese
Ic ste- p o wer prbduce rs^* fÜt F a btik atib n s ;rwucke üh 4 hesb n d er 3
ijfj s a u ttär^x Hl n h , Neben e in scbl ägigen Jiid ii slpe^
crztugfiisften sollan vpie aUetn neu« ;EfßnduugC(t: ^
It o s e n K o h I e n V c r f e u e t y: t) g gezeigt werden, ÄtifeSet dkä^r
Ä^anchester Aussteliurig iäi aücb. bereis für Iv bil d d u ^ dud ärwkr
für den Mai jgia* eine jgleichai tlge Vierahst jlidng ih
die sogar intetnatioiialcti Chäraifit^f kög^rs solL ye(biudun;g
tnit beiden Aüsstelliirtgä^i werden üb^^iff^^Tl^» ;Favh-Kö
linden. Auch iu Dauisohlaud, wp ja iwcitt Indiisiricgbhieie von
der txU ntli ch cu Plag e betr o ifen ein d, ü llr kn d V er a n s Eah u n g e n
gcwiiises inte resse bCÄnsprucUeü, -
Die Hohenzoiiem^Brücl^ö ip Köln,
lu der N.i?iUT?ser s der Ztiuchiift „Deutschlftud“ y^^ut Mai
dLiesfcs j ahr.e^ bfachten wk einen Aüfsau ttbtr die liohemEoliem-
briieke.in ICöJiFt, An, dessen Schluss' dk Firiueia
gehiiiirit} weiche die. KtäeokousifuVdoii der Brücke geliefert upd
aüfgfcÄtelit hstteEf, Hierbei war vcr>cb;ervt 3 ich unterlassen wqrdeß^
die FirtnÄ Aktieugese 11 scha ft fuf,Bis^uiudustrie u ü< ä
B r Ü ck ^ ti b a u vorm, J Ah^nn H a r t o r t tu P uisbiirg
iU. .henrien, dih- db lihke • :SeitcuWuüng der \ ersten ' stroro^b
geieguoen BHenhabtibrückc gitfliek-Ti ; . '
■■ Schluss deis ]reda^tbcib^beb/l>äk^ ■ ■'
riir'iä^fti »llsiütii;' Tyd: J ttsef ä.^k.ptaneb.er^
lyfut- .ae ci :^trt!flrhÄni'iE'h^ fl' ütfctheWfin 'Tfrii: i!#t’BaadiW''
na Lfi ciitfe u : i 1 ?! • & e f;'^ ü i! sc'.Ej )i fLs f li krß r des 9 üu J e« Ü ^'ü tö e kti? V kekca ■»;
.7 &r* itie^ in htf ;. f!^ ,upt? Aäi eie fcJUsiU; BrkQo K^lfbäu D össel iorf,
Druisf üöd Verl.ft^'^ ^ if *rV 0 f U sf eus 1 st11 A,-ß, taDtt b eorA
! ^♦*■#4 ir *4 4 f 44 ♦**♦* * * *+* t *f * 1 *++ M* ' 4 * * f
rfnimfiTB fl
Miniiii»ittfriraii««maiMaaa>aHBnBKaiiaiimiaB
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S nikfi lIo^Hel weine S
i| Rheiit-r nni) IffoKilitfilitAit, ■
■ Crt>ÄtreÜÄetk isbtviy natirreJiien WetäwiUeM ■
g Liier von T/i Pf^, #i.b; -- PreiiilW^^ i^ern isu Bimsten/ - g
JJ lla»M KrUnert, Weirihandluhg ■
# Tta'fefesi^TpsLirbÄ.tih'^- ®
1 j u H ii> 1* 11 3 , ; di 0 ■ fl llöik h ^3T■e ■ . ■■ • '■ bijirgthi m. der
ftitl 16h iedhüp Grecfese, i&t .arU ■ b.-- A ^ g'üfit- ■ ibl;! ti^<ß\ mltia^s;^Iti Ea□ b
PlÄtnmon Rähsor ilad TerhriihhL
R&?^o>ieT) siTi^i oltdacliFo^: \KfA :^t>b^kehro lAeldet ana
ifjeifti^;ajriiro von durt. nicht
^nJ^hn. JbUi wird er md*>üfeT 5 üAlif 4 ö&ÜÜÖ.Eiou*ö^
, .Lrutö v; ur- b^rollfi bi;h^bbratiitr>th:'lit
ÖttpJb; Tll'tL PxXi^r yol)f*tAui. 1 ?ii yernichteL Rüt das Tiah ist
EihüU dbf Jtrpven B^rj^^bewbhöeTj üpmn
Diüh !Tc 1 1 iÄj j: h in >* R? »i n rU a n f A ri le] i b bfhi äht imtS
bftlh *fii.n dt>f ijüacb af i m) i niei 11 im itisjhipen k 9 Jiutb^ i st tfrenidalöi&v
Kjt pns 34 iljcbeir Aillbö trif üi A^'if bibdph^ öüi jÄieat
öHtertaicbiscbun ^fenteclien Sühhi^^Yi'reihen Söer ünd ^et
iTnbroh dt?«' JitlttbhThlyrt> l,rnji^i*n daVüT ht^wahrt, spvÄehUcA
KU Aliür An^ftifü üri^wto.htüt iah d^r Qrt bei
deutafrhf'T 'Sprn?l!c, Siftc und AirE hm hyiit6 e^rbaitevu worden.
Wir idtrfeA die put Avttlacli otalhnlt Stmaihfta ln tlircr vtrltekült**
Uthe» nari laUftnaliii Ifiit nicht ihf SiUi^k Usith unü ^IttfR 4taMh
kirallcbt drlogtnd um RllEi Iftr dli trtuee api^udem
^rstigti t ij^iit up.!;ttirer atel 1 oi IJ vrC'ktlon 0e V I>Ukonto-
äcAÖ^U wie
:öa=Ü0titih _m ÜV 5 ?rw 6 iä<JEK. . :
liüi^’Uh, Im ÄugUAt nni.
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in Bad Godesberg a Rhein ^ ^^^0
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Für Sommer- und
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dicht am Fuße der linksrheinischen Höhen¬
züge, geschützt gegen Nord- und
Ostwinde, mit freiem Blick über
ausgedehnte Gärten und Park¬
anlagen nach dem Rheintal
und dem nahegelegenen
herrlichen Sieben¬
gebirge hin.
für
Tlerööäe
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bedürftige.
J)as ganze Jahr geöffnet.
Mit allen Heilfaktoren,
allem Komfort der Neuzeit ausgerüstet,
bietet die Kur- und Wasserheilanstalt „Godesberg“ mit
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Geistesgestörte und Epileptiker sind Von der Aufnahme
grundsätzlich ausgeschlossen.
Näheres durch den Prospekt. — Fernsprecher Nr. 32.
Leitender Arzt: Dr. med. Staehly (3 Aerzte).
Kaufmännischer Direktor: Aug. Butin.
ESSEN
die Ifletropole des
Rheinisch-Westfälischen
= Industriebezirks =
Ale? Ranges, Kreuzungspunkt inter-
I ^ £ 11 Km U Ö L 1 1 C 2^ CI L kontinentaler Eisenbahnlinien, Sitz einer
—— Eisenbahndirektion, der Weltfirma Krupp
u. a. und zahlreicher grosser wirtschaftlicher Verbände, Mittelpunkt eines Städtekomplexes von
mehreren Millionen Einwohnern, in unabsehbarer Weiterentwicklung begriffen, eignet sich
Essen vorzüglich für Generalvertretungen von Handel und Industrie.
A I 7^^ Vm ^ 4“ bietet Essen dank seiner klimatisch günstigen Lage
im I S TV 011 n S LdCH einer Fülle landschaftlicher Schön-
' ■ ■ heiten ausgestatteten Ruhrtal und seiner wald¬
reichen Umgebung im Gegensatz zu anderen Gressstädten mit ausgedehntem Fabrikbetrieb ein
angenehmes Wohnen in reizvollen und gesunden Wohn- und Villenvierteln im Zentrum des Verkehrs.
Ale? ®‘snet sich Essen infolge seiner zen-
/\ 1 ö fV I m L tralen Lage, seines grossartipn Saal-
baues mit Terrassen und prächtigem
73 ha grossem Garten, seiner erstklassigen Konzerte, Theater und Vergnügungen, seinen zahl¬
reichen guten Hotels in ganz besonderem Masse.
Als Wohnstadt
Als Kongressstadt
Der Essener Verkehrs-Verein versendet seine Broschüre „Essen als Wohnstadt“, welche
in vornehmer Ausstattung erschöpfende Auskunft über Essen gibt, an jedermann kostenlos.
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= ESSEN = f
□
Wilhelm Pott g
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Haus ersten Ranges, neu erbaut, □
gegenüber dem Haupt-Bahnhof. □
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Ludwig
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und vergrößert. — Erstklassiges Restaurant.
Der Spielplan bringt abwechselnd
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Spielzeit: 1. Sept. bis 51. Mai
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Kassen-Telephon Nr. 7755
11 ■ Ot$an Nt die deutschen Verhehrs-lnteressen n ■
Amtliche Zeitschrift des Bundes Deutscher VerKehrs-Uerelne
Photo, von E, Ravenstein, Leipzig.
Das neue Rathaus in Leipzig.
Sonder-Numiner. — Herausgegeben unter Mitwirkung des Leipziger Verkehrs-Vereins.
]¥ach nnd von Berlin, Stettin, Rostock, Stralsund, Kopenliag^en, Kristiania, Stockholm,
sowie Danzig:, KOnig^sberg: nnd St» Petersburg»
400 L5^ 710 830 1200 143 250 603|tG^ 905
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St. Petersburg . . • ab L740*lli6
Königsberg (Pr.) Ost „ L123=i= 82o|
Danzig Hbf.„ L264* lOifj
Leipzig Eilenb. Bf.ab 4oot- 746-^ loo* 26ot
Posen .an LI 127* loi UM
Thorn Hbf. „ L 129. 404 913 _
Warschau Wien. Bf.„ L 7i4* 12^ 7^*^ —
• Nur Dienstags. ■* Ueber Falkenborg—Cottbus, f Uober Berlin.
Warschau Wien. Bf.ab L12*2«
Thorn Hbf.„ L 440« 1
Posen.„ U 6^**
Leipzig Eilenb. Bf.an tibf
Itayer.IU It«;
* Ueber Cottbus—Falkonberg. f Ueber Berlin.
Xacli und von Rreslan, Krakau»
L1222.
612
_
1167
L 440 •
1130
—
760
L 6^*»
20G
710
1020
418t
943t
402t
464*
1 llaycr.IU | llayer.ltf. | Hayer.l«. | |
Ueber Berlin. • Nur Sonnabends.
Leipzig Dresdn. Bf. . .
. . . ab
G32 745
842
100
223 825
1126
1166
Krakau .
. . . ab
230
230
1030
—
—
662
- 9
Dresden Neust. . . .
. . . „
863 §
1030
§
616 §
§
! 145
Breslau Hbf.
1103
1157
622
611
1046
1129
366 6
Breslau Hbf.
... an
148 140
8H
625
9^ 922
4M
600
Dresden Neust. . . .
§
§
1046
410
§
§ dC
Krakau .
• ■ • n
gu
1112
—
94Ö
1169
245
Leipzig Dresdn. Bf. . .
. . . ao
629
630
1216
1226
666
464
1031 12
1
§ über Falkenberg—Cottbus—Sagan.
über Sagan—Cottbus—Falkenberg.
LEIPZIG
:
:
Sonder-Nummer -■=
der
illustrierten Zeitschrift „Deutschland“
Herausgegeben unter der Mitwirkung
des Leipziger Verkehrs-Vereins e. V.
Leipzig: Völkerschlacht-Denkmal
(Modell der 324 Reiter, welche die 11 Ringe der oberen Kuppel des Ruhmesmales für das
deutsche Volk schmUcken)
Randei und ©enterbe, Wi|Tenfd)aft und Kunfl, die Wurzeln,
aus denen die :ölüte unferer 8tadt emporgen>ad)fen, in
i|)rem kraftvollen ©edeil)en ju fördern, muj^ jederzeit das
Ziel der Stadtverrvaltung fein. D()re ?\rbeit kann aber nur
Crfolg l)aben, rvenn jie der tatkräftigen Unterflü^ung der
I3ürgerfd)aft gervi )5 ift, von deren Vertrauen getragen rvird.
Reip^ig, Oktober 191).
Oberbürgermei|ter.
/ Ä
DEUTSCHLAND
Organ für die deutschen Verkehrs-Interessen
Amtliche Zeitschrift des Bundes Deutscher Verkehrs-Vereine
Mitbegründet durch den Internat. Hotelbesitzer-Verein, Köln
♦ ♦
t Bezugspreis proJahröM.,viertel- J
♦ jährlich 1.50 M., Einzelnummer ♦
I 40 Pf. — Erscheint gegen Mitte ♦
t eines jeden Monats (im Juni, Juli J
♦ und August monatlich zweimal) ♦
♦«♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦««•♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦»
Amtliches Organ des Rheinischen Verkehrs-Vereins^
des Sächsischen Verkehrs-Verbandes,
des Verbandes Bergischer Verkehrs-Vereine
und des Verbandes der Verkehrs-Vereine Westfalens.
♦ «
t Anzeigenpreis 40 Pfennig die ♦
♦ viergespaltene Kolonelz eile ♦
♦ Reklamen 1.50 Mk. die doppelte ♦
♦ Breite. — Bei Wiederholungen J
♦ entsprechende Ermälzigung ♦
♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦«♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦»•♦♦«
Nr. 10
Düsseldorf • Oktober 1911
II. Jahrg.
Leipzig als Handels^ und Meßstadt
Von Dr. Hans Kühn, Sekretär der Handelskammer Leipzig.
Die Stadt Leipzig weist in den letzten Jahrzehnten
auf allen Gebieten eine ungeahnt rasche Entwicklung auf
und verdient mit vollem Recht als eine moderne Stadt
des Fortschritts angesehen zu werden. Nach der Zahl
der Einwohner — im Jahre 1910 betrug dieselbe 585743
gegenüber 90967 im
Jahre 1867 — steht sie
mit an der Spitze der
Großstädte des Deut¬
schen Reiches. Weit
wichtiger aber als
dieses äußere Merk¬
mal seiner Größe ist
für das Gesamtbild
des modernen Leipzig
seine gegenwärtige
hervorragendeBe-
deutung in Handel
und Industrie, in
Kunst und Wissen-
schaft. Im Stadt¬
bild sowohl wie im
Bauwesen derStadt
kommt der die mo¬
derne Entwicklung
Leipzigs charakteri¬
sierende Zug nach
neuzeitlicher Aus¬
gestaltung aller-
Wärts deutlich zum
Ausdruck; den Be¬
dürfnissen des mo¬
dernen Verkehrs, der
Bequemlichkeit und
Hygiene hat manch
altes Gebäude, be¬
sonders im Innern
der Stadt, weichen
müssen. Die stetig
und rasch Wach sende
Anteilnahme am
i n t e rn atio nalen
Fremden verkehr
beweist, daß Leipzig bereits heute eine internationale
Verkehrsstadt ist.
Auf dem Gebiete der Wissenschaft verdankt Leipzig
bekanntlich seinen Weltruf seiner altberühmten Uni¬
versität, an deren vor zwei Jahren gefeierten fünf¬
hundertjährigem Jubi¬
läum die wissenschaft¬
liche Welt des In-
und Auslandes An¬
teil nahm. Durch das
Reichsgericht ist es
der Sitz des höchsten
deutschen Gerichts¬
hofes geworden. Als
Musik-Stadt nimmt
Leipzig eine hervor¬
ragende Stellung ein.
Die beiden Pfleg¬
stätten der musika¬
lischen Kunst, das
Königl. Konserva¬
torium und das Ge¬
wandhaus, haben
von jeher eine sehr
starke Anziehungs¬
kraft auf In- und Aus¬
land ausgeübt. Leipzig
ist aber nicht allein
eine Hochburg der
Wissenschaft und der
Musik, sondern auch
der Kunst. Die beiden
städt. Theater,
die von 1912 ab in
eigene Verwaltung
übernommen werden,
stehen auf künst¬
lerischer Höhe. Fünf
städtische Museen,
das Museum der
bildenden Künste
am Augustusplatz,
ferner die Museen
Max Klinger: Beethoven, Museum zu Leipzig*
(Mit Genehmigung der Verlagsbuchhandlung E. A. Seemann, Leipzig)
444 DEUTSCHLAND Nr.lO
fürVölkerkunde und für Länderkunde, sowie das
Kunstgewerbe-Museum, die im Qrassi-Museum
Unterkunft gefunden haben, endlich das Stadtgeschicht¬
liche Museum im alten Rathause enthalten Kunstschätze
von allergrößtem Werte, so die bedeutendsten Schöpfungen
eines Klinger, Böcklin, Leibi, Segantini usw. Auch die
Wert auf Erhaltung der landschaftlichen Schönheit gelegt
ist. Den Charakter einer öffentlichen Parkanlage hat
auch der städtische Südfriedhof mit seiner neuen Ver¬
brennungsanlage, einer hervorragenden architektonischen
Schöpfung. Eigenartige DenkmäleralterBaukunst
hat Leipzig aufzuweisen, so den durch einen neuerlichen
Umbau verschönten Re¬
naissancebau des Alten
Rathauses. In den
letzten Jahrzehnten sind
aber auch zahlreiche
neue monumentale Bau¬
werke entstanden, von
denen hier besonders das
Reichsgericht und
das Neue Rathaus mit
dem Verwaltungs¬
gebäude hervorge¬
hoben seien.
Erwähnt sei ferner,
daß Leipzig einem für
sein gesamtes Handels¬
und Verkehrswesen hoch
bedeutsamen Ereignis
entgegengeht, nämlich
der Eröffnung des
neuen Hauptbahn¬
hofs, der in seiner
räumlichen Ausdehnung
alle anderen Bahnhöfe
des Kontinents über¬
trifft. — Für das Jahr 1915 steht die Vollendung des
Völkerschlachtdenkmals in Aussicht, das in seiner
wuchtigen Größe und künstlerischen Ausführung eine
der hervorragendsten Schöpfungen des Denkmalbaues
werden wird. Als Ausstellungs- und Kongre߬
stadt erfreut sich Leipzig einer stetig wachsenden
Bedeutung. Im Jahre
1915 wird eine große
internationale Bau¬
fachausstellung und
das 12. deutsche Turn¬
fest in seinen Mauern
abgehalten werden. Für
1914 ist eine inter¬
nationalegraphische
Ausstellung geplant.
In Aussicht genommen
ist endlich die Regu¬
lierung der in der Nähe
der Stadt gelegenen so¬
genannten Elster¬
wiesen durch Anlage
eines der Hamburger
Binnenalster ähnelnden
Wasserbeckens.
Die Hauptbedeutung
Leipzigs liegt, wie bei
jeder modernen Gro߬
stadt, auf wirtschaft¬
lichem Gebiete, und
Leipzig: Die Börse, nach vollendetem Umbau der Zweck der nach-
Leipzig: Altes Rathaus
Stadtbibliothek mit ihren Kostbarkeiten und ihren
seltenen Werken ist eine Sehenswürdigkeit. Den Stolz
Leipzigs bilden die durch zahlreiche plastische Kunstwerke
verschönten Promenaden und Parkanlagen, vor
allem aber die bis in die Stadt hinein sich erstreckenden
herrlichen städtischen Waldungen, bei denen der größte
446 DEUTSCHLAND Nr.lO
folgenden Ausfüh¬
rungen soll es sein,
in großen Zügen
ein Gesamtbild
Leipzigs als In¬
dustrie-, Han¬
dels- und Me߬
stadt zu ent¬
werfen. — Der
Uebergang zur
Großindustrie hat
sich in Leipzig auf
der ganzen Front
des gewerblichen
Lebens in raschem
Lauf vollzogen, in
einigen Zweigen
in bezug auf Größe
und Umfang der
Betriebe sowie
auf Leistungs¬
fähigkeit bis zur
höchsten in der
Industrie bis jetzt
erreichten Voll¬
endung.
Das Gesamt-
bild der indu¬
striellen Entwick¬
Leipzig: Handelshof
lung Leipzigs tritt in großen Umrissen aus einer ver¬
gleichenden Gegenüberstellung der Ergebnisse der Berufs¬
und Betriebszählungen aus den Jahren 1882, 1895 und
1907 hervor. Es betrug in der Industrie Leipzigs:
die Zahl der
Hauptbetriebe
die Zahl der darin
beschäftigten Personen
im Jahre 1882 . 9940 42559
„ „ 1895 17508 96081
„ „ 1907 20355 146506
An die in jeder
Großstadt anzu¬
treffenden Indu¬
striezweige, die
vorwiegend dem
lokalen Bedarf zu
dienen bestimmt
sind bezw. für
einen räumlich be¬
schränkteren Ab¬
satzmarkt arbei¬
ten, und die in
Leipzig sämtlich
durch nur erst¬
klassige, mit allen
Errungenschaften
der modernen
Produktions- und
Betriebs-Technik
ausgestatteteEta-
blissements ver¬
treten sind, reiht
sich eine Anzahl
solcher, deren
Leipzig: Gutenberghalle im Buchgewerbehaus
Arbeitsfeld das
gesamte europä¬
ische Ausland, für
einige noch die
Uebersee-Länder,
mit einem Wort
dergesamteWelt-
markt ist.
Mit Recht pflegt
unter den In -
dustrie - Zweigen
Leipzigs an erster
Stelle das gra¬
phische Ge¬
werbe mit zahl¬
reichen Spezial¬
branchen (Buch-,
Licht-, Stein-,
Kupfer-, Noten-
Druckerei, der
Schrift-Gießerei,
derMessinglinien-
und der Typen¬
fabrikation, den
lithographischen,
chromo - lithogra¬
phischen, xylogra-
phischen, galvano¬
plastischen und
Gravier-Anstalten, der Bunt- und Luxuspapierfabrikation
usw.) genannt zu werden. Alle diese Zweige sind un¬
mittelbar verwandt mit dem Leipziger Buchhandel, ver¬
danken diesem zum großen Teil ihre Entstehung und
hohe Entfaltung, Wie sie umgekehrt auch ihn Wieder
fördern. Auch die Buchbinderei steht den poly¬
graphischen Gewerben sehr nahe. Mit der Ausdehnung
des Verlagshandels im allgemeinen und mit der in Deutsch¬
land neuerdings zunehmenden Nachfrage nach gebundenen
Büchern, wie sie
inEngland,Frank¬
reich und Amerika
schon seit langer
Zeit hervorge -
treten ist, nimmt
dieZahlundGröße
der Buchbinde¬
reien naturgemäß
zu. In Leipzig
befinden sich nach
der letzten Zäh¬
lung 276 Buch -
binderei - Haupt -
betriebe mit 7263
Personen; neun
dieser Betriebe
beschäftigen 201
bis 1000 Arbeiter.
Besonders her¬
vorragend ist in
Leipzig vertreten
die Mas chi nen-
industrie mit
Nr. 10 DEUTSCHLAND 447
den verschiedenen Spezial- bezw. verwandten Zweigen, wie
der Eisengießerei, der landwirtschaftlichen Maschinen¬
industrie, der elektrischen Industrie, dem Bau von Trans¬
missionen, Dampfmaschinen, Motoren, der Herstellung von
Maschinen für die Textilbranche, Buchdruckerei, Papier-
und Holzbearbeitungsindustrie und Werkzeugmaschinen,
dem Drahtseilbahnenbau, der Armaturen- und Baubeschläge¬
fabrikation, der Fahrradindustrie, Uhrenindustrie usw. —
Weltberühmt sind die Erzeugnisse der Leipziger Musik-
instrumentenindustrie, und zwar sowohl der Piano¬
forte-, Orgel-, Harmonium- und Orchestrionfabrikation,
als auch der Fabrikation automatischer Musik- und Sprech¬
apparate; letztere finden zu einem hervorragenden Teil
ihren sich auf das gesamte In- und Ausland erstreckenden
Absatz durch die Leipziger Messen.
Zu hoher Blüte hat es in Leipzig ferner die Textil¬
industrie (Wollkämmerei, Wollgarn- und Kammgarn¬
spinnerei, die Baumwollspinnerei, die Segeltuchweberei,
Jutespinnerei und -Weberei, ferner die Strickerei und
Wirkerei, Stickerei, Spitzen- und Rüschenfabrikation)
gebracht. Sie umfaßt nach der Zählung vom Jahre 1907
828 Hauptbetriebe mit 11838 Arbeitern; vier Betriebe
beschäftigen mehr als 1000 Arbeiter, in acht Betrieben
arbeiten je 201 bis 1000 Arbeiter. —
Weitere aus Leipzigs Industrie teils wegen ihrer nam¬
haften Vertretung, teils wegen der besonderen Leistungs¬
fähigkeit der ihnen angehörigen Firmen erwähnenswerte
Zweige sind: Aus der Metall- bezw. Maschinen¬
industrie: der Wagenbau, die Blechwarenfabrikation,
der Geldschrank- und Tresorbau; die chemische In¬
dustrie; aus der Papierindustrie: die Kartonnagen-
fabrikation; die Gummiwarenindustrie; aus der
Industrie der Holzstoffe: die Möbelfabrikation,
die Rahmen-, Leisten- und Bilderfabrikation; aus der
Nahrungs- und Genußmittelindustrie: die Bier¬
brauerei, Kakao- und Schokoladefabrikation, die Kaffee¬
rösterei, Konservenfabrikation, Mineralwasser-, Likör- und
Essenzenfabrikation sowie die Tabakindustrie; aus dem
Bekleidungsgewerbe: die Konfektion von Kleidern
und Wäsche, die Herstellung von künstlichen Blumen
und Schmuckfedern, die Pelzwarenzurichterei und Schuh¬
warenfabrikation.
Unter den hierher gehörigen Firmen befindet sich
eine sehr stattliche Reihe solcher, die sich eines Welt¬
rufs erfreuen.
Sein typisches Gepräge erhält das wirtschaftliche
Leben Leipzigs durch den umfassenden und hoch-
entwickelten Engroszwischenhandel. Allgemein
ist zu bemerken, daß verschiedene Zweige des heutigen
Leipziger Großhandels ihren wirtschaftlichen Ausgangs¬
punkt zum Teil unmittelbar in dem alten Leipziger Me߬
handel haben, zum Teil wenigstens in ihrer Entfaltung
Leipzig: Städtisches Kaufhaus, Ansicht Ecke Neumarkt- Kupfergasse
448 DEUTSCHLAND Nr.lO
von den Messen sehr stark beeinflußt ^verden und daher
historisch mehr oder weniger eng mit ihnen verbunden
sind. Es gilt dies u. a. vom Leipziger Buchhandel, vom
Rauchwarenhandel, Lederhandel, dem Borstenhandel, Tuch¬
handel, Woll- und Garnhandel.
Wie in der Industrie Leipzigs dem graphischen
Gewerbe der erste Rang gebührt, so nimmt im Leipziger
Handel der mit jenem unmittelbar verwandte B u ch h a n d e 1
zweifellos die erste Stellung ein. Der Buchhandel hat
in Leipzig eine Höhe und Entfaltung erreicht, die dieser
Stadt heute den unbestrittenen Ruf der Hauptstadt
das sich in Leipzig außerordentlich rasch zu einer hohen
Leistungsfähigkeit entwickelt hat. Fast alle zum deutschen
Buchhandel gehörigen Firmen haben heute in Leipzig
ihren Kommissionär, und Leipzig ist der Haupt¬
kommissionär für den gesamten deutschen Buch¬
handel überhaupt. — Neben dem Verlags- und Kom¬
missionsbuchhandel sind natürlich auch alle übrigen Zweige
des Buchhandels in Leipzig anzutreffen, so das Barsortiment,
das Antiquariat, das Sortiment, der Kunsthandel und der
Musikalienhandel. Zu erwähnen ist noch, daß der Börsen¬
verein deutscher Buchhändler, der den größten und
des deutschen Buch handeis eingebracht hat, dessen
Interessensphäre ja bekanntlich weit über die politischen
Grenzen des Reiches hinausgeht und nicht nur das euro¬
päische Ausland, sondern auch die Ueberseeländer umfaßt,
wo sich überall Buchhandlungen befinden, die nach
deutschem Muster eingerichtet und in dessen Organisation
einbegriffen sind. Der heutige Ruf Leipzigs als Hochburg
des deutschen Buchhandels gründet sich teils auf die
hervorragende Vertretung des Verlagsbuchhandels,
teils auf das einen Hauptstützpunkt des gesamten buch¬
händlerischen Verkehrs bildende Kommissionsgeschäft.
wichtigsten Teil des deutschen Buchhandels in sich zu¬
sammenschließt, seinen Sitz in Leipzig hat.
Zu internationaler Bedeutung hat sich der Leipziger
Rauchwarenhandel emporgeschwungen. In seiner Ent¬
wicklungsgeschichte weist er manche Berührungspunkte
mit den Leipziger Messen auf. In der zweiten Hälfte
des 18. Jahrhunderts waren es vor allem die Leipziger
Messen, welche die Rauchwarenerzeugnisse besonders
Deutschlands, Ungarns, Polens und Rußlands an sich zogen.
Zu Anfang des 19. Jahrhunderts hatte der Rauchwaren¬
handel in Leipzig bereits einen solchen Umfang an-
450 DEUTSCHLAND Nr.lO
genommen, daß durch ihn alle übrigen Plätze in Schatten
gestellt Wurden und sich Leipzig nur noch dem Londoner
Rauchwarenhandel als dem einzigen großen Konkurrenten
gegenübersah. Die in Leipzig heute etablierten Gro߬
handelsfirmen der Rauchwarenbranche sind die größten
und bedeutendsten Geschäfte dieses gesamten Handels¬
zweiges überhaupt und gelten als die Träger des Welt¬
handels in dieser Branche.
In Leipzig werden alljährlich drei Rauchwaren¬
messen abgehalten: die Neujahrsmesse eröffnet die
Saison im Rauchwarenhandel; auf ihr vollziehen sich
namentlich Umsätze in amerikanischer und russischer
Ware. Nachdem sich dann der Leipziger Rauchwaren¬
handel in der folgenden Zeit auf den auswärtigen Messen
bezW. Auktionen mit Vorräten aller Pelzgattungen hin¬
reichend versehen hat, findet in Leipzig die Ost ermesse
statt, die unter den Rauchwarenmessen die bedeutendste
ist. Unter der Einkäuferschaft ist zu dieser Messe das
gesamte Ausland vertreten, besonders die russischen Ein¬
käufer für amerikanische Produkte und umgekehrt die
Vereinigten Staaten und Kanada zum Einkauf russischer
Ware; ferner finden sich
zu dieser Messe neben den
Einkäufern aus Deutschland
noch solche aus England,
Frankreich, Oesterreich-
Ungarn, Schweden und Nor¬
wegen ein. Die dritte in
Leipzig zu Michaelis statt¬
findende Rauchwaren¬
messe wird hauptsächlich
von deutscher Kundschaft
besucht.
Zur Vervollständigung
des Gesamtbildes des Leip¬
ziger Handels sind noch fol¬
gende höchst bemerkens¬
werte Zweige des Groß-
handelshervorzuheben: Der
Wollhandel, Tuchhandel,
Garnhandel, Manufaktur-
Warenhandel, Lederhandel, Borstenhandel, Häute-und Fell¬
handel, der Handel mit landwirtschaftlichen Rohprodukten
und Fabrikaten, mit Erzeugnissen der Montan- und
Maschinenindustrie, der Großhandel mit Uhren und Uhren¬
furnituren, mit Farbwaren und Chemikalien, Drogen und
Vegetabilien usw. Auch der gewerbsmäßige Export-
z wischen ha ndel, vorzugsweise in der Form des Kom¬
missionsgeschäfts ausgeübt, hat in Leipzig festen Fuß gefaßt
und ist hier durch eine Anzahl namhafter Häuser mit aus¬
gedehnten Beziehungen zum gesamten, einschließlich über¬
seeischen Ausland vertreten. — Ein bedeutsamer Anteil
an der Entfaltung des Handels und der Industrie Leipzigs
gebührt dem hochentwickelten Leipziger Bank- und
Speditionsgewerbe.
Die Geschichte der Stadt Leipzig ist aufs engste
verknüpft mit den schon mehrfach erwähnten Leipziger
Messen. Das Charakteristische in der Entwicklung der¬
selben ist darin zu erblicken, daß mit den veränderten
wirtschaftlichen und Verkehrsverhältnissen etwa um die
Mitte des 19. Jahrhunderts für eine große Gruppe Waren
die alten Warenmessen allmählich übergingen in die
Form der Mustermessen, die seit Ende der 80er Jahre
fast ausschließlich den Meßverkehr beherrschen. Auf
diesen werden nicht mehr die Waren selbst, sondern nur
Muster, auf Grund deren die Bestellungen entgegen¬
genommen werden, ausgestellt. In dieser Form umfassen
die Leipziger Messen heute vornehmlich die Erzeugnisse
der keramischen, Glas-, Metall-, Holz-, Kurz-, Papier-,
Leder-, Gummi-, Korb-, Galanterie-, Spielwaren-, Musik¬
instrumenten- und einer Reihe anderer verwandter In¬
dustrien. Der Handel mit Rauchwaren, Borsten und bis
zu einem gewissen Grade auch der Lederhandel sind
dem Meßhandel bis heute erhalten geblieben, da bei ihnen
die individuelle Beschaffenheit der einzelnen Stücke eine
Besichtigung an Ort und Stelle notwendig erscheinen läßt.
Der moderne Musterlagerverkehr der Leipziger
Messen, der ausschließlich dem Großhandelsverkehr
dient, weist nun eine ungeahnt rasche Entwicklung auf
und ist heute zu einer Einrichtung geworden, die nicht
nur aufs tiefste in die Phasen des nationalen Wirtschafts¬
lebens eingreift, sondern auch das regste Interesse und
eine stetig wachsende Beteiligung des gesamten Auslandes
hervorgerufen hat. Die
Leipziger Messen haben
einen vollkommen inter¬
nationalen Charakter
angenommen, der sich von
Messe zu Messe immer
mehr ausprägt. Sie finden
alljährlich zweimal, und
zwar im Frühjahr und
Herbst,statt und erstrecken
sich auf je eine Woche (Be¬
ginn der Michaelismesse
1911:27. August, der Oster-
Vormesse 1912: 4. März).
— Die folgenden Zahlen
mögen den Werdegang
der Leipziger Musterlager¬
messen in ihrer neuesten
Entwicklung illustrieren
und eine Vorstellung von
ihrem gegenwärtigen Umfange erwecken. Die Zahl der
Aussteller betrug:
im Jahre
zur Oster-
Vormesse
zur Michaolib-
Messo
im Jahre
zur Oster-
Vormesso
zur Mlchae
Messe
1900
2517
2455
1906
5159
5275
1901
2654
2557
1907
5558
5565
1902
2659
2780
1908
5501
5438
1905
2658
2776
1909
5444
56C6
1904
2779
2880
1910
5682
5741
1905
2950
5101
1911
5762
5759
Die Zahl der bekannt gewordenen Einkaufsfirmen
der Musterlagerbranchen — die genaue statistische Er¬
fassung der Einkäuferzahl bereitet große Schwierigkeiten;
die wirkliche Zahl der Einkäufer ist erheblich größer als
hier angegeben werden kann —, von denen ebenfalls die
größere Mehrheit beide Messen besucht, belief sich
im Jahre
1900
auf 4808
im Jahre
1906
auf
9886
>>
1901
„ 5595
11 11
1907
11
1C618
11
1902
„ 6401
>1 11
1908
11
11054
11 11
1903
„ 7534
11 11
1909
11
11722
11 11
1904
8332
11 11
1910
11
12359
11 11
1905
„ 9105
11 11
1911
11
13387
I
Leipzig: Matthäikirchhof
Leipzig: Naundörfchen
452 DEUTSCHLAND Nr. 10
Von den für die letzte Michaelis-Messe angemeldeten
3759 Ausstellerfirmen kommen auf das Deutsche
Reich 3445, auf das Ausland 314, und zwar 215 auf Oester¬
reich-Ungarn, 32 auf Frankreich, 13 auf die Niederlande,
14 auf die Schweiz, 10 auf Großbritannien, 8 auf Belgien,
6 auf Italien, 4 auf Dänemark, 2 auf Rußland, 2 auf Schweden,
1 auf Norwegen, 6 auf Nordamerika, 1 auf Asien.
Von den für 1911 bekannt gewordenen 13387 Ein¬
käufern entfallen nach ihrer Herkunft auf das Deutsche
Reich 10043, auf das Ausland 3344, und zwar auf Böhmen
557, das übrige Oesterreich 589, Ungarn 186, Holland
und Luxemburg 313, Großbritannien und Irland 285, Ru߬
land 264, Dänemark 218, die Schweiz 178, Frankreich 200,
Belgien 120, Schweden 100 usw. Absolut genommen
mag die Zahl der Einkäufer aus dem Auslande gegenüber
derjenigen der Einkäufer aus Deutschland verhältnismäßig
gering erscheinen. Da es sich aber bei den von den
fremden Einkäufern erteilten Aufträgen regelmäßig um
sehr umfangreiche handelt, so erkennt man, daß die Be¬
teiligung des Auslandes an den Leipziger Messen doch
eine ganz bedeutende ist.
Werfen wir zunächst einen Blick auf die praktisch¬
technische Organisation des Musterlagerverkehrs
der Leipziger Messen: Die Hauptarbeit für die Leip¬
ziger Messen leistet natürlich die Ausstellerschaft, und
zwar durch die Anfertigung und Zusammenstellung der
Musterkollektionen, die den Einkäufern vorgeführt werden
sollen. Von dieser Arbeit hängt ein großer Teil des
Erfolges der Messe für den Aussteller ab, und es gehören
große Umsicht und reiche Erfahrungen neben Ausdauer
und Geschicklichkeit dazu, hier immer das richtige zu
treffen, um der Konkurrenz gegenüber standzuhalten.
Für geeignete Ausstellung der Musterkollektionen zur
Leipziger Messe ist hinreichend Vorsorge getroffen, und
zwar sowohl durch städtische, als auch private eigens zu
diesem Zwecke errichtete Meßpaläste: sowie sonstige
passende Räumlichkeiten, ln städtischem Besitz befinden
sich zwei große Meßpaläste, das Städtische Kaufhaus
und der neuerbaute Städtische Handelshof. Alle diese
Meßpaläste liegen räumlich sehr nahe beieinander, wie
überhaupt der gesamte Meßverkehr sehr stark konzentriert
ist; auch einzelne spezielle Geschäftszweige oder ver¬
wandte Branchen (z. B. Papier und Schreibwaren, Karton¬
nagen, Spiel- und Kurzwaren, Haus- und Küchengeräte,
keramische und Glaswaren) weisen eine mehr oder weniger
stark ausgebildete räumliche Konzentration auf. Für die
Bekanntmachung seiner Beteiligung auf der Leipziger
Messe in den Kreisen der Einkäuferschaft sorgt teils der
Aussteller selbst, und zwar durch Versendung von Me߬
einladungen, Prospekten, Drucksachen, Annoncen usw.,
vor allem aber der Meßausschuß der Handelskammer
Leipzig durch die Herausgabe des „Offiziellen Leip¬
ziger Meß-Adreßbuches“, das in seinem ersten Teil,
dem Firmenregister, eine alphabetische Reihenfolge aller
an der Messe als Aussteller beteiligter Firmen mit An¬
gabe ihres Herkunftsortes, Hauptgeschäftszweiges, der
Spezialartikel und sonstigen wichtigeren Bemerkungen
enthält. Das „Offizielle Leipziger Meß-Adreßbuch“ als
Nachschlagewerk für die Meßeinkäufer und das ebenfalls
vom Meßausschuß der Handelskammer Leipzig heraus¬
gegebene alljährlich erscheinende „Verzeichnis der auf
den Leipziger Messen verkehrenden Einkäufer“
stellen das Hauptbindeglied im Verkehr zwischen Aus¬
stellern und Einkäufern dar und bilden einen Hauptstütz¬
punkt des ganzen Leipziger Meßmusterlager-Verkehrs.
In der stetig wachsenden Zahl der Einkäufer
sowohl wie der Aussteller aus dem Inland und
Ausland findet die in immer weitere Kreise dringende
Ueberzeugung von der Bedeutung der Leipziger Messen
als Ein- und Verkaufsgelegenheit numerisch ihren Aus¬
druck. Die Vorteile des regelmäßigen Besuchs der
Leipziger Messen für Einkäufer sowohl wie für Aussteller
sind mannigfacher Natur. Für den Aussteller, der auf
der Messe gleichzeitig eine große Anzahl von Einkäufern
vorfindet, die alle ihren Bedarf decken wollen, bedeutet
die Beschickung der Leipziger Messen ein vorzügliches
Mittel der Absatzgewinnung und überhebt ihn ganz oder
teilweise der übrigen kostspieligen Wege, Wie z. B. des
Aussendens von Reisenden. Dem Einkäufer bieten die
Meßmusterlager in ihrer übersichtlichen Anordnung die
beste Gelegenheit, sich rasch über den Gesamtstand der
ihn interessierenden Industriezweige sowie deren Speziali¬
täten und Neuheiten zu orientieren und sich ein Urteil
über die Leistungsfähigkeit der einzelnen Fabrikanten zu
bilden. Da auf der Leipziger Messe der Hauptteil der
Firmen der Musterlagerbranchen, ja in manchen sogar
die Gesamtheit der Fabrikanten überhaupt, und zwar
nicht nur aus Deutschland, sondern auch aus Italien,
England, Belgien, Frankreich, Holland, der Schweiz usw.,
gleichzeitig vertreten ist und als Anbieter auftritt, ist
dafür gesorgt, daß die geforderten Preise keine Monopol-
und Phantasiepreise werden können, sondern der jeweiligen
Gesamtgeschäftslage genau entsprechen. Dieses Moment
ist für den Einkäufer von sehr hoher Bedeutung: Die
gesamte Konkurrenz ist für ihn dadurch viel übersicht¬
licher geworden. Die unmittelbare persönliche
Fühlungnahme zwischen Fabrikant undEinkäufer
ist für beide Teile von unschätzbarem Wert und kann
durch keine andere Institution der Welt in dem Umfange
gepflegt und gefördert werden. Wie dies durch die
periodisch stattfindenden Leipziger Mustermessen ge¬
schieht. Besonders für den Exportverkehr fällt dieser
Vorteil erheblich ins Gewicht, weil hier Produktion
und Konsumtion räumlich sehr weit auseinander ge¬
rückt sind. Erwähnt sei an dieser Stelle, daß sich für
den Exportverkehr besonders die Oster-Vormesse
entwickelt hat.
Der vielhundertjährige Bestand der Leipziger Messen
bietet zugleich auch eine gewisse Sicherheit für deren
Weiterbestehen; auf wirtschaftlichem Gebiete läßt sich
das historisch Gewordene und Gefestigte nicht ohne
weiteres ausschalten oder durch eine andere Einrichtung
ersetzen. Indes nicht allein an der Erhaltung der
Leipziger Messen, sondern an ihrem weiteren Aus¬
bau haben alle Beteiligten und somit das Inland sowohl wie
das Ausland das größte Interesse. Die volkswirtschaft¬
liche Aufgabe, die hier zur Lösung gestellt, ist von außer¬
ordentlicher Tragweite und bietet ein weites Feld viel¬
seitigster und zugleich verantwortungsvoller Betätigung;
gilt es doch ein sehr wertvolles Erbe, das die jetzige
Generation angetreten hat, der Nachkommenschaft in der¬
selben lebensfähigen Form zu übergeben. In diese Auf¬
gabe teilen sich der Rat der Stadt Leipzig und der
Meß-Ausschuß der Handelskammer Leipzig.
Nr.lO DEUTSCHLAND 453
Alte Winkel im neuen Leipzig,
Von Julius R. Haarhaus.
Wer Leipzig vor zwei Jahrzehnten zum letztenmal
gesehen hat und die Stadt heute wieder betritt, der
wird sich erstaunt fragen, ob es denn wirklich das alte
gemütliche Pleiße-Athen ist, dessen Straßen er durch¬
wandert. In der Tat, es dürfte in unserm großen
deutschen Vaterlande wenig Städte geben, die ihre
ganze Physiognomie in einer relativ kurzen Zeitspanne
so gründlich verändert und von den Verjüngungsmitteln
moderner Kultur und Architektur einen so ausgiebigen
Gebrauch gemacht haben, wie gerade Leipzig. Besonders
in der inneren Stadt, dem Kerne des jetzt so aus¬
gedehnten Weichbildes, sind nicht nur einzelne alte,
den heutigen Ansprüchen an Wohn- und Geschäfts¬
räume längst
nicht mehr ge¬
nügende Ge¬
bäude, sondern
auch ganze eng
ineinander so¬
wie aneinan¬
der geschach¬
telte Häuser¬
blöcke durch
die Spitzhacke
gefallen und
haben wahren
Pracht-Bauten
Platz gemacht.
Und seltsam:
diese neuen
Pracht-Bauten,
die so viel ge¬
räumiger sind
als die Häuser,
die sich vor¬
dem an ihrer
Stelle erhoben, nehmen dennoch eine weit geringere
Bodenfläche ein als jene und haben den einst so
schmalen Gassen erlaubt, sich in ansehnliche, helle
Straßen zu verwandeln. Die Erklärung ist einfach:
Die Baukunst unserer Tage weiß mit ihrer vielseitigen
Verwendung von Beton, Eisen und Glas den vorhandenen
Raum weit besser auszunutzen und durch Anlage von
gutbelichteten Treppen und Fahrstühlen auch die oberen
Stockwerke der Häuser dem Geschäftsleben dienstbar
zu machen. Für Leipzig ist es bezeichnend, daß gerade
die stattlichsten und schönsten Neubauten der inneren
Stadt Meßpaläste sind, also an alte Traditionen an¬
knüpfen und, wenn auch mit völlig neuen Mitteln, das
alte Bestreben Leipzigs, die berühmten Messen an sich
zu fesseln und zu erweitern, wirksam unterstützen.
Schon früher einmal, im 18. Jahrhundert, hatte ein
bedeutender Aufschwung der Messen eine Revolution
in der Architektur unserer Stadt hervorgerufen. Dem
gewaltigen Andrange fremder Kaufleute, die mit ihren
langen Wagenzügen aus allen Himmelsrichtungen kamen,
genügten die bescheidenen Herbergen und engen
Gewölbe nicht mehr, sie bedurften geräumiger Lager
für ihre Waren, gutbürgerlicher Unterkunftsräume und
bequemer Stallungen. Um ihnen entgegenzukommen,
bauten vermögende Bürger die für jene Zeit unerhört
prächtigen und großartigen „Höfe", von denen sich
glücklicherweise eine ganze Anzahl zwischen Peters¬
straße und Neumarkt, zwischen Hain-, Katharinen- und
Reichsstraße erhalten hat. Da die Fassaden dieser
Gebäude mit ihren vornehm-gediegenen Barockformen
heute leider zum großen Teil durch Firmenschilder ver¬
deckt und verunstaltet sind, fallen sie dem flüchtigen
Passanten kaum noch auf, und er empfängt erst einen
Eindruck von ihrer architektonischen und wirtschaft¬
lichen Bedeutung, wenn er durch die gewölbten Tor¬
einfahrten das
Innere dieser
Höfe betritt.
Auchsie haben
einst beschei¬
denere Häuser
verdrängt, und
werweiß,obsie,
die durch die
Umgestaltung
der einstigen
Warenmessen
zu den jetzigen
Mustermessen
ja entbehrlich
geworden sind,
nicht über kurz
oder lang das
Schicksal ihrer
Vorgänger er¬
eilt. Denn für
das Geschäfts¬
leben der mo¬
dernen Großstadt ist nicht nur die Zeit, sondern auch
der Raum Geld, und unsere auf das Praktische ge¬
richtete Gegenwart bringt einer Raumverschwendung,
wie sie sich die Erbauer der Leipziger „Höfe" noch
leisten durften, höchstens ein historisch-ästhetisches
Interesse entgegen.
Nun — heute stehen, Gott sei Dank, noch die
schönsten dieser Alt-Leipziger Architekturdenkmäler,
und es lohnt sich schon, im Vorübergehen einen Blick
in ihr Inneres zu werfen. Wer es mit Liebe und Ver¬
ständnis tut, der wird nicht nur auf wahre Perlen der
Barockarchitektur stoßen, sondern auch noch eine
Menge beachtenswerter Reste einer älteren Bauperiode
und vor allem viele malerische und stimmungsvolle alte
Winkel finden. Wie prächtig nehmen sich z. B. die
holzgeschnitzten Galerien in den Höfen des Griechen¬
hauses, Katharinenstrasse 4, und des Hauses Reichs¬
straße 27 ausl Bei ihrem Anblick fühlt man sich
geradezu nach Nürnberg oder Rotenburg versetzt.
Solche Umgänge aus Schnitzwerk scheinen im 17. Jahr¬
hundert in Leipzig ziemlich häufig gewesen zu sein;
wir finden sie nicht nur noch in der inneren Stadt,
Leipzig: „Thüringer Hof", Burgstraße 19/23; erbaut 1454
454 UßllTSClitA^ 1} Nrv.5O ; ’j;::
sondern ^tich äuSerbalh der alteh Stadtbe^fe^tiguog; wie
zürn Bei spie { in fn^inc h e n H o f en : d e ^ Cietb^rst ra U e;
■ Als -klassisches Beispiel des t-elptiger Bi^rot-fcsUfs
mitß ^KpcKs Höf*^: (Markt 5) hefVorgehQbe^ Wft Bs
tSl ein dem, uttg^kehrte
Halbe reicher und; festlicher ausgest^ffeh öIs^q ;Woht iu
Reprä^enpdüns^weckeit bestimmt gewesen :wiS,hrehd
Alü $4}tB nacK der KathirineniJtriße geräuniigifit^fsctiehvl
ühd einen mehr ge^chäftljch’ntlchterrn&nL Chajr^tktfit hat
Öss Gebäude ^tainrnt: ädi£ ti^m Jshr^ 't7!5v iirtd bepryd
sich Isnge fihi GtSfiicK hlohordh^kcheo ftesik, An de^n:;
$ii fier d*e^r Parfiihden Kauhnand und Ratsherrn
Pfeter Hobtimpn, minn^jt such der große, als Durchgang
vk^bertu^^te vdlphmanns :?wi$c.hen Petersstraße und
bieumsfkt Archhektordseh ikt von dar
der Pöt^fr^tr^ße; 2 ugewan dien fund dem sechs-
geschossigen Kranaufbau
tt bsieh t m^hi besonder k
bemerkehswert.; sein Rei? -
heg t in dtjc Unregeimaßig^ ;
keU der Anlage und in
rier fibwchsluug&teicii
/Anördfumg diar Öawolbe^
i r i. d u civ SiMl hejuoc U
eit':: ^ :Be.h'en' ehiföl t e t - '
ArcKiTektönj^dh UT?be^
öeti Een d ist änch ,, Auer¬
bachs UpP,
rnp fsc h e S {re ß e; l n i d N e ur
n’iäriff in : hwrh eine^
:'spim pX'^r^ •■'. yf^i \ I ke ]x":\ :'■y-e-, ■
• bfhde.h'-;;Ah^r- ■ welch&yfe“, •
innerungen kitupfen s\öi
Dicht an dfese
der a hen Meßherr I i chkeil I
Der Kern der Hof ah fege
gehi bisy auf dasdahr 1529
wo Dn H^einritli
Shoiner aus ÄiierbaCh in
fichrigei Erkenntnis der
SeddVfntsse > säiner
hier eivian ,,Metßpal5^P" im
darnd ii goo Si nne e rrichlen
lifößf 5h;h ein
he i c (lO V G'o! d s t ro m t n s; e iii e f p ^ Gcih 1 h
viml seirier Nsirlvfeiger TitiKchen ^^^göß. UM hatten
eiri&t die GbM&chmfede^ dnw^flfeF& und Modewaren-
h li n d 1 ö.r I Ivre Sta n de. u n d iü ^ ei te rv A o gu^^cs d e s
Sferkeri* do.r ja auf seine Art auch für die.-Belebung
der Messen mahd sich hier vpr-
De!tfü?aeA^eh ein Stelldichein^ Auch heute dteiyt .dieser
Höf noch Meß^w-ecken^ uhdr seine 'iihd g^?:ühth,
und es wird nicht lange mehr dati^rh/r tlann wird dieser
iKenge aus der Pruhxeil der l.eipxiger Messen einem
Kl pderrren Meßpa Ia st w efehen m üssen; d Iofibnt|irh b Ie i bi
datiYr'wenigstens als letzter Rest aus vetgahgenen Tagen
der; w tjbe r ii U rn tc'd u rt: li d i e P a ti s t s a g t? ver k) ö r fe u n d ih i rcl ^
tVöefhf.ft rJH ch i m Vg un &1 er bl i t i i ge w' ö nfe ti K e 11 er '^. rh aj t ei i!
Elt wäre ewig schade^ wemr dieser tciic.hf-lrdhbche Wmke
mit ^einen;' aIterfii a\ 1 ichen Ciifwö 1 ben uhd ftiminUng&-
vülfen Eckchen vef^cbwandc oder auch nur datch jr^eih
g ß e ■ h ß r w e Ite r u n ge h d «öjs g e nip i? • (&£ ? be ra nb t w urde!
:fc''Jtv^
Goethe^Eriiinerungeh sind es auch^ die imfi den
geräumigen Hof der:>,GTößen Feuerzwischen
Neum^rkt und Üniversuäbstraße> macherh .-rU;
Hier wohnte d^t j unge HimmeUsiunner ais Student^ wie : - -;
z wei dahrrehnf e ^-orberbsin ^p und vOrv hier mag er ,, f
oft geniig seihe Schrhie n ac b Auerboch« Keller gelenk^
ha he n H F? 5 w a r ein gl ü c kl i c h er G ed a n ke^ d e m bUr
ie>iöD unter F^eip^-igf akadernj^cUen Bürgern gerade
dfjm 'Kaschmarkt, dem mönürnentslstOA Teile des -
dnst^re herühergeretteten Alt-Leip>jgi, ein Denteb|;M
: i U ^rrl ebt en M an weiß wi r kl ich h icM, wa s hier -
diesem ÄEüfen \XTnkel übef raschen der wirkt : Seffneü^v ’?!
Meisterwerk Y^der dessen architektorfische Umrahmunjgf
mit dem Rsihausbau tmd der von den pPleiße-r.A<J
Schäfern^* Vielbesungenen Afi^n ßörse. Bauwerke'.
aus deir, haben sich in Leipiig nur wenige y|
^(halt^npöbertmierdiesen
^ind ,sweb die' als wahre! Aii
Mtrsterleistangen bereich-
net'werden müssen. DaSt /V
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M l xir^ l 2lVejrgj e b ein i m. ■ f;
■hob en Üä c bg^c hoß und ;
: xwef fBfeb orndmentierien
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,3a^'lbcds Höf"^ am Markt ;-;
beim Emgaug der Hain^ / :
Straße, einst die :■
Schlange-genannt, Eetm. ’ ’-
ll riibaü .dieses Ela use^. im
Jöh.re IfiTi hat märr die^ !;
uDvefg leichJ ich schöKö:
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Ankfenge’ do die GoPtk, v
t iivnen“
se ne VWfegt öod dadurch ii
(lir^ ^pätecfj GeiscKle^^ ;,
gereitel, Üm stille^ «n ^
Somtriertögeh so kirhie
HoF ist Für den Kunsir^ ; ;
ft^etind, dor mitten ■ •'
Sehfll^'i'llu^i!^
hfi^tehden Getfibbt? der Großstadt idr ein paar
blkk^ Ruhe ifhd E?qiK^ .^uebt, ein ZuHucbt&Drt, . ,,
wie wir deren niebf, alku vfele: b
Auch die Öurgslfßßev.die ubefhuupt^id^^ ölter-^
türnncbeii Chämkfer nocli zum j^rö&tbn 'Teiäe bewahrt ■ :
ha t im d ni i t i in e n > k ö s 11 i che n Durch btiC k a id de h Turm :.
der ThOmaftkirc^he ein prSebtiges ArcKiteiaurbdd bletei:^ ,
b^it im fipfe tins t ja it^es Nr. 1 & ni n: beac b^e nsw’ertes :
Renaisisancegebäiide mit Treppenthnm Eje ’
Wird jcdöcb dmcb deh Gebäudt^kötTipfex in dthv ScFiattön -
gesteiIt* der/ beule iltm ,p fbüHoger fJo 1'^ vereinigh; oine
imkaruiie Sebensw'urdrgkdif der S^^ Die Geschidl'^te
t fe s ii tt e Äi en d i e se c 1 i ii n sdr, de s ^ reyh a d s es in d ef . .
jlufcga5&eji oh der egkan hü dem bötoe geJegerUb geht
h]?i in den A^fehg dijs JabrKuhd^ zurLick; dai£
öi\dere ist 115 ^^ A '"»h Di01ricb voh Btfc Uen §tlprb de
spöt^en Bisc^b^ von Nftumburg, erbaut. Dii?,hifellaüs-
Leipzig-: Auerbachs Hof
Leipzig-: Barthels Hof, Markt
Pelzold
Leipzig-: Hof des Griechenhauses, Kaiharinenstraße 4
Leipzig-: Kochs Hof, Markt 3
|rwsirinmnnfrBio-i^^^^^^[
456 DEUTSCHLAND Nr. 10
kapelle, „Burgverließ" genannt, dient heute den Burschen¬
schaftern als Kneipraum. Aber auch sonst ist viel
Ursprüngliches erhalten geblieben, und das Ganze hat
der Besitzer mit feinem Verständnis restaurieren und
im Charakter der Entstehungszeit ausschmücken lassen.
An Stelle des „Bornes", also jedenfalls eines ge¬
mauerten Ziehbrunnens, steht jetzt eine nüchterne eiserne
Pumpe, wie denn auch die vielen einst vorhanden ge¬
wesenen Monumentalbrunnen merkwürdigerweise ver¬
schwunden sind. Am meisten dürfte der Verlust des
berühmten „Goldenen Brunnens" auf dem Markte zu
beklagen sein, der sich auf alten Ansichten als ein reizen¬
des kleines Architekturwerk präsentiert. Die Gegenwart
scheint übrigens wieder gut machen zu wollen, was
unsere Väter gesündigt haben, und seit den letzten
Jahren schmücken außer dem prächtigen Mendebrunnen
mehrere wirklich schöne Brunnen unsere Stadt, so der
Märchenbrunnen (Thomasring), der Mägdebrunnen
(Roßplatz), der Schäferbrunnen (König-Albert-Park) und
die Zierbrunnen am Neuen Rathaus und am Tröndlinring.
— Wir haben bis jetzt nur von Häusern und Höfen
gesprochen, die ihrer kunsthistorischen oder geschicht¬
lichen Bedeutung wegen das Interesse des Beschauers
beanspruchen. Aber es gibt außer diesen noch eine
ganze Anzahl von Gebäuden und Häusergruppen, die,
ebenfalls älteren Perioden der Stadtentwicklung ent¬
stammend, weder architektonisch noch geschichtlich
merkwürdig sind, und doch verdienen, daß der Blick
des Vorübergehenden einmal auf ihnen verweilt.
Da sind vor allem drei Siedelungsgebiete, denen
wir unsere Aufmerksamkeit zuwenden müssen, und zwei
davon sind bezeichnenderweise altes Klosterareal. Zu¬
nächst der sackgassenartige Anhängsel des Thomas¬
kirchhofs, wo einst das Thomaskloster stand, sodann
der Matthäikirchhof mit seiner Umgebung, der, im Be¬
reich des 1543 aufgehobenen Minoritenklosters gelegen,
abseits von den großen Verkehrsstraßen die Merkmale
eines isolierten Stadtteils treu bewahrt hat, und endlich
das Naundörfchen in dem spitzen Winkel zwischen
Fleischerplatz und Ranstädter Steinweg, das übrigens
ehemals eine Zeitlang unter der Botmäßigkeit des Erfurter
Schottenklosters stand.
Der Matthäikirchhof, der so lange ein beschauliches
Dasein führte und uns heute wie der Markt einer be¬
haglichen Kleinstadt anmutet, wo sich die Häuser trau¬
lich um die den Platz beherrschende Kirche scharen,
dürfte die längste Zeit in seiner gegenwärtigen Gestalt
bestanden haben. Die alten hohen, so überaus maleri¬
schen Häuser am Töpferplatz haben längst modernen
Prachtbauten Platz machen müssen; nun hat man auch
mit dem Abbruch der Gebäude begonnen, die den
Matthäikirchhof auf der Südseite begrenzten, und wer
weiß, ob nicht schon die allernächste Zukunft der west¬
lichen Häuserreihe und dem an die Kirche angebauten
Block dasselbe Schicksal bereitet I
Das Naundörfchen ist bis heute im großen und
ganzen noch von dem zur Umgestaltung drängen¬
den Geiste der
- -- - Neuzeit ver¬
schont geblie¬
ben ; es ist,
seinem Namen
getreu, wirk¬
lich ein idyl¬
lisches Dörf¬
chen inmitten
der Großstadt.
Davon kann
man sich über¬
zeugen, wenn
man diese alte
Niederlassung
von der Brücke
beim Zentral -
Feuerwehr ~
Depot aus be¬
trachtet. Die
kleinen Häuser
treten nicht
unmittelbar an
denFluß hinan,
sondern weisen schmale Vorgärtchen auf, die mit
ihren grünen Lauben und bunten Blumen einen sehr
erfreulichen Gegensatz zu dem dunklen Gemäuer
und dem schwärzlichen Wasserspiegel bilden. Ganz
eigenartig ist auch das Nachtbild des Naundörfchens,
von der Frankfurter Brücke aus gesehen, besonders
wenn das Mondlicht in silbernen Reflexen auf dem
Wasser spielt, wenn hie und da ein Lichtchen glüht
und die Dachvorsprünge und Vorbauten ihre Schatten
in die Tiefe werfen.
Ein ähnliches Motiv finden wir übrigens auch an
der Uferstraße zwischen Gerberstraße und Lohmühl¬
gasse. Auch hier stehen nicht weit vom Wasser ein
paar Häuser, wie man sie in Leipzig kaum noch ver¬
muten sollte. Daß einzelne Höfe besonders in den
Vorstädten, und zwar hauptsächlich solche, die seit
Menschengedenken den in die Stadt kommenden Land¬
leuten als „Ausspannung" dienen, den Charakter länd¬
licher Gutshöfe bewahrt haben, versteht sich von selbst.
Leipzig: Palmengarten
Nr.lO DEUTSCHLAND 457
Es sei, um nur zwei Beispiele anzuführen, an „Zangen¬
bergs Gut"' (Johannisplatz) und an die „Goldene Laute"
(Ranstädter Steinweg) erinnert. Ein echter „stiller
Winkel" ist auch das alte Johannishospital mit seinem
idyllischen Hofe.
Gehen wir weiter in die Vorstädte hinaus, so werden
wir des Schönen und Interessanten aus vergangenen
Tagen noch viel finden. Wer denkt nicht an das winzige
Häuschen in Gohlis, wo Schiller gelebt und — so be¬
hauptet wenigstens der strengen Forschung zum Trotz
eine alte Ueberlieferung — das Lied an die Freude
gedichtet hat? Wer denkt ferner nicht an Eutritzsch
und seine altehrwürdige und doch ewig fröhlich-junge
Gosenschenke?
Man sieht: es gibt auch im modernen Leipzig noch
manchen stimmungsvollen alten Winkel, und wer die Stadt
mit offenen Augen durchwandert, dem wird sich auch
heute noch mitten im Großstadtgetriebe der Gegenwart
das alte gemütliche Pleiße-Athen mit seinen von unsern
Vätern und Großvätern gepriesenen Reizen offenbaren!
Der Leipziger Palmengarten.
Von Gartendirektor Aug. Brüning.
Der etwa QO Morgen große Palmengarten ist eine
der Hauptsehenswürdigkeiten Leipzigs und der Stolz und
die Zierde der Stadt, der Zentralpunkt des Fremden¬
verkehrs. Er liegt im Westen der Stadt zwischen der
Plagwitzer und der Frankfurter Straße und ist durch
zahlreiche elektrische Bahnen von allen Stadtteilen
aus bequem zu erreichen. Von einer hiesigen Aktien¬
gesellschaft begründet, wurde er nach den Plänen
des Leipziger Landschaftsgärtners Moßdorf von diesem
ausgeführt und 1899 eröffnet. Den Mittelpunkt bildet
das an der Frankfurter Straße gelegene, von den
Architekten Schmidt und Johlige gebaute vornehme
Gesellschaftsbaus mit prächtigem großem Konzertsaal
und anheimelnden Nebenräumen. Den Wirtschafts¬
betrieb leitet seit dem 1. April 1911 die Leipziger
Zentraltheater-Aktiengesellschaft. Durch eine große
Spiegelscheibe vom Konzertsaal getrennt, doch durch
Türen von diesem aus zugängig, liegt nach Süden
das weltberühmte Palmenhaus, das etwa V 2 Morgen
Fläche bedeckt und Pflanzenschätze aufweist, die nur
wenig ihresgleichen in Deutschland haben. Oestlich
des Gesellschafts- und Palmenhauses liegt der etwa 0000
Leipzig: Inneres des Palmenhauses im Palmengarten
458 DEUTSCHLAND Nr. 10
Sitzplätze bietende Konzertplatz mit Unterkunftshallen,
separatem Weinhäuschen, Sommerbüfetts, Kiosken usw.
und einem Musikpodium, das Raum für ungefähr
60 Musiker bietet. Hier finden im Sommer täglich
zweimal Konzerte erster heimischer und fremder Zivil¬
und Militärkapellen statt, zeitweilig verstärkt durch
Darbietungen von Gesangvereinen. Diese Konzerte
üben im Verein mit den anderen Veranstaltungen
der Gesellschaft stets eine große Anziehungskraft auf
die Bevölkerung aus, so daß an schönen Sommer¬
tagen alles bis auf den letzten Platz gefüllt ist. Be¬
sonders ist dies der Fall bei den großen Gartenfesten,
die durch auserlesenes Feuerwerk, Illumination der
Gebäude und des Gartens usw. einen besonderen
Glanz erhalten und stets mit einem Sommernachts¬
ball schließen. Im Winter findet neben den dreimal
wöchentlichen Konzerten zweimal monatlich Reunion
statt, wofür Gesellschaftstoilette vorgeschrieben ist,
außerdem zeitweilig Kostümfeste, Bunte Abende usw.
Leipzig- Gesellschafts- und Palmenhaus im Palmengarten
Neben diesen Veranstaltungen ist es aber vor allem
der Garten selbst, der alljährlich Tausende von Be¬
suchern von fern und nah anzieht und auf die Fremden
mit seinem reichen Blumenschmuck einen bezaubernden
Eindruck nie verfehlt. Besonders zur Zeit der Messe
entwickelt sich hier ein ganz internationaler Verkehr.
Es gewährt auch einen unvergleichlich schönen Anblickr
wenn man von der Frankfurter Straße den Palmen¬
garten betritt und sich das imposante Gesellschafts¬
gebäude aus dem Rahmen der Bäume herausheben
sieht, davor das große Blumenparterre, das mit seinen
Tausenden von Pflanzen aus aller Herren Länder und in
seinem Arrangement ein Bild wunderbarster Farben¬
pracht in stimmungsvoller Harmonie zeigt. Inmitten
desselben steigt aus einem mit Goldfischen besetzten
Bassin ein kühlungspendender Wasserstrahl hervor, die
Szenerie anmutig belebend. Noch bevor der erwachende
Frühling das erste Grün an Bäumen und Sträuchern
hervorlockt, beginnt es hier zu blühen, und in mehr¬
fachem Wechsel hält der Flor an, bis die Kunst des
Gärtners den Frösten nicht mehr Trotz zu bieten
vermag und der Winter seine Herrschaft antritt. Das
Gesamtbild würde aber viel von seiner Schönheit ein¬
gebüßt haben, wenn nicht dem kraftvollen Bau des
mit Schlinggewächsen berankten Gesellschaftshauses
mehrere ebenfalls mit Blumen reich geschmückte Ter¬
rassen vorgelagert wären, die mit von Bäumchen zu
Bäumchen sich rankenden Blumengewinden nach außen
hin abgeschlossen und an ihren Böschungen mit zier¬
lichen Teppichbeeten geschmückt sind. Vom Parterre
aus gelangt man über den Konzertplatz hinweg nach
dem reich ausgestatteten Kinderspielplatz, wo sich bei
gutem Wetter in den Nachmittagsstunden stets ein
recht munteres Leben und Treiben entwickelt. Von
hier führt der Weg weiter nach dem herrlichen Rosen¬
garten, der mit seinen Lauben, den die Eingänge über¬
spannenden Bogen aus zierlichem Gitterwerk in der
Hauptblütezeit einen geradezu märchenhaften Eindruck
macht. Am Eingang finden wir zwei japanische Laternen,
von denen die eine ein Geschenk des
Admirals Togo ist. Alljährlich, wenn
der Gedenktag der Schlacht von Tsu¬
shima wiederkehrt, an dem die russische
Flotte von den Japanern unter Admiral
Togo vernichtet wurde, halten die
Mitglieder der hiesigen japanischen
Kolonie hier eine Gedenkfeier ab, bei
der abends die Umgebung nach japa¬
nischer Art durch mit Papierlaternen
behangene Bambusstäbe malerisch be¬
leuchtet wird. Verfolgen wir unseren
Weg weiter, so gelangen wir nach dem
Bootshause, dem großen Weiher und
der Leuchtfontäne, deren wechselnde
Farbeneffekte immer von neuem Be¬
wunderung erregen. Jenseits des
Teiches zieht, vor allem zur Frühlings¬
zeit, der Staudengarten den Blumen¬
freund in seinen Bann, und die alpine
Partie mit ihren blauen und weißen
Blütenpolstern der Aubrietien- und
Arabis-Arten lenken schon von weitem
das Auge des Besuchers auf sich. Auch der übrige Teil des
Gartens bietet viel des Interessanten. Großen Anklang
finden auch immer die im Freien aufgestellten Gruppen
subtropischer Palmen und anderer Pflanzen dieser Zone in
ihrer eigenartigen Charakteristik. Auf Schritt und Tritt
begegnet man neuen und interessanten Landschafts¬
bildern, die den Park im Verein mit den schattigen,
sauber gehaltenen Wegen, den lauschigen Sitzplätzen,
den mit Seerosen, Enten und Goldfischen bevölkerten
Teichen, den Wasserfällen und Grottenanlagen zu einer
der vornehmsten Erholungsstätten Leipzigs stempeln.
Zum Schluß sei noch erwähnt, daß seit dem
T. April d. Js. einschneidende Aenderungen in der
Direktion des Leipziger Palmengartens eingetreten sind.
Zum Betriebs- und kaufmännischen Direktor wurde Herr
F. C. Stremmel, bisher Direktor des Frankfurter Verkehrs-
Vereins für Frankfurt und Umgebung, der in Verkehrs¬
kreisen wohl bekannt ist, bemfen. Als Gartendirektor
wurde Herr August Brüning aus Berlin-Fichtenau vom
Aufsichtsrat verpflichtet.
Nr.lO DEUTSCHLAND 459
Der Leipziger Hauptbahnhof.
Von Paul Benndorf.
Die erste Anregung zu einem Eisenbahnbau in
Sachsen ging von dem Tübinger Professor der National¬
ökonomie, damals amerikanischer Konsul, Friedrich List
aus. Er hatte sich
Kenntnisse von
englischen und
amerikanischen
Eisenbahnen
erworben und
machte in Leip¬
zig durch eine
Schrift: „lieber
ein sächsisches
Eisenbahn-
System als die
Grundlage eines
allgemeinen
deutschenEisen-
bahn - Systems
und insbeson¬
dere überdieAn-
lage einer Eisen¬
bahn vonLeipzig
nach Dresden"
für einen imTitel
genanntenBahn-
bau Propaganda.
der die Dampf bahn aus England kannte, Gustav
Harkort, Karl Lampe und Dufour-Ferance, welche
zusammentraten und die Genehmigung des Baues vom
Die erste Fahrt auf der Leipzig-Dresdner Eisenbahn
Aus Paul Benndorf; ,,Hundert Bilder zur Geschichte Leipzigs", Verlag von A. Schmidt,
Zweifel, Spott und Hohn der Gegner,
deren Engherzigkeit und beschränkter Horizont seine
Pläne als gemeingefährlich und als Ausfluß des Wahn¬
witzes hinzu -
stellen suchten,
störten den weit¬
sichtigen, unter-
nehmungsfreu-
digenMannnicht
im geringsten.
Im Jahre 1835
gründete er ein
„Eisenbahnjour¬
nal", um weiter
aufklärend zu
wirken. Er ver¬
trat den Stand¬
punkt, der sich
später als so
richtig erweisen
sollte, daß durch
ein Eisenbahn¬
netz weniger die
finanzielle, als
vor allem die
politische Lage
eines Landes
stark beeinflußt
werde. Mit mehreren gleichgesinnten und gleichslreben-
den Männern Leipzigs konnte List am 1. März 1836
endlich den Bau einerEisenbahn vonLeipzig nach Dresden
beginnen. Es waren der Bankier Wilhelm Seyfferth,
Leipzig 1910
Ministerium erlangten. Die Mittel wurden durch ein
Aktienkapital von zunächst IV 2 Millionen Talern, welche
Summe sich später mehr als verdoppelte, aufgebracht.
Aus Paul Benndorf:
Der Leipzig-Dresdner Bahnhof 1840, Innenseite
Hundert Bilder zur Geschichte Leipzigs", Verlag von A. Schmidt, Leipzig 1910
Am 24. April 1837 befuhr man bereits die erste Strecke,
von Leipzig nach Althen (bei Borsdorf). Die Einweihung
der Gesamtlinie fand am 7. April 1839 in Gegenwart
des Königs Friedrich August und des königlichen Hauses
460 DEUTSCHLAND Nr.lO
statt. Somit war die erste größere deutsche Eisenbahn
in die Wirklichkeit getreten, die vielleicht ein noch
größeres Aufsehen erregte, zu einer noch lebhafteren
Bewunderung veranlaßte, als heutzutage das lenkbare
Luftschiff und das Flugzeug.
Der sich entwickelnde weitere Eisenbahnverkehr,
dessen Ausgangspunkt der Dresdner Bahnhof ge¬
worden ist, hat Leipzig zur bedeutendsten Handelsstadt
Mitteldeutschlands gemacht. Nur zweier Jahrzehnte
bedurfte es seit Eröffnung der Leipzig—Dresdner Eisen¬
bahn, um den genialen Plan eines „deutschen Eisenbahn¬
systems" zu verwirklichen. In unserer Zeit aber werden
jene Verkehrszentren, die Bahnhöfe Leipzigs, zu einem
Gesamtverkehrsmittelpunkt vereinigt; der Zwerg hat sich
zum Riesen ausgewachsen; wir stehen einem Monu¬
mentalbau gegenüber, der sich als größtes Denkmal des
Weltverkehrs von ganz Europa darstellt. In seiner har¬
monischen Gliederung, in der ästhetischen Vereinigung
von Ingenieurkunst und architektonisch-schönem Baustil,
der hier seine meisterhafte Lösung erreicht, bringt der
Leipziger Hauptbahnhof die neuzeitliche Nutz¬
baukunst überraschend zur Geltung. Der Laie kann
sich schwer vorstellen, welche Summe von technischen
Kenntnissen und von theoretischem Wissen zur Voll¬
endung eines solchen Bauwerkes nötig ist. Er fühlt
allerdings heute mehr wie ehemals den Zusammenhang
von Form und Konstruktion, er empfindet beispielsweise
den von gewaltigen Eisenbogen überspannten Raum
der Halle, die Massenwirkung der Wandungen, Portale
und Treppenaufgänge und begreift, daß der Ingenieur
zum Künstler werden kann.
Am Baue der neuen Leipziger Eisenbahnanlage sind
die sächsische und preußische Eisenbahnverwaltung, die
Stadtgemeinde Leipzig und die Reichspostverwaltung
beteiligt. Die Verhandlungen und Verträge begannen
im Jahre 1901, die Bauarbeiten 1902. Es umfaßt der
neue Bahnhof, der Kopfstation ist, das Gebiet des
früheren Thüringer, des Magdeburger und des Dresdner
Bahnhofes und dient ausschließlich dem Personen¬
verkehr, da die Güterbahnhöfe getrennt bleiben. Nach
dem Dekret vom 22. März 1904 waren sächsischerseits
sieben Bauabschnitte vorgesehen, welche die vom
sächsischen Staate aufzuwendende Gesamtsumme von
49 V 2 Millionen Mark enthalten, während Preußen etwa
52 Millionen Mark aufzuwenden hat. Die Stadt Leipzig
muß ungefähr 17 Millionen Mark aufbringen. Die
Gesamtbaulichkeiten sollen 1914 fertiggestellt sein.
Als Sieger im ausgeschriebenen Wettbewerbe vom
Jahre 1907 zur Erlangung von Plänen für das Empfangs¬
gebäude gingen die Architekten Professor William
Lossow und Max Hans Kühne in Dresden hervor. Sie
erhielten den Auftrag zur Ausarbeitung des Entwurfs. —
Das an der Westseite bereits den Gesamtaufbau zeigende
Empfangsgebäude besteht aus einem 62 Meter langen
Mittelbau, dem sich zu beiden Seiten Eckbauten und
rückwärts nach der Bahnsteighalle zwei Seitenflügel
angliedern. Die Gesamtfront ist 298 Meter lang, die
Länge der Flügel beträgt je 90 Meter. Der ganze Bau
umfaßt ein Areal von 15600 Quadratmetern als Grund¬
fläche. Dahinter befindet sich die Gleisanlage mit 13
Personenbahnsteigen und 26 einmündenden Bahnsteig¬
gleisen. Westlich mußten der geographischen Lage der
Landesteile nach die preußischen Bahnabzweigungen,
östlich die sächsischen zu liegen kommen, was auch
die Stellen der Verwaltungen bestimmt. Zwischen den
beiden Eingangshallen im Mittelbau befinden sich ge¬
meinschaftliche Räume. Es sind: der Verbindungsgang
mit der Gepäckannahmestelle, die Wartesäle mit Restau¬
rationsbetrieb, die Küchen- und Kellerräume der Bahn¬
hofswirtschaft. Die Fahrkartenschalter haben ihren Platz
Leipzig: Hauptbahnhof (Teil, der im Mai 1912 eröffnet wird)
Nr.lO DEUTSCHLAND 461
Leipzig: Längsbahnsteighalle des neuen Hauptbahnhofes
rechts und links von den Eingängen der beiden Ein¬
gangshallen. In jeder führt eine 10 Meter breite Frei¬
treppe nach der 4 Meter höher gelegenen, 270 Meter
langen Querbahnsteighalle. Die Seitenflügel enthalten
die Auskunftstelle, das Fundbureau, Posträume und
die Verwaltungs- und Wohnräume der Beamten; auf
der sächsischen Seite kommen die Fürstenempfangs¬
zimmer hinzu. Außerdem enthält der Bau Bade- und
Waschräume, Klosettanlagen usw. Die Außen- und
Innenschauseiten bestehen aus Sandstein; das Dach
zeigt die moderne rote Ziegeldeckung. Das Hallendach
der Querbahnsteige und die Bogenwand nach den Ein¬
fahrtshallen zu haben als Material Eisenbeton, die
Einfahrtshallen hinter den Abschlußbogen des Quer¬
bahnsteigs sind in Eisen ausgeführt. Die sechs eisernen
Bogenhallen haben eine Spannung in Weite von
45 Metern. Der Mittelbau hat eine Säulenanordnung in
vierteiliger Gliederung; die Fenster zwischen den Pfeiler¬
vorlagen haben ornamentalen Schmuck. An dem Aufsatz
über demHauptgesims sind Wappen, umrahmt von Frucht¬
kränzen, angebracht. Die sechs Fensterpfeiler der Ein¬
gangshallen zeigen gigantische weibliche Säulenfiguren;
inmitten ist die Uhr. Die seitlichen Eingänge der Ein¬
gangshallen werden mit Atlantengruppen verziert werden.
Der Raum vor dem Hauptbahnhofe hat sich zu
einem gewaltigen Platze erweitert, auf dem die Gleise
der Straßenbahn sich zu einem Knotenpunkte zusammen¬
schließen. Droschkenhaltestellen, Fahrbahnen und Fu߬
steige sind im Entstehen begriffen; ein größerer Teil
der Promenade fiel dieser Platzerweiterung zum Opfer.
In der nächsten Nachbarschaft sind Hotelneubauten ent¬
standen, und der Durchbruch zwischen Parkstraße und
Brühl nach der Nikolaistraße wird bald verkehrsreiches
Leben und Treiben zeigen.
Leipzig steht mit seinem Hauptbahnhofe in einem
neuen Zeichen des Verkehrs; möchte dieser Bau in
seiner Bedeutung als hervorragender Vertreter einer
neuen Nutzkunstepoche, als Förderungsmittel der
Handels-, Gewerbe- und Verkehrsfreiheit nicht jene
Männer vergessen lassen, welche die Urheber einer
Einrichtung gewesen sind, die grundlegend für diese
Neuschöpfung geworden ist.
Das Völkerschlacht-Denkmal und der Südfriedhof.
Von Paul Benndorf.
Im Südosten Leipzigs, etwa 4 Kilometer vom Stadt¬
zentrum entfernt, erhebt sich auf einer Bodenwelle ein gigan¬
tischer Bau, der in kurzem vollendet sein wird. Das Völker¬
schlachtdenkmal steht inmitten derGefilde, die vielenTausenden,
die vor bald 100 Jahren mit ihrem Blute das befleckte Ehren¬
schild Deutschlands wieder rein wuschen, zum Riesengrabe
wurden. Schon damals hatten patriotisch gesinnte deutsche
Männer den Gedanken, den Dank für die unvergänglichen natio¬
nalen Errungenschaften jenen Helden der Freiheit symbolisch
und dauernd auszudrücken. Ernst Moritz Arndt, Dannecker,
Weinbrenner, Schievelbein traten mahnend an das deutsche
Volk heran, eine nationale Ehrenpflicht durch Schaffung eines
Denkmals zu erfüllen. Wie anspruchslos klingt Arndts Vor¬
schlag, einen mit Feldsteinen bedeckten hohen Erdhügel zu
errichten, den ein eisernes Kreuz krönt. Ein lauschiger Eichen¬
hain sollte seinen Schatten auf den Rundgang werfen und
einst durch Baumriesen das Sinnbild der Heiligkeit dieses
Ortes bezeugen lassen. Der badische Architekt Weinbrenner
entwarf 1874 ein Schlachtendenkmal, das dem heutigen in
seiner Grundidee schon näher kommt. Auf einem quadra¬
tischen Unterbau von Sandstein in Höhe von 50 Metern
sollte sich ein Tempel erheben, dessen gegenüberliegende
Eingänge zwei Triumphbogen bildeten. Auf dem Schnitt¬
punkte der Zugänge steht das Marmorbild der Germania.
462 DEUTSCHLAND Nr.TO
ir'SilM
Iriflüttftn <le^ TeTDpels^ erhebt sich ein großer Altar mit dem
Kruiti fixe, von vi ^ t h ol^ an Pelmen b heii: i li> di ah ^
mondfdrihigen Niich^n k ömmen 4ieStatuen der drei Mon^rdtarr,.
Priedktt:!h W4helm' IIL : von^ Preiiöenr Kaiser Preins! P von
Ofisi^irr^iidr ursd Al^pxander Lr Eitr von JRuiäUndt als Sieger
:deri. Korsen Nüinoleöb sow|e diejenige^
tmd Siäaisaiilhrier jener gfbßen Zeit. pin Viergtj^fjiJtirm nehst
Trliiwä^en. mit den allöf^orisi4u>n Fi^Hir<'n: der W eishei t*
Sfib;ki3^ und Uehe Jkroaf den Oberböir
v/irischaflijche VerhaUtusse mä politiisch^
iraten der Änsfükrun^ eines dieser Piime hindantd
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Begeisterung erkjälten ließen,
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deniffeier der Volkferscblatht
der Gedanke eines DenkmaP
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Fest tagen 1500 Veteiöni^.n
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und 500 Vef 1 f ei er detii scher
S tä^e . 0 vrf:. ■ ■' i'j 4 b?" be i ;
Stfiiterhir^ .:£x\t iardhdstem
ie^dng äjnns. Scblncbii^Hderilf-
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geiiliebfi Fdrtl^n-r i.eip^igSiL
Oberbiir^ef Tne js t tu iV' K ^ c h,
deir Ütbrtdsunn i*üi
ti e !i ü b li rlv ef E d 1-Um p\ e
StddJigerr sowie fplj^ebden
V? t* rt e r« ^ et e t ss t e h läig
gilt dem
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■ anJ ! ■ ’ ßcvi^'liTLsijin^-■•. U ■ ai.Uh'
d^ nen. d le da fiit ge k ämiif t ^
geiit te n uh^: ge bl atef. liß t>en \
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begi^dheiven Arhcdt. für die
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Gründung de^ j^j,pe\Usthcrtvriot^nbuhdes" dtircL
den Archiinfcu^rt Cleihens Th i eme in Leipzig sedite dse
li}c^ iitk!'r Verwirkiicl idJlg eri:^grbge! e c>n# iitjd von dabi tir
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irn^h r t-U t tgk ü da ß t ler 16. (1 k l o }>^ r dä s iA\ 11? s 1 i >X .5 die
Hrdliü Illing uf r. s niv^ gro ß Um da lit 11 en b?'Bf e n
ivird^ Der Ertiwnri wnt de vdn PmhYr;^dr in
. ßerl i A f dc m höf^ Ur ili'& Kyfth^üt;er ^ thxn> g e.lieferi -
Katrimetröi C'b TbiäJtiiFe ItdieJ de/> MuteV äm dcip^jalbt-n
g’ingerl dem «.Deutschen Polriotoihond^' tn vcm der Stadl
Leipzig r vpfi StößB** und Gemeintieheb/jfdef^ f t^bii Kam^'r
\Xklhelm Ih bnd anderen deutschen Bnndö^fihst^tn K-'nr^^r
durch jidmbdie GRldsammlungen in den Selmkn, durdi Mkv
wifktitig V srsx^i g(i^innlet Ft 1 vötper^^^riäp und Vereine
und durch g\ i\& üeldiptt^^rie. Eä si nd his j*Ut 4 Millionen
Atark al^s Hansmnme gesamiivdi und auf^^ewendet worden;
T Million xvird noch verbröüäjtt werdehl Am XÖäQktober 1698
iivprde der errate
^ Der Anialböii l^a^lbsr angöhu derselbe drei
Ged unke n iutrt Äp^tlrdck brmgipni Br i ifcnetst ein BBren**
m a I für: die gäUUenäri l leiden* dann em Kn h m e s trr a ( fut 4 «ä :
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sci^i ist. Aul dem Faßböden
des Unterteils der KuppeX,.
g ew ü hn in a n :V Ü p P ^ gjt-öß^ ‘^.
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hoch.: 5iö stell«»h ßU^görbicfe
die CharaktVfeigi^nschaf^
Vn \k es ährand rv i ungfikritsgi? vor, näimEch
w^di^r^ijhoreneHf Volkstum nind
mvseic^s
ÖpfcrwUhgkdli- Tnpf^rkt-th
V oi kdx^wi)ßttitii n \j nd f^ianb:en^slj^rkcV OM u h n 2 e i ch s n ftlr
k omm i?n d 5 Ge jicli 1 e Sdß c r e 0 Ober ha ü n usged r ü ekt
dorch swbif große, '' 12 . Kri^g^rgeMaifeTTT Holet
dcf Frej h idt, I ‘ 1 c F ^ M (it innts B on d 5? chui jb u <110
FfiUvürle-. Bis ^ur Zimve 'td Meti?r hoben Böpwcrk’i fOliton
in den PleLlern Wend^jlircFpen^ ^tebtU" dtir äiwilbriten FreG
iteppc- ^Icbr man Gn t'X? breitt'-.s und 16 Ms-ter hohe:»
ReUej; Auf rjinötn Skige^iiWttirwv fiihjt der ÜeuisrhsiT Kriegs-
gott St hlichöeh linW iu\d f^ebts von faekeltrönendon Ftmen
iTber das gr^w^dElgc Schlnchthd^ alles vor ^ch
nletlerwer(end imd '^i»gboft Stamlhollätvd. D»in Hiblergrtmd
verscboiit dip liUn dein Ktebse ßufgehonde Sönne de^r Freiheü.
Itn I mr dem Kn f 11 p fpl a t le %ch w ebem 7nv^‘ Ädiet, dije ä ymböl isch
Nr.lO DEUTSCHLAND 463
zeigen, wie „aus der Blutsaat unter dem Donner der Kanonen
das deutsche Volkstum und das Volksbewußtsein geboren
ward", so daß 1871 ein Deutsches Reich erstehen konnte.
Das Denkmal ist in der Achse der „Straße des 18. Oktobers"
gelegen, die von Westen her (Anfang am Bayrischen Platze)
den Zugang bilden wird. Durch die Mitte geht ein 25 Meter
breiter Pfad, der von 15 Meter breiten Grasflächen einge¬
grenzt wird. Er führt durch eine geräumige Parkanlage, deren
Seitenflächen nach Süden und Norden mit Laubengängen
versehen werden. Am Ende der Hauptallee wird ein großes,
von 5 und 8 Meter hohen Erdwällen umgebenes Wasser¬
becken seinen Platz erhalten, während der Park einen
geräumigen Spielplatz, umgeben von Buschwerk, enthält.
Hügel, Wälle und Zugangswege
sind mitten im Grün versteckt.
In Uebereinstimmung mit dem
Monumente und seiner Bedeu¬
tung ist, abgesehen von den
Wegeinfassungen oder Begren¬
zungen nach der Peripherie
hin, durchgehend einheimisches
Laubgehölz verwendet worden.
Ueberall tritt an diesem
Denkmal die Großzügigkeit,
Erhabenheit und Würde hervor.
Das gesamte Schlachtfeld wird
von ihm beherrscht. Weithin
ragt es in die Lande, gleich
einer Irminsul des deutschen
Volkes. Von seiner Zinne wird
das entzückte Auge ein un¬
geahntes, prächtiges Panorama
sich entfalten sehen. —
Am südlichen Fußende
dieses dem Totenkult geweihten
Monumental - Baues liegt der
Südfriedhof. Er umfaßt ein
Areal von 5OV2 Hektar; am
T. Juni 1886 ist er eröffnet
worden. Die gesamte Fläche ist
unter Benutzungder Bodenwellen
parkähnlich ausgestaltet, und
die einzelnen Grabbelegungsbe¬
zirke sind zwischen den Straßen¬
zügen ein- und aufgeteilt. Um
den Eindruck einer Parkanlage
hervorzurufen, war es nötig,
die monoton wirkende Neben¬
einanderordnung der Reihen¬
gräber durch Rabattengräber
längs der Hauptwege zu ver¬
decken. Buschwerk und Baum¬
pflanzungen wechseln in garten¬
künstlerischer Anlage mit Grasflächen ab. Die Pflanzen¬
dekoration besteht in der Hauptsache aus Koniferen, Rot¬
buchen, Kastanien, Pappeln, Linden, Eichen und Birken.
Wenn wir den Friedhof durch den nördlich gelegenen
Haupteingang betreten, so führt uns ein 30 Meter breiter,
mit Rasenflächen eingefaßter Baumgang zu einem großen
Kapellenbau, in dessen Mitte sich der 60 Meter hohe
Glockenturm befindet. Nordöstlich ist ein zweiter, von der
Probstheidaer Straße herleitender 20 Meter breiter Weg zu
bemerken, so daß die Kapelle im Zentrum des Friedhofes zu
liegen kommt. Die Gesamtanlage umfaßt 20 Abteilungen,
die wieder in einzelne Gruppen zerfallen. Je nach ihrer
Lage sind sie eckig oder halbrund geformt und zum Teil
von lauschigem Grün umgrenzt. Die Grenzen der Gräber¬
flächen bilden sich aus den sich schneidenden Wegen.
Begeben wir uns nun zu dem Kunstbau der Kapelle, so
sehen wir an der Rückfront das Krematorium, das von dem
Urnenhaine und einer Teichanlage begrenzt wird. Ein Rund-
gang durch einzelne Abteilungen der Erdgräber soll uns vor
der Betrachtung des Kapellenbaues und der Einäscherungs¬
anlage mit den bedeutendsten Denkmälern und Ruhestätten
bekannt machen. Erstere zeigen die Entwicklung des Kunst¬
sinns und die eigenartige Schaffenskraft unserer einheimischen
Architekten und Bildhauer. Zurzeit wird auf zwölf Abteilungen
beerdigt. Ein baumbeschatteter Weg führt uns nach Nord¬
westen zu zur I. Abteilung, auf der zwei prachtvolle Grab-
mäler über verdeckten Grüften das Auge fesseln. Es sind die
Ruhestätten der Familien Ulrich und Sennig vom Jahre 1909.
In einem Reihengrabe dieser Ab¬
teilung ruht die Asche des um
das Leipziger Turnwesen hoch¬
verdienten August Erbes (1909).
— In der II. Abteilung treffen
wir auf drei Denkmäler mit
beachtenswertem architekto -
nischen Schmuck; die Familien
E. Müller, Linnemann und Hesse
(1907 und 1909) haben hier
ihre Ruheplätze. Nicht weit
davon erheben sich die beiden
sogenannten Hünengräber. Ihre
originelle Dekoration bilden zwei
mächtige Wanderblöcke, welche
die Namen Bake und Thiem
zeigen. Wenige Schritte weiter
gelangt man in die VII. Ab¬
teilung, wo sich an einer Stein¬
wand eine eherne Engelsfigur
befindet, Grabmal der Familie
Bürklin. Dabei, zur II. Abteilung
gehörig, ist das Denkmal der
Familien Jaenisch und Offer¬
mann vom Jahre 1908, mit
Urnen, bemerkenswert. In der
III. Abteilung suchen wir die archi¬
tektonisch prachtvollen Grab¬
stätten der Familien Meißner
(1903), Oelßner (1906) und
Steingräber (1904) auf. In der
Nähe befindet sich die Gruppe
der Professorengräber der Uni¬
versität. Wir nennen die bekann¬
testen Namen: Birch-Hirschfeld
(1899), Wachsmut (1905),
Curschmann und Kapellmeister
Reinecke (1910). Einen grie¬
chischen Tempelbau zeigt in
Abteilung IV die Ruhestätte
der Familien Herbst-Mechler (1907). In der folgenden Gruppe
sind die Familiengrabstätten Weyrauch, Teichmann, Lehnert,
Dietz, Tietzsch, Bernhardt und Dürr zu nennen. Wir fügen
noch die Gräber von Schelper, Oehlschläger, Schönlank,
Wittig und Pappritz hinzu. — Seit Bestehen des Friedhofes
bis 1. Oktober 1911 — also volle 25 Jahre — stellt sich die
Anzahl der Beerdigungen auf 51100.
Die baulichen Anlagen zeigen eine mittlere Hauptkapelle
und zwei Seitenkapellen. Dazwischen liegt die Leichenhalle
mit Verbindungsgängen. Nach drei Seiten hin sind Gruft¬
arkaden vorgelagert, während hinter der großen Kapelle die
Feuerbestattungsanlage sich befindet. Die Haupthalle der
Mittelkapelle ist in Basilikastil errichtet. Wir betreten sie
durch eine Vorhalle und erblicken dem Eingänge gegenüber
den Altarplatz mit Baldachin, der auf vier Säulen ruht.
Leipzig: Völkerschlacht-Denkmal
(äußere Figur am oberen Kuppelbau, 12 Meter hoch)
464 DEUTSCHLAND 1^^^868686^^8686668666661 Nr.lO
Darunter steht der Altar mit gfetriebenem Messingkreuze und
zwei fünfarmigen Leuchtern, lieber den Altarplatz spannt sich
ein reich bemaltes Kuppelgewölbe. Zu beiden Seiten des Platzes
liegen die Versammlungsräume für die Leidtragenden, über
der Vorhalle befindet sich die Orgel mit der Sängerempore,
die übrigen Emporen sind zu beiden Seiten des ganzen Raumes
angelegt. Das Mittelschiff ist mit einer sattelförmigen, ge¬
malten Holzdecke überdeckt. Gedämpftes, der Stimmung des
Ganzen entsprechendes Licht fällt durch die buntverglasten
Fenster. Die Hauptkapelle faßt 800 Personen. Die Seiten¬
kapellen sind ähnlich ausgeführt ; die westliche Kapelle dient
nichtkonfessionellen Totenfeiern. Diese Seitenkapellen haben
Raum für je 300 Personen. — In den zwei Leichenhallen
sind je 38 Zellen, wovon je 6 für an ansteckenden Krank¬
heiten Verstorbene bestimmt sind. Außerdem sind hier
noch Aufbewahrungs- und Sezierräume, ein Aerzte- und
ein Aufseherzimmer, sowie Aborte vorhanden. Die Fenster
dieser Räumlichkeiten sind mit weißer Kathedralverglasung
versehen. Die er¬
wähnten Gruft-
arkaden sollen als
Grüfte zur Bei¬
setzung Verstor¬
bener für Erdbe¬
stattung dienen.
Die Beleuchtung
sämtlicher Räume
findet durch Gas
statt. DieKapellen
haben gleichmäßig
Versenkungs-Ein¬
richtungen fürErd-
und Feuerbestat¬
tung. Unter dem
Hallen-Fußboden
ist ein 2,70 Meter
hohes Geschoß
gelegen, in dem
an der Decke der
Mechanismus für
den Sargeinfüh¬
rungswagen ein¬
gebaut ist. Süd¬
lich, in gleicher
Bodenhöhe, be -
findet sich der
für drei Oefen be¬
stimmte Raum. Es
sind zurzeit nur
zwei Oefen nach
System Schneider (Stettin) ausgebaut. Vor den Ofenöffnungen
in der Einäscherungshalle liegen Gleise, auf denen der Sarg
in den Verbrennungsraum gleitet. Der Hallenraum trägt acht
kreisrunde, buntverglaste Oberlichtöffnungen und ist von einem
Monierkugelgewölbe überspannt. Der Rauchabzug der Oefen
findet durch zwei 22 Meter hohe Schornsteine statt, die eine
günstige Lage insofern einnehmen, als sie wenig zur Ansicht
gelangen. Die hinter der Einäscherungsanlage gelegene fünf¬
teilige Urnenhalle enthält eine große Anzahl Nischen und ähnelt
den Gruftarkaden. — Wie findet eine Einäscherung statt?
„Nach Beendigung der Feierlichkeiten in einer der Kapellen
senkt sich auf ein elektrisches Klingelzeichen der vor dem Altar
ruhende Sarg durch die hydraulische Versenkungseinrichtung
zunächst langsam bis zu einem Meter unter den Kapellenfu߬
boden. Während einer nach Belieben zu bemessenden Ruhe¬
pause wird den Hinterbliebenen Gelegenheit gegeben, ähnlich
wie beim Erdbegräbnis Blumen als letzten Gruß auf den Sarg
niederlegen zu können. Auf nochmaliges Klingelzeichen senkt
sich dann das Plateau völlig in das Untergeschoß hinunter,
während sich gleichzeitig die Oeffnung im Fußboden durch
einen seitlich heraustretenden, zweiteilig gewölbten Abschlu߬
deckel automatisch und völlig geräuschlos schließt. Durch die
schon erwähnten Verbindungsgänge werden die Särge im
Untergeschoß mit niedrigen, gummibereiften Wagen nach der
Feuerbestattungshalle gefahren, wo der Sarg vor dem Ofen auf
die im Fußboden versenkten Schienen gestellt wird. (S. Bild.)
Vom Ofenraume aus werden zunächst die Schienen, die auf
einem im Untergeschoß laufenden Wagengestell ruhen, durch
eine Hebevorrichtung etwa 5 Zentimeter über den Fußboden
gehoben und durch eine handbetriebene Zahnkettenkurbel unter
gleichzeitiger Mitöffnung der doppelten Verschlußiüren in die
etwa drei Stunden vorher angeheizten Oefen hineingefahren.
Durch Rückwärtsstellung des Hebels senken sich die Schienen,
und die Rückwärtsbewegung des Wagens erfolgt unter gleich¬
zeitiger Schließung der Ofen- und Kamintüren durch die er¬
wähnte Handkurbel"*). — Der Verbrennungsofen wird mit Koks,
bei einer erst¬
maligen Abgabe
von 6 bis 7 Hekto¬
liter , angeheizt.
DerVerbrennungs-
raum enthält einen
muldenförmigen
Rost, auf den der
Sarg zu stehen
kommt. Er wird
sofort von einer
Heizluft von lOOO
bis!200Grad Cel¬
sius umspült —
nicht von derOfen-
flammel Nach un¬
gefähr 10 Minuten
ist die Sargasche
verflogen. Die
Feuchtigkeit des
Körpers (567o des
Gewichtes) ver¬
wandelt sich in
Dampf. Man sieht
die in sich zu¬
sammensinkende
Leiche von glühen¬
den Wirbeln um¬
hüllt. Sie wird
immer mehr und
mehr verzehrt,
gleich einer wei߬
glühenden Masse. Das Skelett tritt deutlich heraus und sinkt
auf dem Roste immer tiefer. Zuletzt bricht es vollständig
zusammen und fällt als kalzinierte Knochenreste durch die
Rostsläbe in den darunterliegenden Aschensammelraum. Hier
wird die Asche nach ihrer Abkühlung herausgenommen und
in eine bereitstehende, mit Nummer versehene Blechkapsel
gefüllt. Die Knochenasche wiegt etwa 2 Kilogramm. —
Eröffnet wurde das Krematorium am 13. Jan. 1910. Bis
l.Okt. 1911 fanden 1126 Einäscherungen statt; es wurden im
Urnenhaine 453 und in der Urnenhalle 35 Urnen beigesetzt**).
Die Pläne hierzu verfaßte Oberbaurat Scharenberg, der sicK
durch diese Ausführung die größte Anerkennung erworben. Ihm
zur Seite standen Architekt Hacker und Baumeister Dechant.
Die Gesamtkosten der Friedhofsanlage betrugen 1896410 M.,
eingerechnet die Verwallungs- und Gärtnereigebäude.
*) Verwaltung-sbericht der Stadt Leipzig 1909 u. 1910. S. 36.
•*) Als erste Leiche wurde om 2. Dezember 1909 eingeäschert
Fabrikdirektor Georg Wilhelm Max Wölker in Leipzig.
Leipzig-: Südfriedhof, Halle vor den Einäscherungsöfen
466 DEUTSCHLAND Nr.lO
Der Dhorm des Bischof Dhilo.
Änne erbauliche Leg-ende von Edwin ßormann, Leipzig.
Der fromme Bischof Dhilo sitzt,
Das Haupt gewaldig understitzt,
Uf seinen Schloß in Merscheborg
Un blädderfs Galendarjum dorch.
Denn er philosophirt gerade
De saegulorum vanidade.
„Ja jaa, ne nee," spricht er verwundert,
„Wie schnell verläbbert ,ä Jahrhundert
Sich in der Zeiden steder Flucht!
Noch viermal reift der Flaume Frucht,
Un dann empfiehlt uf ewiglich
Das fuffzehnde Jahrhundert sich!
Da pletzlich heert er — dibbel dabbel —
In Hofe Ferdehufgetrabbel.
Mit gildner Sporen Klipp un Klapp
Steigt was von selw'gen Ressern ab,
Un zwee Minuden speeder druf
Gommfs tripps un trapps de Trebbe 'ruf.
Von siewen Reidern änne Schaar
Stellt sich des Bischofs Blicken dar;
Ooch greift mit Ehrforcht allsofort
Der Vornewegigste zun Wort:
„Wies du villeicht schon sehen wärscht,
Bin ich, o edler Gärchenfärscht,
Den du mit Gnaden reich umwobst,
Der Leipziger Dhomasklosterprobst;
Un diese Biedermänner hie
Das sein de Herrn Ganonici.
Mir awwer gomm' — de merkst's wohl schon ? —
Als änne Debendazijohn. —
'S liegt nämlich seid ä Jahrer värzen
Den Dhomasstift nicht mehr an Herzen,
Als dasses Buwligum aufs Neie
Sich änner Dhomasgärche freie.
Un schonst erhebt, o Bischof Dhilo,
Der Neibau sich in goth'schen Stilo.
Schonst ragt wie ä Granitgebärge
Das Dach der neien Dhomasgärche,
Un glorreich trotzt den stärksten Storm
Der liljenschlanke Dhomasdhorm —!
Der fillt das Herz voll Stols un Freide
Un lehnt sich linkswärts an's Gebeide.
Nu awwer fordet de Räsong
A zweeden Dhorm als Gombagnong,
Wodadermit der Archedekt
De nowle Semmeltrie bezweckt.
Un selw'ger soll, der Gunst zum Frommen,
Noch diesen Herbst in Ahngriff gommen.
Doch weil fer Hochamt wie fer Predigt
Mer zweeer Dhärme nich beneedhigt,
So machden heit' mir uns beridden.
Dich gans inständiglichst ze bidden:
Du wollest uns behilflich sein.
Sankt Dhomae immer einzeweihn!"
Da spricht der Bischof: „Mit Vergniegen
Will eiern Winschen ich geniegen,
Un zwart an besten ohne Frage
An des Abostels Namensdage,
Der, wie ihr selwer gleichfalls wißt,
Nich allzefern gelegen ist.
Bis dahin also: au revoir!
Bringkt meinen Gruß den Kloster dar;
Emfehlt mich ooch, ich bidde drum.
Den hohen Rathsgollegium." —
Mei Bischof awwer machde sich
In's Galendarjum ännen Strich,
Ließ seine Goffer revidiren.
Sei Prachtornat nei baßbeliren.
Den Bischofshärdenstab laggiren.
De goldne Eklebasche schmieren —
Un ännes scheenen Morgens frieh
Fuhr Johann ihn mit Hoddehieh!
Un mit bombeesen Saus un Braus
Zun Merscheborger Saaldhor 'naus. —
Un ewend macht de zwelfde Stunde
Uf Leibzigs Dhärmen ihre Runde,
Da langkt der fromme Goddesmann
Vor'n stolsen Dhomaskloster an
Un wärd' bewillgomplemendirt
Sofort in Speisesaal gefiehrt,
Allwo zu ännen Festbankedde
Mer sich bereits versammelt hädde.
Mit feingewärzter Hiehnerbrieh'
Nimmt seinen Ahnfangk das Menie.
Doch um de Herzen ze erfrein.
Schenkt mer ä Gläschen Meißner ein;
Un uf 'en hochverehrden Gast
Erdeent der erschte Trinkdoast.
Gaum awwer sin verhallt de Worde,
So bringkt mer änne zweede Sorde.
Da spricht bedächdig Bischof Dhilo:
„Fast dinkt es mir beinah zuvielo!"
Doch weider beit das Festdiner
Ä wohlgebratnes Rindsfilet.
Der Bischof kloppt an's Glas, uf's Kloster
Hält seinen diefgefiehlden Doost er.
Gaum awwer sin verhallt de Worde,
So bringkt mer änne dridde Sorde.
Gopfschiddelnd spricht der Bischof Dhilo:
„Fast dinkt es mir beinah zuvielo!"
Alsbald uf blanken Goldgefäße
Servirt mer Hummermayonnaise;
Un eener der Ganonigisse
Läßt rauschen seine Redeflisse.
Gaum awwer sin verhallt de Worde,
So bringkt mer änne vierde Sorde.
Nr.lO DEUTSCHLAND 467
Doch seifzend spricht der Bischof Dhilo:
^Fast dinkt es mir beinah zuvielol"
Un Schissein wechseln ab un Worde,
Un Sorde wechselt ab mit Sorde . . .
Doch als mer bein geschmorden Obst,
Da fiehrt der wackre Dhomasprobst
Mit stillvergniegden Biedersinn
Den frommen Gast bei's Fenster hin.
„Nu, Bischof," spricht er voller Freide,
„Was sagste fer dies Prachtgebeide?
Ragt nich wie ä Granitgebärge
Das Dach der neien Dhomasgärche ?
Un trotzt nich glorreich jeden Storm
Der liljenschlanke Dhomasdhorm?
Der andre, wo der Archedekt
De Semmeltrie dermit bezweckt.
Der soll, wie s du bereits vernommen.
Noch diesen Herbst in Ahngriff gommen."
„Was, noch ä Dhorm?" ruft Bischof Dhilo.
„Fast dinkt es mir beinah zuvielo?"
Heechst kridisch gukt er in de Heehe:
„Ich sehe doch schonst ihrer zweee?" -
Un Dags dadruf in friehster Frieh'
Versammeln de Ganonici
So stille un so heemelich
Als wie nur ärgend meeglich sich.
„Ja", spricht der Probst, ihr werdhen Herren,
Des Menschen Dheil is stedes ÄrrenI
So dachden mir seither verblendet.
Der Gärchbau weer' noch nich vollendet.
Bis daß uns Dhilo's Mund belehrt,
Wie mir so forchtbar wahnbedheert.
Der fromme Mann sahk in de Heehe
Un sahk de Dhärme alle zweee —
Un bauden wir noch een' dernewen,
Mer gennden's niemals uns vergewen.
Denn geem' der Bischof dann ufs Neie,
Er spreech': „„Ich sehe ihrer dreiel""
Un dreie von denselw'gen Stilo —
Das weere fakdisch wohl zuvielol"
Schon trotzt jahrhundertlangen Storm
Der liljenschlanke Dhomasdhorm.
Doch schreitet noch ze heit'ger Frist
Des Wegs daher ä frommer Christ,
So gukt er gleiwig in de Heehe
Un spricht: „Ich sehe ihrer zweeeI"
Turnen und Sport in Leipzig.
Von Dr. med. Erwin Jaeger, Leipzig.
Das alte Leipzig scheint wenig bemerkenswertes Interesse
an der Pflege der Leibesübungen gehabt zu haben. Ein am
12. Mai 1714, am Geburtstage des Kurfürsten, zum erstenmal,
und zwar in Apels Garten, und dann jedes Jahr wiederholtes
Innungsfest, das sogenannte Fischerstechen, zeigt Kämpfe
von Mann gegen Mann auf dem Wasser. Das Bild, das wir
von einer solchen Szene bringen, veranschaulicht uns, daß
wenigstens in gewissen Kreisen Leipzigs auch schon damals
Sinn für Leibesübungen vorhanden gewesen ist. Da es hierbei
darauf ankam, den Gegner aus dem Kahn in das Wasser zu
Fischerstechen in Leipzig um 1717
ery n n st ilc'' bek armi g«rWor^3«.n^^i>'
ütn durch
stoßen, sö fahfte di^Lsen U^hungeh allerding s eih derb komischer
ßei^eschmöck oicht- liöb&rhoupt schnei nt der Leipziger jeiier
das AVasser entwictkelt
h öfen f. dwi ti . ^üb 1 r^ich.^ &i Id e?': a tis dei) \^trrg^ augre ty eü J a K
htmd^rmn aeig:eri’ ^mSjr; !^^ntitnvs der FfiKntng d^s;
Kahnes damals bereits verbTeitet wSri
: Gajyi ^t 1 g^ mutet es tirvs ndt:rs ih hi?utigeru
iufiftcrhdlg:^n eit tih> ^v-eori wir S eseii, IL^eipÄj ^ b'i?re its i m
J ah r«t ■Vt.ht ■ mphrertm 'Aftfet i e£T^W ^s; hvitt bol t cs, \v i y
•ihh,■ 1^h«^r*ST ■ A bh il hß'- vf?rehs c !i m t licht ^ r» dih Oeffen.t 1 i ch
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ist für uh.s gewiß
sehr iiaeressanf>
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pf. Schr^^bfirr, für die Tumsoche; imd für die Gründ^^og ,deS;
^;. Al l gfi m ei nen Tu rn vftrßKis'^; ^m J ah re 1845 zu gfe wimiön^
ÖieBerA^ereirt hat m der Foig-eizeit eirie segervsrctch«^ Tilllglbeijt
cotfVilEet zür4i^ Nützen dcF eig^aneo Stadt und nicht ium
dcstcn ^^rich zum Ntiftcti de.v. ganzen Vaterlandes, ihm SÄt^S^
£u dartk-en*, vlis weitsch^i^^^f'de Lehrerschaft Leipzigs^ die
so h OPrXß 4^L.dh5 Eit^ f ü h ru n g des Schul turnt rn terrii:h Is a n^es tröbt :
hüfte; ihren dtitchfuhtei’i ihmi, daß aus seineo
Fethiifn die’ Manrt^^r erstaaderiT. die.
mit d*^t\ nötigen himeri"^
^Jüben Fähigkeiteo
e'ijtsg e sts ttet un4
der ßegeistentng'
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Sfiche eidiilltt hit^
aus^gen: in Stötl^
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Tum^StüPcion
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büch durch soin^
bi^deü lende
vcr^itai schon dö"t
mals eine BavoIk^
besalJ, demn
S^h^^ keinen
herzigen . ‘Krätzier*^-
gef^t, dnuemd
fjchibt auf Sonder^
.bii^re an ,:■ kannte^'-
SOiVmlurn mit \’'ür^
liebe Ideen;
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F- rr^l c huug .gro ß *-
er^ie tulifeilÄ Iii suni
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di> b / T oirnv meintu L.ci p iig s ■ k^irV tnan noch h eiitOf Fieobachhtng^
Vt>.n ■;.' ibrirhcn,. ;4jprß :]Hrf'' '.Mb^hjy.dt?r^ um Arbelicvkr^^^-^’^-
■ VcT^HOb ;-\t4uen., fetrjatkoÄt^'wyttcn. BOdung be&>i;?eri>
^ Iwd ch.üb ‘ ' AJfet d ät Agf ■ sitrtk ktdlA \ li 4 fr l.V ei n g ß e r Te i I i m Hu c-ty
ses- .iyc schüft i-gi .i^Ä - t:.nft d^iyich.tbn geh oben Wird.: ;Offefyb«.r
^lang : tWiri h öbei^ erri i wl t rüsÄe ^tuc b >^ch ü n i n j ob er 7. ei t, von 4^ ^ w 1K ■
re-n Meiistvbcn viKhvri =5t»fffCihi^av, bj^stUTiipb hus^Tpubl
ItitupK nt\ dt’ir bei t4b. f AijtAahn den harvon'OigeiWh*ri Führern
r wirk t'q 7 e ln e d A 3 htau ibhW^'^LT.^f4 v'^ b?^fb? Crlb e> l' o w i es m h n 4 och oiTe ot n p.'.
d or ' m l e r a * n - h ot i e (t 4 e f f mf b t 4 ^ ^ : bi ue bc ^ond ^ ■ Atbl^ijai S<>:
äSS*!'t.
Nr.lO DEUTSCHLAND 459
war denn Leipzig- der ohne weiteres g-egebene Ort für das im
Jahre 1863 abzuhaltende 3. Deutsche Turnfest. Begeistert
wurde dieser Gedanke in Leipzigs Bürgerschaft aufgenommen;
infolge dieser Begeisterung wurden die dadurch notwendig
gewordenen Opfer, um das Fest in jeder Weise glänzend
durchzuführen, gern aufgebracht. Die gleiche Begeisterung
fand der Gedanke aber auch bei allen deutschen Männern
in allen deutschen Ländern. Die Zustimmung kam durch
den glänzenden Besuch, den das Fest erlebte, am sinn¬
fälligsten zum Ausdruck. Alte Skizzen aus dem Straßen¬
leben Leipzigs zur Zeit des Festes führen uns wohl am besten
vor Augen, welchen Widerhall in den Herzen deutscher
Männer aller Stände dieses Turnfest gefunden hatte. Das
national fühlende deutsche Bürgertum hat in der Festrede
des berühmten Geschichtsforschers Treitschke auf jenem
Fest eine jedenfalls bis dahin noch nicht erlebte Verherr¬
lichung seiner Bestrebungen gefunden. Und daß die festliche
Stimmung nicht etwa ein flüchtiger Rausch war, haben die
Leipziger am besten dadurch bewiesen, daß sie auch in der
Folgezeit immer an erster Stelle gestanden haben, wo es
galt, der körperlichen Erziehung unseres Volkes zu dienen,
Leipzig steht noch heute mit der größten Prozentzahl von
Turnern, die einer großen Zahl von inzwischen gegründeten
Vereinen angehören, immer mit an erster Stelle unter den
Mitteldeutschlands und auch Sachsens weit vorausgeeilt.
Doch der im Rennsport hochangesehene Klub hat auch
während seiner ruhmvollen Vergangenheit eine führende Rolle
Sedanturnen 1911 der Turnvereine und Schulen Leipzigs
Concours hippique auf dem Innenraum der Radrennbahn des Sportplatzes
im Rennsport gespielt, zu der ihn
das opferungsfreudige Eintreten seiner
Mitglieder für die Hebung des Renn¬
sportes befähigt hat.
Doch wir müssen nunmehr wieder
bis zum Beginn der 80er Jahre des ver¬
gangenen Jahrhunderts zurückkehren,
um zeigen zu können, daß auch andere
Gebiete des Sportes in Leipzig ihre
Pflegstätte gefunden haben. Wir kehren
damit in eine Periode zurück, die da¬
durch gekennzeichnet ist, daß sich die
günstigen Nachwirkungen des Deutsch-
Französischen Krieges durch eine Zu¬
nahme des Wohlstandes im Verein mit
einer gesteigerten Arbeitsintensität be¬
merkbar machen. Das hat offenbar in
erster Linie die Jugend Leipzigs beein¬
flußt und sie veranlaßt, sich nach ge¬
eigneter und besserer Erholung, als
man bisher gewohnt war, umzusehen.
Daß die kaufmännische und nicht die
akademische Jugend auf diesem Wege
deutschen Städten. Wenn im Jahre 1913 in Leipzig das
nächste Deutsche Turnfest gefeiert wird, so ist das daher
nicht nur ein Gedenktag, der berechtigterweise an die Fest¬
tage des vor 50 Jahren in den Mauern unserer Stadt statt¬
gefundenen Deutschen Turnfestes erinnern soll, sondern auch
eine wohlverdiente Anerkennung der selbstlosen Arbeit, die
Leipziger Bürger in der verflossenen Zeit für das Gedeihen
der deutschen Turnsache geleistet haben. Die Vorbereitungen
für das Fest, das durch den Hinblick auf die Jahrhundert¬
feier der Völkerschlacht bei Leipzig noch eine besondere
Weihe erhalten wird, sind bereits in vollem Gang und werden
All-Deutschland zeigen, daß Leipzig auch heute noch einer
so wichtigen Volkssache, wie es das Turnen ist, das nötige
Interesse und Verständnis in reichstem Maße entgegenbringt.
Auch auf dem Gebiete des Sportes hat die Pleißenstadt
Vorzügliches geleistet. Der Leipziger Rennklub darf im
Jahre der Jahrhundertfeier der Völkerschlacht bei Leipzig
sein 50jähriges Bestehen feiern. Nur wenig deutsche Klubs
sind älter als er, der im Jahre 1863 gegründet worden ist.
Mit dieser Gründung ist Leipzig allen anderen Städten
Turner, Mädchenabteilung
470 DEUTSCHLAND Nr.IO
bahnbrechend vorgegangfen ist, darf man wohl neben dem
Umstand, daß dem Leben der ersteren außerhalb des Be¬
rufs nicht in dem gleichen Maße wie dem der letzteren
durch die historische Entwickelung bedingte Bahnen gewiesen
sind, der Anregung zuschreiben, welche die kaufmännische
Welt Leipzigs von
jeher durch ihre
regen Beziehungen
zum Ausland von
diesem erhalten
hat. Tatsächlich
wurde auch die
weitere Entwicke¬
lung des Sportes in
Leipzig zunächst
nahezu allein von
jungen Kauf leuten
geleitet.
Es war der Rad¬
fahrsport, dessen
man sich zuerst an¬
nahm. Am 24. Juni
1881 wurde der
„Leipziger Bicycle*
klub'^ gegründet,
der erste sächsi¬
sche und einer der
ältesten Radfahr¬
vereine Deutsch¬
lands. Ein ganzes
Jahrzehnt hat das Hochrad seine Mitglieder hinaus in die
Natur geführt, sie den Unterschied zwischen der Großstadt
mit ihren Siraßenzügen, deren hohe Häuser Licht und Luft
mindern, und der ländlichen Natur, die dem Radfahrer
reiche Abwechslung an Wald, Wiese und Feld bringt,
kennen lernen lassen. Ihre Begeisterung für das neue Fortbe¬
wegungsmittel hat
ihm in und außer¬
halb Leipzigs viel
neue Freunde ge¬
worben, so daß
allerorten ähnliche
Klubs entstanden,
bis schließlich An¬
fang derQOer Jahre
mit dem Einzug
des Niederrades
das Rad Allgemein
gut wurde. Bereits
im Jahre 1884, und
zwar bezeichnen¬
derweise in Leip-
zig,wurdederDeut-
sche Radfahrer¬
bund gegründet,
der damals Bahn-
und Straßensport
pflegte. Noch vor¬
her hatte der Leip-
ziger„Bicycleklub"
schon die Pflege
von Bahnrennen
begonnen und hatte im Jahre 1882 auf der Bahn des
Zoologischen Gartens und im Jahre 1884 in der Moritz¬
burg Rennen ausgefahren. Im Jahre 1891 wurde wiederum
auf Anregung der Mitglieder des genannten Klubs der
„Verein Sportplatz Leipzig" in der Absicht gegründet,
den Bau einer Zement-Radrennbahn zu ermöglichen. Tat¬
sächlich wurde die Bahn auch schon in dem genannten
Jahre erbaut und noch im Herbst durch ein Rennen ein¬
geweiht. Die Bahn mit ihren Kabinen in der heutigen Aus¬
gestaltung gehört zu den besten der Welt. Damit hatte
Leipzig auf dem Gebiete des Sportes einen gewaltigen Schritt
vorwärts getan,
denn der neuge¬
gründete Verein,
dem der Rat der
Stadt Leipzig in
Anerkennung der
großen Bedeutung
der Pflege des
Sportes für die Be¬
wohner der Stadt
große Ländereien
zur Anlage von
Spielplätzen neben
der Rennbahn in
entgegenkommen¬
der Weise zur
Verfügung stellte,
sollte in der Zu¬
kunft eine Bedeu¬
tung für den Sport
bekommen, welche
weit über Leipzigs
Mauern hinaus-
ging. — Da ist zu¬
nächst der ruhm¬
vollen Mitarbeit Leipzigs an der Verbreitung des Rasen¬
sportes, besonders des Fußballspiels, zu gedenken. Be¬
reits im Jahre 1888 wurde im „Allgemeinen Turnverein'^
eine Spielvereinigung gegründet, die in so großzügiger
Weise geleitet wurde, daß sie sehr bald nach außen hin
durch ihre Spieltüchtigkeit zu hohem Ansehen gelangte.
Während die ge¬
nannte Spielver¬
einigung später
ihre Bedeutung ein¬
gebüßt hat, haben
andere Leipziger
Klubs, deren Grün¬
dung mit dem
Jahre 1893 ein¬
setzt, und unter
denen der Fu߬
ballklub „Wacker"
mit eigenemSport-
park,der„Leipziger
Ballspielklub" und
der „Verein für
Bewegungsspiele",
die letzten beiden
auf dem Gelände
des „Verein Sport¬
platz" ansässig-,
den Ruhm von
Leipzigs Fußball¬
spielen bis auf den
heutigen Tag in
glänzender Weise
aufrecht erhalten. Die Deutsche Fußballmeisterschaft des
„Deutschen Fußballbundes", der im Jahre 1900 in Leipzig¬
gegründet wurde, ist noch von keiner Stadt so oft gewonnen
worden, als von der unseren.
Allüberall sind vorzügliche Spielplatzanlagen entstanden;
Leipzig dürfte aber der Zahl und der Güte nach auch heute
Leipzig: Sportplatz, vom Ballon aus aufgenommen
Nr.io DEUTSCHLAND 471
noch obenan stehen. Der „Verein Sportplatz Leipzig“" hat mit
seinen 11 Fußball- und Hockeyplätzen und seinen 37 Tennis¬
plätzen eine Anlag-e ohneg-leichen g-eschaffen. Unser Bild,
das vom Luftballon aufg'enommen ist und damit zeigt, daß
auch dieser Sportzweig auf dem genannten Gelände seine
Pflege gefunden hat, zeigt
einen Teil der ausge¬
dehnten Anlage.
Wie schon der Name
desVereinsfürBewegungS’
spiele und wie die oben
gegebene Uebersicht über
die Sportplatzanlage sagt,
ist die Pflege des Rasen¬
sportes keineswegs au das
Fußballspiel beschränkt.
Schlagball und Faustball,
Landhockey und Tennis
werden eifrig betrieben.
Seit geraumer Zeit be¬
teiligen sich auch die
Studenten an diesen neuen
Formen von Leibesübun¬
gen. Die Universität hat
daher seit dem Jahre 1894
auf dem Gelände des
„Vereins Sportplatz" einen Universitätspielplatz unterhalten,
der sich in den letzten Jahren recht reger Benutzung erfreut hat.
Auch die Leichtathletik wird in den Spielvereinen seit
etwa einem Jahrzehnt eifrig gepflegt. Die Pause, die be¬
sonders das Fußballspiel infolge der Hitze während des
Sommers verlangt, wird durch die Hebungen dieses Sport¬
zweiges in sehr geeigneter Weise ausgefüllt. Die hierzu
nötigen Anlagen sind wiederum in mustergültiger Weise auf
dem Sportplatz vorhanden; insbesondere ist die dort an¬
gelegte Lautbahn, die sich innerhalb des Zementes der Rad¬
rennbahn befindet, eine so vorzügliche Anlage, daß sich der
Laufsport infolgedessen in Leipzig erfolgreicher Pflege erfreut.
Für das Tennisspielen
sind in Leipzig außer der
Sportplatz-Anlage noch
eine Anzahl anderer vor¬
handen. Besondere Her¬
vorhebung verdient die
eigene Anlage des seit
TO Jahren bestehenden
„Leipziger Sportklubs'",
die wir im Bilde bringen.
Dieser Klub hat wie kein
anderer in den letzten
Jahren Leipzigs Sportleute
in ganz Deutschland und
auch im Ausland bekannt
gemacht. Zu seinen Mit¬
gliedern gehören Tennis-
und Hockeyspieler von
allererstem Rang. Seine
Eishockeymannschaft ist
bisher überhaupt noch
nicht von einer kontinen¬
talen Mannschaft geschlagen worden. Selbst in einem Lande
wie Norwegen, das in bezug auf Eisverhältnisse so sehr
begünstigt ist, hat unsere Leipziger Mannschaft nur Siege
gefeiert. Die in jedem Jahre abgehaltenen Tennistourniere
des Klubs weisen seit Jahren eine hervorragende Be¬
setzung auf. Auch das Landhockeyspiel gehört zu den
Hebungen des Klubs, die er auf einem Platze des „Vereins
Sportplatz" abhält.
Es ist noch hinzuzufügen, daß auch alle anderen Arten
des Sportes ihre Pflege in Leipzig finden, so der Auto¬
mobilismus, dessen eifrige
Förderung sich der seit
TT Jahren bestehendeLeip-
ziger Automobilklub an¬
gelegen sein läßt; ferner
der Luftsport, der in dem
Leipziger Luftschifferver¬
ein einen würdigen Ver¬
treter gefunden hat. Auch
die Ruderklubs, die trotz
der wenig günstigen
Wasserverhältnisse Leip¬
zigs viel vorzügliche Er¬
folge auf Ruderregatten
errungen haben und bessei
gedeihen, als manchei
Fremde glauben mag
— als Beweis hierfür mag
das mit künstlerischem
Geschmack gebaute Klub¬
haus des Ruderklubs
„Sturmvogel" in Leipzig dienen — erfreuen sich großen
Ansehens in der übrigen Sportwelt.
Wie das Bild von der Eisbahn auf der Pleiße zeigt, ist
Leipzig bei günstiger Witterung im Winter nicht nur auf
Spritz-Eisbahnen und Teiche angewiesen, sondern hat auch
auf dieser Flußeisbahn eine überaus reizvolle Gelegenheit zur
Ausübung des Schlittschuhlaufens. Auch anderen Gebieten des
Wintersportes haben sich die Leipziger mit Erfolg zugewendet.
Seit Jahren ist der „Leipziger Sportklub" in Oberhof i. Thür,
durch eine Bobmannschaft vertreten, in Oberwiesenthal im
Erzgebirge hat sich der „Leipziger Ski-Klub" ein eigenes Klub¬
heim, 1000 Meter hoch, am Waldausgang des Fichtelbergs'
erworben, das Dampf¬
heizung und eine behag¬
liche Inneneinrichtung zur
Wohnung für 24 Gäste
aufweist, und die Ski-Ab¬
teilung des„Akademischen
Sportklubs Leipzig" hat
sich soeben ein Blockhaus
norwegischer Art oberhalb
Johanngeorgenstadt im
Erzgebirge erbaut.
Bei dem knappen Raum,
der zur Behandlung des
gestellten Themas zur
Verfügung stand, mag die
gegebene kurze Skizze ge¬
nügen. Sie mag beweisen,
daß Leipzigs Bürgerschaft
tatsächlich seit Jahrzehn¬
ten Sinn für die Pflege
aller Arten von Leibes¬
übungen gehabt hat. Ihre
Jungmannschaft wächst daher auch immer wieder mit
Dankbarkeit für das ihr Gebotene und mit dem Streben
heran, auch ihrerseits auf diesem Gebiete Ersprießliches
zu leisten. Daher sind die Leistungen Leipzigs auf dem
Gebiete des Turnens und des Sportes besonders vorzüglich.
Leipzig: Eisbahn auf der Pleiße
o:
M
472 DEUTSCHLAND g^^88Q ^»8eee€^^ ^8eee e eegB Nr.io
Rheinweinzauber
Goldener Sommersonnenschein,
Duftiger Zauber vom lachenden Rhein,
Raunen und Rauschen vom flutenden Strom,
Glockengeläute vom ragenden Dom,
Nixenlächeln, Vagantensang,
Sensendengeln und Waldhornklang,
Seliger Winzerinnen Mut,
Kosen und Küssen in heimlicher Glut,
Dichterträume von Glück und Ruhm,
Ritterlich Werben um Heldentum —
Alles schlummert in diesem Wein,
Trinke, so wird dir's lebendig sein!
Atz vom Rhyn.
Oppenheims Weinbau und seine Erzeugnisse.
Von Dr. Kissel, Oppenheim.
Ein von Fremden viel besuchtes Städtchen am
Mittelrhein und in dem rheinhessischen Weinlande ist
die in Sage und Geschichte wohlbekannte, ehemalige
Reichs- und nunmehrige Kreisstadt Oppenheim. Mit
einer Einwohnerzahl von ungefähr 4000 Seelen ist sie
die kleinste der fünf
Kreisstädte in der Pro- 7 "
vinzRheinhessen. Doch
um so größer ist sie
dafür an bezaubernder
Pracht für den fremden
Besucher. Einen male¬
rischen Anblick bietet
sie besonders für die
Reisenden, welche mit
der Eisenbahn oder zu
Schiff aus der alten
NibelungenstadtWorms
kommend sich ihr
nähern. Anmutig wirkt
dann nicht nur ihre
schöne und idyllische
Lage, sondern auch die
sie umrahmenden aus¬
gedehnten und planvoll
angelegtenRebkulturen,
aus denen unter so
vieler Mühe und Arbeit
der von den Dichtern
aller Zeiten besungene
edele Rebensaft ge¬
wonnen wird.
Oppenheim, ein
Glanzpunkt und Muster
rheinhessischen Wein¬
baues, liegt angelehnt
an den östlichen Ab¬
hang eines von Norden
nach Süden ziehenden,
sanft ansteigenden Reb- Oppenheim a. Rh.: St. Katharinenkirche (Nordostseite)
hügels. Auf halber Höhe ragt inmitten der Stadt der
herrliche Bau der Katharinenkirche, eines der schönsten
Baudenkmäler gotischer Baukunst, majestätisch hervor,
lieber ihr erblickt man die noch dürftig vorhandenen
Ueberreste der einstmaligen stolzen Reichsburg, die
Ruine Landskrone, deren Besuch dem Wanderer durch
das sich ihm von dort aus bietende, bezaubernde
Landschaftsbild reichlich verlohnt wird.
Zu seinen Füßen erschaut er von da das liebliche
Städtchen in seiner ganzen Größe, vorgelagert den
sanft ansteigenden Reb-
■ anlagen, deren köst¬
licher Duft zur Zeit der
Rebenblüte ihm bereits
einen Vorgeschmack
des hier erzielbaren
edelen Produktes zu
geben vermag. Ihnen
schließen sich in der
Niederung Weingärten
sowie Obst- und Ge¬
müse-Pflanzungen an.
Auch einige dem Acker¬
bau dienende Flächen
leuchten aus der Ferne
dem Beschauer ent¬
gegen ; doch erblickt
man diese meist nur da,
wo, wie in der Ebene,
die Rebe keinen gün¬
stigen Boden findet, oder
im Wechsel mit ihr Feld¬
früchte verschiedener
Art Aufnahme gefun¬
den haben, um nach
einigen Jahren dem alt¬
eingesessenen Wein¬
stock dort wieder für
ein Menschenalter Platz
zu machen. Jenseits des
wie ein breites Silber¬
band dahinfließenden
stolzen Rheinstromes
dehnt sich eine weite,
fruchtbare Ebene (das
hessische Ried) aus, aus der in saftiges Grün ein¬
gebettete Dörfer und Städte hervorleuchten bis dahin,
wo im Osten die Gipfel des Odenwaldes und im Norden
die waldigen Berge des Taunus dem bewundernden
Menschenauge ein Ziel setzen. Das herrliche Natur-
Nr. 10 DEUTSCHLAND 473
Panorama erhält nach Süden zu einen würdigen Ab¬
schluß durch das alte Worms, kenntlich an seinem
deutlich sichtbaren, gewaltigen Dom, dem bekannten
Bauwerk echt romanischen Stiles und bekannt als der
Nibelungen Wohnsitz, die hier bereits der heimischen
Rebe Blut zu schätzen wußten.
Schon die natürlichen Verhältnisse bringen es mit
sich, daß der Weinbau und mit ihm der Weinhandel von
jeher eine Haupterwerbsquelle der Bevölkerung Oppen¬
heims gewesen ist.
Wann die ersten
Reben auf Oppen¬
heims Bergen ge¬
pflanzt wurden, ist
geschichtlich nicht
festzustellen. Aber
aus den ältesten auf
uns überkommenen
Urkunden geht her¬
vor, daß neben
dem Ackerbau auch
derWeinbau bereits
frühzeitig in Oppen¬
heim ansässig war.
Denn im Jahre 764
erhält das neuge¬
gründete Kloster
Lorsch einen Wein¬
berg in der Gemar¬
kung Oppenheim
von Kaiser Karl
dem Großen zum
Geschenk. Neben
dem Kloster Lorsch
war es auch das
Zisterzienser kloster
Eberbach im Rhein¬
gau, das im nahen
Dienheim und auch
inOppenheimschon
in früher Zeit Wein¬
berge besaß. Nach
einer Urkunde aus
dem Jahre 1243
schenkten Reinher
von Goddelau und
seine Gattin ihm
einen Weinberg im
Kredinburne, heute
„Kröten - Brunnen",
einer der besten
Lagen; am „Kreuz"
steht ein Kruzifix,
das uns noch an die Erbacher Mönche erinnert. Auch
die kurmainzischen Stifte pflegten eifrig die Rebkultur
auf Oppenheimer Boden. Nicht nur im Frieden der
Klostermauern und unter der Obhut geistlicher Patronate
fand so der Weinbau in Oppenheim schon in frühen
Zeiten eine ausgezeichnete Pflegestätte, auch der Adel
und die Ritterschaft haben nach urkundlichen Ueber-
lieferungen dem edlen Weinstock ihre besondere
Sorgfalt gewidmet und die Bürgerlichen zum Weinbau
und Weinhandel angespornt. So kam es denn auch,
daß bis auf den heutigen Tag das gesamte Erwerbs¬
leben der Einwohnerschaft Oppenheims diesen Geschäfts¬
zweigen gewidmet ist und das Weinbergareal im Laufe
der Zeit eine große Ausdehnung angenommen hat.
Heute umfaßt die Gesamtweinbaufläche Oppenheims
ungefähr 210 Hektar. Rechnet man hierzu noch die
295 Hektar im benachbarten Dienheim, das weinbaulich
zu Oppenheim gehört, da die meisten Oppenheimer Wein¬
güter nach Dien¬
heim übergreifen,
so findet man hier
die gewaltige Reb-
fläche von rund
500 Hektare2000
hessischen Morgen
vereinigt, die zweit¬
größte ganz Rhein¬
hessens; zum weit¬
aus größten Teil
befinden sich die
Güter im Privatbe¬
sitz, nur ein Areal
von etwa 50 Mor¬
gen ist hessisches
Domäneneigentum.
Bedingt wird das
zähe Festhalten am
Altererbten ganz
wesentlich durch die
für das Gedeihen
des Weinstockes so
günstigen klimati¬
schen und Boden¬
verhältnisse. Das
Klima Oppenheims
ist charakterisiert
durch reichlichen
Sonnenschein, ver¬
hältnismäßig große
Wärme und mäßige
Feuchtigkeit, wie
die meteorologi¬
schen Beobachtun¬
gen deutlich be¬
weisen. Danach be¬
trug z. B. im Mittel
der Jahre 1901 bis
1908 die Zahl der
Sonnenscheinstun -
den für den Monat
Juli 232, für den
August 210 und für
den September noch 140, obgleich der sonnenschein¬
arme Monat September 1905 nur 77 Stunden zu ver¬
zeichnen hatte. Mit dieser größten Sonnenschein¬
dauer stehen die geringere Bewölkung und die nicht
allzu erheblichen Niederschlagsmengen in Einklang. Dem
Klima Oppenheims ist also warmer Sommer mit viel
Sonnenschein eigentümlich und damit sind klimatisch
die vorzüglichsten Bedingungen für das Ausreifen der
Trauben gegeben. Ein interessantes Streiflicht fällt
1
Oppenheim a. Rh.: Garten an der Fischerbrücke (Hohe Erziehungsart)
Oppenheim a. Rh.: Weinlese im Oppenheimer Berg
474 DEUTSCHLAND Hr.lO
öijfth (iitji Cere.thierjkailt treten uns häufig an Profi len. sehf
sdvoti en \ g^ger^:> r C ytenenrnerg eI geht ä em Äbhang
übef vDjöT^^ bi;? Oppenheim über lag ausr auch auf
ilcim PlfUebu ^3ber der Stadt ist er aufgetttrhto^seh. Oie’
C ^rethi h kß 1 k e tit n d i n besä n d er s t iefen Bän ken süd*
östiioK:;yTder der lÄdsskrone sichlbar Vnr; d^ui Berg-:
mride lEig6tt stark v^erumeluigter Leb bald armer^:;
Mid:: dhi^ an K ti]k öioh j;rw eisi. ßr set^t sich ö^ 9>'
deh Mb ’£i 1 $ atri ym^i d i c ob dirn A b ha n g e d orthlbr
ge sc h wemnd ^wivrd^bv:-^
Gern ä i3 'sei fvei: geol ögi^tih^n Entstehung$weise ifet
der \V*euibergbüden an verschiedenen. SteUeh der
Geniarkung sehr v/echselnd. Vorwiegend bestehi er
Lei ten, ö n njj^hte ri Ste ll e n m;jt Mergo! yer-:
.turschLletzterer leider mitunter schon in rnäßtger
und:. Datdihöns; — In der arrgFerL^-^ndöh
pieh hö i iTi .können die Lagen G ü Id e A tiiö rgen; Tu fe i st ein
Und Hhre-riht^eli diesen last ebenbüriig sn diS^ste gcv
siel 1 1 weni eh ^ Neb&n 'X'eähbbrgt^kön^f^Sexen, in w^eflchi^h
die feinsten. Möfk&ti wachsen, e.^istkren noch eine
Re^ih^ Lögen^ uAt^r:; der Cnmst des Klirnaä; Chatn
gäh i he r vo irr d geh de h,: Mi.dff i W ei i \ h rv o r hr i )> g en > w j h
thngweg, Ftilk^hbhVgv-'^^^M^^ RoßWie^ey: KhndeUv<%^
C^üihpen und die OaHi^btägen In der Bbene;
; ;• öbpl Ogisd h. be.it eht d.er g*;ö ü te Te iV de s L^pp &n?
heiiner Wemberg^ge|#hdcs ans ergehn hnd Bhlk^n
T.f^rtibrlornndn.:' ■ .’■ vpf^dtgerifh .ddh;■
■Aiac-h. ,•■" Sud^V. ■'. ...ii'ehe'ndeh ■ Kebhugel.. ■.xusamrnprv > ■' .■w.b.b'^V'
sölierdmgs die Srhichteh nur ^uni. T^ll Ubet Tjag
gehen/ v^tü^rehd ^.ie drfriuh .die ;Adf- deiri F^hdiitiid
und auch öu den H^ingeh recht-mfir:küg werdende Löß'^
decke vefhidlt werüenr- Sowohl der Cytb^'GntaeF^ei aU:
Nr.lO DEUTSCHLAND 475
Die daraus gewonnenen Weine zeichnen sich durch ihre
Reife, Milde, Reingärigkeit und langjährige Frische
besonders vorteilhaft aus. Der Oesterreicher überwiegt
daher mit etwa 607o Anbaufläche bedeutend gegenüber
der edlen, feinen und aromatischen Rieslingstraube, die
nur zu etwa 307o vertreten ist. Da der Riesling erst
später zur Reife kommt, so bedarf er eines besonders
günstigen Nach-Sommers. Auf Gleichmäßigkeit des
Ertrages ist bei ihm weniger zu rechnen, aber die Vor¬
teile, die schon die mittelmäßigen und ganz besonders
die guten Jahrgänge bringen, sind hoch geschätzt, liefert
er doch so manche rheinische Hochgewächse, deren
Eigenart, Rasse, Aroma und Bukett weltbekannt sind.
Wenn man diese Sorte deshalb häufiger auch in reinem
Satze vorfindet, so wird doch vielfach dem gemischten,
aus Oesterreicher und Riesling bestehenden Satz in den
meisten Weingütern der Vorzug gegeben, da sich beide
in ihren Eigenschaften recht gut zu ergänzen vermögen.
Während die Berglagen fast ausschließlich mit den
genannten Sorten bestockt sind, trifft man in der
Ebene in den sogenannten „Gärten" vorwiegend den
Ruländer und Burgunder an. Bei der großen Frost¬
empfindlichkeit dieser Lagen eignen sich diese Sorten
speziell hier zum Anbau, da man ihnen infolge ihrer
Wüchsigkeit einen längeren Schnitt zuteil werden
lassen und durch die Garten-, Lauben- oder Arkaden¬
erziehung die Tragruten über die Frostzone bringen
kann. Die aus ihnen gewonnenen Weine gehören zu
den Oppenheimer Mittelgewächsen und sind mehr zu
Verschnittweinen geeignet.
Von den früher allein gekannten Pfahlweinbergen,
wo jeder Rebe zur Unterstützung ein oder zwei Pfähle
beigegeben waren, sind nur noch ganz wenige übrig¬
geblieben. Zum großen Teil mußten sie den Draht¬
planken weichen, deren weniger kostspielige Unter¬
haltung und deren Vorteilhaftigkeit bei der Rebkultur
und Schädlingsbekämpfung schon früh ihnen Eingang
und rasche Ausdehnung zu verschaffen vermochte.
Die Kultur der Rebe wird nach jeder Richtung hin
intensiv und mustergültig betrieben, was nicht zum
wenigsten auch auf die bisherige segensreiche Wirksam¬
keit der hiesigen Großherzogi. Wein- und Obstbauschule
zurückzuführen ist. Der fleißige Winzer läßt durch ver¬
ständigen Bau und guten Schnitt der Rebe alle Sorgfalt
angedeihen, während die Besitzer selbst bemüht sind, alle
wissenschaftlichen Errungenschaften in der Praxis aus¬
zuprobieren und
durch eine regel¬
mäßige Düngung
und energische
Schädlings-
Bekämpfung das
ihrige zum guten
Gelingen beizu¬
tragen.
Eine besonders
große Sorgfalt
beobachtet man
auch beim Herbst¬
geschäft, dem
Schlußstein der
ganzen Jahres¬
arbeit in den Wein¬
bergen. Man be¬
gnügt sich nicht
nur mit dem scha¬
blonenmäßigen
Einsammeln der
Trauben und ihrer
raschen Einkel¬
terung, sondern
man sucht durch
Spätlese, durch
mühsames und
kostspieliges Aus¬
lesen auch das
Beste an Qualität zu erreichen. — Auf diese Weise ge¬
lingt es, selbst in weniger sonnigen Jahren ein Produkt
zu erzielen, das dem eines besseren Jahrganges um
nicht vieles nachsteht, und den guten Ruf, den die
hochedlen Gewächse überall besitzen, zu erhalten und
weiter zu verbreiten.
Nicht nur innerhalb der weiten Grenzen unseres
deutschen Vaterlandes, sondern auch weit darüber
hinaus, im Auslande, haben die Oppenheimer Weine
Beliebtheit gewonnen und das Feld behauptet. Und wer
einmal einen Original-Oppenheimer gekostet hat, der
wird immer wieder gerne zu diesem edlen Tropfen
zurückkehren und es sich auch weiterhin an diesem
schönen, harmonischen und feurigen Bacchusgeschenke
gütlich tun.
Die Oppenheimer Weine besitzen eine saftige
Frische, große Reintönigkeit und Milde und sind trotz
ihres feurigen Charakters von guter Bekömmlichkeit.
DEUT SCH LAM> Nr. 10
öijtch in Oppeniveim heute nicht mehr die rosigste-,
Dsah dte Mißernten der feUten Jahre habeh dfe lUen-
tabi 1 i|ät dieses BnAi-erbsiweiges sta rk : hföraltgextviadört
nnd tiie ^um NS" ein stock auf eine harte Pr^jbe
gesteih- die alte Wohlhabenheit ciiar Bervoikerung
e rhißglic hte es ihr, ub er d ies e K Li p p e n hinweg i ü ko tu tne .
uhd fHlr die kloffnung auf h eiSere- Z eitern oiiOchte
die Vei^ti mmimg jeiveÜs zii ? t^hebj^n pb-ä. i>eher
'Äfbe.h, 5^20300^“^e n. ■ . ■ ^.■. •;.'
Hrheiditcherweise schämt das jahi; 19J I hach spielen
Ja hren der E nt lause hung; en dheh. ■ ei timaf wieder em
Jahr des Segens in werden uihI ein^n Wein zu bringen,
der als Jubilaimiswein dem berUhmten 181:1er würdig
jfür Sehe gestellt werden kanri.: Mbgfen die Erwartungen
und Hoffnitngen der AVelngidi^besitier bezüglich des
I iQll €r : JahrgartgiJs auch ftit, die tblgenden Jahre
in BrroUimg geKert, i:um BlÜhisn urtd Gedeihen des
Oppenheimer W embirvie^, Wöhle und Vorteile der
0 pp e n h e i r Br^e hg f j i sse 1
Die einzelnen Lögen haben hervorragende, Adornohme
Bi gon ert, Di e b e sseren und b este n Ge w a c 1 e n t w i c ke t n
sich Lottge^eUi zu tbrem Vorteil und bouen sich äuf
der BJ a^cJi ö ausi^ezei ebne t. Si e werd e b! im) ig> - h nc b -
edel und, bleiben lange fn^ch. Die Weine der b^st^n
Lögen Wahlen den vcjrnehmsten Spitzpn der he&^i:':^
«Cihen Rheinweine-
Ungefähr zwei Drittel der .fertigen W'eine
heims ge!angen freihändig m m; Vtjrkapf und etwa ein
Drifte! geht auf dem W’ege der Versteigerung in andere
Hände übexv Die in den: letzten Jahren dabei eriielten
Pretse hsaben eine ganz ansehnI k;B öhe enerc]i i und
können ab: recht gunsiig be20.icbf3idt werden. Das Stück
W *>|n^ -z li f^00 Li t er g e rec hn e b w n r.de d* *tcli äc: Ln it Ö ic h
nüt fJPO bis 2000 Mark bewertet^ e?; wurden jedoch
auch Prois<^ gezahti, die jene Sij,infnc weit Übersteigen
und ftir Edfcigewöthse bis zu. ItiÖOO Mbrk belia^eh.
GlßichivOhi i&L wie m so \üelen ^jndereh W- eihd^Hehj,
w 0 Qtfö Ii 1 bQIr be Irieben w?j rd, dle Lby e , des W ein
Die Z-Luftschiffe am NiMefrheih
Die Anieilnfllmie an den £i fölgeh uh die Zö’ppelinsche guiö -Sache und
g e s c hi c k des g rel seh B ez sv \i) g ers d er 1 f [ e i s t b e \ d en
V e rs c h i e d ens t e ti ■ A \ j ^ £5 h : - Nie d errh ei n ttv it
he s DU dere r M erz 1 i c h ke 11 z i ttn sd r u ck ge l ä h g t-* Als
n Etr- K d er K;ü ta s t r nphe vö n Echte rd tJ \gen d BV A ö fm t
zar Zeichnung einer ZeppeliivSpende an des deutschh
Vülk erging, da iwollte dieses Gebiet scLwemef
Arbeit: rdcht: 7 tU rück stehen : in wenigen Tögeri w^sreh
Htih dferttaias^tid e zusam in engebröc hl. M h der gl E?h h
hellen BegetsierLmg er-
wäif tede r: Hi ^ de. ^^^wmggsgjägt^
I Ii et h d ß nh . d ^ n e rst e n . 1
Öe^uch: des Ze^hpe " ^
LufHchllTe5i. Jn klarer ^
Bnrmenmg stebt der . ^ K ■ | 1
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BiÄndem R,gen e,- :.v
w ar lete die ivac iv vielen erdv^^^bine das
Tßit$ehclen zahlende GdlzKelnter Heide den
L, Z; lÜ, der mi f ti^ji ffv d ti m öl i ge n Ob erbÜ r ge rm e i r, t e r M n rx
ah ßofd d^n Kanvpf nnt Sb.atn unil Regeivei'^^^^
stand. ^>am^dÄ mülita sieb .dn^ Lunschifi^nordi mH ptöyl:'
sorischöh Löndung^äVDrKchtnhgen begnögeHj Schau
böid wurde aber der ßescKloIl gefaßt öUcK m Dü-^seL
d ü ? [ einen L u f t is c hi f 1 ha f 0 .3 r »^rHch ti u u d lue
eine BasHfürxukLififtige F’ahrieri m^^chsfföu; Bed.euföfule:
Opfer wurden von de.r Stadt verlöngtr tTh Veitraiteh auf
''' ' * ^ ’ Luft$.ch iTiT
der-.Ah^rafe ous
fisckil .r ul sI:h I^111 dder f I ö 1 düFCh . jßinen
W i i idnSt Q 0 de riHIt b e s ch ü d i g.t, öÜ e i n u A b rüs * u ng er folge n
nvüß.i«. Hei drüsur Köth.-^tvophd zeigte dt^ Be'völktrrung
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der grüßten mul $t:liönsiölv Bshrten des i/Ldi.>cln!Tiidurch
das Indusintednehmen zU Uwuien.i Mit Rücksicht
Das Luftschiff ,,Schwaben" in den Wolken
Düsseldorf: Karlplatz und Rhein vom Luftschiff aus gesehen (Hofphotogrr. J. Henne, Düsseldorf)
478 DEUTSCHLAND Nr.lO
auf die nun eintretende Unterbrechung der Passagier¬
fahrten mußten wir es uns versagen, die interessante
Fahrt den Lesern in Wort und Bild zu schildern. Die
bevorstehende Uebersiedelung der „Schwaben" in
den Düsseldorfer Hafen und die für die nächste Zeit
von hier aus beabsichtigten größeren Fahrten geben
uns Veranlassung, das zurückgestellte Stimmungsbild
an dieser Stelle einzufügen. —
Die Leitung des Luftschiffes hatte eine größere Fahrt
durch das rheinisch-westfälische Industriegebiet ange¬
kündigt, zu der die Fahrgäste sich gegen 8 Uhr an der
Düsseldorfer Luftschiffhalle einfinden sollten. Pünktlich
waren wir zur Stelle, wo der Riesenleib des Luftschiffes
sich schon seit einer Weile im Glanze der Maisonne
wiegte. Geschäftig ging die Mannschaft hin und her, und
bald war der Luftkreuzer klar zur Abfahrt. Einzeln stiegen
die Gäste ein, Wasserballast wurde ausgeworfen und
nach genauer Abwägung geprüft, ob alle Gäste (9 Herren
und 1 Dame) mitfahren konnten. Inzwischen unterzog
man die Einrichtungen der Kabine einer Besichtigung
oder unterhielt sich mit den Zuschauern, die ihre
Angehörigen zu dem Antritt der ersten Fahrt in die
Lüfte begleitet und fürsorglich warme Kleidung, sogar
Pelze mit auf die Reise gegeben hatten, denn „oben"
müsse es doch mächtig kalt sein und der Wind recht
scharf wehen. Unter diesen und ähnlichen Beob¬
achtungen wird ein letztes Klingelzeichen überhört.
und schon schwebt in ruhiger Fahrt das Luftschiff
über dem Exerzierplatz der Düsseldorfer Garnison.
Der Uebergang von der Erde in das Luftmeer, auf den
wohl die meisten Fahrgäste besonders gespannt sind,
wurde nicht bemerkt. Nur das veränderte Landschafts¬
bild und das Kleinwerden der Menschen und Gebäude
zeigt uns, daß die Fahrt begonnen hat. Unwillkürlich
setzen sich die Fahrgäste etwas fester in die bequemen
Korbsessel der Kabine, die Mütze wird in den Kopf
gezogen, und noch etwas ängstlich wagt der eine oder
andere Fahrgast einen Blick auf die unter uns so
friedlich und harmlos liegende Erde. Wenige Minuten
genügen jedoch, um bei den Insassen der eleganten
Luftschiffkabine ein Gefühl absoluter Sicherheit
und vollsten Vertrauens zu dem uns durch die
Luft tragenden Fahrzeug und seinem Leiter Herrn
Dr. Eckener zu erzeugen. Nicht die geringste Neigung
zum Schwindel macht sich bemerkbar, auch nicht das
— wie vielfach irrig angenommen wird — betäubende
Geräusch der Propeller noch das Stoßen der Maschinen
belästigt uns. Ruhiger als im D-Zuge oder auf dem
Deck unserer modernen Rheindampfer zieht das Luft¬
schiff seine Bahn. Wir überfliegen zunächst Rath und
Angermund. Die unter uns exerzierenden Truppen er¬
scheinen uns wie Bleisoldaten, einzelne Ortschaften und
Gehöfte, unter denen besonders das Karthäuser Kloster
sofort erkennbar ist, kommen uns wie Steinbaukasten
Nr.lO DEUTSCHLAND 479
vor, und die riesigen Güterzüge gleichen einer Schlange schwindigkeit, die sich bis zu 70 Kilometer steigert,
von Streichholzschachteln. Wald und Wiesen, Felder überfliegen wir Hagen, Schwelm und die sich in einer
und Aecker erscheinen in ihren Abgrenzungen so regel- mächtigen Ausdehnung präsentierenden Schwester¬
mäßig, als wenn sie abgezirkelt Städte Elberfeld und Barmen,
wären. Auch der Unterschied Wuppeitale zeigten sich
zwischen Tal und Berg ist sehr | inzwischen leichte Gewitter¬
gemildert; oben sieht man die neigungen, weshalb das Luft-
Unebenheiten der Welt und schiff plötzlich von der durch-
der Menschen weniger: ein schnittlichen Höhe von 250
großesRiesenspielzeug,indem Meter auf über 500 Meter
die Menschen sich wie nied- steigt. Leicht und sicher folgt
liehe Puppen bewegen. der Riese den Bewegungen
Bald ist Oberhausen er- des Höhensteuers. Aber auch
reicht. Hier werden die ersten bei der steilen Fahrt wird die
Postkarten inPergamentsäcken X Situation in der Kabine nicht
in die Tiefe befördert; ungemütlich. Weder die Br-
fallen zum großen Ergötzen Schütterungen durch die Moto-
der Jugend auf den Spielhof ren noch die Höhenbewegung
einerOberhausenerSchule.wo lassen die Gläser klirren oder
Jungdeutschland durch Hurra- den Inhalt herausschleudern,
rufen und Mützenschwenken den der Wirt an Bord kre-
seiner Begeisterung Ausdruck denzt. Daß es sich in dem
verleiht.— Gleich hinter Ober- Luft - Restaurant für einige
hausen ändert sich plötzlich Stunden recht leidlich aus-
das vor uns liegende Bild. ^ ^ halten läßt, mag die nach-
Die mächtigen Rauchwolken, ^ stehend abgedruckte Restau-
die den Schloten der großen r-- t i o i i rations - Karte näher dartun:
wr 1 ^ ^ • 1 - 1 ^ Ein Imbiß hoch in der Luft
Werke entsteigen, verdichten SPEISEN:
sich zu einem fast undurchdringlichen Nebel, der'auf Bester Beluga-Malossol.Port. Mk. 4.—
kurze Zeit die Spitze des Luftschiffes unsichtbar macht. Franz. Masthuhn, 12—14 Mark.„ „ 3.—
Diese Ausdünstungen zwingen den Leiter der Fahrt zu Straßburger Gänseleberpasteten.„ „ 3.
einer Abschwenkung nach der Emscher zu, wo nach Malate.„ „ 1.—
wenigen Minuten eine durchsichtigere Luft erreicht wird. Erdbeeren nach Melba.. „ 3.—
Zwar lagert auch über dem weiteren Industriegebiet ein WEINE:
I . i_. *1 • j u j A Ul- 1 • Ui. •• 1907er Beckmanns Mosel-Treppchen (Hausmarke) . Mk. 4.—
leichter Dunstkreis, der aber den Ausblick nicht unmog- Mathias Beckmann, Treppchen-Kellerei, Köln am Rhein
lieh macht. Mit mäßiger Geschwindigkeit, weil wir 1908er Rauenthaler Berg.„ 4.50
Gegenwind hatten, geht die Fahrt über Gelsenkirchen, _ ,, o
11^. 1 -i-iryr ir> 19ÜDer bteinberger, Originalabfüllung .. ö.—
Bochum und Dortmund, wo sich in das Zuruten der Be- wiih. Ruthe, Hofl., Wiesbaden
völkerung die Signale der Dampfpfeifen und Böllerschüsse 1899er Chateau Ducru-Beaucaillou (Korkbrand) . . „ 6.—
. I 1 • 1 j d- Buxtorf, Wichelhausen & Co., Bremen
mischen, bs macht einen geradezu überwältigenden ^ ^ \
.. , , , T, . Extra Dry (Gout Amencain).. 17.—
Eindruck, die fast ineinander ubergehenden Industrie- G H. Mumm & Co, Reims
Städte mit ihren mächtigen Werken und den scheinbar Stöck Cabinet . . ... 8.—
Jos. Stock & Sohne, Kreuznach
fast bis zum Luftschiff hinaufragenden schwarzen Kamin- Courvoisier Cognac *** per Glas „ 1.—
Schloten, dazwischen die unzähligen Schienengleise der
Eisenbahn in einer Höhe von durchschnittlich 250 Meter
überschauen zu können. In Dortmund, dessen Schulen
und Fabriken die Ankunft des Luftschiffes lebhaft be¬
grüßen, wird der Marktplatz überflogen, wo die
Gemüse- und Obststände große farbige Flecken dar¬
stellen, die als Vorwurf für ein riesiges Gemälde im
Stile der „Neukunst'' dienen könnten.
Um uns neben den stolzen Werken der Industrie
auch ein Stück Erde von landschaftlicher Schönheit zu
zeigen, hatte der Fahrtleiter, der, nebenbei bemerkt, die
25. Fahrt mit der „Deutschland" ausführte, den Rück¬
weg durch das Lenne- und Wuppertal gewählt. Hier
scheint uns klarer, lachender Sonnenschein entgegen,
der Dunstkreis, der bislang auf der Erde lagerte, ist
verschwunden. In schnellerer aber doch ruhiger Fahrt,
die durch den Wind im Rücken begünstigt wurde,
macht das Luftschiff einen eleganten Bogen um das
Denkmal auf der Hohensyburg. Mit wachsender Ge- Das Luftschiff über dem Wuppertal
480 DEUTSCHLAND Nr.lO
Bald nähert sich unsere Fahrt dem Ende. Hinter
Vohwinkel wird in der Ferne das im Sonnenschein
glitzernde Silberband des Rheines sichtbar, den wir
kurz nach IIV 2 Uhr bei Düsseldorf erreichen. Mit
einer stolzen Wendung fliegen wir über die Königs¬
allee und den Hofgarten dem Luftschiffhafen zu. Vor
der Landung führt das Luftschiff noch eine Schleifen¬
fahrt über dem Rhein aus, auf dem die keuchend
zu Berg kriechenden Schleppkähne einen krassen
Gegensatz zu unserem leichten Luftfahrzeug bilden.
Nun drehen wir der Halle zu; im spitzen Winkel
neigt sich das Luftschiff scharf zur Erde, im Augenblick
sind die Motore abgestellt und die Leinen ausgeworfen.
Schon ziehen die Mannschaften das Fahrzeug in den
Pfafen, ehe die Fahr¬
gäste empfinden, daß
fester Boden unter
ihnen ist. ln der Halle
verabschieden sich die
Fahrgäste, verlassen
einzeln die Kabine
und danken Herrn Dr.
Eckener für die schnei¬
dige Führung der inter¬
essanten Fahrt. Ein
Hoch auf Zeppelin er¬
klingt, und die große
Fahrt in das Industrie¬
gebiet ist beendet,
eine denkwürdige Er¬
innerung für alle Teil¬
nehmer!
Inzwischen ist der
„Deutschland'' das
wiederum wesentliche
Verbesserungen auf¬
weisende neue Luft¬
schiff „Schwaben"
gefolgt, das nach seiner
glänzenden Fernfahrt
von Baden-Baden nach
Gotha und Berlin jüngst
auf wenige Tage in
der Düsseldorfer Halle
einkehrte und von
Mitte Oktober ab
Passagierfahrten und
größere Fernfahrten vom Niederrhein aus unternehmen
wird. Es verdient vollste Anerkennung, daß die
Hamburg-Amerika Linie im Einvernehmen mit der
„Delag" die Organisation dieser Fahrten übernommen
und dadurch der Luftschiffahrt im allgemeinen wie dem
Zeppelinschen System im besonderen einen großen
Dienst erwiesen hat. Dieser Beweis größten Vertrauens,
das vollauf gerechtfertigt wird durch die Tatsache, daß
bisher noch kein Menschenleben auf einer Fahrt mit
dem Zeppelin-Luftschiff verunglückt ist, sollte allein
schon genügen, um eine stärkere Benutzung der Fahrten
zu veranlassen. Um so auffallender muß es deshalb
erscheinen, daß die Beteiligung bisher am Niederrhein
nicht sonderlich lebhaft war. Wenn die wohlhabenden
Kreise des Niederrheins das Unternehmen der Deutschen
Luftschiffahrtsgesellschaft bislang verhältnismäßig wenig
unterstützt haben, so möchte man annehmen, daß auch
in diesen Kreisen noch manche Vorurteile herrschen,
die den einen oder anderen, der an sich gern eine
Fahrt im Luftschiff mitmachen würde, davon abhalten.
Da sagen manche, daß ihnen eine Luftfahrt noch nicht
sicher genug sei; vielleicht haben zu dieser Meinung
auch die Unfälle der beiden „Deutschland"-Luftschiffe
beigetragen. Man kann jedoch mit Bestimmtheit sagen,
daß derartige Unfälle bei dem Luftschiff „Schwaben"
heute kaum noch möglich sind. Dafür sprechen sowohl
die großen Verbesserungen dieses Luftschiffes gegen¬
über den Vorgängern, wie auch die Erfahrungen, die
die Luftschiff-Führung
inzwischen in reichem
Maße grade aus diesen
Unfällen geschöpft hat.
Die auf 19 Sekunden¬
meter gesteigerte Fahr¬
geschwindigkeit über¬
hebt das Luftschiff,
sobald es in der Luft
ist, eigentlich jeder
Gefahr. Dazu kommt
der verbesserte Wetter¬
nachrichtendienst und
die vermehrte Vorsicht
der Fahrtleitung. Aber
auch die Hauptgefahr
für das Luftschiff, die
bisher das Ein- und
Ausbringen aus der
Halle bildete, kann als
beseitigt angesehen
werden, denn die Fahrt¬
leitung weiß jetzt auch
diese Gefahr zu ver¬
meiden. Das haben
die 100 Fahrten,
welche das Luftschiff
„Schwaben" bisher
gemacht hat, zur Ge¬
nüge gezeigt. Bekannt¬
lich nehmen die Passa¬
giere jetzt, wenn Wind
vorhanden ist, nicht
mehr in der Halle ihre
Plätze ein, sondern besteigen das Luftschiff erst, nach¬
dem es sicher aus der Halle herausgebracht ist. Ebenso
verfährt man bei der Landung.
Einen anderen Einwand hört man häufig, nämlich,
daß die Fahrten zu teuer seien. Man wird aber nicht
vergessen dürfen, daß der Luftschiffbetrieb, wie es bei
seiner Neuheit nur begreiflich ist, vorläufig noch sehr
kostspielig ist und die Deutsche Luftschiffahrtsgesell¬
schaft mit Verlusten arbeitet. Um so mehr ist es eine
Ehrenpflicht der wohlhabenden Kreise, das Luftschiff
auch zu benutzen. Damit wächst dann auch die Aus¬
sicht, daß die Fahrten im Laufe der Zeit billiger werden
und das Luftschiff immer mehr zu einem allgemeinen
Verkehrsmittel wird. J. Sch.
Zeppelinluftschiff in der Halle zu Düsseldorf
Nr. 10
101 DEUTSCHLAND 481
Die deutschen Eisenhüttenleute in Posen.
Der Verein deutscher Eisenhüttenleute ist von seiner
langjährigen Gepflogenheit, die zweimal im Jahre statt¬
findende Hauptversammlung in Düsseldorf abzuhalten,
nur äußerst selten abgewichen. Wenn er diesmal nach
einer 15jährigen Frist seine Mitglieder zur Fahrt nach
der Ostmark aufgeboten hat, so war ihm direkter Anlaß
dazu die Eröff¬
nung der hütten¬
männischen In¬
stitute an der
Technischen
Hoch-Schule in
Breslau, dann
aber auch die
sich ihrem Ende
nähernde Ost¬
deutsche In¬
dus t ri e-Aus-
stellung in Po¬
sen, der die
oberschlesische
Eisen-Industrie
das Gepräge ge¬
geben hat, und
endlich nicht
zum wenigsten
der Wunsch der
Mitglieder aus
den westdeut¬
schen Industrie-
Bezirken, mit
ihren oberschle¬
sischen Fach¬
genossen in ge¬
meinsamen fach¬
wissenschaft¬
lichen und ge¬
selligen Veran-
staItungen,sowie
bei technischen
Ausflügen Erfah¬
rungen auszutau¬
schen, freund¬
schaftliche Be¬
ziehungen zu er¬
neuern und neue
zu knüpfen. Die
Beteiligung aus
unsern industrie-
reichsten Provin¬
zen Rheinland
und Westfalen war außerordentlich stark, lieber 200
Eisenhüttenleute aus dem Westen sind dem Rufe der
Vereinsleitung gefolgt. Ein von Düsseldorf abgelassener
Sonderzug brachte die Teilnehmer zunächst nach Posen.
Ein Ungarnweinabend vereinigte die Erschienenen in
den Goldenringschen Kellereien, wo auch die schlesi¬
schen Eisenhüttenleute sich einfanden. Der Ober¬
bürgermeister der gastlichen Stadt, Dr. Wilms be¬
grüßte die Versammlung und gab der Meinung Ausdruck,
daß so viel Eisen noch nicht in Posen vertreten ge¬
wesen sei. Kommerzienrat Brügmann (von der Apler-
becker Hütte) dankte mit herzlichen Worten und brachte
ein Hoch auf die Stadt Posen aus. Erst in später Stunde
fand dies vergnügte Fest im „tiefen Keller" sein Ende
Der Freitag-Vor¬
mittag war der
gemeinsamen
Besichtigung der
Ostdeutschen
Ausstellung ge¬
widmet. Beson¬
derem Interesse
begegneten die
kinematographi-
schenVorführun-
gen von Vor¬
gängen in indu¬
striellen Großbe¬
trieben, welche
die Oberschlesi¬
sche Eisenindu¬
strie, Akt-Ges.
in Gleiwitz, in
demOberschlesi-
schen Turm dar¬
bot —- Während
des hier stattge¬
fundenen Früh¬
stücks ergriff Dr.
ing.Schroedter
(Düsseldorf), der
Geschäftsführer
desVereins deut¬
scher Eisenhüt¬
ten - Leute, das
Wort und sprach
dieBewunderung
der Eisenhütten¬
leute über die
Ausstellung als
deutsch - natio¬
nales Werk aus.
— Reichstags¬
abgeordneter Dr.
Beumer (Düs¬
seldorf) berührte
in seiner An¬
sprache die Na¬
tionalitätenfrage
und wies auf die Schwankungen in der Polenpolitik hin,
die er als bedauerlich bezeichnete. Er rühmte die
Tatkraft der Ausstellungsleitung, die das Ausstellungs¬
werk gegen den polnischen Boykott durchgesetzt habe.
Zum Schluß dankte Kommerzienrat Michalowsky
im Namen der Ausstellung für den zahlreichen Be¬
such und die anerkennenden Worte, welche die Vor¬
redner dem Ausstellungswerk und Posen gezollt hatten.
Blick vom Oberschlesischen Turm auf „Alt-Posen" und die Residenzstadt
482 DEUTSCHLAND Nr.lO
Oeffentlicher Meinungs-Austausch.
Neutrales Gebiet zur Erörterung von Verkcbrsfrageii und Bundesangelegenheiteii. Die Redaktion trägt nur die preßgesetzliche Verantwortung.
Deutscher, geh’ an das deutsche Meer!
Der in Nr. 8 erschienene Aufsatz: ,,Die dcutsclie Nord¬
see“ von Paul Damm - Etienne und namentlicli dessen
Schlußsatz hat viclfacli besondere Beachtung gefunden.
(Vergleiche die Zuschrift aus Köln in Nr. 9, Seite -139),
Auch den nachstehenden, uns von gescliätzter Seite
zugehenden Ausführungen wollen wir liiermit gerne
Raum gewähren. Die Red.
Die Zeitschrift „Deutschland“ hat sich durch den
Aufsatz über die deutschen Nordseebäder in der Nr. 8
ds. Js. ein großes Verdienst erworben. In der Tat sind
die Vorzüge der deutschen Nordseebäder insbesondere
im Westen Deutschlands noch nicht hinreichend bekannt,
und von alters her nehmen die Bewohner von Rheinland
und Westfalen,.man könnte fast sagen gewohnheits¬
mäßig, die belgischen Seebäder zum Ziel ihrer
Sommerreise. Dabei verdienen die deutschen Nordsee¬
bäder nach vielen Richtungen hin den Vorzug vor den
belgischen. Sie liegen mitten in der See, so daß der in
belgischen Seebädern oft sehr lästige und gesundheits¬
schädliche Landwind fortfällt. Die mit Feuchtigkeit
gesättigte Luft und der fast stets wehende Wind läßt
eine Belästigung durch große Sommerhitze kaum auf-
kommen. Die üblen Gerüche, die fast in allen belgischen
Seebädern zu bemerken sind und die von manchem als
ein notwendiges Zubehör zum Seeaufenthalt angesehen
werden, fallen in den deutschen Nordseebädern vollständig
fort. Vor allem aber in einem Punkte stehen die deutschen
Nordseebäder hoch über den belgischen Seebädern,
nämlich in der Versorgung mit gesundem, in aus¬
reichender Menge vorhandenem Trink Wasser.
Selbst auf den kleinsten der Nordseeinseln ist die Trink¬
wasserversorgung gesundheitlich einwandfrei, und in dem
heißen Sommer 1911 ist ein Wassermangel auf den Inseln
nicht eingetreten. Demgegenüber ist bekannt, daß man
in den belgischen Seebädern vor dem Genuß des Trink¬
wassers stets gewarnt wird, und in der Tat ist schon
mancher mit Typhus oder typhusartigen Erkrankungen
von den belgischen Seebädern zurückgekehrt.
Was muß nun geschehen, um den Strom der
Reisenden, der sich aus Deutschland in die belgischen
Seebäder ergießt, zu den deutschen Nordseebädern
hinzulenken? Zunächst Wird hier die Presse gute
Mitarbeit leisten können. Die deutschen Nordseebäder
unterlassen es nicht, in großen Zeitungen und Zeitschriften
Anzeigen zu veröffentlichen, auch im redaktionellen Teil
erscheinen gelegentlich Besprechungen, aber leider noch
zu wenig; in manchen angesehenen Zeitungen fand man
bisher mehr Artikel über die Badeorte des Auslandes
und Reisen ins Ausland, als über deutsche Bäder, die
jenen nicht nachzustehen brauchen. Es müßte aber Ehren¬
pflicht der Redaktionen deutscher Blätter sein, immer und
immer wieder auf dieVorzügeder deutschenBade-
orte hinzu weisen. Die Badeverwaltungen werden zu
solchen Artikeln gern das nötige Material liefern, auch
Werden manche Besucher eine gelegentliche Mußestunde
benutzen, um einer Zeitung ihrer Stadt Notizen oder
Aufsätze zu schicken. In zweiter Linie Wird die Staats-
eisenbahnverwaltung dafür Sorge tragen müssen,
daß die Verbindungen mit den Nordseebädern immer
besser und vollkommener ausgestaltet Werden. In dieser
Hinsicht ist in den letzten Jahren durch Einrichtung
direkter Züge viel geschehen, eine Verbesserung ist aber
doch immerhin noch möglich. Vor allen Dingen dürfte
in der Ferienzeit für eine Vermehrung und schnellere
Beförderung der Züge zu sorgen sein. Zu erwägen
wäre ferner die Einstellung von Speisewagen auch
in die Eilzüge, da die Fahrten meistens die Mittagsstunde
in sich einschließen. Sodann dürfte zu prüfen sein, ob
die Beförderung vom festen Lande zu den Inseln nicht
verbessert werden könnte. Die Fahrt durch das
Wattenmeer ist jetzt von Ebbe und Flut abhängig,
so daß am Endpunkte der Eisenbahn nicht immer direkter
Anschluß mit dem Schiff vorhanden ist. Um eine Fahrt
unabhängig von Ebbe und Flut zu ermöglichen, werden
die nötigen Fahrrinnen im Wattenmeer auszubaggern sein.
Zu erwägen wäre ferner noch, ob die preußische Staats-
eisenbahnverwaltung nicht auch den Betrieb der Fähr¬
schiffe zu den Inseln übernimmt, so daß die Eisenbahn¬
wagen direkt bis auf die Inseln, wenigstens die größeren,
gebracht werden könnten. Die Lösung dieses idealen
Gedankens ist zwar sehr schwierig, aber nicht unmöglich;
namentlich in einer Zeit, Wo unsere Technik so glänzende
Triumphe feiert.
Die Aufforderung in dem angeführten Artikel der
Zeitschrift „Deutschland“: „Deutscher! geh’ an das
deutsche Meer!“ hat zudem in dem Verhalten der
belgischen Presse und des belgischen Volkes in den
letzten Monaten eine kräftige Begründung gefunden. In
keinem Lande hat bei der Spannung zwischen Deutsch¬
land und Frankreich der Haß und die Abneigung gegen
Deutschland so unangenehme Formen angenommen Wie
in Belgien. Man kann nichts dagegen einwenden, Wenn
die Belgier Frankreich und dem französischen Volke
eine größere Zuneigung beweisen als Deutschland und
dem deutschen Volke, — obschon ein Grund dazu kaum
vorliegt — aber diese Abneigung gegen Deutschland darf
nicht die Form annehmen, die sich in Belgien in der
letzten Zeit gezeigt hat. Selbst vor offener Beleidigung
und tätlichen Angriffen Waren die Deutschen, wie die
Vorgänge in dem Badeorte Wenduyne gezeigt haben, in
der letzten Zeit nicht sicher. Es dürfte eine Pflicht des
nationalen Stolzes sein, ein derartig ungastliches Volk
und Land nach Möglichkeit zu meiden und lieber das
gute deutsche Geld etwas mehr im eigenen Lande zu
lassen. — Auf diese Weise ist es vielleicht möglich, auch
die Pensionspreise in den deutschen Bädern
niedriger halten zu können. Gerade dadurch würde
am erfolgreichsten ein Wettbewerb mit den Bädern des
Auslandes aufzunehmen sein. Wenn wir unsern deutschen
Bädern eine größere Frequenz zuführen, und Wenn
namentlich die von den Schulferien Unabhängigen
sich noch mehr wie bisher dazu entschließen, die im all¬
gemeinen nur sehr schwach besuchte Vor- und
Nachsaison zu benutzen, so erhöhen wir unstreitig
die Leistungsfähigkeit der deutschen Bäder. Die erhöhte
Frequenz darf natürlich nicht zu einer Preissteigerung
führen, sondern muß im Gegenteil eine Verbilligung des
Aufenthaltes in den deutschen Bädern zur Folge haben.
Wenn die Badeverwaltungen sich die gegenwärtige
Stimmung des Volkes zunutze machen und die in weiten
Kreisen mit großer Sympathie aufgenommene Mahnung
der Zeitschrift ,.Deutschland“: „Deutscher, geh’ an
das deutsche Meer“! ausbeuten und durch geeignete
Propaganda verwerten, so wird sich aus dieser Situation
eine nicht unwesentliche Hebung der deutschen Bäder
ergeben können. G .... n.
Tagung des 2. Rllgem. Hotelbesitzer-Kongresses
(Federation (Jniverselle des Societes d'Hoteliers)
und der
40. General-Versammlung des Internationalen Hotelbesitzer-Vereins
vom 16. bis 20. Oktober I9II in BERLIN.
Sonder-Beilage zur illustrierten Zeitschrift ;;Deutschland^^
(Mitbegründet durch den Internationalen Hotelbesitzer-Verein.)
Das Hotelwesen, seine Entwicklung, volkswirtschaftliche Bedeutung und
die Organisation der Hotel-Unternehmerinteressen.
Von Dr. rer. pol. Karl Knapmann.
Die Tragweite der technischen Erfindungen der Neuzeit
kommt wohl den meisten Menschen am eindringlichsten zum
Bewußtsein durch die Tatsache, daß die auf ihnen beruhen«
den modernen Verkehrsmittel in früher ungeahnter Weise
den trennenden Raum auf unserem Erdball überwunden
haben. Denn im Inhalte des Lebens des modernen Menschen
spielt das Reisen eine so große Rolle, daß gerade die in
dieser Beziehung geschaffenen
Möglichkeiten zum Staunen
zwingen vor den gewaltigen Er«
rungenschaften des Menschen«
geistes. Auf der Grundlage dieser
technischen Erfindungen weist
denn auch keine Erscheinung
in ungestümem Wachstum eine
so siegreich fortschreitende Ent«
Wicklung auf wie der Reisever¬
kehr. Zwar hat es einen Reise¬
verkehr zu allen Zeiten und bei
allen Kulturvölkern gegeben, aber
als Massenerscheinung ist er ein
Kind unserer Zeit. Was früher ein
nur den wohlhabendsten Klassen
vorbehaltenerLuxus war,ist heute
für die weitesten Kreise ein fast
selbstverständlicher Anspruch an
das Leben geworden. Auf die¬
ser Tatsache beruht die große
wirtschaftliche Bedeutung des
Reiseverkehrs. Es gibt andere
menschliche Bedürfnisse, die an
Wichtigkeit diesem neuzeitlichen
Lebensanspruch naturgemäß vor¬
anstehen und in erster Linie die
Existenzmittel des einzelnen be¬
schlagnahmen. Aber wie die
Ausgaben für Kleidung und Nah¬
rung, so bilden im Haushalte
ungezählter Menschen die Auf¬
wendungen für Reisen heutzu¬
tage einen regelmäßigen Posten,
dessen Fortfall gleichbedeutend
mit dem Aufgeben eines Kulturbedürfnisses sein würde. —
Man kann in der Tat die kulturelle Bedeutung des Reise¬
verkehrs für den einzelnen wie für die Menschheit nicht hoch
genug einschätzen. Sie geht weit über die anderer Er¬
scheinungen hinaus. Nichts ist mehr geeignet, die kosmo¬
politischen Ideen im Sinne einer Annäherung der Völker zu
verwirklichen, als das Kennenlernen fremder Länder, ihrer
Bewohner und Sitten. Nichts vermag auch den einzelnen
Menschen aus seinem engen Kreise und seinen kleinen An¬
schauungen hinauszuheben und den Blick zu weiten wie
Reisen, und wenn je in einer Zeit, so lebt heute im Bewußtsein
der Erlösung von der Gebundenheit an die Scholle durch
Tausende von Reisemöglichkeiten in weiten Kreisen das Gefühl:
Es ist eine Lust zu leben I Man
bringt daher auch allen den
Faktoren heute ein vermehrtes
Interesse entgegen, die im Reise¬
verkehr eine Rolle spielen, und
die jeder zu seinem Teile berufen
sind, an der Erfüllung der dem
Reiseverkehr obliegenden kul¬
turellen Aufgaben mitzuwirken.
Neben der Vervollkommnung
der Verkehrsmittel ist es nament¬
lich dasBeherbergungswesen,das
in der Entwicklung des Reise¬
verkehrs eine bedeutende Rolle
spielt. Der moderne Reiseverkehr
strömt natürlich in erster Linie
denjenigen Ländern zu, deren
günstige geographische Lage,
deren landschaftliche Schön¬
heiten und sonstige Vorzüge,
wie Klima, Heilquellen usw. eine
natürliche Anziehung auf das
Publikum ausüben. Aber auch
die günstigsten natürlichen Vor¬
bedingungen vermögen einen
dauernden Fremdenzustrom nicht
zu erzielen, wenn nicht derFremde
die Erfüllung aller derjenigen
Lebensbedürfnisse am fremden
Orte gewährleistet sieht, auf die
der moderne Kulturmensch auf
die Dauer nicht verzichten kann.
Die Lösung dieser wichtigen
Aufgabe liegt in erster Linie
dem Hotelwesen ob. Ein kurzer
Rückblick auf die Beherbergungsverhältnisse
in vergangenen Zeiten mag uns erkennen lassen, in welchem
Grade auch im Hotelgewerbe Fortschritte gemacht sind, die
wohl einen Vergleich aushalten mit der glänzenden Ent¬
wicklung, die andere sich eines besseren volkswirtschaftlichen
Otto Hoyer, Köln
Vorsitzender des Internationalen Hotelbesitzer-Vereins
und der Federation Universelle des Societes d'Hoteliers
II DEUTSCHLAND Nr.lO
Ansehens erfreuende Industriezweige in unserem Zeitalter
erlebt haben.
Es ist bekannt, daß in früheren Zeiten die Fürsorge für
den reisenden Fremden wesentlich durch die Sitte der Gast¬
freundschaft erfüllt wurde. Als Gewerbe entwickelte sich das
Beherbergungswesen zunächst hauptsächlich für die Bedürf¬
nisse der niederen Stände, weshalb es denn auch in den
sogenannten Herbergen in früheren Zeiten meist an jeder
Bequemlichkeit und Fürsorge für den Reisenden fehlte.
Erasmus von Rotterdam gibt von dem deutschen Gasthaus¬
wesen im 16. Jahrhundert eine sehr abfällige Schilderung.
Tafelsitten jener Zeit, die auf einen großen Mangel an Sauber¬
keit schließen lassen, zur Genüge beleuchten. Eine Um¬
wälzung des Reiseverkehrs und damit auch eine neue Epoche
für das Hotelgewerbe leiteten die technischen Erfindungen
des 18. und 19. Jahrhunderts ein, die die Postkutsche ver¬
drängen und an ihre Stelle Eisenbahn, Dampfschiff, Auto¬
mobil und bald auch das Luftschiff als Verkehrsmittel setzen.
Stadt mit Stadt, Land mit Land verbindet ein immer eng¬
maschiger werdendes Netz von Bahnen. Als Herren des
Ozeans, den der Mensch in tausendjährigem Kampfe unter¬
jocht hat, vermittelt auf den Hochstraßen des Weltverkehrs
Der Aufsichtsrat des Internat. Hotelbesitzer-Vereins :
T. Otto Hoyer, Köln, Vorsitzender. 2. August Stracke (Hotel d'Allemogne), Ostende, stellvertr. Vorsitzender. 3. Carl Landsee (Hotel Tirol), Innsbruck,
stellvertr. Vorsitzender. 4. W. Spaeth (Bayerischer Hof), Lindau i. B. 5. H. Hotfmeister, Hamburg. 6. J. Friedrich (Hotel du Nord), Köln. 7. E. Metzger,
Berlin, ö. W. Hauser (Hotel Schweizerhof», Luzern. 0. R.Sendig (Sendig Hotels), Dresden. 10. C. Borgnrello (Eden Palace Hotel), Genua. 11. H. Martens
(Hötel de l'Europe), Amsterdam. 12. G. Morlock (Hotel Bristol), Paris. 13. H. Haeffner (Hotel Rose), Wiesbaden. 14. A. Ellmer, Heidelberg.
Ein Bett für den Gast, ein gemeinsamer Aufenthaltsraum für
alle Gäste, in dem Kaufleute, Schiffer, Fuhrleute, Bauern,
Weiber, Gesunde und Kranke zusammen hausten, das bietet
nach seiner Beschreibung das Gasthaus jener Zeit. Auch
im 17. und 18. und bis in das 19. Jahrhundert hinein blieben
in den Städten, noch mehr auf dem Lande, die Unterkunfts¬
verhältnisse sehr primitiv. Man darf allerdings dabei nicht
vergessen, daß natürlich auch Kultur und Bedürfnisse des
reisenden Publikums selbst ganz andere waren wie heute,
was schon die wohl genugsam bekannten Berichte über die
jahraus jahrein eine stets wachsende Flotte von Dampfern,
die die moderne Technik gleichsam zu schwimmenden Hotel¬
palästen ausgestattet hat, den Verkehr von Erdteil zu Erd¬
teil. Diese Verkehrsmittel führen einen immer stärker an¬
schwellenden Strom von Menschen Jahr um Jahr an die See,
in die Berge, nach Süden und Norden, selbst in die entlegensten
Teile des Weltmeeres, in den Wüstensand Aegyptens, aus
der Großstadt auf das Land, von diesem in die Stadt.
Unter dem Einfluß der Entwicklung des Reiseverkehrs,
diesen seinerseits wieder belebend, hat auch das Hotel-
Nr. 10 DEUTSCHLAND III
gewerbe seit der Mitte etwa des vorig-en Jahrhunderts eine
vollständige Umgestaltung erfahren. Es ist der wichtigste
Bestandteil einer neuartigen wirtschaftlichen Tätigkeit ge¬
worden, die sich der planmäßigen Herbeiziehung und Beher¬
bergung von Fremden, der Sorge für ihre Bequemlichkeit
und ihr Wohlergehen und der Befriedigung aller leiblichen,
geistigen, künstlerischen Bedürfnisse widmet und gewöhnlich
mit dem Wort Fremdenindustrie bezeichnet wird. Schon in
dieser Bezeichnung offenbart sich, wenn man sie des Bei¬
geschmacks entkleidet, den ihr eine den Bedürfnissen des
Hotel Wesens oft wenig Verständnis entgegenbringende Presse
betriebe zu beobachten, wenn auch auf dem Lande wie in
den Städten sich zahlreiche kleine Hotelbetriebe erhalten
haben und gerade im Gasthofsgewerbe eine sehr große Ab¬
stufung von Unternehmungen vorhanden ist. Wenn darum
das Hotelgewerbe heute noch vielfach einen mittelständischen
Charakter hat, so gibt ihm doch mehr und mehr das Gepräge
die Großunternehmung. Sie ist auch in technischer Beziehung
vielfach vorbildlich für die Entwicklung des Hotelwesens
und hat die Wege gewiesen für eine Vervollkommnung im
Beherbergungswesen, die auch den kritischsten Reisenden
zur Achtung zwingt.
Das Comite executif der Federation universelle des Societes d'Hoteliers:
1, Otto Hoyer, Köln, Vorsitzender. 2. Oscar Hauser (Hotel Schweizerhof), Luzern, Vize-Präsident. 3. Carl Landsee (Hotel Tirol), Innsbruck,
Vize-Präsident. 4. A. Rössler (Holland Hotel), Baden-Baden. 5. N. Wiser, Lüttich. 6. Vir^tti, Marseille. 7. Th. Kock (Hotel des Pays-Bas),
Utrecht. 8. D. Deinum, Zandvoort. 9. A. Cainpione (Hotel de Londres), Neapel. TO. F. Chiari (Hotel Victoria), Florenz. TT. L. Moyaerts, Brüssel.
12. E. Hammerand (Hotel Hammerand), Wien.
gegeben hat, die große volkswirtschaftliche Bedeutung, die
dem Hotelwesen als dem wichtigsten Faktor in dieser Ent¬
wicklung zukommt. Mit dem Anspruch auf Gleichberechtigung
tritt das Hotelgewerbe an die Seite der bedeutendsten Industrie¬
zweige, die herkömmlicherweise als die Grundsäulen der Volks¬
wirtschaft betrachtet werden. Auch in seinem ökonomischen
Werdegang weist es dieselben Erscheinungen auf, die die
moderne industrielle Entwicklung im allgemeinen kennzeichnet.
Wie in vielen anderen Gewerbezweigen, so ist auch im
Hotelwesen die typische Entwicklung vom Klein- zum Groß-
Schon in der äußeren Gestaltung kann sich
das moderne Hotel
in bezug auf Wahrung künstlerischer Gesichtspunkte den
meisten öffentlichen Gebäuden zur Seite stellen. Keine Industrie
hat wohl dem Ringen unserer Zeit nach neuen künstlerischen
Formen, die dem Fühlen, Denken und der Tätigkeit des
modernen Menschen Ausdruck geben, in praktischer Betätigung
ein so großes Verständnis entgegengebracht wie das Hotel¬
gewerbe. Sich schon im äußeren Eindruck dem Fremdling
LAND Nr.7Q
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in der ä<^I five rii r 1 . 3 1 1 Bnd isn ^ 1 ait irbch tdryg d^s fieiseve r-
kehf äV: trü-.t' die gs-öße' ,; ■ . .' .
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Iicrv<*r. ÜH hüb die Ci tagend ihMge ihreF naf^k^’hchen
sfD’^Uamendft'n Fremdenmas^eu fest «nd v<E>fanlaßl
n Ania^n deti vib Hie Sitht^rsreHying aber leihUchie'n Be,'^
d drfv der ituch in f^u‘Leu lipgfc^k yhrei fV-Irsedii’img veranlaßt iniEimr
q D^?tT tI i t:h kTd i e n Ikr AH ■ ge - •''. ■f ■:■’ SkHaimr^ d es dv n- Ort er> t: a / u -st fi ^ meri, \v ö ■tio teF- ■
ath rh u>tK f i ^ t ^ g- Den B d d t >s f d Hcd i p ^ m l) a 1 j ^' t s o rg en g f r eii<s d te 11 n t *:b*
trm>g in den Ximrnefm '.in^*.?rnehmnng’'m dnreh im InlarnJ lAiitd AusWd inmhsiv
riüt^iDlking Vrnd bedTk^bene ^hie Vir^^kg^e ^ehtfir Siftdl. eines ivur^
drnerkijlrmktkt tmt-s Lninh.'“! m dan wsL^^^Jt-n Km-s^^n des reiseiKlek
Piiblikoms bekitimt k^'i^rden. ^CrVI'chty tÄbfkimg't-n .-in ;dies^r'^
gtntTcUt yn wefdm^ Ikd der Beykhupg von tif:sem j^ksg^henv
r: 11 en 11 pt n^ U Mfih^^jn nnd t d di r^ f nis■?rhe Ltdi^-a» i h>d u,r ki tnnecr intjh xhgt
d^d'ükI.S^<^.tb^^ht ..g'<?-.n--ftn>.mekv^ J.50O.QO Mark' im': Jah:^v^...efnekib^^
ff(rn .-K]} ■ ■ keini.mn:.,: ■: di'id ei'e ,ditt' M’.k.i.ü.F i.FriMirht.h=fakek■:' ■.;: -ii^u jt;' vi.)p ■R*.>h-^
im mod^ kloBen, di-e./jh Uktolagv^ dienen kürm)^>i
Hits;iif“p Dradgejii üegeiki Om^^dkniJ einei eki^lgen
t su:b#e.rn/.wiE?' n.om^iFi''; ■.H.öi'elhritAfrieh.rDU£i|f- dilphvriirtU ge.wül'if(?n vkui.
vbffhd^ ^difichevi ^kai, Ät"i>hVsihnd -tk j-i'ddiosi.’^ Orte an den Gestaded:
ft'iiS mu-ii ln der MögHrhkcil dn^ d^jm mne S|iürti 5 ;be ik^Antlkeiükg dea
3 ark der Anßpnweli d'jxtb LlklcrbaB abringb tu dife: eudief;im‘it'efd H:^:Ji;bg<i!idrf^stüier ha’b
lehr ge^itdififten wird, year^r In ,Hotyji^,srite‘i'in;hmnngi;iT den .Frerndntisicou> g iöt^
iJieige^eri Gelidvren a| j er iind ;?; ■ j eni b 1 oßer, V diehhodHaji^*?ttlü pHer Vprjüga
ivt -TS IIkn^ lies im VfotehiI vtnF ri^rjce fi.fwerb*q n e] Ier^ Ri r Ztö h ^fV geseivbjVe 11 . i)ßob
dkm leisekden FrOfluilin^ der bei w^Rnm ■feildüf ttdt-dm Ak-fnnhme,yori Fl'^mdek
ihm dk'. Js^tjisif" j^wr et5siehi>t<Ft vefbundf?ne;i A^dgabek ixv
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nlerdfin^kdk heln? an Qri nnpi ArWii^
m d4:!!f \ tH.ig:5?:tied .Iis, • isrf■ ’ Ißsilge.sti^dit.-. ■Fbrdeib.^ 4aß luitd. '^riv ültbr.'. Äüsgsbem
Berlin: Preuß im :Infs A \)goori
Nr.lO DEUTSCHLAND V
die ein Hotel für Küche und Keller, Instandhaltung seiner
Anlagen und für sonstige Betriebsaufwendungen und Unkosten
zu leisten hat, im Orte selbst den Erwerbstätigen zufließen,
während nur 20% nach auswärts gehen. Wenige Berufe
gibt es, die nicht in einer Stadt in irgend einer Weise durch
das Hotel in Tätigkeit gesetzt werden. Hierzu tritt nun noch
die Beschäftigung eines zahlreichen Personals, das sich viel¬
fach aus der nächsten Umgebung des Hotels rekrutiert. Wenn
man den Umsatz eines größeren Hotels mit etwa 100 Zimmern
auf 300000—400000 Mark veranschlagt, so kann man er¬
messen, welch befruchtender Strom sich aus diesem Unter¬
nehmen allein auf die Gewerbetätigkeit des ganzen Ortes
ergießen muß. Darin erschöpft sich aber nicht der direkte
Einfluß des Hotelwesens auf den lokalen Wohlstand. Der
Aufenthalt der Fremden schafft die Grundlage für Absatz¬
gelegenheiten zahlreicher Detailgeschäfte. Bildet doch überall
das Hotel sozusagen einen neuen Verkehrsmittelpunkt, in
dessen Nähe sich im Hinblick auf die mancherlei Bedürfnisse
des Fremden, deren Erfüllung außerhalb der Aufgaben des
Hotels liegt, zahlreiche Verkaufsstellen für Gegenstände des
täglichen Gebrauchs, für heimische und fremde künstlerische
Erzeugnisse usw. ansiedeln.
Gewiß haben wir es hier mit Begleiterscheinungen des
Fremdenverkehrs an sich zu tun, aber man darf eben nicht
vergessen, daß das Hotelwesen an der Belebung und Förde¬
rung des Fremdenverkehrs in so hervorragender Weise be¬
teiligt ist. Darum hat es sicherlich als Erschließer unentbehr¬
licher Einnahmequellen für zahlreiche Gewerbebetriebe, als
Brotgeber zahlreicher Hände auch vom allgemeinen volks¬
wirtschaftlichen Standpunkte aus Anspruch auf eine bessere
Würdigung, als sie ihm heule noch vielfach zuteil wird.
Welche Bedeutung das Hotelgewerbe für die wirt¬
schaftliche Entwicklung eines Landes gewinnen kann,
dafür bietet wohl das beste Beispiel die Schweiz, dessen
Volkswirtschaft in der Hotelindustrie seine Hauptstütze findet.
Nach einer Statistik des Schweizer Hoteliervereins belief sich
im Jahre 1905 die Zahl der Hotels auf fast 2000 mit einem
Anlagekapital von nahezu 800 Millionen Franken. Nach einer
Statistik, die der Internationale Hotelbesitzer-Verein in Köln,
die bedeutendste Interessenvertretung des Hotelgewerbes, vor
mehreren Jahren veranstaltet hat, beträgt der Anlagewert der
auf Deutschland entfallenden, diesem Verein angeschlossenen
Betriebe etwa 1 Milliarde Mark, wobei zu berücksichtigen
ist, daß dem Verein zwar die bedeutendsten, aber bei weitem
nicht alle deutschen Hotelbetriebe angeschlossen sind. In
allen dem Verein angeschlossenen Betrieben, d. h. einschlie߬
lich der außerdeutschen, stiegen im Jahre 1906 9 Millionen
Fremde ab, die Zahl der Uebernachtungen betrug 23 Millionen,
mehr als 200 Millionen Mark wurden von diesen Hotels allein
für Nahrungs- und Genußmittel verausgabt. Die Zahl der
Angestellten betrug rund 80000. Leider läßt sich aus der
amtlichen Statistik zahlenmäßig die Stellung des Hotelgewerbes
zu anderen Berufen nicht beleuchten, da sie das Hotelgewerbe
mit dem Schankwirtschaftsgewerbe zusammenzählt. Aber
schon aus jenen wenigen Ziffern mag erhellen, welch wichtigen
Faktor heute das Hotelgewerbe im Wirtschaftsleben eines
Volkes bildet.
Der glänzenden wirtschaftlichen Entwicklung des Hotel¬
wesens, die wir in kurzen Umrissen zu zeichnen ver¬
suchten, entspricht es, daß auch in diesem Gewerbe wie in
allen von dem Gärungsprozeß der neuzeitlichen Wirtschafts¬
entwicklung ergriffenen Berufen der Wille besteht, im sozialen
Organismus eine seiner volkswirtschaftlichen Bedeutung an¬
gemessene Stellung einzunehmen. In den Anfängen des
Ueberganges vom kleingewerblichen Betrieb zum modernen
Unternehmertum zunächst mehr unbewußt, dann immer
sicherer und zielbewußter sind auch die Hoteluntemehmer
dazu übergegangen, zur Förderung ihrer gemeinsamen
Berlin: Rathaus
VI DEUTSCHLAND Nr.lO
Berufsinteressen, zur Hebung- des Standesbewußtseins den
anderen Berufsständen gegenüber, wie zur Geltendmachung
ihrer Interessen im öffentlichen Leben sich zusammenzu¬
schließen. Und auch im Hotelgewerbe haben sich, wie in
anderen Berufen, Männer gefunden, die mit einem scharfen
Blick für wirtschaftliche Entwicklungstendenzen und mit Tat¬
kraft an die
Organisation der Hotelunternehmerinteressen
herangegangen sind. Die Wichtigkeit dieser Aufgabe wurde
schon verhältnismäßig früh erkannt, kaum daß das Hotelgewerbe
angefangen hatte, seinen kleingewerblichem Charakter abzu¬
streifen und aus engem zünftlerischen Gesichtskreise den Blick
auf die großen aus dem eben erwachenden Reiseverkehr sich
ergebenden Anforderungen zu richten.
Die älteste Berufsorganisation im Hotelwesen ist der
Internationale Hotelbesitzerverein mit dem Sitz
in Köln, der heute über 1600 Mitglieder in allen Kultur¬
staaten hat. Mehr
als die Hälfte der
Mitglieder fällt aber
auf das Deutsche
Reich, und aus dieser
Tatsache und aus
der geschichtlichen
Entwicklung des
Vereins erklärt es
sich, daß der Schwer¬
punkt seiner Tätig¬
keit namentlich in
der Vertretung der
Interessen der deut¬
schen Hotelbesitzer
ruht. Der Verband
ist im Jahre 1869 in
Coblenz unter Füh¬
rung des Besitzers
des Hotels Fürsten¬
berg, Remagen, Otto
Caracciola, als „Ver¬
ein der Gasthof¬
besitzer" gegründet
worden. Der ur¬
sprüngliche Zweck
des Vereins war die
Bekämpfung der Mißstände auf dem Gebiete des Stellenver-
mitllungswesens, das bekanntlich von jeher ein wunder Punkt
im Beherbergungsgewerbe gewesen ist. Welche Aufmerksam¬
keit man aber auch allen anderen beruflichen Fragen zuzu¬
wenden entschlossen war, beweist der gleich mit der Gründung
des Verbandes auftretende Plan, eine Wochenschrift als Organ
des Vereins ins Leben zu rufen, die die Interessen des Gewerbes
wahrnehmen und Besprechungen über Hoteleinrichtungen,
Erfindungen usw. bringen sollte; auch war Beratung in beruf¬
lichen Fragen und Auskunfterteilung in dos Arbeitsgebiet des
Vereins bezw. des Vereinsbureaus einbezogen. Der starke
genossenschaftliche Geist, der den Verein ins Leben rief,
spricht am besten aus den an die Berufsangehörigen gerich¬
teten Worten des Statuts: „Wir bitten zu beachten, daß die zu
gründende Wochenschrift, sowie die von uns zu organisierende
Stellenvermittlung mit den bestehenden LInternehmungen der
Privatspekulation in keiner Weise verwechselt werden darf;
sie sollen unser eigenes Werk sein, gegründet zum Schutze
unserer gemeinsamen Interessen". Der Verein gewann schnell
an Boden. Zehn Jahre nach seiner Gründung zählte er 282,
bei seinem 25 jährigen Bestehen im Jahre 1894 über 900 Mit¬
glieder. Mit großer Beharrlichkeit hat sich der Verein von
Anfang an wichtiger Berufsfragen angenommen, insbesondere
Rheingoldsaal in Berlin: Versammlungssaal des 1. H. V.
hat er es durch unermüdliche Agitation, die schon im
Jahre 1873 einsetzte, erreicht, daß durch das Bürgerliche
Gesetzbuch die Haftpflicht des Hotelbesitzers, wobei es sich
geradezu um eine Existenzfrage des Hotels handelte, auf ein
erträgliches Maß beschränkt wurde. Seinem zähen Eintreten
für die Besserung der handelsrechtlichen Stellung des Hoteliers
ist es zu verdanken, daß das Handelsgesetzbuch von 1897
seine Kaufmannseigenschaft nicht mehr verneint. Schon diese
Erfolge allein könnten genügen, um die Existenz des Vereins
zu rechtfertigen. Daß der Verein auch in sozialer Fürsorge
für die Angestellten viel geleistet hat, davon zeugen seine
Ausgaben für soziale Zwecke, die sich allein für die letzten
7 Jahre auf über 150000 Mark beliefen. Auf sein gesamtes
Arbeitsgebiet einzugehen, ist hier nicht der Platz. Schon
sehr bald nach seiner Gründung traten dem Verbände auch
zahlreiche außerdeutsche Hotelbesitzer bei, namentlich mit
Rücksicht auf den starken geschäftlichen Rückhalt, den der
Verein seinen Mitgliedern durch Propaganda usw. bot. Er nahm
daher im Jahre 1882
den Namen „Inter¬
nationaler Verein
derGasthofbesitzer"
und im Jahre 1906,
indem er der wirt¬
schaftlichen Ent¬
wicklung, die das
Hotel wesen von dem
Wirtegewerbe ge¬
schieden und seinen
Angehörigen den
Charakter eines
besonderen Berufs¬
standes gegebenhat,
Rechnung trug, den
Namen „Internatio¬
naler Hotelbesitzer-
Verein'^ an. Bei der
Vertretung der be¬
ruflichen Interessen
ist der Besitz einer
eigenen Vereinszei¬
tung, der „Wochen¬
schrift des Inter¬
nationalen Hotel¬
besitzer - Vereins^%
stets besonders förderlich gewesen. Sie hat sich in allen
Fragen des Hotelwesens zu einem führenden Fachblatte
entwickelt, das bestrebt ist, nicht nur die Interessen des
Hotelbesitzers nach außen zu vertreten, sondern auch an der
Hinaufentwicklung des Hotelwesens zu Nutz und Frommen
des reisenden Publikums wie des eigenen Standes nach Kräften
mitzuwirken.
Von bedeutenderen Verbänden Deutschlands sind noch
zu nennen: der Verein Berliner Hotelbesitzer, der
Thüringer Hotelier-Verband, der Verein Schwarz¬
wälder Gasthofbesitzer, der Rheinische Hotelier¬
verein, die V e r e i n e d e r H o t e 1 b e s i t z e r in Baden-
Baden, Wiesbaden, München, der Verein der Hotel¬
besitzer am Bodensee, der Verein der Hotel-
Industriellen des Harzes, die Hoteliervereinigung
des westlichen Industriegebiets. Die diesen Ver¬
bänden angehörigen Mitglieder sind vielfach auch Mitglieder
des Internationalen Hotelbesitzer-Vereins. Die drei erst¬
genannten Verbände haben sich auch der Federation Uni¬
verselle des Societes d'Hoteliers angeschlossen, von der noch
die Rede sein wird.
Bei dem internationalen Charakter, den das gesamte
Hotelwesen in allen Ländern infolge der stetigen Ausdehnung
Nr.lO DEUTSCHLAND VII
des Reiseverkehrs weit über die staatlichen Grenzen hinaus
gewonnen hat und der sich schon in der Geschichte des
vorher beschriebenen Verbandes widerspiegelt, wird es an
dieser Stelle interessieren, auch einen Blick auf die Berufs¬
organisationen der Hotelbesitzer in anderen Ländern zu
werfen. Das Bestehen solcher Organisationen bietet auch
für weitere Kreise dadurch ein Interesse, daß es gewisser¬
maßen ein Maßstab für den Stand des Hotelwesens in einem
Lande bieten kann, an dem ja jeder reisende Fremdling
Anteil nehmen wird. Denn man kann behaupten, daß gerade
die Berufsorganisationen dahin wirken, Schäden, Mißstände
oder Rückständigkeiten, die sich ja schließlich überall vor¬
finden, zu beseitigen und das Hotelwesen auf eine Höhe zu
bringen, die ihm im Reisepublikum Beachtung und Aner¬
kennung sichert. In
diesem Bestreben
muß, wie in keinem
anderen Stande,
gerade im Hotel-
gewerbeSolidarität
herrschen. Nur ein
hoher Stand des
gesamten Hotel¬
wesens eines Lan¬
des, indes nie der
Fortschritt eines
einzelnen Hotel¬
besitzers , kann
den unbedingt er¬
forderlichen Ruf
schaffen, welchem
das Reisepublikum
folgt. So haben sich
denn auch entspre¬
chend der Entwick¬
lung des inter¬
nationalen Hotel¬
wesens in allen
Ländern, früher
oder später, Be¬
rufsorganisationen
gebildet, welche
teils einen lokalen
oder einen regio¬
nalen Charakter
100000 auf Mitglieder des Vereins. Im Publikum hat sich
der Verein namentlich durch die Herausgabe eines Hotel¬
führers bekannt gemacht, der wegen der in ihm veröffent¬
lichten Preise jedes Hotels ein erwünschter Berater des
Fremden ist und sich als besonders zuverlässig in weiten
Kreisen Anerkennung errungen hat. In der „Schweizer Hotel-
Revue" hat sich der Verein ein publizistisches Organ
geschaffen, das als ein führendes Fachblatt im Hotelwesen
weit über die Grenzen der Schweiz hinaus verbreitet ist.
Bedeutend später als in der Schweiz ist in einem anderen
„Reiselande", in Italien, ein nationaler Berufsverband der
Hotelbesitzer zustande gekommen. Die „Societä Italianä
degli Albergatori" wurde im Jahre 1899 mit 144 Mit¬
gliedern gegründet, nahm aber einen sehr schnellen Auf-
Berlin: Eingang zum Zoologischen Garten
haben, oder sich über das ganze Staatsgebiet erstrecken.
Die Organisation der Berufsinteressen ist natürlich
namentlich dort erfolgt, wo der Reiseverkehr schon früh
Bedeutung erlangt hat, wie in der Schweiz. Hier ist es
der Schweizer Hotelier-Verein (Sitz Basel), der im
Jahre 1882 gegründet wurde und sich um die Entwicklung
des Schweizer Hotelwesens überaus verdient gemacht hat.
Wenn das Schweizer Hotel wesen sich heute eines so großen
Rufes erfreut und im eigenen Lande als diejenige Industrie gilt,
die in Verbindung mit dem Fremdenverkehr am meisten zum
wirtschaftlichen Wohlstand beiträgt, so hat der Schweizer
Hotelierverein sein gutes Teil zu diesem Erfolge beigetragen.
Er hat durch Erhebungen und sorgfältig geführte Statistiken
Klarheit bei Behörden und Laien über die Bedeutung des
Fremdenverkehrs und der Hotelindustrie geschaffen und
ebenso wie der Internationale Hotelbesitzer-Verein in eifriger
Erziehungsarbeit an der Vervollkommnung des Hotelwesens
mit Erfolg gearbeitet, wovon auch die Tatsache zeugt, daß
sich der Hotelier in der Schweiz eines höheren sozialen
Ansehens erfreut, als in irgend einem anderen Lande. Die
Mitgliederzahl des Vereins ist annähernd 1100. Von den
etwa 125000 Fremdenbetten, die für den Fremdenverkehr
in der Schweiz in Hotels zur Verfügung stehen, entfallen
Schwung und zählte im Jahre 1910 schon fast 600 Mitglieder.
Der Verein hat in erster Linie sein Augenmerk auf die
Hebung des Hotelwesens in Italien gerichtet, daneben aber
namentlich auch anderen genossenschaftlichen Aufgaben, wie
der gegenseitigen Unterstützung bei besonderen Ereignissen,
der Versicherung gegen Betriebsunfälle und Unglücksfälle,
der Stellenvermittlung, dem Fachbildungswesen und anderen
Aufgaben seine Aufmerksamkeit zugewendet.
In Frankreich haben sich nach langen Vorbereitungen
die bestehenden lokalen und regionalen Hotelbesitzer-Verbände
kürzlich zur „Union des Syndicats des Hoteliers
de France" zusammengeschlossen, die heute als die
berufene Interessenvertretung des französischen Hotelgewerbes
gelten darf. Die Durchführung zweckmäßiger Reformen im
Hotelwesen und seine Vervollkommnung, Hebung des Fremden¬
verkehrs, ist auch hier der Hauptzweck der Organisation, die
aber namentlich auch für die im Interesse der Hotelbesitzer
seit langem erstrebten Reformen gesetzlicher Natur in
Frankreich eintreten will. Von den Unterverbänden der Union
seien als bedeutendste genannt das „Syndicat General de
rindustrie Hoteliere et des Grands Hotels de Paris", das sich
namentlich des Bildungswesens durch Gründung einer Hotel-
Fachschule angenommen hat, und die „Association Syndicale
vm DEUTS CH lang Nr.io
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C hu ra k t e r/ n knhn es voih \virtschafiJRhen .Standpunktä
ütis Blieb/ anerkennen, wenn sich das HotelgewepBe betnüHtu.
in s^n^nt F^etnden von dem Zw^hg" -fuRilHger
lökaier und yXiBtioheJ^^r Oebreu che und Sitten: kn: befr^feien
uhd seine Ljei^shedut^^^ in PorrYien iu erfüll erw die fn
i^ord t,md :Siidv ' M sich g^iaieheri. Dehn auch
hienn ruh^n,
-y r- ' Rj^isefide Woldtaten> die
I grtins-dgr^ Rückwirküng-ert
T ölen
R eise-Verkehr fciasüben
■ '• j . r 'SB:'
t ^ ij politische i^eprage des
■;^^"'.i‘ ‘ Hot^lwe^öni; bsiiich
"i^-^-'' ;|hH der'’ BertJ.htörgeM^i'a'tlon;.
ITn-te-r.nehmer, eitieh-
■•• 1''B||jI^‘ '' 5 bestmderen’; ^Äiisdrdck ■
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Der Fremdenverkehr und seine Bedingungen.
Die Schweizer Hotelrevue schreibt: Fremdenverkehr
im engeren Sinne entspringt Antrieben, die mit den Bedürfnissen
der Kultur, des geistigen Lebens, des Gemütes, der Gesundheit,
kurz mit subjektiven Neigungen idealer Natur im Zusammen¬
hang stehen. Die Wanderlust schlummert in jeder Menschen¬
seele. Schon im Altertum unternahm man zum Besuche von
Kultusstätten weite Reisen; religiöse Begeisterung und Aben¬
teuersinn führten zu den Kreuzzügen. Dann wurde Italien, die
Geburtsstätte der Renaissance, die die geistigen Fesseln des
Mittelalters sprengte, das Wanderziel aller Gebildeten, und seit
einem Jahrhundert führt der Natursinn und das Bedürfnis nach
Erholung unseren Bergen, den von den Römern einst ver¬
abscheuten Alpen, jeden Sommer immer zahlreichere Gäste zu.
Der Fremdenverkehr entspringt subjektiven Antrieben
idealer Natur, die in einem bestimmten Orte oder Lande
Befriedigung finden. Der Ort oder das Land zieht aus diesem
Verkehr grossen Nutzen, und es liegt im Interesse der Be¬
völkerung, die lokalen Mittel zur Befriedigung des Antriebes
zu erhalten und wenn möglich zu steigern. Ausserdem aber
knüpft sich der Fremdenverkehr an gewisse allgemeine Be¬
dingungen. Solche sind die leichte Erreichbarkeit der Reise¬
ziele, gute Unterkunft und Verpflegung. Sicherheit des Lebens
und Eigentums, Komfort, Zerstreuung, Anregung, mit einem
Wort: ein angenehmer Aufenthalt.
Die Intensität des Antriebes hängt bezüglich eines be¬
stimmten Ortes oder Landes von der Erfüllung dieser Be¬
dingungen ab, d. h. günstige Verhältnisse in bezug auf Erreich¬
barkeit und Aufenthalt wirken für den betreffenden Ort als
Förderung des Fremdenverkehrs, ungünstige als Hemmung.
Es ist daher keine zufällige Erscheinung, sondern in der Sache
begründet, dass man gerade in den Ländern, deren Natur¬
schönheiten die Ursache des Fremdenverkehrs sind, wie
z. B. in der Schweiz, überall das lebhafte Bestreben sieht, die
Hemmungen zu beseitigen, dass hier eine besondere Tätigkeit
zur Förderung des Fremdenverkehrs entwickelt wird, während
in Ländern, die wegen ihrer Kunstdenkmäler, Museen
und Sammlungen besucht werden, eine solche Betrieb¬
samkeit gar nicht, oder doch nur in schwachen Ansätzen wahr¬
zunehmen ist. So hat sich vorzugsweise in allen Alpenländern
eine besondere Fremdenindustrie — wenn wir uns dieses häss¬
lichen Wortes bedienen dürfen — entwickelt, die in der Er¬
haltung der Bedingungen des Fremdenverkehrs bezw. in der
Beseitigung seiner Hemmungen sich betätig^. In erster Linie
daran beteilig^ sind die Anstalten für Personentransport und
die Hotelerie; dort, wo das Gemeinwohl an dem Fremden¬
verkehr genügend interessiert ist, wie dies in der Schweiz der
Fall ist, bildet dessen Pflege gleichzeitig den Gegenstand gemein¬
wirtschaftlicher Tätigkeit, und es sollte dieOekonomik und
PolitikdesFremdenverkehrs geradeso wie die Förderung
der Landwirtschaft, die Gewerbeförderung, die Handelspolitik
in den Wirkungskreis der öffentlichen Verwaltung
gehören.
In den Alpenländem ist der Fremdenverkehr durch einen
Antrieb in Fluss gebracht worden, der sich zunächst gerade
jenen Gegenden zu wandte, in welchen er den grössten Hem¬
mungen begegnen musste. Dieser Antrieb war der Bergsport.
Wie Forschungsreisende die wirtschaftliche Besitzergreifung
eines bisher unbekannten Landes vorbereiten, so drangen die
Alpinisten, den Pfaden der Jäger und Hirten folgend, oder
selbst die Wege sich bahnend, in unsere Berge. Indem sie
Weg und Steg erkundeten und kennzeichneten, sich die Ein¬
geborenen zu Freunden machten, Unterkünfte und Aussichts¬
warten bauten und die Schüderung von Land und Leuten ver¬
breiteten, wurden sie in diesen Ländern die Pioniere des
Fremdenverkehrs. Erst später folgten diesen „Landeroberern**
die Talwanderer und Sommerfrischler, die grossen Scharen der
Lustreisenden, die jeden Sommer alle Alpentäler bevölkern.
Die Alpen- und Touristenvereine sind heute noch die kräftigsten
Pfleger dieses Antnebes. Zum Schlüsse dieser kurzen Be¬
trachtungen mögen noch einige Angaben über die Touristen¬
klubs Platz finden. Der erste Touristenklub wurde im Jahre
1857 in London gegründet. Ihm folgte im Jahre 1862 der öster¬
reichische Alpenverein in Wien, 1863 der Schweizerische Alpen¬
klub und der Club Alpino Italiano in Turin, 1864 der Schwarz¬
wal dverein, 1866 der Club Jurassien in Neuenburg, 1868 der Taunus¬
klub in Frankfurt a. M., 1869 der steirische Gebirgsverein, der
deutsche Alpenverein in München und der österreichische
Touristenklub in Wien. Der deutsche und österreichische
Alpenverein entstand im Jahre 1874 durch Vereinigung des
österreichischen Alpenvereins in Wien und des deutschen
Alpenvereins in München.** —
Soweit die schweizerische Zeitschrift. Zu grossem
Teil lassen sich die vorstehenden Ausführungen
auch auf den Fremdenverkehr in Deutsch¬
land übertragen. Wir möchten jedoch hinzufügen,
dass die Bedingungen für einen lebhafteren
Fremdenverkehr in Deutschland, obwohl es mit den
gigantischen Naturschönheiten der Schweiz nicht
in Wettbewerb treten kann, die denkbar günstigsten
sind. In Deutschland finden wir eine Fülle von
Naturschönheiten vereinigt mit den Kunstschätzen
und Baudenkmälern alter und neuer Zeit. Unsere
Verkehrsmittel sind gut und billig, auch für die
Sicherheit des Lebens und des Eigentums ist ge¬
nügend gesorgt, und bezüglich des Komforts, der
Zerstreuungen und Anregungen steht Deutschland
hinter keinem Touristenland zurück. Und doch kann
der Fremdenverkehr in Deutschland die sich der
Förderung der Verkehrsbestrebungen widmenden
Stellen noch keineswegs befriedigen. Wenn Deutsch¬
land trotz all der Vorzüge den Wettbewerb mit
manchen anderen Ländern noch nicht erfolgreich
bestehen kann, so mag dies zum Teil daran liegen,
dass die Propaganda zur Heranziehung des Fremden¬
verkehrs bei uns in Deutschland verhältnismässig
erst spät eingesetzt hat und vor allem aber
noch bis in die jüngste Zeit eine straffe Organi¬
sation und den unbedingt erforderlichen Zu¬
sammenschluss aller auf diesem Gebiete tätigen
Behörden, Vereine und sonstigen Korporationen
vermissen Hess. Es wäre ungerecht, wenn man
nicht rückhaltlos anerkennen wollte, dass namentlich
die deutschen Verkehrs-Vereine bereits recht
Erspriessliches geleistet und besonders zur Förderung
der Propaganda rein örtlicher Art beigetragen haben.
Und doch möchte man wohl behaupten, dass trotz
dieser Erfolge unsere Verkehrsvereins-Politik erst
am Anfang einer aufsteigenden Linie steht, die
Hand in Hand mit der Entwicklung des Bundes
Deutscher Verkehrs-Vereine in neuerer Zeit ein
erfreuliches Bild des Fortschritts zeigt, namentlich
hinsichtlich der Organisation. Wer Gelegenheit ge¬
habt hat, die Verkehrspolitik der Vereine und Ver¬
bände etwas näher zu verfolgen, wird zugeben
müssen, dass doch noch vielfach eine Zersplitterung der
Kräfte, eine Verzettelung von Arbeit, Zeit und Geld
wahrzunehmen war. Häufig konnte man sogar be¬
obachten, dass am gleichen Orte mehrere Vereine
bestanden, von denen jeder für sich und unbekümmert
um den anderen Verkehrspolitik trieb. Namentlich
auf dem Gebiete der Reklame wucherte diese
leidige Verzettelung häufig derart, dass sie fast ins
Komische ausartete. Es wären Beispiele anzuführen,
wo der Verkehrs-Verein, die Hotelier-Vereinigung,
die Stadtverwaltung, die Kurverwaltung und schliess-
484 S M99 9 Q9 9 3a990QQQQ(»0O30gxw^ DEUTSCHLAND w oeeüooseooeceoce^^ Nnl^
lieh noch der Landesverband das gleiche Gebiet
mit der Reklame behandeln. Welch ein grosser
Erfolg würde hier erzielt werden können, wenn
all diese Stellen ihre Mittel und ihre Kräfte sammeln
würden zu einem gemeinsamen Vorgehen, eventuell
unter Benutzung von grossen, wirkungsvollen
Kollektiv-Anzeigen!
Noch ein weiterer Uebelstand stand der Ent¬
wicklung der Verkehrs-Vereine bisher hindernd im
Wege: die geringe Fühlung mit den staatlichen
und kommunalen Behörden und das geringe
Verständnis, das mancherorts für die Bestrebungen
der Verkehrs-Vereine vorhanden war. Auch hier
macht sich in letzter Zeit ein erfreulicher Wandel
bemerkbar. Insbesondere ist es dem Bund Deutscher
Verkehrs-Vereine gelungen, das Interesse der
Staatseisenbahnen für die Aufgaben des Bundes
und die Unterstützung durch staatliche Mittel zu
gewinnen. Wird es dadurch dem Bunde möglich,
seine Aufgaben in grosszügigerer Weise zu lösen und
seine Bestrebungen von einer unabhängigeren,
höheren Warte aus zu leiten, so darf erwartet
werden, dass das Vorgehen der Staatseisenbahnen
auch auf andere behördliche Stellen befruchtend
einwirken wird. Nur durch das Zusammengehen
aller am Fremdenverkehr interessierten Kreise ist
eine wirklich erfolgreiche Verkehrspolitik möglich,
die zielbewusst und mit Ausdauer dahin streben
muss, Deutschland den Fremdenverkehr zu ver¬
schaffen, der ihm gebührt.
Ein nationaler Katechismus für Deutsche in Südafrika.
Dem „Deutschen evangelischen Volksboten für Südafrika**
entnehmen die Mitteilungen des Vereins für das Deutschtum
im Ausland die folgenden kernigen Gebote, die ein volkstreuer
Deutscher auf afrikanischem Boden befolgen soll:
„Als deine Vorväter oder du selbst an der Südspitze Afrikas
ans Land gingst, hattest du einen deutschen Familien¬
namen, den deine Vorfahren in der Heimat bis weit in die
Jahrhunderte zurück mit Ehren getragen haben.
• Trage ihn getrost in Ehren weiter und fange nicht an zu
ändern. Wenn Uber dem a, o, u ein paar kleine Striche stehen,
so lass sie ruhig dableiben. Oder andernfalls — du weisst ja!
Erst der kleine Finger, dann die ganze Hand und zuletzt auch
das deutsche Herz.
Du hast einen ehrlichen Vornamen mitgebracht, behalte
den ruhig weiter und werde nicht plötzlich zum John oder
Charles oder zu sonst wem. Sieh dir den Ausländer in Deutsch¬
land an. Er hat Rückgrat und bleibt, was er ist, allezeit.
Vielleicht hast du auch Kinder. Gib ihnen schöne deutsche
Namen mit auf den Lebensweg. Sie werden dir vielleicht einmal
dankbar dafür sein. Gertrud, Hildegunde, Ingeborg, Irmgard,
Ilse, Sigrid, Harald, Helmut, Heinrich, Rudolf, Thorwald,
Günter usw. Was gibfs da für herrliche Namen!
Lass dein Haus zu einer deutschen Burg werden!
Lass nur Deutsch sprechen! Sei unerbittlich streng darin,
lieber zu viel als zu wenig. Draussen und in der Schule
lernen deine Kinder schon sowieso Holländisch und Englisch,
besser als von dir, der du die Sprachen vielleicht erst als
Erwachsener gelernt hast.
Mit jedem deutschen Landsmann sprich nur
D e u t s ch. Sonst verachtest du deine Heimat.
Sprich möglichst ein reines Deutsch. „Holländere** oder
„Engländere'* nicht. Die deutsche Sprache ist doch so reich! —
Rede auch nicht von Mr. oder Mrs., wenn du von deinem Mann
oder deiner Frau sprichst. Das ist gar nicht Deutsch.
Die Liebe fällt auf gar verschiedenen Boden. Aber,
deutscher Mann, deutsche Frau! Sollte das nicht besonders
fest verbinden fürs Leben?
Man sagt, wir Deutschen seien das liederreichste Volk der
Welt. Du kennst sie ja alle, unsere herrlichen Volkslieder;
„Am Brunnen vor dem Tore", „ln einem kühlen Grunde**, „Ich
hatt* einen Kameraden“, „Wem Gott will rechte Gunst erweisen***).
O sing sie alle in deinem Hause, im Kreise deiner Familie, und
auch deine in Afrika geborenen Kinder werden lernen, unser
Deutschtum von Herzen lieb zu haben und begeistert einstimmen
in ein: „Deutschland, Deutschland über alles, über alles in der
Welt**. Tust du dies alles, so bist du treu. Vor 2000 Jahren
hat ein römischer Schriftsteller namens Tacitus ein kleines
Büchlein, „Germania** betitelt, geschrieben Über unsere alten
deutschen Vorfahren, die damals noch in tiefem Urwald hausten
und Auerochsen und Bären mit langem Speer erlegten. Treue
sei die Haupteigenschaft der Deutschen, der „Germani**, sagt
Tacitus und ruft es mahnend seinem sittenverderbten Volke zu.
Auch wir hier im Ausland wollen treu sein, treu unserem
Deutschtum, und darüber wachen, dass der deutsche Eüirenschild
allezeit blank bleibt.**
*) Vcrgl. auch den Artikel: „Wandern und Reisen im deutschen Lied“
von Rektor llaminelrath in Nr. 7 (Seite 3:i4), II. Jahrg. der „Deutschland".
Bund Deutscher Verkehrs-Vereine.
Geschäftsstelle: Leipzig, Naschmarkt, Handelahof.
Am 7. September hielt der Ausschuss für Ferien¬
sonderzüge eine Sitzung in Leipzig ab, in welcher Herr
Dr. Kuckuck (Dortmund) das Referat erstattete. Es wurden
eine Reihe Beschlüsse gefasst, die den zuständigen Stellen
mündlich unterbreitet werden sollen. In Ausführung des Be¬
schlusses betr. Einführung von SonderzUgen von den Grenzen
nach dem Innern des Deutschen Reiches wurde eine Rundfrage
an die Verbände gerichtet.
Der Bund war auf der Haupt-Versammlung des
Verbandes Mitteldeutscher Verkehrs-Vereine durch
Herrn Professor Dr. Roth und auf der Haupt-Versamm¬
lung des Verbandes Deuts ch er Gebirgs- und
Wander-Vereine durch den Geschäftsführer, Dr. Seyfert,
vertreten.
Der Verband Deutscher Gebirgs- und Wander-Vereine trat
dem Bund als korporatives Mitglied bei.
Den geschäftsführenden Ausschuss beschäftigte ferner vor
allem das Programm der vom 6. bis 8. Oktober in Leipzig statt¬
findenden Vorstandssitzung, auf deren Tagesordnung überaus
wichtige Beratungsgegenstände stehen, z. B. Finanzen, Aus¬
kunftstellen im Auslande, Kollektiv-Annoncen, Fremdenverkehrs-
Statistik, Bildschmuck in den Eisenbahnwagen u. a. m.
Aus den Bundes-Vereinen.
Verband Mitteldeutscher Verkehrs-Vereine.
Der Verband Mitteldeutscher Verkehrs-Vereine hielt am
IO. September in Wernigero de, der „bunten Stadt am Harz**,
seine 3. Mitgliederversammlung ab.
Nach einer Begrüssungsansprache des Ersten Bürger¬
meisters Ebeling und einigen prächtigen Gesangesgaben des
Doppelquartetts des Sängerklubs „Eintracht** hielt der Verbands¬
vorsitzende, Stadtverordneter Fabrikant Miller (Magdeburg),
einen längeren Vortrag über die „Bestrebungen und Ziele des
Bundes, der Verbände und Vereine im Interesse des Verkehrs**,
der die in so uneigennütziger Weise von den Verkehrs-Ver-
bänden und Vereinen im allgemeinen nationalen Interesse
geleistete gewaltige, erfolgreiche Arbeit beleuchtete. Der Abend,
der auch durch ein phantastisches Festspiel „Ein Gruss vom
Vater Brocken'*, musikalische Darbietungen usw. verschönt
wurde, verlief in angenehmster Weise.
Der Sonntag galt ernster Arbeit. Schon um g {Uhr
fanden sich die Mitglieder des Vorstandes und Ausschusses
des Verkehrs-Verbandes im Hotel „Gotisches Haus** zur
Sitzung ein, an der u. a. auch Prof. Roth aus Leipzig als
Vertreter des Bundes Deutscher Verkehrs-Vereine teilnahm. Bald
nach 10 Uhr wurde die gut besuchte Mitgliederversammlunj^
Nr. 10 Be99 0aQQQ0GQ30Q0CI00Q(X >e9effll DEUTSCHLAND ■ 6000000000000000000000^^ 485
durch den Verbandsvorsitzenden Miller (Magdeburg) mit Be-
grüssungsworten eröffnet. Er teilte mit, dass die Verkehrs-
Vereine in Stolberg und Seyda, Bezirk Halle, dem Verbände
als neue Mitglieder beigetreten seien, und dass die erneut auf¬
zunehmende Werbetätigkeit sicher zu dem dringend nötigen
Zusammenschluss aller Verkehrs-Vereine der
Provinz Sachsen und Anhalts führen werde, nachdem
das Verständnis von den Zielen und erfolgreichen Arbeiten
der Verkehrs-Verbände und des Bundes in immer weitere Kreise
gedrungen sei. Der Vorsitzende erstattete sodann den Ge¬
schäftsbericht, besprach die Herausgabe und den Vertrieb des
kürzlich bereits erwähnten Verbandsprospektes, die Finanzierung
des Bundes Deutscher Verkehrs-Vereine, der nach dem Vor¬
bilde anderer Staaten bei seinen in erster Linie dem Staate
und den Staatsbahnen zum Vorteile gereichenden Bestrebungen
die finanzielle Förderung durch den Staat in ganz anderer
Weise wie bisher erfahren müsse und der unabhängig von den
Verbänden dastehen müsse, die Dezentralisation der
Schulferien im Verkehrs- und volkswirtschaftlichen Interesse
und gab seiner Genugtuung darüber Ausdruck, wie in so kurzer
Zeit die Verkehrs-Verbände zu einem bedeutsamen Faktor im
Verkehrsleben geworden seien, mit dem die Behörden gemeinsam
die Aufgaben des ins Riesenhafte gewachsenen Verkehrs zu
erörtern und zu lösen sich bemühten.
Im Anschluss hieran teilte der Geschäftsführer Beyerlein
(Magdeburg) einiges aus dem gedruckt vorliegenden Akten-
auszuge über die von Erfolg begleiteten Bestrebungen des
Verbandes im abgelaufenen Geschäftsjahre mit, das die Ver¬
sammlung mit Befriedigung zur Kenntnis nahm. Den Kassen¬
bericht erstattete der Schatzmeister Branddirektor Prölss
(Magdeburg). Auf Grund des Berichts der Kassenprüfer wurde
Entlastung erteilt. Auch der Voranschlag für das neue Ge¬
schäftsjahr wurde genehmigt. An der Besprechung des Ge¬
schäftsberichts beteiligten sich die Herren Privatdozent Dr. Wolff
(Halle), Prof. Roth (Leipzig), Bürgermeister Kelp (Zeitz),
Kretschmann (Kösen), Kirchhoff (Weferlingen), die Stadträte
Grau (Halberstadt), Cassier (Zerbst) u. a. — Auf Vorschlag des
Bürgermeisters Kirchhoff wurde der bisherige Verbands Vorstand
auf weitere zwei Jahre wiedergewählt. — Dann hielt Dr. W ol ff
einen Vortrag: „Wie ich durch deutsche Gaue wandere*',
wobei er das Wandern in deutschen Wäldern und Bergen vom
nationalen und volkswirtschaftlichen Standpunkte aus betrachtete
und würdigte. -Er hob u. a. hervor, wie etwaaoo Millionen
jährlich an barem Gelde aus Deutschland allein
nach der Schweiz gingen, ganz von Italien und den
nordischen Ländern abgesehen, wie dieser gewaltige Export
deutschen Geldes, insgesamt etwa 1 Miiliarde, nach dem
Auslande nicht zu billigen sei, wie es den deutschen Inter¬
essen weit mehr entspräche, dass die Erholungsuchenden die
deutschen Gebirge und die See aufsuchten, so dass das
Geld im Lande verbliebe. Die Einfuhr fremden Geldes nach
Deutschland und die Hinderung der Ausfuhr deutschen Geldes
nach dem Auslande würde hoffentlich auch eine Folge der so
kräftig einsetzenden Tätigkeit der Verkehrs-Verbände und des
Bundes sein. Reichen Beifall zollte man den interessanten
Ausführungen des Redners. Prof. Roth regte an, dass der
Vortrag, wenn irgend möglich, in der „Deutschland“, dem
Organ des Bundes Deutscher Verkehrs-Vereine, veröffentlicht
werden möchte. Dr. Wolff stellte dies in Aussicht. Der
Vorsitzende Miller empfahl den Vereinen und Mitgliedern,
auf die „Deutschland“ zu abonnieren, die die Annähe¬
rung der einzelnen Verk ehrs-Vereine nachhaltig
fordere und ihren Interessen diene. Der nächste
Verbandstag findet in Halberstadt statt.
Ein gemeinsames Mittagessen im Hotel „Deutsches Haus**,
mit Damen, schloss sich an. Dem Ersten Bürgermeister Ebeling
und dem Leiter des städtischen Verkehrsamtes Schulze wurde
der Dank der Teilnehmer der Tagung für die herzliche Auf¬
nahme und die Fülle des Gebotenen ausgesprochen.
Verkehrs-Verein Leipzig.
Der diesjährige Schaufenster-Wettbewerb vom 19.
bis 22. Oktober verspricht bei der allgemein zustimmenden
Aufnahme eine besonders umfangreiche und grossartige Ver¬
anstaltung zu werden. Dank der Bereitwilligkeit hiesiger grosser
Firmen und der unermüdlichen und regen Tätigkeit des Arbeits¬
ausschusses kann dieses Fest der Kaufmannschaft, denn als
solches muss man nach den Erfahrungen des vergangenen
Jahres diesen Wettbewerb bezeichnen, auf eine kulturelle und
zugleich künstlerische Höhe gebracht werden, die bisher noch
nicht erreicht worden sein dürfte. Dem Preisrichterkollegium sind
bereits mehrere Ehrenpreise von privater Seite zur Verfügung
gestellt worden und sollen diesmal, laut Beschluss, von dem
eventuell zu verzeichnenden Ueberschuss auch Geldprämien an
die Dekorateure der besten prämiierten Fenster verteilt werden.
Um den Anfragen nach guten Dekorateuren gerecht zu
werden, ist es im Interesse derselben, ihre Adresse, eventuell
einige Referenzen, an die Geschäftsstelle des Verkehrs-Vereins
zu Leipzig gelangen zu lassen.
Oer Harzer Verkehrs-Verband
hielt am 18. September in 0]s t e r o d e seine 9. Jahreshauptver¬
sammlung ab, an der 50 Vertreter von Harzorten und Verkehrs-
Vereine teilnahmen. Der zweite Vorsitzende, Eisenbahndir€ktor
Glanz (Blankenburg), gab seiner Freude Ausdruck, dass die
Ziele des Verbandes vielfach erreicht sind und man gelernt
habe, Erfolge darin zu sehen, dass alle Mitglieder an einem
Strange ziehen. Erfreulicherweise wären wieder zwei Neu¬
anmeldungen zu verzeichnen, nämlich vom Kur-Verein Alexisbad
und Verkehrs-Verein Eckertal. Nur wenige Harzorte ständen
leider noch immer den gemeinnützigen Bestrebungen des Ver¬
bandes fern, der ihnen so grosse Vorteile brächte. Ein erfreu¬
liches Bild gab der Bericht der Berliner Auskunftei von Gsellius,
die sehr stark in Anspruch genommen worden ist. Dem Schatz¬
meister, Bürgermeister Dr. Hessel, Osterode, konnte Entlastung
erteilt werden. Die Ausgaben betrugen 5622.40 Mark. — Als
Vorsitzender der Eisenbahnkommission berichtete der Herzogi.
Badekommissar Major Dommes (Bad Harzburg) über die durch
das Entgegenkommen der Königlichen Eisenbahndirektionen
Magdeburg, Cassel, Hannover, Halle stattgefundene Aussprache
über unsere Verkehrs wünsche und die Erfolge. — Der Geschäfts¬
bericht, erstattet vom Verkehrsleiter Schultze (Wernigerode)
zeigte, dass rege Reklame unterhalten ist Von der Werbeschrift
„Der Harz** wurden 16 000 Exemplare, von der Winterbroschüre
4000 Exemplare verbreitet, ferner 550 Harz-Wandkarten in
deutschen und ausländischen Verkehrsbureaus zum Teil mit
englischem Text ausgehängt, 10000 englische illustrierte Pro¬
spekte durch Th. Cook & Son versandt usw. — Eine interessante
Besprechung brachte der Antrag des Herzogi. Badekommissars,
Major Dommes, für den Wohnungsnachweis bestimmte Richt¬
linien aufzustellen. Es wurde einstimmig folgender Beschluss
gefasst: Den Mitgliedern des Harzer Verkehrsverbandes wird
empfohlen, den Wohnungsnachweis nach folgenden Grundsätzen
auszuUben: Anfragen allgemeiner Art nach Wohnung usw. sind
mittels möglichst ausführlicher Drucksachen (Prospekt, Woh¬
nungsnachweis, Ortsplan) zu beantworten. Bei Spezialwünschen,
welche durch den Inhalt der Drucksachen nicht erschöpfend
beantwortet werden können, ist besondere mündliche oder
schriftliche Auskunft zu erteilen. Wenn irgend möglich, sind
stets mehrere passende Wohnungen vorzuschlagen. — Ver¬
schiedene Eisenbahnwünsche gelangten alsdann zur Besprechung,
z. B. ein Feriensonderzug von Holland, ein solcher von Bayern
nach hier und weiter, eine bessere Verbindung von Hamburg
mit dem Harze u. a. — Der Voranschlag für 191a wurde auf
5950 Mark festgesetzt. Major Dommes und Schulinspektor
S attl e r (Braunschweig) zollten derVerkehrs-Zeitschrift„D e u ts ch-
land** anerkennende Worte und richteten die dringende Bitte
an alle Vertreter, für die hervorragende schöne Zeitschrift
tüchtig zu werben. Die ausscheidenden Vorstandsmitglieder,
Eisenbahn-Direktor Glanz, Oberbürgermeister Dr. Contag (Nord¬
hausen), die Gemeindevorsteher Barner (Ilsenburg), Hein (Hahnen¬
klee) und Schönermark (Thale), sowie Kurdirektor Becker
(Braunlage) wurden wieder-, Buchhändler Werneburg (Franken¬
hausen) neugewählt; den Vorsitz behält Erster Bürgermeister
Ebeling (Wernigerode). Als Ort der nächsten Hauptver¬
sammlung wählte man Thale.
Hauptversammlung «les Verbandes Deutscher
Gebirgs- und Wander-Vereine.
Zum 24. Male hielten die Vertreter des Verbandes Deutscher
Gebirgs- und Wander-Vereine ihre Jahresversammlung ab. Am
Vorabend (8. September) wurde eine Versammlung abgehalten,
auf der die wichtige Frage der Jugendwanderungen und Jugend¬
herbergen vorbesprochen und vorberaten wurde. Der Vor¬
sitzende, Pfarrer Löscher (Zwönitz) erstattete eingehenden Bericht
über die Bestrebungen der Stutenten- und Schülerherbergen
unter Hinweis auf die Hauptversammlung am 3. September in
Leipzig. Um in den praktischen Betrieb dieser Jugendwande¬
rungen einzuführen, schloss sich an diese Beratungen die Vor¬
führung von 70 Lichtbildern an: „Wie man in Dresden die
Jugendwanderungen betreibt!** Der Vorabend schloss mit einer
Vorführung von Lichtbildern über den Wintersport und
seine Pflege in den deutschen Mittelgebirgen durch
Dr. med. Jaeger aus Leipzig, den bekannten Führer in der
Wintersportpflege. Die Hauptversammlung begann am 9. Sep¬
tember, nachmittags 3 Uhr, im Theatersaale des Kurhauses in
Bad Wildungen. Sie wurde geleitet vom i. Vorsitzenden,
Seminar-Oberlehrer Möckel (Dresden), und vom 2. Vorsitzenden,
Pfarrer Löscher (Zwönitz). Nach üblichen Begrüssungen er-
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stattete der verdiente Geschäftsführer und Schriftleiter Kabisch
aus Leipzig den Jahresbericht, dem zu entnehmen war, dass
der Verband am i. Januar 19x1 67, jetzt 69 angeschlossene
Vereine zählt, die von den kleinen Einzelvereinen bis zu den
grossen Verbänden mit über 30 000 Mitgliedern reichen. Im
ganzen bestehen die Verbands-Vereine aus 2140 Zweig-Vereinen
oder Ortsgruppen, die über 228 400 Mitglieder in sich schliessen.
Den Kassenbericht für 1910 trug der Rechner Dr. med. Jaeger
aus Leipzig vor. Die Rechnung, die mit 2611.90 Mk. Bestand
und einer weiteren Zahlung von 700 Mk. von seiten der Vereins¬
zeitschrift abschloss, war geprüft und richtig befunden worden.
Auch der Haushaltplan 1912 mit 2960 Mk. Einnahme und Aus¬
gabe fand Genehmigung. Eine sehr lange Für- und Gegenrede
entfesselte der vom Vorsitzenden des Hauptausschusses selbst
vertretene Antrag, eine Austauschstelle für touristische Ver¬
öffentlichungen, insbesondere für die Vereinszeitschriften, zu
schaffen. Einen Versuch freiwilligen Anschlusses an diese
Mittelstelle will man alsbald unternehmen. Der Antrag des
Hauptausschusses, die Mitgliedschaft im Bunde Deutscher
Verkehrs-Vereine zu erwerben, damit die Vereine die
Auskunftstelle dieses Bundes im ln- und Auslande zur Aus¬
breitung ihrer Propagandaschriften benutzen können, wurde
nach einem Referat des Geschäftsführers des Bundes, Dr. Seyfert,
angenommen. Nachdem zuvor Pfarrer Löscher über die Er¬
gebnisse der Vorberatungen, Jugend Wanderungen betreffend,
berichtet hatte, begründete Dr. med. Jaeger den dritten Antrag
des Hauptausschusses, dass die Verbands-Vereine überall die
staatlichen Bestrebungen der Jugendpflege, namentlich des
Wanderns, unterstützen möchten. Der Kölner Eifelverein
liess seinen Antrag begründen, dass die Vereine in ihren Be¬
zirken neben den Schülerherbergen auch solche Unterkunfts¬
stellen für Lehrlinge dos Kaufmanns- und Gewerbestandes ein¬
richten sollten. Man nahm diese Anregung freundlich auf,
ebenso wie die Einrichtung allgemeiner Jugendherbergen nach
Odenwälder Muster.
Der Verband der hessischen Verkehrs-Vereine
tagte unter dem Vorsitz des Notars Stahl in Bad Nauheim,
15 hessische Städte waren durch ihre Delegierten vertreten. Den
Verhandlungen wohnten ausserdem Reichsrat Schliephake, Kur¬
direktor von Frankenberg und Bürgermeister Dr. Kayser bei.
Die Beratungen über den Bilderschmuck in Eisenbahnwagen
endeten mit Annahme eines Antrages Bad Nauheim, nach dem
die Beseitigung den einzelnen Vereinen überlassen bleibt. Im
nächsten Jahre soll die in diesem Jahre in Berlin stattfindende
Dioramen-Ausstellung in Bad Nauheim zur Auf¬
stellung kommen. Wegen des Kostenpunktes soll noch mit der
Hessischen Regierung verhandelt werden. Es wurden weiter
noch eine Anzahl Wünsche zur Sprache gebracht.
Der Verkehrs-Verein von Kiel und Umgebung
veröffentlicht den Bericht über die letzten fünf Jahre seiner
Tätigkeit. Dem Bericht, der zwar nur in gedrängter Kürze das
Wesentlichste enthält, doch ein Bild von der vielseitigen und
erfolgreichen Tätigkeit des Verkehrs-Vereins für die Stadt Kiel
gibt, entnehmen wir: Durch freundliches Entgegenkommen der
Stadt Kiel, die kostenlos einen Platz auf dem Grundstück der
Feuerwehr anwies, und durch verschiedene Kieler Firmen, die
kostenlos Material lieferten und die Arbeiten ausführten, war
es möglich, eine Auskunftei zu erbauen. In der Auskunftei des
Verkehrs-Vereins, wo Zeitschriften, Tageszeitungen, Führer und
Adressbücher ausliegen, befindet sich dauernd eine Dame,
die Auskunft erteilt und hier die schriftlichen Arbeiten des
Vereins erledigt. Gegen Erstattung der Auslagen werden im
Verkehrs-Verein auch die Geschäfte für den ,»Verein zur Förde¬
rung der deutschen Motorbootfischerei“, für den „Verband
Schleswig-Holstein-Lauenburgischer Bäder und Sommerfrischen“
und teilweise für die Rennkommission ständig erledigt. Die
im Sommer 1911 veranstaltete Flugwoche und das 39. Nord¬
deutsche Bundesschiessen wurden dadurch unterstützt, dass der
Verkehrs-Verein für diese beiden Veranstaltungen eine gemein¬
same Reklame in die Wege leitete und hierfür 500 Mk. zur
Verfügung stellte, welche Summe dem Verein aber, nachdem
die Flugwoche sehr günstig abgeschlossen hatte, zurückerstattet
wurde. Es war leider nicht möglich, eine 1912 in Aussicht
genommene Wassersport-Ausstellung durchzuführen, da der
erste Vorsitzende, Branddirektor v. Moltke, durch Krankheit
behindert war, im Vorstand tätig zu sein; vorbereitende Schritte
waren getan. Der Verkehrs-Verein war mit Erfolg bemüht,
das Abhalten von Kongressen in Kiel zu fördern. Auch bei Kon¬
gressen, die in Hamburg abgehalten wurden, z. B. dem Deutschen
Bundesschiessen und der Landwirtschaftlichen Ausstellung,
glückte es ihm, Sonderfahrten nach Kiel in die Wege zu leiten.
Dom Verein gehören 22 Korporationen und 950 Mitglieder an.
Verein zur Hebung des Fremdenverkehrs
in Ostpreussen.
Der Vorstand des Vereins hielt im September in Königsberg
eine Sitzung zur Beratung verschiedener wichtiger Verkehn-
verhältnisse ab. Aus der umfangreichen Tagesordnung seien
folgende Punkte erwähnt: Die Verhandlungen mit der Direktion
der Kaiserpanoramen in Berlin wegen Herstellung eines Zyklus
von ostpreussischen Glasstereoskopbildern für die 250 Filialen
des Kaiserpanoramas sollen fortgesetzt werden. Für das vom
Bund Deutscher Verkehrs-Vereine herauszugebende Propa¬
gandaheft „Deutschland“ sollen charakteristische Ansichten
aus unserer Provinz geliefert werden, ebenso werden der
Gesellschaft zur Verbreitung von Volksbildung von den dem
Verein gehörigen 300 ostpreussischen Lichtbildern die ge--
wünschten zur Verfügung gestellt werden. Zur Erlangung einer
besseren Dampferverbindung mit den grösseren Ostseehäfen
werden Unterhandlungen angeknüpft werden. Die Eisenbahn¬
verwaltung hat auf das Gesuch des Vorstandes, in dem Ferien¬
sonderzug nach München auch die zweite Wagenklasse zu führen,
erwidert, dass solle im nächsten Jahre versuchsweise geschehen.
Folgende weitere Anträge werden bei der Verwaltung eingo-
bracht werden: i. Ablassung von Feriensonderzttgen nach Berlin.
2. Wiedereinführung von Gesellschaftsfahrten; die Ablassung von
Extrazügen zu besonderen Gelegenheiten, z. B. zu Ausstellungen,
bietet keinen Ersatz für die früheren Gesellschaftsfahrten, denn
die für einen Extrazug erforderliche Teilnehmerzahl von 250
Personen ist selten zu erreichen. Das hat sich auch wieder bet
dem wiederholt missglückten Versuch, Extrazüge zur Posener
Ausstellung abzulassen, erwiesen. Auf Vorstellungen des Vor¬
standes hat das Königsberger statistische Amt zugesagt, in
gewissen Zwischenräumen Mitteilungen über den Umfang des
Fremdenverkehrs in Königsberg zu veröffentlichen. Die Heraus¬
gabe eines neuen kleinen Führers durch Königsberg wurde
beschlossen.
Königsberger Fremdenverkehr. Dem Statistischen
Amt werden allmonatlich die Ergebnisse der Fremdenverkehrs-
Statistik mitgeteilt. Jeder Gast-, Krug- und Herbergswirt ist
verpflichtet, der Polizeibehörde die bei ihm eingekehrten Fremden
an- und abzumelden, so dass auf Grund dieser Meldezettel das
Königliche Einwohnermeldeamt allmonatlich die Zahl der zu-
und abgegangenen Fremden feststellen kann. Es ist nun sehr
interessant, an Hand einer solchen Statistik zu erfahren, wie
sich der Fremkenverkehr unserer Stadt seit den letzten sechs
Jahren gestaltet hat. Trotzdem Königsberg durch seine geo¬
graphische Lage nichts weniger als eine Fremdenstadt ist,
weist doch der Fremdenverkehr steigende Zahlten auf.
Die Statistik für dieses Jahr ist im August abgeschlossen. Bis
dahin betrug der Zuzug 34 525, der Abzug 33 163. Diesen Zahlen
zufolge kann man am Schluss des Jahres wiederum mit einer
Steigerung des Zuzuges rechnen. Was die Zahl der einzelnen
Monate anlangt, so ist auf Grund der Statistik festgestellt, dass
die Zahl der Fremden von Mai bis Oktober zunimmt und im
Dezember auf den niedrigsten Stand herabsinkt. Im August igzo
wurde die höchste Zahl der Fremden festgestellt, die 5534 betrug,
was durch die Anwesenheit des Kaisers erklärt ist; in dem¬
selben Monat wurden daher auch 5379 als abgezogen gemeldet.
Fremden-Verkehr in Wernigerode am Hars.
Nach der vom Städtischen Verkehrsamt soeben herausgegebenen
Verkehrsübersicht wurden hier 9371 Kurgäste und 28096
Fremde mit einem Aufenthalt bis zu 5 Tagen gezählt. Der
Gesamtbesuch belief sich somit auf 37467 Personen mit
233866 Logiertagen. Davon entfallen auf die Stadt 6656 Kur¬
gäste und 25720 Nachtfremde, auf den Vorort Nöschenrode und
den Schlossbezirk 2715 bezw. 2376. Gegen das Vorjahr hat die
Besucherzahl um 5939 zugenommen. — Veranstaltet wurden
50 Kurkonzerte, 4 Blumen- und Illuminationsfeste, 4 Theater-
und 10 Tanzabende, i Lichtbildervorführung und 9 Gesellschaits-
ausflüge.
Herbsttage im bayerischen Ho ch lande. Gross
ist die Zahl der Reisenden, die nach arbeitsreichen Hoich-
sommermonaten erst zu einer vorgeschritteneren Jahreszeit
Erholung auf dem Lande suchen können. Sehr geeignet als
Herbstaufenthaltsgebiet für den RuhebedUrftigen sowohl als auch
für den wanderfrohen Touristen ist das bayerische Hochland.
Berg- und Talwanderungen sind gerade zu dieser Zeit .bei dem
fast immer beständigen Wetter ausserordentlich lohnend. Bin
besonderer Vorzug dieses Gebietes besteht darin, dass München
mit seinen reichen Kunstschätzen, Museen und Sammlungen
bequem und in kurzer Zeit zu erreichen ist, so dass auch
etwaige Regentage anregend verbracht werden können. Nähere
Auskünfte und Prospekte kostenlos durch die Auskunftstelle ;
der Königl. Bayerischen Staatseisenbahnen im Internationalen '*
öffentlichen Verkehrsbureau, Berlin, Unter den Linden 14.
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Nr.'IO BiQ8QQQQQQOQ9QQOOQQQOQQQQO ® DEUTSCHLAND @ 6S86e8666686e^gg38OO8O e OO0g H 487
Metzer Schlachtfelder-B esuch. Um den auswärtii:en
Krieger-, Militär- und Soldaten-Vereinen den Besuch der
Metzer Schlachtfelder in jeder Beziehung zu erleichtern, hat der
Vorstand des Kriegervereins Metz Ende Juli igu beschlossen,
die Vorstände der Kriegervereine aufzufordern, eine beabsichtigte
Fahrt nur dem Vorstand des Metzer Kriegervereins mitteilen
zu wollen, der das ganze Arrangement betreffend Empfang,
Unterkunft in Hotels usw., Wagenbestellung, Erteilung von
Ratschlägen zum Besuch der Schlachtfelder, auf Wunsch
Führung über dieselben usw. übernimmt. (Auskunftstelle zum
Besuch der Metzer Schlachtfelder, Metzer Stadt- und Schlachtfeld-
Verlag Rud. Lupus, Hofbuchhandlung, Metz, Goldkopfstr. i6, I.
Schaufenster-Wettbewerb und Verkehrstage
in Braunschweig. In den Tagen vom 23. bis 25. September
wurde seitens der Kaufmannschaft auf Anregung und unter
Leitung des Verkehrs-Vereins in Braunschweig ein S ch a u -
fenster-Wettbewerb abgehalten, verbunden mit sogen.
Verkehrstagen. Ein grosszUgiges Programm war allen
Veranstaltungen zugrunde gelegt. Imposant war besonders
der grosse Fackelzug der jungen „Lustigen Braun-
schweiger^S an dem etwa 2500 Schüler und 150 Erwachsene
als Begleiter teilnahmen, die festliche Erleuchtung der Strassen,
Plätze und öffentlichen Gebäude, an denen sich der von
Herolden eröffnete Zug vorüberbeweg^te, und die Erleuchtung
des Altstadtrathauses, des Altstadtmarktbrunnens, der
Martinikirche, des Gewandhauses und der umliegenden Ge¬
bäude. Täglich wogte eine vieltausendköpfige Menge durch
die Strassen. Tausende von Fremden waren herbeigeeilt, um
den Veranstaltungen beizuwohnen. Für die Besichtigung des
Herzogi. Residenzschlosses waren allein über 7000 Karten aus¬
gegeben. Die Schaufenster waren durchweg prächtig dekoriert,
so dass das Preisgericht eine schwere Arbeit hatte. Auch
wurde viel gekauft und vor allen Dingen ist viel Geld um¬
gesetzt worden. Alles in allem ein voller Erfolg. Zur
Orientierung bei allen Veranstaltungen trug die vom Verkehrs-
Verein Braunschweig unter Verantwortlichkeit seines rührigen
Vorsitzenden, Herrn Schulinspektors Sattler, herausgegebene
Festzeitung „Braunschweiger Verkehr“ wesentlich bei,
Zeitungsverkehr mit Frankreich. Im Anschluss an die
Eingabe des Deutsch-Französischen Wirtschafts Vereins
bctr. Zeitungsabonnement im deutsch-französischen Verkehr hat
auch der Verein Deutscher Zeitungsverleger dem Staatssekretär des
Reichspostamtes durch eine Eingabe die Bitte unterbreitet, der
französischen Postverwaltung die Anregung zum Abschluss
eines Uebereinkommens über wechselseitiges Zeitungsabonnement
zu geben, damit der gegenwärtige Zustand in irgendwelcher
Weise beseitigt würde. Der Verein legt dar, dass bei selbst
nur einmaliger täglicher Versendung nach Frankreich das Jahres¬
porto bei grösseren Zeitungen 50—60 Mark, bei mittleren und
kleineren mindestens noch das Doppelte des Abonnementspreises
beträgt, dass dies ein schweres Hindernis für die Verbreitung
deutscher Zeitungen in Frankreich und damit eine Ursache
direkter und indirekter, materieller sowie ideeller Verluste sei.
Eisenbahnwesen.
Minister von Breitenbach über die Kleinbahnen.
In der Hauptversammlung des Vereins Deutscher
S t r a 8 s e nb a h n - und Kl e i n b a h n v er wal t u nge n in
Berlin am 19. September führte der Minister für öffentliche
Arbeiten von Breitenbach u. a. folgendes aus: „Wenn man
die Entwicklung des Vereins in den letzten 15 Jahren über¬
blickt, so ergabt sich das staunenerregende Resultat, dass die
Vereinigung in der verhältnismässig kurzen Zeit sich von
kleinen Anfängen zu einem machtvollen, die meisten deutschen
Strassenbahnen und Kleinbahnen umfassenden Verbände ent¬
wickelt hat. Das will viel sagen, wenn man weiss, dass jetzt
in Deutschland über 4000 Kilometer Strassenbahnen und mehr
als 9000 Kilometer nebenbahnähnliche Kleinbahnen vorhanden
sind. Das siegreiche Vordringen der Elektrizität
als Betriebskraft und die staatliche Fürsorge für öffent¬
liche Verkehrsunternehmen haben zu diesem Erfolge wesentlich
beigetragen. Wie sollte die Wohnungsfrage, eins der
wichtigsten Probleme für die Gressstädte, ohne Stadtbahnen
und Vorortbahnen gelöst werden? Ebenso haben sich die
Wohltaten der auch dom Güterverkehr dienenden Kleinbahnen
immer mehr gezeigt. Dadurch, dass Ihr Verein diese Unter¬
nehmungen verschiedener Art zusammenzufassen sucht und
an ihrer weiteren Entwicklung arbeitet, übernimmt er nicht
nur eine wichtige kulturelle Aufgabe, sondern er bietet zugleich
den Staatsbehörden einen erwünschten Stützpunkt, um
bei schwierigen allgemeinen Massnahmen sich eines praktisch
erfahrenen Ratgebers bedienen zu können. Dass dies wieder¬
holt und, wie ich glaube, mit gutem'Erfolge geschehen ist,
erfüllt mich mit Dank und Genugtuung. Ich vertraue, dass
das Zusammenwirken der Staatsregierung mit Ihrem Verein
auch in Zukunft zu einer gedeihlichen Erfüllung der staat¬
lichen Aufgaben auf diesem wichtigen Gebiete beitragen und den
Interessen der von Ihnen vertretenen Verwaltungen dienen wird.**
Eisenbahnbrücke Stralsund—Rügen.
Es wird uns geschrieben^ Am 23. September d. J. fand in
Stralsund eine von etwa 800 Personen besuchte Bürger¬
versammlung statt, in welcher über die UeberbrÜckung
des Strelasundes verhandelt wurde. An der Versammlung
nahmen die Landtagsabgeordneten Freiherr von Maltzahn und
Graf V. d. Groeben, der Vorsitzende des Rügenschen Ostsee-
bäder-Verbandes Oberst a. D. Seelmann, Vertreter der Handels¬
kammer und zahlreiche markante Persönlichkeiten der Stadt
Stralsund und des Kreises Rügen teiK Die fragliche Angelegen¬
heit ist von höchster Bedeutung, nicht nur für Stralsund und
Rügen, sondern für den gesamten internationalen Verkehr. Die
Bahnlinie Berlin—Stockholm wird bei Stralsund durch den
Strelasund unterbrochen, von Sassnitz nach Trelleborg (Süd¬
schweden) durch die Ostsee, an beiden Stellen bewirken gewaltige
Fährschiffe den Transport der Eisenbahnzüge. Der Schweden-
und Nordlandsverkehr hat sich in den letzten Jahren schnell
entwickelt, an einem Stillstand dieser Entwicklung ist nicht zu
denken; durch den fahrplanmässigen Ausbau der Verkehrs¬
strecke Hamburg—Schweden steht, wie Graf v. d. Groeben
hervorhob, eine weitere, in ihrer Bedeutung nicht annähernd zu
übersehende Steigerung bevor. Die Königl. Eisenbahnverwaltung
hat bereits im laufenden Jahr dem Abgeordnetenhause eine Denk¬
schrift zugehen lassen, in der neben anderen Vorschlägen auch
das Projekt der UeberbrÜckung des Strelasundes enthalten ist.
Wenn sich auch für dieses noch mancherlei Schwierigkeiten
ergeben, besonders auf finanziellem Gebiet, so ist doch nicht
zu bezweifeln, dass die Lösung dieser wichtigen Verkehrsfrage
im Sinne des Brückenbaues wohl bald erfolgen wird. Die
Stralsunder Versammlung beschäftigte sich mit dem wünschens¬
werten Ausbau dieser Brücke und nahm einstimmig eine Reso¬
lution an, die betont: dass die Eisenbahnbrücke, wie sie bisher
geplant ist, für die Stadt Stralsund und die Insel Rügen einen
schweren Rückschritt bedeutet; dass die zwischen Stralsund
und Rügen geplante Eisenbahnbrücke auch für den Fussgänger-,
Wagen-, Automobil- und Kleinbahnverkehr eingerichtet werde;
dass die künftige Eisenbahntrace Stralsund (Hauptbahnhof) —
Rügenbrücke soweit wie möglich an die Stadt herangerückt und
am Kreuzungspunkte dieser Trace mit dem Frankendamm als
Ersatz der für den Personenverkehr in Fortfall kommenden Halte¬
stelle Stralsund (Hafen) eine neue Haltestelle errichtet werde;
dass am Ufer auf Rügen eine Haltestelle für den Personen¬
verkehr geschaffen werde; dass der am Fuss der Rampe auf
Rügen geplante Güterbahnhof nach Stralsund komme, als dem
Ort, der die Güter abnimmt und weitergibt. Die Resolution lässt
erkennen, dass die Bahnverwaltung aus finanziellen Gründen
nur eine Brücke für den Bahnverkehr geplant hatte.
Würde diese allein erbaut, so hob der Vorsitzende des
Rügenschen Ostseebäder-Verbandes hervor, so würde Stralsund
aus der Reihe der irgendwie nennenswerten Orte überhaupt
verschwinden. Das muss natürlich aus nationalem Interesse
verhindert werden. Die Brücke mit Fahrbahn für Wagen,
Automobile, den Bahnhöfen in Stralsund bedeutet einen
Aufschwung für den nationalen Verkehr, der dieselbe Bedeutung
hat, wie die Begünstigung des internationalen, ohne letzteren
im geringsten zu schaden. Diese Ueberzeugung kam in über¬
wältigender Weise in der Versammlung zum Ausdruck, die nur
dadurch restlos zu erklären ist, dass eben bei der ganzen Frage
die nationale Bedeutung selbst die lokalen Interessen weit über¬
flügelte. Rügen wird Festland! Deutschland erhält seine erste
imposante Seebrücke, Stralsund seine alte Bedeutung als Hansa-
stadt, der internationale Verkehr eine neue Bahn, die Insel
Rügen wird dem Reiseverkehr völlig erschlossen, für den es
noch vielfach Neuland war, von nicht mehr als lokaler Bedeutung,
unser geliebter Wasserkopf Berlin und die nassfrohen Wiener
erhalten in Binz, Sassnitz, Göhren, Sellin und den anderen
Badeorten der lieblichen Insel neue „Wannseebäder“ resp.
„Gänsehäuflbäder“ für das beliebte „Baden im Familienkreise“.
Zur Erschliessung des Westerwaldes. Für die
Erschliessung des Westerwaldes durch Nebenbahnen ist in den
letzten Jahren viel geschehen; allein in diesem Jahre wurden
drei neue Strecken, die vor kurzem eröffnete Strecke Marienberg—
Erbach sowie die Strecken Westerburg —Montabaur und Höhr —
Hillscheid, dem Verkehr übergeben. Wie zuverlässig verlautet,
hat der Eisenbahnminister jüngst auch die ausführlichen Vor¬
arbeiten für zwei neue Strecken angeordnet, und zwar von
Haiger (an der Strecke Betzdorf — Giessen) über Breitscheid nach
N
I.
488 B39QQQ0Q098 9 9 Q QQQ 9 9 9eQ Q3 Q00Q@i DEUTSCHLAND BBoecae e eoo c eoeeGe ooeeeeoeta i-Nr^O
Gusternhain und von Stockhausen (an der Strecke Giessen—
Coblena) nach Beilstein. Eine spätere Verbindung dieser beiden
Strecken steht zu erwarten. Allgemeine Vorarbeiten sind im
Gange für eine Strecke Selters—Neuwied, die statt des zwei¬
gleisigen Ausbaues der Strecke Siershahn—Engers geplant ist.
In Kürze wird die Nebenbahn Seifen — Linz in Betrieb genommen.
Lokomotivbestellungen der Preussisch-Hessi¬
schen Staatseisenbahn. Das Eisenbahnzentralamt in Berlin
ist beauftragt worden, wegen Uelfernahme der Herstellung von
510 Lokomotiven verschiedener Gattungen für die bestehenden
Bahnen und Neubaustrecken der Preussisch-Hessischen Staats¬
eisenbahnen, sowie von 15 Lokomotiven für die Reichseisen¬
bahnen in Eisass-Lothringen mit den beteiligten Lokomotivbau-
anstalten in Verhandlung zu treten. Die Lieferungen sollen bis
zum 30. September 1912 abgeschlossen sein.
Bei Unterbringung des Handgepäcks in den
Personenwagen soll, wie die „Dtsch. Tagesztg.“ mitteilt,
nach einer Verfügung der Staatsbahn - Verwaltung auf die
persönliche Sicherheit der Mitreisenden die erforderliche Rück¬
sicht genommen werden. Es ist wiederholt vorgekommen, dass
schwere Gegenstände während der Fahrt aus den Gepäcknetzen
herabgefallen sind und die daruntersitzenden Reisenden verletzt
haben. Den Stations- und Zugbeamten ist diese Verfügung
jetzt mit dem Ersuchen in Erinnerung gebracht worden, dass
sie auf ordnungsgemässe Unterbringung des Reisegepäcks in
den Abteilen zu achten haben.
Riviera-Expresszug. Der holländische Teil des Riviera-
Expresszuges wird vom 30. November ab nicht mehr über
Wiesbaden—Frankfurt a. M., sondern mit dem Lloyd-Expresszug
vereinigt über Wiesbaden—Mainz direkt nach Worms geführt.
Luftschiffahrt.
Die Deutsche Flug-Ausstellung Berlin igix wird
vom 19. Dezember d. J. bis zum i. Januar n. J. in den Aus¬
stellungshallen am Zoologischen Garten statthnden. Sie wird
veranstaltet vom Verein deutscher Flugtechniker zusammen mit
der Flug- und Sportplatz Berlin-Johannisthal G. m. b. H. Die
Ausstellung erstreckt sich auf folgende Gebiete: i. Flugzeuge,
Kraftflugzeuge, Gleitflugzeuge, Drachenflugzeuge, Schraubenflug¬
zeuge, Schwingenflugzeuge, Eindecker, Mehrdecker, Flugzeug¬
teile und Modelle, a. Motoren für Flugzeuge und Motorteile.
3. Materialien für Flugzeuge. 4. Flugzeugschuppen und -zelte.
5. Flugplatzanlagen. 6. Aeronautische Karten, Flugstrassen-
bezeichnung und Signaldienst, 7. Drahtlose Telegraphie. 8. Photo¬
graphie und Photogrammetrie. 9. Hilfsinstrumente für die
Luftfahrt. 10. Wetterdienst. ii. Brieftauben. 12, Ausrüstung
für Luftfahrer. 13. Bekämpfung der Luftfahrzeuge. 14. Histo¬
rische Abteilung und Literatur. 15. Ornithologische Abteilung.
16. Kunstgegenstände und Abzeichen. 17. Spielwaren mit Bezug
auf Luftfahrt. Ein Reinertrag der Ausstellung ist bestimmt, in
voller Höhe als Preise für aviatische Veranstaltungen des
nächsten Jahres Verwendung zu finden.
Automobilwesen.
O Statistisches.
Am I. Januar 1911 fand die vierte Zählung der Kraftfahr¬
zeuge im Deutschen Reiche statt, die nach den „Vierteljahrs¬
heften zur Statistik des Deutschen Reiches“ einen Bestand von
insgesamt 57805 (am i. Januar 1910: 49941) solcher feststellte.
53 478 (46 92*) dienten zur Personenbeförderung, 4327 (3019) vor¬
zugsweise zur Lastenbeförderung. Eingeschlossen in die Gesamt¬
zahl sind 20 584 (22 283) Krafträder für Personen- und 121 (196)
für Lastentransport. Das Kraftrad scheint demnach mehr und
mehr vom Auto verdrängt zu werden. Von den preussischen
Landesteilen wies der Landespolizeibezirk Berlin (d. i. Berlin
mit Charlottenburg, Schöneberg, Rixdorf, Wilmersdorf, Lichten¬
berg, Rummelsburg und Stralau) den grössten Bestand mit 6397
Kraftfahrzeugen auf, ihm am nächsten kommt die Rheinprovinz
mit 5349. Die kleinste Zahl besitzen Ost- und Westpreussen
mit 555 und 621. Von den Bundesstaaten kommen Bayern mit
6230 und Sachsen mit 5978 Berlin am nächsten, Eisass-Lothringen,
durch seine vorzüglichen Landstrassen gut geeignet, steht mit
3232 an dritter Stelle. Ausser dieser Zahl inländischer Fahr¬
zeuge belebten noch 15 309 ausländische die deutschen Strassen.
Bei also insgesamt 73114 Fahrzeugen kamen zusammen 7158
„schädigende Ereignisse** vor, also ungefähr eins auf jedes zehnte.
Von dem sich nach und nach steigernden Verantwortlichkeits¬
gefühl der Besitzer zeugt, dass 96 Prozent aller hierbei Be¬
teiligten festgestellt werden konnten. Schwieriger war die Fest¬
stellung der unmittelbar beteiligten Führer, da nur 91 Prozent
sich dieser nicht entzogen, während die übrigen 9 Prozent Flucht¬
versuche machten, die auch 7 Prozent gelangen. Insgesamt wurden
607 (549) Polizeistrafen festgesetzt, die Strafsumme betrug 4594
(4360) Mk. Gerichtliche Strafverfahren schwebten in 1931 (1467)
Fällen. Der Vermehrung der Kraftfahrzeuge entsprechend stieg
auch die Zahl der Getöteten und Verletzten. Während 1909
194 Personen durch Kraftfahrzeuge ihr Leben einbüssten, waren
es 1910 278! Auch die Zahl der Verletzten ist stark gestiegen-;
von 2945 auf 365X. Von den Getöteten entfallen 23 (13) auf
Führer, 32 (3X) auf Insassen von Kraftfahrzeugen, den Löwen¬
anteil haben dritte Personen mit 223 (X50). Letztere Zahlen
zeigen, dass die Vorsicht auf der modernen, stark befahrenen
Strasse noch recht oft ausser acht gelassen wird. Das gleiche
Verhältnis zeigt sich bei den Verletzten: 245 (225) Führer, 64z
(487) Insassen und 2765 (2233) dritte Personen. Der grösste
Prozentsatz an Verunglückten entfällt natürlicherweise auf
Personen bis zu X5 Jahren, zu ihnen gehören 32 (3X) Prozent
aller Getöteten und xg (xg) Prozent der Verletzten. Von 25 bis
40 Jahren alt waren 25 (20) Prozent der Getöteten und 30 (31)
Prozent der Verletzten, 40 bis 60 Jahre x8 (26) Prozent Getötete
und 22 (ao) Prozent der Verletzten, über 60 Jahre 16 (n) Prozent
Getötete und 6 (6) Prozent Verletzte. Der Rest mit 9 (ii)
Prozent Toten und 2x (2x) Prozent Verletzten entfällt auf das
Alter von X5 bis 25 Jahren. Auch die Höhe des entstandenen
Sachschadens ist gestiegen, von x 004 885 Mk. xgog auf i 220 950 Mk.
im Jahre xgxo. Allerdings entfällt hier der Hauptanteil auf die
Besitzer der Fahrzeuge: x009844 (785504) Mk. gegen 21x106
(X84466) Mk. Schaden, der auf dritte Personen entfiel. Ein
schädigendes Ereignis rief einen Schaden von 252 (224) Mk.
hervor. Diese hohen Zahlen geben doch zu denken und lassen
wünschen, dass VorsichtundSelbstzucht sowohl bei den
Wagenführern als auch beim Publikum mehr Beachtung finde !
Automobilstrassen.
Prinz Heinrich von Preussen hat anlässlich eines
jüngst erlittenen Automobilunfalls in der Berliner „Allgemeinen
Automobilzcitung“ folgende beachtenswerte Bemerkungen ver¬
öffentlicht; „So fern es mir auch lieg^, behaupten zu wollen,
dass der vorliegende Unfall eine Folge unserer schlechten
Wegeverhältnisse ist, so fühle ich mich anderseits doch ver¬
pflichtet, darauf hinzuweisen, dass schlechte Wege, wie solche
ganz besonders im Hannoverschen (z. B. Strecke Harburg—
Bremen) bestehen, einem Materialschaden einerseits Vorschub
leisten, andererseits geeignet sind, einen solchen zu verursachen.
Da ich vielfach in der Lage bin, gerade die schlechten, mit
altem ausgefahrenem Kopfsteinpflaster versehenen hannoverschen
Strassen zu benutzen, bin ich meist gezwungen, meine Achsschenkel¬
bolzen ein- oder zweimal im Jahre erneuern zu lassen, weil
sie vollkommen ausgeschlagen sind. Man überlege doch, mit
welcher Sorgfalt die Schienengeleise und Bahnkörper in Ordnung
gehalten werden und vergleiche dann, wie wenig für die öffent¬
lichen Fahrstrassen geschieht. So mancher Automobilunfall
bleibt unaufgeklärt, weil die Insassen ihr Leben haben lassen
müssen; wer weiss, ob nicht in manchen Fällen Materialbruch
infolge Ueberanstrengung durch schlechte Strassen der Grund
für solche Vorkommnisse ist? Dass gute Strassen einer kost¬
spieligen Unterhaltung bedürfen, ist ebenso klar, wie, dass man
Gemeinden, Kreisen usw. nicht noch höhere Lasten auferlegen
kann: Was aber wird aus der Automobil- und Benzinsteuer?
In England werden diese Einkünfte lediglich zum Strassenbau
verwandt, und zwar mit dem allerbesten Erfolge. Ein Aehn-
liches Hesse sich meines Erachtens auch bei uns erreichen,
wenn man diese, seinerzeit leider zur Reichssteuer gestempelte
Einnahme, zur bundesstaatlichen Steuer umwandeln und in
jedem Bundesstaate die Einnahmen, je nach der Frequenz, auf
die einzelnen Provinzen verteilte mit dem ausdrücklichen Hin¬
weis, dass diese Einkünfte nur für den Wegebau verwandt
werden dürfen. Nicht nur der Automobilbesitzer, sondern jeder
Fuhrwerksbesitzer würde hierdurch in den Genuss besserer
Verkehrsmöglichkeiten versetzt werden. Fuhrwerke jeder Art
würden geschont, der Verkehr würde sich heben. Diese Frage
ist eine meiner Ansicht nach so dringliche, dass sie einer
gründlichen Prüfung bedarf.**
Im Anschluss an diese Ausführungen hat Beigeordneter
Dr. Matthias, Düsseldorf, einen Aufsatz Uber Automobilstrasaeh
in Nr. 51 des Preussischen Verwaltungsblattes erscheinen lassen,
dem wir folgendes entnehmen: Prinz Heinrich berührt mit diesen
Darlegungen einen Gegenstand, der mit dem ständigen Wachsen
des Automobilwesens die grösste Aufmerksamkeit, ja man kaxm
wohl sagen, die Sorge aller Beteiligten erregt. Beteiligt ist aber
ein bedeutender Kreis. Die Regierungen bemühen sich seit einiger
Zeit, das Automobilwesen in geordnete Bahnen zu lenken, und
in neuester Zeit hat die Königliche Regierung des Düsseldorfer
Bezirks den Versuch gemacht, durch gütliche Einwirkung «uf.
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die Gemeinden bessere Verhältnisse zu schaffen. Indessen wird
dieser Versuch leiderkeinenErfolg haben, sobald leistungs¬
schwache Gemeinden in Betracht kommen. Ein praktischer
Fall ist bereits eingetreten. Zwischen den Städten Duisburg
und Düsseldorf sollte die Führung einer Strasse, die fUr den
Automobil verkehr besonders geeignet sein würde, durch Fest¬
stellung im Fluchtlinienplane gesichert werden. Die beiden
Städte waren sofort bereit. Dagegen lehnten der zwischen
ihnen liegende Landkreis und seine Gemeinden eine Mitwirkung
ab mit der Begründung, die Lasten der Strasse würden allzu¬
schwer wiegen, ausserdem bringe die Strasse für die Anlieger
keine Vorteile, sondern nur Nachteile. Ob letzteres richtig ist,
mag dahingestellt bleiben. Dagegen wird man zugeben müssen,
dass die finanziellen Opfer von kleineren Gemeinden nicht ge¬
tragen werden können, zumal den Anliegern nicht so viel au
Beiträgen auferlegt werden kann wie den Eigentümern städtischer
Miethäuser. Nun hat allerdings die Bezirksregierung ein Mittel
die Einfügung von breiten Strassen in die Fluchtlinienpläne
der Gemeinden zu erwirken: sie weist die Bürgermeister oder
Gemeindevorsteher an, als Polizeiverwalter eine entsprechende
Pluchtlinienfestsetzung herbeizuführen. Aber dieses Verfahren
ist wegen der unklaren Bestimmungen des Fluchtliniengesetzes
praktisch schwer durchführbar. Soll deshalb etwas erreicht
werden, so müssen andere Wege eingeschlagen werden. Strassen,
die lediglich dem Kraftwagenverkehr dienen, wird man —
wenigstens auf grossen Strecken — nicht herstellen können.
Die» würde zu kostspielig sein. Man wird vielmehr davon
auszugehen haben, die üblichen Verkehrswege in solcher
Breite auszugestalten, dass neben dem Kraftwagen- der
sonstige Fuhrverkehr und der Personenverkehr sich entwickeln
kann. Als Masse wird man etwa anzunehmen haben: ausserhalb
der Ortschaften 5 Meter für den Kraft wagen verkehr, 5 Meter für
den sonstigen Fuhrverkehr und 2 Meter für den Personenverkehr,
also insgesamt 12 Meter, innerhalb kleinerer Ortschaften 5 Meter
für den Personenverkehr, also insgesamt 15 Meter. Daneben
wird man nach Möglichkeit Vorgärten von je 5 Meter Tiefe zu
wählen haben. Diese Vorgärten bleiben im Eigentum der An¬
wohner, verteuern also die Strasse nicht. Falls eine Strassen-
bahn verkehren soll, ist die Strasse um 5 bis 6 Meter breiter zu
nehmen und darauf zu achten, dass die Strassenbahn eigenen
Bahnkörper erhält. Regelmässig wird auch dies die allgemeinen
Strassenunkosten nicht vermehren, da die Mehrkosten der Bahn¬
unternehmer zu tragen hat. Endlich ist Vorsorge zu treffen,
dass bei den für den durchgehenden Automobilverkehr vor¬
gesehenen Strassen durchlaufendeQuerstrassen vermieden
werden. Vielmehr sind diese Strassen so zu ordnen, dass sie
auf den Hauptstrassen enden und die nächste auf der anderen
Seite liegende Querstrasse erst etwa 100 Meter entfernt mündet.
Dadurch wird eine ungünstige Kreuzung der Hauptstrasse durch
Fuhr- und Personenverkehr vermieden. Derartige Automobil¬
strassen erfüllen ihren Zweck nur, wenn sie über weite Ent¬
fernungen hin angelegt werden. Daher wird die Mitwirkung
des Staates notwendig sein. Was zunächst ihre Anlage an¬
betrifft, so könnte folgendes Verfahren gewählt werden, was
allerdings gesetzlicher Regelung bedarf. Eine besondere für ganz
Preussen zuständige Zentralbehörde hat die Fluchtlinien
nach einer Mindestbreite von 12 Metern ausserhalb und 15 Metern
innerhalb der Ortschaften festzusetzen. Zweckmässig würde die
Behörde ein Kollegium sein, das aus einem vom Minister des
Innern zu ernennenden Vorsitzenden und mehreren Beisitzern
zu bestehen hat, von denen durch die beteiligten Kreise
(also die kreisfreien Städte und die Landkreise) und ^j- durch
eine Vertretung der Automobilbesitzer gewählt werden. Vor der
Fluchtlinienfestsetzung sind die Gemeinden zu hören. Diese
können eine grössere Breite verlangen, wenn sie die Mehrkosten
übernehmen. Die Fluchtlinien werden durch die Kreis Vorstände
offengelegt. Einspruchsberechtigt sind die Anlieger und die
Gemeinden. Die Einsprüche erledigen die Bezirksausschüsse,
in zweiter Instanz die Provinzialräte. Nach der Fluchtlinien¬
festsetzung, die durch die Zentralbehörde erfolgt, erhalten die
Kreise ein gesetzliches Enteignungsrecht. Ihnen liegt auch
die Ausführung und Unterhaltung der Strasse gemäss den An¬
weisungen der Zentralbehörde ob. Die Offenlegung der Strasse
hat binnen 2 Jahren nach der Fluchtlinienfestsetzung zu erfolgen.
Die Kosten derartiger Automobilstrassen werden, wie schon
Prinz Heinrich ausführt, den Gemeinden in voller Höhe nicht
auferlegt werden können. Andererseits entspricht die Beteiligung
der Gemeinden durchaus der Billigkeit, weil die Strassen den
sonstigen Fuhr- und Personenverkehr aufnehmen sollen. Um
eine zu verwickelte Regelung zu vermeiden, wird man indes
zweckmässig die Beteiligung zu Lasten der Kreise gehen lassen
und ihnen die Unterverteilung auf die Gemeinden überlassen.
Bei der Kostentragung wird man etwa davon auszugeben haben,
dass der Staat und die Kreise je 50 Prozent tragen. Im
einzelnen wird der Staatsbeitrag in Kreisen mit günstigen Steuer¬
verhältnissen auf 25 Prozent herabgesetzt und in leistungs¬
schwachen Kreisen auf 75 Prozent erhöht werden können. Die
Kreise müssten berechtigt und verpflichtet sein, von den An¬
bauenden Anliegerbeiträge zu erheben. Dem Staat dürfte, wie
Prinz Heinrich vorschlägt, der vielleicht zu erhöhende Stempel
für Kraftfahrzeuge zu überweisen sein. Ob aus dem Etat der
Heeresverwaltung ein Beitrag abgeführt werden kann, dürfte
gleichfalls zu erwägen sein. Die Gesamtkosten, die durch der¬
artige Automobilstrassen entstehen, werden erheblich gemindert
werden, wenn man bestrebt ist, weniger neue Strassen anzulegen,
als vielmehr vorhandene zu erbreitern. Der Vorschlag will
eine radikale Durchführung von Automobilstrassen ermöglichen.
Er verträgt, wie jedes Radikalmittel, Aenderungen und Ein¬
schränkungen. Insbesondere wird überall da, wo Provinzial¬
strassen in Frage kommen, statt der Kreise eine Beteiligung der
Provinzen notwendig sein. Auch ist es gewiss der Erörterung
wert, ob nicht mit Rücksicht auf die hohe Bedeutung des
Automobilverkehrs eine Rückkehr zur ehemaligen Staatsstrasse
sich empfiehlt, zumal auch die Schienenwege der Eisenbahn
staatlich sind.
Theater, festliche und sportliche
Veranstaltungen, Kongresse etc.
Das Zentrallandwirtschaftsfest (Oktoberfest)
in München, das alljährlich zu Beginn des Herbstes
abgehalten wird, übt weit über die Grenzen Bayerns hinaus
grosse Anziehungskraft aus. Um den Besuch dieser volks¬
tümlichen Veranstaltung zu erleichtern, gewährt die Bayerische
Staatseisenbahn-Verwaltung alljährlich erhebliche Fahrpreis-
ermässigungen auf ihren Linien. Wird die Rückreise mit einem
Schnellzug ausgeführt, so ist der tarifmässige Schnellzugzuschlag
zu entrichten. Nähere Auskünfte erteilt kostenlos die Amtliche
Auskunftsstelle der Königlich Bayerischen Staatseisenbahnen im
Internationalen öffentlichen Verkehrsbureau in Berlin, Unter
den Linden 14.
In der 63. Versammlung deutscher Naturforscher und
Aerzte wurde Münster i. W. als nächster Tagungsort gewählt.
/ . \
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Das Vollendetste auf dem fiebiete der modernen
Hoteltechnik und des feinen Restaurantwesens.
490 JMB& deeoGoeQ Q e&3 o ^^ DEUTSCHLAND BB 0eeeee e ecoceoeeea)eeeeo e M Nt.io
Oktober—April: In Leipzig grosse philharmonische Konzerte.
(Siehe Ankündigung des Leipziger Verkehrs-Vereins.)
Oktober—Februar: In Leipzig Veranstaltungen des Schiller-
Vereins. (Siehe Ankündigung d. Leipziger Verkehrs-Vereins.)
12,—15. Oktober: In Cassel Jugendbund-National-Konferenz.
14.—15. Oktober: In Köln Hauptversammlung des Rheinisch-
Westfälischen Presse-Verbandes.
15. Oktober: In Düsseldorf Verbandstag des rheinisch-west-
fälischen Bezirksverbandes der Gesellschaft für Verbreitung
der Volksbildung.
16. — 21. Oktober: In B e r 1 i n Kongress der F^döration Universelle
des Soci^t^s d'Höteliers in Verbindung mit der 40. General¬
versammlung des Internationalen Hotelbesitzervereins (Sitz
Köln).
20. Oktober: In Essen Sonderkonzert des Essener Musikvereins.
20.—22. Oktober: In Elberfeld Jubelfeier des Elberfelder
Gesang-Vereins (x8ii—ign) und der Elberfelder Konzert-
Gesellschaft (1861—1911). ,
22.—25. Oktober: In Heidelberg 47. Tonkünstlor-Versammlung
verbunden mit der Zentenarfeier für Franz Liszt und der
Erinnerungsfeier des 50jährigen Bestehens des Allgemeinen
Deutschen Musikvereins.
mehr in ihrem engeren Vaterland zu bleiben und dieses erst^
richtig kennen zu lernen. Ausser den Verkehrs-, VerschönerungS"
und Touristenvereinen des Landes wird sich auch die in Be»
tracht kommende Industrie an der Ausstellung beteiligen, j
Wie wir hören, haben sich bereits verschiedene Firmen ange¬
meldet. Die Württ.-Hohenz. Vereinigung für Fremdenverkehr,.
die in diesem Jahre durch ihre Beteiligung an der Internationalen
Ausstellung für Reise- und Fremdenverkehr in Berlin, Heraus¬
gabe von drei Reklameschriften über das Schwabenland, Ver¬
anstaltung von Lichtbildervorträgen, eine umfassende Zeitungs¬
reklame usw. eine besonders lebhafte Tätigkeit entfaltete, wird
durch dieses neue Unternehmen zweifellos in wirksamster Weise
den Fremdenverkehr im Schwabenlande fördern. Mögen die
verschiedenen Kur- und Badeplätze und sonstigen Verkehre¬
interessenten sich diese vorzügliche Gelegenheit zu wirksamster
Reklame nicht entgehen lassen und sich möglichst zahlreich an
der Ausstellung beteiligen. >
25.—31. Oktober: In Turin 5. Internationaler Luftschifferkongress
29. Oktober: In Essen 50jährige Jubelfeier der Männer-Kongre-
gation St. Joseph.
29. Oktober: In Essen Verbandstag der Kreuzbündnisse der
Erzdiözese Köln, Vereine abstinenter Katholiken.
9. November: In Essen Einweihung der Königlichen Maschinen¬
bau- und der Königlichen Baugewerkschule.
Die „Magdeburger Kunstschau xgxi** wird am
X. Oktober d. Js. eröffnet. Wie aus den bisher eingegangenen
Anmeldungen hervorgeht, wird sich an ihr eine grosse Anzahl
der hervorragendsten deutschen Maler und Bildhauer durch
Beschickung meist neuer repräsentativer Arbeiten beteiligen.
Der Magdeburger Kunstverein will mit dieser Veranstaltung sein
neues Ausstellungsgebäude einweihen. Der Direktor des Kaiser-
Friedrich-Museums, Professor Volbehr, hat seine seit vielen
Jahren versehene verdienst- und arbeitsvolle Tätigkeit- als
Geschäftsführer des Kunstvereins an den aus Düsseldorf an die
Spitze der Kunstgewerbeschule neu berufenen Bildhauer Professor
Bosselt abgetreten.
Ausstellungen.
Schwäbische Landesausstellung für Reise - und
Fremdenverkehr Stuttgart 1912. Der Erfolg, den die
Internationale Ausstellung für Reise- und Fremdenverkehr, die
im letzten Frühjahr in Berlin stattfand und bei der das Schwaben¬
land durch eine eigene, von der WUrtt.-Hohenz. Vereinigung
für Fremdenverkehr veranstaltete Landesausstellung vertreten
war, auch dem Schwabenlande durch eine fühlbare Steigerung
des Touristenverkehrs und des Besuchs der Bäder und Sommer¬
frischen in diesem Sommer brachte, zeigt, wie zeitgemäss und
nutzbringend dieses Unternehmen war. Es ist deshalb ein
glücklicher Gedanke, dass die genannte Vereinigung beschlossen
hat, die Schwäbische Landesausstellung für Reise- und Fremden¬
verkehr im nächsten Frühjahr in Stuttgart in erweitertem Um¬
fang und noch vollkommenerer Ausgestaltung zu wiederholen.
Zu diesem Zweck sind ihr von der Königl. Zentralstelle für
Gewerbe und Handel bereits die Parterreräumlichkeiten des
Ausstellungsgebäudes in der Schlossstrasse zur Verfügung ge¬
stellt. Diente die Berliner Ausstellung mehr dem Zweck, die
Fülle von Sehenswürdigkeiten und landschaftlichen Schönheiten
sowie die heilkräftigen Bäder und herrlichen Sommerfrischen
des Schwabenlandes und seine Bedeutung für die Touristik und
den Wintersport ausserhalb seiner Grenzen bekannt zu
machen, so soll die Stuttgarter Ausstellung hauptsächlich den
Einheimischen zeigen, was das eigene Land in dieser Rich¬
tung alles zu bieten vermag, und die vielen Vergnügungs¬
reisenden, Sportsfreunde und Erholungsbedürftigen, die seither
in die Ferne schweiften und zum grossen Teil nicht wussten,
dass das Gute und Schöne ihnen so nahe liegt, bestimmen.
- ^
. 3
i- r
■ 4 .
Ti
Düsseldorfer Ausstellungen 1912/13. Im kommenden
Jahre wird der Verein zur Veranstaltung von Kunstausstellungen
im städtischen Kunstpalast eine grosse Frühjahrs-Aus¬
stellung der Düsseldorfer Künstler veranstalten, die
im Monat Juni beendet sein wird. Vom Juli ab wird dan n
der Kunstpalast eine von der Stadt Düsseldorf veran¬
staltete Ausstellung aufnehmen, die für den Kommunalpolitiker
von besonderem Interesse sein wird. Es wird eine Art Städte¬
bau-Ausstellung sein, in der besonders die Pläne gezeigt
werden sollen, die für die Preisbewerbung um einen Be¬
bauungsplan für Gross-Düsseldorf eingegangen sind. Ausser
diesen Plänen wird die Ausstellung auch eine grosse Anzahl
anderer Objekte enthalten, die für den Städtebau von Wich¬
tigkeit sind und die von privaten Firmen ausgestellt werden.
Schliesslich wird der Verein zur Veranstaltung von Kunstaus¬
stellungen im Jahre 1913 eine grosse intern ationale Kunst-
ausstellung im Kunstpalast veranstalten.
'41
1 /
Flugsport-Ausstellung in Düsseldorf. Die im
November d. J. in Düsseldorf stattfindende Flugsport-Aus¬
stellung wird nicht in der Luftschiffhalle, sondern in der
Städtischen Flora veranstaltet.
Ab September: In Flensburg Spitzen-Ausstellung des Vereins
Frauenwohl E. V. in den Räumen des Gewerbemuseums.
Oktober—November: In Köln Jubiläums - Ausstellung im
Wallraf-Richartz-Museum.
Oktober: In Berlin Internationale Automobil - Ausstellung.
Veranstalter: Kaiserl. Automobilklub und Verein Deutscher
Motorfahrzeug-Industrieller.
November: In Osnabrück Wanderausstellung Münchener
Künstler in der Stadthalle.
Nr,io «xiQaociooQoq^^ aB 08 aBeefee^e 0 e <a ^ ^ m
F19 k a t«s W e t tt? ft ^ isrl^^ Zi 3 ,t ’-^tm PJakat- muss man uatÜtUc^li !fit& die ^TtTiii^üspbafteti tlerjeuil^ian Mtitkiin
«at^Ürfen schreibt die ^.Internatio b al< Bauf^tir »«nütze machen^ die ea darin atn ii^eiteistea g'ebrae^t hat. Hebt«
«teituug; niit SoodexauaateJluta^tt JLeVp it^g liaben 4ber ia fast allen; exakten Wissenachaftett^ in der
im vpevtseheb keicJ^ wohnhaften K^öaüerp eipen Wetthewö^b Od«r ChemSff^ der Techno der Mathematik dto 0eutacheti ilen
Üli3v FtSi «inen i. Preis amd abop ^i^. fili tfp^ttere den Vorrang abgewonoetj. 0aa lyerden mir die
1300 Mir. auageaelzt. Das; F^larichteramt haben tüh^jmommttn Kdmificaden in Saläntki, die Dentsch Yerateheiii bestMtigeh kdatien^
(Sie Herrohl ProT^ Beter Behrens iöedin):), r Pf&,fi iuUüa \yehn tnäh einen jungen Mann bei una fragt, warum er eine
(Mlinchen)^ Obe^bamut Kurt FaHan Geh^ Hofiat ^roifi gelernt hat, aq wird er sicher nicht an geh eh
Öf, Max ihfoge^ <l^pzig)* Pmf, Wiheim tCxeis ^Üüsseidort kömieni wrutn er Französisch gelernt hat, V^enn wir eine
Gfttu Prof, ür- JLichl (Lefp^ig), Mattar Sprache nur dairüm iemen wollum^ wed eie "von mbgüchst Vielea
(l^eipÄtg)/ prbf. Mäb SeHgerJfLpipxi^ und PrbL Hugo Steiner Mbn^chen gesprochäh Wird, sd mussten sch Jernbn-
{Prag-Le|p»igj; Eiutiftferu^ der SniwUrfe Mitt- Meute sind Engtiach und Spanisch !{?y dt« vsfbreitftfcslieh SptachfiUi.
woch, ^r :X. N 19G- Wir lernen sie aber deshalb nichts 'wil Wh dda Studium ein«
A m eTii A b 10 X- e h r bii ^ e 11 e r, D a s ,,Dcp ajle- Spruche «töte vo m SUndpun kt& "dais ; t4uti«iLft aus b etrachtisn,
mem of; Comnj^Tt* add iigbhfi' ^urdiu o in Damrn behÄÜple kh, dass wir dm d€;htfö:h^ Spradhe aliwn ariaoren
Waahinftt^n sich fti einem tinlin^ hber die Handels- vor^riehbn mUsiäeni weil beute dte dftötache Nation am wfthastftn
ftniwickclbog , «t Argentimeiv veroffefillichteo mrüfangreicbeTi foitgescbritieH ist und dift Dftüis^h*« diiftrh ihre Charakter-
StmdirbiTicIn auch mit den wo.pjghrigtn Z^satectar-Ausstellungen ftigcn^üaaHijö w>^d soaiaien Tugwiden die äridürftn Völker Uh«-
io BüÄOosrAfffts. Das ßrgebnia der cm gehen den Betrachtung, ttftffeo* ^ Förtschritt der DftütBcheo im Vergleich
io derftii V c riaül ü brigens besonders die deutsche B e t e i M g u n g FrÄüiOfteo sdll te sch on genii um uns anautreibeor
und hiemnter vor allem dieieniÄft des Stahl we r k s v c r b a n de 5 ^ ^ d« deutacbef) Sumche; io unserm Luanda m
hervargehoben wird, iat nach ein« Mitt*Üühg der „Ständigen iOfgetJ. Das beete Mittrf* eine Sprach ft;
Aussiftauogekdmmissiöij für die deuiscUa Industrk'* in gruad^ävs- hait ih; dem iUtid«^ wo dies« Sprache gesproahen wird, Wir
lichfio Ahsführuog»0 über ,,dic Beteiligdhg an WfcfxauasSftUungen, haben in Genf auf diftsft Weise FraOiidfitaftb gelernt Jetzt lebeti
xu^mmftugftfaast« wovon die folgeüdcb a-u^h io hier io DeutsebUpd acn dem ’ man daa reioet^
d fttitsclbefn Auaatftll erkreiseo lote resse «nd Beachtung verdien ^O r Deute ch spf ich t W ir löj den Dmitaoh im Sp aiiereogehen,
,,Aüsstenungfto sollten mehr nach ihi^r aUgemomftn Bedeutung dütchau« gratis. Ich Mfe, d^aa m;in^ d*e
gewürdigt werden, wie nur ala Mittel itir den unmitteibAreo Hutirena bewusst wird, deh ditsv Mftihisdft bringt,
Absatz; mit au dsrum Worten: die Beb^Üigüngswokoste^i^Bohlfto Deutsche Schul prüfungcji im A ti»l«ii dft, Dte
auf das edlgemeino Bropagandakonto vert.ticht wftcäen,. Leiteoaer ^,blorda. Ahg, schreibt? Die iiahi der Schüler, dlÄ EfcJIjükthch
Qftdanke ixnm sein, den Ruf der oürdamerikauischen War^o d^utöcheo Au^Uiiasächuleu das Eiojäbdgr^Frü^iliigenxftügute
Öbe«iB dort au verbreiten, wo sie bisher noch unbekaum siud; ^ Reifezeugnis erwftrbm, wSchat, erfrfturicherWeise von
sie müssen so to xUe Munde seiUj dass die HHadler eich geradjeKU ja,h,r ^u Jahiri So bestanden die Fiujäbrigeä-pröfiiiig iu diesem
geawmigeo aehen, sie au führen. Darum gilt es, ^^sse in Antwerprö V4. p^rcelona a, BexhiU -z, Brüssel xj.
Puhliküm ämr m iuieressierftri, und gerade deshalb Üa-rf rtne ^^^003 Aires jo, BuVarest ,^7, Davos e, Genua 5. Jerusalem 7»
AuaateHuog tiichlbVoaaemft Anhäufung von Waran sein, sondarq K^^ist^ncinopel 19, Mailand 5; M«iikö 1, Rigai 4» ihsgea^mt 13$
sie mhss darüber hinaus wftithfti Interesse und BelahFüng schÜler. Feroftr «1 äugten ^o Schüler das R^fe^eugniff. nämlich
D« Gesichtspunkt de^ ZurschaUäldlens verlangt aorgsame Be- jn Antwerpen fOfeartftalachulej n, EriSssiSl (ftftatgyinna^um> 3
achlcung und, wie für alle anderen Formen der Reklame, Rbni^umopG} (ÖbbrrtaWchulüf 5. BriUungeo in Aut-
raüS'^tftu di« gleißten Anstrengungen auch für dm moderne BrÜs^aL leitete als Halehskominfeur:
ujüd besoudtris suggestive Propaganda der Aüastellangen gfttnach! , ■ . ■ • • ■ •'• - ' .• ^•.. ’ • ' ■ , .~ • ; . '■■•■ ■•::
werdftu, von denen mau übiirdias ^u gleich mapch nUtztichc Au-: ' '■ ■; ■ - -^ -;7^—r.“- 7. . - -. ; - ^
regüngftu heimbfriiigb Iftrheien ist auf gute Vnrpa diung
und einwandfreie Qualität. ^er W^reri gesteigerte Auftnerksamkait
2£u verwftndftm damit weder dftr geiegentUche Beschaufcx tioch
dae Auge dfts Fschmaiifts irü BtsÄU^n düngen Anlass hat. Auch
in bezug Auf SSussäte Aufmachung und letzten Schliff muss den
Ans^suuhgftn Laßdes HechUung getragen werden, Nicht
nur brauchbar mhaten dift^ ausgeiitellten Waren sein, JSondern
sie ftqlleu ih: gteivhem Miisse wie die Erzeugnisse der aaderen
NatioBep4se^Süskft des Besuch ft rs auf eich ziehem Was fUr
d«tn ILadSen vielleicht noch gut und anscholicli gennj^ Ist, taugt
deshalb n och lii chi für ein t i nte m a ti oiral e A ues tel I ' ttUdli cU
sollli^ mitn sich für eine zlelbewusateAiis i$; t e 1 i U g S *
P r ö p, a g d h d a zürn allgemeinen Nutzen der nationaXeiri:
W t r k ft a m «re r M i 11 e l b e d i e n e n» Gerade hierin
ÄOch, kfttßft etbXigft. Nation vorhandene MoglichkeiLeu VöH ui/t;
So hatte f. B, in Buenos-Aireä keine der ver3ch.iedftiieTi: fifÄSJsd:-
laudiechea Sektionen ausretcheiid für die Orientieiung dfts
Publiktnna unter nationaleo GefeirJitsphukieü gftsDTgi, Die hc^te
Leittung in dieser Richrnng Wiirefi die v&h Dftd^ heraus-
gegebenftu Kataloger plehl hin'j^ie VerjeicbÄ^^ der AussteUunga-
gfitec^ sondern gleichmtig^ auch iTriormiftrende Angaben Uber
Deiilschiaud und Äc4 nft:.Und 50 e[aE notwendige
Brgäasung für die Bcbau^steilang geibötr Freilich wurden die
d ftutschen Kstal ojgft o i cht k osi enfver (eil Sr 0 n de ra v erk j uft,
und toft Wirk un g auf da« osa e Pu hl ik Uro W h tdc m cb d p f cb.
den Üntfanf Uwd die Schwierigkeit "Ötoffeü bftftinträchtLg^r
ganze G ft ti £ ft f d e r R fr k I m ej nait Fl UgbiÄtlcrn, •
zßttfrln» Plakaten uftiv. ijjt jetzt n^jr Au^t*11 ung^^ noch wertig
fthtwiftfeftlf und. aücb H1 "^h t g fth Üjg ft o d . b ft a f b ft i t fr t- Dift
ForlachriUft. üjft das gerade in den Vereinigten
Staaten in den Ifttzteti J(3h^^ftQ gftfnatrht hau pprechen dafür,
;3.hch bei ausländischen Aoa&ttijlußgfrn wßitgvhftn^ hiftrvon , Ge¬
brauch zü machen,, und dift Verftmtgiewt Slai-ten sollen dabei
.Wegweiser sein/*:
Deutschland und das Ausland.
Ein lü r ki s ch ft s D r lei 1 U b«r die d eUt s.t'he Sp rach«V
Einem Brief, d«n ftiri in Hannover junger TUtlte
an die Süloniker ,,Rum.ili'’‘gftrioüfcet .hhti. ftötnehmen die
Mittftiluagen dftft VereißB für da^ Dfttxte.rtilu m im Äüs^
Imnd folgende bÄtberkenawerte Au^dhniAgfth tfitWenti man sich
iiiit.ftmer exakten Wrasenschaft eiögehftJ54 bfts^Iiäftigftn will, so
Pel Avärenhaüs zu Üen^^5^
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m DEUTSCHLAND
Nr. 10
Schulrat Nelson aus Darmstadt, in Bexhill Generalkonsul
Johannes, in Buenos Aires Gesandter Freiherr v. d. Bussche-
Haddenhausen, in Bukarest Professor Schmidt vom Auswärtigen
Amt, in Davos Geheimer Rat Oster aus Karlsruhe, in Genua
und Mailand Ministerialdirektor von Ableiter aus Stuttgart, in
Jerusalem Generalkonsul Schmidt und in Konstantinopel Schulrat
BrUtt aus Hamburg.
Bäder und Sommerfrischen.
In Bad Salzbrunn gelangte der loooo. Kurgast
dieser Saison am 15. September zur Anmeldung, eine bisher
noch nie erreichte Zahl. Der Zuzug ist noch andauernd gut,
so dass die Kuranstalten auch über den eigentlichen Saison¬
schluss, den I. Oktober hinaus geöffnet bleiben, solange bei
dem anhaltend schönen Wetter eine genügende Anzahl von
Kurgästen zur Herbstkur sich aufhält.
Warnemünde zeichnet sich durch einen ganz hervor¬
ragend gelegenen und gross angelegten Tontaubenschiessstand
aus. Vor der Halle breitet sich ein entzückendes Panorama
aus, das zur Linken von den jungen Uferwaldungen begrenzt
wird, während geradeaus der Blick über grüne Wiesen, den
blauen „Breitling“ nach dem wildreichen Hochwalde und zur
Rechten nach den Türmen der altehrwürdigen Hansastadt Rostock
schweift. Der Schiessplatz selbst hat fünf Deckungen mit Wurf¬
maschinen, so dass die Tauben bald rechts, bald links, bald
steUer und bald flacher und nach verschiedenen Seiten geworfen
werden können. Der Platz gehört heute zweifellos zu den
günstigst gelegenen und best eingerichteten. Am 18. und xg.
September hatte sich daselbst eine grössere Anzahl Schützen
zu einem Preisschiessen eingefunden, das von der Badeverwal¬
tung ausgeschrieben war. Der erste Tag brachte ein Haupt¬
schiessen, ein Ehrenpreis- und ein Serienschiessen. Zu dem
Hauptschiessen auf 40 Tauben (je 10 auf 12, 14, 16 und 18 Meter)
hatte die Neubuckower Schützenvereinig^ng eine prachtvolle
Fruchtschale als Ehrenpreis gestiftet. Ausserdem waren für
jedes Schiessen drei Preise bestimmt.
Verschiedenes.
Akademische Kurse für allgemeine Fortbildung und
Wirtschaftswissenschaften in Düsseldorf.
Das erste Verzeichnis der „Akademischen Kurse für all¬
gemeine Fortbildung und Wirtschaftswissenschaften in Düssel¬
dorf“, das sich auf den kommenden Winter bezieht, ist soeben
erschienen und beweist, dass es sich hier um eine gross an¬
gelegte Einrichtung handelt, die der Unterstützung weiter
Kreise wert ist. Das Vorlesungsverzeichnis gibt zunächst die
„Satzungen“ der Kurse wieder, die nur fünf Paragraphen
umfassen. Der erste Paragraph betont Art und Zweck der
Kurse, die dahin gehen: „auf hochschulmässiger Grundlage
den Gebildeten und Bildungsdurstigen aller Stände Gelegenheit
zur Vertiefung und Erweiterung ihres Wissens auf allen Ge¬
bieten, insbesondere aber hinsichtlich der Wirtschaftswissen¬
schaften zu bieten.“ Dass diese Betonung keine Beschränkung
in der Zulassung der Hörer nach sich ziehen soll, ergibt
sich aus dem § 4, der ausdrücklich betont, dass die Veran¬
staltung der Akademie jedermann ohne Unterschied des
Geschlechts offensteht, sofern nur das 18. Lebensjahr vollendet
ist und gültige Hörerkarten gelöst worden sind. Die Hörer¬
karten kosten, je nachdem die Vorträge einmal oder zweimal
wöchentlich stattfinden, insgesamt 5—10 Mk. Für diese HÜrer-
karte hat der Inhaber das Recht, an einem der nebeneinander
herlaufenden Vortragskurse teilzunehmen. Die Vorlesungen
beginnen am 30. Oktober 1911 und endigen am 17. Februar xgzä.
Die Gebühr für die Vorlesungen muss als eine sehr mSssxge '
bezeichnet werden. Sie hält sich im Rahmen des an den Uni«,
versitäten Üblichen und bietet zweifellos auch den Minder-'
bemittelten eine gute Gelegenheit, ihr Bildungsbedürfnis in
der ihnen passend erscheinenden Weise zu befriedigen. Aus <.
den Vorlesungen im Wintersemester ign/12 erwähnt der Vor¬
lesungsplan folgendes: i. Die Kunst der Griechen und Römer
(mit Lichtbildern); Dozent: Direktor Howe; Freitag nachmittags'
von 5 V4 bis 7 Uhr. 2. Kirchliche Kunst (mit Lichtbildern); Do¬
zent : Prof. D r. B o a r d; Mittwoch nachmittags von 6 ^/^ bis 7 Uhr«
3. Streifzüge durch die deutsche Dichtung der Gegenwart; Dozent:
Beigeordneter Prof. D r. Herold; Montag nachmittags 5V4 bis
6 Uhr. 4. Neueste deutsche Geschichte (seit 1870); Dozent: Ober¬
lehrer Dr. Meier; Mittwoch nachmittags 5Y4 bis 6 Uhr. 5. Phy¬
siologie des Zentralnervensystems und der Sinne (Gehirn und
Seele; mit Experimenten); Dozent: Prof. Dr. Müller; Samstag
abends 8V4 bis 10 Uhr. 6. Technische und wirtschaftliche Haupt¬
fragen des Eisenhüttenwesens (mit Lichtbildern); Dozent: Dr. ihg.
Schrödter und Dr. ing. Petersen; Mittwoch abends 8Y4 bis
g Uhr. 7. Die Organisationsformen der modernen Industrie;
Dozent: Syndikus Dr. Tschierschky; Mittwoch abends‘9Y4
bis IO Uhr. 8. Die deutsche Stadt und ihre Verwaltung; Dozent:
Beigeordneter Dr. S ch o 1 z; Montag abends 8Y4 bis 9 Uhr«
g. Politik; Dozent: Beigeordneter und Privatdozent Dr. Most;
Montag abends bis xo Uhr. Die Hörerkarten sind bei der
Handels- und Handwerkskammer, im Bureau des Verkehrs-
Vereins, Graf-Adolfstrasse gx, bei den Kastellanen der Königl«
Kunstakademie und der Luisenschule, sowie im Bureau der
akademischen Kurse (im Rathaus) zu haben. Nach auswärts ver¬
sendet das Bureau der akademischen Kurse Karten gegen Nach¬
nahme oder vorherige Einsendung des Betrages.
Ministerialerlass zur Förderung des Städtebaues«
Einen dankenswerten Runderlass, der besonderes Interesse für
Gross-Berlin besitzt, hat der Minister des Innern an die unter¬
stellten Provinzial-Regierungen gerichtet. Der Minister betont
darin die Wichtigkeit der Reform des Bebauungsplanes und
führt weiter aus, es sei bereits wiederholt auch von amtlicher
Stelle darauf hingewiesen worden, dass die noch nicht überall
durchgedrungene Erkenntnis, dass Planlosigkeit im Städtebau
oder in der Bearbeitung der Bebauungspläne durch nicht
hinlänglich befähigte Kräfte die Entwicklung der Städte nicht
nur in ästhetischer und wirtschaftlicher, sondern vor allem
auch in gesundheitlicher Beziehung schwer schädige. Der
Minister steht auf dem Standpunkte, dass die Grundbedingung^
für eine günstige Entwicklung einer Stadt in hygienischer
Beziehung die Aufstellung eines der nächsten Zukunft voraue-
eilenden, wenigstens in den Hauptfragen festzulegenden Be¬
bauungsplanes ist. Er hat daher die zuständigen Stellen an¬
gewiesen, bei Prüfung und Bearbeitung von Bebauungsplänen
für Städteanlagen geeignete Kräfte (Architekten, Ingenieure,
Hygieniker, Volkswirte) zur Mitarbeit heranzuziehen.
Gehälter der Bürgermeister in deutschen Groas-
Städten. Das Statistische Amt der Stadt Strassburg i. B. hat
sich der Mühe unterzogen, auf dem Wege der Umfrage die
Verwaltungskosten der grösseren deutschen Städte nach ihrem
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neuesten Stande vom i. April igu zu ermitteln. Es interessieren
davon namentlich die Mitteilungen Ober die GehaltsbezOge der
ersten Bürgermeister, wobei bemerkt sein mag, dass in der
folgenden Zusammenstellung Dienstwohnungen, Repräsentations¬
kosten in die Gehälter eingerechnet sind. In Klammern sind
die Einwohnerzahlen der Städte beigefügt. Es bezog sonach
der Oberbürgermeister von Berlin (2 06^ 153 E.) 36 000 Mk.,
München (595 053 E.) 33 900 Mk., Leipzig (585 743 E.) 25 000 Mk.,
Dresden (546 882 E.) 20 000 Mk., Breslau (5U 891 E.) 30 000 Mk.,
Frankfurt a. M. (414 406 E.) 36 000 Mk., Düsseldorf (357 000 E.)
31000 Mk., Nürnberg (332 651 E.) 27 20a Mk., Charlottenburg
' (304 722 E.) 30 500 Mk., Hannover (30a 384 E.) 24 000 Mk.,
Essen (294 629 E.) 27 000 Mk., Chemnitz (286 455 E.) 20 000 Mk.,
Magdeburg (279 644 E.) 25 000 Mk., Königsberg (245 963 £.)
22 000 Mk., Rixdorf (237 378 E.) z8 000 Mk., Stettin (236 145 E.)
23 000 Mk., Duisburg (229 478 E.) 20 000 Mk., Dortmund (214 333 E.)
21 000 Mk., Kiel (21X 044 E.) 18 000 Mk., Mannheim (193 379 E.)
20 000 Mk., Halle a. S. (180 551 E.) 18 000 Mk., Strassburg i. E.
(178 891 E.), Schöneberg (172 992 E.) 22 000 Mk., Altona (172 553 E.)
25 000 Mk., Elberfeld (170 118 E.) 22 000 Mk., Barmen (169 loi E.)
21 000 Mk,, Posen (156 996 E.) 20 000 Mk., Aachen (156 044 E.)
23 000 Mk., Kassel (153 078 E.) 19 000 Mk., Braunschweig
(143 319 E.) 17 000 Mk., Karlsruhe (124 677 E.) 16 000 Mk.,
Plauen i. V. (121104 E.) 16 750 Mk., Mainz (iio 624 E.) 17 000 Mk.,
Deutsch - Wilmersdorf (109 729 E.) 21000 Mk., Wiesbaden
(109 033 E.) 20 000 M. Von den deutschen Städten mit mehr
^s ZOO 000 Einwohnern sind in dieser Uebersicht nicht berück¬
sichtigt die Städte: Hamburg, Bremen, Stuttgart, Augsburg,
Gelsenkirchen, Bochum und Mülheim (Ruhr). Es ergibt sich
übrigens aus der Statistik, dass die Grösse der Stadt nicht als
Massstab gelten kann für die Höhe des Gehalts. Das ersieht
znan am besten, wenn man z. B. die Gehälter der Oberbürger¬
meister von Dresden und Wiesbaden berücksichtigt. Dienstalter,
Repräsentationspflichten, kommunale Leistungsfähigkeit usw.
spielen jedenfalls eine erhebliche Rolle.
Dr. Edmund Renard, Direktor des Denkmäler-Archivs
in Bonn, ist zum Provinzialkonservator der Rheinprovinz bestellt
worden und erhielt den Titel Professor.
DerbekannteTierhändlerHagenbeckin Hamburg
weilte kürzlich bei dem Kaiserpaar in Cadinen. Hagenbeck
wurde vom Kaiser zur Mittagstafel befohlen. Kurz vor der¬
selben teüte der Kaiser ihm mit, dass er ihn zum Königlich
Preussischen Kommerzienrat ernannt habe. Hagen¬
beck überreichte der Kaiserin mehrere schöne Straussenfedern,
die aus seiner Straussenfarm in Stellingen bei Hamburg stammen.
Der Kaiser schenkte Herrn Hagenbeck sein Bildnis in Cadiner
Porzellan, und die Kaiserin schenkte Hagenbeck ein Paar
siamesische Katzen, welche von den Katzen abstammen, die
seinerzeit dem Kronprinzen von dem König von Siam geschenkt
worden waren.
Stiftungen. Die Waggonfabrik van der Zypen
& Charlier in Köln gibt aus Anlass der Fertigstellung ihres
zooooo. Wagens folgende Stiftungen bekannt: 200000 Mk. für
die Ferdinand-Albert-Stiftung für Arbeiter, 300000 Mk. für eine
neue Beamten - Stiftung, ferner bestimmte Zuwendungen an
sämtliche Angestellte und Arbeiter. Der Teilhaber Max Charlier
stiftete Z50 000 Mk. - für eine Volksbibliothek. Kommerzienrat
Paul Charlier erhielt den Roten Adlerorden 4. Klasse, Prokurist
Hermann Kattwinkel, Oberingenieur Robert Hartmann erhielten
den Kronenorden 4. Klasse. Sieben Meister und Arbeiter erhielten
das Allgemeine Ehrenzeichen.
Ein Jubiläum der deutschen Post in China, ln
diesen Tagen konnte das deutsche Postamt in Schanghai auf
sein 25 jähriges Bestehen zurückblicken. Nach Subventionierung
einer deutschen Postdampferlinie nach Ostasien konnte die
^jOder“, das erste Schiff der neuen Reichspostdampferlinie, am
z6. August z886 die Reichspostflagge in Schanghai, dem inter¬
nationalen Handelszentrum, zeigen. Die Folge war die Er¬
richtung einer deutschen Postanstalt in Schanghai Ende August
z886. Dieses von einem Postdirektor verwaltete deutsche Post¬
amt, dem die übrigen Postanstalten in China unterstellt sind,
ist für die deutschen Verkehrseinrichtungen in Ostasien und
insbesondere im chinesischen Reich vorbildlich gewesen.
Eine Reise nach Paris für einen Schulaufsatz.
Die in Berlin herausgegebene französische Zeitung Journal
d'Allemagne macht ihr zweites Preisausschreiben für französische
Schüler-Aufsätze bekannt. Wie im vergangenen Jahr, sind
als Preise wieder 50 kostenlose Reisen nach Paris mit freiem
achttägigen Aufenthalt ausgesetzt. Das Journal d’Allemagne
hatte im vorigen Jahre einen grossen Erfolg mit seinem Preis¬
ausschreiben. Die Ausführung der Reise hatte das Komitee
für internationalen Schüleraustausch, an deren Spitze Stadt¬
schulrat Dr. Michaelis und Provinzialschulrat Prof. Dr. Engwer
stehen, übernommen. Die Kosten der Veranstaltung, die sich
auf etwa 10 000 Mk. belaufen, trug das Journal d'Allemagne;
Wie erinnerlich, wurden die jungen Deutschen in Paris sehr
gefeiert, sie wurden vom Unterrichtsminister und vom deutschen
Botschafter empfangen, mehrere grosse Boulevardblätter ver¬
anstalteten einen Empfang, ein grosses Warenhaus hatte sie
zu einem opulenten Frühstück eingeladeo, an der Sorbonne
wurde ihretwegen eine Konferenz in französischer und deutscher
Sprache veranstaltet.
Bücherschau.
Taschenbuch des Statistischen Amtes. Das
„Taschenbuch des Statistischen Amtes der Stadt DüsseldorPS
herausgegeben vom Beigeordneten Dr. Most, ist in einer neuen
Auflage für das Jahr xgzz erschienen. Das Heft enthält in über¬
sichtlicher Weise die Hauptziffern aus der Reichs-, Staats- und
Stadt-Statistik und gibt in deutlicher Weise eine Auskunft über die
am meisten im öffentlichen Leben interessierenden statistischen
Fragen, wie Flächen und Bevölkerung, Grundstücke und Be¬
bauung, Gewerbewesen, Verkehrswesen, Geld-, Kredit- und
Steuerwesen, Nahrungsmittelpreise und Konsum, Volks- und
Stadtvertretung usw. Das statistische Taschenbuch ist im
Buchhandel zum Preise von 75 Pfg. zu beziehen.
nkademische Kurse
[Qr ollgemelne Fortbildung und Virtschnfts-
vlsseuscbunen in DOsseidort
veranstaltet von der Stadtverwaltung und der
Handelskammer.
Winterprogramm 1911—1912;
1. Direktor How0: Die Kunst der Griechen und
Römer; Freitajrs, 5 bis 7 Uhr (mit Lichtbildern).
2. Professor Dr. Board: Kirchliche Kunst; Mittwochs,
6 bis 7 Uhr (mit Lichtbildern). 3 . Beigeordneter,
Professor Dr. Horold: Streifzüge durch die deutsche
Dichtung der Gegenwart; Montags, 5 bis 6 Uhr. 4 . Ober¬
lehrer Dr. nolor: Neueste deutsche Geschichte; Mitt¬
wochs, 5 bis 6 Uhr. 5 . Professor Dr. ntUler: Physiologie
des Zentralnervensystems; Samstags, 8 bis 10 Uhr (mit
Experimenten). 0. Dr.ing. Schrttdter u. Dr. ing. Potfrson:
Technische und wirtschaftliche Hauptfragen des
Eisenhütten Wesens; Mittwochs, 8 bis 9 Uhr (mit Licht¬
bildern). 7 . Dr. Taehierachky: Die Organisationsformen
der modernen Industrie; Mittwochs, 9 bis 10 Uhr.
8. Beigeordneter Dr. Scholl: Die deutsche Stadt und
ihre Verwaltung; Montags, 8 bis 9 Uhr. 9 . Bei¬
geordneter, Privatdozent Dr. Oloit: Politik; Montags,
9 bis 10 Uhr.
Dauer des Semesters: SO.Okt. 1911 bis 17 .Febr. 1912 ;
die Vorlesungen Nr. 1 bis 4 finden in der Aula der
Luisenschulo, Nr. ,5 bis 9 in der Aula dos Gymnasiums
an der Klosterstraße statt. Preis der Hörer karte zu
den Vorlesungen Nr. 1 und 5 (wöchentl .2 Stunden)
10 Mark, Nr. 2 , 3 , 4 ,6, 7,8 und 9 (wöchentl. 1 Stunde)
5 Mark.
Alles Nähere ist aus dem ausführlichen Vorlesungs¬
verzeichnisse (unentgeltlich) zu ersehen.
VorloinngsveriotchBliio vnil Hfirorkorton lind in hnbon:
an den Vorlesungsabenden selbst, am Saaleingang;
ferner im Vorvorkanl: im Bureau der Akademischen
Kurse, Rathaus Zimmer 47 , in den Geschäftsztellen der
Handelskammer sowie der Handwerkskammer während
den Dienststunden; im Bureau des Verkehrs-Vereins,
Graf Adolfstraße 91 , bei den Kastellanen der Kgl.Kunst-
akademie und der Luisenschule, sowie in folgenden
Buch- und Musikalienhandlungen; Julius Baedeker,
Schadowstraße 37 , Bayrhoffer Nachf. F. Jäger, Ton¬
hallenstraße 6, Emil Bierbaum, Oststraße 55 , W. Deiters,
Alleestraße 15 , Louis Kinet, Königsallee 72 , Arthur
Modes, Alleestraße 43 , Ernst Ohle, Köni^allee 54 ,
0 . Schaffnit, Bismarckstraße 56 , Schaub Nachf. Max
Pflaum, Alleestraße 23 , Schmitz & Olbertz, Elberfelder-
straße 5 , Adolf Schneider, Marienstraße 38 , Schrobs-
dorff (Walter Peters), Königsallee 22 , W. Wörmbcke,
Schadowstraße 25 .
Nach auswärts versendet das Bureau der Akademischen
Kurse Karten gegen Nachnahme oder vorherige Ein¬
sendung des Betrages.
494 ^B©e000eaa08a880900800a00a©8i® DEUTSCHLAND öoeeBeeeseeeeeeeeeeeeeeeee«! Nrjo
Ei OHO nftu« öÄi IVIUni:b»bat dt^f Vftrftsa
FÖf Ff ftni^iftnveriieferft in MüntiiiftR tind int
H^eeiüftji d ;s oftbi»» uiiusr TiicJ: „ MlS oclwfii «iu JP'ti tu ftr nj nd
Rfttg^ftbftf jSTüf daufttntot Anatfcdlung*' bftraijBt
difti wift dieser Tiifti: äU deoeti wilE-
koiKfj^ isftto ^^'elcibe: dift Atj*ficht: babttij ibr tUini am
tgiftf3ir*ßd I>er Verein täai ftkb für diftse Jisf-or*
nasttoi^BB^ibrtft dcj; Mhwipfe\*ti!Sf btrvciTxagftnöeF Aii^^nwt veTfti:cbftri,
S« 3 i. schUdftft im l['eii Dt. E« W, Brftdi^ der trelflicbe
Kiab!Btj|fhrMs'eUet+ ^iMUticbep^ die ic^nsderiacbe JSradVY
Coixift ScapmftlU l 3 f/Aiftxandft^ biU*
mann, der bek«nntft Müüsikktiiikfti:, dic^ M^aikstsdr-v
Gcörg Fdehs, dftf Sebfepfer Müt^ebener KiifiSfEiftr-
eheaitfft, plftudefi Über ah Tbft^ ÖeuiJib
Riiiteivauftf^ pfftiet ihi bftTodteri Womd Iftndscbjttüicbe
StrbbnbftU von Ör» A* ÖreyerT de^ßv Vorsiand der
^enuaJbibWoibeü 4 >e 5 D. u, O«^ mmmi
,tftÄdncb^ii4 dh ÜUdt des J. Lüthef «ine
Afehäbdlttog : dbcf ..Sport und irt M.ünoiieni der jvifciift
i 3 tr«kiof des «tatistischen d^ Münchchv
, T 5 r^ A T ^ückj fttblldent,,Oie ir ffen(Einrfebtangeja MUnCitie^i.
0tje3rWifir A. Kei-i^e^tel^ier „Bai Biiddn^-ivftseo^^ Br. H.
ipisn^c 4 gjbt ivpsTVi&ik W die WobrtungBfrage* llbtt
Äwdftrb ^ dem Kapitel HMühtjhftn ferne
fftsfliSjdii lät*df' 3^0IM miieri iwet Kiiparitä le n dei' nS
Bum Wntty dfti Dr; Matt, v<?Ä trüber
der itliftiktr Ffofeö Btr Fnedrich von Hnll^sx-i.. -
Teil dftr Hrisft g list J n l^beraich üi che r 0^ fsie 11 nn Peiudä nf -
st!^IUiae über 4 k Bilddirtgsstätten in Müochipn, dVc VitrJeft^
eiAficbtd ng vn-r Gfteaod te c b aften n ud K 0 pau 1 ai«, Kuhu% n
Sfebe^sWürdlAHfeikiif Heil* ttpd tCnrapsiftlieinf JAadftjr ü.
dfepiJti ftkb AdrtSBfen der FfnsiQb<tni Kektaüfi^iUj
Sp^sftreine lisw^ Wink* über AusPii^ft, ein VejifelchTila der
KftdfaHrvfrftgft tifid Reitwege^ Angabeji Übep
Dureicttangf dur Fischweireents in 4ftn; gr^^seren öbirrbAyepischen
Seen ai: 5 CiiÜes«ft> Die* wte schon die^e kurae ip>WJt^ani^abe :
erköppon it^iy praktisebe nnd wertvolle Schrift ist mit ^ah]
rftiL^hftn Virtlfftfhicbcn iUpanfttioA*p geschmUiiki ^r\d in '
thi e F ije dieuette h A uSBtattn og den a H e r p El n drnök 1 0 er
TileJ eirifachtm Giyjdaafdruck nur das Wön „M n n ch c
»lit nod wirkt gerade d^f^ib yornehm Eipfachhftit^ NatU aus*
wläHs wi^rd da* Werktbea; tniit dem der Bdöpcheper Vfefkehr*-';
* eine miiaiergltlJigft Saru in 1 urig vbu DruckäiphrtfrtEn iim
1 wer inieresaarite Bände beffti^ihftri h.*t, ^egein Einiiftndung 4 es
Piöt t oif (j o Ffep oige) vom V e rfti« : adr F b rdeVn n^ 4 es F r eni d en
Verkfibrs m Mhnc.b e n nnd im baytTii^?:hei 5 la ti d, M ü nchen,
Hi'upttmhfihnf^ Vniteblcfi ver^aifdv. |ttdrr T*d der Sctirift k^nn
fttf »i.eh. ftVlelfü .'hei^gen ■’wefdepi;:. -'- -^'.-
Rutid üTfi Äftrh*^Ö- jbSpatiergSögft, gaojte vifrö batbe
Tiigftstöuren^ nebst Plan, Be^^tihreib uog iiüd HündbH d. :^bsatTi?non^
geprellt vam Ver^chbofttut»^* und Eu^verein Auerhao:ti t Heeseit).
*, Auflage ^ Daft Bueb ist hfergasteUt i. kür den Geb ran cb
im Öeiando mit leatem Decket vnd Pa|iiet: kosi^cV sn
50 Pfg,i a. für 4 en pfopagaA d ajs e bra u c Ji init ^ ci^h
IiihAJt «ut Mchtem Papier -und Einband ^ graiia,
E» Teranse haut ich! die limgebung iVue^baclis in mn^Lergliltigef
Wetsft* ein Jeder Ru^dsprhrergftng durph ein btffiuudercs
Planchen für 4 eb Ftemdeh leicht ftöfhndbaf und
fhhtt iHta der kurgnet WOät meiüt c^ijl bei
längerem Aiiftmtbali: Stenhen lerni; es öreht somit iHr Kurorte
unfterftft Wisöen« einft Aftüft^ fast vr^rbÜdUche Art der Ver-
ÄbürrhftULriChung der Bftodfch^h^ Der Verj^r^i^tierUngs^ lind
Kuirverftin ist iisin: Unterverbend de* .Verkehr^ftuSi 5 c^usseB der
§ 4 u in Auerbsclii eHevecnl-
■'>.:••, i'ffft n''y t ü;r- d nt .■ ii e w e.'.d e:h t e ch e Th r.-p e n h n 4
d ie: b e u e; 4 «:ht «h e Ö y rb n a ä iik von XlA:]ohftnües hn,
IVt;t: 4 Verlft g v on • OUsStütv Lim pitCs^ ^ niihen *
PreiH Lid Wk. -- Br; JöUap^ics Uiibeb^unv dftr frÖhfef als/Türn-
lehrftr an höheren Schulen tätig ueWiisto tihd in dtn letzten
JahrfttT ttiit dem TurriJebreäf iu Soinmof* Frisnlcf'Lf'i,
ein Syirtem 4 i?r haltet Cihd dieses im Lriufe
d ftf leiaten WftcHftd ü 0 d M nTi ate Wie 4 esttfiil i ueH ftüf der
B 3 p«sdjtnftr’ Hy^i>nft^AüS?jtdlwiig uniet groseem
Bftifftb ftanftT sachfeunaiged j^uhörei^ehÄit viifgeführt hat, iei auf
den Gfthtjöfceu de* Turn^ JeL «Is KapsLrltat
fthiusfthem ' Itt dftr vor ime‘ Hegenden Bjokchijre rmdiÄti W(r
iBöni grosifiA: Teil e'aw neun^ i ormuh«fte Wci« mt gen,
sowohl für die weiter« Äitssg^ÄUlmnis im Gftineinb et Heb von
Turnen udiS Spoit^ wj« fhr Ün :irah0üell«i Und pfiyiiTes
TraiPiftron Hftüä qdftT besset iffl Büfthade,. .Die Dar*
Btftllittig, reich an pyüewi ideeh und öftdftnkftPj erfolgr in
der ^onst üblichen Ftirm dm A^hah^^ungi Ät^ndern durt^ «Wapig:'
lose» Ahftinandcfreihen kleiherer Abscbhitlft und Aphofiftme
An stau crmüdftndftr ^ edachW^ihg 1 ( 4 it ißodfth i»tr
«€iae und', ^Fheseh;';dk atif . 4 «ti Kopf
treffem klare, ftiofache^ nftltiflkte der wkhügftiftti
aktuellftH- Sucitfragen^ tüt viele Suchende ft^dd« dofr «rRSeendft
Wort. Binige Utoirat^ofleh öbftf^d^^ Neue BÄUtsche Gytssoajiiik
und augUieJ:! dfts Nadittürtieia und
ftio e be w äh rt« pi u kl Ib ch* hygiehte che Tui nklftidimg für FrÄuen
aftigeirjy erhöhen den Wert des BÖchldokA De es von
ebbt vfttcrjäp dl sehe fp Geist©, und in seihftO Schl'iftBfol^erijiigftKi
bftdeuiiäthrtt iii für uosfepc heranwachseit 4 ö jitgend* für unfter»
lüpgüuge und MKnrreyH, picht ai^dets ahoh IlSr uiwerft Hädeheci
Mud Fv 4 Stion^ sollt« es bei allttp, Sthiehren der BevtUkerutiE
prftküsohft finden/
Lpsiige dergftÄChlchi»f n und allerlfti Humor«, ße-
isiei^hja^ich ti hd Ge dichfeie s von Wf l h e I b/ '0 ü s c h.- Äwoiie; um einen
■■ 4 rftmftti!ichfrti S[chftra erwbi.iicrw Auflage,, t'jEeraitsgegftben voh Rud.
W dl. Pr« bhöd ö n tu Lein cp - P pftth rband i^r^ssen Fortn at»)
6 Mftfk. Verl^ag :v^»ri WÄ^ier^^ Xfeiiiftig. — Pieftfts vor
uHnigeu Mbnaiftp; ftfUmhSig frtsqhlenftme Bu^k wiA bereite
y Husche Vmhter wis 4 t d wa jil etit e i ne re ich c S^m ml u ng
■ öI thtf- "■ u Bdderge^efaithten'ü 'd >^''■ den ■'W;ftrkfto de«
. .jgto;? ift n ^■;. :H un vwriateh ■': ÄoTidhit ••■; . siin A : U nd ■ agt..: un beka ant
.^•■'dass B uftoh' .-seübftr ■ iß-deti’ .im': bfc' 190 , 0 ;. ftageö ■.könnt©;
i 4 V Vöh ersteh wftis&. woM hs'Ute äuftiftt mir
■ kem.er- /•:. ■ .Sic:.■ ■sind; Vkrgeiäißiehi'.. 'Teilkreise faufftn
fii- gar ii nter 4 « f^ P der Weh b e r u m.*" Und
'ete, obw.'Jhi _ -tJii.fti^c ■ kmxhch^ .'v^Je^ch'n upgftn' 'fbeiniOi*
aöo .der vmr
«ud voa ihm. -Ägi gferftf^hnei: wetdeui was er
gftthhqüt pftT Hcrau'sgtb^f lal mh otfc nsichi ti thftm Erfolg
bemtiliL den vOTt , ihm gehobenen nur luach jeder
Richitii>g hin %\ eheJitustelti!a Imümin der Äuacferftibufig:
hält ft?T- bftü;ift für ahsgeachloftuftii , c Söndent auch weiter tu
VCTmthf cft. Upd tekrtBres 1 jst ihm Ift der jetet »cito p, vorH«gcnden
jaweittn Aijniig;e in eiiper Weise gelupgem die aitgemtdö die
gr bs^ie UftbtrrrAschung sein dürfff:< Er hat tiämltch jetei den
b ;1 J ft 1 i n d i g e P T ft a: i e ^ ^ y u ü B h a cb ge d i ft* fe o
I 1 O jrft 114" piittftU&n können/ die 4tn Jdahcimer Hoftheater
ti p d aiii I Bftf 1 mftf F r k drluh *Wilbebnif ädlisc h e n Effölg in
den Äftchf^er jahrtn aufj^efUhtT und -/ da Boschs Aütorsch*ft
picht gftUawt/W’ftf - völlig vcfgftafttn wurde
;.'Tj-lft;l .pennen■ dir.-.Ejlyrn-,.und. Bio'gfftphftn von-. Bhaich riftblig.
Dift Ojptmte, die eiTi erStter Busch in ihrcQ Vrfwiclciuhgeci, in
der Mjrjiömrficbftft Jhrer Vcirsc und ao^usügep ^itx 4 ramAiivierter
Siidcj'bggftn ist. -ffftnütl /schon dem Umfiivgft tu den
grö s 5 tft u .Sditop fii p g des Dichters,
döa redaktionellftn Tftilcaii
>ietTWi\LQiWt >iäd' Jur Ci'ii äugend- Tfld ? J c a-st f u oiftea e r-
!ü ijflü ^viri^t bfcnWh^h uiiii tlvr Saad««-
äj«*tirirfii^i5; L>r. ä « u r L 4»» ShsiI** Deatfichilr Yarrkehra-
tPreiv^ fö Uft-ptisi ml Ah±i 6 k 3 JrBatei|: Brune K.^rb ta UH^aftUnrr.
Ü ru r» ^d Y trUe 4 4 r IX Ei ä a 4i> r f © t r i i. g » k u n 1 41 1 a . • Ö. U f> «tttAlderf.
loivh etn vciwSläffH^t juscnnvt|%ä9ttt)8ft§ett,
tpeSjjf, .|irtiiiiik'f|i.'!(ut)('^wt unit i.in MiPwbcitS Witni« $CÜtt. fSCcg
t>(cä tr^ciint »ie nllein
$U(l(tnpfer(l*Cincnmiicl)>$tife
v>L‘iiB«r(«natinJife«..Ra(lcfe«ul. ?v 2 t.r>n'^f 9 j|i»mia,vdw&e«.
HENSftR
Hiliirslbrunnen
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f ^ fftaK aytft.flc’ ta^ |
DEORaiUHD
„ : Zelbthrlft fflr Helmotkanile und Helmntliebe
' Oisnn für die deutschen Berkehrs-Interessen =^==
Wintersport in den Deutschen Qebirgen
Weitsprung am Feldberghügel im Schwarzwald
□ (Phot. Mayer & Schladerer, Feldberg) □
Die besten Zugverbindungen nach den Wintersportplätzen
Hundseck, Ruhstein, Triberg u. Feldberg im badischen Schwarzwald.
(Mitgeteilt von der Grossherzogi. Generaldirektion in Karlsruhe.)
— Die entsprechenden Fahrpläne siehe dritte Umschlagseite. —
. ^msf^erd&m
Bremen
Hamöurg
/rb/ABrx/a)
Münster
^Hännouer
I Arnheim
3er//n^
Magdeburg
f Düsse/dort
Gasse/ ^
^ac/ien
Marburg
\Coö/enz
, Mainz ^
du^^möurg
rrank/urt
\ Darmstadt
> Bebra
Brturt '
'lirzburg
7 ''öefha
Dreien
BefaienOech
J^oF
JjLichtenFe/s
Jßamberg
Mannmetm <
Metz
^ßaarbrüchen
Neust-adh
^neide! berg
* Osterburken
(Hei/bronn
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srlsruhe^^y-OG^ Mühi^ker Bietigheim
dürnoerg
sßaarburg \ Magenau^
Rastd/tr
^Pforzheim
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Huncourt
Bbden-Oo 3 ^
Strass bürg \
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•Hundsed^
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/ •Ruhsl-ei^ /
/ Bdiersbronn/
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V Ctrreudenstad/
Mü/hausen
/Co/mar
^ Mul/heimlQ^^,^
/ xfHausadi
/ 4 Triberg
^r^burg \^ll'ngen
Ti/isee^ Q^onajjdschmgen
^ •Feldberg ^Jmmendingen
^lodtnäu L
\Smgen
Baser
Friedrichs/iatcn
y^onstanz
yBugsöurg
München
. Lindau
"^Zürich
Der Wintersport —
in den deutschen Gebiröen!
Wintermorgen am Feldberg
Copyright bei Grauert & Zink, Berlin — Der 1 inzelv» rkauf diesea Blattes lat untersagt
1
llIuetratlonsdrucTt aus „Doutschland“, Dllsseldorf
(ri»oti)gr. A[aycr & Scliladcror, Foltlberg)
Wintersport im Schwarzwald
Rufstieg zum Herzogenborn
DEUTSCHLAND
Zeitschrift für Heimatkunde und Heimatliebe
Organ für die deutschen Verkehrs-Interessen a Amtliche Zeitschrift des Bundes Deutscher
Verkehrs-Vereine n Mitbegründet durch den Internationalen Hotelbesitzer-Verein e.V., Köln
«♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦
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X Bezugrspreis proJahr6M.,viertel- X
t jährlich 1.50 M., Einzeliwrmmer ♦
♦ 40 Pf. — Erscheint geg-en Mitte ♦
; eines jeden Monats (im Juni, Juli X
♦ und August monatlich zweimal) ♦
«»♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦«♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦
Amtliches Organ des Rheinischen Verkehrs-Vereins,
des Sächsischen Verkehrs-Verbandes,
des Verbandes Bergischer Verkehrs-Vereine
und des Verbandes der Verkehrs-Vereine Westfalens.
♦ ♦
X Anzeigenpreis 40 Pfennig die X
♦ viergespaltene Kolonelzeile t
♦ Reklamen 1.50 Mk. die doppelte ♦
♦ Breite. — Bei Wiederholungen X
♦ entsprechende Ermälzigung ♦
Nr. 11
Düsseldorf • November 1911
II. Jahrg.
Die deutschen Gebirge im Winter.
Von Dr. med. Erwin Jaeger, Leipzig.
Deutschlands Klima zeigt im Westen ozeanischen,
je mehr wir nach Osten gehen, aber kontinentalen
Charakter, d. h. die jährlichen Temperaturunterschiede
nehmen in der Richtung nach Osten an Schroffheit zu,
der Winter ist in Ost-Deutschland härter als in West-
Deutschland. Würde man vermuten, daß auch in der
Richtung von Süd nach Ost ein
gleiches Verhalten zu beobachten
sei, so würde man sich täuschen.
Da der Norden Deutschlands
Flachland, Mittel- und Süd-
Deutschland das mitteldeutsche
Bergland und die deutschen Alpen
charakterisieren, so findet in der
Richtung von Süd nach Nord eine
Ausgleichung der Wärmeunter¬
schiede statt: München ist im
Jahresdurchschnitt kühler als
Schleswig. Infolge der Erhebung
der Landoberfläche nach Süden
zu zeigen weite Strecken Süd-
Deutschlands ein Nord-Deutsch¬
land ähnliches Klima. DerWinter
ist daher ein in ganz Deutschland
regelmäßig beobachteter Gast,
der eigentlich nur an vereinzelten
Stellen, die geschützt von um¬
liegenden Gebirgen niedrig ge¬
legen sind, wie z. B. Wiesbaden,
mild auftritt. Aber auch an diesem
Orte bedarf es in der kalten
Jahreszeit nur kleinerer Reisen in
die anliegenden Gebirge, um den
frostigen Gesellen kennen zu
lernen. Daher ist auch mit Rück¬
sicht auf die kalte Jahreszeit
ein unentbehrlicher Bestandteil
deutscher Wohnungen der Ofen
und ein unentbehrlicher Bestandteil deutschen Familien¬
lebens der Aufenthalt indertraulichenWohnstube während
vieler Stunden des winterlichen Tages und Abends.
Sind damit die klimatischen Verhältnisse Deutsch¬
lands in Umrissen skizziert, so kann es schon von
vornherein nicht mehr Wunder nehmen, daß eine relativ
neue Erscheinung modernen Lebens in der kalten
Jahreszeit, die Pflege des Wintersports, dessen Voraus¬
setzung der Winter und das Gebirge sind, zuerst in
Süd-Deutschland Fuß gefaßt hat und dort auch heute
noch in besonderem Maße Förderung findet. Der
Schwarzwald, die bayerischen
Alpen und daneben auch noch
das Riesengebirge sind seit dem
Ende des vergangenen Jahr¬
hunderts schon von Freunden zur
Winterszeit aufgesucht worden,
um dort Sport zu treiben. Von
ihnen hat sich diese Bewegung
auf alle deutschen Mittelgebirge
in nur kurzer Zeit verbreitet, da
ihr ein anderer, die deutschen Ge¬
birge charakterisierender klima¬
tischer Zug, zugute kam. Inunsern
Gebirgen sind nämlich nicht nur
westliche, mit Feuchtigkeit ge¬
sättigte, Winde vorherrschend, da
sie südlich von den Zugstraßen
liegen, denen die meisten baro¬
metrischen Minima auf ihrem
nordöstlich oder östlich gerich¬
teten Laufe folgen, sondern unsere
Gebirge zeigen außerdem auch
noch keine so bestimmte Kon¬
zentration des Maximums an
Niederschlägen auf den Sommer
wie die Ebene, sondern eher die
Neigung, den Winter, der den
Ebenen die geringsten Nieder¬
schläge bringt, reicher auszu¬
statten. Das Klima der Mittel¬
gebirge Deutschlands unter¬
scheidet sich von dem der Ebene
weniger durch niedrige Temperaturen — gerade im
Winter ist die Wärmeabnahme nach der Höhe am
geringsten — als durch viel stärkere Schneefälle,
deren Temperaturoptimum nur um wenig Grad unter
Null liegt.
Größter und kleinster Skiläufer im Ski-Klub
Schwarzwald
498 DEUTSCHLAND Nr.II
Schnee, reichlich Schnee ist das Kennzeichen
unserer deutschen Gebirge zur Winterszeit. Hast du
dir schon einmal die Mühe genommen, die Schnee¬
flocke, das zarte Gebilde der Frau Holle, näher zu
sonstigen Leben und Treiben der meisten Menschen
ruht in solch herrlichem landschaftlichem Gebilde! Die
Farbenpracht der Schneelandschaft ist sehr abwechs¬
lungsreich. Die sächsische Gebirgsstrasse, die unser
Feldberg im Schwarzwald: Belchenblick, Sonnenuntergang
betrachten? Hast du dir schon einmal die Mühe
gegeben, die verschiedenen Formen der Schneeflocke
zu betrachten? Aber wie erstaunt würde mancher Städter
und Flachlandbewohner sein, wenn er die Wunderpracht
erschauen könnte, die dieses kleine, zarte Gebilde
durch die Vereinigung mit gewaltigen Scharen anderer
Schneeflocken hoch
oben im Gebirge
unter dem Einfluß von
Wind, Sonnenwärme
und Frost hervor¬
zaubert. Der Formen¬
reichtum, den sich
die Schneelandschaft
leistet, scheint uner¬
schöpflich zu sein.
Das Auge weidet sich
an diesem Wunder¬
land, ohne zu er¬
matten, weil immer
neue, fesselnde Bilder
auftauchen. Und wenn
man das Auge noch
über weite Schnee¬
flächen schweifen läßt!
Jede Gebirgs-Land-
schaft wird durch den Kammweg im
Schneebelag großzügiger. Der gewaltige, einheitliche
Reflex der Schneefläche fesselt die Menschen im Verein
mit der Ruhe, die zumeist den schneebedeckten Boden
auszeichnet. Welch wohltuender Gegensatz zu dem
Bild bringt, zeigt uns den bezaubernden Reiz einer von
der Sonne beleuchteten, frisch gebildeten Rauhreif¬
landschaft. Dann flimmert alles im Gold und man kann
sich leicht vorstellen, daß solche Bilder der Phantasie
unserer Vorfahren reiche Nahrung gaben und sie ver-
anlaßten, ihre wunderbare Sagen und Märchen zu
schaffen. Aber nicht
immer wölbt der
Himmel sein Blau
über die Schneege-
filde, recht häufig sind
Wolkenbildungen, die
als Hintergrund das
landschaftliche Bild
beleben, auch dann
wenn sie düstere Stim¬
mungen hervorrufen.
Sie verursachen in
der Landschaft den
Wechsel vonLichtund
Schatten und geben
dem Schnee Farbe
evtl, bis zum Dunkel¬
violett. Selbst der
Nebel hat seine Reize,
wenigstens solange er
Erzgebirge Sonnen- oder Mond¬
licht durchläßt. Dann entstehen oft ganz besonders
farbenprächtige Bilder auf dem Schnee.
Nun ist die Schneelandschaft durchaus nicht etwa
in jedem Gebirge gleich. Die Rauhfrostbildungen,
Nr.ll DEUTSCHLAND 4Q9
die ein besonderer Reiz für den Wintertouristen sind, finden
sich besonders schön in hoch gelegenen Gebirgen, denen
viel feuchte Luft zuströmt. Die bizarren Formen, die der
Sturm als Resultat seines Wirkens zurückläßt, finden sich
naturgemäß am vollkommensten auf der Höhe solcher
Gebirge, die die Baumgrenze erreichen oder über¬
schreiten. Daher ist das Wandern im Winter in den
verschiedenen Gebirgen nicht zum mindesten infolge
der gebotenen Abwechslung anregend und interessant.
Beginnen wir im Westen Deutschlands, so sind
zunächst die Vogesen zu nennen, die zwar auf französi¬
scher Seite, also der den Westwinden entgegenliegenden,
den Winterschmuck in besonders prächtiger Weise
zeigen, aber auch auf dem deutschen durch die Höhe
des Gebirges ein hervorragendes Skigelände besitzen,
das sich auch heute bereits regen Zuspruchs erfreut.
Doch konkurriert für die Bewohner der Rheinebene
erfolgreich mit den Vogesen der Schwarzwald, der als
die Wiege des deutschen Wintersportes angesehen
werden kann. Das herrliche Feldberg-Plateau sucht
seinesgleichen in Deutschland. Gleich ausgezeichnet
durch die Dauerhaftigkeit seines Schnees und durch
die Schönheit und Vielseitigkeit seines Geländes, ist
er längst der bedeutendste Ort für die Pflege des Ski¬
sportes in Deutschland geworden.
Schwaben befindet sich in der glücklichen Lage,
nicht auf den Schwarzwald allein angewiesen zu sein.
Die schwäbische Alb zeigt herrliche Hochflächen, die
sich in der Gegend der Münsinger Heide trotz ihrer
relativ geringen Höhe doch vorzüglich zur Ausübung
des Wintersportes eignen. Wer einmal die Burg Lichten¬
stein im Winter geschaut, der vergißt diesen Anblick
nicht wieder.
Gehen wir zunächst einmal nach Norden, ehe wir
weiter ostwärts wandern, so ist die Eiffel, der Taunus,
das Sauerland und die hohe Rhön zu erwähnen. Hier
erreichen die Berge zwar an keiner Stelle 1000 Meter,
doch werden die genannten Gebirge bei genügender
Kälte infolge ihrer sehr nach Westen vorgeschobenen
Lage derart stark mit Schnee versorgt, daß sich auch in
diesen Gebirgen in den letzten Jahren ein reger Winter¬
sportverkehr entwickelt hat.
Schon seit Jahrzehnten hat der Wintersport seinen
Einzug in Thüringen und im Harz gehalten. Oberhof
darf sich als der bedeutendste Wintersportplatz Deutsch¬
lands bezeichnen. Seine idyllische Lage, sein vorzüg¬
licher Eisenbahnanschluß, seine ausgezeichneten Hotel¬
verhältnisse und eine zielbewußte Propaganda haben
nach dort einen Winterverkehr gebracht, der nur noch
von Plätzen des Auslandes übertrumpft wird. Neuhaus
am Rennstieg, das zu seinen Bewohnern den deutschen
und österreichischen Meisterschaftsskiläufer des ver¬
gangenen Jahres zählt, ist neben Brotterode, Friedrich¬
roda u. a. auch unter den Wintersportplätzen Thüringens
Rauhfroststudie Garmisch-Partenkirchen (Phoiogr.: Gebr. Heckei, Berlin)
500 DEUTSCHLAND Nr.ll
zu nennen. Im Harz spielen die Rolle von Oberhof
Schierke, daneben Braunlage, Andreasberg und Harz¬
burg. All die genannten Orte sind im Winter mit ihrem
prächtig verschneiten Nadelholzwald, der sie wirksam
gegen die Unbill des Winters schützt, auch für minder¬
kräftige Naturen geeignet. Und der Brocken, mit seinem
kahlen, nach Westen frei hinausschauenden Gipfel, wird
durch die eigenartige Vereisung und Verschneiung, die
er sich fast stets im Winter leistet, seine Anziehungs¬
kraft immer wieder von neuem auf alle Freunde des
Winters ausüben.
Rauher als die genannten Gebirge und deshalb
auch durch längeren Winter ausgezeichnet ist das Erz¬
gebirge, dessen besondere Eigenart eine Kammstrecke
von etwa 140 Kilometer ist, die stets während mehrerer
Monate des Winters für den Verkehr mit Skiern geeignet
ist. Südlich und nördlich liegen dem Kamm eine Reihe
hervorragender Wintersportplätze an, die überall herr¬
lichen Nadelwald aufweisen. Da das Klima an diesen
hoch gelegenen Orten eine Bevorzugung des Wiesenbaues
erheischt, die in weiter Ausdehnung zwischen den
Wäldern gelegen sind, so sind diese Flächen schon bei
geringer Schneebedeckung sehr geeignet für die Pflege
des Skisportes. Altenberg—Geising, Kipsdorf, Ober¬
wiesenthal und Johanngeorgenstadt sind im besonderen
die Orte, die sich schon seit Jahren regen Zuspruchs
im Winter erfreuen. Da eine größere Zahl Bahnen auf
der sächsischen wie auf der böhmischen Seite sich zum
Kamm hinaufziehen, ihn zum Teil auch überschreiten, so ist
es möglich, die große Zahl von Abfahrten vom Kamm hinab
in die Täler zu benutzen und sich dann mühelos wieder
nach oben durch die Eisenbahn befördern zu lassen.
Das rauheste, aber in seiner Natur auch einzig
dastehende Mittelgebirge Deutschlands ist das Riesen¬
gebirge. Das was die anderen Gebirge an einzelnen
Orten an hervorragenden Winterlandschaften haben, das
zeichnet das Riesengebirge in seiner ganzen Ausdehnung
aus. Für unerfahrene Touristen ist dieses Gebirge sicher¬
lich kein geeigneter Aufenthalt, aber für Kenner ist der
Aufenthalt zur Winterszeit dort oben nahe der Kamm¬
grenze oder jenseits von ihr ein unbeschreiblich schöner
Genuß. Aber auch die Talfahrten vom Kamm des
Gebirges sind einzig schön. Hat man den häufig ver¬
harschten Kamm hinter sich, dann nehmen den Skiläufer
dichte Nadelholzwälder auf, deren Wege zwar meist eine
reichliche, häufig aber auch unnebene Schneedecke
aufweisen, die den Läufer gleich einer Wellenbad¬
schaukel zu Tal
fahren läßt.
Zum Schlüsse
müssen wir uns
noch einmal nach
dem Süden wen¬
den. Im Bay¬
rischen Wald
hat der Winter¬
sport auch be¬
reits seine Pflege
gefunden. Das
Gebiet Bayerns,
das sowohl von
Einheimischen
als auch von
Fremden bereits
seit Jahrzehnten
besucht wird,
sind die bay¬
rischen Alpen.
— Das Schlier¬
seegebiet, das
Wetterstein-Ge¬
birge und der
Allgäu sind der
Tummel - Platz
Tausender und
Abertausender
von Menschen
geworden, die hier im Winter sich nicht nur an der
beständigen Winternatur der näheren, sondern auch der
weiteren Umgebung erfreuen. Auch für die vielen, die
jene trotzigen Riesen, die in den bayerischen Alpen
allüberall zu uns herniederschauen, nicht bezwingen
hönnen, bieten diese doch ein unvergleichlich schönes
Naturschauspiel, das den Reiz der näheren Umgebung
erhöht. Wem aber die Kraft der Nerven und der
Muskeln erlaubt, in jene Riesenwelt einzudringen und
ihre Spitzen auch zur Winterszeit zu meistern, der genießt
das ungetrübte Glück, sich frei von den Fesseln gemacht
zu haben, die den Menschen sonst niederzwingen, er ge¬
nießt ein Glück, das er sich durch eigene Kraft erworben.
(Vergleiche auch die besonderen Aufsätze über „Winter¬
sport in Süddeutschland'' in vorliegender Nummer.)
Möge diese kurze Uebersicht zeigen, daß es in
Mittel- und Süd - Deutschland nicht an Gelegenheit
Der Brocken von der Heinrichshöhe aus
(PhotogT.: Bergmann & Co., Fabrik photogr. Papiere, Wernigerode)
Nr.ll DEUTSCHLAND 501
gebricht, Wintersport zu pflegen. Möchten daher auch
recht viele Männer und Frauen diese ihnen gebotene
Gelegenheit benutzen. Denn man muß die Herrlich¬
keiten der Winterlandschaft in unseren Gebirgen selbst
geschaut haben, um einen Begriff davon zu bekommen,
welche Wundertaten die Natur da draußen vollbringt.
Das Sportliche beim Skilauf im Schwarzwald.
Von A. Fendrich, Littenweiler bei Freiburg.
Es ist heutzutage nicht mehr so einfach, über die Ent¬
wicklung eines Sports zu schreiben, und als die Redaktion
der „Deutschland" mich um einen Aufsatz bat, der Zeit¬
gemäßes zur Entwicklung des Skisports im Schwarzwald
sagen sollte, hatte ich zuerst meine Bedenken. Es wird heute
sehr viel über Sport und Kultur geredet, ohne daß man sich
darüber klar geworden wäre, was unter Sport und was unter
Kultur zu verstehen ist.
So viel ist sicher, daß bei denkenden Sportsleuten immer
mehr die Frage in den Vordergrund tritt, ob denn der Sport
in Wirklichkeit so kulturfördernd wirke, wie man im allge¬
meinen annimmt. Welche Tiefe diese Erörterungen schon
jetzt erreicht haben, das mag man aus den Aufsätzen
Dr. Steinnitzers in der „Deutschen Alpenzeitung"' ersehen. Da
ist die Philosophie bei der siebenten Großmacht, beim Sport/
hoffähig geworden.
Aber der Leser sei unbesorgt. Ich werde ihn nicht mit
den dialektischen Wurfschlingen und den Enterhaken der
Logik zu fassen suchen.
Es geht auch ein¬
facher. — Ich hatte
einen jungen Freund,
einen Deutsch-Ameri¬
kaner, welcher eine
geradezu schauder¬
hafte Mischung von
schlechtem Englisch
und Schwarzwälder¬
deutsch in den ersten
Monaten seines Auf¬
enthalts in Europa
redete.
Das Schwarzwälder¬
deutsch hatte er
von seinem Großvater,
einem ausgewander-
ten Wiesentäler Dorf¬
schmied und sein
schlechtes Englisch
war die Sprache seiner
Eltern, schwer reicher
Leute drüben in einer
kleinen Stadt in Indiana. Außer seinen Berufsstudien trieb
er mancherlei, z. B.: Nachts im Walde schlafen; die Mäuse
in seinem Zimmer füttern; ohne einen Pfennig Geld in der
Tasche in den Heimatstälern seines Großvaters umherstreifen
und sich das Essen und Uebernachten damit verdienen, daß
er den Bauern auf dem Felde half. Fast niemand wußte
etwas von seinen Liebhabereien und als ich ihn einraal fragte.
warum er das tue, lächelte er über das ganze Gesicht und
meinte: „Well, es macht mir halt Sport."
Sport bedeutete für ihn alles Vergnügen und alle harm¬
lose Freude an nichtberuflicher Tätigkeit. „Wir haben sehr
viel Sport dabei gehabt" — sagte er, wenn er aus heiterer
Gesellschaft nach Hause kam. Er war ein ganz prachtvoller
Kerl und, wie man heutzutage sagt, eine objektive Natur.
Die Freude an einer Sache selbst und seine Tätigkeit dabei
wurde nie durch Erwägungen darüber getrübt, ob nun die
Mitwelt etwas von seinem Tun erfuhr oder nicht. Er brauchte
den Sport nicht, weder beim Tennisspielen noch beim Ski¬
läufen, um „Sport" zu haben. Das unverbindliche Spiel
seiner Kräfte mit den Widerständen der Außenwelt, ob es
nun hohe Bäume waren, auf die er kletterte, oder Bauern,
die ihn für einen Landstreicher hielten und ihm kein Nacht¬
quartier geben wollten, kurz, das Ringen, das Gelingen
und hinterher das frohe Singen darüber, ganz für sich allein
Schwierigkeiten überwunden zu haben, das war ihm „Sport"»
Vergnügen, Lebens¬
freude. — Er war
einer der glücklichsten
Menschen, die ich
kannte. Trotz seiner
reichen Eltern war er
sehr anspruchslos und
fleißig und bei einer
großen Begabung von
einer ehrlichen, unge-
künsteltenBescheiden-
heit. Wo er auch sein
mochte, überall wirkte
er wie Sonnenschein
und die Ueberlegen-
heit seiner Persönlich¬
keit wirkte besonders
deshalb so stark auf
die Umgebung, weil
er weder überlegen
sein wollte,noch wußte,
daß er es war.
Ein anderes Bild. —
Vor Jahren war in
einem damals sehr modernen Sport ein Preis für eine Leistung
unter ganz besonders schweren Bedingungen gestiftet worden,
und die Nachricht davon brachte in einem kleinen Kreise er¬
lesener Sportsleute nicht wenig Aufregung hervor. Ich saß
gerade dabei, als bei einem Glas Bier über die Möglichkeit, den
auch höchsten sportlichen Ehrgeiz befriedigenden Preis zu
holen, gesprochen wurde. Da sagte einer, der alle Rekords der
Erstes bad. Bobsleighrennen in Triberg um den „Pokal vom Schwarzwald"
am II. Februar 1911 — Sieger: Bob Kandel
502 PEITSCH LAN D NrAl
letzten Jöhre hi$^ aüf die Sejkiirrdßftj&^\lf!n. flüswehdt^
A i*; St^fL*P d S e; h wiidif t5i d er i n Be irsch t k Ofn.d 0/)
Peräoheri gedad kirntue^ sd eiiiem der K 0 rfieFjadef\: ^^Es- ■ ^ihi in
gani Dbmischlend huf dar diieaBn^^L
leitht hölei? kehh- Vi^HeMcLt sng^ rchvdas i>j^t * v-^ Oisr
. ddL^W G&,Sj?rabK tailganerttiHT^eh hatte^ ^ö
4a* %'ßt . ihi^ hicht kähnti&^Lh-^t^®^:
bescheii^^h Hel tah könneh^ Keirve M iena iyh .'{&,L
d>i]l er schön löng'it dachuS: ^jas der andere Ein^sr
eifrevi^djich^h/ aniprucHsl<)isert \X^esen -si^hr:<^iri
b ren tw n ^^^^^ ß 1 1 rg d ®ir /war ein Mens t b nd f ^vieleh';-Öhh-eö
iiöd fi^lgetBem be^iehtv aber niefntind liebie ihn^ ver kliiiri.
e h^ir^iiä c h 4bd V ofS ef kdb ne n PL^r^e. S e iri e UJ»g eh;
V erirtiKi eä en eh ß ebietch : ware^n g nsebnlich r .t Um Teil bcrtr^t/
ragendv aWr hinter öUehv er tat* iluarlö erbe gJtiher^die
Sebnsuchi nhth föuhm*' dia er- fast" imhiiei;
bergen wuS te., Hs war mms aekene Erdgleisttn^ ihm,
daß «f-gflfiK spät äm Abenth rrech $sfw
Si t n g' h ö ch: da m Gc sprüt h M rlt Haus c. g in ge 'H}-H- ^ -Mit
dar: f^üüsi aber mii rii:rüickgt^hBltenet Kröfh J^hg;5öTTi
auf duh fnsl wie zu sich: selbst^ itagte:
^DönnurweU^r^Avenh ich auch }^is bnle^ dann ke
mhh:
> Hih dtitie s^' B iJ d^ 7 r Ä uf a i,h eb jnh^a ni en ki ndn fu ng be-"*
gegnef^ ’H'bf ai|^ $tundö von. dein gprdSoh ^V^nlf^^^'
sponbotei, euHeimi in^lne Ontifit^* did iU. einer
•1 j cb .atng:;& H -^.i m r vb rituteifife 1 i spiX äfe 1 gk^it d '^f. uT elema rk scb -^v :
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zü x^rr^hap. H Jfi G espräcb kp vi p iH e si cli miu ndt ;i^t^ d
si« rriir das Motiy ihrer selitsafhi^Ti Pössion, Sie lerschien trgtiS
g^SUldnkt^r ■ Toiietlö, h Is; Vierzigerin> Wör Oiiijiiersgattirt und
mit eUmr. kleinen 3Nxchi^/, ;dj^ G)>öi>eöard^rfiii K&|te^ in,
dem gräii&ö ’ ^zxir Erhötuhg Nichte
^kijnhte; d^ Xbl^mbrj^i Vh^d ihfi: hicbL ^lis bei
ibfer ger^d& dt^t ^&föbrubg i m SkÜauf ■ hicbi ganit
unye rst äpdTtbh vv b fv X>aft >r.^Ghü ti e irte 3 krer A hsicbi iiir-ft
AtiiöHi bei der. Ihr eh^ertrau teh. Ski mäiddornig.. meinte.
sie, w^hn [Tian diesen, ailern^^uesteri ^nsintt^d®f
einhiöl jmHm pichen: hiüß.te/:Sö wölle sii; ihn:
Und si& begann ^ nöchdem ich außpF war,
:Wh?dar Von vornp/jtu ritigi^d/ ,
ich häb^ btH&r -ä^fm Leben drpJ TypVh vbh SkdGUreifn
gTeifiVcbnC'L: ^ rnftriich^a Lesern mehr-oder wcrd!ger an
eigene Frieuhde und B^k^innt? au deth Wintersport e^inhem
werden, ßs grbV nhidrlich zahllose 7nvisGhmstüiteh i^V-dschen
diVs^^b drei Fä tt , (V?Wn n dies e r A us 6 rock Wintih t ist) —^
ühd Sü teih yrabden/stch ,d^ Typen S^hen finden* Aber
■jcde.t' M>^s0i>V/dpr..S.ptSr^/ vvön' dtes.^p■ drei
Seei^^n in sela^L 'Vi^nponer^^ .
Dem jujj^.en Dc.hisctr-ATnerihaöer wör alles Sport, was
ihm ein tVbhtoü^sir' luifmiörse^ mir sich selber,
d^r Netür odj&r. mit bndpreü Mej vif eben ^JlGobte,. ohne dcB er
dub^r ■ ondefi^: -S^isi'd^griir.dö .e ffi'e ’ !■ e:h 'e n s f r is ch
Ah if: k h/ g ;S e i. n e: r ■ 'I^. :r ii T t e*
tte. SpprtsTnnnn benutEtfe' dei^ Sport in der Hauptsache
:äl:s ^ fe s eiT[e F erson t p;hd s Iteg: ^ w er eirei chte^ er**
irj? tch itt >:h T tnr gs^ Hi st' ti t v ottI ' -B h r g e 1 1. Jenem w er
SpöU immer pvir eino LiTSt;^. diejjmk wurde er aUn\ahlicTi
y.'^iy.sdV!
T etem arks eh wu n g n ach Uriks:
:S teile n H^ng t? ti ^ 1 , I ^ P;r*^ibw rg f
Nr.ll DEUTSCHLAND 503
zur Last. Und er hat sich seit Jahren mürrisch von allen
Wettbewerben zurückgezogen, weil schließlich doch einer
kam, der seine Rekorde schlug.
Die um den Telemark ringende Gardedame ihrer Nichte trieb
Wintersport keuchend und ohne jede innere Anteilnahme aus
Mode, aus Pflicht sozusagen zum gerade nötigen Hausgebrauch.
Wenn man nicht außer Acht läßt, daß alle Vergleiche hinken,
so repräsentieren diese drei Persönlichkeiten die drei ver¬
schiedenen Etappen in
der Entwicklung des
Skilaufs im Schwarz¬
wald, so weit es sich
um dessen äußere
Ausdehnung handelt.
Die ersten Jünger
des Schneeschuhlaufs
waren Menschen, die
zunächst gar nicht
das Sportliche an
der neuen Kunst, auf
zwei langen schmalen
Brettern über tiefen
Schnee zu gleiten,
reizte. Sie waren In¬
dividualitäten, die
besonders empfäng¬
lich waren für den
abenteuerlichen Reiz, Höhen zu erreichen, die im Winter
unbekanntes Land für den Städter waren. Meist junge Leute,
zumeist Studenten, deren Sinne offen waren für die stille
Sprache der weißen Wunderwelt des Winters, trugen sie
auch alle das Stigma, welches die Jünger jeder großen
neuen Sache zu tragen haben: sie wurden verlacht und
wohl auch für verrückt gehalten.
Diese Periode, welche mit dem Erscheinen des fran¬
zösischen Konsuls in Mannheim, Pilet, auf dem Feldberg im
Februar T889 begann,
umfaßt die ganzen
neunziger Jahre des
letzten Jahrhunderts.
Der alte Feldberger¬
hof mit dem gemüt¬
vollen Stilleben eines
kleinen eingeschneiten
Gasthauses im hohen
Schwarzwald, war das
Ziel einer zuerst winzig
kleinen und auchspäter
nicht übergroßen An¬
zahl von Skiläufern,
die auf eigene Faust,
auf eigenen Brettern
und nach eigenen
(manchmal sogar sehr
„eigenen"') Methoden
sich in dem Schnee¬
paradies tummelten,
das nun einmal der See -
buck, die höchste Erhebung des Feldbergs, ist und bleibt. Es
gring ziemlich lang, bis sich in diesem Paradies zu den Adams
auch die Evas einfanden. Wenn ich nicht irre, waren die
„Maidle" auf dem Feldbergerhof die ersten Skiläuferinnen im
Schwarzwald. Mit wieviel feinem Verständnis und kluger
Schmiegsamkeit die Besitzer des damals unscheinbaren Gast¬
hauses, Herr Karl Mayer und seine weitsichtige Schwester
Fanny, den neuen Gästen im Winter eine Hütte bauten, in
der gut sein war, das habe ich schon in meinem letzten
Aufsatz im vorigen Jahr angedeutet.
Man kann die Periode der Neunziger Jahre diejenige der
enthusiastischen Dilletanten nennen, wo der Mangel
an technischer Beherrschung des norwegischen Wanderbretts,
das in seiner Art ein verborgenes Wunderbrett war, durch
ehrliche Begeisterung und eine unpersönliche Hingabe an die
Sache selbst ausgeglichen wurde.
Die zweite Periode, welche etwa die ersten zwei
Drittel des vergangenen Jahrzehnts, also ungefähr die
Jahre 19(X) —1907
umschließt, wurde ein¬
geleitet durch ein Er¬
eignis, das sich in
aller Stille vor einer
Anzahl am Seebuck
zwar mutig, aber nicht
übermäßig elegant ab¬
fahrender Skiläufer
vom echten Schwarz¬
wälder Autodikdakten-
schlag vollzog. Es
war auf dem Feld¬
bergerhof ein nor¬
wegischer Student, der
am Darmstädter Poli-
technikum studierte,
angekommen. Schon
die leichte, souveräne
Art, mit der er ohne Stockhilfe seine hölzernen Rappen
lenkte, erweckte stummes Staunen. Als er aber nach
einer raschen Abfahrt an einem Seebuckhang mitten im
Sausen mit einer verblüffenden und namenlos leicht aus¬
sehenden Wendung anhielt und plötzlich Stillstand, da kannte
das Entzücken der Zuschauer, für welche das plötzliche Halten
bei rascher Abfahrt immer das verborgenste Rätsel aller Ski¬
technik war, keine Grenzen. Man bekam eine Ahnung, was
Skilaufen heißt und wurde sich klar darüber, daß die Schnee¬
schuhe für die kleine
tapfere Schar am
Feldberg bis dahin
nur Kinderschuhe ge¬
wesen waren. Bjarne
Ni Ilsen zeigte zu
seinenSch wüngen auch
das Springen. Und
nun war das Signal
gegeben zu einem bei¬
spiellosen Kampf um
die Eroberung der
Technik. Die „Tücke
des Objekts"" ist dem
Ski ganz besonders
eigen. Ihre Ueber-
windung war die Arbeit
des größten Teils des
ersten Jahrzehnts im
neuen Jahrhundert.
Der erste Norweger
auf dem Feldberg hatte
viele Nachfolger. Sie waren alle, ob sie wollten oder nicht,
unsere Lehrer. Sie zeigten den Stil I Sie wirkten inmitten der
breitspurig und unbeholfen auf den schweren Eschenstab sich
stützenden Schwarzwälder als beschämende Vorbilder, welche
das Geheimnis der Eleganz auf ungeschlachten Brettern auf¬
deckten und das Rätsel des geringsten Kraftaufwands ad oculos
demonstrierend lösten. Mit der Eroberung der eigentlichen
Skitechnik einher ging die rapide Zunahme der Zahl der
Skiläufer. War für die Hebung der Technik insbesondere die
im akademischen Skiklub Freiburg vereinigte, skilaufende
Abendstimmung bei Schonach (Baden)
Hintergarten: Weg zum Sprunghügel
504
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riiitamoUvendi^eji idaädili^mid'^Fv .vj;id Teu-
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tung^en. abo die 4äffeTit^]ehWxA^^ Or^ahis&ribh;
upd m Ibtem g s nttn V§riq it^ h:%H£ evoh ?:portlichetn Emst
mehr diifclmehten öebi tra^^n ablHeb/ £(b :dös im alj^eni^ine
bei dem roßen alljaiirHrheff f^eldb^rgrentim der Fall ist*.
Hs i^f t . r kiem, Zm, driÖ . 7 -1JÖ r 4^^ vtSchwar ztvälder^ im .
Sprup aiih hv Sp te: rixid Std g ehii Eted eo t en d es gi&loistet
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Küfmh^tt 4^ Abesprühd ernste Hing'üb'e
Sbehe^ das lassen unsere
" .tTEil g:an35 w'^enig'ep AxtiihßhmGfi^^'yem
^erhalt es ^Icb rn.h rmsem Wotddui^^jrt.
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iiinzi^üs Verki?füstniiiet btx $d44??rtJ: wai? 4u^:4 woiil jEtui d^itf
$(f 11 wfifzwüldisrcht^n r^üss^htdinrßki t'r ■ ^pshmtjxej il uin^^u :&ö ist
dajuti boplv yvlr;hb rein ?por4iclun\ Vt^rä^sial-
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■/ .:ghn'^-'yc^44erS' 4<n^--'^kihbrk'nden Ji'lifciid; 'so i^tii QTXst^tt E-s.
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,'' ■^fhiksK^ri ::ld \ .■' ii at; '■! t c; Sajt]?, Sn. war das Br -
■ sebeinep. d 0r gj:ürßev.>':; -Skiir^'tikTd'lui '.Irp.- ■■ hohen....' Schwör iwo Id
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eigehc^ kleine^ Winii>rh<?imr:v, Ich: iveUkTjk’ht wfeifiei
■■ Mut toxi,. j.yh''4'. tl l'^ oin; ■ am- ■ Pis 1 . '.3»cb^'>p:, lK^!S Jtwtj - etber ein
Datzcf^d iyrrd cs wohl stdii^ Nk'hb niA db^. ^ sich
h'irtg^sani za ^jniwkkcl.pdim Feld^
. b^ fg-er h nf der, kf fr<*lik chkiei i 4 nd dB 0 ^
, htiizhdie Bexie.buh^ , rdx,^lchir. He^xts , xmd . F^e^onril
ge*td,jwimdci> waiel Ergibt mi4h Infbie nö’ch Iroii ddr w
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Hlit:k' ap ^ rwd tmoo s- .^,^'ho^^>^ x^.i' fk-.'- iU^)iiii;x^.;M
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Sonnenunterg-ang auf Seebuck mit Feldbergturm (Photogrr.: Mayer & Schladerer, Feldberg)
Blick vom Spießborn ins Tal von Bernau (Photogr.: Dr. Biehler, München)
506 DEXIIfSCH UAN D Nt. ll
Iminer neu^fn Hunderten steigenden. 1 ImTbifrr; nd^iih
■keU'LerKP.orUe^r ynd der- Vöa^-der
JtingfemJtrjan^ der ^?MaidW;^^ blahi ^ücK im ütten
]6?; terrscHt ■ eiß ■;wt^ri.rT etj.üriv ^öUvrr KaifVi^it ttef öltj^i
Gä$te\ nt^\ dem'' hU^n Tön.,' und aA;
■ der,: ln. slä d lis^l mn „; B i e rlo Ire 1 e ii ii^iicKi^it; ■; .'^-i:?.'-:. detfj.'■ -Jltj il'^ed
weiiig ■ passenden d^fv.aiien^ Wj^lde.rr^cl^ Iß'.;
iacVdmif urtd "Z:ler Stf bl dieT^üdltuib im
K4rd nnclrnid^t !snfr<?gt^Ö'env:
’'iC^enn hier.spejMl d^st-Sl^Uauf im FddUer 4 f];:El>loit-Ir* ^eWr
HntwAHmg iiespröeJten würdsj sto ge-^thrib iiTEil-Tfiütati^
mudgtidi 5 - die'. SiStfe^icfeifLin^ ■: tm--^ir) z-en' SthWtir^S-W^ntrjj.'il.d;.>s1id-
lithen ivie im n^irdtkbefi teil %\ch unter dettv Ei
Feidijergs long^söm dKnikl* Wu^. ön .werdg^flrifrire'j-
lidien ßrseh^mirttg^n imi di's SViknfs mit
besji r:of:Tien Krildt ■ -/^^iGlidcrn’
nur Kon äi ü t f & rii t\^ v nn tinve lliH tidd t*iJiEbsfi >; I>?i5i
in.^dörn^J-T-fifen 'idKi 'ndf äSien^GeMeten 'n-ftc1v eig<&nez:v'
O^Tsef^en.f - die'’det 'kidturelten-. Habe der nu. de'rjHn.fiiyj^t'^ '
luTfjg^ tedne^vm.Ejiden l.ie^?‘ijlkei>;ng^s&cbii;litüt\ , tmhi
Sentim^miÜdt^n Äjnd bexii^i iveniget am Plölze^.ijsK Däj.*
gesmidHeittichtf..Wütt d«^i: d^«r A fisb roitn rb^.; de?; Sjfiierdls
md' alle iiegl l^edenterurtgebeusr viel
m eiir i^s die : d er Oejiih le v iei^r ,Bijiiäin erjr die
sir^h jetst ;dij£;?ds det ■wintedichen. flerg'f
einsümkeH >
W j e dl e EriJ wi t;3ri vmi^^ vv^eKer ^eirön; wirdr m t :§^wßr
^ögrerw jVqj;; ;d:et viejer sdderßr Spor teerten ist:
H d f' .X l# F1 Ul I l'i ft.V'i-L^F r» ;k 4 . F^öc.P' tifji t ff *•': « R At" ■■■ fifV*'' r;K <
wl$ es im siefei^n dÄiih tindert tn Sieierrriark irpta Ji oher
Die FlutH’eile TASrd also Immer nöcb st eignen ^
jederdülk-. t<ö ^d^js^ die :E■ntyid^'H^ng•■■de;r•,$'iä .
antreibenden l.eben leiivfiötliige Ävd-s\]tPhen d*r t^^ötu^^
: für dfc Stndt>:r immer ipd^r eine:«* . iebensIbedarftiEs
mfi.bb t ; tim ■iivpr si^het.rt. Mist je v--eben.. neben. msn-di em Uti-.'-,
e F Mi nsclileiV üü e L iJ. * po j l i i t bem Snob15^n v^\ düüh überall ifi
ünjjeri; sM vt^{ Lf^be^n^äfreude imd^^ S g^br^rcbt^ 4b0
tvfr fiufb; in den^ Tn^^en. dtd'^V.’prpi^bEiimg'^ d^et Kdnst .aüf;
dir^jn imjrp^r nocH, vollem Herren
riü'en 'düMen 'i , ^ ' , .\ ’ Skf MelM- :',_ ■•■ -'
Die Wintersportplätze des badischen Schwarzwaldes.
7
Vo n Bii rgpfm-föl SM' t■' d ^ P
.fn ’u'ek'tt'ön'i. -Xlpfol
r Jt:: 01 s cbbn ijis tr Hi <?r,r^.
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f jfio Sefm^uchC d riiditdteu mü eigtmcm Äy^i-a ?.ir fe
Mif^i '^wb nWM una^idmcken lVrd tS^rdlp
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so li'tuVr Kült/i^rüil dx-f ons i^ji2
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wi ,r fwjrm e Öekö Fto c l m. K; m b t d\CnI: , D < ir 01 1 j. SOl 1 td t-
Men b'i^WU:hen. Sonunt’-r^i^^dil, ii« Ntj;
dem FrjMitvdn Jang und tirl ins .Üxi
wird■ *i'äieifi# ■'W.ie h ei’'dorr:'inni u^n" älJe.trft'idd n ■■ d-ür^
di^-ron ■..'rn^.t^'• ■ ■ 11'•■ fn titiviC-. Se.bnvdddi^n■ .
■ intirn.•;■ d_ö';3^nger ■ innie.IrndTielten^--.Jp"nEFg^Ki.K’diicEren: 21 ag.n.'
.ic^:t ' 4 '^^ip :a>-c i'vr-. ^^tie'fvv \\ ■ ':: vn'- 4 e ■ t. 4 i^bt>i tu
Auch 'd«?^ Süb iytir FOnend.^;
; \y ej vtv d i e fn r n I dntt q n f w &i ßg ede ckt en 6
in. 'xM ;■ ^k-n?i-t^| lejK '-iwSi ' We t\i\ ■' kü's; ;..
lip? did Wülder ifeo rjeicbbes^Ulfen
M^,iFnelir\^nnbd wenn is\ hu ntbew^ie^m Spiel
ef.p l Ijen rnivrj tx\ l Um snnis;sel t
■ Wr-'^vb^nkaffesvidl Jhf\^ tnrüf, t>der. ivx^on em'.
ifeli’-^';iT^^Ji^ibrrrr*.:.A1*?^-' -^dfe-e.rsr^-rr^ridßiv ':
l ftiln;>n i:, nuk1 1 li gt* -sd’ir j.i.d/itie ., N abelfetvor sürii
3treiIsi; di?n 5chnoe in Sm lii• ihrfwjrbe^lt. die altetsi
*u dl lern mada.
■ |?p ■::^^■ .m im ; (.4it.i rbar! ....s'icb;-,v.elb eV'5dvori-heiv ■'■ 'V.o-n .■■ übeT>-.
;.;' >' ii) p'^okdCt';.. A T Ly. D er ' t« «i^:-b t. ^isfHj; ’. skb r', ' ' m ei n tf.. W j nioi-’-
:'•;. r■ eii •' w:citig jl' ■■'^-^In l ■ ■ s'*in,.- ■' :6r '%ä \ane di i*
Fe r be n i nnu n fj 1 b m»Wil^ .irn; b-öllsteil A 2 n r, d ü s F lirnm em
dtis Lidits und dfis Bjit2en des tvafVbrtübs, i^r SieKnu^r wie
■ w (j ndfctfer ipirbi^t ■ {HeU ^ kl ScltäU ^pi di p gi t k-.
gebende nnd Sfmbtruituf d-eu. msLöroien* gelben,,
vi o ie u o n S<:hb eei ep i>ii |f inu bt?f t ^ n nd - nu rd s t n un e n d: b e-i'
WnndErri >di e 3u^:iejriinkt*b:iinf M alkn t>s t des W {n lers, tlnd We
. :ui I e, welch k ostHc hv. 11Fft Jv^rt;, unsi-.d.?? r W b'i t e r>.-
. IfkTf f nil 'ci tn fc'' l kn 4^t t*rri kein o A in t>?i mf4 ir -, DeHe^y ige un d
tkm ^bncld i t ’i&n t sctm’ lfn*e ^ yio W^d ^Ti icb n)tni n 1 Ans d e rti
, w^ühbg kjtdi^n ^ Sttitkender Geruclii*^
r ucj ^ t vo^fi iC! on Si ln) F pih d iM:|ii^pts s * Im 1 e 1 cb 1 e 11 Rq c k,
öbob ^5idi w?im wd bein nnl iJen mit
, ■ ■ -Oie. ■iiii(C-I|s.l'.s o kl ar, der Hüume t
bW', sifnl SrO nnb.aritJ dondklb ^Is
r^{:( itm Sjf^hneobnirnj+YcnEp sli? ^^JpNi^^£h^:;v kbmvtö.
■dti'S: c sWr mt -mn Hy^>otfender
khd . tdx 4 bb.'mlner^;;- s'ei 5 n,^^ •
onlUtz dE-S e<i ein jedef^ dfer iix:l;iönen jjnd
: V- mp fm dort: y t^r ;erk^h her w ir d. i’ vxm 11 i ge 1 .e ule habe n
eher nöch tnehr bgb tsevidneki>; Lönm^ enen Spad^reögeheri
AJnd diiFWek nicht g.enügfe. Sin wallte
sic h im IVp -1 cMihfterw egi 1 n g v ersehn ffen, wäll t^iv ih r«
Kärpe rk riifte |rdli jldhpn SpioJ ünd: Spopl enttaitom Da äu
gr.bT dmen d^r #ijvT.d^ rf?T?. Zustimmung^, Der
wird -rfen Säbn^^i^säh dem Rodel und
11T djskdgb Kn r ^5= iä.acK i - F^ef S ch ^WeüchuK ist Herrscher.
Br k e liisi kein ä: Gf;Oi a äuu , hi (i dCih b i tiihexi: und wo ion
Nr. 11 DEUTSCHLAND 507
Sommer keines Menschen Fuß einen dichten Jungwald durch«
dringen kann, saust er im Fluge darüber hinweg. Sein
Gebiet sind die baumlosen Kuppen und Abhänge der Berge,
die Wiesenmatten der Täler. Der Rodel ist wählerischer.
Ihm passen nur gefällreiche, krumme Wege mit hartgetretener
Schneelage oder kräftiger
Eiskruste, gleichviel ob's irri
Wald oder Feld ist. Die findet
man leicht und häufig. Aller«
dings, wenn der Rodel seine
Kunst zeigen soll, dann stellt
er besondere Anforderungen
an Gefälle und Kurven, Kurven¬
überhöhungen, an An« und
Auslauf der Bahn. Diesen ist
man da und dort gerecht ge«
worden. Anders verhält es
sich mit dem Mannschafts«
schlitten, dem Bobsleigh, dem
Grandseigneur der Winter«
Sportgeräte. Der will sein
unbeschränktes, ganz seinen
unbescheidenen Ansprüchen
hergerichtetes Reich, in dem
nur er verkehrt und das ein
Anderer auch gar nicht zu
betreten begehrt. Gerät der
Bobsleigh auf Abwege, läßt er
sich herbei, dorthin in rasen¬
dem Lauf zu kommen, wo er
nicht hingehört, so gibt's
meistens ein Unglück. Ein
paar geknickte Knöchlein oder
gequetschte Rippchen leicht¬
fertiger Menschenkinder sind
mindestens das Opfer unver¬
antwortlichen Handelns. So
eine Bobsbahn ist gar teuer,
und selbst wenn sie billig kommt, verschlingt sie zum aller¬
wenigsten zehn braune Lappen. Die erste im Schwarzwald
und ganz Südwestdeutschland wird gerade jetzt in Triberg
gebaut und vor Winter noch fertig. Aus diesen Schilderungen
ergibt sich so ungefähr, welche Gegenden für den Schnee¬
schuhlauf, zum Rodeln oder Mannschaftsschlittenfahren, in
Betracht kommen können. Seit der Wintersport an Umfang
zugenommen hat, seit er Mode geworden, in der er hoffent¬
lichbleibt, bilden sich
gar viele große und
kleine, wirkliche und
angebliche Luftkur¬
orte und Sommer¬
frischen ein, Winter¬
sportplätze zu sein
oder mit aller Gewalt
werden zu müssen.
Wo ein leintuchgroßer
Schneeflecken liegt,
ist „vortreffliches Ski-
gelände^% ein Schnee¬
hügel in der Größe
eines Stiefelziehers ist
eine„Sprungschanze",
und ein Weg, auf dem
das Rodeln polizeilicli
verboten ist, das soll
die Rodelbahn sein.
An solchen Winter¬
sportplätzen nehmen
einstweilen nur die aufrichtigen Anteil, die Reklamegelder
dort einheimsen können. Bald aber fallen auch die ab,
denn nach ein oder zwei Wintern weiß es die Welt, wo
wirklich Wintersport getrieben werden kann und wo er nur
in der Einbildung Einzelner besteht, die gern auch zur kalten
Jahreszeit einen warmpul¬
sierenden Geldbeutel hätten.
Ein wirklicher Wintersport¬
platz muß haben: Als Christ¬
geschenk reichlichen Schnee,
der noch unter den Sohlen
des Frühlings knirscht, wenn
dieser den kalendermäßigen
Einzug hält, volle Gunst
strahlender Sonne, die keinen
feuchten Nebel aufkommen
läßt, eine den Anforderungen
des Wintersports gerecht
werdende Formation der
Erdoberfläche, ausreichende
Wintersport - Einrichtungen,
anständige Unterkunftstätten.
Das Skigelände darf nicht zu
weit vom Ort entfernt und muß
recht abwechslungsreich sein.
Man braucht etliche Uebungs-
hänge, an denen sich auch
ein Sprunghügel anbringen
läßt, und weitausgedehnte Ski¬
felder, über die kleine und
große Skimärsche ausgeführt
werden können. Die Rodel¬
bahn muß tatsächlich eine
solche sein. Auf ihr darf nur
gerodelt, nicht gegangen oder
gar gefahren werden. Ihre
Länge sollte nicht unter 1500
Meter betragen, ihr Gefälle
nicht gar zu groß sein. Etliche schwache und scharfe Kurven,
die überhöht sein müssen, dürfen nicht fehlen. Die Bahn
muß stets gebahnt, mit beiderseitigen Schneeböschungen
versehen und gut unterhalten sein. Führt kein Beförderungs¬
mittel vom Ziel zum Start, wie z. B. eine Drahtseilbahn, dann
ist ein hart neben der Rodelbahn herziehender Aufgangsweg
nötig. Bergauf wollen die Rodler die Bahn übersehen und
sich an der schneidigen Fahrt ihrer Sportgenossinnen und
Genossen erfreuen,
bergab aber lieben
sie es, wenn ihre
eigene Geschicklich¬
keit und Gewandtheit,
die Eleganz und Ge¬
schmeidigkeit ihres
Körpers und so fort,
gebührend bewundert
wird. Daß eine vor¬
züglich gepflegte Eis¬
bahn verlangt wird,
versteht sich von
selbst. Eine Bobsleigh¬
bahn kann der großen
Anlegungs- und der
fast noch größeren
Unterhaltungs-Kosten
wegen nicht Jeder Ort
besitzen. Die wird
wohl an vielen guten
Wintersport - Plätzen
Winteridyll bei St. Blasien
Zum Start des Damen-Skiwettlaufs in Triberg
508
m pBUTSCHLAND Nf. IT
vermiet Mi^erden. t\\ 50 rg^i^ j.st ti?i& 2«i=^ir4xi^r
«tbrtte Zugänge: ?u äm Spo-np iätgea. h ^hm\ Io ilm
beim isicher^ Gös^häti^n tfi ttä W b tfirrspurtgemit^ iind
p üs ^its^ de Klei dwtrg ä U iit Titi gn^xic^ss^fiti Pf!^is k h ul k 0 nh 1 ^
Gele^eirhe^it zMm l-idWrt VUA ßob*^
lei^h m u ß gr^bü tcia $ pdrt leb r^r iW I> eA^< öV^.VI'b ^
de 1 V Gäk ih äii^f4\ SVd^ üiid R£jtjftl ^bl0gen:^ Klc^id er-
■ ^«ifc mi^r uiidergle^cli m AlicIfeitFiri. J: 1 ö!
',. n Wm tt?f'vfbf!g^lß-t Ä- . sitfe -:.tie) t t^Xkm . -ei nijf ^
■ ^stcbftHidh eiß ■'.bessonder^ >□
Urtser Scivwftt^/ßM #lbeHrt edUu rjIWf^ndigkell 1?^»
lind Bmrith4un^ß^ te su 15tJt)
Me*:^r ftru l>k' l^erüiuftte Sdrivurj^aldl^ubif. und die
usthp Hdlf^niklbakb t-bka döf, tl^dVfr^(:es. iind
■*ÄMes^<t Iflj" ^ •'Bb bte;r.: Ac.K^n« I b fib u ^tfi d e rb.. :brÄubt i e.öe n
diß Täli?r *bd m\ duA dj?r
Mit grufl Geldi^vxTwo t id stri(l dp ttnd. dori t>fit!i^e
W:TTitörs;jfi!?j!l'£vt>jkehrüngeri getJ■ 4 :^^feiv/'Wo.^ 4 .^?■tv. I.^ie -Sdiiv^ur^-
wdld \^ib Kl ^iTei 1 ren im boufe n -,J librjvf>r-
'\V''lntr*r.^p»TTi;leuier ' I
s r b ubiVtx i U fi l-s dei S ki - Kl ub ^ S cb wur ^iv ftld; r Xu$i r35>g dip t
Radei-MtijilfffrsCfiärt Vipt\
B/idenj. bnbweil i.dier
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H e r z o g n h o f n ijsf diesseä: Jöhr gv'jßer Hat^Jliaa ln
Arigntf ^Btittimen vrarden.
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der Kähu Freihur^s geUjgö'h^^ SiC^h ^ u insf .^i;i dem
bei Srihäntiu $it:h Äicnl ^fbiibpnd^ft BelcbirH i Öi&m bei
Bniiirnwcdf^r, flern Kä n d ^,1 Wi iTK^b* bäd^bsten
Hrbebuu^ejr des ;^adli;clien Schwatswaldes st^lUn älle breite
Hatbrdcken: dar^ ftuf tlone« der lW«twudis ip^tbclL ist'oder
z menge 11. Kidnum IViü t etb irefiii cbes Üntirituriftbau
Zwer isT Gems^tridö der Breynde dteer sdBer^n P!i?t 2 ^ noch
nird 1 1 s0 griJi^.wie^ |^e des Feldbergjs, a be?• i*?dTTunt
re md in-. AWfa gHf ^11 laTtgkf Znt wifd's eifi 4*1" düb:Bergen
ati^ ihit d<?f idyfH^itheb Ryb^f und tlum jUhgiläubchen
^b womväid belmuptet die 12Ö0 Aleter
bot^4 bt^itii-?gr i u de ifir Recht, bes-iet und
beUiibte^ite SMbdfg, ^ $ wSjd votV dör Staijon Bühlertal
£m bequetnsWi Ijm neuer baut er ?\ysdi;htsturm mit
Gnterkyniisrayrtiv SfcibiilJeh eflkrher KUibs sind oben. Gute
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M^N:^r^"tJnatG pilt'hbim Ai'bt»rhd. AH Näcbbür tlör
litirm^gnnde kifd der ß>idünef Hdbi^kift ^n iür
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Bis. aingcdvUlUeo, 1 ribnrger Kranit<5in di» t^vd-
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0 U vvi n t erli c It ^ ß:ojt r^« am n r v ev flanä 4 €?r v i e. r CVte, en ret cB «
Erstes badisches Bobsleighrennen in Triberg um den ,,Pokal von Triberg
Baden-Baden: Eis-Hockey-Spiel auf der Eisbahn an der Lichtentaler Allee
510 DEUTSCHLAND Nr. II
haltig*en Schneeschuhwettlauf mit Sprungflauf ab, der großen
Zulauf hat. Der an der Schwarzwaldbahn liegende Weiler
Sommerau und das auf luftiger Höhe gebettete Städtlein
St. Georgen gehören mit in den Kreis der Wintersportplätze
des mittleren Schwarzwaldes. Mit Vorliebe wird die Bahn
bis dorthin benützt, um dann auf den langen Hölzern hin¬
zuwandeln über das Wogenmeer des Hochplateaus, oder in
nächster Nähe den Skilauf zu üben. Auch die an den Rändern
des Schwarzwaldes gelegenen Orte der Schwarzwaldbahn
Villingen,Donaueschingen haben ganz nahe in einer Höhe
von 800 Metern und darüber nette Wiesenhänge, auf denen
die Brettlein heimisch sind.
An der Höllentalbahn, die Freiburg mit Donaueschingen
verbindet, herrscht fast überall reger Winterverkehr. Da sind
Hinterzarten, Titisee, Neustadt, zu denen allwinterlich
Scharen von Skibeflissenen wandern. S t. B1 a s i e n hat sich nicht
nur zum Winterkurort, sondern auch zum beliebten Wintersport¬
platz entwickelt. Der Turner, Schollach, St. Märgen,
Schluchsee, Saig, Breitnau, Höhenschwand und
Menzenschwand, Todtmoos, Todtnau, Todtnauberg,
Oppenau, haben alle ihre treuen Freunde und Besucher.
Noch manch anderes Städtlein, Dörflein oder auf stillem
Bergkamm gelegenes Wirtshaus wäre zu nennen. Der Schwarz¬
wald ist so reich gesegnet mit Schneegefilden, daß olle auf¬
zuzählen, unmöglich ist.
Befriedigen wir nun die Neugierde des Rodlers nach
seinem Revier. Schon einmal wurde gesagt, daß es fast so
groß ist, als der Schwarzwald selbst. Besondere Rodelbahnen
besitzen meines Wissens Baden-Baden vom 700 Meter
hohen Merkur herunter, auf den eine Bergbahn gebaut werden
soll. Fr ei bürg beim Jesuitenschloß und an verschiedenen
anderen Orten, Triberg im Hofwald von 1000 auf 800
Meter herunter, Furtwangen auf der Rabenstraße, Donau*-
eschingen am Schillerstein, Hornberg am Schloßberg,
der Feldberg bei der Jägersmatte, Hinterzarten, Saig,
St. Blasien, Todtmoos und andere. Auf der Hofwald¬
rodelbahn in Triberg wird jeweils die Rodelmeister¬
schaft von Baden zum Austrag gebracht. Triberg ist
gegenwärtig auch Sitz des südwestdeutschen Rodlerverbandes.
Größere Eisbahnen werden unterhalten auf dem Titisee
und Schluchsee, in St. Blasien, Baden-Baden und
Frei bürg. Kleine Eisflächen sucht man, wie gesagt, an
keinem der Schwarzwaldwintersportplätze vergeblich. Eine
Kunstbobsleighbahn baut, um es nochmals zu wiederholen,
gegenwärtig auf dem Sterenberg in Triberg der Bobsleigh-
Klub Schwarzwald. Die 1600 Meter lange Bahn wird mit
allen technischen und sportlichen Einrichtungen mit einem
Kostenaufwand von etwa 12 000 Mark erbaut. Noch diesen
Winter sollen darauf internationale Rennen veranstaltet werden.
Das sind die Wintersportplätze des badischen Schwarz¬
waldes, soweit ich sie kenne. Sollte ich den einen oder
andern namentlich zu nennen vergessen haben, so sei's mir
verziehen. Allen gönne ich eine wohlgesinnte Frau Holle,
die recht kräftig und ausgiebig ihr Bett über sie schüttelt,
fröhliches Sportleben und eine große Schar neuer Freunde.
Die schönen Leserinnen und freundlichen Leser aber lade ich
ein, jetzt schon das Sportwämslein zu richten, Schneeschuhe
und Rodel aus der finsteren Kammer zu holen, die Schlittschuhe
blank zu halten, denn bald wird der Ruf erschallen:
„Auf in den schneebehangenen, eiserstarrten Schwarzwald".
Karlsruhe: Friedrichsplatz mit Eisfontäne
512 DEUTSCHLAND Nr. 11
sich zwei Eisbahnen, von denen auch eine am Abend
benutzbar ist. Die Kapellen der verschiedenen in
Karlsruhe garnisonierten Regimenter werden öfters zu
Eisfesten herangezogen. Es bietet für den Kultur¬
menschen und noch mehr für den Arbeitsmenschen, der
nur den Abend frei hat, auch
einen eigenen Reiz, sich bis
TO Uhr bei Walzerweisen auf
der strahlend hellen Eisbahn
zu tummeln. Für größere
Massen stehen die Eisbahnen
auf dem Rennplatz des Karls¬
ruher Reitervereins bei Rüppurr
und die Albniederungen bei
Mühlburg und Grünwinkel be¬
reit. Der Schlittschuhlauf hat
an Beliebtheit allerorten un¬
leugbarnachgelassen. Anseine
Stelle ist der Rodel- und Ski¬
sport getreten. Auch hierfür ist
in Karlsruhe gesorgt. Und dann
noch eins. Es gibt, vornehm¬
lich ältere Leute, die weder
Schlitten noch Ski sich mehr
anlegen wollen. Die können
herrlicheWinterwanderungen
unternehmen. Im bläulich¬
schimmernden Schnee auf den
Schwarzwald-Vorbergen über
dem Dunst der Fabrikschlote
in die klare Winterluft zu
wandern, welch’ herzerfrischender Genuß. Auch den
schneebehangenen Tannenforst des Hardtwaldes in
seiner Wintereinsamkeit zu durchschreiten, bringt große
Freude. „Die Sauen, Reh und Hirsche" im großherzog-
lichenWildparksind zutraulich wie im Märchen und zaubern
für den, der zu sehen weiß, Bilder voller Anmut. — Die
Krone alles Wintervergnügens ist und bleibt allerdings
das Schneeschuhlaufen. Darüber auch nur ein
Wort zu verlieren, erübrigt sich. Man braucht nur die
interessanten Winternummern dieser Zeitschrift zu
durchblättern. — Komm' einmal Sonntags morgens
Skihütte an der Hornisgrinde
zwischen 5 und 6 Uhr auf den Karlsruher Hauptbahn¬
hof. Er ist zum starren Wald von Skiern geworden.
Wie Fabelwesen oder fröhliche Gespenster sehen die
Sportmänner und Sportfräulein aus, die da im Zwielicht
der Morgendämmerung und der elektrischen Bahnhof¬
bogenlampen munter plaudernd
herumhuschen. Die vielen
hundert Harrenden kommen
alle mit. Die Eisenbahn hat
sich vorgesehen und beson¬
dere Wagen, ja Züge, bereit¬
gestellt. Alle Bevölkerungs¬
schichten sind vertreten. Ist es
doch auch ein unschätzbarer
Vorzug des Sports, daß er so¬
genannte Standesunterschiede
schnell und schmerzlos be¬
seitigt. Den du dort siehst, mag
ein Schreibgehülfe sein, und
der mit ihm über die Abfahrt
am letzten Sonntag debattiert,,
ist vielleicht ein Vortragender
Rat im Ministerium. Eine große
straffe Gestalt, die ehrfurchts¬
voll, aber doch mit einer der
Liebe entsprungenen Zuneigung
begrüßt wird, ist auch öfter an
einem solchen Frühmorgen in
schlichten Skikleidern zu sehen:
Prinz Max, der künftige Gro߬
herzog von Baden! — Auf den
verschiedenen Haltestellen der Rheintalbahn und ihrer
Abzweigungen lösen sich nun überall Gruppen. Die
gehen nach dem Dobel, der Teufelsmühle, zu den
Badener Höhen hier finden zu Zeiten die Rennen des
akademischen Skiklubs statt, dem ein Bahnbrecher und
eine Autorität wie Paulcke angehört), zum Sand, zum
Plättig, zur Herrenwies, zur Hundseck und endlich
zur Hornisgri nde. Für den Kenner und Liebhaber klingt
diese Folge von Schwarzwaldnamen wie ein jauchzendes
Lied. Anton Fendrich, der Skidichter, nicht Skischrift¬
steller, denn er kennt und besingt die Seele des Skilaufs,
hat in dem diesjährigen Januarheft der „Deutsch¬
land'' auch dem nördlichen Schwarzwald, dessen
höchste Erhebung eben die Grinde ist, wohl¬
verdientes Lob gezollt. Er sagt: „Im unteren
Schwarzwald ist noch ein viel zu wenig bekanntes,
in seiner Schönheit sehr unterschätztes Gebiet,
das der Hornisgrinde und des Ruhsteins. Eine
Skitour auf die Hornisgrinde mit ihrer alpinen Land¬
schaft, der Biberkesselwächte und der schönen
Abfahrt zum Ruhstein, wo noch echte Schwarz¬
wälder Gemütlichkeit zu finden ist, das ist einer
der Genüsse, den sich unsre Residenzler an
schönen Wintersonntagen gestatten". — Die
Hornisgrindegegend macht in jeder Jahreszeit
einen überwältigenden, sozusagen urschöpfe-
rischen, Eindruck. Sie liegt trotzig, wie am ersten
Schöpfungstage da mit ihren Ursteinen, welche
noch die große Flut gesehen haben mögen, als
der Herr Erde und Wasser schied. Ein schnee¬
bedeckter Bergkoloß, von wettergebeugten Föhren
Karlsruhe: Schloßgarten mit Schloßturm im Winter
Nr. 11 DEUTSCHLAND 513
umrandet, raunt er dem besinnlichen Schneefahrer
manches Geheimnis ins Ohr. Der beste Aktzeichner
Deutschlands in den letzten Jahrzehnten, Schmid-
Reutte an der Karlsruher Akademie der bildenden
Künste, der nun drunten im Illenauer Friedhofgarten
von schwerem Schicksal genesen ist, hat ein mächtiges
Bild gemalt, wie Kain seinen Bruder Abel erschlug-
Dazu nahm er die Landschaft der Hornisgrindekuppe
als Studie! —
All das steht dem Karlsruher oder dem, der Karls¬
ruhe besucht, mit Herzlichkeit und — für wenige
Groschen offen.
Dampft und stampft dann gegen 7 Uhr wieder der
Zug in die Bahnhofhalle, so ist der Abend ja noch
nicht zu Ende. Ein Blick auf die Plakatsäule, auf dem
das großherzogliche Hoftheater, die Konzertdirektionen
aller Art ihre Darbietungen verkünden, die Gasthäuser
freundlich einladen, bringt durch die große Auswahl
große Qual. De gustibus non est disputandum! Nun,
eines ist unbestreitbar: Der Besucher wird, wie er sich
auch entschließen mag, mit freudiger Erinnerung an
die einst — um Karlsruherisch zu reden — „argver¬
schrieene" badische Residenz denken und wiederkommen.
Auch im Winter ist in Karlsruhe schön leben.
Der Wintersport im bayerischen Hochland.
Von J. A ch e n a u e r.
In unserer Zeit ist der Winter kein unwillkommener Gast
mehr wie einst, da man sich vor ihm in den warmen Stuben
verschloß und es ausschließlich der Jugend überließ, auf
der Schlitten- und Eisbahn sich zu tummeln. Heute
ist der Winter ein
bedeutender Heil¬
faktor, dessen sich
jeder moderne Arzt be¬
dient, wenn es gilt, den
durch Arbeit und die
unbarmherzige Hast
unseres Städtelebens
geplagten und über¬
reizten Nerven seiner
Patienten neue Spann¬
kraft zu geben. Nichts
— ja nicht einmal
die schönste Sommer¬
frische — ist mehr
geeignet. Erholungs¬
bedürftige zu stärken.
Nervenleidende zu ge¬
sunden, als ein mehr¬
wöchiger Aufenthalt
in der „Winterfrische",
draußen in den wind¬
stillen, von der klaren
Wintersonne durch-
wärmtenBergtälern mit
ihrer völlig staubfreien,
reinen, kräftigen Luft
und im Kreise fröh¬
licher Menschen, die
das Schönste und
Beste, was der Winter
zu bieten vermag,
in der genußreichen
Geselligkeit vereint:
der körperstählende,
muskel- und nerven¬
stärkende Wintersport.
Da gibt es nun keine Stadt weit und breit, die als
Wintersportzentrum auch nur annähernd so gut liegt
wie München. Von hier aus sind die schönsten
Wintersportplätze des bayerischen Hochlandes in andert¬
halb bis zweistündiger Eisenbahnfahrt bequem zu er¬
reichen. Liegt doch das Gebirge vor den Toren
Münchens, auf das an klaren Tagen die firnglänzenden
Gipfel greifbar nahe herniederschauen. — In den her¬
vorragenden Winter¬
sportorten der baye¬
rischen Berge weiß
man die Wintergäste
längst zu schätzen und
bereitet ihnen überall
ein gastliches Will¬
kommen. Für gute
Unterkunft ist wohl ge¬
sorgt, und was den
Sport selbst betrifft,
so beweisen die von
München aus ins Ge¬
birge gehenden, stets
vollbesetzten Winter¬
sportzüge, daß der
Sportfreund draußen
auf seine Rechnung
kommt. Besonders die
bevorzugteren Rodel¬
bahnen im bayrischen
Hochland aber können
sich, was sportliche
Beschaffenheit und
landschaftliche Schön¬
heit betrifft, mit den
großartigsten anderer
Wintersport - Gebiete
wohl messen, einzelne
übertreffen sie weit.
Wenn wir nun
die hauptsächlichsten
Wintersport-Stationen
des bayerischen Hoch¬
landes nennen, so
müssen wir ebensoviel
Orte aufzählen, die den
vielen Tausenden, welche im Sommer das schöne Bayer¬
land heimsuchen, als seine berühmtesten landschaftlichen
Perlen wohl bekannt und lieb geworden sind. — Da ist
vor allem Tegernsee. Rodel- und Skisport teilen sich
514 DEUTSCHLAND Nr. 11
-•.i^*vr
Bei Garmisch
Bei Partenkirchen
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hier friedlich in das
ungemein abwechs¬
lungsreiche Terrain.
Vom bewirtschafteten
Unterkunftshaus auf
dem Wallberg geht
eine Rodelbahn zu
Tal, die zu den schön¬
sten im bayerischen
Gebirge gehört. Sie
ist das Ausflugsziel
ganzer Scharen froh¬
gemuter Rodler und
Rodlerinnen. Rodel¬
schlitten stehen im
Unterkunftshause zur
Verfügung. — Auch
von der benach¬
barten Neureut und
vom aussichtsreichen
Hirsch berg führen
schöne Rodelbahnen
zu Tal. Die Neureut
ist außerdem ein viel
besuchtes Skigebiet.
Ein andres präch¬
tiges Wintersport-
gebiet ist die Land¬
schaft um den lieb¬
lichen Schliersee
und in den Schlier-
seer Bergen. Hier
wird besonders der
Skisport fleißig ge¬
pflegt. Standquartier
ist das behagliche
Hotel Finsterlin in
Fisch hausen und
tiefer in den Bergen
Bayrisch-Zell und
Birkenstein, wo
überall Skikurse ab¬
gehalten werden.
Vom Schlierseer
Gebiet aus lassen sich
nach allen Richtungen
hin Touren unter¬
nehmen, leichtere und
schwierigere, je nach
der Leistungsfähigkeit
des einzelnen. An
den Hügelhängen in
der Nähe des Sees
ist ein vortreffliches
Uebungsgelände. Der
See selbst bietet eine
schöne Eisbahn, auf
der sich an schönen
Wintersonntagen ein
außerordentlich reges
Leben und Treiben
entfaltet.
Tegernsee im Winter
Nr. n DEUTSCHLAND 515
G a r m i s ch-Pa rten-
kirchen bietet dem
Sportsman ein grade-
zu ideales Bewegungs¬
feld. Skitouren und
Rodelfahrten können
hier nach allen Rich¬
tungen hin unter¬
nommen werden. —
Rodelbahnen führen
vom Kramerberg,
Kochelberg, Gudi-
berg, am Risser-
s e e und vom E i b s e e
nach Untergrainau
talabwärts. AmRisser-
see vereinigen sich
sämtliche Sportarten
auf einem ganz aus¬
gezeichneten Terrain.
Hier besteht eine vor¬
treffliche 1800 Meter
lange Bobsleighbahn.
Der Kochelberg, von
dem ebenfalls eine
schöne Rodelbahn
herabgeht, ist ein
prächtigesSkigelände,
auf dem der Anfänger
üben, der Geübte
sich trainieren kann
für größere Fahrten.
Aber auch für jenen,
der nur Ruhe und Er¬
holung sucht, ist das
Tal von Garmisch-
Partenkirchen geeig¬
net, wie nur wenige
andere. Seine windge¬
schützte Lage gewähr¬
leistet ein warmes,
beständiges Winter¬
klima, und seine reine,
kräftigeHöhenluft eig¬
net Garmisch-Parten¬
kirchen zu einem be¬
vorzugten Winterkur¬
ort. Was die beiden
Orte, die auch von
Augsburg aus be¬
quem zu erreichen
sind, an landschaft¬
lichen Schönheiten zu
bieten vermögen, ist
weltbekannt.
Wohl die berühm¬
testen Rodelbahnen
des bayerischen Ge¬
birges neben jener
am Wallberg sind die
vom Hochgern bei
Marquartstein und
Oberstdorf im Winter
516 DEUTSCHLAND Nr. 11
vom Brünnstein bei Oberaudorf im Unterinntal, Orte^
die in bequemer Eisenbahnfahrt leicht zu erreichen sind.
Das Brünnsteinhaus ist wie das Wallberghaus derSammel-
punkt unzähliger Rodler, die von hier aus auf prächtiger
Bahn zu Tal fahren, lieber 200 Schlitten stehen im
Hause zur Verfügung. Die Bahn vom Hochgern ist nicht
weniger als 8,5 Kilometer lang. Im Unterkunftshaus
am Hochgern sind 80 Schlitten vorhanden. Sehr schöne
Rodelbahn ist auch
auf der Maisalpe bei
Aschau; ebenso sind
die Skigelände auf
den Spitzstein, Geipel-
stein, Hochneß und
Kampenwand sehr be¬
kannt und besucht.
Neuangelegt ist die
schöneRodelbahn am
Blomberg bei Bad
Tölz, die sehr viel
befahren wird. Ein
Sportzentrum für sich
ist Bad Kohlgrub
(zwischenMurnau und
Oberammergau). Es
hat eine famose Rodel¬
bahn vom aussichts¬
reichen Hörnle und
ein geradezu ideales
Skigelände. — Weiter ab von den gewöhnlichen Heer¬
straßen der Wintersportler bringt uns eine Fahrt hinein in
die gewaltige Eiswildnis und die grandiose Bergschönheit
des Berchtesgadener Landes. Alle Arten von
Wintersport werden hier gepflegt. Auf der imposanten
Eisfläche des herrlichen Königsees entfaltet sich zu
regem Treiben der anmutvolle Schlittschuhsport. Von
Vordereck und von Vorderbrand aus ziehen wundervolle
Rodelbahnen zu Tal, besonders die von Vorderbrand,
die eine Länge von 6,5 Kilometern und ein kräftiges
Gefall hat, ist sehr beliebt.
Damit ist aber die Reihe der von München aus mehr
oder minder rasch zu erreichenden Wintersportplätze
noch lange nicht erschöpft. Allüberall fast im ganzen
bayerischen Hochland schafft das auch in stilleren,
vom großen Verkehr weniger berührten Gebirgstälern
erwachte Interesse
für den Wintersport
gute Sportgelegen¬
heiten. Der Sports-
man ist nicht ge¬
bunden, wochenlang
an einem einzigen Ort
zu verweilen. Immer
wieder nach München
zurückkehrend, kann
er von da aus immer
wieder neue Sport¬
plätze aufsuchen und
so sein Erholungs¬
und Sportprogramm
so abwechslungsreich
und interessant ge¬
stalten, wie nirgend¬
wo anders. Da sind
in allernächster Nähe
Münchens, im roman¬
tischen Isartal, treffliche Rodel- und Skibahnen, vor
allem in Ebenhausen und Icking, bei Mühltal, Wolfrats¬
hausen; weiter am Herzogstand und auf der alten Kessel¬
bergstraße am Kochelsee, der selbst eine großartige
Schlittschuhbahn bietet; dann in Deisenhofen, Fürsten¬
feldbruck, bei Miesbach, in Murnau usw. usw. Ein sehr
besuchenswertes Sportgebiet ist der Hohe Peißenberg;
nach Bad Hohensulz führt dort eine gute Rodelbahn
Gipfel des Rifferkogel, im Hintergründe der Tegernsee
(Photogr.; Gebr. Heckei, Berlin)
Skikursus in Garmisch-Partenkirchen (Photogr.: Gebr. Heckei, Berlin)
Nr. 11 DEUTSCHLAND 517
hinab, und das Skigelände ist vortrefflich. All das liegt
sozusagen vor den Toren Münchens. — Ein Sportgebiet
für sich ist das Allgäu. Der Wintersport wird hier in
allen seinen Arten fleißig und ernsthaft betrieben, und
Oberstdorf selbst ist wohl der bedeutendste Winter¬
sportplatz des Allgäu. Viele gutgepflegte Rodelbahnen,
darunter eine 4 Kilometer lange am Höllrücken, ermög¬
lichen eine an Abwechslung reiche Entfaltung dieses
Sportes. Der Skilauf findet günstiges Terrain in näherer und
weiterer Umgebung, und viele bekannte Skiläufer geben
sich hier allwinterlich Rendezvous zu kühnen Bergfahrten.
Noch einer besonderen Sehenswürdigkeit des baye¬
rischen Winters muß hier gedacht werden: das sind die
So leicht man all die Wintersportplätze im baye¬
rischen Hochland von hier aus erreicht, so schnell ist
man, wenn draußen schlechtes Wetter einfällt, wieder
in der bayerischen Residenz und kann sich an der
reichen Tafel ihrer winterlichen Genüsse schadlos halten.
Das ist ein Vorzug, den das bayerische Hochland
voraus hat und der für viele entscheidend sein mag,
den Winteraufenthalt in Bayern zu wählen. München
im Winter hat seine ganz besonderen großen Reize.
Was die Stadt an der Isar vor allen anderen Städten
auszeichnet: die innige Vereinigung von Kunst
und Geselligkeit — das kommt erst im Winter so
recht zur Geltung. Den Höhepunkt aber des geselligen
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Wallraf-Richartz-Museum: Saal der Altkölner Malerschule (siehe umstehenden Artikel)
großartigen Wildfütterungen, die an zahlreichen
Orten stattfinden und dem Tierfreunde ein unverge߬
liches Schauspiel bereiten. Die berühmtesten sind die
Wildfütterungen in der Hinterriß und in St. Bartholomä
am Königssee. In stattlichen Rudeln versammelt sich
hier das prächtigste Hochwild um die von den Wild¬
hegern sorgsam bereiteten Futterstätten. Wer in
schweigender, winterstarrer Bergeinsamkeit dies Bild je
geschaut, wird seiner nie mehr vergessen.
Der überaus günstigen Lage Münchens, die die
Winterflucht in die bayerischen Berge, sei es zur Er¬
holung, sei es zur Ausübung des Sports, fast mühelos
ermöglicht, ist schon mehrfach gedacht worden. Eines
muß nun aber noch besonders hervorgehoben werden:
Und das ist, was München selbst im Winter bietet.
Lebens im winterlichen München stellt der Fasching
dar. Die glänzenden Karnevalsfeste, die München feiert,
stehen im Zeichen der Kunst. Veranstaltungen, wie
eine Künstlerhausredoute in dem grandiosen Prunksaale
des Künstlerhauses, eine Redoute der Immergrünen,
die Faschingsfeste der Geselligen Vereinigung, des
Künstler-Sängervereins, des Orchestervereins, des Kauf¬
mannskasinos, dann der Presseball, der Bühnenball usw.
sind das schönste, was der Fremde in München sehen
kann. Der öffentliche Münchener Fasching kulminiert
in den Redouten und Bai parees. Wenn im festlich ge¬
schmückten Deutschen TheaterHunderte von Paaren nach
den berauschenden Klängen eines Straußschen Walzers
sich drehen, dann erfüllt sich dieWahrheit desWortes von
dem unvergleichlichen Zauber des Münchener Lebens.
O Mitteilungen über wintersportliche Veranstaltungen usw. siehe im wirtschaftlichen Teil c
518 DEUTSCHLAND Nr. 11
== Jubiläums-Ausstellungen =
im Wallraf-Richartz^Museum zu Köln.
Die Kölner Galerie steht zurzeit im Mittelpunkte
des künstlerischen Interesses der Rheinlande. Aus Anlaß
des 50jährigen Bestehens des von Stüler errichteten
und von J. H. Richartz gestifteten Baues sind eine
Reihe von Jubiläums-Ausstellungen eröffnet worden, die
das älteste Museum der Rheinprovinz wieder mal in
aller Mund bringen. Namentlich ist es die Ausstellung
der berühmten SeegerschenLeibl-Sammlung, die
auf alle kunstinteressierten Kreise die denkbar stärkste
Anziehungskraft ausübt. So darf man sich nicht wundern,
daß vor allem auch die Düsseldorfer Künstlerschaft,
die am Orte selbst leider so wenig vorbildliches Studien¬
material besitzt, aufs eifrigste die
Gelegenheit benutzt, um sich im
Leibl-Saal der Kölner Galerie
an den höchsten malerischen
Qualitäten zu erfreuen, die im
Laufe des 19. Jahrhunderts von
einem deutschen Künstler dar¬
geboten wurden. Leibi ist der
einzige deutsche Maler der Neu¬
zeit, dessen künstlerisches Hand¬
werk so vollendet war, daß es
selbst den gerade in dieser Hin¬
sicht so sehr verwöhnten Fran¬
zosen begeistertes Lob und hohe
Bewunderung abzwang. Wenn
es Köln gelingt, diesen Leibl-
Saal seiner Galerie einzuver¬
leiben — wir hören, daß dieser-
halb bereits Verhandlungen
schweben — so sichert es sich
eine künstlerische Attraktion von
internationaler Geltung.
Klar liegt die Entwicklung
des Künstlers in diesem Saale
vor Augen. Ein Anfang im Sinne
Pilotys. Still, echt, ehrlich, be¬
scheiden. Keine hochfliegenden
Künstlerträume, keine nach den Sternen greifenden
Pläne. Nur der Ehrgeiz, jedes bischen, was getan wird,
ganz zu tun und schlechthin unübertreffbar. Die zwei
Meisterwerke der Frühzeit: der Kritiker und das Porträt
des Vaters. Beide voll liebevollster Detailmalerei. Das
erste überraschend durch eine ungewöhnlich geschickte
Komposition, das andere eine Leistung, wie sie nur die
Kindesliebe eines hochbegabten Menschenschilderers
vollbringen kann. Dann die Befreiung aus malerischer
Aengstlichkeit und Kläubelei durch Courbet. Prima
gemalt, Strich neben Strich, ohne Korrekturen und
Lasuren, werden die beiden Hauptwerke der Pariser
Zeit (1869), die Kokotte und die alte Pariserin, immer¬
dar als zwei Glanznummern deutscher Malkunst gelten,
an denen kein Kenner begeisterungslos vorübergeht.
Gröber dann, aber auch ungleich wuchtiger der geradezu
verblüffende Pallenberg, der wie eine Personifizierung
von strotzender Kraft und trotzigem Selbstbewußtsein
wirkt. Zwei Jahre später (1873) entsteht der in seiner
silbrigen Gesamthaltung so wundervolle Schimmelreiter^
durch den Bäche von Weiß und Grau zu rieseln
scheinen. Das folgende Jahr gebiert die Tischgesell¬
schaft, eine Schöpfung von Rembrandtscher Ausdrucks¬
gewalt, glänzend komponiert und von einer unerhörten
Weichheit des malerischen Klanges. Nun die Kunst
der achtziger Jahre. Seltsam, wie das Ideal sich da
auf einmal wandelt. Kaum mehr eine künstlerische
Uebersetzung des Naturvorbildes; nein, ein ehrgeiziges
Ringen, es der Natur gleichtun zu wollen. Die Mieder¬
studie, die neben der Kokotte hängt, wirkt wie ein
Kunststück. Man könnte glauben
(und soll wohl auch glauben),
ein leibhaftiges Stück Mensch
habe sich hinter den Rahmen
des Bildes geschoben. Daß
Kunst keine Illusion der Wirk¬
lichkeit sein soll, hat Leibi dann
auch wieder eingesehen. Zehn
Jahre noch hat er nach dem
Ausgleich gerungen, ihn aber
nur selten wieder, wie in den
Kutterlinger Küchenbildern, ganz
gefunden.
Von diesen Leistungen des
größten kölnischen Künstlers
seit den Ruhmestagen der alt-
kölner Malerschule sofort zu
der zeitgenössischen Kölner
Kunst überzuspringen, bedeutet
eine völlige Neueinstellung des
Auges. Und doch lohnt es
die Anstrengung; denn die
Sch war z-Weiß - Aus Stellung
Kölner Künstler, die in
den Räumen des Kupferstich¬
kabinetts aufgemacht ist und
ein paar hundert Blätter enthält,
bietet eine förmliche Ueberraschung. Wer kennt aus¬
wärts Namen wie Weinzheimer, der hier mit gro߬
zügigen Kompositionen auftritt, die einen Monumental¬
geist atmen, daß man herzlichst wünschte, die Kraft
zur Ausführung im großen Maßstab möchte sich als
so stark erweisen, daß das reiche Maß an Hoffnungen,
das die Skizzen erwecken, nicht getäuscht wird. Dann
der lustige, kapriziöse Otto Feldmann, mit seinen
fein stilisierten Aquarellen, aus denen ein schalk¬
haftes Kichern über die Ratlosigkeit des beschauen¬
den Philisters klingt. Matthias Jansen und Olga
Oppenheimer gehen ähnliche Wege; nur scheint der
literarische Einschlag stärker. Schwartz zeigt sich als
Karikaturist vom Schlage der Simplizissimus-Zeichner.
Hoetger geht etwas stark in den Bahnen van Goghs
und Gauguins. Prött gibt feine Bleistift-Impressionen
und Deusser rühmlichst bekannte Manövererlebnisse
von fabelhafter Lebendigkeit.
520 DEUTSCHLAND Nr. 11
Auch die Ausstellung ^Kunst unserer Zeit in
Kölner Privatbesitz", die in den Parterreräumen
zu sehen ist, bietet neue Erkenntnisse, auf die man
ganz und gar nicht vorbereitet war. Man stellt sich
das alte heilige Köln so gern als eine Stadt mit durch¬
aus konservativen Kunstanschauungen vor, die höchstens
alle 50 Jahre einmal eine vorsichtige Revision erfahren
und sieht nun zu seinem Erstaunen, daß hier eine
Menge Sammler
existieren, die
ihrer Zeit bei¬
nah vorauseilen.
Eine Ausstel¬
lung der Berliner
Sezession oder
des westdeut¬
schen Sonder¬
bundes könnte
nicht anregen¬
der und quali¬
tätvoller sein,
als diese Vor¬
führung moder¬
ner Kunst aus
Kölner Privatbe¬
sitz. Man schert
sich, wiedasVor-
wort sagt, wenig
um die War¬
nungen ängst¬
licher Gemüter,
interessiert sich
kaum für lang¬
weilige Akade¬
mikerbilder, an
denen alles rich¬
tig und nichts
wichtig ist; nein,
man schätzt ge¬
rade das aus¬
geprägt Indivi¬
duelle und Per-
sönlicheimBilde
hoch, geht star¬
ken Eindrücken
nicht schwäch¬
lich aus dem
Wegeundnimmt
lieber offenkun¬
dige Fehler mit
in Kauf, als daß Wallraf-Richartz-Museum : Wilhel
man sich von korrekter Langweiligkeit anöden läßt.
— Auch in der Ausstellung der Jubiläums¬
geschenke kommt dieser Wille zur Bejahung der
eigenen Zeit stark zum Ausdruck. Namen wie Hodler,
Deusser, Brühlmann, Weisgerber umschreiben ein
ganz bestimmtes künstlerisches Programm, das die
Provinzialgalerien, wie es scheint, um so energischer
durchzuführen bereit sind, je stärker die Bindungen
sind, die einer freien Entwicklung der Galerie unserer
Reichshauptstadt entgegenstehen. Daß dabei in Köln
die alten Ideale nicht zu kurz kommen, beweist die
Einreihung einer neuen Serie altkölnischer Bilder, von
denen drei dem Meister der Verherrlichung zuge¬
schrieben werden. Das Ausland scheint man, durch
aus berechtigterweise, nur dann zu Worte kommen zu
lassen, wenn es sich um Meister handelt, welche die
einheimische künstlerische Produktion wesentlich be¬
einflußt haben. So ist der große, herrliche Courbet,
das Picknick im Walde, im Raume neben dem Leibi-
Saale geradezu
eine entwick¬
lungsgeschicht¬
liche Notwen¬
digkeit. Köln
kann sich zu
diesem magi-
stralen Bilde be¬
glückwünschen.
Keine deutsche
Galerie hat einen
Courbet von
dieser Pracht.
Und zu guter
Letzt die Brücke
von van Gogh.
Unserer Kennt¬
nis nach eines
der schönsten
Bilder des Hol¬
länders; rein
wie ein Edel-
stein,unübertrof-
fen von irgend
einem Land¬
schaftsbilde der
ganzen Galerie.
— Der Skulp¬
turen- und An-
tiken-Sammlung
wurden ange¬
gliedert eine ent¬
zückende köl¬
nische Madonna
um 1430, eine
fein gearbeitete
Buchsbaum¬
gruppe um 1700
und als bedeut¬
samstes Stück
ein Fund von
größter Wichtig-
m Leibi, Porträt der Sophie Graf keit: ein über¬
lebensgroßer marmorner Kopf des Dnisus, der vielleicht
zu einem Standbilde auf der sog. Ara Ubiorum gehört
hat, die man unter dem Chorabschluß von St. Maria im
Kapitol gefunden zu haben glaubt.
Daß auch das berühmte Spätwerk des Rubens, die
Kreuzigung Petri, zurzeit leihweise im Museum aus¬
gestellt ist, soll zum Schluß noch vermerkt werden.
Viele Kölner werden das Bild zum ersten Male sehen,
denn in der Pfarrkirche St. Peter wird es nur ein paar¬
mal im Jahre von seiner deckenden Hülle befreit,
sonst aber ängstlich vor neugierigen Augen behütet.
Wallraf-Richartz-Museum: Vincent van Gogrh, Die Brücke von Arles
Wallraf-Richartz-Museum: Gustave Courbet, Picknick im Walde
522 DEUTSCHLAND Nr. 11
Ansicht des Clever Schlosses nach J. de Beyer 1749
Der Sitz des größten preußischen Regierungsbezirks.
Von Dr. O. Redlich.
Am IQ. Oktober d. J. wurde durch einen feierlichen
und glanzvollen Festakt das neue Heim der König¬
lichen Regierung in Düsseldorf seiner Bestimmung
übergeben. In geistvoller und inhaltreicher Rede wies
der Herr Regierungspräsident Dr. Kruse die Fest¬
versammlung auf eine kurze aber schwerwiegende Reihe
von Zahlen hin, die von der Größe und Bedeutung dieses
Regierungs-Bezirks Zeugnis geben. Sie sind wichtig
genug, um hier wiederholt zu werden: Die Einwohner¬
schaft hat sich seit dem Jahre 1885 verdoppelt und
beläuft sich jetzt auf mehr als öV-i Millionen. Jedes Jahr
nimmt sie um 80 000 zu. In 18000 der Gewerbe¬
inspektion unterliegenden Betrieben ist annähernd eine
halbe Million gewerblicher Arbeiter tätig. Dazu kommen
115000 Berg¬
arbeiter, 50 bis
60000 Heim¬
arbeiter und
40000 selb¬
ständige Hand¬
werker. An
1800 Volks¬
schulen unter¬
richten 10000
Lehrkräfte. 20
reich ausge¬
stattete Fach¬
schulen sor¬
gen für die
Ausbildungdes
Nachwuchses
in Industrie
und Handwerk,
Kunstgewerbe
und Landwirt¬
schaft. Die
Eisenbahnen
erreichen eine
Länge von
1500 km, die
Kleinbahnen eine solche von 1000 km. Die Länge der
Deiche zum Schutz gegen Hochwasser beträgt 450 km.
Die Ergänzungssteuer beläuft sich jetzt auf 6 Millionen,
die Gebäudesteuer auf 10 Millionen, die staatliche Ein¬
kommensteuer aber ist von 12 Millionen im Jahre 18Q2
Torgebäude und Spiegelturm des Clever Schlosses
(Nach dem Kupferstiche von Petrus Schenk)
Das
auf 42 Millionen gestiegen. — Welche Fülle von Auf¬
gaben einer Regierungsbehörde in einem so gearteten
Bezirk erwachsen, welches Heer von Beamten sie hierzu
benötigt, begreift sich leicht und so wird es verständ¬
lich, daß in dem Umfang und der Ausstattung des
monumentalen Neubaues jener Bedeutung nach Mög*-
lichkeit Rechnung getragen worden ist.
Erfreulicherweise pflegen heute solche Festtage
nicht zu verrauschen, ohne ein literarisches Denkmal
zu hinterlassen. So verdanken wir auch dieser Hausweihe
eine vornehm ausgestattete Festschrift*), die Rechen¬
schaft gibt über Gegenwärtiges und Vergangenes. Der
fachmännischen Beschreibung und Würdigung des im¬
posanten Neubaues ist ein wertvoller und gediegener
Aufsatz des
Herrn Regie¬
rungsrats Dr.
Bammel vor¬
ausgeschickt,
in welchem
es mit Glück
unternommen
wird, die G e -
schichte der
preußischen
Verwaltun g
im Regie¬
rungsbezirk
Düsseldorf
einmal in ge-
drängtemÜber-
blick zu ver¬
gegenwärtigen
und das bis¬
her von der
Regierungs¬
behörde Ge¬
leistete zusam¬
menfassend zu
würdigen.
bisherige Regierungsgebäude in Düsseldorf,
ein äußerlich nüchterner und im Innern unübersicht¬
licher Bau, der im 17, Jahrhundert im engsten Anschluß
*) Die Schrift wird in einigen Wochen in neuer Auflage im Buch¬
handel bei Schmitz & Olbertz in Düsseldorf erscheinen.
Nr.ll DEUTSCHLAND 523
an die Andreaskirche errichtet worden war, um den
Jesuiten und ihren Zöglingen als Heim und Schule zu
dienen, beherbergte schon seit 1785 eine Regierungs¬
behörde. Es war noch die Zeit, da die Länder Jülich und
Berg zu Pfalzbayern gehörten und da Kurfürst Karl Theodor
von München aus die Geschicke dieser wichtigen nieder¬
rheinischen Gebiete lenkte. Erst die
Stürme der französischen Revolution
mußten die Kräfte entfesseln, die
zu einer völligen Umgestaltung auch
der rheinischen Verhältnisse führten
und den Einzug einer preußischen
Regierungsbehörde in Düsseldorf im
Gefolge hatten. Die Preussische
Verwaltung war aber im nördlichen
Teile des jetzigen Regierungsbezirks,
im Clevischen Lande, längst heimisch.
In dem 1816 neu geschaffenen Ober¬
präsidialbezirk Jülich-Cleve-Berg war
daher zunächst auch ein besonderer
Regierungsbezirk Cleve (mit
216721 Einwohnern) neben den Re¬
gierungsbezirken K ö 1 n (mit 338416
Einwohnern) und Düsseldorf
(mit 379902 Einwohnern) bestehen
geblieben. Den damaligen Um¬
fang des Düsseldorfer Regierungs¬
bezirks veranschaulicht die der Festschrift beige¬
gebene Reproduktion einer Karte von Schlungs vom
Jahre 1817. Der verhältnismäßig kleine Regierungs¬
bezirk Cleve bestand jedoch nur wenige Jahre. Die
Erwägung, daß die Verwaltungsgeschäfte dieses Bezirks,
in dem bei überwiegend landwirtschaftlichen Interessen
ein wesentlicher Bevölkerungszuwachs nicht zu er¬
warten war, von Düsseldorf aus geführt werden konnten,
und Sparsamkeitsrücksichten führten schon 1822 zur
Vereinigung der Clever und Düsseldorfer Regierung,
wie auch die Provinzialeinteilung bald vereinfacht
wurde. Somit ist also die Düsseldorfer Regierung
die Nachfolgerin der brandenburgisch - preußischen
Verwaltungsbehörden für das Herzogtum Cleve sowie
für Geldern und Mörs geworden.
Wenn der Verfasser es aus diesem Grunde unter¬
nimmt, diese ältere Verwaltung zu schildern, so ist das
nur mit Freude und Dank zu begrüßen, denn gerade
ein solcher Ueberblick, wie er hier
gegeben wird, fehlte bisher. Und was
mehr ist: diese gedrängte Darstellung
gründet sich auf umfassende Studien
in den Akten des Düsseldorfer Staats¬
archivs, der Regierungsregistratur und
des Berliner Geheimen Staatsarchivs.
Vor das Tor der herzoglichen
Kanzlei im Clever Schloß führt
uns der Verfasser und zurück ins
Jahr 1609, in dessen Frühlingstagen
der Glanz der alten clevischen Dyna¬
stie erblich. Als Erbe des letzten
Herzogs Johann Wilhelm ließ hier
der Kurfürst Johann Sigismund
von Brandenburg sein Wappen
anschlagen und in aller Form Be¬
sitz ergreifen. Für lange Zeit blieb
nun das alte Schloß in Cleve, die
Schwanenburg, der Sitz der branden-
burgischen Regierung am Nieder¬
rhein. Nicht zu vergessen freilich, daß in den Jahren
1609 bis 1614, solange der Kurfürst gemeinsam mit
dem Neuburger Pfalzgrafen Wolfgang Wilhelm
die Regierung sämtlicher Länder der jülichschen Erb¬
schaft führte oder führen ließ, auch im alten Düssel¬
dorfer Schloß am Rhein die brandenburger Hofräte
ihre Amtsräume hatten. Aber diese kurze Episode
kann kaum in Betracht kommen, da die provisorische
Teilung der Länder Jülich-Berg und Cleve-Mark eine
definitive blieb, solange das alte Reich noch bestand.
So bildete also das Herzogtum Cleve und die seit 1398
mit ihm vereinigte Grafschaft Mark für nahezu zwei
Regierungs-Präsident von Pestei
11*» ^
£
S .11
Ansicht von Cleve
(Nach dem Stiche von Jakob van Biesen 1653, links das Kanzleigebäude)
524 DEUTSCHLAND Nr. 11
Jahrhunderte das eigentliche Feld brandenburgischer
Verwaltungstätigkeit im Rheinland.
Seit dem 15. Jahrhundert hatten die Landstände
in Cleve — neben der Ritterschaft sind hier besonders
die blühenden Hauptstädte Cleve, Wesel, Emmerich.
Calcar, Xanten, Rees und Duisburg zu nennen — einen
maßgebenden und verfassungsmäßig festgestellten Ein¬
fluß erlangt, der bei finanziellen Schwierigkeiten der
Fürsten weiter gestärkt und zur Erlangung wertvoller Privi¬
legien ausgenutzt wurde. Es bedurfte der ganzen Zähig¬
keit und Ueberlegenheit brandenburgischer Regierungs¬
kunst, um die Stände zu gefügigen Mithelfern kurfürst¬
licher Politik zu gewinnen. Hatte der brandenburgische
Statthalter Graf Adam v. Schwarzenberg (1612—1641)
der Macht der Holländer und den Neigungen der
Stände noch in die Hände
gearbeitet, so gelang es
dem zielbewußten Genie
des Großen Kurfürsten
und seinen erstaunlichen
Kriegserfolgen schließlich
doch, den Widerstand der
Stände zu brechen, deren
Erbitterung durch die un¬
aufhörlichen Truppenwer¬
bungen und Kriegslasten
recht begreiflich ist. Drei
Jahre lang (1646—164Q)
hatte der Kurfürst selbst
auf der Schwanenburg resi¬
diert und dann die Statt¬
halterschaft dem Fürsten
Johann Moritz von Nassau
anvertraut. Als dieser
starb (167Q) war der
Anschluß des clevischen
Landes an den Gesamt¬
staat so weit gefördert, daß
man von der Erneuerung
der Statthalterwürde ab-
sehen konnte. Als erster
Präsident trat jetzt der
Landdrost und General¬
wachtmeister von Spaen
an die Spitze der Re¬
gierung (1680 — 1692).
Eine schwere Zeit war für das clevische Land da¬
mals eben überstanden, in der sich die Anhänglichkeit
der clevischen Bevölkerung an das Haus Brandenburg
doch bewährt hatte. Zweimal, 1672 und 1679, hatte
das Vorrücken der Franzosen die Regierung zur Flucht
aus Cleve genötigt. Brandenburg war nicht imstande,
das Land vor dem Feinde zu schützen. Die finanziellen
Kräfte des Landes waren aufs äußerste erschöpft. —
Für die brandenburgische Regierung galt es nun, nach¬
dem der Kriegslärm verstummt war, geordnete finanzielle
Verhältnisse im Lande herzustellen. Die „Redressierung
des Kammerstaates" (wir würden Domänen- und Staats¬
schuldenreform sagen) war daher jetzt die wichtigste
innere Angelegenheit des Landes, die nach langen Vor¬
arbeiten und Verhandlungen zu einem befriedigenden
Ende geführt wurde. Durch das Eingreifen der Berliner
Zentralbehörde war hier eine Verwaltungsarbeit geleistet'
die den vielfach gebundenen und befangenen ein¬
heimischen Beamten kaum gelungen wäre. Die Zentrali¬
sierung des preußischen Finanzwesens führte um diese
Zeit zu einer straffen Unterordnung der clevischen
Amtskammer unter die Berliner Hofkammer. Mit der
Einrichtung eines stehenden Heeres verlor die Geld¬
bewilligung der Stände ihre sachliche Bedeutung. Im
Zusammenhang hiermit entwickelte sich ein Kommissariat
als besonderer Ausschuß der Regierung und schließlich
(1723) die dem Berliner Generaldirektorium unterstehende
Kriegs- und Domänenkammer.
Inzwischen hatte sich das niederrheinische Gebiet
Brandenburg-Preußens durch die Erwerbung von Ober¬
geldern und Mörs beträchtlich erweitert. Beide Länder
behielten zunächst ihre
eigenen Behörden, jedoch
wurde später der Amtsbe¬
reich der de vischenKriegs-
und Domänenkammer auf
Mörs ausgedehnt.
Das Kollegial - System
herrschte bei den deut¬
schen Verwaltungsbehör¬
den des 18. Jahrhunderts
allgemein und wurde auch
in Cleve freudig gepflegt.
Man schlug sogar vor, die
jährlichen Rheinstrombe¬
reisungen wegen des all¬
seitigen dienstlichen Inter¬
esses kollegialiter vor¬
nehmen zu dürfen, was
aber von dem spar¬
samen Generaldirektorium
ungnädig aufgenommen
wurde. Die Kammerpräsi¬
denten entstammten meist
dem auswärtigen Adel.
1791 wurde der lang¬
jährige Kammerpräsident
von Buggenhagen zum
Oberpräsidenten für
Cleve - Mark, Mörs und
Geldern bestellt. Sein
großer Nachfolger Frei¬
herr vom Stein war seit 1796 Oberpräsident der
sämtlichen niederrheinisch - westfälischen Provinzen.
Die Beziehungen, in welche Stein (1788) als Kom¬
missar zum cleve-märkischen Landtag getreten war,
sind für die spätere Reform des preußischen Staats¬
wesens von Bedeutung geworden. Das Clever Schloß
hat Stein in den Jahren 1793 und 1794 bewohnt, in
dessen Westflügel seit 1731 die Kriegs- und Domänen¬
kammer untergebracht war. Diese Räume zwischen
Schwanen- und Spiegelturm sind später verfallen und
mit Ausnahme der Arkaden und Galerie abgebrochen
worden. Das gleiche Schicksal teilten ansehnliche
Schloßteile auf der Süd- und Ostseite. Das vor dem
Schloßtore belegene Regierungs- und Kanzleigebäude,
wo die Regierung auch im 18. Jahrhundert ihre Ge¬
schäfte fortführte, wurde erst im Jahre 1805 beseitigt.
Ansicht des Speisezimmers in der Präsidentenwohnung’
Das alte Regierungsgebäude, Hofansicht
526 DEUTSCHLAND Nr. II
Wir müssen es uns versagen, an dieser Stelle die
sachkundigen und übersichtlichen Ausführungen des
Verfassers über die Wirksamkeit der Kammer, in denen
auch die wirtschaftlichen Zustände des Landes eine
vortreffliche Beleuchtung erfahren, hier näher zu be¬
rühren. Was die brandenburgisch-preußische Verwaltung
am Niederrhein geleistet hatte, kam den Bewohnern
erst recht zum Bewußtsein, als die französische Erobe¬
rung und die Fremdherrschaft über sie hereinbrachen.
Damals zeigte sich doch, welcher Schatz an preußischem
Patriotismus sich hier angehäuft hatte.
Im Jahre 17Q8 wurden das westrheinische Cleve,
Mörs und Geldern dem französischen Roer-Departement
zugeteilt; das
ostrheinische
Cleve undMark
kamen 1806
an den fran¬
zösischen Va¬
sallenstaat das
Großherzog¬
tum Berg, von
dem freilich
schon 1808
Wesel mit dem
Land nördlich
der Lippe abge¬
trennt und zu
Frankreich ge¬
schlagen wur¬
den.Daßneben
dem schweren
Steuerdruck
und den uner-
träglichenKon-
skriptionen die
französische
Verwaltungauf
vielen Gebie¬
ten Gutes ge¬
wirkt hat, ist
schon häufig
betont worden.
Bammel läßt
auch diesen
Verdiensten
volle Gerech¬
tigkeit wider¬
fahren, wenn
er schreibt: „Der mühevollen und einsichtigen Arbeit
der leitenden französischen Beamten während der Fremd¬
herrschaft ist hier, wie anderswo am Rhein, ein ehrendes
Andenken bewahrt worden. Sie haben, als ein Teil von
jener Kraft, die das Französische will und das Deutsche
schafft, die preußische Rheinprovinz vorbereitet."
Was der Verfasser im dritten Teil seiner Abhand¬
lung bietet, ist nicht das Geringste: Eine so vortreffliche,
gedrängte Zusammenfassung alles dessen zu geben,
was die Düsseldorfer Regierung im Zeitraum von 1816
bis 1911 geleistet hat, konnte nur aus der Fülle der
Sachkenntnis geschehen und nach umfassendem Studium
der Regierungs-Registratur. Seit der erste Präsident
der Düsseldorfer Regierung, Ph.v. Pestei (1816—1831),
hier gewirkt, sind die Aufgaben der Behörde ganz
eminent gewachsen. Zählte das Kollegium damals (1817)
außer dem Präsidenten und den Regierungsdirektoren
15 Mitglieder, so ist jetzt die Mitgliederzahl des Kolle¬
giums auf 70 gestiegen. Die außerordentliche Zunahme
der Geschäftssachen (täglich fast 1000 Eingänge!) hat
eine starke Vermehrung auch des Bureaupersonals not¬
wendig gemacht. 1817 waren insgesamt 55 Subaltern-
und Unterbeamte tätig; jetzt zählt man 230 dieser
Beamten. Das politisch bedeutsame Jahr 1866 hat der
Verfasser als Einschnitt und Grenzpunkt für seine
Schilderung der Wirksamkeit der Regierung benutzt.
In dem ersten
Abschnitt be¬
rücksichtigt er
besonders das
Kommunal¬
wesen, sowie
die Meliora¬
tionen, Deich¬
wesen,Wasser-
und Wegebau,
Eisenbahnen,
Industrie und
Handwerk, Po¬
lizei-, Gefäng¬
nis-, Kirchen-,
Schulwesen,
die Domänen,
Forsten und
Steuern. Die
große wirt-
schaftlicheEnt-
wicklung am
Niederrhein,
die erst durch
die Begrün¬
dung der na¬
tionalen Ein¬
heit ermög¬
lichtwurde, hat
in Verbindung
mit der staat¬
lichen Verwal-
tungs - Reform
das Arbeitsfeld
und die Eigen¬
art der Regie¬
rungsbehörde sehr beträchtlich verwandelt. War auch
die gewerbliche Tätigkeit von jeher im Bezirk vor¬
herrschend gewesen, so wurde doch erst durch die
wirtschaftliche Gesetzgebung des neuen Reiches die
Bahn frei für die gesteigerte Ausbeutung der Kohlen¬
schätze, die eine neue industrielle Epoche heraufgeführt
hat. Mit der Ausdehnung des Kohlenbergbaues hielt
diejenige der Eisenindustrie und Gußstahlfabrikation
gleichen Schritt. Textil- und Kleineisengewerbe haben
an Umfang zugenommen; die chemische Industrie hat
sich den Weltmarkt erobert; die Industrie des Nieder¬
rheins überhaupt ist gewissermaßen zum Gradmesser
der wirtschaftlichen Lage Deutschlands geworden.
Ult
Ansicht des Hauptportals
528 DEUTSCHLAND Nr. 11
Bei den also gesteigerten Aufgaben und dem hier¬
durch stetig wachsenden Personal der Regierungs¬
behörde wurde es für dieses allmählich nachgerade
unmöglich, in den alten Räumen des ehemaligen
Jesuitenkollegs an der Mühlenstraße auszukommen. Um¬
bauten und Erweiterungsbauten haben zwar in den
Jahren 1882, 18Q1 und 1900 stattgefunden, konnten
aber auf die Dauer nicht helfen. Das Ganze war da¬
durch nur noch
unübersicht¬
licher gewor¬
den. Manche
Zimmer des
älteren Baues
hatten nur eine
Grundfläche
von 4 — 5 Qua¬
dratmetern! So
war es er¬
klärlich, daß
alles daran ge¬
setzt wurde,
dieser Regie¬
rung ein Haus
zuschaffen,daß
Licht und Luft
verhieß und
bessere Erwei¬
terungsmög¬
lichkeiten bot.
* *
*
Am Rhein-
ufererhebtsich
imposant und
wuchtig, der
lang ersehnte
Neubau der
„Regierung".
Die gewaltige
Front ist dem
schönen Strom
zugewandt, auf
welchem die
langen Schiffs¬
züge fahren
zum Oberland
und zum Meer.
Nicht in einen
stillen Hof —
auf den gewal-
tigenWeltver-
kehr blicken
seine Insassen, Ansicht der
wenn sie von der Arbeit aufschauen. Das gibt neue
Gedanken und schärft den Blick.
ln den Formen eines gemäßigten Barock ist dieser
Bau ausgeführt worden. Man hat wohl bemängelt, daß
gerade diese Stilart ohne ausgiebige Verwendung von
echtem Material, wenigstens an der Hauptfassade, schwer
zur rechten Geltung zu bringen sei. Anderen haben
die hohen Dachaufbauten nicht gefallen. Auch wurde
hervorgehoben, daß der einheitliche Charakter des Bau¬
werkes durch die aus Zweckmäßigkeitsgründen vorge¬
nommene Verbindung des Hauptgebäudes mit der
Dienstwohnung des Präsidenten zerrissen worden sei.
Aber es ist ja eine bekannte Tatsache, daß es ungemein
schwer ist, mit einem solchen Bau, der doch in erster
Linie seinem Zweck genügen soll, alle Kritik zum
Schweigen zu bringen. Es ist daher auch mit Recht
betont worden, daß besonders der monumentale Mittel¬
bau mit seinem
reichen Portal
und den durch
3 Stockwerke
gehenden ö
korinthischen
Säulen, welche
einen flachen
Frontgiebel mit
reichem plasti-
schenSchmuck
tragen, von
starker, großer
Wirkung ist
und daß das
ganzeGebäude
auch in künst¬
lerisch - reprä¬
sentativer Be¬
ziehung das
bietet, was in
Rücksicht auf
die beschränk¬
ten Mittel (3V2
Millionen) zu
erreichen war.
DerSchöpfer
des monumen¬
talen Baues,
Herr Regie¬
rungs-und Bau¬
rat von Saltz-
wedel, hat
über sein Werk
in der Fest¬
schrift ein¬
gehenden Be¬
richt erstattet,
erläutert durch
eine Reihe von
Abbildungen
(nach Photo¬
graphien von
Dr. E. Queden-
Millelhalle feld, Düssel¬
dorf), von denen wir hier einige besonders charakte¬
ristische zu reproduzieren ermächtigt worden sind.
Der erste Entwurf zu dem Bau stammte vom ver¬
storbenen Baurat Schmalz. Zur Erzielung größerer
Einfachheit mußte er aber durch v. Saltzwedel, der
1906 mit der Bauleitung betraut wurde, ganz von
neuem durchgearbeitet werden. Die Grundrißanordnung
für das Geschäftsgebäude wurde zwar im allgemeinen
beibehalten, da sie durch die Form des Grundstückes
Nr. 11 DEUTSCHLAND 529
von vornherein gegeben war. Die Anordnung der
Treppen wurde dagegen wesentlich geändert und vor
allem die Architektur gänzlich umgearbeitet. Im Januar
1907 konnte mit der Ausarbeitung der eigentlichen Bau¬
zeichnungen und mit der Vergebung der ersten Arbeiten
und Lieferungen begonnen werden. Da die Boden¬
untersuchungen einen recht ungünstigen Befund ergaben,
wurde die Gründung auf Betonpfählen mit Eisenein¬
lagen, auf denen die ebenfalls in Beton mit Eisenein¬
lagen eingestampften Fundamente ruhen, als die zweck¬
mäßigste und billigste Gründungsart gewählt. Zu diesen
Arbeiten sind insgesamt 1200 Eisenbetonptähle ver¬
wandt worden, die zusammen eine Länge von 11 Kilo¬
meter ausmachen. Im übrigen wurden für den Bau,
dessen Fläche 5300 Quadratmeter beträgt, über sechs
Millionen Ziegel, 3600 Kubikmeter Granit und Sandstein,
7000 Kubikmeter Mauersand, 3900 Kubikmeter Kalk,
100 Waggon Zement, für das Dach 650 Kubikmeter
Holz verwandt. Für eine spätere Erweiterung ist in der
Weise Bedacht genommen, daß durch Abtrennung zweier
kleiner Lichthöfe von den großen Seitenhöfen in der
Flucht der hinter der großen Halle befindlichen Räume
zwei Flügel zwischengebaut werden können.
Um an bebauter Fläche zu sparen, sind vier Ge¬
schosse zu 4,30 Meter Höhe angeordnet worden. Daraus
ergab sich die Notwendigkeit, außer den vier elektrisch
betriebenen Aktenaufzügen zwei Personenaufzüge einzu¬
bauen. Die Beleuchtung geschieht in den Bureaus,
Zeichen- und Sitzungssälen durch elektrisches Licht.
Das Präsidenten-Wohngebäude ist, wie erwähnt,
direkt mit dem Hauptgebäude verbunden. Das erste
Stockwerk enthält die Wohn- und Gesellschaftsräume, um
eine Diele gelagert; von diesen Räumen ist das Speise¬
zimmer auf fiskalische Kosten als Repräsentationsraum
vollständig, auch mit Möbeln,Vorhängen u. a. ausgestattet.
Bei der Gestaltung der Außenansichten mußte auf
die freie Lage des Gebäudes Rücksicht genommen und
bei der Ausdehnung des Hauptgebäudes von 115 Metern
darauf gesehen werden, die lange Dachfirstlinie durch
Aufbauten zu beleben. So wurde der Mittelbau weit
herausgehoben und mit einem Dachreiter gekrönt, auf
dessen Spitze ein mächtiger kreisender Adler (eine vor¬
zügliche Schöpfung von Josef Körschgen) seine Fittiche
ausbreitet. Auch die Eckrisalite wachsen mit ihren turm¬
artigen ausgebildeten Dachspitzen über die Firstlinie
hinaus. Nur diese besonders hervorzuhebenden Bau¬
teile zeigen reichere Architektur und eine durchgehende
Sandsteinverkleidung, während im übrigen nur Fenster-
und Türumrahmungen sowie Gesimse und Unterbau
aus Hausteinen bestehen.
Im Innern herrscht größte Einfachheit. Nur auf
Dauerhaftigkeit und Zweckmäßigkeit wurde Bedacht ge¬
nommen. Reicher ausgebildet sind die große Halle mit den
anstoßenden Haupttreppen und der Plenarsitzungs¬
saal, die durch Verwendung von Marmor, Stuck, Bild¬
hauer-Arbeiten (von Jos. Körschgen und Herrn. Nolte)
und Gemälden (von Professor Ad. Münzer) als Repräsen-
tations-Rräume gekennzeichnet sind. — Zur künstleri¬
schen Ausschmük-
kung einzelnerSäle
und des Speise¬
zimmers in derPrä-
sidenten-Wohnung
sind von Düssel¬
dorfer Malern M.
Clarenbach, H. Her¬
manns, Jos. Kohl¬
schein d. J. und
der Bildhauer Jos.
Körschgen heran¬
gezogen worden.
Von Nolte und
Zieseniß stammen
die vier Reliefs (die
Elemente) in der
Kuppel der großen
Halle. Dem Kom¬
merzienrat August
Freih. v. d. Heydt
(Elberfeld)verdankt
der Bau die Bronze¬
büste des Staats¬
ministers Ober¬
präsidenten Freih.
V. Rheinbaben auf
Marmorsockel von
der Hand des Bild¬
hauers B. Hoetger
(Köln). Nach dem
Entwurf desGarten-
direktors Freiherrn
Ansicht des Plenarsitzungs- und Festsaales
530 I«
DEUTSCHLAND Nr. 11
V. Engelhardt ist der Garten am Präsidenten-Wohnge¬
bäude von dem Kunstgärtner Hoemann angelegt worden.
Mag der stattliche Bau an des Rheines Ufern auch
kein Markstein sein in der Entwicklungsgeschichte der
Architektur, so bildet er doch für die architektonische
Ausstattung unserer Rheinfront ein bedeutendes, ja be¬
herrschendes Glied und ersetzt, wie Herr Regierungs¬
präsident Kruse sagte, das „Schloß am Rhein".
„Stark und schön steht er zur Schau;
hehrer, herrlicher Bau"I
Kreuz und quer durch Stadt und Land.
Der Renatabrunnen in Hildesheim.
Vor kurzem ist in der alten Bischofs- und Hansestadt
Hildesheim, deren alte Kunstschätze in dieser Zeitschrift
wiederholt durch Wort und Bild gewürdigt worden sind,
ein neues Denkmal enthüllt worden: der am Ende der
Sedanstraße inmitten reizvoller, vom städtischen Garten¬
inspektor Staehle geschaffenen gärtnerischen Anlagen
stehende Renatabrunnen. Dieser vom Fabrikanten
Gustav Fränkel der Stadt geschenkte Brunnen ist ein
Werk des Bildhauers Paul Juckoff (Skopau). Gebildet
wird der Brunnen durch eine architektonische Rückwand,
deren seitliche Pfeiler Reliefs tragen, die Szenen aus der
Hildesheim verherrlichenden Dichtung „Renata" von
Julius Wolff darstellen. Den Mittelpunkt bildet die über¬
lebensgroße Bronzefigur der Renata (den von ihr ge¬
schaffenen Maigrafenbecher betrachtend) auf einem
Sockel, der das Reliefporträt Julius Wolffs als Schöpfers
der Dichtung „Renata" trägt. An der Rückwand sind zu
beiden Seiten des Sockels sechs Wasserspeier angebracht,
die demvorgelagertenWasserbecken dasWasser zuführen.
Der Bildhauer Juckoff (Skopau), am 2. August 1874
zu Merseburg geboren, Sohn eines Baumeisters, erlernte
zuerst zwei Jahre hindurch die Holzbildhauerei und
widmete sich dann der Stein- und Marmorbildhauerei,
bildete sich auch in Ateliers für Kirchenornamente und
Paramente zu Luxemburg, Paris und Lyon, besuchte zu¬
letzt noch die Kunstakademie zu Leipzig und siedeltelQOl
nach Skopau bei Merseburg über, wo er ein Privatatelier
aufschlug, woneben er noch ein zweites Atelier für Marmor¬
arbeiten in Halle a. d. S. hat. Die hervorragendsten Schöp¬
fungen seiner etwa zehnjährigen Künstlertätigkeit sind
das Denkmal des 1809 in Wesel erschossenen Schillschen
Leutnants v. Wedell, ein Zierbrunnen für Weißenfels, ein
Christus für die Pauluskirche in Halle a. d. S. ein
König-Heinrichs - Brunnen für Merseburg, Luther- und
Gustav-Adolf-Standbilder für Weißenfels, Christus- und
Paulus-Statuen für Dorstfeld bei Dortmund, ein Marmor-
Reliefporträt der Kaiserin Auguste Victoria (nach der
Natur modelliert für das Portal der Kinderheilstätte in
Halle a. d. S.), Monumentalbrunnen für Stendal und
Schönebeck und ein Bismarck-Denkmal für Halle a. d. S.
Der vom Bildhauer Juckoff-Skopau geschatfene Renatabrunnen in Hildesheim
Nr. 11 DEUTSCHLAND 531
Veränderungen im Präsidium des Norddeutschen Lloyd.
Geo Plate.
Zu seinem Rücktritt von dem Präsidium des
Norddeutschen Lloyd.
Kaum sechs Monate sind seit dem Tage ver¬
flossen, an welchem Geo Plate vom Präsidium der
Bremer Baumwollbörse zurückgetreten ist. Nunmehr
hat ein bedauerlicher Unfall, der den Verlust des linken
Auges zur Folge hatte,
Herrn Plate bestimmt,
auch das Präsidium des
Norddeutschen Lloyd
niederzulegen.
Fast ein Viertel¬
jahrhundert hat Geo
Plate dem Aufsichts¬
rat des Norddeutschen
Lloyd angehört. Am
15. April 1887 trat er
in den Aufsichtsrat ein,
am 23. April 1892 über¬
nahm er als Nach¬
folger des damals an
der Spitze stehenden
Friedrich Reck den
Vorsitz. Seinem Ein¬
fluß ist es hauptsäch¬
lich zu verdanken, daß
an die Stelle des
kurz vorher verstor¬
benen Direktors Loh¬
mann, entgegen den
bisherigen Gepflogen¬
heiten des Norddeut¬
schen Lloyd, Dr. Heinr.
Wiegand mit der
geschäftlichen Leitung
des Lloyd beauftragt
wurde. Mit dieser Be¬
rufung Wiegands, mit
der Uebernahme des
Vorsitzes im Aufsichts¬
rat durch Geo Plate be¬
gann eine neue Epoche
in der Geschichte des
Norddeutschen Lloyd,
die das Unternehmen
aus dem eigentlichen
Rahmen einer Er¬
werbsgesellschaft weit
hinaus zu der Bedeu¬
tung eines ganz außer¬
ordentlich wichtigen
Faktors im deutschen
Staatsleben und zu
einemSchwergewichtin
den internationalen Be¬
ziehungen aller Länder
erhob. In ungetrübtem
Zusammenwirken mit
Wiegand und nach dessen Tode mit Heineken ist es
Plate gelungen, in rastloser Arbeit, durch umfassende
Großzügigkeit, durch volles Verständnis für die Regungen
des Weltverkehrs und die Entfaltung der richtigen in
diesem Weltverkehr erforderlichen Mittel, dem Lloyd
eine in der ganzen Welt geachtete und anerkannte
Stellung zu geben. — Die Bedeutung, welche der Nord¬
deutsche Lloyd unter
Plates Präsidentschaft
gewonnen hatte, die
Anerkennung seiner
umfassenden organisa¬
torischen Befähigung,
führten im Jahre 1889
zu der von französischer
Seite beantragten Be-
rufungPlates in denVer-
waltungsrat der Suez¬
kanal-Gesellschaft und
in demselben Jahre zur
Berufung in den Auf¬
sichtsrat der Deutschen
Bank in Berlin. Die
Erkenntnis, daß solche
Aufgaben das Ein¬
setzen der ganzen Per¬
sönlichkeit erforder¬
ten, bewog Geo Plate,
namentlich auch mit
Rücksicht auf den zu¬
nehmenden Geschäfts¬
umfang des Norddeut¬
schen Lloyd, im Jahre
1900 sich von allen
Privat-Geschäften zu¬
rückzuziehen und die
Firma Gebrüder Plate
seinem Bruder allein zu
überlassen. Er hat seit¬
dem seine ganze Kraft
der Präsidentschaft des
Norddeutschen Lloyd,
der Bremer Baumwoll¬
börse und der Suez¬
kanal-Gesellschaft ge¬
widmet und deren Inter¬
essen unter Einsetzung
seiner ganzen Person
mit der ihm eigenen
Energie und Initiative
mit großem Erfolge
vertreten.
Plate war der dritte
Vorsitzende des Auf¬
sichtsrats des Nord¬
deutschen Lloyd seit
seiner Gründung vor
nunmehr 54 Jahren.
H.H.Meier, der Gründer,
Fritz Achelis, Präsident des Norddeutschen Lloyd
Geo Plate, bisheriger Präsident des Norddeutschen Lloyd
532 DEUTSCHLAND Nr. 11
hatte dieses Amt von 1857—1888 inne, ihm folgte von 1888
bis 1892 Friedrich Reck, und dann ging das Präsidium
auf Herrn Geo Plate über, einen Mann, dem der Lloyd
sowohl wie Deutschland außerordentlich viel verdanken.
Seit April 1899 führte er den Titel Präsident des Nord¬
deutschen Lloyd.
Der Rücktritt Plates vom Präsidium des Norddeutschen
Lloyd und der Bremer Baumwollbörse bedeutet für beide
Institute den Abschluß eines
inhaltreichen Zeitabschnitts,
den in seinem ganzen Um¬
fange nur die zu würdigen
vermögen, denen es ver¬
gönnt gewesen ist, ihn mit
Plate zu durchleben und
Schulter an Schulter mit ihm
in gemeinsamer Arbeit zu
wirken. So werden denn
auch weite Kreise, an erster
Stelle aber derNorddeutsche
Lloyd, Herrn Plate nur mit
Bedauern aus dem öffent¬
lichen Leben scheiden sehen
und seiner großen Ver¬
dienste allezeit in Dankbar¬
keit gedenken.
Fritz Achelis.
Der neue Präsident des Nord¬
deutschen Lloyd.
Fritz Achelis, am 3. März
1840 in Bremen geboren,
blickt auf eine 34jährige
Wirksamkeit im Aufsichtsrat
des Norddeutschen Lloyd
zurück. Sein Eintritt erfolgte
im Jahre 1877, die Be¬
rufung zum Vizepräsidenten
des Lloyd im Jahre 1898.
Zum Präsidenten wurde er
am 21. September 1911 als
Nachfolger des langjährigen
Präsidenten Geo Plate vom
Aufsichtsrat gewählt. — In der seit fast zwei Jahr¬
zehnten inne gehabten Stellung als Vizepräsident des
Lloyd hatte Achelis häufig Gelegenheit, den Lloyd
bei wichtigen Anlässen nach außen hin zu vertreten.
Seit dem 1. Januar 1882 Mitglied der bremischen Bürger¬
schaft und seit einer Reihe von Jahren Mitglied des
Bürgeramts, wurde Achelis zu mannigfaltigen Ehren¬
ämtern berufen. Er ist Vorsitzender des Aufsichtsrats
der Deutschen Nationalbank, Kommanditgesellschaft
auf Aktien, Vorsitzender des Aufsichtsrats der Spar¬
kasse in Bremen, Vorstandsmitglied der Schiffbautech¬
nischen Gesellschaft in Berlin und Aufsichtsratsmitglied
einer Reihe von industriellen Unternehmungen, sowie
der Orientbank und der Neu-Guinea-Bank in Berlin.
Konsul H. A. Nolze.
Vizepräsident des Norddeutschen Lloyd.
An die Stelle des bisherigen Vizepräsidenten, Herrn
Achelis, ist Herr Konsul H. A. Nolze zum Vizepräsi¬
denten des Norddeutschen Lloyd gewählt worden. Herr
Nolze ist eine in Schiffahrts¬
kreisen weit bekannte und
sehr geschätzte Persönlich¬
keit. Er wurde im Jahre 1854
in Bremen als Sohn eines
Schlossermeisters geboren,
besuchte die Realschule und
trat im Jahre 1869 als
Lehrling in das Tabak- und
Reederei-Geschäft von J. H.
& C. Niemann in Bremen ein.
Nach beendigter Lehrzeit und
Absolvierung der Dienstzeit
fand er im Jahre 1874 An¬
stellung bei der Dampfschiff¬
fahrts-Gesellschaft ,NeptunL
Im Jahre 1882 wurde er von
seiner Gesellschaft zum Pro¬
kuranten und im Jahre 1885
zum Direktor bestellt, wel¬
chen Posten er noch heute
bekleidet. Die Dampfschiff¬
fahrts-Gesellschaft „Neptun"
hat unter Nolze's Leitung
einen großen Aufschwung
genommen, was am besten
durch die gewaltige Zunahme
der Zahl der Schiffe illustriert
wird. Die Flotte bestand im
Jahre 1885 aus 14 Dampfern,
sie ist gegenwärtig auf 74
Dampfer angewachsen. Von
Beginn seiner geschäftlichen
Tätigkeit an hat Nolze be¬
sonderes Interesse für die
Reederei an den Tag gelegt. Neben seiner umfang¬
reichen Arbeit für den „Neptun" ist er seit 10 Jahren
Mitglied des Aufsichtsrats des Norddeutschen Lloyd.
Ferner gehört er seit längerer Zeit dem Aufsichtsrat
des Germanischen Lloyd in Berlin und des Deutschen
Reederei-Vereins in Hamburg an. Mehrere Jahre hatte
er das Präsidium des Zentralvereins deutscher Reeder
inne. Im März 1908 wurde Nolze, der seit 1905 Kgl.
Württbg. Konsul für Bremen ist, durch das Vertrauen
seiner Mitbürger zum Präsidenten der bremischen
Bürgerschaft gewählt, welches Amt er fast drei Jahre
lang verwaltet hat.
Konsul H. A. Nolze,
Vizepräsident des Norddeutschen Lloyd
Das Luftschiff Schütte-Lanz
In der Niederung zwischen dem Mannheimer Rheinauhafen wurde zum ersten Male von einem größeren Kreis geladener
und dem Dorf Brühl an der Strecke Mannheim—Schwetzingen Gäste das Luftschiff in Augenschein genommen. Ein Aufge¬
steht die große Luftschiffhalle, in welcher ein neuer Luftriese, bot von Militär- und Feuerwehrmannschaften war für den Fall
das Luftschiff Schütte-Lanz gebaut wurde. Am 14. Oktober anwesend, daß das Luftschiff aus der Halle gebracht und seine
Nr. 11 DEUTSCHLAND 533
erste Ausfahrt antreten sollte. Indessen wehte vom Rhein
herüber eine sehr kräftige Brise. Man sah deshalb von einem
Aufstieg ab, zumal die Wetterberichte aus nah und fern wenig
günstig lauteten. Prof. Schütte erklärte den geladenen Gästen
die Konstruktion und ließ dann die 270pferdigen Motore
laufen. Seiner Konstruktion nach gehört der „S L P' zu dem
starren System. Das
von einem ockergelben
Ballonstoff umspannte
Gerippe besteht aus
Holz und hat eine
Länge von 130 Metern,
einen Durchmesser
von 18 Metern und
einFassungsvermögen
von 20000 Kubik¬
metern. Die Gondel¬
aufhängung ist un¬
starr; die Gondeln
hängen an Seilen, und
zwar hat Prof. Schütte
diese Art der Ver¬
bindung gewählt, um
bei Landungen den
Stoß zunächst durch
die Gondel abzu¬
schwächen, ohne daß
er direkt auf den Luft¬
schiff-Körper über¬
tragen wird. Zunächst sind 2 Gondeln montiert, eine dritte, da¬
zwischenliegende, ist als Passagiergondel gedacht. Ferner sind
für militärische Zwecke vorgesehen, zwei Plattformen für Be¬
obachtungsposten und Militärbesatzung, Maschinengewehre
usw. — Am 17. Oktober ist das Luftschiff zum ersten Male auf¬
gestiegen. Es wurde um 4 Uhr 50 Min. aus der Halle gebracht.
In der Führergondel befanden sich Prof. Schütte, Astronom
Helffrich, Assistent
an der Heidelberger
Sternwarte, der Führer
Hauptmann v. Müller
sowie Ingenieure und
Monteure. Auch in
der anderen Betriebs¬
gondel befanden sich
fünf Personen. Um
5 Uhr 21 Min. stieg
das Luftschiff unter
den Hochrufen einer
zahlreichenZuschauer-
menge in die Höhe. In
etwa 120 m Höhe an¬
gekommen, beschrieb
das Luftschiff einen
Bogen und schlug
darauf eine westliche
Fahrt-Richtung ein.
Gegen 6 Uhr 30 Min.
lief dann die Nachricht
bei der Luftschiffwerft ein, daß das Schiff in der Nähe von
Speyer eine Zwischenlandung vorgenommen habe. Professor
Schütte machte über die Gründe der Landung folgende Mit¬
teilung: „Wir sind hier nach sehr schöner Fahrt auf freiem
Felde auf einer Stelle gelandet, die wir uns selbst ausgesucht
haben. Es war eine sog. Notlandung, weil wir bemerkten, daß
an der hintern Steuerleitung wahrscheinlich etwas schadhaft
war. Das Luftschiff kampiert auf freiem Felde. Zur Hilfeleistung
ist eine Kompagnie Pioniere aus Speyer herangezogen
worden. Das Schiff haben wir in der üblichen Weise mit
Hilfe eingegrabener Ackerwagen verankert. Zur Verankerung
haben wir Stahltrossen und Seile verwandt. Die Landung
ging so glatt von statten, daß das Schiff in keiner Weise be¬
schädigt wurde. Auch
die Fahrt verlief sehr
schön. Die Höhen¬
steuer haben vorzüg¬
lich funktioniert und
wir haben eine Höhe
von 250 m erreicht.
Bei der Landung haben
wir die Ventile ge¬
zogen. Es muß also
morgen Gas nachge¬
füllt werden. Wenn
dies geschehen und der
kleine Schaden in der
Steuerung behoben ist
und das Wetter aus¬
hält, werden wir nach
der Halle zurück-
fahren.“'' Am Vormit¬
tag des 1. November
führte der neue Luft¬
kreuzer seine erste
Fahrt überMann-
h e i m aus, an welcher sich u. a. Herr Dr. Carl Lanz, Herr Prof.
Schütte und Herr Hauptmann von Müller, letzterer als Führer,
beteiligten. Dieser bedeutungsvolle Aufstieg ist durch unsere
Illustration feslgehalten. Das Wetter war besonders prächtig,
das Firmament wolkenlos, tiefblau der Himmel. Diese erste
Fahrt über der Rhein-Neckarstadt verlief in gradezu bewun¬
derungswürdiger Weise und hat sicher auch bisherige Nörgler
zu Enthusiasten ge¬
macht. Der Führer des
majestätischen Luft¬
riesen, Herr Haupt¬
mann von Müller, hat
mehrere Aufnahmen
von der Stadt gefer¬
tigt, die wir gleichfalls
wiedergeben. — Der
„MannheimerGeneral-
Anzeiger" schließt sein
Referat mit folgenden
Worten, denen auch
wir uns anschließen:
„So kann der Er¬
bauer des stolzen Luft¬
fahrzeuges, Herr Dr.
Karl Lanz, mit dem
genialen Konstrukteur,
Herrn Prof. Schütte,
mit stolzer Befriedi¬
gung auf die Ergeb¬
nisse dieser erfolgreichen Fahrt zurückblicken. Wir wissen,
daß es der sehnlichste Wunsch des Herrn Dr. Lanz war, den
Mannheimern sein Luftschiff vorzuführen. Dieser brennende
Wunsch ist nun in einer wirklich imponierenden Weise er¬
füllt worden. Mögen sich an diese erste Fahrt über Mann¬
heim noch recht viele ebenso erfolggekrönte anschließen
zum Ruhme der Firma Lanz und der Stadt Mannheim."
Luftschiff Schütte-Lanz I
Mannheim vom Luftschiff Schütle-Lanz aus gesehen
□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□
Luftschiff Schütte-Lanz über Mannheim
Zweite Tagung des Weltkongresses der Hotelbesitzer im Abgeordneten-Haus zu Berlin am 16. Oktober 19TT
(Vergleiche Artikel im wirtschaftlichen Teil dieser Nummer)
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Nr. 11DEUTSCHLAND
535
Der berühmte Erfinder
Thomas A. Edison
besuchte kürzlich die Stadt Dresden. Unser Bild zeig^ Edison im
Kreise seinerFamilienangehörigen, von denen die jüngsteTochter
die Amerika-Nummer der ^^Deutschland" auf der Photographie
verewigen ließ. Auf dem 2. Bild finden wir Edison im Gespräch
mit Direktor Ronnefeld auf der Terrasse des Hotels Bellevue.
Photogr.: F. Mielert, Sprottau
Zwei originelle Wegweiser
finden sich in der Nähe des Badeortes Warmbrunn im schle¬
sischen Riesengebirge. Der eine stellt einen im Getreidefelde
stehenden, seine Sense schleifenden schlesischen Landmann
dar. Die Sense trägt in schlesischem Dialekt die Aufschrift:
No Gierschdurf, ene Schtunde (Nach Giersdorf, eine Stunde).
Der andere Wegweiser befindet sich auf dem Wege nach der
Füllner-Kolonie bei Warmbrunn und stellt einen im Wiesen¬
grase stehenden ländlichen Schulbuben vor, auf dessen Schiefer¬
tafel die Wegweisung geschrieben ist. Die Arme der gut
geschnitzten und buntbemalten Holzfiguren zeigen nach der
entsprechenden Wegerichtung. F. Mielert, Sprottau.
EigenartigeWegweiser.
(Siehe nebenstehende Notiz.)
Photogr.: F. Mielert, Sprottau
536 DEUTSCHLAND Nr. II '
An unsere Leser!
Mit Genugtuung können wir feststellen, dass die Zeitschrift „Deutschland“
sich nicht nur als gediegene Fachzeitschrift in den Kreisen der Verkehrs-Vereine,
Stadt-, und Kurverwaltungen etc. allgemeiner Wertschätzung erfreut, sondern
auch in Privatkreisen, Schulen, öffentlichen Bibliotheken usw. als interessante
und reichhaltige Familienzeitschrift in weite Kreise Eingang findet. Besonders
ist es der reiche, in seiner vornehmen, künstlerischen Reproduktion unüber¬
troffen dastehende Bildschmuck, der uns mit jedem Tage neue Freunde von
Heimatkunde und Heimatliebe zuführt. —
Einer freundlichen Anregung aus unserem Leserkreise entsprechen wir
hiermit gerne, indem wir zur Verwendung
für den Weihnachtstisch ==
einen Gutschein zum Bezug unserer Zeitschrift für ein ganzes Jahr (nebst Ein¬
banddecke) hersteilen Hessen. Ein Jahrgang der „Deutschland“ mit hunderten
von interessanten Illustrationen aus allen deutschen Gebieten dürfte ein sehr
sinniges und Jedermann willkommenes Weihnachtsgeschenk darstellen. Der
Empfänger eines solchen Gutscheines, der geschmackvoll ausgestattet ist, kann
den Beginn des Abonnements
nach Belieben wählen.
Der Preis des Gutscheines
für einen ganzen Jahrgang
(15 Nummern) einschliesslich
Einbanddecke (siehe neben¬
stehende Abbildung) beträgt
Mk. 7.50. Bestellungen wolle
man baldigst an den Unter¬
zeichneten Verlag richten. —
DÜSSELDORF
Postfach 444.
Verlag der Zeitschrift
„DEUTSCHLRMD«
Zeitschrift für Heimatkunde und
Heimatliebe. = Organ für die
deutschen Verkehrs-Interessen.
Einbundticckc /um I. Julirgang der „Üeulschlund“.
Pun5 ®0rft0ljrs=®0r0in(?
Scohcfucß^äonto: Xcipzig^ 10034 !.
^an^Aonto: Stll^cmcim 3)a>uhcA9> M^zbiianttaU^
SlSUilun^ (Bo.^ Xcipzi^y c6a««3^xajdc. Xctpit^, bctt 4. November 1911.
®eli^äffa)Iene:
„]|anlrelar|0f‘s Baldimarltf.
3f«rttftnrfrfpt 6845
An
den Verlag der Zelteohrift .Deateohland*,
Düsseldorf.
In der Sitanng des Qesamtvorstandes vom 6.-8. Oktober ds.
Js. fanden bei der eingehenden Debatte über unser Bandesorgan
,Deutschland* die hervorragenden Leistungen dieser Zeitschrift
allseitige Anerkennung. Es wurde gleichzeitig betont, daü es
angesichts dieser Leistungen und Aufwendungen von Redaktion und
Verlag eine Ehrenpflicht für alle Bandesmitglieder sei, für di^
Förderung und Verbreitung der „Deutschland* mit allem Nachdruck
einzutreten. Der geschäftsführende Ausschuß wurde beauftragt,
dem geschätzten Verlag der „Deutschland* den Dank des Qesamt-
vorstandes auszusprechen.
Wir beehren uns, diesem Auftrag mit besonderer Freude hier
durch nachzukommen, und beglückwünschen zugleich den Verlag zu
den bisherigen Erfolgen.
Mit vorzüglicher Hochachtung
cB m/vv 3 ^(lA^XocS^^eA/
fl/MoacA/MOO.
538 DEUTSCHLAND (»^80886^^66666686666666® Nr. II
WIRTSCHAFTLICHER TEIL
Förderung des Reiseverkehrs auf den deutschen Bahnen.
Die Heranziehung des Fremdenverkehrs aus dem Ausland
nach Deutschland und die planmässige Belebung des alliJemeinen
Reiseverkehrs im deutschen Inland leiden bisher unter dem
Mangel, dass es an den zu einer einheitlichen und zielbewussten,
auf die Förderung des Gesamtverkehrs im Deutschen Reich
gerichteten Werbetätigkeit erforderlichen Mitteln fehlt. Dieser
Mangel hemmte auch bisher den Bund Deutscher Verkehrs-
Vereine, in der vollen Entfaltung seiner Tätigkeit zur Förderung
des Deutschen Verkehrs. Die von den einzelnen deutschen
Eisenbahnen und Verkehrsverbänden im Interesse ihrer Ge¬
biete schon unternommene Propaganda kann, so wirkungsvoll
sie auch im einzelnen ausgestaltet sein mag, doch einen voll-
giltigen Ersatz für eine zusammenfassende Werbetäti«. keit nicht
bieten, schon weil die Mittel der Einzelnen naturgemäss be¬
schränkte sind, und die Verschledenartigke'-t ihrer Bestrebungen
einer gleichmässigen Ausgestaltung und Verbreitung der Propa¬
ganda hinderlich ist.
Wie verlautet, haben sich die deutschen Slaals-
eisenbahnen jetzt zusammengeschlossen, um gemeinsam mit
dem Bund Deutscher Verkehrs-Vereine im Interesse der Förderung
des Reiseverkehrs auf den deutschen Bahnen eine einheitliche und
grosszügige Werbetätigkeit, insbesondere im Ausland, einzuleiten.
Es sind für diesen Zweck namhafte Mittel bereit gestellt worden,
und es ist zur Ausarbeitung und Durchführung der erforderlichen
Massnahmen ein „Ausschuss zur Förderung des Reise¬
verkehrs auf den deutschen Bahnen“ unter dem Vorsitz
der Eisenbahn-Direktion Berlin eingesetzt worden, in dem die
Eisenbahn-Verwaltungen in München (Verkehrsamt), Dresden,
Stuttgart, Karlsruhe, Strassburg und Köln vertreten sind, und
dem ferner - als beratende Mitglieder — je ein Vertreter des
Bundes Deutscher Verkehrs-Vereine in Leipzig, des
Bayerischen Landes- Fremden- Verkehrs-Rats in
München, des Verlages der Zeitschrift „Deutschland“ in
Düsseldorf und des internationalen öffentlichen Ver¬
kehrsbureaus in Berlin, angeb Ören Der Ausschuss hat als
seine erste Aufgabe die Herausgabe einer zur Verbreitung im
Ausland bestimmten, künstlerisch ausgestatteten Werbeschrift
„Deutschland“ in Angriff genommen.
Der Fremdenverkehr in den deutschen Städten während des Jahres 1910.
Von Jahr zu Jahr steigt die Zahl der Fremden, die in den
Gasthöfen der Städte Quartier neh nen, sei er, nun. dass sie zinn
Vergnügen reisen oder sei cs, dass ihr Berri sie von Ort zu
Ort treibt. Erst in neuester Zeit ist m.m dazu übergega.ngen,
diesen Reiseverkehr planmässi.g in bestimmte Bahnen und in
bestimmte Orte zu lenken. Sowohl von priv.itcr als auch von
amtlicher Seite lässt man sich eine Förderung dr*. krcaiuen-
verkchrs nach jeder Richtung hin angelegen sein. Den gioosten
Anteil hieran haben unstreitig die privaten Verkcb t s-Ve reine,
deren Bedeutung man nicht untersciiätzen d..iif und die zu
unterstützen jede Stadl sich ungelegen lasseri sein imi.ss. Bisher
ist leider von den Städten in dieser Hinsicht noch lecht wenig
geschehen, doch scheint in Zukunft hier eine Waiuilung zum
Bessern einzutreten. Die 25. K o n f e r e ii z der deutschen
Städte Statistiker vom Juni 1911 hat nämlich folgenden
Beschluss gefasst:
a) Die Konlerenz der Städtcstalistiker v/endet der Fest¬
stellung des Fremdenverkehrs in den einzelne,» Städten unter
Anerkennung der grossen wirtscliattlichen Bedeutung cies l'remden-
verkehrs für die Städte besondere Aufmeiksainkeit zu.
b) Sie unterstützt die Bestrebungen zum Ausbau der l'remden-
verkehrsstatistik, indem sie ihren Mitgliedern empiiehlt, mög¬
lichst die Auszählungen der polizeilichen Meluezellcl im Amte
monatlich vornehmen zu lassen und d.dnei eine Unterscheidung
mindestens nach Hotel- und Ilerbergegästen, sowie nach Deut¬
schen und Ausländern in beiden Kategorien anzuordnen.
c) das weiter erstrebenswerte Ziel ist die 1' e s t s t c 11 u n g
der Zahl der Uebernachlungen. Damit käme man der
richtigen Einschätzung der Bedeutung des Fremdenverkehrs in
wirtschaftlicher Beziehung v/eit näher und erhielt das einzig
richtige Moment für die Veigleichbarkeit der Fremdenstatistik
in den verschiedenen Städten (s. Dr. Eichelmann, statistische
Monatsberichte der Stadt Strassburg).
ln einigen Städten ist solche Verkehrsstatislik cingeführt,
bei welcher Hotel- und Herbergegäsle sowie Deutsche und Aus¬
länder getrennt nachgewiesen v/erden.
Im folgenden wollen wir nun untersuchen, inwieweit die
Städte und die Fremdenverkehrs-Vereine zur Hebung des Fremden¬
verkehrs beigetragen haben:
Von 61 deutschen Städten^), an welche eine diesbezügliche
Anfrage gerichtet v/urde, haben im Jahre 1910 nur 39 grössere
Städte einen Zuschuss an den Verkehrs-Verein gewählt, dieser
Zuschuss schwankte zv/ischen 100 Mk. und 6600 Mk. Die höchste
Unterstützung zahlte die Stadt Leipzig mit 6100 Mk., ausser¬
dem wurden noch 500 Mk. für zv/ei Preise, sowie als Beitrag
zu den Kosten des Wettbewerbs im Blumenschmuck gewährt.
Damit steht Leipzig unerreicht da (freilich geschieht seitens
des Staates füi den Leipziger Fremden-Verkehr bisher wenig,
*) ICs kommt hier nur eine ganz ix'stimmic Anzahl gröss(Mvr Städte
in Hctracht und zwar .solche, rlie zu dem slntislisciicn .lahrhncli Deut¬
scher Städte Beiträge über den BevölKcrungswcchsel lictcrii.
während andere Staaten, z. B. Baden und Bayern, von
Sti'lswegen für den Kremden-Verkehr auch in ihren Städten
mehr tun) Den nächsthöheren Zuschuss leisteten die
Städte Köln Uiid Frankfurt a. M. mit 6000 Mark. Im übrigen
wurden von allen drei Städten keinerlei Massnahmen zur
llebun^. des Freuidenverkehrs getroffen. Das ist jedenfalls
iin InLe.e '.sc der Sache sehr zu bedauern. Wenn auch den be¬
treffenden Verkehrs-Vereinen ein solch immerhin hoch zu nennen¬
der Zuschuss sehr erwünscht sein wird, so darf eine verkehrs¬
reiche Stadt sich damit nicht begnügen. Das hat die Stadt
Düsseklort wohl erkannt. Auch sie stellt dem Verkehrs-Verein
einen Bcirag und zwar in Höhe von 4000 Mark zur Verfügung, sorgt
aber dann durch Massnahmen der verschiedensten Art für die
Hcianriehung der Fremden, namentlich veranstaltet sic zahl¬
reiche I'e.ste, Ausstellungen usw., von denen eine Anziehungs¬
kraft auf Fremde angenommen werden darf. Die Stadt Mannheim
gewährt nicht nur dem lokalen Verkehrs-Verein eine Unter¬
stützung von 3000 Mark, sondern gibt auch noch 500 Mark
geldliche Unterstützung an den Rheinischen Verkehrs-Verein,
während sie sich sonst zu keinerlei Massnahmen zur Hebung
dec Fremdenverkehrs versteht. Die Stadt Dortmund dagegen
hofft durch Anträge betreffs besserer Zugverbindung, Neubau
von Eisenbahnverbindungen den Verkehr zu heben. Daneben
•'.ihlt die Stadt noch 3000 Mark an den dortigen Verkehrs-Verein.
ICs würde zu weit führen, die Zuschüsse der übrigen Städte
hier einzeln aufzuführen. Interessant sind jedoch die Mass¬
nahmen, die einige Städte sonst noch in ihr Programm aufge¬
nommen haben. So finden wir z. B. in Magdeburg Unterstützung
duTch die Veranstaltung von Pferderennen, von Flugwochen, von
Obstmärklen, von Schaufensterwettbewerben. Andere Städte
gründeten Hotel - Aktiengesellschaften, (Krefeld), Rennvereine,
unterstützten Vereine bei der Veranstaltung von Kongressen
und Ausstellungen usw. Auch suchte man sein Ziel durch
Zcitungs- oder sonstige Reklame zu erreichen.
V/ir sehen also, dass einzelne Städte sich mit den ver¬
schiedensten Massnahmen zur Hebung des Fremdenverkehrs
befasst haben. Man vermisst jedoch eins in auffälliger Weise,
das ist die Einheitlichkeit in allen ihren Bestrebungen (was
wohl nicht einlreten kann, wenn sich die Städte z. B. nach dem
Beispiel von Cassel zu Verkehrsämtern entschliessen. D. Red.)
Hoffen wir, dass der bei der Tagung der Städtestatistiker ge¬
fasste Beschluss seine Wirkung nicht verfehlen wird.
Es bleibt uns noch übrig, die Tätigkeit der Verkehrs-Ver¬
eine selbst einer Kritik zu unterziehen und zwar sollen hier nur
die Massnahmen erwähnt werden, welche direkt auf die Hebung
des Fremdenverkehrs hinzielen. Hier steht wohl an erster Stello
die Herausgabe von Führern und zwar je nach der Art der
verkehrenden Fremden nur in deutscher oder aber auch ia
mehreren Sprachen. Führer der letzteren Art werden nament¬
lich vom Rheinischen Verkehrs-Verein, vom Verkehrs-Verein
Dresden, München, Köln, Düsseldorf und andere herausgegeben.
4
Nn II
DEUTSCHLAND 53Q
Auch suchen die meisten Vereine durch Reklame in Zeit¬
schriften, Zeitungen auf ihre Stadt aufmerksam zu machen.
Einzig in dieser Art steht wohl die Stadt Königsberg da, indem
sie nämlich in a u s'w ä r t i g e n Führern inseriert Einen wesent¬
lichen Anteil an ihren Massnahmen bildet ferner die Ver¬
anstaltung von Schaufenster- und Blumenschmuckswettbewerben,
auch suchen einzelne Vereine durch Anträge auf Verbesserung
der Zugverbindung, durch Unterstützung von Kongressen usw.
auf den Fremdenverkehr einzuwirken.
Wieweit nun die Tätigkeit der Städte und der Verkehrs-
Vereine von Erfolg begleitet und durch ihre Bemühungen eina
Hebung des Fremdenverkehrs zu verzeichnen war, kann natürlich
nicht mit Sicherheit festgestellt werden, immerhin kann man
wohl behaupten, dass auch sie an den nachstehenden Ziffern
ihren Anteil haben:
In den 57 in Betracht gezogenen Städten waren im Jahre 1910
nicht weniger als 8188 290 Fremde angemeldet. Da von mehreren
Städten über frühere Jahre keine Statistik vorlieg^, kann nicht
gesagt werden, ob diese Zahl höher oder niedriger ist als in
den Vorjahren. 43 Städte jedoch besitzen ein vollständiges
Material, und in diesen Städten wurden Fremde gemeldet:
im Jahre 1908 = 7053910
„ „ 1909 = 7319681 -f 265771
„ „ 1910 = 7906473 -i- 586892
Trotz der wirtschaftlich ungünstigen Jahre ist also kein
Rückgang, sondern eine starke Zunahme im Fremdenverkehr
zu verzeichnen.
Die absolute Höchstzahl an Fremden ist im Jahre 1910.
wiederum in der Reichshauptstadt mit 1278 609 zu finden. Es
folgen München mit 523025, Frankfurt mit 509 547, Hamburg mit
489778, Dresden mit 440 211 und Leipzig*) mit 307565 Fremden.
Mehr als 200000, aber weniger als 300000 Fremde weisen auf:
Breslau, Nürnberg, Hannover, Stuttgart und Karlsruhe. In der
nächsten Gruppe (100000--200 000) sind zu nennen: Düsseldorf,
Chemnitz, Bremen, Dortmund,Mannheim, Halle, Strassburg,Mainz,
Wiesbaden Würzburg, Rostock und Koblenz. Alle übrigen
Städte (34) haben einen geringeren Fremdenverkehr aufzuweisen,
davon entfallen bei 17 Städten mehr als 50 000 Fremde auf die
einzelne Stadt. Der eigentliche Reisemonat ist der August.
Grade in den Grossstädten und grösseren Mittelstädten weist
der August den stärksten Fremdenbesuch auf, während einige
kleinere Städte auffallenderweise im Januar am meisten besucht
wurden. Der Dezember dagegen zeigt in den meisten Städten
den niedrigsten Stand des Fremdenverkehrs.
Es erübrigt sich noch zum Schluss einen Blick auf den
Fremdenverkehr der Stadt Düsseldorf im Jahre 1910 zu werfen.
Die Zahl der in Hotels, Gasthöfen, Gastwirtschaften und Her¬
bergen angekommenen und logierten Fremden betrug;
Jahr
Angekommene und
logierte Fremde
Herkunftsland der Fremden
Deutsch-
laiul
ST Bf
S tD
< »H
-Ö
O C
1910
160 926
159 584
20 460
18387
181386
177 971
165 487
163189
1542
1400
756
563
2020
1904
5337
5475
458
377
218
210
40
66
1937
1454
1422
1329
458
395
47
61
417
321
676
587
571
640
In Düsseldorf wurden im Jahre 1910 — 3415 Fremde mehr
angemeldet als 1909, der grösste Teil hiervon (etwa -/.J entfällt
auf die aus deutschen Landen zugereisten Fremden, das übrige
Drittel entfällt auf den Besuch aus dem Auslande. Im Jahre 1909
wurden nur 14782 Fremde ausländischer Staaten verzeichnet, in
diesem Jahre hat die Zahl wiederum zugenommen und ist auf
15889 gestiegen. Mehr Vertreter als im Vorjahre entsandten die
meisten fremden Staaten. Die grösste Zunahme haben die
Engländer zu verzeichnen, dann folgen der Reihe nach die Schweiz,
Russland, Frankreich usw.; eine Abnahme war zu verzeichnen
bei den Niederländern, den Norwegern, den Spaniern und Por¬
tugiesen. Den grössten Ausfall finden wir bei den Niederländern.
Wir sehen, dass der Fremdenverkehr auch im Jahre 1910
in den deutschen Städten, soweit sich dieses feslstellen liess,
eine starke Zunahme erfahren hat. Zum Teil ist dieser Zuwachs
auf die Anstrengungen der Verkehrsvereine zurückzuführen.
Doch sind ihre Anstrengungen nicht von demjenigen Erfolg
begleitet, den sie verdient haben. Die Städte, die doch selbst
das grösste Interesse an der Hebung des Fremdenverkehrs
haben, müssen mehr noch als dies bisher geschehen ist, sich
dieser Sache widmen. Dazu genügt die geldliche Unterstützung
der Verkehrsvereine nicht, wenngleich auch anerkannt werden
muss, dass diese in vielen Fällen erst die Existenz des Vereins
auf eine sichere Basis stellt, nein, die Stadtverwaltung muss
Hand in Hand mit dem Verkehrs-Verein die geeigneten Mass¬
nahmen treffen. Dazu gehören die Veranstaltung von Festen
aller Art, von Ausstellungen, die Veranlassung der Tagung von
Kongressen u. a. in. Or. Treniölilen.
*) l'ür i.eipzig aussi-lilicsslicli der Mess- und Ilerherf^sfremden; diese
liinzuf'ereclinet, würde sicli die Zahl der Fremden bedeutend höher stellen.
Bericht über die Sitzung
des Gesamt-Vorstandes des Bundes Deutscher Verkehrs-Vereine
vom 6. bis 8. Oktober 1911 in Leipzig.
Anwesend waren die Herren: Conström (Berlin); Eidlitz
(Berlin); Schumacher (Düsseldorf); Möckel (Dresden); Trumpier
(Worms); Grebner (Berlin); Stiegler (Chemnitz); Behrens
(Dresden); Zulehner (Cassel); Pfeiffer (Weimar); Ehlers (Hamburg);
Mann (Berlin); Kuckuck (Dortmund); Seelmann (Binz); Tonndorf
(Magdeburg); Friedrich (Leipzig); Sattler (Braunschweig); Thele-
mann (Stettin); Schellen (Köln); Bigge (Coblenz); Gadegast
(Leipzig); Roth (Leipzig); Schweninger (München); Winkler
(Leipzig); Gontard (Leipzig); Zarnke (Ostseebad Cranz); Le-
brecht (Leipzig); Kelp (Zeitz); Seyfert (Leipzig).
Sitzung vom 6. Oktober,
abends 6^/2 Uhr in Leipzig in der „Harmonie“, Rossplatz.
Tagesordnung.
X. Ueberblick über die Verhandlungen.
2. Finanzen (Vorberatung).
Der I. Vorsitzende Herr Gontard, eröffnete die Sitzung
6 Uhr 50 Min., und verbreitette sich zunächst über die finanzielle
Lage des Bundes. Dann besprach er die einzelnen Punkte der
Tagesordnung in grossen Zügen, erwähnte seine Verhandlungen
mit dem kolonialen Verkehrsverein, sowie mit dem für den
Bund besonders wichtigen Verein für das Deutschtum im Aus¬
lande und teilte mit, dass angeregt worden sei, man solle nach
dem Vorbilde von Belgien eine Konkurrenz für gärtnerischen
Schmuck der Bahnhöfe ins Leben rufen.
Zu Punkt 2 (Finanzen, Vor beratung). Der Vorsitzende
regte an, den Versuch zu machen, an die grösseren deutschen
Städte mit der Bitte um finanzielle Unterstützung heranzutreten;
er verlas den Entwurf zu einem entsprechenden Rundschreiben,
in dem insbesondere betont ist, dass Voraussetzung hierbei die
Beibehaltung der bisherigen Unterstützung der örtlichen Vereine
durch die Städte wäre. Sodann regte er ein Umlageverfahren
unter den Verbänden und Vereinen zur Deckung des Bedarfes
des Bundes an, welches unter Zugrundelegung der festen
Beiträge nur die Landesverbände und Ortsvereine zu treffen
hätte, und dessen Maximalgrenze jährlich im voraus zu be¬
stimmen wäre.
Herr Schulinspektor Sattler trat für die Eingabe an die
Städte ein; man solle jedoch nicht allein an die grossen, sondern
auch an die kleineren Städte herantrsten. Redner war ferner der
Meinung, dass die Vereine die finanziellen Mittel des Bundes
vor allem zusammenbringen und daher höhere Beiträge zahlen
sollten, nicht die Verbände. Er betrachtete die Verbände als
Organisationen innerhalb des Bundes, welche ihre eigenen be¬
sonderen Ziele verfolgen.
Herr Oberst Seelmann war in Bezug auf die Eingabe an
die Städte derselben Meinung wie der Vorredner, er tritt eben¬
falls wie Herr Direktor Schumacher für höhere Besteuerung der
Vereine ein.
Herr Dr. Kuckuck dagegen wollte nur diejenigen Vereine
stärker herangezogen wissen, welche ein spezielles Interesse
am Fremdenverkehr haben. Viele Vereine befassten sich
nur mit der Verbesserung der Eisenbahnverbindungen und der¬
gleichen und nähmen daher weniger Anteil an der Propaganda-
tätigheit, wie z. B. der Verkehrsverein Dortmund.
540 iiBQ8 9(Meoo9(»8 9 Q99 9 (M0Q9Q388 ffli DEUTSCHLAND @^^»0oeeeeeeG«»eeeeeee0e qi Nr.ii
Herr Badedirektor Zarnke sprach gegen eine Erhöhung
der Mitgliedsbeiträge, da die Einnahmen der Verbände vielfach
kaum die Verwaltungskosten deckten. Er trat dagegen dafUr
ein, an die Reichsregierung mit dem Ersuchen um Unterstützung
heranzutreten.
Herr Hofrat Behrens befürwortete die Eingabe an die
Städte; ein solches Schreiben müsse jedoch ausführlich be¬
gründet sein und auf die Bestrebungen des Bundes hinweisen.
Er wünschte ferner, dass die Beiträge der Vereine pro Mit¬
glied auf 20 oder 25 Pf. erhöht würden und stellte einen dahin¬
gehenden Antrag.
Herr Direktor Eidlitz beantragte, ah den Deutschen Städte¬
tag wegen Unterstützung seitens der Städte heranzutreten.
Herr Oberst Schweninger hielt die Erhöhung der Mit¬
gliedsbeiträge für nicht genügend.
Herr Direktor Schumacher war der Ansicht, dass die
gegenwärtigen, auf früheren Verhältnissen beruhenden
Mitgliedsbeiträge nicht mehr den gegenwärtigen Leistungen des
Bundes entsprechen. Er stellte den Antrag, die Mitgliedsbeiträge
auf 20 Pf. pro Mitglied der Vereine zu erhöhen, ausserdem an
die Städte wegen Unterstützung heranzutreten.
Herr Stieglcr trat für Erhöhung der Beiträge ein. Er
will, dass diejenigen Vereine mehr zahlen sollen, welche den
Bund besonders häufig in Anspruch nehmen.
Herr Zulehner stellte den Antrag, der Bund möge die
Schaffung städtischer Verkehrsämter bei den Städten beantragen.
Sodann wurde über die Erhöhung der Beiträge im Prinzip
abgestimmt. Mit allen gegen 2 Stimmen (Dortmund und Cranz)
wurde die Erhöhung der Beiträge prinzipiell beschlossen.
Die Sitzung wurde 8*74 Uhr auf eine Stunde durch ein Essen
unterbrochen, zu dem der I. Vorsitzende die Herren des Vor¬
standes eingeladen hatte. Bei dieser Gelegenheit drückte Herr
Gontard sein Bedauern über das Scheiden des Herrn Prof.
Dr. Friedrich aus und dankte ihm für seine erfolgreiche Mit¬
arbeit im geschäftsführenden Ausschuss. Herr Prof. Dr. Friedrich
erwiderte, dass er schweren Herzens aus dem Anschuss scheide
und seine Mitarbeit in einzelnen besonderen Fragen, die sein
Gebiet beträfen, jederzeit gern zur Verfügung stelle.
Herr Schulinspektor Sattler dankte dem Vorsitzenden.
Herr Prof. Dr. Roth trank auf das Wohl unseres Ehren¬
mitgliedes, Herrn Direktor Winkler, und gedachte dessen Ver¬
dienste in den schweren Entwickelungsjahren des Bundes.
Mit einem kräftigen ,,Heil Deutschland** gelobte man alle
Zeit auch auf dem Gebiete des Fremdenverkehrs die Ehre der
schwarz-weiss-roten Flagge im Auslande zu wahren.
Sitzung vom Sonnabend, den 7. Oktober,
vormittags 9Y4 Uhr in Leipzig im „ Burg keil er** (Handelshof).
Tagesordnung.
1. Die Auskunftstellen im Auslande. Hierbei sind zu berück¬
sichtigen :
a) Wünsche wegen neuer Einrichtung von solchen; Schaffung
fremdsprachiger Propagandahefte der Verkehrs-Verbände
und Vereine.
b) Kollektiv-Annoncen, im Auslande; insbesondere Wünsche
unserer Oesterreichischen Auskunftstellen wegen Annon-
cierens; Bericht des Herrn Kirsch über seine Revisions¬
reise nach Oesterreich.
c) Die Verteilung der Propagandahefte, Drucksachen usw.
und die deutschen Bestrebungen bezw. Zentralstellen, die
sich dergleichen Aufgabe widmen, auch soweit das In¬
land in Frage kommt.
d) Gesellschaftsreisen vom Auslande nach dem Inlande, ins¬
besondere in Sonderzügen von den deutschen Grenz¬
plätzen und bereits bestehende Bestrebungen die, auch
vom Inlande aus, Gesellschaftsreisen einrichten.
2. Ferien und Feriensonderzüge.
3. Antwort des Reichsgesundheitsamtes auf unsere Eingabe
wegen der Schnakenplage.
4. Die Grundsätze für die Vorstands wähl.
5. Presse.
a) Die „Deutschland** und ihre Ausgestaltung.
b) Allgemeines.
c) Einfluss durch Kollektiv-Annoncen der Verbände und
Vereine auf die inländische Presse.
6. Statistik.
7. Unterkunft in deutschen Hotels.
8. Propagandafonds.
9. Führerautomaten.
Herr Gontard eröffnete die Sitzung 9 Uhr 30 Minuten.
Dauer der Sitzung bis 8 Uhr abends, unterbrochen durch eine
einstündige Mittagspause. Das Protokoll vom Abend vorher
wurde genehmigt.
Zu Punkt I (Auskunftstellen im Auslande). rHerr
Dr. Seyfert berichtete über die von unseren Auskuiift-
stellen im Auslande eingezogenen Auskünfte. Die Herichte
gaben Aufschluss über das in den einzelnen Stellen verlangte
Propagandamaterial, sowohl in örtlicher, wie in spxachlicher"
Hinsicht. Referent gab die Mitglied er wünsche wegen neuer
Stellen bekannt.
Der Vorsitzende gab hierauf die Anregung, die „FOhre^f^
der Bundesmitglieder mehr als bisher in fremde Sprachen*'
zu übersetzen. Vielleicht könnte daran gedacht werden,. dass
der Bund die Uebersetzung gegen Vergütung übernimmt
Sodann gab Herr K i r s ch einen Bericht Über seine Reise *
zur Besichtigung der Auskunftstellen in Oesterreich-Ungam«
Zu dem Punkt Gesellschaftsreisen erwähnte Herr Gontard ..
die Verhandlungen mit dem Verein für das Deutschtum im.
Auslande, welcher Gesellschaftsreisen von deutschsprachlichen
Gegenden nach Deutschland, mit Hilfe des Bundes, vecsn-.
stalten will.
Nach Eröffnung der Debatte dankte Herr Direktor S ch u-.
mach er der Geschäftsführung für ihre Arbeiten in bezug auf'^
die Auskunftstellen, wünschte jedoch weniger Auskunftstellen
in kleineren Orten errichtet zu haben, dafür lieber solche in
grossen Verkehrszentren des Auslandes: in Brüssel,
Antwerpen, London, Paris und New York.
Zur Bearbeitung der Auskunftstellen sei ein Beamter bald- -
möglichst anzustellen.
Herr Hofrat Behrens hält es für gut, mit den deutschen
Eisenbahn-Verwaltungen gemeinsame, offizielle Auskunftstelleh
im Auslande zu errichten. Er wünscht ebenfalls in erster Linie
Auskunftstellen in Paris, London, Kopenhagen und New York.
Es erschien hierauf Herr Direktor Weigel vom Statistischen
Amte der Stadt Leipzig, welcher zu Punkt Frem denverkehrs-
Statistik eingeladen war.
Infolgedessen wurde die Debatte über den Punkt Auskunft¬
stellen im Auslande abgebrochen und der Punkt 6 (Statistik)
vorgenommen.
Zunächst berichtete Herr Dr. Seyfert über die bisherigen .
Schritte des Bundes in dieser Angelegenheit.
Herr Oberst Schweninger unterscheidet in seinem Referat
zwischen innerer Statistik des Bundes und äusserer Statistik.
Er wünschte durch eine Statistik festzustellen, was der Bund
leistet und zwar an Arbeitskräften und materiellen Mitteln (Pro¬
paganda, Verwaltungskosten usw.). Zu diesem Zwecke müsse
nach Schluss des Geschäftsjahres ein Fragebogen an die Mit¬
glieder herausgegeben und sodann zu einer Tabelle zusammen¬
gestellt werden. In bezug auf die äussere Statistik hielt er nur
die Uebernachtungsstatistik für brauchbar, die Kopf¬
statistik dagegen für völlig wertlos. Er unterscheidet Gewinnung
und Verarbeitung des Materials. In Oberbayern habe bereits
ein Dutzend Orte das Meldekartensystem eingeführt. In einem
grösseren Kurorte existiere dieses System bereits seit 4 Jahren.
Schwieriger als in kleineren Orten sei die Aufnahme der Statistik
in grösseren Städten. Die grössten Schwierigkeiten lägen bei
den Hotelbesitzern. Für kleinere Badeorte könnten die Verbände
die Verarbeitung des Materials übernehmen. In grösseren Städten
müsste Anschluss des Bundes an öffentliche Statistische Aemter
genommen werden. Es wird hierauf beschlossen, an die Bundes¬
mitglieder einen Fragebogen wegen der Aufnahme einer inneren
Bundesstatistik zu richten.
Herr Direktor Weigel vom Leipziger Statistischen Amte
erblickte die Schwierigkeit für eine Fremdenverkehrs-Statistik in
der Beschaffung des Materials. Die Verarbeitung biete keine
Schwierigkeit, hierbei handele es sich nur um eine Geldfrage.
Die gegenwärtigen Meldeformulare seien wenig geeignet. Der
Vorsitzende regte an, der Bund möge mit den Städtestatistikern
Zusammenarbeiten. Herr Direktor Weigel stellte sich hierfür zur
Verfügung. Die Städtestatistiker, wie der Bund hätten grösstes
Interesse an der Angelegenheit und könnten schliesslich im ge- -
meinsamen Zusammenarbeiten etwas erreichen.
Es wurde hierauf beschlossen, eine Kommission zu bilden^
der Herr Direktor Weigel zugezogen wird, sowie Herr Direktor
Eichelmann-Strassburg, falls dieser sich hierfür bereit erklären
sollte. Herr Direktor Weigel will sich mit Herrn Dr. Eichel¬
mann-Strassburg, welcher sich bereits mit Fremdenverkehrs-
Statistik befasst hat, in Verbindung setzen, zwecks gemeinsamer
Vertretung der Angelegenheit auf der Tagung der Städtestatistiker.
In die Kommission wurden ferner gewählt die Herren:'
Schweninger, Gadegast und Conström. Die Kommission hat
das Recht der Zuwahl.
Herr Gontard gab zum Schlüsse die Anregung, auf der
nächsten Hauptversammlung die Statistik zu behandeln, nament¬
lich im Hinblick auf die notwendige Agitation der Bundesmit¬
glieder unter den beteiligten Bevölkerungskreisen.
Hierauf folgte Fortsetzung der Debatte über die Auskunft-^^
stellen im Auslande.
Nr. IT I BI00(KI90909Q99QQQ99Q989999g l DEUTSCHLAND @80000 00€)6€>Ö060088O6€g60OG 8gB 541
Herr Oberst Thelemann beantragte, einen Beamten für die
Bearbeitung der Auskunftstellen im Auslande anzustellen.
Herr General Bigge trat ebenfalls für Anstellung eines
Organisators ein, wenn der Bund die nötigen Mittel für die An¬
stellung eines solchen besitzt. Andernfalls sollte man sich zu¬
nächst auf einige wenige grosse Verkehrszentren beschränken
und die Auskunftstellen in Verbindung mit den Eisenbahn¬
verwaltungen errichten. Es wurde hierauf beschlossen, bei den
Eisenbahnverwaltungen zu beantragen, in den grossen Verkehrs¬
zentren Auskunftstellen zu errichten. Sollte dies nicht bewilligt
werden, so würde mit Cook, der Internationalen Schlafwagen-
Gesellschaft, dem Norddeutschen Lloyd und der Hamburg-
Amerika-Linie in Verbindung getreten.
Sodann kam der Punkt ib Kollekti v-Anno nc en zur
Beratung.
Der Vorsitzende bat um Vorschläge hierfür. Er hält ein
geschlossenes Vorgehen der Bundesmitglieder im Auslande
für notwendig.
Herr Generalmajor Bigge trat für Kollektiv-Annoncen im
Auslande ein. Man müsse jedoch verlangen, dass die betreffen¬
den Zeitungen, denen die Annoncen übergeben würden, auch
entsprechende Artikel bringen. Es wurde beschlossen, dass die
Veröffentlichung von Kollektiv-Annoncen im Auslande Sache
des Bundes sein soll. Für entsprechende Artikel soll Sorge
getragen werden. Der Bund wird durch Rundschreiben die
Bundesmitglieder bitten, Abmachungen mit dem Böhmischen
Landesverband zu vermeiden.
z c. Herr Direktor E i d 1 i t z beantragte, den Drucksachen¬
sammelsendungen Schreiben beizulegen, aus denen der Inhalt
der Sendungen hervorginge, und gleichzeitig eine Karte für Nach¬
bestellung von Drucksachen beizufügen. Dies wird beschlossen.
Der Bund wird sich ein Lager der Propagandadrucksachen
anlegen.
zd. Es erfolgte eine Aussprache über Sonderzüge vom
Auslande nach dem Innern Deuts chlands. Herr
Dr. Seyfert verlas die Mitgliederwünsche in bezug hierauf,
welche nach Beschluss einer Sitzung der Kommission für
Feriensonderzüge cingefordert wurden.
Sodann wurde beschlossen, dem Verein für das Deutschtum
im Auslande zu antworten, dass wir bei Veranstaltung von
Gesellschaftsreisen vom Auslande nach Deutschland gern unsere
Mitglieder interessieren würden, dass sie die Führung der
Reisenden, die Bereitstellung von Drucksachen und dergleichen
übernehmen.
Entsprechend der Anregung des Herrn Direktor E i d 1 i t z
wurde beschlossen, bei der Preussisch-Hessischen Eisenbahnver¬
waltung zu beantragen, dass grösseren ausländischen
Gesellschaften Erleichterungen im Reiseverkehr gewährt
werden möchten. Der Bund würde sodann die einzelnen Verkehrs¬
vereine für diese Gesellschaftsreisen interessieren.
Es folgte Punkt 2 (Ferien).
Hierzu referierte Herr Prof, Dr. Roth, welcher auf die
wirtschaftlichen und hygienischen Nachteile, sowie auf die Ver¬
kehrserschwerungen hinwies, welche das teilweise Zusammen¬
fallen der Sommerferien der höheren Schulen im Gefolge hätte.
Nach einem in Worms zu Pfingsten gehaltenen Vortrag bezeichncte
der Referent die folgende Dreiteilung der Sommerferien als
erstrebenswert und möglich:
z. Berlin und die meisten preussischen Provinzen beginnen
ihre Sommerferien am x. Juli.
2. Sachsen und die Hansastädte am 21. Juli.
3. Rheinland-Westfalen, wie bisher, am 10, August.
Es sind statistische Unterlagen von Bädern und Sommer¬
frischen erbeten worden, nach deren Einlauf die weitere Bear¬
beitung der Frage erfolgen soll,
Herr Oberst Seelmann befürwortete nachdrücklich, dass
der Bund für Verteilung des Beginns der verschiedenen Somraer-
ferien mit Zwischenräumen von je drei Wochen eintreten
sollte. Die Erreichung einer derartigen Verteilung der Sommer¬
ferien würde eine grosse Werbekraft für den Bund bedeuten.
Der Vorsitzende meinte, eine Hauptsache für die Propa¬
gierung unserer Bestrebungen auf diesem Gebiete sei die Ge¬
winnung der Presse.
Herr Oberst Seelmann stellte einige Richtlinien für die
Eingabe an die Kultusministerien auf. Der Bund, sowie
auch seine Mitglieder sollten an die Ministerien herantreten.
Ausserdem geht ein Rundschreiben an die Mitglieder, um eine
Besu-beitung der Presse herbeizuführen.
Unter Punkt 3 (Schnakenplage) verlas der Herr Vor¬
sitzende das Schreiben des Kaiserlichen Gesundheitsamtes. Den
wenigen Vereinen, welche an der Frage ein Interesse haben,
wird die Beachtung der hierin aufgestellten Gesichtspunkte
empfohlen.
Es folgte Punkt 4 (Die Grundsätze für die Vor¬
standswahl).
Der Vorsitzende wies darauf hin, dass vermieden werden
müsste, dass infolge einer Neuordnung der Wahlordnung für
den Gesamt Vorstand bisherige Mitglieder des Gesamtvorstandes,
welche in den einschlägigen Fragen orientiert und tätig wären,
ausscheiden müssten, dass ferner auch Herren im Gesamtvor¬
stand sein müssten, welche ohne Verbände zu vertreten, ledig¬
lich um ihrer Erfahrung willen, dem Bunde zur Verfüg^ung Steher.
Herr Rechtsanwalt Lehr echt würde in einer grösseren An¬
zahl von Vorstandsmitgliedern als bisher keinen Nachteil für
die Tätigkeit des Vorstandes erblicken. Er trat dafür ein, dass
die territorialen Verbände sämtlich im Gesamtvorstande ver¬
treten sein sollten. Nach der freien Wahl der Hauptversamm¬
lung oder des Vorstandes sollten auch Vereine zugewählt werden
können und schliesslich auch eine Reihe von persönlichen Mit¬
gliedern.
Herr General Bigge beantragte, in § 5 der Satzungen die
Zahl „17“ zu streichen.
Nach einem Anträge des Herrn Bürgermeister K e 1 p, dem
Vorstand nur das Recht der Zuwahl von persönlichen Mitgliedern
zu geben und sonstigen „grösseren** Bundesmitgliedern, wurde
beschlossen, der nächsten Hauptversammlung vorzuschlagen,
die Zahl „17** in § 5 der Satzungen zu streichen. Anderweitige
Anträge wurden abgelehnt.
Punkt 5 a (P r e s s e). Herr Direktor S ch u m a ch e r wünschte
mehr Material von der Geschäftsführung des Bundes für den
wirtschaftlichen Teil der Zeitschrift „Deutschland**.
Eine Festlegung des Bundes auf eine bestimmte Tages¬
zeitung hielt er nicht für zweckdienlich, dagegen eine gleich-
mässige Bedienung der grösseren Tageszeitungen für unbedingt
erforderlich. Er teilte mit, dass die „Deutschland** im vergangenen
Jahre nicht nur in der vertragsmässigen Gesamt-Auflage von
100000, sondern in mehr als 200000 Exemplaren erschienen sei.
Die „Deutschland** finde jetzt auch in Privatkreisen grosse Ver¬
breitung, dagegen dürfe das Interesse in den Kreisen der Ver-
kchrsverbände und Vereine noch mehr belebt werden können.
Sodann wünschte er den Untertitel der „Deutschland** zu ändern
im Interesse einer allgemeinen Verbreitung der Zeitschrift im
Privatpublikum. Auf dem Titelblatt soll der Charakter der Zeit¬
schrift: neben den Verkehrsinteressen auch die Heimatkunde
besonders zu fördern, zum Ausdruck gebracht werden durch
den Untertitel „Zeitschrift für Heimatkunde und Heimatliebe**.
Die Zeitschrift „Deutschland** habe auch in den hohen Lehr¬
anstalten, Schulen und Volksbibliotheken eine sehr günstige
Aufnahme gefunden, welcher Umstand ebenfalls auf die bezeich-
nete Titeländerung hindränge.
Die Mitglieder des Internationalen Hotelbesitzervereins, auch
die ausländischen, haben in grossem Umfange auf die „Deutsch¬
land** abonniert. Die Bundesvereine möchten wie der Harzer
Verkehrsverband die Aufnahme der „Deutschland** in Lese¬
zirkeln anregen. Der Verlag der „Deutschland** hat einen Wett¬
bewerb für künstlerische Photographien in Aussicht genommen.
Der Vorstand erklärte sich grundsätzlich damit einverstanden,
dass der Bund deutscher Verkehrs-Vereine in Verbindung mit
dem Verlage der Bundeszeitschrift „Deutschland** ein Aus¬
schreiben erlässt zur Erlangung guter Photographien aus allen
deutschen Gebieten, die als Wanderausstellung benutzt werden
können. Es ist in Aussicht genommen, dass ein grosser Teil
dieser Photographien durch Ankauf ausgezeichnet wird.
5 b. Herr Gontard stellte hierauf zur Beratung, ob es mög¬
lich sei, dass die Provinzialverbände Nachrichten des Bundes
in ihre Tagespresse bringen könnten. Die Verbände seien aller¬
dings sehr interessiert, ihre eigenen lokalen Nachrichten in die
ihnen nahestehende Presse zu bringen. Infolgedessen habe der
Bund Deutscher Verkehrs-Vereine an ein Abkommen mit einer
grösseren Tageszeitung gedacht, um in der Tagespresse mehr
berücksichtigt zu werden. Er wies ferner darauf hin, dass
eventuell eine Aenderung des Vertrages mit der „Deutschland**
angebracht wäre, indem der Bund noch weiteren Einfluss auf
dieselbe erlange, während andererseits vielleicht die Bundesmit¬
glieder auf die Abnahme einer bestimmten Anzahl Exemplare
zu verpflichten seien.
Hierauf erwiderte Dr. Seyfert auf die Ausführungen des
Herrn Direktor Schumacher wegen Lieferung von Material für
den wirtschaftlichen Teil der „Deutschland**. Er wies darauf
hin, dass von dem beim Bunde vorhandenen Material manches
sich nicht für die breite Oeffentlichkeit eignet, namentlich dann,
wenn, wie dies zur Zeit der Fall, es an Kräften zur gründlichen
Durcharbeitung fehle.
Herr Direktor Schumacher erklärte sich bereit, für die Tages¬
zeitungen Material herzustellen, solange der Geschäftsführung
noch eine Hilfskraft fehle.
Hierauf stellte Herr Conström den Antrag, an den Verlag
der „Deutschland** ein Schreiben zu richten, dass der Bund die
hervorragenden Leistungen der „Deutschland** dankbar anerkenne
und es angesichts dieser Leistungen als eine Ehrenpflicht
542
DEUTSCHLAND
I Nr. 11
betrachte, dass die Bundesmitglieder die Förderung und Ver¬
breitung der Bundeszeitschrift tatkräftig unterstützten.
Herr Oberst Schweninger (München) regte an, ob nicht der
amtliche Teil besonders gefasst und an die Tageszeitungen
gesandt werden könne. Ferner sollten die Mitteilungen des Bundes
nach Bedarf gedruckt und an die Bundesmitglieder verteilt
werden. Weiter bat er, das Preisausschreiben der „Deutschland“
für künstlerische Photographien zu unterstützen; der Bund
erhalte dadurch ein Material, wie es sonst keine andere Kor¬
poration bieten könne.
Der Antrag des Herrn Conström, betreffend das Schreiben
an den Verlag der „Deutschland“ wurde angenommen. Dagegen
der Antrag auf gesonderte Herstellung des wirtschaftlichen
Teiles der „Deutschland“ und Versendung des gesamten Um¬
fanges an die Presse abgelehnt.
Der Antrag Schumacher betreffend Rundschreiben an die
Bundesmitglieder wegen Wettbewerb für künstlerische Photo¬
graphien wurde angenommen.
Es folgte Punkt 7 (Unterkunft in deutschen Hotels).
Der Herr Vorsitzende legte der Versammlung verschiedene
Fragen vor und verlas ein Schreiben des Verbandes reisender
Kaufleute Deutschlands, welches obige Frage behandelte. Die
Sitzung wurde 8 Uhr abends vertagt auf Sonntag, den 8. Oktober,
vormittags gVi Uhr.
Sitzung vom Sonntag, den 8. Oktober 1911,
vermittags g'/j Uhr in Leipzig im „Palmengarten“.
Tagesordnung:
1. Bildschmuck in den Eisenbahnwagen.
2. Ausstellungsfrage und Wanderausstellung nebst einem
Rückblick auf die Berliner Ausstellung.
3. Finanzen (Schlussberatung).
4. Neuwahlen. (Ein Vorsitzender eventuell ein Mitglied an
Stelle des Herrn Prof. Dr. Friedrich).
5. Ort und Zeitpunkt der nächsten Hauptversammlung.
Herr Rechtsanwalt Leb recht eröffnete die Sitzung lo Uhr.
Dieselbedauerte bis nachmittags 5‘/2 Uhr mit einer j ^ stündigen
Unterbrechung durch das gemeinsame Mittagsmahl.
Man kam auf Punkt 7 der Sitzung vom 7. Oktober (Unter¬
kunft in deutschen Hotels) zurück.
Herr Direktor Schumacher gab die Ansicht des Herrn
Hoyer (Köln) bekannt, welcher Vorschlag^, die Angelegenheit in
einem engeren Ausschuss zu beraten. Herr Direktor Schumacher
schloss sich dieser Ansicht an* Hierauf wurde beschlossen, die
Hotelfrage dom geschäftsführenden Ausschuss zur Verhandlung
mit den Hotelbesitzerverbänden zu überweisen.
Zu Punkt 9 (Führe raut omaten), welcher in der Sitzung
vom Tage vorher vertagt worden war, referierte Herr Pfeiffer.
Er wies darauf hin, dass ein Führerautomat eine erhebliche
Einnahmequelle für die Verkehrs-Vereine darstelle. Die An-
schaffungskosten des Automaten würden in einem Jahre gedeckt.
Herr Hofrat Behrens hielt die Automaten in kleineren
und mittleren Städten vielleicht für angebracht, dagegen nicht
in grösseren Städten, da hier die Vereine vielfach die ver¬
schiedenartigsten Drucksachenformate innerhalb kürzerer Zeit
herausgeben, wie dies z. B. in Dresden der Fall sei.
Herr Baurat Schellen bestätigte den Nutzen der Automaten.
In Köln habe sich der dortige Automat gut bewährt. Er gab die An¬
regung, der .Bund möge bei den Eisenbahnvcrwaltungen bean¬
tragen, die Automaten unentgeltlich auf den Bahnhöfen zuzulassen.
Herr Direktor Schumacher stellte hierzu den Zusatzantrag,
bei den Eisenbahnverwaltungen zu beantragen, dass in den
Verträgen mit den Bahnhofsbuchhändlern eine Aenderung dahin
eintrete, dass von dieser Seite der Aufstellung der Automaten
nichts entgegenstehe.
Herr Baurat Schellen bat sodann, diesen Antrag beim
preussischen Ministerium der öffentlichen Arbeiten zu stellen
und regte gleichzeitig an, der künstlerischen Ausstattung 4 dr
Führer und Druckschriften mehr Beachtung zu schenken.
Dies wurde beschlossen.
Sodann folgte Punkt 8 (Propagandafonds) der Tagesr
Ordnung vom 7. Oktober.
Herr Rechtsanwalt L e b r e ch t machte vertrauliche Mit«
teilungen über diesen Punkt.
Sodann wurde zunächst Punkt 3 der heutigen Tagesordnung
Finanzen (Schlussberatung), vorgenommen.
Herr General Bigge beantragte, der geschäftsführende Aus¬
schuss möge Richtlinien für den Ausbau der Finanzen aus^
arbeiten und dem Gesamtvorstande unterbreiten.
Ferner trat er dafür ein, an die Städte wegen finanzieller
Beihilfe heranzutreten. Nach längerer Debatte wurde sodäUn
gegen 3 Stimmen der Antrag des Redners angenommen.
Der Gesamtvorstand beschloss:
1. Der nächstjährigen Hauptversammlung eine Erhöhung
der Mitgliederbeiträge vorzuschlagen und beauftragte den ge¬
schäftsführenden Ausschuss, auf Grund der in der Debatte zum
Ausdruck gekommenen Gesichtspunkte genau formulierte Vor¬
schläge hiefür auszuarbeiten und dem Gesamtvorstande zur Be¬
schlussfassung vorzulegcn.
2. An diejenigen deutschen Städte, welche an dem Fremden¬
verkehr ein besonderes Interesse haben, und die Selbstverwal-
tungsköiper der preussischen Provinzen und die entsprechenden
Behörden der übrigen Bundesstaaten mit dem Antrag auf Ge¬
währung von Zuschüssen heranzutreten, und beauftragte mit der
Ausführung auch dieser Massregel den geschäftsführenden
Ausschuss.
Unter Punkt 4 (Neuwahlen) wurde beschlossen, die Wahl
des neuen Mitgliedes des geschäftsführenden Ausschusses dem
letzteren zu überlassen und es demselben zu überlassen einen
Vorsitzenden an Stelle des Herrn Prof. Friedrich vorzuschlagcen.
Sodann soll schriftliche Abstimmung erfolgen.
Punkt 5 (Ort und Zeitpunkt der nächsten Haupt¬
versammlung).
Der Vorsitzende und Herr Direktor Schumacher betonten
den Wunsch des Internationalen Hotelbesitzervereins, die Haupt¬
versammlung des Bundes nicht zu Pfingsten oder an sonstigen
verkehrsreichen Tagen abzuhalten. Der geschäftsführende Aus¬
schuss wurde beauftragt, die Hauptversammlung in der ersten
Hälfte des Juni einzuberufen. Als Ort wurde einstimmig Cassel
gewählt, dessen Verein die Beteiligung der dortigen Behörden
in Aussicht stellte. (Punkt 2 ist streng vertraulicher Natur).
Sodann stand Punkt i (Bildschmuck in den Eisen¬
bahnwagen) zur Beratung.
Herr Rechtsanwalt Leb recht referierte über den Stand der
Angelegenheit. Man sei sich darüber einig, dass die zum Aus¬
hang gelangenden Bilder bunt sein müssten, um in dem Halb¬
dunkel der Eisenbahnabteile Wirkung zu haben. Es könnten
daher nur Künstlerlithographien in Betracht kommen.
Sodann wurde der Antrag des Herrn Rechtsanwalt Lebrecht
angenommen, die weitere Verfolgfung der Angelegenheit dem
geschäftsführenden Anschuss zu übertragen.
Berliner Weltkongress der Hotelbesitzer.
Um das Hauptergebnis vorweg zu nehmen: Die grosse und
glanzvolle Kongresstagung, die die Föderation Universelle des
Soeiötes d’Höleliers, dieser über ganz Europa verbreitete Verband
von Hotelier - Vereinen, gemeinsam mit dem Internationalen
Hotelbesitzer-Verein im Oktober in Berlin veranstaltete, hat ein
höchst beredtes Zeugnis abgelegt von der Bedeutung und Grösse
unseres neuzeitlichen Hotelgewerbes. Sie hat besonders auch
bewiesen, dass man in deutschen und ausländischen Regierungs¬
kreisen, in der organisierten Kaufmannschaft und in der ganzen
öffentlichen Meinung heute erfreulicherweise dem modernen Be-
herbergungawesen gern die Beachtung und Würdigung zuteil
werden lässt, die es als wichtiges und ganz unentbehrliches
Glied unseres Reiseverkehrs, ja unseres ganzen Kultur- und
Wirtschaftslebens beanspruchen darf.
Eingeleitct wurde die Tagung nachdem ihr ein gemein¬
samer Besuch der Stadt Dresden und der Dresdner Hygiene-
Ausstellung vorangegangen war, am Montag, 16. Oktober, durch
eine grosse Eröffnungsfeier im preussischen Abgeordneten¬
hause. Nahezu tausend Kongressteilnehmer füllten den ge¬
räumigen Sitzungssaal. Der Vorsitzende des Kongresses
O. Hoyer (Köln) hiess die Anwesenden willkommen, unter
ihnen besonders die Gäste der Tagung. Aus der grossen
Zahl der erschienenen Ehrengäste seien nur genannt: der
preussische Handelsminigter D r. Sydow, der das Ehren¬
präsidium des Kongresses übernommen hatte, ferner der Staats¬
sekretär des Reichspostamtes, Krätke, eine Reihe von Bot¬
schaftern und Gesandten der auf dem Kongresse vertretenen
Nationen, Geh. Ober-Regierungsrat Neu mann vom preussischen
Handelsministerium, Geh. Ministerialrat S ch i n d 1 e r aus Wien,
der sich als Vertreter des österreichischen Vekehrsministeriums
eingefunden hatte, der Berliner Bürgermeister Reicke, der
Direktor des preussischen Abgeordnetenhauses, Geheimrat Plate,
der Vizepräsident der Berliner Handelskammer, Geheimrat
Ravöne und der Stadtälteste, Reichstagsabgeordnete Kämpf. —
Ihre Anwesenheit, meine Herren, so rief der Präsident den
Gästen zu, ist von hervorragendem Werte für die Hotelindustrie.
Sie wird dazu beitragen, manche bisherigen Vorurteile zu be¬
seitigen, sowie dahin zu wirken, dass die gfrosse Bedeutung des
Hotelgewerbes in richtiger Weise gewürdigt wird. — Der Redner
gab sodann in grossen Zügen ein Bild vom Werdegange des
Nr. 11
modernen Hotelwesens und einen Einblick in die Entwicklungs¬
geschichte der Organisationen, die sich 2ur Berliner Tagung
vereinigt hatten. Zum Schlüsse gedachte er vor allem noch
des segensreichen, völkerverbindenden und Gegensätze Uber¬
brückenden Einflusses, der sich für die Vertreter des Hotel¬
gewerbes daraus ergibt, dass sie fortgesetzt in die vielseitigsten
Beziehungen zu den Angehörigen anderer Länder treten müssen.
Handelsminister Dr. Sydow, dessen Rede hiermit im Aus¬
zuge wiedergegeben sei, hiess im Namen der deutschen und der
preussischen Regierung die Kongressbesucher herzlich will¬
kommen.
„Sie treten heute“, so führte Exzellenz Dr. Sydow aus, „in der
Hauptstadt des Deutschen Reiches zusammen, dessen Bevölkerung
die Trägerin des alten germanischen Wandertriebs ist und das
weit über seine Grenzen hinaus einen besonders grossen Teil
der reisenden Menschheit herg^bt. Aber es gibt nicht blos, es
empfängt auch. Seit dem ungeheuren politischen und öko¬
nomischen Aufschwung, den Deutschland in der zweiten Hälfte
des vorigen Jahrhunderts genommen hat, wendet sich ihm der
Besuch der Ausländer in stetig wachsendem Masse zu, aus der
alten Welt wie aus den Ländern jenseits des grossen Wassers.
So ist es an dem modernen Fremdenverkehr in beiden Richtungen,
gebend wie empfangend, stark beteiligt. Es nimmt auf diese
Weise teil, sowohl an dem allgemeinen kulturellen und sozialen
Nutzen, den die Entsendung der Volksgenossen zu anderen
Nationen die Kenntnis ihrer Sitten und Gebräuche bringt, als
auch an dem volkswirtschaftlichen Gewinn, der den Ländern
zuwächst, in die sich der Fremdenverkehr ergiesst. Niemand
aber hat auf seine Entwicklung einen grösseren Einfluss, als
der ehrenwerte Stand, dessen Mitglieder sich zu Ihrem Kongresse
hier vereinigen. Mag ein Land noch soviel des Anziehenden
bieten, die Menge der Fremdlinge wird zögern, seine Grenzen
zu überschreiten, wenn sie in Sachen der Unterkunft und des
Unterhalts sich nicht hinreichend versorgt weiss, wie anderseits
Stätten, die die Natur mit nur mässigen Reizen bedacht hat,
durch die VortrefFlichkeit der Fürsorge, die sie dem Kommenden
bieten, zu beliebten Reisezielen geworden sind. So zeigt sich,
dass die Entwicklung des Reiseverkehrs eng zusammenhängt
mit der des Hotelwesens. Die wirtschaftliche und kulturelle
Bedeutung dieser Ihrer Arbeit erkennt die Regierung dieses
Landes gern und dankbar an. Sie bringt den Bestrebungen
Ihrer Vereinigung vollste Sympathie entgegen und wünscht den
Arbeiten dieses Kongresses, die Ihre Aufgaben weiter zu fördern
bestimmt sind, den besten Erfolg“. (Lauter, lang anhaltender
Beifall.)
Es sprachen sodann noch im Namen der Stadt Berlin
Bürgermeister Reicke, dann Geh. Kommerzienrat Raven 6 im
Aufträge der Berliner Handelskammer, Reichstagsabgeordneter
Kämpf für die Aeltesten der Kaufmannschaft und Direktor
Waldschmidt für den Berliner Zentralausschuss für Handel
und Gewerbe.
Beschlossen wurde der erste Kongresstag durch einen
geselligen Empfangsabend, der in den Festräumen des Z o o 1 o-
gischen Gartens stattfand. Der grosse Marmorsaal ver¬
mochte nicht die reiche Fülle der Festteilnehmer zu fassen,
80 dass auch noch in den Nachbarsälen serviert werden musste.
Am Dienstag, 17. Oktober, tagte im Kaisersaale des Wein¬
restaurants „Rheingold“ die Generalversammlung des grössten
korporativen Mitgliedes der Federation Universelle, nämlich des
1869 begründeten Internationalen Hotelbesitzer-Vereins
Die Verhandlungen der Versammlung befassten sich, ab¬
gesehen von vereinsgeschäftlichen Angelegenheiten und von
Statutenänderungen, die den Fernstehenden nur wenig inter¬
essieren, vor allem mit zwei wichtigen Punkten. Der eine betraf
die Bekämpfung des Bestechungswesens im Hotelgewerbe, das
hauptsächlich im sogenannten Schmieren von Gepäckträgern
und Droschkenkutschern in Erscheinung tritt und einen Krebs¬
schaden darstellt, unter dem die besseren Hoteliers, die derartige
Geschäftspraktiken verschmähen, an vielen Orten schwer zu
leiden haben. Das neue Gesetz gegen den unlauteren Wett¬
bewerb scheint durch seinen § i (Verbot von Konkurrenz¬
massnahmen, die gegen „gute Sitten“ verstossen) dem organi¬
sierten Hotelgewerbe die schon so lange sehnlichst herbei¬
gewünschte Handhabe zur Bekämpfung dieses Missstandes
gebracht zu haben. Doch ist es vorläufig noch nicht gelungen,
eine gerichtliche Verurteilung herbeizuführen. Die Versammlung
beschloss daher, den Heidelberger Hotelier-Verein,
der in einer solchen Bestechungssache gegenwärtig einen
prinzipiell recht wichtigen Prozess führt, durch Uebernahme der
Prozesskosten zu unterstützen. — Einen weiteren Verhandlungs¬
punkt, der ebenfalls allgemeineres Interesse besitzt, lieferte das
Vorgehen des Verbandes reisender Kaufleute, der in
Broschüren, behördlichen Eingaben usw. mit Bezug auf die Ein¬
richtung von Hotels eine lange Reihe von Wünschen geäussert
hatte. Teilweise handelt es sich dabei um Forderungen, die
schon in ganz Deutschland erfüllt sein dürften — wenigstens
in allen „Hotels“, die diesen Namen verdienen. Ein anderer
Teil der erhobenen Forderungen aber verkennt vollkommen die
Tatsache, dass man Uber die Zweckmässigkeit dessen, was hier
verlang^ wird, sehr wohl streiten kann, und dass es sicherlich
noch sehr breite Schichten des Reisepublikums gibt, die es
keineswegs als angenehm empfinden würden, wenn z. B. infolge
der Agitation des Verbandes reisender Kaufleute plötzlich alle
Tapeten aus den Hotels entfernt und die Wände mit Oelfarbe
bestrichen, alle grossen Teppiche fortgenommen, alle Menüs
bedeutend „vereinfacht“ werden sollten. Die Generalversamm¬
lung des I. H. V. erhob deshalb in einer einstimmig gefassten
Resolution Einspruch gegen das Vorgehen des genannten Ver¬
bandes und wies dabei nachdrücklich darauf hin, „dass in den
angeschnittenen Fragen auf das gesamte reisende Publikum
Rücksicht zu nehmen ist, nicht aber nur auf die Wünsche eines
einzelnen Standes“.
Für Dienstag abend hatte die Stadt Berlin den Kongress
zu einem festlichen Empfange ins Rathaus geladen. Sie
Übte dort schönste und vornehmste Gastlichkeit. Die üppigreiche
Blumendekoration des mächtigen Treppenhauses, der ruhig¬
vornehme Rathaussaal mit all den festfrohen Menschen, die er
umschloss, die gehaltvollen Reden und Trinksprüche, das er¬
lesene Mahl, für das Oberbürgermeister Kirschner gewiss
nicht erst nötig gehabt hätte, die „Nachsicht“ der fachkundigen
Gäste zu erbitten — alles das vereinte sich zu einem würdig
schönen Gesamteindruck, der allen Teilnehmern unvergesslich
bleiben wird. Unter den Rednern des Abends sind neben Ober^
bürgermeister Kirschner noch zu nennen der Stadtverordneton-
vorsteher Michelet und sein Stellvertreter Geheimrat Cassel,
ferner von den Kongressteilnehmern die Herren H o y e r (Köln),
Campione (Neapel), Moyaerts (Brüssel) und Suckfüll
(Baden bei Wien).
Am Mittwoch vormittag fanden zwei V orstandssitzungen
im Hotel Adlon statt. Von 11 Uhr an wurde unter sach¬
kundiger Führung der innere Betrieb verschiedener grosser
Berliner Musterhotels und -Restaurationen besichtigt, wobei sich
den Kongressbesuchern Gelegenheit zur Sammlung wertvollster
fachlicher Anregungen bot. Nachmittags trafen sich die Teil¬
nehmer mit ihren Damen dann zum Fünfuhrtee in den eleganten
Räumen der Hotels Adlon, Bristol, Esplanade und Kaiser¬
hof. Der Abend wurde durch eine Festvorstellung des Metropol¬
theaters ausgefüllt.
Der Donnerstag, 19. Oktober, war zunächst wieder ernster
Arbeit gewidmet. Die geschäftlichen Verhandlungen des
Kongresses fanden an diesem Tage statt. Als Beratungsraum
diente abermals der Kaisersaal des Rheingold. Aus der Tages¬
ordnung der Versammlung sind besonders die folgenden Punkte
hervorzuheben:
Ueber die gesetzliche Regelung der Haftpflicht des
Hoteliers für alles Gepäck und sonstige Gut, das der Reisende
ins Hotel mitbringt, hielt Moyaerts (Brüssel) ein gründ¬
liches Referat. Auf Antrag des Referenten beauftragte der
Kongress seinen ausführenden Ausschuss, an die deutsche
Regierung heranzutreten, damit diese die Initiative ergreife zur
Schaffung gemeinsamer und übereinstimmender Haftpflichtgesetze
für alle Staaten, die am internationalen Reiseverkehr beteiligt
sind. Die rechtlichen Grundsätze, deren allgemeine und inter¬
staatliche Verwirklichung der Kongress dabei als wünschenswert
erklärte, entsprechen im grossen Ganzen den schon in Deutsch¬
land geltenden Gesetzesbestimmungen. (Beschränkung der Haft¬
pflicht des Hoteliers auf eine angemessene Wertgrenze, Be¬
freiung des Hoteliers von der Haftung, falls der Schaden vom
Reisenden oder von dessen Begleitern verursacht ist — so¬
fortige Anzeigepflicht für den Reisenden etc.).
Ueber die Zollrevision von Reisegepäck und ihre
noch vielfach sehr notwendige Erleichterung und Vereinfachung
berichtete Alfredo Campione (Neapel). Seinem Anträge
gemäss stellte der Kongress verschiedene Forderungen auf,
deren wichtigste auch hier eine gleichmässige — und zwar eine
gleichmässig kulante — Behandlung der Reisenden und ihres
Gepäcks an allen Grenzen aller Kulturstaaten verlangt. Die
Revision des Handgepäcks soll stets im Bahnwagen erfolgen.
Bei sogenanntem Passagiergut dagegen soll dem Reisenden
tunlichst überall die Möglichkeit geboten werden, sein Gepäck
erst an der Ankunftstation revidieren zu lassen.
Ueber die Notwendigkeit der allgemeinen Einführung einer
internationalen Hotelordnung, die das gesamte Verhältnis
zwischen Gast und Hotelinhaber regeln und dabei in billiger
Weise die beiderseitigen Interessen berücksichtigen soll, referierte
A. Rössler (Baden-Baden). Wichtige Vorarbeiten sind
zwar schon im Schosse des Internationalen Hotelbesitzer-Vereins
geleistet, doch will dieser Verein den von ihm geschaffenen
Entwurf noch einer eingehenden Durchsicht unterziehen. Der
Verein hat zu diesem Zweck bereits eine Hotelordnungs-Kom-
mission gebildet, und der Kongress beschloss, erst das Ergebnis rege Interesse und die lebhafte Unterstützung, die sie der
der Arbeiten dieser Kommission abzuwarten. Die Angelegen- Tagung entgegengebracht und durch die sie so ausserordentUclr
heit soll dann auf dem nächsten Weltkongresse erledigt werden, viel zu ihrem erhebenden Verlaufe beigetragen hätten. Der
der im Jahre 1914 in Paris tagen wird. Vizepräsident des Kongresses, Landsee (Innsbruck), sprach
Am Donnerstag abend vereinigte noch ein glänzendes auf die Stadt Berlin, in deren Namen Bürgermeister Reicke.
Schlussbankett, dem ein Festball folgte, zum letzten Male die in humorvoller, von feierlichem Wohlwollen erfüllter Rede ant-
Teilnehmer des Kongresses. Weit Uber tausend Gedecke waren wertete. Rudolf Sendig, der g^rosse Dresdener Hotelunter¬
aufgelegt und die grosse, aus allen Ländern zusammengeströmte nehmer, gedachte der anwesenden Damen. Ringel (Berlin),
Festgesellschaft bot im lichtdurchfluteten Saale des Zoologischen der Vorsitzende des Deutschen Gast wirte verban des, sprach in
Gartens ein höchst interessantes, malerisch schönes Bild. dessen Namen. Von den ausländischen Gästen toasteten
Handelsminister Sydow, der sich’s nicht hatte nehmen lassen, Hauser (Luzern), Virgitti (Marseille), und Campione
auch dieser Festlichkeit beizuwohnen, er öffnete die stattliche (Neapel), dieser temperamentvollste, stets lebhaftenBeifall er-
Reihe formvollendeter Tafelreden durch ein begeistert aufge- weckende Redner des Kongresses.
nommenes Hoch auf den deutschen Kaiser, den er als vornehmsten, Nach Aufhebung der Tafel hielten Musik und Tanz noch
vorbildlichen Förderer des modernen Reiseverkehrs und als lange die Festteilnehmer zusammen. Erst gegen Morgen endete
Schirmherrn des Weltfriedens feierte. Kong^esspräsident Hoyer die Festlichkeit, die einen selten schönen Abschluss der gemzen
dankte dem Minister und allen übrigen Ehrengästen für das imposanten Programmfolge des Kongresses darstellte. R. S.
VII. Haupt-Versammlung des Nordbayerischen Verkehrs-Vereins.
Zur 7. Hauptversammlung des Nordbayerischen Verkehrs- für Propaganda und für die Verschönerung der Orte“ hervorgellt,
Vereins, welche am 15. Oktober in A n s b a ch tagte, halten sich haben die darin verxeichneten Vereine und Gemeinden in diesem,
überaus viele Vertreter von Städten und anderen gemeindlichen einen Jahre für Inserate insgesamt 34 741 Mk. verausgabt. Für
Verwaltungen, Handelskammern, Fremdenverkehrs-, Verschöne- die Plakat-Reklame haben die Mitglieder des Nordbayerischen
rungs-, Gebirgs- und Wald-Vereinen und andere auf dem Verkehrs-Vereins in diesem Jahre 23760 Mk. verausgabt.
Gebiete des Fremdenverkehrs tätigen Korporationen eingefunden; Alsdann erstattete der i. Schatzmeister des Vereins, Korn¬
es mögen gegen 100 Herren gewesen sein. Neben den Mit- merzienrat Kugler (Nürnberg) den Kassenbericht,
gliedern des Vereins waren erschienen Vertreter des Königlichen Herr Kommerzienrat Zahn (Nürnberg) berichtete über
Verkehrs-Ministeriums und des Ministeriums des Innern, der Nordbayerische Verkehrsfragen und Verkehrs¬
mittelfränkischen Kreis - Regierung, der Eisenbahn-Direktionen wünsche und streifte zunächst die bekannte Tauernbahnfrage
Nürnberg und Würzburg, der Ober - Postdirektion Nürnberg, und die Umleitung der Züge über München, als dem längeren
Vertreter von Bezirksämtern, Forstämtern usw. Mit besonderer Weg. Redner beantragte, dass neuerdings zu dem Punkte
Freude wurde die Teilnahme des Herrn Regierungspräsidenten Stellung genommen werde.
Dr. von Blaul und des Herrn Landtagsabgeordneten Hofrat Herr Redakteur und Schriftsteller Max Eck-Troll (Stutt-
Weissenfeld begrüsst, gart) berichtete dann über das Thema: Naturschutzparke.
Herr Rechtsrat Weigel (Nürnberg) eröffnete die Beratungen Zwei Naturschutzparke seien sichergestellt und zwar der Tiefland-
und führte aus, dass es dem Verein gelungen sei, die Aner- park in der Lüneburger Heide, dessen Grundstock im September
kennung von der Bedeutung seiner Tüchtigkeit immer weiter vorigen Jahres durch den Ankauf des Wilseder Berges und des
zu verbreiten, die Anerkennung seines inneren Wertes in alle Totengrundes gelegt wurde. Des weiteren gesichert sei der
Kreise hinauszutragen und die Beachtung sich zu erwerben, die Altonaer Naturschutzpark in einem Umfange von 150 Quadrat-
er sich als notwendige Grundlage für seine Tätigkeit vorgestellt hat. kilometer im Steiermärkischen. Das schwierigste Problem für
Herr Regierungspräsident Dr. von Blaul sprach im Namen die Bestrebung sei die Schaffung eines Mitteldeutschen Natur-
des Königlichen Staatsministeriums des Innern und der Kreis- schutzparkes, aber auch diese Aufgabe werde voraussichtlich
Regierung von Mittelfranken, wobei er betonte, dass die Hebung bald in einem Gebiet des Bayerisch-Böhmischen Waldes seiner
des Verkehrs nicht nur grosses ethisches Interesse beanspruche, Verwirklichung entgegengehen. Der Redner schloss seine bei¬
sondern auch materielle, finanzielle und allgemeine kulturelle fällig aufgenommenen Ausführungen mit der dringenden Auf-
Interessen. Herr Regierungspräsident Dr. von Blaul schloss mit forderung an die Anwesenden, für diese gute Sache nach
dem Wunsche, dass die Beratungen des Vereins von guten Möglichkeit einzutreten.
Erfolgen begleitet seien. Sodann sprach man über die Bedeutung der Auskunft-
Herr Oberbürgermeister Rohmeder (Ansbach) begrüsste die stellen ausserhalb Bayerns. Der bayerische Landes-
Versammlung namens der städtischen Kollegien von Ansbach fremdenverkehrsrat betrachtet als eine seiner Aufgaben die
und bat, der Stadt auch fernerhin das Wohlwollen zu bewahren. Förderung des Auskunftwesens, wie es der Bund Deutscher
Hierauf erstattete der Vorsitzende, Rechtsrat Weigel Verkehrs-Vereine bereits für das ganze Deutsche Reich durch
(Nürnberg), den Jahresbericht für das Jahr 1910/11. Die Motor- seine Auskunftstellen erstrebt.
postlinien Nordbayerns, deren Mehrung in der letzten Für künstlerische photographische Aufnahmen
Hauptversammlung des Vereins von verschiedenen Seiten als wurden auf Antrag des Herrn Kommerzienrats Zahn (Nürnberg)
dringend wünschenswert bezeichnet wurde, sind in einer erfreu- aus dem Voranschlag 1000 Mk. bewilligt.
liehen Zunahme begriffen. Der Förderung des Wintersp orts Herr Magistratsrat Förster (Nürnberg) berichtete dann
hat der Verein im vergangenen Winter wieder erhöhte Beachtung Uber die Beteiligung an der Gewerbeschau München igza.
geschenkt. Die Herausgabe von Propagandaschriften 1912 wird bekanntlich in München die „Bayerische Gewerbeschau“
für Nordbayern hat im letzten Jahre leider nicht in der stattfinden. Der bayerische Landesfremdenverkehrsrat hat die
gewünschten Weise Fortschritte machen können, da die verfüg- Beteiligung an der Gewerbeschau empfohlen. Es ist eine ais¬
baren Mittel dies nicht gestatteten. In Vorbereitung und zum baldige Entscheidung Uber die Beteiligung notwendig.
Teil schon im Druck befinden sich die Schriften über den Als Ort der Tagung für 1912 wurde Kitzingen vor-
Spessart, den Steigerwald, den Frankenwald, das Fichtelgebirge geschlagen.
und das Naabtal. Wie aus einer „Zusammenstellung der von Nach Dankesworten an die Regierung, die Presse und die
den Mitgliedern des Nordbayerischen Verkehrs-Vereins im Jahre Stadt Ansbach wurde die Versammlung mit einem Hoch auf
1910 im Interesse des Fremdenverkehrs gemachten Aufwendungen den Prinzregenten Luitpold geschlossen.
Aus den Bundes-Vereinen.
Sächsischer Verkehrs-Verband.
Der Sächsische Verkehrs-Verband (Sitz Leipzig, Naschmarkt,
Handelshof) beabsichtigt am Sonnabend, den 16. De¬
zember ds. Js. eine Mitglieder-Versammlung abzuhalten, in
der hauptsächlich Veikehrsfragen zur Besprechung gelangen.
Die Anträge sind bis zum i. Dezember 1911 an die Geschäfts¬
stelle einzusenden. Nach diesem Termin einlaufende Anträge
können nicht mehr berücksichtigt werden. Es wird wiederholt
darauf aufmerksam gemacht, dass der Verband Anträge auf
Verkehrsverbesserungen usw. nur insoweit zu befürworten und
zu vertreten vermag, als sie im Einklang mit den Interessen
der Fremden-Verkehrsbeförderung eines Ortes oder Gebietes
sich befinden. Wünsche rein lokaler Natur geltend zu machen»
muss den einzelnen Vereinen und Gemeinden überlassen bleiben.
Der geschäftsführende Ausschuss des Sächsischen Verkehrs-
Verbandes gibt bekannt, dass Ende November oder Anfang
Dezember d. Js. eine Mitgliederversammlung, in der häuptsäch-
lich Verkehrsfragen erledigt werden sollen, stattfindet. Anträge
sind bis zum 15. November an die Geschäftsstelle, Leipzig,
Handelshof, Naschmarkt, cinzusenden. Gäste sind willkommen.
Der Verkehrs-Verein Leipzig
hielt am 26. Oktober und 2. November 1911 im „Burgkeller*'
Gcsamt-Vorstands-Sitzun.;en ab. Der Geschäftsführer H. Kirsch ■
berichtete über die Arbeiten seit der letzten Sitzung vom
27. August 1911. Herr Garten direkter Hampel referierte über den
Cd
ISJr.ll
Wettbewerb „Leipzig im Blumenschmuck** und dem Schaufenster¬
wettbewerb der Blumengeschäfts - Inhaber. Aus dem Bericht
ging hervor, dass sich an dem diesjährigen Wettbewerb nur
165 Bewerber, und beim Schaufenster-Wettbewerbe nur 31 Be¬
werber beteiligten. Ueber den allgemeinen II. Schaufenster-
Wettbewerb berichtete Herr Otto Hirschfeld. Die Beteiligung
war in diesem Jahre nicht so stark, da diesmal nur 88 Firmen
mit 179 Fenstern, gegen 151 Firmen mit 280 Fenstern im Vor¬
jahre zu verzeichnen waren. Trotzdem dürfte die Veranstaltung
als überaus gelungen bezeichnet werden, besonders in künst¬
lerischer Beziehung war ein grosser Fortschritt zu verzeichnen.
Weiter wurde die Anschaffung von 2000 Exemplaren der Zeit¬
schrift „Deutschland** zu Agitationszwecken beschlossen.
Die Leipziger Nummer der „Deutschland** fand in der hiesigen
Tagespresse eine überaus günstige Beurteilung. Als Beihilfe
zur Herausgabe der Schrift „Sachsen im Winter** wurden 75 Mk.
aus Vereinsmitteln bewilligt. Anstelle des verstorbenen Vor¬
standsmitgliedes Herrn C. Mühlberg, wurde der Direktor des
hiesigen Palmengartens Herr Stremmel (früherer Geschäftsführer
des Verkehrs-Vereins, Frankfurt a. M.) gewählt. Herr Rechts¬
anwalt Lcbrecht berichtete über den „Bildschmuck im Eisenbahn¬
wagen**, es ist in Aussicht genommen, drei Bilder beim Bunde
deutscher Verkehrs-Vereine vormerken zu lassen. Der Sächsische
Verkehrs-Verb and ist von der Generaldirektion der sächsischen
Eisenbahnen angegangen worden, für die telegraphische Weiter¬
gabe der Wetterberichte von den sächsischen Wintersport¬
plätzen zu sorgen. Der Verkehrs-Verein Leipzig erklärt sich
mit der Besorgung dieser Telegramme bereit. Es wird beab¬
sichtigt, in diesem Winterhalbjahre mehrere Vorträge mit Vor¬
führung von guten Lichtbildern sowie Besichtigungen des
Aquariums im Zoologischen Garten, des Krematoriums etc.
vorzunehmen. Der amtliche Mess-Wohnungsnachweis, welcher mit
Hilfe von Beamten des Rates der Stadt in den Räumen der
Geschäftsstelle stattündet, hat sich bei der letzten Michaelis-
Engrosmesse, als ganz vorzüglich bewiesen. Der Rat der
Stadt hat folgedessen beschlossen, die Miete für diesen Raum,
wofür der Verkehrs-Verein bisher 2000 Mk, zahlte, in Wegfall
zu bringen.
Bayerischer Fremdenverkehrsrat.
Der Fremdenverkehrsrat des Vereins zur Förderung des
Fremdenverkehrs in München und im bayerischen Hochland
hielt im magistratischen Sitzungssaale seine 12. Tagung ab. Es
wurde einstimmig beschlossen, zu den künftigen Tagungen die
Presse einzuladen. Apotheker Byschl (Garmisch) erstattete an
der Hand von graphischen Darstellungen ein ausführliches
Referat über die durch den Landes-Fremdenverkehrsrat für
Bayern angeregte Durchführung einer Kapitalienstatistik der
Fremdenverkehrsbetriebe, durch welche dargetan werden soll,
welche Summen in allen dem Fremdenverkehr dienenden Ein¬
richtungen investiert sind. In der Diskussion wurde der Wunsch
ausgesprochen, solche statistische Erhebungen zu graphischen
Darstellungen möchten unter staatlicher Beihilfe von allen
bayerischen Fremdenorten gemacht werden. Die bisherige
Statistik hat ergeben, dass in Garmisch-Partenkirchen über
24 Millionen, in Berchtesgaden 6 Millionen, in Oberammergau
5 Mülionen in derartigen Betrieben angelegt sind. Die Vor-
. sitzende des Vereins für hauswirtschaftliche Frauenbildung,
Baronin von Horn, erörterte die Einrichtung von gastwirtschaft¬
lichen Kochkursen, die nach dem Muster Oesterreichs von ge¬
nanntem Verein mit finanzieller Beihilfe des Fremdenverkehrs-
Vereins veranstaltet werden. Frau Kreisschulinspektor Ziegl-
wallner richtete noch das Ersuchen an die Versammlung, für
die Kochkurse in allen Orten des bayerischen Hochlandes zu
agitieren.
Fremdenverkehrsverein Karlsruhe.
Am 27. Oktober hielt der Ausschuss des Verkehrs Vereins
eine zahlreich besuchte Versammlung im Stadtratsitzungssaal ab.
Der Vorsitzende, Herr Stadtrat Kölsch, eröffnete sie mit einem
eingehenden und interessanten Vortrage an Hand der von dem
hochbautechnischen Referenten des Grossherzoglichen Finanz¬
ministeriums, Herrn Professor Moser, ausgearbeiteten Entwurf
über die Projekte für die Stadterweiterung, insbe¬
sondere für die Ueberbauung des durch Verlegung
des Hauptbahnhofes frei werdenden Geländes
und des Geländes des Festplatzes. Nach einem
Rückblick auf die städtebauliche Geschichte Karlsruhers, vor¬
nehmlich die Weinbrennerrsche Bauperiode, besprach er die Pro¬
jekte, die nunmehr ihrer Lösung harren, die Verwertung des
Bahnhofsgeländes, die Errichtung staatlicher Neubauten (Landes¬
gewerbeamt und Landesmuseum) und städtischer Bauten
(Kunstausstellungshalle und Sommertheater mit Konzertsaal)
auf dem Gelände des Festplatzes. Er ist mit Professor Moser
der Ansicht, dass das Gelände des Bahnhofplatzes einschliess¬
lich des Festplatzes im Hinblick auf den grossen, sich steigern¬
den Verkehr, in baulicher Hinsicht zwar möglichst vorteühaft
zu verwerten, im übrigen aber als ein monumentaler Platz
mit einheitlicher und architektonisch einfacher Bebauung
in einer Weise zu behandeln sei, die den Anforderungen der
Weinbrenner'sehen Strassenentwicklung einigermassen gerecht
werden. Die grossen Werte der öffentlichen, staatlichen und
städtischen Gebäude sollten durch Zusammenfassung in
künstlerisch eindrucksvolle Gruppen gesteigert werden. „So
steht**, schloss Redner seine interessanten Ausführungen, „Karls¬
ruhe, dessen baugeschichtliche Entwicklung manche Schwierig¬
keiten bereitet hat, die aber sprungweise doch überwunden
worden sind, vor grossen und schönen Aufgaben, die durch
unermüdliche Arbeit aller beteiligten Faktoren seit vier Jahr¬
zehnten vorbereitet worden sind, deren glückliche Lösung aber
nunmehr erhofft werden dürfte.** Die Versammlung nahm den
Vortrag mit lebhaftem Beifall auf. Sodann wurde in die
Tagesordnung eingetreten. Der Vorsitzende verlas zunächst
ein freundliches Schreiben Seiner Exzellenz des Herrn Staats¬
ministers a. D. und Grosshofmeisters Dr. von Brauer, das sich
über den neu aufgelegten „kleinen Führer durch Karls¬
ruhe** anerkennend ausspricht und mit dem Wunsche schliesst,
dass der Verein in der Stadt für seine so sehr erspriessliche
Tätigkeit immer mehr Anerkennung und Freunde gewinnen
möge. Die Versammlung nahm von dem Schreiben mit grosser
Freude und Dankbarkeit Kenntnis. — Die in der öffentlichen
Auskunftstelle des Vereins (im Rathaus) aufgelegten Adress¬
bücher der grösseren deutschen Städte sollen auch
Nichtmitgliedern zugänglich gemacht werden. Für jede
Einsicht in die Bücher wird eine Gebühr von 10 Pfg. er-
erhoben. — Mit den bedeutenderen deutschen und ausländischen
Reisebureaus wurde ein Uebereinkommen dahin getroffen, dass
sie bei der Zusammenstellung von Reisen auch Karls¬
ruhe in den Reiseplan aufnehmen. — Für Frühjahr 1912 ist
wieder ein deutscher Zuverlässigkeitsflug durch das
Kartell der südwestdeutschen Luftschiffahrtsvereine, dem auch
der Karlsruher Luftschiffahrtsverein angehört, geplant. Der
Verkehrsverein wird das Unternehmen nach Kräften zu fördern
suchen. — Der Schaffung weiterer Eislaufplätze hat der
Verein auch in der letzten Zeit seine Aufmerksamkeit geschenkt.
— Die Vorschläge des Vorstandes, für die schon jetzt aufzu¬
nehmende Propaganda für das im Jahre 1915 in Aussicht ge¬
nommene 200 jährige Stadt jubiläum wurden gut geheissen.
— Die Veranstaltung weiterer Schaufensterwettbewerbe
in Verbindung mit dem Karlsruher Detaillisten-Verein wird für
die nächsten Jahre ins Auge gefasst. — Nach mehrjährigen
Bemühungen ist nunmehr zu erwarten, dass die Eisenbahn¬
verwaltungen der Ausschmückung der Eisenbahn¬
wagen mit Landschafts- undStädtebildern, die eine
sehr wirksame Reklame darstellt, nähertreten und dass diese
Sache in einer auch für die badischen Verkehrsvereine und
Kurorte erwünschten Weise erledigt wird. Hierwegen und
wegen der Einlegung von Feriensonderzügen nach
Baden steht der Verein mit dem Bund deutscher Verkehrs¬
vereine und mit dem badischen Landesverband zur Hebung
des Fremdenverkehrs in Verhandlungen. — Zur Gewinnung
von Unterlagen für ein im Laufe des nächsten Jahres aufzu¬
legendes neues Kunstdruck-Reklameplakat soll im
Frühjahr 1912 in der städtischen Ausstellungshalle eine Aus¬
stellung von Reklameplalcaten deutscher und aus¬
ländischer Verkehrs- und Verschönerungsvereine veranstaltet
werden. — Für die Wintersportausstellung, die im
Laufe des kommenden Winters im Gebäude des Grossherzog¬
lichen Landesgewerbeamts dahier stattfinden soll, übernimmt
der Verein die Propaganda. Die Ausstellung soll in der Haupt¬
sache eine Sammlung von Wintersportgeräten und sonstigen
Sportartikeln, auch Sportbekleidung, bringen und wird voraus¬
sichtlich lebhaft beschickt werden. — Schliesslich macht der
Vorsitzende noch einige Mitteilungen über den Fremden¬
verkehr in 57 grösseren deutschen Städten im Jahre 1910 auf
Grund einer Zusammenstellung des Strassburger statistischen
Amts. Darnach zählt Karlsruhe zu den Städten,
deren Verkehr in den letzten Jahren ausser-
gewöhnlich stark angewachsen ist und einen
Fremden b esuch von aooooo bis 300000 Personen
jährlich aufzuweisen haben.
Verkehrs-Ausschuss der Bergstrasse.
Im Hotel „Löwen** in Zwingenberg an der Bergstrasse
hielt am 28. Oktober der Verkehrs-Ausschuss der Bergstrasse
unter dem Ehrenvorsitz von Provinzialdirektor Fey (Darmstadt)
seine 7. Generalversammlung ab. Der Vorsitzende des Verkehrs-
Ausschusses, Rentner Paul Sieben (Auerbach) erstattete den
Jahresbericht, wonach im Berichtsjahre 29122 Propaganda¬
schriften über die Bergstrasse mit gutem Erfolge zur Verteilung
gelangten. Der Kassenbericht schliesst bei einer Einnahme von
546 I SaOQQQCXiQQQQQQQOQQQQQQQQQOOCW a DEUTSCHLAND liB eeC)C€)0C)e0C3ee0ee0eeC€»0e0Q i
5741,45 Mk. mit einem Saldo von 680,79 I^^ni Kassen-
ftt^er, I^andtagsabgeordneter Auler, wurde Entlastung erteilt
und der Voranschlag für zgn/ia in Einnahme und Ausgabe auf
5117,79 Mk. festgesetzt. Darauf wurde der Vorstand durch Zuruf
vollzählig wiedergewählt; als Tagungsort für die nächstjährige
Generalversammlung wurde Seeheim bestimmt. Den wichtigsten
Punkt der Tagesordnung bildete die Besprechung über das
Projekt einer elektrischen Bahn an der Bergstrasse. Dieser
schon seit Jahren bestehende Plan ist in ein neues Stadium
eingetreten. Der Referent, Herr Deonhardt (Auerbach), empfiehlt
demzufolge, da die Ortschaften der Bergstrasse längst die
erforderlichen Garantien geleistet hätten, das Projekt von der
Elektrizitätsquelle Heppenheim aus zu beginnen, also von der
anderen Seite der Bergstrasse aus, und zunächst eine gleislose
Bahn auf der Strecke Auerbach—Bensheim zu legen. Bürger¬
meister Ehret (Weinheim) erklärte, dass die Oberrheinische
Eisenbahngesellschaft sofort nach erfolgter Elektrisierung der
Nebenbahn Mannheim — Weinheim beabsichtigt, diese nach
Laudenbach weiter zu führen, eventuell sogar auch bis Heppen¬
heim, so dass der Anschluss an die elektrische Bahn der Berg¬
strasse bis nach Darmstadt zu erfolgen könnte. Stadtrat Zinkgräf
fügte hinzu, dass der i. Direktor der A. E.-G. zugleich der
a. Vorsitzende der Oberrh. A.-G. ist, so dass beide Gesellschaften
später wohl sowieso in dieser Sache Zusammengehen. Provinzial¬
direktor Fey und Stadtverordneter Stemmer (Darmstadt)
erklärten schliesslich, dass sie von jetzt an alles aufbieten
werden, um das Vorgehen Darmstadts in dieser Angelegenheit
zu beschleunigen.
Der Pfälzische Verkehrs-Verband
begann am 23. September seine Winterarbeiten mit einer Aus¬
schusssitzung mit reichhaltiger Tagesordnung. Zunächst kon¬
statierte der Vorsitzende Herr Rechtsrat Dr. Müller den Mitglieder¬
zugang der Städte Bad Dürrheim, Deidesheim, Wachenheim und
des Wirtevereins Landau. Der Verband zählt nunmehr 53 Kor¬
porationen. Eine eingehende Erörterung fand der Punkt betr.
Herausgabe einer Reliefkarte der Pfalz. Es wurde beschlossen,
die Karte, die in der Grösse 8o/io8 sowohl zum Aufhängen, wie
in Taschenformat herausgegeben wird, im kommenden Frühjahr
erscheinen zu lassen. Von der Notwendigkeit gastwirtschaftlicher
Kurse zur Hebung des Fremdenverkehrs ist man allseitig über¬
zeugt und auch die zur Sitzung zugezogenen Vertreter des Pfäl¬
zischen Gastwirte-Verbandes sagten nach entsprechender Auf¬
klärung über Zwecke und Ziele solcher Kurse ihre Unterstützung
zu. Es soll sich nicht um die Abhaltung von Kochkursen handeln,
sondern mehr um etwa Stägige Unterrichtskurse über Führung
eines modernen Ansprüchen genügenden Fremdenhotelbetriebs.
Zum photographischen Wettbewerb sind 240 Arbeiten eingegangen,
zur Auswahl wurde ein Preisgericht eingesetzt. Die Punkte „Bilder¬
schmuck der Eisenbahnwagen“ und „Feriensonderzüge“ wurden
besprochen und es soll die Stellungnahme des Bundes Deutscher
Verkehrsvereine abgewartet werden. Der 2. Verbandstag findet
Mitte November in Speyer statt, es wird mit ihm eine Besich¬
tigung des historischen Museums der Pfalz, der Kaisergräber im
Dom und eine Ausstellung der zum photographischen Wettbewerb
eingegangenen Bilder verbunden sein. Auch hat Herr Dr. med
Hoenes(BadGei8 weiler) die Übernahme eines Vortrages zugesichert
Aachener Verkehrs-Verein.
Der Verkehrs-Verein hielt kürzlich unter dem Vorsitze des
Herrn Stadtverordneten M e n g h i u s eine Vorstands-Sitzung ab.
Man schreibt uns darüber: Von der beabsichtigten Aufstellung
eines Verkaufs-Automaten für Aachener Stadtführer am Haupt¬
bahnhof wird abgesehen, weil in der Bahnhofsbuchhandlung
Führer in allen Preislagen erhältlich sind. Der Verein schloss
sich der Propaganda des Bundes Deutscher Verkehrs-Vereine
an und stellte die erforderlichen Führer zur Verfügung. Die
Geschäftsstelle der Verkehrs - Zeitschrift „ Deuts chland“ be¬
absichtigt im Anfänge des nächsten Jahres mit Unterstützung
der städtischen Kurdirektion eine Sondernummer Aachen
herauszugeben. In Anbetracht des Nutzens für unsere Stadt
glaubt hier der Verkehrs-Verein fördernd einwirken zu können
und stellt den Betrag von 1000 Mk. zur Verfügung. Der Verein
glaubt, dass auch noch andere Interessenten, wie technische
Hochschule, Handelskammer, Grossindustrielle, die geplante
Veröffentlichung unterstützen werden, der die städtische Ver¬
waltung ebenfalls Sympathien entgegenbringt. Von ärztlicher
Seite wurde angeregt, in den Ankündigungen über Aachen die
hier zur Anwendung gelangende Douche-Massage mehr wie
bisher in den Vordergrund zu stellen, da gerade diese lediglich
in Aachen übliche Heilmethode manche Gichtiker zum Besuche
des Bades Aachen veranlassen dürfte. Von der Gesellschaft
zur Errichtung von Kaufmanns-Erholungsheimen wurde auf
einen diesbezüglichen Antrag die Errichtung eines Heimes im
hiesigen Stadtwalde in Aussicht genommen. Aus Anlass des
Kaiserbesuches wurde an sämtliche in Frage kommenden |>el-;!
gischen und holländischen Zeitungen fortlaufend geeignete •
Artikel übermittelt, die in fast allen Fällen Aufnahme gefundes^
haben. Der Verkehrs-Verein bedauert, dass durch Nachrichten'
in der auswärtigen Presse, anlässlich der Aufstellung des Ledexer-
brünnchens auf dem Fischmarkt, welche die Stimmung der '
Aachener Bürger falsch wiedergeben, seine Bestrebungen zur
Hebung des Verkehrs erschwert bezw. vereitelt werden.
Kölner Verkehrs-Verein.
Im Oktober fand unter dem Vorsitze des Baurats Schellen
eine Beiratssitzung des Vereins statt. Den interessanten Ver- ,
handlungen entnehmen wir die MitteUung des Vorsitzenden, dass
sich aus dem deutschen Rundfluge, der in den Tagen vom
28. bis 30. Juni stattgefunden, ein Ueberschuss ergeben hat. Der
Beirat behandelte weiter die Neuauflage der Kölner Woche
1912, die wiederum in einer Auflage von 100 000 Stück heraus¬
zugeben beschlossen wurde. Nach dem Vortrage des Vorsitzendeoi
fand die Frage des Aushanges von Bildern in Eisenbahn¬
wagen auf der unlängst stattgehabten Sitzung des Bundes
Deutscher Verkehrs-Vereine in der Hauptsache eine Klärung;
auch die behördlichen Kreise brachten dem Aushang solcher
Bilder Sympathien entgegen. Der Beirat stimmte der Auf¬
fassung des Vorsitzenden zu, dass auch Köln durch den Aushang
guten Bildmaterials vertreten sein müsse. Für die Gewinnung
geeigneter Motive, die in Farben und zwar mit Hülfe der Farben-
Lithographie hergestellt werden sollen, sind die Verhandlungen
noch nicht zu einem endgültigen Abschlüsse gekommen. Zur
Gewinnung guten Bildmaterials für den Aushang und für die
Druckzwecke des Vereins ist ein Wettbewerb beabsichtigt, der
Material für farbige Bilder, Schwarz-Weiss-Zeichnungen und
Photographien liefern soll. Nach den Beschlüssen des Beirats
wird vorerst ein Betrag von Mk. 3500 zur Verfügung gestellt.
Einer Anregung auf „Herausgabe von Reklamepostkarten“ ent¬
sprach der Beirat durch einen Beschluss, vorläufig zwei Serien zu
je sechs Bildern in einer Auflage von je 2000 Stück heraua-
zugeben. Für die Beschaffung von weiteren 3000 Stück der
Sondernummer Köln der Zeitschrift „Deutschland“, die
gelegentlich des Kaiserbesuches herausgegeben wurde, wurde ein
Kredit bewilligt. 3000 Exemplare einschliesslich eines besonderen
Beiblattes betitelt „Der Gürzenich im Festschmucke“ sind zur
Verteilung an die Schüler der oberen Klassen, sowohl der
höheren Lehranstalten, wie Volksschulen, Fortbildungsschulen usw.
bestimmt. Der Vorsitzende, welcher an der jüngsten Tagung des
Bundes Deutscher Verkehrs-Vereine teilgenommen hatte, ver¬
breitete sich noch über die erfreulichen Fortschritte des Bundes,
insbesondere darüber, dass die Arbeiten des Bundesvorstandes
im Interesse der Hebung des Fremdenverkehrs einen nicht zu
unterschätzenden Fortgang genommen und auch die Staats¬
verwaltungen, namentlich die Eisenbahnverwaltung, den Bestre¬
bungen des Bundes grosses Interesse entgegen brächten.
Der Niederrheinische Verkehrsverband
beschloss in einer Gesamtvorstandssitzung, zu der Vertreter aus
Emmerich, Wesel, Rees, Elten, Wissel, Xanten, Geldern,
Kempen, Sonsbeck, Issum, Rheinberg, Mörs, Repelen und Kleve
erschienen waren, die Stellung eines Geschäftsführers auszu¬
schreiben. Ein vom Vorsitzenden, Oberingenieur Rütter (Kleve),
verfasster Werbeaufruf wurde genehmigt.
Verband der Verkehrs-Vereine Westfalens und
angrenzender Gebiete, Vorort Dortmund.
Der Umfang der Arbeit, die dem Vorstande des Verbandes
unter dem Vorsitz des Herrn Oberbürgermeisters Dr. Eich¬
hoff (Dortmund) in seiner Sitzung im Oktober vorlag, wurde
äusserlich schon dadurch gekennzeichnet, dass die Tagesordnung
20 selbständige Punkte aufwies; in dreistündiger Arbeit wurden
die einzelnen Punkte bis auf den Bericht Uber die Bundea-
Hauptversammlung der deutschen Verkehrs-Vereine, der in der
nächsten Sitzung nachgeholt werden soll, erledigt. — Der
Verkehrs-Verein Dortmund, welcher den geschäftsführenden
Vorstand satzungsgemäss zu wählen hat, wählte diesen wieder
und setzte an Stelle des verstorbenen Herrn Flörsheim den
früheren ständigen Stellvertreter, Herrn Strohn (Dortmund),
als Schatzmeister ein. — An Mitgliedern wurden die Städte
Minden, Winterberg, Kamen, Haltern, Gronau, die Verkehrs-
Vereine Horst-Emscher, Paderborn und die Gelsenkirchener
Bergwerks-Aktiengesellschaft auf ihren Antrag hin aufgenommen,
so dass die Gesamtzahl der Mitglieder heute 117 beträgt. Da«
Anwachsen der Mitglieder ist sehr erfreulich zu nennen, wenn
man in Erwägung zieht, dass am Schluss des ersten Geschäfts¬
jahres 56, des zweiten 85 und des dritten 109 Mitglieder dem
Verbände angehörten, so dass er heute eine der grössten Mit«
gliederzahlen unter den bestehenden Verbänden aufweist» .
In Rücksicht hierauf soll dem nächsten ordentlichen Verband««'
Nr. II M a a OOQOQQQaaKMQQQQQQQOOO a DEUTSCHLAND Ba CBBOCBCC e BBBgaf^^ 547
tage der Vorschlag gemacht werden, die Zahl der Vorstands¬
mitglieder um fl auf 15 zu erhöhen. — Die Mitglieder waren
durch Rundschreiben aufgefordert, ihre Wünsche auf Ab¬
änderungen aus dem Sommerfahrplan dem Vorstand
mitzuteilen, damit dieser in der Lage sei, Anträge auf Ver¬
besserungen zu stellen, oder die bereits gestellten Anträge nach
sorgfältiger Prüfung zu unterstützen. — Unter den Eisenbahn¬
angelegenheiten handelte es sich zunächst darum, die Her¬
stellung verschiedener Anschlüsse von Schnellzügen den zu¬
ständigen Eisenbahndirektionen zu empfehlen; diese Wünsche
betrafen die Dz 51 (Frankfurt—Köln) mit D 25 (Paris—Berlin)
in Köln, des E 197 (Bünde—Cassel) mit P 776 nach Frankfurt a. M.
in Cassel, des D 128/156 von Hamburg mit D 176 (Krefeld—
Frankfurt) in Hagen und der P 414 und 560 in Hamm an E 2
nach Köln und der Nachmittags-Pz von Bielefeld in Hamm nach
Soest. An Wünschen für Einlegung neuer Züge wurden ein
Ez-Paar auf der Strecke Dortmund—Witten—Hagen, die Ein¬
legung beschleunigter Züge auf der Strecke Recklinghausen—
Essen und durchgehender Züge Recklinghausen—Bochum über
Wanne und andere vorgebracht. Die eingegangenen Antworten
der zuständigen Kgl. Eisenbahndirektionen auf frühere Anträge,
welche die Einlegung neuer EilzÜge Berlin—Dortmund—Köln,
die Schaffung einer Ez-Verbindüng Essen—Cassel—Leipzig und
die Verbesserung der Anschlüsse Warburg—Frankenberg— Mar¬
burg betrafen, wurden zur Kenntnis gebracht. Für den Dz 171
Holland—Osnabrück soll in Bünde, als Mittelpunkt der Tabak¬
industrie, ein Haltepunkt beantragt werden, ebenso für die Klein¬
bahn Ermelinghofif—Werne in Zeche Radbod. — Hinsichtlich
der Sonntagsfahrkarten lagen verschiedene Wünsche vor;
es soll beantrag^ werden, dass auch am Karfreitag und an
dem allgemeinen Buss- und Bettage Sonntagskarten zur
Ausgabe gelangten. — Die Verbesserung der Einrichtung
der Feriensonderzüge, welche auf Betreiben des Verbandes
vom Bunde Deutscher Verkehrs-Vereine in Leipzig
übernommen wurde, ist soweit gediehen, dass eine Kommission
diese Vorschläge dem Ministerium für öffentliche Arbeiten nach
Möglichkeit in mündlichem Vortrage unterbreiten soll. — Auch
die Ueberlassung der graphischen Fahrpläne, welche die Eisen¬
bahn-Direktionen bisher nur für ihren inneren Dienst gebrauchen,
die Regelung des Abrufens der Züge in den Wartesälen und
die Einrichtung einer Wander-Ausstellung in Westfalen riefen
schliesslich noch eine längere Besprechung hervor.
Gründung des Verkehrs-Verbandes für Pommern
und die Insel Rügen.
Am 30. September wurde auf die Anregung des Stettiner
Verkehrs-Vereins hin unter zahlreicher Beteiligung von
Vertretern aus pommerschen Städten und Vereinen ein Verkehrs-
Verband gegründet, der nach einstimmigem Beschluss den
Namen Verkehrs-Verband für Pommern und die
Insel Rügen führen wird. Von auswärts waren u. a. ge¬
kommen die Bürgermeister Sasse (Neustettin), Knitter (Demmin),
Unglaube (Anklam), Pracht (Schivelbein), Dr. Vigelins (Gollnow);
von sonstigen auswärtigen Interessenten bemerkten wir u. a.
Kurhausbesitzer Schütz, i. Sekretär des Rügenschen Ostseebäder-
Verbandes. Ausserdem waren aus Stettin u. a. anwesend: Stadt¬
schulrat Professor Dr. Rühl; Dr. Lüdtke (Verkehrs-Verein);
Dr. Tewaag, Regierungsassessor beim Oberpräsidium; Dr. Bischoff,
Bevollmächtigter der Landwirtschafts - Kammer für Pommern;
Dr. Bräunlich; Gartendirektor Schulze; Oberlehrer Saar (Wander¬
vogel D. B., Ortsgruppe Stettin) und Dr. Buschan (Bund Heimat¬
schutz, Pommern). Der Vorsitzende des StettinerVerkehrs-Vereins,
Oberst a, D. Thelemann, wies in seiner Rede über die Zwecke
des Verbandes darauf hin, dass vor allem eine intensive
Werbetätigkeit in den Vordergrund treten müsse. Die
Verkehrs-Vereine folgen meistens wirtschaftlichen Zwecken;
diese wirtschaftliche Seite sei aber nicht die Hauptsache, sondern
man müsse auch die ideellen Ziele im Auge behalten und zwar
möge man durch Hebung des Verkehrs das deutsche Vaterland
noch mehr als jetzt bekannt machen. Leider ist es heutzutage
Sitte, fuhr der Redner fort, dass man, wenn es sich darum
handelt, in die Welt zu ziehen, gar nicht weit genug gehen
kann, Asien, Afrika, Indien, das sind die anständigen Ziele,
höchstens kommt noch allenfalls Schweden, Norwegen und die
Schweiz in Betracht. Aber viele von diesen Herrschaften, die
so in die Feme schweifen, wissen in ihrer eigenen schönen
Heimat nicht Bescheid. Ich halte es nicht für gerechtfertigt,
wenn auf unsere Anfrage eine Gemeinde schreibt, sie liege in
einem so ebenen Lande, dass sie an den Bestrebungen der
Verkehrs-Vereine kein Interesse habe. Hebung der Heimat¬
kunde und Heimatliebe wollen wir durch Hebung des
Verkehrs erreichen. Nachdem die anwesenden Vertreter sich für
die Schaffung eines Verbandes ausgesprochen hatten, wurde in die
Beratung der einzelnen Punkte der Verbandsstatuten eingetreten,
die schliesslich genehmigt wurden. Zum Vorstand des
Verkehrs-Verbandes wurde einstimmig der Stbttiner
Verkehrs-Verein gewählt. Dann erfolgte die Wahl von
zwölf Beisitzern für den Vorstand, die aus folgenden Orten
bezw. Vereinen genommen wurden: Gartz, Polzin, Neustettin,
Gollnow, Rügen, Misdroy, Schivelbein, Cammin, Naugard,
Köslin, Stralsund und Verein Heimatschutz. Die Rechnungs¬
prüfer stellen Altdamm und Rummelsburg. Als Ort für die
nächste Tagung wurde wiederum Stettin bestimmt und dann
die Sitzung geschlossen.
7 ^ E i f e 1 -V e r e i n. In Waxweiler, dem freundlichen Eifel-Städt¬
chen im Kreise Prüm, fand am Samstag eine Haupt-Vorstands¬
sitzung desEifel- Vereins unter Leitung des Vereinsvorsitzen¬
den, Landrat Dr. Kaufmann (Euskirchen) statt, zu der Uber
fünfzig Vertreter der Ortsgruppen und u. a. auch die Landräte der
Kreise Mayen, Daun, Prüm und Schleiden erschienen waren. Auf
der Tagesordnung stand zunächst die Frage der Jugendwande¬
rungen. Ewertz (Köln) berichtete über die günstigen Erfahrungen,
welche die Kölner Ortsgruppe des Eifel-Vereins mit Halbtags¬
und auch Ganztags- Wanderungen der Volksschüler gemacht hat.
Kümmel (Düsseldorf) legte dar, dass es nicht Aufgabe des Gesamt¬
vereins sein könne, das grosse Gebiet der Volksschüler- und Lehr¬
lings-Wanderungen in eigene Hand zu nehmen. Für das Rhein¬
land würden in der Hauptsache auch nur die niederrheinischen
Gressstädte in Betracht kommen, die zum Teil von der Eifel zu weit
entfernt lägen. Dagegen würde es den Ortsgruppen dieser Gress¬
städte zu überlassen sein, lokale Bestrebungen zur Hebung der
Jugendwanderungen zu fördern und auch bei Bildung solcher
Vereine für Volksschüler-Wanderungen rege mitzuhelfen. Der
Eifel-Verein leiste in seinem mustergültigen Schüler- und Studenten-
Herbergswesen ausreichende, mit viel Kosten und Arbeit ver¬
bundene Tätigkeit auf diesem Gebiet Die Versammlung stimmte
den Ausführungen zu und beschloss, die Bestrebungen der Vplks-
schüler-Wanderungen durch Stellung von ortskundigen Führern
und praktischen Rat in Unterkünfte- und Verpflegungs-Verhält¬
nissen seitens der betreffenden Ortsg^ppen zu fördern. Für die
Erhaltung des Strohdaches in der Eifel trat Proffessor
Schürmann (Düren) nochmals warm ein, indem er die ästhetische
und wirtschaftliche Bedeutung dieser Frage anschliessend an seinen
Vortrag auf der letzten Hauptversammlung nochmals hervorhob.
Die Hauptversammlung beschloss ferner eine wesentliche Aus¬
dehnung der Propaganda, um weite Kreise im Inland und
im nahen Ausland mehr als bisher auf die Eifel und deren
Schönheiten hinzuweisen. Der Vorsitzende wurde ermächtigt,
mit dem Verlag der Zeitschrift „Deutschland** in Düsseldorf
die Herausgabe einer Eifelnummer zu vereinbaren. Auch wird
die Herausgabe eines Wer bebüch lei ns in Farbenphotopraphie
in Aussicht genommen, ebenso die Verleihung von Erinnerungs¬
medaillen an verdiente Mitglieder gelegentlich der Feier des
fünfundzwanzigjährigen Bestehens des Eifel-Vereins im Jahre 19x2.
Dem Regierungspräsidenten in Aachen wurde für die Förderung
des von der Ortsgruppe Eupen ausgegangenen Antrags auf Bildung
eines Naturschutzparkes im Hohen Venn gedankt.
Der Eifel-Verein (Ortsgruppe Düsseldorf) hielt
kürzlich eine Hauptversammlung ab, um an Stelle des nach
Münster als Provinzialschulrat berufenen Herrn Gymnasial¬
direktors Dr. Gramer, des Gründers und hochverdienten För¬
derers der Düsseldorfer Ortsgruppe des Eifel-Vereins und be¬
kannten Forschers der Eifelgeschichte, einen neuen Vorsitzenden
zu wählen. Die Wahl flel auf Herrn Landesrat Adams, einem
Eifelaner, während zum Schatzmeister Herr Polizeikommissar
Ulrich und zum Schriftführer Herr Professor Gassmann wieder¬
gewählt wurden. Herr Direktor Dr. Gramer wurde in An¬
erkennung seiner unvergesslichen Verdienste um den Düsseldorfer
Eifel-Verein zu dessen Ehrenvorsitzenden ernannt und ihm von
den vielen Wanderern, die unter seiner Führung die hervor¬
ragendsten Eifeltouren machen konnten, ein Ehren-Wanderstab
überreicht.
Eine Hauptversammlung des Rheinischen
Vereins für Denkmalpflege findet am 2. Dezember zu
Düren in der Harmonia statt. Im Anschluss an die Haupt¬
versammlung, in der geschäftliche Angelegenheiten behandelt
werden, wird Herr Provinzialkonservator Professor Dr. Renard
einen öffentlichen Vortrag mit Lichtbildern halten über „Denk¬
malpflege und Heimatschutz in Dü r en - Jülich er
Land**. Vorher findet eine Rundfahrt durch die Stadt zur
Besichtigung von interessanten Bauwerken statt.
Bergischer Landes verein. Im Hotel Kaiserhof fand
die diesjährige Hauptversammlung des Berg^ischen Landes vereine
statt, an der ausser den Vertretern der einzelnen Verschönerungs-
Vereine auch der Landrat des Kreises Lennep, Dr. Hentzen teil¬
nahm. Der Vorsitzende, Professor Kleinschmidt, erstattete den
Jahresbericht, in dem er u. a. mitteilte, dass zwar Dabringhausen
noch nicht den Anschluss an den Landesverein vollzogen habe.
548 ■ D e QooQCOQCK3eoQCKiQ8QOQQQQ33 9ffl DEUTSCHLAND p ee€ceeeociooocec»ec^^ Nr, 11
dass ihm aber dort Herr Sichelschmidt als Mitglied beigetreten
sei und durch seine tatkräftige Wirksamkeit schon vieles im
Dabringhauser Gebiete zuwege gebracht habe. Der Bergische
Landesverein habe im abgelaufenen Vereinsjahre hauptsächlich
für die Wegebezeichnung Sorge getragen. Sie sei jetzt allent¬
halben erneuert und dadurch auf die Höhe gebracht worden, auf
der sie stehen solle; sie sei nunmehr so ausgeführt, dass sie mit
derjenigen des Verbandes Bergischer Verkehrs -Vereine überein-
sdmme. Auch in Remscheid sei im Berichtsjahre tüchtig ge¬
arbeitet worden, namentlich in den Aussenbezirken.
Berlin im Zeichen des Fremden-Verkehrs. Der
Fremdenverkehr der Reichshauptstadt hat in den letzten Tagen
einen bisher noch niemals erreichten Höhepunkt zu verzeiclinen
gehabt Der Weltkongress der Hotelbesitzer brachte mehr als
looo Fremde nach Berlin, die sich fast sämtlich eine Woche
lang hier aufhielten; die Automobil-Ausstellung hat auch eine
Menge von Fremden nach Berlin gelockt, und der Schaufenster¬
wettbewerb zog die Geschäftswelt des Reiches in die Metropole.
Dazu kommt noch, dass der Monat Oktober an und für sich
ein beliebter Fremdenmonat ist. Deshalb war cs nicht zu ver¬
wundern, dass die Berliner Hotels seit mehreren Tagen voll¬
ständig ausverkauft sind und Reisende abweisen müssen.
Namentlich in den späteren Abendstunden konnte man viele
Autos und Droschken sehen, die, hochbeladen mit Gepäck, von
Hotel zu Hotel fuhren; die Reisenden mussten stundenlang nach
Unterkommen suchen. Ein bekannter westdeutscher Gross¬
industrieller z. B., dessen herrliche Schloss-Villa berühmt ist,
musste sich, wie die „B. Z. a. M.** meldet, drei Tage lang in
einem ersten Hotel mit einem Badezimmer, das durch das Hinein¬
stellen eines Bettes bewohnbar gemacht war, begnügen, weil er
verabsäumt hatte, Zimmer zu bestellen. Auch die Theater waren
gut besucht, und die Geschäftswelt Berlins wird gleichfalls von
dem reichen Fremdenzustrom profitiert haben.
Ostseebad Ahlbeck. Die Kurlisten der diesjährigen
Saison sind geschlossen. Sie zeigen, dass Ahlbeck zu den ersten
deutschen Seebädern gehört. Die Frequenz hat in den beiden
letzten Jahren wieder um 4—5000 zugenommen. Obgleich es
bei den hiesigen örtlichen Verhältnissen nicht leicht möglich
sein dürfte, die grosse Zahl der Passanten in die Fremdenlisten
aufzunehmen, so wird in den letzteren doch bald das 95. Tausend
wirklicher Kurgäste erreicht werden, eine Zahl, die von wenigen
deutschen Seebädern übertroffen wird.
Eisenbahnwesen.
Eisenbahnverkehr. Nach den vorliegenden Fahrplänen
der sächsischen Staatseisenbahn verkehrt auch den Winter hin¬
durch der direkte Wagen von Eger nach Aachen, Amsterdam,
Oberhausen und Köln mit dem Schnellzuge, der Eger um 6.35
abends verlässt.
Grossfürstenwaggons hat der Pariser Volkswitz die
neuen Luxuswagen benannt, die von der Eisenbahngesellschaft
der Paris—Lyoner M6diterrann6e mit Beginn der Riviera-Saisoii
eingestellt werden sollen. Der Name ist charakteristisch nicht
nur dafür, wie viele Mitglieder der hohen russischen Aristokratie
ihr Hauptquartier in Paris haben und während der grossen
Saison nach Monte Carlo reisen, sondern auch für die Wagen
selbst, die wohl das Reichste, Bequemste und Eleganteste dar¬
stellen, was die Eisenbahn bisher geschaffen hat. Die äusserlich
anspruchslosen Wagen enthalten je zwei Schlafzimmer und einen
Salon, dazu ein Badegemach, und sind mit dem Speisewagen
durch einen Harmonikagang verbunden. Die innere Einrichtung
ist aus den kostbarsten Holzarten Frankreichs, die Vorhänge
und Möbelbezüge stammen aus Lyoner Seiden- und Samtfabriken,
die Teppiche sind französischen Fabrikats. Sie bedecken in
weicher Fülle jedes Eckchen des Fussbodens. Tiefe Klubsessel
bilden das Hauptmeublement des Salons, von dessen Mitte eine
elektrische Krone nie der sch webt, deren Lichtfluten die Aquarell¬
malereien an den Wänden beleuchten. Ein Schreibtisch, ein
Spieltischchen, eine kleine Bibliothek und auf speziellen Wunsch
des Mieters eines solchen Luxuswagens auch ein Klavier voll¬
enden die Einrichtung. Die Schlafzimmer sind vollständig im
Wohnungsstil mit bequemen Betten und Möbeln ausgestattet.
Alle Metallteile hier und im Badezimmer sind aus Silber. Dabei
Skizze zu nebenstehendem Fahrplan.
Nr. II Hi9 9 9GQQQ8908QQQ9Q0Q0QC3QQ9 ei DEUTSCHLAND 0 Beeeeeeee€g»eeeeeeeeee6eee ea 549 '
sind die Wagen selbstverständlich nach dem Muster allemeuester
Technik so gebaut, dass möglichst wenig von der Erschütterung
der Bewegung su fühlen ist.
Schiffahrt.
Erneute Ausdehnung der Ham bürg-Amerika-
Linie. Die Hamburg-Amerika-Linie steht vor einer neuen
Ausdehnung ihres Unternehmens. Die Gesellschaft hat sich an
der Gründung der Atlantic Fruit Company in New York beteiligt.
Die Atlantic Fruit Company hat zwölf Bananenplantagen-Ge-
sellschcdten in Westindien erworben und wird in der Versorgung
der Vereinigten Staaten von Nordamerika mit Bananen also in
Zukunft eine hervorragende Rolle spielen. Zwischen der Atlantic
Fruit Company und der Hamburg-Amerika-Linie ist ein lang¬
jähriger Vertrag geschlossen worden, wonach eine Anzahl von
Dampfern der Hamburg-Amerika-Linie für den Transport der
Bananen von Westindien nach New York der Atlantic Fruit
Company ausschliesslich zur Verfügung gestellt werden. Der
Direktor der New Yorker Niederlassung der Hamburg-Amerika-
Linie, Herr Emil L. Boas, und der Vorstand des Frachtgeschäfts
der Gesellschaft in New York, Herr Sickel, werden in den
Aufsichtsrat der Atlantic Fruit Company eintreten. Gleichzeitig
hat die Hamburg-Amerika-Linie mit der Verwaltung der Ham¬
burg-Columbien Bananen-Aktiengesellschaft Verabredungen ge¬
troffen, welche, wenn sie die Genehmigung der demnächst ab¬
zuhaltenden Generalversammlung dieser deutschen Bananen¬
gesellschaft finden, eine enge Verbindung zwischen der Hamburg-
Amerika-Linie und der Hamburg-Columbien Bananengesellschaft
herstellen. Nach diesem Vertrage wird die Hamburg-Amerika-
Linie in Gemeinschaft mit dieser deutschen Bananengesellschaft
schon vom nächsten Jahre ab mehrere Schiffe, welche mit den
nötigen Kühlvorrichtungen versehen sind, für den Transport
von Bananen von Westindien nach Hamburg in Fahrt stellen.
Die Herren Ballin, Thomann und Dr. Hopff werden in den Auf¬
sichtsrat der Hamburg-Columbien Bananen-Gesellschaft eintreten.
Neue Reisewege nach Sizilien. Durch das Anlaufen
der Amerika-Dampfer des Norddeutschen Lloyd in
Palermo ist Gelegenheit geboten, die Seestrecke Genua—
Sizilien in angenehmster Weise zurückzulegen. Die Dampfer
„Berlinds „Prinzess Irene“, „König Albert“, „Friedrich der Grosse“,
die auf den Mittelmeer-Amerikadienst eingestellt sind, verlassen
Genua je Donnerstags (9. November, 7. Dezember, 22. Februar,
7. März, II. April, 2. Mai usw.), halten sich Freitags in Neapel
auf und erreichen Samstags früh Palermo. „Prinzess Irene“
wird verschiedentlich auch auf der Heimreise von New York
und Gibraltar kommend, in Palermo Halt machen. Ausser diesen
Verbindungen wird auch dieses Jahr der Hafen von Syrakus
an der Ostküste der Insel durch Salondampfer „Schleswig“ der
Marseille-Alexandrienlinie eine regelmässige Verbindung erhalten.
Der Dampfer „Prinz Heinrich“, der die neue Linie Genua—
Neapel—Aegypten befährt, wird Catania anlaufen, von wo aus
die Reisenden in kürzester Zeit mit Durchzügen nach Taormina,
Palermo und den anderen Zentren der Insel gelangen können.
Zusammenstelluiig der wichti^steu Ziigverhiudang;eu nach den bayerischen Wintersportplätzen.
Mitgetoilt vom Verkehrsamt der Künigl. Bayerischen Staatseisenbahnen in München.
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Zeichenerklärung.
§ Sonn- u. Feiertags. ♦ v. 2-1. 3. bis 20. 4.
t In der Nacht nach Sonn- u. Feiertagen.
* An Sonn- u. Feiertagen bei günstiger
Witterung. ! Werktags. • Bis 1. 11. u.
ab 24. 12. Sonn- n. Feiert. ♦ Bis 1. 11.
u. ab 3. 3. Sonn- u. Feiertags bei gutem
Wetter. ? bis 1. 11. u. ab 1. 3. täglich,
sonst Sonn- und Feiertags. ■ Ab 31. 3.
tiigl., sonst Sonn- u. Feiert, b. gut. Wett.
X Bis 1. 11. ♦ Leipzig Thür. Bf. ab.
% Vom 24. 12. bis 8. 4. an Sonn- u. Feiert.
Fette Ziffern Schnell- oder Eilzug,
magere Ziffern Personenzug.
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Luftschiffahrt.
Die Fahrt des „Schwaben** nach Berlin. Auf einer
Fahrt, die zu den schönsten und erfolgreichsten aller Zeppelin¬
fahrten gehört, hat am 19. Oktober das Luftschiff „Schwaben**
Berlin auf dem Wege Uber Hamburg erreicht. Die Abfahrt in
Düsseldorf erfolgte schon 4,47 Uhr früh, während die Stadt noch
im tiefsten Schlafe lag. Einschliesslich der Besatzung nahmen
an der Fahrt, die, wie immer, von Dr. Ecke ne r geleitet wurde,
ao Personen teil. Darunter waren nur einige wenige Passagiere,
da die Tragkraft des Luftschiffes von Benzin und sonstigem
Material beansprucht wurde. Man hatte sich mit Betriebs¬
vorräten für eine Fahrtdauer von 20 Stunden ausgerüstet, wenn
in Wirklichkeit auch die Strecke in erheblich kürzerer Zeit
zurUckgelegt wurde. Die Route war bei der Abfahrt noch nicht
bestimmt, unterwegs entschied sich dann die Fahrtleitung über
Hamburg. Ueber Berlin traf das Luftschiff etwa um 3^2 Uhr
ein, so dass es für die ganze Strecke stark 10 Stunden gebraucht
hat. Da der zurückgelegte Weg mit ungefähr 650 Kilometer
angenommen werden kann, hat das Luftschiff etwa die gleiche
Geschwindigkeit wie auf seinen früheren Fahrten erreicht. Unter¬
wegs wurde das Luftschiff, besonders in den Städten, von der
Bevölkerung überall mit Jubel begrüsst. In Bremen überflog
das Luftschiff die öffentlichen Gebäude im Stadtzentrum und das
Verwaltungsgebäude des Norddeutschen Lloyd, ehe es die Fahrt
nach Hamburg fortsetzte. Gross war die Freude in Hamburg,
denn die Hamburger bekamen zum erstenmal ein Zeppelin-
Luftschiff zu sehen.
Der Ballon „Suchard“, der zurzeit in Augsburg bei
Riedinger im Umbau begriffen ist, wird Ende dieses Monats
nach Leichlingen überführt werden, um dort von der
Traflex-Transatlantische Flugexpedition in der dortigen Halle
montiert und zur Ueberquerung des Ozeans vom Kap
Teneriffa aus verwendet zu werden. Es handelt sich um eine
Gesellschaft aus Amerikanern, Mitgliedern der Rheinisch-West¬
fälischen Motorluftschiff-Gesellschaft und andere. Das Luftschiff
wird etwa gooo Kubikmeter fassen und eine Gondel erhalten,
die als Motorboot konstruiert ist.
Das schraubenlose Luftschiff hat am iz. November
vom Tegeler Schiessplatz aus seine erste Fahrt unternommen,
die dreiviertel Stunde dauerte. Die Führung hatte Oberleutnant
Meyer und die Ingenieure Bussy und Schneider. Die Leitung
hatte der Direktor Wisnewski von der Luftschiffsantriebs¬
gesellschaft. Der Flug gelang gut und wurde ausgeführt, um
die Schnelligkeit und den gleichmässigen Gang des Flugzeuges
zu prüfen.
Wintersportliche Veranstaltungen.
Schwarzwald.
Der Ski-Klub Schwarzwald macht bekannt, dass die
grossen Wettläufe auf dom Feldberg vom 9. bis ii. Februar 1912
stattfinden. In einer Besprechung der Ortsgruppen Triberg,
Schonach, Schönwald und Furtwangen, die kürzlich in Schön¬
wald stattfand, wurde beschlossen, dass die genannten Orts¬
gruppen gemeinsam jeden Winter nur einen grossen Schnee¬
schuhwettlauf veranstalten sollen. Dieses Sportsfest flndet unter
der Bezeichnung „Skiwettlauf auf dem hohen Schwarzwald der
vereinigten Ortsgruppen des S. C. S. Furtwangen, Schonach,
Schönwald, Triberg** abwechselnd bei einer der vereinigten Orts-
gtuppen statt und ist zum ersten Male auf den 6. und 7. Januar
1912 in Schonach festgesetzt. Weiterhin soll die Einführung
eines Dienst- und Skifahrer-Wettlaufes (Forstbeamte, Brief¬
träger usw.) versucht werden.
Thüringen.
Der Wintersportverein Ernstthal (Sachsen-Meiningen)
hält seine grossen Skiwettläufe am 7. Januar 1912 ab. Vom
25. Dezember 1911 bis 6. Januar 1912 Anden in Ernstthal Skikurse
für Damen und Herren statt unter Leitung der Gebrüder Böhm-
Hennes. — Der Sportklub Tambach-Dietharz veröffent¬
licht sein vorläuAges Winterprogramm, nach welchem am
13., 14., 19. und 20. Januar 1912 Übungsfahrten der Skiabteilung
erfolgen, 28. Januar ist die Einweihung der Bahn für Bob- und
Hömerschlitten, Wettfahrten. Ende Januar oder Anfang Februar
Andet ein Skikursus statt. Am 10. Februar ist gemeinsamer
Skiausflug (Friedrichroda oder Oberhof), 17. Februar Eislauf bei
Konzert (dasselbe an mehreren Sonntagen), 24. Februar Wett¬
rodeln auf der Bahn im Schmalkalder Stieg.
Der nächste Hauptverbands-Wettlauf des Deutschen Ski-
Verbandes kommt am 28. und 29. Januar in Immenstadt zum
Austrag. Die Meisterschaft für 1913 wurde dem Thüringer
Wintersport-Verband übertragen; als Ort dafür wurde Oberhof
bestimmt.
Sächsisches Erzgebirge.
Wie der Ski-Verband Sachsen (Sitz Dresden) meldet^
Andet sein Verbandswettlauf in diesem Winter am 20. und zx.
Januar 1912 im Gebiete von Schellerhau bei Kipsdorf statt
Dies Gebiet ist für Skilauf sehr geeignet, die Zug^erbindung
nach Kipsdorf günstig. — Der Dresdner Ski-Klub plant an
grösseren Veranstaltungen folgende: Zwei Skikurse; der erste
für Schüler höherer Lehranstalten imd Erwachsene vom a6. bia
31. Dezember igzi in Oberbärenberg unter Leitung des Bau¬
meisters Igel, der zweite für Erwachsene vom 7. bis 12. Januar
1912 in Georgenfeld unter Leitung des Herrn Herz. Mehrtägige
Ausfahrten nach dem Riesengebirge, dem westlichen Erzgebirge,
Schöneck i. V., Sebnitz, Oberhof und zum Wettlauf des Deutschen
Ski-Verbandes nach Immenstadt usw. sind ebenfalls vorgesehen.
Ins Östliche Erzgebirge gehen jeden Sonntag bei günstigen
Schneeverhältnissen Ausfahrten.
Auch in diesem Winter Anden auf dem Wintersportgelände
bei Johanngeorgenstadt Skikurse statt, und zwar: x. vom 27. De¬
zember 1911 bis I. Januar 1912 Skikurs des Wintersport-Vereins
Johanngeorgenstadt, 2. vom i. Januar 1912 bis 6. Januar 19x2 Ski¬
kurs des Akademischen Sportklubs Leipzig. Beide Kurse stehen
unter der Leitung des Skiwarts des Ski-Verbandes Sachsen, Herrn
Dr. Seyfarth, unter Beihilfe einiger Mitglieder des Akad. Sportklubs
Leipzig und des Sportwarts des Wintersport-Vereins Johann¬
georgenstadt und sind für Anfänger und Fortgeschrittene berechnet.
Der Rodelsport im sächsischen Erzgebirge dürfte in der
kommenden Wintersaison insofern neue Freunde gewinnen, als-
man fast parallel zu der erst kürzlich eröffneten Drahtseilbahn
Augustusburg—Erdmannsdorf eine längere Rodelbahn anlegt.
Anfang und Ende der Rodelbahn liegen dicht an den Stationen
der Drahtseilbahn und beabsichtigt die Verwaltung der Draht¬
seilbahn billige Tagesabonnements für Rodler auszugeben. —
Prospekte über den Wintersport in Sachsen sind kostenlos
erhältlich bei der Amtlichen Auskunftstelle der Königl. Säch¬
sischen Staatsbahnen im Internationalen Öffentlichen Verkehrs¬
bureau in Berlin W. 8, Unter den Linden X4.
Der grosse Hauptwettlauf des Deutschen Ski-Verbandes .
wird am 28. Jan. 1912 in Immenstadt i. Allgäu ausgefochten; die
diesjährige Hauptversammlung am 29. Okt. 191T in Erfurt abgehalten.
Die Wettläufe des Sächsischen Ski-Verbandes gehen
am 21. Januar 1912 in Schellerhau bei Kipsdorf, des Kreises
Westerzgebirge, am 14. Januar 1912 in Schöneck i. Voigtl. vor sich.
Der vom Leipziger Skiklub abgehaltene, nun 4. Brz-
gebirgskamm-Wettlauf Über eine Strecke von etwa 140 KUometer
von Altenberg bis Johanngeorgenstadt, Andet gegen Ende
Februar 1912 statt.
Während des kommenden Winters wird der Leipziger
S k i k 1 u b wiederum drei Skikurse in Oberwiesenthal i. Erzgebirge
abhalten und zwar jeweils beginnend am 12. November und
26. Dezember 1911, sowie am 2. Januar 1912.
Bayern.
Im Dezember 1911: In Partenkirchen Skikurs für Ausbildung
von Kursleitern; 25. Dezember bis i. Januar: Kurs für An¬
fänger und Vorgeschrittene (beide veranstaltet vom Ski- und
Rodelklub Partenkirchen).
14.—21. Dezember 1911: Skikurse auf der Rotwand, veranstaltet
vom Schneeschuhverein München.
An den Weihnachtsfeiertagen 1911: Ski-Lehr- und Uebungskurse,
veranstaltet von der Schneeschuhriege des Männer-Turn¬
vereins München; Ende Februar oder Anfang März igxx:
Riegen-Wettkämpfe desselben Vereins.
25. Dezember 1911 bis i. Januar 1912: In Berchtesgaden Ski¬
kurse, veranstaltet vom Deutschen Touring-Klub (München).
3.—5. Januar 1912: In Oberaudorf Rodelkurs; 7. Januar 19x2:
Meisterschaftsrodeln für Bayern vom Brünstein bei Oberaudorf.
14 —21. Januar 1912: In Oberammergau Vierter Alpiner-8ki-
kurs, veranstaltet vom Alpiner Ski-Klub (München). ^
24. Januar 1912 und folgende Tage: In München InternationalST
Ski-Kongress.
26. — 28. Januar 19x2: In Immenstadt Hauptverbands-Wettlauf
des Deutschen Ski-Verbandes, Konkurrenz um die Meister¬
schaft von Deutschland im Skilauf; 21.—26. Januar X912:
Touren woche der Skisportabteilung des Münchener Sportklubs.
31. Januar 1912: In Oberstdorf i. Algäu Städtewettkampf im
Skisprung.
X91X/1912: Ski-Wettläufe der Vereinigten Münchener Ski-Vereine.
Oberharz.
Die Ortsgruppe St. Andreasberg des Oberharser
Ski-Klubs hat den Beschluss gefasst, die Abhaltung der Ver¬
bandswettläufe des Oberharzer Ski-Klubs im Winter 19x2 für
St. Andreasberg zu beantragen. Zwecks Förderung des Ski¬
sports beabsichtigt die Ortsgruppe, auch im kommenden Whxter
zwei Skikurse abzuhalten, .. .
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Schierke. Vom 20.—22. Januar zgia: Winterfest der Kur-
verwaltuni^, unter Mitwirkung des Harzer Wintersport-Verbandes,
Grafschaft Wernigerode, des Eishockey- und Skeleton-Klubs und
des Bobsleigh-Klubs (Schierke); am 3. und 4. Februar 1912: Sport¬
fest des Eishockey- und Skeleton-Klubs; vom 17.—20. Februar 1912:
Winterfest der Kurverwaltung und erstgenannter Vereine; während
der Weihnachtsferien verschiedene Veranstaltungen (Schneeschuh¬
lauf und -Sprung, Eiskunst- und Wettlauf, Eis-Wettspiele, Skele¬
tonfahrten, Rodel- und Bobsleighfahrten).
Braunlage, ln den Tagen zwischen Weihnachten und
Neujahr: Sportwoche der Kurverwaltung; vom 27.—29. Januar 1912:
Grosses Winterfest, veranstaltet von der Kurverwaltung und dem
Ski-Klub; am 4. Februar 1912: Grosses Winterfest, zugleich Wett¬
läufe der Ortsgruppe Braunlage des Oberharzer Ski-Klubs und
Austrag des Rodel-Wanderpreises der Kurverwaltung (Verteidiger:
Herr cand. med. Bamer, Freiburg in Br.); am 3. März 1912:
Wettrodeln. Oberharzer Skiklub.
Der Hauptvorstand des Oberharzer Skiklubs hielt kürzlich
im Johanneser Kurhaus in Zellerfeld eine Sitzung ab, in der der
Vorsitzende, Landrat von Lücken, mitteilte, dass das Kultus¬
ministerium 2000 Mark für einen staatlichen Skikursus für Lehrer
und Lehrerinnen des Ober- und Unterharzes zur Verfügung ge¬
stellt habe. Der Kursus, an dem auch zu Skilehrern auszubildene
Mitglieder der Ortsgruppen des O. H. S. K. teilnehmen können,
findet in Clausthal-Zellerfeld und bei günstiger Schneelage schon
vor Weihnachten statt. Als Skilehrer für den Kursus sind bis
jetzt der Norweger Thorleif Aas und der Meisterschaftsläufer
von Oesterreich, Fritz Miller (Innsbruck) gewonnen.
Wie aus Berlin gemeldet wird, wurde dort nach längerer
Debatte ein Deutscher Bobsleigh-Verband mit vor¬
läufig 8 Einzelvereinen gegründet.
Vogesen.
In der diesjährigen Hauptversammlung des Eisass-Lo¬
thringischen Ski-Verbandes wurde beschlossen, im Winter
Z9n/z2 kein Verbandsrennen abzuhalten, dagegen mit Unter¬
stützung der Verbandskasse einen Mannschafts- oder Zuver¬
lässigkeitslauf zu veranstalten; ferner sollen von dem sonst für
das Verbandsrennen angesetzten Gelde 100 Mk. für Markierungen
und 250 Mk. für einen Skikurs verwendet werden. Die Arran¬
gierung bleibt dem Vorstand überlassen. — Der Ski-Klub
Vogesen (Mülhausen) veranstaltet vom 25. Dezember 191z bis
I. Januar igz2 einen Skikurs am Lauchensee unter Leitung des
Turnlehrers Rammler. Die Abfahrten des Klubs erfolgen am
18. bis 25. Februar 1912.
Wintersport. In den letzten Jahren tritt der Winter
mit seinem Wintersport immer schärfer als Konkurrent in bezug
auf die Zahl der Reiselustigen gegen den Sommer auf. Dieser
neuen Richtung im Reisewesen Rechnung tragend, hat das
bekannte Weltreisebureau Thos. Cook & Son eine Wintersport¬
abteilung ins Leben gerufen. Diese neu eingerichtete Abteilung
befasst sich mit allen in das Reisefach einschlägigen Fragen
in Verbindung mit dem Wintersport. Sie erteilt kostenlos Aus¬
künfte über jeden Wintersportplatz, über die stattfindenden
Sportfeste und Wettläufe und Witterungsverhältnisse der ein¬
zelnen Orte, sowie über Unterkunftmöglichkeiten. Die Abteilung
stellt Reisepläne auf, gibt die Verbindungen an und teilt die
Preise für Fahrkarten und Unterkunft mit. Desgleichen stellt
die Wintersport-Abteilung sämtliche Fahrkarten aus, besorgt die
Reservierung in den Hotels und Pensionen und bestellt auf
Wunsch die nötigen Schlitten für die Beförderung vom Bahnhof
zum Hotel und zurück. — Soeben ist eine hübsche illustrierte
Broschüre, von derselben Firma herausgegeben, erschienen, die
den Wintersport in Deutschland, in der Schweiz, in Norwegen und
Tirol eingehend behandelt. Diese Broschüre wird Interessenten
auf Wunsch gratis und franko zugesandt von Thos. Cook&Son,
Wintersport - A.bteilung Hamburg, Alsterdamm 39.
Unter den Bädern des Kontinents erfreut sich Wiesbaden
als Winterkurort besonderer Bevorzugung, denn die Heil¬
faktoren Wiesbadens, unabhängig von Wind und Wetter, stehen
wie zu jeder anderen Jahreszeit, so auch im Winter zur Ver¬
fügung. Von Jahr zu Jahr ist die Zahl derjenigen gewachsen,
die von Gicht, rheumatischen Beschwerden, nervösen Affektionen
und anderen Leiden befallen, im Vertrauen auf die sicheren
Erfolge einer Herbst- oder Winter kur ihre Schritte nach den
gesundheitspendenden Quellen des alten Römerbades lenken.
Alle Hotels sind geöffnet und alle Bequemlichkeiten und An¬
nehmlichkeiten, die für den Patienten als unentbehrliches Heil¬
mittel gelten, stehen in dieser sommerlichen Winterstadt das
ganze Jahr hindurch zur Verfügung. Der Pulsschlag im Bilde
des öffentlichen Kurlebens lässt nicht nach, und an geselligen
Unterhaltungen und Kunstgenüssen wird in den prächtigen
Sälen und Geselltchaftsräumen des neuen Kurhauses im Winter
unendlich viel geboten. In den grossen Elite-Konzerten der
diesjährigen Wintersaison werden berühmte Gast-Dirigenten und
Solisten mitwirken. Auch die in die Faschingszeit fallenden
Kurhaus-Maskenbälle stehen wiederum an bevorzugter Stelle im
abwechslungsreichen Programm der Winterveranstaltungen. So
vereinigen sich in Wiesbaden die Freuden der Grossstadt mit
der Heilkraft des Weltbades.
Der Neubau des Sporthotel in Oberwiesenthal im
Erzgebirge schreitet, begünstigt durch die Witterung, rüstig
vorwärts. Die Feier des Richtfestes konnte bereits am 16. Sep¬
tember d. Js. unter lebhafter Beteiligung aus den Kreisen der
sächsischen Finanz und Industrie, den staatlichen und städtischen
Behörden, vor sich gehen. Ein Festessen bildete den Abschluss.
Das Hotel, welches 120 Betten aufweisen, im Parterre in einer
stilvoll angelegten Flucht, Wein-, Bier- und Speisesaal, Billard-,
Lese-, Schreib- und Musikzimmer enthalten wird, macht heute
schon einen interessanten Eindruck. Im Souterrain wird ein
kleines gemütliches Bierstübchen in süddeutscher Art vor¬
gesehen, in Sonderheit geschaffen, um die Ruhe der Hotelgäste
nicht zu stören. Vom Hotel aus bietet sich ein prächtiger
Ausblick nach dem malerisch gelegenen Städtchen Oberwiesen¬
thal, im Hintergründe die zu einer Höhe bis 1240 Meter an¬
strebenden Keilberg und Fichtelberg. Nur 5 Minuten vom
Bahnhof und mitten in dem für Skilauf und Rodeln benutzten
Terrain liegend, wird sich das neue Sporthotel ganz hervor¬
ragend zum Aufenthalt für den Wintersport eignen, nicht minder
aber auch später für die Sommertouristik.
Eine Liebenswürdigkeit des Kronprinzen. Fräulein
Kortum in Halberstadt, Schwester eines Fleischermeisters, verlor
durch einen schweren Unfall am Fleischwolf eine Hand. Die
junge Dame, die eine bekamnte Vertreterin des Wintersports
war und u. a. die Meisterschaft Deutschlands im Schneeschuh¬
lauf inne hatte, musste ihrer Passion entsagen. Sie erhielt ein
eigenhändiges Schreiben des Kronprinzen, das unter Bekundung
des lebhaften Bedauerns über den traurigen Fall eine Einladung
zum nächsten Wintersportfest in Oberhof enthielt, dem sie,
wenn auch nicht aktiv, so doch als sein Gast beiwohnen möge.
Die Meisterschaft im Schneeschuhlauf hatte sich Fräulein Kortum
durch einen Sprung von 23 Meter erworben, für eine Dame eine
höchst beachtenswerte Leistung.
Wintersportplätze in Deutschland.
Bayrisches
AS CH AU b. Prien: Rodelrennen,
Skikurs am 24. und 25. De¬
zember und 8. Januar.
BAD KOHLGRUB: Ski-Wett¬
läufe, Rodelrennen, Bobsleigh¬
rennen, Schlittenfahrten, Ski¬
kurs.
BAD REICHENHALL: Rodel¬
rennen und Skikurse.
BAD TÖELZ: Skikurs und
Rodelrennen im Januar 1912.
BAYRISCHZELL: Skiwettläufe
1911/1912 der Ver. Münchener
Ski-Vereine am Sudelfeld am
21. Januar.
BERCHTESGADEN: Ski- und
Rodelrennnen im Januar und
Februar; Wintersportfest im
Spätwinter; Skikurs, 25. De¬
zember 1911 bis I. Januur 19x2.
DIESSEN a. Ammersee: Preis¬
rodeln.
FÜSSEN, 797 m.
GARMISCH und PARTEN¬
KIRCHEN : Skikurse vom
IO. —20. Dezember, 25. Dezbr.
bis I. Januar und 2.—5. Ja¬
nuar 1912. Anfang Januar und
Februar Ski-Wettläufe.
HINDELANG: Preisrodeln und
Skikurse im Januar.
IMMENSTADT: Skikurs vom
23. bis 26. Dezember, Haupt¬
verbands-Wettlauf des Deut¬
schen Ski-Verbandes vom 26.
bis 28. Januar 1912.
KEMTEN: Eisfeste und in¬
terne Wettläufe und Skikurse.
KIEFERSFELDEN: 2 Preisro¬
deln und 2 Preis-Eisschiessen.
Hochland.
MARQUARTSTEIN: Skikurs
Tailingfahrten.
MITTELBERG bei Oy, 1036 m.
MITTENWALD, 920 m
MURNAU: Winterfest an den
Weihnachtstagen.
NESSELWANG: Allgemeiner
Verbandswettlauf Anfang Fe¬
bruar 1912.
OBER AMMERGAU: Alpiner
Skikurs am 14. und 27. Ja¬
nuar 1912.
OBERAUDORF: Meistcrschafts-
rodeln für Bayern vom Brünn¬
stein am 7. Januar 1911, Preis-
Rodeln vom Hocheck am
21. Januar; Skikurs am 29.
Januar und 4. Februar 19x2.
OBERSTDORF: Städte-Wett¬
kampf im Skisprung am 31. Ja¬
nuar 1912; Ski-Wettläufe und
Skikurs vom 26. Dezember 1912
bis I. Januar 1912; Rodel¬
rennen.
PEISSENBERG: Preisrodeln im
Januar und Februar.
SCHLIERSEE: Skikurse vom
26.—31. Dezember ign und
6.—14. Januar 1912; 3.—10.
März Tourenkurs. Auf der
R o t w a n d: Skikurs am 14.
bis 21. Dezember igu. Ski-
Wettläufe, Eisfeste, Rodel¬
rennen.
SONTHOFEN: Skikurs, Ski¬
wettläufe, Rodelrennen und
Eisfeste.
TEGERNSEE: Skikurse.
TRAUNSTEIN: Skikurs.
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Schwarzwald.
BADEN-BADEN, 200 m.
BADENWEILER, 450 m.
DONAUESCHINGEN, 700 bis
800 m.
FELDBERG, 1494,7
FREIBURG i. B., 298 m.
FURTWANGEN, 870-1150 m.
HEIDELBERG.
HERRENALB (Gaistal), 400 bis
650 m.
HÖHENSCHWAND, X015 m.
HORNBERG, 370 m.
MENZENSCHWAND, 884 m.
NEUSTADT i. Schw., 830 m.
ST. BLASIEN i. Schw., 800 m.
SCHLUCHSEE, 952 m.
SCHÖNWALD.
TODTMOOS, 841 m.
TODTNAU.
TRIBERG i. Schw., 700—1000 m.
Harz.
ALBXISBAD, 325 m.
ST. ANDREASBERG, 570 bis
650 m.
BAD HARZBURG, 300 m.
BAD LAUTERBERG, 300 m.
BAD SACHSA, 325 m.
BALLENSTEDT, 220—260 m.
BLANKENBURG, 200-337 m.
BLEICHERODE, 280—315 m.
BRAUNLAGE, 600—650 m.
BROCKEN, 1142 m.
CLAUSTHAL- ZELLERFELD,
534—605 m.
DREIANNEN-HOHNE, 542 m.
ELBINGERODE, 442 m.
ELEND, 520 m.
GERNRODE, 230 m.
GOSLAR, 280 m.
HAHNENKLEE¬
BOCKSWIESE, 560 m.
HARZGERODE, 400 m.
HOHEGEISS, 642 m.
MÄGDESPRUNG, 292 m.
QUEDLINBURG, 125 m.
RÜBELAND, 378 m.
SCHIERKE, 650 m.
STÖBERHAI, 719 m.
STOLBERG, 330 m.
SUDERODE, 189 m.
THALE, 225 m.
TORFHAUS. 811 m.
WERNIGERODE, 235 — 517 m.
Thüringen.
BROTTERODE am Inselberg,
560—620 m.
FRIEDRICHRODA, 450—700 m.
GEHLBERG, 734—750 m.
GEORGENTHAL, 387-450 m.
GROSS-TABARZ, 380—408 m.
ILMENAU, 500— 862 m.
LAUSCHA (S.-M.), 550—700 m.
MANEBACH, 550—861 m.
MASSERBERG bei Oelze (Stat
Katzhütte), 830 m.
NEUHAUS am Rennweg, 830 m.
OBERHOF, 825 m.
RUHLA, 400 — 500 m.
SONNEBERG, 385-638 ro.
SUHL, 430—690 m,
SCHMIEDEFELD, 720 — 800 m.
Königreich Sachsen bezw. Sächs. Erzgebirge.
ALTENBERG i. Erzg, 750 m.
ANNABERG i. Erzg., 600 m.
AUE i. Erzg., 349 m.
AUGUSTUSBURG i. E., 505 m.
BAD ELSTER, 491 m.
BAD GOTTLEUBA (Sächs.
Schweiz), 338 m.
BÄRENFELS, 700 m.
BREITENBRUNN, 700 m.
BRUNNDÖBRA i.V.,6oob.9oom
BUCHHOLZ, 694 m.
CARLSFELD i. Erzg., 830 m.
CHEMNITZ, 308 m.
EIBENBOCK, 620—700 m.
FRAUENSTEIN i. Erzg., 662 m.
GEISING i Erzg., 600 m.
JOHANNGEORGENSTADT im
Erzg., 750 - 900 m.
Riesen- und
AGNETENDORF i. Riesengeb.,
550 m.
BAD FLINSBERG i. Schlesien,
524—970 m.
BRÜCKENBERG i. Riesengeb.,
705—1252 m.
HAIN i. Riesengeb., 630 m.
HERMSDORF i. R., 350—450 m.
KIPSDORF, 594 m.
KLINGENTHAL, 555 m; Kame¬
runberg, 720 m.
KÖNIGSTEIN a. d. Elbe.
OBERWIESENTHAL (Sport¬
zentrum), 913—1245 m.
OYBIN MIT HAIN, 400 - 600 m.
REITZENHAIN, 778 m.
SEBNITZ i. S., 520 m.
SCHÖNECK, 768 m.
UNTERWIESENTHAL i.Erzg.,
868—1215 m.
ZITTAU i. S., 244 m.
ZÖBLITZ i. Erzg., 600 m.
ZWÖNITZ i. Erzgeb., 520 m
(Ziegenberg, 651 m).
Isergebirge.
HIRSCHBERG i. Schl.
KRUMMHÜBEL i. Riesengeb.,
650—680 m.
SCHMIEDEBERG i. Riesengeb.,
440 — 700 m.
SCHREIBERHAU i. Riesengeb.,
450—900 m.
WARMBRUNN.
LÜDENSCHEID.
Sauerland.
WINTERBERG, 842 m.
Eifel
ADENAU (Hohe Acht, 746 m;
Nürburg, 678 m).
BLUMENTHAL, 380 m.
CALL, 376 m.
DAUBENSCHEID, 615 m.
DAUN, 400 m.
GEMÜND, 338 m.
HEIMBACH, 220 m. ;
HELLENTHAL, 400
HOLLERATH, 6ia m.
HOHES VENN, 692 m.
MONTJOIE, 500 m.
MÜNSTEREIFEL, 350 m.
PAUSTENBACH, 540 m.
REIFFERSCHEID (Kreis
Schladen), 435 m.
RESCHEID, 630 m.
SCHNEIFEL, 670 m.
SCHÜLLER, 557 m.
\. VOSSENACK, 400 m.
Die
RMERIKR-MÜAIMER
(diesjährige grosse englische Ausgabe
der „Deutschland“) ist, soweit der
Vorrat reicht, einzeln zu beziehen
zum Preise von 1 Mark (zuzüg¬
lich 30 Pfg. Porto); für Abonnen¬
ten der „Deutschland“ ermässigter
Preis 50 Pfg. (zuzüglich Porto).
Verlag der Zeitsclirift „Deutschland"
Telephon 8757 Düsseldorf Postfach 444.
Theater, festliche und sportliche
Veranstaltungen, Kongresse etc.
Die Bayreuther Festspiele werden, wie aus München
gemeldet wird, nach endgültiger Feststellung auch im nächsten
Jahre stattfinden, und zwar in der Zeit vom 22. Juli bis ao. Augueh
Zur Aufführung gelangen „Meistersinger“, „Parsival“ und der
„Ring“. Wie man hört, sollen die Preise erhöht werden.
Ausstellungen.
Internationale Wi ntersport - Ausstellung in
Friedrichroda. Die Anmeldungen zu der vom 25. November
bis 5. Dezember stattfindenden Internationalen Wintersport-Aus¬
stellung , veranstaltet vom Wintersport-Verein Friedrichroda,
gehen so zahlreich ein, dass der grosse Kurhaussaal schon
jetzt nicht mehr ausreicht und, um die angemeldeten Aus¬
steller unterzubringen, die an den Saal unmittelbar angrenzenden
Nebenräume belegt werden müssen. Es ist recht erfreulich,
dass Vonseiten der in Betracht kommenden Aussteller dem Be¬
streben des hiesigen Wintersport-Vereins so viel Beachtung
geschenkt wird, der seinerseits auch alles aufbieten wird, dass
die einzelnen Ausstellungen jede für sich wirkungsvoll ins Auge
fällt. Die einzelnen Kommissionen mit dem Gesamt-Vorstand
sind schon rege tätig, um alle mit der Ausstellung zusammen¬
hängenden Fragen eingehend zu behandeln und rasch zu er¬
ledigen. Während der Dauer derselben sind wieder einige
Vorträge vorgesehen, die den Wintersport, seine Entstehung,
seinen gesundheitlichen Einfluss auf den menschlichen Organismus
usw. behandeln werden.
Bayerische Gewerbes ch au München 191a. Im
kommenden Jahre wird in der Zeit vom Mai bis Oktober in
München eine grosszUgig angelegte Ausstellung stattfinden, die
dem Besucher die hervorragendsten Werke vor Augen führte
die Gewerbe, Handwerk und Industrie in Bayern hervorbringen..
Schon jetzt sind rege Hände an dem grossen Werke, das unter
dem Protektorate Sr. Königl. Hoheit des Prinzregenten steht,
emsig tätig. Die Ausstellungsleitung hat für diese Gewerbeschau
Siegelmarken anfertigen lassen, die von der Amtlichen Auskunft¬
stelle der Königlich Bayerischen Staatseisenbahnen im Inter¬
nationalen öffentlichen Verkehrsbureau in Berlin, Unter- dex^
Linden 14, an Interessenten kostenlos abgegeben werden.
Exzellenz Lingner, der Präsident der Internationalen
Hygiene-Ausstellung, hat der Stadtverwaltung Dresden seinen
Entschluss kundgegeben, die drei bedeutendsten Ausstellunge-
abteilungen: die „Der Mensch“ betitelte, die historische, wissen¬
schaftliche und ethnographische Abteilung zu einem grossen
Hygiene-Museum in Dresden zu vereinigen unter der Voraus¬
setzung, dass der Staat und die Stadt Entgegenkommen zeigen.
Die Halle „Der Mensch“ auf derHygiene-Aus-
stellunginDresden. Je mehr es nach dem Schluss der Inter¬
nationalen Hygiene-Ausstellung zugeht, desto mächtiger wächst
die Zahl der Besucher an. Aus allen Städten und Ländern
kommen täglich Tausende nach Dresden zur Ausstellung, Fürsten,
Staatsmänner, Gelehrte und schlichte Arbeiter, um durch das
wunderbare Material, das dort zusammengestellt ist, Anregung,
Belehrung und Nutzen für das ganze Leben zu empfangen, ehe
59® DEUTSCHLAND ü
55i
Nr. 11
die grosse hygienische Weltschau ihre Pforten für immer
schliesst. Ganz besonders aber wird die Halle für populäre
Hygiene „Der Mensch** mit ihrem prachtvollen, nie gesehenen
Anschauungsmaterial von dem Publikum aufgesucht. Der Zu¬
strom ist hier bereits in der zehnten Vormittagsstunde so stark,
dass die gewaltige Halle täglich mehrmals polizeilich abgesperrt
werden muss. Ein Passieren durch die einzelnen Gänge ist
nur dadurch möglich, dass die Besucher angehalten werden,
nach einer Richtung fortzugehen, und erst wenn eine Anzahl
Menschen die Halle verlassen hat, werden neue Besucher ein¬
gelassen. Vorzüglich bewährt sich dabei die hohe Bauart der
Halle, durch welche die Ventilation bei dem starken Besuch
vorteilhaft unterstützt wird.
Neue deutsche Kunstausteilungen in Südamerika
Die Gesellschaft für deutsche Kunst im Auslande veranstaltet
von Mai bis November nächsten Jahres nacheinander in Buenos
Aires, der Hauptstadt von Argentinien, in Montevideo, der
Hauptstadt von Uruguay, und Rio de Janeiro, der grossen
brasilianischen Hafenstadt, je eine Kunst - Ausstellung von
deutschen Gemälden, Skulpturen und kunstgewerblichen Gegen¬
ständen. Ausstellungsberechtigt sind nur die Mitglieder der
Gesellschaft. Anmeldungen können bis zum i. Dezember d. J.
beim Vorsitzenden, Geh. Reg^erungsrat Platz in Berlin-Friedenau,
erfolgen.
Die Reichs-Regierung hat in die „Ständige Ausstellungs¬
kommision für die Deutsche Industrie** ständige Vertreter
abgeordnet, und zwar das Auswärtige Amt: den Geh. Legations-
rat und Vortragenden Rat Goetsch, das Reichsamt des Innern:
den Geh. Regierungsrat und Vortragenden Rat Albert.
ZI. November bis lo. Dezember ign: In Düsseldorf Flugsport-
Ausstellung.
November igii: In Danzig Erzeugnisse der Majolika-Werkstätte
Cadinen.
1912: In Oberhausen Westdeutsche Gewerbe- und Industrie-
Ausstellung.
23. November ign bis Januar 1912: In Köln Ausstellung der
neuen Entwürfe für das Bismarck-National-Denkmal.
X. Januar 1912: In Rom Internationale Ausstellung für soziale
Hygiene.
Januar 19x2: In Danzig Neuere Gemälde, Studien und Radie¬
rungen von Professor Fritz A. Pfuhle, Arthur Bendrat und
Berthold Hellingrath.
Februar xgxz: In D a n z i g Graphische Arbeiten moderner Künstler.
März xgxa: Handwebereien, verbunden mit Vorführungen der
Technik.
Juli xgxa: In Düsseldorf Städtebau-Ausstellung im Kunstpalast.
Deutschland und das Ausland.
Zum deutsch-französischen Vertrag.
Das ComitdFranco-Allemand eröffnete in Paris am
XX. November seine vierte Jahresversammlung. Der Vorsitzende,
Ren6 Millet, begrüsste in der Eröffnungsrede mit Genugtuung
das deutsch-französische Abkommen über Marokko und den
Kongo vom Standpunkte der gemeinsamen wirtschaftlichen
Interesse beider Länder, indem er die Ueberzeugung ausdrückte,
dass es auch für die kontinentalen wirtschaftlichen Beziehungen
beider Länder von fruchtbarer Rückwirkung sein werde. Von
deutscher Seite sind zum Kongress gegen 20 Mitglieder des
deutsch-französischen Wirtschaftsvereins erschienen, darunter
von seinem Vorstande die Herren Bing (Nürnberg), Vrancken
(Köln), Manes (Frankfurt) und Borgius (Berlin). Die Haupt¬
punkte für die Beratungen des Kongresses sind die von beiden
Vereinigungen bei Handelskammern und anderen wirtschaft¬
lichen Vereinigungen beider Länder unternommene Untersuchung
über Wünsche und Verbesserungen im Warenverkehr beider
Länder, namentlich hinsichtlich der bestehenden Zollverhältnisse,
und die vergleichende Prüfung der auf Veranlassung des
französischen Komitees ausgearbeiteten Pläne Uber den Vogesen¬
durchschnitt. Am Abend vereinte ein Bankett die Kongress¬
mitglieder, wobei der Handelsminister Couyba durch ein Mit¬
glied seines Kabinetts sich vertreten Hess.
Der deutsch - französische Handelskongress,
der vom 10. bis 12. November in Paris getagt hat, gibt in
einem Telegramm an Herrn Fl in sch (Frankfurt a. M.), dem
Präsidenten des deutsch-französischen Wirtschafts-Vereins, seine
einmütige Zustimmung zur Regelung der gegenseitigen Wirt¬
schaftsbeziehungen durch Verträge und seine lebhafte Genug¬
tuung darüber zu erkennen, dass von den bedeutendsten Ver¬
tretern des deutschen Handels eine versöhnliche Kundgebung
über das Marokko - Kongo - Abkommen erfolgt sei. Im Namen
des Kongressbureaus haben die Kundgebung unterzeichnet:
Rend Millet, Gesandter, Präsident; Lucien Coquot, General¬
sekretär des Comit^ Commercial Franco-Allemand zu Paris;
Kommerzienrat Berthold Bing (Nürnberg) und Dr. Borgius,
Generalsekretär des Deutsch-französischen Wirtschafts-Vereins
zu Berlin. .
Der neue amerikanische Austausch-Professor.
In der Berliner Universität hielt am 4. November in Gegenwart
des Prinzen August Wilhelm als Vertreter des Kaisers der
Professor Dr. Reinsch, Staatsrechtslehrer an der Universität
Wisconsin, seine Antrittsvorlesung über das Thema: „Der
neue Nationalismus in den Vereinigten Staaten**.
Der Redner bezeichnete unter dem Namen des neuen Nationalis¬
mus jene Bestrebungen, die darauf ausgehen, den gewaltigen
Industrialismus dieses Jahrhunderts dem demokratischen Geiste
der im vorigen Jahrhundert entstandenen politischen Formen
anzupassen. Unter dem Drucke der in den Trusts verkörperten
grossen Kapitalansammlungen sei im Volke ein politisches Be¬
wusstsein entstanden, vor dem die alte individualistische Theorie
fallen musste. Die Einsicht, dass die Staatsgewalt auch soziale
Aufgaben habe, verbreitete sich mehr und mehr. Der neue
Nationalismus wecke und fördere dieses soziale Denken und
Handeln. Vom Gesichtspunkt dieser modernen Entwicklung aus,
kam der Redner auf die Aenderung der amerikanischen Zollpolitik
auf den Bau des Panamakanals und auf die Friedenspolitik der
Vereinigten Staaten zu sprechen. Zum Schlüsse führte er aus,
wie dankbar das Zusammengehen Deutschlands mit den Ver¬
einigten Staaten auf der Haager Friedenskonferenz und die all¬
gemeine Uebereinstimmung der nationalen Zwecke beider Länder
vom amerikanischen Volke anerkannt werde. Prinz August
Wilhelm zog den neuen Roosevelt-Professor nach dem Vortrage
längere Zeit ins Gespräch.
Eine deutsche Schulgesellschaft hat sich in Port
au Prince gebildet, welche die Errichtung einer Schule für
Knaben und Mädchen beabsichtigt. Da die Beiträge reichlich
zufliessen, hofft man, die Anstalt schon am i. April 1912 eröffnen
zu können. Der Unterricht soll von deutschen Lehrern erteilt
werden und als obligatorische Fächer Englisch und Deutsch
umfassen.
Sir Frank Lascelles, der frühere Botschafter in Berlin,
sprach auf einer Versammlung in Hanley mit ernstem Nachdruck
über die Notwendigkeit, eine bessere Stimmung zwischen
England und Deutschland zu schaffen. Die jetzt bestehende
Verstimmung zwischen beiden Völkern könnte die Ansicht ent¬
stehen lassen, dass man nicht eher ein gutes Einverständnis
und herzliche Beziehungen erhoffen dürfe, als bis die Stellung
beider Völker engültig durch einen Krieg festgelegt sei. Es
liege kein Grund zu einem Zwist vor, es schwebe keine Frage,
die sich nicht dazu eigne, durch Verhandlungen beigelegt zu
werden. Wenn man sich erst einmal von dem Gedanken los¬
gemacht habe, dass jedes der beiden Länder sich in Gefahr
befindet, von dem anderen angegriffen zu werden, dann könne
vielleicht, wenn nicht eine herzliche Freundschaft, doch
wenigstens ein gutes Einvernehmen zwischen beiden
geschaffen werden. Er richte an jede der beiden Nationen die
Mahnung, dahin zu streben, die andere besser kennen zu
lernen. Die bessere Kenntnis werde viel von den bestehenden
Missverständnissen beseitigen.
Deuts che Ueberseer in der Heimat. Bekanntlich
hat das deutsche Kolonialinstitut in Hamburg eine Adressen¬
vermittlung für Angehörige der deutschen Schutzgebiete in
Europa eingerichtet, durch die es unseren „Afrikanern** er¬
möglicht werden soll, während eines gelegentlichen Aufenthalts
in Deutschland oder dem übrigen Europa unter einander und
mit ihren Bekannten in Verbindung zu bleiben bezw. sich zu
linden und finden zu lassen. Auf den zur Ueberfahrt benutzten
Schiffen liegen Listen aus, in denen sie ihre Europaadressen
nebst Zeit und Dauer des jeweiligen Aufenthaltes eintragen
können. Diese Adressen liegen von nun an auch auf der
Geschäftsstelle des Vereins für das Deutschtum im Ausland,
Berlin W 62, Kurfürstenstrasse 105 aus und können von dort
auf Anfrage mitgeteilt werden.
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Nr. 10 1. Jahrgang
Mosel (mit Titelbild Burg Eltz)
der Zeitsehrift „DEUTSCHLAN D“ zu kaufen ge¬
sucht« Adressen erbeten an die Geschäftsstelle
der Zeitschrift „DEUTSCHLAND“ Düsseldorf
-=— Postfach 444
554
DEUTSCHLAND iB €»eeooc»ocxxx»xpoococ i cc ea H
In Cleveland wurde unter zahlreicher Beteiligung von
Deutsch - Amerikanern im Edegwater - Park ein Denkmal
Richard Wagners, ein Geschenk der in Cleveland wohnen¬
den Deutschen an die Stadt, feierlichst enthüllt. — Eine zweite
Denkmalsweihe fand in Syracuse statt, wo ein von Deutsch-
Amerikanern gestiftetes Goethe-Schiller-Denkmal
errichtet wurde.
Verschiedenes.
Naturschutz.
Ueber Naturschutz unter besonderer Berücksichtigung der
deutschen Kolonien sprach in der Deutschen Kolonial¬
gesellschaft, Abteilung Köln, Prof. Schillings (München), der
zunächst ein Bild von der Verwüstung entwarf, die infolge der
Mo de Verirrungen (Tragen von Federn und Vogelbälgen auf den
Damenhüten usw.) der Vogelmord und die Jagd nach Pelzzeug
in der Tierwelt angerichtet hat. Nach einer Feststellung Hagen-
becks sind allein 50 der seltsamsten und schönsten Vogelarten
binnen wenigen Jahrzehnten gänzlich ausgerottet worden. Der
Biber ist in Nordamerika, der Eisbär usw. in den Eisregionen
eine Seltenheit geworden; eine ganze Reihe von Pelztieren steht
auf dem Aussterbeetat, wenn nicht bald ein gesetzlicher Schutz
eingeführt wird. In Amerika, England usw. hat man damit be¬
gonnen, Bestimmungen gegen den bisherigen Raubzug in der
Tierwelt zu treffen, für manche Tier- und Vogelrasse bereits zu
spät; in Deutschland sowohl wie in unseren deutschen Kolonien
fehlen noch Gesetzesbestimmugen gegen Vogelmord und Tier¬
vernichtung. Der Federhandel verliert nichts an Bedeutung, wenn
er auf den Handel mit Straussfedern usw. beschränkt werde, die
von zahmen Tieren in Zuchten gewonnen werden. Wenn die
Damenwelt der Mode des Federtragens und der seltensten Vogel¬
arten entsagen würde, wäre viel für den Naturschutz gewonnen.
Redner empfahl die Unterstützung der Bestrebungen
des Bundes für Naturschutz, Sitz Stuttgart. Den
Schluss des Vortrages bildete eine Reihe von Lichtbildern aus
der Tierwelt und Flora unserer Kolonien. Lebhafter Beifall
wurde dem Redner auch von der stark vertretenen Damen¬
welt zuteil.
Naturdenkmalpflege. Der Leiter der staatlichen Stelle
für Naturdenkmalpflege in Preussen, Geheimer Regierungsrat
Prof. Dr. Conwentz aus Berlin hielt dieser Tage auf Einladung
des Berg^schen Komitees für Naturdenkmalpflege in Barmen
einen Vortrag über „die Erhaltung der natürlichen
Landschaft, ihrer Pflanzen und Tierwelt**. Zu dem
Vortrage hatte die Königliche Regierung in Düsseldorf Vertreter
entsandt; anwesend waren ferner die Vertreter der Stadtverwal¬
tungen von Barmen und Elberfeld, die Spitzen der Behörden usw.
Wie die Köln. Ztg. mitteilt, kann der zahlreiche Besuch als ein
recht erfreuliches Zeichen dafür angesehen werden, dass die für
das Bergische Land so wichtigen Bestrebungen der Naturdenkmal¬
pflege mehr und mehr anerkannt werden. Der einstündige, von
allgemeinen Betrachtungen über die Ursache von Veränderungen
der ursprünglichen Natur ausgehende Vortrag und die Vorführung
der zahlreichen, zum Teil recht eindrucksvollen farbigen Licht¬
bilder gaben ein treffliches Bild von dem, was die Naturdenkmal¬
pflege erreichen will, und von dem, was sie in Preussen, Bayern,
Sachsen usw. sowie dem Auslande schon geleistet hat. Der
Erhaltung des Waldes in seiner Ursprünglichkeit und der Tier¬
welt, besonders der Vogel weit, der gerade neuerdings durch die
Verwendung der Federn und Bälge als Hutschmuck so erndte
Gefahren drohten, galten u. a. die warmen, eindringlichen Worte
des Vortragenden, der mit dem Wunsche schloss, dass die ,
Bestrebungen des rührigen Bergischen Komitees in immer
weitere Kreise dringen und tiefer Wurzel schlagen mÖdttOb
und dass es dem Komitee im Verein mit den Behörden und
der Bevölkerung gelingen möchte, im herrlichen Bergischen
Lande die Schönheiten und Seltenheiten der Natur zu erhalten :
zur Freude der ganzen Bevölkerung und zum Segen des Landes.
Ausgestaltung der Rheinfront in Coblenz. Die
Rheinseite der Stadt wird demnächst bedeutend verändert und
verschönert werden. Der grosse, am Rhein gelegene Qasthof
Bellevue wird abgebrochen und durch einen neuzeitlichen Pracht¬
bau ersetzt werden. Zugleich wird der Gasthof Viktoria abgerissen
und so Platz für eine baldige Erweiterung des Regierungsgebäudes
gewonnen.
Der Dank des Kaisers an die Rheinländer.
An den Herrn Oberpräsidenten wurde nachstehender Erlass
Seiner Majestät des Kaisers und Königs gerichtet mit dem
Ersuchen, ihn sofort in geeigneter Weise zur öffentlichen
Kenntnis zu bringen:
Magdeburg, den 21. Oktober xgn.
Bei meinem Besuche der Rheinprovinz sind mir von der
Bevölkerung in Stadt und Land, alt und jung, hoch und niedrig
wiederum so schöne Beweise herzlicher Zuneigung gegeben
worden, dass ich den Wunsch habe, allen, die dazu beigetragen
haben, meinen Aufenthalt in der Provinz und meine Fahrten
durch dass Land so angenehm zu gestalten, meinen wärmsten
Dank zum Ausdruck zu bringen. Die prächtige Ausschmückung
der Strassen und Häuser vom Palast in der Grossstadt bis zur
Hütte in den Bergen, der patriotische Jubel der Bevölkerung,
die stramme Haltung der Krieger- und sonstigen Vereine, wie
das taktvolle Auftreten der Sicherheits- und Aufsichtsbeamten,
haben mein Herz erfreut und mit den entzückenden Nator-
schönheiten des Rheinlandes unvergessliche Eindrücke hinter¬
lassen. In dem zuversichtlichen Vertrauen auf die treue Gesinnung
und Anhänglichkeit der Rheinländer bin ich in diesen Tagen
von neuem bestärkt worden. Ich ersuche Sie, dies zur öffent¬
lichen Kenntnis zu bringen.
gez. Wilhelm R.
Die erste deutsche Hochschule fOr Frauen
ist am 30. Oktober in Leipzig eingeweiht worden. Die
86jährige Frau Henriette Goldschmidt, der das Zustandekommen -
der ersten Einrichtung dieser Art in Deutschland zu verdanken
ist, hielt die Begrüssungsrede. Oberbürgermeister Diedrich über¬
brachte die Glückwünsche der Stadt. Der Rektor der Universität
Prof. Lamprecht, trat für die Notwendigkeit von Frauenschulen
ein. Für das am i. November beginnende erste Semester, in
dem Universitätsprofessoren Vorlesungen halten werden, haben
sich bereits 500 Damen angemeldet.
Eine weitere neue deutsche Hochschule.
In Düsseldorf wurde die von der städtischen Verwaltung
begündete neue A k a d e m i e für kommunale Verwaltung
durch einen Festakt eröffnet, zu dem die Vertreter der militärischen
und Zivilbehörden, der Rektor der Universität Bonn, der Rektor
der technischen Hochschule in Aachen, Vertreter des Studien-
BERUM HRMBÜRC]
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Das Vollendetste auf dem Qebiete der modernen
Hoteltechnik und des feinen Restaurantwesens.
Nr. II 83099939098009908000000000 ( 1 1 DEUTSCHLAND B 6eeeceeeeGeeeeeoe8 e) ee eo o o o gii 55S
Direktors der Handelshochschule in Köln sowie Vertreter staat¬
licher und kommunaler Verbände erschienen. Oberbürgermeister
Dr. Oehler schilderte in kurzen Zügen, wie ausserordentlich
rasch die Zahl der Aufgaben und Ziele der kommunalen Ver¬
waltungen wüchse und daraus die Notwendigkeit einer umfassen¬
deren Ausbildung der Kommunalbeamten sich ergeben habe, und
gab der Feier die Weihe mit einer Huldigung für den Kaiser.
Regierungspräsident Dr. Kruse überbrachte die Glückwünsche
der Staatsregierung. Weitere Wünsche für das Gedeihen der
neuen Hochschule überbrachten der Rektor der Bonner Universität,
der Rektor der technischen Hochschule Aachen, der Vertreter
der Düsseldorfer Akademie für praktische Medizin und der Ver¬
treter der Handels-Hochschule in Köln, schliesslich die Vor¬
sitzenden des Rheinischen Städtebundes, des Rheinischen Ge¬
meindetagesund desVerbandes rheinisch-westfälischer Gemeinden.
Der Vorsitzende des Direktoriums der Akademie, Beigeordneter
Dr. Most, gab ein Bild der bisherigen Verhältnisse für die Aus¬
bildung der Kommunalbeamten, sprach kurz über die Einrich¬
tung und die Aufgaben der Akademie und teilte dabei mit, dass
bis jetzt 123 ordentliche Hörer eingetragen seien, darunter 60,
die akademisches Studium hinter sich hätten, und dass ausser¬
dem noch 32 Gasthörer sich angemeldet hätten. Die Festrede
hielt der Studiendirektor der Akademie Universitätsprofessor
Dr. Stier (Somlo) über kommunale Wissenschaft und kommunale
Ausbildung. — Am gleichen Tage wurden durch eine ent¬
sprechende Feier die Akademischen Kurse für Allge¬
meine Fortbildung und Wirtschaftswissenschaften
in Düsseldorf eröffnet, deren erste Lesungen durch die Beige¬
ordneten Prof. Herold, Dr. Most und Dr. Scholz vor überfüllten
Sälen stattfanden. -. ....
Wie aus Schandau berichtet wird, soll auf dem Hochplateau
von Neu-Schandau-Ostrau ein Internationaler Welt¬
sportplatz im Königreich Sachsen geschaffen werden. Auf
einem Gelände von 2 Quadratkilometern ist die Ausübung jedes
Sports mit internationalen Preiskämpfen aller Art vorgesehen.
Auch sollen für Kur- und Erholungszwecke eine Anzahl Muster¬
einrichtungen geschaffen werden und zwar in Verbindung mit
behaglichen Gesellschaftsräumen. Mit dem Weltsportplatz soll
ein allen Nationen zugänglicher Internationaler Weltsportklub
verbunden werden.
Bücherschau.
Der Westerwald von Leo Sternberg. Ein stattlicher
Quartband mit vielen Illustrationen. Der Preis des broschierten
Exemplars beträgt 4.50 Mk., des gebundenen 5.50 Mk. (Düssel¬
dorf, A. Bagel). Mit dieser Monographie wird zum ersten Male
der Versuch unternommen, die fast unbekannten künstlerischen
Werte des Westerwaldes aufzuzeigen, die nicht nur lokales,
sondern das Interesse eines jeden Kunstfreundes verdienen und
sich infolge der volkstümlichen Form der Darstellung allen
Kreisen der Bevölkerung darbieten. Unsere besten Kenner und
Künstler entwerfen ein Bild der bäuerlichen Kultur in Baustil
und Hausgerät, in Volkstracht, Sitte und Landesart, in Sage und
Volksgesang. Das alte bodenständige Steinzeugkunstgewerbe
von Höhr, Grenzhausen und Siegburg, das schon vor Jahr¬
hunderten die Prunkgemächer der Fürsten schmückte, wird von
seinen frühesten Anfängen bis zu dem Zeitpunkte, wo sich
moderne Kunstgewerbler, wie Professor Riemerschmid und van
de Velde, Professor Behrens und Albin Müller, in seinen Dienst
stellten, historisch entwickelt. Die Kruppschen Feingüsse der
Sayner Hütte, Plaketten, Statuetten und Medaillen, werden in
Wort und Bild vorgeführt. Die einheimischen Kirchen, zu
denen baugeschichtlich so bedeutsame Werke der Architektur
wie die Klosterruine Heisterbach und die zu den berühmtesten
gotischen Bauwerken Deutschlands zählende Abteikirche Marien¬
statt gehören, werden samt ihren wertvollen Schätzen an Stein¬
bildwerken, Goldschmiede-, Limoges-, Zellenschmelz-, schmiede¬
eisernen und Schnitzarbeiten zur Anschauung gebracht, ebenso
wie die Schlösser des Westerwaldes, unter denen Friedewalt die
hervorragende Stellung eines der schönsten Renaissancebauten
Deutschlands einnimmt und als ein Vorbild höchster Geschmacks¬
kultur dasteht. Es werden die geschichtlichen Vorgänge beleuchtet,
die den grossen Maler P. P. Rubens mit seiner Geburtsstätte
Siegen und mit dem Hause der Oranier in Dillenburg verknüpfen.
Die heimatlichen Beziehungen des aus dem Wartburgkriege
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Italien, Sizilien. (Sne(^enlan6,
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}lu$lunft erteilen
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un6 feine Pertretungen.
S-Adam, Berlin W.
Leipzigerstr. 27/28 = Ecke Friedrichstr.
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Schrift^teUer de^ Gebietes Vöc Reitibiw^ bis JtüT
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Carmen Sylva fdie Königin von Rumänien). kijtnmen
WÖlte. SorgtllÖge Repr q diikboneti. Gein3ü4^1^ Vön RoiSt
B4utigU}r, Böu^bot, Professor Stejtii&auäesst, Turm und
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»iwu Suchen und trolk?auhiiitt<su, naeh Origluaijceichnungtn der
Maier iJikmewskit Aulm3nll^,/ M (Cassel^ Koch iHonnefi
sjowic dfc leiche Wiedergabe, vori; bis her gröasiealeils ntnfefdffent*
ikibteii Bähernh^^n^etn* Bu«i:^nrKtrcbenlandschaftlichen Motiven»
Kel^uienschfeirient Möbelq^ keraujisebeu £rxe\ig-
Äiaseoi/Blayfärbe; fOTmeitp TrachteabUdem^ Grabplatten* Holi-
etÄlüeni Pläketteti/ Stb^napeten und Eläenbeinschnitzereiea
vereinen ihr eradiöpfend** ^ha*J;hädUfifgstti^teria! mit Texte
313 einem g^ründfegtadcb. küliurdokumettt^ d^h Reiietlden
wid .Ftetiiidaf •■ lief' Njtiuri'ich'Önfe’ifti^’; ddt ■ • VuIkai--
ubit t-^ft<Jerkdttde gieichetW*!^ fesfr-^n wirit-
vWibtdtf ib BaTJilgisn/fa/’ HerautE^ge^ben. Von ditrr
Dabaigei Verfe^H^eiottaJe^ an PfgVSa]batyerlag. DU Brokebürp
euthäil eine sorgtkltiieft U U.bcT ftÜe Kdii^^ert-, Vöftragfeyr
Sport- und sonsiigen VeranstaJtongen, die fOj den kommendeö
Winter in Dauaig: geplant sind.
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Bih f?rbebl^r Hovs?a>betworg^^tät. Nftisff ist in der ^.tadt
, SÜtI. Diij hüt ijP?tmd> boob . hiebt
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giei eilten ; Hetflt. lEüttt üV^ , Wpd rtnscb^^f oder
Töu.riiiUyö; djr-detv ib i'eid diiU AVhld
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und tmti'fknn kdiditrobbi^^^f^en ,A-|uädent' Tiliiit -' ■^)*y.
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■• ■’df!i 5 ,tt?i-i,h-'rft id.rfAnijü tvie i''r'Ejolbfll vor dom giv-
den KuE^tdier, diuvsq ftdi
3 p|Jtßisrf^ imd ahdj dEireij flon vhtuiiL -W
U iVidfl k rdk'rt Völi Et 9 ^ kir:Ub‘ «i aii ke iT d enr :.Ä ii-iirti Uao; ' Ihr
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■aaetifrj^ at-hoh lo 1 1 eh^oitj <;r rts vU'^ und uiit h<i 11 vi3 in:^h'r,uA^b ■•
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ßl^ron imfblnden.
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um -die ^ A'ijn^if: da^
r — dkttt.. dar jihh*t Wrk fit höl. m im aa I*ing;,
daß Bh? hier mn tlvrc^h Jippdtrhisclfen iiflbpü urul
ci«^ den idnai^en veyntlhftiu^^is VVattiernWftcl darstetlt, aeii r%T
^aiiifordirlit ntif) trntKdflm porüB^, warm und trot^d^in ieieht jeder
Btepa^o geWachaC'h und fcrotKden.i i^t. ikdren Sie aut tlCnt
Ifemrnjirkt i [3 in ICölri .^u keTi.l Sifanü J acoh, doi-eelh* Brnmlor
der A*|Uftdönt‘l 3 t?kleliibhU. tlej" thh^ji di«? Bhtailö besaex cTklSren
kAhü, ttis. f<^f^.
Noue Führ»f durch Cbemitit;« hat dar Vereiu ftlt
Fremdem.-Verk^tLf iu ^hemniU; hesratusgegeb^Ti. Pie Idwsier*
Reklsme^ctnift uvie aoeb der grosse Führer zeichnen sich diircli
gute lÜustratiorreh und geechmackvone. kÜhstlecische Aud*:
smUnng aus, —
Driebens R ei se-S.pr aebf ü hrer j,D 15 ut^ dEt -* Hol¬
land iscb'k 6, Auflage p Mark). V'erlagsbnchhfttiiälung Albbri
Goldachriendt, ÖctHe/ W,. SfS- Dass von diesem Sprachführer bereit#
die S. Atdlage eTscheihtj beweist bei der nitiit gii^ögeo A]hsatit
ähnlicher Werkchen iü^ Gehilge* dass «Ich dH&es Vadethfcum
besondere auszeichneh Pie vorhegende Aufgabe bi «J# eia
üeue$ Buch ^ bettacbleti ^ der: XlmfAhg hat ttm Seiten eu^
gKsnommeiy. Öie awehe Ksifte des jfiticlies WihfaBit ein#
SarnraJüng vou Gesprächeo htAhf der PhiVk
einer Wäsch«riu** hsw*) sowie ein iicmlich suiftihiliSche# alphA'
betiijche^Wbrtexvefieichb Eine v0lU;Äadige hoh^dikche Speissc-
kari®: vervoiiÄtähdigi den Inhalt-
Schluss des i'ed-alrti'e^elten ,
mr .jUtJgftt)!-. Ti^'l ; J v a « r ^ c b c m se he r
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Dr. med, Staehly, Direktor Butiöi
unöero Lßser, hiermit be&ouderäi hinweiBen,
Zeltschfift fOr Helniatkunde und Helmdtllebe
Orian (Qr die deubchen Verkehrs-interesen
Mag(fdurß
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Zusammenstellung
günstiger Zugverbindungen
nach und von
den im Bereiche der König!. Sachs.
Staatseisenbahnverwaltung gelegenen
W intersportplätzen.
Nach und von der Sächsischen Schweiz.
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, Ucher Dessau. t Ueber Bebrn-Erfurt. § Ueber Nonlliaiisen. ! Uel)or Halle (Saale) 532. ? Ueber Rödcrau-Falkeiiberfr-Zei bst llli.
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Nach und von Zittau, Oybin, Jonsdorf und Reichenberg.
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4
Wintersportzug, verkehrt
nur
Sonn- und Festtags nach Bedarf nacli vorheriger Bekanntmachung.
e
Uber Dresden. X Uber Bebra-Erfurt. § Über Nordhausen. @ Über Dessau.
? Über Halle (Saale).
! Über Bitterfeld-Zerbst: 1111.
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Der Wintersport in den deutschen Gebirgen!
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Fernblick auf die Tafelbergformen bei Königstein
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Nachtwandel im Erzgebirge (Oberwiesental)
Phot.: E. Ijjel, Dresden)
Sonniger Wintertag im Erzgebirge
DEUTSCHLAND
Zeitschrift für Heimatkunde und Heimatliebe
Organ für die deutschen Verkehrs-Interessen □ Amtliche Zeitschrift des Bundes Deutscher
Verkehrs-Vereine □ Mitbegründet durch den Internationalen Hotelbesitzer-Verein e. V., Köln
♦ ♦
t Bezugspreis für Deutschland X
X und Oesterreich-Ungam 6 M., X
X vierteljährlich 1.50 M,, für das X
t Ausland TOM. pro Jahr zuzügl. X
X Postbestellgebühr — Erscheint X
X Mitte eines jeden Monats Um X
X Juni, Juli und August je zweimal) X
• ♦
Amtliches Organ des Rheinischen Verkehrs-Vereins,
des Sächsischen Verkehrs-Verbandes,
des Verbandes Bergischer Verkehrs-Vereine
und des Verbandes der Verkehrs-Vereine Westfalens.
Druck und Verlag: Düsseldorfer Verlags-Anstalt A.-G.
X Anzeigen - Preis 40 Pfennig X
I die viergespaltene Kolonelzeile X
X -- ■ Reklamen 1.50 M. - X
X -die doppelte Breite- X
X Auf der Umscnlagseite erhöhte X
X Preise — Bei Wiederholungen X
X eine entsprechende Ermälzigung X
Nr. 12
Düsseldorf • Dezember 1911
H. Jahrg.
König Winter.
E r ist lange ein heimlicher König gewesen und sein
Reich, das wie ein weißschimmerndes Eiland zwischen
Z^!J den grünenden Inseln der drei anderen Jahreszeiten
liegt, mußte erst entdeckt werden. Jahrhunderte lang redeten
die Städte vom Winter, aber sie kannten ihn nicht. Sie redeten
von ihm, wie von einem etwas mißratenen Bruder seiner drei
stolzen Geschwister, des Frühlings, des Sommers und des
Herbstes. Aber der Winter tat nur so. Wie der Kalif in
Bagdad, so ging er, als schmutziger Bettler verkleidet, in
den Straßen der Städte umher und hörte mit der gelassenen
Geduld aller wirklichen Majestäten, wie die Menschen über
ihn schimpften und fluchten. Er wußte, sie würden ihn ein¬
mal nötig haben und zu ihm kommen. Und dann würde er
ihnen, den Müden und Gehetzten, Ruhe geben und Schönheit
und Kraft und königlich Gleiches nicht mit Gleichem vergelten»
So kam es denn auch.
Die Entdeckung des Winters als eines für die körperliche
und geistige Gesundheit der in der Lichtarmut und dem
Luftmangel der Städte sich schleppenden Menschheit wird
einmal in einer Kulturgeschichte des 20. Jahrhunderts als
eine Tat von weittragender Bedeutung gewürdigt werden.
Erst spätere Jahrzehnte werden überschlagen können, was
für weite Schichten an Volkskraft gewonnen wurde durch
eine intelligente Ausbeutung der von der winterlichen Gebirgs-
natur gebotenen und solange verschmähten Gesundheitsquellen#
Was staubfreie, wie ein prickelnder und stählender Trank
dem Körper belebende Luft ist, das lernten die Hygieniker
von Beruf erst wieder auf den schneebedeckten und im Sonnen¬
glanz leuchtenden Höhen. Da war die Jagd auf Bazillen
weder so bequem noch so erfolgreich, wie in dem Gemisch
von Straßenstaub, Fabrikrauch, Atmosphären und Tausenden
von Gerüchen und Düften, das der Städter seinen Lungen
während des größten Teils seines Lebens zumuten muß. Wer
nicht schon einmal auf tiefem Schnee im Wintersonnenschein
fast mit inniger Dankbarkeit die Lungen vollgesogen hat mit
der köstlichen, herben, reinen Atmosphäre, der weiß nicht,
was bei der Schöpfung unter Luft eigentlich gemeint war.
Was unsere Jugend beim leichten Gleiten über den weißen
Sammt des Schnee's an Elastizität und Ausdauer wie an
Schlagfertigkeit des Geistes gelernt hat, das wissen am besten
diejenigen Freunde des Wintersports, welche schon als ältere
Semester das nordische Scheit oder den einheimischen Rodel
zu meistern begannen.
Für die deutschen Mädchen und Frauen, deren körperlicher
Tätigkeitsdrang sich im besten Fall auf dem sandigen Tennis¬
platz oder im staubigen Tanzsaal ausleben durfte, war die Ent¬
deckung des Winters fast gleichbedeutend mit einer Rettung.
Anders ist die in jedem Winter stärker werdende Massenflucht
aus Konzerten, Bällen und sonstigen „Vergnügungen" hinauf
in die reine, weiße Einsamkeit der Berge nicht zu erklären.
Die Bereicherung des inneren Lebens der Menschen durch
ästhetische Genüsse, wie sie der Winter, dieser als Plastiker
und Maler, in Form und Farbe gleich große Künstler, seinen
Gästen verschafft, ist nicht bei allen Menschen gleich groß.
Aber auch solche, deren Augen wohl sehen können, aber
noch nicht künstlerisch schauen gelernt haben, was die
Wunderwelt des Winterwalds an Herrlichkeiten birgt, die
kehren immer erfrischt, gereinigt und mit neuem Lebensmut
erfüllt von den weißen Bergen wieder hinab in die grauen
Täler und Städte.
Die Entdeckung des Winters geschah gerade zur rechten
Zeit. Nämlich in einer Periode des Kulturlebens, wo in
Deutschland ein hochentwickeltes Verkehrswesen es auch
Städtern mit nicht sehr großen Börsen ermöglichte, für kurze
Zeit, oft nur über Sonn- und Feiertage, das Neuland einer
unbekannten und unberührten Natur von kraftvoller Gro߬
zügigkeit und stiller Schönheit aufzusuchen.
Es ist dem einstigen heimlichen König und der jetzt an¬
erkannten Majestät ein Hofstaat treuer Vasallen erwachsen
in den Vertretern des von rein sportlichem Geist erfüllten
Skilaufens, Schlittenfahrens und Eislaufens; aber auch in den
Leitern der rein sportlichen wie auch der illustrierten Zeit¬
schriften. Was auf diesem Gebiete die „Deutschland", durch
ihre Eigenschaft als großes Verkehrsorgan wie dazu geschaffen,
in den letzten zwei Jahren an Arbeit geleistet hat, wurde an
vornehmer Einfachheit, künstlerisch geläutertem Geschmack
sportlichem Ernst und wissenschaftlicher Tiefe von keiner
ähnlichen nicht ausschließlich dem Sport oder der Natur¬
betrachtung gewidmeten Zeitschrift übertroffen, und das steht
nicht nur in allgemeiner Erinnerung, es liegt uns auch hier
vor Augen. Die „Deutschland" darf sich rühmen, nicht die
Geringste unter des heimlichen Königs Vasallen zu sein. Und
jede Nummer, die jetzt in den Tagen der sinkenden Sonne auf¬
ruft zu einer Fahrt in die neuentdeckte Welt des Winters, tut
ein Stück Kulturarbeit im Kampfe gegen die Verweichlichung
des deutschen Volkes. Was uns not tut, ist Ruhe, Kraft,
Bedürfnislosigkeit. Einer der größten Erzieher zu diesen
Mannestugenden ist aber unser herber, großer Freund, der
König Winter. a. f.
V ‘Vii“
K
560
DEUTSCHLAND ig K%3e€gjes 6 ^!eeee ^ ^?eeee£^g äi Nr. 12
Auersberg'haus i. Erzg. (Phot.: Franz Landgraf, Zwickau i. S.)
Wintersportplatz Altenberg i. Erzg.
Von sächsischen Wintersportgebieten.
Von Dr. Kuhfahl, Dresden.
Unter den deutschen Wintersportgebieten stehen
die Gebirgszüge, die das Königreich südlich gegen die
böhmischen Kronländereien abschließen, wegen ihrer
leichten Zugänglichkeit,
wegen ihres langanhal¬
tenden Schneereichtums
und ihrer weiten Aus¬
dehnung mit an erster
Stelle. Die dichte Be¬
siedelung Sachsens, die
sich nicht allein mit
kleinen ländlichen Ort¬
schaften, sondern mit
wirklichen Städten und
größeren Industrienieder¬
lassungen bis hoch ins
Gebirge hinauferstreckt,
hat seit Jahrzehnten den
Ausbau von zahlreichen
Eisenbahnen und son¬
stigen Verkehrsmitteln
zur Folge gehabt. Auch
Unterkunft und Ver¬
pflegung steht fast überall
infolge des industriellen
und kommerziellen Ver¬
kehrs seit altersher auf
einer besseren Stufe als
in anderen einsamen
Waldgebirgen. Alle diese
Umstände kommen heut¬
zutage den Wintersport-
freunden ganz von selbst
zugute und ermöglichen
es namentlich, auch
aus größerer Entfer¬
nung rasch und bequem
nach den hochgelegenen
sächsischen Gebirgsge¬
genden zu gelangen. Dazu tritt ferner die weitblickende
und wohlwollende Haltung, die gerade hier in Sachsen
der Staat und die Bahn-Verwaltungen von Anfang an
gegenüber dem Wintersport eingenommen haben; so ver¬
kehren bereits seit einer ganzen Reihe von Jahren durch¬
laufende bequeme Sportzüge und selbst auf den schmal¬
spurigen Gebirgsbahnen
hat man große schöne
Durchgangs-Wagen ge¬
schaffen, die mit beson¬
deren originellen Vorrich¬
tungen zur Beförderung
der Skier oder Rodel¬
schlitten versehen sind.
Die sächsischen Sport¬
gebiete lassen sich für
den Besuch aus größeren
Entfernungen in drei
Haupt-Gruppen zusam¬
menfassen, in die Lau¬
sitzer Berge mit der
StadtZittauals Ausgangs¬
punkt, in die Sächsische
Schweiz und das östliche
Erzgebirge südwestlich
von Dresden und in das
Gebiet um den Fichtel-
bergin derNähe der Berg¬
stadt Annaberg. Jede
dieser Gruppen trägt in¬
folge ihrer geologischen
Gestaltung, ihrer Höhen¬
lage oder ihres Besiede¬
lungscharakters ein ganz
anderes Gepräge, und in¬
folgedessen kann eigent¬
lich jedermann hier je
nach seinen sportlichen
Ansprüchen und finan¬
ziellen Mitteln das Er¬
wünschte mit Leichtigkeit
auswählen.
In der Lausitzer Gebirgswelt, südlich von Zittau,
lernt man eine malerische Verbindung von Sandstein¬
formation und hochragenden edelgeformten Granitbergen
Hörnerschlittenabfahrt von der Peterbaude nach Agnetendorf
■12
562 DEUTSCHLAND Nr. 12
kennen, die dem Schlittenfahrer und Wanderer ebenso
wie dem Skiläufer die verschiedenartigsten Winterbilder
darbietet. Das liebliche Tal von Oybin und die pracht¬
volle gothische Klosterruine auf dem Oybinberge sind
als Perlen sächsischer Landschaft bereits vom Sommer
her genügend bekannt und gewinnen durch Schnee und
Rauhreif natürlich erst recht an künstlerischem Reiz.
Während die Ruine und das benachbarte Gasthaus auf
dem Oybin jedoch auch im Winter nur auf der einen
Felsentreppe zu erreichen ist, finden Rodler und Freunde
des Hörnerschlittenfahrens an dem 795 Meter hohen
Hochwaldberg und beim Dorfe Hain ausgezeichnete
Schlittenbahnen, die bis zur Eisenbahn herabführen.
Da das Hörnerschlittenfahren hier bereits seit ein paar
Jahrzehnten gepflegt wird, so stehen selbst für ängst¬
lichere Gemüter stets sichere Schlittenführer in reich-
Im Elbtal bei Eisgang (i^hot.: J.
lieber Zahl zur Verfügung. Auch an Uebungshängen und
Ausflugsgebieten für Schneeschuhläufer ist kein Mangel.
Wer über solchen winterlichen Vergnügungen die
Annehmlichkeiten der großen Stadt nicht ganz meiden
und nicht in Oybin, Hain oder anderen hochgelegenen
Gebirgsorten selbst wohnen will, den bringt die Schmal¬
spurbahn, die infolge ihres starken Verkehrs dem¬
nächst sogar zweigleisig ausgebaut werden muß, binnen
25 Minuten nach Zittau herab.
In der Sächsischen Schweiz, die im Sommer mit
ihren romantischen tiefeingeschnittenen Felsschluchten,
ihren seltsamen Sandsteingebilden und ihren hoch¬
ragenden Tafelbergen das Ziel vieler Tausende von
Fremden ist, kann von eigentlichem Wintersportbetrieb
zwar kaum die Rede sein, zumal es hier bei dem gleich¬
mäßig milden Klima des Elbtales selten zu einer reich¬
lichen langanhaltenden Schneedecke kommt. Um so
mehr wird aber den Spaziergänger, ähnlich wie am
Oybin, auch in diesen weitgedehnten Sandsteinregionen
die winterliche Veränderung des Landschaftsbildes
reizen. Alle Terrassen, alle Felsbänder und alle die
kleinen Unebenheiten der Sandsteinkolosse zeichnen
sich durch den anhaftenden Schneebelag deutlich ab
und lassen somit gerade diese Eigenartigkeit des viel¬
zerklüfteten Elbsandsteingebirges besonders hervor¬
treten. Gelegentlich kann man jedoch selbst bei
geringer Schneehöhe die steilen Straßen, die das Elb¬
ufer z. B. beim Städtchen Königstein mit den Hoch¬
flächen verbinden, als ausgezeichnete Schlittenbahnen
verwenden; der Fahrweg vom Unterkunftshause am
Großen Winterberge (550 Meter) nach dem Elbdorfe
Schmilka weist sogar auf kurzer Strecke einen Höhen¬
unterschied von mehr als 400 Meter auf und zählt für
Rodler bereits zu den schwierigeren Bahnen. In all den
Berg-Gasthäusem
herrscht deshalb
auch während des
ganzen Winters
ein lebhafter Ver¬
kehr undselbst die
Elb - Dampfschiff¬
fahrt bleibt so
lange im Betrieb,
als es die Eis¬
verhältnisse nur
irgendwie gestat¬
ten. Kommt dann
das Treibeis bei
andauernderKälte
irgendwo auf dem
Strom zumStehen,
so bilden sich
ziemlich rasch
meilenlange zu¬
sammenhängende
Strecken, die mit
Schlitt - Schuhen
oder nach Schnee¬
fall auch mit
Schnee-Schuhen
sicher befahren
Ostermaier) i i ..
werden können.
Das eigentliche Ausflugsgebiet der zahlreichen
Dresdner Wintersportfreunde zählt jedoch nicht zur
Sächsischen Schweiz, deren senkrechte Felswände und
tiefe Schluchten wenig Verlockendes für Skiläufer haben,
sondern liegt westlich davon auf dem höchsten Kamme
des Erzgebirges. Vier Bahnlinien vermitteln den Verkehr
nach Altenberg, Kipsdorf, Frauenstein und Moldau;
länger als vier Monate herrscht hier auf 800 Meter
Seehöhe zumeist der Winter, und die weitgedehnten
Wälder und Hochflächen sorgen dafür, daß man sich
selbst bei stärkstem Massenverkehr sofort in einsamere
Gegenden zurückziehen kann, wenn man Ruhe und
ungestörten Naturgenuß sucht. Der tiefverschneite
Staatsforst mit unberührten weißen Durchschlägen und
wenigen ausgeschaufelten Fahrstraßen gibt dieser
Gegend das Gepräge. Einzelne wirkliche Berggestalten,
wie der Geising, sind in diesem langgestreckten Kamm¬
gebirge sehr selten und ebenso trifft man auf städtisch
Ski- und Ruschelbähn vom Pöhlberge bei Annaberg- im Erzgebirge, Ö42 m (Hofphot.: Albin Meiche, Annaberg i. S.)
Skigelände am Pöhlberghange bei Annaberg im Erzgebirge, CCO—8C0 m (Hofphot.: Albin Meiche, Annaberg i. S.)
564 DEUTSCHLAND Nr. 12
Hain im Winter
geschlossene Ansiedelungen, wie Altenberg und Frauen¬
stein nur in großen Abständen von einander; dagegen
liegen zahlreiche deutsche oder böhmische Ortschaften
auf dem Kamme zumeist in weitzerstreuter Form über
die großen Waldblößen ausgebreitet und geben dem
Wanderer willkommene Rastplätze, ohne den länd¬
lichen einsamen Charakter des Gebirges zu zerstören.
Während man sich im öst¬
lichen Erzgebirge aber immer
noch im Bereiche der ständigen
Feld- und Forstkultur befindet,
und somit die unangenehmeren
Seiten des Winters nur ausnahms¬
weise zu spüren bekommt, macht
uns ein Besuch des Fichtelberg-
gebiets südlich von Chemnitz
mit aller Rauhheit und aller Sturm¬
gewalt, dafür aber auch mit der
vollen zauberischen Schönheit
des deutschen Winters bekannt.
Für die Zufahrt von der Nordseite
her empfiehlt sich die Bahnlinie,
die durch das landschaftlich
reizvolle Zschopautal führt; hier
zwischen Chemnitz und Anna-
berg verkehren im Anschluß an
die großen Schnellzugsverbin¬
dungen vielfach beschleunigte
Sportzüge und die alte Bergstadt
Annaberg selbst, der Hauptort der
weltberühmten Spitzenklöppelei,
bietet mit ihren Hotels und dem
städtischen Gasthause auf dem
Röhlberge (833 Meter) auch ver¬
wöhnteren Gästen gute Unterkunft. Zudem bildet sie
mit ihren Nachbarorten den Knotenpunkt von vier
Eisenbahnlinien, die den Verkehr auch mit den weiter
westlich gelegenen Sportgebieten von Schwarzenberg
und Johanngeorgenstadt vermitteln.
Wer zum höchsten Berg Sachsens, zum 1213 Meter
hohen Fichtelberge gelangen will, bleibt von Annaberg
aus noch eine kurze Strecke weit auf der Hauptlinie,
die sodann über böhmisch Weigert und Kupferberg bei
1100 Meter Seehöhe das Gebirge überschreitet und in
die Gefilde des Egertales bei Karlsbad hinabsteigt.
Von der aussichtsreichen Haltestelle Cranzahl an
benutzt man bis Oberwiesenthal eine Schmalspurbahn,
die nach einstündiger Fahrt unmittelbar am steilen
Nordhange des Fichtelberges
endet. Hier bei Oberwiesenthal,
dem höchstgelegenen Städtchen
Sachsens, mißt die Schneedecke
oft nach mehreren Metern, so
daß man stets am Bahnwagen
die Skier anlegen oder als Fu߬
wanderer dem lebhaften Treiben
an den benachbarten Sprung¬
schanzen und Uebungshängen
aus nächster Nähe Zusehen
kann. Die einheimische Be¬
wohnerschaft, die bereits seit
zwei Jahrzehnten den Skilauf
pflegt, hat es gleichfalls samt
ihrem jugendlichen Nachwuchs
zu einer ausgezeichneten Fertig¬
keit gebracht. Rodler und Hörner¬
schlittenfahrer finden am Fichtel¬
berge, durch die Stadt hindurch
und weit ins Sehmatal oder zum
Bahnhof hinab eine besonders
angelegte, gepflegte Bahn; auch
die Wege am Nordhange des
benachbarten böhmischen Keil«
bergs sind gelegentlich für Rodel¬
schlitten fahrbar.
Neben einigen älteren Gasthäusern im Städtchen
und dem Unterkunftshause des Erzgebirgs-Vereins auf
dem Gipfel des Fichtelberges wird von Mitte Dezember
an auch ein neues großes Sporthotel die Wintergäste
von Oberwiesenthal mit allen erdenklichen Bequemlich¬
keiten aufnehmen können; bei diesem Neubau haben
die mustergültigen, allgemein bekannten Einrichtungen
566 DEUTSCHLAND Nr. 12
des Feldbergerhofes im Schwarzwald als Vorbild gedient.
— Für Skiläufer ist die ganze nähere und weitere Um¬
gebung des Fichtelberges zu Uebungszwecken und
Ausflügen außerordentlich geeignet. Auf
deutscher Seite liegen zum größeren Teil aus¬
gedehnte alte Wälder mit mäßig geneigten,
wechselvollen Abfahrten, auf böhmischem Ge¬
biete dagegen grenzen kahle Hochflächen und
niedrige Kuppen unmittelbar an, während in
kurzem Abstande vom sächsischen Bereiche
der bekannte Steilabsturz des Erzgebirges nach
Süden ins Egertal abfällt und Gelegenheit zu
den schwersten Abfahrten in Menge bietet.
In mehrtägigen Ausflügen läßt sich schlie߬
lich der Erzgebirgskamm nach beiden Rich¬
tungen auf Schneeschuhen entlang wandern
und beispielsweise über böhmisch Gottesgab
und Platten die Gegend der Morgenleithe
(813 Meter) und des Auersberges (1018 Meter)
und weiterhin noch die Umgebung von
Schöneck (800 Meter) und Bad Elster er¬
reichen. An mehr wie einem Dutzend Tal¬
oder Scheitelpunkten trifft man dabei auf
sächsische Bahnstrecken, die nötigenfalls zur
Heimfahrt benutzt werden können. — Solche Fahrten
in den sächsischen Grenzgebirgen werden den Be¬
suchern also während des ganzen Winters und bis
weit in den März hinein den winterlichen Zauber des
deutschen Waldes und den einsamen Frieden der weit¬
verstreuten kleinen Gebirgsdörfer in eindringlichster
Blick vom Fichtelberg auf Keilberg im Erzgebirge
Weise vor Augen führen und vor vielgenannten Mode¬
plätzen den sportlichen Ernst und die Ursprünglich¬
keit der landschaftlichen Umgebung voraus haben.
Wintersport im Riesengebirge.
Von Walther Dreßler, Hirschberg i. Schl.
Grau hängt der Himmel über dem Hirschberger Tale.
Aus den grauen, langsam ziehenden Wolken rieselt es und
der Novemberwind zieht klagend durch die entblätterten
Bäume, deren Aeste im Regen glänzen. Ein einsamer Mann
im Wettermantel und hohen Stiefeln wandert dahin durch
den November¬
regen. Er späht
ab und zu scharf
nach Süden, ob
er nicht die dort
bis fast zur
Talsohle nieder-
hängenden Wol¬
ken mit dem
Blicke durch¬
dringen kann.
Endlich meint er
zu gewahren,daß
dort hinter der
tiefgraublauen
Wand eine selt¬
same Helligkeit
hervorschim¬
mert. Der Mann
schmunzelt und
geht zufrieden
nach Hause.
Am anderen
Morgen beim Er¬
wachen spürt er,
fast noch ehe er
die Augen öff¬
net, daß draußen
Sonne ist. Mit einem Satz aus dem Bett und ans Fenster
— ein Blick nach dem Gebirgskamm — und jauchzend
entringt sich der Brust der helle Ruf: Ski hei II
Wie in rosigem Marmor glitzernd und strahlend unter
dem ersten Scheine der Morgensonne liegt der Kamm des
Riesen-Gebirges
da. Wenn der
Kamm so aus¬
sieht, dann liegt
der Schnee min¬
destens schon
T Meter hoch,
und damit läßt
sich schon etwas
anfangen. Aber
soll man nach
Schreiberhau
fahren und dann
im Hinterwinkel,
im Isergebirge
oder an der
Neuen Schlesi¬
schen Baude erst
einmal tüchtig¬
üben, um den
Beinen und den
Knöcheln lang¬
sam das richtige
Training beizu¬
bringen, oder
soll man vom
Schmiedeberger
Paß nach den
Fichtelberghaus im Erzgebirge
□ □□□
Nr. 12 DEUTSCHLAND 567
Grenzbauden hinauf, wo sich so schön üben und durch den
Hirschgraben so angenehm abfahren läßt, oder soll man gar
von Krummhübel gleich hinauf über den' Hoserweg und die
Oybin: Rodelbahn (Phot.: O. Bohr, Dresden-A)
Prinz-Heinrich-Baude zur Weißen Wiese am Brunnberg, dem
Haupt-Skigebiet des ganzen Kammes?
Denken wir aber einmal, wir hätten die Wahl hinter uns
und ständen nun bereits oben auf dem Brunnberge und ließen
die Blicke nach allen Seiten schweifen.
Dort drüben jenseits des gewaltigen Riesengrundes ragt
das Riesenhaupt der Koppe empor, geschmückt mit einem
herrlichen Hermelinmantel. Nach Nordwesten erstreckt sich
der Kamm. Hoch ragen drüben jenseits des Weißwasser-
und Elbgrundes das Hohe Rad und der Krokonosch empor.
Zwischen ihm und dem Hochplateau der Teufelswiese ziehen
sich wie silberblaue Schatten die Siebengründe nach dem
Elbgrund hinab. Von links schneidet der scharfe Ziegen¬
rücken hinein in das Bild. Im Norden liegt fern, aber klar,
der nördliche
Teil des Hirsch-
bergerTales und
des Boberkatz-
bach-Gebirges;
und im Süden?
sie zwar nicht, aber sie zerfließen, zerflattern in der wärmeren
Luft der Kammhöhe. Und von oben scheint die Sonne auf
das milchweiße Wolkenmeer mit seinen langgestreckten
Wogen. Weit drüben im Westen ragt der steile
Kegel des Jeschken wie eine felsige Klippe aus der
weiten Fläche auf. Der Riesengebirgskamm selbst
aber blitzt und funkelt in Millionen von demantenen
Lichtern. — — —
Diese ganze Herrlichkeit, deren Einzelheiten man
in Jahren nicht auskostet, weil sie immer wieder neu
sind, hat uns der Schneeschuh erschlossen. An¬
fang der neunziger Jahre war es auf preußischer Seite
der Hauptmann a. D. Vorwerg, der der Riesengebirgs-
bevölkerung den Schneeschuh förmlich aufzwang*
Aber noch lange dauerte es, etwa bis zum Jahre 190C'
ehe ein wirklicher Skisport im Riesengebirge entstand.
Vorher freilich gab es auch schon einen Sport, den
des Hörnerschlittens. Früher allerdings, zu der Zeit,
wo man jemand, der zum Vergüngen ins winterliche
Gebirge gegangen wäre, für toll gehalten hätte, diente
der Hörnerschlitten keineswegs dem Sport, sondern
nur der Holzabfuhr, wie eins unserer Bilder zeigt.
Erst zu Anfang des vorigen Jahrhunderts werden
Schlittenparlien erwähnt, und zwar nur auf der Grenz¬
baudenbahn. Viel später erst kamen die übrigen
Bahnen in Betracht. Noch heute ist der Hörner¬
schlitten stark im Gebrauch und wird es wohl überhaupt
bleiben. Einem eigentlichen Sport dient er nicht, denn man
ist selbst dabei ganz untätig, und der Führer treibt eben¬
sowenig Sport, denn das gehört zu seinem Beruf, wobei
übrigens gleich bemerkt sei, daß man die Leistungen dieser
Hörnerschlittenführer nicht hoch genug einschätzen kann.
Aber der Hörnerschlitten kann doch selbst Sportschlitten
sein, sobald man ihn nämlich selbst führt, und dann macht
er großes Vergnügen, fast noch mehr als der Rodel. Das hat
sich im preußischen Gebirge noch nicht recht eingebürgert,
wohl aber im österreichischen, wo wir bei den Wintersportfesten
stets Hörnerschlitten-Wettrennen haben, und zwar von Lieb¬
habern, während auf der preußischen Seite bis jetzt nur die
berufsmäßigen Schlittenführer ein Rennen für sich haben.
Diese erzielen
dann, ebenso wie
die österreichi-
schenLiebhaber-
führer ganz er¬
staunliche Ge¬
schwindigkeiten
und übertreffen
den Rodel ganz
erheblich. Bei
einem der letz¬
ten Wintersport-
feste in Krumm¬
hübel übertraf
zum Beispiel der
„langsamste"
Hörnerschlitten¬
fahrer immer
noch den schnell¬
sten Rodler. —
Wirhaben heute
im eigentlichen
Riesen - Gebirge
folgende Schlit¬
tenbahnen: Von
derNeuenSchle-
sischen Baude
aus führt eine
Johanngeorgenstadt im Winter
Ein einziges
riesigesMeerbis
an den Horizont I
Ein Wolken¬
meer, aber von
einer so gewal¬
tigen Größe in
seiner Ausdeh¬
nung und mit
seinen Wogen¬
kämmen, wie die
See selbst. Nur
das Brausen der
Brandung fehlt,
— diese selbst
ist da. Langsam
rollen die mäch¬
tigen Wogen¬
kämme heran an
den Kamm und
hier zerschellen
568 DEUTSCHLAND Nr.I2
Eibenstock im Erzgebirge
doppelgleisige, ständig gepflegte schöne Bahn nach Schreiber¬
hau ; ihr entspricht auf der österreichischen Seite die
Bahn von der Wosekerbaude nach Herrachsdorf-Neuwelt.
Die Bahn Alte Schlesische Baude—Schreiberhau ist erst
seit dem Winter 1910/11 angelegt und hat den Vorzug,
daß kein starker Verkehr auf ihr herrscht, was in der Regej
störend wirkt. Dann kommt die Bahn von der Peterbaude
nach Agnetendorf-Hermsdorf (Kynast), an die sich an der
Peterbaude die Bahn nach Spindelmühle anschließt. Zeitig
hinauf zur Baude, hinab nach Spindelmühle, wieder hinauf
zur Baude und hinab nach Agnetendorf, — das ist eine präch¬
tige Tagespartie. Es folgt die Spindler-
baudenbahn, die allerdings nur in ihrer
oberen Hälfte eine sausende Abfahrt ge¬
stattet, die aber verführt zu der schönen
Rundtour: Aufstieg zur Spindlerbaude, Ab¬
fahrt über Leierbauden nach Spindelmühle,
Aufstieg zur Peterbaude und Abfahrt nach
Agnetendorf-Hermsdorf. Nun kommt die
äußerst stark besuchte, landschaftlich und
technisch prächtige Bahn von der Prinz-
Heinrich - Baude über den Hoserweg nach
Krummhübel. Sie erfordert eine Halbtags¬
partie, doch steigen viele am Nachmittag
nochmals von Krummhübel bis zur Schlingel¬
baude in der Mitte der Bahn auf, um wenig¬
stens diese prächtige Fahrt nochmals zu
genießen. Und die letzte ist die Grenz¬
baudenbahn, die neuerdings wieder sehr
schön hergerichtet ist. Alle diese Bahnen
haben die große Annehmlichkeit, daß an
ihrem unteren Ende Eisenbahn oder Elek¬
trische auf den Wintersportler warten, um ihn nach Hause,
wenigstens nach Hirschberg zu bringen. Aber auch nach
Breslau und Görlitz gelangt man an demselben Abend.
Das Rodeln ist sehr leicht zu lernen. Aber die Verhält¬
nisse sind manchmal doch schwierig. Es herrscht nämlich
verhältnismäßig häufig Föhn im Riesengebirge, der die Ober¬
fläche des Schnees schmilzt. Bald darauf tritt wieder Kälte
ein und nun hat man auf einmal vereiste Gebirgswände und
vereiste Schlittenbahnen. Dann gilts, sich recht sehr in acht
zu nehmen. Ein „durchgegangener" Sportschlitten ist schwer
wieder in die Gewalt zu bekommen, wenn Kraft und Uebung
fehlen. Dann kann es Katastrophen geben, indem man an
einen Baumstamm oder an einen Felsen geschleudert wird,
und mit bloßen Kontusionen geht dann die Sache kaum ab.
Immer mache es sich der Anfänger bei harter Bahn zur Regel,
die Füße nicht von der Bahn zu nehmen und die volle ge¬
nagelte Sohle bei lockerem Knie schleifen zu lassen. Und
nie sollte der Anfänger eine zweite Person mit auf den
Schlitten nehmen; er übernimmt damit eine gar zu große
Verantwortung. Der Schlitten mit zwei Personen saust mit
viel größerer Wucht zu Tale und ist deshalb viel schwerer
zu halten als der einsitzige Schlitten, be¬
sonders wenn die Bahn hart ist. Es sind
jeden Winter Unfälle zu verzeichnen, aber
nur deshalb, weil Ungeübte auf vereister
Bahn abgefahren sind. Zwar haben wir
bei den Sportfesten stets Wettfahrten von
Zweisitzerrodeln, aber dann können eben
beide gut rodeln. Auch zum Rodeln, so
leicht es zu lernen ist, gehört eine gewisse
Uebung im Rodeln selbst und in der Be¬
urteilung der Schneeverhältnisse usw., wenn
alles glatt abgehen soll. Sonst ist im all¬
gemeinen das Rodeln die bequemste und
ungefährlichste von allen Sportarten.
Aber der König des Gebirges ist nun
doch einmal der S ch n e e s ch u h. Auf ihm
kann man dem Gebirge bis in die innersten
Falten seines Herzens hinein kriechen, und
zwar erschließen sich seine Schönheiten
gerade dem, der mehr Tourenläufer als
Sportläufer ist. Freilich muß der Touren¬
läufer auch geschulter Läufer sein, und nicht nur das, sondern
er muß auch das winterliche Riesengebirge gut kennen, sonst
kann er unter Umständen in einsamer Gebirgswildnis, in der
Dunkelheit oder im Schneesturm in Lagen kommen, die recht
peinlich sind, recht peinlich.
Zunächst also gilt es, den Skilauf zu erlernen. Da ist es das
Beste, sich an einen leistungsfähigen, größeren Skiverein anzu¬
schließen, der gute Lehrer besitzt, und einen oder zwei Kurse
energisch durchzumachen, damit man mit der eigentlichen
Technik vertraut wird. Das Weitere gibt dann die Uebung.
Rennerbaude
570 DEUTSCHLAND Nr.l2
Kresta-Run sind sie allerdings nicht, und hoffentlich wird das
auch nicht eingeführt werden. Landschaftlich und technisch
besonders ausgezeichnet ist die Bobbahn „Kronprinz"' in Ober-
Krummhübel, aber auch die anderen Bahnen liegen schön
und alle werden von Winter zu Winter je nach den Erfahrungen
und Vergleichen ständig verbessert. Es liegt eine außer¬
ordentliche Schneid in solch einer Bobfahrt. Gelegentlich
kommt wohl einmal eine Entgleisung vor, wie auf einem
unsererBildergut zu
sehen ist, wo der
Bob über die Ueber-
höhung der Kurve
hinausgesaust ist,
aber passieren tut
dabei nicht allzu¬
viel. Der Bob ist ein
prächtiges Sport¬
instrument, und wer
das Frohgefühl, mit
dem man nach
der blitzgeschwin¬
den Fahrt vom
Schlitten aufsteht,
noch nicht kennt,
der sollte sich doch,
selbst wenn er
kein richtiger Bob¬
mensch werden will,
ruhig einmal einem
solchen Schlitten
anvertrauen, das
heißt nur dann,
wenn Lenker und
Bremser erfahrene
Leute sind.
Aber der Bob ist
ein reines Sport¬
instrument. Er ist
nur geeignet, auf
einer verhältnismäßig, auch der Länge noch, begrenzten Bahn
eine rasende Fahrt zu erzielen. Er ist nicht geeignet für den
Naturgenuß. Er gleicht dem Automobil, daß nur zu ‘mög¬
lichst rasender Fahrt verwendet wird. Deshalb gehört auch
nach meiner Ansicht der Bob nicht auf die Landstraße. Wenn
auf den geneigten Chausseen, wie sie durch Schreiberhau und
Krummhübel gehen, ein Bob angesaust kommt, so hat er
geradezu die Tendenz der Vernichtung alles dessen, was ihm
im Wege steht. Und das ist mit dem Recht auf Verkehrsmög¬
lichkeit, das die übrigen Menschen denn doch schließlich haben,
nach meiner Ansicht nicht gut zu vereinen. — Skeleton und
Rennwolf haben sich im preußischen Riesengebirge noch nicht
recht einbürgern können. Den letzteren sieht man zuweilen,
aber nicht entfernt so häufig wie auf der österreichischen Seite.
Ich will gegen den absolut reinen Sport im Grunde nichts
einwenden, denn auch er wirkt erzieherisch, aber im übrigen
ist doch wohl das Ideal, daß das Sportgerät ganz allgemein
die Fähigkeit verleiht, den schwierigsten praktischen Anforde¬
rungen gerecht zu werden und zugleich den intensivsten
Naturgenuß zu ermöglichen. Und in dieser Hinsicht wird
wohl, wenigstens auf dem Gebiete des Wintersports, der
Schneeschuh immer an erster Stelle stehen. Gerade im
Riesengebirge bietet sich dem, der nicht ständig bloß
an eine möglichst schneidige Abfahrt denkt, Gelegenheit, Dinge
zu schauen, zu deren Genuß die übrigen Sterblichen
nicht kommen.
Schon die Skitouren durch die Vorberge bieten
hervorragende Genüsse. Die gesamte nähere Um¬
gebung von Schreiberhau, die Waldregion oberhalb
von Hain und Baberhäuser mit Thumpsahütte und
Brodbaude, die Grenzbaudengegend nach Schmiede¬
berg zu, der Landeshuter-Kamm, — überall findet
man prächtige Gelegenheit zu Skitouren, die beson¬
ders als Training für die späteren Kammtouren sehr
zu empfehlen sind.
Der Riesengebirgskamm selbst bietet vor allen
Dingen zwei ideale Uebungsgebiete für den Schnee¬
schuh: die Umgebung der Wiesenbaude und die der
Elbquelle. Hier hoben wir zwei mächtige Hochplateaus,
die von Kuppen umgeben sind, deren Hänge präch¬
tige Uebungsabfahrten ermöglichen, Schwünge und
Sprünge, Stemmbogen und Bremsfohrt, kurz, alle mög¬
lichen Einzelheiten der Skitechnik lassen sich hier
ausgezeichnet erproben, und die endgültigen Abfahrten
sind sehr verschiedenartig, aber stets von hervorragen-
Kleine Schneegrube, Schneegrubenbaude und Hohes Rad (Phot.: R. Neumann, Warmbrunn)
Nr.l2 DEUTSCHLAND 571
dem Interesse, sowohl nach der preußischen wie nach der
böhmischen Seite zu. Der Kamm zwischen diesen beiden
Gebieten bietet wohl einzelne Stellen, an denen man seine
Freude haben kann, aber vielfach ist auch das Gegenteil
der Fall. Deshalb muß man den Kamm mit seinen Abhängen
sehr genau studieren, ehe man die schönsten Skitouren
herausbekommt. Jedenfalls läßt sich eine Fülle von solchen
Touren zusammenstellen. Kennt man das Gebirge gut, so
Schneekoppe vom Brunnberg aus
hat man überhaupt die Qual der Wahl. Aber auf einen als Schneesturm
Punkt muß hier aufmerksam gemacht werden.
Der Nordabhang des Riesengebirges nach Schlesien zu
ist im allgemeinen eine ziemlich steile Wand. Als Abfahrten
bieten sich zunächst die Schlittenbahnen dar, aber auf einer
Schlittenbahn, besonders auf einer stark benutzten, abzufahren,
hat seine Schattenseiten, weil der starke Verkehr hindert und
wegen der Schlittengleise eine richtige Bremsstellung
selten möglich ist. Da ist es schon besser, wenn
man sich andere Abfahrten wählt, deren es genügend
gibt. Immer aber muß man auf der preußischen Seite
zwei breite Waldgürtel durchqueren. Man muß durch
den obersten Gürtel, den Urwald, und durch den
unteren, den Nutzwald, und dazu hat man, wenn man
die Schlittenbahnen vermeiden will, und das Gebirge
nicht genügend kennt, einen erfahrenen Skigenossen
nötig, sonst kann man zuweilen, besonders wenn man
zu spät abfährt, in die Dunkelheit und damit in ziem¬
lich unangenehme Situationen kommen.
Infolge von Föhn und darauffolgender Kälte sind
zuweilen die dem Kamme zunächst gelegenen Hänge
verharscht oder vereist, und dann ist große Vorsicht
nötig, insbesondere in der Gegend der Teiche, der
Schneegruben, der Kesselgruben, der Seifengrube, im
oberen Teile des Klausengrundes, am Brunnberg, in
der Nähe des Riesengrundes, an der Koppe und auf
dem Riesenkamm nach der Seite des Melzergrundes
zu. Dies führt auf gewisse Gefahren, die das Riesen¬
gebirge im Winter immerhin bietet.
In vielen Leuten, die im Winter ins Riesengebirge kommen,
steckt der an sich keineswegs zu verdammende romantische
Trieb, anderswo zu gehen wie die anderen. Aber dann sollte
man sich vorher genau informieren, wie die weniger benutzten
und ungebahnten Aufstiege zum Kamm, um die es sich dann
doch in der Regel handelt, beschaffen sind. Da ist z. B. der
Melzergrund, der, wenigstens in seinem obersten Teile, nicht
gebahnt und der auch sonst gefährlich ist. Bis in den Kessel
hinein, unmittelbar
an die Schneekoppe
heran, geht es noch
ziemlich gut. Aber
beim Aufstieg an
der Wand, wo sonst
der Serpentinenweg
führt, ist schon man¬
chem, der sich die
Sache vorher nicht
genügend überlegt
hatte, himmelangst
geworden.Die W and
ist überaus steil,
ist oft vereist, so
daß der Eispickel
nötig ist, und je
höher man kommt,
desto gefährlicher
wird die Situation,
besonders wenn es,
was oft der Fall ist,
an guter Ausrüstung
fehlt. Setzt nun
noch von oben der
Sturm ein, der aus
dem Riesengrunde
heraufbraust, wohl
gar noch in der
besonders unange-
nehmenEigenschaft
der nicht nur den Menschen schüttelt und
niederwirft, sondern auch noch blendet, so kann man fünf
Minuten von der Riesenbaude sehr leicht ins Wanken geraten
und in wenigen Augenblicken wieder tief unten im Kessel
sein, aber in einer anderen Verfassung als eine Stunde zuvor.
Dazu kommt die Lawinengefahr im Melzergrundkessel. Was
hier die Lawine vermag, zeigt das Schicksal der alten
Bobrennen in Schreiberhau
(Der Bob überschlägt sich, der Bremser stürzt in die Bahn)
572 DEUTSCHLAND Nr. 12
Melzergnindbaude, die unterhalb des Lomnitzfalles 1901
erbaut war und schon im folgenden Winter von einer
riesigen Lawine weggefegt wurde. Dies ist nur ein Beispiel.
Im Gebirge gibt es aber noch eine ganze Reihe von Stellen,
wo Lawinengefahr vorhanden ist, so besonders das Reifträger¬
loch, der Südabhang der Kesselkoppe, selbstverständlich die
Sohlen der Schneegruben, der Südrand des Kleinen Teichs
und der Riesengrund. Vorsicht ist unter allen Umständen
geboten, und deshalb erkundigt man sich lieber in den höher
gelegenen Gasthöfen und besonders in den Kammbauden,
wie die Verhältnisse gerade liegen.
Anfänger im Skilauf berücksichtigen auch oft nicht,
daß sie mit dem zeitigen Hereinbrechen der Dunkelheit
rechnen müssen. Dieser Umstand hat schon öfters zu ver¬
hängnisvollen Situationen mit trübem Ausgang geführt.
Das Riesengebirge muß
im Winter — abgesehen von
dem gewöhnlichen harmlosen
Schlittensport und nicht for¬
cierten und vorher genau
durchstudierten Skifahrten —
durchaus ernst genommen
werden. Aber weiß man ein¬
mal Bescheid, kennt man die
Struktur des Gebirges, ist
man gut ausgerüstet, kann
man seinem Körper etwas
zumuten, dann gibt es auch
kaum etwas Herrlicheres als
solch eine Skitour durch den
majestätischen Winterwald.
Zwei bis drei Meter Schnee
decken den Waldboden. Die
untersten Aeste der Bäume,
unter denen man sonst hin-
wegschritt,zwingen oft zu Um¬
wegen. Die riesigen Wetter¬
fichten, von der Gebirgsbe-
völkerung „Rautzen" genannt,
stehen wie aus mächtigen
Blöcken aufgemauerte Türme
da, ohne jede Bewegung.
Auch der Sturm vermag nicht
an ihnen zu rütteln, es sei
denn, daß er sie gleich völlig
abknickt, was allerdings oft
genug vorkommt. Die kleinen
Bäume dazwischen, der junge
Nachwuchs, sind ganz und gar
vom dichten Schneepelz ein¬
gehüllt und nehmen dabei die
sonderbarsten Gestalten an.
Bald sind es einfache Zuckerhüte oder tadellose Kegel, bald
Gnomen- und Tiergestalten in merkwürdigster Verkrümmung.
Oft glaubt man eine unabsehbare Herde von Tier-Riesen der
Vorzeit vor sich zu haben, die besonders gigantisch und
• unheimlich wirken, wenn der Nebel durch sie hindurchzieht.
Unbeschreiblich ist auch der Anblick, wenn man bei
klarem Wetter so zeitig aufgebrochen ist, daß man schon
hoch oben im Urwald steht, wenn die Sonne aufgeht. Ein
glühendes Rosenlicht verklärt die Bergspitzen, dann den
Kamm. Immer blendender strahlt das Gebirge auf wie tief¬
rosiger Marmor, und auf einmal steht man selbst mitten in
den herabflutenden Feuerströmen, so daß man geblendet die
Augen schließen muß. Späterhin, wenn die Sonne höher
steht, verschwindet die Rosenfarbe und der Wald steht da,
wie geschmiedet aus blaustrahlendem Silber. Rings tiefste
Stille, von oben tönt nur ein leises Rauschen, wenn der
Wind durch die Kronen streicht. Das Wild hat sich tief
hinabgezogen in die Nähe der Dörfer, so daß man keine
Fährten von Rot- und Rehwild mehr sieht, nur die Fuchs¬
spur und die gewichtigen Tritte des Auerhahns, der sich
zuweilen knatternd aus dem Dickicht erhebt, sind zu be¬
merken, oder die Fährte des Hermelins. Wer solche Dingte
richtig genießen will, darf nicht blos Sportmensch sein.
Wer in der Gegend heimisch ist, hat es sich bald zur
Regel gemacht, kein Wetter zu scheuen. Ist’s auf dem Kamm
gar zu unangenehm, kann man ihn immer noch meiden und
im Schutze des Hochwaldes und der Gebirgsmauer trotzdem
die prächtigste Skifahrt unternehmen. Oft aber ist die Sache
so, daß die Wolkenschicht und das schlechte Wetter nur
über dem Tale liegen. Dann taucht man weiter oben aus
dem Nebelmeere heraus, und nun liegt der ganze Kamm
in strahlendem Silberlicht
vor den entzückten Blicken,
während man zu beiden Seiten
über Schlesien und Böhmen,
das unendliche Nebelmeer
überschaut, aus dem sich der
Kamm wie eine gewaltige
langgestreckte Insel aus karra¬
rischem Marmor heraushebt.
Freilich herrscht oft genug
auch Nebel und Schnee¬
treiben. In diesem Falle gelte
als strenge Regel: „Nicht von
der Wintermarkierung, dem
Stangenwege, abweichen I"
Dabei heißt es aufpassen, daß
man die nächste Stange nicht
verfehlt, denn oft ist eine
solche Stange vom Sturme
oder von der Last des Rauhreifs
umgebrochen. Auch durch
einen Sturz, der dem besten
Skiläufer passieren kann, hat
man oft für den Augenblick
die Richtung verloren. Dann
ist eine neue Orientierung
nötig, wobei der Kompaß gute
Dienste leistet. Alles in allem
soll man bei wirklich schlech¬
tem Wetter nicht die Durch¬
führung der Tour erzwingen,
besonders dann nicht, wenn
man allein ist und gar den
Schneesturm im Gesicht hat.
Man vermeide auch den Alko¬
hol, der nur müde macht, so
daß man bei größeren An¬
strengungen mit den Kräften und den Nerven, die man oft sehr
nötig braucht, schneller am Ende ist, als mancher glauben mag.
Zum Schlüsse möchte ich noch auf ein Skigebiet hin-
weisen, das viel zu wenig beachtet wird und doch sehr große
Schönheiten bietet: auf das Isergebirge. Es bietet nicht
gerade Gelegenheit zu imponierenden Abfahrten, abgesehen
von der Flinsberger Seite, aber es ist ein Tourengebiet von
großartiger Schönheit. Diese langen einsamen Waldrücken
bieten Winterbilder von unvergleichlicher Pracht, und auf
den langen breiten Holzschlägen kann man sich stets den Weg
bequem aussuchen. Die Ausblicke im Isergebirge nach allen
Seiten bieten Bilder von einfacher Erhabenheit. — Jedenfalls,
lieber Leser, sehen wir uns zunächst einmal wieder bei einer
der Sportwochen in Schreiberhau oder in Krummhübel-Brücken¬
berg im kommenden Februar. Und was wir von dort aus zu¬
sammen für Touren machen, das werden wir dann schon sehen.
Kleiner Teich mit Baude (Phot.: R. Neumann, Warmbrunn)
Blick vom Reifträg-er nach der Schneegrubenbaude
Wintermarkierung im Riesengebirge an der Veilchenkoppe (Phot.: E. Igel, Dresden)
574 DEUTSCHLAND Nr. 12
Die Ostsee im Winterkleide
Winterbilder aus dem Osten.
Wenn starke Schneemassen zur Winterszeit unsere
Höhen und Niederungen einhüllen, oft in einer Mächtig¬
keit, daß der scherzhafte Vergleich des Ostens mit
Sibirien begründet zu sein scheint und wenn auf unseren
Gewässern die nicht selten meterstarke Eisdecke lastet,
dann greift auch hier alles. Jung und Alt, Mann und
Weib, zu den Geräten des vielseitigen Wintersports.
Rodel und Ski, Eissegel und Schlittschuh, Schlitten und
Segelschlitten treten in Gebrauch; die ersteren in
vielleicht noch stärkerem Maße als in den deutschen
Gebirgen. Wochentags und Feiertags führen die Bahn¬
züge Hunderte in die Berge, an die Seen und an die
Haffe zur Ausübung des Sports und zum Genuß der
Vergnügungen, die nur der Winter bietet. Am meisten
aber tritt in unserer wasserreichen Gegend der Schlitt¬
schuh in Tätigkeit,
der hier nicht nur
Mittel zum Sport
und zu winterlicher
Körperübung, son¬
dern ein Verkehrs-
mittel ist. Unsere
ärmere Niederungs¬
bevölkerung, wie
Fischer, Arbeiter,
Dienstboten — Alt
und Jung — sind
auf den Schlittschuh
als Beförderungs¬
mittel geradezu an¬
gewiesen. Fastjeder-
mann ist im Besitze
eines Paares soge¬
nannter „Holländer"
und einer Eispieke
(zu schnellerer Vor¬
wärtsbewegung, zum
Absuchen brüchiger und zum Ueberspringen offener
Stellen). Die „Holländer" sind Schlittschuhe, die sich
besonders zu langen Touren auf unebener Eisfläche
eignen. Auch Sportsleute benutzen diesen Schlittschuh¬
typ zu längeren Touren und mit Kompaß und Taschen¬
laterne und mit der zwei Meter langen Eispieke, die gar
nicht so leicht zu handhaben ist, gehts dann hinaus
auf die viele Kilometer langen Eisflächen.
Aber noch eine andere winterliche Sportsfreude
bietet der Osten und diese ist typisch für diese Gegend:
der Segelschlitteni Der Segelschlitten ist ebenso
wie der Schneeschuh und die Schlittschuhe eine Er¬
findung des praktischen Lebens. Zuerst waren es wohl
Fischer, die in gewöhnlichen Booten Fahrten auf dem
Eise unternahmen und erst seit etwa 20 Jahren hat
sich auch der Sport des Eisjachtsegelns bemächtigt.
Auf den Haffen im Osten ist die Eisjacht ein unum¬
gänglich notwendiges Verkehrsmittel. Während die
Anwohner der Binnenseen auch im Winter ohne be¬
sondere Schwierig¬
keiten ihre Bedürf¬
nisse heranschaffen
und ihre Erzeugnisse
absetzen können,
sind die Nehrungs¬
bewohner von aller
Welt abgeschlossen,
sobald der Winter
seinen Einzug hält.
Die Haffe sind be¬
kanntlich recht tük-
kische Gewässer so¬
wohl im Sommerwie
im Winter. Bei ihrer
geringen Tiefe, 4 bis
7 Meter, erzeugen
bei eisfreiem Wasser
Stürme nur kurze
Wellen, Wellen, die
nicht weit ausrollen,
sondern übereinan-
derschlagen. Dieser kurze Wellenschlag hat schon viel
Unheil angerichtet; und was schon mancher bitter emp¬
funden hat: er macht seekrank. Im Winter frieren die Haffe
schnell zu. Wenn dann nach erheblichem Wasserzufluß
Fischer erwarten mit ihren Segelschlitten die Fahrgäste
Nr.l2 DEUTSCHLAND 575
aus den Flüssen das Wasser steigt und der Frost
anhält, so erhält das Haffeis Risse, die sich kilometer¬
lang ausdehnen. Mit donnerähnlichem Getöse platzt
das Eis und die sich bildenden Spalten sind 3 bis
6 Meter breit. Friert das Haff bei hohem Wasser und
dieses fällt, so bekommt das Eis ebenfalls Risse und
die Schollen türmen sich zu langen Barrikaden auf.
Beides, die Risse wie die Schollenfelder, machen zu
ihren Zeiten den Verkehr über das 10 Kilometer breite
Haff sehr gefährlich. Für den einzelnen Menschen, der
wagemutig und mit den Eis- und Wetterverhältnissen
vertraut ist, ist das Passieren der Haffe ja auch möglich;
die Risse werden an den schmalen Stellen mit Hilfe
der Eispieke übersprungen. Nahezu ausgeschlossen
anzupassen. Das Boot wurde auf Schlittenkufen be¬
festigt, und so jagte es mit geschwellten Segeln vor
dem Winde mit Schnelligkeit übers Eis, und an offenen
Stellen tat es als Boot seine Schuldigkeit. Für die
heutigen Bedürfnisse wird der Segelschlitten natür¬
lich besonders gebaut. Das Boot ist flacher als die
Fischerlomme — etwa 37.2 bis 4 Meter lang und in
der Mitte 2 bis 2 V 4 Meter breit. Es ruht auf zwei
je IV 4 Meter langen, starken, mit Eisen beschlagenen
Kufen. Eine dritte Kufe, am Hinterende ist beweg¬
lich und dient zugleich als Steuer. Getakelt ist der
Segelschlitten wie die Lomme, mit Groß-, Gaffel- und
Stagsegel. Sieben bis neun Personen kann der Schlitten
aufnehmen und bis zu 30 Zentner an Last laden.
Mit den Segel¬
schlitten können
große Schnellig¬
keiten erreicht
werden. Das Haff
wird bei gutem
Wind in 8 bis
10 Minuten ge¬
kreuzt. Diese
Segelschlitten¬
fahrten erfreuen
sich großer Be¬
teiligung und von
weit her kommen
die Leute, um
sich den eigen¬
artigen Genuß
einer solchen
Fahrt zu gönnen
und einen Tag
am pittoresken
Gestade der Ost¬
see im Winter¬
kleide zu ge¬
nießen. Es kann
aber auch anders
kommen, so daß
man im Segel¬
schlitten ohne
WindbeiSchnee-
gestöber und Dunkelheit stundenlang auf dem Haffe
kreuzt und froh ist, wieder festen Boden unter den
Füßen und ein Glas heißen „ostpreußischen Maitranks"
vor sich zu haben. L. W.
Die Ostsee im Winterkleide
aber war ein Transport von Gütern: Fischen, Holz und
den Bedürfnissen des täglichen Lebens. Was lag den
Fischern nun näher, als ihr gewohntes Beförderungs¬
mittel, das Boot, auch den Forderungen des Winters
Winterfreuden im Harze.
Von Dr. Witte, Braunschweig.
„Freude am Winter“ ist eine Errungenschaft, die sich
unser Zeitalter — wenigstens für den Bereich Deutschlands
und in dem jetzigen Umfange des Begriffs — auf das Konto
setzen darf; denn trotz aller begeisterten Worte Goethes und
anderer, die in dieser Beziehung ihren Zeitgenossen voraus,
der rauheren Jahreszeit ihre Vorzüge abzulauschen wußten,
stand die breite Masse des Volkes doch stets auf dem Stand¬
punkte, daß eine Nase, die länger als unbedingt nötig in
die bitterböse Winterluft hinausgesteckt wurde, als einzigen
Gewinn einen tüchtigen Schnupfen mit heimbrachte. Un¬
verständige Kinder jubelten wohl in der Aussicht auf Schnee¬
ballschlachten und Schlittenfahren den fallenden Flocken
entgegen; solange die innere Glut für ein Mägdlein die
mangelnden Temperaturgrade ersetzte, tummelten sich wohl
auch die Heranwachsenden seit Klopstocks Zeiten auf der
nicht allzufernen blanken Eisfläche, aber das reifere Geschlecht
flüchtete vor dem grimmigen Mann mit dem weißen ge¬
frorenen Bart unter die Fittiche des wohlversorgten Kachel¬
ofens. Zu kurzen Spaziergängen rafften sich wohl Freunde
der schönen klaren Luft einmal auf, aber reisen — I Das
576 DEUTSCHLAND Nr. 12
Wort erkältete sich ihnen schon im Halse zu einem heiseren
Husten, ehe es in der Winterluft völlig’ gefrieren konnte.
Gereist wurde im Sommer, und die Rucksäcke ruhten in
verdientem Winterschlafe auf dem Grunde der auf dem
Boden verstauten Koffer, und niemand hätte es gewagt, die
friedlich darüber gesponnenen Spinngewebe zu zerstören.
Gott sei Dankl es ist anders geworden. Unser Geschlecht
drückt sich nicht mehr an den Fenstern die Nasen breit, um
den einziehenden Winter vom sichern Port aus zu bewundern,
sondern drängt hinaus und wirft sich mit offenen Armen
dem guten schneeigen Alten an die Brust. Mit der Ruhe
der Eisenbahnbeamten, die einst am Wintersonntagmorgen
die wenigen Reisenden friedlich gewähren ließen, ist es
erbarmungslos vorbei; von Jahr zu Jahr mehrt sich die
Schar derer, die die Sehnsucht nach den winterlichen Bergen
immer wieder schon früh aus
den Federn treibt. Freilich,
unser kurzatmiges Zeitalter,
das als willenloser Sklave von
Auto, Fernsprecher, Elektrizi¬
tät in allen ihren Formen
zu intensivster Tätigkeit ge¬
peitscht wird, hat einen ge¬
sunden Ausgleich durch Reisen
weit nötiger als eine beschau¬
lichere Vorzeit, der ein Reisen
im Winter ein ziemlich uner¬
hörter und unverstandener,
weil weniger nötiger Luxus war.
Und gerade die winterliche
Natur bietet dem modernen
Kulturmenschen das richtige
Heilmittel, das ihm die mo¬
dische Reise im Sommer nur
zu oft nicht gewährt. Wie oft
kehrt der gute Familienvater,
der Frau und Familie zuliebe
im Juli oder August ein Bad
oder eine Sommerfrische auf¬
gesucht hat, zerschlagen von
der Hitze und der nervösen Un¬
ruhe des modernen Fremden¬
gewimmels wieder heim.
Zieht mit uns hinaus in
die winterlichen Bergei Gewiß
ist der Blumen Pracht und
manche Zier des Sommers ge¬
schwunden, und gar vielerlei,
das im Sommer eure Augen
hierhin und dorthin lenkte,
müßt ihr vermissen. Aber
macht Herz und Sinne weit, das
Große in euch aufzunehmen,
das euch hier beschert wird. Ueber das unruhige Vielerlei, das
Kleine und Kleinliche, das Plötzliche und Unvermittelte hat
sich eine nivellierende, weiß blinkende Schneedecke versöhnend
und ausgleichend gebreitet, und ihre großzügigen Linien über
Berg und Baum und Hecke und Haus wirken majestätisch
ruhig auf das Gemüt; das ewige All spricht zu euch mit der
wunschlosen Größe ursprünglicher Schöne, ohne euch durch
anspruchsvolle Einzelheiten abzulenken. Hier verschwindet
Menschenwerk und Kunst, hier spricht eine unberührte Natur
zu dem inneren Menschen ohne Rücksicht auf Zeitalter und
Anschauung. Solche einheitlichen, durch Aeußerlichkeiten
ungetrübten Eindrücke wirken wundervoll beruhigend auf den
Kulturmenschen.
Und glaubt nur nicht, daß diese weiße Ruhe das
Schweigen des Todes sei. Dringt ihr in diesen ehrwürdig
starren Wald, so glaubt ihr in Schneekönigs wunderbares
Reich zu kommen. Wie ganz anders wirken die wuchtigen
Linien der schneebehangenen Tannen, wie tausendfältig
starren die kleinen und großen Kristalle, die auf der
Decke des Bodens, auf Zweigen und an den Stämmen in
unbeschreiblicher Mannigfaltigkeit glitzern und schimmern.
Mit beklommenem Atem schreitest du durch all diese Pracht,
von Schneehang zu Schneehang mit seinen gleich ruhigen und
doch immer verschiedenen Formen, und wenn dem Menschen
je die Erinnerung an die Märchenwelt seiner Jugend kommt,
so ist es hier. Ein viel phantasiereicherer Gestalter und
Künstler aber als die flockenschüttelnde Frau^Holle ist der
Junker Rauhreif, der die feinsten Verästelungen der Zweige
mit blinkenden Körnern und Zacken bestreut, aus harmlosen
Telegraphendrähten armdicke weiße Schlangen macht und
von der Wetterseite her den
Dingen meterlange, zackige
Auswüchse in phantastischer
Auswahl anheftet. Sein eigen¬
stes Reich ist der Brocken;
da verleiht er den Pfählen und
der Schneefläche und den ver¬
hutzelten kleinen Tannen ein
Aussehen, daß man immer
wieder staunt, in wie selt¬
same Gesellschaft man da
geraten ist. Und besonders
wenn, wie häufig, die Nebel¬
fetzen im Brausen des Sturmes
an einem vorbeifegen und sich
mit diesen gespenstischen Ge¬
stalten paaren, dann wird man
leicht zweifelhaft, ob unsere
Altvordern nicht richtiger als
wir diesen Spuk als Hexen und
Wodans wilde Jagd bezeich-
neten. Dann ist man froh,
wenn man schließlich in das
weiße Zuckerhaus des Berg¬
königs auf dem Gipfel durch
einen Schneetunnel hineinge¬
weht ist. Gewaltig packt auch
die weiße Landschaft in dem
bleichen Licht des Mondes, wie
es nur in kalten Winternächten
sich fast taghell und doch wieder
so ganz anders darüber ergießt.
Lieblich aber, unsagbar lieb¬
lich und keusch ist das Bild
des sonnendurchschimmerten
Schneewaldes; mit seinem Meer
von Licht oder besser Lichtern,
seinen Millionen von Nuancen
und Reflexen, die zu einer wunderbaren Harmonie zusammen¬
fließen. Wer je das triviale verachtende Wort von dem lang¬
weiligen Weiß der winterlichen Landschaft gesprochen hat,
wird hier bekehrt in dieser schimmernden Flut von Farben,
die nur in der lichtgeschwängerten Atmosphäre nordische
Mitternachtsonnenbreiten übertroffen wird.
Das Reisen unterliegt der Mode wie alle modernen
Lebenserscheinungen; der Menschenstrom wird bald hierhin,
bald dorthin auf dem Globus umhergezogen. Man steuert im
Kielwasser der Hohenzollern nach Norwegen und folgt jetzt
nach Kräften dem Kronprinzen nach Indien. Gerade im Winter
aber, wo es den wenigsten vergönnt ist, die Flügel so weit
zu breiten, sollte man sich dem beruflichen und gesellschaft¬
lichen Trubel der Wintermonate mit dem ewigen Hetzen so
oft wie möglich entziehen und in der engeren Heimat die
Nr. 12 DEUTSCHLAND 577
Winkel und Ecken suchen, die einem immer wieder um so
frischere Kraft verleihen können, je tiefer man in ihre
Schönheit eindringt und je inniger man mit ihr vertraut
wird. Das flache Land, die Heide kann einem da nicht viel
bieten, aber wir Ansiedler nördlich des Mains haben ja unser
prächtiges Mittel¬
gebirge, und beson¬
ders zieht uns Nord¬
deutsche der am
weitesten vorsprin¬
gende Harz von
allen Seiten zu sich
heran. Gewiß I so
überwältigende Ein¬
drücke vermittelt er
uns nicht wie die
Gipfel und jähen
Schroffen der Alpen,
aber man hat Gott
sei Dank allmählich
solch unfruchtbares
V ergleichen verlernt.
Gerade unsere Zeit
— das zeigt die Be-
wegoing für Heimat¬
schutz, zeigt die Lite¬
ratur und zugleich
die Entwicklung der , t
Kunst — hat erkannt, ^
daß man dem Charakter der einzelnen Landschaft gerecht
werden muß, um ihre Reize voll zu erschöpfen. Wer aber in den
weißen Harzbergen ruhige herzerwärmende Schönheit und
Kräftigung für Körper und Geist sucht, der kommt sicher auf
seine Rechnung. Wer einmal liebevoll in ihre Geheimnisse
eingedrungen ist, den
lassen die Berg¬
geister nicht los.
Immer wieder flüch¬
tet er aus dem All¬
tagsgetriebe in ihr
stilles Reich und
lacht mit ihnen herz¬
befreiend über das
kleinliche Weh und
Ach, das hier keinen
Raum hat.
Wenn der einge¬
rostete Philister sich
nun damit entschul¬
digt — und das ist
die bequemste Aus¬
rede — im Winter
könne man überall
so schlecht hin¬
kommen, so nehmen
wir ein Exemplar
dieser Spezies homo
sapiens, wie sie über¬
all vorkommt, sei
es in Braunschweig,
Hannover, Göttingen
usw., ziehen ihm
Schierke im Harz:
seinen reiz an und
bringen ihn mit tadellosem Zuge nach einem der Einfalls-
^ore des Harzes: Thale, Blankenburg, Wernigerode,
Harzburg, Goslar usw. Er wird sich wundem, wie
schnell und bequem er an dem Fuß der Berge oder mit der
Querbahn schon weiter hinein gelangt ist. Aber wes sollen
wir nun mit dem Manne anfangen, der frierend vor dem
Bahnhofe steht. Eine Fußwanderung ist nicht immer em¬
pfehlenswert, wenigstens wenn man sich durch 50 Zentimeter
Neuschnee hindurcharbeiten muß. Sonst aber sieht man,
besonders Sonntags, eine große Anzahl von Wanderern sich
durch den Schnee
kämpfen; wenn es
lange nicht geschneit
und wenn es gefroren
hat, marschiert es
sich ganz gut auf
der festen Decke.
Richtige Karawanen¬
straßen bilden sich,
auf denen immer
einer hinter dem
andern herpilgert.
Unser Philister aber
würde nur seine
Gummischuhe ver¬
lieren,und so stecken
wir ihn in einen heiz¬
baren Schlitten, der
ihn unter lustigem
Schellengeläute hin¬
aufbringt auf die
Höhen. Ich wette,
auch dieser Teil der
Harz: Schulausflug , . c
^ ungewohnten Expe¬
dition wird ihm gefallen, denn selbst im Sommer endlos
scheinende Chausseen bieten jetzt an Mannigfaltigkeit und
Abwechslung genug, und gar oben entfalten sich die herr¬
lichsten Bilder. Mit Kunst und Tücke führen wir ihn dann
vielleicht an eine tadellose Rodelbahn, wo er unter
dem Schutze eines
sicheren Lenkers teil¬
nehmen muß an dem
lustigen Treiben, das
hier immer zu finden
ist. Der echte Harzer
braucht allerdings
keine großartige
Bahn für sein Rodel
oder Ruschei; jede
abschüssige Straße
in den Ortschaften
gehört dem Rodler
und wehe dem Fu߬
gänger, welcher sich
sorglos etwa auf die
Osteröder Straße in
Clausthal wagt; er
hat da keine Existenz¬
berechtigung. Aber
für Verwöhntere gibt
es jetzt mustergiltig
gepflegte, zum Teil
mehrere Kilometer
lange Bahnen, so bei
Harzburg im Lange¬
tal, bei Hahnen¬
klee vom Bocksberg,
Bobsleighbahn-Start ßraunlage vom
Wurmberg, bei Dreiannen-Hohne, bei St. Andreasberg, Lauten¬
thal, Wernigerode u. a. Nicht vergessen sei die neue Rodelbahn
vom Steinberge nach Goslar hinunter, die durch Länge, Ge¬
fälle und landschaftlichen Reiz Vorzügliches zu bieten ver¬
spricht. Der Bobsleigh, der größere Bruder des Rodels,
578 DEUTSCHLAND Nr. 12
feiert aug’enblicklich seine Triumphe besonders in Schierke, sehnlicher als selbst ein Meister in solchen winterlichen
aber auch andere Harzorte sind im Begcriff, ihm eine Renn*- Künsten zu werden, aber allmählich erwacht in ihm die Er¬
bahn zu schaffen. Es ist keine Fragte, unser Freund hat kenntnis, daß der wahre König' dieser Herrlichkeit der Skiläufer
sein helles Entzücken an solchem Treiben und wünscht nichts ist, dem er einstweilen noch mit neidischen Blicken folgt.
(Schlulz folget.)
Winterliche Brockenbesteigung*en jetzt und einst
(Nachdruck verboten.) Von Verkehrsleiter Schultze, V^emigerode.
Die gewaltige Zunahme der Begeisterung für Winter¬
sport, Schlittenfahrten und Wanderungen hat den Harz¬
orten einen ungeahnten Verkehr in der sonst stillen
Jahreszeit gebracht. Für manchen Kurort ist eine neue
Theresienhöfer Stieg bei Goslar
(Phot.: Bergmann & Co., Wernigerode)
Saison entstanden, die trotz der Kürze in pekuniärer
Hinsicht nicht unterschätzt werden darf. Wer es sich
leisten kann, Tage und Wochen die reichhaltigen Dar¬
bietungen eines Wintersportplatzes, wie z. B. Schierke,
zu genießen, braucht in der Regel nicht mit einem
Goldfuchs zu rechnen. Während im Sommer viele
Menschen zu ihrer Erholung reisen müssen, findet man
im Winter vornehmlich Gäste, die des Sports oder Ver¬
gnügens wegen Winterplätze aufsuchen. — Nicht nur
einmal, sondern häufig werden dann auch
Brockenbesteigungen vorgenommen; die
Schierker Gäste betrachten eine solche bei
klarem Frostwetter als angenehmen Spazier-
gangl Seitdem das Brockenhaus mit Zen¬
tralheizung versehen ist, bietet es in allen
Räumen einen molligen Aufenthalt, was
früher nicht immer der Fall war. Während
jetzt täglich sich Gäste oben einfinden, um
einige Tage auf der Brockenkuppe die
eigenartige groteske Winterlandschaft zu
studieren oder Sport zu treiben, während
Sonntags häufig an 500 Touristen auf
Schneeschuhen oder zu Fuß den Berg er¬
klimmen, vergingen früher Wochen, ohne
daß eine menschliche Seele sich zu der
einsamen Höhe hinaufwagte.
Das Brocken - Stammbuch gibt den
besten Anhalt dafür, denn es ist wohl an¬
zunehmen, daß niemand vergessen hat,
seine Tat für die Nachwelt niederzu¬
schreiben. Natürlich sind es Besucher aus
den Nachbarorten, denn zu unserer Großväterzeiten würde
es ja undurchführbar gewesen sein und als Verrückt¬
heit gegolten haben, von weiter her eine Brockenreise
zu unternehmen. Der Winter 1829 scheint sehr milde
gewesen zu sein, denn das Fremdenbuch weist vier Ein¬
tragungen auf. 4. Januar: Carl Röhrig, Fabrikbesitzer zu
Wernigerode und H. C. Hahne, Verwalter der Glashütte
Jacobsbruch waren heute hier oben und fanden ein
herrliches Winterbild. 20. Februar: Nachstehende Gesell¬
schaft als Landschaftsmaler Crola, Hüttenarzt Dr. Nieter,
Revierförster Haun, Hüttenkontrolleur Brandes, Pastor
Friedrich, Katechat Nieter, Forstaufseher Haun und
Rupach, sämtlich aus Ilsenburg, trafen wohlgemutet mit
kleinen Handschlitten hier ein, erfreuten sich des
schönen Winterbildes und fuhren auf den kleinen Hand¬
schlitten in größester Schnelligkeit nach Ilsenburg zurück.
26. Februar: Verleitet durch vorbenannte Herren unter¬
nahmen heute folgende Personen als Henriette von Hagen,
Clementine von Landwüst, Auguste Haun (das berühmte
Heldenmädchen), Revierförster Haun, Forstaufseher
Haun und Rupach von Ilsenburg eine Brockenreise
und genossen der herrlichsten Aussicht bei stillem
heitern Wetter. Machten auf mehrere Seiten des
Brockens Schlittenfahrten auf Handschlitten und tranken
im Freien den Kaffee. 24. März: Vom herrlichen Wetter
begünstigt, besuchten heute den Brocken Auguste und
Henriette von Hagen, Clementine und Oberforstmeister
von Landwüst, August von Beyer, Julius Rupach und
August Hoppe aus Ilsenburg und genossen einen
sehr schönen Wintertag. — Man sieht aus den Be¬
merkungen, daß der Rodelsport, der zurzeit bei uns
Modesache ist, schon vor 80 Jahren beliebt war.
Winterkurort Braunlage im Harz
Nr. 12 DEUTSCHLAND 579
Zeitiger als in diesem Winter muß 1834 der Schnee
gefallen sein, denn Hofrat Steinberg aus Potsdam
schreibt unterm 24. Oktober: Der Besuch des Brockens
war dies Mal mit sehr großen Schwierigkeiten ver¬
bunden. Wir wateten gestern, von Ilsenburg kommend,
bis über dem Knie im Schnee; wir hatten die größeste
Mühe, uns bei dem furchtbar tobenden Winde aufrecht
zu erhalten. Das Thermometer stand unter Null. Gott
gebe, daß wir heute, wo das Wetter nicht freundlicher
geworden ist, namentlich der Wind fortbrauset und un¬
geheure Schneemassen uns umgeben, glücklich den
Fuß des Brockens erreichen. Meine Begleiter waren
der Herr Postdirektor Schwieger und dessen
jüngster Sohn aus Wernigerode.
Der Winter 1837 scheint ein böser Gesell
gewesen zu sein, denn er brachte dem Brocken
einen ununterbrochenen fünftägigen Schneefall.
Auf der Oberfläche des Brockens lag der Schnee
am 5. April bereits 5 bis 6 Fuß hoch, am Ab¬
hange aber 10—12 Fuß hoch. Am Mittwoch
als den 5. April des Morgens um 9 Uhr war
der Himmel unbedeckt und das Wetter still; die
Sonne ging, viele Figuren bildend, prachtvoll
auf. Bis 10 V 2 Uhr bezog sich aber bei öfterem
Wechsel des Windes des Abends der Horizont
ungemein dicht und um 11 Uhr fing das Schnee¬
treiben an und währte ununterbrochen fort
bis Sonntag, den 9. April, abends 6 Uhr, bei
heftigem Nordost und Nordwestwinde; jedoch
war das Wetter am Freitag und Sonnabend
am ärgsten. Auf der Oberfläche lag nach
diesem großen Schneefall der Schnee nicht viel höher
als vor demselben, da der Wind ihn vertrieben hatte,
jedoch war der Pferdestall und der südwestliche Teil
des Brockenhauses ganz mit Schnee überschüttet und
es hatte der Wind in der südlichen Richtung von dem
Brockenhause, zwischen dem Hexenaltare und Gerlachs-
brunnen, eine Schneewand bis zu 20 Fuß Höhe aufge¬
trieben. Am südlichen Abhange des Brockens, zwischen
demselben und dem Königsberge, hat der Schnee gewiß
40 bis 50 Fuß hoch gelegen, was daraus zu schließen
ist, daß von den ziemlich hohen Tannen, die zwischen
dem Brocken und dem Königsberge stehen, garnichts
zu sehen war. Die 30 bis 40 Fuß hohen Tannen ums
Schneeloch und das tiefe Schneeloch selbst waren ganz
mit Schnee bedeckt und alles eine Glätte und Ebene.
Unter dem 9. Juni findet sich dann noch folgende,
gleichfalls von den ungeheuren Schneemassen Kunde
gebende Eintragung: Da während des ganzen Monats
Mai der Schnee auf den Wegen garnicht weichen wollte,
und dadurch die Gäste am Besuch des Brocken gehindert
t
Hohegeiß im Oberharz: Wintersportplatz (Phot.: C. Greve. Blankenburg)
wurden, so ward vom 1. bis 8. Juni durch 30 Arbeits¬
leute der vom gelben Brink über die Taternstöße, das
Brockenbett und die Heinrichshöhe führende Weg von
10 bis 16 Fuß hohen Schnee befreit und verursachte
es den Reisenden viel Spaß, in diesen langen tiefen
Schneegräben den Brocken ohne Gefahr und Besorgnis
zu ersteigen. — Vom Jahre 1842 waren bereits sechs
Wochen verstrichen, ehe die ersten Brockenbesucher
oben eintrafen. Forstaufseher Oberjäger
Becker, in dessen Begleitung sich noch
der ehemalige Gardejäger Horn, gleich¬
falls aus Ilsenburg, ferner Gymnasiast
Hoffmann aus Gröningen und Baueleve
Rost aus Brandenburg befanden, besuchte
am 13. Februar bei zehn Fuß hohen
Schnee zum ersten Male den Brocken und
sie wurden als erste Gäste des Jahres
1842 oben begrüßt.
Im Jahre 1844 erstiegen am 17. Februar
als die ersten Gäste unter den unsäg¬
lichsten Mühen und Anstrengungen bei
heftigem Schneegestöber und Schnee¬
treiben oft bis an die Hüften in den
frisch gefallenen Schnee versinkend, den
Brocken: O. L. G. Referendar Ziepel und
von Windheim, sowie Auskultator Klewitz,
sämtlich aus Halberstadt. Des Herrn
Brockenwirts Nehse freundliche Aufnahme,
das schmackhafte Abendessen und das
wohnige Stübchen gewährten uns indessen
bald Entschädigung und Erholung in den
Wernigerode im Harz: Rodelbahn (Phot.: Bergmann & Co., Wernigerode)
580 DEUTSCHLAND Nr. 12
gehabten Gefahren. — Einen sehr lohnenden Brocken¬
besuch unternahm am 26. Februar 1845 der Hofkunst¬
händler Ramdohr, Dr. chir. Ramdohr und Partikulier
Brandt, sämtlich aus Braunschweig. Bei 13 Grad Kälte
reisten wir, nachdem vor mehreren Tagen viel Schnee
gefallen war, ab. In Ilsenburg trafen wir den Brocken¬
wirt Nehse, welcher mit uns nach Wernigerode fuhr,
vorher aber einen Boten nach dem Brocken sandte, der
Leute beauftragen mußte,
auf gewissen Stellen Bahn
zu schaufeln. Sonach war
es uns möglich, von
Schierke, wo sich Förster
Hoefer anschloß, in einem
Schlitten, mit zwei Pferden
bespannt, uns durch den
Schnee zu arbeiten. Der
herrlichste Sonnenschein
begleitete uns, ohne er¬
heblichen Luftzug; die
Landschaft bot einen wun¬
derbar reizenden Anblick
dar, vornehmlich entzückte
uns das Bild des reich in¬
krustierten Waldes, dessen Bäume mehr oder weniger
feenhafte Gestaltungen angenommen hatten. Es über¬
raschte uns, zu dieser Jahreszeit eine größere Fernsicht
zu finden als an gleich heiteren Tagen im Sommer.
Der Sonnenaufgang war außerordentlich schön. Wenige
Minuten nachher wurden wir vom Wirt auf das so seltene
Schauspiel einer Fata morgana — hier Brockengespenst
genannt — aufmerksam gemacht, das sich uns auf der
westwärts vom Brockenhause ziehenden Nebelschicht
von einem regenbogigen Heiligenschein umgeben, deut¬
lich darstellte. Wir wünschen allen, die sich durch den
Winter von einer Brockenreise nicht abhalten lassen,
gleiches Glück.
Neujahr scheint auch früher schon, wenn auch in
bedeutend bescheidenerem Maßstabe wie jetzt, auf dem
Brocken gefeiert worden
zu sein, denn der 1. Januar
1847 weist fünf Eintragun¬
gen von Studenten auf.
Mit einem Kuriosum
seien diese interessanten
Mitteilungen beschlossen.
Am 26. Februar 1850 be¬
suchte eine Gesellschaft
von 9 Personen aus Ilsen¬
burg bei heiterem Wetter
und 18 Grad Reaumur
Wärme in der Sonne den
Brocken und trank nach¬
mittags 4 Uhr der Selten¬
heit und der reinen, ange¬
nehmen und windstillen Luft wegen auf dem mit 3—4 Fuß
hohen Schnee bedeckten Wohnhausdache, gemütlich am
Tische sitzend, den Kaffee und fuhr nach herrlichem
Sonnenuntergänge auf kleinen Handschlitten über den
festgefrorenen 8—12 Fuß hohen Schnee nach Ilsenburg
zurück. (Im Nehse'schen Brockenstammbuch befindet
sich die beigedruckte Abbildung dieser Begebenheit.)
Der Brocken am 26. Februar 1850
Sportplatz bei der Clausthaler Windmühle (Phot.: W. Zirkler, Clausthal)
:
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Blankenburg im Harz: Herzogsweg im Rauhreif
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• •
1
••••••
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582 D E UTSCH LÄ:N,:D- iä
NrJ2
Die Verkehrsffiittel und das Reisen in Deutsehland*’.
■ ", Von Dr. A. ?, der L.ey^n, Sertiii.' •: v ' . * ’
der großen deutschen . wesen ayssieht und dafei\:Vök;;allem wie man
■ Öampffe des Norddeiitsc^^^^ Lloyd oder der Hiiinbiirg': lieiite. in peutscHlaod auf den EisehlJalineji zii reisen pflegt..
Anterlka-Ltnle iwm erstefimsl nacK Deiitsckland reist und . Lieber den Post- und TeiegrapheHverkehr nur wenige
dort cioeii läageren Aufenthalt silmuit,- springt sofort ein BeinerkurijfeT)'; Das. Briefporto betragt iiir den einfacheB
großer grundsätjfUchfe CInterscjised fej.det Behandlung der Brief in genz Deutschland 10 Pfg». fm Dctsverfehr S Pfg.
yerkEi5fS3nsfaiien ih;s 4 ineW^%^ ;iDje Befß'rfehmgivun Pflkefen und QeMernt fesönfet?^^
Reich in die fe>t) PcstanWeisiiiigeUtilerner: die: Tclegraphien:': uhd^ Peri»=-
dtistälienföil*: Aosöaiiörö der Post Pri v.iiünterrreitttiuftgeft,., sprecHgehiiliren sind jn"Deutsrhlahd bedeuteod billiger als.
die Eisen.balinen) die TdegrajMieiif dfe-Peruspredher sind su den Vereinigten Staaten,:i.t5aß diese VerkelirCiHUster-
Eigepiuin: /großer,' Aktien-Oe’^^?-;
. seTlsetinfieOj .fef deren^. V
waitung.iBtjd Btetrieb derStaat
einett Janig: .gerifigerä EinfliiB
ansöbt Nör die . Post ist
Bsin-fiesanstalL aber , sie he-
fdrdert aasscliUeSlieh' Briefe
. ündpfiefähaltcheGegcnsfan^^^
die ßeförderung vört Pakedeni
imt! größeren Wertse^dungeu
erföigl Wiedennn dnreS Privat*
: lintenjehBiefi die soig: .E.^reß*
"Geseilscböfteri, , fn Deütscis"-
land sind .die größe'n yerk ehrs-
pnsiälten jjr fen t-iönden - des.
. Stdais:Pi?rfrtHidTeiegr#fe
b nst äi ten gidiöreM ^dpi) Reicbi::
die ^fedAviegonde : Meiffznhl :
■dfer Eisenbahnen den Einzi?p.^r:
sföaten. . nur wenige Privat* ■
bahiivn ;'önd ih^istfe idfe
fUr .den Nahverkehr und d»ai
Verkehr der Städte Und ihfer
Vororte besttiuniten Klein*;
bahnen und Stfafenbahweii
werden ; Von ^
betriebenv: Df«: S ' t.
auf den Filissen, dew Kanälen
und den Seen ist ln iböiden
Irknferh ein frötes, nur IC ;
vereinzeUen. Fklhsu VJkbgabeA ;;
pflichtiges OtiWerbe,^ Oer
Ämerikaßer mit seine« aus¬
geprägt irt^'vidjjajistfeoivenAR'
schauungea steht dem.Siaat.sp* ,
fectrieli mit eiuem''.gewissen
Ufr preuoisawi tviiiiisiv.r ow oifcttinnien Aroriior)
- .iStofUstTiiidsler li?(se)UitVf yUn dirtiimribtti'h'.
bäff geleifttt .werde«, sowohl
für den großen Goschäfismann
ais aueh fqr den klaiiieß Ver-
sendef, wird ;atlgpn.miTj aner¬
kannt.-. Im Deutschen Reich
Waren im .Jahre 1910 40769
poslaüslfliten; sie beförderten
iii diesem Jahre rund 5,8 Mfili-
.^rden Briefe, Werisciuiiingen
: ini ßetrsge von 19,6 Milliarden.
vMarltii anPostänweisiitJgen f ür
I t. MiUiärdew .1?! MUliönen
Mark, änfgegeben Würde« für
.ft Millfa.wien7S MillioneuMark,;
liHpostscbedrVefkehr, der erst.'
idt kurzer JSeit ftingerkhiet
-ist, Waren 45929 Kotitö-Iti*
liaber vorhanden, die Summe
der Gtitsclirifton betrug 5.9
.Mitliarden Mark, die der Last-
schtiften 5.S Milliarde« Markt
an Paketen ohUg iWertangahe >
ginge« 248,8 MiWiOncm Stuck»
an sol chen mit M^ertangalre
P225.1ÖIX) .Stlick , eia,. Die
. T efegrapheH^ und pepn'spredt*
Ihnen iiattftri eine .Länge von
21t}20(.) Kjiöntetor,, die Läage
der Drahte betrug 174.1.90p'
Ktlornefer, Fermtprech-An*
aÖstnUpB:' Waten:, an SStSSÖ
' ;Nlfei;'''nU(: .d«den.-
grofeu 'HäfecB“
.ksKriatädteö : amd die Petn?
sjprech - Ärjstahei! miislfirhHft
yerWaTfetv söfelnr
Mitlirauefi gegenüber. Fr hält ihn ftir: tngtierzfg, -'des^Eetiispro-Choe -lÄt .be5täudei'E^S.p)f^fuii»:auEhi;aittI-
«iLlCkstaödtg . nftd ftieiat.-.-fer Staat, se? wenig gendgt. zu .' detfi. Lilride ZUgewendet,
VerbessenrngeH, zu Portsclifilteiv im Verkehr, Wor ; .v Der Wasserslraßetiverkehr bewegi .itch .auf de«
•sfcii länger «ßs aiifhöH^-vifid’fvmfefafi^ die Tatrt-. -grdßert StrPmeh. det« Rirein, der .Wesef, der.'Eibe, der“
Sachen beträditelt überzeugt sich allerdings, bald seihst, .Qdev, ..der VVeithsei, im Süden atich -aiif der Donau,
daß solche Aflscliaumigco wefligsteiiß hetjtrutaigo^: all diri^eti, zimi Tvil mit erheblichen Koste« voni
mehr bpreebitgt. sind. Aber viciieicht ist es flöik uicht Staate verbosscrlCB SiröiUäii: findet 'Efin fegör ößter-
ganz pberftiissig, wemi wir an dieser Sfelte iittiseren Verkehr slattv. Aotfdem Rhein, ilrizelhen Strecken
Frenfiden ieuseits des >Veltinemts ein gedritrigles Bild PlbeV fRlur loid AVesürr viele« tierrlidi getegeueö
davon geben, wferes |W/:0eol5ciifaßti tnif dem AfOrkefirs- Bi tiiierfseejr daneben lein lebhafter Personenverkehr. Be-
• *> •; AKfBc. uio.i);, "fr-AX ■ '■ ii y-^ : r • 4 in- ^ r i W tt in tst- üi ‘ii.K ■■ Ü - A ti F.nd t ta dü r /' a dia rllr»-
Vsi' Btijf*!* trh'ttvÄ iUf'-Tj.itJ'.-BtV'J-n il'ft'Ä tJtijtffchidtidt’A-ergllcJa^ii
iffA ilfl-n .4rJbt|flkAfjj'Sit;.bi5i3. -liC*! « ur- iilIw.'» "IrriSt^p sl&d kübi 3VÜ äureb-
Nr.l2
DEUTSCHLAND 583
sonders stark ist der Per¬
sonenverkehr entwickelt an
den deutschen Küsten zur
Verbindung der Inseln der
Nordsee (Helgoland, Norder¬
ney, Borkum, Sylt usw.) und
der Ostsee (hauptsächlich
Rügen) mit dem Festlande.
Große und kleine Schiffahrts-
Gesellschaften vermitteln
diesen Verkehr hauptsächlich
in den Sommermonaten, in
denen die Inseln von Bade¬
gästen und Erholungsbedürf¬
tigen aller Art stark besucht
sind. Von allen größeren
Verkehrspunkten im Binnen¬
lande werden direkte Fahr¬
karten für Eisenbahnen und
Schiffe nach den Inseln aus¬
gegeben, während der Ferien
eineReihe von Sonderzügen zu
ermäßigten Preisen gefahren.
Doch dieser Verkehr ist
verschwindend, wenn man ihn
vergleicht mit dem Reise¬
verkehr der deutschen Eisen¬
bahnen. Die deutschen Eisen¬
bahnen hatten am 1. April 1909
einen Umfang von 58216 Kilo¬
metern. Hiervon Waren 54578
Kilometer Staatsbahnen und
vom Staate verwaltete Privat¬
bahnen und 3638 Kilometer
Privatbahnen in eigener Ver¬
waltung. Dazu kommen
9643 Kilometer neben¬
bahnähnliche Klein -
bahnen und 4132 Kilo¬
meter Straßenbahnen.
Das größte Staatsbahn¬
netz ist das vereinigte
preußisch-hessische,das
am 1. April 1911 einen
Umfang von ungefähr
38000 Kilometer hatte.
An der Spitze steht der
Staatsminister,Minister
deröffentlicheArbeiten,
gleichzeitig der Chef
der Verwaltung der
Reichs - Eisenbahnen,
von Breitenbach,
dessen Bildnis S. 582
wiedergegeben ist. Das
Staatsbahnsystem besteht außerdem in den Königreichen
Bayern, Sachsen und Württemberg, den Großherzogtümern
Baden, Mecklenburg-Schwerin und Oldenburg und dem
Reichslande Elsaß-Lothringen, dessen Bahnen Eigentum
des Reiches sind. Die deutschen Mittel- und Klein¬
staaten werden größtenteils von den preußischen Staats¬
bahnen durchzogen. Die Privatbahnen haben nur wenig
bedeutende Netze. Sie liegen
innerhalb der Staatsbahnen
verstreut und können eine
selbständige Verkehrspolitik
nicht führen. Bei dem
überwiegenden Umfang des
preußisch-hessischen in Ver¬
bindung mit dem Reichs-
Eisenbahnnetz liegt es auch
im Interesse der übrigen
Staatsbahnen, mit den preußi¬
schen nahe Fühlung zu halten.
So sind denn auch Verein¬
barungen getroffen über die
Leitung desVerkehrs, die ein¬
heitliche BenutzungderGüter-
wagen (Deutscher Staats¬
bahnwagenverband) und eine
einheitliche Gestaltung der
Tarife für Personen, Gepäck,
lebende Tiere und Güter.
Die großartigen Leistungen
der deutschen Eisenbahnen
bei der Beförderung der
Güter scheiden von unseren
Betrachtungen aus, die sich
nur mit den Einrichtungen der
deutschen Eisenbahnen für
den Personen- und Gepäck-
Verkehr beschäftigen sollen.
Diese Einrichtungen sind
einheitlich für das ganze
Deutsche Reich. Die Beför¬
derung der Personen erfolgt
in vier Wagenklassen, deren
Preise betragen für die
Person und das Kilo¬
meter: 7 Pfg. in der I.,
4,5 Pfg. in der II., 3 Pfg.
in der III. und 2 Pfg.
in der IV. (in Bayern
und Baden als III b be-
zeichneten) Klasse. Zu
diesem Preise tritt noch
die vom Reiche für die
drei obersten Klassen
erhobene Fahrkarten¬
steuer. Für die Be¬
nutzung von Schnell¬
zügen sind feste Zu¬
schläge im Höchst¬
betrage von 1 Mark für
III. und 2 Mark für I.
und II. Klasse zu zahlen.
Die meisten Personen¬
züge führen nur die II., III. und IV. Klasse, die Eil-und Schnell¬
züge teils die I., II. und III., teils nur die I. und II. Klasse.
Schnellzüge, die nur die I. und II. Klasse führen, sind indes
nur in geringer Anzahl vorhanden. Die auch auf den deut-
schenBahnen verkehrenden internationalen Luxus (L-)Züge,
deren Wagen der internationalen, in Brüssel und Paris
ansässigen Schlafwagen-Gesellschaft gehören, führen nur
Stromleitungc Strecke Dessau—Bitterfeld der A.E. G.
Schnellzug Dessau—Bitterfeld der A. E. G.
Schnellzug-Lokomotive Dessau—Bitterfeld der A. E. G.
584 DEUTSCHLAND Nr. 12
die I. Klasse. Für ihre Benutzung ist ein besonderer
Zuschlag zu zahlen. Die Wagen der I. und II. Klasse
haben Polstersitze, die der III. Klasse Holzbänke, die der
IV. Klasse Bänke nur für einen Teil der Reisenden, für
die übrigen sind Stehplätze vorhanden. Diese Klassen¬
einteilung hat für den Amerikaner vielfach etwas auf¬
fallendes. Sie hat sich in Deutschland und den meisten
europäischen Ländern den Bedürfnissen des Verkehrs
und den sozialen Gewohnheiten der Bevölkerung ent¬
sprechend entwickelt. Nur bei einer derartigen Teilung
ist es möglich gewesen, für die minderbegüterten Volks¬
kreise, insbesondere die Arbeiter, so billige Preise zu
erheben, wie sie in der IV. Klasse bestehen. Ein Einheits¬
preis dieser Klasse von 2 Pfg. für das Kilometer entspricht
eine billigere, die aber, soweit bekannt, nur für die
Einwanderer eingerichtet ist.
Die meisten deutschen Wagen der drei oberen Klassen
sind solche mit geschlossenen Abteilen. In Schnellzügen
sind jedoch die Wagen jetzt fast ausschließlich Durch¬
gangs- (D-) Wagen, die die Annehmlichkeit geschlossener
Abteile mit der Möglichkeit freier Bewegung in den
Wagen und im Zuge verbinden. Mehr und mehr wird in
Deutschland auf Verbesserung dieser Wagen Wert gelegt.
Sie sind durchweg vierachsig gebaut, mit sauberen Aborten
und bequemen Wascheinrichtungen (getrennt für Männer
und Frauen) ausgestattet, teils mit hängendem Gasglüh¬
licht, teils elektrisch beleuchtet und in den Wintermonaten
vortrefflich geheizt. Die D-Züge führen Speisewagen,
Drei Lokomotiven der A. E. G. im Bahnhof Bitterfeld
einem Einheitspreis von 0,78 c für die Personenmeile.
Für den regelmäßigen Verkehr der Arbeiter zwischen
ihrem Wohnsitz und ihrer Arbeitsstelle wird sogar nur
die Hälfte dieses Preises, d. h. 0,34 c für die Personen¬
meile erhoben. In den Vereinigten Staaten von Amerika
stellt sich dagegen der Durchschnittspreis für die
Personenmeile auf etwa 2 c. Es ist bekannt, welchen
Widerstand einzelne der dortigen Eisenbahnen der Er¬
hebung dieses Satzes als Mindestsatz für den gewöhn¬
lichen Verkehr entgegengesetzt haben. Die Einrichtung
einer Einheitsklasse Würde bei uns schon aus dem Grunde
nicht möglich sein, weil dann sehr weite Kreise der
Bevölkerung auf Eisenbahnreisen verzichten müßten.
Uebrigens besteht auch in den Vereinigten Staaten
neben der regelmäßigen eine teurere Klasse für die
großen durchgehenden Züge und auf mehreren Strecken
in denen man für mäßige Preise gut ißt und trinkt, in
die größeren Nachtzüge sind Schlafwagen eingestellt, die
jetzt in der Regel sechsachsig gebaut werden. Daß die
deutsche Schlafwageneinrichtung vor der amerikanischen
den Vorzug verdient. Wird kaum bestritten werden können.
Das Bestreben, den Aufenthalt in dem Zuge möglichst
angenehm zu machen und die Wagen immer mehr zu
Verbessern, beschränkt sich aber nicht auf die Wagen der
beiden teuersten Klassen. Auch in dem Bau und in der
Ausstattung der Wagen III. und IV. Klasse sind wesent¬
liche Verbesserungen eingetreten, die — nebenbei — zur
Folge haben, daß ein großer Teil auch der wohlhabenden
Bevölkerung wenigstens für kurze Reisen gern die IIL,
ja selbst die IV. Klasse benutzt.
Für die Beförderung von Reisegepäck wird auf den
deutschen Bahnen besonders bezahlt. Für Gepäck-
Nr. 12 DEUTSCHLAND 585
Sendungen bis zum GeAVicht von 25 kg ist die Gebühr wie schnell er von einem Ort zum andern gelangen kann,
eine geringe (im Höchstbetrage für das ganze Reich d. h. wie der Fahrplan ausgestaltet ist. Man unterscheidet
1 Mark). Außerdem sind die deutschen Wagen so ein¬
gerichtet, daß man viel
in Deutschland für den Personenverkehr Personenzüge
(die wesentlich dem Ver¬
mehr Handgepäck mit- —
nehmen kann, als dies
in den amerikanischen
Wagen möglich ist, und
bei uns haftet die Eisen¬
bahn für allen Schaden,
den der Reisende durch
Verlust, Beschädigung
oder verspätete Lieferung
des Gepäcks erleidet.
Es liegt mir fern,
die amerikanischen Reise¬
einrichtungen herabsetzen
zu wollen. Sie haben ge¬
wiß auch ihre Vorzüge,
schon indem sie sich den
Gewohnheiten des Landes
anpassen, aber in Amerika
wird so häufig, auch von
Personen, die in Europa
gereist sind, über unsere
Verkehrseinrichtungen die
Achsel gezuckt, daß es
immerhin angebracht er¬
scheint, auch einmal die _
Vorzüge der deutschen
Einrichtungen hervorzuheben.
MAGDEBURG
(AmO.oJ
-5-kehr der kleinen und mitt-
• toaoM _
. ' ‘ leren O rte dienen), Eilzüge
und Schnellzüge. Für den
Geschäfts- und den Ver-
^ gnügungsreisenden sind
wichtigsten die Eil-
und die Schnellzüge, und
(34,*) gji dleseu ist kein Mangel.
Die Fahrpläne, beson-
ders die für den großen
, / / , Jr mitteleuropäischen Ver-
lers/cnfsp/an , r . .
.... ^ F / kehr werden auf einer in
der Sfreche | /
jedem Jahre einmal zu-
'burg-Leipzig-tial/e. sammentretenden mittel-
europäischen Fahrplan-
Ä"' J / / Konferenz beraten. Eine
jede dieser Konferenzen
jj^ Unterwerft ^
(86,34)/ bringt Verbesserungen.
X \ Besonderer Wert wird da-
I M l . o t
rauf gelegt, daß die Fahr-
pläne der durchgehenden
Züge ineinandergreifen,
daß die Züge tunlichst
Lutischen» Wtpren VÄ ^
J/ ohne größeren Aufent-
__fialt Anschluß aneinander
finden. Eine große An-
Für den Reisenden zahl von Schnellzügen verbinden die europäischen
übersichfsplan
der strecke
Magdeburg -Leipzig -ifa/fe .
^ZttrbsK' 42 , 69 )
vjallefitihafen V
/P Dessau ( 60 , 76 )
y 22,36
w eaguhn /
Jeßmtz % 27 /
40.90 ,
Greppin Ä Oreppji A
Unterwerft ^
JT BftterrekJ ( 86 , 34 ) /
/l\ 43 .S 2
Lifttschena wanren
kommt es nun nicht allein darauf an, daß er bequem Hauptstädte miteinander, z. B. Berlin—Wien, Berlin—
und für mäßigen Preis fährt, sondern auch wie oft und Paris, Berlin—Rom, Berlin—London, Berlin—St. Peters-
Vhfsdorf
L
UnterstationA
\ Barmbirck
Kraftwerk
friJc/r/c/is 6 er^
m ^HAMBURG ^^^^s6e%erai,etrssee
o. iU=^\
u L! ßahrefife/d / C A
--- nochkamp m | rWi ^^Bammfo? j^Zandrvehr ^^—^
Hofst^nstrarse
^Ber/tner Tor
_ji 5 s Vorortsve kehr B'ankenese-Ohlsdorf
LLLuu Kaltenkirchener Bahn
-Projekrierfe CjüteruTigehungsbshn
- 80 000 Voltleitungen Vom Kraftwerk RItona
zum (JmformerWerk Barmbeck
—.— Grenze
X
586 DEUTSCHLAND Nr. 12
bürg, Paris — Berlin — Petersburg, Hamburg — Basel —
Genua, Paris—Straßburg—Stuttgart—München—Wien—
Konstahtinopel usw. Eine Reihe schnellfahrender Züge
laufen auch zwischen Berlin und Hamburg, Kiel, Bremen,
Köln, Frankfurt, Straßburg, München, Dresden, Breslaui
Königsberg usw. Neuerdings ist besonders auch die
Anzahl der Züge vermehrt, die weite Strecken ohne
Aufenthalt durchfahren. Daneben wird seit einigen Jahren
der Lokal verkehr gepflegt durch Einstellung von Trieb¬
wagen. Die Fahrpläne sind
tunlichst so gestaltet, daß
gute Zugverbindungen auch
für die abseits von der großen
Heerstraße liegenden mitt¬
leren und kleineren Provin¬
zialstädte bestehen, er ist
nicht, wie mehr oder weniger
in den Vereinigten Staaten,
allein zugeschnitten auf den
Verkehr der großen Haupt¬
städte untereinander.
Seitdem der Wissen¬
schaft der Nachweisgelungen
ist, daß die elektrische Kraft
auch für die Beförderung auf den Eisenbahnen ver¬
wendet werden kann und die Ergebnisse der wissen¬
schaftlichen Untersuchungen sich praktisch bewährt haben,
spielt im Verkehrsleben die Frage des Ersatzes der
Dampfkraft durch die elektrische Kraft eine von Jahr
zu Jahr wichtigere Rolle. Auf den Stadtbahnen ist allmäh¬
lich der Pferdebetrieb durch den elektrischen Betrieb
ganz verdrängt worden. Die preußische Staats-Eisen-
bahnverwaltung hat alsbald Versuche gemacht, den elek¬
trischen Betrieb zunächst auf den Stadt- und Vorort¬
bahnen einzuführen. Von
größter Wichtigkeit für
die Entscheidung der
Frage der Einführung
dieses Betriebes auf
Fernbahnen waren die,
wiederum mit Unter¬
stützung der preußischen
Staatsbahnen unternom¬
menen Versuche der
Schnellfahrten mit elek¬
trischen Wagen auf der
Strecke Berlin—Zossen,
bei denen es gelungen
ist, eine Fahrgeschwin¬
digkeit von 210 Kilo¬
metern in der Stunde
zu erzielen. Ein höherer
Beamter des preußischen
Eisenbahnministeriums hat das große Verdienst, den Nach¬
weis geliefert zu haben, daß für den elektrischen Betrieb
der Fernbahnen der einphasige Wechselstrom das beste
System sei. Nunmehr hat sich die preußische Eisenbahn¬
verwaltung, auf Anregung und unter hervorragender Mit¬
wirkung des gegenwärtigen Eisenbahnministers, mit allem
Nachdruck der Aufgabe einer weiteren Ausbreitung der
elektrischen Zugförderung gewidmet. Die erste, im Jahre
1905 eröffnete, noch mit Gleichstrom betriebene Bahn,
war die 9 Kilometer lange Vorortbahn vom Potsdamer
Bahnhof in Berlin nach Lichterfelde. Es folgte in Hamburg
das im Jahre 1907/1908 dem Betrieb übergebene Netz
elektrischer Bahnen für den gesamten Stadt- und Vorort¬
verkehr (vergl. den Lageplan, Abb. S. 585 und die Ab¬
bildungen S. 585). Auf diesen wurde der einphasige
Wechselstrom angewandt, der sich glänzend bewährte.
Der Verkehr hat sich nach Einführung des elektrischen
Betriebs in einer Weise entwickelt, die niemand voraus¬
gesehen hat. Die Einführung
des elektrischen Betriebs an¬
stelle des Dampfbetriebs auf
den Berliner Stadt-, Ring-
und Vorortbahnen wird vor¬
bereitet. Durch die in Ham¬
burg gemachten Erfahrungen
ist die Betriebsfrage soweit
geklärt worden, daß nunmehr
die Einrichtung des elektri¬
schen Betriebes für den Per¬
sonen- und Güterverkehr auf
einer Hauptbahnstrecke, der
Strecke Magdeburg—Bitter¬
feld—Leipzig— Halle a. S.,
in Angriff genommen werden konnte. Die Teilstrecke
Dessau—Bitterfeld ist im Jahre 1910 bereits fertiggestellt
(vergl. den Lageplan, Abb. S. 585). Die mit den durch
elektrische Lokomotiven beförderten Zügen angestellten
Probefahrten haben ein über Erwarten günstiges Ergebnis
gehabt. In dem im Jahre 1911 erlassenen Eisenbahnanleihe¬
gesetz sind daher die Mittel angefordert und bewilligt für
die Einrichtung elektrischer Zugförderung auf der Strecke
Lauban — Dittersbach — Königszelt und einigen Zweig¬
strecken. Die Abbildungen S. 585/89 veranschaulichen
die neuen elektrischen
Lokomotiven und Züge.
Alle diese Einrichtun¬
gen haben die Entwick¬
lung eines sehr lebhaften
Personenverkehrs geför¬
dert. Der dem preußi¬
schen Landtage vorge¬
legte Bericht über die
Betriebsergebnisse des
Jahres 1909(1. April 1909
bis 51. März 1910) ent¬
hält hierüber beachtens¬
werte Zahlen, von denen
einige hier eine Stelle
finden mögen. Es wur¬
den auf den preußisch¬
hessischen Staatsbahnen
im Jahre 1909 befördert
1059 657 616 Personen, die mehr als 24 Milliarden Per¬
sonenkilometer zurückgelegt und (einschließlich ihres
Reisegepäcks) eine Einnahme von mehr als 580 Millionen
Mark gebracht haben. Auf die einzelnen Wagenklassen
verteilte sich dieser Verkehr in runden Zahlen wie folgt:
Personen Personenkilometer Einnahme
I. Klasse 1,6 Millionen 214 Millionen 16 Millionen Mk.
II. 99 „ 2645 „ 104 „
III. „ 456 „ 9380 „ 250 „
IV. „ 470 „ 10795 „ 197 „
Wiesentalbahn, Wechselstrom-Lokomotive
von Siemens-Schuckert Werke G. m. b. H., Berlin
Nr.l2 DEUTSCHLAND 587
Man sieht, vs?elche Rolle der Verkehr in der 111. und IV. Klasse
gegenüber dem der beiden höheren Wagenklassen spielt.
Ganz gleichartig, wie in Preußen, sind die Verkehrs¬
verhältnisse auf den übrigen deutschen Eisenbahnen.
Damit genug von Einzelheiten. Kam es doch nur
darauf an, einige Hauptzüge aus dem Verkehrsleben des
Deutschen Reiches zusammenzustellen. Ist bei uns auch
vieles anders als in dem großen amerikanischen Freistaat,
so werden sich die in Deutschland reisenden Amerikaner
doch davon überzeugen, daß auch die Staatsregierungen
die sorgsame Pflege des Verkehrs mit Erfolg in die Hand
genommen haben^
Der Rosenkavalier und Direktor Zimmermann.
(Ein Beitrag- zum 40jährigen Berufsjubiläum des Düsseldorfer Theaterleiters.)
Von Dr. Otto Neitzel, Köln.
Von allen offiziellen und prunkhaften Huldigungen,
als da sind Adressen, Deputationen, Bankett mit Toasts*)
und Toasten hatte der 40jährige Jubilar Ludwig
Zimmermann, Leiter der Düsseldorfer Städtischen
Bühne, abgesehen. Natürlich
konnte er einen Platzregen
vonTelegrammen und Briefen,
die ihn beglückwünschten und
ihm eine weitere Dekade von
Bühnenjahren in frohe Aus¬
sicht stellten, nicht verhin¬
dern. Neben dem Künstler
Zimmermann schätzt man ihn
als liebenswürdigen, hülfsbe-
reiten, vornehmen Charakter
viel zu sehr, als daß sich seine
Freunde vonNah und Fern bei
diesem Anlaß nicht zu einem
vollstimmigen Akkord herz¬
licher Wünschev ereinigt
hatten. — Ein freundlicher Zu¬
fall sorgte dafür, daß der Jubel
tag mit einer Aufführung, die
von den Theaterfreunden aller
Schattierungen, von denFach-
leuten der Kunst und der
Presse als die bisher wert¬
vollste Leistung des Düssel¬
dorfer Stadttheaters ange¬
sehen werden darf, zeitlich
beinahe zusammentraf, mit
der Aufführung des Straiiß-
schenRosenkavaliers.Und
insofern bei aller Anerken¬
nung der Bemühungen der Einzelkräfte, die sich zu dem
Gelingen dieser Aufführung vereinigten, doch in diesem
Falle hauptsächlich die künstlerische Intelligenz, die
Bühnenerfahrung, der Theaterblick, der geläuterte Ge¬
schmack Zimmermanns die treibende Kraft dieser Auf¬
führung bildete, so darf mit Recht der Rosenkavalier
auch als der Gipfelpunkt des Kunstschaffens unseres
Jubilars gelten und zugleich als die würdigste Feier an¬
gesehen werden, die Herrn Zimmermann zu bereiten war.
Immer mehr hat sich im Laufe der Aufführungen
des Rosenkavalier und seines Siegeslaufs über die
deutschen Bühnen herausgestellt, daß die Dresdener
Uraufführung nicht ganz die höchste Wirkungsfähigkeit
des Werks zu erreichen vermochte. Das lag an seinem
•) Für den Leser, der die englischen Elzgewohnheiten nicht kennt,
sei bemerkt, dalz man mit Toast geröstete Weifzbrotschnitten bezeichnet,
zu denen der Kaviar gar herrlich mundet.
vielfach neuartigen Stil, namentlich auch an der Art
seiner Komik. Es wird heute auch von den eifrigsten
Freunden des Textdichters v. Hofmannsthal zugestanden,
daß seine Komik des natürlichen Humors entbehrt, daß
ihr Schlagfertigkeit und Witz
fehlen, daß sie leicht ins
Possenhafte gerät. Diese
Schwäche hat den Kompo¬
nisten Richard Strauß nicht
gehindert, durch seine Musik
das wieder beizuholen, was
Hofmannsthal am Texte ver¬
säumte. Ferner läßt sich der
Hofmannsthalschen Komik
wenigstens der Vorzug nach¬
rühmen, daß sie den Charak¬
teren ein weites Feld der
Eigenbetätigung an der Hand
der Musik übrig läßt. So
zeigte sich denn weiter, daß,
je mehr man den Darstellern
freien Willen ließ, sie ihre
Aufgaben desto bühnenwirk¬
samer zu gestalten vermocht
haben. Mit Ueberraschung
gewahrten die Zeugen der
Dresdener Uraufführung, daß
in der komischen Hauptfigur,
dem Ochs v. Lerchenau, weit
mehr Komik steckt, als in
Dresden zum Vorschein ge¬
kommen war. Wenn man
Herrn v. Hofmannsthal mit
dem Manne vergleichen darf
der den Wein zur Bowle und dazu ein Porzellan¬
gefäß aus Sevres oder Meißen hergegeben hat, so
dürfte Strauß etwa den Champagner dazu, der Darsteller
aber die Pfirsiche oder Ananas geliefert haben, wodurch
die Bowle erst den würzigen Geschmack gewinnt. Welch
dankbare Rolle der Ochs eigentlich ist, und was selbst
ein Künstler daraus machen kann, der nicht die oberste
Sprosse seiner Kunst errungen hat, beweist der Fall
eines größeren Stadttheaters, das soeben erst einen
neuen Baßbuffo engagiert hatte. Diesem Herrn gelang
es nicht, in den üblichen Rollen eine ganz einwandfreie
Leistung zustande zu bringen. Die allgemeine Erwartung,
als er mit dem Ochs betraut wurde, ging dahin, daß
die Oper darunter zu leiden haben würde. Das gerade
Gegenteil ist eingetreten. Der Künstler schien gerade
in dieser Partie sein Herz entdeckt zu haben, er ent-
Richard Strauß
Sö3 DEUTSCH tÄND
Virj ekelte.;, ^(ne.n so urwüchstgen,; iÜTidende Hür^or* dsS
alsbald Sw fftod. Döß die Röll^
; f^li^ei'v.yöilendeji^n & Ver]angt> hat öußßif^:;
dem not-h nSeiTiand heBanptetj wißf;itlenn Stmyß^^bge^tebt^n :
jyffeeben I^fti lÄchr Oewiebt adlden ■
itn eiit^n S j>r echtes a rv g^s ^ &d i e K u ast des G e^an gs g e I e gt ha a •;
’ ‘Waa s hat n an Z i m m e rm ö i da m ? l. tu tu n% wohnte
der/’E^rödCiihrnng in Dresden bei* Ijfi^wiscKeh hst er.
kel.b# vetssamh , Auf0hTUnger^^ >
anderer BüInnen gnzuti^hön, ^ wöbei er: wöhl'
die: w äch e n, ebenso ^ lidfe ■ di e F ^ b ri 11 e
beoba chteta^. ■: i :dK^ jede&mah^e; .Aiatfahmrig. dem
Werk- zuteil ^^erdßn ließ. Seine Beobachtungen trug
ör ti nd ta t sein e ei ge neu An schau an g e n u rv;d •
yerhahnk^en heraus und verschaffte derb Werk eini^
begeisfctt^n’sBrfölg, der eugenblicWich noch andauert.'
; : Die ■ Nameh zu denen skh noch :
Hi^r Ö ds ch e k ’ a 1 & Ober regi^siseuF des Scbausp tets und "
endlich als Bütiiauyofsland Herr ^ ey e r ^eseSk be-- :
:wn ■: wie kt iig und vörsichtig Zimm erntann bei Ge
Witihuhg, sein er Mftarbeit er yarlahit^ äbet ä ach wie tjeu
er ^uThheii hältv- weütt er ihre Brauchbar hat,
Pk ganze; seihet Böhnehl^dtui^^ wk das ganze .
Tmgrsmm,. dss -Zimmermatvn hh jetzt .absolviert hat, -'
beweis 1; da fi e r wed e r etn Mrn s t i-U? 1 er h öt h ^ in Fr in z l pi eii-
refter sein wilb sondern daß er seine pberste Auigabb '
aruf dem ihm; arwertrhüten Platz,, nacli
: iM a b e de r vor handele ti Mit t el, d i e rein s t e und ah“ ;
Äu tos&'un gen da £U> UÄi sie nun mebr in b e;za g t» üf Üü s$ ei - " i:reh e n dste Kan st z ü p fleg e-.n ^ die nu r e rrei ch b a r ish
dorr ^u Aus- . An der Wiege wurde es ihm iMcht gesungen^ daß hh'-
S.Uttung durchaus nkht hac h
detnpresdenht Vp nhehr
ge ^h TU E, S üie n w i r ehr)j hh;
daß. djese;etwa^'kftU mtd bei
after PfBcht nucUterh w^irföiCü
pitreh dfe V
!erer Fa rbenne haf Z1 m m e
ttianh von'Anfang eine
Wörm^re/ behögbeher^ ;Sltm-
rrijdhg, beim ^uschtju^r au^i-
getöst-. Die' ^lÄhtichambre''.
irbMeisttth Äkt^ di^ Szene ’im
. Sepärftiamnier inv dritteh> die
: mi tHüife lies ausgeze!ckriet;eH
RegissetJFS. Leffl-er 1 ebenso
y£?U: bdsg^sdtbeitet Wurenj
ii fe S e n e r kb n n e b ^ wa ^ Zim m e r-,
.manrv MSi den ßeispietem: der
übrigen Bahnen gelerni hatte^
, ^;._ab et.-', d uch,' wie.- '■’eyd Qi -:' -0'^^
; 1 p rn te ■ m -stfeäh h d ig er
gung dem Kunstwerk Zfigute
kommen ließ. Aiit: Le trk*f
teilte.; Stdi iri.dk* Verdienste
: ■deriVorli^rGftung-::^ ’.^erk^'
KupeHmeist^r Frphil^h;^
, mh sicherm rhuBikdlisrhen
"tod Ihestrslische^h. Gefühl
^ dem B ei M q ga by w a ^ n e t
w-ürdig war and Spruche
geffähg^ ,wa^
^ ^foFdert^ Die lyid^ch-dramatfacheh Hdhtpbnktbr wje?
jdiii Öu feite i W'is fcb%ü: .C und rl er Mar sch« üin> die
Sii’e ne ^ zw i Sc; h eu Ok ta v i ö n : U h d' Sb pj) i da 5 ^ b erirh m1 c
Ttef-z^tt un^L der.- ^an^^ StKIilß cie.s dritten Akts waten
in musikalische! ;Schönbeft g^ftiur Bel allen Steiliätr*
wo; elfe; W üftid.N riönißni lieh ö urh; hti dfe d
r^;d£eiig^ri;;;ik« sk^den, in d^kPn p ch ;yr 1 iö fma nn^ ■
tfel mehrfach gefäliL .w.mde auf Schürfe .der Aus^fptgr he
das Hßuptg^wfdit gbfegt j die wahllosen chör&kferiBti.^^cimp
Lichleiv die iU>c,r die örutidlinfeA der Partitur hinüber-
■m
’ Vhea t trrd f ns|i.l'ßr ■ Zt i y ;fU-(itirj ifCi fiv;' I ) u -'
d e f fe i n st e i n Th ea te f sch i ff ,7 ft ::
sfeberft hätte* Zimmermantp;-
ent^tainrht einer sach^ischf!;
■ ögranschen Faniilie- Ef wurda ^
in Lic blen berg bei Ffeibe^; ,!*
mr^ 5* ianuöf 1S54 geboren'Ä.
■^Ti^-deub-;ächori nach Fausts/..
w it ii ge m Wo £i' d er ge i st l i ch e
und der St;h^u^pfeferstan4:
gafhlchf' s'bwbit fei handle-^'f
versahted b lnd. ■ a i$ tpan ge^ :
wöhn Sich 3 Ti n imin L Sb wu rde \ rt
d isr S ! e d es j u h g en tim m e r -
omnB^fels er sich gelehr tan
S i kd fe n a ti t d e nv fee aJg ym-
Hasiilfe; m Dresden hin gab,
--.baiil!-.;'d-ii?- ' Ftög^.; ;'.--bfenn&t\(ä^;:' ■'.
Prife*tt^. öder Schauspifefer 1
. Ab^irbaid wär.efeihm kbr* daß
seiner inimTsten NatufeWfifät
mehr entsprach, Mehschfe'h ‘
d ö fz pst e 1 1 eR, als sie: 7ti
b f? kfe h 16 n * Der Drang zuift
SchÄUspielerberuf erwachte
mächtig in ihrb/daß er, mcht
g t a d e s^ur F rei t d e sei n e r spi e
. bürgerlich wack ern FamBte,
als jüngstMitglied bei eirver ;
regfelrfechtbn Scfitni pre Unter*-
kuhfl fand,, dje damals däs
Erzgebirge durchzog* Für;
iö Tälel Mpn^tsgfetp^ spiehe er heftle feen August in
AlpfeisfeuT 11 erichi es --- : morge n . ;fien ßtackepbnrfe lin
Fgfeaht, übetmorgen den Nachtwochter m den Mattetv^
b ftrg.fe rh ifsw, ln Be rn war“s {spritfl P knafe wp ihm
dfe. Erkenntnis äurdummertie/ das Stidsdand Rückschn^tt:
iihd daß er fehv ai Izu. unverfälscht es ^äbhsisch
Da A k ^Encrgl e vtnd sj&inem Klangsin n bntwickel te
sieh immfermauri von: m Säe hsel er in wenigen
feahfeny wüiir^cL derer er m Cöthen itnd Halle wirkte*^ zu
eiMm; wöhten Spröchköfr'dfen Seine völlige Ausreirutig^
: husehen, straKlien 11, Jedöcb nieht gt elifeervbr. Dfe Be^-Üin der Kunstgewann et in Mölntrigen; wo der Herzog selbst
set^^ung mit: Micliael Bahnenfe 1 s Ochs, Rtch.ärfe.Hedfer als in .Kftftsi zu fdfeeh ufid zit inäzervieren das leitchtende
Fahirial, mit PraU: Fmhlfeh-Förster als Sophfe;, Jöhanna - Vorbiki ww. Hier erhielt Z-irnmermänri feifejeriige kirnst-
Leisner als Fi^ldmarsc:hallin, Prl Wedek,fe4-KfeSfi els^ ferische DurChbilclaivg, die Ihn dann ^ait ISfeS zu einem
Oktavianusw.ätfelftfe sich als di eheste unter denfeegebenen der vörnöhmsteri. Mitglieder des Kölner Stadtthea tetst
Der Rosenkavalier (I. Akt) im Düsseldorfer Stadttheater
Der Rosenkavalier (III. Akt) im Düsseldorfer Stadttheater
Sophie Octavian Marschallin Faninal
(Hermine Fröhlich-Försler; (Agnes Wedekind-Klebe) (Johanna Leisner) (Richard Hedler)
590
DEUTSCHLAND
Nr. 12
gemacht hat. Noch unvergessen dort sind sein Wallen¬
stein, Goetz, König Philipp, Nathan, König Leao Hagen
Tronje (Hebbel), Erbförster (Otto Ludwig), sein Dr. Stock¬
mann, Konsul Bernick, sein Oberstleutnant Schwarz, wo¬
bei er auch im komischen Fach reiche Lorbeeren erntete.
In Köln veranstaltete er, als Künstler ebenso ge¬
schätzt wie als Mensch, literarische Vorträge, in denen
er seine Hörer in die Kunstwerke eines Ibsen, Maeter¬
linck, Hofmannsthal, Tolstoi, Oskar Wilde, einführte. Hier
auch erweiterte er seinen Horizont,indem er sich mit dem
Musikdrama beschäftigte, das ihn, wie eine späte
Liebe, dauernd anzog und dessen Kenntnis ihm ja bei
seiner direktorialen Tätigkeit in Düsseldorf nicht wenig
zu statten gekommen ist. Es hatte sich in Köln heraus¬
gestellt, daß viele Künstler der Hofmannschen Aera aus¬
gezeichnet zu singen, aber weder gut auszusprechen
noch auch sich sinn¬
gemäß auf der Bühne
zu bewegen verstanden.
Des guten Ockert Blicke,
der als Bürovorsteher
undOberregisseur nicht
auch noch die Zeit fand,
den Künstlern Sprach¬
unterricht zu geben —
was auch seinen Haken
gehabt hätte, da er
genau so sächselte, wie
Zimmermann vor seiner
Meininger Zeit — fielen
auf Zimmermann. Nun
ist, wie an dieser Stelle
nicht näher ausgeführt
werden kann, zwischen
der Schauspiel- und der
Operngebärde, nament¬
lich der im Wagnerschen
Musikdrama, doch ein
gewaltiger Unterschied.
Im Musikdrama muß
sehr häufig die Gebärde
aus dem Orchesterspiel
gradezu herausgelesen,
das heißt für die Praxis,
abgelauscht werden.
Es war zu verwundern,
wie schnell sich Zimmermann in diese Kunst des
Gebärdenlesens aus der Musik hineinfand. Selbstver¬
ständlich wurde er sehr bald zum gesuchten Berater
der Opernsänger und -Sängerinnen, die bei ihm um
so freudiger studierten, als sie den Nutzen davon bald
„am eigenen Leibe" das heißt, an dem verstärkten
Erfolge ihrer Leistungen spürten, und dann auch, weil
sie ihrem uneigennützigen Mentor nichts zu bezahlen
brauchten. Es läßt sich denken, daß Düsseldorf, das
im Jahre 1903 eines neuen Theaterleiters benötigte,
gern und schnell Zugriff, als sich Zimmermann meldete.
Die Taten der Direktion Zimmermann sind noch in
aller Gedächtnis. Ein neueinstudierter und inszenierter
Tannhäuser machte am 1. September 1903 den Anfang.
Fidelio, Tristan, Figaro folgten in würdigster, der
steigenden Bedeutung der Stadt und dem fortschreitenden
Kunstgeschmack des Publikums angepaßter Aufmachung.
Stücke, wie Kaiser und Galiläer, Tantris der Narr, Ibsens
Brand bedeuteten denkwürdige Neuinszenierungen.
sehr hat Zimmermann Kohlen auf die Häupter derjenigen
gesammelt, die sein Interesse für die Oper, ja sogar
sein Verständnis dafür, bezweifelten. Die Tosca erschien
kurz nach der Dresdener deutschen Uraufführung in
vorzüglicher Wiedergabe. Richard Strauß kam mit der
Salome, Elektra immer gleich nach der Uraufführung
an die Reihe. Unzählig sind die Erstaufführungen, unter
denen sich manche Uraufführungen befanden, wie
Mahadeva von Gotthelf, Leroux' Vagabund, Massenets
Gaukler unsrer Lieben Frau, de Laras Moina, Fausts
Verdammung von Berlioz, Flauto solo von d'Albert,
eine Vorstellung, die der deutsche Kronprinz mit seinem
Besuche beehrte, die Neugierigen Frauen von Wolf-
Ferrari, Robins Ende
von Künnecke, Stella
maris von Kaiser, der
Vogt auf Mühlstein
und Baldurs Tod von
Cyrill Kistler. — Einen
ordentlichenRingzyklus
hat ja manches Stadt¬
theater herausgebracht.
Aber auf den Mozart-
Zyklus Zimmermanns
darf das Publikum mit
hoher künstlerischer
Befriedigung zurück¬
blicken. Vor allem
zeichnete sich dieser
Zyklus durch Vollstän¬
digkeit aus. Die sonst
„undankbare"OperCosi
fan tutte wurde eine
Glanznummer des Zyk¬
lus, und weder Bastien
und Bastienne noch
auchderTitus fehlten.—
Dem menschenfreund¬
lichen Organisator
sei unser Schlußwort
gewidmet. Zimmermann
gab den Anstoß dazu,
daß die Chormitglieder
ganzjährig angestellt wurden, sodann führte er die
(an den meisten Stadttheatern noch nicht übliche)
Bezahlung der Vorprobentage für das Solopersonal
ein. Die leidige Kostümfrage der Damen wurde dahin
geregelt, daß die Kostüme für die weiblichen Chor¬
mitglieder, nachher auch die für die Solomitglieder
vom Theater zu stellen sind.
So wirkt Zimmermann als der künstlerische Ver¬
trauensmann der Stadt, eifrig darnach trachtend, sein
Institut auf künstlerischer Höhe zu halten und es zu
vervollkommnen, künstlerisch wie sozial, nicht als eigen¬
williger Despot, sondern als weiser Führer und Berater.
Mag ihm auch fernerhin die verdiente Anerkennung nicht
fehlen, mag ihm seine geistige und körperliche Rüstigkeit
treu bleiben zum Nutzen des ihm anvertrauten Instituts,
und der deutschen Bühnenkunst zu leuchtendem Vorbilde«
Der Rosenkavalier (II. Akt) im Düsseldorfer Stadttheater
Nr. 12 DEUTSCHLAND 591
Die Denkmalpflege in der Rheinprovinz.
Von Dr. Erwin Hensler, Bonn.
Zwanzig Jahre sind in diesen Tagen verflossen,
seit die Dezentralisation der Denkmalpflege in Preußen,
die bisher in der Hand einer Zentralstelle, des König¬
lichen Konservators der Kunstdenkmäler zu Berlin, lag,
in die Wege geleitet Ward. Durch Ministerialerlaß vom
31. Oktober 1891 wurde die Schaffung von Kommissionen
für die Wahrnehmung der Interessen der Denkmalpflege in
den einzelnen preußischen Provinzen sowie die Einsetzung
von Provinzialkonservatoren angeordnet und damit den
Bestrebungen, die sich seit einer
Reihe von Jahren zum Schutz der
heimischen Kunstdenkmäler geltend
gemacht hatten, ein starker Rück¬
halt und neuer Antrieb gegeben.
Was man von der im folgenden Jahre
erfolgten Gründung der Provinzial¬
kommission für die Denkmalpflege
in der Rheinprovinz erhoffte, hat
sich in den letzten zwei Dezennien
in überraschend glücklicher Weise
erfüllt. Unsere Provinz, die durch
ihre Geschichte und dank ihres über
alle Epochen gleichmäßig reich ver¬
streuten Denkmälerbestandes als
erste unter allen deutschen Landen
steht, hat dieses Ehrenplatzes sich
durchaus Würdig gezeigt. Hinsicht¬
lich ihres Eifers zur Erhaltung und
Hütung dieses durch die Gunst der
Zeiten überkommenen Schatzes
darf sie die fürsorglichste genannt
werden. — Aus kleinen Anfängen hat
die rheinische Denkmalpflege sich zu
ihrem heutigen Umfange entwickelt.
Der Wunsch, eine Uebersicht über
die Kunstdenkmäler der Provinz zu
besitzen, war zuvorderst und in
erster Linie rege. Nachdem schon
um die Mitte der siebziger Jahre auf
Veranlassung der Provinzialverwal¬
tung die ersten Vorbereitungen in
dieser Richtung getroffen waren, er¬
schienen im Jahre 1886 Paul Lehfelds
„Bau- und Kunst-Denkmäler des
Regierungsbezirks Koblenz“. Die
Fortsetzung der Inventarisations¬
arbeiten stockte dann, bis im Früh¬
jahr 1890 Dr. Paul Clemen mit der
generellen Durchführung der Denk¬
mälerstatistik und des auf dieser
bedeutend breiteren Grundlage sich
aufbauenden Werkes über die „Kunstdenkmä 1er der
Rheinprovinz“ beauftragt Wurde. Im Sommer des
nächsten Jahres konnten bereits die „Kunstdenkmäler des
Kreises Kempen“ als erster Teil dieser monumentalen Pub¬
likation erscheinen, von der seitdem acht stattliche Bände
vorliegen. Bis jetzt sind die Inventare der Regierungs¬
bezirke Düsseldorf und Köln vollständig erschienen — nur
die Stadt Köln steht noch mit einzelnen Bänden aus —,
Aachen ist fast vollendet, mit Trier ist begonnen, Koblenz
wird den Abschluß bilden. In ihrer Anlage, in der
Gründlichkeit ihrer Bearbeitung und ihrer reichen bild¬
lichen Ausstattung haben diese inhaltreichen Bände vor¬
bildlich für die entsprechenden Unternehmungen mancher
anderen Provinz gewirkt. Ein besonderer Vorzug der
ganzen Serie ist die erschöpfende Heranziehung der
Literatur wie die exakten historischen Abschnitte, Be¬
reicherungen, die beide in der engen
Verknüpfung der Denkmälerstatistik
mit der Gesellschaft für rheinische
Geschichtskunde begründet liegen.
Die Denkmälerstatistik bildet in
gewissem Sinne die Grundlage der
praktischen Denkmalpflege. Sie
sucht den gegenwärtigen Bestand
möglichst festzulegen, gibt einen
Abriß der Geschichte des einzelnen
Denkmals und seiner Entwicklung,
stellt die darüber vorhandene Lite¬
ratur zusammen und will, unterstützt
durch zeichnerische und photo¬
graphische Aufnahmen, ein mög¬
lichst treues Bild des Werkes der
Nachwelt überliefern. Erst auf
Grund dieses Materials wird es dem
berufenen Hüter der Denkmäler der
Provinz, dem Provinzialkonservator,
in manchen Zweifelsfällen möglich
sein, ein wohlbegründetes Gut¬
achten abzugeben oder eine Ent¬
scheidung zu treffen.
Die Schaffung der Stelle des Pro¬
vinzialkonservators geht auf
den oben erwähnten ministeriellen
Erlaß zurück. Als seine Hauptauf¬
gabe wird darin „die dauernde Ueber-
wachung des Zustandes aller unbe¬
weglichen Denkmäler der Provinz,
namentlich der Baudenkmäler, und
das ununterbrochene Augenmerk auf
Zustand und Verbleib der Vereins¬
und Privat-Sammlungen an beweg¬
lichen Denkmälern, sowie inniger
Kontakt mit allen Geschichts- und
Altertums-Gesellschaften und Privat¬
liebhabern“ bezeichnet. Daneben
fungiert er als lokaler Vertreter des
Königlichen Konservators der Kunst¬
denkmäler in Berlin und bildet, da
ihm alle Rechte und Pflichten der staatlichen Zentrale für
den Umfang der Provinz übertragen sind, das Verbindungs¬
glied zwischen der staatlichen und provinziellen Denkmal¬
pflege. In Paul Clemen, der zum ersten Provinzial¬
konservator der Rheinprovinz gewählt wurde, fand die
Provinz den Organisator ihres Denkmalpflegewesens, wie
sie ihn sich besser nicht hätte wünschen können. Dadurch,
St. Johannisberg:
Denkmal des Grafen Philipp (f 1521)
In dem kleinen Kirchlein von St. Joliannisberg^, das sich
wenige Kilometer unterhalh der Stadt Kirn hoch über dem
Nahctal erhebt, befinden sich zahlreiche Grrabdcnkmiller
der Wild- nnd Khcingrafen und deren Nachfolger aus dem
Hause Salm. Das hier abgebildete Werk steht dom
Mainzer Bildhauer Hans Backofen sehr nahe, der am
Mittelrhcin den Übergang von der Spätgotik zur Renaissance
bezeichnet. Die Wiedcrherstellnng der Kirche und der
Grabdenkmäler erforderte 8 000 Mk.
5Q2 DEUTSCHLAND
daß er die in diesen knappen Sätzen angedeuteten Auf¬
gaben in weitestem Sinne faßte und in fast zwanzigjähriger
rastloser Tätigkeit den Umfang des konservatorischen
Interessenbereiches immer mehr erweiterte, hat er die
Denkmalpflege zu einem Faktor in den Rheinlanden
gemacht, der mehr als in einem anderen Teil der
Monarchie Berücksichtigung und Beachtung findet und
das uneingeschränkte Vertrauen der staatlichen, kirch¬
lichen, provinzialen und kommunalen Behörden genießt.
Einen Ueberblick über die in den einzelnen Jahren
ausgeführten größeren Arbeiten bieten die von dem
Provinzialkonservator herausgegebenen „Berichte über
die Tätigkeit der Provinzialkommission für die Denkmal¬
pflege in der Rheinprovinz und der Provinzialmuseen zu
Bonn und Trier“, von denen bis¬
her fünfzehn reich illustrierte
Hefte vorliegen. Einige von den
in den letzten Jahren zum Ab¬
schluß gelangten Wiederher¬
stellungsarbeiten zeigen unsere
Abbildungen. Was daneben an
kleineren Arbeiten, Anfragen
und gutachtlichen Aeußerungen
täglich erledigt wird, davon
kann nur der sich einen Begriff
machen, der Einblick in die
Registratur der rheinischen
Denkmalpflege besitzt. Durch
sie ist zugleich, was für keine
andere Provinz der Fall ist, ein
Zusammenschluß der sämtlichen
Geschichts- und Altertums¬
vereine der Provinz sowie der
größeren und kleineren Samm¬
lungen, die ja auch der staat¬
lichen Aufsicht unterstehen, ge¬
geben. Als Ausdruck dieser
Verbindung erscheinen in ähn¬
licher Art und in gleicher Folge
wie die Jahresberichte der Denk¬
malpflege die ebenfalls vom Pro¬
vinzialkonservator bearbeiteten
„Berichte über die Tätigkeit
der Altertums- und Geschichts¬
vereine und über die Vermehrung
der kirchlichen, städtischen und
Vereins-Sammlungen innerhalb
der Rheinprovinz“. Das letzte dieser Hefte enthält 25 Ver¬
eins- und 20 Museumsberichte. — Während zunächst der
Provinzialkonservator allein die Geschäfte versah, ist heute
der Stab seiner Mitarbeiter auf zwölf, darunter drei archi¬
tektonisch und drei kunsthistorisch geschulte Hilfskräfte
gestiegen. Durch die jährlich wachsende Steigerung des
Geschäftsbetriebes der rheinischen Denkmalpflege wurde
seit Beginn des neuen Jahrhunderts die Errichtung eines
besonderen Verwaltungsgebäudes zu einer brennenden
Frage. Im Oktober 1908 konnte ein eigenes Haus in
der Bachstraße zu Bonn bezogen werden, das im Garten
des Provinzialmuseums und in Verbindung mit dessen
Erweiterungsbau errichtet wurde. Damit hat die Rhein¬
provinz als erste der preußischen Provinzen für die Be¬
dürfnisse der Denkmalpflege ein eigenes Heim geschaffen.
Die wertvollen Bestände des im Jahre 1895 durch
Professor Clemen begründeten Denkmälerarchivs
der Rheinprovinz haben im ersten Stock des Verwaltungs¬
gebäudes ihren Platz gefunden. Die von Gelehrten und
Künstlern wie von den Behörden viel benutzte wichtige
Sammlung umfaßt heute schon mehr als 22 000 Nummern; sie
enthält Aufnahmen aller Art von den Kunstdenkmälern der
Rheinprovinz — alte und neue Zeichnungen, Stiche,
Lithographien, Photographien und Lichtdrucke, Aquarelle
usw. — von den sorgfältigsten großen Aufnahmen bis
herab zu Skizzenblättern und Ansichtspostkarten. Einen
besonders kostbaren Schatz bildet die Abteilung der
Aufnahmen rheinischer Wandmalereien in meist farbigen
Blättern, die über 300 Nummern umfaßt und für die in
den letzten fünfzehnjahren fast
20000 Mark von der Provinz
bewilligt worden sind. Ein be¬
trächtlicher Teil des Archivs
setzt sich aus den für die Denk¬
mälerstatistik hergestellten oder
dafür erworbenen Aufnahmen zu¬
sammen. Zahlreiche Geschenke
und Ueberweisungen von Be¬
hörden und Privat - Personen
ergänzen die aus staatlichen
und provinziellen Mitteln er¬
worbenen Bestände in dankens¬
werter Weise.
Seit dem 1. Oktober d. Js. ist
Geheimrat Clemen von seiner
Stellung als Provinzialkonser¬
vator angesichts des ständig
wachsenden Umfanges der Ge¬
schäfte zurückgetreten, um sich
mehr seiner Lehrtätigkeit —
er ist bekanntlich gleichzeitig
ordentlicherProfessorderKunst-
geschichte an der Universität
Bonn — und seinen größeren
wissenschaftlichen Veröffent¬
lichungen Widmen zu können.
Sein Nachfolger wurde der bis¬
herige Direktor des Denkmäler-
Archivs der Rheinprovinz, Prof.
Dr. Edmund Renard, der,
selbst geborener Rheinländer,
seit mehr als 12 Jahren im
Dienste der rheinischen Denkmalpflege steht und als lang¬
jähriger Assistent und Vertreter des Provinzialkonservators
mit den Denkmälern der Rheinlande aufs gründlichste ver¬
traut ist. Um die reichen Erfahrungen Geheimrat Clemens
auch fernerhin im Dienste der staatlichen und provinziellen
Denkmalpflege auszunutzen, ist er zum Vorsitzenden der
neu geschaffenen Instanz, des Denkmälerrates der
Rheinprovinz berufen worden, der in wichtigen Fragen der
Denkmalpflege sich zu äußern hat. Außerdem behält er den
Vorsitz in der Kommission für die Denkmälerstatistik bei.
Zur Verbreitung des Interesses an den Aufgaben der
Denkmalpflege und zur Unterstützung seiner praktischen
Arbeiten stehen dem Provinzialkonservator in den ein¬
zelnen Kreisen die Korrespondenten für Denkmal¬
pflege zur Seite. Sie sind ehrenamtlich bestellt und
Geheimer Regierungsrat Prof. Dr. Paul Clemen,
Yovsitzeiuler dos Doiikiniilorrntc's dor Rlicinprovinz
594 DEUTSCHLAND Nr. 12
werden je für einen Zeitraum von fünf Jahren ernannt.
Nachdem in letzter Zeit eine Neubelebung dieser Orga¬
nisation statt¬
gefunden hat,
sind heute etwa
170 Korrespon¬
denten aus allen
Schichten der
Bevölkerung
tätig: Geistliche
und Bürger¬
meister, Aerzte
und Gutsbe¬
sitzer, Indus¬
trielle und Kauf¬
leute, Gymna¬
sial- und Volks¬
schul - Lehrer,
Forst - Beamte
und Architek¬
ten. Ihre Auf¬
gabe besteht vor
allem in der
ständigen Auf¬
merksamkeit auf
die Denkmäler
ihrer näheren
Umgebung, auf
alle Bauten oder
Einzel - Kunst -
werke, welche
in künstlerischer
oder histori -
scherHinsicht in
irgendeiner Be¬
ziehung wert¬
voll oder cha¬
rakteristisch
sind. Alle Ver¬
änderungen, die
an Kirchen, Ka¬
pellen oder son¬
stigen kirch¬
lichen Anlagen
bis zu Heiligen¬
häuschen und
Bildstöcken
oder an Schlös¬
sern, Burgen,
Stadt - Befesti¬
gungen, Toren
und Türmen so¬
wie an öffent¬
lichen städti-
schenGebäuden
und merkwürdi¬
gen und inter¬
essanten Privat¬
häusern Vorge- Zons: Mauertürmchen an der Hlieinfront auf dem Zollturm
nommen wer- Uie Stadtbcffstij^uns von Zons stellt unter den spiitinittelnlterlielien Weliranla^en Dculsclilands in erster Reihe,
j Alle übrigen rbeiniseben Bef'esti^^un^'en übeilrit'tl sie dnreb die j,noße Zahl und den un^^ewöbnlieben Reiebtum
den oder die der selnnuelcvollen Maueranlbauten. Dank der ebenen Laj;e am Niederrbein ist die Ret;elinäßi^?keit des Gnind-
. , , . risses dureli keine Terrainsebwierigkeit gestört. Die in den lel/ten Jahren ausgei'ilbrten Restanrationsarbeilen
Deaentenswerte beliefen sieli aut mehr als 42 000 Mk.
Zons: Der Grütschenturm, von der Siadtseite gesehen,
vor der Instandsetzung
Werke der Malerei, Plastik und des Kunstgewerbes be¬
treffen, sollen sie dem Provinzialkonservator zur Ein¬
leitung weiterer
Schritte mög¬
lichst umgehend
melden. Wich¬
tiger noch als
diese Unter¬
stützung durch
Einzelne er¬
scheint die Ge¬
winnung und
die Mitarbeit
weitesterKreise
für die Be¬
strebungen und
Ziele der Denk¬
malpflege, wie
sie sich der
am 20. Oktober
1908 gegrün¬
dete „ R h e i -
nische Ver¬
ein für Denk-
malpf lege
und Heimat¬
sch u t z“ zum
Zielegesetzthat
Unterderziel-
bewußten Lei¬
tung seines Vor¬
sitzenden, des
Regierungsprä¬
sidenten a. D.
zur Nedden
in Coblenz, hat
der Verein in
den fünf Jahren
des Bestehens
außerordentlich
segensreich ge¬
wirkt und ist
in vielen Fällen,
in denen es
der staatlichen
und provinzialen
Denkmalpflege
unmöglich War,
mit Mitteln ein¬
zuspringen, zum
Retter gewor¬
den. — Neben
einer großen
Reihe von Be¬
willigungen zur
Sicherung und
zur Wiederher¬
stellung von
kleineren Denk¬
mälern, zumal
solchen der bür¬
gerlichen Bau-
c
<
Trier: Ostchor des Domes
Oer Trierer Dom fieliört zu den uinl'anpreiclien Denkiniileru, bei denen die Unter-
Imltunpsarbeiten eif^entlicb nie zum Stillstand kommen. Tn den letzten Jahren wurde
<lcr Ostebor neu ber^jestellt und mit einer diskreten Farbendekoration versehen
L
596 DEUTSCHLAND Nr. 12
kunst, zur Unterstützung
von Publikationen und für
kleinere Arbeiten hat er
sich vor allem der Stadt¬
befestigung von ßacharach
angenommen und in Ver¬
bindung damit die über der
Stadt gelegene Burgruine
Stahleck käuflich erworben.
Durch Versammlungen und
Vorträge, durch Flugschriften
und Veröffentlichungen an¬
derer Art sucht er allent¬
halben das Interesse zu be¬
leben und das öffentliche
Gewissen zu schärfen. Die
in den unter der Redaktion
von Prof. Dr. F. W. Bredt
erscheinenden„Mitteilungen“
enthaltenen Tätigkeitsbe¬
richte zeugen von der er¬
folgreichen Erfüllung seines
Programms. Trefflich illu¬
strierte Monographien über
Bacharach und Coblenz,über
Trier und Köln, über Elber¬
feld und das Bergische Land
wie über den Hunsrück und
die Eifel oder über indu¬
strielle Anlagen und moderne
Bauten machen diese drei-
RegieruDgspriisident a. D. zur Xedden,
Vorsitzender des lUieiiiiselieii Vereins für l)enkinali)flege und Heiniatsehntz
Münstereifel: Teile der Stadtbefestigung am Wertliertor
Zu den l)C 9 t.crlialten 8 ten Bcfcstif^ungsanlaffcn der Rlicinprovinz gehört die kaum an einer Stelle uutcrhroehone Stadtmauer
von Milnstereifel, die einen Vergleich mit Bacharach und Oberwcsel oder mit Hillesheim und Niddeggen wohl aul'nehmon
kann. Vor allem die heiden fortilikatoriseh höchst hemerkenswerte Krtt-Ühersetzungen geben ihr charakteristischen Wert.
Uio während der Jahre 11)07—11)011 ausgcfllhrten Wicdcrhcrstcllnngsarboiten erforderten einen Kostenanfwand von fast
•12000 Mk., zu dom die Provinz allein 27 .öOO Mk. beisteuerte.
mal jährlich erscheinenden
„grünen Hefte“ zu einem
wertvollen Besitz für jeden,
der Sinn für landschaftliche
und künstlerische Schönheit
hat. Der Verein, dessen
Mindestbeitrag auf fünf Mark
festgesetzt ist, zählt heute
etwa 1800 Mitglieder, da¬
runter sämtliche Kreise der
Provinz mit Ausnahme der
LandkreiseMerzig,Gummers-
bach und Eupen sowie der
Stadtkreise Remscheid und
Solingen.
Durch die in Verbindung
mit dem Rheinischen Verein
für Kleinwohnungswesen ge¬
schaffene R h e i n i s ch e B a u-
beratungsstelle, deren
Leitung in der Hand des Re¬
gierungsbaumeisters Ernst
Stahl in Düsseldorf liegt,
sucht der Verein auf die
neu entstehenden Bauten im
Sinne einer bodenständigen
Entwicklung Einfluß zu ge¬
winnen. Wer die verheeren¬
den Wirkungen der jüngsten
Jahrzehnte in dieser Richtung
beachtet, wirdmit besonderer
Freude dieses Wirken aner¬
kennen. Nicht schematische
Nachahmungen sind die
Frucht dieser Bestrebungen,
sondern schmucke, einfach
gehalteneNeubauten im freien
Anschluß an die heimische
Bauweise.
Nicht um Hemmung und
Einschränkung handelt es
sich^bei Denkmalpflege und
Heimatschutz, sondern um
möglichste Beachtung der
Faktoren, die den Reiz einer
Gegend bedingen und sie
wert machen, in ihr zu leben.
Jedes Denkmal spricht von
bedeutsamer Vergangenheit
und hält in eigener Weise
das Gefühl der Zusammen¬
gehörigkeit mit dem heimi¬
schen Boden Wach. Wem
die Heimat lieb und Wert
ist,der muß auch den Bestre¬
bungen der Denkmalpflege
und des Heimatschutzes von
Herzen zugetan und ihnen
ein eifriger Anhänger und
Freund sein.
598 DEUTSCHLAND Nr. 12
Kreuz und quer durch Stadt und Land
Sitte und Brauch im deutschen Lande. — Allerlei Adventsgäste.
Von R. Re ich har dl.
auserwählt hatten, um in
der Luft über die deut¬
schen Lande zu ziehen
und Mensch und Tier, Feld
und Gewächs Schaden zu¬
zufügen. Als das Christen¬
tum kam, versuchten die
Priester den Glauben an
die lichtscheuen Geister
im V olke auszurotten, aber
der Versuch mißlang. Und
so sind wir noch heute
gewöhnt, in den Wochen
vor Weihnachten, in der
geheimnisvollen Advents¬
zeit, allerlei merkwürdige
Gestalten durchs Land
ben abends Erbsen an
die Fenster werfen oder
mit Ruten an das Haus
schlagen, wobei Sprüch¬
lein aufgesagt werden wie
dos folgende:
„Holla, holla, Knöpflins¬
nacht I
Gutes Jahr, gutes Jahr,
daß 's Korn wohl gerat I
Kraut und Zwiebel ist auch
nicht übel.
Behüt’ uns Gott vorm
Totengrübell"
In Wingershausen im
Siegerlonde führen junge
Leute an den Advents-
Wenn im Altgermanentum nach Abschluß des" sommer¬
lichen Wirtschaftsjahres die großen, rauschenden Herbstfeste
gefeiert worden waren, dann begann für den germanischen
Bauer die ruhige, winterliche Zeit. Wenn er dann mit seiner
Familie in den dunklen Tagen des Dezember in seiner Hütte
saß, und der ‘.Wind ächzend durch die Wipfel der Wald¬
bäume strich, dann er¬
zählte er von dem Umzug
finsterer Dämonen, die
sich diese lichtarme Zeit
Xanten, Dom St. Viktor; Ahasver-Gobelin
Zum Xantener Gobelin-Diebstahl.
Die in der Nacht vom 24. zum 25. November d. J. aus dem ob seiner reichen Ausstattung
weitberühmten St. Viktordom zu Xanten gestohlenen beiden Gobelins, die wir im Bilde wieder¬
geben haben sich inzwischen glücklicherweise wiedergefunden. Dank der mit großer Energie
betriebenen Nachforschungen konnten die wertvollen Stücke, die laut Inschrilt im Jahre 1574
gestiftet wurden, zehn Tage später in Brüssel festgestellt werden. Dr. Erwin Hensler, der als
Vertreter des Provinzial-Konservators der Rheinprovinz sofort in die belgische Hauptstadt ent¬
sandt wurde, berichtete uns von dort, daß der Dieb, Sohn eines französischen Deputierten, die
beiden Teppiche bereits am Sonnabendnachmittag, den 25. November, auf der Durchreise in
Brüssel für 3000 Franken verkaufte und gegen Abend nach Paris zurückfuhr. Er gab sich dem
Antiquar gegenüber, von dem er kürzlich noch Meißener Porzellan gekauft hatte, als Sammler
aus und erzählte ihm nach Abschluß des Geschäfts lachend, er habe die Stücke aus der Kirche
von Herenthals in Flandern für 500 Franken erworben. Man vermutet in ihm auch den Räuber
der Statuetten und Gemmen des Schreines von Stavelot, der nahe der deutschen Grenze ge-
gelegenen alten belgischen Abtei. Es steht zu hoffen, daß es in diesem Falle gelingt, endlich
einmal einen dieser gefährlichen internationalen Diebe zu fassen.
ziehen zu sehen, die in
wunderlichem Aufputz in
die Häuser gehen und
bei Großen und Kleinen
als Herolde das lieb¬
liche Weihnachtsfest an¬
kündigen. — Die letzten
drei Donnerstags-Nächte
vor Weihnachten führen
in Süddeutschland den
Namen „Rauch - oder
Rauhnächte". Zur Ver¬
treibung schädlicher Dä¬
monen werden Zimmer
und Ställe mit Weihrauch
durchräuchert. Man nennt
sie auch „Knöpfei-, An-
klopf- oder Baselnächte",
weil umherziehende Kna-
Xanten, Dom St. Viktor: David-Gobelin
Sonntagen das Christus¬
kind im weißen Kleide,
einem langen weißen
Nr. 12 DEUTSCHLAND
599
Schleier und einer Strahlenkrone auf dem Haupte aus. Als
Begfleiter wird ihm der ^Strohmann", der seinen Körper mit
Stroh umhüllt hat, beigegeben. Das Christuskind spendet den
artigen Kindern „Weckebrocken" und Aepfel, die unartigen
werdea von der Rute des Strohmannes bearbeitet.
In Mecklenburg, West- und Ostpreußen, Pommern, auch
in einem Teile der Provinz Brandenburg, z. B. in Belzig zieht
der Schimmelreiter, von den Mythologen bekanntlich als ein
Anklang an den den Schimmel Sleipnir reitenden Wodan
angesprochen, auf. Er wird gebildet durch junge Burschen
die durch übergehängte Laken einen Pferdekörper bilden und
einen aus Stroh hergestellten Pferdekopf tragen. Auf dem Ge¬
bilde sitzt ein Bursche als Reiter. Er besucht alle Gehöfte und
fordert allerhand Gaben ein. Neben Wodans Schimmel tritt
der dem Wodan heilige Bock auf. Er zieht auf der Insel
Usedom als „Klappenbock" herum; eine Person trägt eine
mit einer Bockshaut behängte Stange, an der ein Widderkopf
aus Holz befestigt ist. Die Kinnladen schlagen beim An¬
ziehen einer Schnur zusammen. In Tirol wird der „Anklopf¬
esel" und im Elsaß der „Biggesei" umhergeführt. In Hammel¬
stall im Kreise Ueckermünde huschen in den Adventswochen
weiße Gestalten von Haus zu Haus. Man nennt sie die
„Vorspuker" oder „Witten". Sie erkundigen sich nach dem
Wohlverhalten der Kinder. In Elbing kennt man die „Advents¬
mütterchen". Sie tragen einen mit rotem Band geschmückten
Hut mit breitem Rande von altmodischer Form, um die
Schultern ein schneeweißes Bettlaken, in den Händen eine
Opferbüchse, einen Korb und eine Schlittenglocke. In sol¬
cher Vermummung sammeln sie milde Gaben für die Spitäler
ein. In der Kinderwelt herrscht große Freude beim Anblick
dieser weißhaarigen Mütterchen, da ihr Erscheinen den fröh¬
lichen Advent und das nahe Weihnachtsfest verkündet.
Einer der Hauptverkündiger des Weihnachtsfestes ist dej-
Nikolaus, dessen Heiligentag auf den 6. Dezember fällt. Er
war Bischof von Myra in Italien und ein Freund der
Kinder. Bei der Verkündigung des Christentums sollte er,
der freundliche Heilige, den Glauben an die finsteren Winter¬
dämonen verdrängen, aber der Volksglaube ließ sich nicht
verdrängen, und so hat sich der gute Heilige gefallen lassen
müssen, daß er noch heute als vermummter Weihnachts¬
herold im größten Teile Deutschlands umherziehen muß und
den Kindern je nach ihrem Verhalten Geschenke oder Ruten¬
schläge zukommen läßt.
Die Namen des Heiligen sind gar mannigfaltig. Er er¬
scheint als Niklawes, Nikolo, Sünterklaas, Ruhklaas, Butter¬
klaas, Ascheklaas, Kindjes, Pelzmärte, Josef. Als Niklawes
habe ich ihn in Nordthüringen kennen gelernt. Er ist der
Schrecken der Kleinen: Mit langem Barte und im Pelzgewande
einen Sack auf dem Rücken tragend, tritt er, sein Kommen
vorher durch Schläge an die Fenster verkündend, in die
Häuser ein und fragt in barschem Tone die Kinder, ob sie
beten gelernt haben. Die fleißigen und artigen beschenkt er
mit Aepfeln und Naschwerk, den unartigen gibt er die Rute
zu schmecken. Aber im allgemeinen ist er nicht so streng.
Schon durch das folgende Sprüchlein läßt er sich besänftigen
und tut seine Schätze auf;
Nikolaus, sei unser Gast,
Wenn du was im Sacke hast.
Hast du was, so setz dich nieder.
Hast du nichts, so pack dich wieder.
In den deutsch - belgischen und deutsch-holländischen
Grenzgebieten stellen die Kinder Teller für St. Nikolaus auf,
in welche dieser allerhand kleine Geschenke legt. Die Kinder
singen: Laßt uns froh und munter sein
Und uns heut von Herzen freun;
Gleich ist unsere Schule aus.
Dann geh' ich vergnügt nach Haus.
Gleich setz ich den Teller auf,
Nikolaus bringt gewiß was drauf.
Dann geh ich geschwind zur Ruh,
Schlaf und schließ die Augen zu.
Wenn ich schlaf, dann träume ich:
„Jetzt bringt Niklaus was für mich".
Wenn ich aufgestanden bin,
Lauf ich schnell zum Teller hin.
Vater, Mutter, seht einmal.
Was für schöne Sachen all.
Niklaus ist ein guter Mann,
Dem ich nicht g'nug danken kann.
Am Niederrhein setzen die Kinder ihre Stiefeln und
Schuhe auf den Herd oder an den Schornstein; sie stecken
auch Heu in die Schuhe, damit das Roß des Nikolaus etwas
zu fressen findet. Dieser legt seine Geschenke in die Schuhe
ein. In den Niederlanden singen die Kinder am 6. Dezember:
St. Nikolaus, der gute Mann,
Zieht den besten Rock sich an.
Er reitet bis nach Amsterdam,
Von Amsterdam nach Spanien,
Holt Aepfel aus Oranien.
Er gibt den kleinen Kindern was
Und läßt die großen laufen.
Die mögen sich selber was kaufen.
Auch in Frankreich ist der winterliche Gast bekannt. Man
singt dort: Saint Nicolas, bonne homme,
Donnez-moi des pommes,
Donnez-moi des macarins,
Saint Nicolas est mon cousin.
Bei den Kindern Wiens nimmt „Niccola" während der
ganzen Adventszeit den herrschenden Platz ein. Er bringt
ihnen auf dem Platz „Am Hof" einen Jahrmarkt mit Süßig¬
keiten und Spielwaren. Unter diesen prangen auch die Figuren
Niccolas: lebensgroße Heilige mit einem kostbaren Bischofs¬
mantel umhüllt und auf dem Kopfe, der mit einem ehrwürdigen
weißen Barte umrahmt ist, die mit Glasperlen besetzte Mitra.
Daneben sieht man plumpe Holzpuppen mit blödem Blick,
um das jugendliche Gesicht ein schlechter Bart; den wei߬
seidenen Bischofsmantel ersetzt ein Fetzen buntgedruckten
Papiers. Nikolaus trägt aber hier keine Rute, sondern sein
Begleiter, der „Krampus", der Büttel für die unartigen Kinder.
Dieser strafende Begleiter des Nikolaus wird auch sonst
in Deutschland angetroffen, so der „Hans Trapp" im Elsaß,
der „Hans Muff" am Niederrhein, der „Hautauf" und „Rumpanz"
in Ostdeutschland.
Der Bruder des Nikolaus ist der Knecht Ruprecht. Woher
sein Name stammt, ist ungewiß. Manche leiten ihn von
„ruchtperaht", d. h. der Ruhmglänzende, einem Beinamen
Wodans ab, andere von „Ruhknecht", d. h. rauher Knecht,
andere von dem Vornamen Rupert. Im Erzgebirge erscheint
er als „Hans Ruprich" und spricht beim Eintritt in das Zimmer:
Flisch, flasch, Flederwisch,
's ist mir draußen gar zu frisch.
Will mich in die Stube machen.
Will sehen was die Kinder machen.
Ob sie fleißig beten und singen.
So will ich ihnen was mitbringen.
Wenn sie nicht fromm gewesen sein.
Steck ich sie gleich in den Sack hinein.
Auch noch andere Adventsgäste und WeihnachtsVer¬
kündiger besuchen die frohbewegte Kinderwelt, welche die
Tage vor Weihnachten erwartungsvoll durch Striche in ein
Brett einkerbt. Im Elsaß kommt der „Müllewitz" oder „Rumpanz"
oder das „Christkind", begleitet vom „Biggesei". In Nord¬
deutschland kommt der „Weihnachtsmann", im ehemaligen
Kursachsen „der häle Christ". Man erwartet die Ankunft des
lieben Weihnachtsmannes mit folgenden Versehen;
Du lieber, frommer, heiliger Christ,
Komm doch nicht wenn's finster ist.
Komm zu mir im Mondenschein
Und wirf Aepfel und Nüsse herein,
oder: Wenn Weihnacht ist, wenn Weihnacht ist.
Dann kommt zu uns der heil'ge Christ.
Er bringt uns eine Muh, er bringt uns eine Mäh
Und auch eine große Tschingterätätä.
600 DEUTSCHLAND IS
g| Nr. 12
Der Kunstausschuß für das
Bismarck«Nationaldenkmal, der
am 4. Dezember in Köln ver¬
sammelt war, sandte zunächst ein
Teleg’ramm an den Geheimrat
Kirdorf, dem für seine mühe¬
volle Arbeit im Interesse des
nationalen Werkes herzlichst
g’edankt wurde. Namens der
Jury berichtete Prof. Dr. Licht-
wark (Hamburg-), namens des
Kunstausschusses Geh. Rat Prof.
Dr. C lernen (Bonn). Nach
dreistündig-er lebhafter Beratung
wurde mit 31 : 10 Stimmen der
neue Kreis'sche Entwurf mit
der Bismarckfigur von Lederer
als Grundlage für die Aus¬
führung als geeignet bezeichnet
und gewählt. — Von einem Teil¬
nehmer der Sitzung des Ent-
scheidungs - Ausschusses wird
der „Köln. Ztg." geschrieben: Es
war eine der denkwürdigsten
und nach der Seite objektiver Er¬
örterung von Fragen der Kunst
zugleich unter dem nationalen
Gesichtspunkt bezeichnendsten
Sitzungen, die der Denkmalsaus¬
schuß bis jetzt gehalten hat. Auf
beiden Seiten wackere Kämpen
der Parteien — hie Hahn, hie
Kreis (Lederer) — Prof. Licht-
wark (Hamburg) in einem Be¬
richt über die Verhandlungen
der Jury, Geh. Rat Clemen (Bonn)
mit einem solchen über die des
Kunst - Ausschusses, daneben
Dr. Rathenau (Berlin) mit fein¬
sinnigen Bemerkungen über die
Aufgaben der zeitgenössischen
Kunst, Rechtsanwalt Falk (Köln)
mit glücklicher Betonung des
nationalen Gesichtspunktes. Der
Das Bismarck-Nationaldenkmal
o o o
Professor Wilhelm Kreis, Düsseldorf,
der Sieger im Wettbewerb für das Bismarck - National - Denkmal
alte Geheime Oberbaurat Franz
Schultz (Köln), der 80jährige,
mit dem temperamentvollen
Wunsche „seinen"^ Bismarck auf
der Elisenhöhe verkörpert zu
sehen, Beigeordneter Rehorst mit
Würdigung der Vorzüge seines
Freundes Kreis, doch ein Gegner
des Entwurfs, der die rheinische
Landschaft schädigen werde.
Und dann zwei, tiefen Ein¬
druck hinterlassende Reden des
Abg. Dr. Beumer und des Geh.
Rat Clemen, von denen jener
Lichtwark und Rathenau gegen¬
über die Frage aufwarf, ob denn
jene „Offenbarungen der höch¬
sten künstlerischen Leistungs¬
fähigkeit" dem ganzen Wesen
Bismarcks als Staatsmann, als
Politiker, als Mensch gerecht ge¬
worden seien, was er verneinen
müsse, während in dem neuen
Entwurf Kreis - Lederer dazu
ein glücklicher Versuch gemacht
werde, der dem Empfinden des
Volkes durchaus zu entsprechen
geeignet sei, während Geh. Rat
Clemen an die Genannten zu¬
nächst den feinen Hinweis
richtete, daß sich auch Künstler
nicht selten geirrt, um dann
in der ruhigen und doch be¬
geisternden Art seiner Dar¬
stellung die Vorzüge des Kreis-
schen Entwurfs hervorzuheben.
Und das glückliche Schlußwort
des Oberpräsidenten Freiherrn
V. Rheinbaben, dessen vermit¬
telnde Rede in die Ueberzeugung
ausklang, daß man nun mit
Lust und Liebe an der Voll¬
endung des nationalen Werkes
arbeiten werde.
Der vom Denkmal-Ausschuß als Unterlage für das Bismarck-Denkmal am Rhein gewählte Entwurf von Professor Wilhelm Kreis
3800080008991 DEUTSCHLAND B eeeeeeceeeeeceoeeeoeeec i eeotP 60 i
OefFentlicher Meinungs-Austausch.
Neutrales Gebiet zur Erörterung von Verkehrs fragen und Bundesangelegenheiteii. Die Redaktion trägt nur die pressgesetzliclie Verantwortung.
Deutscher, geh’ an das deutsche Meer.
Man schreibt uns:
Die „Kölnische Volksxeitung“ nimmt in ihrer Nummer 1046
vom 8. Dezember igii Stellung gegen den Artikel in Nr. 10 der
„Deutschland“ vom Oktober 1911, betreffend den Besuch bel¬
gischer und deutscher Seebäder; die „K. V.“ muss indessen der
wesentlichsten Ausstellung gegen die belgischen Seebäder zu¬
stimmen, nämlich der mangelhaften Trinkwasserversorgung dieser
Seebäder. Ja, die „K. V.“ erweitert diese Ausstellung noch dahin,
dass sie neben der Trinkwassermisere noch auf die Was ch-
wassermisöre in den belgischen Seebädern hinweist. Wenn
die genannte Zeitung aber trotzdem glaubt, dass es mit dem Um¬
fange der hieraus entstehenden Gefahr von ansteckenden Krank¬
heiten, insbesondere des Typhus wohl nicht so bestellt sei, wie
in unseren Ausführungen gesagt wird, so bleibt sie hierfür den
Beweis schuldig. Die grösste Gesundheitsgefahr bei Ansamm¬
lungen von vielen Menschen auf verhältnismässig kleinem Raume
droht aus einer mangelhaften Wasserversorgung, wie bei dem
heutigen Stande der Erkenntnis auf dem Gebiete der Hygiene
nicht weiter bewiesen zu werden braucht; ebenso steht fest, dass
schon häufiger Erkrankungen der Gäste in den belgischen See¬
bädern an Typhus und typhusähnlichen Erkrankungen vorge¬
kommen sind.
Die „K. V.“ glaubt ferner den Vorteil, den die deutschen
Seebäder gegenüber den belgischen wegen ihrer Lage mitten
in der See aufweisen, gering anschlagen zu müssen, da diesem
Vorteile der Nachteil des bei Ebbe blossgelegten Schlicks im
Wattenmeer und dessen übler Geruch gegenüberstehe. Nun
hätte der letzte Sommer wegen seiner grossen, langdauernden
Hitze einen solchen Uebelstand wohl in besonders hohem Masse
veranlassen müssen; wir glauben aber, dass wohl kein Besucher
der deutschen Seebäder unter üblen Gerüchen gelitten hat. Der
Boden des Wattenmeers besteht nicht aus fäulnisfähigem Schlick,
er ist vorwiegend sandig und in geringem Masse durch Humus¬
bestandteile verunreinigt. Ein Spaziergang bei Ebbe im Watten¬
meer ist äusserst anregend und belehrend; zahlreiche Vögel
beleben den freigelegten Grund und suchen und finden Nahrung
an den vom Wasser zurückgelassenen Meerestieren, Muscheln
und Schnecken. Bis auf weite Strecken kann man mit hoch¬
rädrigen Wagen in das Wattenmeer fahren und wem das Glück
gewogen ist, hat Gelegenheit, das Spielen der Seehunde zu be¬
trachten. Gerade der Besuch des Wattenmeeres bietet einen
weiteren Vorzug der deutschen Seebäder.
Der in den belgischen Seebädern vorkommende Landwind
mag nun nicht für jeden gesundheitsschädlich sein, unangenehm
und unbequem ist er auf alle Fälle, was jeder Besucher der
belgischen Seebäder bestätigen wird. Wenn auch vorherrschend
Seewinde aus Nordwest wehen, herrscht doch an einer Reihe
von Tagen Landwind.
Die „K.V.“ weist ferner darauf hin, dass in den belgischen
Seebädern grosse deutsche Kapitalien angelegt seien, und
dass daher eine Schädigung Deutscher entstehe, wenn der Be¬
such der belgischen Seebäder zurUckgehe; wir müssen offen
gestehen dass uns dieser Grund am allerwenigsten stichhaltig
erscheint; es ist höchst bedauerlich, dass das deutsche Kapital
ins Ausland geht, wo in Deutschland selbst noch soviel
Kulturarbeit zu leisten ist. Ein solches Vorgehen zu
unterstützen liegt wahrlich kein Anlass vor.
Wenn die „K. V.“ es weiter unangebracht findet, dass
man die von ihr im letzten Jahre mitgeteilten zum Teil sogar
tätlichen Beleidigungen, die Deutschen in Belgien widerfahren
sind, verallgemeinert, so ist das ein Standpunkt, über den sich
schwer streiten lässt. Tatsächlich sind diese Beleidigungen doch
vorgekommen und es setzt sich jeder Deutsche, der nach Belgien
geht, der Gefahr solcher Beleidigungen aus. Der Belgier wird
ferner der Benennung der belgischen Seebäder als „flämische“
sicher'nicht zustimmen; das flämische steht nicht sehr hoch im
Kurs beim Belgier. Bekannt ist, dass die Bestrebungen der
Flamen auf weitere Anwendung ihrer Sprache im öffentlichen
Leben bisher ohne grosse Erfolge gewesen sind, selbst die Ge¬
setze Belgiens werden nur in einer flämischen Uebersetzung
herausgegeben, der offizielle Text ist stets der französische.
Durchaus zustimmen können wir der„K. V.“, wenn sie am
Schlüsse ihrer Besprechungen hinsichtlich der Verb esser u ng
der Verbindungen mit den deutschen Seebädern
sagt, dass das übliche bureaukratische non possumus vor kauf¬
männischen, sozialen und nationalen Erwägungen weichen
müsse. Hoffentlich finden die auf Verbesserung der Verkehrs¬
verbindungen zielenden Anträge des Verbandes der Nordsee¬
bäder bei der Eisenbahn-Verwaltung ein geneigtes Ohr. — —
G . . . . n.
Verkehrs-Vereine und Stadtverwaltung.
Man schreibt uns;
Mit Interesse habe ich die Bemerkungen zu dem Aufsatz
„Dem Fremdenverkehr und seine Bedingungen“ aus der Schweizer
Hotel-Revue gelesen. Die prägnante Charakteristik unserer
heutigen Verkehrs-Vereinspolitik ist Satz für Satz zu unter¬
schreiben. So erfreulich der Aufschwung ist, den die Tätigkeit
der Verkehrs-Vereine und deren Erfolg zu verzeichnen hat, so
ist doch noch ein weiter Weg zurückzulegen, bis die Höhe
erklommen ist, und ein recht grosses Feld der Betätigung liegt
noch vor ans.
Nach jahrelanger unverdrossener Arbeit hat der Bund
Deutscher Verkehrs-Vereine die Unterstützung der staat¬
lichen Behörden gefunden. Dieser Erfolg ist sehr zu begrüssen.
Hoffentlich wird dieses Zusammengehen in günstiger Weise ein¬
wirken auf das Verhältnis zwischen den einzelnen Verkehrs-
Vereinen und den Stadt-Verwaltungen. Auch hier
zeigt sich allenthalben ein erfreulicher Umschwung. Trotzdem
darf nicht verhehlt werden, dass manche Verkehrs-Vereine
bei den städtischen Verwaltungen nicht das Ent¬
gegenkommen finden, das ihre gemeinnützigen Bestrebungen
verdienen. Bis noch in die jüngste Zeit — und stellenweise
heute noch — wurden die Verkehrs-Vereine von den Stadt¬
verwaltungen in erster Linie als solche Institute betrachtet,
die durch recht häufige Anträge auf Bewilligung städtischer
Beiträge die Aufmerksamkeit der Stadtparlamente auf sich
lenkten. Wenn die beantragten Mittel bewilligt wurden, so ge¬
schah es vielfach mit recht kräftigen Abstrichen. Dadurch
wurde die Durchführung des lediglich den Interessen der Stadt
dienenden Arbeitsprogramms nicht nur unmöglich gemacht,
sondern auch die Schaffensfreude der Verkehrs-Vereine arg
heruntergedrückt. Es darf nicht verschwiegen werden, dass
heute noch manche Verkehrs-Vereine durch eine solche kurz¬
sichtige Behandlung an ihrer vollen Entfaltung sehr behindert
werden. Obwohl immer wieder betont wird, welch ein wichtiger
Faktor der Fremdenverkehr in volkswirtschaftlicher Beziehung
ist und wie steigerungsfähig der Fremdenverkehr gerade in
Deutschland noch ist, so kann man es in manchen Städten
nicht ^überwinden, Mittel zu bewilligen, die gewissermassen als
werbendes Kapital angelegt, durch die Belebung des
Fremdenverkehrs reichliche Zinsen einbringen.
Auch hier heisst es nun, mit zäher Ausdauer weiter gearbeitet.
Vielleicht dürfte es aber nicht schaden, gleichzeitig mit etwas
mehr Nachdruck zu betonen, dass es im eigensten Interesse
der Städte liegt, durch festeres Hand - in - Hand - arbeiten und
reichlichere Mittel den von den Verkehrs-Vereinen be¬
arbeiteten Boden noch fruchtbringender zu gestalten.
Die Haushaltungspläne der durchweg eine geradezu glänzende
Entwicklung aufweisenden deutschen Städte gehen in zahllose
Millionen, unter denen sich die Aufwendungen für Verkehrs¬
propaganda recht kläglich abheben. Eine Belebung des
Verständnisses für diese Seite des modernen Städtewesens darf
man, wie ^ schon angedeutet, von dem zunehmenden Interesse
erwarten, das die Staatsbehörden der Förderung der Verkehrs-
bestrebungen in letzter Zeit an den Tag legen. Dr. M.
Bund Deutscher Verkehrs-Vereine.
Geschäftsstelle: Leipzig, Naschmarkt, Handelshof.
Dem Bund traten als Mitglieder bei:
Fürstliche Wildunger Mineralquellen A.-G., Bad Wildungen.
Allgemeiner Deutscher Pensionsbesitzerinnen-Verband E. V.,
Leipzig.
Apollinaris-Brunnen A.-G., Neuenahr.
Auf der letzten Sitzung des Gesamtvorstandes wurde be¬
schlossen, die nächstjährige Bundestagung in Kassel abzuhalten.
An Stelle des infolge beruflicher Ueberlastung aus dem ge¬
schäftsführenden Ausschuss ausgeschiedenen Herrn Professor
Dr. Friedrich wurde Herr Generalmajor z. D. Gadegast
in Leigzig zum stellvertretenden Vorsitzenden gewählt.
Der geschäftsführende Ausschuss richtete auf Beschluss
der Gesamtvorstandssitzung vom 8. Oktober ds. Js. an den
preussischen Herrn Minister der öffentlichen Arbeiten eine Ein¬
gabe wegen kostenloser Aufstellung der Führer-Automaten der
Verkehrs-Vereine innerhalb der Bahnhöfe.
Es ist uns darauf die Nachricht geworden, dass auf den
Bahnhöfen, auf denen sich keine Bahnhofsbuchhandlungen be¬
finden, sofern nicht vertragliche Rechte anderer Automaten-
Unternehmungen entgegenstehen, die kostenlose Aufstellung der
Automaten der Verkehrs-Vereine zugelassen würde. Dagegen
kann dies nicht geschehen auf solchen Bahnhöfen, wo sich
Bahnhofsbuchhandlungen befinden infolge der hohen Pachtbe¬
träge, welche dieselben zu zahlen haben.
Aus den Bundes-Vereinen.
Der Erzgebirgsverein,
der in 103 Zweigvereinen gegen 16 000 Mitglieder zählt, hat das
ihm gehörige Unterkunftshaus auf dem Fichtelberge,
dem höchsten Berge Sachsens ^1214 m) mit einem Kostenauf-
wande von 160000 Mk. bedeutend erweitert und auch mit
eigener Wasserleitung und Gasbeleuchtung versehen. Zu dem
weiter vorgenommenen Ausbau der nach dem Fichtelberge
führenden Strasse gewährte das sächsische Ministerium des
Innern 12000 Mk. und 2 Automobilklubs zusammen 1500 Mk.
Der Erzgebirgsverein hat zu dem Bau ungefähr 12000 Mk. bei¬
zutragen. Damit Fusswanderungen nach dem Fichtelberge
durch den Automobilverkehr nicht beeinträchtig werden, liess
die Staatsforstverwaltung auf ihre Kosten einen besonderen,
schön und zweckmässig angelegten Fussweg herstellen. Das
Fichtelberghaus (mit 125 Betten) hat auch im Winter einen sehr
starken Verkehr; die Preise für Uebernachtung und Verpflegung
sind mässig. Das vom Erzgebirgsverein ebenfalls erbaute
Unterkunftshaus auf dem zweithöchsten Borge Sachsens,
dem Auersberge (1020 m), ein wahres Schmuckstück heimischer
Bauweise, soll ebenfalls vergrössert werden. Der Erbauer des¬
selben, Herr Kgl. Finanz- und Baurat Kenslein in Zwickau,
ist leider in diesem Herbst verschieden. Der Ausbau des Hauses
muss daher noch verschoben werden. In Annaberg befindet
sich das so sehenswerte Erzgebirgsmuseum mit historischen,
volkskundlichen und touristischen Abteilungen. Jetzt wird der
Plan erörtert, in dem alten Schlosse Augustusburg, der
Wartburg des Erzgebirges, ein Erzgebirgs-Verkehrs-
museum zu errichten. Dem Zweigverein Ausprung sind
500 Mk. zum Ankauf eines Grundstückes mit Aussichtspunkt
bewilligt worden. Die Errichtung einer SchutzhUtte auf der
geologisch so interessanten Basaltkuppe, dem Hirtstein bei
Satzung (der Basalt streicht hier radial) hat sich leider zer¬
schlagen. Die Herstellung einer Fremdonverkehrsstatistik
soll vom Erzgebirgsverein ebenfalls in Angriff genommen werden,
Der Mitbegründer des Vereins, Herr Betriebsingenieur a. D.
Prosse in Leipzig, der durch seine touristischen Arbeiten
bestens bekannt ist, wurde zum Ehrenmitglied des Erz-
gebirgsvereins ernannt. Den Verein leitet seit Anfang
dieses Jahres Herr Oberjustizrat Oberamtsrichter Dr. Gilbert in
Schneeberg; Ehrenvorsitzender ist der frühere langjährige Vor¬
sitzende, Herr Seminaroberlehrer i. R. Möckel, jetzt in
Dresden A. 2x wohnhaft. H. M.
Württembergisch-Hohenzollerische Vereinigung
für Fremdenverkehr.
In der letzten Sitzung des Landesausschusses der Württ.-
Hohenz. Vereinigung für Fremdenverkehr, unter dem Vorsitz
des Herrn Gemeinderats Stübler (Stuttgart), fanden die
Vorberatungen über die für das Frühjahr 1912 geplante Schwä¬
bische Landesausstellung für Reise- und Fremden¬
verkehr statt. Der Vorsitzende teilte mit, dass von der K.
Zentralstelle für Gewerbe und Handel bereits das Ausstellungs¬
gebäude in der Schlossstrasse mit über 600 qm Bodenfläche zu
diesem Zweck zur Verfügung gestellt und auch der Betrieb, der
Schwäbischen Weinstube und der Schwarzwälder Kaffeestübe, .
die auf der Internationalen Ausstellung für Reise- und Fremden¬
verkehr in Berlin so grossen Anklang gefunden hätten, genehmigt,
worden sei. Herr Architekt Braun, Teilhaber der Firma
Schumacher & Braun in Heidenheim, legte einen Plan und '
Kostenüberschlag vor und konnte bereits ein Modell für den
Eingang in die Ausstellung, dessen Entwurf von einem hiesigen
Künstler, Herrn BUdhauer Frey, herrührt vorfdhren. Die .
technische Ausführung der Ausstellung wurde der Firma Schu¬
macher & Braun in Heidenheim übertragen und ausserdem eine .
Ausstellungskommission mit 15 Mitgliedern gewählt. Als Er-
öffnungstermin wurde der i. Aprü 1912 festgesetzt und eine
Ausstellungsdauer von mindestens 2 Monaten in Aussicht ge-,
nommen. Die Ausstellung soll wesentlich erweitert und insbe¬
sondere soll die einschlägige Industrie für die Beteiligung
gewonnen werden. Hierauf befasste sich der Landesausschuss
mit der Frage der Ausschmückung der Eisenbahnr
wagen mit Landschafts- und Städtebildern zu .
Reklamezwecken, die die K. Generaldirektion der Staatseisen¬
bahnen in Verbindung mit der Württ.-Hohenz. Vereinigung für
Fremdenverkehr plant. Der Vorsitzende machte die Mitteilung,
dass der Bund deutscher Verkehrs -Vereine sich mit demselben .
Unternehmen für das ganze Deutsche Reich befassen wolle und
in letzter Zeit eine Besprechung mit den Vertretern des Bundes
stattgefunden habe. Der Bund lege sehr grossen Wert auf
eine einheitliche Durchführung des Plans, doch sei er für Ver¬
wendung von farbigen Lithographien, während die WÜrtt.-
Hohenz. Vereinigung den natürlichen Farbenphotographien den
Vorzug gebe. Der anwesende Vertreter der K. Generaldirektion
der Staatseisenbahnen, Herr Direktor von Leo, äusserte sich
sehr eingehend über die Frage und teilte mit, dass die K. General¬
direktion nunmehr zunächst Versuche mit beiden Arten von
Bildern mache, von deren Ergebnis die Verwendung der einen
oder andern abhänge. Der Ausschuss beschloss deshalb, diese
Versuche zunächst abzuwarten. Als Tag für die Wander-
versammlung der Verkehrs-Vereine, die in diesem Jahr in
Hechingen stattfindet, wurde der 19. November bestimmt. Einer
Anregung des Vorsitzenden entsprechend sprach sich der
Ausschuss auch für die Förderung der Veranstaltung von
Trachtenfestzügen anlässlich des Cannstatter Volksfestes
aus; ferner beschloss der Ausschuss, die von der Vereinigung
zur Erhaltung deutscher Burgen geplante Sondernummer des
,,Burgwarts“ über die Burgenfahrt in Württemberg und Hohen-
zollern mit einem Beitrag zu unterstützen. Der Vorsitzende
berichtete dann noch über die Ausgabe der farbigen Schrift:
„Das Schwabenland in Wort und Bild“, die eine ausserordent¬
lich gute Aufnahme gefunden habe und von der bereits 13000
Stück abgesetzt seien, ferner des „Kleinen Wegweisers durch
das Schwabenland“, der einen Auszug aus der genannten Bro¬
schüre darstelle und unentgeltlich zur Verteilung komme. Ausser¬
dem erscheine in den nächsten Wochen der Landesführer, eine
Zusammenstellung der Sommer- und Winter - Unterkünfte in
Württemberg und Hohenzollern für Erholungsbedürftige und
Sportfreunde; dessen Ausgabe erfolge aber erst im nächsten
Frühjahr vor Beginn der Reisezeit. Zum Schluss berichtete
noch Herr Hofbuchhändler Wildt, der Leiter der Auskunfts¬
stelle der Vereinigung, über die wachsende Inanspruchnahme
der Auskunftstelle, die der beste Beweis für den Erfolg der
Tätigkeit der Vereinigung sei.
Verkehrs-Verband für Ost- und Westpreussen.
Unter dem Vorsitz des Herrn Rechtsanwalts Zander
(Danzig) tagte im Kasino der Ressource Humanitas in Elbing
der Verkehrs-Verband für Ost- und Westpreussen zu seiner
Jahrestagung. Herr Bürgermeister Sch all er begrüsste den
Verband im Namen der Stadt Elbing und widmete den Bestre¬
bungen des Verbandes warme Worte der Anerkennung. Der
Vorsitzende dankte für die Begrüssungsworte. Der Elbinger
Verkehrsverein sei der grösste in Deutschland und der einzige
Verein, der einen Naturschutzpark sein eigen nenne. Er sei
davon überzeugt, dass der Verband hier reiche Anregung
finden werde. Es wurde darauf in die Beratung der Tages¬
ordnung eingetreten. Der Jahresbericht lag der Versamm¬
lung gedruckt vor. Der von Herrn Bürgermeister Dr. Stolzen¬
berg (Graudenz) vorgetragene Kassenbericht verzeichnet eine
Einnahme von 2211 Mk. und eine Ausgabe von 1309‘^Mk.
Personenschiffahrt auf dem Oberländischen Kanal. Über
die Einführung der Personenschittahrt auf dem Oberländischen
Kanal referierte Herr Landesrat Küsei (Königsberg).
Die sach- und fachgemässd Begründung von Eisenbahn-
verkehrswünschen lautete das Thema des folgenden Vortrages,
dessen Referat Herr Rechtsanwalt Zander (Danzig) Über¬
nommen hatte. Die Tatsache, dass die von den Verkehrs-Ver- >
einen oder Verkehrs-Verbänden der Eisenbahnbehörde gegen-
Nr. 12 B DOQOQQQQO Q( X 3 0Cy j O Q(^X^ DEUTSCHLAND
603
Über zum Ausdruck gebrachten Verkehrs wünsche auf so wenig
JBrfolg zurückblicken können, dränge die Frage auf, wie die
Arbeit der Vereine fruchtbringender zu gestalten und was zu
tun ist, um den Anträgen^eine 'grössere Geltung zu verschaffen.
Der Referent verbreitete sich nun darüber ausführlich, wobei er
seine, im Dienste des Verkebrsvereins gesammelten reichen Er¬
fahrungen verwertete und wertvolle Fingerzeige gab, wie die Ver¬
kehrswünsche bei der Eisenbahnverwaltung zu begründen sind.
Verkehrs-Verband für Westpreussen.
In der letzten Jahresversammlung des Verkehrs-Verbandes
für Ost- und Westpreussen war beschlossen worden, für jede
Provinz einen eigenen Verkehrs-Verband zu konstituieren, den
alten Verband aber formell weiter bestehen zu lassen. Nach¬
dem sich inzwischen der „Ostpreussische Verkehrs-Verein“
gebildet hat, konstituierte sich kürzlich der „Verkehrs-
Verband für Westpreussen“. Die Versammlung tagte
unter ‘dem Vorsitz des Herrn Rechtsanwalts Zander (Danzig)
und nahm nach kurzer Beratung die Satzung für den neuen
Verband an. Die dem Vorstand des Verkehrs-Verbandes für
Ost- und Westpreussen angehörenden Herren aus Westpreussen:
Rechtsanwalt Zander (Danzig), Hauptmann Pudor (Elbing), Pro¬
fessor Dr. Heidenhain (Marienburg) und Bürgermeister Dr. Stolzen¬
berg (Graudenz) wurden für den neuen Verband beibehalten.
Ferner wurden der Verkehrs-Ausschuss Thorn, Magistrat Deutsch-
Eylau und Kreis-Verband Schlochau designiert, aus ihrer Mitte
je ein Mitglied für den Vorstand zu bestimmen. Herr Rechts¬
anwalt Zander referierte sodann über die Herausgabe eines
grösseren Werkes ,,Westpreussen“. Bisher bestehe kein
einziges zusammenhängendes Buch, das über den Rahmen eines
Schulbuches hinausgeht und uns in erschöpfender Weise über
Westpreussen orientiert. Es ist nun vom Verbände geplant,
mit Hilfe erster Autoritäten ein solches Weik erscheinen zu
lassen. Im Interesse der gemeinnützigen Arbeit des Verbandes
wäre es wünschenswert und notwendig, dass alle noch zurück¬
stehenden Gemeinden, Verkehrs- und Verschönerungs-Vereine,
Verkehrsmittel-Unternehmer usw. sich dem Verkehrs-Verbände
Westpreussen zu gemeinsamer Arbeit anschliessen.
Der zweite Verhandlungstag. Am Vormittag des nächsten
Tages wurden die Verhandlungen wieder aufgenommen. Der
Vorsitzende, Herr Rechtsanwalt Zander, gab zunächst bekannt,
dass der Vorstand des Verbandes für das neue Geschäftsjahr
an den Verkehrs-Verein Ostpreussen übergehe und Herr Landes¬
rat KU sei (Königsberg) den Vorsitz des Verbandes über¬
nommen habe. Stellvertretender Vorsitzender ist Herr Rechts¬
anwalt Zander. Beide Herren wurden in den Vorstand des
Bundes Deutscher Verkehrs-Vereine delegiert. Als Ort für die
nächstjährige Herbsltagung wurde Königsberg bestimmt. Zur
Herausgabe einer neuen Werbeschrift, „Ostmarken¬
fahrten“, worüber Herr Rechtsanwalt Zander referierte,
wurden 200 Mk. bewilligt. Herr Hauptmann a. D. Pudor
(Elbing) referierte über die Mittel zur Vermehrung des
Fremden-Verkehrs in Ost- und Westpreussen.
Auf einen Bericht des Herrn Gemeindevorstehers Zarnke
(Cranz) über die letzte Versammlung des Bundes Deutscher
Verkehrs-Vereine in Leipzig sprach derselbe Referent über das
Thema: Staatsbeihilfen für die Verkehrs-Vereine.
Der Redner betonte die Notwendigkeit zur Beschaffung
von Mitteln für eine ordentliche Statistik, um an Hand
dieser Staat und Gemeinden für Beihilfen an die Verkehrs-
Verbände zu interessieren, wie dies bereits in Oesterreich
und Frankreich geschieht. Der Referent unterbreitete
der Versammlung drei Anträge: i. Die Gründung eines
ostdeutschen bezw. grossen preussischen Bundes von Ver¬
kehrs - Vereinen, 2. beim Eisenbahnminister eine stärkere
Vertretung der Verkehrs-Vereine im Ausschuss zur Verteilung
der von der Eisenbahnbehörde bewilligten Mittel zu erwirken
und 3. ein gemeinsames Vorgehen der Verkehrs - Verbände
Deutschlands bezw. Preussens zur Erreichung von Staats- und
Reichszuschüssen zwecks Förderung der Fremdenindustrie zu
beschliessen. Die Anträge wurden der vorgerückten Zeit wegen
dem Vorstande zur Erwägung überwiesen und^die übrigen noch
unerledigten Gegenstände der Tagesordnung^für die nächste
Jahresversammlung zurückgestellt. Herr Stadtschulrat Prof.
Dr. Stettiner nahm Veranlassung, dem Vorsitzenden Herrn
Rechstanwalt Zander für seine als Leiter des Verbandes bisher
geleistete erspriessliche und unermüdliche Tätigkeit warmen
Dank auszusprechen.
Der arbeitsreichen Tagung schloss sich ein Ausflug nach
dem „Haffschlösschen“, der Besitzung des Verkehrs-Vereins
Elbing an. Die Fahrt bot viel Abwechslung, noch mehr aber
der Rundgang durch das Gelände mit seinen Forellenleichen,
Waldpartien und sonstigen Anlagen. Der Elbinger Verkehrs-
Verein ist in der beneidenswerten Lage, unter allen derartigen
Vereinen im weiten Umkreis der einzige zu sein, der sich eines
derartigen Besitzstandes erfreut. Das Festmahl im '„Haff-
schlösschen“ gab der Veranstaltung einen erfreulichen Ab¬
schluss. Die Ansprachen der Herren Pudor (Elbing), Heiden¬
hain (Marienburg) und Zander (Danzig) gaben dieser gehobenen
Stimmung sämtlicher Teilnehmerinnen und Teilnehmer beredten
Ausdruck. Nur zu früh trieb der Mahnruf an zeitige Rückkehr
zur gewohnten Arbeitsstätte zum Aufbruch zur Abfahrtsstelle
nach Elbingen und den weiteren Zielpunkten. Ueber den
gesamten Veranstaltungen walteten gütige Mächte und alle
Teilnehmer werden ihnen ein freundliches Andenken bewahren.
An beiden Abenden wurden in einem Schaufenster des Elbinger
Marktes Lichtbilder vorgeführt, die Sehenswürdigkeiten und
Naturschönheiten des Ostens zeigten.
Der Verband der ost- und westpreussischen
Ostseebäder
hielt kürzlich im Hotel Berliner Hof, Königsberg, seine
Jahresversammlung ab. Dem Verbände gehören sämtliche in
Betracht kommenden Badeorte beider Provinzen an: Memel,
Schwarzot, Cranz, Rauschen, Neukuhren, Georgenswalde, Neu-
häuscr, Kahlberg, Zoppot, Heia und Oliva. Westerplatte ist
aus dem Verbände ausgeschieden. Es gehört ihm ferner noch
der Verein zur Hebung des Fremdenverkehrs Ostpreussen an.
Der Verbandsvorsitzende Amtsvorsteher Zarnke (Cranz) legte in
seinem Jahresberichte den Verbandszweck klar, wonach dem
Hauptverbande deutscher Ostseebäder auf Grund gesammelter
Erfahrungen neue Anregungen unterbreitet werden. — Bei
weiterer Erledigung der Tagesordnung wurde zum Punkte
„Ferien und Feriensonderzüge“ beschlossen, das Mini¬
sterium zu ersuchen, es möge die Schulferien staffelweise ein¬
reichen, so dass zwischen Osten und Westen 14 Tage Unter¬
schied entständen. Der Erfolg wäre der, dass die Saison um
14 Tage verlängert werden könnte. Dem widerstrebten zur Zeit
jedoch noch Schulfachmänner. Zur Erhöhung der Zahl der
Sonderzüge sollen ausser den bisher bewilligten noch ein Zug
von Dresden und ein solcher von Oberschlesien angestrebt
werden. - - Die Besprechung der Tagesordnung für die dies¬
jährige Generalversammlung des Verbandes Deutscher Ostsee¬
bäder in Berlin zeitigte einen lebhaften Austausch mannigfacher
Erfahrungen. Im Frühjahr wird auftraggemäss ein Photograph
unsere Badeorte zwecks Aufnahmen bereisen, die zu Licht¬
bildern etc. verwendet werden sollen. Die Vorstandswahlen
erfolgten durch Akklamation. Der bisherige Vorstand: Amts¬
vorsteher Zarnke (Cranz), Vorsitzender, Bürgermeister Wold¬
mann (Zoppot), Stellvertreter, Direktor Wächter (Danzig), von
der Danziger Dampfer-Aktien-Gesellschaft Weichsel, Schriftführer,
Dr. Schumacher (Königsberg), vom Verein zur Hebung des
Fremdenverkehrs in Ostpreussen, Beisitzer, wurde wiedergcwählt.
An Stelle des verstorbenen Vorstandsmitgliedes Sanitätsrats
Henning trat Amts- und Gemeindevorsteher Hecker (Rauschen)
in den Vorstand.
Rügenscher Ostseebäder-Verband E. V.
Am 9. V. Mts. fand in Bergen im Hotel „Ratskeller“ unter
sehr zahlreicher Beteiligung die 3. Generalversammlung des R.O.-V.
statt, die vom i. Vorsitzenden, Oberst Seelmann, geleitet wurde.
Die T agesordnung war allen Interessenten durch den ge¬
druckten Jahresbericht schon früher zugegangen, sodass sich
die Verhandlungen glatt abwickelten. Die Sammlungen für die
Reiseausstellung in Berlin haben die erfreuliche Summe von
ca. 13000 Mk. gebracht, sodass dem Verbände auch für die
nächste Zeit hinreichende Mittel zur Verfügung stehen, '-‘f Es
konnte für das nächste Jahr eine grössere Zeitungsreklame
für Rügen und seine Seebäder vorgesehen werden. Ferner
sollen im Laufe des Jahres auch in fremden Sprachen gedruckte
illustrierte „Rügenführer“ erscheinen, da nach der Statistik
in unseren Grossbä lern der diesjährige Auslandsverkehr die
hohe Ziffer von erreicht hat. Bei dieser Gelegenheit
empfahl auch der i. Vorsitzende ein Abonnement auf die'all¬
seitig gut beurteilte neue Verkehrs- und Heimatszeitschrift
„Deutschland“ (Düsseldorf), welche das Publikationsorgan
des Bundes Deutscher Verkehrs-Vereine ist und sich auch vor¬
züglich zur Insertion eignet. Um auch .kleineren Orten Rügens
und sonstigen Interessenten den Beitritt zum R. 0 ,-V. zu er¬
leichtern, wurde der Vorstand von der Generalversammlung
ermächtigt, die Höhe der Beiträge gegenseitig zu vereinbaren.
Es wurde beschlossen, mit allen Mitteln auf die Verkehrsver¬
besserungen hinzuwirken. Zu diesen gehört u. a. die richtige
Ausgestaltung der Eisenbahnbrücke Uber den Strelasund, die
Umgestaltung der Bäderbahn in eine Vollbahn, die Einrichtung
einer neuen Dampfschiffslinie für den westländischen Verkehr
von Lübeck nach Rügen und die zweckmässige Aenderung des
Fahrplanes aus Westdeutschland über Berlin zu unseren Bädern,
Ausgabe zweckmässigerer Sonderzugkarten von Wien nach
Rügen. Die statutenmässig ausscheidenden Vorstands-Mil-
604
DEUTSCHLAND
Nr. 12
glieder, der i. Vorsitzende Herr Oberst Seelmann (Binz), der a.
Sekretär Herr von Pressentin (Göhren) und der i. Beisitzer Herr
Badedirektor Kruse (Sassnitz) wurden einstimmig wiedergewählt.
Zu Beginn der Sitzung wurden die Lichtbilder der Berliner
Reiseausstellung mit erläuterndem Vortrag vom Verbandsekretär
Herrn Schütz (Babe) vorgeführt. Zum Ehrenmitglied wurde der
Herr Hauptmann Montanus (Binz) gewählt der sich ganz beson¬
dere Verdienste durch die Vertretung der Rügen - Abteilung
während der Dauer der diesjährigen Reiseausstellung in Berlin
erworben hat.
Mecklenburgischer Verkehrs-Verband.
Die Vorstandssitzung in Waren beschäftigte sich in erster
Linie mit einem Führer durch Mecklenburg, der im Ent¬
würfe vorlag und eingehend in seinen Einzelheiten beraten
wurde. Die Herausgabe soll so frühzeitig erfolgen, dass der
Führer für die nächstjährige Reisesaison bereits in nutzbringender
Weise Anwendung finden kann. Zu erledigen war ferner ein
der Grossh. General - Eisenbahndirektion zu unterbreitender
Antrag, für den Vormittags-D-Zug Berlin—Warnemünde in
Güstrow Anschluss an den Vormittags-D-Zug Stettin —Hamburg
herbeizuführen; auch einige weitere Verkehrsangelegenheiten
aus den Ortsvereinen Neubrandenburg und Wismar kamen bei
dieser Gelegenheit zur Sprache. Die nächste Sitzung soll am
22 , November in Wismar abgehalten werden.
Stadt-Verkehrsamt Cassel.
Einem uns zugehenden Auszug aus dem Tätigkeitsbericht des
Stadt-Verkehrsamtes der Residenz Cassel für die Zeit vom i. Ok¬
tober igio bis 30. September 1911 entnehmen wir folgendes: Ver¬
öffentlichung von Empfehlungsanzeigen. Die Saisonreklame ver¬
teilte sich auf eine grössere Zahl in-und ausländischer Zeitschriften.
Da die seither benutzten Anzeigenklischees nicht mehr zweckdienlich
erschienen, wurden nach künstlerischen Entwürfen neue Druck¬
stöcke hergestellt, die abwechselnd Bilder von Cassel und
Wilhelmshöhe und einen kurzen empfehlenden Text enthalten.
Illustrierte Abhandlungen über Cassel und seine Umgebung
wurden regelmässig veröffentlicht. Als Nachrichtenzentrale
übersandte das Amt an 51 Tageszeitungen und Verkehrs-Zeit¬
schriften regelmässig die Allgemeinheit interessierende Notizen
Uber Cassel-Wilhelmshöhe. In Verbindung mit dem Fremden¬
verkehrs-Verein wurde der illustrierte Führer durch Cassel
völlig umgearbeitet, in einer Auflage von 50000 Exemplaren
neu gedruckt und in bedeutender Anzahl im In- und Auslande
verbreitet. Ferner wurde zusammen mit dem Fremdenverkehrs-
Verein eine Anleitung für Rundfahrten durch Cassel und Um¬
gebung herausgegeben und in geeigneter Weise verbreitet. Die
Notwendigkeit dieser Anleitung ergab sich aus der Tatsache,
dass die Droschkenkutscher nur bequem erreichbare Sehens¬
würdigkeiten den Fremden zu zeigen pflegen, während jetzt die
Möglichkeit gegeben ist, auf Verlangen auch abgelegenere Kunst-
und Naturdenkmäler in die Rundfahrten mit einzubeziehen. Auf
der Internationalen Ausstellung für Reise- und Fremdenverkehr
in Berlin und auf der Verkehrs-Ausstellung gelegentlich des
Verbandstages der Deutschen Touristen-Vereine in Wildungen,
war Cassel durch bildliche Darstellungen, Literatur und dergl.
vertreten. Wiederholt wurden Lichtbilder ausgeliehen zur Unter¬
stützung von Vorträgen ausserhalb Cassels. An den Vor¬
bereitungen der Landwirtschaftlichen Jubiläums-
Ausstellung nahm das Verkehrsamt grossen Anteil. Die
Gesamtbesucherzahl belief sich auf 197154. Die Zahl der ange¬
meldeten BUrgerquartiere betrug 7240, wovon 1820 an Interessenten
nachgewiesen wurden. Im Anschluss an die Landwirtschaftliche
Ausstellung wurde die Kolonialwirtschaftliche Aus¬
stellung zehn Wochen im Orangeriegebäude zur Schau
gestellt. Die Propaganda-Arbeit für diese Ausstellung wurde
vom Verkehrsamt zusammen mit der Abteilung Cassel der
Deutschen Kolonialgesellschaft geleistet. Zur Frage der Ferien-
SonderzUge sind dem Bunde Deutscher Verkehrs-Vereine ein¬
gehende Darlegungen zur Weiterleitung an die in Betracht
kommenden Stellen übermittelt worden, die darin gipfelten, dass
eine vermehrte Einlegung von Ferien-Sonderzügen auch in den
Monaten - Juni und September notwendig sei. Auch müssten
die Ferien - Sonderzüge von der Zielstation zu ermässigten
Preisen zurückgeführt werden, so dass den Ausländern ein
Anreiz gegeben wird, Deutschland mehr als bisher zu besuchen,
Wesergebirgsverein.
Am 29. Oktober fand unter dem Vorsitz des Senators
Meyer, Hameln, in Bückeburg die diesjährige Haupt¬
versammlung des Wesergebirgsvereins statt, der Sitzungen
des Vorstandes und des Verkehrs-Ausschusses vorausgingen.
Die Beratungen erstreckten sich auf FahrplanwUnsche, Einlegung
von Feriensonderzügen, Weserschiffahrtsfragen u. dergl. Einem
Bericht von Professor Dr. Diekhoff (Hameln), war zu ent¬
nehmen, dass der Führer durch das Oberwesergebiet fast fertig
gestellt sei und spätestens zu Beginn des nächsten Jahres im
Buchhandel erscheinen werde. Der von Bürgermeister v. Otto^
(H o 1 z m i n d e n), vorgetragene Kassenbericht ergab, dass die
Finanzlage des Vereins trotz der nicht unbedeutenden Inan¬
spruchnahme günstig ist. Die für die Berliner Ausstellung für
Reise- und Fremdenverkehr zusammengestellte Kollektiv-Aus¬
stellung von Bildern aus dem Wesergebiet von Kassel bis
Minden soll, wenn möglich, vereinigt bleiben, um bei Wander¬
ausstellungen Verwendung zu finden.
Verkehrs-Verein Altenkirchen (Westerwald),
Der Verein hat im ersten Jahre seiner Wirksamkeit recht
befriedigend gewirkt; die Zahl der hier Erholung suchenden
Fremden ist gegen die Vorjahre recht bedeutend gestiegen.
Kein Wunder auch, die köstliche Reinheit der frischen Höhen¬
luft, die auf die erschlafften Nerven äusserst kräftigend einwirkt,
ist neben vielen anderen Vorzügen wohl dazu geeignet, unseren
Ort zum Erholungsort zu bestimmen. Ein Beweis für die
gesunden, klimatischen Verhältnisse hierselbst dürfte sich daraus
ergeben, dass allein in unserem kleinen Städtchen von rund
2500 Seelen heute 66 Personen von Uber 70 Jahren und darunter
sogar 16 von über 80 Jahren leben, die durchweg noch recht
rüstig sind und ihrem Berufe nachgehen können. Würde man
die umliegenden Orte noch hinzunehmen, so erhöhte sich die
Zahl unserer Alten noch bedeutend, sieht man doch nicht selten
Leute von 84 Jahren, die noch recht rüstig mit Feldarbeiten
oder dergl. beschäftigt sind.
Sauerländischer Gebirgs-Verein (Abtg. Dortmund).
Diese Abteilung, die mit 1600 Mitgliedern die zweitgrösste
des Sauerländischen Gebirgs-Vereins ist, hielt am 5. Dezember
im Saale der Kaiserhalle ihre diesjährige Generalversammlung ab.
Der Vorsitzende, Prof. Schäfer, begrüsste die Erschienenen
und erstattete den Jahresbericht über das abgelaufene Jahr.
Er ging auf die Reklametätigkeit näher ein, die der Verein unter¬
nommen hatte, um in weiten Kreisen bekannt zu werden, gab
Kenntnis davon, dass die Touren, auch die sich Uber einen halben
Tag, und auf einen und mehrere Tage erstreckt hatten, eine gute
Teilnehmerzahl aufwiesen, und dass neue Wegebezeichnungen
zur Ausdehnung des Wegenetzes vorgenommen waren. Der
Kassenbericht zeigte, dass die Einnahmen und Ausgaben den
Voranschlag, der mit 5000 Mk. balanzierte, nicht weit über¬
schritten haben; dem Kassierer wurde Entlastung erteilt und
der Voranschlag für das näch.ste Jahr in der vom Vorstand
vorgeschlagenen Form in der Höhe von 5200 Mk. genehmigt.
Unter der Leitung des 2. Vorsitzenden, Dr. jur. Kuckuck, trat
man dann in weitere Verhandlung, zunächst in die Besprechung
der für das nächste Jahr aufzustellenden Touren ein. Es wurden
30 Touren festgestellt mit der Bestimmung, dass auch die
Monate November und Dezember hierbei berücksichtig^ werden
sollen. In Aussicht genommen ist neben mehreren ein- und
dreitägigen Touren auch eine fünftägige Tour nach Bad Wil-
dungen und eine achttägige Tour in die Holsteinische Schweiz.
— Der Zentralvorstand in Arnsberg wird gebeten, dahin zu
streben, dass die Orientierungstafeln über die Wegebezcichnungen
der einzelnen Sektionen möglichst in der Nähe des Bahnhofes
zur Aufstellung gelangen. Ferner wurde bei diesem der Antrag
gestellt, mit dem Verlage der Zeitschrift „Deutschland“
über die Herausgabe einer Spezialnummer des Sauerlandes
sobald als möglich in Verhandlungen zu treten.
Verkehrs-Verein Dortmund.
Neben der Regelung des Wintersportverkehrs aus
dem Rheinisch-Westfälischen Industriebezirk nach Winter-
berg und Fredeburg hat die Kgl. Eisenbahndirektion
Elberfeld in diesem Jahre hauptsächlich den Wintersportverkehr
nach Lüdenscheid geregelt und bevorzugt. Es ist dieses
Vorgehen um so mehr zu begrUssen, da die Ausübung des
Wintersports in Lüdenscheid nicht die hohen Anforderungen
an die Mittel der Wintertouristen stellt, als wie eine Fahrt nach
Winterberg und Fredeburg, denn während diese über lao km
auf der Eisenbahnstrecke beträgt, geht die Fahrt nach Lüden¬
scheid nur über 62 km. Die Anschlüsse nach Lüdenscheid an
die Wintersportzüge von Köln-Elberfeld, Duisburg nach Winter¬
berg und Fredeburg, Schmallenberg, sind gesichert. Ausserdem
sind auch die sonstigen Verbindungen gute zu nennen. Wer
aus Essen (H.-B.) 6.10 vorm, wegfährt, bezw. 6.31 vorm, den
D-Zug 176 benutzt, ist bereits um 9.10 in Lüdenscheid. Um
dieselbe Zeit trifft derjenige ein, der 6.30 vorm, von Dortmund
und 6.57 vorm, mit dem Eilzug 183 von Elberfeld abfährt.
Hinsichtlich des Rückverkehrs braucht man an Sonntagen Lüden¬
scheid erst um 6.47 nachm, zu verlassen, ist 8.03 abends in Hagen»
9.27 abends in Essen, 9.15 mit Eilzug 64 in Elberfeld, 9.37 abends
in Dortmund-Süd und 9.52 in Dortmund (H.-B.). An Werk^
tagen fährt der Personenzug 7767 von Lüdenscheid 7.Z0 abends
Nr. 12 BaQQ9QQOQoeQ93Q9QOQQ ?^^ g 3Q(Moi DEUTSCHLAND it eeeee0ce€»ceeeeooeoo ooooo o < i i 605
ab, trifft 8.47 abends in Hagen, 10.09 Essen und g.52 in
Dortmund (ab Witten-West 9.22 abends) Hauptbahnhof ein.
Sonntags kann man ausserdem diese Verbindungen in BrOgge
noch durch den Sonntags-Personenzug, Lüdenscheid ab 7.33
abends erreichen. Nach Elberfeld ist Anschluss durch D-Zug 32,
an 9.38 abends, oder Personenzug 416, an 10.15 abends. Einen
neuen Wintersportplatz hat die Eisenbahnverwaltung dadurch
der Touristik näher gebracht, indem sie auch einen Wintersport-
Sonntags-Sonderzug III. und IV. Klasse von Siegen nach Lützel
hin und zurück befördert, bei diesem aber keine Pahrpreisermässi-
gung gewährt, sondern den gewöhnlichen Fahrpreis fordert. Dieser
Sonderzug fährt von Siegen mittags 1.30 ab und trifft über
Creuzthal, Hilchenbach 2.55 nachm, in Lützel ein. 7.14 abends
verlässt er wieder Lützel und kommt unter Einhaltung derselben
Fahrstrecke abends 8.29 in Siegen an. Wenn dieser Winter¬
sportplatz für das rheinisch-westfälische Industriegebiet auch
ziemlich weit ab liegt, so hat der eine oder andere Winter¬
tourist doch wohl ein Interesse, auch diese neue Erweiterung
der Unterstützung des Wintersports seitens der Eisenbahn¬
verwaltung kennen zu lernen.
Dem Vorstand des Verkehrs-Vereins lag in seiner
Sitzung am ii. ds. Mts., der ersten nach den Ferien, ein umfang¬
reiches Material zur Bewältigung vor. Der Ausbau der neuen
Geschäftsstelle am Hauptbahnhof ist weiter vorgeschritten,
der Oesterreichische Lloyd hat dem Verein seine Vertretung für
Dortmund übertragen, die Städt. Strassenbahn lässt hier ihre
Abonnements verkaufen und weitere Einrichtungen werden noch
getroffen, um das Tätigkeitsgebiet des Bureaus zu vergrössern.
Der Verkehr war in den beiden Monaten seines Bestehens ein
guter; es wurden im Monat August 568, im Monat September
226 Auskünfte erteilt. Dem reisenden Publikum kann nur geraten
werden, in diesem Bureau im Ostanbau des Hauptbahnhofes,
gegenüber der Freistuhlbastei, ihre Auskünfte in Reiseangelegen¬
heiten einzuziehen, weü hier alle Vorbereitungen getroffen sind,
um diese zweckmässig erteilen zu können.— Es soll beantragt
werden, dass eine Nachmittagsverbindung ab Hamm 5.45 Uhr,
Dortmund an 6.30, geschaffen wird, welche einerseits die Theater-
und Konzertbesucher aus dieser Gegend nach Dortmund bringen
kann, andererseits den Anschluss von EZ. 183, Münster ab 5.02,
in Hamm herstellt.— Hinsichtlich der neuen Bahn Schwerte-
Iserlohn spricht sich der Vorstand im Einverständnis mit dem
Iserlohner Verkehrs-Verein dahin aus, dass nicht alle Züge auf
dieser Strecke an allen Stationen halten, wie es die Anlieger
wollen, damit schon jetzt einer durchgehenden Verbindung von
Dortmund über Schwerte nach Iserlohn Rechnung getragen wird.—
Die Neubaustrecke Dortmund-Münster, Errichtung eines Post¬
scheckamtes in Dortmund; die Einrichtung und Bezeichnung
unseres Hauptbahnhofes und die Ausgestaltung des Droschken-
und Autoverkehrs riefen noch längere Besprechungen hervor.
Als Zeitpunkt für die nächstjährige General-Versammlung
wurde der Monat Februar ins Auge gefasst. Um die General¬
versammlung vielseitiger und anregender zu gestalten, soll
wiederum ein Vortrag über ein aktuelles Thema gehalten werden.
Unter den Verkehrsverbesserungen wurden die wichtigsten Ver¬
bindungen Dortmund mit München, Münster-Hamburg und
Düsseldorf-Köln besprochen. Zur Verbesserung der Mittagsver¬
bindungen von Dortmund nach Duisburg und Düsseldorf soll
die Einlegung eines neuen Eilzuges, Dortmund ab 2.04, Düssel¬
dorf an 3.27, ab 5.00, Dortmund an 6.24 beantragt werden.
Erfolg hatten die Bemühungen, dass die Schaffung einer Nach¬
mittagsverbindung an den EZ 183 Münster-Hamm, von hier
nach Dortmund seitens der zuständigen Eisenbahndirektion in
Aussicht gestellt, und dass Dortmund an verschiedenen Stellen
unter die Anschlüsse im Reichskursbuch aufgenommen wurde.
Potsdamer Verkehrs-Verein.
Erhebliche Arbeit brachte dem Verein die im April in den
Ausstellungshallen am Zoo in Berlin eröffnete Internationale
Ausstellung für Reise- und Fremden-Verkehr, die von uns be¬
kanntlich durch Ausstellung eines Wandelpanoramas bestens
beschickt worden ist. Gross waren dabei die Kosten, die für
die Gratisabgabe des Propagandamaterials dem Verkehrs-Verein
erwuchsen: es wurden rund 45000 Exemplare der Reklame-
Schriften verbraucht. Mit der Eröffnung eines besonderen
Geschäftszimmers konnte auch der Auskunftserteilung näher
getreten werden. Auskünfte wurden in 322 Fällen mündlich
erteilt, in 230 Fällen wurden die bezüglichen Prospekte ver¬
abreicht. Ausserdem gelangten in Einzeln- und Paketsendungen
16400 Propagandaschriften zur Versendung. Das erforderliche
Auskunftsmaterial lieferten teilweise der Bund Deutscher Verkehrs-
Vereine, teilweise auf besonderes Ersuchen, die Verkehrs-Ver¬
bände usw. in 79 Paketen. Durch die Internationale Verkehrs-
Ausstellung angeregt, und durch das andauernde schöne Wetter
begünstigt, war der Fremdenzufluss in diesem Jahre ein be¬
sonders grosser. Unsere Geschäftswelt bemängelt, und wohl
mit Recht, dass nur ein verschwindend kleiner Teil der Fremden
hier einen mehrtägigen Aufenthalt nimmt, die meisten aber
noch am nämlichen Tage nach Berlin zurückkehren. Schuld
an dieser bedauerlichen Tatsache hat wohl das sich von Mund
zu Mund fortpflanzende Gerücht, dass das Leben in Potsdam
besonders teuer wäre. Um diesem, die Entwicklung einer
gesunden Fremdenindustrie hinderlichen Gerede wirksam ent¬
gegenzutreten, beschäftig^ sich der Vorstand mit der Herausgabe
zweitägiger Reisehefte Berlin-Potsdam, die einschliesslich Bahn-,
Dampfer-, Strassenbahnfahrt, zweimaligem Mittagessen, Unter¬
kunft, Frühstück, Führung usw. weniger kosten, als wie zeitig
eine Gesellschaftsreise in Autowagen. Beabsichtigt wird, den
grossen und den kleinen Führern eine kurzgefasste Anleitung
zur Besichtigung der Sehenswürdigkeiten nebst Zeiteinteilung
beizufUgen und ihr einen Führer durch die Geschäftswelt
Potsdams anzugliedern. Der Fremde muss darauf hingewiesen
werden, dass man auch in Potsdam ausreichende und günstige
Kaufgelegenheit für Reiseandenken usw. hat. Die Neuwahl des
Vorstandes führte nach dem Entschluss des Ausscheidens unseres
1. Vorsitzenden zur Besetzung dieses Amtes durch Rechnungsrat
Lack. Im übrigen wurde der alte Vorstand: Stadtrat O. Wernick,
2. Vorsitzender; Hoftischlermeister Ed. Schulz, Schatzmeister;
Kaufmann M. Winckler, i. Schriftführer; Kaufmann W. Herrmann,
2. Schriftführer, wiedergewählt. Der Verdienste des ausge¬
schiedenen Ingenieurs Stadtrat a. D. P. Artelt um unseren
Verein gedenken wir an dieser Stelle gern und dankbar.
NiederhessischerTouristen-Verein (Sitz Cassel).
In der 29. Mitglieder-Versammlung wurde von Landesrat a. D.
Klöffler der Geschäftsbericht erstattet, aus dem hervorging, dass
die Entwicklung des Vereins, der 2133 Mitglieder zählt, sehr
günstig ist. Infolge der erhöhten Beiträge und der von der
Stadt Cassel geleisteten Zuwendung ist auch die Finanzlage des
Vereins durchaus geordnet. Ueber die Entwicklung der Schüler¬
herbergen berichtete Rechtsanwalt Wennig, indem er namentlich
auf die Herbergen als Werbemittel für den Fremden-Verkehr
hinwies. Durch den Besuch der Schüler werde der Ruf von
den Schönheiten der hessischen Berge und Wälder weit hinaus¬
getragen, so dass der Erfolg sich hauptsächlich in der Zukunft
zeigen müsse, wenn die jetzt jugendlichen Besucher sesshaft
geworden seien. Zur Verbesserung des Wirtschaftswesens im
Vereinsgebiet sucht der Niederhessische Touristen-Verein haupt¬
sächlich dadurch beizutragen, dass er den Wirten, die seiae
Mindestforderungen erfüllen, ein empfehlendes Schild zustellt.
An Stelle des Landesrat a. D. Klöffler, der den Verein seit
15 Jahren mit grosser Umsicht geleitet hatte, der aber aus Alters¬
rücksichten eine Wiederwahl ablehnte, wurde Stadtrat und
Major z. D. Henrici als Vorsitzender gewählt, dem Verkehrs- und
Wirtschaftsausschuss wurde der Vorstand des Stadt-Verkehrs¬
amtes, Weber; dem Ausschuss für Schülerherbergen Stadt¬
schulrat Bobritz zugewählt.
Der Verband der Eisass-Lothringischen Verkehrs-
Vereine hielt seine diesjährige Versammlung in Oberehnheim
ab. Bürgermeister Gie r 1 i ch hatte den Sitzungssaal des Rathauses
für die Tagung zur Verfügung gestellt und begrüsste dort die
Erschienenen. Etwa 30 Delegierte aus Strassburg, Zabern, Nieder¬
bronn, Pfalzburg, Münster, Rappoltsweiler, Schlettstadt, Barr und
Oberehnheim waren anwesend, ferner hatte der Vogesenhotel¬
besitzer-Verein einen Vertreter entsandt. Es wurde mitgeteilt,
dass der Verband für Reklame in 58 in- und ausländischen Zeitungen
4600 Mark aufwendete. Gedrucktes Propagandamaterial wurde
reichlich verteilt, darunter auf der diesjährigen internationalen Aus¬
stellung für Reise- und Fremdenverkehr in Berlin allein 12 000 Exem¬
plare. Die nächste Versammlung findet im Januar in Colmar statt.
Eisenbahnwesen.
Die Verkehrseinnahmen der deutschen Eisen¬
bahnen. Dass das deutsche Wirtschaftsleben sich gegenwärtig
noch in einer kräftig aufsteigenden Entwicklung befindet, das
geht nicht nur aus der Zunahme des Beschäftigungsgrades und
der Gestaltung des Aussenhandels hervor, es ergibt sich auch
aus der Intensität der Warenbewegung im Inlande, die in den
Verkehrseinnahmen der deutschen Eisenbahnen zum Ausdruck
kommt. Es gibt nur wenige Länder, in denen die Einnahmen
der Eisenbahnen, besonders aus dem Güterverkehr einen so
sicheren Gradmesser zur Beurteilung der jeweiligen wirtschaft¬
lichen Lage bilden, wie gerade in Deutschland. Nach der im
Reichseisenbahnamt aufgestellten Uebersicht haben die Einnahnen
der deutschen Eisenbahnen im Monat September noch kräftiger
zugenommen, als in den vorangegangenen Monaten. Die Summe
der Einnahmen belief sich im September igix auf 244 83 Millionen
Mark. Gegenüber dem vorjährigen Vergleichsmonat ergibt sich
eine Steigerung um 20,50 Millionen Mark. Von den Gesamt-
606
DEUTSCHLAND iBee^eoeeeeoeeee oeeeeee eeeB Nr. 12
Die besten Zugverbindungen nach den schlesischen Wintersportplätzen
(Flinsberg, Bad Schwarzbaoh, Schreiberhau, Krumnihübel, Schmiedeberg uud Ziegenhals) -
Zusammengestellt von der Köuigl. Eisenbahn-Direktion Breslau.
la. Beilia
Ib. Hirschbg. ab
400
9 ^ 963 _
1<1. Görlitz ab
015
—
662 _
Görl. Bf.
ab
U)3f)
BI 6 813
Zillertbal-Erd-
Greiffenberg „
360
—
808 -
Cottbus
,,
5111011
maiinsdorf „
428
0^1020 _
Friedeb.iQuci«) „
426
—
837 _
Görlitz
an
206
649 1140
Krummhübel an
• 153
9M 1043 _
Bad Flinsberg an
448
—
900 _
ab
216
702 *631*
Hirschberg
an
Böo,
843i 835
Ic. Hirschbg. ab
410
9 J 8 962
* Ucbernachtung.
Ob.-Schreiberh.an
532
1040,1107 _
1 4a. Breslau |
S
Frb Bf. ab |
630
7001141512
Jd. Leipzig
ab
842;
223 _
H. Posen ab
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— 7121011 *
Rull bank „
1
908
146 7«
Dresden
V
503 __
Lissa (Pos«m) „
802
— 8101133
Hirschberg an
845
938
'J 15746
Görlitz
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6 ^ —
Breslau Hbf. an
936
940 206
S Verkehrt nur
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iie 4a—41
24/12.b.26/2. sowie am 25.U.26/12
4d. Hirschbg.ab
Greiffeiiberg „
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Bad Flinsberg au
6 . Posen ab
Lissa i. P. „
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. Greiffenberg „
Friedeb (Queis; „
Bad Flinsberg au
— 1000
230
4e.Rullbank an
907
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712
4f. Hirschbg. ab
637 947
230 ..
- 1105
300
„ ab
914
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7 IG
Greiffenberg „
808 1105
300 __
- 1139
425
Landeshut „
930 210
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Friedeb.(QuBiH; „
830 1134
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-- 1204i
448
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Meffersdorf an
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849 1165
Dersdorf
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712 —
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116g' 533 ..
1214 545 _
13o| ßlG _
B 13 ; 640
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^J 26 7 ^
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7a. Glogau ab
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Merzdorf „
Hirschberg au
7 b. Hirschbg. ab
Zillertbal-Erd-
luanusdorf „
Krummhübel au
Schwarzbach 6 km Landweg
802 1
120
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7c. Hirschbg. ab
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—
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910
214
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947
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1105
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Ha. Liegnitz ab
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1130
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740 —
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810
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Greiffenberg „
1103,
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539 —
1 1200
630 732
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740 _
Bad Flinsberg an
1204,
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123 » ßoy: 8S0
108 ■ (332 843
O.BreslanHbf.ab
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—
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640' 830 1023 240
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—
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Dtsoh. Wette
946 1140 143j 601
„ Wette „
1140i 3251 601
—
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Ziegenhals an
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Ziegenhals an
II 60 ’ 338| 613
—
Ic. Görlitz ab
Greiffenberg „
Friedeb. ^Queis^,,
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8 «i —
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Krummhübel an
4c. Hirschbg. ab
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104*1 3 *s| 84 s
902
1107
287
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755
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1 i 839 i 118 |
934; 910
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I063il0»«
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304
168 _
226 —
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Meffersdorf an
Entfernung Me:
1106 300 ' 7121 —
1153 439; 8 og —
■fersdorf— Bad
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Rassehv. „
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Ziegenhals an
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I 948
1107
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946
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148
162
9*8
1116
1161
426
11401 446
1160| 466
8«1
6is
701
7n
.jiiiüsei'.
Nr. 12 WB e^deOOB^GüeG^^ DEUTSCHLAND
I 607
BiDDahmen entfielen im Berichtsmonat auf den Personenverkehr
7687 Millionen Mark oder 5,40 Millionen Mark mehr als im
Vorjahre. Der Güterverkehr brachte 16796 Millionen Mark gegen
15286 Millionen Mark im September 1910. Berücksichtigt man,
dass die Gesamtlänge der deutschen Bahnen im September 1911
52809,4 Kilometer oder 6500 Kilometer mehr als im Vorjahre
betrug, so ergibt sich für x Kilometer eine Einnahme von 4697 Mark
gegen 4360 Mark im vorjährigen Parallelmonat. Die Einnahmen
aus dem Personenverkehr sind von 1412 Mark auf 1499 Mark,
die Erträgnisse des Güterverkehrs von 2943 Mark auf 3198 Mark
pro Kilometer gestiegen. Nachstehende Uebersicht spiegelt die
Bewegung der Einnahmen aus dem Personen- und Güterverkehr
im Monat September der Jahre 1903 bis 19x1 in Mark pro Kilometer;
Personen-
(lülerverkehr
Personen-
Güterverkehr
1903
1103
2 325 1908
^ 303
2 718
1904
1133
2 454 1909
1331
2788
1905
1185
2 599 1910
I 412
2948
1906
I 242
2 667 1911
1499
3 198
1907
I 287
2745
Demnach ist in
keinem Jahre seit
1903 eine so kräftige
Zunahme der Verkebrseinnahmen zu verzeichnen gewesen.
Europäische Fahrplankonferenz. In Triest fand
am 29. November die erste Hauptversammlung der Europäischen
Fahrplankonferenz statt. Nach der Begrüssung durch den Vor¬
sitzenden Staatsbahndirektor Galambos hielt Prinz Hohenlohe
eine Ansprache, in der er die Konferenz für eröffnet erklärte.
Die Versammlung beschloss, die nächste Tagung der Vereinigten
Fahrplan- und Wagengestellungs - Konferenz im Juni 1912 in
Amsterdam und die der Europäischen Fahrplankonferenz im
November 1912 in Hamburg abzuhalten. An der Konferenz
nehmen Vertreter der Eisenbahnen und der Schiffahrtsunter-
nehmungeu fast sämtlicher europäischer Staaten, darunter
Deutschland, Dänemark, Norwegen und Schweden, teil, und
zwar namens des deutschen Reichseisenbahnamts Geheimer
Oberbaurat Diesel, vom preassischen Ministerium der öffent¬
lichen Arbeiten Geheimer Oberbaurat Breusing und Geheimer
Baurat Schulz, vom bayerischen Verkehrsministerium Ministerial¬
rat Ruckdeschel.
Schiffahrt.
Neue Verkehrswege zwischen Europa und Nord¬
amerika. In England beschäftigt man sich neuerdings mit der
Wiedereinrichtung einer Dampferverbindung zwischen Galway
an der Westküste Irlands und Nordamerika, die vor Jahren
bereits bestanden hatte, mangelnder Rentabilität wegen jedoch
aufgehoben werden musste. Dieses Projekt wird hauptsächlich
auch von Kanada unterstützt Galway eignet sich aus ver¬
schiedenen Gründen zum Endhafen für den transatlantischen
Verkehr. Es besitzt eine gute Rhede sowie die kürzeste und
direkteste Eisenbahnverbindung mit Dublin. Die Ueberfahrt von
Galway nach Halifax in Neuschottland würde bei normaler Fahr¬
geschwindigkeit nur 3V., Tage, nach der Trepassy-Bai an der
Südostküste Neufundlands gar nur 2^4 Tage in Anspruch nehmen,
was im Vergleich zu den von Liverpool ausj:;ehenden Verbin¬
dungen eine Streckenersparnis von 965 und 1480 Seemeilen
bedeutet Bei dieser Gelegenheit haben auch noch andere Häfen
an der Westküste Irlands erneut den Anspruch erhoben, bei der
Einrichtung weiterer Verbindungen mit Nordamerika berücksichtigt
zu werden, und zwar Killery-Bai und Blacksod-Bai. Für Killery-
Bai käme als Endpunkt auf amerikanischer Seite die Notre
Dame Bai an der Nordostküste von Neufundland in Betracht,
Reisende und Post würden von dort mittels Eisenbahn nach
der Bai of Islands an der Westküste und weiter zu Schiff nach
Gaspö in der kanadischen Provinz Quebec befördert werden.
Blacksod-Bai wäre mit Halifax zu verbinden. Die Dauer der
ganzen Reise von London über Blacksod nach Halifax wird auf
nicht mehr als vier Tage veranschlagt.
Automobilwesen.
Amtsärztliche Untersuchung der Führer von
Kraftfahrzeugen. Den Anträgen um Zulassung als Führer
von Kraftfahrzeugen ist bekanntlich ein amtsärztliches Zeugnis
beizufügen, dass der Antragsteller keine körperlichen Mängel
hat, die seine Fähigkeit, ein Kraftfahrzeug sicher zu führen,
beeinträchtigen können. In ärztlichen Kreisen machte sich bald
der Wunsch geltend, im Interesse einer einheitlichen Ausführung
dieser ärztlichen Begutachtungen eine Anleitung zu erhalten,
durch die die ausschlaggebenden Fragen möglichst genau fixiert
werden, beispielsweise eine Präzisierung der an die Sehkraft zu
stellenden Anforderungen und dergleichen. Wie in Heft 21
der Zeitschrift des Mitteleuropäischen Motorwagen-
Vereins mitgeteilt wird, hat jetzt das Reichsamt des Innern
dankenswerterweise nach eingehenden Beratungen mit Sachver¬
ständigen eine solche Anleitung aufgestellt. Die in diese er¬
örterten Punkte sind in ein Schema zusammengefasst, welches
als Muster für die auszufertigenden Zeugnisse dienen soll.
Luftschiffahrt.
Flugsportliche Veranstaltung in Cassel. Re¬
ferendar Caspar, ein geborener Casseler, führte auf dem Grossen
Forst vom 29. November bis 3. Dezember seine beiden Flug¬
maschinen, System Taube, unter grosser Anteilnahme der ein¬
heimischen und fremden Bevölkerung bei Schauflügen vor.
Bei genügender Beteiligung beabsichtigt Caspar, in seiner Vater¬
stadt eine Fliegerschule einzurichten.
Reichspostamt und Luftschiffahrt. Ueber die
Stellung des Reichspostamtes zur Luftschiffahrt wird aus Anlass
der Aufstellung zweier neuer Modelle von Flugzeugen im
Reichspostmuseum an unterrichteter Stelle folgendes mitgeteilt:
Im Reichspostmuseum sind soeben zwei neue Modelle von
Flugzeugen, nämlich der beiden im Deutschen Rundflug 1911
siegreichen Apparate des Zweideckers der Albatros-Werke und
des Etrich-Rumpler-Eindeckers Taube (Bauart Rumpler), auf¬
gestellt worden. Damit ist das Museum jetzt im Besitz von
sechs Modellen moderner Flugzeuge, denn es besass vorher
bereits Verkleinerungen der Eindecker von Grade, Blöriot,
Antoinette und des Zweideckers der Gebrüder Wright. Die
Luftfahrtabteilung des Museums umfasst ausserdem noch ein
Modell eines Lilienthalschen Gleitfliegers, je ein Modell der
Luftschiffe von Zeppelin, Parseval und Basenach - Gross und
eine umfangreiche Sammlung von Kupfer- und Staihlstichen
und Photographien. Die Reichspost betrachtet die Luftschiffahrt
schon heute als einen neuen Zweig des Verkehrs. Schon vor
Jahren, als Luftschiff und Flugzeug noch unverwirklichte Pläne
waren und als der Kugelballon das einzig wirklich vorhandene
Luftfahrzeug war, wurde der Grundstock zu der Sammlung
gelegt, die jetzt bereits als selbständige umfangreiche Abteilung
den Lichthof des Reichspostmuseums füllt. Ein besonders
enger Zusammenhang zwischen Reichspost und Luftfahrt ist im
übrigen dadurch vorhanden, dass, wie Graf Zeppelin selbst
angibt, seine Arbeit auf dem Gebiete durch die Broschüre:
„Wellpost und Luftschiffahrt“ von Stephan angeregt wurde.
Wintersportliche Veranstaltungen.
Winter im Harz. Die Zeiten sind bekanntlich ver¬
änderlich, früher mied man den Harz im Winter, besuchte ihn
nur zum Genuss der „Sommerfrische“, und bedauerte die armen
Einwohner, die hier auch bei Schnee und Eis aushalten mussten.
Heute ist man gegenteiliger Ansicht geworden und in hellen
Haufen strömen die Grossstädter in den beschneiten Harz. —
Im allgemeinen sind im Winter keine monatelangen Kuren
nötig; wie Kriegsjahre doppelt zählen, so wirkt eine Winter¬
frische im Harz viel intensiver und nachhaltiger, wie z. B. der
Landaufenthalt während der heissen Tage des verflossenen
Sommers. Es genügen im Winter in leichten Fällen drei bis
fünf Tage, bei schärferen Attacken ein bis zwei Wochen Auf¬
enthaltsdauer im winterlichen Harz, den man dann meistens
mit einem grossen gesundheitlichen Plus beschliesst. Der Harzer
Verkehrs-Verband verbreitet soeben eine kleine illustrierte Schrift,
betitelt: ,,Der Harz für Winter-Kuraufenthalt und
Wintersport“, die wertvolle Ratschläge für die Winterfrische
erteilt. Das ansprechende Büchlein ist kostenfrei zu beziehen
von der Geschäftsstelle des Harzer Verkehrs-Verbandes in
Wernigerode, in Berlin von der Gsellius’schen Buchhandlung,
Mohrenstrasse 52, und durch die Geschäftsstelle der Zeitschrift
„Deutschland“ in Düsseldorf.
Skikurse von Amts wegen. Ausser dem staatlichen
Skikurse im Oberharz werden auch vom Schwäb. Schnee¬
schuhbund Skikurse für Lehrer und Turnlehrer in Baiersbronn
vom 3. bis 7. Januar abgehalten. Ferner werden solche Kurse
im Sauerlande für Lehrer der Kreise Meschede, Olpe, Brüon
und Altena abgehalten.
Bad Flinsberg im Isergebirge. Die hiesige Winter¬
sport-Vereinigung gibt folgende Veranstaltungen bekannt;
Sonnabend, den 30. Dezember 1911, nachmittags 2 Uhr: Grosses
Bobsleighrennen, PreisverteUung im Kurhaus; Sonntag, den
4. Februar bis Sonntag, den ii. Februar 1912: Flinsberger Winter¬
sportwoche (Sonderprogramm); Sonntag, den 25. Februar 191a,
nachmittags 2 V2 Uhr: Schluss-Bobsleighrennen.
Sch reiberhau im Riesengebirge. Der Wintersport-
Verein E. V. gibt sein diesjähriges Wintersport-Programm bekannt:
Mittwoch, 27. Dezember 1911, nachmittags 2^/^ Uhr: Eröffnung
608 « 09900000000900000000«»^^ DEUTSCHLAND i ^eeeeoocooeecceoeeeeec^^ Nr. 12
der neuen Hochsteinbahn; Montag, x. Januar 1912, nachmittags
2 Uhr: EröfTnungs-Bobsleighrennen (Festplat^: Hotel Lindenhof);
Sonntag, 28. Januar 1912, nachmittags 2 Uhr: Ausscheidungs-
Bobsleighrennen (Festplatz: Hotel Lindenhof); 3.—ii. Februar 1912:
XIII. Wintersportfest; Sonnabend, 3. und Sonntag, 4. Februar 1912:
Verbandsfest des Schlesischen Ski-Verbandes; Donnerstag,
8. Februar 1912, nachmittags a Uhr: Haupt-Bobsleighrennen
(Festplatz: Am Hotel Lindenhof); Sonntag, ii. Februar 1912,
nachmittags 2 Uhr: Wettrodeln um die Meisterschaft von
Schreiberhau (Festplatz: Unterhalb des Zackelfallberges). Vom
30. Januar 1911 bis 18. Februar 1912 wird auch die erste allge¬
meine Wintersport-Ausstellung im Riesengebirge stattfinden und
veranstaltet diese der Wintersport-Verein E. V. in Schreiberhau.
Triberg im Schwarzwald. Aus den Wintersport¬
veranstaltungen des Wintersportklub Triberg und des
Bobsleighklub Schwarzwald (Bobbahn Triberg) entnehmen wir
folgendes: 26. Dezember 1911 bis 6. Januar 1912: Zwei Skikurse;
7. Januar 1912: Skiwettlauf und Sprunglauf auf dem hohen
Schwarzwald der vereinigten Ortsgruppen des S. C. S. Triberg-
Furlwangen-Schönwald-Schonach in Schonach; 31. Dezember 1911:
Eröffnungsrennen des Bobsleighklubs Schwarzwald auf der neu¬
erbauten Kunst-Bobbahn in Triberg; 21. Januar 1912: Bobsleigh¬
rennen um den „Pokal von Triberg“; ii, Februar 1912: Inter¬
nationales Bobsleighrennen um den „Ehrenpreis Seiner Hoheit
des Prinzen von Sachsen-Weimar, Herzog zu Sachsen“ und um
den „Pokal vom Schwarzwald“; 4. Februar 1912: Austrag der
Rodelmeisterschaft von Baden auf der Hofwald-Rodclbahn in
Triberg; 18. Februar 1912 (Fastnachtsonntag); Kostümierter Rodel¬
korso, abends Ball (Tiroler Volksfest).
Deutscher Bobsleighverband und Sauerländischer
Bobsleighklub.
In der in Berlin abgehaltenen Versammlung zwecks Grün¬
dung eines Deutschen Bobsleighverbandes hatte auch der Sauer-
ländische Bobsleighklub in Winterberg seine Zustimmung zu
der Begründung eines D. B. V. gegeben. Da der Klub zu den
mitgliederreichsten gehört, ist weiter zu hoffen, dass eine der
nächstjährigen Verbandsmeisterschaften oder das Deutsche Bob-
Derby im Sauerlande zum Austrage kommen wird. Da im
Jahre 1913 wahrscheinlich die Deutsche Ski - Meisterschaft im
Sauerlande (Winterberg) zum Austrag kommt, wäre es empfehlens¬
wert. die Verbandsmeisterschaft des D. B. V. und das grosse
Deutsche Bob-Derby vielleicht 1914 in Winterberg auszufahren.
Neuer westfälischer Wintersportplatz. In Rams-
beck i. W. hat sich ein Wintersportverein begründet, der bei
der Bahnstation Bestwig, auf dem Berlarer Hochplateau, am
Nordabhange des Bastenberges ein Skifeld und eine Rodelbahn
anlegen will.
Winterberg in Westfalen. Der Sauerländische Bobs¬
leighklub für Rheinland, Hessen und Westfalen, e. V., veranstaltet
in dieser Saison folgende Winterfeste: 7. Januar: Festliche
Einweihung der Klubhütte, grosses Bobsleigh-Eröffnungsrennen;
14. Januar: Jugend - Rodlen (für Personen unter 18 Jahren);
28. Januar: Internationales Bobsleighrennen und grosses
Einsitzer-Rodelrennen um die Meisterschaften von Rheinland,
Hessen und Westfalen (Ehrenpreise, gestiftet von dem Protektor
Sr. Durchlaucht Fürst Richard zu Sayn-Wittgenstein-Bcrleburg);
4. Februar: Internationales Bobsleighrennen um den Damen¬
preis; II. Februar: Grosse internationale Rodel - Konkurrenz
a) Einsitzer, b) Zweisitzer, c) Lenkrodel (Zwei- und Dreisitzer);
18. Februar: Grosses Bobsleighrennen um den Wanderpreis der
Stadt Winterberg; 4. März: Abschiedsrennen für Bobsleigh.
(Verteilung des Pokals an denjenigen Bobführer, der in der
Wintersaison 1911/12 die beste Zeit auf der Bahn gemacht hat;
sämtliche Klubführer kommen hierfür in Betracht und werden
alle unter Kontrolle des Vereins gemachten Abfahrten gewertet.)
Genaue Rennprogramme sowie Rennordnungen werden auch
an Nichtmitglieder (gegen Einsendung von 20 Pfg. in Marken)
vom Schriftführer Walter Dicke (Barmen, Wertherstr. 31) gesandt.
Bayern.
Im Dezember 1911: In Partenkirchen Skikurs für Ausbildung
von Kursleitern; 25. Dezember bis i. Januar: Kurs für An¬
fänger und Vorgeschrittene (beide veranstaltet vom Ski- und
Rodelklub Partenkirchen).
An den Weihnachtsfeiertagen 1911: Ski-Lehr- und Uebungskurse,
veranstaltet von der Schneeschuhriege des Männer-Turn¬
vereins München; Ende Februar oder Anfang März 1911:
Riegen-Wettkämpfe desselben Vereins.
25. Dezember 1911 bis i. Januar 1912: In Berchtesgaden Ski¬
kurse, veranstaltet vom Deutschen Touring-Klub (München).
3.-5. Januar 1912: In Oberaudorf Rodelkurs; 7. Januar 1912:
Meisterschaftsrodeln für Bayern vom Brünstein bei Oberaudorf.
14.—21. Januar 1912: In Oberammergau Vierter Alpiner-Ski-
kurs, veranstaltet vom Alpiner Ski-Klub (München).
24. Januar 1912 und folgende Tage: In M U n ch e n Internationaler
Ski-Kongress.
26. —28. Januar 1912: In Immenstadt Hauptverbands-Wettlauf
des Deutschen Ski-Verbandes, Konkurrenz um die Meister¬
schaft von Deutschland im Skilauf; 21.—26. Januar 1912:
Touren woche der Skisportabteilung des Münchener Sportklubs.
31. Januar 1912: In Oberstdorf i. Algäu Städtewettkampf im
Skisprung.
1911/1912: Ski-Wettläufe der Vereinigten Münchener Sld-Verjsine,
Wintersport - Sonderzüge. Seit Sonnabend, den
9. bezw. Sonntag, den 10. Dezember ds. Js. ab werden bis auf
weiteres an Sonnabenden und Sonntagen, an denen die Witte¬
rungs- und Schneeverhältnisse in Winterberg, Fredeburg
usw. für die Ausübung des Wintersports günstig sind, Verwal¬
tungssonderzüge III. Klasse zu ermässig^em Preise nach und
von Winterberg und Fredeburg-Schmallenberg gefahren. Die
Sonderzüge gemäss Fahrplan A verkehren bei sehr guten Schnee-
und Witte rungsVerhältnissen in Winterberg, Fredeburg pp. und
bei sportlichen Veranstaltungen von besonderer Bedeutung
und die Sonderzüge gemäss Fahrplan B bei mittelmässigen
Schnee- und günstigen Wetterverhältnissen in Winterberg,
Fredeburg usw. Nach welchem Fahrplan (A oder B) gegebenen¬
falls Sonderzüge verkehren, wird stets Freitag-Vormittag durch
Aushang auf den Stationen und durch Mitteilung an die Orts¬
gruppen der Ski- und Bobsleigh-Klubs, an die Orts-Ve/eine des
Sauerländischen Gebirgs-Vereins sowie an die Zeitungen bekannt
gegeben. Zu den Sonderzügen werden Sonderzug-Fahr-
karten III. Klasse zu ermässigtem Preise (etwa 40®/o Er-
mässigung gegenüber dem gewöhnlichen Fahrpreis) nach imd
von den Zielstationen Winterberg, Steinhelle, Siedlinghausen,
Silbach, Fredeburg, Gleidorf, Schmallenberg ausgegeben sowie
auch Sonderzug-Fahrkarten zur wahlweisen Benutzung entweder
Hinfahrt nach Winterberg und Rückfahrt von Schmallenberg,
Gleidorf, Fredeburg oder Hinfahrt nach Fredeburg, Gleidorf,
Schmallenberg und Rückfahrt von Winterberg. Die Lösung der
Fahrkarten kann, wie im letzten Winter, zu den Sonntagszügen
bereits Sonnabends erfolgen.
Wintersportplätze in Deutschland.
Druckschriften über Wiiilersportplälzc sind, so weit der Vorrat reichti
durch die Auskunftslelle der Zeitschrift „Deutschland“ zu beziehen»
deren Inseratenteil eine Heihe von Ankündij^ungen über Winter¬
sport enthält und deshalb als zuverlässiger Führer durch die Winler-
sportplätze gelten kann*
Bayrisches Hochland.
MARQUARTSTEIN: Skikurs,
ASCH AU b. Prien: Rodelrennen,
Skikurs am 24. und 25. De¬
zember und 8. Januar.
BAD KOHLGRUB: Ski-Wett¬
läufe, Rodelrennen, Bobsleigh¬
rennen.
BAD REICHENHALL: Rodel
rennen und Skikurse.
BAD TÖLZ: Skikurs und
Rodelrennen im Januar 1912.
BAYRISCHZELL: Skiwettläufe
1911/1912 der Ver. Münchener
Ski-Vereine am Sudelfeld am
21. Januar.
BERCHTESGADEN: Ski- und
Rodelrennnen im Januar und
Februar; Skikurs, 25. Dezem¬
ber 1911 bis I. Januar 1912.
DIESSEN a. Ammersee: Preis¬
rodeln.
GARMISCH und PARTEN¬
KIRCHEN: Skikurse vom
IO.— 20. Dezember, 25. Dezbr.
bis I. Januar und 2.—5. Ja¬
nuar 1912. Ski-Wettläufe.
KINDELANG: Preisrodeln und
Skikurse im Januar.
IMMENSTADT: Skikurs vom
23. bis 26. Dezember, Haupt¬
verbands-Wettlauf des Deut¬
schen Ski-Verbandes vom 26.
bis 28. Januar 1912.
KEMTEN: Eisfeste und in¬
terne Wettläufe und Skikurso.
KIEFERSFELDEN: 2 Preisro¬
deln und 2 Preis-Eisschiessen.
Tallingfahrten.
MITTELBERG bei Oy, 1036 m.
MITTENWALD, 920 m
MURNAU: Winterfest an den
Weihnachtstagen.
NESSELWANG: Allgemeiner
Verbandswettlauf Anfang Fe¬
bruar 1912.
OB ER AMMERGAU: Alpiner
Skikurs am 14. und 27. Jan. 1912.
OBERAUDORF: Meisterschafts¬
rodeln für Bayern vom BrÜnn-
stein am 7. Januar 1911, Preis-
Rodeln vom Hocheck am
21. Januar; Skikurs am 29.
Januar und 4. Februar 1912.
OBERSTDORF: Städte-Wett¬
kampf im Skisprung am 31. Ja¬
nuar 1912; Ski-Wettläufe und
Skikurs vom 26. Dezember 1912
bis I. Jan. 1912; Rodelrennen.
PEISSENBERG: Preisrodeln im
Januar und Februar.
SCHLIERSEE: Skikurse vom
26.—31. Dezember 1911 und
6.—14. Januar 1912; 3.—xo.
März Tourenkurs. Auf der
R o t w a n d: Skikurs am X4.
bis 21. Dezember X9U. Ski-
Wettläufe, Eisfeste.
SONTHOFEN: Skikurs, Ski¬
wettläufe, Rodelrennen und
Eisfeste.
TEGERNSEE: Skikurse.
TRAUNSTEIN: Skikurs.
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Nr. 12 I
90® DEUTSCHLAND Ig^ ee606006€)06e6 0 0^^88 88^^ ^ e8 € g 609
Schwarzwald.
Eifel.
BADEN-BADEN, 200 m.
BADENWEILER, 450 m.
DONAUESCHINGEN,7oo/8oom
FELDBERG, 1494,7
FREIBURG i. B., 298 m.
FURTWANGEN, 870 - 1150 m.
HORNBERG, 370 m.
KARLSRUHE i. Baden.
MENZENSCHWAND, 884 m.
NEUSTADT i. Schw., 830 m.
ST. BLASIEN i. Schw., 800 m.
SCHLUCHSEE, 952 m.
HEIDELBERG.
HERRENALB (Gaistal), 400 bis
650 m.
HÖHENSCHWAND, 1015 m.
SCHÖNWALD.
TODTMOOS, 841 m.
TODTNAU.
TRIBERG i. Schw., 700—looo m.
ADENAU (Hohe Acht, 746 m;
Nürburg, 678 m).
BLUMENTHAL, 380 m.
CALL, 376 m.
DAUBENSCHEID, 615 m.
DAUN, 400 m.
GEMÜND, 338 m.
HEIMBACH, 220 m.
HELLENTHAL, 400 m.
HOLLERATH, 612 m.
HOHES VENN, 692 m.
MONTJOIE, 500 m.
MÜNSTEREIFEL, 350 m.
PAUSTENBACH, 540 m.
REIFFERSCHEID (Kreis
Schladen), 435 m.
RESCHEID, 630 m.
SCHNEIFEL, 670 m.
SCHÜLLER, 557 m.
VOSSENACK, 400 m.
Schwaben.
BAD RIPPOLDSAU.
BURG LICHTENSTEIN.
FREUDENSTADT.
ISNY.
KALTE FELD bei Stuttgart.
KNIEBIS und RUHSTEIN,
MÜNSINGEN.
REUTLINGEN.
SCHWARZEN GRAT.
WILDBAD.
Harz.
ALEXISBAD, 325 m.
ST. ANDREASBERG, 570 bis
650 m.
BAD HARZBURG, 300 m.
BAD LAUTERBERG, 300 m.
BAD SACHSA, 325 m.
BALLENSTEDT, 220 — 260 m.
BLANKENBURG, 200 - 337 m.
BLEICHERODE, 280—315 m.
BRAUNLAGE, 600 — 650 m.
BROCKEN, 1142 m.
CLAUSTHAL-ZELLERFELD,
534—605 m.
DREIANNEN-HOHNE, 542 m.
ELBINGERODE, 442 m.
ELEND, 520 ro.
GERNRODE, 230 m.
GOSLAR, 280 m.
HAHNENKLEE¬
BOCKSWIESE, 560 m.
HARZGERODE, 400' m.
HOHEGEISS, 642 m.
MÄGDESPRUNG, 292 m.
QUEDLINBURG, 125 m.
RÜBELAND, 378 m.
SCHIERKE, 650 m.
STÖBERHAI, 719 m.
STOLBERG, 330 m.
SUDERODE, 189 m.
THALE, 225 m.
TORFHAUS. 811 m.
WERNIGERODE, 235-517 m.
Thüringen.
BROTTERODE am Inselberg,
560 — 620 m.
FRIEDRICHRODA, 450—700 m.
GEHLBERG, 734 — 750 m.
GEORGENTHAL, 387—450 ro.
GROSS-TABARZ, 380—408 m.
ILMENAU, 500-862 m.
LAUSCHA (S.-M.), 550—700 m.
MANEBACH, 550 — 861 m.
MASSERBERG bei Oelze (Stat
Katzhütte), 830 m.
NEUHAUS am Rennweg, 830 m.
OBERHOF, 825 m.
RUHLA, 400—500 m.
SONNEBERG, 385 — 638 ro.
SUHL, 430 — 690 m,
SCHMIEDEFELD, 720—800 m.
Königreich Sachsen bezw. Sächs. Erzgebirge.
ALTENBERG i. Erzg, 750 m.
ANNABERG i. Erzg., 600 bis
832 m.
AUE i. Erzg., 349 m.
AUGUSTUSBURG i. E., 505 m.
BAD ELSTER, 491 m.
BAD GOTTLEUBA (Sächs.
Schweiz), 338 m.
BÄRENFELS, 700 m.
BREITENBRUNN, 700 m.
BRUNNDÖBRA i. V., 600 bis
900 m.
BUCHHOLZ, 694 m.
CARLSFELD i. Erzg., 830 m.
CHEMNITZ, 308 m.
EIBENBOCK, 620—700 m.
FRAUENSTEIN i.Erzg., 662 m.
GEISING i, Erzg., 600 m.
Riesen- und
AGNETENDORF i. R., 550 m.
BAD FLINSBERG i. Schlesien,
524-970 m.
BRÜCKENBERG i. Riesengeb.,
705—1252 m.
HAIN i. Riesengeb., 630 m.
HERMSDORF-KYNAST i. R.,
350—450 m-
JOHANNGEORGENSTADT im
Erzg., 750—900 m.
KIPSDORF, 594 m.
KLINGENTHAL, 555 m; Kame¬
runberg, 720 m.
KÖNIGSTEIN a. d. Elbe.
OBERWIESENTHAL (Sport¬
zentrum), 913—1245 m.
OYBIN MIT HAIN, 400-600 m.
REITZENHAIN, 778 m.
SEBNITZ i. S., 520 m.
SCHÖNECK, 768 m.
UNTERWIESENTHAL i.Erzg.,
868—1215 m.
ZITTAU i. S., 244 m.
ZÖBLITZ i. Erzg., 600 m.
ZWÖNITZ i. Erzgeb., 520 m
(Ziegenberg, 651 m).
Isergebirge.
HIRSCHBERG i. Schl.
KRUMMHÜBEL i. Riesengeb.,
650—680 m.
SCHMIEDEBERG i. Riesengeb.,
440—700 m.
SCHREIBERHAU i. Riesengeb.,
450—900 m.
WARMBRUNN.
Sauerland.
BRILON. RAMSBECK.
FREDEBURG. SCHMALLENBERG.
LÜDENSCHEID. WILLINGEN.
LÜTZEL bei Hilchenbach. WINTERBERG, 842 m.
Hessen-Cassel.
WILHELMSHÖHE, 550 m. MEISSNER, 753 m.
Theater, festliche und sportliche
Veranstaltungen, Kongresse etc.
Kölner Blumenspiele 1912. Die Literarische Gesell¬
schaft in Köln ladet die deutschen Dichter und Dichterinnen
ein, sich an dem am 5. Mai 1912 in Köln stattfindenden poetischen
Turnier zu beteiligen. Die Einsendungen sind bis zum
15. Januar 1912 an das Sekretariat der Kölner Blumenspiele in
Köln, Alto Wallgasse Nr. 14, zu richten.
Dezember bis 10. Januar; In Köln Ausstellung der Entwürfe für
das Bismarck-National-Denkmal am Rhein.
1912: In Oberhausen Westdeutsche Gewerbe- und Industrie-
Ausstellung.
I. Januar 1912: In R o m Internationale Ausstellung für soziale
Hygiene.
Januar 1912; In Danzig Neuere Gemälde, Studien und Radie¬
rungen von Professor Fritz A. Pfuhle, Arthur Bendrat und
Berthold Hellingralh.
Februar 1912: In D a n z i g Graphische Arbeiten moderner Künstler.
März 1912; Handwebereien, verbunden mit Vorführungen der
Technik.
Juli 1912: In Düsseldorf Städtebau-Ausstellung im Kunstpalast.
Bäder und Sommerfrischen.
Bad Salzbrunn in Schlesien erfreute sich während der
verflossenen Saison des stärksten Besuches seit seinem Bestehen.
Am 15. September konnte zum erstenmal der 10000. Kurgast
registriert werden. Der Gesamtbesuch der Saison betrug 19326
Personen, darunter 10066 wirkliche Kurgäste mit Begleitung;
ausserdem wurden über 70000 Tagesbesucher gezählt. Neben
der Heilkraft der Quellen und der Güte seiner Kureinrichtungen,
die technisch und hygienisch das neueste und beste bieten, ist
der Aufschwung des Bades der zielbewussten, rastlosen Arbeit
zu verdanken, die innerhalb der kurzen Spanne Zeit von
wenigen Jahren aus dem guten, alten Kurbade das moderne
Salzbrunn schuf. Der prächtige Bau des Grand Hotels krönt
die lange Reihe der umwälzenden Arbeiten, in deren Würdigung
dem Bade soeben der Grosse Preis der Dresdener Hygiene-
Ausstellung verliehen worden ist.
Bad Pyrmont. Der Fürstlich Waldeckschen Brunnen¬
direktion des Bades Pyrmont wurde vom Preisgericht der
Internationalen Hygiene-Ausstellung Dresden 1911 der grosse
Preis der Ausstellung zuerkannt. Diese wertvolle Auszeichnung
dürfte einen vollgültigen Beweis dafür erbringen, welch aus¬
gezeichneter Anerkennung sich die schätzenswerten Indikationen
des bekannten Bades erfreuen. Die Fürstliche Verwaltung bietet
Hand in Hand mit den massgebenden Behörden und Ein¬
wohnern der Stadt alles auf, um durch Verbesserung und
Vergrösserung ihrer Kur - Einrichtungen, durch Ausbau der
hygienischen Verhältnisse und durch Verschönerung des ge¬
samten Badebildes Bad Pyrmont in die erste Reihe unserer
deutschen Bäder zu rücken. Es darf hier noch erwähnt werden,
dass der Besuch des Bades Pyrmont trotz der grossen Hitze
dieses Jahres und trotz des grossen Brandes der Fürstlichen
Kurgebäude vom i. August hinter dem vergangenen Jahre
kaum zurücksteht.
Bernburg, eine Stadt von nahezu 34000 Einwohnern,
liegt reizvoll an den bewaldeten Bergufern der Saale und ist
mit allem Komfort und hygienischen Einrichtungen grösserer
Städte ausgestattet. Das 1902 errichtete Kur- und Badehaus
liegt inmitten des städtischen Parkes. Das Bad ist während
des ganzen Jahres geöffnet; im Winter ermässigte
Preise. Kurmittel; Es werden verabreicht Solbäder in jeder
beliebigen Stärke, Moorbäder (echtes Schmiedeberger Moor),
Kohlensäure-, Fichtennadel-, elektrische Licht- und sonstige
medizinische Bäder; Inhalatorium, Massage, Heissluftbäder und
Dampfduschen. Heilanzeigen: Katarrhe der Atmungsorgane,
Muskelrheumatismus, Gicht, Skrofulöse, Blutarmut, Nerven- und
Hautkrankheiten, chronische Frauenleiden, chronischer Gelenk¬
rheumatismus, Herzkrankheiten.
610 g B^8 00 Q QQQQGgxaQQQQQ88e8Q3Qaai DEUTSCHLAND iB eeeeeceeeeeeeeecxKwooccc ai Nr. 12
Ausstellungen.
Eine Jubiläums-Kunstausstellung! Durch Ber¬
liner Blätter geht die Kunde, massgebende Kreise beschäftig^ten
sich mit dem Plan, zu dem im Jahre 1913 stattßndenden
25 jährigen Regierungs Jubiläum des Kaisers eine
allgemeine grosse Kunstausstellung zu veranstalten. Dass der
Kaiser diesem Plan wohlwollend gegenUbersteht, darf wohl als
selbstverständliche Voraussetzung solcher Erwägungen betrachtet
werden; in der Tat hat ji Wilhelm II. stets ein sehr reges
Interesse für die Kunst bewiesen. Dass diese Teilnahme nicht
nur einem Gebot fürstlicher Mäcenaspflichten, sondern innerster
Neigung entspringt, geht schon daraus hervor, dass er durch¬
aus nicht zu allem, was man ihm zeigte, nach Serenissimus-Art
gnädig mit dem Kopf nickte, vielmehr sehr frei und nachdrück¬
lich Kritik Übte. Wenn seine Auffassung manchmal einseitig
und von Vorurteilen getrübt ist, so hat sie doch in unserer
Zeit des aufgeblähten, verlogenen und snobistischen Kunstge¬
schwätzes den grossen Vorzug, dass sie durchaus ehrlich gemeint
ist. Wie die Köln. Zeitung schreibt, würde die geplante Aus¬
stellung sich ein über ihren nächsten Bereich hinausgehendes
Verdienst erwerben, wenn es ihr gelänge, die getrennten Heer¬
haufen der deutschen Kunst unter einen Hut zu bringen, nicht
in dem Sinne, dass der zu einer gedeihlichen Entwicklung not¬
wendige Zwiespalt künstlerischer Ansichten behoben würde,
sondern, dass sich die Organisationen zu praktischen Zwecken,
wie Vertretung der Standes-Interessen, Ausstellungen, die Hand
reichten. Weitere Schwierigkeiten bereitet die Platzfrage.
Das grosse Ausstellungsgebäude in Moabit krankt an vielen
Fehlern; jedes Jahr werden an Reparaturen und Umbauten
viele Tausende ausgegeben, ohne dass etwas Rechtes dabei
herauskäme. Der Gedanke, ein neues, der Reichshauptstadt
würdiges Ausstellungsgebäude zu schaffen, schwebt schon lange
in der Luft, wenn auch das Schicksal der Ausstellungshallen
am Zoologischen Garten beweist, dass Berlin nicht alle Welt¬
stadt-Hoffnungen kühner Unternehmer rechtfertigt. Nach einer
Mitteilung des Lokalanzeigers hat Geheimrat Heinrich Kays er
schon Skizzen für einen Neubau entworfen. Er soll einen noch
grösseren Flächenraum beanspruchen, als die bisherige Halle,
indem er beinah bis .an die Strasse Alt-Moabit vorrückt, und
würde nicht, wie der jetzige Glaspalast, nur im Sommer benutz¬
bar, sondern ein massiver, heizbarer Raum sein, so dass auch
im Winter Ausstellungen stattnnden könnten. In der Künstler¬
schaft sowohl wie im Publikum erheben sich schon Stimmen
gegen die Wahl des Platzes. Wenn einmal ein neuer Bau
errichtet werden solle, so wäre es verfehlt, an dem Ausstellungs¬
gelände in Moabit festzuhalten. In der Tat liegt das jetzige
Gebäude ausserhalb desjenigen Verkehrs, der für seine Zwecke
in Betracht kommt, und die Umgebung kann nicht dazu ver¬
locken, hier einen Bau hinzusetzen, der die deutsche Kunst
würdig vertreten soll. Auch der schönste Palast wüide nicht
zur vollen Wirkung gelangen. Finanzielle Erwägungen sprechen
freilich für Moabit, weil das dortige, einen Wert von etwa zwölf
Millionen Mark darstellende Gelände kostenlos zur Verfügung
stehen dürfte. Sollte es zu einem endgültigen Be.schluss kommen,
so wird vermutlich ein grosser allgemeiner V/ettbewerb zur
Erlangung von Plänen ausgeschrieben werden.
Die Ausstellung: „Die Frau in Haus und Beruf“
und der deutsche Frauenkongress in Berlin 1912.
Der deutsche Lyzeumklub hat die Vorbereitungen za einer Aus¬
stellung getroffen, die dem grossen Publikum ein eindrucksvolles
Bild der augenblicklichen Lage der Frauenarbeit bieten soll.
Am 24, Februar 1912 wird sie in Berlin in den Ausstellungs¬
hallen des Zoologischen Gartens eröffnet worden und vier
Wochen hindurch zugänglich sein. Alles, was die Frau im
Hause und im Berufe geleistet hat, wird ausgestellt sein. Die
Kaiserin hat das Protektorat Uber die Ausstellung übernommen.
Gleichzeitig wird auch der vom Bunde deutscher Frauenvereine
veranstaltete deutsche Frauenkongress in Berlin eröffnet werden;
den Teilnehmerinnen wird freie Zeit zur Besichtigung der Aus¬
stellung gelassen, vom 27. Februar bis zum 2. März. Dann
setzen die Tagungen des Kongresses ein. Die Vorsitzende des
Bundes, Fräulein Dr. Gertrud Bäumer, bürgt in ihrer Person
für ein Gelingen des Kongresses. Alle Richtungen der Frauen¬
bewegung werden gleichmässig vertreten sein, alle Ansichten
dürfen ausgesprochen werden, so dass sich ein machtvolles Bild
der deutschen Frauenbewegung und aller Frauenbestrebungen
überhaupt entrollen wird. An alle grossen nationalen Organi¬
sationen, die ^entweder aus Frauen bestehen oder Frauen¬
interessen vertreten, ist die Bitte um Beteiligung ergangen.
Internationale Ausstellung für graphische Ge¬
werbe und Ph'otographie, Leipzig. Unter dem Vorsitz
von Dr. Ludwig^Volkmar und im Beisein des Vertreters der
Staatsregierung Kreishauptmann v. Burgsdorff, Geheimrats
Albert (Berlin) und Oberbürgermeisters D i 11 r i ch versammelten
sich am 2. Dezember in der Gutenberghalle des Deutschen Buch¬
gewerbehauses die Vertreter aller Zweige des Buchgewerbee»
der graphischen Künste und der photographischen Künste. Die
Versammlung stimmte vollinhaltlich auf Grund des ihnen vor¬
gelegten Programms der Ausführung der internationalen Aus¬
stellung für graphische Gewerbe und Photographie im Jahre 19x4 su.
— Wie jetzt bekannt wird, soll auch München bereits seit
längerer Zeit den Plan gefasst haben, für 1914 oder 1915 eine
internationale graphische Ausstellung zu veranstalten.
Württembergische Kunstausstellung in Stutt¬
gart. Eine vom Kultusminister einberufene Versammlung hat
vorbereitende Schritte für die Veranstaltung einer württem-
bergischen Kunstausstellung beschlossen. Zu der Ausstellung
werden die bildenden Künste, Malerei und Bildhauerei, nicht
aber die Architektur und das Kunstgewerbe, zugelassen. Sie
wird im wesentlichen einen deutschen Charakter tragen mit einem
internationalen Einschlag. Die Mittel werden so reichlich be¬
messen sein, dass für den Ankauf von Werken etwa 200 000 Mark
zur Verfügung stehen.
Den deutschen Ausstellungen in Turin und
andern Orten stellt die neue Züricher Zeitung folgendes Zeug¬
nis aus: „Deutschland — dass muss ihm der Neid lassen —
hat mit seinen Abteilungen an den grossen Ausstellungen der
letzten zwei Jahrzehnte tiefsten Eindruck gemacht. Und die Vor¬
führung seiner schweren Industrie im Jahre 190a in Düsseldorf
war zum Staunen. Annähernd ähnliches zeigt Turin auf diesem
Gebiete nicht. Wenn Deutschland nicht so wenig beliebt
wäre, woran hauptsächlich die Bewunderung schuld ist, die es
abzwingt, so müsste eine Weltausstellung in Berlin ein noch
nie dagewesener Anblick werden. Aber bis dahin wird es leider
noch gute Weile haben. In Turin kann England von Deutsch¬
land jedenfalls wieder lernen, wie ausgestellt werden sollte.
Wohl hat auch jenes Anordnungen, an denen in dieser Hinsicht
nichts zu bemängeln ist; aber in anderen Teilen kommt Schön¬
stes und Vollkommenstes nicht zur Geltung, weil es entschieden
verkehrt präsentiert wird. Vielfach wird erörtert, wer von bsiden,
Frankreich oder Deutschland, in Turin schöner ausgestellt habe.
Nach meinem Dafürhalten gehört der Preis Deutschland, obschon
es räumlich hint.^r seinen Leistungen in Brüssel und Paris
zurückgeht, weil es vermutlich nachgerade auch ausstellungs-
müde wird. Aber seine Abteilung in Turin (es ist nur von der
eigentlichen Industrieausstellung auf dem rechten Ufer des Po
die Rede) ist würdevoll, gibt willkommene Ruhepunkte, lässt
breite Gänge frei, hat Hallen mit einfachen, modernen Aus¬
schmückungen und ist oben in den Höhen von 6 bis 10 Metern
hell überspannt. Verglichen damit, erscheint die französische
Ausstellung, abgesehen vom politischen Anhängsel, meist recht
unübersichtlich und unruhig. Sie zieht sozusagen nirgends
mit Macht an.
Die Internationale Kunstgewerbliche Aus¬
stellung Paris 1915 nicht verschoben! Jüngst wurde
die Nachricht verbreitet, die iür 1915 in Paris geplante grosse
„Internationale Kunst ge werbliche Ausstellung“
solle aut das Jahr 1920 verschoben werden, weil die
französischen Künstler und Kunstgewerbler angeblich die ernste
Befürchtung ausge-aprochen hätten, das französische Kunstge-
werbe werde iin Jahre 1915 die getährliche Ko*ikurrenz des aus¬
ländischen, besonders des dcutr>chen Kunstgewerbss noch nicht
ei folg! eich bestehen können. Wie die ,,Ständige Au '»Stellungs¬
kommission tür die deutsche Industrie“ demgegenüber erfährt,
ist in der Abteilung für Ausstellungen des französischen Handels¬
ministeriums von einer solchen Verlegung nichts
bekannt.
Deutschland und das Ausland.
Eine deutsche wisse'nschaftliche Station in
Spitzbergen. Durch die Unterstützung des Kaisers, der
arktischen Zeppelin-Expedition, des Grafen Zeppelin und anderer
Förderer der Wissenschaft ist es nunmehr, wie die Norddeutsche
Allgemeine Zeitung in einem längeren Artikel berichtet, gelungen,
eine deutsche wissenschaftliche Station in Spitzbergen, und zwar
an der Adventbai, einzurichien. Den wissenschaftlichen Betrieb
dieser Station, die unter der Oberleitung von Prof. Hergesell
steht, leiten Dr. Rempp, Erster Assistent an der meteorologischen
Landesanstalt von Elsass-Lothringen, und Dr. Wagner, Assistent
an der meteorologischen Zentralanstalt in Wien. Die beiden
letztgenannten Stationslciter sind bereits seit Mitte Juli in Spitz¬
bergen anwesend. Die Anstalt soll sowohl aerologische Unter¬
suchungen wie geophysikalische Studien treiben. Das ganze
Unternehmen ist unter dem Schutz der Reichsregierung gestellt,
und der Kaiser, der auch finanzielle Beiträge gespendet hat,
wird sich fortlaufend Bericht über die Tätigkeit der Station
erstatten lassen. Der Betrieb der Station ist zunächst auf ein
Jahr geplant, doch ist zu hoffen, dass bei günstigen Erfolgen
die wissenschaftliche Tätigkeit noch länger andauem wird*
Nr. 12
DEUTSCHLAND
611
Eine Jung-Deutschland-Spende.
Vor einiger Zeit berichteten die Mitteilungen des
Vereins für das Deutschtum im Ausland, dass die
Abiturienten des österreichischen Klostergymnasiums Krems¬
münster bei ihrem Abgang von der Schule einen Baustein zu
der Roseggerspende dargebracht hätten. Diese Nachricht hat
in reichsdeutschen Schülerherzen ein Echo gefunden. Die Prima
des Gymnasiums zu Ludwigslust in Mecklenburg hat sich soeben
mit folgendem Aufruf an alle höheren Lehranstalten Deutschlands
gewandt, der in erhebender Weise zeigt, dass unsere deutsche
Jugend das Herz auf dem rechten Fleck hat und^die grossen
nationalen Aufgaben, die unserer Zeit gestellt sind, mit reifem
Ernst und opferfreudiger Begeisterung erfasst hat.
Deutsche Brüder!
ln ernster Zeit wenden wir uns an Euch!
Wie wir hier, so werdet auch Ihr Alle mit brennendem
Herzen geharrt haben, ob die schicksalsschweren Entwicklungen
der letzten Monde unserem geliebten Deutschen Reich das Schwert
in die Hand drücken würden, um sein gutes Recht gegen fremde
Anmassung und Willkür zu behaupten. Wir, die deutsche
Jungmannschaft, sind allzeit freudig bereit, unsere Kraft und
unser Leben einzusetzen, wenn das Vaterland ruft. Das Be¬
wusstsein muss in diesen Tagen besonders stark in uns lebendig
geworden sein. Wir haben zurückgedacht an die grossen Zeiten,
da uns mit Blut und Eisen die Kaiserkrone geschmiedet wurde
auf siegreich behaupteten Schlachtfeldern, und haben uns gelobt,
sollte das Vaterland rufen, uns nicht schlechter zu erweisen als
die Jugend, die damals von der Schulbank zur Fahne eilte.
Als im Jahre 1870 das deutsche Volk auszog zu'^ welt¬
geschichtlichem Ringen und Kämpfen, da eilten Deutsche aus
allen Teilen der Welt herbei, um ihrem Volk die Treue bis zum
Tode zu wahren. Damals besteuerten die deutsch-baltischen
Studierenden an der Universität Dorpat sich selbst, um eingedenk
ihrer Abstammung von der stolzen Mutter Germania zu Hilfe
und Pflege deutscher Verwundeter beizutragen. Heute wollen
wir Euch Gelegenheit geben, den deutschen Brüdern im Aus¬
lande, die die Träger und Pioniere deutscher Kultur und Wirt*
Schaftskraft auf der ganzen Erde sind, Treue um Treue zu
beweisen.
Deutsche Brüder! Der „Verein für das Deutschtum im
Ausland“, Berlin W. 62, sieht als eine seiner vornehmsten Auf¬
gaben die Unterstützung jünger Auslandsdeutscher an, die reichs-
deutsche Bildungsstätten aufsuchen, um sich hier für ihren
künftigen Beruf vorzubereiten und um in Berührung mit deut¬
schem Geist und Wesen sich die Kräfte zu erwerben, die sie
befähigen, nach ihrer Rückkehr ins Ausland in dankbarem Ge¬
denken an die genossene Unterstützung, sowie durchdrungen
von vaterländischer Kultur tatkräftig für des Reiches Interessen
einzutreten und besonders an den Sprachgrenzen fruchtbringende
Pionierarbeit zu leisten. Hier liegt unsere Pflicht: Den deutschen
Brüdern in fremden Landen, die unter slavischen und welschen
Volksstämmen nur mühsam ihr Deutschtum aufrecht erhalten
können, zu helfen!
So fordern wir Euch Alle zu einer gemeinsamen Sammlung
auf, zu einer „Jung-Deutschland-Spende“, und hoffen, dass Ihr
Euch freudig an dem nationalen Werke beteiligt. Sodann
fordern wir unsere Kameraden von der Prima auf, in ihrer
Klasse einen Abiturientenfonds zu gründen, zu dem nach
jedem Semester die scheidenden Abiturienten nach ihren Kräften
ein Scherflein beitragen, so dass ausser der allgemeinen, gemein¬
samen Sammlung die deutsche Jugend Jahi für Jahr ihren be¬
drängten Brüdern im Ausland eine Spende überreichen kann.
Mit deutschem kameradschaftlichen Gruss!
Die Prima des grossherzoglichen Realgymnasiums
zu Ludwigslust i. M. (Folgen die Namen.)
Wie wir hören, hat der Aufruf schon an verschiedenen
Stellen reiche Früchte getragen. Der national erzieherische Wert
der Sammlung liegt vor allem darin, dass sie nicht indirekt den
Geldbeutel der Eltern schröpfen will, sondern aueh die kleinste
Spende willkommen heisst, wenn sie den Sparschillingen der
Schüler selbst entnommen ist.
Franzosen als Vortragende in Berlin. Die in
Berlin erscheinende französische Zeitung „Journal d’Allemagne“
veranstaltet in den nächsten Monaten französische Konferenzen
in Berlin, in denen nur Franzosen zu Worte kommen sollen.
Mehrere Parlamentarier sowie eine Anzahl bekannter Persönlich¬
keiten der Kunst und Wissenschaft haben ihre Mitwirkung zu¬
gesagt. Der erste Vortragsabend, an dem Professor Louvrier
und drei andere Franzosen sprachen, fand am 9. Dezember statt.
Eine deutsche Obst- und Wald-Farmgesell¬
schaft in Aegypten. Die deutsche Unternehmungskraft hat
auf dem Boden des alten Pharaonenlandes einen neuen Erfolg
zu verzeichnen. Eine deutsch-ägyptische Gesellschaft hat auf
Anregung des angesehenen Kairener Kaufmanns Arno Werther
etwa 60 km von Kairo entfernt ausgedehnte Wüstenterritorien
am nördlichen Ende der arabischen Wüste erworben, wo diese
auf der einen Seite vom Ismailia-, auf der andern vom sogen.
Süsswasseikanal begrenzt wird, um sie der Kultur, unter der
sie in alten Zeiten gestanden, zurückzugewinnen. Der Besitz
der Gesellschaft umfasst nach den Mitteilungen des Vereins für
das Deutschtum im Ausland 6300 ägyptische Feddan (i Feddan
= 59V.', Gesellschaft nennt sich „Aegyptische Frucht-
und Waldfarmgesellschaft“. Durch grossartige artesische Brunnen¬
anlagen, die in der Stunde 4300 Kubikmeter Wasser liefern, ist
die ausreichende Bewässerung des ganzen Terrains gesichert.
Bisher sind bereits 60 Feddan mit tragenden Bananen, 60 mit
Obstbäumen, 350 mit gemischten Kulturen, darunter Gerste und
Henna bepflanzt und 600 Feddan für die Aufnahme von
Millionen schnell wachsender Casuarinen vorbereitet.
Verschiedenes.
Der Bund Jungdeutschland,
Der kürzlich in Berlin begründete Bund „Jungdeutschland“
erlässt jetzt den folgenden Aufruf: „Die sichere und glückliche
Zukunft unseres Vaterlandes beruht auf einer kräftig, gesund
an Leib und Seele und wehrhaft heranwachsenden Jugend!
Und gerade der Jugend drohen in unserer Zeit in leiblicher,
sittlicher und vaterländischer Beziehung die grössten Gefahren!
Deshalb sind in allen deutschen Gauen von jeher treudeutsche
Männer und Frauen sowie vaterländische Vereinigungen am
Werke, unserer schulentlassenen Jugend ein frohes
Gedeihen zu körperlicher Kraft und sittlicher Tüchtigkeit zu
erleichtern. Von dieser verdienstlichen Arbeit darf jetzt auch
eine noch tiefere und umfassendere Wirkung erhofft werden,
nachdem die daran beteiligten Verbände sich neuerdings in
einzelnen Bundesstaaten, z. B. in Preussen infolge des Jugend¬
pflegeerlasses des Kultusministers vom 18. Januar 1911, in be¬
sondere Organisationen zusammengeschlossen haben. Soll aber
BERUM HRMBURü
HOTEL ESOLAHADE
Das Vollendetste auf dem Qebiete der modernen
Hoteltechnik und des feinen Restaurantwesens.
F
612 iB OQ OQOQQOQ o a e a GQOODQQQ Qseaeaa DEUTSCHLAND leeeeeeeeeeeeeee eeeoecee efe^ Nr. 12
ein voller Erfolg erzielt, soll die gesamte deutsche Jugend
erfasst werden, so bedarf es der Mitwirkung der weitesten Volks¬
kreise, vor allem auch der Väter und Mütter unserer heran-
wachsenden Jugend. Diese allgemeine Teilnahme besonders
für einen wichtigen Zweig der Jugendpflege gewinnen zu helfen:
für die Erziehung der Jugend zu körperlicher und sittlicher
Tüchtigkeit in Haus, Ruf und öffentlichem Leben, hat sich der
Bund „Jungdeutschland“ zum Ziele gesetzt. Von der nach
Millionen zählenden deutschen schulentlassenen Jugend treibt
jetzt noch nicht viel mehr als ein Viertel regelmässig irgendeine
Art körperliche Uebung. Nahezu Dreiviertel gilt es noch heranzu¬
ziehen. Deutsche Väter und Mütter! Wir brauchen ein starkes
Geschlecht für die Zukunft unseres Volkes! Nur eine wehr¬
hafte Jugend sichert den Staaten und Nationen eine glückliche
Zukunft. Das lehrt die Geschichte aller Zeiten bis in die jüngste
Stunde. Darum sendet eure Kinder in die Vereine, welche die
körperliche und sittliche Erziehung im vaterländischen Geiste
als ernstes Ziel vor Augen haben, und wo es an solchen Ver¬
einigungen fehlt, helft neue gründen als Glieder des Bundes
„Jungdeutschland“ und hütet im Herzen der Jugend die Liebe
zum Deutschtum und Vaterland!“
Die Bundeslcilung. Generalfeldmarschall Freiherr v. d. Goltz,
Vorsitzender; Geh. Sanildlsrat Dr. Goelz, stellvertretender Vorsitzender;
Generalkonsul Franz Mendelssohn, Schatzmeister; Generalkonsul
Landau,^ stellverirelender Schat/.meisler; Oberbür^ernieisler Dominicus,
Schriftführer; Redakteur Diem, steüverlr Schriftführer; Rechnungsrat
Atzrott; Konsul Baschwitz; General der Ka^allorie a. l). Freiherr
V. Bissing; Staatssekretär a. D. Dernburg: Slaatsininister a. D. v Heutig;
Gottfried Hinze, Duisburg; Generalleutnant v. Jacobi; Staatsministi r a. D.
V. Moeller; Landlagsabgeordneter Dr. von Schenckendorlf; Prolessor
Dr. H. Albrecht; Generaloberst v. Lindequisl; Akademischer Sporlbund;
Altherrenbund des aka<ieinischen Turnbundes; Bund deutscher Jugend¬
vereine; Deulschc Schwinimerschaft; DeutscheSporlbehörde für Athleiik:
Deutsche Tiirnerschaft; Deutsche Zentrale für Jugendlürsorgc; Deutsi her
Fussballbund; Deutscher Jugendverband; Deutscher Ffadlindei bund;
Deutscher Radfahrerbund; ueutscher Schwiminerverband; Deutscher
Verein für das Fortbildiingsschulwesen; Deutscher Verein für ländliche
Wohllahrts- und Heimatspflege; Kartell der deutschen Jugendwehren;
Verein Wehrkraft, München; Wandervogel; Deutscher Bund für Jugend-
wanderungen; Zentralausschuss zur Förderung der Volks- und Jugend-
spicle in Deutschland; Zentralstelle lür Volkswohlfahrt.
Architekt Georg Metzendorf, der in Essen lebende
Erbauer der Margarethe-Krupp-Kolonie, wurde soeben vom
Grossherzog von Hessen zum Professor ernannt. Herr Metzen¬
dorf dürfte manchem unserer Leser durch seine interessanten
Bauten in der deutschen Abteilung der Brüsseler
Welt-Ausstellung 1910, besonders durch seine Arbeiter¬
wohnhäuser und dem Pavillon des Deutschen Verkehrs-
Bure a u s noch in bester Erinnerung sein.
Eröffnung des B ö 11 i n g e r - S t u d i e n h a u s e s zu
Berlin. In schlichter Form fand die Eröffnung des Deutschen
Instituts für Ausländer (Böttinger-Studienhauses), Universitäts¬
strasse 8, statt. Der Direktor, Prof. Dr. Paszkowski, hielt eine
kurze Ansprache, in der er auf den Zweck des Instituts einging,
den zahlreichen gebildeten Ausländern, die sich in der Reichs¬
hauptstadt vorübergehend aufhalten, einen geistigen Mittelpunkt
für ihre deutschen Studien zu bieten und sie zum Studium der
deutschen Kultur anzuleiten. Er gedachte in Dankbarkeit des
geistigen Urhebers dieses Instituts, des früheren Ministerial¬
direktors im preussischen Kultusministerium, Friedrich Althoff,
er dankte dem hochherzigen Stifter, Geheimen Regierungsrat
Dr. von Böttinger, dem preussischen Kultusministerium-für die
dem. Institut zugewendete reiche Fürsorge und sodann dem
Kuratorium, welchem der Rektor der Universität und .die
Professoren Hermann Diels, Erich Schmidt und Brandt äii|fe-
hören, für seine stets bereite Förderung. — Daran schloss s\ch
eine ausführlichere Erläuterung des Programms. '
Leipziger Herbstmesse. Einige Berliner Blätter
haben an eine Anzahl Aussteller von Mustern und Musterlagfem
die Frage gerichtet, ob sie für Aufhebung der Leipziger Herbst¬
messe sind. Um nicht die Meinung aufkommen zu lassen, als
könne ein Verzicht auf die Beschickung der Herbstmesse zu
ihrer Aufhebung führen, weisen die Handelskammer sowie der
Rat der Stadt Leipzig in einer kürzlich an die Aussteller er-,
lassenen gemeinschaftlichen Erklärung darauf hin, dass an
irgend eine Aenderung der Leipziger Herbstmesse^
nicht zu denken ist. Für die Eintragung in das-
Offizielle Leipziger Mess-Adressbuch, 32. Auflage,
Oster-Vormesse 1912 (Beginn Montag, den 4. März) ist vom
Mess - Ausschuss der Handelskammer Leipzig soeben der mass- '
gebende Anmeldebogen versandt worden. Die pünktliche
Rücksendung dieses Anmeldebogens ist allen Ausst^em *
dringend zu empfehlen, da die Aufnahme oder WeiterfUhrung
im Buche davon abhängt. Neu hinzugetretenen Ausstellern, die
das Formular noch nicht erhalten haben, empfehlen wir, sofort *v
beim Mess - Ausschuss der Handelskammer Leipzig darum
nachzusuchen.
Ein alpines Museum ist am 10. Dezember ix^München
feierlich eröffnet worden. Wie das „Berliner Tageblatt“ mitteilt, .
hat die Münchener Stadtvertretung dem Alpenverein die Gebäude'
der seinerzeit mit einem Kostenaufwand von einer Million Mark
erbauten „Isarlust“ für die Zwecke des Museums vor längerer
Zeit zur Verfügung gestellt, eine Spende, die den zwischen
Innsbruck und München lange tobenden Streit um den Museums»
Standort endgültig zugunsten der letzteren Stadt entschied. In¬
zwischen sind in aller Stille die notwendigen Umbauten an der
„Isarlust“ und umfangreiche Sammelarbeiten durchgeführt worden.
Bei der Anlage des Alpinen Museums, das dem im Jahre 190^
eröffneten „Berner Alpinen Museum“ in der Schweiz würdig an
die Seite treten kann, ergab sich ein fast unbegrenztes Arbeits¬
feld, Vom Alpinen Ausrüstungs-, Verpflegungs- und Rettungs¬
wesen angefangen bis zu den Modellen und Abbildungen der
Weg- und Hüttenbauten, den zahllosen Karten und Reliefs,
häufte sich eine Unsumme von Material an. Die alpine Fauna
und Flora, vor allem aber die alpine Geologie, ist ausserordent¬
lich reich berücksichtigt worden. Abbildungen der Technik des
Bergsteigens und der Gefahren der Alpen, Bildnisse hervor¬
ragender Alpinisten, Führer usw. nehmen einen weiteren Teil
der umfangreichen Sammlungen ein. Der interessanteste und
verhältnismässig grösste Teil des Alpinen Museums umfasst aber
jene Ausstellungsobjekte, die zeigen sollen, welche Veränderungen
der zunehmende Fremdenverkehr in den Alpenländern hervor¬
gebracht und die „unseren Epigonen ein Bild hinterlassen von
dem, was der Zeit und dem Kulturfortschritt zum Opfer fiel
oder fallen kann.“ Hierher sind die Modelle und Abbildungen
von Naturereignissen, von bemerkenswerten Bauten und Natur¬
denkmälern usw., von Volkstrachten und Volksbräuchen, Marteln-
-1 '
1
1
Aufruf.
1 lie UUIUI nUUIWIIDKI-nOldMIUpUl! II
Protektorin Ihre iVlajestät die Kaiserin und Königin.
lieber weite Landstriche Siid-Hrasilions, namentlich über das bekanntlich von deutsch-brasilianischen
Kolonisten dicht besiedelte Miiuizip Bhimenau, hat eine verheerende Wasserkatastrophe namenloses
Uhgliick gebracht. Der Itajahy-Strom ist plötzlich zwanzig Meter hoch aus seinen Ufern getreten
und hat Wohnhäuser und StäUe, (»oschäftshäuser und Fabriken, Schulen und sonstige öffentliche
Gebäude, Pflanzungen und Eisenbahnen zerstört. Der Wohlstand der Siedelungen, der in langen Jahren harter Arbeit aufgebant
war, ist auf Jahre hinaus vernichtet. — An die Herzen des deutschen Volkes, die aller fremden Not stets offen gewesen, ergeht
heute der Ruf, der vom Unglück Betrorfenen, unter denen sich so viele unserer Stammesbrüder befinden, werktätig zu gedenken.
Von ihrer neuen Heimat, deren gute Bürger sie geworden sind, seiner Zeit gastfrei aufgenommen, haben die deutschen Auswanderer
weit über Brasiliens Grenzen hinaus Khre und Ansehen gebracht hat. Soll vor der Größe ihrc's jetzigen Unglücks ihre Zähigkeit
und Tatkraft nicht erlahmen, so bedürfen sie uiiseror schmdlen und nüchen Hilfe. — An die oft erprobte Opferfreudigkeit des
deutschen Volkes wenden wir uns deshalb mit der herzlichen Bitte um Beistand für die Geschädigten in Süd-Brasilien. Das Bureau
des Hilfskomitees befindet sich in Berlin NW 40, Alseustrafie 10.
Der Elireiipräiiiideiit:
Seine Hoheit der Herzog Johann Albreoht zu Mecklenburg, Präsident der Deutschen Kolonial-Gesellschaft.
Daa Drlisidinm:
Br, von Bethmann Hollweg, Kiuchskanzler; von Kiderlen-Wächter, Staatssekretär des Auswärtigen Amtes; Qraf
Iierohenfeld-Küfering, Königl. Bayrischer Gesandter; Dr. B. Itibere da Cunha, Brasilianischer Gesandter; Dr. Predüfal, j
Bürgermeister der Freien und Hansestadt Hamburg, Präsident des Senats; Dr. Barkhausen, Bürgermeister der Freien Hanse-^
Stadt Bremen, Präsident dos Senats.
Del* Arbeittsanssclinß:
Emil Selberg, Kommerzienrat, Vorsitzender; GÖtsoh, Geheimer Legationsrat, Vortragender Rat im Auswärtigen Amt; E. SoJljye-
manu, Direktor der Deutschen Bank, Schatzmeister; Herbert Maz Gatmann, Direktor der Dresdner Bank, Schriftiuhref.
Nr. 12 H
3009900® DEUTSCHLAND ® 6 € ?6COG6OOOSO6€g3e088GCCOOOOEll 613
und Grabkreuzen, von den Verkehrsmitteln aller Zeiten usw. zu
rechnen. Natürlich ist auch das Heimatschutzgebiet in weitestem
Masse berücksichtigt worden, und der Kulturhistoriker findet
hier eine Fülle von wertvollem Material. Nicht unerwähnt soll
schliesslich bleiben, dass auch die Leistungen und die Ent¬
wickelung des deutschen und österreichischen Alpenvereins in
graphischer Form eine übersichtliche Darstellung gefunden haben.
Bücherschau.
H. K. Heiland. „Mit Auto und Büchse um Asien**.
Zu beziehen durch Buchhandlungen oder durch den Verfasser
selbst: Berlin, Alte Jacobstr. 23/24, Preis geb. 10 Mk. „Mit Auto
und Büchse um Asien** so nennt der bekannte Sportsmann
Heinz Karl Heiland sein neues Werk, dass er dem deutschen
Publikum auf den Weihnachtstisch legt. Wenn der bequeme
Vergnügungsreisende entweder im russischen Luxuszuge durch
Sibirien nach Ostasien gelanget oder auf einem der so behag¬
lichen Dampfer unseres Norddeutschen Lloyd, so hat es Heiland
vorgezogen, seine Fahrt nach der grossen Völkerwiege sozu¬
sagen auf dem Motorwagen und mit der Büchse in der Hand
zu vollbringen. Ihn reizt nicht das, was den Herdenmenschen
anzieht; er scheint den Zweck seines Lebens nur darin zu
suchen, im wilden Dschungel sich mit Tigern und Leoparden
herumzuschlagen, in den Sümpfen Sumatras dem Rhinozeros
nachzuspüren, auf Ceylon den Elefanten mit der Schlinge zu
fangen, gelegentlich noch einem Krokodil den Garaus zu machen
oder irgend einem allerliebsten Orang-Utang von einem Urwald¬
baum herabzuschiessen. Eine in unserem „tintenklexenden
Säkulum** geradezu überraschende Freude an der Gefahr, ein
stetig wiederholtes Va-banque-Spiel mit dem Tode bildet einen
Grundzug seines Wesens und wenn er auch mit einer geradezu
naiven Freude an sich selbst von seinen weidmännischen Helden¬
taten erzählt, so gehört er anderseits doch nicht zu jenen Nim¬
roden, deren bestes Können das Jägerlatein ist. Denn ebenso
wie er mit Stolz von seinem Jagdglück berichtet, so verhehlt
er dem Leser auch nicht, wieviel Fehlschläge ihm beschieden
waren, wie mancher tückische Zufall ihm die ersehnte Jagdbeute
vor der Nase wegschnappte oder was für Strapazen und Leiden
ihm als böse Zugabe zum nervenanspannenden Weidwerk vom
Schicksal dargeboten wurden. Was Heiland dem Leser in seiner
durchaus ungekünstelten, oft burschikosen Art erzählt, findet
eine köstliche Ergänzung in den zahlreichen Textbildern und
Kupferdrucktafeln, die für das Buch nicht nur ein äusserer,
höchst reizvoller Schmuck sind, sondern auch genau so wie sie
mitten in den Text hineingestreut sind, eine organische Er¬
gänzung seines Globetrotter-Daseins bilden; denn neben Auto
und Büchse ist es stets die photographische Kamera, die ihn
als treue Gefährtin auf seinen Kreuz- und Querzügen begleitet
hat. Da und dort greift auch die kapriziöse Kunst eines be¬
freundeten japanischen Malers ein, um dem eigenartigen Werk
noch mehr einen Hauch des Exotischen zu verleihen. Wie
Dichtung und Ton im modernen Musikdrama sich vermählen,
so sind hier Wort und BUd vereinigt, am Rande der Seite
oben oder unten, manchmal mitten im Text erscheint fast blitz¬
artig wie im Lichtbildtheater der Gegenstand, von dem die
Rede ist. Mancher schnurrige Einfall dankt dieser drolligen
Methode seinen Ursprung, die es sogar zuwege bringt, die
korrekten Buchstabenreihen zu sprengen und mitten in den
Lettern ein Krokodil herumkrabbeln zu lassen. So wird das
Werk jedem willkommen sein, der seine Freude am bunten
Spiel des Lebens hat, besonders aber dem Sportsmann und Jäger,
der in dem Verfasser einen beneidenswert glücklichen Kollegen
begrüssen darf. Dr. M.
Hugo Münsterberg „Die Amerikaner** 4. neu bear¬
beitete und erweiterte Auflage. Berlin 1912. E. S. Mittler & Sohn.
2 Bde. Neben den klassischen Darstellungen der Grundlagen
und Lebensformen des amerikanischen Volkes, welche de Tocque-
ville für Frankreich und Botschafter Bryce für England geliefert
haben, steht Münsterbergs grosses Werk seit seinem ersten
Erscheinen im Jahre 1904 ebenbürtig da. Noch niemals war ein
Psychologe von Beruf mit der ganzen Schulung, welche diese
Wissenschaft zur Erkenntnis des Individuums verleiht, an eine
solche Darstellung einer nationalen Gesamtheit auf völkerpsycholo-
g^scher Grundlage gegangen. Daz Ergebnis, welches in Münster¬
bergs Buch in die Erscheinung trat, war ein überraschendes:
es zeigte zum ersten Male, dass die Struktur eines grossen
Völkerorganismus samt seiner geschichtlichen Vergangenheit
und seinen gegenwärtigen Lebensäusserungen am besten aus
der systematischen Erkenntnis seiner seelischen und geistigen
Grundrichtungen erfasst werden kann. Dadurch, dass Münster¬
berg als Deutscher, der über ein Jahrzehnt in den Vereinigten
Staaten gelebt und gewirkt hatte, seine Beobachtungen ausser¬
dem noch vom deutschen Gesichtswinkel aus machte, wurde
sein Buch die grösste Tat auf dem Gebiete deutsch-amerikanischer
Kulturvermittlung und hat als solche mehr als die übrige, oft
werden mit großem Rabatt ansverkanft
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614 ■ D e Q 0 CO 3 CK»Q 0 9 3 QQQQQQ 00 QCX 30 ca g] DEUTSCHLAND B eceee o eeeeeeeeeeooococcotB Nr. 12
allzu reichhaltige deutsche Literatur über Amerika das Ver¬
ständnis der beiden grossen im Vordertreffen stehenden germa¬
nischen Völkergruppen für einander gefördert. Gerade weil
die Münsterberg'schen Beobachtungen auf das Absolute und
Typische im amerikanischen Volkscharakter gerichtet waren,
konnte das Buch auch in den sieben Jahren seit seinem ersten
Erscheinen durchaus nicht veralten, was bei allen nur auf die
äusseren Erscheinungen des amerikanischen Lebens gerichteten
Amerikabüchern in unglaublich kurzer Zeit der Fall ist. Gerade
für ein so bewegliches, elastisches Land, das von keiner Tradition
beengt und dem Entwicklungsdrang allseilig offen steht, genügt
oft schon ein Jahr zur Verschiebung des Gesichtspunktes in
der Beurteilung durch ausländische Betrachter, und soweit Tat¬
sächliches in Frage kommt, bringt die Neubearbeitung auch
das vorliegende Werk durchaus auf die Höhe des gegenwärtigen
Tatsachenbestandes im amerikanischen Leben. Die Neubearbei¬
tung, welche zu einem Drittel eine gänzliche Neuschöpfung des
Textes bedeutet, ist von Professor MUnsterberg während seines
einjährigen Aufenthaltes als Austauschprofessor an der Universität
Berlin vorgenommen worden. Gerade durch diesen Aufenthalt
in der deutschen Reichshauptstadt hat die Behandlung des
amerikanischen Problems auch eine zeitgemässe Revision des
deutschen Standpunktes der Betrachtung erfahren. Neuamerika¬
nische und neudeutsche Werke konnten mit den alten verglichen
und in ungemein fesselnder geistreicher W'eise aneinander
gemessen werden. Besonders die Kapitel Uber die innere und
äussere Politik der Vereinigten Staaten, über Schutzzoll und
Trusts, die aktuellen Themata, haben bedeutende Erweiterung
und Vertiefung erfahren, und in den Kapiteln übes das geistige
und soziale Leben, über Wissenschaft, Erziehung, Kunst, Religion,
Frauenbewegung usw. ist der Text Überall bedeutungsvoll bereichert
und vervollständigt worden. Auch das stilistische Gewand,
welches einen Hauptreiz der Münsterberg’schen Darstellung bildet,
ist aufgefrischt worden. Der leichte reizvolle stilistische Fluss,
welcher dem Schriftsteller Münsterberg in allen seinen zahlreichen
Veröffentlichungen eigen ist, beraubt die Darstellung aller Schwer¬
fälligkeit und Unübersichtlichkeit, ohne ihr etwas von ihrer Gründ¬
lichkeit und Materialfülle zu nehmen. Auch in dieser Beziehung
bedeutet das Werk einen Höhepunkt deutscher darstellender
Literatur. Ein ausgezeichnetes Namen- und Sachverzeichnis
am Schlüsse des zweiten Bandes ermöglicht die Benutzung des
Werkes auch zu Nachschlagezwecken. Die äussere elegante Aus¬
stattung hat dieser vermehrten Neuauflage einen würdigen buch¬
technischen Rahmen gegeben, welcher dem Werke einen Ehren¬
platz in jeder modernen deutschen öffentlichen und privaten
Bibliothek sichert.
Winterpracht. Zwölf farbige Naturaufnahmen von
Hans Hildenbrand. Preis in Umschlag 4 Mk. Verlag Julius
Hoffmann in Stuttgart. Tausende ziehen hinaus auf die Suche
nach dem wahren Winter, und auch die Lichtbildner sind eifrig
an der Arbeit, denen, die noch hinterm Ofen sitzen, des Winters
Schönheit zu vermitteln. So ist auch Hildenbrand kampffroh
und beutelustig — auf flinkem Ski — hinausgezogen durch
winterliche Weiten und schneeschweren Tann, um ein Stück
Winterzauber, den er draussen erlebt, auf seine farbenempfind¬
lichen Platten zu bannen. Wie vollendet ihm dies gelungen,
dafür sollen seine Bilder zeugen. Winterstimmungsbilder! Bei
derem Schauen denen, die den Winter kennen, herrliche Stunden
schweigenden üeniessens und jauchzender Winterlust wieder
wach werden, und die wohl geeignet sind, denen, so es bislang
noch nicht vergönnt war, selber solch Wunder zu sehen, die
Sehnsucht danach zu wecken. Den ganzen Farbenzauber eines
Wintertags lassen uns diese Bilder durchkosten. Die Hilden-
brandschen Aufnahmen werden allen Freunden des Wintersports
eine liebevolle Erinnerung an unvergessliche Stunden in der
Wunderwelt von Eis, Schnee und Sonne sein. Die Wiedergabe
der farbigen Aufnahmen ist eine Musterleistung, für Natur¬
freunde eine reizvolle Weihnachtsgabe.
Menschenkenntnis von Heinrich Steinitzer. (Kultur-
Breviere Bd. 111 .) 8". (108 S.) Verlag von Gustav Lammers,
München. Kart. Mk. 2.- . Büchern üb^r Menschenkenntnis
pflegt man mit Recht Misstrauen entgegenzubringen. Was sie
enthalten sind meist Ansichten und Urteile, von irgend einem
ethischen Standpunkte aus gewonnen, aber keine Kenntnisse
von der wirklichen Natur des Menschen. Oder sie bringen eine
strengwissenschaftliche formale Psychologie, die uns weder die
Menschen unserer Umgebung, noch uns selbst verständlicher
macht. Der Verfasser des vorliegenden Büchleins hat sich im
Gegensätze hierzu die Aufgabe gestellt, die Grundlinien einer
tttl^
Uetfeit 5itir Sec
nod) nta^eira, Portugal Spanien,
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nad) 6er €uropäifd}en nn6 }lfiatifd)en
(Zurfei, 6ein $d)u>ar 5 en nieere, palöftina
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<ZI)ina, 3apan, nad) Iluftralien.
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Husfiinft erteilen
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un6 feine Pertretungen.
Sa Adam, Berlin w.
Leipzigerstr. 27,28 = Ecke Friedrichstr.
^eeaeoeaassQ^eeae^äSSS»^ DEUTSCHLAND öiseeöeeeeeeeeeeee^eeseseseess 6is
pfaieiisßhen, jcdefitcii anwendbaren. Meaac^enketintnis» tVöbrie
möfaiisctieo: ansxdarbeften. Waa un« »tn tägUcben
^ä|i!&;CbHchea ^ncgegefib-iltt Handtbngen lind Aü^taagcn^
Folgen van^^ rÄV]sdtucksbeW££fung^ifrn d^r Menachen^ dlc^nt ihm
d^tkuc/ivi IcU/er u einfacher VS,^eiie peäentun für die
Kenntni« des Cbarafeifrrs nnd der y orrfifäöge im MensciheG
iU er>twiC:k*IjfjA Er zeigt, wa^ derjeai^tty de:r nacb MenscJaen-
k^nmnt* strebet hu leroan ütid ipu yermeidr^in bai; und gibt Im
^Hsuptkapitel «ine Metbndik dej* Se1btl:erk^nnt&i6, ala der not^
Eidigen y otatufc Je de r Me nisc b en kenn tf j der« n Ä n w e nd u ng
hisber yeradb^ceeene Türen zum eigenen Selbst öffnet. Im :
Scblusßkapfjtcl werden die Grecueen der Mcöschenkenutnia und
die Möglicbk^k ihrer Ueberäcbrciiiing durtb den Künstier und
Dicbter" b^spinebenr ^ S^tlbst in d*rirt MaEseribetrieb d.£r bebtigcn
JUiieratdr lälb die& Btiublein aU etwas Eigenartiges und Seib-
Ätäjidiges anf. .tfer Verifaiaef-^ der Über eiae ungewphalfttbe
Belesei^heit verfügt*, w^*^, was: ;Ä»defe über yeft: Gegeba^talid
seiner Arbeit gesagt bsbÄU, ibec *i Üäe öueb Aölbki ^was *ü
. sagen* und: vj^r-Jb nietna]» .aua'ge-
sproeiten wör.dett f^t. £ir &febt es* äUjtb die $cbwieHgsien
. Fragen versiälidtK^.^'machen... : ' '
B a 4 Q e 11 a n d 1 m W t n i e r. Winierfuden ünd VVinter-
Zauber will uns dies tei:dich und illuatrattv vorrügiicäi Äiusge^tiUüeitc
Blödchen v^r Augeu führen. Während dninterfC im feuchten
Tä|e dfeilte Nebelschwaden dem Äugt dt« Fexöeic h t wvht ea,
^iegl öben »uf den hochragende« SchwarzWaldb&r^ftn die war*,
tuchde y/iniexsonne. Bei klfngehüer ScblibtenfabrXv a^ilj^viikeu
Skiern entwickelt sich bald ein fröhliches Treib.öb^ torij,
erfrechende X?uft stählt den Körper und das Aöj^fe gläTirt U>j 4
leutUtftt hn WiedetiSthein der Schörth^it dei Wihtiffs. Ueber-
rd^cbÄJid ÄchnclJ lisf der V^imiantpöK inri S^^ihw^zw^fd
w or deo u n d jcahJ reic b rtd di e Ski k >i c: / S Idj M u/ie, H4 ^b l ^
korsö?, ßöbsl.fii^iireciGen usw/ Die: brwabnxö Ötos«blu-ft isi u- ä
adch toi der Oi^sehälts^telje 'Mx- i^P e u t isch 1 ü u d
ffl DÜ5:s^eidott' erbählieV
Wüiter im bayer ehen Hochland. I?er Verein aur
.Fördenirig de;? Freoi 4eo-Verkehrs in Münche n ün d ^ iinj fciay-
HöbhJÄTsd hat soeben fü» sein VeTkehffjj^tbVet eifje
Z w si®^ Ul er «teüU ng w i cb t:(g e r A n g h h e .n ti: fc ft V U h i ^ t -
k gr 5« f i a«r y e> k ff h r s - vj o d S p o r ty e.t li ä i i n i a a a 'hatt^uk-
gqgöb 1 ^ b ('' d^e ti^ i A u a Wahl ei ne a Wime ra b f e n i haltpl ä tr## uh 4 bc i
Befeibhung des Reiaeaiifwa^d«s gute Dienste tiit/ piessr pfatk-
tlache: y/tgweiser/der itiue wertvolle Ergänzitog de^. Merkblatt«
Uh er d le Wijile raport^ la tre ixn b ä y e risc be n Ho chJan de däratellU
kaäu mit d^tm vöö d^r A^hll^^hen Äu«kunCtitrlle der Kfirit^lich
Bayerischen Staataetaeabahnen im Internaiiöhirtlefö dffeiiilijciij&u
Verkehr«-Büreau in Berlik/;-tf.nii^T 4 'kjostexslok
b e zogen' w er dCn, — A ueh in d kt Chä f^tetle der, fl
D e u t a ch t a n 4 " io Busseldörf ; frrfölgi kostenlose Ähg:abc
dea Materiala.
B ex gs‘trd> • Ü.d(!t33 !W a ld-•■■un d ■..M'eckaj'rtÄ.l <Woerl^.
RetsebUGherVeriag Eftipaig^» Freia i Mk. Pie vdrhegend® Neu-
auftage wurd t von Hebet) Ür. Miit, kappt in Se*heim a. 4^ Serg-
; uitm^ griifidJich durehgesehen, umgeafbi^i^^
^'weitert. Flif weitere Reisen und Ausflüge odftr :ifty längeren
Äiifehtbalt an ieith*elneu Oiten sei dis^, Wöcrisc^e Spezial^
• fübrer:hjö^®wiea 4 ii>- :
p er V 4 r k e h r s - V e r stl ii. L * * g veranetaUet# vom
£&Lr^a<>: Öktöher : dr j* II, SchaufeTiSter ^\V«ttbewerb. Im
Verlage vi>n L. Schbttidnder ^ Cft.* (Der Confectionät).
ist ein Album eiachienen, in wclcheoi der ech
fenatef vorgefUhrt werden Duci jpfNichtig' gelühpsöth J^hotö-
graphlen, denen man «ine kdbsilttr;.$chfi; Au$fdhmüg^^ ^teü
werden lassen, iet eme Erklärung dar zuf Schftu gestellten
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ift rjr Ceii wtn'^h^'x I
S r ktfli ö : th, H j f b r11 GeBcaMtisfuiif 'rr $Vj£i jiuH i>e.'y rk ö bri -
vtfftiJiB le httlprtg; ’föi dtin ^t^^iAorCt}rb in
■ JJriiitiik Ufl';! 0^erfl IJ iJi-.hUBH>Hvrh.
Diesür Niumrmr jißgt t^iu f^rö-^]i;ükf^Djr V\4'lb^pbdv^h-
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W i i- b LbsJtl i' h u i t i? n h i ü ö i i* ir u
iJerfMgi t»ir^ icht llachaljmmi^ het edt^teii
Stedtenpferd - CiUenmilch - Seife
i?«n Bträtsänn 4 r i^e„ BstttbinL «Ss if; i'K t»«Stift fur
eines fitricH, j-eiöiB 4 *?pditfä, rin'igen, jtt3cn&-
itifstfmJhisfeticnSrein« i»eifritu,fammeHe£idtcn^(ia*ini&
eisni'Sliifitieueii Seints. ä St. 50 pfö- tlberna fu liaiieit.
mnsiiiiijKitira
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Direktor Biutli}«
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türeilt4tu xeierr u iei 1 1 ii iit- die ii«»iseß in ^^ ,^iidferii iin cl i
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Cassel.
300
730
845
200
Essen ........
631
826
207 243
624
W arburg ......
4 ^
8*5
1038
30 ?
an
llaceii.
726
1004
258 450
7^
Hannover
Weiter siehe Nr. 3.
über Altenbeken . . .
—
—
461
900
„
Paderborn über Büren
—
614
84*
234
«. Ab
C«ln Hbf.
6 -^
836
130 ; 222
6 Si
an
Nuttlar.
6*9
843*
1229
618
Düsseldorf ....
606
827
123 i 302
g34
,,
Bestwig.
638
935
1239
417
Elberfeld.
667
930
226 1 400
714
al)
G59
950
1240
540
Barmen.
705
937
934 411
722
Nuttlar .
715
967
1247
647
an
Hagen.
7i8
959
257 , 462
747
an
Winterberg ....
826
1125
200
7 O 8
Weiter siehe Nr. 3.
Ab Paderborn.
3. Ab
Hagen.
738
1008
30G 502
751
Arnsberg.
827
—
403 ] 627
846
7. Ab
Hannover.
—
630
—
—
Neheim-Hüsten ....
837
1059
413 ! 641
856
t)
Cassel über Warburg
943
1160
—
an
Hestivig.
901
1130
445 7^
930
Cassel über Zierenberg
—
910
1157
—
Weiter siehe Nr. 6.
Warburg.
—
1039
1252
—
Arolsen.
—
1129
166
—
4. Ab
Hamburg.
1114
—
739 939
—
an
Fraiikeiiberg .
—
109
348
—
Bremen .
Osnabrück . 1
1^
315
713
929 11*7
1116 138
129
4*7
Weiter siehe
Nr. 9.
Münster.1
412
80('.
1257 324
547
7»
Hamm.
6^>
924
205 407
1 644
8. Ab
Frankfurt (Hain)
—
—
11004
1247
77
Dortmund.
637
8»4
911 350
1 615
Gießen.
699
—
1210
200
an
Fröndenberg .
668
lül*
322 502
7^
U
Afarburg.
703
—
204
349
ab
77 .
'*809
1086
344 566
8*6
an
Frankenberg . . .
8*7
—
318
6*1
an
Bestwig .
907
1180
445 736
930
Weiter siehe
Nr. 9.
Weiter siehe
Nr. 5.
5* Ab
Kestwig .
900
1240
1 640 827
9^
9 . Ab
Frankenberg ...
836
127
318 j
532 1
an
Wiiiterberg . . . . |
1125
200
7O8 947
10^
au
Winterberg . . . . |
10*8
309
5*6 1
709
518
6t9
122
*809
817
8£7
834
947
1243
618
644
734
910
435
547
748
911
919
IOÖ6
Außer vorstehenden fahrplanmäßigen Zügen verkehren bei günstiger Schneelage noch folgende Sonderzüge :
Sonnabends:
( ab Düsseldorf . . 5oo
\ an Winterberg . 920
so.»«.*- {
Anmerkung: Zu diesen SonderzUgen werden nur SonderzugrUckfahrkarten III. Klasse zu ermäßigtem Preise verausgabt,
SonderzOge gefahren werden und deren Fahrpläne wird jedesmal rechtzeitig durch Aushang auf den Stationen bekannt gegeben.
ab Düsseldorf . 6*®
an Winterberg . 10*9
Ob und welche
DEUTSCHLAND
Zeitschrift für Heimatkunde und Heimatliebe
Organ für die deutschen Verkehrs-Interessen o Amtliche Zeitschrift des Bundes Deutscher
Verkehrs-Vereine a Mitbegründet durch den Internationalen Hotelbesitzer-Verein e.V., Köln
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X April, Mai und Juni je zweimal) X
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Amtliches Organ des Rheinischen Verkehrs-Vereins,
des Sächsischen Verkehrs-Verbandes,
des Verbandes Bergischer Verkehrs-Vereine
und des Verbandes der Verkehrs-Vereine Westfalens.
Druck und Verlag: Düsseldorfer Verlags-Anstalt A.-G.
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Nr. 13
Düsseldorf ■ Januar 1912
11. Jahrg.
^ Friedrich der Große ^
Von G. Ho we.
Mitten in den Winter unseres politischen Mißver¬
gnügens fällt die 200. Geburtsfeier Friedrichs II., den
seine Mitwelt schon den Großen nannte. Das ist ein
Tag der Erinnerung, der Erhebung und der Hoffnung in
unserer für den Vaterlandsfreund nicht eben begeisternd
schönen Gegenwart.
Der Mann, der das kleine Preußen in den Rang der
Großmächte erhob, der sich in seinem unvergleichlich
ausgebildeten Heer ein nie versagendes Werkzeug schuf,
um mit schlagender Beweiskraft den Anspruch auf seine
selbsterrungene Stellung gegen jeden Neider zu ver¬
teidigen, jener Fürst, der, durch Bildung und Weite
des Blickes seinem Volke weit überlegen, sich doch
nur als den ersten Diener des Staates ansah, er bietet
ein Bild, das uns Nachgeborenen an Geist, Gemüt und
Gewissen greift. Auf seine Zeitgenossen wirkte er
überwältigend, und für einen Goethe erschien er „als
der Polarstern, um den sich Deutschland, Europa, ja
die Welt zu drehen schien".
Friedrich selbst hat geringer von sich und seinem
Werk gedacht. Er gehörte zu den seltenen Machthabern,
die genügend Selbstkritik besitzen, um sich durch über¬
treibende Urteile der Welt nicht blenden zu lassen. „Die
Nachwelt richtet uns", sagt er, „und wenn wir klug sind,
kommen wir ihr durch strenge Selbstbeurteilung zuvor."
Das bedeutsame Werk des rauhen und gewaltsamen
Vaters hat er fortsetzen wollen. Rechte Fortsetzung aber
besteht in der Weiterbildung. Des Königs ganzes Sein war
auf das Handeln gerichtet, und wenn trotz aller Glanztaten
nicht jeder Blütentraum zur Reife kam, so begründete
er mit dem preußischen Wertbewußtsein zugleich jenen
unschätzbaren Geist der kräftigen Initiative, der in
unserem Heere dauernd lebt, wenn er auch in unserer
Diplomatie sich leider hin und wieder vermissen läßt.
Heldengröße im höheren Sinne ist nicht so häufig
unter den Menschen und Völkern, wie Tradition und
konventionell geschriebene Geschichte es uns glauben
machen wollen. Derjenige, welcher Friedrichs Helden¬
tum zuerst in seiner ganzen Größe betont, es nicht
nur seinem Volke, sondern der Welt in überzeugen¬
der Weise gewiesen hat, war merkwürdigerweise ein
Engländer: Thomas Carlyle in seiner an abstrusen
Sonderlichkeiten sa reichen, dabei aber mit zwingender
Kraft und lebendiger Begeisterung geschriebenen Ge¬
schichte des großen Königs. Ja, Friedrich war ein
Held! Nicht bloß, indem er, vom Hunger nach Ruhm
getrieben, den Kampf mit einem übermächtigen Gegner
aufnahm und ihn mit einer ans Uebermenschliche
grenzenden Zähigkeit fast gegen ganz Europa erfolgreich
zu Ende führte. Nicht, weil er bei Kunersdorf, als
alles verloren war, allein den feindlichen Kanonen
entgegenritt — das tat Napoleon III. bei Sedan auch —,
oder weil er fest entschlossen war, wie er an den
Marquis d'Argens schreibt, seine endgültige Niederlage
nicht zu überleben. Das Abenteuerliche an sich reizte
ihn nicht, und ein Karl XII. erschien ihm kaum in
idealem Lichte. Im Volke freilich lebt in erster Linie
der Sieger von Roßbach und von Leuthen, der mit
seiner Potsdamer Wachtparade „die ganze Reichsarmee,
Panduren und Franzosen" zum Teufel jagt. Und sein
schnell zugreifender kühner Wagemut wird stets Gegen¬
stand größter Bewunderung bleiben, denn
Was nennt man groß, was hebt die Seele schaudernd
Dem immer wiederholenden Erzähler,
Als was mit unwahrscheinlichem Erfolg
Der Mutigste begann?
Was aber sein Heldentum über Zeit und Ver¬
hältnisse erhebt, das ist nicht allein sein Wille zur
Macht, zur seltenen Tat, es ist weit mehr der Wille zur
Pflicht, welcher den von einem reichen Triebleben er¬
füllten Mann, der sich doch frei fühlte von jeder Moral-
fexerei, dauernd zum Sieger über sich selbst machte.
Friedrich der Große war weit entfernt von jener
festen Geschlossenheit des Seelenlebens, wie wir sie
bei bedeutenden Männern der Geschichte konstatieren
oder doch gerne voraussetzen. Wer Ungewöhnliches
erstrebt, braucht meist unerschütterlichen Glauben an
sich selbst und seinen Stern. Friedrich hatte diesen
Glauben nicht. Philosophie und Heldentum gehen
schlecht zusammen, und der König war ein Philosoph.
Sein starkes Empfindungsleben, sein von Grunde aus
weiches Gemüt machte ihn abhängig von Stimmungen;
sein scharf analysierender Verstand übte sich gerne
an einer rücksichtslosen Selbstbeobachtung, die energie-
616 DEUTSCHLAND Nr. 13
voller Aktivität nicht günstig ist. Ein Skeptiker war er
in durchaus modernem Sinne, der zu den konventionellen
Ansichten über Lebenszweck und Willensfreiheit eine
kritische Stellung einnahm. Und wenn er den groben
Materialismus der französischen Enzyklopädisten mit
seinem ästhetischen Feingefühl auch entschieden ab¬
lehnte und das Dasein eines persönlichen Gottes als
eine Notwendigkeit empfand, so ward ihm die Vor¬
stellung des Gottesgnadentums damit noch lange nicht
zum Glaubenssatz. Dauernd schwankte er zwischen der
Annahme eines blinden Geschicks und einer allwaltenden
Vorsehung. Es scheint
ihm durchaus zweifel¬
haft, ob sich „die
Blicke der Gottheit
zu menschlichen Er¬
bärmlichkeiten herab¬
senken", und die irdi¬
schen Geschöpfe sind
ihm vorwiegend doch
nur „Puppen in der
Hand Seiner Majestät
des Zufalls". Das resi¬
gnierte Gefühl eines
trüben „Ignorabimus''
geht durch seine Be¬
trachtungen und es er¬
streckt sich auch auf
die bange Frage nach
der Menschenseele
Vergänglichkeit oder
Dauer. Was aber die
Bewertung seines per¬
sönlichen Tuns an¬
geht, so sollen „die
alten Einwendungen
der Hofleute, Eigen¬
liebe und Eitelkeit ihn
nicht beirren". „Das
Land Brandenburg hat
gestanden eine lange
Zeit und wird fortbe-
stehen nach meinem
Tode. Die Staaten
werden erhalten durch
die Fortpflanzung der
Rassen,undderHaufen
wird regiert durch die
Minister oder Souve¬
räne. Etwas klüger,
etwas einfältiger, das bleibt sich fast gleich; die
Unterschiede sind so gering, daß die Masse des Volkes
kaum etwas davon wahrnimmt."
Nun aber die andere Seite seiner komplexen Natur!
Seine Skepsis treibt ihn nicht zur kontemplativen
Passivität, zu einem tatenlosen Pessimismus. Seine
Entschließungskraft wird nie von des Gedankens Blässe
angekränkelt. Mag immerhin der Weltengang ein un¬
auflöslich Rätsel bleiben; mag sein, daß ihn ein
Zufall nur an seinen Platz gestellt! Und doch! So lang
an diesem Platz er steht, will er ihn würdig füllen.
Denn leben heißt ihm handeln; handeln bei einem
König aber ist identisch mit der Tätigkeit für andre.
— So erwächst für Friedrich der starke Begriff der
Pflicht quand meme. Und keine Verbitterung des
Alters, kein „Räsonnieren seiner eigenen Lumpen¬
hunde" — wie es Goethe gelegentlich eines Berliner
Besuches mit eigenen Ohren hörte — hat dieses Pflicht¬
gefühl im König erkalten lassen. Im Gegensatz zu der
natürlichen Gefühlsweichheit, die er im Umgang mit
seinen Freunden, namentlich mit seiner vergötterten
Schwester Wilhelmine, in seinen Briefen und Poesien
zeigt, geht durch seine staatsmännische Tätigkeit
ein harter, trockener,
prosaischer Zug. In
seiner Sorge für sein
Land ist er einer rein
realistischen Denk¬
weise zugetan, und alle
theoretischen Philo-
sopheme verlieren bei
ihm ihren Kurs, sobald
es sich um die prak¬
tische Frage handelt,
wiedas moralischeund
materielleWohl seines
Volkes zu fördern sei.
Die großen modernen
Probleme desSchutzes
heimischer Industrie,
der inneren Koloni¬
sation, der Verbesse¬
rung des Verkehrs¬
wesens, vor allem
auch einer Neuord¬
nung der Rechtspflege,
sie werden von ihm mit
weitschauender Um¬
sicht, mit maßvoller
Besonnenheit und kon¬
sequenter Energie auf¬
gegriffen. Und wie er
in einem spezifisch
pädagogischen Jahr¬
hundert lebt, so fühlt
er sich mit seinem
sicheren Instinkt für
die Bedürfnisse der
Massen als den be-
rufenenErzieher seines
Volkes. Ohne daß er
eine Zeile des großen
Königsberger Weltweisen gelesen hatte, machte er
sich zu einem überzeugten Vertreter von Kants kate¬
gorischem Imperativ der Pflicht. Dabei wußte er, daß
er, der seiner Zeit geistig weit Vorauseilende, auf
Anerkennung, auf mithelfendes Verständnis nicht zu
rechnen hatte. Ihm genügt das schlichte Selbstzeugnis,
das er sich im Eingang seines Letzten Willens aus¬
stellen darf: „Unser Leben ist ein rascher Ueber-
gang vom Augenblick unserer Geburt bis zu dem des
Todes. Während dieses kurzen Zeitraumes ist der
Mensch bestimmt, zu arbeiten für das Wohl der Gesell¬
schaft, deren Glied er ist. Seit ich zur Herrschaft
Büste Friedrichs des Großen (modelliert von G. Schadow)
618 DEUTSCHLAND («]
Nr. 13
gelangt, habe ich mit allen Kräften, welche die
Natur mir verliehen hat, und nach meiner schwachen
Erkenntnis mich bemüht, diesen Staat glücklich
und blühend zu gestalten, den ich die Ehre habe
zu regieren."'
Was den König frisch erhielt, nicht nur in den
Tagen der Tafelrunde von Sanssouci, sondern gerade
auch in den trüben Jahrzehnten der allmählich zu¬
nehmenden Vereinsamung nach dem Siebenjährigen
Kriege, was seinem Geist im Frondienst der trockenen
Pflicht immer wieder neue Elastizität verlieh, das war
sein Verkehr mit den Musen. Beklagenswert, wenn¬
schon aus Zeitumständen und Erziehung begreiflich,
kann seine Verständnislosigkeit gegenüber der deutschen
Literatur erscheinen. Sein ästhetisches Empfinden trug
hier über das nationale den Sieg davon. Die auf der
Höhe formaler Schönheit und geistvoller Diktion
stehende französische Poesie hielt ihn fest in ihrem
Bann und hinderte ihn, zu der tiefgründigen, jedoch
von Schwulst nicht freien Sprache Klopstocks, ge¬
schweige zu dem kraftvollen, aber unreifen Realismus
der Sturm- und Drangzeit Beziehungen zu suchen. Der
Aufstieg zur klassischen Vollendung deutscher Dicht¬
kunst kam aber für den König um ein Jahrzehnt zu
spät. Erst in seinem Todesjahr erschien Goethes
Iphigenie. Und doch hat er den festen Glauben gehabt
an die hohe Mission seines Volkes auch auf poetisch¬
künstlerischem Gebiete. Wie die Rede eines Propheten
klingt es, wenn er in seinem Aufsatz „De la litterature
allemande" schreibt: „Wir werden unsere klassischen
Autoren haben; jeder wird sie lesen wollen, um von
ihnen zu gewinnen; unsere Nachbarn werden das
Deutsche lernen; die Höfe werden es mit Vergnügen
sprechen, und es wird dahin kommen, daß unsere
Sprache, verfeinert und vervollkommnet, sich dank
unseren guten Schriftstellern von einem Ende Europas
zum andern verbreitet. Diese schönen Tage unserer
Literatur sind noch nicht da, aber sie nähern sich.
Ich kündige sie Euch an, sie werden erscheinen; ich
werde sie nicht schauen, mein Alter versagt mir diese
Hoffnung. Ich bin wie Moses: von ferne schaue ich
das gelobte Land, aber ich werde es nicht betreten".
Friedrich war der reifste Typ des aufgeklärten
Absolutismus. Die Summe der bewegenden Ideen und
Bestrebungen des Jahrhunderts der Aufklärung finden
wir in ihm vereinigt, und es gibt gegen Ende seiner
Regierung kaum eine der europäischen Monarchien,
die nicht durch einen Hauch seines Geistes durchweht
und beeinflußt worden wäre. An eine Aenderung des
autokratischen Systems hat er nie gedacht, konnte er
nicht denken, weil sein Volk ihm für eine politische
Emanzipation nicht reif schien. Er hielt fest an der
Konzentration der gesamten Verwaltung in seiner
Person. Das war noch eben möglich in einem Preußen,
das kaum so viel Einwohner zählte wie heute die eine
Rheinprovinz. „So wenig", sagt er in seinem politischen
Testament, „wie Newton sein System in Verbindung
mit Leibniz und Cartesius hätte zustande bringen
können, so wenig kann ein politisches System gemacht
und behauptet werden, wenn es nicht aus einem Kopfe
entspringt, und das muß der des Fürsten sein". Die
strenge, vom Vater überkommene Staatsform sucht er
mit den modernen Kulturbestrebungen zu vereinigen.
Der großen historischen Entwicklung des Absolutismus
verleiht er die krönende Form und stellt zugleich
ihren Abschluß dar, indem er für eine Fortbildung die
sittlichen Grundlagen zu schaffen sich bemüht. Daß
die neue Weltepoche zu plötzlich hereinbrach, daß
Friedrichs Nachfolger sich unfähig zeigten, diese Fort¬
entwicklung vorzunehmen und die Politisierung der
Gesellschaft unter Umgestaltung des Staatsbildes in die
Wege zu leiten, das war das tragische Moment in der
Geschichte Preußens. Es führte uns nach Jena. ,rWir
sind eingeschlafen auf den Lorbeeren Friedrichs des
Großen", schrieb die Königin Luise in der Unglücks¬
zeit ihres Vaterlandes an ihren Vater. Geben die
Götter, daß eine neue Weltkatastrophe uns nicht
schlafend finde auf den Lorbeeren von Sedan!
Deutsche Winterlandschaften.
Von Dr. med. Erwin Jaeger (Leipzig).
Die Natur unseres Vaterlandes, die infolge ihres
geologischen Aufbaus und der auf ihr befindlichen
Vegetation eine außerordentlich große Mannigfaltigkeit
zeigt, die noch durch den Wechsel von vier Jahres¬
zeiten erhöht wird, hat bei der Empfänglichkeit des
Gemüts unserer Vorfahren und ihrem ausgeprägten
Sinn für die Geschehnisse der Natur die Phantasie der
germanischen Völker schon in Urzeiten beschäftigt und
angeregt. Nicht zum mindesten diesem Umstande ist
der große Schatz an Sagen und Märchen zu danken,
über den die Germanen verfügen. Sie fanden und
finden Anklang insbesondere bei unserer Jugend,
obwohl die ihnen zugrunde liegenden Ereignisse in
der Natur uns nicht mehr durchaus bekannt oder
geläufig sind. Das gilt insbesondere von den Er¬
zählungen, die in der winterlichen Jahreszeit spielen.
Und doch muß unserem Volk ein latentes Erinnerungs¬
vermögen an diese Jahreszeit und die Ueberwindung der
sich durch sie ergebenden Schwierigkeiten geblieben
sein; wenigstens scheint die Schnelligkeit, mit der
man seit Einführen des Wintersports bei uns gelernt
hat, vermehrtenGefallen an der winterlichen
Lands chaftzufinden und ihr Verständnis entgegen¬
zubringen, dafür zu sprechen. Daher ist wahrscheinlich
auch die Begeisterung besonders groß bei unserer
Jugend. Denn wie sich offenbar in der Jugendzeit
unseres Volkes der Sinn für die Schönheit des Winters
entwickelt und daher zu einer Reihe schöner Sagen
und Märchen geführt hat, also zeigt sich, nachdem in
neuester Zeit wieder die Neigung zum Aufenthalt in
winterlicher Natur in ihrer schroffsten Art, nämlich im
Gebirge, gekommen ist, das Einzelindividuum in seiner
Jugendzeit zu solchem Treiben am geeignetsten. Das
Leben des Einzelindividuums wiederholt unter gleichen
oder ähnlichen Umständen den Lebenslauf der Volkheit.
Außerdem hat das nüchterne Alltagsleben, dessen
620 DEUTSCHLAND Nr. 13
Sklaven die meisten
von uns sind, und das
mit seiner bis in das
kleinste gehenden Spe¬
zialisierung im Beruf
viele zum Teil einer
Maschine indemgroßen
Getriebe macht,ebenso-
viel Menschen die Mög¬
lichkeitgenommen, sich
in ihrem Beruf auszu¬
leben und ihre volle
Persönlichkeit zur Gel¬
tung zu bringen. Im
Gegensatz hierzu bieten
die Wanderungen und
sportlichen Beschäfti¬
gungen im winterlichen
Gebirge nicht nur reich¬
lich Gelegenheit zur in¬
dividuellen Betätigung,
sondern die Landschaft
selbst regt die Phan¬
tasie ihrer Beschauer in
hohem Maße an. Ein
reiches inneres Erleben
lohnt, man möchte
sagen, oft allzu reich¬
lich alle aufgewendeten
Mühen. — Da das Klima
unserer Mittel-Gebirge
stark maritimen Cha¬
rakter zeigt, infolge¬
dessen im Sommer das
Entstehen einer beson¬
ders vielseitigen Vege¬
tation begünstigt, im Winter aber besonders reichen
Schneefall herbeiführt, so bietet unser Vaterland für
die Modellierarbeit des
Winters ein besonders
ergiebiges Arbeitsfeld.
Man vergleiche z. B. die
überwältigende Gro߬
artigkeitalpiner Winter-
Landschaften, deren
oft gigantische Gewalt
uns geradezu gefangen
nehmen, erschöpfend
auf uns wirken kann,
welche aber auch in¬
folge ihrer Einheitlich¬
keit wohl großzügig
sind, aber der anregen¬
den und unterhaltenden
Einzelheiten entbehren,
mit unseren Mittel-
gebirgs - Landschaften,
die einen schier un¬
erschöpflichen Reich¬
tum an Formen und
Gestaltungen in jedem
Winter aufweisen, und
zwar je mehr, je näher
wir uns der Baumgrenze
befinden und die Kamm
höhe der Gebirge oder
die Bergesgipfel er¬
reichen. — Doch das In¬
teresse des liebevollen
Beschauers an der
Winterlandschaft geht
weiter, wenn er seine
Beobachtungen lange
genug fortsetzen kann.
Die immerwährende Wandlung des Aussehens der ver¬
schneiten und vereisten Gestalten zeigt ihm, daß sie
Nr. 13 DEUTSCHLAND 621
Leben haben, und daß die Darstellung des Winters als
Würger alles Lebens falsch ist. Die dem Bilde an¬
gehörenden Individuen zeigen im einzelnen so gut
wie jenes im ganzen ein anderes Aussehen in der
Morgenstimmung bei aufgehender, ein anderes in der
Abendstimmung bei untergehender Sonne. Dort eine
sich machtvoll durchringende Kraft, hier der letzte
Glanz einer Landschaft, deren aufgetürmte Wolken die
Wirkung der Arbeit der Sonne zeigen. Welche Summe
verschiedener Farben gibt das Tageslicht einer Winter¬
landschaft je nach der Bedeckung des Himmels I Herrscht
Frost und strahlt die Sonne ungehemmt vom blauen
Himmel hernieder, dann funkelt und glitzert, unter¬
stützt von der an solchen Tagen trockenen Luft, alles
in der Landschaft. Dann scheint Rübezahl sein Spiel
Welche Kontraste von Licht und Schatten läßt der
normal alles reflektierende Schnee zu! Wolken ver¬
mindern die Helligkeit der Schneelandschaft und schaffen
statt dessen Farben auf dem Schnee bis zum blau
und violett. Außerdem schließen sie herrliche Bilder
wirkungsvoll ab, sie vereinheitlichen das Bild. Nur
dichter Nebel macht auch die Winterlandschaft tot:
die Tarnkappe nimmt ja auch dem Menschen das
Menschliche. Je dünner der Nebel ist, um so mehr
beteiligt er sich an dem Zustandekommen prächtiger
Farbenbilder. Sein dünnes und zartes Gewebe verleiht
der Gegend unter Umständen sogar einen besonderen
Zauber, dessen geheimnisvolles Wesen die Phantasie
der Menschen von jeher angeregt hat. Am bekanntesten
ist ja die Geschichte von Rübezahl, der durch den
Großer Sprunghügel und Ziel der Rodelbahn an der Sportwiese in Ilmenau
zu treiben, er macht aus Laub und Nadeln Gold.
Oder geschäftige Zwerge und Gnomen sind an der
Arbeit, den Menschen in ein nie geschautes Zauber¬
land einzuführen, in dem Gold und Edelsteine in
traumhafter Menge zu schauen sind. Wie ganz anders
wieder sieht die gleiche Landschaft bei gleichem
Himmel dann aus, wenn die Frühjahrssonne gierig
Schnee und Eis von Bäumen und Strauchern leckt.
Welche wunderbaren Gebilde entstehen dadurch, daß
ihr Wirken zunächst einseitig sein muß! Kampf und
Sieg, Sorge und Hoffnung versinnbildlicht ein Bäumchen,
das infolgedessen schon auf der einen Seite das
trutzige Grün seiner Nadeln zeigt. — An solchen Tagen
schaut sich auch der Schnee ganz anders an. Er ist stumpf
geworden, er besitzt bei weitem nicht mehr die Reflexwir¬
kung des Neuschnees oder des wieder gefrorenen Schnees.
Nebel den Wanderer neckt und ihm die Möglichkeit
der Orientierung nimmt.
Vereint sich dem Nebel Kälte, dann entstehen jene
herrlichen Rauhreiflandschaften, die das Entzücken jedes
Beschauers hervorrufen. Hier wird der Winter zum
Künstler. Kann es uns überhaupt noch wunderbar
erscheinen, daß ein Naturvolk, das so plötzliche Verände¬
rungen in der Natur beobachtete, von der Allmacht
ihrer Götter überzeugt war! Ein häufig in der
deutschen Mythologie wiederkehrender Zug ist der, daß
solche Verwandlungswunder über Nacht geschehen,
wie es der Rauhreif zumeist tut.
Selbst die Nacht hat ihre Reize. Wenn sie nicht
absolut finster ist, dann mehrt sich ihr Lichtschimmer
durch den Reflex vom Schnee derart, daß die Gestalten
der Winterlandschaft von einem geheimnisvollen Licht
622 DEUTSCHLAND Nr. 13
umflossen erscheinen. Andere Stimmungen herrschen
bei Mondenschein — unbeschreiblich schöne — wenn
sich zu diesem Frost gesellt.
Schön sieht der Winter¬
wald dort aus, wo der Schnee
ungehindert vom Wind seine
Decke über alle Gegenstände
hat gleichmäßig ausbreiten
können, wenn Frau Holle
allein ihr Werk getan hat.
Solch ein Wald wirkt auch auf
das Auge beruhigend, gibt
dem Menschen Gelegenheit
zur inneren Sammlung. Hier
ist nichts von dem unsteten
Hasten und Treiben des All¬
tagslebens zu spüren. Doch
mannigfaltiger, unterhaltender
und darum anregender sind
die schneebedeckten Wald¬
landschaften im höheren Ge¬
birge, wo der Wind den Schnee
entweder gleich bei seinem
Auftreten wirbelt, oder, nach¬
dem er sich ausgebreitet hat,
wie ein Ziseleur seine Spuren
in die Schneedecke eingräbt,
andere Bilder hervorrufend,
wenn es sich um leichten
Pulverschnee handelt, andere,
wenn der Schnee pappt oder
verharscht ist. Dann entstehen nicht nur auf der
Schneedecke allerhand Gebilde, die das Wandern auf
dem Schnee zwar beschwerlicher machen, anderseits
aber als Produkt der konsequenten Arbeit des Windes
nicht nur eine interessante
Erscheinung für den beobach¬
tenden Menschen darstellen,
sondern auch sehr nützlich
wirken können, da sie die
Richtung des Windes, der sie
schuf, sehr charakteristisch
wiedergeben und daher unter
Umständen zur Orientierung
ähnlich der Magnetnadel ver¬
wendet werden können.
Dann schaue man aber auch
auf die wunderbaren Figuren
hin, unter denen Bäume,
Sträucher, Wegweiser, Rain¬
steine usw. verborgen sind,
ln scheinbarer Regellosigkeit
haben sich hier die vorhan¬
denen Arten von Gestalten
vervielfacht, ln diesen Ge¬
bilden zeigt die Natur dem
Menschen, daß ihre Phantasie
seiner weit überlegen ist.
Die Phantasie des Menschen
ist ja auch tatsächlich nur
Reproduktion oder höchstens
willkürliche Kombination von
schon einmal Erschautem
oder Erlebtem.
Die Bilder, die wir hier sehen, veranschaulichen
uns Wachstumsverhältnisse, die uns fremdartig bedünken
Röuhfrost im Schwarzwald (Phot.: Dr. Hoeck, Freiburg)
Kurhaus und Berghotel Gabelback bei Ilmenau, 750 m hoch
Nr.l3 DEUTSCHLAND 623
wollen. Neben den vertikalen sind auch horizontale
Wachstumsrichtungen festzustellen. Gesetze der Sym¬
metrie scheint es für diese
Bildungen nicht zu geben.
Und doch steckt auch in
diesem Spiel ein tiefer, ernster
Sinn: die Elemente arbeiten
mit Kräften, die jenseits
menschlichen Vermögens
liegen. Das ist Rübezahls —
das ist der Riesen Reich.
ln diesen Landschaften
konnten Erzählungen vom ver¬
wunschenen Schloß, von dem
durch Hindernisse besonderer
Art ausgezeichneten Schloß
Dornröschens entstehen, dem
sich nur ein edler und tat¬
kräftiger Ritter nähern konnte.
Nur ihm war es möglich,
solche Landschaft ihrem
Ungekanntsein zu entreißen.
Wie das Pfefferkuchen¬
häuschen in „Hänsel und
GreteP' muten uns einzeln
stehende Häuser, besonders
die Klubhäuser in solcher
Umgebung an. Tempora
mutantur. Wer diesen Hütten
naht, wird nicht mehr auf¬
gefressen, sondern im Gegen¬
teil dadurch, daß man ihm besonderes Interesse für
den Sport vermittelt, kräftiger und gesünder gemacht.
Winterwald im leichten Nebel ^Phot.: Dr. Hoeck, Freiburg^^
Schneewälle und ähnliche Gebilde, welche sich zu
nahezu unüberwindlichen Hindernissen auftürmen können,
erinnern uns an die Erzäh¬
lungen vom Pfannkuchenberg
und an die Mauer des Schla¬
raffenlandes. Wenn der Er¬
zähler früherer Zeiten den
Menschen nur durch Beharr¬
lichkeit zum Ziel kommen ließ,
dabei allerdings in der Wahl
der ihm für den Menschen
geeigneterscheinenden Werk¬
zeuge seiner kindlichen Vor¬
stellungskraft folgte, so hat er
doch das Richtige getroffen.
Zwar ißt sich der moderne
Mensch nicht mehr durch
solche Schwierigkeiten hin¬
durch, sondern er benutzt zu
ihrer Ueberwindung Schnee¬
schuhe, deren Erfindung aber
ebenfalls das Resultat beharr¬
lichen menschlichen Strebens
ist. Und wer meint, daß man
damit die Poesie des Ge¬
heimnisvollen stören würde,
der täuscht sich. Der Winter
baut auch dem, der dieses
Zauberland bereits kennt,
immer wieder andere solcher
Wunder auf und weckt dadurch
in ihm immer wieder die Sehnsucht nach seinem Neu¬
land. Auch das Märchen von der Schneekönigin tritt
Schneewälle im Erzgebirge (Phot.: E. Igel, Dresden;
624 DEUTSCHLAND
Nr. 13
in unserer Zeit wieder auf. Wie sich dort Karl an ihren
Schlitten gehangen, von ihrem Wesen angezogen, und
wie er dann nicht mehr von ihr los kommt, selbst
wenn er den Versuch macht, weil
sie ihn nur anzuschauen braucht,
um ihn von seinem Vorhaben ab¬
zubringen, so läßt sie auch den
modernen Besucher des winterlichen
Gebirges nicht mehr aus ihrem
Bann. Gerade wie im Märchen
nimmt die Fahrt des Skiläufers oft
eine nicht beabsichtigte Schnellig¬
keit an, aber die Schneekönigin
läßt ihn nicht los, der frische und
lebenslustige Zwinger des Schnees
folgt ihr, weil sie sein Herz besitzt!
.Ja, es will manchmal scheinen, als
sei sein Herz von ihr so erfaßt, daß
es wie das des Karl im Märchen vereist und nichts
anderem mehr zugetan sei. Aber wenn dann das
sorgende Schwesterlein, die Pflicht, die an den Beruf
erinnert, ihn aufsucht, dann wird auch er dem arbeit¬
samen und sorgenden Leben wiedergewonnen. — Wenn
aber dann nach der Heimkehr der auf¬
gespeicherte Vorrat an Kraft allmäh¬
lich wieder zu Ende geht, wenn die
Spannkraft nachläßt und Körper und
Seele sich nach neuer Erfrischung
sehnen, und der aus dem winterlichen
Gebirge Zurückgekehrte die heimat¬
liche Landschaft belauscht, wie sie,
gleich der Stiefmutter im Märchen
von Schneewittchen und den sieben
Zwergen, den Spiegel befragt, wer
die Schönste im ganzen Lande sei,
dann wird er zu seiner Freude und
Rechtfertigung den Spiegel wie zu
unserer Urahnen Zeiten sagen hören :
Fruu Königin, Ihr seid die Schönste hier,
Aber Schneewittchen ist tausendmal schöner als Ihr.
Zahme Hirschkuh in St. Andreasberg
Winterfreuden im Harze
Von Dr. W i 11 e (Braunschweig).
(Schluß.)
Es ist noch nicht lange, daß der Skisport aus seiner
nordischen Heimat in das deutsche Gebirge verpflanzt ist;
unser Harz hat bei seiner Einführung eine Rolle gespielt.
Aus dem Jahre 18Ö3 hören wir von den ersten im Harz
gebrauchten Skiern des Oberförsters Ulrich in Braunlage,
und im Februar 1884 meisterte ein Braunschweiger mit seinen
Hölzern den Brocken. T8Q2 wurde der erste Skiklub in Braun¬
lage gegründet; damals erkannte man zuerst die Bedeutung
der Bretter für das Militär, und die 82er (zu jener Zeit in
Goslar) bildeten zum ersten Male ein Schneeschuhkommando,
wie es jetzt eine ständige Einrichtung der 165 er und der
Goslarer Jäger geworden ist. Wenn sich seitdem der Gebrauch
der Gleithölzer immer mehr im Harz ausgedehnt hat, so ist
das im wesentlichen
das Verdienst des
Oberharzer Skiklubs,
der 1896 ins Leben
gerufen ist. Förster,
Waldarbeiter, Post¬
boten, Laternen-An-
stecker und andere
bedienen sich dieses
Verkehrsmittels, und
auf Faßdauben oder
einfachen Scheiten
rutschen die Kinder
mit Kanne oder Korb
zum Kaufmann. Aber
in immer steigender
Zahl kommen jetzt
auch die Sportleute
von nah und fern
in den Harz. Immer
weitere Kreise er¬
kennen die Bedeu¬
tung dieses Sport¬
zweiges, der in der
reinen Luft zu einem
Born körperlicher Gesundung und Stärkung und, indem er
die Schönheit der Berge ungebunden an Straßen erst richtig
erschließt, zu einem Quell des höchsten Genusses wird.
Der Skilauf stellt gewiß hohe Anforderungen an Aus¬
dauer und Geschicklichkeit, aber er lohnt die aufgewandte
Mühe auch tausendfach. Der Charakter dieses Fort¬
bewegungsmittels erfordert gleichmäßige, kraftvolle Be¬
wegungen; Muskeln treten in Tätigkeit, von deren Existenz
der weniger anatomisch Gebildete erst durch ihre Ermüdung;-
etwas unsanft erfährt. Die Anpassung an das Gelände,
besonders beim Aufstieg und vor allem beim Abfahren
erfordert ein harmonisches Spielen des Körpers mit dem
Schwerpunkt, und in dem königlichen Schwung, der dem
tollsten Rasen Einhalt gebietet, findet dieses Anpassen des
Körpers einen eleganten Höhepunkt. Das Auge gewöhnt
sich an ein richtiges Abmessen der möglichen Steigung-,
schnell findet sich
ein Weg, Schwierig¬
keiten zu über¬
winden, jede Welle
des Bodens, jede
Verschiedenheit der
Schneelage, die den
Unkundigen unfehl¬
bar zu Fall bringt,
wird auch in sausen¬
der Fahrt rasch er¬
kannt und durch
Wiegen des Körpers
ausgeglichen. Es ist
nicht möglich, kurz
zu schildern, was
den Skiläufer immer
wieder auf seine
Bretterzwingt. Wollt
ihr aber wissen, wie
reich dieser Sport
seine Jünger lohnt,
dann schaut ihnen
in die Augen, die in
heller Begeisterung
über die im einzig schönen Winterwald zurückgelegte Schnellig¬
keit, voller Genugtuung über die dem Körper abgerungene
Leistung mit neuer Kraft und Lebensfreude heimkehren.
Die Bergstadt St. Andreasberg im Harz
Schloß Bällenstedt am Harz
Fürstliches Schloß Stolberg- am Harz
626 DEUTSCHLAND Nr.l3
Gewiß g-ibt es Gebiete, die dem Skisport an sich günstiger
sind als der Harz, es fehlt vor allem an freien Hängen; dafür
ist er an Schönheit der schneebehangenen Tannen nicht zu
übertreffen. Er bietet wundervolle Uebungsplätze; ich erinnere
nur an den „Verlorenen Berg" bei Goslar, an die Flächen
von Clausthal und
Hohegeiß, Altenau
und Andreasberg, die
Hänge von Braunlage,
und die Kurverwaltun¬
gen, besonders aber
die Ortsgruppen des
Oberharzer Skiklubs
geben in Skikursen,
die oft von Norwegern
und kundigenSüddeut-
sehen geleitet werden,
immer wiederGelegen-
heit zum Erlernen.
Das Netz der nebel¬
sicher bezeichneten
Wege erweitert sich
von Jahr zu Jahr und
vermehrt so die Zahl
der Strecken, denen
man sich auch bei dem
im Winter so häufig
eintretenden plötzlichen unsichtigen Wetter getrost anvertrauen
kann. Auch die Anzahl der sportsmäßig genügenden Sprung¬
schanzen wächst allmählich. Vor allem sind die von Braun¬
lage, Clausthal und Hohegeiß zu nennen; St. Andreasberg ist
jetzt hinzugekommen. Zum Heben genügen Schanzen wie
die von Goslar, Altenau, Schierke, Buntenbock u. a. Wer die
Fortschritte beobachten will,
die der Skisport in den
Harzbergen in letzter Zeit
gemacht hat, braucht nur
ein paar Jahre hintereinander
die Wettläufe des Ober¬
harzer Skiklubs zu besuchen,
die alljährlich im Januar
oder im Februar abgehalten
werden (in diesem Winter in
St. Andreasberg). Daneben
wird bei den Winterfesten
der Ortsgruppen auch Tüch¬
tiges geleistet.
Welche Gebiete des
Harzes der einzelne bevor¬
zugt, hängt von seinem
Wohnort und seinem Ge¬
schmack ab. Der Harz bietet
so Mannigfaltiges, daß er
jedem etwas bringen wird.
Weicher in den Linien ist der
Südharz mit seinen meist
weniger hohen, sanft ge¬
schwungenen Höhenrücken,
die infolge der geringeren Er¬
hebung und der weniger kom¬
pakten Felsmassive kürzere
Zeit mit Schnee bedeckt sind.
Daher ziehen sich die Be¬
wohner der dem Südharz
vorgelagerten Gebiete, be¬
sonders viele Harzfreunde
aus Nordhausen, Göttingen,
Kassel usw. im Winter mehr
nach dem Norden, aus dem Laubwaldgebiet in das Reich
der dunklen Tannen. Für sie kommt in erster Linie die
Hochfläche von Hohegeiß und Benneckenstein mit den präch¬
tigen Weitblicken in Betracht und St. Andreasberg, das zuerst
durch Winterfeste die Fremden von weither angezogen hat und
mit den sanften Wöl¬
bungen seiner Wiesen¬
flächen ein ausge¬
zeichnetes Sportgebiet
bildet. Im Norden
sind die Umgebungen
von Harzburg, Goslar,
Hahnenklee, Clausthal
und Hohne sehr ge¬
eignete Gebiete für
Ausflüge und Sports¬
betätigung und sind
von allen Seiten leicht
zu erreichen.
Das Dorado des
Winterbesuchers sind
natürlich die höher
gelegenen Teile des
Oberharzes. Da
seien aus der großen
Zahl der Orte drei
Punkte genannt, die
den verschiedenen Anforderungen in verschiedener Weise
entgegenkommen. Wem es daran liegt, während des Winter¬
aufenthaltes im Harze im Strome eleganter Gesellschaft zu
schwimmen und wer allem Komfort großer moderner Hotels
nicht gern entbehrt, der dirigiere seine großen Koffer nach
Schierke; er wird reichlich Gelegenheit finden, seine mit¬
gebrachten Toiletten dort zur
Geltung zu bringen. Der oft
gebrauchte Vergleich von
Schierke mit St. Moritz gibt
in der Tat ein richtiges Bild.
Weniger elegant, aberdoch
nicht allzu Verwöhnten in
jeder Weise genügend sind
die Verhältnisse in Braun¬
lage. Wie man überhaupt
im Harze jetzt überall Hotels
findet, die durch Zentral¬
heizung usw. gegen den
harten Winter vollauf ge¬
rüstet sind, so bieten auch
hier eine Reihe von guten
Hotels und Pensionen vor¬
zügliche Unterkunft. Wie
er seinen Tag unterbringt,
braucht niemand zu sorgen,
der sich der Gastlichkeit
Braunlages anvertraut, denn
die rührige Kurverwaltung
legt ihm einen fertigen Speise¬
zettel vor, auf dem jeder etwas
für seinen Gaumen entdeckt.
Stets finden recht gut ge¬
leitete Skikurse statt. Aus¬
flüge mit Ski undRodel,Wolfs-
jagden, Wettfahrten auf der
trefflichen Rodelbahn vom
Wurmberg herab, bald auch
Eislauf,Bobsleigh usw.bringen
Abwechslung in den Tag.
Abends kommt die Gesellig-
Harzer Winteridyll bei Drei-Annen-Hohne
Nr. 13 DEUTSCHLAND 627
keit durch die verschiedenen Veranstaltungen zu ihrem Recht.
— Den Skiläufer aber, der seinem Sport huldigen, Abfahrten
genießen will und die winterliche Einsamkeit des Harzwaldes
sucht, bitte ich, mich nach einem Gebiet zu begleiten, das
ihm sicher behagen wird und das bestimmt wird durch
Sonnenberg, Oderbrück, Torfhaus mit Achtermann und
Brocken. Auf den langen Zügen des Ackers und vor allem
des Bruchberges bietet sich ihm ein Feld, wie er es schöner
kaum denken kann. Dort ist er allein mit dem reinen, harten
Winter und kann nach Herzenslust über die verschneiten
Moore und durch die reifstarrenden Fichten gleiten. Immer
wieder zieht es den Winterfreund auch in das Brockengebiet,
das besonders im Frühjahr, wenn unten die Leute schon
höhnisch über die Brettelträger die Achseln zucken, im
tiefsten Winter starrt. Der Gegensatz zwischen dem be¬
ginnenden Leben des Frühlings im Flachlande und der Ruhe
der Schneemassen hier oben berührt immer wieder eigen¬
artig und reizt dahin zurückzukehren, bis die unerbittliche
Sonne auch hier schließlich dem Winter ein Ende macht.
Es liegt mir fern, mich hier als Harzführer durch alle
einzelnen Orte des Harzes aufspielen zu wollen. Wer sich
näher unterrichten will, findet alles nötige in den ver¬
schiedenen Schriften wie in dem bei Stolle (Harzburg)
erschienenen „Weißen Winterführer" und dem illu¬
strierten Prospekt des Harzer Verkehrs-Verbandes. Sport¬
freunde verweise ich auf den vom Oberharzer Skiklub
zusammengestellten, unentgeltlich erhältlichen „Wegweiser
durch das Skigebiet des Harzes", wo er kurze un¬
parteiische Angaben über Sportmöglichkeiten, Schanzen,
Rodelbahnen, Unterkunft usw. findet. — Wer die alte, traute
grüne Tanne des Harzes im Sommer liebgewonnen hat, der
bewundere sie einmal im weißen Winterkleide. Er wird
sicher nicht enttäuscht werden, und wenn ich ihm begegne,
bin ich sicher, einen frohen Menschen zu treffen.
Zur harten Winterzeit im Harz: „Motiv an der Chaussee Gernrode-Sternhaus-Mägdesprung
Auf Schneeschuhen im Sauerlande
Von H. Großjohann (Lüdenscheid).
Eine Kammwanderung im Rothaargebirge.
Wer durch Beruf oder Beschäftigung gezwungen ist, im
niederrheinisch-westfälischen Industriegebiet zu wohnen, muß
damit rechnen, daß ihm dort Natur und Landschaft in der
unmittelbaren Umgebung wenig bieten. Das außerordentlich
schnelle Wachstum der Industrie in diesem Gebiet und die
damit verbundene rasche und beständige Zunahme der Ein¬
wohnerzahl in Städten und Landgemeinden stellte Staat und
Gemeinden vor schwer zu lösenden Aufgaben. Geradezu
barbarisch ist man an manchen Stellen mit den vorhandenen
Naturschönheiten umgegangen, auf deren Erhaltung oder gar
Ausdehnung man gar keinen Wert legte. Erst in den letzten
Jahren haben die Verwaltungen auch diesem, ihrem Stiefkinde
ihre Aufmerksamkeit geschenkt, und eine große Anzahl von
Städte und Gemeinden hat erkannt, daß zu einer glücklichen
Lebensführung doch auch noch mehr gehört als nur Geld¬
verdienen, daß Luft, Licht, Sonne, Wald, Wasser, Wohnung
und Gestaltung des Bebauungsplanes von grundlegender
Bedeutung für Volksgesundheit, Volksgesittung und Volks¬
wohlfahrt sind. Freilich lassen sich die mit den landschaftlichen
Schönheiten untergegangenen Schätze auch mit den größten
geldlichen Aufwendungen nicht wiederherstellen. Es fehlt vor
allem für das ganze Gebiet eine auf dieses Ziel gerichtete ein¬
heitliche, gemeinsame und von allen in Betracht kommenden
Verwaltungen in gleichem Maße kräftig unterstützte Tätigkeit.
628 DEUTSCHLAND Nr. 13
Ich konnte es daher meinem Freunde nicht verdenken,
daß er mit einem g^ewissen Grauen an die — durch seinen
Beruf notwendige — Verlegung seines Wohnsitzes aus dem
schönen Frankfurt in das Herz des Industriebezirks dachte.
Jetzt wohnt er seit Jahr und Tag dort, und wenn er sich
auch mit der Nüchternheit seiner Stadt, mit dem gänzlichen
Mangel an Wald in ihrer Umgebung noch nicht völlig
ausgesöhnt hat: eins bringt einen hellen Schimmer in seinen
Alltag, das sind seine Sonntagsausflüge in das benachbarte
Sauerland; für ihn bei guten Eisenbahnverbindungen — leider
sind sie zurzeit noch sehr verbesserungsbedürftig — in
einer Stunde Fahrzeit erreichbar. Höher schlägt sein Herz
vor allen Dingen, wenn der Winter im Sauerlande seinen Einzug
hält; denn dann kann er seinem über alles geliebten Schnee¬
schuhlauf huldigen, und er
denkt vergangener Zeiten, in
denen er die flinken Scheite
am Feldberg im Schwarzwald
oder in Oberbayerns Bergen
tummelte. Jetzt liebt und
schätzt er die Sauerländi¬
schen Höhen ebenso wie die
genannten Gebiete, ja er gibt
ihnen in manchen Stücken,
namentlich wasSchneeschuh-
wanderungen betrifft, den
Vorzug.
Lange hatten die Winter¬
monate zu Beginn des Jahres
1911 den Schnee vermissen
lassen, und so oft auch eine
ungeduldige Anfrage bezüg¬
lich der Schneeverhältnisse
an mich erging, immer noch
konnte ich keine günstige
Antwort geben. Endlich hatte
aber Frau Holle ein Einsehen
und tagelang rieselten die
weißen Schneeflocken zur
Erde nieder. Schnell wurde
der Plan zu einer Skiwande-
runggemacht,das Rothaar¬
gebirge sollte diesmal unser
Ziel sein. In Hagen war Treff¬
punkt, und obgleich dort die
Hänge noch kaum weiß waren,
stiegen wir doch getrost in
den Zug, der uns lenneauf-
wärts tragen sollte, hatten wir
doch von unserm Freunde
Wiesein Jagdhausbei Nieder¬
fleckenberg die besten Nachrichten: „Skiföhre voizüglich",
so lautete seine letzte Meldung durch Fernsprecher.
Vorbei an Hohenlimburg, an den hohen Kalkfelsen Let¬
mathes, an dem burggekrönten Altena, an Werdohl, Plettenberg
und Schwarzenberg brauste der Zug, den wir in Kirchhundem
verließen. Ein Schlitten brachte uns in kurzer Zeit bis Ober¬
hundem, hier war schon Schnee in Hülle und Fülle. Hell
glänzte die Sonne auf seiner Decke und der Aufstieg durch
den Ort zum Margarethenstein begann. Freilich brachte die
scharfe Steigung manche Anstrengung; dazwischen aber ent¬
schädigten uns rasche Abfahrten über Waldblößen, Felder und
Wiesen. Wundersam war der Rückblick von der Höhe ins
Lennegebiet und ins Milchenbachertal zur Linken. Und es
dauerte auch nicht lange, so nahm uns der meilenweit aus¬
gedehnte und prachtvolle Hochwald des Rothaargebirges auf.
Auf dem Kammwege ging's weiter, links und rechts strebten
die schwerbeladenen Tannen in die Höhe, häufig unter ihrer
schweren Schneelast tief herniedergebeugt. Wie in einer
endlosen gotischen Halle glitten unsere Schneeschuhe lautlos
auf dem herrlichen Kammwege dahin. Ab und zu zeigte sich
ein Stück Wild, das eilig wieder im Dickicht verschwand,
und mehr wie einmal kreuzte der König des Waldes, der
stolze Hirsch, unsern Weg. Im Strahl der untergehenden
Sonne schimmerten die stolzen Gipfel der Tannen in lauterem
Gold, während sich in das lichte Unterholz tiefblaue Schatten
mischten. Als wir die stolze Kuppe des Härdlers (738 Meter)
erreicht hatten und unsere Blicke weit ins Land schweifen
ließen bis hinüber zum Kahlen Asten, kam eine seltsam fried«
liehe Stimmung über uns. Stundenweit dehnten sich vor
unseren Blicken die Wälder, endlos lehnte sich Kamm an
Kamm, durch scharfgeschnittene Täler getrennt.
Da der Tag zur Neige ging“,
überlegten wir: sollen wir den
Kammweg bis zum Jagdhaus
anhalten, oder es noch wagen
bis zum Weinkännchen hinab¬
zufahren und dann wieder zum
Jagdhaus emporzuklimmen.
Die herrliche Abfahrt, der
zauberhaft schöne Wald und
die langsam höhersteigende
Mondsichel gaben den Aus¬
schlag, und ehe wir uns ver¬
sahen, ging’s in sausender
Fahrt von der Kuppe des
Härdlers hinab zu Tal. Scharfe
Obacht war nötig, wollten
wir die Richtung nicht ver¬
lieren oder mit den Bäumen
unangenehme Bekanntschaft
machen. O welche Lust,
durch den völlig unberührten
Schnee hinabzugleiten, bald
schneller, bald langsamer.
Ganz leicht war die Fahrt
nicht, aber es geriet, und
noch zu rechter Zeit nahmen
uns die gastlichen Hallen
des Herrn Wiese auf.
Dort war mehr Leben. Ist
es auch im allgemeinen noch
viel zu wenig bekannt, daß
das Jagdhaus (680 Meter
Meereshöhe) sich ganz vor¬
trefflich als Standquartier für
Wintersportleute eignet, so
mehrt sich von Jahr zu Jahr
die Zahl derer, die diesen Hof
zu ihrem eigentlichen Winterlager machen. Fröhlich ging-
Rede und Gegenrede hin und her; da wurde berichtet über
allerlei Ungemach bei den ersten Fahrten, da wurde gelacht
und gescherzt über selbstverschuldetes Ungeschick und
Ungemach, und nicht am wenigsten schmiedete man Pläne
für den folgenden Tag, zumal der Wettergott sein günstigstes
Gesicht aufgesetzt hatte.
Zeitig gingen wir zur Ruhe, um gerüstet zu sein für das
Kommende. Ging doch unser Plan dahin, am andern Morgen
zunächst einige Abfahrten in unmittelbarer Nähe des Jagd¬
hauses zu unternehmen (Fleckenberger und Wittgensteiner
Seite) und dann unsere Wanderung fortzusetzen durch
Latroptal, Grubental, Schanze, Schmallenberger Höhe nach
Schmallenberg.
Eine fröhliche Gesellschaft tummelte sich am anderen
Morgen auf der weiten Schneefläche. Herrlich waren die
Rauhreifbildungen im Tannen- und Buchenforst, prächtig die
Sauerland : Kammweg im Rothaargebirge
i M
Sauerland: Uebungfsg’elände am Jagdhaus (im Hintergrund der Hürdler)
-4 4 . ,4 W i«M ^ ^ * *
Sauerland: Gasthof Jagdhaus im Winter
630 DEUTSCHLAND m
Abfahrten. Dann noch kurze Rast bei Wiese, und nun hieß
es scheiden. Schneidige Abfahrt zur tiefverschneiten Sage¬
mühle im Latroptal und dann langsam bergauf am murmelnden,
stellenweise vereisten Bächlein entlang. In verschwenderischer
Fülle zog die keusche Schönheit des Grubentals an unseren
Augen vorüber, und ich müßte ein Dichter sein, wo’lte ich
die Eindrücke dieses Aufstieges auch nur einigermaßen in
Worte kleiden. Das Grubental gehört zu den schönsten
Tälern des Sauerlandes; so heimlich, so still, so voll
Märchenstimmung war der Weg, daß nur selten ein Wort
gewechselt wurde. Wie blitzte die Sonne, wie zirpten die
Tannenmeisen, wie schreckhaft klang der Schrei des Eichel¬
hähers, der uns fremde Eindringlinge in sein winterliches
Zauberreich mit verstörtem Blick musterte.
Auf der Höhe weiter an Schanze vorbei und dann durch
endlosen Wald in weitem Bogen um das tiefgelegene Kloster
Grafschaft herum zur Schmallenberger Höhe. Dort hielten
wir Rast für längere Zeit. Eine ausgedehnte Fernsicht ge¬
mahnt zu ruhigem Genießen: Vor uns im Grunde die ehr¬
würdigen Klostergebäuden, darüber hinaus Kamm an Kamm,
einer höher als der andere bis zur stolzen Höhe des
Asten,dessen wimpel¬
geschmückter Turm
seine Grüße herüber¬
sandte. Das Stadt¬
bild Schmallenbergs,
etwas weiter links, in
seiner ganzen sauer¬
ländischen Behaglich¬
keit und Eigenart die
schwarzen Schiefer¬
häuser mit ihren
schweren Schnee -
hauben und der
lachenden Sonne dar¬
über ergaben ein Bild,
das man so leicht
nicht wieder vergißt.
Und vor uns, jen¬
seits des Latroptals,
unser gastlichesQuar-
tier, Hof Jagdhaus;
verloren in endlosen
Schneegefilden die
wenigen verstreuten
^ Nr. 13
Häuser. Durchsichtige Rauchwolken entsteigen den Kaminen
und steigen senkrecht zum Himmel. In gleicher Richtung
mit dem Gehöft der Härdler, die höchste Erhebung am
Kammwege des Rothaargebirges. Genau vor uns der öst¬
liche Steilabfall des mächtigen Bergstocks. Gerade ver¬
suchen zwei kühne Schneeschuhläufer ihre Kunst an der
Abfahrt. In rasender Schnelligkeit glückt es dem einen zu
Tal zu kommen und mit prächtigem Telemarkschwung hält
er kurz vor dem Bachlauf. Dem andern Läufer versagen
auf halbem Hang die Hölzer den Dienst und mit großer
Wucht findet er nach mehrmaligem Ueberschlagen ein
weiches Bett im tiefen Schnee. Sonst ist die weite Fläche
menschenleer.
Warum ist gerade dieses ideale Schneeschuhgebiet so
unbekannt? Käme es mehr aus seiner Verborgenheit heraus,
ganze Scharen aus den großen Städten würden dort die
Schneeschuhe oder den Handschlitten tummeln und sich
dabei Gesundheit, Frische und jugendliche Spannkraft holen.
Aber freilich, mit der köstlichen Waldesstille und Einsamkeit,
die uns umgibt, wäre es dann auch vorbei, wenn auch auf
der großen Fläche für viele, viele Hunderte von Menschen Platz
genug vorhanden ist.
Doch unsere Zeit
ist abgelaufen, wollen
wir den Zug nicht ver¬
säumen. Schnell die
Hölzer an die Füße
und hinab ins fried¬
liche Städtchen. Noch
ein Blick zurück auf
die Kämme, Hänge
und Gipfel und schon
(ührt uns die Eisen¬
bahn heimwärts. Ski¬
heil und fröhliches
Wiedersehen, du Rot¬
haar - Gebirge, du
Härdler, du Jagd¬
haus. Lange hält uns
des Tages Einerlei
nicht fest und bald
kehren wir wieder zu
euch. Dazu lockt
und gleißt der Schnee
viel zu sehr!
Kurhaus Ruhstein, nördl. Schwarzwald (Phot.: L. Schaller, Stuttgrari)
Vom Winter in Schwaben
Von P. Dinkelacker.
Zwei Lande gibt's, da Milch und Honig fließt — so steht's
in meiner alten, schweinsledernen Chronik zu lesen — das
eine ist das gelobte Land und das andere ist.das
vSchwabenland.
Das ist zwar den Mund ein wenig voll genommen, aber
dieser Ausspruch beweist, welch stolzes Heimatsgefühl schon
damals — das Buch ist vor nahezu 200 Jahren gedruckt —
uns Schwaben beseelte.
Milch und Honig fließt freilich nicht, Most und Wein
aber gibt's oft genug in Hülle und Fülle, und wer schon eine
Flasche Heilbronner Riesling oder gar ein Gläschen Eilfinger
Berg, wie er beim Kloster Maulbronn gedeiht, kosten durfte,
der hat ein köstliches Pröblein traubenreifender Sonnenglut
verschmeckt.
Mild und weich ist meiner Heimat wonniges Land und
„seine Luft ist heiter und lieblich'", wie Goethe seinen Reineke
Fuchs von ihm rühmen läßt, und es ward darob gepriesen
vor vielen anderen deutschen Gauen seit Menschengedenken.
Nun kommt mit einem Male zu Beginn des neuen Jahr¬
hunderts mit dem kalten Nordwind der Schneeschuh zu uns
ins Land geschneit, und wenn auch langsam und bedächtig,
wie s Schwabenart, so finden sich doch auch bald Leute, die
auf ihn schwören — ich bin auch einer davon.
Jetzt soll mit einem Schlag sich alles wenden. Kein
Schnee will uns zu tief, kein Berg zu hoch und kein Winter
lang genug mehr sein, und die Höhenorte ringen um die
Ehre, jeder möchte gern der allerwinterlichste sein. Aber
meine schwäbische Heimat ist gar mannigfaltig und wechsel¬
voll geartet, das zeigte sich bei diesem plötzlichen Umschwung
der Dinge recht deutlich. Neben des Nekartals ertragreichen
Obstgärten, im Herzen Schwabens, neben den Kornkammern
des Strohgäus und der Filder krautgesegneten Fluren haben wir
auch rauhe Hochflächen und an den Grenzen gar gewuchtige
Waldberge aufzuweisen. Ja, wir können sogar gleich mit drei
Schneeschuhgebieten glänzen — wahrhaft, der alte Chroniste
behält doch noch recht: wir leben in einem gelobten Land.
Tanne in der Morg-ensonne (Schwarzwald)
(Phot.; L. Schaller, Stutttfart)
Schwäbische Alb: Reiterles Kapelle
(Phot.: L. Schalter, Stuttg^art)
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Schwäbische Alb im Winter: Rauhreif im Schneeschuhg-elände bei Schopfloch-Donnstetten (Phot.: L. Schalter, Stutt^rart)
632 DEUTSCHLAND Nr. 13
Neben den weitgedehnten Hochgefilden unserer Schwaben¬
alb gehört uns auch ein gut Stück winterechten Schwarz¬
walds und — Skiheil I — seit nunmehr hundert Jahren, droben
in Oberschwaben auch noch ein schöner Zipfel vom Algäu.
Schwarzwald-Einsamkeit (Waldweben im Winter)
(Phot.: L. Schaller, Stuttgart)
So hat sich denn auch bei uns vor wenigen Wintern
unter der zielbewußten Führung Vater Schabers eine kleine
Gemeinde von Schneeschuhjüngern zusammengetan, bis der
schneereiche Winter im Jahre des Heils 1907 die Schar mehrte
und mit der Gründung des schwäbischen Schneeschuhbundes
einen winterwürdigen Abschluß fand. Heute ist unser Bund
mit 65 Vereinen und rund 5000 Mitgliedern übers ganze
Land ausgebreitet.
Unser größtes Schneeschuhgebiet ist natürlich
die Alb,
die ja in ihrer ganzen Länge unser Königreich durchzieht.
Hinter ihrem hohen, burggekrönten Felsenrande, mit dem sie
ins Neckartal trotzt, zieht sie sich, zur Donauseite mählich
sich senkend, als leichtgewelltes, hügelreiches Hochland hin.
Kuppe an Kuppe hebt sich dort und meilenweit dehnt sich
Heide und Weide mit freiem Auslauf und freiem Ausblick
auf die glänzenden Alpengebirge der Ferne. Für uns Schnee¬
schuhleute ein herrliches Gelände, nur wenig waldbestanden,
und kein hinderlicher Viehzaun hemmt des Skimanns flüch¬
tigen Fuß. Saubere Dörflein finden sich allenthalben zer¬
streut mit einfacher aber auch billiger Atzung und Obdach.
Allerorten winden sich die Bahngleise heute in die stillen
Täler hinein und erschließen uns so eine ganze Reihe von
Winterfahrten als lohnende Tagesausflüge.
Der Landeshauptstadt am nächsten liegt
das „Kalte Feld'' bei Stuttgart — der
Name kommt ihm nicht von ungefähr —
und die drei Kaiserberge Hohenstaufen,
Stuifen und Rechberg sind ihm als stolze
Höhen vorgelagert. Auf seiner kahlen Hoch¬
fläche bietet es ein gutes Schneegefild mit
langen Hängen und gerundeten Bergzungen
mit denen es weit ausladend sich vorschiebt.
Dort herrscht jetzt an Wintersonntagen
reger Betrieb. Nicht weniger als vier statt¬
liche Ski-Hütten schmücken freundnachbar¬
lich seinen breiten Rücken und ein guter
Sprunghügel ist droben angelegt. Hier
war auch, von Tausenden besucht, unser
heuriger Bundeswettlauf.
Drunten im Tal liegt das uralte Dörf¬
lein Degenfeld und jenseits winken die
waldigen Höhen des Bernhardus, der Lützel¬
alb ob Weißenstein und der Kuchalb
ob Donzdorf. Zur Heimfahrt geht's auf
mancherlei Wegen, sei's zur Bahn nach
Schwäbisch - Gmünd, sei's nach Göppingen oder nach
Geißlingen an der Steig.
Andere gute Wintergebiete auf der Alb finden sich hinter
Kirchheim unter Teck, an den Hängen um den Römerstein,
den ebenfalls eine Skihülte ziert, und auf den Höhen rund
um den alten Herzogensitz Urach, der vorzügliche Unterkunft
bietet. Ganz besonders günstig aber ist hinter Reutlingen,
am Ende des Echatztales, das Gelände um Burg Lichtenstein,
da hier die Bahn mittels Zahnrad die Albhöhe ersteigt und
wir gleich am Bahnhof in 700 Meter Höhe anschnallen
können. Dort lockt auch im Hinterland der Truppenübungs¬
platz Münsingen und bietet mit seinem hügeligen 850 Meter
hohen Gelände einen weiten Wintertummelplatz. Auf seinen
Hängen wurde der erste schwäbische Schneeschuhkurs abge-
halien. Ein Gasthaus ladet zu längerem Verweilen.
Höher und höher reckt sich die Alb, je mehr wir gen
Süden ziehen, so hinter Tübingen beim Roßberg, beim
Hohenzollern ob Hechingen, um schließlich beim Lemberg
eine Höhe von 1000 Meter zu überschreiten. Die Umgebung
der Stadt Ebingen mit ihren kahlen Bergzügen, ebenfalls für
unsere Zwecke trefflich geeignet, schließt den Reigen würdig ab.
Ueberall, wohin wir auch auf der Alb
_unsere Spuren ziehen mögen, bildet eine
stimmungsvolle Landschaft unser Uebungs-
feld, gar oft durch ragendes Burggemäuer
geziert, durch weite Fernblicke ausge¬
zeichnet und verschönt durch Geschichte
und Sage. Und wenn in dunkler Winter¬
nacht die feuchten Nebel aus den Tälern
steigen und die Bäume mit Rauhreif
säumen, dann sind sie in „Duft" gehüllt,
wie ich ihn auf meinen winterlichen Streif¬
zügen noch selten anderswo in solcher
Fülle geschaut.
Lockt so die Alb mit mannigfachem
Wechsel, so ist
der Schwarzwald
Schwäbische Alb: Schneeschuhgelände bei Donnsletten
(Phot.: L. Scholler, Stuttijort)
nicht weniger das Wanderziel unserer
Zunft. Dort ist es des Winterwaldes
Wunderwelt, die langen flotten Abfahrten
durch schmale Waldschneißen, die schwer-
Nr. 13 DEUTSCHLAND 633
lastende Voll winterspracht und dann und wann ein Blick
über das Wäldermeer ins Rheintal und auf die blauenden
Vogesen, welche er uns als ureigenste Gaben bescheert.
In Freudenstadt, dem so rasch auf blühenden Winter«
kurort, beginnt in 750 Meter Höhe das
weiße Land. Schon vor den Toren der Stadt
sind geeignete Uebungsfelder, namentlich
für Anfänger; allwinterlich werden vom
dortigen Schneeschuh «Verein Kurse ab«
gehalten, und seine vornehmen, durch«
heizten Riesengasthöfe vermögen auch die
Wünsche des anspruchsvollsten Winter«
gastes zu erfüllen.
Unten im Tal der Murg, inmitten ver«
lockender Hänge gebettet, liegt Bai er s«
b r o n n, das unserer Sache besonders
gewogen. Dort steht im schweigenden
Hochwald eine mächtige Sprungschanze,
auf die wir Schwaben stolz sein dürfen,
und der dortige Gemeinderat war weit«
sichtig genug und hat Gelände und Mittel
zum Bau bewilligt. Zu den Volksjugend«
läufen aber stellt der stattliche Ort 2—300
Buben und Mädels —ein zukunftsfrohes Bild.
Weiter streben die Winterwanderer
auf den Höhenwegen den Schwarzwaldgipfeln zu — Kniebis
und Ruhstein — das sind die beiden Glanzpunkte, die uns
hell am Winterhimmel strahlen. Vom Gasthof Kniebis, den
man am besten von Freudenstadt im Schlitten erreicht, geht's
entweder in sausender Abfahrt nach Bad Rippoldsau
oder auf dem immer gegen 1000 Meter hohen, Stangen«
bezeichneten Kamme weiter übern Schliffkopf zum Kurhaus
Ruhstein. Den Höhepunkt aber einer solchen Schwarzwald«
winterfahrt bildet unsere Hornisgrinde, — ich bitte die
Karlsruher Zunftgenossen, mir solchen Landraub gnädigst
zu verzeihen ^ der Gipfelpunkt ist nämlich badisch. Aber
der vielbesuchte, schöne Weg dorthin übern Seekopf, Wild«
see und die zünftige Schwarzkopfschneiße geht an den
Grenzsteinen mit den altschwäbischen Hirschstangen im
Wappen entlang.
Auch die Höhen um Schramberg* und die Gegend
hinter W i 1 d b a d, allwo uns eine Bergbahn mühelos aufwärts
zum Uebungsfeld und zur großen Sprungschanze bringt,
sind günstiges Schneeland.
Wen es aber näher ans Hochgebirge zieht, wer die
übereiste Alpenwelt aus greifbarer Nähe bewundern will,
der fährt über Ulm nach Oberschwaben zum
bachtobel oder über die Schietteralm zum turmbewehrten
Gipfel des Schwarzen Grats. Ein weiter Rundblick lohnt des
Anstiegs Mühen. Hier recken sich die Zinken und Zacken
der Allgäuer Alpen in den frostklaren Himmel, ein wildschönes
Rehe im Tannenwald (Phot.: L. Schaller, Stuttgart)
Bild, und dort träumt in Ruhe das Schwäbische Meer, das
einem Riesenspiegel gleich zu uns heraufglänzt. Immer mit
leichtem Gefäll zieht sich der Berg bis Kempten hin oder
man saust in flughafter Abfahrt hinab zum Adler nach Groß«
holzleute — an dessen Uebungshängen sich allwinterlich
eine ganze Reihe von Schneeschuhkursen abspielen.
Dies wären in kurzen Umrissen Schwabens Wintergebiete;
die räumliche Trennung bietet den Vorteil, sicheren Schnee«
fall wenigstens in einem derselben zu finden. Es ist, wenn ich
so sagen darf, ein gemütliches Wintergebiet und gemütlich
sind auch die Menschen, das werdet ihr bei einem Besuch bald
merken. Ihr werdet sehen, es herrscht ein flotter Zug in der
Schwabenzunft, der gute Geist, der alle die beseelt, die für
eine werdende Sache werben. Zünftig geht es bei uns zu, tags«
über draußen in Sonne und Sturm und abends bei der Heimfahrt;
da klingt, was wir an Winterglück und Skibegeisterung in uns
aufgenommen, allemal in unserem Schwabenliede aus:
Wir zieh'n auf flinken Sohlen wohl über Tal und Höh'n.
Wer könnt uns wohl einholen, wo andere mühsam geh'n.
Zieh n wir durch's Land, am Fuß den flinken Ski.
Zu Haus' gebannt ist grauer Alltags Müh'.
Zu Kampf und Sieg reißt uns der Winter fort.
Drum sei Skiheil auch unser Losungswort.
Schwarzen Grat.
Ein Ausflug dorthin fordert aber
mindestens 2 Tage. Durch die weite Ent«
fernung von Stuttgart ist uns dieses präch«
tige Gebiet zuletzt erschlossen worden.
Aber die Fahrt lohnt sich. Dort oben
findet der Skimann, wenn Alb und Schwarz«
wald um die Weihnachtszeit noch nicht
im Winterschmucke glänzen sollten, alles
was sein Herz begehrt: ungespurte Schnee«
almen, mannstief überschneite Halden und
steilgeneigte Hänge — echtes Voralpen«
land. In mächtigem Aufbau hebt sich
dieser schwäbische Allgäubeherrscher aus
dem Flachland empor, bis zu einer Höhe
von 1120 Meter ansteigend. Von Leut«
kirch gelangt man über den Stangen«
bezeichneten Herrenberg — auf dem die
zünftigen Leutkircher einen Sprunghügel
angelegt — entweder hinab zum Eisen-
Schwarzwald: Vereiste Tannengruppe (Phot.: L. Schallen, Stuttgart)
634 DEUTSCHLAND Nr. 13
Cassel-Wilhelmshöhe im Winter.
Der kritisch veranlagte, lachende Philosoph Weber,
der Verfasser des Demokrit, ließ sich beim Anblick
der Casseler Nalurschönheiten zu dem begeisterten
Ausruf hinreißen: „Ganz Deutschland, vielleicht ganz
Europa, bietet nichts Herrlicheres". Aehnliche Emp¬
findungen beseelen jeden, dem es vergönnt ist, die
Umgebung der Sommerresidenz unserer kaiserlichen
Familie in Winterpracht zu schauen. Wenn die schlafende
Natur in eine warme Schneedecke eingehüllt ist,
vermag selbst eine schmucklose Landschaft einen
gewissen Reiz auszuüben; wievielmehr muß dies der
Fall sein in den berühmten Parkanlagen und Hoch¬
wäldern, die die alte hessische Residenz umgeben.
Es fällt schwer zu sagen, in welcher Jahreszeit die
unmittelbar an die Stadt anschließende Karlsaue, ein
wundervoller Hochwald-Park, das größte Lob verdient.
Das duftige Grün des Frühlings, die dunklere Färbung der
sommerlichen Schattenspender und die Schattierungen
des Herbstlaubes verfehlen nie ihre Wirkung auf jeden
für Naturschönheiten empfänglichen Menschen. Wenn
aber die Baumriesen unter der Last des Schnees ächzen
oder die Siräucher im Rauhreif erglänzen, breitet sich ein
besonders eigenartiger Zauber über die Landschaft aus.
Wird man schon in der Ebene reich belohnt, so noch
viel mehr beim Ersteigen der Wilhelmshöhe.
Allen Stürmen trotzend, hebt sich der Herkules
aus den Schnee- und Eismassen hervor. Man möchte
den farnesischen Riesen darum beneiden, daß es ihm
vergönnt ist, von hoher Warte aus ohne Unterlaß die
Schönheiten zu seinen Füßen und weit hinaus im
Hessenland zu schauen. In blauer Ferne erscheinen
die Thüringer- und Weserberge, sowie die Ausläufer
von Harz und Rhön. Dazwischen tauchen verschneite
Dörfer und Städte auf. In stummer Bewunderung
genießen wir die Werke der unermüdlich schaffenden
Natur, und der Menschen Kunst scheint uns schwaches
Stückwerk. Vielzackige Eiszapfen hängen an den
Kaskaden und erzeugen Gebilde von so mannigfacher
Abwechslung, daß man ohne kühne Illusion Schöpfungen
aus dem Tier-, Pflanzen- oder Mineralreich vor sich zu
haben wähnt. Die grotesken Astbildungen der exotischen
Bäume vervollkommnen den Zauber dieses märchen¬
haften Bildes.
Einige Stunden derartigen Naturgenusses sind von
unbezahlbarem Wert. Es erschließt sich jedem, an
dessen Nerven die Unruhe des Erwerbslebens große
Anforderungen stellt, eine unerschöpfliche Quelle reiner
Lebensfreude. In richtiger Erkenntnis dieser Tatsache
pilgert groß und klein zu diesem Jungbrunnen für
geistige und körperliche Gesundung und Erstarkung.
Der Großstädter, der zur Kräftigung seiner Gesundheit
einige Zeit aus dem drückenden Joch des Berufslebens
sich ausspannen will, kann sich hier in ungestörtem
Naturgenuß erholen, auch wenn er keine Neigung und
Veranlagung zur Ausübung des Wintersports hat. Kränk¬
liche und ältere Leute sind in der Lage, sich ohne
Cassel: Blick auf den Herkules (Phot.: F. Bruns, Cassel)
Nr. 13 DEUTSCHLAND 635
besondere Anstrengung in der reinen Höhenluft zu das Interesse für den Eislauf zwar etwas; immerhin wird
ergehen. Die elektrische Straßenbahn führt nämlich aus auch ihm auf einer künstlichen Eisbahn inmitten der
dem Zentrum der Stadt in 20 Minuten mitten in die Stadt, auf der Fulda und dem Bassin in der Kai Isaue eifrig
Wilhelmshöher Parkanlagen, während die Herkulesbahn ^ gehuldigt. Die landschaftlich reizvollste Gelegenheit zum
es sogar ermöglicht,
bis zum Scheitel des
600 Meter hohen
Habichtswaldes zu
gelangen. In Cassel-
Wilhelmshöhe läßt
sich auf diese Weise
ungeschmälerterGe-
nuß der Naturschön¬
heiten mit dem ge¬
sellschaftlicher und
künstlerischer An¬
nehmlichkeiten der
Großstadt vereinen.
Daher darf es
auch nicht wunder¬
nehmen, daß die
Umgebung Cassels
sich zu einer nam¬
haften Pflegestätte
desWintersports ent¬
wickelt hat. Neben
Eislauf bietet un¬
streitig der „Lac" zu
Füßen des Schlosses
Wilhelmshöhe, der
gegen rauhe Winde
völliggeschützt liegt.
Vom Wintersport-
Verein sind auf
Wilhelmshöhe eine
Reihe guter Rodel¬
bahnen geschaffen
worden,die teilweise
elektrischbeleuchtet
werden. Die Höhen
des Habichts- und
Reinhards - Waldes
und des Meißners
bieten auch den Ski¬
läufern günstige Ge¬
legenheit zur Aus¬
übung des nerven¬
stählenden Sports.
Rodelsport auf Wilhelmshöhe (Hofphot.: Eberth, Cassel)
den günstigen natürlichen Vorbedingungen ist diese Cassel-Wilhelmshöhe behauptet so als Winter-
Errungenschaft auf die Bestrebungen des Wintersport- kurort den guten Ruf, der von der Kaiserlichen Sommer-
Vereins zurückzuführen, der über 2000 Mitglieder zählt. residenz als internationaler Fremdenplatz und beliebter
Die Anziehungskraft des Rodelsports beeinträchtigte Ruhesitz ausgeht. M. Weber.
Wintersport in Thüringen
Von Dr. Tenner (Gera-Reuß).
„Diesen Winter fahren wir aber auch nach Ober-
hoP', spricht die gestrenge Frau Regierungsrat zu ihrem
Gatten, der soeben vom Dienste nach Hause kommt,
um sich noch rasch für den 37. Gesellschaftsabend der
diesjährigen Saison umzukleiden. „Bankier Meyers unter
uns waren nun schon dreimal dort, und meine Freundin
Wanda hat im letzten Jahre sogar neben den Gemächern
Seiner Durchlaucht des Prinzen S. von Schwarzburg
gewohnt, bei Geheimrats spricht man von nichts anderem
mehr als von Bobsleigh und Kjaelke, und der lang¬
geschossene Kammergerichtsreferendar v. K. erzählt
mir mit konstanter Bosheit, wie schneidig er den großen
Sprunghügel hinabgefahren und welche Bewunderung
er mit seinem vollendeten Telemaik bei den Töchtern
der Gräfin B. erregt hat." Ihre Stimme hat etwas tief
Gereiztes, das jede Widerrede im Keime ersticken läßt.
Soll sie denn immer schweigend dabeisitzen, wenn
die anderen von Schierke, von Oberhof oder gar von
St. Moritz erzählen, von all der Winterpracht, die sich
dort um Weihnachten und Neujahr entfaltet? — Für sie
ist Wintersport allerdings etwas anderes als für die
ausgelassene heitere Gesellschaft, die auf Bahnhof Rein¬
hardsbrunn aus einem Abteil dritter Klasse heraus¬
klettert, mit Skiern^ Stöcken und Rucksäcken bewaffnet.
Dicke Fäustlinge wärmen die Hände, und die Wollmütze,
die tief im Nacken sitzt, schützt die Ohren vor dem
eisigen Nordost. Stapfend, Schritt für Schritt, im Kampf
mit dem Schneesturm und dem feinen Eiskristallstaub,
den die riesigen Tannen von ihrem weißen Panzer
herabschütteln, geht es aufwärts, den Herzogsweg entlang
dem Heuberg zu. Trübe fegen die Wolken über den
Winterwald, doch drinnen im Herzen ist eitel Sonnen¬
schein, jauchzende, wilde Freude. Das Ringen mit
dem entfesselten Element weckt gärend und brausend
schlummernde Lebenskraft. Da fällt ein Blick seitwärts
ins Tal. Von drunten herauf schimmern die weißen
Dächer von Friedrichroda. Und aller Augen wenden
sich auf den kurzen Ausruf der Ueberraschung hin
dem lieblichen Bilde zu. Könnte je dich vergessen,
wer dich zur Sommerszeit sah, Friedrichroda, eingebettet
in das herrliche Tal, umrahmt von saftigen Wiesen
und grünenden Bergen, die sich über dir auftürmen in
stolzer, schweigender Prachtl Und dich, Reinhards¬
brunn, Kronjuwel in grünem Kranze; dein viel¬
gerühmter Park liegt jetzt im Winterschlaf, und im
Rauhreif prangen deine alten Bäume, deine Teiche sind
erstarrt zu Eis, und ein langer, breiter, weißer Hermelin
schützt dich vor Frost und Winterkälte. Zähltest du
die Fremdenschar, die zur Sommerszeit kam, dich zu
bewundern ?
Majestätisch liegt auf sanftem Hügel das Kurhaus
von Friedrichroda. Die weite Fläche seines wei߬
schimmernden Daches löst sich auch zur Winterszeit
scharf aus dem Landschaftsbilde. Mehr als 12 000
DEUTSCHLAND Nn 13
Pfifigslen hier öbeti äie Vö gl ein tirilieren und die
ÖoGhetvhöjlen und Tannenforstie^ die der; Ren ns teig
d urchscluieidet, in frischem, jung em Gröhe ptangen^
we ryn d i ^ Eergriese n in j iin gfra üliche r Pra cht e rgt iihen
ilii d eiri sü fa r b e n rei c hes Bild d : ;scKör||>,iei ts-
trunkenen Auge hiet en, da nn rtisten sich' in Hörsel ö n
der Werra öder in Blankenstein an der Saale die
Renner m: fröhlicher Kunsh Den ahen Gren^ssteiHen
folgend oder dem weißen MareUe T,E''Tdes Rennsteig¬
vereins wird von ih den in sechstägiger Wanderung
geh e bte S i ei g b ega n g en Soh te er n i cht h. den S kf-
lä u so fe rri er Na iu r he und i s t> m i t urnvi d et st e h lic her
GeValt fe^selrv
Sömmergaite geheih jährlich durch seina Pforten aus
und ein^ Und kaum zu zä hl en sind die schmückenj.
it at ti iche n ■ Ho te Is und Vil I e n, die al s a Üe Be kann t e
h e fü d fgr ö ß e ru Wie Tan ge is t s w o hl h e r, d a ß Frie d r i c h -
r öd a d tri : Wl nt er n e üe m L eb e n en tge g e n t räu m X e ? Un d
wie n d e r s i s l t a l) es' gewör d e n } D u rch die S tra 0 e n
eilen, mit lustigem Geläut die Sc hinten^ heil klingen
durch "den Wald die SignaÜaute der RbdeUuipen, und
vom Spi^ßberg sausen auf der 2450 Meter ‘ längen,
vorzüglichen Bobbahn die schweren MörmsöHäh^schhUen
tnihxd^m ,>:BchÖCien" englischen Namen, dj^r ifh Volks^
munde .sö sehr an Leicheh eritmert. Wie
R ek 6 rd d hi er s chon ge b röc h ^h, un d d i ^ FaKr ie i ten
rücken äsiegesm^ an die von Sb Marhz
absolut mit seinem Kopfe imrhet voran sein wilL lege
sich aufs Skeleto Vlelieieht wird ers darin bald
zur Meisterschaft bringe Auf den
Reihhardsbritiin ziehe^^ . '
Schlitfschl^l^ufer in
grod'ef 2^ahl kühn' '
schwür^geha Uinien/und' -
ah eich freien Mangen
übeVv iduFitlerie
Sp öt th eg eis terien Tä \b-: . ;
niark - md .: Christ]a niav
liebereil huiabewegt£.s
Trohes Lebeov frische,
gesun d^ Lüst und frei es
SpieiV- /^hemak-; 'ge^ ...
blrdtiencif Kr^fto. Der
Wintefspoil; fuhrt jeEZT: ::
äuch i n\W\ti ter el dt g^^
waidge^ jahraus jahfein
ä.ich-'mehtehd^' 'Gaste^. ..
schar- hierher. Und
keiner dürfte es he-
teucn^.Priedf jrhroda als
Winterkurort: ge wohl 1 '
zu haben- : Seiner Vor- . 4;
•Züge ■- ..sind -.m ' ' "fy
als; daß Äiie hiW rn f-
wenigen orian au H :;
gezähU werden könnten,
Für sie bürgt schon der
ü bgrn 0 s rü IV rige W3 n t e r spü itv e l em ^ d ein e s ge 1 ü n g en i sirih
kurzer 2ett 30 trefntche;$poriahtugföa schaife.p;/iuvd für
das^ v^äs yon ihm geboten wjnl; bürg«?n auch die Tausende,
die öl Ij^l Vf i ici \ z u ih g ro 0en S p o r i (es 1 1 ; m äc h F r i e d ri ch^
rodä lahfcn. VrinW i rderi[KWhl Märfhenwaldes
füJleO' ! 5 ^ch Serfe imid Augen uikerbf Waiuletet auf
de m A h s t i eg du ri; h s Kü h I e T hl t uin M eiibe rgs h aus:
Hier ßh der Üraheri^^ S d^s Renhsteigs
mit der Frie^drichfotia-ScKmölkdidehef Ghnd steht
sch dp &6Ü J ^ hrhun derien ein W i rtshöüs, d äs zu Rast
und D^bung einPädt. Wir beßjvden uni m( der Kämmt
höhe des Gebirges; üm buf dem' H^^hIbelgsöh
dings- mir OBB Meie^ betragt.. Nßth Nord-westen imd
Westen Iduft äk RnnstsiraÖe, dann links-
äbbmgend, der Rennsteig, über den Großen i^ogdberg
ha eh dem Größen Inselberg (QTö. Meter). AVec könnte
der Lockung widefstieh’^n^ dem uralt en, sageuumwofenufv
Und pöesibverkldrten HöheTTprade z\y folgen f Wenn um
der/Sfrecke, fetwa
J5Ö Kl!pmeta r von 168 der Gesäml !a nge) von Oeze^^ber
bis ; eine z usamm dnhahg Sebbee-
tltck e aidWe 1 s t'i Al 1 erdings ist b isher: hür efnenai der
Vö^fsubb worden, den ganzen Kammweg auf
Rctuismiii (Thüriiir^enj
SthnceschtThen cibztilflufeiV, and; Versuiih mußte:
i n fi) 1 ge u n ü b e r sgt e igh dr^r Wi n d b r ü ch c ■; un d j utf h terl ich'
t obohd en Schn eesturms 30 Kdlometef Vor dem
hinter der Laubenhamer Ziegelhütte bei Steinbach am
WäMo äurgegeben W'erden (33,-i^3Ö. Januht 1007),
Setjtimr ysd. der Plmv eines Kammlaufes nicht wieder
aufgeTtäutrhi, und erst in dieserp Jahre wurde (vom
7.:J an ij ar): die; S trecke K1Inse I berg bis B la n ke ns te in
in dai .Programm einer R^nnste^igw auf Skiern
.emgesetzh-
0i0 nvitriete Linie • dö s; gesBrntien SkiRpöils ^ j m
viellufcht W^hiei-spprt^ in Thüririgen ist
dä-j Seihen' Anfängen an
gewi±?;env An Ti.bm öder rechts ujiri Bhks im. Tale Hegen,
ülle bedevuenderen WinterspörtplätzeXhüririgenSy und e^uf
setheö Höhen haben sich die vorzüglichen La
gebildet die puf allen grööeten Sporife^teh B^^'ühderung
^rregeh; in sHnem südwesthehen^ hari am
I
Straße nach Oberhof (Thüring^en) (Phot.: Schüler)
Blick nach Schneekopf (Thüringen) (Phot.: Schüler)
638 DEUTSCHLAND Nr. 13
Kamme Ernstthal, die Heimat des deutschen und öster¬
reichischen Meisterschaftsläufers Karl Böhm-Hennes.
Bemerkenswert ist, daß schon das erste Sportfest des
Thüringer Wintersportverbandes (gegr. 22. Januar 1Q05)
im Jahre 1Q06 als Programmpunkt ein Rennsteigrennen
über 31 Kilometer vom Inselberg nach Oberhof aufwies.
Sieger war in diesem wie im nächsten Jahre ein
Brotterodaer, von 1908 ab wurde das Rennen regel¬
mäßig von Köhler (Zella), im letzten Jahre mit einer
Zeit von 3 Stunden 14 Min. 5 Sek. gewonnen. Auch
die ersten Anfänge des Skilaufs in Thüringen zeigen
sich auf der Kammhöhe des Gebirges. Die Forstleute
bedienen sich des bisher unbekannten Verkehrsmittels
auf ihren Dienstgängen. Seit 1894 läuft man in Ruhla,
etwa um dieselbe Zeit in Neuhaus a. R. und Oberhof,
in der Mitte der 80er Jahre schon in Suhl. Auf
Touren wird seit den 90 er Jahren der Rennsteig des
öfteren befahren worden sein, besonders aber seit 1900,
wo in Brotteroda am Fuße des Inselbergs der Skilauf
Eingang fand und durch die eifrige Förderung’des Land¬
rats Dr. Hagen in der
ganzen Herrschaft ^ ^
Schmalkaldenseinen
Siegeszug feierte.
Auf seine Veran¬
lassung wurden im
letzten Jahre an
die 100 Lehrer in
Brotteroda in der
Leitung wintersport¬
licher Hebungen aus¬
gebildet. Die vor¬
züglich organisierten
Jugendmannschaften
seines Kreises ver¬
sprechen für die
Zukunft eine ganz
vorzügliche Klasse
von Läufern.
Wenn wir von
den Anfängen des
Wintersports in Thüringen überhaupt reden, so dürfen wir
nicht die Steinbruchsarbeiter vom Nesselberg am Renn¬
steig und die Holzhäuer vergessen, die nach Feierabend
auf langen Holzschlitten mit hoch aufgebogenen Kufen,
dem sogenannten Hörnerschlitten, schwere Lasten sicher
zu Tal fuhren. Vorn auf dem Querholz der Hörner saß
oder lehnte der kundige Lenker. Die linke Hand hatte
das Horn umklammert, während die Rechte an der
kurzen Lenkstange den Schlitten in der Bahn hielt.
So sauste er, die Nagelschuhe bald leise über den
Boden gleitend, bald kräftig einstemmend, zum Ent¬
setzen derer, die solches zum erstenmal sahen, den
steilen Weg vom Nesselberghof nach Tambach-
Dietharz hinab. Noch heute ist das Hörnerschlitten¬
fahren in diesem liebreizenden Waldnest, dessen rühriger
Wintersportverein vorzügliche Rodel-, Bobsleigh- und
Eisbahnen unterhält, als Sport beliebt.
Folgen wir also dem Rennsteig trotz des müh¬
samen Anstiegs von der Grenzwiese über die Reitsteine
zum Insel berg. Daß sich hier mit der Verbreitung
des Skilaufs ein reges Winterleben entfaltete, darf nicht
wundernehmen, denn eine Fahrt zum Rigi Thüringens
bietet nicht nur den Genuß schönster Waldparlien,
sondern bei klarem Wetter eine prachtvolle Fernsicht
mit berückendem Sonnenunter- und -aufgang. Viel
Reiz gewährt die Kammwanderung nach Oberhof auf
dem Rennsteig, die doch schon ziemlich oft gemacht
wird. Und welcher Winterwanderer und Sportfreund
führe nicht gern nach jenem vornehmen Winterluft-
kurortl Nicht allein seines Weltrufs wegen; als Winter¬
sportplatz hat es den ja, abgesehen von seinen günstigen
Bahnverbindungen, seinen glänzenden Unterkunftsver¬
hältnissen und von seiner heilwirkenden Höhenluft, erst
durch seine ganz vorzüglichen Sportbahnen gewonnen.
Durch seine Höhenlage (800 Meter) hat es auch den
ganzen Winter über reichlichen Schnee, und außer der
erstklassigen Bob- und der noch viel zu wenig benutzten
12 000 Quadratmeter großen Eisbahn finden wir hier
eine ganze Reihe großer Wiesenflächen und herrlicher
Waldwege, vor allem aber den musterhaften großen
Sprunghügel für die Ausübung des Skisports. Und
dann Oberhof, das
flutende, ewig be¬
wegte, das elegante,
mit seiner Entfaltung
von Modepracht in
Schnee und Eis.
Wo im Sommer die
leidende Menschheit
Erholung sucht, da
drängen sich im
Winter die Gesun¬
den in schäumender,
brausender Lust. Da
ist jeder Tag ein
Fest. Und die so
griesgrämig und ver¬
zagt, so müde und
abgespannt, so blaß
und freudlos aus dem
anstrengenden Be-
Partie am Heuberg'(Thüringen) rufsleben der Gro߬
stadt mit ihrem nervenzerrüttenden Lärm und Gedränge
heraufkamen, um sich die neue Modetorheit einmal anzu¬
sehen, werden angesteckt von dem munteren Treiben,
hineingerissen in den Strudel. Die dickbeleibtesten
Herren steigen auf den Bobsleigh und die ältesten Damen
wagen eine Fahrt auf den zahlreichen Rodelbahnen. Oh,
sähe man doch immer in den Riesenstädten derNiederung
so fröhliche, heitere Gesichter, so lebenslustig sprühende
Augen, so hochgerötete Wangen. Ein Jungbrunnen ist
aus dem Oberen Hof geworden für Tausende abge¬
arbeiteter, matter Menschen, was man auch als Sportmann
gegen diesen Modeort einwenden mag. Kaum glaublich,
daß hier vor 50 Jahren im Winter am hellichlen Tage
die Füchse über die tiefverschneiten Dächer liefen!
Allerhöchste Herrschaften, vor allem aber Se. Kgl.
Hoheit der Herzog Eduard und seine erlauchte Gemahlin
weilen kürzere oder längere Zeit in Oberhof, um den
Wintersport in allen seinen Arten zu pflegen. Man
sollte aber erst zur Zeit des großen Verbandsfestes
des Thüringer Wintersportverbandes, das fast regelmäßig
Anfang Februar stattfindet, hier heraufkommen, dann
Nr.l3 DEUTSCHLAND m
639
möchte man sich angesichts der ununterbrochenen
Schlittenkette, die die Gäste vom 170 Meter tiefer
liegenden und etwa 3 Kilometer entfernten Bahnhof
heraufbringen, angesichts der unzähligen Fußgänger
und Sportleute auf Ski, Rodel und Bobsleigh in das
dichteste Gewühl der Berliner Friedrichstraße oder der
Pariser Boulevards versetzt glauben.
Je weiter man auf der Kammhöhe des Gebirges
nach Südosten vordringt, desto mehr wird man inne,
wie eifrig sich die Gebirgsbevölkerung des aus dem
Norden stammenden Verkehrs- und Sportmittels ange¬
nommen hat. Am romantischen Gehlberg will man
mit der Entwickelung Schritt halten, Ze lla-Mehlis
und Suhl stellen ein großes Kontingent begeisterter
Sportjünger, die Schmücke bietet dank ihres alpinen
Charakters für Skiläufer ein gutes Uebungsfeld, ihr
Gasthaus hat im Winter schon vom frühen Morgen
an Gäste, der Rennsteig zwischen Oberhof und Schmücke
scheint uns fast ein wichtiger, vielbefahrener Verkehrs¬
weg. Im hochgelegenen Schmiedefeld, das soeben
seinen neuerbauten vorzüglichen Sprunghügel der Be¬
nutzung übergeben hat, herrscht reges Leben, und
prächtige Ausflüge lassen sich von hier aus nach allen
Seiten hin, u, a. nach dem Stutenhaus, dem Adlers-
berg, nach Suhl und nicht zuletzt nach Ilmenau
und dem an klassischen Erinnerungen reichen Kickel-
hahn unternehmen. Um 7 Kilometer vom Rennsteig
ist das berühmte Gabelbach Wirtshaus entfernt.
Wer mit der Zahnradbahn Ilmenau - Schleusingen bis
Station Rennsteig fährt, kann von da auf ver¬
schiedenen Wegen, nicht zuletzt auf der uralten Straße
von Ilmenau-Frauenwald-Schleusingen, nach
Stützerbach, Manebach, Ilmenau in bequemer
Abfahrt gelangen. Ilmenau selbst weist, gute Schnee¬
verhältnisse vorausgesetzt, die denkbar günstigsten Be¬
dingungen zur Ausübung des Wintersports auf. Und
welch anmutiges Landschaftsbild bietet das schöne Tal
der Ilm! Am Gabelbach, wo in diesem Winter ein
neues großes Hotel „Kurhaus Gabelbach" in Betrieb
genommen wurde, ist der 757 Meter hochgelegene Start
der 2750 Meter langen Rodel- und Bobbahn; daß sie
eine der besten Deutschlands ist, zeigt, daß die deutsche
Rodelmeisterschaft, die zum ersten Male Februar 1912
zum Austrag kommen soll, wahrscheinlich auf dieser Bahn
ausgefahren wird. Nicht unerwähnt bleibt, daß Ilmenau
nun auch über eine erstklassige Sprungschanze verfügt.
Dazu kommt die an 12 000 qm große Eisbahn, auf der
heuer zum ersten Male das Eisschießen gepflegt werden
soll. Stadt und Wintersportverein haben große Opfer
gebracht, um den Winterverkehr in Ilmenau zu heben.
Von Ilmenau mit der Bahn nach Großbreitenbach
kann man durch das Tal der Oelze und Masse nach
dem durch einen prachtvollen Fichten- und Buchen¬
hochwald ausgezeichneten und gern besuchten Masser¬
ber g (790 Meter) gelangen, das durch seine Höhenlage
und Wiesenflächen für die Ausübung des Wintersports
besonders geeignet erscheint. In den interessierten
Kreisen hat man das wohl erkannt, und der Neubau
stattlicher Hotels sowie die Anlage von Sportbahnen in
jüngster Zeit beweisen, daß man in diesem an Oberhof
erinnernden Luftkurorte auch im Winter mit dem Besuch
fremder Sportfreunde rechnet.
Mit Masserberg eröffnet sich die Reihe derjenigen
Wintersportplätze Thüringens, die abseits von der
großen Heerstraße liegen und dadurch, daß sie mit
mehr oder weniger Umständlichkeiten zu erreichen
sind, einen nicht im entferntesten so starken Winter¬
verkehr aufzuweisen haben als die vorerwähnten Oite.
Und das ist auf das lebhafteste zu bedauern. Denn
einmal würde durch die Bekanntschaft mit dem Winter¬
sport Südthüringens so manches ungerechte und
harte Urteil über die Größe und Bedeutung der Ge¬
samtbewegung innerhalb der Grenzen des Thüringer
Waldes vermieden worden sein, das nach einseitiger
Kenntnis dessen, was man in Oberhof oder Friedrich¬
roda gesehen, gefällt wurde. Es ist nicht zu leugnen,
daß dort der Geschäftssport sich in der ersten Zeit
allzu unliebsam bemerkbar machte, und es ist dies ja
nicht allein in Thüringen so gewesen. Das andere Mal
dürfte man erst in Neuhaus, Ernstthal, Igelshieb,
Lauscha, Sonneberg und vielen anderen weniger
bekannten Plätzen erkennen, wie sehr der Skilauf in
den letzten fünf Jahren alle Schichten der Bevölkerung
ergriffen hat und zum wahren Volkssport geworden
ist. Besonders aber bei der Jugend! Man möchte fast
glauben, die Kinder kämen hier mit Skiern zur Welt.
Kaum kann so ein kleiner Knirps auf den Beinen stehen,
so hat er auch schon den Ehrgeiz, sich ein paar
Bretter an die Füße zu schnallen, die in Form und
Ausführung meist wenig mit echten, fabrikmäßig her¬
gestellten Skiern gemein haben. Was dient da nicht
alles als Sportgerät! Und noch ein drittes. Südthüringen
bietet in der Umgegend von Neuhaus-Ernstthal ein
geradezu ideales Skigelände. Nirgends wohl sonst auf
dem Walde finden wir so weite baumlose Hänge, so
wechselvolle Schneeflächen, so schwieriges und dennoch
befahrbares Terrain wie hier. Dürfen wir uns da
wundern, daß aul den großen Verbandsfesten in Oberhof
fast nur Igelshieber, Neuhäuser und Ernstlhaler die
Skirennen bestreiten!
Glasbläser sind sie zumeist, Leute mit spärlichem,
zum Lebensunterhalte gerade ausreichenden Verdienst.
Sind sie nicht reich an irdischen Gütern, so sind sie
doch glücklich zu preisen um der Ideale willen, die
ihnen die glückliche Natur des Wäldlers mit auf den
Lebensweg gegeben. Rührende Bescheidenheit, warme,
tiefe Liebe zur Natur und Heimat und Begeisterungs¬
fähigkeit für alles Edle und Schöne, wie sie anderswo nicht
reiner und höher zu finden. Und diese Begeisterungs¬
fähigkeit hat sich besonders in dem ernsten Eifer gezeigt,
mit dem sie sich der Pflege des Wintersports ange¬
nommen haben. Karl Böhm-Hennes, der deutsche und
österreichische Skimeister, hat ihren Ruhm in alle Welt
hinausgetragen, besonders als er am letztjährigen
Holmenkolrennen vor 40000 Norwegern zeigte, wie
weit wir es in Thüringen in ihrem Nationalsport durch
edle, ausdauernde Arbeit innerhalb der kurzen Zeit von
fünf Jahren gebracht haben.
Möge das „Deutschland, Deutschland über
alles" und das Hurra aus 40000 Kehlen, mit dem
die Norweger sein Erscheinen auf der Holmen-
kolschanze begrüßten, der Leitstern sein, unter
dem die Weiterentwicklung des Wintersports in
Thüringen steht.
Ö40 DEUTSCHLAND Nr.l3
Die Photographie als Kunst.
Von Dr. Erwin Quedenfeldt
(Leiter der Rhein. Lehr« und Versuchsanstalt für Photog'raphie), Düsseldorf, mit 8 Bildern.
Es sind über 70 Jahre her, seit der große Physiker
Qay-Lussac in seinem Gutachten für die französische
Deputiertenkammer über die soeben erfundene Daguerre-
otypie den Ausspruch tat: „Sie ist der Ursprung einer
neuen Kunst inmitten einer alten Zivilisation; sie wird
Epoche machen und als ein Titel des Ruhmes bewahrt
werden.
Hat die Photographie heute diese Prophezeiung wahr
gemacht? Hat sie die enthusiastischen Erwartungen erfüllt,
die ihr damals an der Wiege glühenden Eifers gestellt
wurden? Da War ja
nun das Wunder voll¬
bracht, von dem alte
Dichter sprachen, daß
die Menschheit noch
einmal dazu gelangen
werde, mit den zarte¬
sten Schwingungen, mit
,Lichtfüßen‘zu schreiben
und sichtbare Bilder zu
zeichnen! Dem Maler
Daguerre entfiel der
Pinsel vor diesem ent¬
deckten Phänomen, dem
er sich in bitterer Not,
aber pochenden Herzens
mit starker Schöpfer¬
kraft geweiht hatte. Nur
wenige seiner Genossen
sind ihm gefolgt: der eng¬
lische Maler Oktavius
Hill in den 40er Jahren
und in neuerer Zeit
der Wiener Radierer
Hugo Henneberg und
der amerikanische Maler
Eduard Steichen. Aber
der Enthusiasmus der
ersten Zeit ist verflogen.
Die gepriesene Licht-
bildkunst ist recht stief¬
Am Strande (Phot.:
mütterlich behandelt. Zunächst haben die Photographen
dies selbst verschuldet. Sie waren gar zu sehr Hand¬
werker und Geschäftsleute und schmeichelten mit glatter
Technik dem gröbsten Ungeschmack des großen Publikums.
Dann aber auch lehnten sich mit voller Kraft die bisher
anerkannten Künste gegen diesen neuen Eindringling auf
und noch heute erklingt in ihren Reihen das emphatisch
gesprochene Wort von der kalten, starren und schema¬
tischen Technik der Photographie, die auf wahre Kunst
keinen Anspruch erheben könne.
So wird denn der spätere Kultur-Geschichtschreiber
über unsere Zeit zu berichten haben, daß die Menschheit
über 70 Jahre lang eins der feinsten Mittel besessen hat,
um ein neues Eiland in der Kunst zu entdecken, und
daß dieses Mittel ungenutzt durch Mißgunst und falsche
Beurteilung liegen blieb. Unverdrossen hat allerdings
eine verhältnismäßig kleine Schar seiner Anhänger dieses
Mittel weiter gehegt und gepflegt und künstlerische
Werte herauszuholen versucht, soweit es ihnen als Auto¬
didakten möglich war. In ihren Muße- und Weihestunden
sind die Amateure allein die Träger der Lichtbildkunst
geworden und haben in ihren organisierten Ausstellungen
beachtenswerte Anfänge einer Lichtbildkunst zeigen
können. Trotzdem ist es verwunderlich, daß sich die
Photographie noch nicht zu einer selbständigen Kunst
entwickelt hat, so daß sich ihr wirkliche Künstler aus¬
schließlich widmen. Erst
dann würde sie zu präch¬
tiger Blüte kommen und
die Prophezeiung Gay-
Lussacs Wahr machen.
Aber dann müßte erst
mit dem Vorurteil ge¬
brochen werden, daß die
Photographie mecha¬
nisch durch physika¬
lische und chemische
Kräfte das Bild der
Natur erzeugt. Ich gebe
zu, daß die Photo¬
graphien der handwerks¬
mäßigen Photographen
und der meisten Ama¬
teure in ihrem Ausdruck
alle ein völlig gleiches
Aussehen haben, so
daß von einem gleichen
Produkt eines mecha¬
nischen Verfahrens mit
vollem Recht gesprochen
werden kann. Wirsehen
bei der üblichen Photo¬
graphie das Bild der
dargestellten Natur in
reichen Tonabstufungen
vom Licht bis zum
Eisbeth Gropp, Köln) Schatteii mitreaüstischer
Deutlichkeit Wiedergegeben. Wir finden auch, daß von
dem gewählten Ausschnitt der Natur alle Objekte, wenn sie
gleichmäßig beleuchtet waren, auch mit gleicher Wichtig¬
keit auf der Photographie zum Vorschein kommen, was
einer künstlerischen Eingebung und Auswahl nicht ent¬
sprechen würde. Das ist gewiß der Fall, liegt aber nur
daran, daß alle Photographen mit den gleichen Mitteln
arbeiten. Die photographische Technik hat ihr Haupt¬
augenmerk darauf gerichtet, ein möglichst naturwahres und
objektiv richtiges Bild zu erlangen. Sie hat daher den
photographischen Prozeß ganz bestimmt geregelt. Sie hat
die so reich in allen Tonabstufungen arbeitenden Platten
geschaffen und alle Photographen der Welt benutzen diese
gleichen Platten. Die photographische Technik hat ent¬
sprechende Kopierpapiere geschaffen, die alle Töne der
Platte wieder mit deutlichster Prägnanz herausholen, und
Nr. 13 DEUTSCHLAND 641
alle Photographen
der Welt benutzen
diese auf dem inter¬
nationalen Markt her
findlichen gleichen
Papiere. So hoch
nun diese Technik
für objektive Dar¬
stellung der Natur
zu veranschlagen ist,
so . AVenig geeignet
ist allerdings für eine
künstlerische Pro¬
duktivität dieser so
glatt und rein mecha¬
nisch geregelte Pro¬
zeß. Schon diese
absolute Gleich -
förmigkeit derübli-
chenPhotographieist
wenig anreizend für
einen freischaffen¬
den Künstler. Wohl
haben Wir sogen.
künstlerischeKopier-
papiere, aber die
Wirkung wird nur
durch gröberes Korn
erzeugt, ohne daß
der eigentliche Cha-
rakterder tonreichen
Photographie ge-
Häusergruppe (Phot.: Elsbeth Gropp, Köln)
ändert wird. Und
doch behaupte ich,
daß die Photogra¬
phie ein ungeahnt
reiches und viel¬
seitiges Ausdrucks¬
mittel für jeden
Künstler, der sich
ihr hingibt, sein
kann. Das Licht
wirkt auf eine so
große Zahl verschie¬
dener Substanzen
so mannigfaltig ein,
daß wir es Wahrlich
nicht nötig haben,
nur den uns vom
Fabrikanten vorge¬
schriebenen und zur
Schablone führen¬
den Weg zu be¬
schreiten. — Wir
können uns z. B. zur
Schaffung eines pho¬
tographischen Nega¬
tivs einer überaus
hart arbeitenden, also
sehr unempfindlichen
Platte bedienen und
werden nicht mehr
ausgeprägte Lichter
und Halbtöne er-
Westfälisches Bauernhaus (Phot.; Sascha Homann, Essen)
642 DEliTSCHt>ÄN& Hir 13
halten; Sandern fast Qiir kötitütedtiljicfeiiujrg/'^ s^ (faß dufch. gJeicfimSSig -Räuiid geseixtt %HVle.
däiiarcli. sd’Oß ein gfofier Ciegerjsgt7. xur übffchen r^* . teile dfe; Rfsajislik .il«s photographischeti Sifties afefgehoBen.
Hstischen Phöi.ographie gegeben ist. , Vor. allen Dingen' Daher Jsli, such di« Modatatlös ä» des Halbtönefl des
Jjabeß wir fo dem . ä^iombtnailöRB-ötimro KepfdS megficiist !ortge%sen und ni^ was «iir Charak-
tertstik des Medschets nötig ist, zaH ängedeulei. Den
duükten Fiadieti sölUen rahi^e Tonflächeu^^^ite lieHerer
Farbe fentgegenäfehen. lui OriginaJ sind durdh besoftdere
Fürbefi diese'} äoth wehr aLt^etfiandefgebalten,
aber toabeti wir
drbck, eteeni-.fCojplerverfstirent däs. gestattet* die, Ton-
. sitaia ganz beliebig zu yeränderu. ein Mittel an der Hand*
unseren . kürisderiscfien Impressionen 'öpll, Öenüge zu
leisten;. . Bisher wurde dieses ITöpfefeeHahren allere'
diögs sö iin wie die sudefb Papier VerWgndf' ;:p€r Hintergrörid?ist blsb'. das bjasf }^.btett
ich möchte aber durch efntge Proben belegen, daii e§ und: Kopf und Kteid röllfch gelte Schöri /diircl! diese
i vöfl den anderen , ist
iea;:das,Flibtbgtephl^he.
begabte'Schaler w dieser WeVse arbeiten Jagden, dnd. jaäßig deutlich ader undeutlicte Ein besondefes Vorheben
bin selbst erstaunt, Wie auSdriick,$fllhig .das- VerFaJt'ren . eibieldte ^dr dUFch Iträftlge .Be¬
lieb erwiesen hat. In einer AosssteiteRg ,im Diisseklorfer ' Jeuchtiing des heiöndßP®?: Teiles-« ist
Kutisfgewerbe-Museiim ;siiTdi ' ; . ^
diese: Arbeiten zMerst ge-: s^sts^^^^^ifitSföääscsiiSMiiMMMteßÄissöBfiä^ss^sSBiffltSii oi« »vm ert'^imUtfiisei'teiuvatiAri
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da und idSt die .Unjen 'dort
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Chrobi^.mm fsctei.dbien,
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Negatw fimdurcb .gedruckt
sehlössört ziif Vorführung gg-
.ikötnmeti. Die kleine BildeT- .
schau, weJehe. jqh; hier iti; ■,
dleser^feitschf iftgebe;mußte .
der SchWarz-WeiS- Reprote'
duktion isngepaBt ' werdeti,
Es konnten daher dite' v'teltelif
farbigen Arbeiten-«iclit sds ^
gestidit .Werdefl. .in : denr ;
Bude Nr, 5 cöii 'SuSebäi
Homamt fEsädii J ist rferWeH i ^
attf . großzügige Ftec-kepr.'
Wirkung gttegt. Den reindri:
kräftigen Uclitern steh^
sefdossene Schatten gegen»
Uber. Die$e ftäcklge-Wit‘ .lll.'lOvI;;::.!:,:: . iTib-i
kong ist ■ noch deHl fte her et-
refcht ib dem Bt f d e N
i'Häifsergriippete voiiEtebeth
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Bild 1 tet, tiVr- eia Spiel von
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Fiächea.v rDiese unabge-
sUiften T6ti.ft.i|chen sind be^'-
grenzt dur c li K ö b t ti r e tt
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die Flachen, V.ok(.wftat;, er*}
halten. Es ist dies ein nfiiiea/
ifl .der teioderfieit: MateiW
ängeWaadtes Mitte!vdds:.sftii
dflrCb .die besöndete
.SfutliohUnpf d^iyrtt;; 'WtePtcfttiafs, pUt^T-ldofrl
fidbudg dWs iÖbmmTdmsto'/W iDvirch ' «bd: dureft AVasser das Bild .entwickelt . Wenfi Färb'
die®« Einfassuög der .FJädteidgile:ffiit'fträfj:lgen Linien wird Uömer iis den reinen Farben irebeiremdndef apf Weflfcia
dem Bilde eine Bioiiumebtateire Wirknog zugefligL So sind PapiergrunÖe liegen, mische!) $ie sich für unser« Augen
in dem Straijdbilde.die .Rörper der beiden Kinder .za den efiteprcchetideti Mfschtößen und, Nuancen und
durchLdi«se5'Mittei-;kyftig k(^v6rgelitibed. .Wie durch es resultiert’ ein ubfemtis farbfcrrretc!ie.s Bild, obwohl
iwei SätitendÄfirii unssf Blick auf die weite See geriditet. nur die, drei Grimd Farben benutzt ^dpd- Es lassen sich
Die .glefclittiätttge HoTizdtitelbewegung des Meeres fmdet aber'auch «iözeine Tefie des - Biftles- ktti^l/iait, Farbe
ihf: ^egetigeWick*star;fen Vcrtiicaiktiien der betdcn etnsUuben, so dab ara'n gattz; nath seinem; Farbenetnp-
Körperi .fo Wird das feierliche Moment, der stCÜg gieieben finden däi Bikt mehrfatbig behaBileln ksiin. Der ßben-
Welleühewegting des Meeres bte knr Erhabetilieit erhoben, stöiiei'itfe Studienköpf ist auf diese Weise erzeugt Von
in dem Porträt der Frau Henkels, SeHc. 644, tst durch einem, gleifchmäßtg beligfüneit'Ifittteritend hebt Sich das
zarte Anwendung dieser Konturteruag, aber mehr oodi töüiche ffaar «tid der. aarivfolette Körper, des Mädchens
Nr. 13 DEUTSCHLAND 643
ab. Dadurch, daß durch das Negativ hindurch auf
diese mit einzelnen Farben versehenen lichtempfindlichen
Chromgummischichten kopiert wurde, ist dann bei der
Entwicklung das neue photographische Bild in den an¬
gewandten Farben entstanden.
Aus diesen wenigen, aber in der einzelnen Wirkung
so verschiedenen Bildern wird deutlich geworden sein,
daß die photographische Technik kein schematisches
Arbeiten bedingt, sondern in wunderbarer Mannig¬
faltigkeit sich dem offenbart, der mit künstlerischer
Einsicht aus dem großen Reichtum diejenige Technik
zu greifen versteht, die ihm zur Gestaltung seiner
Impression erforderlich ist. So kann also die Photo¬
graphie sehr wohl ein künstlerisches Ausdrucksmittel
sein, es fehlen nur noch die Künstler, die sich ihr ganz
widmen und sie zu einer neuen Kunstform umgestalten.
Pf]eg*e und Erhaltung nationaler Güter.
Von Gustav Adolf Erdmann (Weißenfels a. S.).
..Die an^cbornen Bande knüpfe fest;
Ans Vaterland, ans teure, schließ’ dich au.
Das halte fest mit deinem ganzen Herzen.
Hier sind die starken Wurzeln deiner Kraft:
Dort in der fremden Welt stehst du allein.
Ein schwankes Rohr, das jeder Sturm zerknickt.'•
Welcher deutsche Jüngling hat nicht einst diese
Worte, die unser Schiller in seinem „Teil“ dem greisen
Attinghausen in den Mund
legt, mit ehrlicher Begeiste- -
rung nachgesprochen und
sich gelobt, ihnen zu folgen!
Welcher deutsche Mann, den
noch nicht die Wahnidee des
internationalen Weltbürger¬
tums gefangen nahm und das
Dichterwort vom Vaterland
als eine Mär „aus uralten
Zeiten“ bewerten läßt, wüßte
nicht die tiefeWahrheitdieses
Ausspruches zu bestätigen,
hätte sie nicht oft und ein¬
dringlich empfunden! Beson¬
ders für den im Auslande
lebenden Deutschen scheint
es geprägt zu sein als ein
Panier, das über seinem
Heim im fremden Lande
schweben soll, als eine stän¬
dige Mahnung, eine ernste
Warnung. Denn: losgelöst
vom deutschen Vaterlande
wird er in der fremden Welt
wirklich zum „schwanken
Rohr, das jeder Sturm
zerknickt“, wohlverstanden:
innerlich losgelöst, inner¬
lich vom Vaterlande, dem
Nährboden seines Geistes
und Wesens, getrennt; denn
die rein äußerliche, d. h.
die räumliche Trennung be- c u • i i c • du .
..... o u ... u • Lx Schauspielerin rrl. Seipp »Phot
dingt diese Schwäche nicht ^ . . . .. ,
. Zum vorstehenden Arlikel „
Wir Inlands - Deutsche
wollen durchaus nicht mit pharisäischer Selbstgerechtig¬
keit prunken und anerkennen, daß auch wir — leider! —
oft genug von der Begeisterung unserer jünglingstage
uns weit entfernt haben, daß wir deshalb alle Ursache
haben, uns selber Einkehr und Umkehr zu predigen.
Ein beschämendes Zugeständnis, aber es spricht die Wahr¬
heit. Woher dies kommt? Es bedürfte einer sehr um¬
fangreichen, sehr tiefen und feinfühligen psychologischen
Untersuchung, um die Wurzeln dieser Erscheinung blo߬
zulegen. Da greifen ineinander: Nationalfehler und per¬
sönliche Schwächen, Erziehungsmängel und politische
Doktrinen, falschverstandene oder unverdaute Lehren
und Phrasenblendwerk und noch tausenderlei anderes.
Es ist leider nicht in Abrede zu stellen, daß unsere
Erziehung betreffs Betonung der nationalen
Note noch nicht den Anforderungen entspricht, die im
Völkischen Interesse an sie gestellt werden müssen; denn
sonst würde manche beklagenswerte Erscheinung, der
man Tag für Tag begegnen kann, nicht zu verzeichnen
sein. Wir sind weit davon
, „ . entfernt, dem nationalen
Hochmut, der nationalen
Ueberhebung, dem häßlichen
und auch sinnlosen Chau¬
vinismus das Wort reden zu
wollen. Gerade indem man
diese Eigens chaften
großzieht und pflegt,
schädigt man das tiefere
nationale Empfinden
am meisten; denn der
sich überhebende Chauvinist
glaubt durch sein Bramar¬
basieren sein nationales Emp¬
finden bereits genügend be¬
tätigt zu haben, er fühlt sich
weiterer Pflichten ledig,
wenn er recht kräftig sein
Hurra geschrien hat. Sein
Element ist die erregte
Augenblicksstimmung, die
aber schnell verrauscht, sein
nationales Wirken besteht
der Hauptsache nach in der
Herabsetzung, Verkleinerung
anderer Nationen und deren
Kulturbedeutung.
Liegt in diesem Treiben
eine Beachtung des Schiller-
schen Wortes? Gewiß nicht!
Keine Nation gewinnt da¬
durch an innerem Werte,
daß sie andere herabsetzt,
keine wird dadurch größer,
daß sie sich überhebt. Solche
Erscheinungen sind die bedauerlichen Früchte verkehrter
geschichtlicher Erziehung, durch die Patriotismus gepflegt
werden soll, aber infolge des Haftens an der Ober¬
flächlichkeit dessen Zerrbild, der Chauvinismus, gro߬
gezogen wird. Unsere Erziehung soll nicht darin das
nationale Element erblicken, daß sie den heran-
Wachsenden Generationen das Deutschtum wert zu machen
sucht, indem sie fremdes Wesen diskreditiert; das ist
eine morsche Brücke, die eines schlimmen Tages zusammen¬
bricht. Unsere Erziehungsaufgabe ist es, die
Jugend eng mit den unschätzbaren Werten der
nationalen Güter in Berührung zu bringen, sie
mit ihnen zu erfüllen und untrennbar zu ver-
: Erwin Quedenfeldt, Düsseldorf)
Photog-raphie als KunsV'
644 DEUTSCHLAND Nr. 13
binden. Das schließt Achtung fremder nationaler Güter
nicht aus; im Gegenteil: ^ver seine eigenen National¬
güter als kostbarstes Eigentum schätzt, 'Wird auch hohe
Achtung vor fremden Gütern dieser Art empfinden, ohne sie
indessen durch Preisgabe seines eigenen kostbaren Besitz¬
tums für sich eintauschen zu wollen. Denn er weiß, daß er
hierdurch seiner besten, stolzesten Eigenart verlustig
gehen würde. Es Wäre dringend zu wünschen, daß alle
Erziehungsfaktoren in dieser Richtung wirkten. Vielleicht
würde dann etwas weniger Hurra gerufen, vielleicht träte
dann auch etwas weniger häufig eine Strohfeuerbegeiste¬
rung ansTageslicht;
dafür aber würde die
ungleich wertvollere
„heilige Flamme“,die
nie erlischt, ganz im
stillen, ohne äußer¬
lichen Lärm, fürs
Vaterland glühen.
Durch diese Ver¬
tiefung der Wert¬
schätzungecht natio
naler Güter würde
jedenfalls ein bessrer
Widerstand gegen
alle großen und
kleinen Feinde der¬
selben geschaffen
als durch die Schein¬
bollwerke schnell
verfliegender Mo¬
ment - Begeisterung
sowie der Ver¬
kleinerung fremden
Wesens.
Erkenne,was
dir dein Volks-
tum wert ist und
sei ein treuer
Hüter, ein un¬
ermüdlicher Er¬
halter aller jener
wertvollenGüter,
die in ihrer Ge¬
samtheit dein
Volkstum aus¬
machen! Wenn
die Erziehung diese
ernsteMahnung nicht
jedem Deutschen
fest und unverlier¬
bar ins Herz und
Gewissen einprägt
als das höchste völ¬
kische Gebot, das
zu mißachten eine
Schande ist, dann
hat sie ihre
nationale Aufgabe nicht erfüllt, mag sie auch
mit allen möglichen anderen Erfolgen prunken, dann wird
es die höchste Zeit, sie von Grund aus umzugestalten.
Wenn man von nationalen Gütern in diesem Sinne
spricht, so pflegt man ausschließlich an die idealen
Güter zu denken, die den Inbegriff des Volkstums aus¬
machen. Solcher idealen Güter gibt es zahlreiche; unter
ihnen aber ragen doch nur Wenige als ganz besonders
wertvoll und wichtig hervor, und ihre Pflege genügt, um
die Hochhaltung aller übrigen zu gewährleisten. Diese
Wichtigsten Güter sind: nationale Sprache und
Sitte, von seinen Schlacken möglichst befreiter natio-
naler Charakter, fester Zusammenhang der
Einzelpersonen unter sich und enges Zugehörig¬
keitsgefühl zum gemeinsamen Vaterlande.
Hierdurch Wird das gemeinsame Band des National-
gefühls gewoben, der echte, von jeder Ueberhebung
freie Nationalstolz, der innere Festigung gegen alle
fremden Lockungen verleiht, geweckt.
Man mag einwerfen, daß doch alle diese nationalen
Güter in der Heimat, in Deutschland, eine sorgsame
Pflege finden, und
daß trotzdem der
Erfolg, Wie auch
hier gesagt Wurde,
nicht in vollem Maße
der erwünschte ist,
daß also hierin nicht
die Rettung liegen
kann. Und doch liegt
sie in der Pflege
dieser Güter und nur
in ihr allein, jedoch
muß diese Pflege
eine das Innere
durchdringende und
nicht eine rein
äußerliche sein, sie
muß von Flitterwerk
und prahlerischem
Aufputz frei sein
und weniger durch
Wissensballast als
durch überzeugte
Empfindungs¬
tiefe, durch wahre
Erkenntnisdes natio¬
nalen Wertes wirken
wollen. In dieser
Hinsicht wird aber
bei der Heranbil¬
dung unserer Jugend
noch sehr viel gesün¬
digt, und zwar der
bei uns in hohem
Maße vorhandenen
Examenwut zuliebe.
Positives Wissen
kann man exami¬
nieren, mit ihm kann
man in der Oeffent-
lichkeit glänzen. Die
höchsten nationalen
Güter gehören aber
nicht in dieses Ge¬
biet, über sie kann
man vor keiner
Prüfungskommission
ein Examen ablegen, ihr Vorhandensein stellt erst das
Leben fest. Und da zeigt sich eben nur zu oft, daß
vor der Sorge um die Aneignung großer positiver Kennt¬
nisse, die fürs Leben kaum nötig waren, keine Zeit
mehr zur sorgsamen Pflege nationaler Güter vorhanden
War. Und wohl jeder wird bedingungslos zugeben,
daß man sehr wohl alle irgendwie wichtigen Daten der
völkischen Geschichte kennen, dabei aber dem Volkstum
fremd und kalt gegenüberstehen kann und umgekehrt.
— Aber nicht nur an einer übertriebenen Betonung
Frau Henkels, Düsseldorf (Phot.: Erwin Quedenfeldt, Düsseldorf)
Zum vorstehenden Artikel „Photographie als Kunst"
Nr.l3 DEUTSCHLAND 645
positiven Wissens auf Kosten des tieferen Empfindens
liegt der häufig zutage tretende Mißerfolg betreffs der
Wertschätzung nationaler Güter, ein beträchtlicher Teil
der Schuld ist auf der einen Seite dem noch immer nicht
überwundenen Standpunkt des Partikularismus, auf
der andern der traurigen Parteizersplitterung bei
uns in Deutschland zuzuschreiben. Solange der Süd¬
deutsche im Norddeutschen nur unwillig den zu ihm ge¬
hörenden Volksgenossen erduldet, solange sich jeder
einzelne Staatsangehörige nicht in erster Linie als
Deutscher fühlt und das wesentliche Zusammengehörige
über das unwesentliche Verschiedene stellt, solange die
Parteipolitik sich nicht unbedingt den nationalen Forde¬
rungen unterordnet, sondern im Gegenteil bestrebt ist,
diese unter das Joch parteipolitischer Doktrinen zu
zwingen, solange wird die Pflege nationaler Güter im
Volke wesentlich erschwert, ja fast illusorisch gemacht.
Aber die Schwierigkeit darf nicht abschrecken, sie muß
im Gegenteil dazu anreizen, sie zu überwinden. Zwei
Beispiele sind unserm Volke in jüngster Zeit in dieser
Beziehung gegeben, ein abstoßendes und eins, dem man
seine Bewunderung nicht versagen kann, trotzdem seine
Spitze direkt gegen Deutschland gerichtet war. Das
erste bot die jedem nationalen Empfinden hohnsprechende
Rede des französischen Arbeitervertreters Jouhaux
(Paris) am 28. Juli ds. Js. in Berlin, in der er das freche
Wort sprach: „Wir verachten den Dummstolz des
Patriotismus“ und hierfür ,,stürmischen Beifall“(!)
erntete. Das erhebende Beispiel aber kam aus England.
Am 27. Juli ds. Js. hatte der Premierminister Asquith
im Unterhause seine große Marokko-Rede gehalten, nach
welcher der Chef der Opposition, Balfour, sich erhob,
um u. a. folgende Erklärung für die Opposition abzugeben:
,,Mitglieder beider Parteien des Hauses haben oft gesagt,
daß wir unsern Parteidifferenzen, so heftig
sie auch sein mögen, niemals da einen Einfluß
gestatten, wo dielnteressen des ganzen Volkes
aufdemSpiele stehen .Wenn es irgendwelche
Beobachter oder Kritiker außerhalb des Hauses gibt, die
auf unsere Streitigkeiten gerechnet haben und darauf, daß
wir von unseren bitteren heimischenZwistigkeiten gänzlich
in Anspruch genommen sind und darauf gehofft haben,
daß dadurch eine Politik erleichtert wird, gegen die Gro߬
britannien unter anderen Verhältnissen vielleicht Einwand
erheben möchte, wenn es irgendwelche Leute gibt, die
annehmen, daß wir von der Karte Europas gestrichen
sind, weil wir unsere eigenen Schwierigkeiten zu Hause
haben, so sei es diesen Leuten gesagt, daß sie das Emp¬
finden des britischen Volkes und den Patriotismus der
Opposition völlig verkennen, ob nun diese Opposition
eine liberale oder eine konservative ist.“ Hut ab vor
einer derartigen nationalen Gesinnung, die uns Deutschen
ein leuchtendes Vorbild sein sollte. Das Geheimnis der
britischen Erfolge in aller Welt ist nicht zum geringsten
Teile in dieser sich überall praktisch betätigenden Ge¬
sinnung enthalten. Es wäre ein Fortschritt von ungeheurer
Tragweite, wenn das deutsche Volk in dieser Beziehung
dem Beispiel der Engländer folgen wollte.
Was isFs, das dem Briten den festen nationalen Halt
verleiht. Was ist’s, das ihn nie und an keinem Orte ver¬
gessen läßt, daß er mit Leib und Seele, mit seinem
ganzen Fühlen, Denken und Handeln ein Brite ist, der
zwar für seinen persönlichen Vorteil arbeitet, dabei
stets aber bedacht ist, die Interessen und das Ansehen
seines Vaterlandes zu wahren und zu mehren, niemals
aber gleichgültig oder gar feindselig gegen dieselben zu
verfahren? Es ist einzig und allein das kraft¬
volle Nationalgefühl und die aus ihm entspringende
Erkenntnis, daß er nur durch sorgsame Wahrung der
seinem inneren Wesen angepaßten Wertvollen nationalen
Güter, nur durch treue Pflege und Reinerhaltung alles
dessen. Was sein Engländertum ausmacht, seine Kraft
überall in der Welt behalten, die Welt sich untertan
machen kann. So sehen wir, daß der einzige Welt¬
bürger par excellence, der Engländer, überall reiner Eng¬
länder bleibt, zu keinen Konzessionen nationaler Art an
andere Nationalitäten, unter denen zu leben er gezwungen
ist, sich bereit findet und von dem durchaus ver¬
schwommenen Begriff des Weltbürgertums, wie es in
manchen unklaren deutschen Köpfen spukt, himmelweit
entfernt ist. Während der unklare Schwärmer unter
Weltbürgertum ein Mischungsprodukt der verschiedensten
Nationalcharaktere zu einer farblosen Masse versteht,
also Preisgabe alles dessen fordert, was die eigene
Nationalität ausmacht, erblickt der praktische Engländer
das Weltbürgertum für sich darin, daß er sich überall
gleich bleibt, und daß er eher die ganze Welt mit
seinem Stempel versieht, ehe er sich zur kleinsten Kon¬
zession herbeiläßt. Und der Erfolg hat ihm durchaus
recht gegeben, mag man über seine „Anmaßung“ spotten,
soviel man will.
Sollen und dürfen Wir diesen Fingerzeig unbeachtet
lassen ? Wie die Erklärung Balfours im Unterhaus dem
gesamten deutschen Volke eine heilsame Lehre zu geben
vermag, so ist im allgemeinen das Auftreten jedes im
Auslande lebenden Engländers, soweit die Betonung des
nationalen Standpunktes in Frage kommt, zweifellos für
jeden Ausländsdeutschen ein nachahmenswertes Beispiel.
Das soll nicht etwa heißen, daß die Ausländsdeutschen
ohne Ausnahme nicht ebenfalls nach besten Kräften
bestrebt wären, die nationalen Güter zu pflegen, für die
Erhaltung ihres Deutschtums zu ringen und die Interessen
ihres Vaterlandes unter oft recht schwierigen Verhält¬
nissen zu wahren und zu mehren. Die Zeiten sind
glücklicherweise vorüber, in denen ein beschränkter Blick
jeden ins Ausland gehenden Deutschen gewissermaßen
als einen Abenteurer ansprechen zu dürfen glaubte. Es
hat sich allmählich die Erkenntnis Bahn gebrochen, wie
außerordentlich viel diese Ausländsdeutschen als Pioniere
der deutschen Weltwirtschaft für ihr Vaterland geleistet
haben; hervorragende Geister haben dies mit warmen
Worten anerkannt, und jeder, der die Verhältnisse genauer
kennt, wird diese Tätigkeit der Ausländsdeutschen um so
höher einzuschätzen wissen, als sie meist unter wesentlich
ungünstigeren — oft sogar unter direkt schwierigen —
Bedingungen sich vollzog, als sie für den Engländer vor¬
handen Waren und sind. Es braucht wohl nur an den
recht mangelhaften Flaggenschutz, an unpraktische
Gesetzesbestimmungen für die im Auslande lebenden
Deutschen, an die anerkannte Reformbedürftigkeit unseres
Konsulatswesens erinnert zu werden, geradezu Lebens¬
fragen für die versprengt im Auslande wirkenden Ver¬
treter einer Nationalität, Fragen, die für den Engländer
bereits längst im günstigsten Sinne gelöst worden sind.
Mit Stolz darf der Deutsche erklären, daß in der
weitaus größeren Zahl Von Fällen der Deutsche im Aus¬
lande sich seiner nationalen Pflichten vollauf bewußt
ist, daß er sich ernst bemüht, den Schillerschen Worten
gemäß zu handeln, so schwer es ihm oft auch gemacht
wird, und daß er sich als Einzelpersönlichkeit nicht
hinter dem national empfindenden Engländer zu verstecken
braucht. Dafür liegen zahlreiche vollgültige Beweise vor,
dafür spricht mit an erster Stelle das echt nationale
Leben und Wirken in den Auslands-Flottenvereinen und
im Vereine für das Deutschtum im Ausland, die sich
als Wahre Pflegestätten nationalen Geistes und engen
646 DEUTSCHLAND Nr. 13
Zusammenhanges zwischen Ausländsdeutschen und dem
fernen Vaterlande beweisen.
Es kann und darf aber nicht verschwiegen werden,
daß es nicht überall so erfreulich aussieht, daß nicht
überall die im Auslande lebenden Deutschen sich ihrer
nationalen Pflichten in dem Maße bewußt zu sein
scheinen, wie d es in ihrem eigenen und im vaterländischen
Interesse wünschenswert ist. Man darf Wohl annehmen,
daß dies in der Mehrzahl von Fällen nicht bewußt in
übler Absicht, sondern mehr aus Gedankenlosigkeit, aus
Eitelkeit, als Folgeerscheinung der vorher gekenn¬
zeichneten falschen Erziehung usw. geschieht. Trotz¬
dem darf man über diese bedauerlichen Erscheinungen,
die geeignet sind, das Ansehen des Deutschtums im
Auslande zu schädigen, um so weniger mit Stillschweigen
hinweggehen, als unter ihnen die Arbeit der nationalen
Kreise leidet, ja sogar aufs schwerste geschädigt wird.
Weil man im Auslande nur zu geneigt ist, das Deutsch¬
tum nach dem Gebaren gerade dieser Leute zu messen
und zu bewerten. Eine Nation, die ihre kostbarsten
Güter nicht ehrt und vor jeder Vernichtung zu bewahren
sucht, wird niemals die Achtung eines fremden Volkes
erringen, niemals von diesem als groß und mächtig an¬
gesehen werden; man wird verächtlich auf solchen Vertreter
des Volkes herabblicken und — Wenn auch mit Unrecht
— diese Mißachtung auf das ganze Volk übertragen.
(Schluß folgt.)
Eine Neuregelung der Ferien.
Von Oberlehrer Dr. H e i n z e (Segeberg).
Variable Sommerferien.
Die jetzige Lage der Sommerferien im Juli/August
fängt an, in unserem Verkehrs- und Wirtschaftsleben
unhaltbare Zustände zu schaffen. Auf den Eisenbahnen
gehören Verspätungen, Nichterreichen der Anschlüsse,
Ausbleiben des Gepäckes heute fast zu jeder Sommer¬
reise. Am schlimmsten ist es, wenn zwei benachbarte
Provinzen am selben Tage schließen oder den Unterricht
wieder aufnehmen. Das müßte unter allen Umständen
vermieden werden, Aehnlich ist es mit den Hotels. Am
krassesten aber zeigen sich die Mißstände in den Sommer¬
frischen und Badeorten. Nehmen wir als Beispiel Reichen¬
hall: Im Juli/August bezahlt man für ein einfaches Zimmer
mit einem Bett und voller Pension 10—12 Mark täglich,
im Mai, Juni und September den halben Preis. Die Bade¬
anstalten sind im Juli/August überlaufen, Wartezeiten von
Vi— 1 Stunde vor einem Bad die Regel; ebenso bei den
Aerzten. Ein Bademeister hat an einem Vormittag 40
bis 50 Personen abzufertigen. Wie dabei die Abreibungen,
Duschen, Massagen ausfallen, kann man sich denken. In
den Hotels und Pensionen ist cs ungemütlich, da die
Bedienung in der Hochsaison nicht ausreicht.
Es ist klar, daß bei einem solchen Betrieb die Bade¬
gäste nervös werden und die Erholung gleich Null ist.
Welche Ungerechtigkeit ist es, daß gerade die Familien,
die mit ihren Kindern reisen, der jetzigen Ferienlage wegen,
die Hochsaisonpreise zahlen müssen, Während kinderlose
Familien (sofern sie nicht gerade Oberlehrerfamilien sind)
es sich in der Vor- oder Nachsaison für billiges Geld
gemütlich machen können. Nebenbei sei bemerkt, daß
der Juli, wie die Erfahrungen der letzten Jahre zeigen,
gar nicht immer der heißeste Monat ist, dafür aber nicht
selten der regenreichste.
An allen oben erwähnten Uebelständen ist fast aus¬
schließlich die jetzige Lage der Sommerferien schuld.
Gewiß, auch die Gerichtsferien tragen zur Ueberfüllung
der Sommerfrischen im Juli/August bei. Aber doch in viel
geringerem Maße als die Schulferien, nach denen ein viel
größerer Prozentsatz der Bevölkerung seine Sommerreise
einrichten muß.
Darum sei die Parole für die Neuregelung der Ferien:
Variable Sommerferien.
Mag man die übrigen Ferien nach rein schul¬
technischen Gesichtspunkten regeln, die Sommerferien
sollten auf keinen Fall festgelegt werden, ja sie müßten
sogar möglichst weit auseinandergelegt werden.
Mitte Mai ist es überall warm genug, auch in den
östlichsten Provinzen. Man gebe deshalb einer Gruppe von
Schulen, vielleicht in zwei nicht benachbarten Provinzen,
von Milte Mai ab die großen Ferien, und zwar 5 bis
5 V 2 Wochen. Für weitere Reisen, und diese werden
heute viel mehr unternommen als zur Zeit der ersten
Ferienregelung (1858), sind vier Wochen, die man damals
für ausreichend hielt, zu wenig. Eine zweite Gruppe
von Schulen, vielleicht wieder zwei nicht benachbarte
Provinzen oder eine Provinz und eine Großstadt einer
anderen Provinz, lasse man Mitte Juni beginnen, eine
dritte Mitte Juli, eine Vierte Mitte August. Sollte diese
Gruppierung nicht genügend Variationen ermöglichen,
so ließen sich Zwischengruppen einfügen, z. B. von Anfang
Juni ab, Anfang Juli ab usw. Die Gruppierung der
Schulen müßte dauernd sein. Großstädte dürften nicht
an demselben Tage die Schule schließen und wieder
öffnen wie das platte Land derselben Provinz. Ob eine
Zuweisung der Berliner Anstalten zu verschiedenen
Gruppen durchführbar wäre, müßte ein Versuch in der
Praxis zeigen.
Damit keine Stadt oder Anstalt sich benachteiligt
fühlt, müßte stets derselbe Turnus eingehalten Werden.
Schule A hätte also in einem Jahre Ferien im Mai/Juni,
im folgenden Jahre im Juni/Juli, im dritten Jahre im
Juli/August, im vierten im August/September, worauf
im fünften Jahre wieder der Turnus Von neuem be¬
ginnen würde.
Man wende nicht ein, daß eine solche Variabilität
den Schulbetrieb stören würde. Die Vorausbestimmung
ergäbe sich ja immer von selbst. Jeder Direktor, jeder
Lehrer, jeder Schüler würde wissen, wann im nächsten
oder übernächsten Jahre große Ferien sind. Allerdings ein
Abschluß eines Vierteljahres oder, wie manche wünschen,
gar des ganzen Schuljahres, ließe sich bei veränderlichen
Ferien nicht mit diesen verbinden. Auch müßten, um
eine allzulange Ausdehnung des Unterrichts zu vermeiden,
in den Jahren, wo die großen Ferien in den Mai oder
Juni fallen, im Oktober noch einige Tage Ferien zugelegt
werden, die sich in vielen Fällen durch das Zusammen¬
fallen der großen Ferien mit den Pfingstferien ergeben
würden. Umgekehrt würde es sich empfehlen, in den
Jahren, wo die großen Ferien in den August/September
’ >.
Nr. 13 M»^Q9e99 QQ «giQ^ ^ DEUTSCHLAND meeBBeeeeeeees^^^i^eeeGem &47
fallen, die Pfingstferien um einige Tage zu verlängern, um
die Unterrichtsperiode zwischen Ostern und dem Beginn
der großen Ferien nicht zu ermüdend zu machen. Dies
geschieht übrigens jetzt schon in Rheinland und Westfalen.
Aber all das sind Kleinigkeiten, deren Regelung
getrost den zuständigen Schulbehörden überlassen werden
könnte. Hauptsache ist, daß die ungesunden wirtschaft¬
lichen Verhältnisse, die die jetzige Verteilung der großen
Ferien hat entstehen lassen und die bei der zu erwartenden
Weiteren Steigerung der Reiselust und der Erholungs¬
bedürftigkeit des modernen Menschen noch größere
Dimensionen annehmen werden, mit einem Schlage be¬
seitigt werden würden. Die Badeorte und Sommerfrischen,
die Eisenbahnen und Hotels hätten dann eine ständige
Saison, von Mitte Mai bis Mitte September, die Preis¬
differenzen zwischen Vor- und Nachsaison einerseits und
Hauptsaison andrerseits würden schwinden, die Eisen¬
bahnen könnten ihren Betrieb ruhiger und gefahrloser
abwickeln und last not least: alle Ferienreisenden würden
sich bei dem ruhigen Betrieb viel besser erholen.
Einer späteren Generation dürfte es Vorbehalten sein,
die großen Ferien auf das ganze Jahr zu verteilen.
Warum soll man nicht auch einmal im Winter einige
Wochen im Gebirge verbringen können? Große Ferien
im Dezember oder Januar würden Augen und Atmungs¬
organen unserer Jugend sehr zugute kommen. Aber
vorläufig müssen wir uns mit dem Erreichbaren begnügen,
und der Schreiber dieser Zeilen hofft, daß dieser Vorschlag
auf seiten der Kollegen nicht nur, sondern auch der Eltern
der Schüler, der Eisenbahndirektionen, der Hotelbesitzer,
der Badeorte und Sommerfrischen mit ihren Verkehrs-
Vereinen recht tatkräftige Unterstützung finden möge.
Der Bund Deutscher Verkehrs-Vereine
und die Ferienfrage.
Der Bund Deutscher Verkehrs-Vereine e. V., Sitz
Leipzig, beschäftigt sich schon seit längerer Zeit mit der
Frage der Dezentralisation der Sommerferien der
höheren Schulen im Interesse seiner Mitglieder, der
Bade- und Kurverwaltungen und Sommerfrischen, wie im
allgemeinen Verkehrsinteresse. Als Uebelstände, welche
durch das Zusammenfallen verschiedener Sommerferien,
vom 8. Juli bis Anfang August, verursacht werden, werden
betrachtet, daß die Unterbringung der Fremden immer
schwieriger, schlechter, teurer wird, daß die Ueberwachung
in sanitärer Beziehung erschwert wird, ja kaum noch
durchzuführen ist, daß auch direkt ungesunde Wohnungen
vermietet werden, daß ferner in dem kurzen, übermäßigen
Andrang eine Verführung zu leichtsinnigen Neubauten
liegt. Es komrht noch in Betracht, daß der Abfluß
der Sommerfrischler ins Ausland durch obige Nachteile
begünstigt wird und die Eisenbahnen den übermäßigen
Andrang kaum noch bewältigen können.
Der Bund Deutscher Verkehrs-Vereine hat sich auf
seiner im Juni 1911 in Worms stattgefundenen Haupt-
Versammlung eingehend mit diesen Fragen beschäftigt.
Es hat sich gezeigt, daß der Anfang der Berliner Ferien
(8. Juli), der der Hansestädte (12. Juli) und der des
Königreichs Sachsen (15. Juli) zu nahe aneinander liegt.
Der geschäftsführende Ausschuß des Bundes wurde
daher beauftragt, sich mit anderen interessierten Körper¬
schaften (z. B. dem Verband der akademisch gebildeten
Lehrer Deutschlands, dessen Vorstand bereits seine
Mitwirkung zugesagt hat) in Verbindung zu setzen und
dann an die Kultusministerien der deutschen Staaten
mit der Bitte um erneute Prüfung der Ferienfrage
heranzutreten.
Der geschäftsführende Ausschuß des Bundes Deutscher
Verkehrs - Vereine hat nunmehr ausführlich begründete
Eingaben an das Preußische und Sächsische Kultus¬
ministerium und an die Oberschulbehörden von Hamburg
und Bremen gerichtet. Es sind darin die oben bezeich-
neten Gesichtspunkte niedergelegt und beweiskräftiges
Material zusammengetragen worden. Es dürfte von all¬
gemeinem Interesse sein, einige Beispiele über die Frequenz
einiger größerer deutscher Bäder seitens der drei oben
bezeichneten Gruppen anzuführen.
In der Saison 1910 wurden besucht:
Binz (Rügen) von 4902 Kurgästen aus Berlin,
2304 aus dem Königreich Sachsen, 855 aus den Hanse¬
städten, dann kommen mit Wesentlich geringerer Frequenz
die übrigen Provinzen und Bundesstaaten;
Harzburg (bei in Summa 16857 Kurgästen und
22 500 Nachtfremden)
5218 Kurgäste und 4537 Nachtfremde aus Berlin
993 „ „ 2457 „ „ Hamburg
836 „ „1116 „ aus Königr. Sachsen;
Friedrichroda (bei 12 500Kurgästen) 2559Berliner,
1246 Sachsen.
Die entsprechenden Zahlen für 1911 ergeben eine
ganz wesentliche Steigerung der Ueberfüllung, z. B.
Binz (Rügen): aus Brandenburg bezw. Groß-Berlin
8438 Kurgäste, aus dem Königreich Sachsen 2725, aus
Hamburg 806, bei insgesamt 25 678 Kurgästen;
Harzburg: aus Brandenburg bezw. Groß-Berlin
14 646 Kurgäste, aus Königreich Sachsen 3228, aus den
Hansestädten 4817;
O b e r h 0 f: Groß-Berlin 4772, Königreich Sachsen 1509,
Hansestädte 675;
Saßnitz: Groß-Berlin bezw. Brandenburg 10 707,
Königreich Sachsen 1613, Hansestädte 1029, bei insgesamt
23439 Kurgästen.
Der Bund Deutscher Verkehrs-Vereine hat daher
bei den zuständigen Kultusministerien bezw. Oberschul¬
behörden angeregt, daß
1. die Sommerferien für Berlin zugleich mit den
meisten preußischen Provinzen, außer Rheinland-Westfalen,
am 1. Juli beginnen;
2. das Königreich Sachsen und die Hanse¬
städte drei Wochen später, also auf den 21. Juli, den
Anfang ihrer Sommerferien verlegen;
3. Rheinland-Westfalen, wiebisher,am 10.August,
also wieder drei Wochen später, die Sommerferien beginnt.
Dadurch Würde erreicht, daß jedesmal jede der drei
Gruppen einen Zeitraum von drei Wochen für sich hat.
Nach vielfacher, auch direkt durch die Statistik
verschiedener Sommerfrischen und Kurorte bestätigter
Erfahrung begnügt sich eine große Anzahl von Besuchern
der Sommerfrischen mit einem Aufenthalt von drei Wochen.
Ganz wesentlich ist, daß die Stadt Berlin mit ihren
Sommerferien am 1. Juli statt am 8. beginnt. Dadurch
allein schon würde in Norddeutschland (Nord- und Ostsee)
und ebenso in Mitteldeutschland (Harz, Thüringen,
Sachsen usw.) die sogenannte Hochsaison um acht Tage
früher ihren Anfang nehmen, während sie anderseits
durch das Hinausschieben der Sommerferien der Hanse¬
städte und des Königreichs Sachsen um acht Tage weiter
verlängert würde. Vor- und Nachsaison würde ent¬
sprechende Aenderungen erleiden.
Die Erreichung unseres Zieles wäre von höchster
wirtschaftlicher, sozialer und hygienischer Bedeutung.
Der Vorschlag des Herrn Dr. Heinze, variable
Sommerferien einzuführen, erscheint uns, unter Berück¬
sichtigung der augenblicklichen Stellungnahme der Schul¬
behörden, etwas zu weitgehend, ist aber immerhin ein wert-
648 @B9999^ » 0QQö99Qg»ö9OQQQQO98gi DEUTSCHLAND i TOecoeeeeoooeeeeec)oooo 0 eeq i Nr. 13
voller Be^veis dafür, wie lebhaft der Wunsch nach weiterer
Dezentralisation der Sommerferien auch in den Kreisen
der Lehrer an höheren Schulen geteilt wird. Das ohne
große Eingriffe in das Schulleben Erreichbare muß
zunächst unser Ziel sein.
Dr. Seyfert,
Geschäftsführer des Bundes Deutscher Verkehrs-Vereine
Zur Regelung der Ferien.
Von pädagogischer Seite wird uns geschrieben:
Solange das Schuljahr zu Ostern beginnt und für
dieses Fest ein bestimmter Termin nicht angeordnet ist,
dürfte es sich empfehlen, von der jetzigen Ferienordnung,
die sich eingebürgert hat, nicht allzusehr abzuweichen,
und der Vorschlag Heinzes, variable Sommerferien zu
schaffen, dürfte wohl noch lange ein bloßer Wunsch
bleiben.
Ich halte es für dringend notwendig, daß in Rück¬
sicht auf das vorausgegangene lange, mit Arbeit stark
ausgefüllte Winterhalbjahr die Osterferien 3 volle
Wochen dauern.
Die lOTage Pfingstferien möchten wir im Westen
ebenso ungern entbehren, als der Osten seine Kartoffel¬
ferien. Sie sind uns, weil in den Osterferien oft noch
kaltes, winterliches Wetter herrscht, wegen des herr¬
lichen Frühlings, der in der Regel um diese Zeit seine
volle Pracht entfaltet, aus hygienischen und pädago¬
gischen Gründen überaus wertvoll.
Den Vorschlag des Bundes Deutscher Verkehrs-
Vereine möchte ich dahin abgeändert sehen, daß alle
Provinzen außer Rheinland und Westfalen ihre
Sommerferien am l.Juli beginnen, Rheinland und West¬
falen aber, die allein fast so viel Reisende stellen, als
die übrigen Provinzen zusammen (diese Angabe stimmt
nicht mit der vom Bund Deutscher Verkehrs-Vereine auf¬
gestellten Statistik überein; Berlin und Brandenburg übertrifft
alle anderen preußischen Provinzen bei weitem. Dr. Seyfert),
am 1. August oder an einem diesem Termin ganz nahe
gelegenen Tage. Mir scheint der 10. August als Anfangs¬
termin schon etwas spät zu liegen, weil das Sommer¬
dritteljahr in der Regel 5 volle Monate dauert.
Zum Schlüsse möchte ich auf eine Erfahrung auf¬
merksam machen, die ich im vorigen Jahr gemacht habe,
nämlich, daß infolge der teuren Lebensverhältnisse viel
weniger Schüler auf Reisen gegangen sind als die Jahre
vorher. Das Reisen ist eine kostspielige und, was rechte
Erholung anbetrifft, oft sogar auch eine ganz zweifelhafte
Sache. Ich wenigstens habe mit den Meinigen die Er¬
fahrung gemacht, daß diejenigen Ferien, die ich in rich¬
tiger und praktischer Weise — was allerdings nicht Immer
ganz leicht ist — in der engeren Heimat verbracht
habe, zu den angenehmeren und genußreicheren gehören.
Wenn man sein Geld, das man sonst da draußen auf¬
wendet, nicht scheut und fleißig Wanderungen in die
nahe und ferne Umgebung macht — schön ist es ja
überall im deutschen Vaterlande —, so erholt man sich
besser daheim, als da draußen, wo man gemütliche
Stunden oft teuer erkaufen muß. Allerdings muß Ab¬
wechselung sein, und alle paar Jahre eine Ferienreise in
die Fremde ist schon aus dem Grunde gut, damit man^s
immer wieder am eignen Leibe erfahre. Wie Wertvoll
und köstlich das eigne Heim ist. —
Prof. Masberg,
Direktor des städt. Beform-Itealgynmaslum*
in Düsseldorf.
Einer Verkürzung der Hauptferien
wird von anderer Seite das Wort geredet, indem uns
geschrieben wird:
Auf den preußischen Schulen beträgt die Gesamt¬
zahl der Ferientage 74. Diese Zahl ist keineswegs zu
hoch, vielleicht läßt sie sich noch um ein paar Tage
ausdehnen, zumal man bestrebt ist, die sogenannten
„halben Feiertage“ etwas einzuschränken. Indes
dürfte vielfach die Meinung vertreten sein, daß die
großen Sommer- bezw. Herbstferien (meistens
fünf Wochen) manchem zu lange dünken. Tatsächlich
wird auch nur ein Bruchteil der Schulkinder und deren
Angehörigen die vollen fünf Wochen durch eineu
Aufenthalt in der Sommerfrische, an der See, im
Gebirge oder sonstwo gänzlich ausnutzen. Im Gegenteil,
nach der dritten oder vierten Woche sehnen sich schon
recht viele nach dem Ende der Ferien. Wäre es da
nicht angebracht, Wenn die Hauptferien auf Vier_
W o ch e n b e s ch r ä n k t, die so gewonnene fünfte
Woche aber und etwa drei bis vier Weitere noch
zu bewilligende Ferientage zur Verlängerung der
Oster- und Weihnachtsferien benutzt Würden?
Die Ausdehnung der Osterferien wird vielfach von .
pädagogischer Seite gewünscht, wegen des anstrengenden
Winterhalbjahres. Aus den gleichen hierfür maßgebenden
Gründen wird man nicht gegen eine Ausdehnung der
Weihnachtsferien sein können, wodurch gleichzeitig der
gesunde Aufenthalt in Wintersportgebieten
und die Belebung von Wintersport und Winter¬
wanderungen sehr gef ordert würden. Besonders
nach dieser Richtung hin wäre eine zeitgemäße Reform
der Ferien zu begrüßen. S,
. Deutscher Verkehr -■= ■
Von Dr. Seyfert (Leipzig), Geschäftsführer des Bundes Deutscher Verkehrs-Vereine.
Bereits seit der Mitte des vorigen Jahrhunderts finden wir
in Deutschland Vereine, welche die Förderung des Fremden¬
verkehrs in ihrem Orte auf ihre Fahne geschrieben haben.
Aber erst nachdem man im Hinblick auf fremde Länder die
hervorragende wirtschaftliche und volkswirtschaftliche Bedeutung
des Fremdenverkehrs erkannt hatte, entstanden dieselben in
grösserem Umfange, und zwar war dies in der Hauptsache
im letzten Viertel des vorigen Jahrhunderts. Die Tätigkeit
der Vereine ist je nach den örtlichen Verhältnissen im einzelnen
verschiedenartig, jedoch erstreckt sich dieselbe im allgemeinen
auf Anregung der Verschönerung des Ortsbildes, Erwirkung
von Verkehrs-Verbesserungen, Herausgabe von Führern, Unter¬
haltung von Auskunftsbureaus und vieles andere. Die Verkehrs-
Vereine sind auf diese Weise ein geachteter Faktor in unseren
deutschen Gemeinwesen geworden. Wir zählen heute im
Deutschen Reiche etwa 500 solcher lokaler Verkehrs-Vereine.
Infolge der Gleichartigkeit der Arbeit der Verkehrs- Vefeina
und infolge ihres gemeinnützigen Prinzips kam man bei dör
wachsenden Anzahl und ihrer zunehmenden Bedeutung allseitlcT
zu der Ueberzeugung, dass die Tätigkeit der Vereine nicht auf
die Förderung rein örtlicher Interessen beschränkt sein könne.
Es zeigte sich, dass mancherlei örtliche Interessen durcli
gemeinsames Vorgehen der Vereine innerhalb eines grösseren
Gebietes mm wirksamsten gefördert werden können. (Hierher
gehört z. B. die Frage der Dezentralisation der Sommerferien,
Errichtung einer deutschen Fremdenststistik usw.)
So kam es zu Zusammenschlüssen der Verkehrs-Vereine
zu Landes- und Provinzialverbänden und zum Bund
Deuts cherVerkehrs-Vereine.
Diese Organisation der Verkehrsinteressenten hat sich seit
nunmehr zehn Jahren aufs beste bewährt, und zwar nicht nur
für die Verkehrs-Vereine, Gemeinden, Badeverwaltungen uaw.,
sondern auch andererseits für die Behörden, namentlich für
die Zentralbehörden, mit denen die Verkehrsinteressenten zu
verkehren und zu rechnen haben.
Bevor ,die bezeichnete Organisation bestand, wurden die
Behörden, ob sie nun zuständig waren oder nicht, von den
einzelnen am Verkehr interessierten Stellen mit Eingaben, An¬
regungen und Beschwerden überschüttet, welche sich teilweise
von den verschiedensten Seiten wiederholten, teilweise auch
widersprachen. So ist es z. B. vorgekommen, dass eine ein¬
zelne Stadt beantragte, dass bei Umwandlung eines Eilzuges
in einen D-Zug ihr der Aufenthalt dieses Zuges nicht ge¬
nommen werde, während ein ganzes Verkehrsgebiet denselben
Zug möglichst beschleunigt zu sehen wünschte unter Wegfall
einer Reihe von Aufenthalten. Etwas Aehnliches stellte sich
bei einer mündlichen Aussprache über Fahrplanverbesserungen
bei der zuständigen Eisenbabndirektion heraus. Zwei Verkehrs¬
interessenten an derselben Eisenbahnlinie standen sich mit
widersprechenden Anträgen gegenüber. Der eine hatte nach
mehrfachen Petitionen eine direkte Verbindung ohne Aufenthalt
auf Stationen unterwegs durchgesetzt, während von der anderen
Seite die Bedienung von Unterwegsstationen beantragt wurde.
Der Hinweis auf die Vorteile einer direkten, aufenthaltslosen
Verbindung brachte eine Einigung zustande. Es ist ver¬
ständlich, dass die Verwaltungen, von denen hier namentlich
die Eisenbahnbehörden in Frage kommen, sich beim besten
Willen nicht auf alle widerspruchsvollen Eingaben einlassen
konnten und auch ermüden mussten, immer wieder auf bereits
erledigte Angelegenheiten zurUckzukommen, die, mangels einer
Verständigung der Vereine untereinander, fortwährend von
neuem auftauchten.
Den Behörden wurde deshalb durch die Gründung der
Landes- und Provinzialverbände und des Bundes
Deutscher Verkehrs-Vereine eine erhebliche Erleichte¬
rung geschaffen. Der Verkehr kennt zumeist, abgesehen von
ganz speziellen lokalen Fragen, keine örtlichen, regionalen
oder politischen Grenzen. Unser heutiger Verkehr ist national,
zu einem nicht geringen Grade sogar international und bedarf
deshalb zu einer im allgemeinen Interesse gedeihlichen Regelung
grösserer Gesichtspunkte. Die Landes- und Provinzialorgani¬
sationen der Fremdenverkehrs - Vereine sammeln heute die
Wünsche, welche ihr Land, ihre Provinz betreffen, klären
Widersprüche in ihren Sitzungen und gehen sodann an die
zuständige Behörde mit einer Eingabe heran.
Eine grosse Reihe von Verkehrsfragen berühren jedoch
die Interessen mehrerer Bundesstaaten, mehrerer Provinzen,
womöglich des ganzen Deutschen Reiches. Hierfür ist der
Bund Deuts ch er Verkehrs-Vereine die Zentralstelle, an
welche von den regionalen Verkehrs-Verbänden derartige, über
ihren Wirkungskreis hinausgehende Angelegenheiten abgegeben
werden. Auf dieser Grundlage ist nunmehr ein befriedigendes
Zusammenarbeiten zwischen den Verkehrsinteressenten und
den Behörden ermöglicht worden. Einen deutlichen Ausdruck
hat dieses Zusammenarbeiten erhalten durch die Schaffung des
Ausschusses zur Förderung des Reiseverkehrs auf
den deutschen Bahnen, welchem die deutschen Staats¬
eisenbahnen und der Bund Deutscher Verkehrs-Vereine, sowie
mehrere Spezialsachverständige auf dem Gebiete des Verkehrs¬
wesens angehören; ferner durch Zuziehung des Bundes auch
zu Konferenzen, die über interprovinzielle Verkehrsmassnahmen
abgehalten werden.
Damit ist der Bund Deutscher Verkehrs-Vereine als die
Zentralstelle der deutschen Fremdenverkehrs-Vereine von
den öffentlichen Behörden anerkannt worden. Wir haben hier
ein Beispiel dafür, wie eine zweckmässige Organisation der auf
freiwilliger und gemeinnütziger Tätigkeit beruhenden Vereine
imstande ist, zu fruchtbarer Arbeit sich mit den öffentlichen
Verwaltungen zu vereinigen, diesen anregend und beratend zur
Seite zu stehen und ihnen manche Mühe abzunehmen.
Bund Deutscher Verkehrs-Vereine,
e. V.
Geschäftsstelle: Leipzig, Naschmarkt, Handelshof.
(Unentgelllirhe Auskünfte über deutsches Verkehrswesen und Reisean-
gelc^enheiten, Abgabe von Führern und Prospekten ül»er denisclie
Kur- und Radeorte, Wintersport platze, Städte und Landschaften.)
Mitteilungen
des geschäftsführenden Ausschusses.
ln Sachen der Fremdenverkehrs-Statistik fand
eine Besprechung mit dem Direktor des Leipziger statistischen
Amtes statt, wobei über die nächsten Schritte in dieser Ange¬
legenheit beraten wurde. Es ist eine Kommissionssitzung bei Gele¬
genheit der nächsten Vorstandssitzung ins Auge gefasst worden.
Der Bund unterstützte zugleich im Namen des Schlesi¬
schen Verkehrs-Verbandes, des Sächsischen Ver¬
kehrs-Verbandes, des Nordbayerischen Verkehrs-
Vereins in Nürnberg und des Vereins zur Fördern ng
des Fremdenverkehrs in München und im bayeri-
schen Hochland bei den beteiligten Eisenbahnverwaltungen
die Eingabe schlesischer, sächsischer und bayerischer Handels¬
kammern wegen der Verbesserung der Schnellzugs-
verbindungen zwischen Schlesien — Sachsen — Bayern,
g Auf eine Anregung aus unserem Mitgliederkreise lenkten
wir durch eine Eingabe die Aufmerksamkeit Sr. Exzellenz des
preussischen Herrn Ministers der öffentlichen Arbeiten auf die
Bestrebungen einer Reihe von Verkehrsintcressenten, neben den
bisher bestehenden zwei Schnellzugslinien zwischen Berlin
und München eine dritte Verbindung zu erhalten,
unter Ausbau der Nebenbahnen Triptis-Auma und Nordhalben-
Kronach zu Vollbahnen und Bau von Verbindungsstrecken
Auma-Schleiz und Schleiz-Nordhalben.
Ferner erging eine Anregung an die beteiligten Verwal¬
tungen im Namen der in Frage kommenden Bundesmitglieder
wegen Verbesserung der Tages-Schnellzugverbindung zwischen
Böhmen — Dresden — Leipzig—Halle a. S. — Cassel.
Leider ist die Beschleunigung dieser verbesserungsbedürftigen
Verbindung vorläufig nicht zu erlangen gewesen, doch soll die
Angelegenheit im Auge behalten und unsere Anregung bei ge¬
eigneter Gelegenheit verwertet werden.
An Se. Exzellenz den preussischen Herrn Minister der
öffentlichen Arbeiten gingen ausführliche Unterlagen für eine
mündliche Vorsprache wegen des Ausbaues der Verwal-
tungs-SonderzUge zu ermässigten Preisen ab.
In Ausführung des Beschlusses der letzten Sitzung des
Gesamtvorstandes stellte der geschäftsführende Ausschuss ein
Formular zur Aufnahme einer inneren Bundesstatistik
auf und versandte dasselbe an sämtliche dem Bund unmittelbar
oder mittelbar angeschlossenen Verkehrs-Vereine, -Verbände,
Badeverwaltungen, Gemeinden usw.
In Verfolg der Beschlüsse der Hauptversammlung in Worms
richtete der geschäftsführende Ausschuss an das Königlich
Preussische und Königlich Sächsische Kultusministerium und an
die Schulbehörden in Hamburg und Bremen Eingaben in bezug
auf eine grössere Auseinanderlegung der Sommer¬
ferien in Nord- und Mitteldeutschland. (Siehe auch die ver¬
schiedenen Notizen zu dem Artikel „Variable Sommerferien“
in der vorliegenden Nummer.)
Eine Sitzung des Gesamtvorstandes findet am
3. und 4. Februar in Leipzig statt. Die umfangreiche Tages¬
ordnung, in der das Arbeitsprogramm 1912 von beson¬
derem Interesse sein wird, ist den Vorstandsmitgliedern bereits
zugestellt worden.
Der Geschäftsführer des Bundes, Dr. Seyfert, wohnte
der Gründungsvcrsammlung des Thüringer Verkehrs-
Verbandes in Gotha am 12. Dezember igu bei und hielt am
Anfang der Tagesordnung einen Vortrag über die Tätigkeit des
Bundes Deutscher Verkehrs-Vereine und der deutschen Fremden¬
verkehrs-Organisationen.
Der Rügens che Ostseebäder-Verband ist im
Besitze zweier Lichtbilder-Serien nebst dazugehörigem
Vortragstext. Es handelt sich um eine grosse, gut ausgeführte
Serie mit bunten Bildern und eine kleinere Serie mit teils
schwarzen, teils bunten Bildern. Der Verband ist gern bereit,
den Vortrag grösseren Vereinen leihweise, gegen Erstattung
der Unkosten, zu überlassen.
Der Norddeutsche Lloyd in Bremen verleiht eben¬
falls Lichtbilder kostenlos. Interessenten wenden sich an den
Norddeutschen Lloyd, Bremen, Abteilung R.
Aus den Bundes-Vereinen.
Der Pfälzische Verkehrs-Verband
hielt am 16. Dezember seine letzte Ausschuss-Sitzung für 1911
ab, die aus allen Teilen der Pfalz zahlreich besucht war. Der
Vorsitzende, Rechtsrat Dr. Müller (Ludwigshafen) stellte fest,
dass die Entwicklung des Verbandes weitere Fortschritte macht.
Neu beigetreten sind die Distrikte Annweiler, Bergzabern, Eden-
koben, Landau, Ludwigshafen, Neustadt nnd Speyer, die Stadt
Bergzabern und verschiedene Einzelfirmen. Nach einer ein¬
gehenden Besprechung des photographischen Wett¬
bewerbes 1911 erfolgte Beschluss, auch für 191a einen
solchen zu veranstalten, und es wurde als Endtermin der i. Mai
festgelegt. Gleichzeitig wurde beschlossen, eine Klischee¬
sammlung anzulegen zur eigenen Verwendung und zur
leihweisen Abgabe an Zeitschriften, Firmen usw. Aus der Sitzung
des Pfälzischen Fremden-Verkehrsrates vom 14. November
wurde näheres mitgeteilt über das neue bayerische Verkehrs-
650
DEUTSCHLAND
Nr. 13
buch, über die Frage der Ausdehnung der Sonntagskarten,
gastwirtschaftliche Kurse und Reklamen, die im Jahre zgia ins
Werk gesetzt werden. Vom Verkehrs -Verband wird insbesondere
der jüngst auf dem Verbandstag in Speyer gehaltene interessante
Vortrag des Herrn Dr. med. Hoenes: „Die Pfalz als Erholungs¬
gebiet“ in Druck gegeben und in mehreren tausend Stück an
geeignete Adressen versandt.
Ein Thüringer Verkehrs-Verband.
Der diesjährige Thüringer Städtetag hatte die Anregung
gegeben, dem Beispiel anderer deutscher Landesteile folgend,
einen Thüringer Verkehrs-Verband zu gründen. Die
daraufhin einsetzenden Vorarbeiten wurden so rasch durch-
gefUhrt, dass jetzt in Gotha die konstituierende Sitzung statt¬
finden konnte. Es waren die Orte Gotha, Eisenach, Erfurt,
Weimar, Jena, Bad Kösen, Bad Berka, Umenau, Altenburg,
Mühlhausen, Naumburg und andere vertreten. Dr. Seyfert vom
Bund Deutscher Verkehrs-Vereine gab ein einleitendes Referat
über Zweck und Wesen der Verkehrs-Vereine. Dann folgte die
Wahl der Zentrale. Als solche wurde nach längerer Debatte
Gotha wegen seiner vorzüglichen Lage im Herzen Thüringens
bestimmt. Sein Programm hat der Verband in mehreren Punkten
formuliert. In den Vorstand wurden gewählt: i. Vors. Senator
Beetz (Gotha); i. stellvertretender Vors. Stadtrat Gensei (Erfurt);
2. stellvertretender Vors. Baumeister Herr (Eisenach); Schrift¬
führer Hotelier Oppermann (Gotha); stellvertretender Schrift¬
führer Hoflieferant Rudolf (Gotha); i. Schatzmeister Bankbeamter
Dr. Deimann (Gotha). — In den Ausschuss wurden gewählt:
Bürgermeister Altenstädter (Coburg); Stadtrat Crato (Naumburg);
Bürgermeister Crone (Leuthenberg); Stadtrat Kleeberg (Mühl¬
hausen); Hotelier Koschenhascher (Erfurt); Bürgermeister
Küstner (Friedrichroda); Landrat Leuthäusser (Waltershausen);
Oberbürgermeister Rössler (Schmalkalden); Bürgermeister
Zachäus (Ilmenau); Dr. Donndorf (Weimar).
Verkehrs-Verein Stettin.
Die städtischen Körperschaften haben beschlossen,
für den V erkehrs-Verein ein B ur e aug eb äu de zu
errichten, das nach den Entwürfen des Stadtbauamtes aus¬
geführt werden und allen Wünschen des Verkehrs-Vereins
Rechnung tragen soll. Der sehr hübsche kleine Bau soll auf
dem Platze hinter dem Berliner Tor errichtet werden, wo er
in bester Verkehrsgegend liegt und von allen Seiten sichtbar
ist. Der Platz selbst wird in eine Blumenanlage verwandelt
und das Gebäude wird nach dem Tor zu eine Säulenhalle mit
Sitzgelegenheit erhalten, von der man über den Anlagenplatz
hinweg das Berliner Tor in Ruhe betrachten kann. Das Haus
selbst wird einen grossen Auskunftsraum, zwei Arbeitszimmer
und einen Leseraum enthalten, in dem das Publikum ungestört
die vielen ausliegenden Zeitungen und Zeitschriften einsehen
kann. Die gute Lage und die vielen Bequemlichkeiten für das
Publikum, die das neue Haus gestattet, werden den günstigsten
Einfluss auf die weitere Entwickelung des Verkehrs-Vereins aus¬
üben, der in Stettin schon jetzt von vielen Seiten lebhaft in
Anspruch genommen wird.
Der Verband der Verkehrs-Vereine Westfalens
und angrenzender Gebiete
halte beim Herrn Minister der öffentlichen Arbeiten beantragt,
am Karfreitag und dem allgemeinen Buss- und Bettage auch
Sonntagsfahrkarten auszugeben und hatte diese Bitte
eingehend dahin begründet, dass diese Karten auch an den rein
katholischen Festtagen Fronleichnam und Peter und Paul zur
Ausgabe gelangen, und dass die an den beiden erstgenannten
Tagen bestehenden kirchlichen Verpflichtungen nicht hindern,
die freien Nachmittage zu Ausflügen zu benutzen. Leider traf
die Ablehnung dieses Antrages mit der Begründung ein, dass
beide Feiertage in Jahreszeiten fallen, wo ErholungsausflUge
nur in vereinzelten Fällen unternommen würden.
Verkehrs-Verein Königswinter.
Der Verkehrs-Verein Königswinter hielt am 30. Dezember
vorigen Jahres seine statutenmässige Mitgliederversammlung ab.
Aus dem Jahresbericht ist hervorzuheben, dass Aenderungen
im Vorstande nicht vorgekommen sind. Die Stellung zu wich¬
tigen Verkehrsfragen ist dieselbe geblieben. Das Verhältnis zu
anderen Verkehrs- und ähnlichen Vereinen blieb ebenfalls un¬
gestört und diente gegenseitiger Unterstützung. Die Beteiligung
an der Berliner Ausstellung brachte eine grössere Nachfrage
um Auskunft aus Berlin und Norddeutschland. Die Auskunft¬
stellen bei Herrn P. Mirbach und bei Herrn Lahs (Bahnhofstrasse)
wurden auch in diesem Jahre viel in Anspruch genommen.
Durch die Post wurden verschickt 2537 deutsche, 205 französische,
137 englische, 265 holländische Prospekte; ferner 116 Führer und
48 Wegekarten. Die statutenmässig aus dem Vorstande aus¬
scheidenden Herren wurden wiedergewählt. Aus der V^sammlung
wurden bei Punkt „Verschiedenes“ Wünsche geäussert betrefifend
ein offizielles Verkehrs-Bureau bezw. Ausbau der städtischen
Verkehrskommission zu einem städtischen*Bureau; ferner wurden
Klagen laut wegen Belästigung von Fremden am Drachenfelser
Weg, Uber die Lage der Schulferien, wegen Mangels an Wege¬
bezeichnungen und darüber, dass bei Rundreisefahrscheinen ‘ die
Königswinterer Schiffslandestelle nicht aufgenommen seL Dm
einzelnen Wünsche wurden dem Vorstande zur weiteren Prüfhdg
empfohlen. Eifel-Verein,
dessen erfolgreiche Tätigkeit für den Aufschluss der Eifel idQr
gemeine und berechtigte Anerkennung findet, hat die Fahrt
des Kaisers durch die Eifel in der inhaltreichen November¬
nummer seines Vereinsblattes in vortrefflicher Teztdarstellung"
des Rektors Zender zu Bonn eingehend beschrieben und das Heft
mit reichem Bildschmuck ausgestattet. Wie jetzt mitgeteilt wird,
hat der Kaiser die ihm vom Eifel-Verein eingereichten Exemplare
des Eifel-Vereinsblattes mit besonderem Interesse entg^en-
genommen. Zugleich ist auf die dankenswerte Befttrwortang
des Oberpräsidenten der Rheinprovinz und Ehrenvorsitzendi^n
des Eifel-Vereins, Freiherrn von Rheinbaben, dem Eifel-Verein
zur Förderung seiner Bestrebungen auf dem Gebiete der Schüler-
und Studenten-Herbergen, die der Kaiser als ihm sehr sym¬
pathisch bezeichnet hat, der Betrag von 2000 Mk. aus der
Schatulle des Kaisers zugewiesen worden. — Der Eifel-Verein
hat sich in einer Eingabe an den Oberpräsidenten dazu
bereit erklärt, in allen Orten mit höhern Lehranstalten, wo '
sich Ortsgruppen des Eifel-Vereins befinden, die FÜhrun^g e
von Jugendwanderungen zu übernehmen und den Bo-
Strebungen der Schulen auf dem Gebiete der Jugendpflege i
jedwede Unterstützung angedeihen zu lassen. Daraufhin hat
das Provinzialschulkollegium in Coblenz die Direktoren der;S
höhern Schulen seines Bezirks angewiesen, die Bestrebungen ^
des Eifelvereins auf dem Gebiete der Jugendpflege zu untere
stützen und sich bei den gemeinschaftlichen Wanderungen ■
erforderlichenfalls der Mithilfe der Ortsgruppen zu bedienen.
Ein Deutsch-Nordischer Touristen-Verband
ist dieser Tage in Berlin (Geschäftsstelle: Kochstrasse 14) Ina
Leben gerufen worden. Nach dem Muster des Deutsch-
Oesterreichischen Alpen-Vereins stellt sich der Verband die
Aufgabe, den touristischen Verkehr nach den Ländern dea
Nordens (Schweden, Norwegen, Dänemark, Finnland) zu fördern
und seinen Mitgliedern Vergünstigungen bei den Eisenbahn- -
und Schiffahrts-Gesellschaften, Hotels usw. zu erwirken.
Mitteldeutsch- Akademie ch er Verband fflr*^
Leibesübungen. In Leipzig ist vor kurzem der Mittel¬
deutsch-Akademische Verband für Leibesübungen ins Leben
gerufen worden. Er umfasst die nicht von Prinzips wegen "
Turnen oder Sport treibenden studentischen Körperschaften an
den in Mitteldeutschland gelegenen Hochschulen Leipzig,
Dresden, Marburg, Jena, Giessen, Göttingen, Halle, Breslau,
Braunschweig, Hannover usw. Der Verband beschränkt sich
Der Beachtung unserer Leser ■
empfehlen wir den Inseratenteil der Zeitschrift ;;Deutschland^f
Bei Einkäufen, bei Bestellung von Prospekten und sonstigen Druckschriften
wolle man sich auf die Rnkündigungen in unserer Zeitschrift beziehen. •»»
Nr. 13 goxoxMOOOOOQcaQQQOQ eeaeeai DEUTSCHLAND
651
nur auf die praktische Pflege der Gymnastik und beobachtet
Fragen ] des studentischen Lebens gegenüber Neutralität. All¬
jährlich sollen auf dem Inselberg in Thüringen am Pfingst-
Samstag studentische volkstümliche Wettkämpfe stattfinden.
Das erste studentische Inselberg^rnfest wird am 25. Mai 1912
gefeiert werden. Die turnerische Oberleitung ist dem aka¬
demischen Turnabend in Leipzig übertragen worden, der sich
auch die Abhaltung eines Akademischen Olympia mit dem
dauernden Sitze in^ Leipzig'zum Ziele gesetzt hat (Mitte Juli)
Wirkl.^G'eh. Rat Lingner, Exzellenz, empfing kürzlich
eine Abordnung des Vereins zur Förderung Dresdens
und des Fremdenverkehrs, die ihm das Diplom der
Bhr'enmitgliedschaft des Vereins überreichte. In einer
Ansprache wies der Führer der Abordnung, Hofrat Behrens,
auf die grossen Verdienste Lingners um Dresden hin und
sprach ihm im Namen des Fremdenverkehrs-Vereins den Dank
für die Förderung Dresdens durch die Hygiene - Ausstellung,
wie durch sein sonstiges Wirken aus.
Eisenbahnwesen.
Die westdeutsche Verkehrskommission des
Verbandes reisender Kaufleute hat an die Eisenbahn¬
direktion* Köln einen Antrag eingereicht, worin gebeten wird,
den Zug D 176 Deutz —Betzdorf—Siegen—Giessen—Frankfurt
(Deutz ab 8.18 vorm.) ab Düsseldorf abfahren zu lassen; ferner
den D-Zug 175 Frankfurt—Giessen—Betzdorf—Deutz (Deutz an
9.Z7 abds.) nach Düsseldorf durchzuführen.
Ueber die projektierte Eisenbahnverbindung
Hamburg — Kopenhagen über Fehmarn hat die
Christianiaer Handelskammer sich wie folgt geäussert: Die
Bahn- und Fährverbindung über Fehmarn ist von grosser
Bedeutung für Christiania, sowohl wegen der kürzeren Reisezeit
nach Hamburg und Westeuropa als auch wegen der schnelleren
Postbeförderung. Wir empfehlen den Plan auf das wärmste
und ersuchen den Ausschuss, für dessen baldige Ausführung
zu wirken.
Das Projekt einer russisch-indischen Bahn. Das
lange schon gehegte Projekt einer durch Persien gehenden
russisch-indischen Bahn ist, wie in Petersburger diplomatischen
Kreisen bestimmt verlautet, so weit gefördert worden, dass nach
Beendigung der persischen Krisis an seine Verwirklichung ge¬
schritten werden dürfte. Die Bahn wird von Baku bis Astara
russisch, von dort bis Bender-Abbas persisch und bis Karutschi
indisch sein.
Eine durchgehende Schnellzugsvcrbindung von
Westen nach Osten, und zwar mit dritter Klasse, erstrebt
die Berliner Verkehrskommission des Verbandes reisender
Kaufleute. Der gemischte D-Zug soll früh 7 Uhr 24 Min. Köln
verlassen und nachts 12 Uhr 20 Min. in Königsberg eintreffen.
Ferner wird ein neues Schnellzugspaar gefordert, das Berlin
6 Uhr 40 Min. verlässt, in Königsberg 2 Uhr 40 Min. eintrifft
und in derselben Zeit die Reise von Königsberg nach Berlin
zurücklegt. Begründet wird der Antrag mit dem ständigen An¬
wachsen des Verkehrs von Westen nach Osten, mit der Ueber-
füllung der dritten Klasse in den Schnellzügen und mit der
zunehmenden Frequenz der FrUhzüge von Berlin aus.
Berlin—Neapel-Expresszug.
(Mitgeteilt von der Königl. Eisenbahndirektion Cöln.)
Der Berlin—Neapel-Expreßzug wird vom 4. Dez. 1911
bis Mitte Mai 1912 befördert und verkehrt wöchentlich zwei¬
mal von Berlin (Anhalter Bahnhof) über München, Brenner,
Florenz, Rom bis Neapel und zurück. Der Zug fährt von
Berlin jeden Montag und Donnerstag, von Neapel jeden
Mittwoch und Sonnabend in folgendem Fahrplan:
940 ab
1206 an\
1210 ab/
750 an
712 ab
1031 an
lüfi ab
603 an
613 ab
7 M an
810 ab
1146 an \
1205 ab /
643 an\,
6!0 ab /I
10 » an ^
Berlin (Anhalter Bhf.)
Leipzig (Bayer. Bhf.)
München (H.-B.)
Innsbruck
Verona
Bologna
Florenz
Rom
Neapel
an
' ab
913
643
/ab ILOO
\an 1030
' ab 750
an 74 «
ab 1246
an 1238
ab 1014
936
6»
609
/ab 1230
\an .
I ab 80
an
ab
an
Wintersportzüge nach der Eifel.
Die Königl. Eisenbahndirektion Cöln teilt uns mit:
An den Sonntagen der Wiutermonate werden, sofern die
Witterung an diesen Tagen für die Ausübung des Winter¬
sports geeignet ist, Sonderzüge mit Fahrpreisermäßigung
von Cöln und Bonn über Euskirchen—Call nach Hellentlial
und zurück nach folgendem Fahrplan verkehren:
Sonderzng Cöln—Hellenthal
a) Hinfahrt:
Cöln Hbf.
. ab
633
b) Rückfahrt:
Hellenthal ....
. ab
657
„ West ....
668
Call .
. an
640
„ Süd.
• n
706
Euskirchen ....
W
734
Kierberg.
•
723
Kierberg.
M
8^
Euskirchen ....
*
738
Cöln Süd.
D
819
Call.
w
847
„ West ....
W
835
Hellenthal ....
. an
931
„ Hbf.
M
831
SonderzHg Bonn—Hellenthal
a) Hinfahrt:
Bonn.
. ab
654
b) Rückfahrt:
Hellenthal ....
. ab
657
Rheinbach ....
729
Call .
. an
640
Euskirchen ....
. an
744
Euskirchen ....
>»
724
„ ....
ab
758
....
. ab
735
Call .
V
847
Rheinbach ....
. an
751
Hellenthal ....
. an
931
Bonn.
• )»
827
Die beiden Züge werden auf der Strecke Euskirchen—
Hellenthal vereinigt. Zu diesen Zügen, die nur die 3. Wagen¬
klasse führen, werden in Cöln, Hauptbahnhof, West und Süd,
Kierberg, Euskirchen, Bonn und Rheinbach Sonderzugrück¬
fahrkarten zu nachstehenden Preisen ausgegeben werden:
Cöln Hauptbahnhof—Hellenthal und zurück 3.10 Mark
„ West
11
11
3.10
„ Süd
11
17
3.10
Kierberg
11
11
2.50
Euskirchen
7*
77
1.60
Bonn
11
77
2.90
Rheinbach
11
11
2.—
Ferner wird an den gleichen Tagen, unter der Voraus¬
setzung günstiger Witterungsverhältnisse, ein Sonderzug mit
Fahrpreisermäßigung von Düsseldorf nach llontjoie
und zurück in folgendem Plane verkehren:
a) Hinfahrt:
Düsseldorf Hbf. . .
. ab
666
b) Rückfahrt:
Montjoie.
. ab
700
Neuß.
712
Aachen Hbf. . . .
. an
808
M.-Gladbach . . .
• 11
733
Rheydt.
11
916
Rheydt .
• 11
740
M.-Gladbach . . .
11
922
Aachen Hbf. . . .
11
864
Neuß.
1 «
940
Montjoie.
. an
1010
Düsseldorf Hbf. . .
11
967
Die Sportsleute aus Crefeld und Viersen haben an diese
Züge in M.-Gladbach Anschluß mit fahrplanmäßigen Eil¬
und Personenzügen, und zwar:
a) Hinfahrt:
Crefeld.
. ab
650
b) Rückfahrt:
M.-Gladbach . . .
. ab
Viersen.
* ))
706
Viersen .
. an
M.-Gladbach . . .
. an
716
Crefeld .
• w
Zu dem Sonderzuge werden in Düsseldorf, Hauptbahnhof,
Neuß, M.-Gladbach, Rheydt und Aachen, Hauptbahnhof, so¬
wohl einfache als auch Hin- und Rückfahrkarten, in Montjoie
nur einfache Fahrkarten 3. Klasse zu nachstehenden Preisen
ausgegeben werden:
Einfache Fahrt: Hin- und Rückfahrt:
Düsseldorf -
-Montjoie
•J.6U
Mk.
6.20 Mk.
Neuß
2.40
))
4.80
M.- Gladbach
)»
2.05
V
4.10
Rheydt
1.95
3.90
Aachen Hbf.-
-.90
„
1.80
»1
Die Crefelder Reisenden müssen sich bis und ab M.-Glad-
bach Fahrkarten zum normalen Preise lösen. Zur Er¬
leichterung der Abfertigung werden bei der Fahrkarten-Aus¬
gabe Crefeld auch die von der Anschlußstation M.-Gladbach
geltenden Sonderzugkarten zum Verkauf bereit gehalten
werden. In den Tageszeitungen wird rechtzeitig das Ver¬
kehren der Sonderzüge bekannt gemacht werden.
Die Schnellbahn Köln—Düsseldorf.
Das Abkommen der Stadt Köln mit den beiden Elektrizitäts-
Armen A. E. G. und Siemens-Schuckertwerke wegen Errichtung
einer elektrischen Schnellbahn zwischen Köln und
INr.I3
Düsseldorf ist nunmehr abgeschlossen. Nachdem auch
die Kölner Stadtverordnetenversammlung das Abkommen ge¬
nehmigt hat, wird es sich zunächst darum handeln, Klarheit
darüber zu schaffen, ob die Stadt Düsseldorf jetzt bereit
sein wird, sich zu verständigen. — Ueber das Projekt
werden weitere Einzelheiten bekannt. Die Linienführung
ist linksrheinisch festgesetzt. Bei Neuss wird eine neue Rhein¬
brücke gebaut. Die Baukosten sind auf 24 Millionen veran¬
schlagt, wovon die Hälfte in Aktien und die Hälfte in Schuld¬
verschreibungen ausgegeben werden soll. Der Sitz der Verwaltung
wird Köln sein. Die Bahn wird als Hochbahn geplant, um
eine möglichst grosse Schnelligkeit zu erzielen. Deshalb wird
auch auf jede Haltestelle verzichtet. Ein Zwanzigminuten¬
verkehr ist vorgesehen. Zunächst soll die Bahn ausschliess¬
lich dem Personenverkehr dienen, voraussichtlich aber
später auch der Güterbeförderung. Die Bauzeit ist auf zwei
Jahre festgesetzt. Die neue Bahn soll eine enge Verbindung
mit der elektrischen Rheinuferbahn haben, so dass also der
elektrische Bahnverkehr von Bonn ununterbrochen nach
Düsseldorf durchgeführt wird.
Aus dem Eisenbahnministerium. Der Präsident des
Eisenbahnzentralamts, Wirkl. Geh. Oberregierungsrat Hoff, ist
zum Ministerialdirektor im preussischen Ministerium der öffent¬
lichen Arbeiten ernannt worden. Er tritt dort an die Stelle des jüngst
verstorbenen Ministerialdirektors Tessmer. Hoff begann seine
amtliche Tätigkeit 1871 bei der Kgl. Verwaltung der Bergisch-
Märkischen Eisenbahn und wurde am i. Juni 1882 in das
Ministerium der öffentlichen Arbeiten berufen und hier bei
Gelegenheit der Neuordnung der Staatsbahnverwaltung (1895)
zum Eisenbahndirektor ernannt. Ende April 1897 wurde Hoff
zum Geh. Regierungs- und Vortragenden Rat und drei Jahre
später zum Geh. Oberregierungsrat befördert. Endo 1906
betraute ihn Minister v. Breitenbach mit den Vorbereitungen
zur Einrichtung des Eisenbahnzentralamts, an dessen Spitze
Hoff denn auch im folgenden Jahre gestellt wurde.
XachtsclmellzngYerbindnng Berlin-Dresdeh-Wien
iZug 1> 19«/»)
mit durchlaufenden Wagen 1.—3. Kl. J „ t -rrr*
und Schlafwagen 1. und 2. Kl. / -Wien
(Mitge teilt von der Kgl. Gen.-Dir. der sächs. Staatseisenbälinen.)
Ab Christiania .... 5^5 ab Dresden-Nenst. -. . lO^o
„ Stockholm .... 8*2 an Dresden Hbf. ... lOf«
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an Berlin Stettiner Bf. 6S4 an Dresden Hbf. ... 10g
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Die Reisedauer beträgt von Berlin Anhalter Bahnhof
nach Wien Nordwestbahnhof rund 12 Stunden
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Skizze zu nebenstehendem Fahrplan nach den württembergischen Wintersportplätzen
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Die besten Zugverbindungen nach den württembergischen Wintersportplätzen
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Von Cöln, Frankfart und Mannheim«
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* Berlin—Neapel-Expreß ab 4. Dezbr. Montags u. Donnerstags.
i ltJw.fi -ll ul.!
Zu£:verbinduns:en nach dem Harzer Wintersportplatz
st. Andreasbergf.
•^1
(Zusammengestellt von der Königlichen Eisenbahn direktion Cassel.) g
I.
Ab Frankfurt (Main) IDs
- , -
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Weiter wiehe Nr. 4.
Ä. Ab Berlin Anh. Bhf.
„ Dresden Hbf.
„ Leipzig ....
„ Halle (Saale)
„ Sangerhausen .
„ Erfurt ....
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ab Erfurt.
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— 1246
838 1227
1236
266;
Weiter siehe Nr. 4.
3. Ab Berlin Potsd. Bhf.
„ Friedr. Bhf.
„ Potsdam . . .
„ Magdeburg . .
„ Sangerhausen .
an Xordhausen
ab Berlin ....
8i8i -
_ I ,
816! -;
1 - I - ; - 122o;
_| _ - 1162:
-12671
Weiter siehe Nr. 4.
4. Ab Wordliausen ... 6i9 Bn 921
„ Scharzfeld.!j 036^ 920 jii 47
an St« Andreasberg || 737|l02o|i247
11 *
242
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Ab Frankfurt (Main)
1118
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668
862
„ Gießen.
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—
—
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„ Marburg.
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—
—
744
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„ Cassel.
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—
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„ Münden (Hann.) . . .
3 IÖ
711
—
1122
160
„ Göttingen.
487
769
—
1249
268
an üortiieim ....
605
817
— '
116
816
Weiter siehe 1
Sr. 7.
230
460
620
801
— 826,1(>4ö; 146
■ 800 ; 814
- 11026 1216
11 no' 1
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243i 6131 8^
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— ^ . _ _ .lOü
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1012
— , 102
— 312
— ; 402
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-, 711
—; 840
— 907
0« Ab Hamburg
„ Bremen . . .
„ Hannover
„ Hildesheim
an IVortheim
Ab Xortheim . .
„ Scharzfeld .
an St« Andreasberg
Ab Berlin Potsd. Bhf. lOiö
„ Potsdam.illOso
„ Magdeburg.IjlSio
„ Braimschweig ...
An Seesen .
240! _
Weiter siehe Nr.
9 Ab Bambnrg
„ Bremen . . .
„ Hannover . .
„ Hildesheim .
au Seesen . .
ab Hildesheim
10 «
Ab COln Hbf.
„ Düsseldorf
„ Elberfeld .
„ Essen . . .
„ Paderbcuji
„ Holzniindeii
an Seesen
Weiter siehe Nr. 11.
11« Ab Seesen.
„ Herzberg.
„ Scharzfeld.
an St. Andreasberg
737
—
_
717
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_
—
—
807
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—
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—
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—
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1160
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—
Nr. 7 .
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Auslegung des Reichskursbuches indenSpeise-
wagen. Nach den Übereinstimmenden Berichten der mit der
Geschäftsführung der Speisewagenbetriebe betrauten preussischen
Eisenbahndirektionen hat sich die Auslegung des Reichskurs¬
buches in den Speisewagen zur Unterrichtung der Reisenden
gut bewährt. Die Einrichtung ist nach einem neuerlichen Erlass
des preussischen Eisenbahnministers daher beizubehalten. Der
Erlass empfiehlt, das Kursbuch entweder an sichtlicher Stelle
offen auszulegen oder durch einen Aushang im Speisewagen
bekanntzumachen, wo es einzusehen ist.
Die Kgl, Eisenbahndirektion Magdeburg teilt folgendes mit:
Bei günstiger Witterung werden zu den Wintersport-
SonderzOge
ZU ermäßigten Fahrpreisen gefahren werden.
A. Berlin-Macdebar«—^551^
Hinfahrt am 20., 27. Januar, 3. und 17. Februar 1912
Rückfahrt am 21., 28. Januar. 4. und 18. Februar 1912
440 nachm, ab 9 Berlin Potsd. Bf.
an
1219 vorm.
606
„ Potsdam
M
1199 nachm.
641
n
„ ! BrandenburgStb.
n
in*
70*
»
„ j Magdeburg
»
1«®! „
81 *
„ Halberstaat
ab
912
845
n
an Wernigerode
M
8*9 „
1000
„ ' Schierke
710
1058
y Braunlage
k
>*
6««
B« Jüagdebnrg:-
Braunlag^e
Schierke
Hin- u. Rückfahrt am 21. u. 28. Januar, 4. u. 18. Februar 1912
730 vorm, ab Magdeburg Hbf. A an 936 nachm.
800 „ „ , Oschersleben (Bode) 1 „ 86 S „
8^3 „ „ i Halberstadt ,, 83i
9*0 ,, an Wernigerode Stb. ab 7öo
1040 Schierke „ 633
11*3 „ „ Braunlage ^ „ 437* „
* über Tanne—Halberstadt
ۥ Altona^Schierke
Hinfahrt am 20. Januar, 3. und 17. Februar 1912
Rückfahrt
am
21.
Januar, 4. und 18.
Februar 1912.
134 nachm.
ab
W
Altona A
an
12*1
vorm.
206
„
V
Hamburg Hbf.
11
1200
nachm
924
11
Harburg H.
11
1142
235
M
'1
Lüneburg
71
1107
329
11
Uelzen
11
1033
11
415
V
11
Celle
946
n
51 «
V
11
Hildesheim Hbf.
11
845
616
an
Goslar
ab
7^
636
17
Heudeber-D.
11
7^0
718
11
Wernigerode Stb.,
11
645
„
825
»»
>1
Y
Schierke
11
620
11
B. Hannover—8clilerke
a) Hinfahrt am 20 . Januar und 3. Februar 1912
Rückfahrt am 21 . Januar und 4. Februar 1912
220 nachm, ab
^ Hannover A
au
11 so naolim.
300
1 Hildesbeim Hbf.
1 «
llü
404
Vf vv
. Goslar
ab
1 (| 2 S
616
11 an
Wernigerode Stb. 1
ti
9 ]i „
640
11 71
Y Schierke j|i
11
725 „
b) Hin- und Rückfahrt am 21. Januar, 4. und 18. Februar 1912
ßoo vorm, ab f Hannover A an 11^ nachm.
640 I Hildesheim „ lli* ,,
739 „ „ 1 Groslar „ 10**
814 an j Wernigerode Stb. 1 ab 9Ü „
V « Schierke l|l „ 735
JE. Hannover—Brannlag^e
a) Hinfahrt am 27. Januar, Rückfahrt am 28. Januar 1912
2*0 nachm, ab
Hannover
an 1234 vorm.
245
1 »
n
Nordstemmen
„
831
11
7?
Kreiensen
„ 1131 nachm.
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„ 1039
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1»
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ab 1012
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Braunlage
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Hin-
und
Rückfahrt am 28. .Januar und 18. Februar 1912
550 vorm, ab
W
Hannover
A
an 12 M vorm.
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Nordstemmen
„ 121 ®
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, 11*1 nachm.
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„ 105 » „
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Walkenried
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Braunlage
ä
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F. n.U.
a) über Aschersleben
Hinfahrt am 17. Februar 1912, Rückfahrt am 18. Februar 1912
Ip Halle (Saale) A an IOI 6 nachm.
Aschersleben „ 9il „
Halberstadt „ 8*6 „
Wernigerodes tb. ab 730 „
Schierke „ 633
_ Y Braunlage ^ 437* „
* über Tanne—Blankenburg mit fahrplanmäßigen Zügen.
b) über Sang^erhansen
Hinfahrt am 27. Januar 1912, Rückfahrt am 28. Januar 1912
an 11^ nachm.
,, 1152 „
„ 1122 ,,
,, 1036 „
„ lOl» „
ab 940 „
603 nachm, ab
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1 Halle (Saale) A
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VV
Oberröblingen
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Eidleben
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520
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Nord hausen
643
77
an
Walkenried
709
VV
>1
r Braunlage ^
Außerdem sind Sonderzüge für die Strecken Hannover
—Clausthal-Zellerfeld, Hannover—St. Andreasberg und Halle
(Saale)—St. Andreasberg in Aussicht genommen. Die Ver¬
kehrstage dieser Züge werden rechtzeitig bekannt gegeben
werden.
Die von Berlin abfahrenden Sonderzüge führen die fl.
und III., die übrigen Sonderzüge nur die III. Wagenklasse.
Schiffahrt.
Auf der Sassnitz-Trelleborger Linie tritt in
kurzem die drahtlose Telegraphie in Kraft, die für den
Reiseverkehr und die geschäftlichen Verbindungen zwischen
Deutschland und Schweden einen Fortschritt bedeutet. Sassnitz
und Trelleborg, sowie die zwischen ihnen verkehrenden Dampf¬
fähren erhalten Punkenstationen. Die Sassnitzer Station steht
fertig, die Trelleborger soll am 15. Januar 1912 eingeweiht werden.
DieDeutscheLevante-LinieinHamburg hat sich
in Berücksichtigrung der gegenwärtigen politischen Verhältnisse
in ihrem Wirkungsbereich veranlasst gesehen, eine geeignete
Kraft zur Vertretung ihrer Interessen zu suchen. Wie gemeldet
wird, ist es nunmehr der genannten Reederei gelungen, den bis¬
herigen Vortragenden Rat, Wirklichen Legationsrat Dr. von
Jacobs, Referenten für Deutsch-Südwestafrika im Reichs¬
kolonialamt, der als Rechtsanwalt in Hamburg und nach seinem
1898 erfolgten Eintritt in das Auswärtige Amt mehrere Jahre
bei verschiedenen deutschen Konsulaten im europäischen Orient
tätig gewesen ist, für die Stellung eines Direktors zu gewinnen.
Der Stapellauf des Rheindampfers „Kaiser
Wilhelm II“. Im Frühjahr 191X wurde der Filialwerft
der Gebrüder Sachsenbe^g, Aktiengesellschaft zu Köln - Deutz,
ein neuer Schnelldampfer von der nunmehr 75 Jahre be¬
stehenden Dampfs chiffahrts-Gesellschaft für den
Nieder- und Mittelrhein in Düsseldorf in Auftrag ge¬
geben und am 15. Dezember vom Stapel gelassen. Es ist dies
das achte Dampfboot, das die Werft für die genannte Gesell¬
schaft erbaut hat. Der Dampfer, ein erstklassiges Salon-Räder¬
boot, ist aus bestem Material hergestellt und hat folgende
Abmessungen: Länge zwischen den Steven 80 m, Breite auf
Spanten 8,50 m, Seitenhöhe 2,90 m, Tiefgang 1,18 m. Das Schiff
besitzt vier Wasserröhrenkessel, System Dürr, mit Einrichtung
für Dampfüberhitzung. Die Maschine entwickelt 1250 Pferdekräfte.
Das Schiff, das für die Expressfahrten bestimmt ist, wurde
für die Fahrgäste aufs bequemste und geschmackvollste in
vornehmer Ausstattung, allen Anforderungen der Neuzeit ent¬
sprechend, eingerichtet und bildet so eine Zierde der Flotte
der Dampfschiffahrts-Gesellschaft für den Nieder- und Mittel¬
rhein bezw. der verbundenen Köln-Düsseldorfer Gesellschaften.
Der Kaiser hatte der Gesellschaft gestattet, dem neuen Schiffe
seinen Namen zu geben.
Vergnügungsfahrt des D op pel schrau ben'
dampfers „Schleswig“. Einen fortwährenden prächtigen
Szenerienwechsel bietet die Kaukasusfahrt, die der Doppel¬
schraubendampfer „Schleswig“ des Norddeuts eben Lloyd am
28. April 1912 von Genua aus unternimmt. Die schönsten
Küstenfahrten an der italienischen und griechischen Küste ent¬
lang, durch die Strasse von Messina und den Bosporüs, den
Besuch berühmter klassischer Stätten wie Athen und Karthago,
und landschaftlich schöner und ethnologisch interessanter Punkte,
wie Tunis und Konstantinopel, weite Ausflüge in die gross¬
artige Gebirgswelt des Kaukasus, das alles schliesst diese Ver¬
gnügungsreise in sich ein. Eine besondere Anziehungskraft
656 BB os QQOQQaeaaeeoo Q e G ooQQQOQCMffl DEUTSCHLAND iBeeeeeeeeeeeeeee eooe iE KXKXM i Nr.i3
ttbt die Fahrt dadurch aus, dass sie Gelegenheit bietet, auf die
bequemste Weise in Gegenden einzudringen, die bis vor kurzer
Zeit noch dem Strom der Vergnügungsreisenden verschlossen
waren.
Luftschiffahrt.
Ein neuer Flugweltrekord. Einen Flugweltrekord
der Distanz erzielte der Aviatiker Gobe, der am 24. Dezember im
Aerodrom von Pau ohne Zwischenlandung einen Flug von
740255 Metern in 8 Stunden 16 Minuten zurücklegte. Gobe be¬
warb sich um den am 21. Dezember ausgeschriebenen Strecken¬
preis des französischen Aeroklubs.
Wintersportliche Veranstaltungen.
Die Bobsleighbahn des Bobsleighklubs Schwarz¬
wald auf dem Sternberg bei Triberg ist noch vor Weih¬
nachten fertiggestellt und durch ein Eröffnungsrennen in Betrieb
genommen worden. An der bekannten Hofwaldrodelbahn
hat die städtische Kurverwaltung einen unmittelbar nebenher¬
laufenden, durch das Grossh. Forstamt Triberg prächtig an¬
gelegten Aufgangsweg erbauen lassen, von dem man eine gute
Uebersicht über die Rodelbahn hat. Die Rodelbahn selbst ist
mit zahlreichen künstlichen KurvenUberhöhungen ausgestattet
worden.
Titisee im Winter. Wer Titisee im Sommer zu seinem
Aufenthalt gewählt hat, wiid beim Anblick des reizend gelege¬
nen Sees und seiner alpinen Umgebung sofort erkannt haben,
dass hier die Natur für die
Entwickelung des Wintersports
einen günstigen Boden ge¬
schaffen hat. In der Tat hat
Titisee nicht nur als Sommer,
sondern auch als Winterkurort,
wie auch als Ausgangspunkt
zahlreicher AusOüge eine grosse
Bedeutung und einen stets
wachsenden Erfolg gehabt. Das
Terrain eignet sich zur Aus¬
übung jeglicher Art von Winter¬
sport. Der Skifahrer kann sich
wohl kein schöneres Feld für
seinen Sport wünschen, als die
wechselvollen, bald sanft an¬
steigenden, bald steileren Ab¬
hänge der Umgebung Titisees,
in Höhen von 900 bis zu 1500 m.
Die ausgedehnte, unabsehbare
Hochebene, wie sie gerade dem
Schwarzwald eigen ist, dürfte
an die von norwegischen Ski¬
fahrern durchstreiften unermess¬
lichen Schneefelder erinnern.
Von den Hängen führt in un¬
mittelbarer Nähe des Ortes eine herrliche, gefahrlose, in bestem
Zustande erhaltene Rodelbahn in einer Ausdehnung von 2 km
Länge zu Tal. Welch ein Genuss bietet es, auf der spiegel¬
glatten Eisfläche des Titisees, inmitten einer bezaubernd schönen
Winterlandschaft, auf blinkenden Schlittschuhen dahinzu -
schweben. Die besonders angelegte Schlittschuhbahn in direkter
Nähe der Hotels bietet dem Kunstläufer reichlich Gelegenheit,
seine Geschicklichkeit zu erproben. Aelteren Personen, wie
überhaupt jedem Naturfreund, dürften die wundervollen Schlitten¬
partien in Titisees schöner und abwechslungsreicher Umgebung
empfohlen sein, wie nach dem nahgelegenen Feldberg, Schluch¬
see, St. Blasien, Todtmoss, Saig, Lenzkirch, Kappeln, Neustadt,
Breitenau, Turner und St. Märgen. Ferner durch das roman¬
tische Höllental Uber Hirschsprung nach Freiburg i. B.
Das Sporthotel in Oberwiesenthal. Das nach den
Plänen der Herren Architekt Professor Baschandt, Diplom¬
ingenieur Böhm (Essen) und Architekt Burkhardt (Leipzig)
von Baumeister Götze (Annaberg) ausgeführte Sporthotel in
Oberwiesenthal ist Ende Dezember eröffnet worden. Seine
Leitung wurde in der Person des Hoteldirektors Dippe aus
Heidelberg einem Fachmann von gutem Ruf übertragen. Die
Fremdenzimmer, gegen 80 an Zahl, sind mit Zentralheizung,
Doppelfenstern, elektrischer Beleuchtung, fliessendem warmem
und l^altem Wasser und sonstigen zeitgemässen Einrichtungen,
wie Bädern usw., ausgestattet. Vorzügliche elektrisch betriebene
Entlüftungs- und Entstaubungsanlagen befinden sich im ganzen
Hause. Zwei breite, feuersichere Treppen, ausser der Servier¬
treppe, und ein elektrisch betriebener Personenaufzug führen
nach allen Stockwerken, und grosse, schöne Hallen mit an¬
Die jetzt allenthalben eingetretene
kältere Witterung und der reichliche
Schneefall haben in allen deutschen
Gebirgen ein günstiges Gelände für
den Wintersport geschaffen.
Als zuverlässige Führer durch die
deutschen Wintersport gebiete können
die drei Wintersporinummern der
Zeitschrift „Deutschland*^ (Nr. 11,
12 u. 13) bestens empfohlen werden.
Preis der einzelnen Nummer 40Pfg.
schliessenden Lese-, Schreib-, Spiel- und Musiksatons bieten
den Gästen Gelegenheit zu angenehmer GeseUigkeit. Van
allen Gesellschaftsräümen aus bieten sich prächtige. Aus¬
blicke, einerseits auf das am Hotel auslaufende Winter¬
sportgelände, anderseits auf die Stadt mit Umgebung, dem
Fichtel- und Keilberg. Das Sporthotel ist ferner unter beson¬
derer Berücksichtigung des Wintersportverkehrs ausgestattet
worden. Es ist eine vorzügliche, moderne Trockenanlage für
Kleider vorhanden, auch fehlen Aufbewahrungsräume für Sld-,
Rodel- und sonstige Sportgeräte, sowie heizbare Stallungen
und Autogaragen nicht. Am 22. Dezember folgte ein Er¬
öffnungsfestmahl, an dem die Vertreter der Bezirks- und
sonstigen Behörden des Erzgebirges, der Städte Ober- und
Unterwiesenthal und benachbarter Orte, des Erzgebirgsveri^s,
des Skiklubs Leipzig, der in der Nähe sein Winterheim hat,
teilnahmen. ln zahlreichen Reden wurde das frohe Ereigi^
der Eröffnung einer erstklassigen Unterkunft gefeiert und dos
Königs Friedrich August, des fieissigen Bergsteigers und
Touristen, gedacht, der mit königl. Prinzen und Prinzessinnen
im Sommer und Winter schon Oberwiesenthal und die benach¬
barten Berge besucht und an den Naturschönheiten und der
vortrefflichen Gelegenheit zur Ausübung des Wintersports sich
erfreut hat. Aus Liebe zu unseren Bergen haben Vereine und
Einzelpersonen bisher schon für den Aufschluss unseres Enr-
gebirges gesorgt. Nachdem nunmehr aus denselben Beweg^-
grUnden durch die Sporthotelgesellschaft unter grossen Opfern
für Schaffung einer Unterkunftsstätte, wie sie in weiter Una-
gebung nicht ihresgleichen hat, eingetreten worden ist, steht eine
weitere wirtschaftliche Hebung des reizenden Höhenluftkurortee
Oberwiesenthal und des gesamten Erzgebirges sicher bevor.
Preis des Kultus--
ministeriums für die
Eishock eym ei st er Schaft.
Das preuss. Kultusministeriüm
hat für die deutsche Eishockey¬
meisterschaft (kanadisches Spiel
mit der Scheibe), deren Durch¬
führung dem Eis lauf bezirk
Berlin für Ende Januar über¬
tragen ist, einen wertvollen
Ehrenpreis gestiftet. Konkurrenz¬
berechtigt sind alle deutschen
Eishockeyvereine. Der Melde¬
schluss wird noch bekannt ge¬
geben. Als ernsthafte Bewerber
für den deutschen Meistertitel
kommen Leipziger Sportklub,
Dresdener akademischer Sport¬
klub, Deutscher Hockeyklub
Hannover und die Berliner
Vereine, Berliner Schlittschuh-,
klub, Preussen und der Sport¬
klub Charlottenburg in Betracht.
Winter im bayerischen
H o ch 1 a n d. Die Amtliche Aus¬
kunftstelle der Königlich Baye¬
rischen Staatseisenbahnen im Internationalen öffentlichen Ver¬
kehrsbureau in Berlin, Unter den Linden 14, teilt uns mit: Die
Münchener Skiwettläufe, die zu den hervorragendsten sportlichep
Ereignissen im bayerischen Hochland zählen, finden am 20. und
21. Januar ds. Js. am Sudelfeld bei Bayrischzell statt, einem
für den Skilauf vorzüglich geeigneten Gelände. Sie umfassen
Junioren-, Senioren-, Damen-, Hindernis- und Sprungläufe. Zu
den Veranstaltungen werden durch das Amtliche Bayerische
Reisebureau München für die Hin- und Rückfahrt SonderzOge
zur Abfertigung gelangen.
Besondere Eisenbahnwagen für den Winter¬
sportverkehr. Nach den Bestimmungen des Deutscheu
Eisenbahn-Personen- und Gepäcktarifs können Schneeschuhe
und Rodelschlitten als Handgepäck in die Personenwagen mit¬
genommen werden, wenn eine Belästigung der Reisenden und
eine Beschmutzung der Wagensitze ausgeschlossen ist. Von
diesem Recht wurde natürlich seitens der Wintersportler aus¬
giebig Gebrauch gemacht, so dass sich doch das mitreisendo,
nicht sporttreibende Publikum oft durch die Sportgeräte belästigt
fühlte. Um beiden Arten Reisenden entgegenzukommen, ssh
sich die Verwaltung der Kgl. Sächsischen Staatseisenbahnen
gezwungen, besonders eingerichtete Wintersportwagen zu baubn,
zumal der Wintersport innerhalb ihres Gebietes, im Erzgebirge
und im Zittauer Gebirge, einen ganz gewaltigen Aufschwung
genommen hatte. Die neuen Wagen, von denen ein Modell in
Nr. I, II. Jahrg., der Zeitschrift „Deutschland** veröffentlicht
wurde, unterscheiden sich von den gewöhnlichen vorzugsweise da¬
durch, dass an den Aussenseiten Schneeschuhbehälter angcbrac)^
Nr. 13 BaQQooQQQOoaa a aaGQaoQQOQQora i DEUTSCHLAND i Beeeeeeeeeee e eeeeeeeeeeee eeffli 057
worden sind. Ausserdem sind die Bänke derart in die Wagen
eingebaut, dass ein Rodelschlitten unter dem Sitze Platz finden
kann. Nach Mitteilungen der Kgl. Generaldirektion der Sächsi¬
schen Staatseisenbahnen ist eine Anzahl dieser Wintersport¬
wagen schon vor Weihnachten in den Dienst gestellt worden,
und zwar auf den Strecken Hainsberg-Kipsdorf, Mügeln bei
Pima-Geising-Altenberg, Grünstädtel-Oberrittersg^n, Cranzahl-
Oberwiesenthal und Zittau-Oybin.
Johann ge orgensta dt. Seit dem a. Weihnachtsfeiertage
herrscht auch in unserer Stadt ein sehr starker Verkehr von
Wintersportlern und Touristen,
so dass die Hotels und Privat-
log^s voll besetzt waren und noch
sind. Vom 27. Dezember 1911 bis
z. Januar igia hielt der hiesige
Wintersport-Verein seinen all¬
jährlichen Skikursus mit 80
Teilnehmern ab, während vom
z. bis 6. Januar der Skikursus
des Akademischen Sportklubs
Leipzig mit zoo Teilnehmern und
vom a. bis 6. Januar der Ski¬
kursus der Königlichen Bezirks¬
schulinspektion Schwarzenberg
für die Lehrer aus ihrem Bezirke
mit 45 Teilnehmern stattfand.
Sämtliche Kurse waren trotz
des manchmal nicht günstigen
Wetters doch ausserordentlich
gut besucht. Unter den Teil¬
nehmern am ersten Kursus be¬
fanden sich auch Volksschüler
und -Schülerinnen aus Dresden
unter Führung des Herrn Lehrers
Artur Viehweg (Vorsitzender des Zentralausschusses für Ferien¬
wanderungen der Volksschuljugend), sowie Feldwebel und Unter¬
offiziere des zo. K. S. Infanterie-Regiments Nr. Z34 aus Plauen.
Die Schüler und das Militär fanden freundliche Aufnahme in
hiesigen Bürgerquartieren. — Aus allen Veranstaltungen hat
man zur Genüge erkannt, dass der den Körper stärkende und
erfrischende Wintersport immer mehr Aufnahme in den weitesten
Kreisen der Bevölkerung gefunden hat. Selbst aus weiter
Ferne hatten sich Teilnehmer zum ersten Male in unserer
Stadt eingefunden.
Theater, festliche und sportliche
Veranstaltungen, Kongresse etc.
Rheinischer Goethe-Verein für Festspiele in
Düsseldorf. In der Hauptversammlung wurde durch den
Vorsitzenden, Oberpräsident Freiherrn von Rheinbaben, mit¬
geteilt, dass der Vorstand der Versammlung vorschlage, auf
den geschlossenen Shakespeare-Zyklus eine geschlossene Dar¬
stellung Schillerscher Werke folgen zu lassen. Man habe auch
eine geschlossene Vorführung Hebbelscher Werke geplant,
aber geglaubt, damit dem Publikum eine zu schwere Kost zu¬
zumuten. Bei dem Shakespeare-Programm habe Ernst mit
Scherz abgewechselt, das sei bei einem Hebbel-Zyklus nicht
angängig. Ueberdies falle auf das Jahr 1913 der hundertjährige
Geburtstag Hebbels, und deshalb habe man die Vorführung
Hebbelscher mit einer Kombination anderer klassischer Werke
für das Jahr 19Z3 zurückgestellt. Zu der Darbietung Schiller¬
scher Stücke habe man anlässlich des zoojährigen Todestages
Kleists in diesem Jahre zwei Stücke dieses Dichters hinzu¬
genommen. Es sollen aufgefUhrt werden je dreimal: Schillers
„W a 11 e n s t e i n** an zwei aufeinanderfolgenden Abenden
(z. Abend: „Wall ensteins Lager** und „Die Piccolo¬
mini**; a. Abend: „Wallensteins To d**), ferner „Turandot**
von Schiller und „Der zerbrochene Krug** von Kleist
(zusammen an je einem Abend), „Diejungfrau von Orlean s**,
endlich ausser Abonnement einmal „Maria Stuart** von
Schiller, als Schülervorstellung und als Volks Vorstellung zwei¬
mal „Der Prinz von Homburg** von Kleist. Falls eine
Schülervorstellung sich nicht als ausreichend erweise, soll eine
zweite veranstaltet und das gleiche Stück gegeben werden. Die
Versammlung stimmte diesem Programm anerkennend zu, was
der Herr Vorsitzende dankend konstatierte. Als Spielzeit
sind die Tage von Samstag, den 22. Juni, bis eventl. Freitag,
den za. Juli zgza, in Aussicht genommen.
Rheinischer Städtetag. Der am 30. Dezember zgn
in Köln imter dem Vorsitze des Oberbürgermeisters Wallraf
versammelte Vorstand des Rheinischen Städtetages wählte zum
stellvertretenden Vorsitzenden den Oberbürgermeister v. Bruch¬
hausen (Trier) und zum Mitglied des Vorstandes den Bürger¬
meister Schroeter (Bergisch-Gladbach). Als Ort der diesjährigen
voraussichtlich im Monat Juni stattfindenden Tagung des
Rheinischen Städtetages wurde Saarbrücken gewählt.
vj. Deutsches Bundes- und Jubiläumsschiessen
in Frankfurt a. M. Wie das Komitee für des vj, deutsche
Bundes- und Jubiläumsschiessen mitteilt, hat Prinz Heinrich
von Preussen das Protektorat übernommen. Das Schiessen
findet vom Z4.—az. Juli statt.
Bei der grossen Antwerpener Festfeier aus Anlass
des 25 jährigen Bestehens des Norddeutschen Lloyd
daselbst, der vor 25 Jahren An t-
werpen zum Anlauf hafen seiner
Reichspostdampfer bestimmte,
redete der belgischeMinister-
präsident in längerer Rede
auf den Norddeutschen Lloyd
und den deutschen General¬
konsul V. Bary, dessen Ver¬
dienste um die Hebung des Ant¬
werpener Schiffsverkehrs und
um die Schaffung günstiger
Exportgelegenheiten für Handel
und Industrie er mit lebhafter
Anerkennung hervorhob.
Der 33. Balneologen-
Kongress, der vom 7. bis
zz. März zgza in Berlin tagt, wird
an seinem ersten Sitzungstage
die physikalische und diätetische
Behandlung der Herz- und Ge-
fässkrankheiten zum Gegenstand
seiner Besprechung machen.
Ueber die Bäderbehandlung der
genannten Krankheiten wird
referieren Professor G r o e d e 1 (Nauheim), über die Klimato-
therapie Professor Determann (St. Blasien), über die physi¬
kalische Behandlung Geheimrat Brieger (Berlin) und über die
Diät Professor H. Strauss (Berlin).
9.—Z3. April 191a: In Giessen Kongress für Familienforschung,
Vererbungslehre und Rassenhygiene.
Juni Z9Z2: In Frankfurt a. M. 5. Kongress der Vereine
deutscher Handelsagenten.
Bäder und Sommerfrischen.
40. Schlesischer Bädertag.
Unter zahlreicher Beteiligung fand in Breslau der
Schlesische Bädertag statt. Ueber Beseitigung des Staubes
sprach .Sanitätsrat Dr. Siebelt (Bad Flinsberg). Redner führte
u. a. aus: Die Quelle des Staubes sei die Strasse mit ihrem
Verkehr, von ihr stamme auch der Hauptteil des Wohnungs¬
staubes. Die alten und neuen Verfahren der Staubbeseitigung
auf der Strasse, wie Wasserbesprengung, Oelung, Teerung,
Behandlung mit Apokonin, wurden kritisch beleuchtet. Letztere
scheine in Verbindung mit Verwendung von gutem Pflasterungs¬
material vorläufig das beste zu sein, was geboten würde. Der
Staub in den Wohnungen würde durch das bisher übliche
Klopfen, Bürsten und Wischen zum grössten Teile nur zu
einer Ortsveränderung gezwungen, nicht aber entfernt. Die
Entstaubungsverfahren, die mit Pressluft arbeiten, wurden be¬
sprochen und empfohlen, zumal sie durch geräuschlosen
Betrieb auch dem Ruhebedürfnis Rechnung trügen. Dann
sprach Dr. phil. Wagner (Bad Salzbrunn) über Quellen¬
beobachtungen. Beiträge zu den Grundlagen moderner
Quellfassungen gab der durch seine Fassungsarbeiten in
Ems, Fachingen, Bad Salzbrunn und anderen Orten bekannte
Ingenieur Scher rer. Einen sehr zeitgemässen Gegenstand
behandelte dann Sanitätsrat Dr. Sieb eit (Bad Flinsberg) in
einer wirtschaftlichen, kulturellen und hygienischen Betrachtung
über Wintersport und Winterkuren. Jeder Sport, auch
der Wintersport, biete einen Ausgleich gegen allerlei Schädigungen,
die das Leben des Tages in seiner heutigen überhasteten Form
mit sich bringe. Durch ihn würden die Tugenden gefördert,
für welche sonst die lange Friedenszeit wenig Gelegenheit zur
Uebung böte: Mut, Unerschrockenheit, Umsicht, Verachtung
von Gefahren. Wirtschaftlich sei er wertvoll, weil er in der
sonst stillen Zeit im Gebirge Verkehr und Geldumlauf schaffe.
Da aber in Sportdingen ebenso wie in vielen anderen Sachen
die Mode herrsche, sollten wir auch die Winterkuren nicht aus
den Augen verlieren und alle Bedingungen zu erfüllen suchen,
die uns Gäste zu längerem Aufenthalte zuführen könnten. Der
Sport könne leicht diesem Zwecke untertan gemacht und förder¬
lich gestaltet werden. Hierauf trat die Tagesordnung in praktisch¬
wichtige Fragen ein, von denen zunächst die Haftung des
Das Äbonnemeni
auf die Zeilschrifi „DEUTSCHLAND“
kann mii jeder Hammer begonnen and darch
die Post oder den Bacbhandel bezogen werden.
— Einzelne Frobenammern (mii zahlreichen
künstlerischen Jllaslralionen) werden gegen
Einsendang von 40 Pfennig in Brielmarken
darch den Verlag (Düsseldorf, Postfach 444)
portofrei versandt.
658 B DQQQOOOOQGQGOQoooG B QQOQQQQQ ffli DEUTSCHLAND ■ Beoeoooocoe e eoeeeoooeoooee i
Logierhausbesitxers und der Badeverwaltungen
fttr die durch Diebstahl und Feuer ihren Gästen
entstandenen Verluste sehr interessierte. Bürgermeister
Assessor a. D. Je gl in sky (Landeck) gab eine sehr ausführliche
rechtliche Beleuchtung dieser verwickelten Frage. Weiter folgte
eine Erörterung über Auskunftsdienst und Wohnungs¬
nachweis im Kurort durch Dr. Hermann (Landeck). Ueber
die Fortschritte der Bahnverbindungen der schlesischen
Bäder berichtete Dr. Lach mann (Landeck). Sehr bewährt
habe sich die Einführung alljährlicher Besprechungen zwischen
den Vertretern der Königlichen Eisenbahndirektion Breslau und
solchen der Badeorte.
Zur Nachahmung empfohlen! Aus dem Ostseebad
Binz geht uns zu den in Berliner und anderen Zeitungen
enthaltenen Meldungen: „Verschandelung des Ostsee¬
strandbildes*' folgende Erklärung zu: Trotzdem sich fast
alle grösseren Ostseebäder der hannoverschen Reklamefirma
gegenüber verpflichtet haben sollen, die Strandkorb-Re¬
klame einzurühren, hat die Badedirektion in Rücksicht auf die
unästhetische Wirkung auf jeden normal empfindenden Menschen
durch vorgenannten Reklameunfug, im Interesse der Gäste,
zugleich im Sinne des Heimatschutzes, die Einführung für
Seebad Binz strikte abgelehnt.
Verkehrs - Propaganda.
Auf den Hauptversammlungen des Bundes Deutscher
Verkehrs-Vereine, auf den Tagungen der Landesverbände
und Ortsvereine, in ihren Jahresberichten und in den Spalten der
Bundeszeitschrift „Deutschland“ wird dem Abschnitt Propa¬
ganda stets ein breiter Spielraum eingeräumt. Von dem
grossen Wert der Reklame ist man in diesen Kreisen ebenso
überzeugt, wie von der Tatsache, dass kaum auf einem anderen
Gebiete so viel Aufwendungen an Geld und Arbeit unsach-
gemäss verwendet werden, als auf dem Gebiet der Reklame.
Die Ursache ist sehr leicht zu ergründen. Die Entwicklung
der Verkehrs-Vereine liegt mit wenigen Ausnahmen in den letzten
lo bis 20 Jahren. Ihr Aufschwung geht Hand in Hand mit der
Entwicklung des Verkehrs- und Städtewesens, mit der Zunahme
des Volksvermögens und der damit zusammenhängenden
grösseren Neigung zum Wandern und Reisen. In einem Zeitalter
solch ungeahnter Entwicklung wurden die Verkehrs -Vereine
geboren. Es bestanden zwar schon lange städtische Ver¬
kehrs -Ausschüsse, deren Tätigkeit aber in erster Linie
der Verbesserung der Verkehrsverhältnisse galt, ein Arbeitsfeld,
das ausserdem von unseren Handelskammern sehr eingehend
bearbeitet wird. Eine eigentliche Werbetätigkeit zur Heran¬
ziehung des Fremdenverkehrs und die Benutzung von Reklame¬
mitteln, um auf die Sehenswürdigkeiten, Annehmlichkeiten und
landschaftlichen Schönheiten, kurz auf die besonderen Vor¬
züge einzelner Städte oder Gebiete hinzuweisen, war den
Verkehrs-Vereinen Vorbehalten. Sie haben sich dieser
Aufgabe mit grossem Eifer unterzogen und häufig mit unzu¬
länglichen Mitteln vieles erreicht. Ihr Verdienst ist um so
höher anzuschlagen, als ihnen eine von mancher Seite entgegon-
gestellte Verständnislosigkeit den Weg erschwerte; heute wird
allerdings die Bedeutung des Fremdenverkehrs in wirtschaftlicher
Hinsicht in höherem Masse gewürdigt.
Aber noch fast schneller wie die Entwicklung der Verkehrs-
Vereine hat sich die Reklame selber zu einem mächtigen
und unentbehrlichen Faktor entfaltet, dessen viel verzweigtes
Gebiet ein regelrechtes Sonderstudium erheischt. So ausser¬
ordentlich grossen Nutzen eine geschickt durchgeführte Reklame
dem öffentlichen Leben erweisen kann, so nachteilig kann sie bei
nicht sachgemässer Anwendung wirken. Je mehr aber die Reklame
an Ausdehnung gewinnt, desto schwerwiegender ist die Fraget
wie man am zweckmässigsten inseriert. Es ist deshalb nur allatl
beg^reiflich, dass grosse Unternehmungen, die eine umfang^reiche'
Reklame betreiben müssen, seien es nun geschäftliche oder
industrielle Unternehmungen, Stadt- oder Badeverwaltung^eOt
Verkehrs-Verein? usw. immer mehr dazu übergehen, besondere
Reklame-Abteilun ;en zu errichten oder sachverständige Berater
mit der Ausführung der Propaganda zu betrauen. Auch die.
Art der Reklame-Mittel und bei diesen verschiedenartigen Mitteln ‘
wiederum die äussere Form wird immer mannigfaltiger. Werfen
wir nur einen Blick in die Tageszeitungen und Zeitschrifteut
deren Anzeigenteil von den Ankündigungen vor etwa ao Jahren
gewaltig abweicht.
Hier wird uns eine Form der Anzeigen auffallen, die erst
in allerjüngster Zeit in stärkerem Masse Anwendung findet:
c .
4
5
das Sammelinserat.
Diese Art der Reklame eignet sich zwar nicht für alle Ankün¬
digungen, namentlich wird sie bei Geschäftsanzeigen kaum
durchführbai sein. Dagegen ist das Sammelinserat für die
Verkehrs-, Städte- und Bäder-Reklame von nicht au
unterschätzender Bedeutung, ja, man könnte wohl behaupten:
die beste Form des Inserats. Die Vorteile, die das Sammel¬
inserat bietet, bestehen zunächst in dem grossen wirtschaftlichen
Gewinn, der sich aus dem gemeinsamen Vorgehen ergibt,
indem sich die Unkosten auf verschiedene Schultern verteilen.
Vor allem wird aber eine Zersplitterung von Geld, Zeit
und Arbeit vermieden, die bisher stellenweise recht bedauer¬
liche Erscheinungen annahm, während gerade bei Empfehlunga-
anzeigen von Städten, Kur- und Badeorten sich die einzelnen In¬
teressentengruppen in durchaus wirksamer Weise ergänzen können,
wie manche Beispiele in der Zeitschrift „Deutschland“ recht
markant zeigen. So wird z. B. ein wirkungsvoller, allgemeiner
Kopf des Sammelinserates mit wuchtiger Schlagzeile vielfach
von den Stadtverwaltungen und Verkehrs-Vereinen gemeinsam
aufgestellt, während sich die sonstigen Interessenten, wie Kur¬
verwaltungen, Hoteliers, Verkehrsanstalten, Geschäfts- und
Gewerbetreibenden anschliessen und nach Massgabe des von
ihnen beanspruchten Raumes sich an den Gesamtunkosten der
Sammelanzeige beteiligen. Auf diese Weise wird ein in
der Wirkung entschieden wertvolleres Inserat
erzielt, obwohl der einzelne daran Beteiligte weniger Mittel auf¬
zuwenden hat. Empfiehlt sich namentlich eine solche Art’ der
Insertion für einzelne Orte zur Ankündigung in deutschen
Zeitungen und Zeitschriften, so dürften weiterhin für die
grösseren Verbände und eventl. auch geschlossen für daa
ganze Reich besonders Sammelinserate grossen Stfla
für das Ausland in Betracht kommen. Es ist deshalb au
begrüssen, dass der Bund Deutscher Ve r kehr s-Vereine
gegenwärtig bemüht ist, die Führung für eine solche wirkungs¬
volle Gesamtreklame im Ausland zu übernehmen und alle
hierbei in Betracht kommenden Kräfte zur Durchführung eines
grossen einheitlichen Planes zu sammeln. Jedenfalls bietet
sich hier dem Bund und den Bundesvereinen noch ein sehr
weites und dankbares Arbeitsfeld. Nach mancher Richtung wird
die Verkehrs-Propaganda neue Wege zu gehen haben, bei
der Bund und Bundeszeitschrift wertvolle Aufklärungsarbeit
leisten können. (Es dürfte sich empfehlen, wenn die inter¬
essierten Kreise sich jetzt schon mit dem Bund in Verbindung
setzen. D. Red.) ---r.
4
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Hoteltechnik und des feinen Restaurantwesens.
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659
Ausstellungen. Deutschland und das Ausland.
Die Frühjahrsausstellung Düsseldorfer Künstle r
des Vereins zur Veranstaltung von Kunstausstellungen ist für
die Zeit vom 3. März bis 14. April im städtischen Kunstpalast
am Kaiser-Wilhelm-Park festgesetzt.
Die Wintersport-Ausstellung Karlsruhe. Die
Ausstellung soll in erster Linie ein Bild von dem Stand der
einheimischen Wintersportindustrie geben, sodann neben der
Hebung des Absatzes der einheimischen Erzeugnisse auch an¬
regend und belehrend wirken. Was für die Ausstellung zu
leisten war, ist geschehen, und man darf erwarten, dass sie
während ihres zweimonatlichen Bestehens — EndeFebruar wird
sie ihre Tore schliessen — in vielen Beschauern Freude und
zugleich Sehnsucht nach der eigenen Ausübung des Winter¬
sports wachruft. Am vollkommensten ist bei dieser Aus¬
stellung der Ski vertreten. Ein Vergleich mit dem Ausland
führt zu der erfreulichen Tatsache, dass unsere einheimischen
Erzeugnisse mit den besten ausländischen Fabrikaten erfolgreich
konkurrieren können. Namentlich die kleineren Gewerbetreiben¬
den im Schwarzwald haben prächtige Hölzer angefertigt. Für
die Rodelsportfreunde sind von dem einfachsten Kinder¬
rodel bis zu dem mit allem Raffinement gearbeiteten Rodel
mit Lenk- und Bremsvorrichtung alle Systeme vertreten. Auch
der Bobsleigh ist vertreten. Der Schlittschuhsport kommt
in einer Sammlung der verschiedenartigsten Systeme vollständig
zur Geltung. Die Ausstellung enthält dann weiter Sportbe¬
kleidung, bei welcher die einfarbigen Stoffe stark in den
Vordergrund treten, Ausrüstungsgegenstände und Fussbekleidung.
Auch hier ist alles reichhaltig und übersichtlich. Um der Aus¬
stellung einen schönen ansprechenden Rahmen zu geben, wurden
auch Photographien von Wintersportplätzen, historisch
interessante Sportgeräte usw. zur Ausstellung zugezogen. Mit
zu den besten und interessantesten gehört die Kollektivaus¬
stellung des Ski- und Rodelklubs Triberg. Mit staunens¬
wertem Fleiss ist hier eine Sammlung von Geräten aus den
Anfängen des Skilaufs und Rodeins im Schwarzwald zusammen¬
getragen. Ferner haben Ausstellungsgegenstände beigesteuert
der Akad. Skiklub Karlsruhe und der Skiklub Schönwald.
Erwähnt man noch, dass die Wintersportliteratur der
letzten 15 Jahre fast lückenlos vertreten ist und der Landes¬
verband zur Hebung des Fremdenverkehrs zahlreiche Prospekte
von badischen Wintersportplätzen aufgelegt hat, so ist in kurzen
Umrissen ein Bild der Ausstellung gegeben. Der Veranstalterin,
dem Grossh. Landesgewerbeamt, dessen Bereitwilligkeit sogar
so weit geht, dass es einige norwegische Skier ankauft und
dieselben den bad. Gewerbetreibenden als Modell kostenlos zur
Verfügung stellt, kann man nicht genug für die Schaffung
dieser Sonderausstellung danken, die ihre Anziehungskraft nicht
verfehlen wird und dazu beitragen dürfte, den guten Ruf der
einheimischen Wintersportindustrie über die Grenzen unserer
Heimat hinauszutragen und zu verbreiten.
Januar 1912: In Danzig Neuere Gemälde, Studien und Radie¬
rungen von Professor Fritz A. Pfuhle, Arthur Bendrat und
Berthold Hellingrath.
Februar 1912: In D a n z i g Graphische Arbeiten moderner Künstler.
März 19x2: Hand Webereien, verbunden mit Vorführungen der
Technik.
3.—14. April 1912: In Berlin Aviatische Ausstellung, veranstaltet
vom Kaiserlichen Automobilklub, vom Kaiserlichen Aeroklub
und vom Verein Deutscher Motorfahrzeug-Industrieller.
9.— XI. Juni X912: In Harzburg Landwirtschaftliche Wander-
Ausstellung.
Juli 19x2: ln Düsseldorf Städtebau-Ausstellung im Kunstpalast.
1912: In Oberhausen Westdeutsche Gewerbe- und Industrie-
Ausstellung.
Der Sonderbund in Köln. Die Verhandlungen des
Sonderbundes westdeutscher Künstler und Kunstfreunde mit
der Stadt Köln wegen der Ueberlassung eines Ausstellungs¬
raums sind nunmehr zum Abschluss gelangt. Die Stadt Köln wird
eine grosse Ausste 11 ungshal 1 e (die frühere Halle der deut¬
schen Kultus-Abteilung in Brüssel) am Aachener Platz errichten
und sie für die Monate Juni bis Oktober 19x2 dem Sonderbund
überlassen, der darin eine grosse internationale Kunstausstellung
veranstalten wird und für die Ausstattung der Räume zu diesem
Zweck noch eine besondere städtische Beihilfe von 25000 Mk.
erhält.
Wettbewerb. Die Stadt Augsburg hat einen Wettbewerb
unter den in Deutschland ansässigen Architekten erlassen zur Er¬
langung von Entwürfen für einen Saal - und Konzerthallen¬
bau der Stadt Augsburg, dessen Bauwert auf Y2
I MUlion Mark geschätzt wird. Die Entwürfe sind bis zum
I. Mai 1912 einzureichen. Es sind drei Preise, zu 5000 Mk.,
3000 Mk. und (bei mehr als 10 Arbeiten) 2000 Mk. ausgesetzt.
Einzelne Entwürfe werden gegebenenfalls zu 1000 Mk. angekauft.
Deutsche Kurse für Ausländer in Berlin.
Das Böttinger-Studienhaus in Berlin, das Aus¬
ländem Gelegenheit geben will, deutsche Sprache und Kultur
kennen zu lernen, veranstaltet im Jahre 1912 sechs Kurse, je
einen achtwöchigen Kursus vom 8. Januar, 13. Mai und 2X. Oktober
ab und je einen vierwöchigen Ferienkursus vom ix. April bis
8. Mai, im Juli und August. In dem Kursus vom 8. Januar bis 2. März
werden Vorträge gehalten werden über Goethes und Schillers
Dramen, neuere deutsche Romantik, das moderne Deutschland
(wirtschaftsgescbichtlich und wirtschaftsgeographisch), deutsches
Leben und deutsche Einrichtunngen, philosophische Grundlagen
der neueren deutschen Literatur; ferner werden Uebungen im
Vortrage deutscher Dichtungen veranstaltet. In jedem Kursus
finden ausser Vortragszyklen aus dem Gebiete der deutschen
Literatur und Kultur reichliche Uebungen im mündlichen und
schriftlichen Gebrauch der deutschen Sprache in kleinen Ab¬
teilungen statt, und unter sachgemässer Führung lernen die
Ausländer die Hauptsehenswürdigkeiten Berlins und seiner Um¬
gebung, das öffentliche deutsche Leben und deutsche Gesellig¬
keit kennen. In den Ferienkursen im Juli und August werden
mit Rücksicht auf die zu erwartende Beteiligung aus Lehrer¬
kreisen auch pädagogische Themen behandelt werden. Ueber
den Besuch des Kursus wird eine Bescheinigung ausgestellt;
auch können sich die Teilnehmer auf Grund einer Prüfung ein
Zeugnis erwerben. Die Gebühren für einen achtwöebigen Kursus
betragen xxo Mk., die für einen vierwöchigen Ferienkursus 70 Mk.
Aufgenommen wird jeder Ausländer, ohne Unterschied des Ge¬
schlechts und Alters, wenn seine Schulbildung der Leitung die
Gewähr für einen erfolgreichen Besuch der Anstalt bietet. Als
Ausweispapiere gelten Schulzeugnisse und Pass oder eine andere
amtliche Legitimation. Alle Anfragen über Ausländer-Kurse
sind zu richten an das Bureau des Böttinger-Studienhauses,
Berlin NW 7, Universitätssir. 8. Von dort sind auch ausführliche
Programme und ein genauer Bericht über den ersten Kursus
(vom 16. Oktober bis 9. Dezember X911) unentgeltlich zu beziehen.
Die Anmeldungen zu den einzelnen Kursen sollten, wenn mög¬
lich, stets spätestens 14 Tage vor Beginn erfolgen, da die Teil-
nehmerzahl beschränkt ist. Die Ferienkurse werden nur bei
genügender TeUnehmcrzahl stattfinden. Das Kuratorium des
Böttinger-Studienhauses besteht u. a. aus Vertretern des preussi-
schen Kultusministeriums, dem derzeitigen Rektor der Universität
Berlin, Prof. Dr. Max Lenz, und den ordentlichen Professoren
der Berliner Universität Erich Schmidt, Hermann Diels, Alois
Brandl. Das Lehrpersonal besteht aus dem Direktor Prof. Dr.
Wilhelm Paszkowski, Dozenten der Universität und Oberlehrern
höherer Lehranstalten.
Der Verein für das Deutschtum im Ausland
und die deutschen Katholiken.
Der Verein für das Deutschtum im Ausland stösst bei seiner
Werbearbeit immer noch hier und da in katholischen Kreisen
auf ein gewisses Misstrauen, als Hesse er sich in seiner vater¬
ländischen Schutzarbeit am Auslandsdeutschtum von kirchlichen
und konfessionellen Unterschieden beeinflussen. Vor diesem
Misstrauen sollte ihn schon die Tatsache allein schützen, dass
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® DEUTSCHLAND
! Nr. 13
der grössere Teil seiner Hilfsmittel seit nunmehr 30 Jahren
deutschen Schulen und Kindergärten in Deutsch-Oesterreich, ins¬
besondere Böhmen, Mähren und Schlesien, sowie Südtirol zu¬
geflossen ist, von denen gewiss go Prozent und mehr katholisch
sind, und dass gerade auf seinem Südtiroler Arbeitsfelde
katholische deutsche Geistliche seine treuen Mitarbeiter, zum
Teil direkt seine Vertrauensmänner sind. Immerhin ist es im
Dienste einer ungehemmten Werbekraft dieser so überaus
segensreich wirkenden vaterländischen Vereinigung zu begrüssen,
dass in letzter Zeit die Tätigkeit des Vereins mehrfach auch
von führender katholischer Seite unumwunden Anerkennung
gefunden hat. So wurde der Verein bei seiner 30 jährigen
Jubelfeier in Coblenz in gleich warmer Weise vom evangelischen
Oberkirchenrat in Berlin wie von einem Vertreter des Bischofs
von Trier begrüsst. Eine ausdrückliche Betonung der paritäti¬
schen Stellung des Vereins und seiner freudigen Hilfsbereit¬
schaft auch gegenüber den deutschen Katholiken im Auslande
findet sich in dem Aufsatze: „Das katholische Deutschtum im
Ausland**, den der Vorsitzende des grossen Caritasverbandes
für das katholische Deutschland, der Prälat Monsignore D.
Werthmann aus Freiburg i. B., in dem Jahrbuch des Caritas¬
verbandes über das Jahr igii veröfifentlisht hat. Er nennt dort
in der Einleitung unter den am Auslanddeutschtum arbeitenden
Vereinen an erster Stelle den „interkonfessionellen Verein
für das Deutschtum im Ausland, besonders seine eifrige Ham¬
burger Ortsgruppe** und schreibt an einer späteren Stelle des
Geschäftsberichts: „Aufrichtige Freude hat es uns bereitet, den
bereits verschollenen deutschen Katholiken auf Jamaika zu Hilfe
kommen zu können. Auch hier müssen wir rühmend
hervorheben, dass der Verein für das Deutschtum
im Ausland unsere Aktion lebhaft unterstützte.**
Der Verein für das Deutschtum im Ausland sieht mit Recht in
dem Zusammenwirken aller Deutschen für die Brüder im Ausland
ohne Unterschied von Konfession und Partei ein besonders
wichtiges vaterländisches Moment seiner Arbeit.
Verschiedenes.
Der Kölner Rosenmontagszug. Um eine künst-
1 erisehe Umgestaltung des Rosenmontagszuges herbeizuführen
und das Interesse weiterer Kreise für diese Veranstaltung zu
wecken, sowie für die Aufbringung grösserer Geldmittel zu
sorgen, [hatte der Kölner Verkehrs-Verein im Monat
Dezember eine Versammlung in den Gürzenichsaal einbeirufpn,
in der die Gründung eines Bürgerausschusses angeregt wurde,
der von einem Vertreter der Stadt geleitet werden und in den
je ein Vertreter der 34 Vereine abgesandt werden soll.
-> "
Vom neuen Leipziger Stadtgeschichtlich pn
Museum. Die Eröffnung des Stadtgeschichtlichen Museums, in
seiner jetzigen Ausgestaltung eine Schöpfung des Museums¬
direktors Dr. Kur zwei ly, ist nun vor kurzem in den oberen
Räumen des alten Rathauses erfolgt. Alle Bestände, die das
Museum heute in sorgfältiger Ordnung zusammenfasst, waren
noch bis zum Jahre 1909 weitum zerstreut. Der grösste Teil
der Altertümer befand sich jahrzehntelang in Händen eines z868
gegründeten Vereins für die Geschichte Leipzigs, bis er in dem
Jahre 1909 Eigentum der Stadt wurde. Um diese Zeit begann
Dr. Kurzwelly mit der Neuordnung des Materials; aus Privat¬
besitz und öffentlichen Instituten kamen noch interessante Stücke
zutage, die einer erfreulichen Ergänzung der Sammlungen dienen
konnten.
Naturdenkmalpflege. Alljährlich pflegen die Geschäfts¬
führer der verschiedenen Provinzial- und Bezirkskomitees für
Naturdenkmalpflege zu einer Sitzung in Berlin zusammen¬
zukommen. Die vierte fand am 9. Dezember 1911 im grossen
Saale der Staatlichen Stelle für Naturdenkmalpflege, im alten^
Botanischen Museum, unter dem Vorsitze des staatlichen
Kommissars, Herrn Geheimen Regierungsrats Professor Dr.
Conwentz, statt. 33 Vertreter waren erschienen. Die baye¬
rische Regierung hatte den Regierungsrat Dr. Reubold, das
Kammergericht den Kammergerichtsiat Boye, das Kultus¬
ministerium Professor Dr. Krüss abgeordnet. — Nach all¬
gemeinen Mitteilungen des Kommissars und der Vorlage der
neuerschienenen Literatur hielt Professor Dr. Eckstein von
der Forstakademie in Eberswalde einen Vortrag: „Die Er¬
hebungen der Staatlichen Stelle für Naturdenkmalpflege Uber
das Vorkommen des schwarzen Storches und des Fischreihers
in Preussen, nach Methode, Ziel und Ergebnis**. Assessor
Dr. Rudorff sprach „Ueber gesetzliche Massnahmen zum
T(au!afu 0 '
vom 2$. Bprii
mit dem !>oppeir<^raubendompfec
no^ dem dfllic^entnitteimeer,
dem e^morjen tlteec und
♦ ♦ ♦ ♦ dem Kautorup ❖ ♦ ♦ ♦
Seginn und Cnde det $o^tt in Oenua
Prelfe pon tllort $00.- an
|lu0Funft erteilen
ifloird örotnoti
und feine Vertretungen
S.Adam,BerlinW.
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mis Deutschland ise^eeeeeeeseeee^eeeeefeaee^ 6oi
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ScbGU« VOo. TWea und Br.
übet ■.äi«v:^iOfg(ft^i^B^ion dep- .Watdt-d^ukin«liiflege' tft -V ■
Dr. «weitst ypraitiender des Veteiiur jfeuj» -
Scbutxe dttT Vogeä p o 4 Pf. p * c * Miurbeiter der iSltäitt*
lieben Stejle iür Nianitd!?;cikmijfpfle^, epr^t^hen Über ü Deo
wurf ne'ü^ti pteTäfc^iicbcw Fi^cbereige&mÄ^^ cm Xkbte der
N»turdcnkmäipfiege%v s &df der Tajr&sordnüne die
Besprflcüüog dtt F'rÄgebügtts. Nicb eanem ^örliegemSen
SchetTiA «&Uea ypn deb Oei^häft^niliierti ItiventarveTxetdbTii^^
der Ptp^iGcbß tngefectigr vferden* Aü» den Besprt^ebuogen
hem»rt d^sa Äiie:b ib- dksieni Jahre wledbr bedepi^nde
Erfolge in der NatodBpk0Alpflege erhielt wnd, picht bur
in dea ein«einen Slawen kiirbpaa, sondern aueb in den Ätiderep
ErdteHehp uijd ftiap weper; ^etnpst in die Zukunft : HieW
Icsuan, Bef Fürst Voa Hbüen^oll^rni selbst ein ^frjger Botanilter^L
tuat ein klein es W wk über die T^ 4 ^ü tdenk Tpelpöe g e Im Fürs ten-
tum Hnbenenllefn vefjj^öiiät: teiner Be'^itauoi^co
im BöbiherwÄide tttte* dpf^bjgehe'öden an^eotdDct,
Veber Winr»pbie* 4a Seiten Teil
mit ti Vallbildem ^nd ftt TekfeilüBtratipnep* Von Karl |> Lntber*
Mnnchf^a^ Yeriiig: der Ica, Ak«^ge»eHscb«^t» Bre*deb. Fret»
3 e f'fg. in fblg* r ffpi dcö Em per bJUb entt des Wintersport«^^
hdehaktaf:!!« Thepi^ WipterspGrtpbQtOg^'apbib^^.^w^^ jn diesem
^oblletlen* im TTaicbeniröiäxÄtä gehalteihen ÖÜcJiieip aum ersten
^ale ausfübriidh behandelt. Sein Tribut, 4 ^
weiraster Kreise ih Anspryph aehmen/ Vt vpn einem
Fachmannc verfass^ der anwohl aüf dem Gebiete 4 t^ winter*
lieben Spnrtes Jeder wie öUC*h als Sportphotograpli den
Rüf einer AatOntüt gentsäst.
Für Saiäamler^ per ..Rllgeoscbe Oatseebäder^-Verband^'
hat einline Serien metn^arbiger^ fetögtavierter Reklame - B t lief-
vcrarchltEKÄmÄTken mit Anaichiep v«^n Stubbtmkämmen wä
von Biigenbadena bidfaniSgtfgftMn Sammler erhalten kleine
FoÄ'ibö solcher Marken . C^^ fisaouug dieser ;?eu^brift von der
fiÄdedirekn'Ph 3 i;eböd Bini giaBs^^
Dka k Ä - Kursbmeh^ VcdÄ|tsg6SellÄcbatlt^^;m^ b, BtrUn
W- a. Das Werk nnten^b«idet ^dh Vori den ilbrige^n K^urs-
b ü ch er n d tJrch el ne -Ä»^ah£ ssbt m thtiger eue?pn gen r Di e
wicbtigaitta Strecken äfitid na^h d&nK Aof^tigs-^ dnd Endpdbkt
alphabetisch geütdtiet,, Änfs4^ben di&rarti^^^ Uten wird
alvo wesentlich eTlcichtert, Mehrere Reiaewege awischen jiwei
Orten sind uomittelbaf hiEjicfelGondcr mit entsprechenden Hinr
Vetffen abgedfrnckt, Verbindungen zwiarcbeia weil atieein and er¬
liegen den OrteriT die einen lebhaften Verkehr unter sich haben*
iind in den sogeuannten ,iDeoka*SPljineo CSeite S79 u. f) aus¬
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Blst^ LrCipzig. Preis geb. Mk. j« D«* 'handlkh*, 146 Selten
siarke Werkchtn wird ailfcn BiSÄUch^in der B^lpüiget Schlacht-
felderp deren Zahl init , der hiev or^t eben den Vpiieftdung des
fimtiicbeii Sane^ de« Vdlkejacbiachtdenbm:alcä
außerordentlich waebäen wird^ höchst wiiikommeci aem, Daa-
aef.be gibt nicht nur einen Bepichen ■baatoni^'b^^
üfettf di© I-cipriger Schlac hU ^deTn fijd den Besucherh
der SchJaehtfeldß auch ein wetivplier Führer' semp Zw^
vnibtändig neue l^artea geben eine Oreinich© Üebcrsicbt Über
4 i« TruppeuateUüng om 16: uTvd iSV Oktober 18*3: Oeberaua
Trib^r^ Sehwarxw«td«Hp|e|«
pr^öbt. EUsbÄhn^ti. ÄS#*-
«rfra«*# EsaathobilfliklUltiL. X^blTÄUl^lUu^g^*■yekphOu^/ 'JUu^ät^
: :' F:r 3 äpcfet.p mt 4 m 1 ■■
inlftrtssaant ett ein Plan der Stadt Ijeipiflg aus dam Jahre lAij*
Daa nach neaeateu Queüeh beaxBeitete Buch «nthSit «ueserdem
alte «elfene Stiche. Die Abbildungen ^ihd nadi Biidem äamahger
AüafÜhi'Uttgeo hergeatfrllb
E j ö © hÄ u le it un g für Run dt4b pten d u r ch di ©
E#&ide ukttadt Ca.asej mil Kinbeziehü n g der
W i I hei m 1 b b h cT P © r ka nl a h der Cassder PreEpdeo-
Yerkehiä^ercEn %rausgegcben» Dies© Fahrteu künnert nach
polizeilich genehm iglet Tavj? mit Pferde-und Auiömobildroschkon
nntecamaamen werden. Der bÄodiich^ Prpape^t emhält einen
überäichiiichcu Stadiplaut iat dem dfe betretfenden Rundfahrten
uiebst den Hauptsebonfewutdigkelteti tinge^tichrtei aind. Die
An Jeiru ng, die i o den Hofela and in dem V trkebtsbüi tau . aiäa-
gegcben Wltä^ bezweckt n e b c a $ « r p A u s n U taü ä g d© r
den Fremden zür VeirtÜgWpg st.©be!nden und
steU«rt dem Beetreben der meisteo Drosch kciak Uta eher j dift
Fremden mÜgLiebat laug© auf heq;uemöo Wegoo^lierürozUfihrÄn*
die baUtig nichts lutereasantea bieien kön ueta^ Da© Vorgehen
des Casseler FreindetUverkehr#verein» dürft© .auih für ander©
/Städie tiachuhiueuswert aein,
Schlus© de» f© 4 aktiob«lJ«u]Teile#.
aöti ifffjaörwüntjeb ttfr ßh
la OttWeldtaH) far de« wirtseiiafHlirk ttftd
fi hr^Ji.ki«# ^■ .I>r ^ f I r. iSsicüiftsfis-iiref .-ilva. Sa
■ \ji WpiJgf-.rer ■ßö Aß^^gefeti&lr .Btairc 4?^
bntck aad VisrUc Ö U aff ff I d or Tffff Vff H pi lißSÄliörf
ftnbimc* bk fifie jiiru* mctfjc ^aht; rpfiü^s
Slusfchth unb ein ©efidTt ok\m B^PmmcriprulkK u«is
iin(rdntgFcU<t!al>etttfral)er gcbraudri^n fk nur M^alktti bdtte
Stecktnpferd • Cilitnmilcb > Seife
».Btranaiilitffo« ^Sl^SOpfa. Ütterall >u liabcn.
für Henriise und ErholongsbedQrflige.
I>ii 8 i^fiBze Jalir geölfnot-
^Aerattb Leitunic!.
Dp, metj, Staehlj-
KauimhuÄ; Bpjhixig!
DlpektoF Biitlii, '
Mheniöftkinport Gilt städtischem Soibad* -r Wtater^
InhalatfOEeib H^edtltinaP-Bäder jödef Art,: Herrtieh^ Wäidüß^ün mii sch&n äjpa^ie^wegem Eesideni
des Ftirstan «u Farsteßbergv ^ Eark^r4a&4n^ Füpstlieha Blbllijtheltt ^zemälde- üitd
Sammiühgv Ftti*3rtt FömeEbp BraneFp^ JuageitAbmer Kü?'- u^d H Pi^lvWö U'ftd
Swkift» Sekti^ iijßl[ M .i ^ Afsk £t$rip«llA Aerdlükn
J. fluji- 1 ; ■-y. rf.. iItli^k. ■ ; St=ljff«ytv. ■•• .■ ■■. , im^is . i ■'. • ■ ■ , itß-hw. ..■: ■■ ■■• • ■ ;. Btmjjf ’
mtii 4 arirt 4 de»
10QDn an oö o nau öo gcq-qo og o pd doo □^□Q'onopQo-on'ODDOQa
^^oaDDpaoö
Ebenhauseit
EQfislll,.btl Cd. Iti^diiu v^ ßahöb; !
km 1 g. z, iCl 0 st, S tib k ftt. v ■“ fikP
selftBAiL WÄlchst-lTiFer'HÜiiiii^;
Koraoptg^tit (Sitpidbr.,) Eben-
baufiftai ixt, itreujjf
cvtsstmaciuSHmC: App* tit
ni'od. pb yi stk. Thefjipie,. . Winter^
rt 3 A^tU^
F«ttitiiOö ItüXk^, EtujnMitesfi. ;
ir^m ] * WiftPin 0 ^ tl d iti m rn * W i n t dt’
Vi^> iieh.itrk;gii.tc bfitcrr.«. früo z.
ICüchA; Ji Ö, J^rHua Siwmffhii iis i h
PaitK.,S&i»£>dläEi:b«Aj ICiitlshv^.
1^1»- i fl M > tv^armfb :) Bod Ib, &
!¥"***a Min vom JirümLof.
— luuuiiil. -- fiUtris. Isitrltirmb,
Wolfratshausen
EodpTb ,SklpeLjS>|riiif t^nftüi»‘i^eo,
fiattl-Rflst. Eelsfltt», gfQUliftaK«
Gar m i s c h -
u<if misbuii ^
findflib*. ill.iplit r; tillifflifiÜ'Xpi.
bülm- siftTi
Sch 1! tte 0 pflrti en,; i i, dirüitrif JPÜ g;
Iv«rhAXiÄi'\.- ■■■ ■•,•
Eipia:btil — ParMct^h.' AfoiWui'e^ ■
Film i 1 m i btii» B t R. liv p Vor^
pchm, Oö^wilschÄftsrlluttn?, i%i>a,;
-EihzeJ z. ii* App. m. Ilitd. ii,TöReU(?.!
r^artenkfrcben
bv3 \ i V' h; *■ W xm r? t k tki o n ^^rtr.
platz bAjfm', lioeh^;^rbir^s.
K:i i H» ros Verkeil rsh n wiVA . - f -
BdUI IX. Faod. ftbldmr Efm M\
EenfiAtr MoU; Kniirii';yi't ^ i'ex.iHhilh^
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h fp t n 1t A:j i er A h i oorA
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b k<)|? t W t'1 ii (trü o h P, Hl rhö PTi. 3 S kt&ffr itli lü 9 q «U &Q * «t
tn\:ih .) ^ ti«fl t n. 1 jp fr,. t niliftfld. Wen r« n, Vtii t« Iftkatkfl« (fcit m,
A^' Ä tIktg* iIDir^: i i 2:.l Saft»>. Z»Ul^r. Po v^x ivprli^i
ir^0^rit5^0f eilj_Egentt Bdvf&re«, »ä4
Är^ttth, Wi«ffl«ee, t^L'atmC Iferjtejse
e VtsrBüHieU, IJübai^lpcsit&iTjitnft tnU
K if , W al I Uei tr, Sii(1|n^f>f i itiij; |^ | an ken-
1 ?^i riy' ti (f Ä ölJ 3^ or kÄft 5 tei)!, H W «listtf l a. ^üdSlkalikilL i '* Üre^tÜi
.^^ kRffAV]til?'hp^T:sx IJ km» nir^atUTprsr 0^5 km^ Imul ein, ICänLsjrPftlp'?,
\V' äitfl li ii.]^\ A11kE oT I ‘ I s Ti li i1 \y niT erku n F t@ b uine r VV i 11 F e t Vj e trieT\.
Bad Tgiz ^,.
tj khy :i'h'n i' iifcV ä jj
vor^. fitdgtlUlfll £,AofAng»fi
A k,;; ■ W i ktoa f e rt v erm
A rn^anehfljs^r WVBrer^nfgn^iiiil^
TöEi röii li. A Hai^llDge i&
eporfgfttiitrt. BTotetS-iiyfei^kltyf^
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A u&k : Fretoti**AyerltftUfa-Vy*T^^^_
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Itaba. 7 ^ e 1 taii.tiiy^rbfiii^
Traiinstei'ii i,^^_
a; kvg^U tnit Äjirö^
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RuhpoldlttaiS^
y;>gä^^M"saw Sfiu
■ nätig^v^iet.p r vv int^r
i^.knawri n m, Vi] ^ en tu BtjtedÄ |
j Sfti) trat heia., Aff*iw dr
eferisit lesgadej
fiki-j SiihJ i H e il Spor t, Elsl
A vj!?k IJ Jt i t;; %y inTör?ipt>rtaitafickÄ«
fiiÜeTiL«: I B.j
Ski^' a, EüötikÄla*
; V ’mi Sf 0 rts lib tiji deii
iliiich 0 r^^i«a&ii ,FiBiJi«tiijr|
Bevm-2^, /Cf.öle lj?*g^r
^ Tit+^h. f* i)v gnfiae JaliT, b**aO(tiid
fv iT.y ^Titer jr, Ft>g, F. Qy
^»•«shokn
ipr«“^TOuik^U^^ei)iS.Ö. Sport»
’i\. M.
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ICaüfbeüi*en
1 i {} i g^Mi n Ai pe I i k it L l eniid it kltfiiv]
T Qit-^SQO Fti bneh, _
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^ Zwfli EpdüUHiwul
aktg»iaiillg, Käni^^iif h inp^er,
ll»mellie.-9 SFl
ruifrjikii SW-
jKrlibfttn^heteetjvj
Pri iSlmntimu |
Son«l.ofen 'iBa?iS,
5 li 01 w I f E. f I e t' s ör r, KltigfftJ
um Senithtjif. S(irriingt^ ;
ggB Ugbm gpiit| Ccbwta.
Hindelang
Fö*riTJ!3^Jx7jT?itiTijE', Eodii1iaha, |
Sfetgtiiüidd rm tJphung^fkbrreiu |
Oberstaufen
n;ir0n*‘9 Stilptlilidfl. Aruikcioft 11
S k b Kl ivtt O benifitft 0 ?eTt,
Wintersporizüge der Königl. Bayer. Staatseisenbahnen
von Münciien nach G^mUch*Partenkifc^ Schlicrsec-Bayrisclizell, Tegemseei Bad Tölz,
,,WUtfr im Bftfm^' inlt ,,W«gv«ls«r dttrek dit WUilar*
pportlplfiti:» Üi% 0 afer. Ettc II pailB*^ rliirch dru Trtadinw*
ICflbrp’VtfCftd Kantlitfl, Higpllialinliaf, imtf dtts EntUokt
EppflrJftblifl EcHflbpr^klt B: nt. ü. H,» Mlinclioo» Prooienntli^ptFititf iA*>nd If^tnptltAhiiUöf; In EofdlfitliPMüi
durch die EintUa1i& Eoilntnflpunb der E. Sk Im tflUTSitlpsailtii IFffkfrbrtliiinBB iiiBtrllii, Unt^ den LMeo 34;^
Auskunft u. Prospekt
Zeltsthrlft fOr Helmotkunde und Heimotllebe
Oriun fOt die deutschen OerKehrs-Interessen
Zug-Verbindungen Berlin—München.
I n lierlin—ülünclicii über Kegensburg
ULmLINa I “Z pz DZ ‘ LZ E
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, ,W'eiden
Schwandorf
Regen^burg
Oonauwörtt
Augsburg'
Jngolstadt
fLandshut
MÜNCHEN
a Bis Leipzig Personenzug. b Berlin —Neapel - Expreß
verkehrt v. 4. 12. jeden Montag und Donnerstag, c Siehe
Fahrplan 8 ). d Siehe Fahrplan 1 ). e Zw. Hof und
Bamberg Eilzug, ab Bamberg DZ. f Bis Halle Personen¬
zug. g Bis Leipzig DZ. bis Bitterfeld Personenzug, ab
Bitterfeld Eilzug. h Neapel—Berlin-Expreß verkehrt ab
7. 12. jeden Sonntag und Donnerstag, i Siehe Fahr¬
plan 4). k Bis Augsburg Personenzug. 1 Ab Halle
Personenzug. m Siehe Fahrplan 2).
Fahrpreise Kerliii—^lünclien
(einschl. Schnellzugzuschlag):
Luxuszug 1. Kl. 2 . Kl. 3. Kl.
Mk. 70 80 5840 82.80 2120
Berlin Anh.-Bf. ah
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Augsburg „ 652[ 91 ij
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Bitterfeld „ 310 , 1
Berlin Anli.-Bf. an 449
12401 445i 84 ö|
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10471 1155 415 8H
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Zeitschrift für Heimatkunde und Heimatliebe
Organ für die deutschen Verkehrs-Interessen □ Amtliche Zeitschrift des Bundes Deutscher
Verkehrs-Vereine □ Mitbegründet durch den Internationalen Hotelbesitzer-Verein e.V., Köln
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X und Oesterreich-Ungarn 6 M., X
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Amtliches Organ des Rheinischen Verkehrs-Vereins,
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Druck und Verlag: Düsseldorfer Verlags-Anstalt A.-G.
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Nr. 14
Düsseldorf • Februar 1912
II. Jahrg.
Cadinen
Von Lothar Wende (Elbing).
Unter den vielen Privatbesitzungen des deutschen Kaisers
hat in den letzten zwei Jahrzehnten das in Westpreußen, an der
Südseite des Frischen Haffes gelegene Rittergut Cadinen am
meisten das Interesse weiter Kreise erregt. Zum ersten Male
wurde sein Name in der großen Oeffentlichkeit genannt, als der
Kaiser 1898, kurz nach dem Erwerb des Gutes, bei der ersten
Besichtigung das drastische Wort sprach: „Hier wohnen ja die
Schweine besser
als die Menschen".
Viele Glossen und
Kommentare mit
Seitenhieben auf
ostelbische Groß-
Grundbesitzerver -
hältnisse knüpfen
sich an das Wort,
und Cadinen blieb
dauernd bis auf
den heutigen Tag
im Mittelpunkt des
Interesses. Beson¬
ders, da es sich
der Kaiser ange¬
legen sein ließ,
aus diesem alten
Herren- und Luxus¬
sitz ein Mustergut
in landwirtschaft¬
licher Beziehung
zu schaffen und
weil Cadinen seit
dem Uebergang in
kaiserlichen Besitz
in den Sommer¬
monaten ein Lieblingsaufenlhalt der Kaiserin und ihrer
jüngeren Kinder wurde, die hier und in dem nahen Seebad
Kahlberg Ferienvergnügungen genießen konnten, so schlicht
bürgerlich, wie es Prinzen und Prinzessinnen wohl selten
gestattet ist.
In erster Linie ist es wohl der Reiz der Landschaft, der
unsere kaiserliche Familie Cadinen so bevorzugen ließ. Wer
sein Leben lang westlich von Berlin im Deutschen Reiche
wohnt und auf Geschäfts- und Ferienreisen immer nur die land¬
schaftlich großartigen oder reizenden Gegenden des Westens
kennen gelernt hat, hat natürlich keine Ahnung, daß
der viel verschrieene Osten, rechts von der Weichsel, in
(Nachdruck verboten.)
seinem größten Teile landschaftliche Schönheiten aufzuweisen
hat, die denen des Westens nicht nur ebenbürtig sind, sondern
sie vielfach übertreffen. Wald, See, Gebirge wechselt in
romantischer Weise mit fruchtbaren Niederungsgegenden und
düstern Torf- und Moorflächen. Die lange ermüdende Bahn¬
fahrt von Berlin bis an die Weichsel, durch eine stundenlang
reizlose Gegend, hat das Gerücht vom trostlosen Osten ver¬
breitet und viele
abgehalten, sich in
das alte, deutsche
Ritterordens-Land
zu begeben. Aber
dank der fortwäh¬
renden Erwähnung
von Cadinen in den
Tages - Zeitungen
schwillt auch der
Strom der Ver-
gnügungs -Reisen¬
den nach unserem
Osten von Jahr
zu Jahr an, und
wenige nur dürften
unbefriedigt heim¬
kehren.
Eine der reiz¬
vollsten Gegenden
des Ostens ist die
Hügel-Landschaft,
die sich auf der
Grenze von Ost-
und Westpreußen
erhebt und von
der Niederung des
Drausensees bis zum Haffe reicht, eine landschaftliche und
geographische Eigentümlichkeit. Fast in der Mitte dieser
Hügellandschaft liegt Cadinen. Die Erhebung steigt, einem
kleinen Massengebirge vergleichbar, bis 200 Meter aus einer
Niederung hervor, die die Hügel auf fast allen Seiten um¬
säumt und darum den verhältnismäßig kleinen Höhen doch
etwas Imposantes verleiht. Ein Harz im kleinen — dieser
Vergleich hat sich schon manchem beim Durchwandern dieser
Landschaft aufgedrängt.
„Nahezu kreisförmig im Grundriß, mit einem Durchmesser
von 30 Kilometern, erheben sich diese Berge auf fast allen
Seilen auf einer Basis, deren Meereshöhe nur wenige Meter
Cadinen : Schloß, links Orangerie
664 DEUTSCHLAND Nr. 14
erreicht. Daher schon der erwähnte Eindruck des Stattlichen,
den sie fast auf allen Seiten erregten, und zu dem sich, eine
Folge der schönen, meist aus Buchenwäldern bestehenden
Bewaldung, auch der Eindruck des Anmutigen gesellt." Die
landschaftlichen Glanzpunkte sind einerseits die zwischen
Dörbeck und Lenzen nach dem Haff sich öffnenden Schluchten,
die als Dörbecker Schweiz bezeichnet werden, und anderseits
die zwischen Rehberg und Stellinen liegenden Rehberge. Reh¬
berg ist ein an Cadinen grenzendes Rittergut und gehört eben¬
falls dem Kaiser. Die Rehberge sind ein wild zerklüftetes Land:
hohe, steile Waldberge, tief in den Boden gerissene Schluchten,
in deren Grund Fo¬
rellenbäche rieseln,
hoherWald undAus-
sichten von gro߬
artiger Pracht,einzig
in ihrer Art in der
Provinz. Denn von
allen Höhen sieht
man nur die kühn
geformten, jäh zer¬
rissenen Waldberge,
die tiefen Abgründe,
die weiten Wasser¬
spiegel desHaffs und
der See im Norden.
Keine Ansiedelei,
kein Ackerfeld, keine
Kulturoase. Es ist
eine wahre Gebirgs¬
landschaft, wie man
sie in diesem Flach¬
land kaum vermutet,
in ihrer Wirkung
noch gehoben durch
den weiten Wasser¬
horizont. — Wer
diese schönen Berge
kennen lernen will,
hat von Elbing
aus die beste Ge¬
legenheit dazu. Eine
Chaussee führt ge¬
radewegs überTrunz
nach dem Bischof¬
sitz Frauenburg,eine
zweite über Lenzen
und Cadinen nach
der TöpferstadtTol-
kemit, und die Haff-
uferbahn bringt den
Reisenden bequem
nach dem Ausgangs¬
ort Elbing zurück.
Die Geschichte
Cadinens ist aus¬
serordentlich inter¬
essant. Schon in mündlich von Geschlecht zu Geschlecht
vererbten und später von einem Tolkemiter Dominikaner¬
mönch gesammelten Sagen der alten Pruzzen wird Cadinen
genannt. Und zwar als Wohnsitz der Waidelottin (Prieslerin)
Cadina. Um 1250 gehörte, wie der Chronist Fuchs erwähnt,
Cadinen einem Abkömmling der Cadina, dem Preußenfürsten
Autume. In diesen Jahren hat der deutsche Ritterorden von
Cadinen Besitz ergriffen, denn 1255 war dieser Fürstensilz
zum ersten Male urkundlich erwähnt, als der Landmeister
Dietrich von Grünningen dem Heiligen Geisthospital in Elbing
40 Hufen Land (die Hu^c hot 66"/;, preußische Morgen) im
Gebiete von Cadinen (terra cadinensis) schenkte. Wer bis
1430 Cadinen besessen hat, ist nicht bekannt. T431 besaß
es ein Hans von Baysen, der in diesem Jahre von seinem
Gute und Vorwerk Cuddien an sieben verschiedene Personen
17 Hufen nach kulmischem Rechte verkaufte. Diesem Hans
von Baysen bestätigte 1432 der Hochmeister Paul von Rußdorf
den Besitz und gab ihm eine Verschreibung „über unseren
Hof und Gut Cudynen" mit 20 Hufen, über 8 Hufen und
eine preußische Hufe bei Scharfenberg, über das Dorf
Rehberg mit 40 Hufen. Er gestattete ihm freie Fischerei
mit kleinem Zeuge und einem halben Garn, jedoch nur zu
desTischesNotdurft,
verlieh ihm die hohe
und niedre Gerichts¬
barkeit und g-ab
ihm dieZusicherung,
daß, wenn er keine
Namenserben, son¬
dern nur Töchter
hinterlassen würde,
diese zu Mlagde-
burgischen Rechten
erben sollten. Da¬
für habe Hans von
Baysen ein Kram-
Pfund Wachs und
einen kölnischen
oder fünf preußische
Pfennige jährlich
„zum Bekenntnisse
der Herrschaft" zu
geben und einen
„Reiterdienst" zu
Landwehren, Heer¬
fahrten und Reisen
zu leisten. Im Besitz
der Familie Baysen
blieb Cadinen bis
1682. Dann wech¬
selte das Gut ver¬
schiedentlich dieBe-
sitzer. 1786 erwarb
es der Königlich
Preußische General
Graf von Schwerin,
dessenWappen sich
noch heute an dem
Vorder-Giebel des
Herren-Hauses be¬
findet. Diesem Be¬
sitzer hat Cadinen
die schönen Garten¬
anlagen zu danken,
die er nach dem
Vorbilde von Ver¬
sailles ausführen
ließ. 1811 wurde
Cadinen von dem Elbinger Kaufmann Daniel Birkner für
40000 Taler gekauft, und im Jahre 1898 erwarb es der
Kaiser von dem jetzt verstorbenen Landrat a. D. Birkner
unter Uebernahme aller Schulden und Verbindlichkeiten gegen
eine Leibrente von je 15 000 Mark an Birkner und seine
Gattin. Zum Erwerb ließ sich der Kaiser durch den Grafen
Dohna-Schlobitten bestimmen, um den alten Herrensitz nicht
in die Hände von Güterschlächtern fallen zu lassen.
Wenn man von Elbing aus den Landweg über Lenzen,
Panklau nach Cadinen wählt, so treffen wir zunächst am
Ausgange der schönen, kurvenreichen und großartige Aus-
Cadinen: Schlucht in der Dörbecker Schweiz
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Cadinen: Blick aus dem Arbeitszimmer des Kaisers, rechts das Marstallgebäude
(Phot.: Willibald Zehr, Elbing)
Cadinen: Rohrhäuschen im Park, auf Wunsch der Kaiserin erbaut
(Phot.: Willibald Zehr, Elbing)
666 (3
DEUTSCHLAND Nr-14
biIckft gewähren den O ^Ltisee rothter Hand ■
erwhhnT e C es d i net Ei ch e, Es ist Üi s f "a rt^i e iew4 ^ :
Biche estpre.u ß enn un tl ein e 4 e r üt ärlt s Leni t?eTa:t&L;lfihFt^k.
Sie haf ^inen Vtofartgf ^on ö,ö5 InTiarj^ des
Stärarna,^ isi hahi : W ein g^lanbwün^igrer
h^ ri chtot, ji eben j r\ i hin 11 Sj> 14 n inl t y olie^n ti ^ ek Ef:(i ti;
ifitleS grlint 4är Bu am; drOi:h iöimer mit urtgjeschWfj £?h ter L^^benv-
hraf t. Wehhre ScBri l te wellet/ tiind xvk s eh eh ^ wt Hnken H öh ä
e i h en gü t g^ejb amen TJnd. m as siy^en St eil h d e-n S eis wein ä s 1 ,-
m dem der Kaiser den anfangs etwähnlen AtisHptLmh; g^etan
haben scrlL X^ahn habeii wir 4«^ Attb f \c k auf ei o^4 ^Jroßejft
Iteian P(ni t seh dnAnijr^n u n 4 einem Bfuaneh; A n
SMle Park^s^ helfend $kb imter 4 atn VürheaitTier da*f
G Mies: ei n Ta ich, au ^ rie m die I’ eij^f^sp ril ge ftil 11 und das
Vieh gairnnkt wutdav Okser
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Schloß ödl der Südsehe'r 4f?m
MaHtoIl im ÖütCri, dein Cadiher
’^nä der feilit^nygcjve
i (vt T^oTrl^n Inxlh^u^cf n uri d
•der.. Gh&i'‘i^htüied.e--• idv ’ Werten;
ln di e/saf Gti t&scb d^i: sp i ehe n
irjekamlthch die kei^erhclien
KiridtT init A^riiabev uad der
Kaiisdf nann i e den Sebrrimd deEr
r,Spc ia l^P reim d " ner T och t e c
Ptintessiri A^HUnrla Luise.
püi Tlätjpih für de:iEt
Ba^iü che r w ir d hat d rl Ich tu e Kl
4 ö Ji S ch i o li h n d 4:df P h f ^
hitdfsitVi Wdlif^ud ; die Tnnr>n'
fä! i ai e 4 i?K Sch cTn e derh
Gei isc hiTi tick des .■ hoiiCn B esi izei s
»?htÄprecbcndff Aussioiiuhg er-
tähren iiaben^ ist äiTlierllch weni|^
geändert wörd^t'- Es xeigt jetit
htjCh den Charükter eine^ vot“'
ijehia eh/: a b ein fccb en L and-;
edel^Ö^eSr;:‘^^ T^ OkIdiv Mri i^iy
verdeckt von Böhmen und Ah'^
lägehjr ein Anbau für Ktichc
und Dienerschaft geschaffen.
Hi emn sc bli e ßl *icb ä u ich .etwa s
weiter gelegen imd mit einem
impashnten EirshiUrt&ior
s ch lo sse tu d i e g fße A ti (am ob i I -
halle mit a^isgetj^tAtteter
WgfkslalL Del ATnötuiobhr^tum
temc e h s , g r D ße . A
aelmteh. Ä\i^ ei^cmiisn-
•BessinN da^> yßuöf sicher
ei WH 20CX.^ l.ii er ßen^i« hiBl, - ^
wi rd d fl fi: Ben ri n mii t e ts Koh)^! n^a u im Be d a rffillc m: di o
Hohe gedriäc kt und thtrch Zapl hchne in die
dar Autos 'geJeitev.
ß(ne tmit-htlifi? hinhiehf^i^^ (dir*- uh^^tr erAtc^ ßMd
IßT) Stile f te fr über den Hödp tC mganjlf - V <j n liier hi hr t, > w c a
dem Wcsttlüget des ^cMösscs imd der weirui7ivr^i;iki!i.^n
Ofai^gerie eilt hriutef ;• Wäg. iir den Iveffhtd'mh ■■Phhki'-ihhe:-.^
Sehen ^Würdigkeit . eTsien jL^es. ?wei ät at iEicivC: K hsfen
Allecm iimrnhmen eiti heheresv; wofdgepllegii^s Pef[err^: ndf
Otöivgerien., sehchCFi'..' tief bhiLUAeit, ■■ . •Sktdp'iuri^'Ui^;;.; d^ife.rvife Ji,.
ÜI u m en boske t k und e n d eTtin'r Oar t errfic \ i rn u rk, 4 eSse r> Ah' u n+fe
punkt ein Xeic'h tbit Sprmgluunnen bildtU- D(h
ij rsprlmglicli i m öllh-f^h^^^^^hen Geschttiark nng^legtf^ Pür [^.
breitet mdi eui'ÜCihcr Berg-’
wand Ü1I5p und bciaubärt 4ns Augc und 4fis GCTnßt 4 cö
Besch ötl^rsi d urch : die >-^-ec|ise}ndeR^^ seirtef
Kiefern-/Sirkchr^ ttn4 Buchishb^tÄTjdeT : Schnur^ Alleeti
und WCtiigepfJeg te Tfeckcrä-pcij^i^::^ die Weid" und
Ga.rieftftriIflgCfr. Aber bietet sich martche
SehenswürtJigkeil dem seien die beiden
Kanonen aus/fern IB, Auffaiit, siarämend
vom Schwerin, di^ Stätife eitiCs nth^id^h das
Mptjsoät'dm/ 4a.4 NfiSufih^amr^^.^to die FiuktcfgCbttä^ die
s»:>j^eniibnfe Sttidentcnlfluhe tmd 4är>n schheßheh^m höchsten
:•'Pupkt*':.'■;■ des■ ■:■ .Förkes .. de r ■ Jubi I a1 .^^■,'-h>h,..■''dem ■ von
jCalabd^llik hlinsteHmnd flUagefOhtten Germahlö.-^Der;kriiial.
Das nmkmdl/das vofi'klcirtgp Bollern Tferikii^^ft iSt^ ^thebt s?eh
riuf emif:r g^jadmißcn SteTntciröSäe, die mit einer ßefv^strade
i Ve^iert Kt: HmliäV dcfit Denkmal schlieSt der und ist
von dem atihäftgebden Buchenr
weM durch ftinen mntsch^i Zaim
getrennt. WcfUEfghuniiert Meter
\V ö 1 d weg riöch We^tc% vn d wir
s teh^Tt r den rom^ n i * sch en
Üeberreiien
dcienr Anfsnga des
blindtifts efegej^gebe Franzis^
knnerlfJostets, der Kfoster-
Iqfche ist nur hoch das Seiten^
gemäüer rrdt den machtigeti
Fenstüfhpgetii «fhältöm thid von
den ubfig^T; len des Klo sie rs
T?teh t nhr neii h ^ h Gebäude,
in dein j4tüt 4e f GdKgä rtner
w 0 1 1 n tr Geh t m n :^Qn hier den
zurück und bis ah das Ost¬
ende des p0fk^?Sp so triIft man.
fnUten im ursh^n ^faidfeeston
auf das (Gräh^ta11e
der FamiUfe Birkn^^rl- der
Termsse Kapelfet. ln der^
wenn dm kaiserliche
an w *?-^rh4 ish Gfttt esdi^nst e a
gehnlten Werdum bieietsich d^nifc
Äuge vln ü hersehe fi d> n
roma auf das f taff, die Nehrun|f
ijrul die ßstaee. Möni Bagv däß ;
dieser Äüssitrhtspunkl fein hi
lingspjöfz lhr$tf hlfiijesTät Kh uAd
dös iv ijd ; ye K tähdl i iph, wefi rv
irtuA vbrv hier auä ari
einüat Sommer afeehäi
fypitvi % onnch-ilhterg^ ntit
ö ng trs e h en: i\a L Der sc: h n u r-
gyrtme X^feg^ def ybd düf |<apelie
t n da s Pä 1f: Fa rk es
fylirt, Kt kp b^fdbh iSciteh
mit seltefien,. h (>chsi ä mitifgä? n
Würholdeifeiümcrr bitpflanz-tT die dü?jmr uhd schwe!rmuljst"öÜ
diesen i!»as Ta4e?< Cintahmen. SehehSWMt is-t
noch im f'nrk l^ohrhaiA^^äfmm 4o^ avtV Wunsch der Kaiserin
: nrricluet wurtkf. .
D i e } e t ? iu# kn^t hf I B i^' !vi v 11 g . mir d ein Vor -
werk Kickelhoi' und detu v<?rj>nehmten K^thirgiU :
? 14^^ pt ß isci ü' Mörgen groß nnd 4ü t ßen jfh|^selr&f\
'ini;?eriiar lind-ohne Gebäude,- über- awH' Mihmnen
vvbri iby Ai? di? V Kü i se t du s . Gij t u ö h, Jlfefiexi die
wifisdud fliehen Vnihaivriisse SlcIic Viel >:iit. whf.KkTixin, ubr^g'*
fuilirti-ifhi dank 4 er K^pifabem dier'der
B e>Ai zeT hi ne ] ns [c^ ken k t>n. it.öd d ün)t; dcr Tnt en«ive n Afbeit
tiK 1 iligVrV Pftri 1 1 eit \e in snt?fkjen|iejiä!>wi:'ner BKft &, u nd es i^v
nicht Obigen, dnß X'ttdijttm fct ernster Arbeit uh,cl
Spa r %,ft m k eU soga t noch '^l rirtini efn, tt.)h Tten4 cr Ifesi f t wirij
t.: WilMbsU iCtlin Erüm^l
Tdl KecJcfi giifällige Gi^belf
ßa hübiäc Pd-en tim d s> e V vers chönem
dsst: ^^^üS^e der "Teii voiy wiMem W«ifi.
ji^d K^ limtj^nkt Werdert* \\ $q $cfiön diese Häuäer
tsiKdyt nicht 'Äug^l^ich ein Muster
fö;r:: PfJeg:^ ^Vi6iTökienäti;£5;hf^n' iidi:^
ganDorf -b^Sii hl
h^it in der Kiich& einen 21apfhiibn,
von i^wei Zimniern tind
Küche mü möderneiti
Den n vjnan b eh stip I ed wi rd^ d a ß C ä^Jiri ^h 6 a 5 Mws t ,
Ostens ,sö iit das nicht g&vit fichtig-* Nichtsde$tQw^ni^]i?r
tSt dflSj, wüs in tadinen nut sehr V^ld- GeH |&^r^icht WÜ^d
be’i^i.xn4ernsw0rh;'•■ ■'■v'V’-'
Der kaiserliche Gntsherr b^^ann sein f^efortnwerk
dem Am bati der $cW|i: vbiihanderseiv iZiegelei^ ü.m sidi
M^V^rieii Vjii schöf^^jh fSJngdi^iirenjIrTeg^ für d)e
^>i|i}rhan ITin^ ^nd Nj?H an4 in■ Hand mit diesei^
^ing': 150:10 V*<i:rheserUTi:e: li.es .Wirtsch 0 fi
b«.triebet ln bföJAig - ■
suf Xfttiondi« Bewüj- ■ ^';'.y---w,;v>:i:' ■■■■.■•■-.-.
sch-nffung des Gutes
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tn den landwinschaft^ ■' '.:■■■</■>'^
Jjchen und in den.
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HcrtEhpfltgrtj erhalt eine besondere Belohniihg, ■ ib
Cadin^h. ötTi Theist^ bewundert wirft, dns sind- die Ätbeit^rf:'
woKnhduser.. Hier h.at es süch der Kaiser
Summ ^ {en ' ia s n* v.m d Af br?ii^th - \Vs? hhühlf
sehäffe;^, ein sdimuckbs vmd behäghches Heittt Hs ist jarst ^ Fabrik van eineoi früheren AngC’
bieien^ Ö^^iruhT^ib Architekten Idsien dl^ ^vfghbe/ die der :KfR.t]u^h 4cü Gadihi^r Miijütlk-efabHfc h^Hibiing’ errichtet worden
geäiteäit K« Be, und. es entstehdeh J^UlejUKtige Hbuser Die Cßdinef ieisten drehte äu| demt Gebietei der Bstv
im LandK&usstil, Die Hönier .s^ihd fa der Äus^ Keractiik wie auch in GefäÖehV: BSsien Äußer^
fuhrtfbg fci- äÜ^. verschieden, und $:^ behefTbcti^eri Teil ord£;htUi:bes_. SiasthckLe^ und Privatgehäude — voi
roS , '■• vÄ?' i y^: ? v-r ''H^rvi .fi
668 DEUTSCHLAND Nr. 14
kurzem erst wieder ein bekanntes Berliner Wein-Restaurant —
schmücken ihre Innenräume mit der Fabrikmarke ,,Kaiserlich
Cadinen", und zum Teil haben die Cadiner Fabrikate Welt¬
ruhm erlangt. Künstler, wie: Professor von Uechtritz, Professor
Karl Begas, Professor Baum¬
bach, Professor Jaenensch,
Professor Goetz, Professor
Manzel und Paul Heydel waren
oder sind für Cadinen tätig.
Erneut wurde das Inter¬
esse der weiteren Kreise auf
Cadinen gelenkt, als der
Kaiser am T 7. Februar vorigen
Jahres im deutschen Land¬
wirtschaftsrat in Berlin einen
Vortrag über seine Moor¬
kulturtätigkeit und seine
Viehzüchtungsversuche
in Cadinen hielt. Der Kaiser
schilderte in diesem Vortrage
die Kultivierung einer 500
Morgen großen sumpfigen
Haffniederung. Cadinen wird
durch eine Düne, die mit
einem 20 — 30 Meter breiten
Gürtel vonKiefern und einigen
Eichenbäumen bestanden ist,
von einem niedrigen Gelände
getrennt, das vom Haffe
alljährlich überschwemmt
wurde. Auf diesem Gelände
gedieh wenig, es war be¬
deckt von Moor, Schilf, Sumpf
usw. Zunächst wurde ein
Wall von etwa 3 Kilometer
Länge aufgeworfen. Der Wall
selbst bestand aus einem in
den Boden geschnittenen
Kern aus festgestampftem
Lehm, damit das Stauwasser
nicht durchging, und Erd¬
schüttung mit flacher Außen¬
böschung. Gegen den zu starken Eisdruck des Haffs im
Winter wurde ein breiter Streifen mit Weiden bepflanzt. Hand
in Hand gingen mit dieser Arbeit die Bemühungen des Kaisers
um Hebung der Milchproduktion und dazu um Auf¬
frischung der Viehrassen. Durch Empfehlung“ des
bekannten Herrn Karl Hagenbeck in Stellingen bei Hamburg,
der durch Kreuzungen von asiatischen Zebubullen mit der
europäischen Kuh gute Resultate erzielt hat, wird dieser
Versuch auch zurzeit in
Cadinen gemacht. Diese
Kreuzungsversuche sind aber
nichts neues. In Fachkreisen
sind sie schon eine längst
bekannte Tatsache. Und das
Verdienst, diese Kreuzung
wissenschaftlich und syste¬
matisch durchgeführt zu
haben, gebührt dem Land¬
wirtschaftlichen Institut der
Universität Halle und be¬
sonders dem Direktor, Pro¬
fessor Dr. Kühn, der schon
jahrzehntelang eine große
Anzahl von Kreuzungsver¬
suchen mit verschiedenen
Zeburassen und Hausrindern
ausgeführt hat, zu denen
Hagenbeck die Zebus ge¬
liefert hat. Herr Hagenbeck
hat sich für diese Ergebnisse
lebhaft interessiert und über
deren Nutzbarkeit wieder¬
holt in den letzten Jahren
angefragt. Die zahlreichen
Kreuzungen, durch welche
die neuen Tiere Hagenbecks
gezüchtet wurden, haben ge¬
zeigt, daß bei Verwendung
schwerer europäischerRinder
einerseits und den großen so¬
genannten Brahminen-Zebus
anderseits sehr große Kreu¬
zungstiere gezogen werden
können, die bis 20 Zentner
schwer werden. Die Tiere
füttern sich sehr leicht und
setzen leicht Fett an. Im Milchertrage stehen sie zwischen
den beiden Elterntieren; er kann selbst bei Kreuzungen mit
guten Milchrassen, wenn das Zebublut in dieser Hinsicht
durchschlägt, recht kläglich, wenn das Blut einer milchreichen
Cadinen:
Pomehrendorfer Bauerntrachten
Cadiner Zebu-Bulle
(Phot.: Theod. Reimers, Hamburg)
Cadiner Kreuzungs-Bullkalb
(Phot.: Theod.Reimers, Hamburg)
Nr.l4 DEUTSCHLAND 669
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Cadinen: „Nacht", Relief für die Kaiserliche Majolika-Werkstatt, von Reinhold Felderhoff
(Phot.: Hermann Boll)
europäischen Rasse die Oberhand gewinnt, gut sein. Das
Bild auf nebenstehender Seile zeigt den Zebu-Bullen, der seiner¬
zeit, als er nach Cadinen kam, 2‘/2 Jahre alt war und sich
seitdem sehr stark entwickelt hat. Die bisherigen Nach¬
kommen dieses Bullens sind schwarzbunte Bullkälber im Alter
von 6—8 Monaten, bei denen zwar die schöne weißgelbe
Farbe des Vaters nicht zum Ausdruck kam, die aber auch
nicht seine grotesken Schönheitsfehler geerbt haben: den
riesigen Höcker und die schwammige Wamme. Dagegen
sind die Beine höher geworden. Im übrigen müssen die Ergeb¬
nisse, die Cadinen erreichen wird, erst abgewartet werden.
— Daß der Verkehr der kaiserlichen Familie mit den Cadiner
Dorfbewohnern ein recht patriarchalischer ist, weiß alle
Welt. Aber darüber hinaus interessiert sich das Kaiser¬
paar für die Lebensweise, Sitten und Gebräuche der Bewohner
auch der weiteren Umgebung. In den Bauernhäusern finden
sich noch viele Möbel, Geräte und Trachten aus Urväter¬
zeiten, Erzeugnisse eines reichen und auch künstlerischen
Hausgewerbefleißes. Alte Sitten und Gebräuche werden
hier noch vielfach aufrecht erhalten, und die Spinn¬
stubenromanlik mit altüberlieferten Gesängen und Tänzen
blüht noch. Oft wurden Pomehrendorfer Bauernfamilien in
ihrer alten charakteristischen Tracht nach Cadinen geladen,
um hier ihre Lieder vorzutragen und Tänze aufzuführen.
Das Alpine Museum in München.
Von Dr. A. Dreyer (München).
Seit dem 17. Dezember vorigen Jahres ist München
um eine eigenartige Sehenswürdigkeit reicher, um die
es hundert andere deutsche Städte beneiden dürfen:
auf der Praterinsel, einem landschaftlich außerordent¬
lich reizvollen Punkte der bayerischen Hauptstadt, der
von den beiden Isararmen umflossen wird und an klaren
Tagen den bezaubernden Anblick der fernen, duftblauen
Alpenkette gewährt, ragt ein imposanter Bau, die „Isar¬
lust", empor, das Heim des neuen Museums.
Die planmäßige Erschließung des mächtigsten Hoch-
gebirgswalls Europas war erst den alpinen Vereinigungen
in England, Frankreich, Italien, Oesterreich, Deutschland
und der Schweiz Vorbehalten. Die Bezwingung des Mont
Blanc (1786 durch Paccard und Balmat, 1787 durch
Saussure), sowie die Erstersteigung des Großglockners
(1800) hatte die Augen Europas von neuem auf diese
eisumpanzerte Gebirgswelt gelenkt, die jahrhundertelang
für die Umwohner wie insbesondere für die spärlichen
Durchreisenden eine Stätte des Grauens, abergläubischer
Schrecken war. Noch Winkelmann urteilt 1768 überTirol:
„Was für eine entsetzlich schaurige LandschaftI" und der
Schweizer Historiker Johannes Müller findet für seine
Heimat keine anderen Worte als: „Ein Landwie SibirienI"
Die Unwegsamkeit dieses Gebirges trug die Haupt¬
schuld an der Scheu vor demselben, und wir, die wir
auf wohlgebahnten, gut gekennzeichneten Pfaden zu
mo
DEUTSCHLAND ^
einem mäßig hohen Gipfel empqfstBiEgBO ödef imier
sicheren Obhut eines behördlich autönsierieh Führers
die Eis- und Sehneeregiön betteieh Titid Jh bequem eint^
g er i ch tel^ n Unte r k p n i\ sh aus e rp d r o b en f m An g esic h i
majestätischer laben und die niuden
G lieder. ^ul wphIigen Rast ^treck^hk6nneij ns .kaum
.mehr yQrsTel!en,.wte es einst fe:iVinen
Vemriö Her ihre segenbrifigende T^atigkeix
vdntäijsend und abedausend Bergwarvdbrirn.
........... .- . . .Äi™
die fsarlust als Geschenk üb^fließ. So wurde una
das Alpin^ Museurn ein ^rmPhuH^entales Urderpfänti
die 11 n to 3 J ic h en Ba n dei Mtihchen rnit dem Deu ts chie ri ;
Und pesjteTTeidhischen AI pen -Verei i\ verknüpfen^" ;
Uji le r der ^ ü h ri g en Le 11 uti g d Le n dg ede Lt sjfät s.
Karl Müiletr eines bifwäbrten und kundigen Alpinisted/ -|
in dessen Hände der Hmiptausschuß die Leit
Museüm^:Äj^Jegt.KätiBr-^e'r-ätend
Weimus 4el: liührsten: auf didseH :
: Gebiete kantt sich der der ganjefi - an die Sitte gestellt werden, k^hn. Selbst .das,
AVelt rlih m &n I. der ml PesteL^L b i^che Alpen- Bern eruf fndtctiwöizBrisc he Aipine Mus^tiifv^ das nun ^
Verein, der aus :besr;h^idenen Änfängerl sich erhebheb
Höhe empqrgesc KWuhg^h (h e ute zahlt er über 94 000
MhglijBder) uhd fes jUfühsame OrschiießungsweTk der
gesamipn Osl^Alpeh in einem Zeitmum van m^br
ölk 4f) Röhren ,: glddkjfbb vtdiendei: L&t / ’Nebeh den
p räkti]^thiii n' Ai'b ei f n V B t n a c K] 35 5 % H r a ubh von
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Al ü n ch ep et M di^cU rn nicht i n W ettb e w erb za tre ten *
V’^o r iS !B f ngang zu m Muse um 1 i n ks I ag e r n ■ 17-4- 44
I e Me i ■ ’ hob e' ■ u n d en ts p rach,e.n d ’ b r e.ite P et
große
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Alpen veian^chaüllchBhVsüU^h tmd md der ZefL;
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ihu^ auch d^r 10b-. :
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CuCm(b.ing'.:; .r-ielne^'..;
MüBdums vor^.^fas .
die . Entwicklung;
der alpinenWissen"“
schaftem der Berg¬
steiger- und seiner
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J A.lpine'i Museum, Mündrert' Iri fk.r Mittil der Älpenv.ereTns j
i GtOvtimrtit V. PHster, rechts- vnm B^schuut'r rfei; Musetims ;
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d^olktähdlges ,BUd 4".
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die Spmrüer- und
WintertouHstik itn
der: vefmu-^hegi^isten Sekfion Mäntiover* die tmlet det;.,. Ho^^bgebiTge Th wirUimgfSvoller4Vi'^eiseT *
7-rdb?wußten Leitung ihfes niirimeimadenVöTStdodes,4^5- ' Betreten des eGTeh SaaH?. hanT unser eine freudige 4
Froh t>r. G ArnoUL ln hoher Bilite steht, g.hVg dfe Idde' Uebetröschuiigv. Atrf ‘v Meter hohem Sockel erhebt sich " 4
zur ErricKlung ilies.es Museums -zu Hegitin. des JahieÄ im der Saales das nesengroße .Rt^hef der :
1007 aus und w^eckte. ein freirdiges Edw jn den . Läu. mil Mönch und Hig^r (aul:ä2 Quadratmtiter Boden-i^ 4
des Deutschicn it.nd Qs^siei'remhisch en ALper* TV^^rcKVB. ’. im vA L 250G), h geoplas;,tisches Mei s ter« 4 ■
ln derHaupiversammlung diesesVereijis zu M,ünchen wt^rfc 4 bA. kuallck , verslorh Sclmuieer Ingenieurs
1 m Juli IO OH wur d e die Au 1 s tel 1 u n g eH es sak hen X. 1 m leid.- , je dies ts.ü m pa n/jer l ,e K ö n i gi n d e s B e r ri e r : l -, ■
Musetm^s beschfo^^^eti und auch die OiislVage endgülüg Oberlande.'^ .mit ihr^n beidi^n ,frol^?geh . Naciibsrh .i.h iJ-vT
gere^eär, ■ Zwei; Städte, hatten sich enl^tlich ,dfinmv strablendx^r Prac^ht hm : der; .ist entJf^Tbkt ;;,i'=
bewöfbervr. Innsbruck und MuFiChen^, dotb wurde diesem Abbtld, hm deul die SofgfaU des Klrn^tJers diip 4i4r,'
dieses m^l großer SiimHeum^bTheil.-^ Sftz der neue ä; 4 ^’ä;hirtr€U*ä ins. kte,röste Öeiäil geWahrf Hat- Nieht 0^4>
öipt n e n Sc hi) p h \n g e rk ot^ n. De n Auss t: hl ug d a h er ga F: w e nigm; > ds GOt) OOi i B aiünc b e n st dd ü u f d ß n Ma tte n uh d
diö’günstige geögmphls;(:he^ L Mimr>,ens; ^ verstreut, die sich zu Füßen dieseir Bergriesen ;4 -
fö li r ts ziel^ üi viö ni uh sä hl i gä n B e L^^y n d hn, ds r E Hgäb gs-^ ■; sch m i hg an/ VO' ei che Un s u m m e vo n i^c hn i ^ e t\ . 4' ■ -
p.fqrte ÄU d eri xX ipe n; t mil ftkht mihd er das Kq thbef ■; upd pemlk h genau er A rbeit dieses ReH^f iii sic h bJrgt, d as T ;:; ;'
Anerbieten der Suädtgemeindür die dem Alperi-V^^ereU) Vt*rmag selbst der Eingeweihte kaum voll s^u bemessen,
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Alpines Museum, München: Vestibül und Haupteingang- mit den beiden Fig-uren: Bergsteiger und Skiläufer
(Geschenk des Münchener Bildhauers E. Geiger) (Phot.: Kester & Co., München)
Alpines Museum, München: Blick in den oberen Saal
(Phot.: Kester & Co., München)
672 DEUTSCHLAND Nr. 14
Ein weiteres Glanzstück des Museums bildet eine
alpine Tiergruppe auf einem künstlichen Felsen. Die
charakteristischen Vierfüßler und Vögel der Hoch¬
regionen sind hier auf engem Raum zusammengedrängt:
auf hoher Felsenzinne ein mächtiger Steinbock, etwas
tiefer die flinke Gemse, der raubgierige Luchs, der
gefräßige Bartgeier, der gefährliche Steinadler mit einem
erbeuteten Hasen, dann neben bekannteren Typen dieser
Tierwelt aixh die scheuen Murmeltiere in und vor ihrer
Höhle, die possierlichen Alpenhasen und das Schnee¬
huhn, ebenfalls im blendend weißen Winterkleide.
Unweit davon ist eine Sammlung von Steigeisen und
Eispickeln verschiedener Art aufgestellt, die das Interesse
der Hochtouristen in hohem Grade erregen, während
Alpines Museum, München:
Alte Grödner Tracht (Phot.: Kester & Co.)
bungen hält vielleicht kein anderer alpiner Verein so
hoch und unterstützt sie so freigebig, wie der Deutsche
und Oesterreichische Alpen-Verein, ln diesem Trakt
grüßt die wohlgelungene Büste des größten deutschen
Alpinisten, Ludwig Purtscheller (dessen bergsteigerische
Ausrüstung hier pietätvoll aufbewahrt wird) die Berg¬
freunde vertraut, umrahmt von einer Serie verschieden¬
artiger Eispickel, und die von Prof. Giesenhagen treff¬
lich angeordneten Pflanzengruppen in Bild und Natur (die
Flechten, die Frühblüher der Matten, die Blütenpflanzen
oberhalb der Schneegrenze, die Kalkpflanzen, die am
meisten bedrohten Kinder der alpinen Flora usw.) er¬
füllen uns mit Staunen darüber, daß die floristische Welt
selbst in den Hochregionen noch so reich vertreten
die zahlreichen Hüttenmodelle daneben, die zum Teil
Einblicke in das Innere dieser alpinen Unterkunftshäuser
gewähren, auch die Blicke der Nichtalpinisten auf sich
ziehen. Die Modelle von Hütten alten und neuen
Schlages (das alte und neue Hannoverhaus, die alte
und neue Berliner Hütte u. a.) zeigen nicht allein den
Fortschritt im Bau dieser Herbergen für Alpenwanderer
in einem Zeitraum von 20 bis 25 Jahren, sondern sie
veranschaulichen auch, was den Umfang und die Größe
sowie die komfortable Einrichtung dieser nun beinahe zu
„Alpen-Hotels" gewordenen Berghäuser betrifft, besser
als Zahlen die gewaltige Zunahme der Hochtouristik in
den letzten Jahren und die — Ansprüche der verwöhnten
Touristen von heute. Mit Milch, Käse und Schwarzbrot
und einem einfachen Heu¬
lager in einer ärmlichen
Hütte begnügten sich die
Pioniere der Alpen; die
jetzige Generation dagegen
will selbst auf Bergtouren
nicht allzuviel von ihrer
Bequemlichkeit vermissen.
An die stets wachsende
Ausdehnung des Winter¬
sports erinnert das nied¬
liche Modell des Schnee¬
schuh-Vereins München
wie auch eine stattliche
Reihe von Skiern aus ver¬
schiedenen Zeiten und in
mannigfachen Formen. —
Wie im nördlichen Teil des
Saales stehen nun auch im
Südflügel Gegenstände der
alpinen Wissenschaft und
derHochtouristik einträchtig
nebeneinander. Man wollte
geflissentlich nicht schema¬
tisieren, und damit hätte man
ja auch wider die Entwick¬
lungsgeschichte des Alpinis¬
mus gesündigt. Männer der
Wissenschaft waren zumeist
die ersten Bergeroberer in
den Alpen, und wenn auch
heute das sportlicheElement
hier Oberwasser hat, die
wissenschaftlichen Bestre¬
ist. Was der Bergbau in den Alpen zu Tage fördert, ist
daneben an einem konkreten Beispiel, der Ausbeute
vom Schneeberg im Stubai, deutlich versinnbildlicht.
Gegenüber dieser Gruppe sind die Erzeugnisse der
Hausindustrie in den Alpen in ansprechenden Gegen¬
ständen aufgestapelt, Zeugnisse des Fleißes, aber auch
der Kunstfertigkeit der Aelpler. Zweifellos wird diese
Abteilung noch um manche wertvolle Stücke bereichert
werden. Die beiden Vorräume zu dem Hauptsaal im
Erdgeschoß bieten für den Freund der Wissenschaft
wie der Bergsteigerei Anregendes und Belehrendes in
Hülle und Fülle. Wohl nirgends ist beispielsweise die
Entwicklung der alpinen Kartographie von ihren ersten
tastenden Anfängen bis zu ihrer heutigen hohen Stufe
Alpines Museum, München: Grödner Tracht
(Phot.: Kester & Co., München)
(Phot.: Kester & Co., München)
Alpines Museum, München: Tiergruppe im unteren Saal
674 DEUTSCHLAND Nr. 14
so lückenlos dargestellt worden als gerade hier. Zahl¬
reiche alte Karten bekunden, daß die Kartenzeichner
des 16.—18. Jahrhunderts sich mit der Erforschung des
Namens und der Lage der Berge nicht lange abquälten,
sondern oft recht willkürlich verfuhren. Ja, selbst der
Mont Blanc ist in den ältesten kartographischen Erzeug¬
nissen nicht einmal verzeichnet!
Aus den hier und im oberen Saale aufgestellten
Panoramen und Bildern aus der Frühzeit des Alpinismus
erhellt ferner, daß die Künstler und Zeichner der
damaligen Periode bei der Darstellung der Berg¬
bilder am Ende ihres Könnens angelangt waren. Den
einen erschienen sie als
Maulwurfshügel in ver¬
größertem Maßstabe,
den andern als ein
Gewirr von Nadeln und
Spitzen; allein die
charakteristische Form
der Berge vermochte
keiner von ihnen auch
nur annähernd wieder¬
zugeben. Tabellen und
andere graphische Dar¬
stellungen eröffnen uns
hier dankbare,leicht ver¬
ständliche Einblicke in
dieGeschichte des Alpi¬
nismus wie seines vor-
nehmstenVertreters des
Deutschen und Oester-
reichischen Alpenver¬
eins. So werden u. a.
veranschaulicht: Die
Höhenlage der Schutz¬
hütten des Vereins, die
Bezwingung der be¬
deutendsten Ostalpen¬
gipfel in chronologi¬
scher Folge, das An¬
schwellen der Alpinistik
und des Wintersports,
lehrreicheMomenteaus
der Physiologie und
Technik des Berg¬
steigens u. a. mehr.
Alte Reisehandbücher,
alpine Beschreibungen
der vergangenen Tage
mit charakteristischen Wiesbaden: Der
Bildern, Karten usw. in Vitrinen ergänzen dieses
Bild von der Entwicklung der Hochtouristik nach
der literarischen Seite hin. Alle diese Werke sowie
die Panoramen und Karten und auch nicht wenige
alte Stiche und Handzeichnungen (darunter eine Zeich¬
nung des Großvenedigers von dem jungen Defregger),
ferner die Briefe angesehener Alpenfreunde stammen
aus dem Schatze der 1902 begründeten, nunmehr
über 42 000 Nummern umfassenden Zentralbiblio¬
thek des Alpenvereins, und ihre andern Kostbar¬
keiten an Büchern und bildlichem Material werden
erst jetzt im Museum zu verdienten Ehren gelangen*
Im Treppenhaus (auf dem Wege zum oberen Saale)
fesseln den Blick außer kunstvollen Seilknoten und Weg¬
markierungen vor allem prächtige Pflanzenbilder, „Leih¬
gaben" des nun schon 10 Jahre segensreich wirkenden
„Vereins zum Schutze und zur Pflege der Alpenpflanzen".
Im oberen Saal ist eine überraschend große Zahl
von Reliefs vereinigt, und man hat hier des Guten
vielleicht etwas zu viel getan. Allerdings liefen gerade
in diesem Artikel zahllose Spenden ein, von denen
selbstredend nicht alle zur Schau gestellt wurden.
Den Preis verdienen hier das Relief des Malaspina¬
gletschers in Alaska und des Matterhorns von Imfeld,
während eine noch
nicht ganz vollendete
geoplastische Veran¬
schaulichung des alten
Inngletschers besonders
lehrreich wirkt. Das
letztere gilt auch von
den ausgestellten Gift¬
schlangen der Alpen,
ferner von hervor -
ragend schönen Bildern
aus dem Tian Schan
von Merzbacher und
anderen Darstellungen
alpiner Landschaften
(von Reschreiter usw.).
Dem Alpenfreund Erz¬
herzog Joh. von Oester¬
reich (dem ehemaligen
Reichsverweser), dem
berühmten Freund des
österreichischen Hoch¬
gebirges, ist hier eine
eigene Abteilung ge¬
widmet: Aquarelle und
Kopien von solchen
Bildern, die in seinem
Aufträge von J. Gauer¬
mann, M. Soder und
Th.Ender gemalt wurden
und als Vorwurf nicht nur
Hochgebirgslandschat-
ten wählen, sondern
den bergfreudigen Erz¬
herzog selbst auf seinen
Hochlandsfahrten.
Eine Fülle belehren-
Kurpark im Winter der Bilder wogt an dem
Beschauer des Museums vorüber, der hochbefriedigt
das Gebäude verläßt und es gar nicht empfindet, daß
diese jüngste Schöpfung des Deutschen und Oester-
reichischen Alpen-Vereins, die ein neues Ruhmesblatt
in dessen Geschichte bedeutet, noch im Werden be¬
griffen ist. Mit Eifer will der Verein die Vermehrung
und den innern Ausbau desselben betreiben, und in
diesem löblichen Bestreben wird er — und das ward
jüngst offen ausgesprochen — von der Stadtgemeinde
München kräftigst unterstützt werden, die neben der
treuen Obhut für die Kunst auch die warmherzige
Pflege des Alpinismus auf hier Fahne geschrieben hat.
Nr. 14 DEUTSCHLAND 1^
675
Wintertage in Wiesbaden.
Von Ludwig Anders.
Bei meinem Schreibtisch steht im Flitterglanz der
Weihnachtstage eine breitästige Tanne. Hoch und schlank
ragt sie vom Boden auf und füllt mit ihrem stolzen Wüchse
die ganze Höhe des Zimmers. Ich kann sie nicht sehen,
ohne zurückzudenken, von wannen sie kommt. Gleichsam
Wurzel muß ich ihr leihen; hinter ihr höre ich den Wald
rauschen, der meinem Hause nahe ist und den sie mir in
das Zimmer getragen hat, und der Sinn, der jetzt gerade an
Haus und Herd haften sollte, er zieht mit dem Harzduft, den
die Nadeln sehnsüchtig ausströmen, träumerisch in die
Feme. Ich muß an den Wald denken, dem sie entführt
worden ist, und der jetzt ernst und schweigend steht im
winterlichen Tagesweben. Die Vögel sind fortgezogen und
er hat seine Stimme verloren — es sei denn, daß mit schweren
Flügelschlägen ein Rabe über die Wipfel rudert oder die
stämmigen Bäume aufstöhnen im brausenden Sturm, dem sie
den Eintritt wehren in das friedliche Tal, um das sich der
Wald, keck den Bergwall emporstrebend, schützend gelegt
hat. Wie ein treuer Wächter steht er feierlich auf den
Bergen und Hängen — dieser schöne, wundersame Taunus¬
wald, der seit Jahrtausenden mit seinen verborgenen Wundern,
seinen schönen Heimlichkeiten, idyllischen Tälern und Kesseln
die Menschen gelockt hat, daß sie schon in grauer Vorzeit¬
tagen aus weiten Fernen an den Rhein wallfahrten, sich in
den Bergtälern des Taunus verloren und die müden und
bresthaften Knochen in den heilsamen Wässern der Quellen
stärkten und auskurierten, lieber der Zeiten tobendem Lärm
haben sie ihre Kraft bewahrt, und wo im Talgrunde das
heilkräftigste Wasser dem Mutterschoß der Erde entquoll,
wuchs gemächlich aus römischer Lagerfeste eine wehrhafte
Stadt empor, die vom Fürstensitz zur Residenzstadt sich
entwickelte und mit heiterm Glanz und frohgemuter Art
sich heute kaum der Tage erinnert, da römische Kohorten
zum erstenmal im Bereiche ihres Wunderquells erschienen.
Das alles hat der Wald gesehen, aus dem die Tanne
bei meinem Schreibtisch stammt, der Wald, zu dem in der
Dunkelheit das flimmernde Lichtmeer der großen Stadt
hinaufleuchtet, als sollte es ein Gruß und ein Dank sein
für den Schutz, den er ihr angedeihen läßt. Wiesbaden
und der Taunuswald — sie sind eng miteinander ver¬
wachsen. Die Stadt ist in Tälern und auf Berghängen zu
ihm heraufgestiegen und in ihn hineingewachsen, und er
selber schob seine Bäume und Büsche in ihr pochendes,
frohes, saft- und kraftstrotzendes Herz, so daß man vom
Kurhaus aus durch den Kurpark und die benachbarten An¬
lagen gehend direkt in den Wald gelangen und sich auf
stundenweiter Wanderung in ihm ergehen kann.
Es ist das Wunderbare an dieser großen Stadt, deren
Badequellen und Kurfaktoren weltberühmt sind, daß sie nicht
nur eine Stadt der Gärten, nein, daß sie eine Stadt des
Waldes ist — eine Waldstadt, wie es eine andere kaum
mehr gibt unter den Großstädten der Erde. Andere Gro߬
städte haben manchmal Wald, „ihren Wald'^ aber Wiesbaden
ist im Walde. Der Wald ist zur Weltkurstadt hinunter¬
gekommen und sie zu ihm hinaufgestiegen. Zu seinen
Füßen breitet sich die Bade- und Kur-Großstadt aus, füllt
den weiten Talkessel zwischen den Taunusbergen, dehnt und
reckt sich, bis die vorgeschobenen Landhaus- und Villen¬
quartiere im Osten und Westen wieder im Walde ver¬
schwinden, genau so wie der ganze Norden der Stadt.
Denn nordwärts reckt sich der Taunus zu riesenhaftem
langgestrecktem Buckel auf, wird scharf geschnitten von der
Schlucht des Sonnenbergertales und steigt dann über Bierstadt,
Kloppenheim zu dem breiten hügeldurchzogenen Hoch-
Wiesbaden: Paulinenschlößchen im Winter
676 DEUTSCHLAND Nr.l4
plateau des ^goldenen Grundes" auf, an dessen westlichem
Absturz sich das apfelweinberühmte Erbenheim hingelagert
hat, der Nachbarort des Wiesbadener Rennplatzes, einer der
technisch vollkommensten und der schönst gelegenen Europas,
mit einem Rundblick so unvergleichlich wundervoll wie die
reizvolle Großstadt zu seinen Füßen.
Wiesbaden! Mattiacum hießen es die Römer, und es
geht wie Glockengeläute durch das Wort. Weich und
lockend, daß man es wohl begreifen mag, die Erinnerung
daran über dem Portale von Professor Thierschs klassisch«
schönem Kurhaus«Neubau festgehalten zu sehen.
Die Römer wußten, wo es sich gut sein ließ, aber ihre
Nachfolger haben ''auch verstanden, an bequemer Stätte
Hütten zu bauen. Nun, und wir Gegenwartsmenschen haben
in dieser Kunst ebenfalls etwelche Erfahrung. Wie sollte
sich sonst der Aufschwung erklären, den Wiesbaden in
jeder Beziehung nimmt. Freilich, freilich: Die meisten Zeit¬
genossen kennen es nur vom Frühjahr oder vom Sommer
her — geradeso, als ob seit etwa einem Vierteljahrhundert
nicht der Winter „entdeckt'^ worden wäre. Neuerdings
natürlich, denn die „Entdeckung des Winters" ist, was Wies¬
baden anbelangt, seit Jahrhunderten schon ein geschicht¬
liches Geschehnis. Lesen wir darüber doch in uralten
Schwarten gelehrter Häupter, daß der Gebrauch der Wies¬
badener Bäder zur Winterszeit sich sehr empfehle, „weilen
die warmen Wasser ihre Vires durch die Kälte nicht ver¬
lieren, sondern weilen die kalte Luft verhütet, daß ihr sub¬
tiles flüchtiges Wesen nicht so geschwind als bei der
Sommerhitz ausdünstet, so muß folgen, daß diese warme
Wasserkur im Winter ebenso gut, wo nicht besser als im
Sommer zu gebrauchen''^
Gewiß, dieser medizinische Lobredner — der Frank¬
furter Medikus Dr. Joh. Hellfrich Jünckens war es — spricht
nur von den Bädern. Aber er lobt eben, was ihm am
nächsten lag, und Wald und Bergen wird der alte Herr
vielleicht nicht sonderlich Freund gewesen sein, denn die
waren der Gesundheit weniger zuträglich — von wegen der
Raubgesellen, die drinnen hausten. — —
Lieber Freund! Vor dem Kurhaus hör' ich Schellen¬
geläute. Da steht die lange Reihe der Schlitten, die zahl¬
reiche Freunde der Winterlandschaft hinausführen werden
auf hurtiger, täglich von der Kurverwaltung veranstalteter
Fahrt in das Waldrevier der Taunusberge. Was ist das
für ein fröhliches Dahingleiten und wie wechselvoll die Fülle
der Bilder. Erst fliegt die Stadt vorüber, lebenerfüllt im
Glast sonnenheller Wintertage — ist es doch eine Eigenart
Wiesbadens, daß sie nur sehr wenig sonnenlose Tage im
ganzen Jahre hat. Wochen mögen vergehen, ehe ein völlig
trüber Tag kommt, an dem nicht wenigstens auf ein Stündlein
die Sonne herniederlacht. Dann öffnet sich bald der Wald
mit seinen stillen Wundern und heimlichen Schönheiten.
Und wo sich eine Lücke in seinem Bestände zeigt, wo frucht¬
barer Ackerboden breite Felder in den Forst schneidet, da
bezaubern weite, herrliche Fernsichten das Auge, das nichts
als schauen mag und sich nicht losreißen will von dem
zaubervollen Panorama. Dann tauchen aus Wald oder Feld
hervorwachsend, tief im Talgrunde oder auf der Höhe
liegend, schmucke, saubere Dörflein und kleine betriebsame
Städte auf, da und dort schmiegt sich in den Waldesschutz
auf aussichtsreichem Bergeshange ein stattliches Schloß oder
behagliches Landhaus, am steilen Felsensturz oder auf
buckligem Bergkegel ragt trotzig eine verfallene Burg
empor und erzählt mit ihrem moosbewachsenen, bröck¬
ligen Gemäuer von romantischer Ritterzeit, von kühner
Männertat oder nüchternem Raubgewerbe adliger Schnapp¬
hähne. Ja, es war einmal — Anno dazumal — das kommt
nicht wieder vor.
Aber so werden tausendfache Erinnerungen lebendig ;
Märchen, Balladen und Romanzen regen sich, wenn man
durch die Taunuslande mit der Wiesbadener Kurverwaltung
Wiesbaden vom Neroberg aus
Nr. 14 DEUTSCHLAND 677
fährt. Das eben ist es ja, was diesen Fleck Erde so
wunderbar anziehend macht; die innige Verschmelzung der
Landschaft mit der Romantik des deutschen Volkes, mit seiner
großen Vergangenheit, in der die „Heldenlobebären" durch
die Lande ritten, der Kriegslärm tobte und in Not und
Schmerzen die rheinische Kultur geboren wurde, von der
das heutige Wiesbaden ein leuchtendes Musterbeispiel ist.
Wiesbaden zur Winterszeit. — Ein neuer Ton in
einer alten Melodei. Eine Taunusouvertüre. Denn Wies¬
baden ist mehr der Taunus, als jeder andere Ort in ihm.
Seine ganze Eigenart strömt hier zusammen und findet in
dieser Stadt ihren kräftigsten Ausdruck. Das Lieblich-Herbe
der Taunuslandschaft, alle seine Heilkräfte finden sich hier
in gesteigertem Maße und schaffen vereint mit der unver¬
gleichlichen Lage, der Größe und dem historischen Wachstum
der Stadt eine Reihe von Vorzügen, die nirgend wo anders
zu treffen noch zu erzeugen sind.
Wie sollte es auch möglich sein. Man kann nicht Berge
aufschütten, um einen Talkessel zu schaffen, der eine Stadt
aufnimmt und sie vollkommen schützt gegen alle rauhen
Winde; man kann
keine Gebirgsrücken
hochtürmen,um,nord -
wärts gelagert, jeden
kaltenLuftstrom fern¬
zuhalten, man kann
trotz aller chemischen
Wissenschaft auch
keine Quelle dem
Kochbrunnen gleich
aus den Eingeweiden
der Erde springen
machen.
Wenn es ander¬
wärts stürmt und
unfreundlich ist, die
Bäder im Norden
geschlossen und im
Süden noch nicht offen
sind, im Hochgebirge
aber die Wintersport¬
saison in den An¬
fängen steckt, dann
lacht im Mattiacum
der Römer freundlich
die Sonne, füllt alle
Winkel mit ihrem hellen Scheine und läßt ein Leben sich
entfalten, wie es eben nur eine Weltstadt von der vor¬
nehmen Vergangenheit Wiesbadens und seiner kultivierten
Tradition bieten kann. Das milde Klima Wiesbadens ist
bekannt und berühmt wie seine Heilquellen. Gerade des¬
wegen hat die Stadt sich ja als Winterkurplatz so ein¬
geführt und ist als Uebergangsstation aus dem rauhen
Norden zum Süden oder umgekehrt beliebt geworden. Wie
sollte sie auch nicht mit ihren vielgestaltigen Anregungen
und Reizen. Neben den großen Veranstaltungen des Kur¬
hauses, unter denen die Vortragsabende, die Zykluskonzerte,
die Ballfestlichkeiten einen ganz außergewöhnlichen Ruf
erlangt haben, steht das glanzvolle Hoftheater mit einer
beträchtlichen Reihe hervorragender Künstler im Schauspiel
wie der Oper, das Residenztheater, berühmt durch die
Ensemblefeinkunst, die in ihm gepflegt wird, gibt es ein
bürgerliches Schauspielhaus, ein gutes Operettentheater,
bieten sich zahllose andere Gelegenheiten zu künstlerischer
und geistiger Erbauung oder vergnüglicher Unterhaltung.
Das ganze Leben, das an dem Kurgaste vorüberzieht, zeigt
einen eleganten vornehmen Zuschnitt, der seine scharfe Aus¬
prägung findet in dem täglichen Korso um die Mittagstunde
oder die nachmittägliche Trinkzeit auf der Kurpromenade
und der Wilhelmstraße. Die Frühtrinkzeit für das heil¬
kräftige Kochbrunnenwasser — in der Trinkhalle^finden auch
in der kalten Jahreszeit Konzerte statt, wie im Kurhause
täglich mehrmals von der berühmten Kurkapelle — verschiebt
sich natürlich im Winter. Man trinkt seinen Brunnen
zwischen TT und 12 oder nachmittags zwischen 5 und 6 Uhr
und promeniert dann ein wenig auf der Wilhelmstraße, einer
der schönsten Straßenanlagen Deutschlands, von der der
holländische Kunstmaler van Warning ein prächtiges Oel-
bildchen impressionistischer Manier gemalt hat. Dabei läßt
man Wiesbadens elegante Gesellschaft Revue passieren,
pflegt ein bißchen Kurklatsch, tauscht Neuigkeiten aus und
trifft Verabredung für den Abend oder die kommenden Tage.
Wer aus Neigung oder gesundheitlichen Gründen im Freien
sich ergehen will, dem öffnen sich die nahe Umgebung der
Stadt wie der weitergelegene Taunus. Mancherlei Unter¬
nehmungen allein oder in Gesellschaft können den Tag aus¬
füllen. Terrainkuren der verschiedensten Art stählen den
Leidenden, der ihrer bedarf, wer seine Freude an Wald- und
Berg - Wanderungen
hat, kann stundenweit
im Waldesdom und
im Gebirge auf be¬
quemen und schwie¬
rigeren Wegen um¬
herschweifen, rasch
kommt er auch mit
Wagen und Bahn in
den hohen Taunus
oder hinüber zum
nahen Odenwald und
Spessart. Fröhliche
Fahrten in den Rhein¬
gau, rheinauf und
rheinab lassen sich
machen, und wenn
dann gar der Winter
eine dichte Hermelin¬
decke über Gebirge
und Tal gebreitet,
die Gewässer in
Banden geschlagen
hat, juchha, dann ist
die Hochgezeit des
sportlustigen Winter¬
freundes gekommen. Der Schlittschuh wird an den Fuß
geschnallt, der Rodelschlitten hervorgeholt und aus der
Ecke die Skier genommen. Dann geht es hinaus, und auf
den Eis- und Rodelbahnen, die Wiesbaden in solcher
Fülle und prächtig angelegt hat, entfaltet sich ein frohes,
übermütiges Treiben. Dazu die klare frische Winterluft,
die so belebend, kräftigend und reinigend durch die
ganze Stadt weht, daß einem das Herz aufgeht und man
sich nicht trennen will und kann von diesem herrlichen
Erdenfleck, den ein Gott in glücklichster Laune zur Freude
der Menschen geschaffen.
Und sie danken es ihm und wissen es zu würdigen.
Um mehr als 4000 Köpfe hat im Jahre 1911 die Zahl der
wirklichen Kurgäste (59 342) bei einer Gesamtfrequenz
von über 176000 gegen 1910 zugenommen und davon sind
nicht die wenigsten im Winter gekommen. Viele benutzen
Wiesbaden als Uebergangsstation, andere wieder suchen es
sehr mit Recht als direkten Winterkurort auf, recht zahl¬
reich aber ist auch schon die Zahl jener, die aus winter¬
sportlichen Gründen hier Quartier nehmen. Jedem Geld¬
beutel kann hier Rechnung getragen werden; denn daß
Wiesbaden ein teueres Pflaster wäre, ist nichts anderes
678 DEUTSCHLAND Nr. 14
als ein leeres Gerede. Die Fülle seiner Hotels, Pensionen
wie Restaurants bietet jegliche Gewähr für weislich ab¬
gestufte Beherbergungs- und Verpflegungssätze, die schon
durch den Charakter, Wiesbaden als Großstadt, bedingt
werden. Der Reiche wie der weniger Bemittelte werden
hier ihre Ansprüche vollauf befriedigen können. Deshalb
kommt die Weltkurstadt im Taunus auch als Ruhewohnsitz
neben ihren sonstigen Vorzügen sehr in Frage, vielleicht
auch deshalb, weil sie ein Wohnungswesen von so ver¬
feinerter Kultur hat, wie wenige andere Städte von ihrer Größe.
Deutsche Kunst in Belgien.
Von Julius Wertheimer (Brüssel).
Die engen geistigen Beziehungen, die zwischen
Frankreich und Belgien bestehen, und die weniger ein
Produkt der politischen Verhältnisse als eine Folge der
Sprachgleichheit sind, haben es mit sich gebracht, daß
die Geschmacksrichtung der Belgier sich eng an die
ihrer westlichen Nachbarn anlehnt. Schon aus diesem
Grunde konnte eine engere Fühlung zwischen dem
deutschen und dem belgischen Kunstempfinden nicht
geschaffen werden. Wenn man sich heute der Ab¬
stammung der Belgier erinnert und herausgefunden
hat, daß der Vlame nicht nur Rasse-, sondern auch
Geschmacksgemeinschaft mit uns haben muß, so ent¬
spricht dieser Gedanke der in Deutschland mehr und
mehr sich breit machenden Expansions-Notwendigkeit.
Aus diesem Grunde geschah es wohl auch, daß die
ersten Versuche einer deutsch - belgischen Kunst-
Annäherung, von denen ernstlich gesprochen werden
kann, von den Kunstgewerben ausgingen, also weniger
von den Intellektuellen als von den Kommerziellen.
Auf der Welt-Ausstellung in Brüssel vor zwei Jahren
erschien Deutschland mit einer bedeutenden Raumkunst-
Ausstellung, in der so ziemlich wahrheitsgemäß über
den heutigen Stand unseres Kunstgewerbes berichtet
wurde. Für jeden Deutschen, der Belgien und Frankreich
kennt, war es sofort klar, daß es vorerst ein Problem
bleiben müsse, mit derartigen Kunstprodukten die
längst ersehnte belgisch-deutsche Kunst-Annäherung
herbeizuführen. Die Innendekoration, deren sich der
Belgier bedient, entstammt immer noch dem klassischen
französischen Zeitalter, und da, wo die Moderne ein
wenig mitgesprochen hat, findet man nichtsdesto¬
weniger eine Anlehnung an das Zeitalter der fran¬
zösischen Könige. Schon aus diesem Grunde bestaunte
der Belgier das, was Deutschland vorführte, mehr als
eine Kuriosität, als die Emanation ernst ringender
Künstler, denen es darum zu tun ist, dem großen
Deutschen Reich einen eigenen Stil zu schaffen.
— Während man es unternommen hatte, den Belgiern
Dorfecke, holländische Landschaft, von Prof. Eugen Kampf, Düsseldorf
Nr. 14 DEUTSCHLAND 67Q
die Raumkunst darzubieten, haben es unsere Künstler
nicht gewagt, sich an der großen internationalen Kunst¬
ausstellung zu beteiligen, die im Cinquantenaire während
der Welt-Ausstellung veranstaltet wurde. Offiziell hat man
damals gesagt, Deutschland habe große Verpflichtungen
in Rom zu erfüllen und könne seinen Künstlern nicht
zumuten, zwei Jahre hintereinander bedeutende große
Kunstausstellungen zu beschicken. In Wirklichkeit war
das Fehlen der deutschen Kunst auf jener großen
Ausstellung zu erklären mit der absoluten Ablehnung,
die unsere Künstler auf der letzten Welt-Ausstellung in
Lüttich erfahren haben. Nicht mit Unrecht. Denn damals
war deutscherseits eine recht wenig passende Aus¬
wahl der auszustellenden Werke getroffen worden, und
was nachher hier und da auf anderen belgischen Kunst¬
ausstellungen gezeigt wurde, war wahrhaftig auch nicht
geeignet, den Belgiern den Glauben beizubringen, daß
wir ernst ringende und ernst schaffende Künstler
besitzen, die nicht nur ein Können, sondern auch ein
Wollen haben. Gewiß muß zugegeben werden, daß die
belgische Kritik nicht gerade vollständig frei von Vor¬
urteil ist. Es erklärt sich das aus der Schulung dieser
Leute und aus der geistigen Abhängigkeit, in die sie all¬
mählich geraten sind. Die belgische Presse ist gewöhnt,
alles unter dem Gesichtswinkel der französischen Presse
zu betrachten, und selbst ihre besten Vertreter vermögen
sich nur erst nach und nach und unter schwerem Ringen
von den Fesseln vieler Jahrzehnte zu befreien. Man
konnte das am besten beobachten bei der Beurteilung
dessen, was Deutschland in der Raumkunst-Abteilung
der Brüsseler Welt-Ausstellung leistete. Es wurde zwar
anerkannt, daß hier ernste Künstler nach einer selb¬
ständigen Ausdrucksmöglichkeit strebten, das Ganze
aber wurde doch etwas summarisch als für den
romanischen Geschmack ungenießbar hingestellt. Selbst
die vortreffliche Auswahl von Bildern, die Professor
Clemen (Bonn) getroffen hatte und die in dem Raum
eines Kunstfreundes vereinigt war, fand nur bedingte
Anerkennung da, wo sie überhaupt beachtet wurde.
Es lag deshalb allen ehrlichen Freunden deutscher
Kunst — und es gibt deren in Belgien — nahe, einmal
den vollgültigen Beweis zu liefern, daß unsere Kunst
sich der belgischen nähert, zum mindesten aber neben
ihr bestehen kann. Man trug sich eine Zeitlang mit
dem Gedanken, im Jahre 1913 in Brüssel eine große
deutsche Kunstausstellung zu veranstalten, aber es
scheint, daß die leitenden Kreise diesen Gedanken
wieder aufgegeben haben, denn trotz des Entgegen¬
kommens der belgischen Regierung, die sich bereit
erklärte, ein derartiges Unternehmen tatkräftig zu unter¬
stützen, hat man bis zur Stunde über den Plan nichts
mehr vernommen. Da kam urplötzlich die letzte große
Aquarell-Ausstellung der Belgischen König¬
lichen Gesellschaft der Aquarellisten, die mit
einer deutschen Abteilung aufwartete. Die Auf¬
nahme, die unsere deutschen Künstler schon am Firnis-
Holländische Stadt, von H. Cassiers, Brüssel (Phot.: V. Hennebert, Brüssel)
V
haben f überttiiä v mah erkan nte
Erfolg, der Wn]^^hr.’.erzkU ^ w
hätte ersliy;:S^6fd^ert,kö wenn
hätte^. eiViö Kurt^it^er zur
ßiiäii^^^ßiner der bedeutcrUfe^fi; foöt^schea
ausstel iii hgen zn animiereu' uhd Wefvh- man, hny ^ie
hier verstanden hätfe die richtige " Auswahl iu treflen,
Die Anregung m dieser deutschen !^vd^^ön"^ Isft
ghicklieherweise von bel^ds^^her Seite /rui^^g^ngen.
Mb n h at es nicht b ereut, do 13 man unse reii ’ Kühstäeri \
gßstlic he Aufn ahrrie gewärtev ynd it/tn: GJüc:k wdßte siciv
auch die Krltik von den Eessidh.; pniitischet B rwag\rngen
zu befreien. Der beste Beweli? htörfuir ist. daß es der
belgisthh: Staat wsgeh konnte; 004 deutschen Ab¬
teilung hir idai moderne : :
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EtikauTaiC ;■: :pB Ist ein
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Ehre fül^i i w itd; n un m e h t ''':-^.
im Belgischen Nötibnai:^
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söln.:'-'■ ¥h^['ä$sör:;;:ßugen'
KämpTs >^0orießi^öwar
js;e, : di^ riet belgt^izhe
dWitiistöt der [s-'j^höncn
JKilnstö ausgesutht;
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ausgestellten Bilder war
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Äci^h':': GM'bhmöC.ks':; g cA' '
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zu loben und sie ^digten
sichgewls^ermaßend-ai>
ilbererstaunt.daß unsere-
. I'elte. t-on rwl
ebensöteh^T ihngen dt^tn; CVescisi^ -der
Hanno i * le 0 cnvu g e , zu 1 e i s t e n i de r La g e si n d;. p e r J5r*
öfftumg der Auisteihmg wohj\te ouch Knnig^ Albert
beiv^i^der die deutsche Abteilung unter |?(iKKtu
Hfeefi Prdfeasör Bugen Kampf rmd de^ Gt^schä
i'ührera . dcsf pßsseldoil'er Kunst/'Au>ssteHüTtgen> Hoh
Ktniisth^indiürs liismeyer btjsöüdet'i, eingehend; bezieh'"
UgEe. V.0n bedeutenden Kuustl^jm, d?^ AUsslölfahg,'
beschit^ktietr nennen wir die beiden K^^rvpf fBe.rbu
und Diisseidorf), Max Liebermönn (ßeUiri); Liefoerhmh'n
(M ß n c h e h )y Ha h s v o n föa r le 1 & (M u nch e n), M a x Uth
(Berlinb die tHisseldorfer BröFessor Schü), Fritz Ißausingy
ß^~ ~s^ßVk: jlemer
F^fes/spr;; ^
Vdft der ^Htner
- öhgren Pigurt^Ä 41 ^ JVöletatierstand. fae'^'
sonders beaGhtib weil sie in ihrer -ilhi^Uch-
dfer . M^Ufiier^hhj^n Kippst ähneln),
fV o fe t>r H erm^nu^s' (D iise e! d 0 r f),
ProFeissoi f L ;Ev Pohfei Professor
Hadke r ti hd AfeShfrt'h. erwahh t.
Kolonie .sind SaVfdmfeks Martnesfücke ' rmd Proffessör
Hans JfermVamA nennen,y Eine gewisse
Arrfmerksamkelt Jj^uktetv die. Dakar adv-des ■
Alünchners Paui-A"$iienborh euf sich. Bg'.&f .dte^ eine
fMächenkunst; fdr die- ^er’bd^^'- die Befgie i d oriK die
.KKhüpffsebe Ärt eipe -gewisse Schulung besitzen.:
Die deh liefefer die der
Deutschen 741 std%Pr tr^diCe ein(?h gewissen , Reiz
V..:h d b e ri, w en n m an d a voti
nrchl aus ganz begtirinrn*
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hiEbi^V vUhd. die beiden .Kohbeheih (harnentHcb des.
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der' beig,hlt.he'Ä3"Äqua-
t’elhi'en^urn.f seine vlatnl^
Ät-befi uhd hoUandist^
mit:; fein.er .solchen Hvj>^=
d'^ivü 4he: Ra&5engemeiri> -
Schaft def Vlämeh^ urid
pß(^1tiSchen, daß tnan es
, hIch t be s o n de rs v e r-
wui^derlich HndeR darf,
i-vhmv grade dieser:MaIer
der lelzten. DüsseD
tljdM^r AquarelFAuSstel”
: timg die geistigen Be--
t i:eh u ri ge üy, die z>vFs c h e n
dev^^^elgischen und der
ciehrlichen,, Kunst be^
S tG h e i \: h erau :sg e f un den
h bt r Di e ses V er s te h e r>
hat :4} ß kun s tl en scKe
■ Anhöhe tü n g -tw jsc h en
, ÜeiuSchlund und Belgien.
X.'uchbütrx, geboren. Wir hoffen und
-Wüusc h daß - bß I di em ei nen ersuche u n 5 erä r
•döüUcheii Krln^ifep;Art Bel^^ Wurzel fassen, ntcht,
bleiben wirth Aber. wäun Immer wir aLicdi, dßn Verbuch
/ erneuern, dann wölfeu vvir auch tlßlur euuretenf daß es
nicht eJT\.^^hm fife zwecks Eroberung die Grerv^en
uhtpschfoil^tvr es muß Inismer eme. Gemeinschafl sein*.
, dfe, ‘^K\i ^ii ein(?r Bes^lui^kPhg belgischer KuhsGAitä’-;
, lltvu geri : ^ni^eidife ßh rmd über tli eset G ememscheft
mü^Ü mit sc.hülzetKfe Hund die ernste xmd tmerbittlicH
■strenge Kritik ^ dies jetzt tatsächjitk ger-
5 t:hehGn izu Sjein/^ch^fht, Dann braucht es uns nicht
b, lim di Äu kühft ?u sein/ dün n wird die deutsche
:^c,hfe und wahre Kirnsh wie in früherer auch in der
fef neren 2ükLffift uuiverselle Anetkennung finden.
□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□
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Markt, von Prof. Hans Herrmann, Berlin
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üi Bnjiail. ZAjr DÄt^tellimg gf^bfüchtj^von dersichdiö mof>U“^
tßl gbh alt^eh siIbt-itven ß ucbslöbea sehr .wirkimgrsV ^M
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^lilMsfeld irnir^htrU ein lein prbfilierter ktthrDeTir
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■tf^^riV^.-K-blrsef'Bt-iüer'’’' bhd. der''^^vb^frii»j;'^,m. pmc^ Emai^
ÄChiiVack aA.isg^eliliVi t* e.i bbn jgdöcklKber^ Abschluß biideL Das
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.■'weitk-Anv: ■ß^rbiU' ■ -r^:■:-Di?t£-'• Ge^t;l>enk. diirf mH .•.■ sls.’.ieine
■Vbb5^|^T-i^r4bP>?‘'t^ • :berv=örra!^ebd^? ■’.bÄG'tung^
vd^^..^üi^^;• bezeichnet ■ werden, ■ ■
. .;t ;l>i-i'^ .Pj-.ike,¥Uv ■^T\ü\P itx. eihenv von .'buicbbimier--. öus't„
.•JBi|j<cb-ie')f;,lK^;4jr4 teiift en Lederetui, öb mnerenv
■&Kkat ^ ■• iS ine . ■ v.f>rr;:; Mwit^;' •■.■ ■ P □ .5 s' 0^ V u Ti'li ' scbÜn;: gez-ei chn a te
Atb e.'jse die NUit 3eri d am G escKenk nabar beteiUgten
Per^oheii^. krvLUtj^en,: Ven^ine Eei^t^ so daii aue^K 41« eixßere
UmluiUiifi^: m l|tVe:jr -T^ijcSi^^A ziifb Inhalt paßb
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Nr.l4 DEUTSCHLAND 683
Die städtischen Gartenanlagen in Köln.
Von Gartendirektor Fritz Encke.
Wenn man statistische Zusammenstellungen über die
öffentlichen Gärten der Großstädte betrachtet, so findet man
die Stadt Köln nicht unter den ersten, was die Größe der
Grünanlagen anbetrifft. Statistische Zahlen sind aber unge«
recht, will man daraus ohne weiteres Schlüsse auf die größeren
oder geringeren Leistungen der Städte ziehen. Hierzu gehört
vielmehr die Kenntnis der geschichtlichen Entwicklung der in
der Statistik verglichenen Städte. Glücklich so manche Stadt,
die ihre Wohnstraßen bis an das Waldesgrün der benach¬
barten Höhen heranschieben kann; glücklich manch andere,
die als Vermächtnis einer früheren Zeit die weiten Park¬
anlagen einer ehemals fürstlichen Residenz überkommen
hat! Glücklich auch solche, die als Erinnerung an die
napoleonischen Stürme vor 100 Jahren einen grünen Gürtel
prächtiger Baum-
an die erhaltene alte Stadtmauer mit dem Graben, ein reich
ausgestatteter Schmuckplatz entstehen, für dessen Ausgestal¬
tung ein hochherziger Bürger der Stadt 200000 Mk. ge¬
stiftet hat. Besonders schön sind die Alleestraßen in der
ältesten Villenkolonie Kölns, der Marienburg.
An größeren Anlagen innerhalb der Umwallung sind der
15 Hektar große Volksgarten und der 6,4 Hektar um¬
fassende Stadtgarten zu nennen. Letzterer ist die älteste
Kölner Parkanlage. Sie besteht bereits, wenn auch anders
gestaltet, seit 1827 und zeichnet sich deshalb durch male¬
rische alte Bäume aus.
Der Volksgarten ist in den Jahren 1887/90 auf ehe¬
maligem Festungsgelände von Kowallek geschaffen. Diese
beiden Stadtparks, zumal der Volksgarten, sind vorbildlich
anlagen an Stelle
der früheren Be¬
festigung besitzen.
Von alledem
kann die Stadt Köln
nichts aufweisen,
vielmehr bleibt sie
noch immer in der
ehemenUmarmung
der Festung, auch
wenn ihr der Panzer
demnächst etwas
erweitert werden
wird. Und dennoch
erfreuen sich die
Kölner öffentlichen
Anlagen einer ge¬
wissen Beliebtheit
in den Rheinlanden,
ja vielleicht gerade
deshalb,weil sie ihre
Entstehung eigener
Kraft verdanken. —
DerWald liegt viele
Kilometer von Köln
entfernt. Aber die
städtischen Bahnen
bieten häufige so¬
wie schnelle und
bequeme Gelegen¬
heit, die schönen
Köln: Klettenberg-Park, Restauration
Waldungen des Vorgebirges und des Bergischen Landes zu
erreichen. So ist für die weiten Fußwanderungen gesorgt.
Freilich noch reizvoller ist die Verbindung der Fußwande¬
rung mit der Fahrt auf dem Rheine, die nun einmal für
uns Kölner zu den schönsten Erholungen gehört. Auch
ein Spaziergang am Rheine und seinen Hafen-Anlagen
ist außerordentlich lohnend, um so mehr, als schattige
Alleen den Strom in einer Länge von etwa 9 Kilometer be¬
gleiten. An wohlgepflegten Baumpflanzungen ist überhaupt
kein Mangel. Sowohl die Wallstraßen, wie in engerem Bogen
die Ringe, bieten zusammenhängende, schattige Spaziergänge
um die linksrheinische alte Stadt. Dabei sind die Alleen
der Ringstraßen hie und da zu grünen Schmuckstücken
und blühenden Gärten erweitert, wie am Ubierring, Sachsen¬
ring, Kaiser-Wilhelm-Ring und Deutschen Ring. Auch am
Kunstgewerbe- und Schnütgen-Museum grenzt die Ringstraße
an größere Gartenanlagen. Hier soll demnächst nach Voll¬
endung der neu zu errichtenden Kunstgewerbeschule, angelehnt
geworden für zahlreiche Gärten, die in den letzten Jahrzehnten
im Westen Deutschlands ausgeführt worden sind. Rasen¬
flächen, auf denen kulissenartig Baum- und Strauchgruppen
angeordnet sind; ein buchtiger Weiher mit Springstrahl oder
wasserfallartigem Zulauf; an bevorzugter Stelle ein Garten¬
restaurant, von dem die Hauptsicht durch den Park ausgeht;
ein ziemlich kompliziertes Wegenetz, von dem aus die eben
skizzierten Landschaftsmotive in möglichst mannigfaltiger
Behandlung dem Auge sich darbieten: das ist in kurzen
Worten die Art dieses Parktypus. Freilich haftet diesen
Gärten wie allen ihrer Art etwas Konventionelles an, was in
den sauber begrenzten, in schlanken Kurven geführten Wegen,
in den sorgfältig gehaltenen, kurz geschorenen Rasen¬
flächen, in den mit allerlei Strauchwerk in die Rasenbahnen
sich vorschiebenden Gehölzgruppen zum Ausdruck kommt.
Es lag deshalb nahe, auch einmal einen Park zu schaffen,
der sich nicht nur sozusagen im Frack präsentiert, sondern
der ein bescheidenes Gewand trägt, dafür aber der in keiner
/
684 DEUTSCHLAND Nr. 14
Köln: Vorgebirg*s«Park
Weise in Fesseln g'eschlagenen Natur sich nähert. Als solcher
ist der in den Jahren 1905/06 von dem Verfasser geschaffene
7 Hektar große Klettenberg-Park (Abb. 1) anzusprechen.
Bei seiner Anlage ist ein zirka 10 Meter tiefes, ausgeziegeltes
und ausgesandetes Gelände, das für die Bebauung wenig
brauchbar war, anderseits aber gerade durch seine Höhen¬
unterschiede zu reizvollen Bildern Gelegenheit bot, benutzt
worden. Stehende und fließende Gewässer mit üppiger Ufer¬
vegetation, Wiesen mit schwankenden Gräsern und bunten
Blumen, für die Heide charakteristische Pflanzengemein¬
schaften, an sonnigen wie an schattigen, an trockenen wie
an quellenreichen Abhängen heimische Vegetationsbilder sind
hier die wesentlichsten Motive für die Parkgestaltung.
Die Neuzeit stellt aber noch andere Anforderungen an
einen öffentlichen Park, als sie hier dargeboten werden. Sie
ordert die Benutzung des grünen Rasens zu ungezwungenem
Spiel von jung und alt und zur Lagerstätte für Familien
und Gesellschaften. Sie verlangt Plätze für Ballspiele,
Laufen und Springen. Diesen Bedürfnissen trägt das
Programm zweier jetzt in Ausführung begriffener Parks in
vollem Maße Rechnung, von denen der eine im Süden, der
andere im Norden, zwischen den volkreichen Stadtteilen
Ehrenfeld und Nippes liegt.
Der erstere (Abb. 2), der 13 Hektar umfaßt, besteht im
wesentlichen aus großen Rasenflächen, auf denen einzelne,
locker ausgestreute Baumgruppen den nötigen Schatten bieten.
Dem Spielen kleiner Kinder im Sand und am Wasser dient
ein etwa 30 bis 40 Zentimeter tiefes, größeres Wasserbecken,
das von einem sandigen Strand umgeben ist, so daß die
Kleinen dort ihre Burgen bauen, Kuchen backen oder im
Teich ihre Schiffchen schwimmen lassen können. Um aber
den Wünschen des ruhebedürftigen Teiles der Besucher zu
Nr. 14 DEUTSCHLAND 685
entsprechen, ist ein Teil des Parkes zu reizvollen Rosen« und
Blumengärten mit Wasserbecken und Springbrunnen, mit
Lauben und Sitzplätzen aller Art eingerichtet. Sie sind von
den freigegebenen Parkflächen durch Mauern und Hecken
getrennt, welche die in solchen Gärten notwendige Aufsicht
erleichtern. Seine Herstellungskosten betragen ohne Grund«
erwerb 195000 Mk.
Der andere, 17 Hektar große Park, für dessen Herstellung
415 000 Mk. bewilligt sind, hat außer Spielwiesen, Tennis«
plätzen, verschiedenen Sandspielplätzen und Blumengärten
einen Teich, der im Sommer zum Kahnfahren, im Winter zum
Schlittschuhlaufen dient. Auch wird er ein Gartenrestaurant
mit schattigen Terrassen aufnehmen. Im Gegensatz zu allen
anderen Volksparks in Köln und wohl auch in den meisten
anderen Städten, ist er in streng regelmäßiger Linienführung
nach architektonischen Grundsätzen aufgebaut. Die ver«
schiedenen, oben angeführten Teile gliedern sich einer
großen Längsachse an und werden durch schattige gerad«
linige Alleen von einander getrennt. Die langen Baumreihen
und regelmäßig ge«
pflanzten Haine, die
in die waldartige
Pflanzung einge«
schnittenen Plätze,
die weiten Sichten
über die geradlinig
begrenztenWasser«
und Rasenflächen
(Abb. 3) erinnern
an die fürstlichen
Gärten der Barock«
zeit. Gleichwohl
bezwecken die An«
lagen nicht, hÖfi«
scher Repräsen«
tation zu dienen,
wie diese, sondern
sie verdanken ihr
Entstehen den ver«
schiedenen neuzeit¬
lichen Bedürfnissen
einer großstädti«
sehen Bevölkerung.
Neben den auf«
geführten Parks
besitzt Köln noch
zwei kleinere, den
Römerpark und
den S ü d p a r k*
Außerdem sind längs des Rheines, sowohl am rechten wie am
linken Ufer langgestreckte Grasflächen der Bevölkerung zur
freien Benutzung übergeben und erfreuen sich eines ausgiebigen
Besuches aus den verschiedensten Gesellschaftsschichten. Im
Zusammenhang mit der rechtsrheinischen freigegebenen
vUferstrecke, die allerdings öfters vom Rhein überflutet wird,
sind, einige Meter höher gelegen, umfangreiche Spielplätze
eingerichtet worden. Plätze für Tennis, Hockey, Fußball,
Schlag« und Schleuderball, sowie für Leichtathletik sind hier
vorhanden. Im Sommer wie im Winter herrscht darauf ein
buntes Treiben, und dies um so mehr, als im Winter die
Tennisplätze in eine Eisbahn umgewandelt werden.
Der größte Stolz des Kölners ist jedoch der „S t a d t wa 1 d".
Da, wie schon eingangs erwähnt, die nächste Umgegend
von Köln ganz ohne Wald ist, wurde in dem Jahre 1895
im Vorort Lindenthal ein zirka 104 Hektar großes Gelände
für beinahe 2 Millionen Mark angekauft und darauf für
abermals 700 000 Mk. ein großzügiger Waldpark geschalfen.
Spazierwege in dem, wenn auch noch jungen, doch schon
Schatten spendenden Walde, Fahrstraßen und Reitwege, große,
stets freigegebene Volkswiesen, Radfahrbahnen, ein Radreigen«
platz, sowie zahlreiche Tennisplätze (Abb. 4) stehen hier der
Bevölkerung zur Verfügung. Ein aus Wald und Wiesen
bestehender Teil ist zu einem Wildpark eingerichtet, den
Damwild und Rehe, sowie viele Fasanen bevölkern. Ein
4 Hektar großer Teich dient zum Kahnfahren und Schlittschuh«
laufen; kleine Teiche, die hierzu nicht benutzt werden dürfen,
zeigen eine reiche Flora von Wasser« und Uferpflanzen.
Auf der rechten Rheinseite hat der Lindenthaler Stadt«
wald, allerdings viel weiter vom Zentrum der Stadt ent«
fernt, ein Gegenstück in dem Gremberger Wäldchen
erhalten.
Dienen diese größten städtischen Grünanlagen als das
Ziel weiterer Spaziergänge zu längerem Aufenthalt, so sind
für die Bevölkerung gleich wichtig die kleinen, grünen
Oasen, die innerhalb der verschiedenen Stadtviertel zahlreich
anzutreffen sind. Der baumbepflanzte Platz, auf dem sich
die Jugend ungezwungen tummelt, ist die einfachste, trotz«
dem aber sehr schöne Art solcher kleinen, für die nächsten
Anwohner berechneten, öffentlichen Anlagen. In Gegenden,
in denen zu jedem Hause ein Garten gehört, so daß ein
Bedürfnis für öffentliche Spielplätze nicht vorliegt, wird an
Stelle des Spielplatzes der Schmuckplatz treten, der durch
Baum und Strauch, Gras und Blumen das Auge des An«
wohners und Vorübergehenden erfreut. Eine Vereinigung
beider Platzarten ist der Platz, der sowohl eine größere ode*"
kleinere Spielfläche, als auch gartenmäßig behandelte Teile
aufweist. An Beispielen gerade für diese Ausgestaltung
fehlt es in Köln nicht. Es sei auf den Leipziger Platz,
Königin«Luisen«Platz, Manderscheider Platz, DeNoel«Platzund
Lortzing«Platz (Abb. Seite 686) als Beispiel verwiesen. Sollen
diese Plätze dauernd einen gepflegten Eindruck machen, so
ist ein Haupterfordernis der strenge Abschluß der Spiel«
flächen gegen die gartenmäßige Umgebung. Als ein
gelungenes Beispiel dafür dürfte der Spielplatz am Deutschen
Ring gelten, der, mitten im reichsten Blumenschmuck gelegen,
dennoch keinerlei Zerstörungsmöglichkeit bietet.
Köln: Sportplatz im Stadtwald
686
DEUTSCHLAND
m Nr. 14
Mit der Besprechung* von Baumpflanzung*en, Parks, Stadt¬
wäldern und Platzanlag*en ist die Schilderung städtischer
Grünanlagen nicht erschöpft. Vielmehr gibt es noch vielerlei
kleine Gartenanlagen im Zusammenhang mit öffentlichen
Bauwerken, wie Kirchen, Museen, Torgebäuden usw., die oft
ür das Städtebild von großer Bedeutung sind.
Um von dem . Umfange der Kölner öffentlichen Garten¬
anlagen einen Begriff zu geben, seien zum Schluß einige
Zahlen angeführt. Die städtischen Grünanlagen umfassen im
ganzen 263^Hektar, darunter 19 Anlagen über 1 Hektar
Größe und 95 kleinere, von denen etwa 40 Spielplätze sind.
Die Unterhaltung der Anlagen erforderte im Etatsjahr IQIO
einen Kostenaufwand von rund 400000 Mk. ohne Ver¬
zinsung der Grundstücks- und Anlagekosten, sowie ohne die
Unterhaltung der Gebäude.
In diesen Angaben sind nicht berücksichtigt die Fried¬
höfe, sowie die der Bevölkerung nicht zugängigen Gärten
der Krankenanstalten, Konvente und Schulen.
Aus den Anfängen des Schaufelrades.
Von Dr. Otto Dresemann.
Ob bewußt oder unbewußt — das Mühlrad hat in den
Anfängen der Dampfschiffahrt den Erfindern und Erbauern
als Muster für ihr äußeres Triebmittel vorgeschwebt; sie
kehrten nur den Weg, den die Kraft nahm, um: gab die
Welle dem Mühlrad den Antrieb, den es nach innen weiter
zu vermitteln hatte, kam die Kraft beim Schaufelrad von
innen und stemmte
sich gegen die
Welle. An diese
Art von Schiffs¬
bewegung dachte
man schon zwei
Jahrhunderte vor
derEinführung der
Dampfkraft. „Es
kann ein Schiff
getrieben werden
ohne Segel, wenn
man eine gewisse
Anzahl Räder an
derAußenseite des
Schiffes anbringt
in der Art, daß
die Schaufeln der
Räder ins Wasser
tauchen und diese
durch irgend eine
Kraft gedreht wer¬
den; dann werden
diese Räder das
Schiff fortbewe¬
gen." So schrieb
schon 1578 der
Engländer William Bourne. Daß man 1543 in Spanien im Hafen
von Barcelona Karl V. einen Raddampfer vorgeführt habe, ge¬
hört wohl zu den mannigfaltigen technischen Märchen. Als
dann der Dampf die „eine Kraft" wurde, mittels deren man
Maschinen zur Bewegung der Räder betreiben konnte, stießen
der Plan und das Verfahren genau so auf Einspruch, Ab¬
mahnung und böse Prophezeiungen, wie später die Dampf¬
wagen und das lenkbare Luftschiff in seinen Anfängen.
Wenigstens für die Ozeandampfschiffahrt. Das alte Lied des
Horaz Illi robur et aes triplex in neuer Aufmachung. Man
sagte, wie die Hamburg-Amerika Linie in ihrer Festschrift von
1907 erinnert, daß die gütige Vorsehung niemals erlauben
würde, daß Fahrzeuge gegen Wind und Flut getrieben würden.
Hervorragende Gelehrte wiesen auf die Hindernisse hin, die
dem Schiffe infolge der physikalischen Eigenschaften des
Meeres entgegentreten würden. Diese müßten, wie sie sagten,
auf jedes durch Dampf fortbewegte Schiff einwirken, und es
könne ihnen kein solches Schiff unversehrt entgehen, selbst
wenn die Angst und Ermüdung der Feuerleute und Maschi¬
nisten nicht schon lange, bevor die Reise beendet sei, eine
Weiterfahrt unmöglich gemacht hätten. Es war deshalb auch
nicht zu verwundern, daß, als das erste Schiff, ausgerüstet mit
Dampfmaschine und Schaufelrädern, 1819 zur Abfahrt gelangte,
es trotz der schönen Kammern vollständig leer blieb. Die
„Savannah" nahm ihre Räder an Deck und machte größten¬
teils nur Gebrauch von den Segeln. Vom Savannahhafen bis
Liverpool gebrauchte sie etwa 26 Tage. Ungefähr zwanzig
Jahre nach diesem
ersten Versuche
veranstalteten der
„Sirius" und der
„Great Western"
eineWettfahrt über
den Ozean. Das
Publikum hatte
inzwischen den
Dampfer-Fahrten
gegenüber eine
ganz andere Stel¬
lung genommen
und verfolgte nun
mit Spannung die
Fortschritte dieses
Verkehrs-Mittels,
ohne zu ahnen,
welcher gewalti¬
gen Entwicklung
es bis ins fol-
gendeJahrhundert
hinein fähig sein
würde. Kam es da¬
mals doch immer
noch vor, daß ein
nach den besten
Erfahrungen erbauter Segler einen Dampfer in der Schnelligkeit
schlug. — Als im Jahre 1812 in Europa der Dampf für die
Schiffahrt zuerst nutzbar gemacht wurde, ging, wie später auf
dem Gebiete der Eisenbahnen, auch hier England bahnbrechend
vor, wenigstens für den Seeverkehr, während seine Flu߬
dampfschiffahrt schon wegen der Bedeutungslosigkeit seiner
binnenländischen Wasserläufe weniger in Betracht kam. In
dieser Hinsicht liefen ihm die „batavischen Wasserratten",
unsere holländischen Nachbarn, an den Rheinmündungen mit
ihren Kanälen den Rang ab. Die deutsche Ozean-Dampfschiff¬
fahrt machte ihre ersten schüchternen Versuche im Jahre 1841
von Bremen aus. Es war die Zeit, in der das Schaufelrad
noch als Triebmittel herrschte. Die geplante regelmäßige
Linie Bremen — New York kam aber nicht zustande, weil die
Bremer Hafenanlagen für die Dampfer mit den breiten Rad¬
kasten nicht ausreichten. Eine 1845 gegründete Gesellschaft
zum Betriebe einer direkten Dampferverbindung zwischen
Bremen und New York war glücklicher; sie erhielt amerikanische
Staatsbeihilfe und hatte deshalb, trotz stärkerer Beteiligung
deutschen Kapitals, ihren Sitz in New York. Im Jahre 1847
traf der erste Dampfer dieser Gesellschaft von New York in
Köln: Lortzing-PlatZ (Zum vorstehenden Artikel)
Nr. 14 DEUTSCHLAND 687
Bremen ein. Aber das Glück hatte nur kurzen Bestand; nach
sechs Jahren begann die Liquidation der Gesellschaft und
nach weiteren vier Jahren folgte die Betriebseinstellung.
Der Bremer Unternehmungsgeist war damit aber nicht ein¬
geschlafen; neue Unternehmen entstanden gleichsam als
Vorbereitung für jene Gesellschaft, die als Norddeutscher
Lloyd den Weltruf der Bremer Reederei begründete. Der Lloyd
trat 1857 ins Leben. Zehn Jahre früher war bereits die
Hamburg-Amerika Linie in der Elbestadt begründet worden,
um nicht, wie der Lloyd, sofort mit Dampferfahrten zu be¬
ginnen, sondern mit Klipperschiffen, schnell fahrenden Seglern,
die „moderne" Einrichtungen für Reisende führten. Diese
Schiffe gebrauchten 19 Tage von New 7ork nach Hamburg
und 29 Tage in umgekehrter Richtung. 1854 wurde dann
von der Gesellschaft der Dampf als Betriebskraft eingeführt,
wonach bald schon die Schraube das Schaufelrad ablöste.
In der Flußschiffahrt hat das Schaufelrad für die Personen¬
schiffahrt in Europa die Herrschaft behauptet, ebenso auf
den Binnenseen und auf kurzen Seestrecken, wie in der
Küstenfahrt, während es in der Fahrt zwischen dem Fest¬
lande und England mehr und mehr zurückgedrängt wird.
Besonders an englischen Themse- und Küstendampfern erregen
noch heute die Riesenmaße der Räder Staunen. In Amerika
spielt das Schaufelrad, das dort zum ersten Male auftrat,
noch heute eine fast ausschließliche Rolle im Binnenlande,
stellenweise auch als Einrad am Heck, statt paarweise auf-
Maschine zu Beils „Comet"
Victoria ar\d Albert Museum, Kensington - London)
688 DEUTSCHLAND Nr. 14
tretend, und zwar dort, wo auf den unregulierten Flußläufen
noch eine Art Urzustand herrscht. Berücksichtigte man nicht
die Größe und die so verschiedenen politischen und Kultur-
Verhältnisse der Neuen Welt, so müßte man den letzt¬
erwähnten Umstand als ein fast unbegreifliches Widerspiel
der Tatsache bezeichnen, daß derselbe Kontinent der Welt
den Schöpfer des Dampfschiffs und Begründer der Dampf¬
schiffahrt geschenkt hat: Robert Fulton. Aber Europa hätte
ihn an sich fesseln und die ersten Früchte seiner Erfindung
ernten können, wenn es damals nicht durch die Schuld der
neuen Geißel, Napoleons, mehr an den Krieg denn an Werke
des Friedens hätte denken müssen. So verlief Fultons erster
Versuch auf der Seine ohne Sang und Klang, und erst das
Heimatland des Erfinders würdigte dessen Bemühen. Vor
vier Jahren, 1907, beging man das hundertjährige Gedächtnis
der ersten Fahrt des „Clermont", Fultons Dampfers, von
New York nach Albany am Hudson, eines Ereignisses, zu
dem Naivität und abergläubische Furcht ebenso unvergeßliche
Begleiterscheinungen zeitigten, wie es selbst unvergeßlich ist.
Die Schiffsmaschine war von Boulton und Watt in England
geliefert worden, und Englands Ehrgeiz hatte nun in dem Er¬
folge des Amerikaners einen
Sporn zur Nachahmung und
Ueberholung, der sich auch
schnell als wirksam erwies,
in Gegensatz zu den früher
im eigenen Lande durch
Miller und Symington emp¬
fangenen Anregungen (1788).
Nordamerika hielt frei¬
lich anfangs noch den Vor¬
sprung fest. Fünf Jahre nach
der Fahrt des „Clermont"
zählte man drüben bereits
über fünfzig Binnendampf¬
schiffe. Dem ersten Dampfer,
der 1812 auf dem Mississippi
erschien, folgten bis 1820
mehr als siebzig. Bereits
im Jahre 1819 wagte sich
der schon erwähnte amerika¬
nische Dampfer „Savannah"
als erster über den Ozean;
allerdings, wie gesagt, im ge¬
mischten Betrieb, während die
erste reine Dampferfahrt erst 1833 von dem kanadischen
Dampfer „Royal William" über den Ozean zurückgelegt wurde.
Fünf Jahre nach Fulton nahm man sich in England des
Dampferwesens tatkräftig an. Henry Bell baute damals
ganz selbständig seinen Dampfer „Komet" — ein Name, der
eine Zeitlang für Dampfer typisch wurde und auch auf dem
Rheine vorkam — und machte mit ihm Fahrten auf dem Clyde.
Eine sehr einfache Maschine mit Zahnradübertragung trieb
auf beiden Seiten des Schiffes je ein Paar Räder mit je vier
Schaufeln, eine Anordnung von schroffstem Gegensatz zu
dem alsbald jahrzehntelang herrschenden Brauche, die Räder
groß und reich an Schaufeln zu machen. Ende des Jahr¬
hunderts versuchte man das gleiche einmal mit einem
Schleppdampfer auf dem Rhein, kam aber bald wieder davon
ab. Bald sah man auf dem Clyde noch weitere Versuche mit
Dampfern: 1814 wurde von Robertson die „Caledonia" ge¬
baut, die sich als erstes europäisches Dampfschiff auf die
See — Nordsee — wagte, und zwar zu einer Fahrt nach
Holland und den preußischen Rheinlauf hinauf. Doch hier¬
von später. Das in demselben Jahre gebaute Dampfschiff
„Margery" unternahm vom Clyde aus im Jahre 1816 eine
Fahrt über den Kanal nach Havre und hierauf bis Paris,
ein größeres Wagnis als dasjenige der „Caledonia". Um
diese Zeit besaßen England und Schottland etwa zwanzig^
Dampfschiffe, deren Eigentümer schon weitgreifende Pläne
schmiedeten und unter anderen auch in Deutschland jedem
konkurrierenden Unternehmungsgeist zuvorzukommen suchten.
1815 ließ sich der Engländer Humphrey in Preußen ein
Patent auf eine Verbesserung an Dampfschiffen erteilen; T8T6
sandten Engländer den Dampfer „The lady of the lake" nach
der unteren Elbe, wo dieses Schiff alsbald einen regelmäßigren
Verkehr zwischen Cuxhaven und Hamburg einrichtete — das
erste Verkehrsunternehmen dieser Art in Deutschland —,
das überdies auch im Gegensatz zu einigen baldigen Nach*-
folgern von längerem Bestände war. Freilich ging auch ihm
mit dem Zuspruch des Publikums nach einem Jahre der
Atem aus.
Auf eigene Füße mit dem Dampfbootbau stellten sich die
Deutschen 1816 dadurch, daß in Spandau der Kiel zu einem
Dampfer gelegt wurde. Das Triebrad lag innen in der Mitte
des Schiffskörpers. Dieses Schiff, die „Prinzessin Charlotte",
wie auch die bald nach ihr in Dienst gestellten Dampfer
„Kurier" und „Fürst Blücher" gehörten der preußischen Post¬
verwaltung; sie sollten den Verkehr zwischen Berlin und
Potsdam, Berlin, Magdeburg*
und Hamburg unterhalten.
Zwar waren die Schiffs¬
körper deutsch, doch mußte
man die Maschinen noch aus
England beziehen. Immer¬
hin erhielten preußische In¬
genieure den Auftrag, genaue
Zeichnungen danach anzu¬
fertigen, um bei fernerem
Bedarf die Maschinen selbst
bauen zu können. Aber da¬
mit hatte es noch gute Zeit,
denn der Bedarf stellte sich
sobald nicht ein, vielmehr
sah sich die Postverwaltung*
veranlaßt, wegen ganz unge¬
nügenden Verkehrs den Be¬
trieb der Schiffe einzustellen.
Der Satz, wonach Verkehrs¬
erleichterungen eine Hebung
des Verkehrs hervorrufen, be¬
stätigte sich damals nicht;
daß dieses aber doch nur
ausnahmsweise der Fall war, zeigt sofort der Blick auf
die Zeitgeschichte: der schwer heimgesuchte Volkskörper
bedurfte der Erholung und gewann erst nach und nach
die Spannkraft für den Aufschwung, für die Handhabung
des neuen Verkehrshebels.
Selbstverständlich richteten die Engländer nicht zuletzt
ihr Augenmerk auf den mächtigsten der kontinentalen Ströme
in ihrem Bereich, den Rhein. Zu welchem Zeitpunkte das
erste Dampfschiff auf dem Rheine erschienen ist und welches
dieses Dampfschiff war, darüber besteht noch keine volle
Klarheit. Ein Zeitungsbericht aus dem Juni 1816 berichtet
von der Ankunft eines Personendampfers am 12. genannten
Monats in Köln; der Name wird nicht genannt. Als Unter¬
nehmer werden zwei Engländer genannt: der Erbauer des
„Komet", Bell, und Benitheversen, von denen gesagt wird, daß
sie ein Dampfschiffahrtsmonopol von Preußen verlangten.
Man vermutet, daß dieses Dampfschiff die „Defiance" gewesen
sei. Das Schiff soll für Frankfurt a. M. bestimmt gewesen
sein, gelangte aber nicht bis dorthin. Im folgenden Jahr,
1817, brachten die englischen Unternehmer Wäger und Watt
jeder einen Dampfer den Rhein hinauf, den „Prinzen von
Oranien" und die „Caledonia" — wohl die von Robertson
gebaute — welche beide über Köln hinaus fuhren; das eine
Nf. 14DEUTSCHLAND 689
S<!Mfr bis Cöblöi^i. Diese Vt?r$uchsföhrten hatten auf eibe
Reihe von Jahren keine weitere Folge.
InzVvischen nahmen a«ch die Niederländer sidi der
DärnhlsehilTi^hn lehhaher an; zuerst in ihrem n^chsteO;^
eigenen Bereich, doch wurde schön anfangs der zwnndger
Jfahre der Plan einer D«tnpfc-rverbindung von Antwerpen und
Rotterdam rheinaofwörts gefaßt» Eine Äntwerpen^r Geseli--
«chöft baute «Die Hoffnung von Änlwerpen^r dpdi genügte
das Schiff den Anforderungen nicht. Dimn hatte eine Rotter-
damer Firma, aus der bald die Niederländische Dampfschiff-
Cahrt-Gesellschait hetvorgehep sollte^ mit ihrem Oacnpter
,;NiodeTlander" mehr Erfolg, zumal sich auch Kölner
Hondelskreise sehr dafür erwärmten \md Beilrege zeichneten.
So kam eine „ Forschuugsfahrt'' zustande^, die der neue
Dampfer der Gesellschaft der ,,SeeTänder'f (Zec-uw), im
Oktober 1824 bis nach Cfiob unternahm, helf Hochwvisser
und Slirnn^ also unter sehr ungünstigen Umstanden. Es
Hegen von Äogenteugen upd Mitfahrern eihgehefnde und
fe^elnde Berichte über dfe^: Rbefedarnpfer-Possagier^
führt vor^ die sow'ohl: die - wie auch die
ästhetische und kulturgesdhichtliche vollauf würdigen. Un»*
ztihlige Zuschauer längs des; Rheines isetgten 5lch nicht
weniger begdstert ob der neben Erscheinung, als die Teil¬
nehmer urv def' Fahrt selbst j ihnen allen war aus der Seele
gesprochen, was elf Jahre nach dem Ereignis Ludolf Camp»*
hausen in seiner Schrib für die Eisenhohn Antw*eTpenrrKöJn
niederlegter „Das Dninpfschüf ist der Delphin, das Wasser-
roß, der Adler des Meeres. Wen nvöchtä der erste Anblick
des mystischen Geschöpfes nicht überraschen, hinreißeh, ver-
yitT^h? Wer ^um erstefunal -sähe, wie die ehernen Flossen
die bestürzten Wellen anseinandettreiben, wie in wildem
Laufe die stedze Brust sich mit w^eißem Sdjaum bededet^ wie
ein ein^igeT Schlag des kaum sichtbarc-n Sdvw'i»iies den
herutnwhh^ wie bei seiner Afmöhenmg'die Wogen om Strönde
sich rÄusehend brechen, wie er mit verw'egenepi Fluge dem
Hafen entgegenschie^r, die dicken Mouern zu durchbohren
droht und sich sanft und ruhig an das Oier legt; wer
dieses Schauspiel zum erMenmöl genossen,. Von dem dtirlle
es kairm befremden, wenn er aüsfieffi< .Bist du kein geistiges
Wesen, fürivahr, so btit du das schönste Tier 4er Schöpfung!^
Doch es ist kein lebendiger Geisb es ist das tote Element,
belebt durch den Geist des Menschen/ Der moderne,, nüch¬
terne. Alltagsmensch muß sich schon einen inneren Ruck
geben, um in dem, was ihm ailtaglich ist, wiederum die Poesie
zu erfassen, welche den ersten Zetjgen der Erscheirrung des
DampfschilTs dieses neue Ereignis bedeutete. Sie ahnfen ln
ihm das WeUbewegende/Und diese Ahnung ergriff sie Bef
'irri'Gemüt-.-
Vit-T Tage hötte der „Seelander" gebraoeht,, uin^
Rötterdarn bis hach Köln zu gelängen r—. im Vetgiejeh Zü
der hevtiigcn Damplergeschwindigkeit ein Schnehkengaug, ZU
den SegeIboot(Jacht)führten mit Pfetdezug jedoch eine sehr
ansehnliche Beschleunigung. Uebrigens fuhr man ouf dieser
„Forschungsfahrt'" natürlich nur am Tage und röstete zuerst
nach eilstündiger Fahrt in Nymwegen, dann am folgenden
Abend bei Orsoy, am dritten Abend vor Zofis. Die reine
Fahrzeit von Rotterdam bis Köln dinierte nmd 38 Stunden,
Am Niederrhein, dort, wo auch heute noch dreimal so viel
Segler verkehren als oberhalb und die Strömung langsamer
ist, spielte sich ein merkwiirdigör Kampf nlj zwischen der
neuen und der alten Betriebsart. Noch heote kann man am
Niederrhein, der in den Anfängen der Dämpfschiffahrt viel
mehr Rheinreisenden bekannt wurde, als in unseren Tagen,
öfter ein Segeiboot mit der Kraft des Windes rhelnaufwarts
fahren Domais nahm es ein Schiffer von Lobith öus
mit dc^m „Seelander" auff indem er einen AufenfbBtt des
Dämpfens aiisnulzte. Dieser aber holte den Segler doch
hold der denn auch noch vom Winde verlassen wurde ^
eine kleine Szene, die das Vorspiel für' eine Zukunft hart-
näcktgen, aber doch hoffnungslosen Kampfes bildete.
Der „Seeländet" wurde durch zwei Schaufelräder von
zwölf Fuß Durchmesser mit fünfzehn Schaufeln getrieben,
wie denn cbo älteren RlloJndöfnpfer alle große Räder führten
bei iangsaTnerur Arbeit der Maschine als hüuttr. Dömals
hatte die Schiffsmosefune eine wesentlich andere Gestalt, sie
war umständlkher gebaut denn jetzt, hatte viel größere
Zylinder, in denen der Dömpf unter viel geringerem Druck
arbeitete sechs*:* biir Vi«er‘iiör3 schwächer als heule. Man
fürriitete sich längere Zeit,
höhen DnKJt tm Schifrskoasel
unzuWeiiden, nöinenUith da
von Ameriko Lfnglückspösien
Tiber \lngiucksposiehemHefert
von Dampfern, die in die Luft
gezogen waren. Die leiztent
RKeinrPersonendampfer, die
noch ähnlHih große Röder be-
woFcn die „Loreley*'
\md die ,^Gfertnania*"; Glich die
jetzt ä^szureihenden beiden
Schnei l Döm p fer von 1871
Wilhelm" und. „Deutsch^
Ktiiset*^ vyeisen hoch gfößerc
Mäße an ihren Rädern aüfi
Diese Schnell - Dampfer
stellten mit ihren beiden
V*öFgängern aus 186Ö eine
Aus- und Weiierbüdiing der
äußeren Gestoft der Dampfe
.schiffe der, die gegen die an¬
fängliche Form ganz bedeu¬
tend abstach, nicht weniger
ö uch «]$ ifife Schnelligkeit
gegen di^fenige der ersten
Dampfer Im we-sentHchen
wiesen diese noch ein giafies
Dedc auft doch besaß der
Altes ÖBrliner Doropfschjif
DEUTSCHLAND
Nr. 14
pMüihias Stinnes 1'
,,Seeländer'^ schon einen etwas über Deck erhöhten Pavillon^
das Urbild des späteren Salons, für 20 Personen. Dazu kam
eine Kajüte für 60 Personen im hinteren Schiffsraum. Hierin hat
man einen gewissen Maßstab zum Vergleich des damaligen
mit den heutigen Schiffsausmessungen. Im Vorderschiff be¬
fand sich eine für 40 Personen reichende Kajüte, und in den
langen Radkasten waren bereits wie heute Wirtschaftsräume,
Küche, Schlafraum für einen Angestellten untergebracht.
Von der Schnelligkeit, welche der „Seeländer'' aufwärts
erreichte, war schon die Rede; erscheint sie auch gering, so
war sie doch derjenigen des ersten als „Defiance" bezeichneten
Dampfers weit überlegen, die noch unter der Geschwindigkeit
der Jachten geblieben sein soll. Nach einem Zeitungsbericht
legte dieses Schiff nämlich in 24 Stunden 25 Wegstunden
auf der Fahrt von Rotterdam nach Köln zurück, also in der
Stunde kaum mehr als fünf Kilometer. Dies wird sich wohl
mit zeitweiligem Versagen der Maschine erklären, wobei
dann das am Schlot befestigte Segel Hilfsdienste leisten mußte.
Die „Wasserdiligence", mit Pferdezug und Segel betriebene
Jacht, zwischen Köln und Mainz gebrauchte damals (1Ö26)
rheinaufwärts für die Strecke 2 V 2 Tag, -abwärts zwei Tage.
Während der „Seeländer" auf seiner Bergfahrt nach Köln
von Rotterdam 38 Stunden gebraucht hatte, machte er die
Talfahrt in weniger als der Hälfte: in nur 16 Stunden
34 Minuten; von Caub bis Köln war die Fahrt in 7 Stunden
2 Minuten abgemacht worden. Im September 1825 wurde
von holländischer Seite, aber auf deutsche Anregung, mit
dem Dampfer „Rhein" (später in Kölner Besitz „Friedrich
Wilhelm") eine „Forschungsfahrt" bis nach Kehl—Stra߬
burg hinauf unternommen, die aufwärts eine reine Fahr¬
zeit von 74 Stunden 15 Minuten, abwärts nur 27 Stunden
2 Minuten beanspruchte; von Coblenz bis Bonn wurde dabei
großmütig die „Wasserdiligence" ins Schlepptau genommen —
ein freundlicheres Seitenstück zu der vorjährigen Szene bei
Lobith. Die Strecke von Coblenz nach Cöln legte der „Rhein"
in 5 V 4 Stunden zurück.
Mitte 1825 bestand auf dem Niederrhein schon eine
regelmäßige, von den Holländern eingerichtete Dampfer¬
verbindung, und zwar eine wöchentliche Passagier- und
Paketfahrt zwischen Rotterdam und Köln mit Verbindung
nach Antwerpen. In den sechs ersten Fahrten von Köln nach
Rotterdam wurden 550 Personen befördert — ein ganz an¬
sehnlicher Zuspruch; in der sechsten Fahrt allein 126 Per¬
sonen. Und wie viele benutzen heute auf dieser Strecke das
Dampfboot? 1826 brachte eine Nymwegener Gesellschaft
neben der Rolterdamer mit Dampf betriebene Fahrzeuge auf
den Rhein, und 1827 am 1. Mai eröffnete schon die Preußisch-
Rheinische Dampfschiffahrts-Gesellschaft ihren Betrieb von
Köln rheinaufwärts. Sie war ins Leben gerufen von denselben
Persönlichkeiten, die schon vorher einen so lebhaften Anteil
an der Entwicklung des Rotterdamer Unternehmens gezeigt
hatten, und sie unterhielt deshalb auch mit diesem, anfänglich
wenigstens, ein Kartellverhältnis. Den Holländern wurde der
Betrieb abwärts von Köln, den Kölnern derjenige aufwärts
Vorbehalten. Für den Anfang machte die Kölner Gesellschaft
mit ihren beiden Schiffen wöchentlich zwei Fahrten nach
Mainz und zurück; schon im Jahre vorher unterhielten die
Rotterdamer während der günstigen Reisemonate Mai bis
August vier wöchentliche Talfahrten Köln — Düsseldorf —
Rotterdam, doch war diese häufige Einrichtung nicht von
Dauer für die nächsten Jahre. In ihrem ersten Betriebs¬
jahre beförderte die Kölner Gesellschaft 7393 Passagiere
aufwärts, 11231 talwärts; im folgenden Jahre betrugen die
Zahlen schon 14108 und 19244.
Dem anfänglichen Schwanken, der Unregelmäßigkeit des
Betriebs entsprach auch das tastende Festsetzen der Fahr¬
preise, die für den Beginn recht hoch waren. So setzten die
Holländer für die Fahrt von Köln nach Düsseldorf je nach
Benutzung der Vorkajüte, der großen Kajüte und des
Pavillons 3.20 Mk., 4.80 Mk. und 6.40 Mk. an; für die Fahrt
von Köln nach Rotterdam 19.20 Mk., 28.80 Mk. und 38.40 Mk.
Die Kölner Dampfer hatten vier Klassen: Matrosenkajüte, große
Kajüte, mittlere Kajüte und Pavillon. Die Preise waren für die
Fahrt von Köln nach Coblenz 4 Mk., 8 Mk., 10.50 Mk., 15 Mk.;
Köln-Mainz 8.50 Mk., 17 Mk., 22.30 Mk., 31 Mk. Von
Mainz nach Coblenz 5.20 Mk., 10.50 Mk., 13.50 Mk., 19 Mk.;
i
Nr. 14 DEUTSCHLAND 6Q1
von Mainz nach Köln 10 Mk., 19.50 Mk., 26.50 Mk; 38 Mk.
Die Talfahrt war teurer als die Berg-fahrt wegen ihrer größeren
Schnelligkeit — wie heute; doch wurden die Preise für beide
alsbald gleichgesetzt und ermäßigt. Diese schwankten noch
lange, namentlich als mit 1838 die Dampfschiffahrts-Gesell-
Schaft für den Nieder- und Mittelrhein als Wettbewerberin
auftrat und 15 Jahre lang, bis zur Vereinigung beider Gesell¬
schaften, ein Schnelligkeits- und Tarifkampf geführt wurde.
Die Düsseldorfer Gesellschaft wollte, um den Kampf mit
Erfolg aufnehmen zu können, gleich von vornherein mit der¬
selben Anzahl Dampfer auf dem Rhein erscheinen, wie die
Kölner. Widrige Umstände hinderten sie daran. Zunächst
zeigte es sich, daß der an sich schöne Plan, die nationale
Industrie zu unterstützen, verfehlt war. Köln hatte im Aus¬
land bauen lassen, Düsseldorf gab ein Schiff nebst Maschine
in Duisburg in Bau, das aber so ungenügend ausfiel, daß
nicht, wie geplant, der Betrieb schon 1837 aufgenommen
werden konnte; bald darauf wandte sich Düsseldorf not¬
gedrungen ausländischen Werften zu, was ihm später im
Konkurrenzkämpfe als Beweis des Mangels an nationaler
Gesinnung vorgeworfen wurde. In Betracht kamen damals die
Gewerkschaft Gute Hoffnungshütte, Jacobi, Haniel & Huyssen,
Westphal, Strack & Lanz in Duisburg-Ruhrort, sowie Harkort
in Wetter. Die Firmen mußten ein mehr als zehnjähriges
Lehrgeld geben, ehe es gelang, erfolgreich gegen die aus¬
ländischen Erzeugnisse aufzutreten. Das gelang im Jahre
1840 mit einem Kölner Dampfer, den die Firma Jacobi,
Haniel & Huyssen gebaut und für den die Gute Hoffnungs¬
hütte die Maschine geliefert hatte.
Dieses Jahr 1840 ist für den Wettkampf der Gesell¬
schaften besonders wichtig. Hatten früher die Holländer und
Kölner sich den Rheinstrom geteilt, so waren ihnen 1838 die
Düsseldorfer ins Gehege gedrungen, indem sie sowohl rhein-
aufwärts wie rheinabwärts fuhren; allerdings begegneten sie
dabei in holländischem Fahrwasser manchen Hindernissen.
Der Eindringling sollte bald das gute Verhältnis zwischen der
Kölner und Rotterdamer Gesellschaft stören, denn die gereizten
Kölner drangen nun bald, 1840, in die Stromdomäne der
Holländer ein, indem sie abwärts bis Düsseldorf fuhren.
Das betrachteten die Holländer als Vertragsbruch und Feind¬
seligkeit, und nun sah man drei sich bekämpfende Dampfer¬
gesellschaften. Ihrer Kampflust gaben die Holländer einen
eigenartigen Ausdruck, wozu sie ein besonderes Ereignis
veranlaßte: der erste Untergang eines Dampfers auf dem
Rhein, und zwar der „Stad Keulen", die ihnen gehörte. Die
Ursache war ein Zusammenstoß mit dem der Düsseldorfer
Gesellschaft gehörigen „Komet". An dieses Ereignis knüpfte
sich ein in Preußen und Holland spielender, lange sich hin¬
ziehender Prozeß, der schließlich den Düsseldorfer Kapitän
von aller Schuld befreite. Aber es lag doch wie ein Ver¬
hängnis über diesem „Komet". Es war das Schiff, in dem
die Düsseldorfer ein nationales Werk zu schaffen suchten,
doch stellte sich schon bei den Probefahrten heraus, daß
Kessel und Maschine nicht genügten und abgeändert werden
mußten. Auch das half nichts; dann brach die Maschine,
und man mußte wieder zu England seine Zuflucht nehmen.
Kaum wieder in Betrieb, bohrte es, wie schon erzählt, im
Jahre 1840 die „Stad Keulen" bei Millingen in den Grund.
Dieses Unglück und der Zorn, den die Holländer nun auch
noch auf die in ihren Bereich eingedrungenen und mit den
Düsseldorfern in ein zeitweiliges Vertragsverhältnis getretenen
Kölner hatten, regte in jenen große Entschlüsse an, die
freilich ganz aussichtslos waren, aber einen kräftigen und
bezeichnenden Ausdruck in der Erneuerung eines historischen
Adolph, Herzog zu Nassau" auf der Talfahrt St. Goarshausen passierend
692 DEUTSCHLAND Nr. 14
Scherzes fanden, mit dem einmal ein holländischer Admiral
jm Kanal gegen die Engländer bösen Ernst gemacht: sie
pflanzten auf die Spitze der Maste ihrer Dampfer einen Besen,
so ihren Willen andeutend, den Rhein vom deutschen Wett¬
bewerb reinzufegen, sie die Ausländer im fremden Landei
Ein Bericht von damals führt Beschwerde über den „Trotz
der Rotterdamer Schiffe, die aller Proteste ungeachtet fort¬
fuhren, ihren Besen unmittelbar über die preußische Flagge
aufzustecken, was zu manchen sehr verdrießlichen Szenen
führte"; mehr aber noch darüber, daß man sich „in
gewohnter Milde" von amtlicher preußischer Seite darauf
beschränkte, der niederländischen Direktion kundzutun.
daß man die Verhöhnung ferner nicht dulden werde. ,rln
Holland würde man bei ähnlichem Verfahren unserseits
ohne Zweifel kräftig eingeschritten sein". Schließlich ver«
schwand der Besen mit dem aussichtslosen Zorn. Der
„Komet" aber, der nicht ohne Schaden aus dem Zusammen¬
stoß hervorgegangen war, wurde darauf nochmals umgebaut
und auch umgetauft. Als „Stadt Bonn" stand der ehemalig'e
Irrstem jetzt unter einem glücklicheren Stern. Das Modell
dieses Schiffes, vom eigenen Kapitän (Visser) gebaut, bildet
heute den „Grundstein" zum Rheinschiffahrtsmuseum,
das in Körper und Bild eine reiche Geschichte verewigen soll,
aus der hier mit schlichten Worten ein Abschnitt erzählt wurde.
Pflege und Erhaltung nationaler Güter.
(Schluß.) Von Gustav Adolf Erdmann (Weißenfels a. S.).
Das köstlichste Gut einer jeden Nation ist offenbar
ihre Sprache. ,,Muttersprache, Mutterlaut, wie so
wonnesam, so traut!“ verherrlicht der Dichter sie mit
tiefem. Wahrem Empfinden. Ein Volk mag im Laufe der
geschichtlichen Entwicklung aus irgend einem Grunde
seine nationale Selbständigkeit verlieren; es wird zwar,
wenn es ein echtes Nationalempfinden besitzt, stets von
der Wiedergewinnung derselben träumen, sich aber doch
den neuen politischen Verhältnissen anbequemen; den
Kampf um die eigene Sprache aber wird es mit ver¬
zweifelter Erbitterung führen, denn es weiß, daß es mit
der Sprache den besten Teil seines Wesens verlieren,
das Anrecht einbüßen würde, eine eigene Kultur zu
besitzen. Seine Sprache zu verleugnen oder herab¬
zusetzen, ist Verrat am Nationalgefühl. Geradezu un¬
verständlich aber Wird eine solche Mißachtung der Mutter¬
sprache, wenn es sich um eine hochentwickelte Kultur¬
sprache handelt, die in der Weltliteratur eine führende
Stellung einnimmt und von Millionen Menschen gesprochen
Wird, Wie die deutsche Sprache. Die Gestaltungskraft
der deutschen Sprache steht hinter keiner anderen zurück,
die feinsten, zartesten Regungen des Gemütes Weiß
derjenige, der sie zu meistern versteht, zum Ausdruck
zu bringen, ihre Skala ist unerschöpflich, lieber die
Klangschönheit einer jeden Sprache läßt sich streiten;
es kommt eben darauf an, wie man eine Sprache spricht.
Die deutsche Sprache kann so mißhandelt werden, daß
sie dem Ohr verletzend klingt, sie kann aber auch den
höchsten Wohllaut, die edelste Klangfarbe annehmen.
Jedenfalls braucht sie vor der Schönheit der englischen
nicht die Segel zu streichen. In deutscher Sprache
wurden unsterbliche Dichtungen verfaßt, in der wissen¬
schaftlichen Literatur hat sie die Führung. Man sollte
annehmen, daß jeder Deutsche im Auslande nicht nur
eine nationale Pflicht, sondern eine Ehre darin erblicken
würde, sich seiner Muttersprache zu bedienen, soweit
dies nur irgend angängig ist, und angängig ist dies in
viel weiterem Maße, als es auf den ersten Blick
manchem erscheinen mag. Statt dessen ist es eine leidige
Tatsache, daß der Deutsche im Auslande sich mit Vor¬
liebe fremder Sprachen, in erster Linie der englischen,
bedient, selbst dort, wo Englisch nicht Landessprache ist.
Bedarf es der Beispiele als Beweis? Erst kürzlich Wurden
die Namen von hervorragenden Deutschen publiziert, die
in Japan sich in Hotelbücher in englischer Sprache und
als aus Germany kommend, eingetragen hatten — wir
wollen diese Namen hier nicht Wiederholen — in Japan,
das Deutschland so gut kennt, und wo auch die deutsche
Sprache nicht unbekannt ist. Eine im Auslande an¬
sässige deutsche Firma machte, laut Zeitungsmeldung,
dem japanischen Kriegsministerium eine Offerte in eng¬
lischer Sprache, und als dieses verwundert anfragte, Warum
sie sich nicht der deutschen Sprache bediene, antwortete
sie wieder englisch, daß es bei ihr geschäftsüblich sei,
englisch zu korrespondieren. Selbst deutsche Konsuln
im Auslande vernachlässigen ihre Landessprache und ver¬
öffentlichen Bekanntmachungen zwar in verschiedenen
anderen Sprachen gleichzeitig, ignorieren die deutsche
aber dabei. Selbst wenn in jenen Gegenden tatsächlich
niemand Deutsch verstehen sollte, wenn kein einziger
Deutscher dort ansässig Wäre, erforderte es das Ansehen
der Nation, daß bei allen amtlichen Veröffentlichungen
an erster Stelle die Landessprache zu stehen hätte. Leider
bedienen sich auch Deutsche im Auslande im Privat¬
verkehr untereinander häufig einer fremden Sprache,
besonders der englischen, und es kommt vor, daß man
in deutschen Klubs alle anderen Sprachen, nur nicht die
deutsche, hört. Von durchaus glaubwürdiger Seite ist
berichtet Worden, daß z. B. junge Deutsche, die nur
wenige Jahre im fernen, unter britischem Einfluß stehenden
Auslande weilten, erklärten, sich der englischen Sprache
zu bedienen, weil sie diese besser zu gebrauchen wüßten
als die deutsche! Mutter Germania, verhülle dein Haupt!
Das tiefempfundene Lied von der Muttersprache ist für
diese ihre Verächter umsonst gesungen, ein hohes, herr¬
liches Gut des deutschen Volkes, der kostbarste Edelstein
deutschen Wesens, wird durch Eitelkeit, Gedankenlosig¬
keit, Unverstand und falsch angebrachtes Entgegenkommen
in den Staub getreten. Gewiß soll und muß der Deutsche
auch fremde Sprachen beherrschen, gewiß soll er sich in
ihnen üben und vervollkommnen, aber alles dies muß seine
Grenzen haben und darf nicht zu einer Unterordnung, ja
nicht selten sogar zu einer durchaus unverdienten Gering¬
schätzung der deutschen Sprache führen. Auch hier
können wir uns ein Beispiel an dem Engländer nehmen,
für den es nur eine Sprache, die englische, gibt. Er
hat die Welt gezwungen, sie zu kennen, zu achten.
Die deutsche Sprache wird nie die Stellung
in der Welt einnehmen, die sie einnehmen
könnte, wenn der Deutsche sie im Auslande
leichtherzig preis gibt. Es ist dies eine Erscheinung
der bekannten Vorliebe des Deutschen für alles Fremde,
in dem er einen höheren Wert zu besitzen glaubt, als im
eigenen. Es ist, wie bereits gesagt, der Ausfluß von
Eitelkeit, Gedankenlosigkeit, Unverstand und verkehrter
Höflichkeit, die von dem selbstbewußten Briten als Ver¬
ächtlich angesehen wird, es ist — leider muß es gesagt
werden — zum großen Teil die Schuld falscher Schul¬
erziehung, durch die eine falsche Bewertung der fremden
Sprachen Vorschub erhält. Wir können uns über dieses
Nr. 14 DEUTSCHLAND 693
letztere Thema nicht ausführlich äußern, wie dies nötig
Wäre, Wir möchten nur eindringlich darauf hinweisen, daß
es eine wichtigere nationale Aufgabe ist, die Jugend in
den Geist, in die Tiefen, in die kostbaren Schätze unserer
Muttersprache einzuführen und diese ihr dadurch lieb
und wert, ja zu einem Heiligtum zu machen, als sie mit
fremdem Geiste erfüllen. Hier tut Abhilfe dringend not.
Im Auslande aber sollen diejenigen deutschen Familien,
die in tiefer Erkenntnis des Wertes der Muttersprache
diese hochhalten und pflegen, nicht müde werden, ihren
erzieherischen Einfluß in dieser Richtung aufzubieten und
nicht erlahmen, wenn nicht gleich der Erfolg sichtbar wird.
Beim rechten Appell an das Nationalgefühl, dem schließlich
doch jeder Deutsche zugänglich ist, mag er auch noch
so sehr mit fremdem Wesen kokettieren, wird das Ziel
schließlich doch erreicht. Die Auslands-Flottenvereine
und der Verein für das Deutschtum im Auslande sind die
gegebenen Zentralpunkte solcher erziehlichen Einwirkung.
In ihnen sollte nur das deutsche Wort eine Heimstatt
und fortgesetzte Pflege finden.
Wir möchten fast behaupten, daß das treue, unent¬
wegte Festhalten an einem wichtigen nationalen Gute
ohne weiteres die Pflege und Erhaltung anderer Güter
nach sich zieht. So ist deutsche Sitte ohne deutsche
Sprache doch ein Unding. Selbstverständlich ist deutsche
Sitte für zersprengt im fernen Auslande lebende Deutsche
sehr cum grano salis zu verstehen. Man kann z. B. von
ihnen nicht erwarten, daß sie dort in jeder Beziehung wie
in Deutschland leben und arbeiten, das verbietet sich in
sehr vielen Fällen durch die Macht der Verhältnisse. Die
Lebensweise wird durch das Klima, durch die Arbeitszeit
und dergleichen vorgeschrieben. Aber es gibt andere
Faktoren, die den Begriff „deutsche Sitte“ ausfüllen. Der
Deutsche ist von Kindesbeinen an mit gewissen Volks¬
festen und charakteristischen Gebräuchen verwachsen,
ohne die er einem seiner Blüten beraubten Rosenstrauch
gleicht. Was ist der Deutsche ohne sein Weihnachts-
Oster- und Pfingstfest! Welcher echte Deutsche hat nicht
das Bedürfnis, den Geburtstag seines Landesherrn zu
feiern. Welcher ackerbautreibende Deutsche möchte sein
Erntefest missen! Heimische Sitte, die dem Deutschen
auch ins fremde Land folgt, die auch hier von ihm gepflegt
werden kann und soll, wenn er sein Deutschtum sich
erhalten will. Deutsche Ansiedler aber, die in größeren
Massen beisammenwohnen, haben es verhältnismäßig leicht,
auch in der Fremde sich die Erinnerung an die ferne
Heimat lebendig zu erhalten, ja sich diese Heimat dort
neu zu schaffen. A. Marshall berichtet u. a. in der
„Daily Mail“ vom 11. April 1910 über eine deutsche
Ansiedlung in Südaustralien, deren Mitglieder — leider
— alle britische Untertanen geworden sind, wie sie trotz
ihrer Anpassung an die australischen Verhältnisse sich
doch einen großen Teil ihrer heimischen Sitten bewahrt
haben, und aus anderen deutschen Siedelungen wissen
wir dasselbe.
Eng mit Sprache und Sitte verbunden sind die
nationalen Charaktereigenschaften, deren Er¬
haltung bei der nahen Berührung mit fremden Nationen
nur zu leicht bedroht ist. Nun wäre es eine lächerliche
Selbsttäuschung, wollte man dem deutschen Volke nur
gute Charaktereigenschaften nachrühmen. Im Gegenteil:
wir müssen uns bewußt werden, daß unser Volkscharakter
neben zahlreichen vortrefflichen Eigenschaften auch eine
recht ansehnliche Menge solcher besitzt, die er lieber
heute als morgen ablegen sollte zum allgemeinen Besten
des Volkes. Denn unzweifelhaft steht fest, daß die
allgemeinen deutschen Interessen, an denen auch die
Ausländsdeutschen in hervorragendem Maße beteiligt sind.
unter derartigen Eigenschaften leiden. Zu ihnen gehört Vor
allem die sprichwörtliche leidige deutsche Uneinigkeit,
der oft zu stark ausgeprägte Konkurrenzneid, der sich
intensiver gegen den Volksgenossen als gegen den
Angehörigen einer fremden Nation richtet, und das
zu geringe nationale Selbstbewußtsein. Es ließen
sich hierzu reichlich Beispiele anführen, aus Raummangel
mögen nur einige hier Platz finden. In einem Artikel
„Abessinier und Deutsche“ im Berliner Tageblatt vom
25. 7. 11 schreibt der Berichterstatter: „Daß die hier
anwesenden Deutschen sich gegenseitig anfeinden und
intrigieren, ist selbstverständlich. Wer kann von Aus¬
ländsdeutschen, zumal in einem so neuen Lande Wie
Abessinien, leider anderes erwarten! Traurig ist es nur,
wenn man hier sieht, wie die anderen Nationen schaden¬
froh auf das Treiben der Deutschen sehen und dabei
die Geschäfte machen, die wir in unserem Zank uns aus
den Händen nehmen lassen!“ Der scharfe Beobachter
Professor Dr. Bernhard Harms in Kiel, dem man
wahrlich keine Animosität gegen die Ausländsdeutschen
nachsagen kann, schreibt in seiner vortrefflichen Broschüre:
„Weltwirtschaftliche Aufgaben der deutschen
Verwaltungs-Politik“ (Jena, Verlag von Gustav
Fischer, 1911) über seine Beobachtungen inBritisch-Indien:
,,Man erlebt hier oft die wunderlichsten Dinge. Nicht
selten verfrachten deutsche Kaufleute bloß deshalb mit
fremden Dampfern, weil der Vertreter der betreffenden
deutschen Linie ein Konkurrent ist, dem Art und Umfang
des eigenen Exports verborgen bleiben soll.“ Betreffs
des deutschen Nationalbewußtseins aber glaubt der Eng¬
länder Norman Angell in seinem vielbesprochenen
Buche: „Die große Täuschung“ (Leipzig, Dieterich’sche
Verlagsbuchhandlung, 1910) schreiben zu dürfen: „Es ist
natürlich wahr, daß die Deutschen (in den Vereinigten
Staaten) nicht unter ihrer Flagge leben, aber es ist auch
Wahr, daß sie es nicht bedauern, sondern sich darüber
freuen! .... Die Tatsache, daß sie, indem sie die
Vereinigten Staaten als ihr Heimatland anerkannten, etwas
von der deutschen Weise aufgegeben und einen neuen
nationalen Typus geschaffen haben, der teilweise englisch,
teilweise deutsch ist, ist im ganzen mehr zu ihrem Vorteil
— und dadurch auch zu unserem“ (dem englischen!).
Derartige völkische Charaktereigenschaften, die zum Teil
aus der geschichtlichen Entwicklung des deutschen Volkes
zu erklären, deshalb aber noch nicht zu entschuldigen sind,
gehören natürlich nicht zu den wertvollen Nationalgütern,
sondern zu den Untugenden, die bekämpft Werden müssen
und besiegt werden können, wenn das deutsche Volk sich
erst zu dem Standpunkt durchgerungen hat, den das
britische schon lange einnimmt, und der klar aus der
früher zitierten Rede Balfours spricht. Gott sei Dank
aber überwiegen die vortrefflichen nationalen Charakter¬
eigenschaften bei weitem die üblen. Deutsche Gewissen¬
haftigkeit und Gründlichkeit, Sauberkeit und
Pünktlichkeit, deutsche Redlichkeit, Zähigkeit
und Treue haben noch überall in der Welt ein hohes An¬
sehen und werden auch dort geschätzt, wo man im all¬
gemeinen dem Deutschen sonst keine besondere Sympathie
entgegenbringt. Diese und andere vortreffliche Charakter¬
eigenschaften gilt es auch im fernen Auslande zu erhalten,
falls das Wort: „An deutschem Wesen soll einst die
Welt genesen“ überhaupt Sinn haben soll. Das aber ist
nur möglich, wenn der Deutsche im Auslande sein Volks¬
tum möglichst rein, möglichst frei von Vermischung zu
halten sucht. Das ist zweifellos nicht immer leicht, zu¬
weilen sogar wohl ganz unmöglich; aber es ist ein Ziel,
das im Interesse des Deutschtums mit allen Mitteln
angestrebt werden muß und zum Teil auch bereits an-
6Q4 DEUTSCHLAND Nr. 14
gestrebt AVird. Sehr beherzigens^vert sind in dieser
Beziehung die Worte, die kürzlich in einem Aufsatz über
die deutschen Siedelungsgebiete imUrwalde von Paragua}?
in der Zeitschrift ,,Süd-und Mittelamerika“ (Nr.5 von 1911)
standen: „Ob das Deutschtum in Paraguay sich rein
erhalten AVird? Dem Deutschen imponiert alles Fremd¬
ländische, und nur zu gern paßt er sich im Auslande dem
Eingeborenen an. Unchristlich, heißt es da, ist es, auf
den Schwarzen herabzusehen. Wenn der Bauer auch Weiß,
daß hierzulande deutsch sein und tüchtig sein eins ist,
er weiß nicht, daß sich die guten Rassen-Eigen-
schaften bei Kreuzungen sofort verlieren und
sieht deshalb ruhig zu, wenn seine Kinder Eingeborene
heiraten. Wann wird jeder hier einwandernde
Deutsche als heiligsten Glauben den Glauben
an sein Volkstum mitbringen, dies tausend¬
jährige Vermächtnis der Vorfahren, das fort¬
zuwerfen die wahreSünde wider den Heiligen
Geist ist“. Auch hier ist fraglos ein Punkt berührt,
der an die nationale Erziehung in der Heimat eine ernste
Forderung stellt, der sie sich nicht entziehen kann und darf.
Aber ist in der großen Zahl Wertvoller nationaler
Güter nicht das Vaterland selbst das höchste, das
kostbarste? Unzweifelhaft! Auch der Deutsche betrachtet
es als sein höchstes Gut, für das er freudig sein Leben
einsetzt. Wenn der Engländer Mr. Aflalo am 19. Juli 1910
in der „World“ die Behauptung ausspricht, daß der Deutsche
im Auslande viel weniger an Heimweh leide, als jede andere
Nation und dies mit seiner Freude, dem heimischen Militär¬
dienst entgangen zu sein, begründet, so ist dies, gelinde
ausgedrückt, eine Unwahrheit, wenigstens wenn in dieser
Form verallgemeinert wird. Nicht in Abrede zu stellen
ist die unerfreuliche Tatsache, daß früher die Mehrzahl
der ins Ausland gehenden Deutschen ihre deutsche Staats¬
angehörigkeit und damit die enge Verbindung mit dem
Vaterlande aufgab, um das fremde Land als Vaterland
anzuerkennen, und daß dies auch jetzt noch bei einem
viel zu hohen Prozentsatz geschieht. Es ist darum be¬
greiflich, wenn der Engländer diese Erscheinung auf eine
geringere Heimatliebe des Deutschen zurückführt.
In Wirklichkeit ist die beklagenswerte Erscheinung
der Hauptsache nach auf andere Ursachen zuriickzuführen;
denn auch militärscheu ist der Deutsche keineswegs, wie
der Engländer glauben machen möchte, wenn auch ver¬
einzelt derartige Fälle Vorkommen werden. Der Schlüssel
für die Erscheinung ist, wie schon erwähnt, in un¬
praktischen Gesetzen über den Verlust der
Staatsangehörigkeit für Ausländsdeutsche zu suchen,
in Gesetzen, die schon längst gründlichst umgestaltet sein
sollten, da sie in der gegenwärtigen Form keinen Nutzen,
sondern nur Nachteile bringen. Im Rahmen dieser Betrach¬
tung können wir nicht näher auf dasjenige eingehen, was
von einem so wichtigen Gesetz gefordert werden muß; es
möge dies einer späteren Betrachtung Vorbehalten bleiben.
Es sei nur darauf hingewiesen, daß der Entwurf eines neuen
Gesetzes, das dem Bundesrat bereits vorlag, fertiggestellt,
bedauerlicherweise dem Reichstage jedoch noch nicht
unterbreitet worden ist. Es würde gewiß von allen
Auslandsdeutschen mit freudigerGenugtuung
begrüßt werden, wennman ihren berechtigten
Wünschen etwas schneller entgegenkäme.
Und nicht nur unpraktische Gesetze sind es gewesen,
die manchen Deutschen zum Aufgeben der deutschen
Staatsangehörigkeit zwangen; es kamen noch andere
Faktoren von Bedeutung hinzu, die unter Umständen
zu diesem oft mit großem Widerstreben vollzogenen
Schritt geradezu zwangen, Verhältnisse, die oft genug
öffentlich besprochen wurden. Wir nennen nur: un¬
zureichender Flaggenschutz und nicht selten
ungeeignete amtliche Vertretung. Auch hierauf
wollen wir an dieser Stelle nicht näher eingehen, können
aber nicht umhin, zu betonen, daß die hier bezeichneten
Verhältnisse Wenigstens in der neueren Zeit wohl den
größten Teil der Schuld daran tragen, wenn Deutsche im
Auslande ihre Staatsangehörigkeit aufgeben.
Aber ist die Staatsangehörigkeit ein wertvolles
Nationalgut? Mancher wird geneigt sein, dies zu ver¬
neinen und behaupten, man könne sein Volkstum ebenso
treu bewahren, wenn man äußerlich zu einer anderen
Nation übertrete.
Dieser Auffassung können wir nicht beitreten. Viel¬
leicht hat man den Willen dazu, aber die Verhältnisse
sind stärker als dieser Wille. Mit dem Auf geben
der Staatsangehörigkeit hat zweifellos eine
Loslösung vom Vaterlande stattgefunden; mit
dem Eintritt in einen anderen Staatsverband hat man
neue Pflichten übernommen, die unter Umständen den
Pflichten gegen das ursprüngliche Vaterland direkt zu¬
widerlaufen. Es ist unausbleiblich, daß sich mit dem
Abstreifen der früheren Pflichten ganz allmählich auch
die engeren Beziehungen zum alten Vaterlande lockern,
um schließlich Wohl nur noch dem Gefühl eines gewissen
lauwarmen Wohlwollens Platz zu gönnen. Der Psychologe
wird sogar nicht selten einen völligen Umschlag in dem
Gemütsverhältnis konstatieren und auch begründen können.
Schillers Wort, das an dem Eingang dieser Betrachtung
gesetzt Wurde, ist keine dichterische Phrase, es ist Wahr¬
heit, tiefe Erkenntnis. Der Mann, der seinen Namen
wechselt, tritt aus seiner bisherigen Familie heraus, gehört
nicht mehr zu ihr und hat keinen Anteil mehr an ihrem
Wohl und Wehe. Wer seine Staatsangehörigkeit
aufgibt, entzieht seinem Volkstum eine
wichtige äußere und innerliche Stütze. Die
Staatsangehörigkeit ist darum so gewiß ein wertvolles,
nationales Gut, wie jedes andere, das hier genannt Wurde,
die Erhaltung desselben eine wichtige nationale Pflicht,
die vom Vaterlande in jeder Weise erleichtert, von den
Ausländsdeutschen aber selbst unter zeitweiligen Un¬
annehmlichkeiten hochgehalten werden sollte. Sie ehren
in den Augen des Auslandes nicht nur ihr Vaterland
dadurch, sie ehren in noch höherem Maße sich selbst.
Von der Pflege der realen Güter der Nation
möge ein andermal gesprochen werden.
Nationale Güter, Welcher Art sie auch sein mögen,
können eine gedeihliche Pflege und Entwicklung nur
dann finden, wenn diejenigen, die zu ihrer Pflege berufen
sind, fest Zusammenhalten. Und Wie wir diese Betrachtung
mit einem Worte Attinghausens einleiteten, so möge
auch an den Schluß die eindringliche Mahnung dieses
begeisterten und begeisternden Vaterlandsfreundes für
alle, die es angeht, gestellt sein:
„Seid einig! einig! einig!“
Nr.l4 DEUTSCHLAND 695
Durchs T^ittelmeer zum Kaukasus.
Eine Reise mit dem Norddeutschen Lloyd von Dr. Paul Grabein.
Der deutsche Reiseverkehr hat durch die Veranstaltung
von Vergnügungsfahrten zur See, wie sie seit einer
Reihe von Jahren unsere großen Schiffahrtsgesellschaften,
besonders auch der Norddeutsche Lloyd in Bremen, in
ihr Programm aufgenommen haben, eine bedeutsame An¬
regung und Förde¬
rung erfahren. Ein¬
mal werden ständig
eine große Zahl von
Ausländern dadurch
nach Deutschland
gezogen. Denn wer
zum Beispiel von
New York nach
Bremen kommt, um
von dort aus eine
Nordlandsreise oder
via Bremen—Genua
die Mittelmeerfahrt
zu machen, der be¬
nützt natürlich diese
Gelegenheit, um
sich einmal auch in
Deutschland umzu¬
sehen. Und gerade
der Rhein oder die
deutschen Mittel¬
gebirge, Schwarz¬
wald und Bayern,
sind da ein Haupt¬
ziel fremdländischer
Touristen, welche
nicht selten dann
ein andermal zu
einem längeren Auf¬
enthalt an einen
liebgewonnenen Ort
zurückkehren.
Kommen so schon
diese deutschenSee-
fahrten dem deut¬
schen Binnenlande
direkt zustatten, so
bedeuten sie für
die Entwicklung
der deutschen Tou¬
ristik aber auch
noch anderweitige
Vorteile. Beson¬
ders unsere eigenen
Landsleute, welche
auf diese Weise
in fremde Länder
kommen, erhalten
dadurch Gelegen¬
heit zu lehrreichen Vergleichen. Anregungen werden heim¬
gebracht, die unser blühend aufstrebendes Verkehrswesen
sich klug zu eigen macht, oder aber man kehrt auch wieder
mit der Ueberzeugung, daß man in mancher Hinsicht doch
nirgends besser aufgehoben ist als daheim. Und mancher
schon, der als ein Nörgler und Lobsänger der Fremde
auszog, kam bekehrt wieder und freute sich fortab der
Schönheit unserer vaterländischen Gaue, des behaglichen
Komforts in deutschen Hotels, wo man ihn sofort ohne
zungenbrecherische Versuche verstand. — All diesen
Unannehmlichkeiten geht freilich aus dem Wege, wer
auf einem deutschen Schiff, also in einem erstklassigen
schwimmenden Hotel, solche Fahrt in ferne Lande an-
tritt, wie z. B. die Mittelmeerfahrt des Norddeutschen
Lloyds nach dem
Kaukasus. DerLeser
dürfte mir daher
mit Interesse auf
dieser Reise folgen.
ln Genua ging es
an Bord. Es War
der mit allem er¬
denklichen Komfort
ausgestatteteLloyd-
dampfer „Schles¬
wig“, der uns auf¬
nahm und nun vier
Wochen als Gäste
beherbergen sollte.
Gen Süden ging
dann die Fahrt,
hinunter nach der
Küste Afrikas, wo
wir Tunis einen Be¬
such abstatteten.
Weiß flimmernd lag
die Stadt am sonnen¬
gedörrten Sand-
strande da, nach
der Wüste zu von
einem fernen Ge¬
birgsrücken abge¬
schlossen; die alte
Stadt, die Nachbarin
Karthagos, die einst
im Weiten Golf
draußen die Flotten
der Römer und Van¬
dalen, der Byzan¬
tiner und Araber,
der Franzosen und
Deutschen unter
Karl V. hat ankern
sehen. Und ein Tag
unseresLandaufent-
haltes hier war denn
auch dem Besuchder
Ruinen Karthagos
gewidmet, dessen
Trümmerfeld noch
heute von dem ver¬
sunkenen Glanze
und der Macht jener
Stadt zeugt, die
einst den unvergeßlichen Kampf um die Weltherrschaft
mit dem glücklicheren Rom geführt hat.
Dann führte uns unser Schiff weiter dahin auf dem
blauen, spiegelglatten Meere; hin gen Malta. Aus dem
Meere wächst sie empor, diese steinerne Krone des
britischen Reiches, die ihr die Herrschaft im Mittelmeer
sichert. Ein Wunder dieses Malta, in der Tat. Nicht
nur die gewaltigen Bastionen, die den Hafen schützen,
sondern auch die Stadt selber, die treppauf, treppab in
Gogry: Vegetationsbild
Wladikawkos, im Vordergrund der Terck-Fluß
696 DEUTSCHLAND Nr. 14
den Felsenrücken der Insel hineingearbeitet ist. Keinen
Strauch, keinen grünen Grashalm erspäht das Auge
bei der ersten Schau auf diesem sonnengebleichten
Felsen. Man fragt sich verwundert, wovon all die vielen
Ziegen ihr Leben fristen, die neben dem Malteser Kreuz
auf allen Stickereien, Spitzen und sonstigen Reise¬
andenken das eigentliche Wahrzeichen Maltas sind.
Diese Ziegen haben eine große volkswirtschaftliche Be¬
deutung für die Stadt. Sie sind Wandelnde „Milchbureaus“,
um diesen schönen Berliner Ausdruck zu gebrauchen.
Der Besitzer steigt nämlich mit ihnen in den hohen
Häusern, riesigen Mietskasernen, empor bis zum fünften
Stock, und an der Wohnungstür melkt sich die Hausfrau
so viel Milch ab, wie sie gerade bedarf.
Von Malta ging es nach Athen. Was weckt der
Name nicht alles auf in einem Herzen, das einst in jugend¬
licher Begeisterung erglühte für die Herrlichkeiten der
antiken Welt! Ich las kürzlich in einer großen deutschen
Zeitung eine Polemik gegen die Reisen, die neuerdings
Schüler der oberen Qymnasialklassen unter Führung
ihres Professors nach Athen machen. Aber mein Besuch
dort hat mich zu einer anderen Meinung kommen lassen.
Es tut doch nicht gut, als reifer Mann mit allzu kritischen
Augen nach Athen zu gehen. Die Stadt, das ganze
Griechenland, wie sie sich heute dem Beschauer dar¬
bieten, stehen doch in einem zu schneidenden traurigen
Gegensätze zu den Vorstellungen, die sich an jene uns
so heiligen Stätten der Vergangenheit knüpfen.
Das Athen von heute ist etwa der Typ einer süd¬
französischen Provinzialstadt mit einem leichten Auftrag
von Pariser Kulturlack hier und da, der aber um so
peinlicher kontrastiert zu dem Anblick, den die Bevölke¬
rung in ihrer großen Masse darbietet. Die Athener von
heutzutage tragen den Stempel einer traurigen Degene¬
ration an sich. Mit Schmerz muß man es feststellen.
Das sollen nun die Nachkommen der Helden von Salamis
sein, das Wir noch da draußen vorm Eingang zum Pyräus
wie ehedem liegen sehen! Dieser trübselige, verkommene
Völkerbrei, der durcheinandergekreuzte Niederschlag aller
der Rassen, die im Laufe der Jahrtausende Griechenland
überzogen haben. Schwer nur kann man angesichts
dieses entarteten Geschlechts die flammende Begeisterung
verstehen, die einst zur Zeit Byrons auch in Deutschland
so weite Kreise beherrschte.
Kaum konnte uns dies eindringlicher zum Bewußtsein
kommen, als bei einem Besuche des großen Kirchhofes,
wo gerade ein Leichenbegängnis stattfand. Dieser Fried¬
hof scheint die beliebteste Stätte der Volksbelustigungen
für die modernen Athener zu sein. Zu Tausenden standen
und hockten sie dort im Schatten der Zypressen am
Nachmittag umher, offenbar auf das Schauspiel eines
solchen Trauerzuges wartend. Nach der dortigen Sitte,
die noch aus den Zeiten der Türkenherrschaft stammt,
wo manchmal im verschlossenen Sarge von den Griechen
Waffen eingeschmuggelt Wurden, muß nämlich jede
Leiche im offenen Sarge durch die Stadt zum Kirchhof
befördert werden. Dieses nach unseren Begriffen Wenig
erfreuliche Schauspiel bot sich auch uns dar. Doch war
der Anblick, dem wir nicht entgehen konnten, nicht so
schrecklich wie man es sich wohl gedacht hätte. Denn
die Tote War ein junges Mädchen, dessen stilles Antlitz
mit seiner feinen, ernsten Schönheit blaßgelb aus einem
überreichen Flor duftender Blumen hervorblickte. Ein
Mitreisender suchte unauffällig seinen Kodak auf den
Leichenwagen zu richten; aber schon war er von dem
Trauergefolge bemerkt worden. Doch fühlte sich dieses
nicht im mindesten gestört, vielmehr gaben sie dem
Amateurphotographen ein Zeichen und ließen den Leichen¬
transport halten, um ihm die Aufnahme zu erleichtern, von
der sie sich nur nachher auch ein Bild erbaten. Denn
bei diesen Begräb¬
nissen spielen Ehr¬
geiz und Eitelkeit
eine große Rolle.
Man sucht sich
durch Schaustel¬
lungenmöglichster
Blumenpracht und
sonstiger Dekora¬
tionen gegenseitig
zu überbieten und
der neugierig zu-
schauendenMenge
ein Schauspiel zu
bieten. Eine wider¬
wärtige Szene bot
sich nachher dar,
als der Sarg in die
Leichenhalle ein¬
gestellt worden
war; eine Art
Schuppenam Ende
des kleinen Hofes,
der mit tausen¬
den wirr durchein¬
ander geworfener
Holzkisten, aus¬
gegrabenen alten
Särgen, vollge¬
stapelt war. Hier
herein drängte sich
nun eine vielhun-
dertköpfigeMenge
Konstantinopel: Schiffe und Sommersitz der Deutschen Gesandtschaft
Nr. 14 DEUTSCHLAND Ö97
lärmend, schimpfend und sich stoßend, um durch das
Schlüsselloch einen Blick auf die drinnen mit ihren
Blumen aufgebarte Tote zu erhaschen. Das Volksschau¬
spiel der modernen Athener!
Aber dennoch. Wenn man droben einmal auf der
Akropolis gestanden — allein, abseits vom Schwarme —
und durch die feierlichen Säulengänge des edelsten aller
Tempel, des Parthenon, das tiefe Blau des ewigen
Meeres, den Fernenduft der Berge Griechenlands hat
schimmern sehen, so fällt all das niedere Getriebe dort
unten in der heutigen Stadt von einem ab, und die
Seele begreift den Geist antiker Schönheit, der einst
hier seinen Hochaltar gehabt hat. Aus dem Kamillen¬
geruch im Marmorschutt rings auf der Akropolis, über
den der rote Mohn seinen Purpurschein breitet, steigt
es auf, übergewaltig, und prägt sich einem in die Seele
ein für alle Zeiten.
Und dann der Abschied von Athen. Unser Schiff
gleitet über das erdämmernde Meer hin, über dem ein
violetter, dunkler Bronzeglanz liegt. Tief hangen am
Firmament die Wolken herab wie ein schwerer Vorhang.
Doch unter ihm zeigt sich uns im letzten Schein des
Abends das Haupt des alten Hymettos, von dunklem
Gewölk düster umschwebt. „Und des Donnrers Wolken
hangen schwer herab auf Ilion“. Da packt es einem in
tiefem Weh an die Seele, daß so viel Schönheit und
Herrlichkeit des Menschengeistes versinken, daß ein so
stolzes Volk so traurig vergehen mußte, das der Mensch¬
heit für alle Zeiten unermeßliche Güter geschenkt hat 1
Und ein großes Mitleid mit den entarteten Nachfahren
der Helden von Salamis kommt über einen. Zeigen sie
uns nicht an ihrem Lose ein Stück Menschheitsjammer,
dem da kein Volk der Erde entgehen wird?
Eine Nacht und ein Tag auf den blauen Südlands¬
fluten, und die kleinasiatische Küste taucht vor uns auf.
Vor der Einfahrt
in die Dardanellen
passieren wir die
Insel Tenedos, die
nach Homer die
Grabmäler Achills
undPatroklostrug.
Dann wird Troja
seibersichtbar,das
heißt durch das
Fernglas gewahrt
man am Berges¬
hang das gelbliche
Schuttfeld, in dem
Schliemann seine
Ausgrabungen ge¬
macht hat, die
Mündung des Ska-
manders erscheint,
der Anker - Platz
der griechischen
Flotte —geweihter
Boden, wohin man
blickt. Europa und
Asien grüßen sich,
nur durch einen
schmalen Meeres¬
streifen getrennt,
den einst Xerxes
sowie Alexander
der Große über¬
schritten auf Ihren
Eroberungszügen, Station Kasbeck mit den Touren-Automobilen
den Leander überschwamm und der die Scharen der
Kreuzfahrer hat übersetzen sehen.
Der Bosporus ist passiert, durchs Schwarze Meer
pflügt unser Schiff in zweitägiger Fahrt der fernen Ost¬
küste zu, wie einst die Argo zum sagenhaften Kolchis hin.
Mit dem Augenblick, wo wir dann in Batum am
Schwarzen Meere russischen Boden betraten und damit
dem eigentlichen Ziel unserer Reise nahe gekommen
waren, boten sich uns Eindrücke dar, die wohl einem
jeden unvergeßlich bleiben werden. Namentlich in Gagry,
dem einzig schönen, neu entstandenen Kurort an der
kaukasischen Riviera, wo die grünen, schattenspendenden
Waldberge dicht bis ans blaue Meer treten, wo Menschen¬
kunst wunderbare Kurparks und Promenaden geschaffen,
wo die Natur einen Wahrhaft verschwenderischen Blüten¬
flor ausgestreut hat — ganze Haine von süßduftenden
Azaleen und Rhododendren entzücken das Auge. Und
dazu das bunte Völkergemisch des Kaukasus, besonders
die ritterlichen Erscheinungen der schlanken, hochge¬
wachsenen Grusinier und ihrer schönheitsberühmten Frauen!
Unsere Reise ging dann mit der Bahn weiter nach
Tiflis, der Hauptstadt des Kaukasus. Sehr interessant
war auch dieser Ort, eine seltsame Mischung von bunt¬
geflickter asiatischer Dürftigkeit und pariserischer Eleganz
wie sie sich auf dem Boulevard der Stadt in den Nach¬
mittags- und Abendstunden zeigte. Die dort in den
eleganten Toiletten korsofahrenden und promenierenden
Damen von schickster Erscheinung ließen kaum den
Gedanken wahrscheinlich Vorkommen, daß wir uns hier
an der Grenze Asiens befanden. Dann ging es Weiter.
Der Glanzpunkt unserer Reise stand bevor: Die Fahrt
über die Grusinische Heerstraße, die wir im Auto
zurücklegten.
Diese Fahrt gewährt einen Einblick in die wunder¬
bare, wilde Schönheit des kaukasischen Hochgebirges,
60a DEUTSCHLAND Nr. T4
dss $icb im EllmiS :te 2 Vj eirbiül^i, : Dk
%ra^3ö. ■■•:vV;>i^^i';' i\c)^, ^ y;■.' ^ ^-uiiärti
Äircji frui’htljäm biaHi^^?d^jii süÜ iluh^ndeti
■■■ÖU^il>a«men■'. '■ ^;itt-'' 'die. ■• He:^\meü ■■.Tlccb'-
gei>jr;^es, Die TKiVv^^iiiJidi? nlttoi wetUs^ß
sciiroffi^r und k£^h?., . ii^nd, i^?ic kjebeu q\x
isciiiwlndtdiiden Oräto Aide (At^sit"dkfns|^d,i ä
■.;5;irtiÄi.n.i^eheTii .^Bef'^tew-o^n^r;. '. da-hL -'
und Asteiis* hängen geblieben sind. U^ber
Slänifne der yefscbied^dsten Art aäblt tiühb.
heute im KuukaÄii^i, Die Straße Klebt sich ^i\ti ^mmer,
wettef. toUib^ hfe sie Wiadika%/kas ermchtv . 4 *^; „Herr-
bubJihfi d£5 Kaukasus‘\ die eiiist bekstigi^; HaUfrt«:tadt
• des^'/Ter.^kgebiet^!^. ■
Vi&i Schönes und Sehenswertes bekamen wir such
f<^rn^r uhclx ^u ^häucdi^ i^ol der W^tterreise nir Kr i m<
afe- sie :i^6 S^hlttK .beRddßß^^; Der Siidajinhatig der Krim ii^cb dem Schwarrett Meere
und Wetter dieser unwht^fcbei^^^^ An jene ZeHeji^ ru^: die sagend rnssisehc RKieräy fet ja 4ner^
Wo Wer Perser und iraU^f^n plurWerud -Zwar fehlt fbr dte grandiose wilde
Gebirge die Tdkr binadf gezogen ednnbn aile^nt- Schwül heit des kaukasiscbfen ■ Ürgebirgeis, dfta iiocb an
liatben / dk ieUt v^rfalieuejv Wachtttärnie : olrerhiath de^^ v'^rg^mgene S^h^pfimgsperiodea: der ^ Oie
: i ■-y bewaideten BergtV/fef :Krmr ^ mehr den.'Eindruck
„y-, ■■' kJiiumt. sdie ','S'try-JÜe/ .^^m{.Kjr■ i.n k:iihhen des- Lieb!Icb'e^r • .Die ■ .fetüt'■'dort kt. .'-em«) harm'ibnEÄche
Kur.v^nv ■ l^ngs-'Oft Sieht'es- V,erl>mdu'Ji+^ der A^mud'''deufe]?e'r Watdgebirge und .der
an ',.dieÄe.U'. .■S■t^ä•iie■hfe^:feb^:.;nl.S; ’' %^oM\ uns-m' dumpf AkgetatlousflfUe der itafieiiischeii Rf^^iera^•
ratterndem m den Himih^] Wneiuf^ihri^m 0t>n Huurdreiz dkses herrUchen Küstensidches,
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Wucht int sich Net ikm Auge.’ fekheu und Buchen erimlkuy bis bin Sew^^sfopoL
^ Stf^^Se ftllirt
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Schheebc'rgeu, gc^
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FufustrafSe Üegi der
Sicbuec ■ mKii. ■in
ruv^ditlgca AVWleiu
stunde'hWi:% 4 bf;^
5 Mf.dery hotbsg^^
achi i\) trl^ SiV Hhre n
Wir ibireji;, die er-
1 iabMK?, S t^Vre h i n n
:sa.mktni deis ■Mi>ch-
•geldt.ge^.' d'aiü'h, ■ bk ■
' ^rkft ■ ■y’ibuU' d.riiben'
die :Sti-i#;Öi^ v wkcler
■VfUc'";'Mer ':-i'd>-: ';'be-
fK^rrsebt. dk''ge.wu.i‘
tig'dih^ttbmWe.ties ' ■"
Ka^bekCTt^^Metc!) ■, ■■■■',. ■-.■ ^' ' ' . ^ :■/^■^ v '' ■•. '■,■ '
Ulk Thf-rm.^-.U^tJr.hti^
geu'C(kts^cb:e'ni:.um.l /■ • ■
Fir^n Ä t^nd^ Opw.wd^Hleorsin^^^^^^
scStLdt^bilJ; . Ali war der Si^ge ' tuith tdj|i(fe ertiebt us sich vveitl.^ctiimmerndy
ProM^etbet}!?^ ^mgesebmiedttt Dje Heersimße Ädd ,skh and Spiken wie
Vüu jtitzf uh bjuikr den Ttkett Sie Mt mr . geguu rfer^ Hiutergrurul des Meeres ebz^^khuet; je^beß
mhjtsam in den üiebaueu, der ^ierbi^ngtrSKr iruk Hirebp dk aut ilner ®
Ueriroht oder .5ebrt>!L ^um Uimimd aufstcigh Wdbtcud iyrde riii hen ^ NunientlicL
er nach .unten steiä ?ibftTht .zaiuJ, Herg^trames h'm fti'W und tUmsui'l nut ihrerii Pmpitr^^cheici über-
mit-^cbmiiEieudtun gur.äJ&Wi"U^u PiuiTO.; gSutei '. urid dürm scbAVeigeiid;''im' -tmerincß.^
;/ Öaau:y; weugerr- chk - T#.: :.zu -ei'ndm:.. buigen ■V'effiuUL ygetukti^ das eiikA:'Ahblic|<-
dtfstere.ji; dt^r Duri»lySchlucbi I>k- Fels^ kiCTbcher GrUtie, y
vvätfife ■ ;''b in -mft>r.w;irt^[r 'V\^ildueti \ast \)h zu ;.':'; ■■^hfö^i' -.ilf.■ .wiuu'ierbdreA;.. eu;..; ■.varWnßtep^
: ÜfXKJ;-' Metetuy^kenkreebt .empHxr,.. mid'■.■iii 'wibieir Kmuf'akien' 'wie Uur ■Ui'ittlirilcliy:it5tv?rr¥Väie^StädtebMdet'Ak)h' Se^
d^^r EWf,iF V<>b eUu:^r ^ und die trau folgteu, Euiea volfen, störUetv Ton
urd>aT'tbi'fpr/ä'gb;iv ' Sphrt^f-Jhei'i,' ■.biuij-. diCÄt--. s^l-Jirrt^n. Fe'lseir- ■ ■'sttdug dn,^(??geu. wieder' K.n n^f ^tii tna.pe ly-uii; vri’il. ^eiaer
maia^JU, Die ScIVhfebt geuifWmt m i nfe niOi yDns ; ge wbU igtut Edlie t atidsc häftUeher S<;-höbiteb uiytl buutesten
Tal. det^ v^rd/uuTöEi^n--Seeibu kd^ hier ,^ein'. . y ' . . Vtut.c .hier' äus.'".lnrt' tluiiu y drr
äliersber dieser düstere Engpaß den Rel';eode Wfoifer df^n AusGiJub .itn tlfiseuröpaiücheBahn-
NWmen Tor Unll an diel net^y wemi er es lucbt Vürzfebi, auxh dun RilckWeg
Zeiteü der Vdtkerwa«^^^^ grirmÄuisebe Wi>.der auf dem Schifte uiuutretejOi fi^^ch GeiiiuS zurück,
yStamin Von der gly^h^ü \fotker'FUttWbfle, liiii^fingeworkm wu die „Scldcj^wig^" zurzeit b^hduiatet i^i und der
Wurde hl diesefoafo^irtlfoher^ in deuen ja Noritdeihsche dtiiienid «sfine ySduffs-
btuite Fetzen all^r mfenidteilen .Europas Station unterhtllt Mittelmeßr' und priehtfEhrten.
Meere entlang mit
einem tincergieidi'
I [ehe n Äusbl ick über-
die dunkelgrünen
Watdiudlen uftd das
[iclugUinietic
Meer tief nten,
vväti'reu'd".' mt-., Reeh.-
tefi ein dölothfen-
äiibJtfäigLf . Qefejfgs^
zug >eine Schroffen
und Zirmen iix den
tiefblaim Äeter
hinaufreckt, Airf
hnibem Wege Hegt
hier das Baidafior^
tnvT seinem unver-
sfofohSfohen^ ^liok
aut dfo gneciitech^
katHplische yWalfo
fäbrtskirdieiv Auf
Schwindel rider FeJS'
DEUTSCHLAND a eeeeeeeeeooeeooe e eeeeo t xxxxi a 699
Nr. 14 i
Deutscher Verkehr.
Von Dr. Seyfert (Leipzig), Geschäftsführer des Bundes Deutscher Verkehrs-Vereine.
In einem früheren Artikel über deutsche Fremdenverkehrs¬
politik war auf die einigenden Bestrebungen der deutschen
Eisenbahnverwaltungen und des Bundes Deutscher Ver¬
kehrs- Ve reine hingewiesen worden, besonders im Hinblick
auf deutsche Auskunftsstellen im Auslande. Es ist
der Mühe wert, einen Blick auf dies wertvolle Propagandamittel
zur Heranziehung des iTilernationalen Frenidenstromes in unser
Vaterland zu lenken. Fremde Staaten, wie vor allem die Schweiz,
Oesterreich, Holland, die nordischen Lander ii. a. besassen der¬
artige Auskunftsstcllen im Auslande weit früher als Deutschland.
Es ist dieser Vorgang dem veiständlich, w'elchtr weiss, dass
alle Organisation des Fremdenverkehrs dort entstanden ist, wo
besonders hervorragende landschaftliche Schönheiten, b -rühmle
Heilquellen und Luftkurorte an und für sich schon eincii grösseren
Fremdenstrom heranzogen. Nach und nacn eibt erkannte man
anderswo, dass eine sachgemässe Organisation der Fremden¬
verkehrspolitik auch dort einen lebhaften Veikehr zu erzeugen
imstande sei, wo die breite Masse der Reisc-nden achtlos vor¬
beizog. Mit der fortschreitenden Erkenntnis von der hohen
volkswirtschaftlichen Bedeutung des FrenwienVerkehrs wurJj
aoeh für Oesterreich der Ertrag aus dem internationalen Fremden¬
verkehr auf 63 Millionen Kronen pro Jahr berechnet - regten
sich auch in Deutschland weitblickende Männer, die übendl in
deutschen Gauen Verkehrs-Vereine und territoriale Verkehrs-
Verbände ins Leben riefen, die sich sodann zürn Bund Deut-
scher Verkehrs-Vereine zusammenschlossen. Un^er
deutscher Verkehrsbund wurde im Jahre 1902 errichtet und hat
sich heule eine achtenswerte Steilung auf dem Gebiete der
deutschen Veikehrsfragen errungen. In den älteren Reiseländern
haben die Regierungen seither schon die Fremdenverkehrs-
Progaganda kräftig unterstützt in Tirol hat man z. B. statistisch
die Einwirkung des Fremdenverkehrs auf die Steigerung der
Einkommen und der Steuerkrait der Bevölkerung erfasst und
haben seit langer Zeit hohe fmanzielle Aufwen'lungen zur Hebung
des Freiudenverkehrs unternommen. So \sv ndet liie Schweiz
für Propaganda ini Auslande jährlich 330000 Fr. auf, Oester¬
reich 680 oco Kr., V- Staaten uiitv i ba.tc.i seiDständige Auj-
kunftsstellen im Auslai.de. V/as un cr Varerland anbetriflt, so
hatte der Bund Deutscher Verkehrs-Vereine den Werl aus¬
ländischer Auskunftsbürea.iis zeitig erkannt. Mit Hilfe dos Aus¬
wärtigen Amtes f/.eiar.g er- i:.ni, im Auslände Dineaus zu errichten,
welche Uber deutscho Verkehrswesen, über Eisenbahnver¬
bindungen, Kurorte, S«»nimerir«schen, Bäder, über deutsche
Kulturstätten usw. Auslainit eiteden und Führer, Pro'^pekte ur’d
Karten an d'is i’ubhkuin zur Vtilciliing bringe;!. Auf
Weise wird da-j Ausland ai.f die Schüi hciten u:*d Sthcoswünii:»-
keiten unseres Vr.teilanues aiitmriksaiii gemacht. Dt*r Bund
besitzt zurzeit 37 .solcher Auskunrustcllen in allen Weltterkn.
Die Bureai *. sind in der Hauptsaehe ber grossen VerKthrs-
gesell.schalten und Reüseburtjaus untcr.jcbruc.it Dies.: sind selbst
daran inieressiert, geriiigendes A.i. k nftsm..leria' zur Vei‘ü-urTj
zu haben; sie haben ferner zum grossen Teile Interesse daran,
wenn sich möglichst viele Menschen auf die Reise nach Deutsch¬
land begeben. Infolgedessen arbeiten die deutschen Auskunfts¬
stellen ganz befriedigend. Der Bund Deutscher Verkehrs -Vereine,
welcher darüber unterrichtet ist, w'elches Drucksachenmaterial und
in welcher Sprache dasselbe an den einzelnen Plätzen verlangt
wird, versorgt die Bureaus mit den Drucksachen der sämt¬
lichen dem Bunde angeschlossenen Verkehrs-Vereine und
-Verbände. Hierdurch gelangt das richtige Führermaterial an
die richtige Stelle und eine Verschleuderung wird vermieden.
Aeusserlich sind die Auskunftsstellen gekennzeichnet durch ein
schwarz-weiss-rotes Bundesschild mit der Aufschrift: Bund
Deutscher Verkehrs-Vereine ~ Auskunftsstelle— und mit einer
entsprechenden fremdsprachigen Aufschrift. In neuester Zeit
haben sich die deutschen Staatseisenbahn-Verwaltungen mit dem
Bund Deutscher Verkehrs-Vereine zu einer einheitlichen, g^oss-
zügigen Verkehrspropjgan Ja vereinigt, über deren Ergebnisse
voraussichtlich bald Günstiges berichtet werden kann. Wir
wollen hierbei nicht vergessen, dass vrir bereits einmal ein
ofriziche.> Auftkunftsbureau mit eigenen Beamten besessen haben;
das war während der Dauer de»* Brüsseler Weltausstellung im
Jahre 1910. Dort hatten der Bund Deutscher Verkehrs-
Vereine und die Preussisch-HessischeEisenbahn-
verwaltung in Gemeinschaft einen schmucken Pavillon
errichtet, wo Beamte der Eisenbahnverwaltung an das Publikum
Fah:karten nach deutschen Stationen verkauften und Auskunft
in E'.senbahnangelcgcnheiten erteilten, während die Beamten
de.s Bundes die Prospekte der deutschen Verkehrs-Vereine, der
Kur- und Badeverwaltungen verabreichten und sachgemässe
Au.skunft erleilien. Dies gemeinsame Vorgehen hat sich glänzend
bewährt. Dem Bunde wurde von der deutschen Regierung
hohe Anerkennung gezollt; .sowohl die Preussisch-Hessische
Eisenbahnverwaitung wie der Bund Deutscher Verkehrs-Vereine
und unsere Bundeszeitschrift „Deutschland“ erhielten von der
Ausstellungs-Leitung den „Grand prix“ zuerkannt. Es sei hier
in aller Kürze beleuchtet, welche Arbeit dieses Bureau während
dei Dauer der Weltausstellung geleistet hat. Die Zahl der
täglichen Auskünfte schwankte zwischen 51 und 174; das Bureau
verleiht insgesamt ca. 20000 Prospekte, F'ührer und Karten.
Mit dieser Propagandatätigkeit wurde ein bedeutender Anteil
des internationalen Fre.nden.stroms in unser schönes Vaterland
gelenkt, und es wäie recht erstrebenswert, dass in Zukunft der
Bund Deutscher Verkehrs-Vereine in Gemeinschaft mit den
deutschen Eisenbahn - Verwaltungen solche offizielle Aus-
kunfts.sielien in den grossen internationalen Verkchrszentren,
wie Paris, Londo'i. Petersburg, Stockholm, New York u. a.
unterhielte. Die aufzuweridenden Kosten erscheinen winzig,
wenn man bedenkt, dass die durch den internationalen
Fremdenverkehr erzeugten Werte für unsere Zahlung.sbilanz
dieselbe Bedeutung haben wie die durch den Export von
W.oen h uvorgebrachlen.
Bund Deutscher Verkehrs-Vereine
(e. V.) Geschäftsstelle: Leipzig, Naschm.irkt, HarideNhof.
(riuMiJgellüi lie Ausküiillr über s VtuM.elii sv, »‘••(mi und
t'.elogciiliciliMi, .\hg:ilic v<»ii l'uliuuii und Prii'-ptS.lrii ii!»cr deiiKi l>r
Kur- und l.adcorte. W inU-r.^portphii/c .Shi'll»- und K-.iid.'> Iiallen. 1
Bericht über die r itzung
der Kommission für .^remd-anverkehrs-Stcttistik
Sonnabend, den 3. Fe b r u u r 1912, v o 1 m i 11 a g s Uhr,
in der Ge.schäfisstelle des» Bundes Dr ut'.cher Verkehrs - Vereine.
Ar.v/eseud w.-ireii »int Herren; ln Eichelmann, Sirassburg;
DirektorW’oigel, Leipzi*:; ObcrMSchv.'eningcr, München; Conslrüiv,
Berlin; G.-ntialiuajo; Gadcgcsl; D;. .ieyfeil.
Ta g e s o r d n u n g ; i. 13 cricht des Geschäftsführers Dr. Seyfert
übei die bisu 'i’jcn Arbeiten des liui des; 2. Bericht de;
Herrn Direkte». Weigel; 3. Verschieden es.
Nachdem Dr. Seyterx Bericht erstatlct hatte, clei darin
gipfelte, da iS «s naraenUic:i gelle, die Zahl der Auterdhall.st^ige
de Fremden zu e aiiilolo undi -len slrengeii An- und Ab'nelde-
iv/ang zur Diircli.» ih. ur g zu billigen, gab Herr Dircldor
V/eigel einen B.-iichl über seine Nachior.^chungen über die
G :neigtheit des I\/liz»naintcs der Stadt Leipzig und des Sächsi¬
schen Statistischen Laiidcsamles wegen strenger Durchführung
des An- und Abmeldezwanges der Fremden.
Beim Poiizeiamt der Stadt Leipzig würde es sich nur um
eine Kostnnirage handeln, da zur Bearbeitung des Materials zwei
Beamt.: arigestellt werden müssten. Das Sächsische Landesamt
tiab: sich für unsere Bestrebungen interessiert. Das Ministerium
des Innern dü.-fte jedoch nach der Ansicht des Landesamtes
v/eni.c Neigung für die Durchführung des An- und Abmelde-
zwangr.s haben.
H'jir Diicktor Weisel würde im Falle einer Durchführung
des Zw.iiii.e-J der An- und Abmeldung einen Meldebogen emp¬
fehlen. wie er nach der Meldeordnung in Leipzig vorgeschrieben
1 h jetzt äu.sserst unzuverlässig ausgcfüllt wird.
Herr Oberst S cb w e 11 i 11 g e r hielt ein Vorwärtskommen
ebenfalls nur für möglicn, wenn durch oberpolizeiliche Verord¬
nung der All- und Abmeldciwang vorgeschricben würde. Es
handele .sich aber auch darum, die Hotels für eine solche
Frcmdensiatislik zu irjlcressieren und eine Form der An- und
Abrneldung zu finden, die sowohl die Hotelbeoitzei wie die
Fremden möglichst wenig belästige und für das kleine wie auch
besonders für das grössie Hotel passe. Namentlich das letztere
sei seiner Ansicht nach eine Aufgabe des Bundes. Es {jcl*e,
von seiten des Bundes ein einheitliches Formular autzustelleri
DEUTSCHLAND
und sodann später die Resultate des deutschen Fremdenver¬
kehres zusammenzustellen.
Herr Dr. Bichelmann war der Meinung, das es am besten
sei, wenn der Bund an das Kaiserliche statistische Amt des
Deutschen Reiches heranträte und es dafür interessiere, eine
Fremdenstatistik für das Deutsche Reich in die Wege zu leiten.
Der Bund sollte sich bereit erklären, praktische Vorschläge für
die Durchführung zu machen. Dies wurde beschlossen.
Es soll bei der Eingabe auf die Beschlüsse des Verbandes
cteutscher Städtestatistiker Bezug genommen werden, namentlich
auf den dort abgelehnten Punkt 4 (die Interessierung des Kaiserl.
Statistischen Amtes und der Landesämter wegen Einführung
einer Fremdenverkehrsstatistik für das Reich beziehungsweise
für die einzelnen Länder).
Als besondere Aufgabe des Kaiserl. Statistischen Amtes wird
betrachtet, die Formen für die Vergleichbarkeit der Statistik in
den einzelnen Orten bezw. Ländern aufzustellen.
Herr Oberst Schweningcr stimmte dem Beschluss zu, regte
jedoch an, auch in den einzelnen Gemeinden und Ländern für
die Durchführung einer Fremdenverkehrsstatistik zu wirken, damit
man praktische Beispiele für die Durchführung bekäme. Dem
wurde allgemein zugestimmt.
Herr Dr. Eichelm ann übernahm es, praktische Vorschläge
auszuarbeiten, um solche bei einer Rückfrage des Kaiserl.
Statistischen Amtes bereit zu haben. Diese Vorschläge werden
vervielfältigt und den Kommissionsmitgliedern unterbreitet.
Herr Direktor Weigel und Herr Dr. Eichelmann wurden
gebeten, ihre weiteren praktischen Erfahrungen über die Fremden¬
verkehrsstatistik in Leipzig bzw. Strassburg dem Bund mit¬
zuteilen. — Schluss der Sitzung i Uhr mitags.
Bericht über die Sitzung des Gesamtvorstandes
Sonnabend, den 3. Februar 19x2, nachmittags 6 Uhr,
im Handelshof in Leipzig.
Anwesend waren die Herren: Professor Dr. Roth, Leipzig
(geschäftsführender Ausschuss), Otto Hirschfeld, Leipzig (Sächsi¬
scher Verkehrs-Verband), Franz Pfeiffer, Weimar (Verkehrs¬
und Verschönerungs-Verein), Wilh. Wolf, Breslau (Schlesischer
Verkehrs-Verband), Dr. Jur. Kuckuck, Dortmund (Verband der
Verkehrs-Vereine Westfalens und angrenzender Gebiete), Karl
Miller, Magdeburg (Verband mitteldeutscher Verkehrs-Vereine),
Robert Ostertag, Karlsruhe (Badischer Landesverband zur Hebung
des Fremdenverkehrs), Mann, Berlin (Verband deutscher Ostsee¬
bäder), Zarnke, Ostseebad Cranz (Verkehrs-Verband Westpreussen
und Verein zur Hebung des Fremdenverkehrs in Ostpreussen),
Krone, Hannover (Verband niedersächsischer Verkehrs-Vereine),
Kabisch, Leipzig (Erzgebirgs-Verein), Oberjustizrat H. Gilbert,
Schnceberg (Erzgebirgs-Verein), Behrens, Dresden (Verein zur
Förderung Dresdens und des Fremdenverkehrs), Weber, Cassel
(Fremdenverkehrs-Verein), Chr. Herbst, Worms a. Rh. (Verkehrs-
Verein), Thelemann, Stettin (Verkehrs-Verein und Verkehrs-
Verband für Pommern und die Insel Rügen), Hoyer, Köln
(Internationaler Hotelbesitzer-Verein und Rheinischer Verkehrs-
Verein), Schellen, Köln (Kölner Verkehrs-Verein), Eidlitz, Berlin
(Internationales öffentliches Verkehisbureau), C. Schweninger,
München (Verein zur Förderung des Fremdenverkehrs in München
und im bayerischen Hochlande), A. Sattler, Braunschweig (Ver¬
kehrs-Verein), Caesar Ehlers, Hamburg (Verein zur Förderung
des Fremdenverkehrs), Schumacher, Düsseldorf (VerkehrsVerein
und Zeitschrift „Deutschland“), Conström, Berlin, und Kelp,
Zeitz (geschäftsführender Ausschuss), Direktor Otto Winkler,
Leipzig (geschäftsführender Ausschuss), Friedrich Gontard,
Leipzig (geschäftsführender Ausschuss), Rechtsanwalt Lebrecht,
Leipzig (geschäftsführender Ausschuss), Viktor Hugo Mueller,
Direktor des Verbandes reisender Kaufleute Deutschlands, Leipzig
(geschäftsfUhrender Ausschuss), Generalmajor Gadegast, Leipzig
(geschäftsführender Ausschuss), Dr. Seyfert, Leipzig (geschäfts¬
fUhrender Ausschuss).
Tagesordnung: i. Mitteilungen des geschäftsführenden Aus¬
schusses; 2. Die Finanzfrage des Bundes.
Es wurde zunächst beschlossen, Punkt 2 zuerst zu erledigen.
Zu Punkt 2 berichtete Herr Direktor Mueller an Hand
der gedruckt vorliegenden Vorschläge.
Herr Rechtsanwalt Lebrecht ging im einzelnen auf den
Finanzvorschlag des geschäftsführenden Ausschusses ein. Die
sogenannten mittelbaren Bundes-Mitglieder (Mitglieder von Ver¬
kehrs-Verbänden) seien danach erst vom Bund und den Ver¬
bänden für den Bund zu werben. Es könne keine Rede davon
sein, dass, wie in verschiedenen Zuschriften an den geschäfts-
fUhrenden Ausschuss angenommen wurde, man diese Verbands¬
mitglieder zwingen wolle, dem Bund direkt beizutreten. Er
wies den Vorschlag zurück, dass der Bund auch solche Auf¬
gaben, die sich nicht auf die Propaganda im Auslande beziehen,
vorwiegend mit staatlichen Mitteln erledigen soll. Hierdurch
würde eine Abhängigkeit des Bundes von den Regierungen
geschaffen, welche die Tätigkeit des Bundes lähmen 'wfih:di4&
Gegenüber dem Vorschläge eines Verkehrs- Verbandes, von der
Rcichsregierung Geldmittel für Bundeszwecke zu fordern, wies
er auf die bisherigen Schritte des Bundes in dieser lUchtxing
hin und hielt solche Bemühungen für aussichtslos» In Sachen
des Propagandaausschusses erklärte er sich zu 'jeder Auf¬
klärung bereit.
Herr Gontard gab ztir Kenntnis, dass der geschälls-
führende Ausschuss beabsichtigt hatte, das Programm des Pro^
pagandaausschusses in der Vorstandssitzung zur Besprechung
zu bringen. Da diese Sitzung aber aus verschiedenen Gründen
(Reichstagswahl) später anberaumt werden musste, als ursprüng¬
lich beabsichtigt war, so müsse das Programm dem Gesamt¬
vorstand schriftlich unterbreitet werden, da Milte Februar die
Sitzung des Propagandaauschusses bevorstehe und die Vor^
Schläge eingereicht werden müssten.
Herr Miller, Magdeburg, kritisierte die Zusammensetzung
des Propagandaausschusses. Der Bund sei mit einem Abge¬
ordneten darin zu gering vertreten. Dagegen erscheine es ihm
fraglich, ob es richtig sei, dass ein Vertreter der Bundeszext-
schrift und des Norddeutschen Lloyd am Platze seien. Er be¬
mängelte, dass die Gründung und die Zusammensetzung des
Propagandaausschusses zu geheim gehalten worden wäre.
Herr Rechtsanwalt L e b r e ch t gab hierauf an der Hand
der Akten Aufschluss über das Zustandekommen und die Zu¬
sammensetzung des Propagandaausschusses und wies darauf
hin, dass der Vertreter der Bundeszeitschrift „Deutschland** und
des Internationalen öffentlichen Verkehrsbureaus (nicht des Nord¬
deutschen Lloyd) von den Eisenbahnverwaltungen als Sachver¬
ständige zugezogen worden seien; sie seien nicht vom Bunde
vorgeschlagen worden, seien aber sehr schätzenswerte Mitarbeiter
im Interesse der Bundesbestrebungen. Er gab sodann die für
das Geschäftsjahr 1911/13 für die einzelnen Punkte der Tätigkeit
des Propagandaausschusses beantragten Summen bekannt.
Hierauf trat Herr Stadtrat Ostertag dafür ein, dass der
Bund sich eine grössere Summe für seine Verwaltungsarbeiten
aus dem Propagandafonds bewilligen lasse. Vor allen Dingen
seien offizielle Auskunftstellen im Auslande mit eigenen Beamten
zu erstreben. Der Bund müsste sich seiner Ansicht nach auf
die Verbände stützen, nicht auf die Einzelvereine.
Herr Hi r sch fei d hielt die von den Regierungen zur Ver¬
fügung gestellten Mittel für nicht hoch genug Er trat ebenfalls
dafür ein, dass der Bund auf den Verbänden aufgebaut sein sollte.
Herr Herbst, Worms, gab bekannt, dass die hessischen
Verkehrs-Vereine beschlossen haben, direkte Mitglieder des Bundes
zu bleiben, da der hessische Verband nur 25 Mk. an den Bund
hätte zahlen können.
Hierauf beantragte Herr Zarnke, die Bundesleitung zu
beauftragen, dafür einzutreten, dass der Propagandaausschuss
eine Aenderung erfahre. Es müssten die Verkehrs-Verbände
darin vertreten sein. Er sei ebenfalls, wie der geschäftsführende
Ausschuss zu der Ueberzeugung gekommen, dass vom Reiche
keine Mittel für Bundeszwecke zu erhalten sind, sondern nur
von den Bundesstaaten.
Herr Hofrat B ehr e n s, Dresden, schloss sich den Finanz¬
vorschlägen des geschäftsfUhrenden Ausschusses an.
Herr Rechtsanwalt L e b r e ch t stellte fest, dass allgemein
Treue zum Bund und die Ueberzeugung von seiner Notwendig¬
keit zum Ausdruck gekommen sei. Er machte jedoch auf die
Schwierigkeit aufmerksam, die sich daraus ergeben hat, dass
die Verbände bisher dem Bund nicht dis nötigen Mittel' zur
Verfügung stellen und anderseits ein Herantreten des Bundes
an die den Verbänden angeschlossenen Vereine nicht wünschen.
Redner wies den von dem Vertreter eines Verbandes gemachten
Vorwurf zurück, dass die Bundesleitung den Eisenbahnverwal-
tungen gegenüber nicht genug Festigkeit gezeigt habe.
Herr Miller, Magdeburg, regte u. a. an, einen weiteren, für
den Aussendienst bestimmten Geschäftsführer zur Gewinnung
noch aussenstehender Verkehrsinteressenten zu berufen.
Nachdem Herr Wolf, Breslau, die Besteuerung der Ver¬
bände mit 5^/0 ihrer Einnahme angeregt halte, stellte Herr Bürger¬
meister Kelp folgenden Antrag:
I. Für das Geschäftsjahr 1912/13 zahlen sämtliche Mitglieder
eine Sonderumlage in Höhe ihres doppelten Jahresbeitrages;
2. Wegen endgültiger Regelung der Finanzfrage des Bundes wird
ein Ausschuss von ii Mitgliedern des Gesamtvorstandes ge¬
wählt, der seine Vorschläge bis zur nächsten Hauptversammlung
vorlegen soll.
Hierauf gab der Vorsitzende die folgenden Anträge bekannt:
a) Antrag Thelemann, Stettin:
I. Verkehrs-Verbände zahlen 5^0 Mitgliederbeiträge und
der Unterstützungen; 2. Verkehrs-Vereine zahlen 2®/^ ihrer Mit¬
gliederbeiträge und der Unterstützungen; 3. Treten Verkehrs-
Vereine aus dem Bunde aus, um sich ihren Verkehrs-Ver¬
bänden anzuschliessen, so wird der Beitrag des Verba&4M.
Nr.i4 @ 0QQQQQ(XKa0QOQQ0QQ908QQ 83ai DEUTSCHLAND B iPoeocoeeeoeeooo e eeeeoee€?ee gM690b
um 50^/0 des Vereinsbeitrages des ausgetretenen Vereins erhöht.
b) Antrag Ostertag, Karlsruhe:
z. Von der bewilligten Staatssubvention wird der Betrag
von 6000 Mk. für Verwaltungsaufwand abgetrenn.t 2. Jeder Ver¬
band führt mindestens 5 % der von seinen Verbandsmitgliedern
satzungsgemäss ihm zufliessenden Verbandsbeiträge an die Kasse
des Bundes ab. Der Prozentsatz kann nach Bedarf durch die
Hauptversammlung erhöht werden. 3. Für den Vertrieb des
Propagandamaterials in den Auskunftstellen wird ein ange¬
messener Beitrag erhoben. 4. Der Beitrag der nicht in Ver¬
bänden organisierten Einzelmitglieder wird entsprechend erhöht
c) Antrag Zarnke, Cranz:
Die Bundesleitung möge an zuständiger Stelle beantragen,
dass ausser den 7 dem Ausschuss zur Förderung des Reise¬
verkehrs auf den deutschen Bahnen bisher angehörenden be¬
ratenden Mitgliedern dieser Ausschuss durch Hinzuwahl solcher
Vertreter ergänzt wird, welche die allgemeinen Interessen ver¬
treten und das Vertrauen der Allgemeinheit besitzen, und zwar:
5 Vertreter der grossen Verkehrs-Verbände (Mitglieder
des Bundes), i Vertreter des Vereins Deutscher Presse,
I Vertreter des Internationalen Hotelbesitzer-Vereins, i Ver¬
treter des deutschen Handelstages.
Herr Oberst Schweninger meinte, es handle sich um
folgendes: Die organisatorische und damit finanzielle Grund¬
lage des Bundes bilden:
1. die Verkehrs-Verbände, von denen in erster Linie
das Verständnis und Interesse für die Tätigkeit des Bundes
vorausgesetzt werden kann und muss; hierzu kommen:
2. Vereine, Stadt- und Landgemeinden und sonstige
Verwaltungen und Bäder, Kur- und Fremdenorte, die keinem
Verband angehören oder unbeschadet solcher Zugehörigkeit
direkte Mitglieder des Bundes sein können und wollen —
die am Verkehr überhaupt und an dem durch den Bund ge¬
förderten internationalen Fremdenverkehr ein besonderesinteresse
haben, dieses durch eine entsprechende Beitragsleistung be¬
kunden und zu dieser Mehrleistung auch befähigt sind.
An diesen direkt interessierten Hauptstock der Mitglied¬
schaft des Bundes gliedern sich:
3. diejenigen Körpers chaften und Binz elmitglieder,
Sportvereinigungen, kaufmännischen, gewerblichen und anderen
Verbände, Verkehrsgesellschaften usw., welche ein allgemeines
Interesse am Verkehr überhaupt und am Fremdenverkehr dazu
veranlasst, die Tätigkeit des Bundes durch ihre Mitgliedschaft
und entsprechende Beiträge zu fördern.
Er entwickelte dann seine von ihm vorher eingereichten
Schlussfolgerungen:
1. „Mittelpunkt und Repräsentant aller verkehrsfördernden
Körperschaften in Deutschland“ kann der Bund nur
werden, wenn er sein ganzes Streben in der inneren Organi¬
sation des Bundes darauf richtet, als Körperschaften in
der Hauptsache nur Verbände unter sich zu haben, die
gleichviel ob territorial oder nach abgetrennten Fremden¬
verkehrsgebieten gebildet, ganz bestimmte Gebiete im Bunde
vertreten. — Je mehr dies gelingt, desto mehr wird der Bund
von den Ansprüchen der Vereine mit kleinen und kleinsten
Beiträgen unabhängig und für seine grossen Aufgaben freier sein ;
— nur dann wird der Bund eine grosszügige Institution werden.
2. Neben den Verbänden sind Vereine und Verwaltungen
von Städten, Gemeinden, insbesondere aber von Bädern und
Kurorten (siehe oben Nr. 2) als stimmberechtigte Mitglieder
aufzunehmen, wenn sie einen ihrem Interesse am Verkehr
überhaupt und am Fremdenverkehr insbesondere entsprechenden
Beitrag (Minimalbeitrag 50 Mk.) leisten.
3. Für die Entscheidung der Frage ist das Ergebnis der
internen Statistik abzuwarten, die mit grösster Beschleunigung
zu bearbeiten ist.
4. Sobald das Ergebnis dieser Statistik vorliegt, hat eine
Kommission neue Grundsätze für die „M i t g 1 i e d s ch a f t“
und die „Beitrage leistung“ aufzustellen und die hierfür
notwendige Aenderung der Satzungen, speziell § 2,4, wahr¬
scheinlich auch § 5 und 12 festzulegen, damit sie demnächst
geschäftsordnungsgemäss behandelt werden können.
Den Antrag des Bundes hielt der Referent im Interesse
des Bundes nicht für annehmbar. Er trat für einen höheren
Beitrag für den Bund aus dem Propagandafonds ein.
Nachdem Herr Oberst Thelemann seinen Antrag be¬
gründet und Herr Dr. Kuckuck gegen ein Herantreten an die
den Verbänden angeschlossenen Mitglieder gesprochen hatte,
modifizierte der geschäftsfUhrende Ausschuss seinen Standpunkt
auf den des Herrn Thelemann, wodurch sich der Antrag erledigte.
Herr Bürgermeister Kelp zog seinen Antrag zugunsten des
Antrages Thelemann zurück.
Es wurde sodann zunächst über die verschiedenen Punkte
des AntragesThelemann abgestimmt. Punkt z und 2 wurden
angenommen, Puzikt 3 abgelehnt.
Hierauf wurde über die einzelnen Punkte des Antrages
Ostertag abgestimmt. Die Punktei und3 wurden angenommen;
2 und 4 als erledigt erklärt.
Die leider aus Mangel an Zeit nicht mit der nötigen Aus¬
führlichkeit zur Debatte gekommenen Vorschläge des Herrn
Oberst Schweninger erledigten sich hierdurch.
Herr Zarnke sprach hiernach zu seinem Antrag betr.
Aenderung der Zusammensetzung des Propagandaausschusses.
Herr Rechtsanwalt L e b r e ch t hielt entgegen, dass möglichen¬
falls hierdurch Eigeninteressen einzelner Landesteile vertreten
werden könnten und dass der Einfluss des Bundes durch die
Aenderung nicht notwendigerweise verstärkt, sondern geschwächt
werde, wenn nämlich die Vertreter des Bundes im Ausschüsse
nicht einheitliche, sondern verschiedene Meinungen verträten.
Herr Oberst Schweninger hielt den Antrag für bedeu¬
tungslos.
Herr Direktor Schumacher, Düsseldorf, hielt es für be¬
denklich, nach so kurzem Bestehen des Propagandaausschusses
seine Zusammensetzung zu ändern.
Hierauf wurde nach nochmaligen Darlegungen des Herrn
Rechtsanwalt Lebrecht und des Herrn Zarnke über den An t ra g
Zarnke abgestimmt; derselbe wurde mit 13 gegen 12 Stimmen
abgelehnt. Sodann wurde auf Vorschlag des Herrn Rechtsanwalt
Lebrecht einstij;nmig beschlossen, dem Propagandaausschuss
mündlich befürwortend vorzutragen, dass im Gesamtvorstand
des Bundes eine stärkere Vertretung des Bundes darin gewünscht
wird, und zwar durch Hinzuziehung von Mitgliedern von Verkehrs-
Verbänden innerhalb des Bundes.
Zum Schluss wurde beschlossen, über den Termin der Haupt¬
versammlung eine schriftliche Umfrage zu veranstalten.
Schluss der Sitzung 11^/2 Uhr.
Sitzung
Sonntag, den 4. Februar, vormittags 10 Uhr,
in der Geschäftsstelle des Bundes Deutscher Verkehrs-Vereine.
Diese Sitzung war zunächst als Besprechung des geschäfts¬
führenden Ausschusses mit dem Präsidenten des Internationalen
Hotelbesitzer-Vereins, Herrn Hoyer, Köln, betreffs des Hotel¬
wesens einberufen. Da sich jedoch auch eine Anzahl der Herren
Vorstandsm.tglieder einfanden, so wurden noch mehrere andere
Punkte besprochen.
Anwesend waren die Herren: Gontard, Professor Dr. Roth,
Rechtsanwalt Lebrecht, Direktor Eidlitz, Direktor Mann, Ver¬
kehrsinspektor Weber, Hofrat Behrens, Generalmajor Gadegast,
Hoyer, Oberst Schweninger, Direktor Winkler, Baurat Schellen,
Conström, Direktor Mueller, Dr. Seyfert.
Herr Gontard führte aus, dass der Bund das Hotelwesen
nur vom Standpunkte des deutschen Fremdenverkehrs betrachten
werde, unter Ausschluss von Fragen spezieller Fachkreise. Das
grosse Hotel sei gut, dagegen sei dies vielleicht nicht immer
zutreffend bei den abseits der grossen Fremden-Verkehrsstrassen
gelegenen mittleren und kleineren Betrieben.
Herr Hoyer wies darauf hin, dass das Hotelwesen in
Deutschland mustergültig sei. Der Vorsitzende des Bundes
habe insofern recht, dass z. B. in der Schweiz die mittleren
und kleineren Hotelbetriebe ebenfalls wie die grossen muster¬
gültig seien, in Deutschland dagegen nicht immer. Die Arbeiten
für die Verbesserung der Verhältnisse in diesen mittleren und
kleineren Hotels solle der Bund seiner Ansicht nach den ört¬
lichen Verkehrs-Vereinen überlassen. Redner begrüsste den von
Herrn Direktor Schumacher geplanten „Hotel führ er“.
Herr Oberst Schweninger sprach den Wunsch aus, dass
die Hotelbesitzer mehr mit dem Bund Zusammenarbeiten müssten
als bisher.
Herr Baurat S ch e 11 e n hatte Bedenken gegen die augen¬
blickliche Herausgabe des „Hotelführers“. Er beantragte, die
Herausgabe ein Jahr hinauszuschisben. Es wurde demgemäss
beschlossen.
Weiterhin wurde der Beschluss gefasst, dass der Bund den
Verbänden und Vereinen die Anregung zur Mitwirkung bei
der Besserung der Verhältnisse in den mittleren und kleineren
Hotels geben soll.
Entsprechend dem Anträge des Herrn Direktor Eidlitz
wurde beschlossen, in Sachen der Vorschläge für die Arbeits¬
ordnung des Propagandaausschusses für 1912/13 nochmals ein
Rundschreiben an die Vorstandsmitglieder unter Einzeichnung
der für die einzelnen Posten geforderten Summen zu erlassen.
Weiterhin wurde beschlossen, die Ausstellung der durch
den Wettbewerb für künstlerische Photographien eingegangenen
Bilder im Herbst dieses Jahres zu veranstalten; dieselbe soll
womöglich zuerst in Leipzig stattflnden, da hier voraussichtlich
im deutschen Buchgewerbehaus geeignete Räumlichkeiten zur
Verfügung gestellt werden können.
Schluss der Sitzung 12 Uhr mittags.
700 i OQQQQQQQQOQOaOQOQOQQQQOQQQa a DEUTSCHLAND Blie c e 0 e 0 € 30 eC 00 C 0 C»IX) 0 GC 000 M Nr. 14
Aus den Bundes-Vereinen.
Verband der Verkehrs-Vereine Westfalens
und angrenzender Gebiete.
Der Vorstand hielt am 13. Januar unter dem Vorsitz des
Herrn Oberbürgermeister Dr. Eickhoff eine Sitzung ab. Dem
Verbände sind beigetreten: die Städte Schwerte, Schwelm,
Dülmen und Frankenberg in Hessen, der Verkehrs-Verein Hörde,
der Verein für Handel und Gewerbe Unna, die Gewerkschaft
Trier und die Gewerkschaft Victor-Rauxel. Damit ist die Zahl
der Verbandsmitglieder von 117 auf 125 gestiegen. - Ein
Schreiben des Landeshauptmanns unserer Provinz gelangte zur
Verlesung, aus dem zu entnehmen ist, dass am Ende des
Rechnungsjahres auf die beantragte Zuwendung aus Mitteln der
Provinz zurUckgekommen werden soll. Auf der Städtebau-
Ausstellung in Düsseldorf soll eine Abteilung eingerichtet
werden, die der Verkehrs-Propaganda des deutschen Westens
dienen wird. Die Beteiligung daran wurde vom Vorstände
einstimmig beschlossen. • Eine längere Beratung knüpfte sich an
Organisationsbestrebungen des Bundes Deutscher Verkehrs-
Vereine. Sodann kamen Eisenbahn-Verkehrsangelegenheiten,
an denen neben dem Industriebezirk fast alle Bezirke der Provinz
beteiligt waren, zur Beratung und Beschlussfassung. Der Vor¬
sitzende des Sauerländischen Gebirgs-Vereins, Herr Stadtrat
Perker (Hagen) sagte für die im Interesse des S. G.-V. liegenden
Angelegenheiten volle Unterstützung zu, auch soll die West¬
deutsche Verkehrskommission über die sie interessierenden
Sachen in Kenntnis gesetzt werden. Mit Interesse wurden die
Mitteilungen des Eisenbahnministers entgegengenommen, die
eine Prüfung der bezüglich der Ferien-Sonderzüge vorgebrachten
Wünsche zusagten und sie nachMöglichkeit zu erfüllen versprechen.
Der Fremden-Verkehrs-Verein München
hielt am 20. Januar seine ordentliche Hauptversammlung ab, die
von Mitgliedern stark besucht war. Der Vorsitzende Professor
Dr. Rothpletz begrUsste die Vertreter der staatlichen und
städtischen Behörden. Direktor Fischer verwies bei Erstattung
des Jahresberichtes auf das gedruckt vorliegende Material,
besonders auf jenes, das sich mit dem Austritt der Mitglieder des
Münchener Hotelierverbandes beschäftigt. Kommerzienrat
Rosa gab eine Erklärung der Vorslandschatt des Vereins bekannt
und wandte sich gegen eine von den Angestelltenverbänden
des Hoteliergewerbes gefasste Resolution. G.-B. Kommerzien¬
rat S ch ö n brzeichnete die vom Magistrat eingeleitcte Aktion
als nicht glücklich und nicht für München vorteilhaft. Der
gerichtliche Entscheid beweise, dass der Magistrat zu weit ge¬
gangen sei. Der Magistrat hätte erst abwarten mü.ssen, welche
Antwort auf das vorliegende Material von den Hoteliers gegeben
wird. Rechtsanwalt Dr. Kl einh er g er gab der Versammlung eine
Erklärung des Hotelierverbandes bekannt, derzufolge dieser gegen
„die irreführende Darstellung des Streites zwischen ihm und dem
Fremden-Verkehrs-Verein in dem Geschäftsbericht des letzteren
protestiert und es ablehnt, vor dem Forum der Generalversammlung
des Fremden-Verkehrs-Vereins seinen Standpunkt zu vertreten,
weil die Versammlung nicht eine neutrale Instanz, sondern in
diesem Streite selbst Partei sei und weil auch eine weitere Bewegung
anderer hiesiger Kreise ausserhalb des Hotelierslandes im Gange
sei gegen das Anfrage.system des Fremden-Verkehrs-Vereins“.
Vorsitzender Prof. Dr. Rothpletz wies entschieden die
Behauptung zurück, dass der Fremden-Verkehrs-Verein die
Hoteliers denunziert habe. Die Auskunftbügen seien niemand
ausserhalb der Vorstandschaft bekannt gegeben worden. Zum
Beweise verlas Redner eine Erklärung des Oberbürgermeisters
Dr. V. Borscht, wonach dies und weiter bestätigt wurde, dass der
Fremden-Verkehrs-Verein an dem Erlass der ortspolizeilichen
Vorschrift über das Anschlägen der Zimmerpreise in den Hotels
nicht beteiligt gewesen sei. R.-R. Dr. Kühles hob hervor, dass
er als städtischer Verkehrsreferont sich von Amts wegen mit
den Fremdenverkehrsfragen zu beschäftigen habe und dass der
Fremden-Verkehrs-Verein berufen sei, Schädigungen des
Fremdenverkehrs hintanzuhalten. Die besagten Vorkommnisse
hätten auch dem Verkehrsminister im Landtage Anlass zu einer
Mahnung an die Münchener Hoteliers gegeben. Gegenüber
die .er Gefahr und mit Rücksicht auf die hohen wirtschaftlichen
Weilt*, die in Betracht kamen, sei es die Pflicht und Schuldig¬
keit der Stadtgemeinde gewesen, einzugreifen. (Beifall.) Weiter
konstatierte Redner, dass das Vorgehen des Magistrats ein
Vorgehen von Amts wegen und aus amtlicher Initiative heraus
war. Er sei ermächtigt, das in aller Form zu erklären. (Hört!)
Nach weiteren Erörterungen wurde dann mit allseitigem Bei¬
falle sein Vorschlag auf genommen, dass ein Schiedsgericht
diese Streitfrage zwischen dem Verein und den Hoteliers aus¬
tragen solle. Damit erklärte sich auch der Vertreter des Hotelier¬
verbandes einverstanden. Zu Ehrenmitgliedern des Vereins
wurden Ministerialdirektor v. Meinel und Ministerialrat Ruck-
deschel ernannt. In den Fremdenverkehrsrat wurden ▼om
Verein 21 Mitglieder delegiert.
Eine Ehrung des Münchener Verkehrs-Vereins.
Das Ministerium des Königlichen Hauses und des Aenasern
hat an den Vorstand des Vereins zur Förderung des
Fremdenverkehrs in München und im bayerischen Hoch¬
land, z. H. des I. Vorsitzenden, Herrn Universitätsprofessors
Dr. Rothpletz, folgendes Schreiben gerichtet: „Den Verein
beglückwünsche ich mit lebhafter Freude zu den Aller¬
höchsten Auszeichnungen, die den Vorstandsmitgliedern«
Herrn Oberst Schweninger und Herrn Direktor Fischer«
dann dem Sekretär Herrn Krauss zuteil geworden sind. Zu¬
gleich nehme ich gerne Anlass, der Vorstandschaft des Vereine
für ihr e r s p r i e s s 1 i ch e s W i r k e n im Interesse des Fremden¬
verkehrs den Dank der Königlichen Staatsreg^erung zum Ausdruck
zu bringen. Insbesondere spreche ich auch im Namen dee
Herrn Staatsministers des Innern und des Herrn Staatsministere
für Verkehrsangelegenheiten dem i. und 2. Vorsitzenden des
Vereins, Herrn Universitätsprofessor Dr. Rothpletz und Herrn
Kommerzienrat Rosa, sowie dem Vorstandsmitglied Herrn
Rechtsrat Dr. Kühles die vollste Anerkennung aus für
ihre hingebende Arbeit, ihr umsichtiges Wirken und ihre
uneigennützigen, dem Gemeinwohl förderlichen Bestrebungen
zur Hebung des Fremdenverkehrs. Wie die Tätigkeit des
Fremdenverkehrs-Vereins in weiten Kreisen Münchens
und des bayerischen Hochlands Würdigung und Unterstützung^
findet, so wird auch die Königliche Staatsregierung, soweit es
ihr im Rahmen der vorgezeichneten Grenzen möglich ist, bereit¬
willig für die Interessen des Vereins eintreten und zur Er¬
reichung seiner Zwecke beitragen. Die Königliche Staatsregierung
kann nur lebhaft wünschen, dass die bewährten leitenden Kräfte
dem Fremdenverkehrs-Verein lange erhalten bleiben. In wor-
züglicher Hochachtung Staatsminister gez. Podewils.**
Welzheimer- und Schurwald-Verkehrsverband.
Zum Zweck der Gründung eines Verkehrsverbandes für das
Gebiet des Murrhardter-, Welzheimer- und Schurwaldes hatte die
Würtl.-Hohenz. Vereinigung für Fremdenverkehr auf Samstag,
den 6. Januar, zu einer Versammlung in Schorndorf eingeladen.
Die stattliche Versammlung, die von über 150 Personen besucht
war, bewies, dass die Gründung eines solchen Verbandes von
den Interessenten des genannten Gebietes als ein dringendes
Bedürfnis anerkannt wurde. Der Vorsitzende der Württ.-
Hohenz. Vereinigung für Fremdenverkehr, Herr Gemeinderat Adolf
Stübler (Stuttgart), begrüsste die Versammlung und wies auf
die dringende Notwendigkeit der Pflege und Förderung des
Fremdenverkehrs in Württemberg und auf die umfassende
Reklametätigkeit der Vereinigung auf diesem Gebiete hin. Herr
Stadtschultheiss Raible (Schorndorf) begrUsste die Anwesenden
im Namen der Stadt Schorndorf und wünschte den Bestrebungen
zur Erschliessung des Welzheimer- und Schurwaldgebiets den
besten Erfolg. Der Vorsitzende richtete hierauf die dringende
Mahnung an die Anwesenden, die Kräfte nicht zu zersplittern,
sondern sich der WUrtt.-Hohenz. Vereinigung anzuschliessen,
die in grosszügiger Weise für ganz Württemberg Reklame
mache und damit schon grosse Erfolge erzielt habe. Der
Sekretär der Vereinigung, Kalkulator Zillhardt (Stuttgart),
erstattete hierauf einen Bericht über die Entwicklung und die
seitherige Tätigkeit der Vereinigung, der mit grossem Interesse
entgegengenommen wurde. Schliesslich wurde beschlossen,
den zu gründenden Verband, der das Gebiet von Rumstal,
vom Welzheimer-, Murrhardter- und Schurwald umfasst, den
Namen „Welzheimer- und Schurwald-Verkehrsverband zu
geben. Der Vorsitzende erklärte hierauf den Verband für
gegründet, worauf die einzelnen Plätze je einen Vertreter er¬
nannten und zum i. Verbandsvorsitzenden Herr Stadtschultheiss
Raible (Schorndorf), zum 2. Vorsitzenden Herr Stadtschultheiss
Müller (Welzheim) und zum Schriftführer Herr Franz Haog^
(Elisabethenberg) gewählt wurde. Herr Hofbuchhändler Wild t
(Stuttgart), der Leiter der Auskunftstelle des Stuttgarter Vereins
für Fremdenverkehr, die zugleich auch Auskunftstelle der Ver¬
einigung ist, bat den neuen Verband, Führer, Prospekte usw.
regelmässig an die Auskunftstelle einzusenden, wo das Reklame¬
material in zweckmässigster Weise verwendet werde. Hierauf
berichtete Herr Gemeinderat Stübler über die Schwäb. Landes¬
ausstellung iür Reise- und Fremdenverkehr und forderte den
neuen Verkehrsverband auf, sich durch Ausstellung von schönen
Bildern, Modellen usw. und eines Dioramas zu beteiligen.
Die Versammlung beschloss, sich an der Schwäb. Landea-
ausstellung gemeinschaftlich zu beteiligen und die Beratung
aller weiteren Einzelheiten einer in Bälde einzuberufenden Ver¬
sammlung der Vertreter der Verbandsmitglieder zu ttberlazeen
f.
Nr, 14 ^&&&xooooüßüüü o^ DEUTSCHLAND B K)eeeeeeeeeoe 0 eeee 0 eeoooeooqi 70i
Der Verkehrs-Verein Braunschweig
hielt am 24. Januar seine Hauptversammlung im „Parkhotel** ab.
Der Vorsitzende, Herr Schulinspektor Sattler, hob einleitend
hervor, dass die Arbeiten des Vereins in stetem Wachsen
begriffen seien', ein Zeichen, wie notwendig das Bestehen eines
Verkehrs-Vereins für Braunschweig sei und wie seine Tätigkeit
allseitig, namentlich auch von den Behörden, anerkannt werde.
Mit der Zeit müsse man aber daran denken, ein neuzeitlich
eingerichtetes Verkehrsbureau in der Nähe des Bahnhofes
einzurichten, in dem eine bezahlte Kraft tätig sei — vielleicht
liesse sich -ein solches mit dem Neubau des Bahnhofes
(siehe auch die Isesondere Notiz „Die Bahnhofsfrage in Braun¬
schweig**), der ja nun, Gott sei Dank, nahe bevorstehe, verbinden.
Aus dem Jahresberichte ist hervorzuheben, dass Aende-
rungen im Vorstande im verflossenen Jahre nicht vor¬
gekommen sind. Für das neue Vereinsjahr wurde der bisherige
Vorstand wiedergewählt. An die Stelle des i. Kassierers, Herrn
Breithaupt, der wegen überhäufter eigener Arbeiten eine
Wiederwahl abgelehnt hatte, trat der bisherige 2. Kassierer, Herr
Direktor K ö rb er; sein Stellvertreter wurde Herr Direktor Halms.
Der .vom 23.—25. September 1911 veranstaltete Schaufenster-
Wettbewerb, verbunden mit Verkehrstagen hat einen
glänzenden Verlauf genommen. Die Veranstaltung kann als
mustergültig bezeichnet werden; entschieden war sie eine aus¬
gezeichnete Reklame für die hiesige Geschäftswelt. Die Stadt
Braunschweig stiftete für die Veranstaltungen 1000 Mk. und
ausserdem 300 Mk. für Ehrenpreise. Insgesamt standen fast
3000 Mk. für Ehrenpreise und Diplome zur Verfügung. Es
beteiligten sich 132 Firmen, Eine hübsch illustrierte Festschrift
„Braunschweiger Verkehr** wurde in fast 6000 Exemplaren ver¬
breitet. Auch an der „Internationalen Ausstellung
für Reise - und Fremdenverkehr** in Berlin beteiligte
sich der Verein. Die dort aufgcstellten prächtigen
Dioramen werden in Verbindung mit dem „Vaterländischen
Museum** sicher eine neue Sehenswürdigkeit für Braunschweig
werden. Der Harzklub, Zweigverein Braunschweig,
stellte dem Verkehrs-Verein 500 Mk. für die Ausstellung zur
Verfügung. Ausser der Hauptversammlung am 25. Januar
vorigen Jahres wurden 8, meistens gut besuchte Vorstands¬
sitzungen und 18 Kommissionssitzungen abgehalten.
Ausserdem beteiligte sich der Vorstand an einer zwang¬
losen, unverbindlichen Besprechung von Verkehrs¬
wünschen in Magdeburg, die von den Eisenbahndircktionen
Magdeburg, Hannover, Halle und Cassel veranstaltet wurde
und alljährlich im Herbst wiederholt werden soll, ferner an
den Hauptversammlungen des Bundes in Berlin und
Worms, an zwei Vorstandssitzungen in Leipzig, an einer Sitzung
des „Harzer Verkehrs-Verbandes“ in Osterode am Harz
und an zwei Sitzungen des „Niedersächsischen Verkehrs-
Verbandes in Hannover. Es fanden im verflossenen Jahre
in Braunschweig 12 grosse Kongresse statt, denen der
Verein mit Rat und Tat zur Hand ging; für das kommende
Jahr sind schon jetzt wieder 4 grosse Kongresse angemeldet.
Der „Grosse Führer durch Braunschweig“ erschien in
dritter Auflage in 10 000 Exemplaren, der „Kleine Führer**
in deutscher Sprache ist augenblicklich im Druck(5000 Exemplare),
die englische Uebersetzung desselben ist gleichfalls fertiggestellt.
Die Stadt Braunschweig bewilligte für die Herausgabe dieser
Führer 3500 Mk. neben dem alljährlich für die Aufgaben des
Vereins bewilligten Stadtzuschuss von 1500 Mk. Die Heraus¬
gabe einer Wanderkarte für Braunschweig und Um¬
gebung (mit Text) ist in Vorbereitung und die Herausgabe
eines Büchleins über „Braunschweig als Hochschulstadt**
wird dank der Unterstützung der Technischen Hoch¬
schule in kürzester Zeit erfolgen können. Für Lichtbilder¬
vorträge wurde eine Sammlung von Diapositiven in
Angriff genommen und gute Photographien von Braun-
s ch w e i g wurden zur Anfertigung von Diapositiven nach
verschiedenen Städten des In- und Auslandes versandt. Durch
eine beträchtliche Anzahl von Eingaben und privaten
Besprechungen mit den zuständigen Stellen hat der Verein
sich bemüht, das Verkehrswesen in der Stadt und gemeinnützige
Einrichtungen zu fördern und auch zumeist ein freundliches
Entgegenkommen gefunden. Er wird nicht müde werden, auf
diesem Wege fortzufahren. Aus dem Kassenbericht ging
hervor, dass die Einnahmen und Ausgaben des Vereins (vom
Schaufenster-Wettbewerb abgesehen) im Jahre 1911 mit 5122 Mk.
balancierten. Die Zahl der Einzelmitglieder beläuft sich auf
595, korporative Mitglieder besitzt der Verein 5. Die Wünsche
des Verkehrs-Vereins erstrecken sich auf elektrische
Beleuchtung der Plätze auf Kosten der Stadt, Ver¬
besserung des Abfuh rWesens, Schaffung einer
grossstädtischen Badehalle und einer Ausstellungs¬
halle und Einlegung einer grösseren Zahl durch-
gehenderZttge, namentlich für den Nord-SUd-Verkehr. Andere
Wünsche des Vereins werden vermutlich in diesem Jahre erfüllt
werden, u. a. ist die Erbauung einer Feuerbestattungs¬
stelle seitens der städtischen Behörden jetzt beschlossen.
Danziger Verkehrs-Zentrale.
Der Voranschlag der Verkehrs-Zentrale für 1912 weist
in Einnahme und Ausgabe Mittel von 12500 Mk. nach. Die
Zahl der Mitglieder ist auf 871 angewachsen, so dass Aussicht
vorhanden ist, 1912 die Zahl 1000 zu erreichen. Die Plak atfrage
ist gefördert worden. Herr Professor Pfuhle hat einen Entwurf
eines Danziger Plakats gefertigt, der in kurzem dem Ausschüsse
vorgelegt werden soll. Ausserdem sind von der Danziger Ver¬
kehrs-Zentrale je 4 Danziger Bilder zu einem Bilde vereinigt
und geschmackvoll gerahmt worden. 25 solcher Bilder sollen
in Hotels und Gasthöfen als erster Versuch ausgehängt und
demnächst über die Beschaffung weiterer Bilder Beschluss gefasst
werden. An der Ausschmückung der Eisenbahnwagen mit
Bildern wird sich die Verkehrszentrale durch Lieferung von
zwei Bildern (Langermarkt mit Artushof und Rathaus und lange
Brücke mit Krantor) beteiligen. Eine umfassende Aussprache
knüpfte sich in der Sitzung des Ausschusses an die in jüngster
Zeit im Vordergründe des Interesses stehenden Danziger Ver-
kehrswUnsche. Am Schlüsse der Sitzung überreichte der Vor¬
sitzende der Verfcchrszentrale eine Sammlung der im Handel
befindlichen DanzigerAnsichtspostkarten zum Geschenk.
Die Karten sind in einem Album nach den einzelnen Objekten
angeordnet. Die Sammlung umfasst etwa 700 Karten und zeigt,
dass wir in Danzig eine Uber Erwarten grosse Zahl ausgezeichnet
künstlerischer Postkarten, daneben in geringem Umfange aber
auch „Schund** haben. Dem Wunsche des Schenkers ent¬
sprechend, wird die Verkehrs-Zentrale die Kartenhändler, Photo¬
graphen und Verleger bitten, vor Herstellung neuer Karten das
Album einzusehen, damit der Kreis der Objekte erweitert wird
und damit die besten vorhandenen Karten als Muster für neue
genommen werden. —
Neuregelung der Ferien.
Die vom Bund Deutscher Verkehrs-Vereine angeregte Neu¬
regelung der Ferien hat in weiten Kreisen Beachtung gefunden
und einen lebhaften Meinungsaustausch veranlasst. Inzwischen
ist die Bekanntgabe der Schulferien in der Rhein¬
provinz und in Westfalen bereits erfolgt. Für die
höheren Schulen in diesen beiden Provinzen sind die Ferien
des kommenden Schuljahrs wie folgt festgesetzt worden: Der
Schluss des alten Schuljahrs ist am Freitag, den 29. März (nicht,
wie bisher bestimmt war, am 30. März). Der Wiederbeginn
des Unterrichts erfolgt am Dienstag, den 16. April. Die Pfingst-
ferien dauern vom 24. Mai bis 4. Juni; die Herbstferien
vom 7. August bis 12. September, sind also verkürzt worden.
Dagegen sind die Weihnachtsferien etwas verlängert; sie
dauern vom 20. Dezember bis 8. Januar. Der Schluss des
Schuljahres erfolgt am 19. März 1913.
Deutscher Skiverband. Nach den neuesten Feststellungen
umfasst der Deutsche Skiverba nd, Sitz Karlsruhe i. B., insgesamt
21000 Mitglieder, die sich auf n Unterverbände verteilen. Die
höchste Mitgliederzahl hat der Skiklub Schwarzwald aufzuweisen,
nämlich über 4000. Ihm am nächsten steht der Thüringer
Wintersportverband mit über 3000 Mitgliedern; dann folgen an
dritter Stelle der Schwäbische Schneeschuhbund mit nahezu
3000 Mitgliedern und an vierter Stelle der Oberharzer Skiklub
mit etwa 2950 Mitgliedern. Die weitaus grösste Anzahl Orts¬
gruppen besitzt der Schwäbische Schneeschuhbund, nämlich 50.
Es folgen mit 39 Ortsgruppen der Skiverband Sachsen, sodann
mit je 31 Ortsgruppen der Skiklub Schwarzwald und der Thüringer
Wintersportverband. Die Zahl der Ortsgruppen, die dem Deutschen
Skiverbande angehören, übersteigt nunmehr 250.
Der Jahresbericht des Kur- und Verkehrs-
Vereins Konstanz für 1911 bespricht des näheren den
Fremdenverkehr in Konstanz im Laufe des letzten Jahres. Er
ist der Auffassung, dass der heisse Sommer die Fremden nicht
sesshaft gemacht habe. An dem Rückgang des Fremden¬
verkehrs, der eine Frequenz im Jahre 1911 von 82434 Personen
aufwies, sei auch die Tatsache schuld, dass eine grosse Anzahl
der Sommerreisenden nicht Ruhe, sondern Vergnügen suchte.
Die lästige Zollbehandlung bringet den Reisenden öfter unan¬
genehme Auspackereien aller ihrer Koffer bis auf den Grund,
dies besonders wegen des oft übergrossen Saccharinschmuggels.
— Die Mitgliederzahl stieg von 629 auf 678.
Ein städtisches Verkehrs-Bureau wird am x. April
in Wiesbaden errichtet. Als Leiter ist der bisherige Leiter
des Baden-Badener Verkehrs-Bureaus, Herr Kesselring, ein
geborener Schweizer, angestellt worden. Das Reklame- und
Propagandawesen der Kurstadt soll von dem Bureau in gross¬
zügiger Weise betrieben werden«
702 IB O e OOO e OQQOa a öQQQ QCaOQOQOOOCMa DEUTSCHLAND
Nr. 14
Oeffentliche Verkehrs-Versammlung in Werni-
g e r o d e. Auf Veranlassung der städt. Verkehrs- und Kur¬
kommission fand am 30. Januar im Saale des Alten Schtttzenhauses
eine öffentliche Versammlung statt, welcher auch der Kgl. Landrat,
Geheimrat Siegert, der Präsident der FUrstl. Kammer, Geh. Ober¬
regierungsrat Lohmann, I. Bürgermeister Bbeling sowie die
Vorsteher des Reichspostamtes und der Staatsbahn beiwohnten.
In astündigem, vorzüglich durchgearbeitetem Vortrage behandelte
Verkehrsamtleiter Schultze die Entwickelung und Bedeutung
des Fremdenverkehrs für Wernigerode, die Tätigkeit des Ver¬
kehrsamtes und die Reklame. Im Vorjahre sind 9776 Mk. dafür
aufgewendet worden, wovon 6885 Mk. die Bürgerschaft freiwillig
aufgebracht hat. Die verschiedenen Druckschriften, welche das
Verkehrsamt herausgegeben, fanden grossen Anklang. Die
Anfragen über Wernigerode als Kurort und Touristenstand¬
quartier stiegen infolge der grösseren Zeitungsreklame sehr, wie
die Zahl der Postausgänge (6871) zeigt. Der gleichfalls gewachsene
Fremdenbesuch (9342 Kurgäste und 28075 Fremde mit Aufenthalt
bis zu 5 Tagen) wies 233866 Logiernächte auf, was bei einer
auf 6 Mk. geschätzten Tagesausgabe des Fremden für unsere
Stadt einen Geldumsatz von lYo Millionen Mk. bedeutet. Nicht
gerechnet sind dabei die Tausende von Tagesbesuchern! —
Redner zollte sodann der Königl. Eisen b^a hn-Direktion
Magdeburg anerkennende Worte, dass sie dem gesteigerten
Verkehr nach hier durch neue Züge, bessere Anschlüsse, Kurs¬
wagen, Sonderzüge usw. ein so grosses Interesse entgegenbringe.
Vorgelegt wurde u. a. der Entwurf eines Plakates, welches die
bunte Stadt treffend zu charakterisieren berufen ist. Zum Schluss
betonte der Redner die Bedeutung der Zeitschrift „D e u t s ch -
land“ für die Verkehrs- und Städtepropaganda, bei der das
Harzgebiet in Wort und Bild eingehend gewürdigt worden sei.
In der dem Vortrage folgenden Aussprache herrschten nur
Stimmen vollster Anerkennung über die Tätigkeit des Verkehrs¬
amtes und seines Leiters.
Berlin als Fremdenstadt. Die Anziehungskraft,
welche die Reichsmetropole mit ihren mannigfachen Ver¬
gnügungen, Anregungen und Belehrungen auf die Fremden
ausUbt, ist in ständigem raschem Steigen begriffen. Nach den
Mitteilungen der Zentralstelle für die Interessen des Berliner
Fremdenverkehrs vermehrte sich die Zahl der Berlin besuchenden
Fremden in dem Jahrfünft 1906 bis 1910 von 1029 461 auf
1278608 oder um 24,2 Prozent. Dabei stieg die Zahl der aus
dem Aus lande kommenden Fremden weit rascher, nämlich
von 178 420 auf 253 838 oder um 24,3 Prozent, als die der aus
Deutschland selbst kommenden Besucher, die sich von 851033
auf 1024 771 oder nur um 20,4 Prozent vermehrte. Machten
1906 die Ausländer erst 17,3 Prozent aller Besucher aus, so 1910
19,8 Prozent. Wie sich der Fremdenverkehr Berlins auf die
wichtigsten Länder verteilt, ist aus folgender Tabelle ersichtlich;
Deutschland.
1906
851 033
1910
1024 771
Zunahme
1906—1910
20,4 Prox.
Russland.
04 623
!)7 683
51,1 „
Oesterreich.
30 243
39 555
30,8 „
England.
11 759
16 600
41,2 „
Schweden.
10 333
13 721
■ 32,8 „
Dänemark.
9 455
11 176
18,2 „
Frankreich.
7 981
11070
38,7 „
Holland.
6 235
7 611
22,1 „
Schweiz.
1183
5 048
20,7 „
Belgien.
2 821
3 736
32,4 „
Italien.
2 011
3 682
83,9 „
Norwegen.
2 634
3 595
36,5 „
Andere europäische Staaten .
4 547
6 50 S
43,1 „
Amerika.
19 545
30 550
56,3 „
Asien.
902
1 595
76,8 „
Afrika.
877
1 129
28,7 „
Australien.
279
579
107,5 „
Von allen Ländern stellt
Russland
bei
weitem
das grösste
Kontingent der Fremden Berlins: mehr
als
der dritte Teil aller
Besucher kommt aus dem Zarenreiche.
Dann folgt Oesterreich,
dann England. Auffallend ist
auch die
hohe Besuchsziffer der
skandinavischen Länder, die
diejenige
Frankreichs
bedeutend
überflügelt.
Der Wiener Fremdenverkehr im Jähe 1912.
Nach den Aufzeichnungen des Wiener Vereins für Stadt¬
interessen und Fremdenverkehr (Sektion Wien des Landes¬
verbandes) sind im Jahre 19x1 in den Wiener Hotels insgesamt
606235 Fremde, um 2351 mehr als im Jahre 1910, ein-
getroffen. Davon entfallen auf Oesterreich 364805 (-|- 8066),
auf Ungarn ui 100 (-|- 1063) und auf Bosnien 2339 (-f- 64) Per¬
sonen. Auf das Ausland entfielen 127 391 (— 6842). Der Auslands¬
verkehr setzt sich wie folgt zusammen: Deutschland 46945
(— 6848), Russland 26 j6x (-j- 1308), Rumänien 9659 (-(- 295),
Amerika 8477 (— nyi), Frankreich 6342 (— 395 )f England 5163
(— 403), Türkei 3895 (+ 93), Italien 3852 (— 385),'- ^erbien
3674 (-|- 624), Bulgarien 3342 (-|- 16), Schweiz 2726 4—1x76),
Belgien 1325 (— 50), Asien 1071 (— 24), Holland 943
Schweden und Norwegen 728 (— 159)1 Afrika 722’
Australien i2X (-|- 20).
Die Zunahme des Pariser Fremd.enverlck^TS
behandelt Dr. Jacques Bertillon im „Journal" und zeigt dalsei,
wie gerade in den letzten zehn Jahren der Zufluss fi^nider
Gäste nach Paris einen gewaltigen Aufschwung zu verzeichnen
hat. Noch im Jahre X872 beschränkte sich die Zahl der Fremden,
die Paris besuchten, auf 96 000 Ausländer und 262 000 Franzosen
aus der Provinz. Bereits im Jahre 1876 ist die Zahl der Aus¬
länder auf 118000 und die der Franzosen auf 292000 .an¬
gewachsen. Und nun beginnt ein ununterbrochenes Steigen
des Fremdenverkehrs, das sich in folgenden Zahlen überze'bgt
ausprägt. x88i werden verzeichnet: X92528 Ausländer und
535 342 Franzosen; x886: X73738 Ausländer und 532560 Franzosen.
Für X891 lauten die entsprechenden Zahlen 223 929 und 557937,
für 1896: 272293 und 631022, für 190X: 289890 und 631227. Nun
beschleunigt sich das Tempo der Zunahme in bemerVenaiverter
Weise. Bereits im Jahre X906 weist der Fremdenverkehr von'
Paris nicht weniger als 453 215 Ausländer und 740 404 Franzosen
aus der Provinz auf. Für X908 lauten dann die Zahlen 460709
Ausländer und 748805 Franzosen, so dass in diesem Jahre,
dem letzten, von dem heute genaue amtliche Ziffern zu er-^
langen sind, nicht weniger als x209 514 Fremde die Haupts^dt
Frankreichs besucht haben. So hat sich in den letzten vier*
Jahrzehnten der Besuch von Ausländern nahezu verfflnffacht
und der von Franzosen aus der Provinz beinahe verdreifaclit.
ln den oben genannten Zahlen sind die Ausstellungsjahfe forbt
gelassen worden, weil ihre Verhältnisse nicht als normal
gelten können. Aber auch die verschiedenen Jahre der Pariser
Weltausstellungen zeigen ein ähnliches Wachsen des Fremden¬
zuflusses. Die Weltausstellung von 1878 lockte rund 250 009
Ausländer nach Paris, die Ausstellung von 1889 39x073, und
die Ausstellung von 1900 bereits mehr als eine halbe MUBoxx^
genau 545252 Ausländer. Es ist interessant zu untersuchen, in
welchen Monaten in Paris die meisten Fremden weilen. Hier
zeigt sich eine deutliche Spaltung zwischen Ausländern und“
Franzosen aus der Provinz. Die französischen Fremden stollon
in den Monaten März und Oktober das grösste Kontingent,
was sich zum Teil auch dadurch erklärt, dass zu diesen Zeit¬
punkten zahllose Geschäftsleute nach Paris kommen, um ihre
Vorbereitungen zur Sommer- bezw. zur Wintersaison zu treffen, -i
Die meisten Ausländer aber weilen in Paris im Spätsommer,
und zwar im August und September, also eigentlich zu Zeiten,
in denen die Pariser Gesellschaft fern von der Hauptstadt in,
den Badeorten weilt. Im Jahre X908 zählte man im August in
Paris 51983 Ausländer und im September 55 718. Die weit¬
aus niedrigsten Zahlen für den Ausländerverkehr weisen die
Monate Januar und Februar auf, in denen das gesellschalb-
liche Leben von Paris in seiner höchsten Blüte steht.
Billiger Tarif im überseeischen Telegraphen¬
verkehr. Eine für weitere Kreise wichtige Neuerung ist im
überseeischen Telegraphenverkehr mit dem neuen Jahre ver¬
wirklicht worden. Benutzten bisher Privatleute nur in selteneii
Fällen die überseeische Kabel-Telegraphie, da sie nicht in der
Lage waren, durch Verwendung von Depeschenkürzern (Codes,
Telegrammschlüssel) viel in wenigen Worten zu sagen und
80 für sich die Kosten herabzusetzen, so ist jetzt von der
Deutsch-Atlantischen Kabelgesellschaft durch Herabsetzung der
Gebühren selbst für Privat-Telegramme in offener Sprachie
dafür gesorgt, dass gelegentliche Kabeldepeschen den Mitteln
eines jeden weit erreichbarer geworden sind. Der Preis Idt
auf die Hälfte der gewöhnlichen bisherigen Gebühr ermässigt
worden, also z. B. zwischen Deutschland und New York auf
52Y2 Pfennig pro Wort bei 7935 Kilometer unter dem Ozean her.
Diese durchgreifende Verkehrserleichterung hat bereits während
der beiden ersten Jahreswochen zu einer wesentlichen Vermehrung • -
der unterseeischen Drahtübermittelungen nach Amerika und den -
verschiedensten Orten Deutschlands geführt.
Die Bahnhofsfrage in Braunschweig ' geht Jetst
endlich ihrer Erledigung entgegen. Seitens des Preussischen
Eisenbahn-Ministeriums sind die beiden Pläne für den Fern-'
bahnhof (das preussische Projekt, das den Bahnhof etwA
x8oo m hinauslegen will) und für das Menadier-Qebeng-
lebensche Projekt (das den Bahnhof 600 m näher an jdXe
Stadt heranlegt) nebst den Kostenanschlägen hier eingesandt.
Der Magistrat hat sich für das nähere Projekt entscUeden,
das einen stadtseitigen Zuschuss von etwa i Ys Millionen Mark
erfordert. Leider wird dadurch der herrliche Bürgerpafk durch¬
schnitten; doch hofft man durch geeignete gesohmäokvolle
Anlagen diese Durchquerung so wenig auffallend Und die
Nr. 14 iB aQQQQQQ3908Q00Q0QQQQQQQQ gi DEUTSCHLAND iBe e e eseeeeeeeeeeeoeeocdooeea i 703
Schönheiten des Parks störend wie irgend möglich machen
zu können. Mit dem Neubau des Bahnhofes treten wieder die
schon lange gehegten Wünsche der Stadt in den Vordergrund,
durch eine Reihe von durchgehenden Linien wieder in
den grossen Eisenbahnverkehr hineingezogen zu werden. Dazu
ist unbedingt nötig, dass für den Ost-West-Verkehr die
Linie Schandeloh — Oebisfelde für den Schnellzugs¬
verkehr eingerichtet wird. Für den Nord-SUd-Verkehr
muss die Linie Uelzen — Braun schweig als Vollbahn aus¬
gebaut und die Linie Braunschweig — Harzburg Uber
Harzburg und Braunlage nach Nordhausen hin verlängert werden.
Eisenbahnwesen.
Eine direkte Linie Aachen — Löwen. Die lang¬
jährigen Bemühungen und Vorbereitungsarbeiten zugunsten der
Verbesserung des rheinisch-belgischen Eisenbahnverkehrs scheinen
endlich mit Erfolg gekrönt werden zu sollen. Das ist zum guten
Teil sicher dem Eintreten der Stadtverwaltungen und Handels¬
kammern Westdeutschlands für den Bau einer direkten Linie
von Aachen über Bleyberg—Vise nach Löwen zu
verdanken, welche die Verbindung nach Brüssel oder Ostende
sowie nach England um ein bis zwei Fahrtstunden abkürzen
wird. Wie die „Kölnische Volkszeitung** mitteilt, standen der
Verwirklichung dieses Gedankens auf preussischer Seite sowohl
finanzwirtschaftliche wie technische Bedenken entgegen, die
nunmehr aber nahezu beseitigt oder aufgegeben zu sein scheinen.
Dabei darf nicht vergessen werden, dass das Projekt in Belgien
selbst auch sehr starkem Widerstand begegnet ist, und zwar in
der Provinz Lüttich, wo die Städte L ü 11 i ch und Verviers
sich nach wie vor dagegen wehren, dass die direkte internationale
Linie sie nicht berührt. Dieser Widerstand kann aber doch
nicht die endliche Befriedigung eines schon so lange empfundenen
internationalen Verkehrsbedürfnisses, wie sie die genannte Strecke
darstellt, hintanhalten. Zudem ist bereits und wird auch weiter
für den Verkehr der genannten Städte mit Brüssel, worauf es
ihnen ja am meisten ankommt, ausreichend gesorgt. Uober die
Anlage der neuen Strecke bis Aachen und die Fortschritte der
Vorbereitungen zum Bau bringt Dr. Otto Dresemann in Nr. 4
des „Tag“ (Verkehrsrundschau) neue Angaben; Belgien büsst
bei dem Bau dieser den allgemeinen internationalen Verkehrs¬
interessen so dienlichen Strecke weit mehr an Tarifkilometern
ein als Preussen; man kann wohl sagen, das Dreifache; es
bringt also im Verkehrsinteresse das dreifache Opfer, und zwar
dauernd — von den Baukosten ganz abgesehen, die Belgien
zum überwiegenden Teile zufallen. Würde der Verlauf der schon
bestehenden Strecke zwischen Bleyberg und Aachen unverändert
bleiben, so hiesse das die Erreichung des Ziels: grössere
Schnelligkeit und bedeutend kürzere Fahrzeit nach Brüssel,
merklich beeinträchtigen. Der jetzige Tunnel unter dem Drei¬
länderpunkt bei Aachen liegt hoch, in seiner Nähe muss in
geringerer Höhe über Meer ein Basistunnel von grösserer Aus¬
dehnung gebaut werden, damit von Aachen wie von Bleyberg
aus der Gebirgsdurchstich mit geringster Neigung, vielleicht
mit i; 100—120, also mit kaum beeinträchtigter Zuggeschwindig¬
keit erreicht werden kann. Die geologische Beschaffenheit des
Bodens ist dort kaum verschieden von derjenigen, die eine
halbe Stunde südöstlich davon bei dem Versuche des neuen
Tunnelbaues gefunden worden ist und die Preisgabe des Ver¬
suches entschieden hat. Preussen ist deshalb ebensowenig hier
wie dort geneigt, an einen Tunnelbau heranzugehen, der nach
seiner Auffassung ebenfalls einen zu grossen Kostenaufwand
erfordern würde. Es hat also den Belgiern nahegelegen, diesen
für „ihre** Bahn und deren praktische Nutzbarkeit unerlässlichen
Tunnel, der zum Teil auf prcussischem Gebiet läge, auch noch
auf eigene Kosten zu bauen. Vor technischen Schwierigkeiten
schrecken die Belgier nicht zurück; des Schwimmsandes würden
sie in der horizontalen Röhre ebenso Herr werden, wie es
schon lange mittels des Gefrierverfahrens in den senkrechten
Schächten der Bergwerke geschieht. Ist nun Belgien auch
noch zu diesem letzten, bedeutenden Opfer bereit, selbst den
preussischen Teil des Tunnels für die, wie gesagt, durchaus
nicht im einseitig belgischen Interesse liegende Bahn zu bauen,
so wäre damit wohl das Aeusserste erreicht, was man Belgien
zumuten könnte, und man sollte von der Forderung der Frachten¬
kompensationen endgültig Abstand nehmen, da ihre Aufrecht¬
erhaltung nach einem solchen Entgegenkommen dem allzu
straffen Spannen des Bogens gliche. Ein neuer Basistunnel
zwischen Aachen und Gemmenich würde zudem die einfachste
Streckenzuführung von Aachen - Hauptbahnhof und die volle
Wahrung der landschaftlichen und baulichen Interessen der
alten Kaiserstadt mit sich bringen.
Ein neues D-Zug-Paar Köln — Berlin. Wie die
Berliner Blätter melden, ist vom i. Mai an ein neues D-Zug-
Paar zwischen Köln und Berlin beabsichtigt. Der eine der
neuen Züge soll von Köln 8.45 Uhr früh abgehen, so dass er
an Bahnhof Friedrichstrasse 5.15 Uhr nachmittags eintrifift. Der
Gegenzug soll von Bahnhof Friedrichstrasse 12.16 Uhr mittags
abgehen und in Köln 8.40 Uhr eintreffen. Der neue Zug wird
auch die Verbindung Paris—Berlin verbessern; denn der Pariser
Nachtschnellzug trifft morgens 8 Uhr ein und geht Über Magde¬
burg nach dem Potsdamer Bahnhof Berlin (6 Uhr x Minute
nachmittags). Wird man in Köln aber auf den neuen Zug
übergehen, so trifft man künftig kurz nach 5 Uhr auf der
Berliner Stadtbahn ein.
Zur Vermehrung des Wagenparks der preussisch-
hessischen Staatseisenbahnen werden im Eisenbahn¬
anleihegesetz 112 Millionen Mark gefordert werden; es sind
dies 30 Millionen Mark mehr als in den letzten Kreditvorlagen.
Auch im Eisenbahnhaushalt werden die Mittel zur Erhaltung der
Eisenbahnfahrzeuge um über 14 Millionen Mark erhöht werden.
Badische Eisenbahn-Einnahmen. Die Einnahmen
der badischen Staatsbahnen im Dezember 1911 betragen nach der
amtlichen Schätzung aus dem Personenverkehr 2246000
Mark, aus dem Güterverkehr 5475000 Mark, aus sonstigen
Quellen 1085 000 Mark, im ganzen 8,8 Millionen Mark, für das
Jahr igii insgesamt na 512 000 Mark, also (d. h. wie in der bei¬
gegebenen Erläuterung näher ausgefUhrt wird, nach der zunächst
oberflächlichen Schätzung) 7,1 Millionen Mark mehr als
im Jahre 1910. Infolge der Witterungs Verhältnisse war der
Wintersportverkehr ganz unbedeutend, der sonstige Ausflug¬
verkehr ebenfalls beeinträchtigt. Die geschätzten Einnahmen
aus dem Personenverkehr waren im Dezember um 174650
Mark, im ganzen Jahr 19x1 um 1533820 Mark höher als in der
gleichen Zeit des Vorjahres.
Die Fahrkartensteuer hatte bekanntlich zur Folge,
dass die Benutzung der höheren Klassen abnahm und dafür
namentlich eine verstärkte Benutzung der 4. Wagenklasse ein¬
trat. Diese Bewegung ist jetzt zum Stillstand gelangt; sowohl
auf den preussischen, als auch auf den anderen deutschen
Staatsbahnen ist die Benutzung der 2. und 3. Wagenklasse
gestiegen, die der 4. Klasse erheblich zurückgegangen.
Schnellzugverbindungen
zwischen Leipzig und Stuttgart
mit Anschlüssen über Schaffhausen nach und von der
Schweiz und Italien
(Zusammengestellt von der General-Direktion der
Sächsischen Staatsbahnen in Dresden).
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Internationaler direkter Zugverkehr nach Ant¬
werpen. Zwischen Deutschland, Belgien und Holland
schweben gegenwärtig Verhandlungen zur Einstellung täglicher
internationaler direkter Züge zwischen Antwerpen und Glad-
bach, Düsseldorf, Elberfeld, Hamm, Hannover und
Berlin. Auf belgischem Gebiet ist das Gleis bereits verdoppelt
und die bestehenden Gleisanlagen sind verbessert und verstärkt
worden. Gleiche Arbeiten sind auf holländischem und deutschem
Gebiete vorgenommen worden. Die neuen Züge sollen mit
hundert Kilometer Schnelligkeit laufen und schon dieses Jahr
in Betrieb gesetzt werden. Demnächst finden Konferenzen statt,
um den Fahrplan festzulegen.
Beförderung von Reisegepäck. Der preussische
Eisenbahnminister Exzellenz von Breitenbach hat dem Bundesrat
den Entwurf eines internationalen U e b c r e i nk ommens
über die Beförderung von Personen und Reisegepäck, wie es
von der im Mai vorigen Jahres in Bern abgehaltenen inter¬
nationalen Konferenz beschlossen worden ist, nebst einer
Denkschrift überreicht. Dem neuen Uebereinkommen liegt fast
überall der deutsche Entwurf zugrunde, der seinerseits
sich möglichst eng an die Eisenbahnverkehrsordnung anschliesst.
Soweit das Wesen des internationalen Verkehrs eine besondere
Regelung erfordert, ist diese hauptsächlich nach den Grna^
Sätzen des Frachtübereinkommens erfolgt. Der deutsche
Wurf wurde vom Reichseisenbahnamt aufgestellt. Nach\
dem die meistbeteiligten Bundesregierungen und die berufenen
Vertretungen der deutschen Verkehrsinteressenten den Entwurf
des Reichseisenbahnamtes als eine geeignete Grundlage für die
internationalen Verhandlungen erkannt hatten und auch den
Wünschen nach Aenderung einiger Vorschriften Rechnung
getragen war, fanden noch Besprechungen zwischen Vertretern
Deutschlands, Oesterreichs und Ungarns statt, wobei sich eben¬
falls über alle wichtigen Bestimmungen des Entwurfs ein er¬
freuliches Einverständnis ergab. Die Frage, ob das neue
Uebereinkommen als Nachtrag zum Frachtübereinkommen be¬
schlossen werden solle, wurde allseitig verneint, zwecks Er¬
zielung der notwendigen Bewegungsfreiheit vielmehr die Form
eines besonderen Uebereinkommens gewählt. In der Berner
Konferenz wurde aber auf Anregung der deutschen Vertreter
als wünschenswert bezeichet, demnächst beide Uebereinkommen
zu verschmelzen und gleichzeitig auch das Frachtrecht einer
umfassenden Durchsicht zu unterziehen. Bei diesem Anlass
soll der Versuch gemacht werden, auch für das Frachtrecht die
Verbesserungen zu erreichen, die in der deutschen Eisenbahn-
Lloyd- und Riviera-Expreßzüge.
(Mitgeteilt von der Kgl. Kiseiibahndirektion Cöln.)
1. Vom 1. Dezember 1011 ab werden die Lloyd- und Riviera-Kxpreßzüge in nacbst(?hender Weise zusammengeschlossen:
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bis 20. 4.
Von Berlin sowohl wie von Altona und Amsterdam laufen direkte Wagen nach Ventimiglia und Genua, wie auch
umgekehrt direkte Wagen von Genua und Ventimiglia nach Berlin, Altona und .‘Vmsterdam verkehren.
11. Diese Züge kimneii nur mit Fahrkarten I. Klasse, die zu Schnellzügen gelten, und gegen Entrichtung d.er
in einem hesoiideron Tarif festgesetzten Preiszuschläge heiiutzt werden.
Die Zuschlaggebühren werden, sofern die Plätze nicht vorausbestellt sind, im Zuge erhoben. Bei Vorausbestellungen
von Plätzen wird außerdem noch zugunsten der Schlafwagengesellschafi eine Bestollgehühr erhoben, die
a) für Reisende, die im Inland vor])leiben, 1.00 Mk. für den Platz,
b) für Reisende nach dem Ausland . . . 2.50 „ ., ,, „ beträgt.
Auf den deutschen, niederländischen und sebweizerisebon, j(*docli nicht auf den französischen und italienischen
Bahnstrecken ist es zulässig, Heisenden, die nur mit einer Fahrkarte versehen sind, gegen Erhebung von Zuschlagtaxen
zw ei Betten zu überlassen, sofern dadurch die Mitnahme und die Bo«|ueinlichkeit anderer Reisenden nicht behindert wird.
Für Kinder gelten besondere Bestimmungen.
Cannes. ^ _ _^
Mannheim, Marseille, Mentone, Monte Carlo, Nizza, Straßburg (Eis ) und Wiesbaden.
IV. Das zu den Lloyd- und Riviora-Expreßzügen aufgtdiefortt^ Reisege])äck wird durch die Eisen bahn dieuststellen
nach den Tarifen dos gewöbnliclien Verkehrs abgofertigt. Die Abfertigung ist nur dann zuhLssig, wenn der Eigentümer
selbst den Expreßzug benutzt.
Die Sühlafwageiigosellschnft erhebt für das nach dem Ausland bestimnito (Gepäck zu ihren Gunsten eine Zoll-
behan cl 1 un gs g ebu h r von je 0.8 > Mk. 1 Frc. oder Lire für jede (ü e p ä ckse n d u ii g und Zollgrenze, als Ersatz
der Kosten, die ihr durch Erledigung der Zollformalitäten entstehen. Die Erhebung der Zollbehandlungsgebühr erfolgt
durch die Gepäckaufgabestation.
V. Hunde, die Reisende der ExpreßzUge mit sich führen, werden befördert, insoweit die Beförderung nach den
Tarifen des gewöhnlichen Verkehrs und den gesetzlichen Vorschriften gefordert werden kann.
Außer der auf der Abgangsstation zu entrichtenden bahnseitigen Beförderungsgebühr wird noch ein 20 prozentiger
Zuschlag hiervon durch den Zugführer der Schlafwagengesellschaft im Zuge erhoben.
Nr. 14 ^ QQO9Q0Q03QOQQQ83QOQQO 899gB DEUTSCHLAND liB O06Oeeig3OGGOOC3OCOOOOO€?CCOOG gi 705
Verkehrsordnung bereits durchgefUhrt sind. Ueber alle technischen
Fragen ist eine Einigung sustande gekommen, nur über einen
deutschen Antrag steht die Entscheidung noch aus. Die
deutschen Vertreter auf der Konferenz hatten beantragt, zur
Vermeidung späterer Unzuträglichkeiten in das Schlussprotokoll
eine Bestimmung aufzunehmen, welche die Gleichberechti¬
gung der deutschenmit der französischen Sprache
sicherstellen sollte. Diese Forderung war um so berechtigter,
als auch in dem Schlussprotokoll zum Frachtübereinkommen
eine gleiche Bestimmung vorgesehen ist. Die Berner Konferenz
hat nach längerer Erwägung, ohne zur Sache selbst Stellung
zu nehmen, beschlossen, die Entscheidung hierüber der in
Aussicht genommenen diplomatischen Konferenz zu überlassen.
Die grösste elektrische Eisenbahn: Magdeburg
—Halle—Leipzig. Die Vorarbeiten für die elektrische Aus¬
rüstung der Staatsbahn von Magdeburg nach Halle und Leipzig
sind so weit gediehen, dass die Eröffnung des Betriebes auf der
ganzen Strecke schon bis zum Ende des Jahres igia zu erwarten
ist. Die Staatsbahnverwaltung hat zwischen Dessau und Bitter¬
feld einen Versuchsbetrieb eingerichtet, der die besten Resultate
gezeitigt hat. Das zur Verfügung stehende Kraftwerk und
andere Anlagen haben jedoch mehr die Art einer vorläufigen
Anlage. Der preussische Landtag hat bekanntlich die Mittel
zum Ausbau zweier Strecken mit vollständigem elektrischen
Betrieb bewillig^. Die eine kann als Typus einer Linie in der
Ebene angesehen werden. Es ist dies die genannte Linie von
Magdeburg nach Leipzig und Halle. Die andere stellt eine
Linie im Gebirge dar und nimmt ihren Ausgang von Lauban.
Sie wird etwas später zur Vollendung gelangen. Für die Aus¬
rüstung der Strecke im Westen sind jetzt die Arbeiten zum
grössten Teil vergeben, so dass die Ausführung nicht lange auf
sich warten lassen wird. Die Rücksicht auf den gesamten
Betrieb der Staatsbahn hat dazu geführt, Lokomotiven einzu¬
führen. Es können so nicht bloss die Güterzüge auf den
elektrisch betriebenen Teil der Staatsbahnen übergehen, sondern
auch die Personenzüge. So ist beabsichtigt, die Berliner D-Züge
von Bitterfeld an elektrisch nach Leipzig und zurück zu befördern.
Ebenso werden die D-Züge, die sonst mit Lokomotiven befördert
werden, zwischen Magdeburg und Leipzig elektrisch gefahren
werden. Innerhalb gewisser Aufgaben ist den einzelnen beteiligten
Firmen die Ausführung der Einzelheiten überlassen. Dieser
erste elektrische Voll- und Fernbahnbetrieb der Staatsbahn wird
der grösste seiner Art auf der Welt sein. Elektrische Anlagen
dieser Art in Amerika haben alle einen weit kleineren Umfang.
Eisenbahnen im Meer. In jüngster Zeit ist im
fernen Amerika eine sonderbare technische Anlage erstanden,
von der die „Technischen Monatshefte“ (Stuttgart, Franckhsche
Verlagshandlung) berichten. Die nördliche Hälfte der soge¬
nannten Floridastrasse, welche die Halbinsel Florida von Kuba
trennt, wird von einem Schwarm kleiner Inselchen ausgefUllt,
die aus einem recht flachen, nirgends über 8 Meter tiefen
Meeresgrund emporragen und die Florida Keys bilden. Die
südlichste, landfernste dieser Inseln ist das berühmte Key West,
das entzückende Luxusbad der New Yorker Multimillionäre
und Börsenkönige. Um Key West recht leicht und schnell
von New York aus erreichbar zu machen, hat man neuerdings
eine Eisenbahn mitten durchs Meer, über die Kette der Florida
Keys hinweg, gebaut, die vom Miami auf Florida bis Key
West aio Kilometer lang ist, und von der nur 165 Kilometer
auf festem Boden verlaufen. Der Rest von 45 Kilometer ver¬
läuft zwischen den einzelnen Inseln über Meeresarme hinweg.
Der längste von den vorhandenen einzelnen Viadukten ist der
von Long Key, der 1174 Kilometer lang ist und aus 186 im
Korallengestein des Meeresbodens verankerten Pfeilern besteht.
In der Mitte dieses grossen Viadukts verliert man das Land
auf beiden Seiten vollständig aus den Augen, man befindet sich
in der Eisenbahn mitten auf dem Meer ! — Der Bau der Key
West-Bahn wurde im Oktober 1904 begonnen, 1908 war sie bis
Knights Key fertig, es fehlten noch etwa 75 Kilometer. Der
furchtbare Wirbelsturm vom ii. Oktober 1909, der Key West
grösstenteils zerstörte, hat jedoch auch den Bahnbau hart mit¬
genommen, so dass die Bahn bis heute noch nicht fertig-
gestellt worden ist Wegen der in den dortigen Meeresteilen
trotz dem seichten Wasser oft ausserordentlich hohen Wellen
mussten die Gleise volle 10 Meter hoch über den Meeresspiegel
gelegt werden, wodurch der Bau natürlich sehr erheblich ver¬
teuert worden ist. Schon vor den Orkanschäden vom Oktober
1909 hatte das Unternehmen 15 Millionen Dollar, also 60 Mülionen
Mark verschlungen!
Schiffahrt.
Rhein — Maas-Kanal-Projekt. Die Kölner Handels¬
kammer beschloss, in geheimer Sitzung mit der Regierung in
Aachen zur Prüfung eines Rhein — Maas-Kanal-Projektes in
Fühlung zu treten. Der Vorsitzende der Aachener Handels¬
kammer, Geheimrat Delius, wird bei seiner Anwesenheit in
Berlin als Herrenhausmitglied bei der preussischen Regierung
auf das vorliegende Kanalprojekt hinweisen. Es handelt sich
um einen Kanal, der südlich von Köln ausgehen, die Rhein¬
provinz in der Richtung auf Aachen durchschneiden und einer¬
seits eine Verbindung mit dem holländischen Kanalsystem
und anderseits eine Kanalverbindung mit dem belgischen
Kohlenzentrum herstellen soll.
Ein neuer Dampfer der Holland — Amerika
Linie. Wie aus Rotterdam mitgeteüt wird, hat die Holland—
Amerika Linie bei der Schiffswerft von Harland & Wolf in
Belfast einen Dampfer in Auftrag gegeben von über 32000
Tonnengehalt. Der Dampfer ist 225 m lang, 26 m breit und
14,50 m tief und wird von drei Schrauben angetrieben; er be¬
fördert 700 Passagiere i. Klasse, 600 Passagiere 2. Klasse und
2300 Passagiere 3. Klasse.
Automobilwesen.
Vom Mitteleuropäischen Motorwage n-Verein
geht uns die folgende Mitteilung zu: Um einen Ausweis über
die Berechtigungzum Führenvon Kraftfahrzeugen
zu erhalten, bedarf es bekanntlich u. a. auch der Beibringung
eines ärztlichen Zeugnisses über die körperliche Tauglichkeit
des Bewerbers. Zu diesen ärztlichen Zeugnissen wurden Stempel
zu Mk. 3.— kassiert. Auf Vorstellung seitens des Mittel¬
europäischen Motorwagenvereins verfügte der Herr Finanz¬
minister unter dem 24. Juni 1911 die Rückerstattung des Stempel¬
betrages zu denjenigen amtsärztlichen Zeugnissen, welche zwecks
Austausches eines Führerscheines nach den früheren Vorschriften
gegen einen solchen nach den neuen Vorschriften vorgeleg^
worden waren. Die Rückzahlung erfolgte auch anstandslos in
Tausenden von Fällen, als plötzlich die Oberzolldirektion Berlin
dieselbe verweigerte, weil auf den ärztlichen Zeugnissen sich
nicht der Vermerk befand, für welchen Zweck diese ausgestellt
worden waren. Wenn auch die Berechtigung dieser Forderung
nach dem Wortlaut des Gesetzes nicht in Abrede gestellt werden
konnte, so erschien dieselbe doch im vorliegenden Falle sehr
hart, da es schliesslich nicht Schuld der Chauffeure war, wenn
jener Vermerk auf den Zeugnissen nicht steht bezw. nicht im
voraus die Amtsärzte mit einer diesbezüglichen Weisung ver¬
sehen worden waren. Der Mitteleuropäische Motor wagen verein
wurde in diesem Sinne sofort vorstellig beim Herrn Finanz¬
minister und hat darauf soeben als Bescheidung abschrifüich
eine Verfügung des Herrn Ministers an die Oberzolldirektionen
vom 31. Januar d. J. erhalten, wonach dieselben neuerdings an¬
gewiesen werden, die qu. Stempelbeträge auf Antrag unbean¬
standet zurückzuerstatten. Der Herr Minister erkennt ebenfalls
die Berechtigung der Auffassung der Oberzolldirektion Berlin
an, ebenso aber, dass es eine besondere Härte bedeuten würde,
wenn die Antragsteller mit Stempelabgaben infolge der ent¬
schuldbaren Unkenntnis der Aerzte belastet würden. Der Herr
Minister beabsichtigt deshalb, den gnadenweisen Erlass dieser
Zeugnisstempel aus Billigkeitsgründen an Allerhöchster Stelle zu
erbitten, die Erstattung der Stempel soll aber schon jetzt erfolgen.
Luftschiffahrt.
Ein Preis des Kaisers. Der Kaiser hat an das Reichs¬
amt des Innern nachstehende Order gerichtet: „Zur Förderung
des deutschen Flugwesens will ich einen Geldpreis von
50000 Mark aus meiner Schatulle stiften, den ich für den
besten deutschen Flugzeugmotor an meinem nächst¬
jährigen Geburtstag verleihen werde. Zum Erlass des Preis¬
ausschreibens sowie zur Prüfung und Begutachtung der ein¬
gehenden Meldungen ist ein Ausschuss zu bilden, der aus
Mitgliedern des Kaiserl. Automobil - Klubs, des Kaiserl. Aero¬
klubs, des Vereins der Deutschen Motor-Fahrzeug-Industriellen
sowie je eines Vertreters des Reichsamts des Innern, des Reichs-
Marineamts, des Kriegsministeriums, des Ministeriums der geist¬
lichen usw. Angelegenheiten und der Technischen Hochschule
Berlin bestehen soll. Ich ersuche Sie, mir über den Fortgang
der Sache zu berichten, und bis Anfang Januar k. J. den Vor¬
schlag des zu bildenden Preisgerichts für die Zuerteilung des
Preises einzureichen. Berlin, den 27. Januar 1912. Wilhelm I. R.“
Für das Gordon-Bennett-Rennen der Freiballons,
das am 27. Oktober von Stuttgart aus beginnt, wurden
26 deutsche Meldungen abgegeben, obwohl nur Führer melde¬
berechtigt waren, die schon 30 Fahrten selbständig geleitet
haben. Bei dieser stattlichen Zahl von Bewerbern wurde es
notwendig, zwei Ausscheidungs-Rennen festzttsetzen,
von denen das eine von Leipzig, das andere von Dresden
aus beginnen wird. Von bekannteren Führern haben gemeldet:
Dr. Bröckelmann, Dr. Elias, Oberleutnant Ernst, Hiedemann,
706 DEUTSCHLAND
Schubert, Frhr. v. Pohl, Major von Abercron, Oberleutnant
Stach von Golzheim, Assessor Sticker. Die Ausscheidungs¬
fahrten werden am 28. April stattfinden. Nach dem Ergebnis
dieser Vorrennen werden dann die Fahrer bestimmt werden,
die an einer Stichfahrt teilnehmen, die Pfingsten von Breslau
aus stattfinden soll. Im ganzen kommen von den 26 Bewerbern
für das Hauptrennen nur zwei in Frage, da Ingenieur Hans Gehricke
als vorjähriger Sieger ohne weiteres dazu ausersehen wurde,
die deutschen Farben wieder im Bennett-Rennen zu vertreten
und da von jedem Dande nur drei Bewerber benannt werden
dürfen. — Der Französische Aeroklub hat für das Haupt¬
rennen 3 Ballons gemeldet.
Prinz-Heinrich-Preis der Lüfte. Prinz Heinrich
von Preussen, der Protektor des diesjährigen Zuverlässigkeits¬
fluges am Oberrhein, hat jetzt den ersten Ehrenpreis für diesen
Wettbewerb gestiftet, der dem Sieger zufallen soll. Der Preis
ist als Wanderpreis gedacht und muss zweimal von demselben
Bewerber gewonnen werden, bevor er in dessen endgültigen
Besitz übergeht. Die Trophäe wird nach eigenen Angaben des
Prinzen Heinrich von Bildhauer Korschmann ausgeführt, der
auch seinerzeit die Prinz-Heinrich-Preise herstellte. Das Präsi¬
dium über den Zuverlässigkeitsflug am Oberrhein haben Geheim¬
rat Hergesell (Strassburg), Gcheimrat Andrae (Frankfurt am Main)
und Exzellenz Gaede (Freiburg i. Breisgau) übernommen. Ehren¬
vorsitzender des Arbeitsausschusses ist Prinz Wilhelm von
Sachsen-Weimar.
Ein neuer A e r o p 1 a n - D a u e r w e 1 1 r e k o r d mit drei
Passagieren wurde von dem Piloten der Harlan-Werke,
Ingenieur Gruhlig, der erst kürzlich den Dauerweltrekord mit
zwei Passagieren in einer Flugzeit von 2 Stunden, 2 Minuten,
45 Sekunden an sich brachte, aufgestellt. Gruhlig stieg am
25. Januar nachmittags 12.34 Uhr auf dem Flugplatz Johannistal
auf und landete nach i Stunde 45 Minuten um 2.19 Uhr glatt.
Der bisherige Weltrekord betrug 45 Minuten, 46 Sekunden.
Wintersportliche Veranstaltungen.
Der Kronprinz und der Wintersport. Dass der
Kronprinz ein Freund und Förderer des Wintersportes ist, weisa
man aus seinen Fahrten in Schreiberhau und Oberhof, wo er
sich eifrig im Bobsport betätigte. Er hat bekanntlich auch zur
Deutschen Bobmeisterschaft einen Wanderpreis gestiftet. Nach
Danzig hat er zwei grosse Bobs sowie einige Rodel und Skier
mitgebracht, ein Zeichen, dass er auch an seinem jetzigen
Aufenthaltsort dem Wintersport zu huldigen gedenkt.
Winter Saison in München und im bayerischen
Hochland 1912. Der Verein zur Förderung des Fremden¬
verkehrs in München und im bayerischen Hochland hat für
sein Verkehrsgebiet eine erschöpfende Zusammenstellung der
gesellschaftlichen Ereignisse der Saison und aller Veranstaltungen
auf dem Gebiete des Wintersportes, der Kunst und Wissen¬
schaft herausgegeben. Diese Uebersicht kann von der Amtlichen
Auskunftstelle der Königl. Bayerischen Staatseisenbahnen im
Internationalen öffentlichen VerUelirsbureau in Berlin, Unter
den Linden i^, kostenlos bezogen werden.
Wintersport in Triberg. Am Sonntag, 18. Februar,
wird die Ro de Im e i s t e r s ch a f t von Baden auf der Hof-
waldroddbahn zum Austrag gebracht. Am Abend desselben
Tages (Fastnachtsoniitag) gibt der Wintersportverein einen
Maskenball ,,Tirolcr Volksfest“ und am Fastnachtmontag
wird der jedes Jahr eine grosse Anziehungskraft ausübende
kostümierte Rodelkorso abgehalten. Den Besuchern
Tribergs sind dadurch eine ganze Reihe sportlicher und ver¬
gnüglicher Veranstaltungen geboten. Spezial - Programm der
einzelnen Veranstaltungen sind vom Verkehrsbureau unentgelt¬
lich zu haben.
Wintersport im Sauerland. Am 4. Februar fand
in Winterberg unter ungeheurem Andrange des Publikums
das internationale Bobsleigh- und Rodelrennen
des Sauerländischen Bo b s 1 e i g h k 1 u b s für Westfalen
Rheinland und Hessen - Nassau statt. Die gesamten Ver¬
anstaltungen nahmen den besten Verlauf. Herrlicher Winter¬
sonnenschein lag über den endlosen Sehne eflächen, die überall
von zahlreichen Schneeschuhläufern und -Läuferinnen belebt
waren. Der Laubwald zeigte wu c derbare Rauhreifbildungen.
Im landschaftlich unvergleichlich schön gelegenen Klub¬
hause staute sich der Verkehr o^t derart, dass sich niemand
mehr vom Platze rühren konnte. In Winterberg waren
mehrere lausend Fremde anwesend. Die Rennen hatten
folgende Ergebnisse: I. Bobsleighrennen (Bahnlänge 2000 Meter).
1. Preis: Bob Favorit (Lenker Dicke, Barmen), Zeit i Minute
53V4 Sek., Ehrenpreis des Fürsten Wittgenstein (Berleburg).
2. Preis: Bob Namenlos (Lenker Hagedorn, Barmen), Zeit
I Minute 55 Sek., Silberner Pokal. 3. Preis: Bob Vesalia,
(Lenker Vollrath, Duisburg), Zeit i Minute 59 Sek., Medaille.
II. Rodelrennen (Bahnl^ge xooo Meter), x. Preis: &diui^ 4 ^>
Tedden (Marburg), Zeit i Minute 4 Sek. 2. Preis: Giseyjüp ^.
(Barmen), Zeit i Minute 5 Sek. 3. Preis: Bruno Genst (S'tsSnaJ
hella), Zeit i Minute 6 Sek. 4. Preis: A. Dunkel (Barmen);'J'^. \
Zeit I Minute 10 Sek. — Winterberg wird immer mehr sim*, /■
St. Moritz Nordwestdeutschlands. Gr. _ ‘ \
Sachsen im Winter. Die 3. Auflage der im Verlag des.
Sächsischen Verkehrs-V erbendes herausgegebenen Schrift
,,Sachsen im Win,ter“ ist in bedeutend erweiterter und ver^.
änderter Form erschienen. Der Text, von Pfarrer Löscher.
(Zwönitz) geschrieben, schildert mit begeisterten Worten die
in winterlicher Pracht teilweise märchenhaft schöne sächsische
Landschaft, und erweckt die Lust, in die klare Winterluft, au
gehen; sei es um den Rodel- oder Skisport auszuttben, oder,
eine Wanderung durch die mit Rauhreif und Schnee bedeckten
sächsischen Gebiete zu unternehmen. Der 2. Teil gibt über die
einzelnen in Frage kommenden Plätze und die dortigen Unter¬
kunftsmöglichkeiten genaue Auskunft. Zur Zweckmässigkeit der-
Schrift tragen auch die von der Königl. Sächs. General-
direktion zusammengestellten Eisenbahnverbindungen nach
den sächsischen Wintersportplätzen bei, die im Buch mit ab¬
gedruckt sind. Der Preis des Führers beträgt einschliesslich
Porto 45 Pfg. Er wird von der Geschäftsstelle des Sächsischen Ver¬
kehrs-Verbandes, Leipzig, Handelshof — Naschmarkt versandt.
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Theater, festliche und sportliche
Veranstaltungen, Kongresse etc.
Das Düsseldorfer Stadttheater brachte im Januar eine xxi
allen Teilen wohlgelungene Aufführung des Nibelungenringes
heraus, dessen einzelne Abende nur kurze Zwischenräume
aufwiesen und dadurch den Genuss des Dramas als geschlossenes -
Ganzes ermöglichten. Diese Ringaufführung, deren Leistungen
auf einer beachtenswerten Höhe standen, zeig^ so deutlich das
wachsende Interesse für die Kunst des Bayreuther Meisters; die
vier Abende wurden vor ausverkauftem Theater gespielt Die
Darbietungen des ausgezeichneten Orchesters unter Fr ö hlichs
trefflicher Leitung, wie auch die Leistungen der Solisten und
besonders der sich durch klangvolle, frische Stimme und
hervorragende dramatische Gestaltungskraft auszeichnenden
Brünhilde (Olga Bieselly) fanden lebhafte Anerkennung.
Die Kieler Woche 1912.
Die Segelregatten der diesjährigen Kieler Woche werden
die Veranstaltungen der letzten Jahre an Bedeutung bei weitem
übertreffen, denn es sind drei grosse Ereignisse, die den dies¬
jährigen Regatten eine besondere Anziehungskraft verleihen.
Zunächst gehen die internationalen Kämpfe um den
französischen Eintonnerpokal, die Coupe Internationale
du Cercle de la Voile de Paris, der engeren Kieler Woche
voraus. Der Norddeutsche Regattaverein, vertreten durch
seinen Seniorsegler Friedrich Kirsten, brachte diesen Pok^
1907 nach Deutschland, wo er gegen ausgezeichnete Auslands¬
konkurrenz erfolgreich bis 1910 verteidigt wurde, dann jedoch
von einem schwachen „Windspiel“ an Schweden verloren ging.''
Kirsten gewann ihn im Vorjahr vor Gotenburg in den damals
so sensationell verlaufenen Kämpfen gegen Frankreich, England,
Norwegen, Dänemark und Schweden zurück und wird ihn in
diesem Jahre voraussichtlich wieder gegen einen noch stärkeren
Ansturm des Auslandes verteidigen. Die Regatten um diese -
internationale Segeltrophäe beginnen am 10. Juni und werden
so lange f o rtgeführt, bis eine der sich darum bewerbenden
Jachten d'® erforderlichen drei Siege errungen haben wird.
Die engere Kieler Woche beginnt dann, wie das „Berliner
Tageblatt“ mitteilt, am 20. Juni in der üblichen Weise mit der .
ersten Binnenwettfahrt und der Sonderklassen¬
regatta. Am darauffolgenden Tage ist die Jubiläums¬
regatta desKaiserlichen Jachtklubs, der vor 25Jahren
von Marineoffizieren als Marinejachtklub in Kiel gegründet
wurde und drei Jahre später, als der Kaiser Kommodore des
Klubs wurde, seinen jetzigen Namen erhielt. An diesem Tage,
gelangen Kämpfe der sämtlichen A- und R-Klassen, sowie der
Sonderklasse zur Entscheidung. Der Sonntag bringt dann dio'^
Regatta des Norddeutschen Regatta Vereins, die übrigens mit '
dem deutschen Derby in Horn zusammenfälltj in ihrem
historischen Rahmen. Der Montag bringt dann wieder alle
Jachten unter Segel. Die grossen Jachten der A-Klasse starten
morgens 8 Uhr für ein Handikap, die übrigen R-Klassen eine
Stunde später bis zur Acht-Meter-Klasse herunter für eine''/
Seeregatta, während die Fünf- und Sieben-Meter-Boote
9 Uhr auf dem Binnenhafen ihre Preise zum Austrag bringen".
und die Sonderklasse mittags 12 Uhr in der Strander
starten wird. Diesen Regatten folgen dann am Mittwoch, de^i>.
26. Juni, und Donnerstag, den 27. Juni, die Wetjdahrton-'dm.^^'
Nr. 14 iB 999QQQOQQQQQQQ ocaooQQ QQ e9ffli DEUTSCHLAND igB eooeocDeGocooooooogxjooeeo eeei 707
Europameisterschaften. Die Regatten sind für alle A- und
internationalen R-Klassen nach den Bestimmungen der Inter¬
national Yacht-Racing-Union und des Deutschen Seglerverbandes
ausgeschrieben. Der Meldeschluss ist am 30. Mai, abends
8 Uhr, im Kaiserlichen Jachtklub in Kiel. Dieser engeren
Kieler Woche folgt dann die Fortsetzung in Travemünde,
wo die Segler am Freitag in aller Frühe starten und wohin
der Kaiserliche Jachtklub für seine Mitglieder auch eine interne
Motorbootfahrt veranstalten wird. Ueber Warnemünde
wird sich dann ein Teil der Jachten nach Nysnäs in Schweden
begeben, wo die internationalen Wettfahrten der olympischen
Spiele zum Austrag gelangen und wo um diese Zeit auch die
um den Internationalen Pokal und den Deutsch-schwedischen
Pokal startenden Motorjachten eintreffen, die von Zoppot aus
starten. Aber nicht nur der äussere Rahmen des Programms
ist bedeutender geworden, auch die Beteiligung wird sich nach
den letzten schwachen Jahren erheblich steigern, da einzelne
Länder, wie Spanien, England und Frankreich mit einer kleinen
Flotte von Jachten auf dem Plan erscheinen werden, und man
vermutet nicht ohne Wahrscheinlichkeit, dass auch der König
von Spanien am Steuer seiner Jachten erscheinen wird, wie er
im letzten Jahre in England in der Europawoche startete.
Die Motorbootrennen in Monaco. Die Vorbe¬
reitungen für das Internationale Motorboot-Meeting von Monaco
werden jetzt in den verschiedenen interessierten Ländern eifrig
betrieben. Es scheint nach den bisher bekannt gewordenen
Neubauten für Monaco auch in diesem Jahr wieder eine starke
internationale Beteiligung zustande zu kommen. Besonders
eifrig rüstet man in Frankreich, das ja stets das Haupt¬
kontingent der Teilnehmer stellt. Auch in England ist ein
Gleitboot für Monaco in Bau, das mit einem Vierzylinder-Motor
von 120 mm Bohrung und 250 mm Hub eine Geschwindigkeit
von annähernd 70 km erreichen soll. Deutscherseits werden
mehrere Boote nach dem Mittelmeer gehen. Schon vor längerer
Zeit hat bekanntlich Rudolf Herzog auf der Jacht-Werft von
Engelbrecht-Zeuten einen Rennkreuzer der dritten Klasse in
Auftrag gegeben, der mit einem 70-PK-Dürkopp-Motor ausge¬
stattet werden soll. Ferner soll ein grosser deutscher Racer
im Bau sein, der eine besonders starke Maschinenanlage er¬
halten soll, und zwar spricht man von vier Argus-Luftschiff¬
motoren, die zusammen 400 PK ergeben würden. Auch in
Amerika rüstet man diesmal wieder zu einer Expedition.
Ausstellungen.
Die Wintersportausstellung in Karlsruhe wird
nach Mitteilung der amtlichen Auskunftstelle der Grossh.
Badischen Staatseisenbahnen bis Ende Februar geöffnet bleiben.
Die Ausstellung soll dem sporttreibenden Publikum zeigen, wie
leistungsfähig und durchaus ebenbürtig den ausländischen Erzeug¬
nissen die badische Sportartikelindustrie sich entwickelt hat.
Grosse Internationale Kunstausstellung zu
München. Die nächste der alle vier Jahre im Königl. Glas¬
palast zu München stattündenden Grossen Internationalen Kunst¬
ausstellungen findet im Jahre 1913 statt und wird, wie bisher,
gemeinschaftlich von der Münchener Künstler - Genossenschaft
und der Münchener Sezession durebgeführt.
Graphische Ausstellung 1914 in Leipzig. Die
Zweite Kammer des sächsischen Landtages verhandelte in der
Sitzung vom 22. Januar über das Königliche Dekret betreffend
die Internationale Ausstellung für Buchgewerbe und Graphik in
Leipzig 1914, in dem die Summe von 200000 Mk. aus Staats¬
mitteln zum Garantiefonds gefordert wird, um diesen auf die
erforderliche Summe von einer Million Mark zu bringen.
600 000 Mk. sind bereits aus Privatkreisen und 200 000 Mk. von
der Stadtgemeinde Leipzig gezeichnet. Das Dekret wurde vom
Staatsminister Grafen Vitzthum von Eckstädt ausführlich
begründet und aus dem Hause heraus unter anderen von dem
Abgeordneten Stadtrat Schwager (Zittau) mit Wärme befür¬
wortet. Die Kammer stimmte schliesslich nach nur kurzer
Debatte dem Dekret einstimmig zu. Dieses Ergebnis ist für die
gesamten graphischen Gewerbe hocherfreulich. Die verfügbaren
Mittel geben schon jetzt die Gewissheit, dass die Ausstellung
in einer der Stadt Leipzig wie der graphischen Industrien und
Gewerbe würdigen Weise durchgefUhrt worden wird.
Ständige Ausstellungs-Kommission für die
deutsche Industrie. Der preussische Minister für
Handel und Gewerbe hat — wie dies bereits seitens des
Auswärtigen Amtes und des Reichsamtes des Innern geschehen
ist — in die „Ständige Ausstellungs-Kommission für die deutsche
Industrie** einen ständigen Vertreter abgeordnet, und zwar den
Vortragenden Rat, Geheimen Regierungsrat Fischer.
Die Badische Jubiläums-Ausstellung für Industrie,
Handwerk und Kunst in Karlsruhe 1915.
Jubelfeiern zu veranstalten ist in unserer Zeit nicht nur bei
Privatpersonen und Vereinen ein gern, oft im Uebermass
geübter Brauch geworden, auch Staaten und Städte lassen
es sich nicht nehmen, die Tage und Jahre der Wiederkehr
wichtiger Ereignisse ihrer Geschichte durch festliche Ver¬
anstaltungen zu betonen. So hat vor wenig Jahren die stolz
emporgeblühte Handels- und Industriemetropole unseres Landes,
Mannheim, durch glänzende und würdige Veranstaltungen ihr
4oojährige8 Stad^ubiläum gefeiert, und so schickt sich nun
auch die noch viel jugendlichere Residenzstadt Karlsruhe an,
das Jahr 1915, in dem sich das zweite Jahrhundert ihrer Geschichte
vollendet, zu einem festlichen zu gestalten.
Es ist uns keine zweite Stadt in deutschen Landen bekannt,
deren Gründung eine verhältnismässig so kurze Zeitspanne
zurückliegt. Karlsruhe ist ja nicht etwa eine alte ländliche
Ansiedlung, die vor 200 Jahren zur Stadt erhoben wurde;
vielmehr war an der Stelle, die heute die „Altstadt** Karlsruhe
bedeckt, vor 200 Jahren keinerlei menschliche Wohnstätte zu
treffen. Mitten im Wald und Feld Hess ihr Gründer, der tat¬
kräftige Markgraf Karl Wilhelm von Baden-Durlach,
sein Schloss und die ihm nach dem bekannten Kreis- und
Radienplan angefügte Stadt erbauen. Heute freilich ist sie an
die alten ihr benachbarten Ansiedlungen herangewachsen und
hat eine Reihe solcher in sich aufgenommen, so das ehe¬
malige Kloster, spätere Schloss Gottesaue und die ehemals ihm
angehörigen Dörfer Rintheim, Rüppurr und Beiertheim; ferner
die frühere Rheinstation Daxlanden und die alte Stadt Mühl¬
burg; endlich GrUnwinkel, das wie Karlsruhe der neueren Zeit
entstammt. Dadurch erst hat die Residenz die Möglichkeit
grossstädtischer Erweiterung erlangt und ihr Gebiet bis zum
Rhein ausdehnen können, mit dem es sich bekanntlich vor
IO Jahren durch die Anlage eines in erfreulichem Verkehrs¬
aufschwung befindlichen Hafens aufs engste verbunden hat.
Wenn nach Eröffnung des neuen Hauptbahnhofs Ende 1913
endlich auch noch die lästigen Fesseln gesprengt sein werden,
welche der Stadt die sie im Süden und Westen schneidenden
und einschnürenden Eisenbahnlinien bisher angelegt haben, und
wenn dann bis 1915 auch die dadurch gebotenen und ermöglichten
neuen Verkehrseinrichtungen und sonstigen Verbesserungen
bestehender Zustände durchgeführt sein werden, so hofft sich
die Residenz in ihrem Jubeljahr mit Erfolg in einem fest¬
lichen Gewände präsentieren zu können.
Unter den besonderen Veranstaltungen, die für das Stadt-
Jubiläum in Karlsruhe geplant sind, dürfte die grösste Bedeutung
der „Badischen Jubiläumsausstellung für Industrie, Handwerk
und Kunst** zukommen. Es ist lange her, seitdem das Badische
Land Gelegenheit hatte, seine hochentwickelte Industrie und
die modernen Leistungen seines Handwerks in einem gemein¬
samen Rahmen zur Darstellung zu bringen. Seit der Industrie-
und Kunstausstellung, die aus Anlass des 25jährigen Regierungs¬
jubiläums des Grossherzogs Friedrich i. im Jahre 1877
Karlsruhe veranstaltet wurde, ist etwas Aehnliches im Badener
Lande nicht wieder unternommen worden. Es ist daher er¬
klärlich, dass angesichts der zahlreichen Vorbilder für solche
Ausstellungen, die uns andere deutsche Bundesstaaten von
Jahr zu Jahr vorführen, seit längerer Zeit in den Kreisen der
Badischen Gewerbetreibenden der Gedanke Wurzel gefasst hat,
es müsse auch dem Badischen Gewerbe endlich einmal er¬
möglicht werden, die gewaltigen Fortschritte, die seine Ent¬
wickelung im letzten Menschenalter genommen, vor aller Welt
auszustellen.
So hatte der Badische Landesverband der Gewerbe- und
Handwerkervereine bereits für das Jahr i9n die Ver¬
anstaltung einer Badischen Gewerbeausstellung in bestimmte
Aussicht genommen. Wenn sich diese grosse Organisation,
die wohl weitaus die Mehrzahl der Badischen Handwerks¬
meister umfasst, nunmehr freudig damit einverstanden erklärt
hat, das Unternehmen auf das Jahr 1915 zu verschieben und
es durch Heranziehung auch der Industrie und der Kunst des
Badischen Landes zur „Badischen Jubiläums-Ausstellung Karls¬
ruhe 1915** zu erweitern, so gebührt ihr in jedem Falle das
Verdienst der ersten Anregung der Ausstellung. Hierzu werden
sich bei dem rühmlichen Eifer, mit dem sich die Angehörigen
des Verbandes, insbesondere seine Leitung, auch um die Aus¬
führung des Gedankens bemühen, sicherlich nicht minder grosse
Verdienste um das gute Gelingen gesellen.
Sehr erfreulicher Weise ist aber auch in den Kreisen der
Badischen Industrie, die heute ein so ausserordentlich kraft¬
voller Faktor im wirtschaftlichen Leben unseres Landes
geworden ist, der Gedanke einer solchen Landes-Ausstellung
in freundlichster Weise aufgenommen worden.
Und neben der Industrie und dem Handwerk die Kunst!
Die bildende Kunst soll in mehrfacher Funktion die Aus-
i,
I
I
DEUTSCHLAND
Nf.l4
Stellung schmücken: Vor allem wird den Schöpfungen der
freien Kunst — der Malerei und Bildhauerei — eine eigene
Abteilung zu Gebote stehen, in der auserlesene Werke badischer
Künstler eine würdige Stätte finden sollen. Es ist zu hoffen,
dass die seit Jahren geplante neue Ausstellungshalle der Stadt
Karlsruhe zu diesem Zwecke fertiggestellt wird und durch die
Kunstausstellung 1915 ihre Weihe erhält. Auch das Kunst¬
gewerbe oder besser die Gewerbekunst soll zu ihrer
wohlverdienten Geltung kommen.
Bisher hat das gesamte Unternehmen bei der Gross¬
herzoglichen Regierung weitgehendes Interesse gefunden. Von
der Anschauung ausgehend, dass eine gut angelegte und
organisierte Ausstellung der gewerblichen und künstlerischen
Leistungen des badischen Landes deren weiterem Gedeihen in
hohem Masse förderlich sein werde, wird die Grossherzogliche
Regierung der Ausstellung lebhafte und wirksame Förderung
angedeihen lassen, wie denn auch bestimmte Aussicht dafür
besteht, dass der Grossherzog das Protektorat über die Aus¬
stellung übernehmen wird.
Internationale Gas-Ausstellung Amsterdam 1912.
Aus Anlass der in diesem Jahre geplanten Eröffnung des dritten
Gaswerkes veranstaltet, wie das Kaiserlich Deutsche Generalkon¬
sulat für die Niederlande an die „Ständige Ausstellungskommission
für die deutsche Industrie“ bekanntgibt, die Amsterdamer Stadt¬
verwaltung vom 14. September bis 6. Oktober d. J. — unter
Vorbehalt einwöchentlicher Verlängerung — in Amsterdam im
Paleis voor Volksvlijt (Industriepalast) eine „Internationale Gas-
Ausstellung“. Die Veranstaltung soll die mannigfaltigen Ver¬
wendungsarten des Gases und die zahlreichen dazu dienenden
Apparate propagieren. Dieser Zweck soll noch durch eine Reihe
einschlägiger Vorträge gefördert werden. An Platzmiete sollen
je nach Lage der Stände 5 bis 25 Gulden pro Quadratmeter
erhoben werden. Das von den Ausstellern benötigte Gas sowie
die erforderlichen Zuleitungen bis an die Stände werden unent¬
geltlich geliefert. Gegen eine Beteiligung deutscher Firmen an der
vertrauenswerten Veranstaltung bestehen keinerlei Bedenken.
1912; In Oberhausen Westdeutsche Gewerbe- und Industrie-
Ausstellung.
1912: In Berlin Konsumgenossenschaftliche Ausstellung, geplant
vom Zentralverband deutscher Konsum-Vereine.
1912: In F r e i b e r g i. S. Erzgebirgische Ausstellung für Gewerbe,
Industrie, Bergbau und Landwirtschaft.
Februar 1912: In D a n z i g Graphische Arbeiten moderner Künstler.
März 1912: Hand Webereien, verbunden mit Vorführungen der
Technik.
I.— 21. April 1912: In Danzig Internationale Ausstellung für
Amateurphotographen, veranstaltet von der Photographischen
Gesellschaft in Danzig.
3.—14. April 1912: In Berlin Aviatische Ausstellung, veranstaltet
vom Kaiserlichen Automobilklub, vom Kaiserlichen Aeroklub
und vom Verein Deutscher Motorfahrzeug-Industrieller.
9. April bis 10. Juni 1912: In Barcelona Fach-Ausstellung für
Schulhygiene in Verbindung mit dem Ersten Spanischen
Kongress für Schulhygiene.
9.— II. Juni 1912: In Harzburg Landwirtschaftliche Wander-
Ausstellung.
Juli 1912: In Düsseldorf Städtebau-Ausstellung im Kunstpalast.
5. Oktober 1912 bis 5. Januar 1913; In Paris Exposition de la
Locomotion Aörienne und Exposition de TAutomobile
et du Cycle.
Bäder und Sommerfrischen.
Verpachtung preussischer Badebetriebe. Es ist
beabsichtigt, den bisher von der preussischen Regierung aus¬
geübten Bade- und Brunnenbetrieb in Schlangenbad und Langen-
schwalbach zu verpachten, wobei die Voraussetzung ist, dass
die Kurhäuser und Badehäuser in Schlangenbad von dem Pächter
neu aufgeführt bezw. umgebaut werden. Der Baukostenbedarf
wird auf etwa eine Million Mark geschätzt, von welcher Summe
der Fiskus etwa 800000 M. übernehmen würde. Ebenso besteht
die Absicht, den Badebetrieb auf Norderney, den gegenwärtig
die Regierung in eigene Regie genommen hat, zu verpachten.
Bisher hat sich eine Einigung zwischen Interessenten und dem
Fiskus noch nicht erzielen lassen. Die bisher verpachteten fis¬
kalischen Logierhäuser in Schlangenbad sind seit einiger Zeit
in Selbstwirtschaft übernommen worden, haben jedoch einen
nennenswerten Betrag wegen ihrer Baufälligkeit und veralteten
Einrichtung nicht erzielt. Am rentabelsten hat sich bisher der
von der Regierung selbständig durchgeführte Mineralbrunnen-
und Badebetrieb in Ems gestaltet, der von Jahr zu Jahr eine
Steigerung erfuhr. Ausser Ems, Langensch walbach und Schlangen¬
bad werden zurzeit noch die Bäder Nenndorf, Rehburg sowie
Norderney von der Regierung, besonders von der Domänen¬
verwaltung bewirtschaftet.
Bad Kösen.' Das neue Kurmittelhaus wurd6 ^Ati^ang
Januar auf Einladung der städtischen Kurdirektioii iriik ii^er
grösseren Anzahl Herren und Damen im BetriebU bbsihh^gt.
Die Gäste versammelten sich in den ebenso vomähilt
behaglich eingerichteten Empfang- und Lesträumen und.^tUfdüti
punkt 4 Uhr von Bürgermeister Kretschmar begrüsst, der 'dann
im Verein mit den andern Magistratsmitgliederh die Fügung
Übernahm. Alle Anlagen wurden durchwandert. 6is in
die obersten Räume des gewaltigen Daches kletterten ^rren
und Damen, entlang an den halbmeterdicken Lidtrohil'e&4 in
denen die Luft von und nach den grossen Reinigungafiltdm
gesaugt wird. Hier erläuterte der leitende Ingenieur Walther
Loebel aus Leipzig, der für die Körtingwerke die ttciiniache
Leitung der Anlage ausgeübt hatte, sachgemäss die matfchinellen
Anlagen der Filter, zu denen je ein Motor gehört; a^^ natür¬
lich elektrisch, so dass im ganzen Hause keine TranhdalMion
nötig ist. Nicht nur die den Räumen von aussen zugefUhrte
Luft ist gereinigt, sondern auch — was besonders bemerkt au
werden verdient — die verbrauchte Luft wird, ehe sie wieder
ins Freie gelangt, filtriert und im Wasser von Unreinigkeit,
Bazillen usw. befreit. Der Umgang in den überall belettöhteten,
wohlig durchwärmten, von Sauberkeit blitzenden Räumen e§ly
eine Vorstellung davon, zu welcher Vollkommenheit die
nischen Einrichtungen in unserer Zeit gestiegen sald. 0 «^^
Kösener Kurmiitelhaus ist eine Anlage, die dem Bade.KQeÖ'.
keine geringen Opfer auferlegt hat. Aber sie ist dafür siiäl' ,
auf der Höhe; es ist, wenn es nur bekannt wird, eine bedntt^-
same Ergänzung und Erweiterung der Kuranlagen, die dOV'
Wert des Bades Kösen ganz besonders steigert, die A.a»-
nutzung seiner neuen starken „Bleyschlagquelle“ richtig gestattet
und vor allen Dingen die Möglichkeit gibt, dass Kösen auch aUi
Winterkurort den Wettbewerb voll und ganz aufnehmeü kann.
Deutschland und das Ausland.
Der Bruder des Präsidenten Taft, Charles P. Taft, hat
nach einer Meldung aus New York die Mitgliedschaft des
Ehrenausschusses für die Fahrt amerikanischer Lehrer
nach Deutschland angenommen.
Ein deutsch-argentinisches Fest „auf deutschem
Bode n“. Ein ebenso stimmungsvolles wie eigenartiges Pest
veranstaltete letzthin der „Deutsche Frauenverein von Buenos
Aires“ zugunsten seiner sozialen Hilfsarbeit. Die Hamburg-
Amerika Linie hatte dem Verein in entgegenkommender Weise
den gerade im Hafen befindlichen stolzen Dampfer „Kaiser
Wilhelm II.“ zu einem Bordfest zur Verfügung gestellt und
ihm dadurch die Möglichkeit gegeben, ein deutsches Fest „auf
deutschem Boden“ zu feiern. Das herrlich geschmückte Schiff
hatte die ganze deutsche Kolonie angelockt. Unter den An¬
wesenden befanden sich nach den Mitteilungen des Vereins
für das Deutschtum im Auslande der Kaiserlich Deutsche Gesandte
nebst Gemahlin, die Herren des Generalkonsulats, mehrere
deutsche Offiziere und die Mitglieder der gerade in Buenos
Aires sich sammelnden deutschen antarktischen Expedition. Bj^e
gewaltige Menschenmenge drängte sich in regem Leben und
Treiben um die mannigfaltigen Verkaufsstellen, deren Einnahmen
für die deutsche Hilfsarbeit infolgedessen erfreulich hohe Ziffern
aufwiesen. Der Kapitän des Dampfers hatte sein Personal und
die Bordkapelle in den Dienst des Festes gestellt, das in seiner
besonderen Eigenart sicher in hohem Masse dazu beigeträgen
hat, das Zusammengehörigkeitsgefühl der Deutschen in der
Fremde und ihren Stolz auf die gewaltige Entwicklung der
deutschen Seefahrt und deren mustergültige Vertretung durch
die stolzen. Schiffe der Hamburg-Amerika Linie zu steigern.
Ein französisches Urteil über die deutscho
Reichspost. Der bekannte französische Publizist JulesHuret
hat soeben in einer französischen Postzeitung die Ergebnigpe
seiner Studien der postalischen Verhältnisse in Deutschland ver¬
öffentlicht, die für unsere Postverwaltung ausserordentlich
schmeichelhaft sind. Sein Urteil gipfelt in dem Satz: „Die
deutsche Post- und Telegraphenverwaltung iet
in bezug auf die in ihrem Betriebe herrschende Ordnung und
Pünktlichkeit und nach der Vielseitigkeit ihrer Leistungen gegen¬
über dem Verkehr die erste der ganzen Welt.“' Huret'
rühmt besonders unseren Paketpostdienst mit seiner weiten
Gewichtsgrenze, der grossen Zahl der Annahmestellen und det
zweimaligen Paketbestellung. Auch die Einrichtung der Privat¬
briefkasten in grossen Geschäftshäusern und ihre Leerung nach,
den besonderen Wünschen der Inhaber findet seinen voUan*
Beifall. Weiter schildert er die grossen Leistungen der Poät
im Interesse der sozialen Gesetzgebung und die Vereinfachungfäh
im Verfahren der Giro-, Ein- und Auszahlungen vchi-
Weisungsbeträgen, wodurch für den kaufmännischen
wertvolle Zeitersparnis erreicht würde. '
'M-''
Nr. 14 Wd G(^düüQüüGGo&dGüe^ DEUTSCHLAND B DOco ee oeeoeeeeeeeee c eeeoeeeg B 709
Ein Denkmal für drei Deutsche in Amerika.
In St. Louis in den Vereinigten Staaten soll ein gemeinsames
Denkmal für die deutschen Journalisten und Staatsmänner
Karl Schurz, Emil Pretorius und Karl Daenzer errichtet
werden, der beste Beweis dafür, wie deutsches Wesen und
deutscher Wert in Amerika anerkannt und geachtet werden.
Für das Monument hat der Brauereibesitzer Busch in St. Louis
80000 Mk. gestiftet, während weitere 60000 Mk. durch Samm¬
lungen aufjgebracht werden sollen. Zur Erlangung von Entwürfen
beabsichtigt man, einen internationalen Wettbewerb zu veran¬
stalten und hofft namentlich auf die Beteiligung deutscher Künstler
Der Deutsche Verein in Liviand.
Der 5. Tätigkeitsbericht des deutschen Vereins in Livland
über das Jahr 1910 gewährt ein anschauliches Bild erfolgreicher
und zielbewusster nationaler Vereinsarbeit. Der Verein verfügt
über zg Ortsgruppen mit zusammen 17579 Mitgliedern, wobei
nur diejenigen gezählt sind, die den laufenden Jahresbeitrag
bereits voll entrichtet hatten. Wenn man erwägt, dass die
Gesamtzahl der in Livland lebenden Deutschen auf höchstens
130000 einzuschätzen ist, so zeigt die Tatsache, dass jeder Achte
dieser Deutschen, Frauen und Kinder einbegriffen, Mitglied des
deutschen Vereins ist, in welchem Umfang das livländische
Deutschtum nationales Pflichtbewusstsein betätigt. Die Haupt¬
arbeit des Vereins lieg^ nach wie vor auf dem Gebiete des
deutschen Sch ulwesen s. Er unterhielt nach den Mit¬
teilungen des Vereins für das Deutschtum im Aus¬
land im Berichtsjahre ly Vereinsschulen, die er selbst gegründet
hatte, 4 weitere, die er aus Privatgründungen übernahm und
unterstützte, ausserdem noch xo andere deutsche Schulanstalten.
Diese Anstalten wurden zusammen von 3046 Kindern besucht.
Eine weitere wichtige von ihm gemeinsam mit dem Verein der
Deutschen in Kurland unterhaltene Einrichtung ist das Lehrer¬
seminar in Mitau, das gegenwärtig in einer Präparandenklasse
und 3 Seminarklassen 23 Zöglinge umfasst. Zu den schönsten
Hoffnungen berechtigen die deutschen Handwerkerlehrlingsheime
in Dorpat und Riga; die von der Ortsgruppe Dorpat gegründete
Spar- und Leibkasse hat einen überraschenden Aufschwung
genommen. An Neugründungen und Veranstaltungen des Ver¬
eins im verflossenen Jahre sind zu nennen: Das deutsche Schur¬
museum, die Vereinigung für Heimatkunde und die .Familien¬
abende in Riga.
Der Jahresbericht des Deutschen Vereins in
Estland. Das estländische Deutschtum ist von den drei
baltisch-deutschen Bruderstämmen der wirtschaftlich ärmste und
ziffernmässig schwächste Teil. Mit um so grösserer Hoch¬
achtung wird man das Mass an Arbeit und Opfern betrachten
müssen, das gerade von ihm geleistet wird. Der jüngste Bericht
des Deutschen Vereins in Estland gibt davon ein anschauliches
Bild. Der Verein umfasst nach den Mitteilungen des
Vereins für das Deutschtum im Ausland gegenwärtig
4640 Mitglieder, das ist ein volles Viertel aller in Estland an¬
sässigen Deutschen, Frauen und Kinder eingerechnet. Von
diesen 4640 Mitgliedern wohnen nur 284 ausserhalb Estlands.
Die Gesamtsumme der laufenden Mitgliederbeiträge betrug
24272 Rubel, also rund 50000 Mk., was einem Durchschnitts¬
beitrage von 13 Mark (!) entspricht; eine Ziffer, die gegenüber
reichsdeutschen Beiträgen für nationale Vereine um so beredter
ist, als weit über die Hälfte der Mitglieder Frauen sind. Aus
seinen Mitteln unterhält der Verein zurzeit 12 deutsche Schulen
mit rund 1500 Schulkindern, 4 Kinderhorte und 7 verschiedene
praktische Kurse für junge Mädchen in Reval, die von 125 Teil¬
nehmerinnen besucht waren. Für mittellose deutsche Schüler
wurden im Berichtsjahre 333 Halbjahrsstipendien in der Gesamt¬
höhe von 3633,50 Rubel aus dem Stipendienfonds des Vereins
bewilligt. Mit welch mannhaft deutscher Gesinnung dieser ent¬
legene Zweig deutschen Volkstums erfüllt ist, klingt am besten
aus den Worten hervor, die sein Vorsitzender, Baron Ed, von
Stackeiberg, anlässlich der 200jährigen Gedenkfeier des An¬
schlusses Estlands an Russland sprach:
„Ich nannte als unser bestes Besitztum die pflichtbewusste
Treue und die Hoffnung, ohne deren Flügelschlag kein Hinweg,
kein Vorwärts, kein Empor möglich wäre. Möge diese Hoffnung
uns nie dauernd verlassen! Wir wissen, was ihr Leben und
Erneuerung verheisst: unser Glaube an den Wert unserer
deutschen Gesinnung. So lange wir noch einen Funken vom
heiligen Feuer in uns tragen, das im bürgerlichen, praktischen
Leben als Zuverlässigkeit, Tüchtigkeit, Ehrlichkeit, Arbeitsamkeit,
Genauigkeit, Bildungsstreben und FamUiensinn in Erscheinung
tritt, so lange diese Treue im Grossen wie im Kleinen als
Kennzeichen unserer Zugehörigkeit zur deutschen Rasse vor¬
handen ist, — so lange werden wir brauchbare, ja unentbehr¬
liche Bürger des Staates, der Stadt, der Provinz sein und als
solche auch zur Geltung kommen. Darauf ruht unsere Hoffnung ^
Diese Treue der deutschen Gesinnung in unseren
Schulen der Jugend einzuprägen, diese Hoffnung
unseres Stammes ho ch zuhalten ist Aufgabe un¬
seres Deuts chen Vereins!“
Ein deutscher Schulverein in den
Vereinigten Staaten.
Die unleugbare umfangreiche Erweckungs- und Sammlungs¬
bewegung unter den Deutschen in den Vereinigten Staaten
wird um so mehr Bürgschaften für die Nachhaltigkeit ihrer
Wirkungen bieten, je mehr sie aus dem Stadium der Kongresse,
Resolutionen und Petitionen herauswächst zu positiver, frucht¬
barer Arbeit, je mehr sie das Wort durch die Tat ergänzt und
ersetzt. Unter diesem Gesichtspunkt ist der Bericht freudig zu
begrüssen, den der im Juni 1911 gegründete „Deutsch-
Amerikanische Schulverein“ soeben erstattet hat. Die
Mitteilungen des Vereins für das Deuts ch tum im
Ausland entnehmen ihm folgende von schlichter aber tat¬
kräftiger und erfolgreicher Arbeit zeugende Stelle: „Die vier
Schulen des Vereins arbeiten an dem edlen Werke der Erzie¬
hung des deutschen Nachwuchses still und ohne Aufsehen
rüstig weiter. 473 Kinder: aoi Knaben und 272 Mädchen ge¬
messen dadurch wieder die Wohltat der Erlernung der deutschen
Sprache, und zwar unentgeltlich. Leider * musste eine grosse
Anzahl Namen auf der Warteliste bleiben. Es wird darauf
aufmerksam gemacht, dass jeder deutsche Mann und jede
deutsche Frau herzlich willkommen und eingeladen sind, dem
Deutsch - Amerikanischen Schulvereine mit einem beliebigen
Jahresbeiträge beizutreten.“
Der Deutsche durch englische Brille gesehen.
Ein in Dresden lebender Engländer schildert in dom
„Daily Chronicle“ in interessanter Weise das deutsche Volk,
wie er es sah oder sieht. Er hat, wie er sag^, es nicht ganz leicht
gefunden, die verschiedenartigen Auffassungen des deutschen
Grafen, des sozialdemokratischen Parteiführers, des Geschäfts¬
reisenden und des Arbeiters unter einen Hut zu bringen, aber
eins hat er aus allen Aeusserungen herausgefühlt, nämlich einen
gewaltigen Tätigkeitsdrang. „Deutschlands Puls schlägt
von Lebensenergie“. In dem „traumhaft schönen Dresden“
BERLIli HRMBÜRfl
HOTEL ESPLAHADE
Das Vollendetste auf dem Qebiete der modernen
Hoteltechnik und des feinen Restaurantwesens.
V
710 DEUTS CH LA NB ggeeea^ eee eeee oec^aooega^^
Voii^Ä «üLfg&falleri . Die halden Worte
Pflicht mcit^er J^nsicht mch diie gtöaste, ktad
E'Eg'jeosciiait di^cs Voifceit wieder ^ > , Maji hat tj'je) .dttni'
iiochfaüt:*hdep Stojre der Deaiscbem geredet* Oewiuv
stols, aber icinesweg» immer hüchnnJitiu, Wetiö Ii4fttl
zwJacberi ihnen bewegt so findet man Än&kht nn^
einen Mehlen Stolz^ ötn hervorragendes Selböfvettratietii :^#iet
«sintjf die eine g^rosse A^iigÄb* iQ :^r Well **o4
■jciinj; ■ ist •'■ ÄT5 t ■ :!Eü r ■ Erfüll Ü ng,- .t^e^er' ■ Ati^gaahe- :■> < . + • ■ Wi®
id er. titlie 3 d. \ via Histh^nd ä'. Süjav*^. äo .fttdüiitift.
ayeti dfltütach^.-feb^her Ätj -. ado ft-uC i«m'
der M.McüitJKltUiä^ d^^ftlbeti öDler den
iy ö jei^v, ' . Soweit idi e De üia ct hähftv sc heih^ aae»
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kptjaiibvcfWjindi Äind, atia^iofdeDtlicb' Ä'hnhch ^ 1^
Stöli uhd ihftrvri SelbJdveriranen ^nd in ihT«W
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■ bei ..ieid"fr-*-: tvdl lti?rafi ifci tUt j^hr iii.h dtrk .Sod isiöd'
’tj.vi’d' 'bei' "■ «.Jrrii«:!; stets' . WachSit^üden' • .■' Enefgie ö.bd' -
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sieihr rjcht*^cr urs^ b«h«tÄ^giS!itÄ^
Wö(l<£rr Mr ÖJbb^ 4 ,'oUte ■uw dafür so^jg^a, d#a!ia
btjs :■■■’ Efig^n^'■'. iö ‘ ZüLi'-b • '. ite in e Schwibä|jichen ... ; masiht ii?e?cits
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dnd di* Schwr-i*. Ala'ei'h aradnuensaasr
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StäÄMin StÄbeti^f möderne Schönheil, Dabev
die Stftdf ' ^OG Fftlhilceini und dass sie dabei trotzdem
peiioJicb ^eih kantig daa bnügi den En^lähde't irp einer
für ^dg^iahd ksine^wegs ghturtigBEi VergieiezheDdeu ß^irac&tdn^-
Dae :dii.f: iuduside hal fuebt den hi&sbchert EifiüiJas
auf die U r^n geh Udg^ den es ih BögiaT) d a lisü b t. „ K s ^ b h fi&' * ^
^ sagt der Schreiber, »..iet Lriverptool Ertglands^ ,
isa roir Hamburg ala «ine fiiue Ätohsf Sfidi
in Erinntrüng, als eisi FÄradie^ iiü Ver^ii^cb 4 in dem sehrecltü^i^en
^cfemüize Liverpools,. Selbe m ubej ^Iherfeid nruij in
Ini^usirieatadien wie e rp u11 f in Sad^5eR, ßndet mab nicht
die schreckliche HäsaltSih'keh; t3n4: da£: üfE^brämte BU-dd >, ^■'j''■!.■
v6ä Städten wie DidhbhJ. und B^ekbiifii ;r^>-^v.Dte .'Ee^vnfV.f^
aelb&b raafi noch ^üe jätfb; Uägi die Iragfacbe Hasslvcbkai^
ihres Eis^jds nicht biferiT^i^^h. 2 . Ich habe <U^ der.
In Basen beim Bpsef trugen fi^ute Schuhe und
Kleidetr IbTe Gcaic^f gewaschen, nnd ibrcAugth
waren grdöklich, Wn di« klein^fi scbmmiigen, ithgC'
inägefteh Ge&ichlctjcE», diö S^Usse, die Fctfen und Lump^rii
die in engtiache;* ,»^Hebluieri marnen? . , . Icb
habe dia ' Arbeiter lia^l''dtr:f .Fabriken ' kbuimen seh^wv-;; ■'.B^ik''.'
echbUrig. .mit geradcifi ,m.?t
Kietdera. kommen Kie twsfiisi. sW 'dkh öip'^n' i!tbgä '
dea; Mfiones., der mi Afböi*
iet u-n d das Leben ■. hebi^-.' '■■is^'k'- Wenn
. d i:4 H ah .df we nn mäth. nitie:'; F ^ ^ sfe3 hy. '...^fi.htie.U'-’■ 'an-;. e- ;• ■
i'ähjlj kind -sie dtich^ilfo^: öffi.eif.Ttf'ifis^^^^
dieherls^ih : e.der tnechhflj^C'Ü:" ‘ he^i-ir.seh.- ■ Mcht; lÜe^' '-ebrglciÄb"
Leie h%keU' ■ des fraui ödst it ett ■' V.*3Lli er,... ■• ^ deu'.';
Humbfi - der., m . Jtliejct-: ;effiiten
■.fi.ed.en ■ aber,, in.. .nüchteFnefC?'-. tm4''..,5sJidft:r'eV‘’’
a (ti W'as- 'd^t: l ’;1 be-i" d;et.>t|-?nÄ
sajgt,- ÖÄS ist itfo on vöjn^
das« ea hier .nicht. nöoSinatptsi iViederj;;cg:«-be^f fU ..>v^fdün';bifiiiP^bV
■Di«' tiaehn^taheA-dta- Wci:te. ''l!iiJt!h4ietii aber höVffTr.tT:^ch
wfinSfchet'jswerte Ber^cJjttari^. Mr» Qlbbä^ nio '}.beifd .■
. sagt .TjÄmlicIi: S'Ci.äl''^än-d
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empfSndliche Ptauen*'tiwd t,Über Magnesfutrt'üliuHchr*.
Agfa*Pr(>spükte“* lösteiitgKi!Iüstriefl
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Nr. 14 »8989 88 899988^60999998998^1 DEUTSCHLAND eeeeeeee SSEgS e ee e e O OQOOO OOegB 711
gegen nur i 4 , 3 ®/o Frankreich stammten. Von den Winter¬
sportbesuchern igio/ii waren a3,6”/o aus dem Deutschen Reiche,
5,8 ®/o aus Frankreich. Die Frequenz der Reichsdeutschen in
der Schweiz übersteigt die aller anderen Nationen erheblich.
Die deutsche Kolonie in Brüssel eröffnete am
13. Januar mit deutschen Aerzten die deutsche Poliklinik,
die sich später zu einem deutschen Hospital auswachsen soll.
Lied der Deutschen im Ausland.*)
Alle wir in fernen Landen
Denken an ein heilig Gut:
Land, wo unsre Wiegen standen.
Unsrer Väter Asche ruht,
Land der Eichen, Land der Linden,
Voller Heldenkämpfe du.
Wie die Flagge in den Winden
Rauscht Dir unsre Seele zu!
Unter Zedern, unter Palmen,
Hoch im Eis, am Steppensaum
Träumt der Deutsche, wie auf Almen,
Leuchtend blüht der Apfelbaum,
Lauscht den heirgen Sturmesschmerzen,
Eichen ihr, an Bismarcks Gruft,
Fromm bewahrend sich im Herzen
Eines Chriatbaums Tannenduft! . . .
Manchem lebt ein liebes Mädchen
Treu behütet ihm Gemüt,
Der sein blondes Nachbargretchen
Noch im Alter vor sich sieht.
Mancher, den des Schicksals Schmiede
Hart zu Stahl gehämmert hat.
Hält bei einem Heimatliede
Weinend kaum sein Notenblatt! . . .
Vaterland, wie eine Eiche
Wächst du in der Welt empor.
Als wenn Gott zu seinem Reiche
Dich zum Fundament erkor,
Deutsches Blut muss erdwärts tropfen.
Bis die Welt gelangt zur Ruh,
In gebräunten Körpern klopfen
Dir auch unsre Herzen zu!
Wer aus deutschem Blut geboren,
Schliess den Schwur in sein Gebet,
Dass er nimmermehr verloren
Seinem Vaterlande geht.
Teure Heimat, auf den Schwingen
Des Gesangs vernimm den Schwur:
Wo wir wandern auch, wir singen:
Deutsch und bteiben Deutsche nur!
Max Bewer.
•' L’m die lUMits- Iien icn Auslände durch ein sangbares Liedzusammen-
zuschliessen, veröfTentlichen wir dies des bekannten bismarckschrift-
stellers, lür das sich gewiss auch ein Komponist (mdet, dem vielleicht eine
allgeinein-volkstümiiche Verloniing gedingt; es könnte vorläufig auch
nach der Melodie; ,Deuts« hiaiid, Uenlschland über alles‘‘ oder .Strömt
iierbei, ihr Völkerscharen“ gesungen werden, Hed.
Ein amerikanisches Urteil Uber Deutschland. Immer
mehr erweist sich der stetig wachsende amerikanische Reiseverkehr
nach Deutschland als ein wichtiger kulturpolitischer Faktor. Die
Mehrzahl dieser Reisenden, welche mit ganz verkehrten Ansichten
die Reise antraten und sonst nur mit Geringschätzung von
Deutschland sprachen, haben „drüben“ entdecken müssen, dass
Deutschland doch ganz anders ist, als wie sie es sich vorstellten,
und wie es ihnen geschildert worden war von Leuten, die es
auch nur vom Hörensagen kannten! Die Deutschlandfahrer
sind von Deutschland ganz begeistert, und das Bedeutsamste
ist, dass sie nach ihrer Rückkehr ihrer Begeisterung und ihrem
Erstaunen Uber deutsche Einrichtungen rückhaltlos Ausdruck
verleihen. Die typischen schiefen Urteile über Deutschland aus
früherer Zeit sind fast ganz aus der Presse verschwunden. Immer
mehr tritt Deutschland jetzt in die Rolle eines Landes, von dem
Amerika viel lernen kann. Wenn nun noch, wie es in dom
letzten Jahre so häufig geschah, auch die bedeutendsten Männer
der amerikanischen Hochfinanz und des öffentlichen Lebens
sich in schmeichelhaftester Weise über Deutschland auslassen,
dann kann eine günstige Rückwirkung auf die Urteilsbildung des
grossen Volkes nicht ausbleiben. Den jüngsten Verehrer findet
Deutschland in dem Präsidenten der New York Zentral¬
bahn-Linien William C. Brown, der soeben von einer aus¬
gedehnten Automobiltour durch Europa zurückkehrte und, wie
der Dresdner Anz. meldet, auf dieser Tour eingehende Beob¬
achtungen angestellt hat. Dem ihn empfangenden Heere von
Berichterstattern sagte Herr Brown: „Passen Sie auf Deutsch¬
land auf, Deutschland schreitet in ganz wunderbarer Weise vor¬
wärts. Das Land prosperiert in ganz bemerkenswerter Weise.
Deutschland überflügelt die anderen Länder und wird die Führung
von ganz Europa übernehmen. Deutschland war früher im
Hintertreffen, weil es ihm an Kraft für Industrie fehlte. Jetzt
entwickelt es seine Wasserkraft, eine natürliche Kraft, in glän¬
zender Weise, und die Industrie steht in Blüte.“ Unter Anspie¬
lung auf die amerikanische Antitrustpolitik bemerkte er lächelnd,
dass europäische Regierungen nur auf eine Weise in die Industrie
eing^eifen, und zwar, indem sie ihr helfen: drüben fördere die
Regierung Industrien aller Art.
Verschiedenes.
Die Prüfung der Frage, ob eine Reklamevorrichtung
dasOrts- oder Landschaftsbild verunstaltet, steht
der Verwaltungsbehörde, nicht dem Gerichtezu.
Entscheidung des Bayerischen Obersten Landesgerichts.
Rev. Reg. 488.
(Nachdr., auch im Auszug, verb.) Nach Art 22h Polizei-
Str. G. B. wird bestraft, wer den ober-, Distrikts- oder orts¬
polizeilichen Vorschriften zuwiderhandelt, die zum Schutze
von Orts- und Landschaftsbildern gegen verun¬
staltende Reklame erlassen sind. Eine ortspolizeiliche
Vorschrift des Stadtmagistrats Nürnberg vom i. Oktober igog
bestimmt: „Gegenstände oder Einrichtungen, welche dem Zwecke
geschäftlicher Anpreisung (Reklame) dienen und von einer
öffentlichen Strasse aus sichtbar sind, müssen entfernt oder
abgeändert werden, wenn oder insoweit dies zum Schutze des
Orts- oder Landschaftsbildes gegen Verunstaltung verlangt
werden muss. Als Gegenstände und Einrichtungen der vor-
bezeichneten Art sind beispielsweise anzusehen: Aufschriften,
Firmentafeln, Schaukästen, Beleuchtungsvorrich-
t u n g e n.“ Am 5. Oktober igio forderte der Polizeisenat des
Stadtmagistrats Nürnberg einen Zigarrenhändler
auf, von seinen zahlreichen Reklameschildern neun im Interesse
des Schutzes des Strassenbildcs innerhalb drei Wochen zu ent¬
fernen und eine Firmentafel in Grösse, Schrift und Farbe abzu¬
ändern. Der Zigarrenhändler entfernte sieben Schilder und er¬
suchte den Stadtmagistrat um Genehmigung zur Belassung zweier
Glasschilder mit Rücksicht auf deren hohe Kosten (310 Mk.)
und die hübsche Ausführung dieser beiden Glasplakate, die das
Strassenbild in keiner Weise nachteilig beeinflussten. Der
Polizeisenat wies dieses und ein weiteres Gesuch ab, und
leitete, da die Entfernung der Tafeln nicht erfolgte, gegen den
Säumigen das Strafverfahren ein. Das Schöffengericht erkannte
auf 5 Mk. Strafe, das Landgericht lehnte als Berufungsinstanz
die beantragte Vornahme eines richterlichen Augenscheines ab,
und auch das Oberste Landesgericht, das als Revisionsgericht
endgültig zu entscheiden hatte, erklärte, dass die ordentlichen
Gerichte mit der Sache nichts zu tun hätten. Der Straf¬
senat verwarf die Revision des Angeklagten und sprach
sich in diesem prinzipiellen Falle u. a. wie folgt aus: Die
Scheidung der Zuständigkeit der Verwaltungsbehörden und der
Strafgerichte für die Entscheidung der Frage, ob die Voraus¬
setzungen für die Anwendbarkeit einer Polizeivorschrift gegeben
Die
Leipziin Vormeue.
lu der HuMger and HusterkolleKtlonen
von Porzellan u. .anderen keramischen Waren, Glas-,
Metall-» Leder-, Holz-, Korb-, Papier-, Japan- und
China-Waren, Puppen und Spielsaohen, Musik¬
instrumenten, Schmucksachen, Seifen, Parfüme¬
rien, Sport- und Luxusartikeln, Haus- und Wirt¬
schaftsgeräten aller Art, sowie verwandten Waren aller
Gattungen auBgestelltflworden, beginnt
Montag, den 4. März 1912.
Die meisten Ausstellungen sind'von da an nur eine
Woche geöffnet, obwohl es zwei Wochen gestattet ist.
Meflwohnungen vermittelt die Geschäftsstelle des Ver¬
kehrs-Vereins, Leipzig, Handelshof.
Leipzig, am 3 . Januar 1912 .
Der Rat der Stadt Leipzig.
DEUTSCHLAND
Nr. 14
seien» wird wesentlich durch den Inhalt der letzteren bestimmt.
Eröffnet das Gesetz» dass die Ermächtigung zur Aufstellung
einer Polizeivorschrift erteilt» den Polizeibehörden die Möglich¬
keit zu bestimmen» dass sie selbst über das Vorhandensein
jener Voraussetzungen zu befinden haben» so können» sofern
nur die Polizeibehörden von ihrer endgültigen Entscheidung den
Beteiligten ein rechtliches Gehör eröffnet haben» die G e r i ch t e
nicht das Recht zur Nachprüfung jener Vorfrage be¬
anspruchen und haben sie lediglich darüber zu entscheiden, ob
die übrigen Veraussetzungen der Strafbarkeit wegen einer Zu¬
widerhandlung gegen die Polizeivorschrift vorliegen. Zu einem
so grundlegenden Eingreifen liegt für die Verwaltungsbehörden
besonders dann ein Anlass vor» wenn bei der Entscheidung
der erwähnten Vorfrage auch Erwägringen der Zweckmässigkeit
mitzusprechen haben und wenn zur Sicherung einer einheitlichen
Durchführung einer Massregel der Gesetzgebung deren Leitung
durch die Zentralbehörden, und wäre dies auch nur auf dem
Wege der Oberaufsicht» als unentbehrlich erscheint. Alles
dieses trifft im vorliegenden Falle zu. Die Entscheidung darüber,
was im einzelnen Falle zum Schutze des Orts- oder Landschafts¬
bildes gegen Verunstaltung erforderlich ist» hängt jeweils von
den verschiedensten Umständen ab, ganz abgesehen davon»
dass auch die Verschiedenheit der Geschmacksrichtung
bei voller Selbständigkeit der entscheidenden Stellen natur-
gemäss oft grosse Verschiedenheiten mit sich bringen kann.
Es eignet sich darum die Entscheidung Uber die Verunstaltungs¬
frage ihrer ganzen Natur nach nicht sowohl für die Gerichte
als vielmehr für die Verwaltungsbehörden. Wenn der Ange¬
klagte von seinem Beschwerderechte keinen Gebrauch gemacht
und sich lediglich auf Vorstellungen gegenüber dem Stadt¬
magistrat beschränkt hat, so hat er sich damit stillschweigend
dessen Entscheidung unterworfen und auf die Anrufung der
Aufsichtsbehörden verzichtet. Da hiernach „rechtskräftig'', für
den Angeklagten verbindlich feststeht, dass die Reklametafeln
zum Schutze des Ortsbildes gegen Verunstaltung entfernt werden
müssen, bildet die Nichtbefolgung der Entfernungsaufträge eine
strafbare Verfehlung gegen die ortspolizeiliche Vorschrift.
Amerika wirbt um Touristen. Aus New York wird
der Frankfurter Zeitung geschrieben; Nun soll auch der europä¬
ischen Fremden-lndustrie von der „amerikanischen Invasion'*
Gefahr drohen. Die Regierung in Washington hat schon lange
mit Schmerz gesehen» dass Europa so sehr viel Geld von der
amerikanischen Hochflut zieht» die sich alljährlich im Sommer
über die Alte Welt ergiesst» während die Zahl der Amerika be^
suchenden Europäer immer noch verschwindend gering ist. Man
hat nun den Plan gefasst» einen „bekannten Regierungsbeamten^*
(so sagt die „Associated Press**) nach Europa zu schicken» wo
er in allen grösseren Städten Vorlesungen mit Lichtbildern Uber
amerikanische Naturschönheiten und Sehenswürdigkeiten halten
soll. Dadurch hofft die Regierung, mehr Europäer für Amerika
zu interessieren und in nicht ferner Zukunft einen guten Teil jener
500 Millionen Dollars, die angeblich jedes Jahr von Amerikanern In.
Europa ausgegeben werden, wieder nach der Union zurückzuleitesu
Industrielle Entwicklung der Südeifel. Am
19. Januar fand im Hotel Ezcelsior in Köln unter dem Vorsita
des Regierungspräsidenten Dr. Baltz (Trier) im Beisein des-
Landeshauptmanns Dr. v. Renvers eine Vorstandssitzung des
Vereins zur industriellen Entwicklung der Süd¬
eifel statt. Es wurde beraten, in welcher Weise einerseits die
Geschäftstelle in Bitburg entlastet und für andere Aufgaben
verfügbar gemacht» und anderseits, wie die Tätigkeit des Vereins
auf einer breiteren Grundlage auf- und ausgebaut werden aollts»
Zu diesem Zwecke ist die Anstellung eines Reise-Ingenieurs
geplant, der die Industriegebiete bereisen und Fühlung mit
Industriellen aller Art nehmen soll, um sie auf das Vereins¬
gebiet aufmerksam zu machen und ihre Niederlassung in der
Eifel zu bewerkstelligen. Weiterhin soll ein neuer Aufruf
erlassen werden zur Werbung weiterer und besonders zahlungs¬
fähiger Mitglieder; alsdann soll aus der Zahl der Mitglieder«
die einen Jahresbeitrag von 300 Mk. und mehr zeichnen, ein
besonderer Ausschuss von 30 — 40 Personen gewählt werden^
der in enger Fühlung mit dem Vorstande die Geschäfte des
Vereins und besonders zustande zu bringende Unternehmen
bearbeiten und fördern soll. Die Zahl der Mitglieder beträgt
zurzeit 265 mit 13200 Mk. Beiträgen. Hierzu gab der Vorsitzende
bekannt, dass der Provinzialausschuss dem Verein auf drei
Jahre einen Beitrag von je 2000 Mk. bewUligt und Herr
Ingenieur Rexroth (Saarbrücken) dem Verein in dankens¬
werter Weise den Betrag von 10000 Mk. geschenkt habe. Es
wurde ferner mitgeteilt, dass sich die Hausindustrie-Kamelhaar-
□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□aDDaDDaDD
□ □
S An die g
□ □
I Verkehrs'Vereine Deutschlands und des Auslandes! 1
Im Mai ds. Jahres erscheint in III. Prachtausgabe in unserem Verlage der
g mit Sonderanhang von: London, Paris, Brüssel, Wien und g
g Petersburg, Bäder und Kurorte und internationale liotelliste. g
□ D
g Derselbe bietet jedem Reisenden und Gebildeten» wie auch staatlichen und städtischen g
a Behörden» Verkehrs-Vereinen, Klubs etc. an der Hand der in dem Werk enthaltenen Pharus- a
□ Stadtplänen der bedeutendsten Städte Deutschlands und der des Auslandes jederzeit Gelegenheit, q
g sich nicht allein über alle möglichen Verkehrsfragen, sondern auch über die Lage und Ausdehnung g
□ einzelner Gressstädte Deutschlands und des Auslandes zu orientieren.— Der Sonderanhang Bader □
□ und Kurorte gibt Aufschluss über unsere bedeutendsten Bäder und Kurorte, die Internationale p
g Hotelliste über erstklassige Wohn- und Unterkunfts-Verhältnisse Deutschlands und des Auslandes. g
g In allererster Linie bietet sich in unserem Pracht werke aber auch den Verkehrs-Vereinen g
a Gelegenheit, durch eine Schönheitsbeschreibung jeder einzelnen in Frage kommenden Stadt sich □
□ desselben weitgehendst zu bedienen. Die internationale Verbreitung des Werkes, wie auch p
g die nur alle 6 Jahre neu erscheinende Ausgabe bürgen in jeder Weise für eine wirk- g
□ same Propaganda, wie solche wohl kaum ein zweites Werk zu bieten in der Lage ist. □
p p
□ Prospekte sowie alle sonstige Aufklärungsschriften über die Herausgabe vorgenannten O
p Prachtwerkes werden kostenlos allen Interessenten von Unterzeichneter Gesellschaft zugesandt. p
I Deutsche Verlap-Gesellschaft m. b. H.. Hamburg, Bieberhaus. |
Nr. 14 § Q0 9 0000COQQ9QQQ8^5QQga30 Q99SI DEUTSCHLAND B6 e 6OOO6e888 e 0€36G 66O O606GÖe ^ 713
Schuhnäherei in Speicher eingeführt habe, und dass für den
1, April erhebliche Erweiterungen dieses Betriebes in Aussicht
genommen seien.
Wiederherstellung des Münsters 2U Freiburg i. Br.
Der Münsterbau-Verein in Freiburg hat eine Sachverständigen¬
kommission 2ur Beratung aller wichtigen Münsterbaufragen ein¬
gesetzt. Ihr gehören an der MUnsterbaumeister Knauth in Strass¬
burg, Geh. Oberbaurat Kircher und Prof. Ostendorf in Karlsruhe,
Prof. Wingenroth und erzbischöflicher Oberbauinspektor Jeblinger
in Freiburg. Der grösste Teil der Wiederherstellungskosten, die
mehrere Millionen betragen, ist bereits gesammelt.
Das Nordseebad Westerland auf Sylt ist im
vergangenen Jahre nach einer überaus glänzenden Saison von
schwerem Missgeschick betroffen worden. Gegen Schluss
der Hauptsaison legte eine Feuersbrunst die nördlich der
Plattform gelegenen Strandhalle-Restaurationen in Schutt
und Asche, und was das Feuer verschonte, das fegte ein
fürchterlicher Sturm am 6. November 1911 in die See. Alle
Strandeinrichtungen, Musikpavillon, Plattform, Wandelbahn, alle
Strandübergänge und Strandhalle sind verschwunden und von
der unersättlichen See verschlungen. Die auf den Dünen
liegenden Logierhäuser Miramar und Baur-Breitenfeld waren
schwer gefährdet, so dass sich umfangreiche Schutzarbeiten als
notwendig erwiesen. Es ist nun geplant, ein grosses massives
Bollwerk zu bauen, das nach menschlichem Ermessen befähigt
ist, diesen sich alljährlich wiederholenden Zerstörungen und Ab¬
bröckelungen Einhalt zu bieten. Dieses Bollwerk wird so angelegt,
dass es zugleich als Wandelbahn dient und den wie seither in
die See hinausgebauten Musikpavillon trägt. An der östlichen
Seite (nach der Stadt zu) ist eine grosse Wandelhalle geplant,
die selbst bei schlechtem Wetter den Hauch der reinen Seeluft
und die Aussicht auf das Meer ermöglichen wird. Die Strand¬
hallen werden auf den Dünen errichtet, wo sie einen unbegrenzten
Blick auf die stets bewegte See, aber auch auf das Leben und
Treiben des Kurlebens auf der Wandelbahn und am Strande
bieten. Auf den Trümmern der elementaren Schäden wird das
zähe, in dem Kampfe mit der wilden See erprobte Friesenvolk
ein schöneres Westerland aufbauen. Die Arbeiten werden so
energisch gefördert, dass zu Beginn der diesjährigen Saison
alles zum Empfang der neuen Gäste gerüstet ist.
Eine neue Thermalquelle in Baden. In
Krozingen bei Freiburg im Breisgau sind anlässlich von
Bohrungen heisse Quellen zu Tage getreten, die wegen der hohen
Temperatur von 41 Grad Celsius und der grossen kohlensäure-
haltigen Wassermengen immer grösseres Interesse finden. Seit
etwa 2 Monaten entströmen gewaltige Wasserstrudel schäumend
und dampfend aus etwa 800 Meter Tiefe der Erde. Zur weiteren
Erschliessung und Verwertung der Quelle hat sich eine Gesell¬
schaft gebildet, die eine eingehende Untersuchung des Wassers
veranlasate und besonders heilkräftige Wirkungen feststellte.
Nach Ablauf von weiteren 3 Monaten soll eine Nachprüfung
der Analyse stattfinden und hiernach die Entscheidung für die
Zukunft getroffen werden. Die vielseitige Annahme, dass das
Auffinden der heissen Quelle mit den stattgehabten Erdbeben
im Zusammenhang stehe, soll nicht zutreffen.
Eine Kurhessische Gesellschaft für Kunst und
Wissenschaft. Nach längeren Vorbereitungen ist in Cassel
die Gründung einer Kurhessischen Gesellschaft für Kunst
und Wissenschaft beschlossen worden, die sich die systematische
Förderung der geistigen und künstlerischen Kultur unserer
engeren Heimat zum Ziele gesetzt hat. An der ersten vor¬
bereitenden Sitzung hatten u. a. teilgenommen der Kultusminister
V. Trott zu Solz und der Oberpräsident der Provinz Hessen-
Nassau, Hengstenberg. Der Museumsdirektor Dr, Boehlau
(Cassel) berichtete im Zusammenhang mit den Plänen der
Gesellschaft über die Ziele des neuen, hier im Bau begriffenen
Hessischen Landesmuseums, der Direktor der Murhardschen
Bibliothek, Dr. Steinhausen, legte dar, dass es die erste und
vornehmste Aufgabe der Kurhessischen Gesellschaft für Kunst
und Wissenschaft sein werde, durch dauernde Einrichtung
regelmässiger wissenschaftlicher Vorlesungen
und Vorträge die höheren geistigen Interessen in der
engeren Heimat über die dem einzelnen zu Gebote stehenden
Möglichkeiten hinaus zu pflegen, insbesondere dem weitverbreiteten
Drange nach stärkerer Fühlung mit den Ergebnissen und Fort¬
schritten der Wissenschaften entgegenzukommen. Es ist gelungen,
für den Plan zunächst die Staatsreg^erung und den Kommunal¬
verband zu interessieren, von denen ansehnliche finanzielle Bei¬
hilfen in Aussicht gestellt worden sind. Die Vorlesungen werden
systematisch nach grosszügigem Plane geregelt werden und sich
zunächst auf folgende Gebiete erstrecken: Staatswissenschaften,
Geschichte, Kulturgeschichte, Literatur- und Kunstgeschichte,
Philosophie, die Naturwissenschaften nebst Geographie.
Die Westfälische Kommission für Heimat-
schutz in Münster, die vor etwa zwei Jahren ihre Tätigkeit
begonnen hat, hat unter der zielbewussten Leitung des Freiherrn
von Kerckerinck-Borg schon sehr segensreich gewirkt.
Auf Veranlassung der Regierung in Münster wurde die Kom¬
mission beim Erlass von Ortsstatuten und der Aufstellung von
Bebauungsplänen regelmässig gehört. In zahlreichen Fällen
wurden Massnahmen zum Schutze gefährdeter Natur- und
Kunstdenkmäler getroffen. Nachdem der Provinzialausschuss
der Kommission mmhafte Geldmittel zur Verfügung gestellt
hatte, wurde eine amtliche Baub er atu ngsstelle gegründet,
die in enger Beziehung zu dem Westfälischen Verein zur
Förderung des Kleinwohnungswesens steht. Die Landes¬
versicherungsanstalt hat der Bauberatungsstelle in ihrem Dienst¬
gebäude die nötigen Räume zur Verfügung gestellt. Den grössten
Teil ihrer Tätigkeit nahm die Prüfung, Begutachtung und Ab¬
änderung eingereichter Bauentwürfe ein. Ihre Erfolge sind
nicht zum wenigsten dem tatkräftigen Eingreifen der Aufsichts¬
und Baupolizeibehörden zu verdanken, die in der Erkenntnis
der kulturellen und wirtschaftlichen Bedeutung der Tätigkeit der
Bauberatungsstelle ihr halfen, das Arbeitsfeld auszudehnen, in¬
dem sie die Baulustigen auf die bestehenden Einrichtungen
hinwiesen und die Gewährung von Dispensen von einer den
besonderen Verhältnissen entsprechenden Grundrisslösung und
einer ästhetisch genügenden äusseren Durchbildung abhängig
machten. Die Kommission beabsichtigt, ein Werk Über
heimische Bauweise herauszugeben. Die Inventarisations¬
arbeiten dazu haben begonnen, und es sind schon 200 Aufnahmen
gemacht worden.
Für das Preisaussch reiben der Deuts chen
Heimatspiele auf dem Potsdamer Naturtheater
sind 79 Arbeiten eingegangen. Die Preisrichter Max Dreyer,
Rudolf Herzog, Alfred Halm, Ferdinand Gregori und Heinrich
Sohnrey haben fünf Werke für preiswürdig und weitere fünf
Spiele für beachtenswert erkannt. Den ersten Preis erhielt:
Richard Hiecke, Dresden (1000 Mk. und Ehrenmedaille der
Residenz Potsdam) für das Heimatspiel „Im Morgenrot der
Freiheit“, den zweiten die Schriftstellerin von Winterfeld-Wamow
(600 Mk. und Medaille) für „Der Schimmelreiter“,, den dritten
Wilhelm FJadt in Freiburg i. Br. (400 Mk. und Medaille) für
das Spiel „Freiheit“. Der vierte und fünfte Preis, je ein
silberner Ehrenbecher, fielen Dr. Otto Weddigen („1812 und 1813“)
und Paul Kapp in Heiligenbeil („Als die Würfel fielen“) zu.
Die Förderung des Motorboot-Sports. Der All¬
gemeine Deutsche Automobil-Klub (Sitz München), die frühere
D. M. V., der in seinem Arbeitsprogramm auch den Motorboot¬
sport mit aufgenomman hat, wird im Jahre 19x2 Preis-Aus-
schreiben für die Schaffung kleiner, preiswerter Motorboote
erlassen. Das erste Preisausschreiben, das im Januar zur Ver¬
öffentlichung kommt, wird Motorboote im Preise von 1000 Mk.
umfassen. Die auf Grund des Wettbewerbes hergestellten Boote
werden Gelegenheit haben, ihre Leistungsfähigkeit in den bereits
für dieses Jahr festgeleg^en drei Motorboot - Konkurrenzen des
A. D. A. C. zu zeigen. Es kommen nachstehende Regatten für
Photo - Papiere
allseits bestens empfohlen.
Grand-Prix
auf der Welt-
Ausstellung
Turin 1911.
Chemische Fabrik anf Aktien (vorm. F. Scherings)
PhotogFaphlsche Abtellungr. Cbarlottenbnrg. Tegreler Weg 28/88.
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kleine Mötorböie jfum ; den Mai^ Ätif
Üer Hövel, attü Sonmag, den 34 JuidV öiif der
des A3l^em«iJti<;D Deuinchc^ AateJtnkjL^bil^Tö^ei» liad
a^'dfitn' Stardbefgei See> , .;■ ^
Diie Zsbl der Roisestjpeniief* föf die
iti Ländern fran^daiaciier Zunge V^der tö E^jg:liind d^ erföfder-
UeJie Ueifiijin^ tna müfidliöben ötbr^ncb det f'äremti*pf4daj&4ij
erwofbeii bafaca, solJ um weher» sech* im DiirciisdbjiitwbetrBgfr
v6n isöu Mk; erhöht w-erden/ Ija werd^JE dann ;jo äqitcher
Stipesnälcn yorhanden sein.
Ein c B f r^Tise Isjsher auf der rechten
Rheinteite zwischen Rilde^eiind viW ^tÄübach, Ihr Eau ist;
seit längerer Zeit geptaoti d^tt ist hejat^büs^phtigtj $ie yoö
Wellmich^ ünterhalb 9iL Gökr^hah*e,hj: nicht Ria ei o >
den küriÄTen W*g übeif die flohen iü fübr^^ sitn Icicih
diese hbgeteg®aeh Oe^itänd^rt ah ; dth V anrüsebheasen.
Eine Vere^itil ung Vöh Vet tf nft d er bei^li gteh Gem^j riden ^
der: D^&inänerivefWBkuhg^ 4®^ Regierting tind de« FnrstfitükuÄ
fijpraeh sfth m däesehh Sihöe aus. Dhtn wird vh^^^^?gee*tzt,
daei i hd ön m fed es teil# *1 0 p ri tte| d pr Ba uko öten tr agen
ühä den Baden nhentgeltlich smr Verfügung stellen*,
H ef u e V i Henk o i i> ti i e i c ö aö ^ St g * 1, a n g f u h Die
Grsmeiirinüiyige Baugenossenschaft lu DanEig h^i itn Vbr^^rt
l^ ö D g: f d h r „ de m: aügeri hl icbJkhe n W ohn si t * des Krc» npriöf en,
40 ©ö6. jijni g r dB sÄs • Ge J ä nde e rw orbeo, d sy f br y-
aijlgescMn werden so^l, Hs ist
zweigt ;/v6-fh.'Gut. HQchsimfts- weitere Parjellriö’...*ki:4- ft^r ■:'4ie ’
Zttkwft ■ g;*#ich^snH 0as BangeJ ätidt liegt Am Jä&chköhtatlet
Walde, der ^iLnhge vß^ii ts tiegi Mhierh^lb dsr Hishns-
baak, einem beliebten Auwlthtspunkt des genannten SUdtwaldca,
der eiiien wchrn Blick über den angrenjcnden bewaldkieh Höhen
rttck^ itüd 41 * Füsse gelegenen beliebten Oitseebader ÖHvSj,
Glöttk^u, Zoppot nnd AdJerehorst sowie eine prächligt Weitiieht,
libera Meer bis nach 4er Malbineei HeU gextaiieb Dsa Prbjeki
h^t irr der paneiger Bürgerschaft grossen Anktähg |gefnn4e%
da hierdurch dem Mangel an Wnhngelegcnbeitea in j^hfathilien-
häUBcrn abgehoHen wird. Für neuzuziehehde Personen bie^.t
sieb 4a,dürsh fafctiüitb. GeJe^eabeit ^ür AtiaUdelüne in ideaj-
schöhtT Wge^ Toten der dtösfiatudt*
Iti re m ü rl o jtiAlc * h f f ® ^ ^ ^e rke b r h*’ ^ u r « »ü
'in Berlin ; P i e;' ;p;t je d.4; ä l öch-h;eiSr.«ische-n'8t.sotsftieen'
b k h h e n si n 4 ■ ^ hrtili ehr: thbnfd"ll& de m I ntc rn aUon *}e n Ö ffent-^
Jjcheh Vfcf5fehrs>Bu^t;i&dy jj^ Beriin, Unter den Linden 14 ^ hei|:etfeteh
hod haben einen Bearnten in doaselbe abgeordnet. Im öfTenVlicheo
Verkehrs^Bureau, das bekahnilich kein ErWerbsunternehmen istj
aoßdern ausscJbhesBllch der Hebung, Forderung ünd Belebung;
d®s Reiseverkehrs dSenb sind nunruehr sämtbche deuiacho
Staattfoabtien und dre Schweis ofüzien yertreten. Eis wird dbrf
durch pec^mte der verschiedenen Verwaltungen kostenlos mün4~
lieh und achtiitliCh Auskuntl Über alle Verkehrsangetegenbeiten
söwle übyf VvrpflegungT.^poH paw. Pi’ö»p?;ktC|
FlihjT^t Brcßchtiren : öew, :ünd FröpfigiitdÄmitetial
äfbd, .ebenfailk-kosWQfrw trh’^UhthV •'.; i-'-.v-
Bll ii, g e y ■■;' •■ :;M , i’ t.k ■^' g ^ t i'i.ch: ^ % m. $P *1 • 4. C W h .g'h p.■ '■, -■ .Ei n e
i^ttiisyphF m dep . fr^n^daisif^eh nach der
GrosS“ > 44 ? EWührtuilr vbii Mittag. i tLhi Abend-
*s4fm >h-■ smerh'-'-biÜlgey.iijn','i^rbtse.;:■ :' Anfajig;■ Fehnfsr .ist,'sie
Äuf vieUn Strecken ift> von Frankrekb getroffen worden,
4ic badpi^^hh^h t^r . den Keisöndo jn Beimcht kommen
^olb ; Matv erhüfti jfspFcin kogen- zweites Frühijtück, das tinserem
Mittagesa&h t?nt'^prvebh asiib- Prdfse- voli a ^^ Franken tind ein
AbepdeöstjiT 4 um' Pyeijse yiWrt 3 ’ /r. FfÄhken. Üaneban btcibS das
: sebhn ge b ötepd teichll cb e M «tag * jün d A bcud e es eh f lU
4 5 bciStehen, Das Essen landet man jeut
vdV «ÖVftt; j&üf der Streik* in dort Speisewagen
awischfra,' kfnrt (Mai n ) uni tis. f®ei' s r-K4ibr:sa —
Lujt* ih b h f Tf i er und C obUiuEh eh 150 fihütfc d jä ny ue
Bimlchttifig *?fut der Rpretke :x^?s*fchen Avfieo^ltt bi>i
: Wag 5^h ■ rtach : und v op SU d d^Utstlhl ä h 4j dyA^^iiM.chen. - #n
■PiUiB ■ uri'd . Peaeh
Patenfttmu Mit ' Abblldutigeß. Vetlmg von H-. Oldftntwtir^if
Münzen hi? d Beri Der Titel dl^ees nta^festeh Gtsethöhttcit <w
• wird th. w«ilftct Kfoiaeh .der Ä.- Fra^g®'
Aüslöetnt ^Giht ä* aoth SpuTua des dt«: i«)»
dhdt daae ihnen meht fltehoö einer der aaMlofteh Öoetfvefiir»dti«r
geföl^ lyireyi^ tfad demjoeh äat »« deih YeKTfaaker giltätiifeit,
dem ^ytmrhsckl j chutert der Men acheja*^ ilne aeub 3*4* ^Bjwijga-
wrttneö^ Mt b'tshef in ab Behllessender Fdrm n^efe nleh< ipcyrüi^^
dijgi v^urde. Der IhhMt de» Aigenardgen Buichea bildet
überaus: Wertvolle Erigän^tjng d«r Ifehhmis der F^iy^ünÜebk^it
des Bichterfüreteii» eine DitraieHtmg der rtdehea luid vieleelltgfes
BwehUhgen, in de^en dietief »eit seühef früheetön Jogrend. bi«
KJ den letzten T^ifen ^eth4» ^s^ghoten Pabcoe «ti d«tJ i
d li k ii V e n W i »e n e ch a I f «a . ti n d d e r « h pr^t.li;t(e cta.« f
Ah wend h rif geetao d e n ln der Äuffnte^hog
gr0f4»ei> Menge uberwiegt der dichten^clae Kuhm Goethe» ih mo
httbem MjtS3c> dius es für viele eine ÜeberrAschang bildete wenn
sie yor die Tatsache gesteUt Werden> das« Jenef crfblgrdldi «t#
Vorsitzen der der Sachsen-Woimftr^cben BargböU-t WÄfi4erb»u-
nnd Wegebau-Kommiasibh gewirkt hat, da^ tä«r jKftndfg«
bahtechniachc Berater seia«& fürisöiohea Fr^undesi Auguat
geweüeo und dass er «iJs obfireter LAüdf; der ifSf*ßanrii«il
un m ine Lbare h A hht.alien fdr Wisaenscbalt Ruftikb miäi deo
Grebieten der Chetnie> der Physik^ de® gewerbUcheh Uof6fri<xhta
mit fast überVn e-nschli ch ci ^yua*feht eiu« TiUcSh^lt atlageübl
hat,. 'die we it.,. ü b fe r;, d it ■ ’ üben ftr;.'.-' 4® r ,.■■ Sa ehsftn - elm »rachdiz
Lande hltraasfitrahRe, Zweifeilos bilden d^e T,^ut|eg:eneh Spuretl
Goethes^^ eihe hoch biaebiepiäwerte Ertcbcin(ing auf deoa weiten
Gebieie. detV Gvethclibt^furV/
,, ' .des : t44i»kti;<>nbltkii ■ Teile** •'
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■ wcfer'jftJ. 3 *^? ^Äir 4 iit'w(>iHi,hca Ift-t.dito.ilik^iu^.T^iJ i J 4 a»t äe(iiiwÄeh.ee
ia fJtisReMot-f ; fJHf iteJüi yinKcfaÄfiiiLÜair uad TiU iter ;Äfiade#^
Mtbtlcbteftj; Di ili» DittWjber
»tr * j is^ ia ifti |pii$ ^ föT jä eh Aiü ftige Btä S r li a n g ö r k ii 0 [iaa*l)Serf,
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iftt, 4(er MAihe?rci^ P^y^ik^ Chemie und ku dereh AnwtödtJdf
in der Teebnikj suiö fechnwcbehi UAtoiricht und 4 tüm Patehi^
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Triberg.
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fiFHtrUiil« E«ft»lliaksltl|b1iAhk* T«jBph SS,
iliipatfyPeospakte aitf TörlftBgtm. ^ Bod^lj Sfkl
Kau£afu 5 «
t)om 28.2lpril bt$ 29. IHol (9^ mit beut
DoppebSc^vaubenbampfet (b 1 e$n)i
nach bem öjtltcben Ulittelmeer, bem Scbtoarsen Uleer unb bem Kaufafu$
Beginn nnb (Enbe ber $abtt in (5enna
greife v^u 2natf( SOO*— an
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tfd^e V Cloy^ ^iviitcn
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unb Königl. Ifoftbeoter
= IDeltbefonntes =
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unb Kbnigl. Qoftbeater
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n)obnungen
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zu beiden Seiten des von bemerkenswerten Brücken überspannten herrlichen Rheinstroms, Sitz eines Kardinal-
Erzbischofs und hoher Reichs- und Staatsbehörden, bedeutende Festungs- und Garnisonstadt, mit interessanten
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Unternehmungen; beste und ausgedehnteste Ansiedlungsmöglichkeit für jegliche Industrie in besonderen Industrie¬
quartieren mit Wasser- und Bahnanschluß. — Ausgangs- und Endpunkt der HlieiiidaiiipfMoliifre ; herrliche
Rheinfahrten auf behaglich ausgestatteten Dampfern zum Siebengebirge (Bonn, Köuigswinter, Rolaiulseck), einer
der schönsten Gegenden der Welt. Lohnende Wanderungen in das waldreiche Eifelgebiet, das liebliche Ahrtal
und auf der rechten Rheinseite ins Bergische Land. — Durchaus modern eiitnioUeltcs twcineinwesen.
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Meisterwerke der romanischen, gotischen und neuzeitlichen Baukunst geben einen lehrreichen Überblick über
die Entwickelung aller Baustile bis in die neueste Zeit. Der Kölner Dom mit den himmelanstrebenden 160 m
hohen Türmen ist das größte und schönste Gotteshaus der Welt; sehenswürdig daneben St. Gereon, St. Maria
im Kapitol, St. Martin, St. Aposteln, St. Maria Himmelfahrt u. a. m. — mit kostbaren Kunstschätzen,
Bildwerken der holländischen, vlämisohen, spanischen, der altkölnischen Schule und moderner Meister. Reiche
Sammlungen römischer Gläser, Gefäße, Bronzen, Architekturen. Historisches, prähistorisches und Diözesan-
Museum, Museum für Völkerkunde, kunstgewerbliche Sammlungen (Sammlung Schnütgen). — l>eiiliiiiHler
sehenswerter Art im Innern der Stadt und auf den Ringstraßen. — Theater I. Itaiig^es: Opernhaus,
Schauspielhaus, Deutsches Theater, Metropol-Theater, Darstellungen mit ersten Kräften. Theaterfestspiele im
Monat Juni mit auserlesenen ersten Künstlern. Varietes und Kinemas. — kleben auf künstlerisch
höchster Stufe, Musikschule, Rheinische Musikfeste, weltberühmte Konzei te des Gürzenich-Orchesters und
Gürzenich-Chores, wie des Kölner Männergesangvereins. — Seluileii für Elementar-, Real- und Gymnasial¬
bildung, Priosterseminar, Handelshochschule, Maschinenbau- und Baugewerkschule, Kunst- und Handwerker-
Fortbildungsschulen, städtische höhere Mädchenschulen, Archiv, Stadtbibliothek. — Große, neue städtische
liraiikoiiaiiMtaltoii, Akademie für praktische Medizin. Vorzügliche Wasserversorgung; vorbildliche Ent¬
wässerungsanlagen. Der Gesundheitszustand der Bevölkerung ist vortrefflich; geringe Sterblichkeit. — Geselliges
Leben in vornehmer Art, altberüliuitor Karneval mit dem KoNeiiiiiontag:NKiij;e, Maskenbälle
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weltbekannte Radrennen, Schießplatz, Ruder-, Segel-, Motors])ort, Luftballon-Freifahrten, Luftschiffhafen und
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Sehenswürdigkeiten und Veranstaltungen, die den Aufenthalt überaus angenehm gestalten, und seines rege
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Zeitschrift für Helmotkunde und Helmntliebe
Orsnn für die deutschen Verkehrs-Interessen
Das Rathaus zu Aachen
SONDER-NUMMER AACHEN,
herausgegeben unter Mitwirkung der Städtischen
Kurdirektion und des Aachener Verkehrs-Vereins
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\ Doi^er ' ' —-
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Folkestone""'-^^ \
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Frankfurt (Main) Hbf. ab
Mainz .„
Coblenz.„
Bonn.„
Cöln.„
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^^iederlahnstein . . „
Cöln.„
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858 1056 316 2)
1040 1-J31 441^
142 31*012.;
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Calais Hafen*
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Brüssel Nord* . „ —I , txo522^
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552 tco ^-bß"!! _ -2 _ 1
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Mecheln* . . . ,
Brüssel Nord* . ,
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552 ^) 3^*5 —I — I Mecheln* . . . „ | f
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348»® 3907 ®® 3 ^:^ 945 ^ Herbesthal § . . „ 2*5^ Goo^.
! ab FÖlkestönTlVorab BÖuiö‘gne''coo. I Aachen Hbf. . . anllU075S =9^55 ■IHä lOO^s Aachen Hbf. . an 24>- QiJs
Die Dampfer verkehren täglieh. die Uber Antwerpen nur Werktags. — Zeitwechsel in Herbesthal: Westeiirop. Zeit (W. E. Z.) l Stunde nach gegen Mitteleurop.
Zeit(M. E. Z.). — Züllabferiigung von England: in Herbesthal. Direkt eingeschriebenes Oep.ick von England nach Deutschland wird in Belgien nicht revidiert.
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43 O 0 * 1100 =
8aari»rücken ab 6‘*5 12241 3 ^
Metz ... ab 626 1202
Luxemburg „ T®* 124i^ 6£0
Trier .... ab 836 155 7 ^
Gerolstein . „ lü06 310 9 ^
Aachen Hbf. an 2^6 525 1226
(•) ül»er Antwerpen
LondonLiverp.Str.*ab Hi2 ^
Harwich* ..... lOi» o
„ 948»®‘ 3907 ®® 9^5^. Herbesthal § .
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Ostende —Brüssel—An tweipen —Aachen
Ostende* . . ab
Brüssel Nord* . „
Antwerpen Hbf.* „
Mecheln* . . . „
Lüttich* . . . „
Herboslhal § . . „
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7 i 36 b| 7 ^bi >5
921^15 918^1 948^. 1024^
9485 J 9375 110075 104 . 6 ^
ab Antwerpen Süd. ♦ ab Ostende Quai
Berlin—Aachen
Berlin Friedr, Str. ab
Magdeburg.
Braunschweig . . „
Hannover . . . . „
Essen.„
Düsseldorf . . . . „
Aachen Hbf. . . .an
8005
859
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9251
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• ab Potsd. Bf. ♦ über Cöln. ♦ über Halberstadt— Hildesheini—Soest.
J über Halberstadt— Soest—Elberfeld.
ab i 626^ a| 9481 254 ^
Amsterdam — Rotterdam—Haag-
Aachen
Haagt . 626 u a 948 254i
Rotterdam Maast . „ ®. 2 ^ 747 «.^ 952 258 ;
Amsterdam C. S.f „ 6^5^® 10^5 303 J
Utrechtt.„ 7io^| 1105 404-
Arnbeimt . . . . „ ^2 909^^^ 1207 52 I 1
Mastrichtf . . . . „ . 03 1248:? a 4i7 8 ^’
Aachen Hbf.§
®.2^747^.^
645 ^® 100
12071 521 ti
417 8 ^^
2385 ^ 605110395
Zollabfertigung findet statt: belgischerseits in Erquelinnes, deutscherseits
in Herbesthal; jedoch wird bei Schnellzügen zollfreies Handgepäck in den
Wagenabtellen abgefertigt und ist geöffnet bereit zu halten. Das aus Frank¬
reich nach Deutschland eingeschriebene Geplick wird in Belgien nicht revidiert.
— Zeitwechsel in Verviers: Mitteleuropäische Zeit (.M. E. Z.) gegen West-
eiiropllische Zeit (W. E. Z.) 1 Stunde vor; in Jenraont: Westeuropäische Zeit
(W. E. Z.) gegen Pariser Zeit (Par. Z.) 5 Minuten vor.
Bresden— Leipzig— Aaclien
Dresden Hbf. .ab 3ji 800 1035 400 "^lo"«
Leipzig B. Bf. . „ • 7 ioll 036 1 259 946 ®
Magdeburg . . „ ^1 1243 059 1124 12i6^
Hannover . . . „ | 346 ♦ | IM ♦ | tö
Düsseldorf . . „ 6 I 6 835 j 644 827^.
Aachen Hbf. . an 705 l(j29 1006 838 10235
• ab Leipzig Thür. Bf. ♦ über Erfurt—Cassel—
Hagen, t über Halberstadt—Hildesheim—
Soest —Cöln. ♦ über Halberstadt—Soest.
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Herbesihal §
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810
145
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150
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AACHEN
ALS GELEITWORT
von Oberbürgermeister Veltman.
□ Aachens Bedeutung beruhte im Mittelalter darauf,
dafz es als Lieblings-Residenz und Grabstätte Karls
des Grofzen jahrhundertelang die Krönungsstadt der
deutschen Kaiser war. In neuerer Zeit konnte sich die
Stadt einer solchen überragenden politischen Stellung
nicht mehr erfreuen. Dafz sie sich trotzdem zur an¬
gesehenen und wirtschaftlich bedeutungsvollen Grofz-
stadt zu entwickeln vermochte, verdankt sie dem Ge¬
meinsinn und rastlos schaffenden Gewerbefleifz ihrer
Bürgerschaft, der reizvollen waldreichen Umgebung, den
heilkräftigen Thermen und nicht zuletzt dem Umstande,
dafz sie Sitz einer technischen Hochschule und damit
ein Mittelpunkt der wissenschaftlichen Technik wurde,
a Ich erblicke die hauptsächlichste Aufgabe der Ver¬
waltung der Stadt darin, dem tatkräftigen Gewerbefleifz
die Grundlagen zur weiteren Entwickelung zu schaffen,
dabei aber immer darauf Bedacht zu nehmen, dafz
die Spuren der grofzen Vergangenheit erhalten werden
und Aachen eine schöne Stadt sowie ein angenehmer
D und gesunder Aufenthaltsort bleibt. o
:
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DEUTSCHLAND
Zeitschrift für Heimatkunde und Heimatliebe
Organ für die deutschen Verkehrs-Interessen □ Amtliche Zeitschrift des Bundes Deutscher
Verkehrs-Vereine o Mitbegründet durch den Internationalen Hotelbesitzer-Verein e. V., Köln
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X Bezugspreis für Deutschland J
X und Oesterreich-Ungarn 6 M., X
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X Ausland TO M. pro Jahr zuzügl. X
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Amtliches Organ des Rheinischen Verkehrs-Vereins,
des Sächsischen Verkehrs-Verbandes,
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und des Verbandes der Verkehrs-Vereine Westfalens.
Druck und Verlag: Düsseldorfer Verlags - Anstalt A.-G.
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Nr. 15
Düsseldorf • März 1912
II. Jahrg.
Aus Aachens Vergangenheit.
Von Dr. W. Brüning.
Wie haben Natur, Geschichte und Kunst das schöne
Rheinland ausgezeichnet und beglückt! So kann es in
Wahrheit als kostbarster Edelstein in der deutschen
Krone gelten. Und wer den Blick rückwärts lenkt in
zweitausendjährige Vergangenheit, der gedenkt zunächst
der „alten Kaiserstadt"; denn sie gehört zu den ersten be-
deutungsvollenSchau-
plätzen derMenschen-
Geschichte auf ger¬
manischer Erde. Hier
dröhnte der Marsch¬
tritt der Legionen, mit
denen Cäsar den wil¬
den Keltenstamm der
Eburonen vernichtete
und die zugleich die
Boten einer wertvol¬
len Kultur wurden.
Diese Soldaten ent¬
falteten damals eine
dorf- und städtegrün¬
dende Tätigkeit, ähnlich wie im frühen Mittelalter für
ganz Deutschland die Benediktinermönche. Die Aquae
Granni sind nicht bloß ein Badeort, sondern auch ein
Handelsplatz gewesen, dessen Bedeutung die zahlreichen
Römerfunde beweisen. Auch hier hat eine Kultur ge¬
blüht, die Freude fand an behaglicher und schöner
Gestaltung des äußern Daseins: Wasserleitungen wurden
angelegt. Bauten aufgeführt mit Wandmalereien und
Mosaikböden, stilvolle Möbel und Geräte schmückten
die Räumlichkeiten, Blumen und Ziersträucher aus fernen
Landen umgaben das Haus, in einer Gegend, deren
Bewohner bisher noch nicht gelernt hatten, an solchen
Dingen Gefallen zu finden. Die Regierung einer Anzahl
trefflicher Kaiser aus den Familien der Flavier und
Antonine brachten den hier angesiedelten Ubiern Friede
und Gedeihen, bis um die Mitte des 5. Jahrhunderts die
Ripuarier dem Römertum ein Ende bereiteten. Auch
in Aachen setzten sie sich fest, denn sie wandten sich
stets dahin, wo die Wohlhabenheit der Bewohner gute
Beute versprach.
Die ersten Germanen, die mit den Römern kämpften,
hatten eine städtezerstörende Tendenz. Sie vernichteten
sie als „Bollwerke der Unterdrückung". „Vor Städten,"
sagt Ammianus Marcellinus, „hatten sie ein Grauen,
wie vor Löchern, die mit Netzen umstellt". Die Franken
gingen schon in anderer Weise vor. Sie richteten sich
darauf ein, in dem
eroberten Lande zu
bleiben und benutzten
die römischen Städte
und Kastelle als Stütz¬
punkte. So werden
denn die Ripuarier
auch das römische
Aachen nicht zerstört
haben. Ein Städtevolk
waren sie aber trotz¬
dem nicht, sie be¬
gnügten sich mit Sie-
(lelung und Ackerbau
im freien Lande. Sie
fanden hier nicht nur überall fruchtbaren Ackerboden,
sondern auch schon reich angebaute Distrikte. Ihre
Siedelungsweise war die echt germanische der Einzel¬
höfe, auf die das Wort des Tacitus paßt: „Colunt discreti
ac diversi, ut fons, ut campus, ut nemus placuit". Wir
können uns von den Zuständen dieser rein agrarischen
Epoche wohl ein ziemlich anschauliches Bild entwerfen,
aber von Aachen als Ort wissen wir während derselben
nichts. Die Merowinger, die keine Meister in der Archi¬
tektur waren, haben sich wohl mit den Römerbauten
begnügt, die sie an der Stelle des heutigen Rathauses
und auf dem Chorusplatz vorfanden. Aus dem jahr¬
hundertelangen Dunkel taucht Aachen erst 765 hervor,
in welchem Jahre Pipin der Kleine hier die Feier des
Weihnachtsfestes beging. Man kann daraus schließen,
daß ein der Zeit angemessener, nicht unbedeutender
Palast- und Kirchenbau hier vorhanden gewesen ist.
Mit der Feier der hohen Kirchenfeste, die in offizieller
Oeffentlichkeit sich vollzogen, waren große Hoftage
und Empfang fremder Gesandtschaften verbunden. Die
716 DEUTSCHLAND Nr. 15
Ursachen der Aufrichtung einer Pfalz in Aachen bildeten
die warmen Quellen, die klimatisch geschützte Lage
in dem stillen Tal und der Wildreichtum der nahen
Waldberge, der Ausläufer des Jagdreviers der Ardennen,
die als solches neben Odenwald und Spessart für die
fürstlichen Waidmänner des Mittelalters eine Haupt¬
anziehungskraft besaßen. Für den Sohn Pipins des
Kleinen wird aber wohl noch ein
andrer Grund bestimmend gewesen
sein, seine Residenz nicht in Paris
oder Metz oder Trier, sondern in
Aachen zu nehmen. Dies gewährte
ihm eine leichteVerbindung mit dem
Wiegenlande seines Geschlechts an
der mittleren Maas,
und außerdem hatte
Aachen in bezug auf
den Verbreitungs¬
kreis seiner wichtig¬
sten Kriegsunter¬
nehmungen, welche
er von vornherein
voraussehen konnte,
eine zentrale Lage:
er war hier den Mün¬
dungen der Ruhr und
Lippe nahe, die ihm
als Einbruchsstation
in das Innere von
Sachsen dienten;
dem Rheintal, das
ihn nach Süd¬
deutschland, und der
Sambre - Maaslinie,
die ihn nach Frank¬
reich führte.
Das Baugenie
Karls des Großen,
dessen Auge sich an
denMonumenten auf
italienischem Boden
erfreut und gebildet
hatte, schuf auf
zum Teil römischen
Fundamenten und
im Mittelpunkt des
ehemaligen Römer-
kastellsdie neuePfalz
mit ihren Neben¬
bauten und das Münster. Staunend berichten uns die Zeit¬
genossen von diesen Werken, von denen das Oktogon
des Doms auch auf den heutigen Beschauer noch
einen wahrhaft großen und ehrwürdigen Eindruck macht.
„Der christlichen Religion, zu der er von Jugend auf
angeleitet worden, war Karl mit Ehrfurcht und frommer
Liebe zugetan", sagt Einhard von seinem kaiserlichen
Herrn und Freund. „Darum erbaute er auch das herr¬
liche Gotteshaus zu Aachen und schmückte es mit
Gold und Silber, und mit Leuchtern und mit ehernen
Gittern und Türen. Da er die Säulen und den Marmor
für die Kirche anderswoher nicht bekommen konnte,
ließ er sie aus Rom und Ravenna herbeischaffen."
In dieser seiner Lieblingskirche weilte Karl oft, wenn
er schlachtenmüde nach Aachen heimkehrte. Kein
Heiliger zwar, aber erfüllt von der Sehnsucht nach
Gottesfriede und deshalb ein wahrhaft frommer Mann,
fand er in der Religion Trost und Erhebung: Trost für
manches Lebensleid, das er sich selbst zufügte und von
anderen zu erdulden hatte, und Erhebung und Kraft zu
den Taten, die seine Erscheinung zur
bewunderungswürdigsten der deut-
schenGeschichtemachen. Erkonnte
sich zu dieser Vollkommenheit
emporringen, weil seinem Wesen
eine sonst nie erreichte Harmonie
eignete, eine in ihrer Innigkeit nur
selten gestörte Ver-
bindungvon höchster
Vernunft und uner-
schütterlicherSeelen-
größe. Mit förmlich
mystischem Ver¬
senken in seine
Persönlichkeit hat
die mittelalterliche
Menschheit Karl den
Großen zu erfassen
versucht. Sein Name
verlieh Aachen für
die Zeit des Mittel¬
alters eine ideale
Bedeutung und ein
Ansehen, die sie
über jede Stadt des
Abendlandes außer
Rom weit hinaus¬
hoben. So konnte
Friedrich Barbarossa
bekunden: „ Aquis-
granum omnes pro-
vincias et civitates
dignitatis et honoris
prerogati va precellit."
(Dipl. Frid. I. Imp.)
Aachen wurde
auch der Mittelpunkt
des, wie Wattenbach
sagt, großartigen
Umschwungs, den
Karls Bemühungen
in der wissenschaft¬
lichen Bildung des Abendlandes bewirkten. Wir brauchen
nur an drei Mitglieder seines wissenschaftlichen Freundes¬
kreises zu erinnern, an Alkuin, Paulus Diaconus und
Einhard. Der letztere war nicht nur der gelehrteste Mann
seiner Zeit, der als solcher das beliebteste und gelesenste
Buch des ganzen Mittelalters, Kaiser Karls Leben, schrieb,
sondern auch der umsichtige Minister der öffentlichen
Arbeiten; er hatte die Bauten, die der Kaiser unter¬
nahm, auszuführen und zu leiten, auch die in Aachen.
Von der Größe des Palastes gibt die Erwägung eine
Vorstellung, daß nicht nur der Kaiser nebst allem, was
zu dessen Hof gehörte, in ihm wohnte, sondern daß auch
die Mitglieder der vielen Gesandtschaften, alle fürst-
Aachen: Marschiertor
Nr. 15 DEUTSCHLAND 717
liehen Personen, die Bischöfe und vornehmeren Diener
der Kirche und des Staates, die fortwährend in großer
Anzahl aus ihren nahen und fernen Provinzen nach
Aachen berufen wurden, Raum darin fanden. Und ein
reicher wirtschaftlicher Segen breitete sich über die
Lande aus, die Karls sieghaftes Schwert errungen hatte.
So wurde er der Schöpfer deutscher Kultur, ein Segen¬
spender für viele Jahrhunderte.
Wie klagte und trauerte die Menschheit, als er,
zu früh trotz seiner 72 Jahre, am 28. Januar 814 ins
Grab sank. Aber dieses Kaisergrab erhob Aachen zu
der politischen Bedeutung, die es als Krönungsstätte
der deutschen Könige in der Geschichte des Mittel¬
alters besitzt. In der Kirche, deren Steingewölbe den
Leichnam des großen Kaisers umschloß, mußte der
vom deutschen Volk gekürte Mann die „Sedes regia"
auf dem Hochmünster, wo sie schon zu Karls Zeit
gestanden, besteigen, bevor er seine Königsrechte aus¬
zuüben vermochte. Wem Aachen, wie Otto IV. und
Ruprecht von der Pfalz, den Zutritt zu der sedes regia
verwehrte, der war nur dem Namen nach König. Als
Hüterin dieses Königsstuhles und der Reichskleinodien,
die das Krönungsstift in Verwahrsam hatte, war Aachen
die bevorzugteste Stadt im Reich, und die Könige
wetteiferten mit einander, sie mit großen Rechten und
Freiheiten auszustatten. Aachen wurde durch die
Krönungen nicht bloß die Stätte, wo sich der für das
alte Reich wichtigste staatsrechtliche Akt vollzog, den
jedermann mit gespanntem Interesse verfolgte und
gleichsam wie ein allgemeines Reichsfest feierte, sondern
auch der Ort, der die glänzendsten Versammlungen
der Notabilitäten aller Länder in seinen Mauern sah.
Begeistert erzählen uns die Chronisten, wie den König
auf seiner letzten Wegstrecke von Düren bis Aachen
jedesmal eine so große Menge Volkes umwogte, daß
man sie nicht zählen konnte. Tag und Nacht wurden
dann die Straßen nicht leer von Reitern und Fu߬
gängern. Auch die Schar der eigentlichen Begleiter
des Königs, der Kurfürsten, Bischöfe, Aebte und
anderen Prälaten, der Herzöge, Grafen, Freiherren,
Ritter und Knechte und der Vertreter der Städte wurde
auf den letzten Tagesmärschen noch immer vermehrt,
so daß es stets ein überaus stattlicher und farben¬
prächtiger Zug war, dem sich die Tore der Krönungs¬
stadt öffneten. Auch hervorragende Persönlichkeiten
des Auslandes, besonders Frankreichs und Englands,
pflegten an derFeier teilzunehmen. Sinnvolle Gebräuche,
Spiele und Gaben an das Volk machten die Krönung
auch zu einem Fest für die gesamte Bürgerschaft
Aachens und die Menge des fahrenden Volkes.
Otto der Große war nach Ludwig dem Frommen
der erste deutsche König, der die sedes regia be¬
stieg. Die Ottonen zeigten überhaupt eine große Vor¬
liebe für die Stadt Aachen und sie hoben sein Ansehen
sehr, zumal Kaiser Otto III., der auch im Münster
seine Ruhestätte fand. Im ganzen beläuft sich die
Zahl der in Aachen gekrönten Könige von Ludwig
bis auf Ferdinand I., also von 813 bis 1531, auf 32.
Aachener Münster; Südseite (Nach einer mehrfarbigen Lithographie von K. J. Gollrad)
718 DEUTSCHLAND Nr. 15
In erster Reihe verdankte Aachen seiner Eigenschaft
als „Sedes regni principalis" und ,,Prima regum curia"
die Entwicklung zur verhältnismäßig großen und an¬
gesehenen freien Reichsstadt. Von Westen her, vom
frühreifen Belgien, kam der
Anstoß zur Entwicklung als
Industriestadt. Und so trat
auch hier das Element ins
Leben, auf dem die ganze
neue Zeit sich aufbaut, das
Element allgemeinen Fort¬
schritts, das Bürgertum. Es
schuf den Reichtum, mit
dem im 14. Jahrhundert auf
der Stätte der verfallenen
Pfalz das mächtige Rathaus
errichtet wurde. Auch der
Bau des vielbewunderten
Münsterchors gehört diesem
ruhmwürdigsten Jahrhun¬
dert reichsstädtischer Ver¬
gangenheit an. Aachen
hatte sich damals erheblich
erweitert, und es war um
die im Jahre 1175 befestigte
Mittelstadt eine förmliche
Außenstadt entstanden, die
gleichfalls in dieser Periode
nie mehr übertroffener Bau¬
tätigkeit mit Mauern und
Torburgen umgeben wurde, von denen das Pont- und
Marschiertor als stattliche Reste sich erhalten haben.
Die Einwohnerzahl des mittelalterlichen Aachen erreichte
damals gleichfalls ihren Höhepunkt. Das 14. Jahrhundert
war eben eine nach allen Richtungen hin lobenswerte
Periode. Und wie hatte das Bürgertum zu kämpfen,
um zu dieser Blüte zu gelangen! Aber es brachte
fertig, was es wollte. Nicht zuletzt deshalb, weil es
stets wußte, was
es wollte. Es war
tatkräftig und stolz,
mutig und klug
und voraussichtig.
Es sah Jahrhun¬
derte weit. Aeußere
Gegnerwurden mit
bewaffneter Faust
niedergerungen
oder durch diplo¬
matische Gewandt¬
heit unschädlich
gemacht. Im Innern
gabesauchKämpfe
genug; aber sie
stählten gleichfalls
nur die Intensität
der Kraft. Wie jene
Zeit, so waren auch
ihre Männer. Ich
nenne zwei von
ihnen : den Ritter
Gerhard Chorus,
dessen Name nächst jenem Karls des Großen bis heute
in Aachen der volkstümlichste geblieben ist, und Johann
von Punt, der in den Jahren 1372 bis 1385 sechsmal
an der Spitze der reichsstädtischen Verwaltung stand,
der streitbarste undkampfes-
mutigste unter den Bürger¬
meistern Alt-Aachens. Enea
Silvio de' Piccolmini, als
Pius II. einer der gelehr¬
testen und einflußreichsten
Päpste, staunte auf seiner
Reise durch Deutschland,
die ihn im Jahre 1435 auch
nach Aachen führte, über die
großzügige Anlage und die
architektonische Schönheit
der Städte, obwohl sein
Auge durch die Pracht der
italienischen Weltstädte wie
Rom, Venedig und Florenz
gewiß verwöhnt war. „Wo
ist ein deutsches Gasthaus",
ruft Piccolmini aus, „wo man
nicht auf Silber äße, wo eine
bürgerliche Frau, die nicht
vom Golde schimmerte?"
Im 16. und 17. Jahrhun¬
dert wurde die Stadt von
schweren, durch unaufhör¬
liche Kriegsdrangsale noch
verschärften Schicksalsschlägen getroffen, die sie aber
dank der unerschütterlichen Heimatsliebe und zähen
Ausdauer ihrer Bürgerschaft überwand. Und immer
blieb Aachen für die abendländische Menschheit das
Ziel frommer Sehnsucht, die in den Heiligtumsfahrten oft
mit überwältigender Großartigkeit zum Ausdruck kam.
Geistige Anregung sowie materielle Wohlfahrt ging in
Fülle aus dem Zusammenfluß der Völker am Aachener
Münster hervor.
Auch bewahrte die
Stadt trotz aller
Not der Zeit stets
eine nicht zu unter¬
schätzende Bedeu¬
tung, und zwar als
Kongreß-undBade-
ort. Hier wurde
i.J.1668 der Friede
zwischen Frank¬
reich und Spanien
abgeschlossen und
80 Jahre später
fand der weit über
Aachens Grenzen
berühmte Kongreß
zur Wiederherstel¬
lung der Eintracht
zwischen Oester¬
reich, Frankreich,
England und den
General - Staaten
statt. Für die vor-
Aachen: Die Kurie Richards von Cornwallis,
das älteste Rathaus der Stadt — heute städtisches Archiv
Der Frankenberg in Aachen (l^hot.: Otto Petermann, Aachen)
Nr. 15 DEUTSCHLAND 719
ffäter-
W''.V-.
^-‘■r -:- -.V
Blick auf Aachen vom Elleterberg- (Federzeichnung- von K. J. Gollrad)
nehme Welt ganz Europas, die häufig durch fürstliche
Persönlichkeiten vertreten wurde, war Aachen ganz
besonders im 18. Jahrhundert der Sammelpunkt, so daß
das hiesige Bad alle andern an Glanz und Bedeutung
übertraf, auch noch im IQ. Jahrhundert; und die Heil¬
kraft der hiesigen Thermalquellen ist bisher von keinem
Bade übertroffen worden.
Die Fremdherrschaft, welche von 17Q4 bis 1814
währte, bereitete der partikularistischen Abgeschlossen¬
heit Aachens, die besonders während der letzten Jahre
ihres Bestehens destruktive Tendenzen aufkommen sah,
das wohlverdiente Ende. Napoleon schuf im Rheinlande
als Gesetzgeber und Organisator gesunde Zustände^
außerdem hob er die Industrie und verschaffte ihr
ein großes Absatzgebiet. Aber seine ewigen Kriege
beraubten Stadt und Land beständig der Jungmannschaft
und ließen deshalb keinen dauernden Segen aufkommen-
An dem Entscheidungskampfe gegen ihn hat das Rhein¬
land rühmlichen Anteil genommen. Als der letzte
Adler des Kriegsfürsten, vor dem ganz Europa hatte
zittern müssen, auf dem Felde von Waterloo in den
Schmutz sank, begann wieder eine neue Zeit. Und sie
brachte unter dem Schutze des Hohenzollernzepters
dem ganzen Rheinlande eine wirtschaftliche Entwicklung,
die in der Weltgeschichte einzig dasteht.
Der beste Maßstab für das Wachsen und Gedeihen
einer Stadt ist die Entwicklung ihrer Bevölkerungs¬
verhältnisse. Beim Beginn der preußischen Herrschaft
hatte Aachen 30000 Einwohner, eine Zahl, die auch
zur Zeit der höchsten mittelalterlichen Blüte kaum erreicht.
geschweige denn überschritten worden war. Und heute ist
Aachen eine opulente Großstadt von 157000 Einwohnern.
In neuer Schöne sind die monumentalen Zeugen
mittelalterlicher Macht und Kultur, vor allem das einer
stolzen Königsburg gleichende Rathaus, erstanden, und
sie grüßten an jenem sonnenfrohen Junitage des Jahres
1Q02 den glanzvollen Vertreter des neuen Imperiums,
unsern geliebten Landesvater Wilhelm II., der wie nur je
einer seiner erhabenen Vorfahren ein Mehrer des Reiches
gewesen ist, „nicht an kriegerischen Eroberungen, sondern
an den Gütern und Gaben des Friedens, auf dem
Gebiete nationaler Wohlfahrt, Freiheit und Gesittung".
Unvergeßlich bleiben jedem Aachener die Worte, die
Wilhelm II. damals im Kaisersaale des Rathauses sprach:
„Wer sollte nicht an die Fügung des Himmels
denken, wenn er die Geschichte der Jahrhunderte
überblickt, die unser Vaterland durchgemacht hat in
der Verbindung mit Aachen? Aachen ist die Wiege
des deutschen Kaisertums; denn hier richtete der
große Karl seine Macht auf, und von seinem Glanze
gewann auch die Stadt Aachen einen Widerschein."
Und mit Stolz und Genugtuung mußten uns die
Schlußworte jener denkwürdigen Rede erfüllen:
„Ich trinke auf das Wohl der Stadt Aachen in
der festen Ueberzeugung, daß die Worte, die ich
gesprochen, in ihr einen guten Boden finden, wie es
mich ja auch, was ich heute von der Bürgerschaft
dieser Stadt, alt und jung, gesehen habe, sicher macht,
daß auch in der Zukunft in ihren Mauern unser Haus
und unser Thron eine feste Stütze finden wirdi"
Die Aachener Landschaft.
Von Hermann Ritter.
Kaiserstadt am Waldesrande — der Name will mir als
treffendste Bezeichnung Aachens erscheinen. Eine Stadt der
Bäder, der Fakriken, dürfte ebenfalls die alte Siedlung heißen.
Doch käme eine solche Benennung nur als Untertitel in Frage,
denn Geschichte und Umgebung haben dem Angesichte der
Stadt die charakteristischen, unverwischbaren Züge verliehen.
die dem Fremden sofort erkennbar werden, wenn er den Ort
auch nur flüchtig berührt. Natur und Geschichte schaffen
und erhalten Aachen trotz aller modernen Entwicklung jenen
Zauber, jene köstliche Eigenart, welche die Stadt vor allen
rheinischen Großstädten auszeichnet. Keine rheinische Gro߬
stadt erscheint so verwachsen mit ihrer landschaftlichen
?2e N?^ 13
Um^bting wie Äacbsri. • Abgeseberi von - den GTößstädf.eri. im Nerdeh der Sladt, der höchste von drei Ei^ebungen* die
öTt <]et VetkeHY5Streß«r leUrt keirie mi! so «n*’: Hjat der Kreidj^eU
iflutö(ib^i :i m I-1 fJek 0 ^nf i h f e Ltjnds c; h tjft d i e Sd pst^ v ipi nfen 3 ni?>FtficKe _t ehdfike -
v^ers I«rtdj t<Hk ^i% f,ifn d jda<!i N^ft Ufr 1 bk e i t dv rer J:!itsiti&h u r^g- im d A11 e d rei v^i n Hg r 1 w^t ff« 9h Siid’&sl str^^ieKi^ndei) HügeJriiaken
ihres '^CvacbsUiTti^v Diese jjjg.en^d frische N^^irurljt:hk<?U^ j^irv bfets?^n herrliche die fOrdea Sesucbar ,ein
zwäiigjcjses^ Aufgeheo mid Hirremlelje'ni irt die g^'getjen^^h lohdsc)ifti>Jjrb^,Ö^njie%ns^: d6rsielb>A^^ tmiere der
Pofrnen ßhier xum Städteha« 11 nd sJÄdtis ch er BatdtIüng Wiagett'^beschi feßt rnil p ra^h ii gen AtiI4^*^ irt\terer
gesdrüffenen Land^thürt bßiben die Rtnxe ^rhab^ Teü d^^» Geböude des Mariohilf ähh die
dW ^^ndeitTi r4r(?hdfedic-h^ %md^ scbfjttJgen Pronienadehstrüßen^ die m e^ner; 'von
Sc Kd n t r eit üi \ d Po rrs m t erv e ins t M cto W i hf er ml A ^ Kji e met^r vi>m K ^4 s e-Tpl uiz bi s rti J e g
KörolKiger ^i;v däh HiJgel in Talmaldef ab dem in der cfe äußeren StödtgrSberi bezeichnen
Vortreir dm R^mer Uire Bädier erhfi^ V^or ahmn Ibg -E^bnim^a ond Rluinonbeden ein hes<>n(5ers
dos r>f)ebe^ TrboMbare Lai>d, üict Ktirb wd der Badestöd^ siKnK mif
A biftr h K vt^T i \ m s\ legr de r U' ti! d anf, der rb^ si g e Ber|r for^ i rj u rcJi ei a v i n. o Bsie btbs < zur
1 h? r A njebnenj m de m si b ih bij 1 \rr a j d^ bV^4 H dhe ' Qb^rv^iionbmtfj J^y 4^sv-Be -r
VVddmabhyu^t üUijirb^^K^ kminU'n; ;2 :ü tWbi e<: da Prnnkenhyrt !f<e;hairer
ilundikh tttid deK ln r^zvjg, W^idesro11 nd Wejrl^ d n;sici 1 ib^bjr
tnonnslust Tt'^stdleh hier den örü!S*m l^arli l.mßeh iitn in bc'sHtzbr dv:n mit
- . . - . - . . - - - ve^j^^mieden i^eferttitba
A^idu nnr Stadi^^inen: Bmch^himn haH
AmHtert: die fKuiptsUidt des Abendlamles nrtW:i>h?ai dbri in AhilrücK^fb eiMrungen aMyt Weniger^
j^iitmürd^chmi^ Brnpiindenr nicht, aas BrWögubgeri^ uddif Spc‘?:ie?i Ptionzfi'n ^rntJ etwa 5000 Insekte^ gefbnddi
722 DEUTSCHLAND Nr. 15
plateaus. Sie wurde von Tranchot 1804 zur Bewahrung der
von ihm gemachten Ortsbestimmungen erbaut. Von hier aus
hat man die beste Aussicht, einen Blick, wie ihn nur wenige
Städte in ihrer Nähe bieten können.
In ihrer ganzen Ausdehnung liegt drunten die Stadt
mit dem schiefergau geschuppten, leichtgewellten Riesen¬
rücken ihrer Dächer. Kirchturmspitzen ragen hier und da
und dort aus der großen Häusermasse auf. Hüben und drüben
quillt Baumgrün aus dem Schiefergrau hervor. Gleich den
Bauten einer geweihten Insel schauen das Rathaus mit seinen
beiden hohen Schiefertürmen und das Münster über das
dichtgedrängte Heer der Gebäude. Industriebauten, indu¬
strielles Leben machen sich wenig bemerkbar in der um
Rathaus und Dom gescharten Stadt. Nach Norden und
Nordosten hin im ebenen Lande und auf den zur Ebene
übergehenden Hügelwellen drängen sich ferne Schlote enger
zusammen, Wahrzeichen großer Werke und der Zechen des
Wurmrevieres, deren Rauch von dem fast stets wehenden
Westwinde ostwärts weggeführt wird und die Stadt nicht
berührt. Aber auch in ihren Anlagen erscheinen diese Industrien
keinen Einfluß auf die Stadt und das Landschaftsbild aus¬
zuüben. Weite Wiesenflächen, Teiche, Aecker und Gärten
füllen das nach Norden und zum Industriegebiete hinziehende,
breite Sörser Tal. Frisches Grün zieht in breiten, mit Ge¬
bäuden besetzten, von Gärten durchbrochenen Bändern neben
gewerblichen Anlagen her. Nach Südosten schneidet schnur¬
gerade die 1807 vollendete Trierer Landstraße den Hang der
Brander Höhe in der Richtung nach Cornelimünster, der
anmutigen Klostersiedelung aus den Tagen Ludwigs des
Frommen. Die Höhen ziehen weiter her hinter den die
Doppelstadt überragenden Türmen von Burtscheid, sie ver¬
stärken sich in aufsteigendem Zuge zu Waldbergen, welche
die große Stadt von Südosten nach Südwesten umfassen in
gewaltigem Bogen als hochragender, laubgrüner Rand des
bunten Beckens, in dem die Stadt ruht gleich einer großen,
kostbaren Perle in schimmernder Muschel.
Villen und kleine Gartenreiche steigen von der Stadt auf¬
wärts bis zum Rande des Bergwaldes, zu dem Wege, Prome¬
naden und die Linien elektrischer Bahnen hinführen. Ein
geschlossenes Waldgebiet von über 8 Kilometer Länge und
3 Kilometer Breite ist dieser Aachener Stadtforst, der die große
Mulde zu seinen Füßen gegen die Hochfläche des Limburger
Wiesenlandes und rauhere Winde der Höhe absperrt und
Aachen sein mildes, selten gleichmäßiges Klima erhält. Die
Stadt hat dieses Gelände der waldigen Bergkuppen und ver¬
schwiegenen Waldwiesentäler in einen großen geschlossenen
Waldpark verwandelt, indem sie es nach allen Richtungen
mit breiten, schönen Wegen und Fußpfaden durchzog und
entsprechend beforstete. Die Berge des Aachener Waldes,
die bis 352 Meter aufsteigen, wechseln im äußersten Höhen¬
unterschiede von 170 Meter rasch ab mit mannigfaltig
gestalteten Talschluchten, von denen sich manche dem Wan¬
derer mit entzückendem Ausblick auf ein Stückchen der unten
eingebetteten Kaiserstadt öffnen. Auf den hohen sandigen
Bergköpfen breiten Kiefern ihre dunkelgrünen Nadelbüschel
über hochragendes, lachsfarbiges Geäste. Sie lugen hervor
über das dichte Gezweige des Laubwaldes, über die Gipfel
knorriger Eichen, die von längst vergangenen Tagen erzählen,
unter deren Vorfahren noch das Jagdhorn Karls des Großen
erklang. Breite, wohlgepflegte Fahrwege durchziehen den
Wald der Länge und Breite nach und ermöglichen bequemstes
Erreichen seiner Aussichtspunkte und der an bevorzugten
Stellen schmuck erbauten Restaurationsgebäude. Fußpfade, auf
denen der Wanderer unter hohem Waldesdome voller Finken¬
schmettern die Nahe der Großstadt vergißt, schlängeln sich
über die Höhen und durch die blumengetupften Waldwiesen.
Der höchste Punkt des Waldes, der sogen. „Steinknipp",
wird von einem in mittelalterlichem Stile gehaltenen Aus-
Städtisches Waldhotel im Aachener Stadtwalde
Nr.l5 S^0088e8^^^^^^00^^^g| DEUTSCHLAND 723
sichtsturme gekrönt, den man von allen Seiten hoch über
den Wipfeln hervorblicken sieht und von dessen Höhe man
einen großartigen Rundblick über die Stadt nordwärts ins
Jülicher Land und nach Süden hin bis zum Hohen Venn
genießt. Westwärts an der nahen Landesgrenze birgt der
Forst auch eine geographische Merkwürdigkeit, den sogen.
Dreiländerblick, die Stelle, an der die Königreiche Preußen,
Belgien und Holland Zusammenstößen. Wen's gelüstet, von
hier einmal seine Schritte ins Ausland zu lenken, der pilgert
in der Regel hinunter zu dem schmucken Vaals, dem ersten
holländischen Städtchen, das übrigens auch von Aachen aus
auf direktemWege
mit der elektri¬
schen Bahn in
V 2 Stunde erreicht
werden kann.
Der Aachener
Wald ist das große
Reservoir, aus dem
der Stadtbevölke¬
rung in unversieg¬
barer Fülle Natur¬
freude und Lust am
Wandern zufließt.
Er lockt nicht nur
in seine grünen
Hallen, er lockt
überhaupt hinaus
in die Natur, ins
Gebirge, dem er
vorgelagert ist. An
seine breite, grüne
Borde schließt das
von Hecken durch¬
zogene Land der
Weiden mit den
in grünem Plane
zerstreuten Ort¬
schaften. Hinter
ihm winkt das
Venn mit weiten,
melancholischen
Heiden und sturm¬
zerzausten Wäl¬
dern, mit tiefen
Talschluchten, in
denen sich male¬
rische Städtlein
wie Montjoie und
Malmedy bergen,
an dessen Fuß sich
drüben in Belgien
das heitere, milde
Spa schmiegt, ln
der Nähe ist das
Rurtal mit wildromantischem Berglande, in dem sich der große
Seespiegel der Urfltalsperre versteckt, wo die Ruinen von
Heimbach und Nideggen in ungebärdig rauschendes Berg¬
wasser blicken. Bahnlinien und gute Straßen rücken dies
ganze Bergland in die Nähe der Stadt, ebenso wie das
holländische Nachbargebiet mit dem anmutigen Hügellande
an Geul und Maas und dem einzigen romantischen Bergneste
der Niederlande, dem Burgorte Valkenberg.
Der wanderfrohe Großstädter, der Beine und Lungen von
Kindheit an in Freistunden im Aachener Walde stählte,
benutzt alle diese hinauslaufenden Wege, Bahnen und Klein¬
bahnen nur strekenweise bei seinen weiteren Ausflügen.
Bald verläßt er hier, bald dort den Wagen und dringt mit
Wanderstab und Rucksack seitwärts in das Land ein. Und
schön ist überall das Land, einerlei, ob der Wanderpfad
vorbeiführt an verträumten Dorfidyllen, an grasenden Herden
und leise im Winde singenden Heckenbuchen, an murmelnder
Bachflut, an alten Burgen, schroffen Schieferhängen oder durch
menschenleere, insektendurchsummte Heiden, Bergwälder und
tannenumstellte Wiesenschluchten voll stiller Blumenwunder.
In früheren Jahrzehnten war dieses Durchwandern des
so abwechslungreichen Hinterlandes von Aachen erschwert
wegen mangelnder Verkehrsgelegenheiten. Es lag über¬
haupt weniger im Blute einer Bevölkerung, die, wie die Vor¬
fahren, sich vollauf
genügen ließ an
den reichen Schön¬
heiten in nächster
Nähe der Stadt.
Auf die Erhaltung
dieser an die Stadt
anschließenden
Anlagen und Pro¬
menaden war denn
auch die Verwal¬
tung von jeher und
schon allein in
Rücksicht auf den
Kur-Betrieb be¬
dacht. Mit ihrer ge-
waltigenVergröße-
rungerwuchsender
Stadt hinsichtlich
ihrer Promenaden
neue Aufgaben. Es
galt, nicht nur alte
Naturschönheiten
zu erhalten, son¬
dern sie erweiternd
mit dem Gelände
neu erwachsener
Villen-Viertel zu
verbinden. In welch
geschickter Weise
derartige Verbin¬
dungen von Park¬
gebiet mit ele¬
ganten Außen-
Straßen zustande
gekommen sind,
lehrt recht an¬
schaulich derLous-
berg. Zwischen
die an seinem
sonnigenSüdhange
in der Umgebung
der Nizza-Straße
abgegrenzten Ge¬
bäude- und Gartengrundstücke schiebt sich streifenweise und
bis zum Straßenrande der Rasenteppich und die Vegetation,
die den Hang des Berges deckt, und zieht so um die einzelnen
Besitzungen einen Rahmen, der sie harmonisch in Farben und
Vegetationsformen ihrem Hintergründe anpaßt.
Eine größere Aufgabe dieser Art ist an der Südseite der
Stadt gelöst worden. Hier galt es nicht, einzelne Gebäude
und Straßen in Verbindung mit geschlossenen Baumbeständen
und freier Natur zu bringen, sondern von dem städtischen
Weichbilde eine Anlagenbrücke zum Aachener Walde zu
schlagen. Die etwa 3 Kilometer betragende Strecke zwischen
Stadtstraßen und Waldrand war zwar leicht dank der elektri¬
schen Bahnlinien zu überwinden, jedoch bedeutete es jedenfalls
Rodelbahn im Aachener Stadtwald
724 DEUTSCHLAND Nr. 15
PP^’
Blick auf den Aachener Stadtwald (Federzeichnung- von K. J. Gollrad)
für Einheimische und Kurfremde eine große Annehmlichkeit,
wenn sie den Weg bis zum Waldreiche großenteils zu Fuß
durch schöne Alleen und Anlagen zurücklegen konnten.
Diese erwünschte Brücke zum Walde ist nun geschaffen
worden mit dem Kaiser-Friedrich-Park. In geschmackvoller
Weise sind dabei die gegebenen Verhältnisse ausgenutzt
worden. Der große Hangeweiher, ein für die Aachener Tuch-
fabrikülion wichtiges Sammelbecken, war hier mit schilfigem
Uferland maßgebend für Ausgestaltung und Bepflanzung
des Geländes. Den schönen Wasserspiegel faßte man in eine
malerische Uferlandschaft, über der sich an der einen Seite
breit ausladende Terrassenstufen aus buntblühenden Stauden
und vor dem Hintergründe dunkeier Kastanienbäume erheben.
Entzückend ist von dieser Terrasse der Blick über die Wasser¬
fläche, reizend sind auch die kleineren Szenerien der Park¬
landschaft, die unmerklich aus rein gärtnerischen Anlagen
zu der fast unberührten Waldesnatur übergehen. Fern von
sonnigen Straßen, wo Autos sausen, kann man hier durch
ein blumiges, schattiges Reich wandern, wo alle Wege
schließlich hinüberleiten zu den Wäldern. Der Stadt und
Aachener Wald verbindende Park besitzt außerdem Anlagen
für Schwimm-, Luft- und Sonnenbäder, er bietet Gelegenheit zum
Kahnfahren, Eisläufen und zur Veranstaltung aller Turnspiele.
So hat die Landschaft dem glücklichen Aachen ermög¬
licht, zu einer bedeutenden Stätte deutschen Gewerbefleißes
auszuwachsen und sich dabei jene Fröhlichkeit und Frische zu
erhalten, die dem Fremden angenehm an seiner Bevölkerung
auffällt, die er selbst in den Straßen der Altstadt zu spüren
glaubt und die nur aus dem Zusammenleben und Verwachsen¬
sein der Stadt mit der vielgestaltigen, großen Natur sich erklärt.
Der Kurort Aachen und seine Thermen.
Von Kurdirektor Hey'l.
G es chi ch 11 i ch e s.
Wohl wenige Kurorte dürften auf eine so lange und
ruhmvolle Vergangenheit zurückblicken können wie die Bade¬
stadt Aachen. Karl der Große gilt nach der Volksüberlieferung
nicht nur als der Begründer der „Stadt", sondern auch als der
Entdecker der heißen
Quellen, welche von
ihm durch großartige
Bodeanlagen der all¬
gemeinen Benutzung
zugänglich gemacht
wurden. Langejedoch
vor der wellumgestal-
tenden Wirksamkeit
des in Aachen mit so
unvergänglicher Be¬
geisterung gefeierten
Kaisers Karl, ja bis
in die dunkle Vorzeit
hinein sind die im
Aachener Talkessel
vorbrechenden Ther¬
men von den um¬
wohnenden Stämmen
der Kellen und Ger¬
manen gekannt und
benutzt worden. Manche Ortsnamen und einzelne Funde
deuten auf keltische Ureinwohner hin. Daß die Römer hier
gleich wie in Wiesbaden ein Kastell und eine ziemlich be¬
deutende Ansiedlung hatten, ist durch die bei Ausgrabungen
zutage getretenen zahlreichen Baureste und durch die aufge¬
fundenen Römerbäder
hinreichend bewiesen.
Jedenfalls dürfen wir
nach der geschicht¬
lichen Ueberlieferung
Karl den Großen
als ersten wirklichen
„Badegast" ansehen.
Allerdings scheint er
die wormenBädermehr
zur Erfrischung und
Belustigung, denn als
wirklicheHeilbäder an¬
gewandt zu haben.
Das Baden geschah,
so viel wir wissen, zur
Zeit Karls in großen
Schwimmteichen, zum
Teil unter freiem
Himmel, zum Teil auch
unterStrohbedachung.
Detail aus dem Aachener Kaiser-Friedrich-Park
Nr. DEUTSCHLAND 725
Lange Zeit hindurch bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts
waren und blieben diese gemeinsamen Bäder üblich, und die
Bäder, die im Anfänge des 18. Jahrhunderts in den sechs
damaligen Aachener Badehäusern bestanden, konnten noch
bequem 25 Personen zugleich fassen. Mit dem wechselnden
Schicksale der Stadt Aachen ging auch das des Bades
Aachen Hand in Hand.
Trotz dem schattenvollen politischen Wechsel der Zeiten,
trotz der großen Epidemien des Mittelalters, trotz Kriegs«
Unruhen und Feuersnot hat das Bad Aachen seinen Ruf als
hervorragender Badeort durch die vergangenen Jahrhunderte
stets voll und ganz erhalten, ja in langen Perioden stand es
als solches an der Spitze Europas. Nach den Zeiten eines
infolge der unaufhörlichen Kriegsunruhen des 17. Jahr«
hunderts und durch den gewaltigen Stadtbrand des Jahres
1656 verursachten Niederganges des Aachener Badeverkehrs
dürfte das Auftreten des berühmten Badearztes Dr. Franz
Badezelle im städtischen Kaiserbad in Aachen
Blondel, der um 1671 die Trinkkur mit Aachener Thermal¬
wasser einführte und ihre heilkräftige Wirkung zur allge«
meinen Anerkennung brachte, epochemachend für die Aachener
Bäder gewirkt haben. Der Besuch des Bades, das mehr und
mehr den Charakter eines wirklichen Heilbades annahm, hob
sich zusehends, und im Anfänge des 18. Jahrhunderts, wo
noch eine verhältnismäßig geringe Zahl besuchter Badeorte
in Deutschland bestand und wo die Reisegelegenheiten noch
außerordentlich schwierig waren, hatte Aachen meist nicht
nur ein großes, sondern auch ein sehr vornehmes Bade«
Publikum, vielfach aus regierenden Fürstenhäusern. Nachdem
die Stadt vom Jahre 1794 bis 1814 unter französischer
Herrschaft gestanden, während welcher Zeit Napoleon I.
viel für die Verschönerung der Bäder getan, gab nach der
Wiedervereinigung Aachens mit dem deutschen Vaterlande
König Friedrich Wilhelm III. im Jahre 1818 der Stadt die
Quellen und die Bäder als ihr Eigentum zurück. Seit jener
Zeit war die Verwaltung der Stadt bestrebt, die Bade« und
Wandelhalle im städtischen Corneliusbad in Aachen
beliebte Unterhaltung der Kurgäste dienen, Eier im Thermal¬
wasser hart zu kochen, was innerhalb fünf Minuten gelingt.
Es seien im folgenden nur die hauptsächlichst benutzten
Quellen und die von ihnen versorgten Badehäuser genannt:
Die Kaiserquelle, 55‘’C., mit 26,39 gr Kochsalz
und 0,1109 gr Schwefelnatrium in 10 1 versorgt außer dem
Kaiserbade noch das Badehaus zur Königin von Ungarn und
das Neubad, sowie durch eine Rohrleitung die Trinkstellen
in der Rotunde des Elisenbrunnens, im Elisengarten und auf
dem Friedrich«Wilhelm«Platze.
Die dreiQuellen des Quirinusbades, die wärmste
Hauptquelle mit einer Temperatur von 50° C. und 26,25 gr
Kochsalz in 10 1, versorgen dos Quirinusbad.
Die Rosenquelle in einem großen unterirdischen
Reservoir, 47 °C., 23,2 bis 25 gr Kochsalz und 0,1035 gr
Schwefelnatrium in 101; aus ihr werden das Rosenbad, das
Comphausbad und teilweise das Comeliusbad versorgt. Das
Corneliusbad besitzt außerdem zwei eigene Quellen, eine mit
Kureinrichtungen Aachens stets zu vervollkommnen, so daß das
Bad bei der vorzüglichen Heilwirkung seiner Thermalwässer
eine fortdauernde Blüte seines Badewesens erwarten darf.
□ □
Die Thermalquellen.
Das heiße, schwefelhaltige Kochsalzwasser der Aachener
Thermalquellen tritt aus *zwei oberdevonischen Kalkzügen,
die das Gebiet der Stadt in gleichlaufender Richtung von
SW nach NO durchziehen, an zahlreichen Stellen zutage.
Seine Menge beträgt über 5000 bis 6000 cbm in 24 Stunden^
sie ist somit bei weitem zu groß, um durch die Badezwecke
erschöpft zu werden. Die Temperatur der einzelnen Quellen
an ihren verschiedenen Vorbruchstellen liegt zwischen
37,2° und 73,4° C. Die letztere Quellentemperatur ist
somit die heißeste von Mitteleuropa und übertrifft die
Temperatur des Karlsbader Sprudels (72,5 °C.). Als Beweis
für die hohe Temperatur dieses Wassers mag die früher
726 DEUTSCHLAND Nr. 15
halbwarmem Thermalwasser. Sämtliche vorgenannten Bade«
häuser sind Eigentum der Stadt Aachen und von ihr verpachtet.
Auf dem südlich gelegenen (Burtscheider) Kalkzuge
befinden sich 18 benutzte Quellen, darunter das große
Reservoir der Landes-Versicherungs-Anstalt, welches acht
Quellenvorbrüche umfaßt mit
72,4 bis 75 ^ C., 29,18 gr Koch¬
salz in 10 1. Aus dem Ver¬
teilungsbecken dieses Reser¬
voirs erhalten Thermalwasser:
das Schwertbad, das Gold¬
mühlenbad, das Prinzenbad
und die unmittelbar am Koch¬
brunnen liegenden Badehäuser
Neubad und Krebsbad.
Eigene Quellen haben das
Michaelsbad (55,8® C. und
26 gr Kochsalz in 10 1); drei
eigene Quellen (64 ® bis 69® C.)
das Rosenbad, zwei Quellen
das Karlsbad (44® C., 27,8 gr
Kochsalz in 10 1).
Zu den wesentlichen
Bestandteilen des Aachener
Thermalwassers gehört das
Kochsalz, bekanntlich ein
zum Leben unentbehrliches
Gewürz unserer Nahrung;
daneben ist in nicht unbe¬
deutender Menge kohlensaures
Natron und schwefelsaures Kali
in schwach abführender Dosis
vorhanden. Das Aachener
Thermalwasser ist vollständig
frei von schwefelsaurem Kalk.
Die Schwefelverbindungen
sind teils Schwefelnatrium,
teils Schwefelwasserstoff; sie
kommen in hinreichender
Menge vor, um die dem
Schwefel eigene Heilkraft bei
Metall vergil t ungen,Hautkrank-
heiten und Unterleibsleiden zu
entfalten. Der Schwefelwasser¬
stoff verleiht dem Thermal¬
wasser den ihm eigenen
Geruch, an den man sich bald
beim Genüsse des Thermal¬
wassers gewöhnt.
□ □
Heilanzeigen.
Die Krankheiten, für die
eine Kur in Aachen besonders
zu empfehlen ist, sind folgende :
I. Rheumatismus und
Gich t, bei denen die Aachener
Kur und namentlich die
Duschen eine fast spezifische
Wirkung entfalten; 2. Läh¬
mungen und Muskelschwund,
dann Folgezustände von Ent¬
zündungen, Quetschungen und
Verletzungen, Gelenksteifigkeilen, Kontrakturen; 3. Krank¬
hafte Störungen nach Quecksilberkiiren, nach Blei- und
Arsenvergiftungen; 4. Skrofulöse; 5. Hautkrankheiten, ins¬
besondere: Ekzem, Akne, Furunculosis, Psoriasis, Prurigo,
Pruritus cutaneus und Unterschenkelgeschwüre; 6. Torpide
Zustände der Leber, Milz, des Magens und des Darmes.
Badekur.
Das Aachener Thermalwasser kommt zumeist in Form
einer vereinigten Bade- und Trinkkur zur Anwendung. Zur
Badekur dienen Voll-, Dusche- und Dampfbäder.
Das Vollbad (Einzelbad) wird in einem versenkten
Steinbassin genommen, dessen
Wände mit Marmor oder
Fayenzeplatten bekleidet sind
und in welches man auf be¬
quemen Stufen hinabsteigt.
Die Bäder fassen je 0,75 bis
1,25 cbm Wasser, worin 4,5 kg*
Salze gelöst sind.
Das Bad kann zu jeder vom
Arzte verordneten Temperatur
gegeben werden. Da die
Badehäuser auf dem heißen
Vorbruchgestein der Thermen
erbaut sind, so sind auch
die Badebassins in den von
heißem Thermalwasser durch
strömten Boden eingelassen.
Die Badezellen bestehen aus
zwei getrennten Teilen, dem
eigentlichen Bade- und dem
Toiletteraum.
Das Duschebad. Diese
fast in keinem Badeorte, auch
nicht in Aix-les-Bains, gleich
vollkommen ausgeübte Bade¬
form besteht in der Anwendung
eines 5 — 7—9 mm dicken
Wasserstrahles, dessen Tem¬
peratur in einem sinnreich
eingerichteten Mischkasten be¬
liebig geregelt werden kann
und dessen Stärke durch zu¬
führende Hähne dem Bedürf¬
nisse angepaßt wird. Während
5 bis 20 Minuten wird der
Thermalwasserstrahl auf den
Rücken und die Gliedmaßen
des Badenden, auf die kranken
Teile mit der gebotenen Scho¬
nung, unter gleichzeitiger An¬
wendung von Reiben, milden
Knetungen und Streckungen
angewendet. Während in
Aix-les-Bains diese Dusche-
Massage außerhalb des Bades
in einem besonderen Raume
vorgenommen wird, steigt in
Aachen der Duscheur oder die
Duscheuse mit dem Badenden
in das geräumige Badebassin
und dieser verweilt dann nach
Verabfolgung der Dusche in
dem gefüllten Bade ; er hat
somit nicht nötig, den Dusche¬
raum zu verlassen, um das Bad
aufzusuchen, wie in so vielen
anderen Badeorten. Der ther¬
mische und mechanische Reiz, der sich in einer starken Haut¬
röte des Badenden kund tut, und die oft ergiebige Transpiration
wird somit bei der in Aachen üblichen Methode in keiner Weise
nach der Dusche unterbrochen. Das Duschebad ist, wenn
es von der kundigen Hand der staatlich geprüften Aachener
Duscheure geregelt wird, eine sehr angenehme und außer-
Das Aachener Kurhaus in der Comphausbadstraße
Ballsaal im Aachener Kurhaus
Der Elisenbrunnen in Aachen (von Schinckel erbaut)
Großer Konzertsaal im Aachener Kurhaus
728 DEUTSCHLAND Nr. 15
ordentlich wirksame Badeform. Brause*- und Regenduschen mit
kaltem Wasser sind ebenfalls fast in allen Badezellen vorhanden,
in einzelnen abwechselnd kalte und warme Duschen (schot¬
tische Duschen), durch die ein großer Einfluß auf das Nerven¬
system erzielt werden kann. Kalte Fächer- und Strahlduschen
sind in einzelnen Bädern eines jeden Badehauses angebracht.
Das Dampfbad wird in Form des Dampfkastens oder
eines mit den heißen Dämpfen der Thermen durchströmten
Dampfbettes angewendet. In einem solchen Bade sitzt oder
liegt der Badende mit Ausschluß des Kopfes, und während
er somit reine, kühlere Luft atmet, wird der übrige Körper,
je nach Vorschrift des Arztes, 38® bis 60® C. heißen Wasser¬
dämpfen und den Quellen entsteigenden Gasen ausgesetzt.
□ □
Trinkkur.
Zum Trinken versammeln sich die Kurgäste am Elisen-
Brunnen (53® C.) in Aachen oder am Viktoriabrunnen in
Aachen - Burtscheid (55 ®C.), in deren Gärten mittags und
nachmittags bezw. abends die städtische Kurkapelle spielt.
Heißes Thermalwasser entströmt noch in manchem Lauf¬
brunnen dem Boden, so vor dem Schwertbade auf dem Burt-
scheider Markte und hinter dem Schloßbade. Diese werden
weniger von den Kurgästen als von den Ortsangesessenen
benutzt, die sich dort in bequemer Weise heißes Wasser für
den Haushalt beschaffen. Das Thermalwasser wird in Mengen
bis zu einem Liter aus Viertellitergläsern getrunken, meistens
am frühen Morgen; man pflegt sich zwischen dem Genüsse
der einzelnen Gläser und ebenso nach dem Trinken durch
Umherwandeln eine mäßige Bewegung zu machen. Das
Aachener Thermalwasser besitzt eine große, die Verdauung
fördernde Wirkung und entwickelt durch seinen großen Gehalt
an Kochsalz und kohlensauren Alkalien einen nicht gering
anzuschlagenden Einfluß auf die Säurebildung im Magen und
im ganzen Organismus. Dasselbe hat eine sehr beachtens¬
werte lösende Kraft gegenüber der Harnsäure und dürfte
dem Vichy- und Fachingerwasser darin keineswegs nach¬
stehen. Daher eignet es sich in ganz hervorragender Weise
zur Förderung der Ausscheidung und Lösung der durch die
Bäder vermehrten Mengen der Endprodukte des Stoffwechsels.
Auch sein Gehalt an Schwefelwasserstoff und Schwefelnatrium
ist von großem Einflüsse auf Hautleiden und Metallver¬
giftungen und bekundet sich deutlich durch eine vermehrte
Schwefelsäureausscheidung im Harne.
□ □
Sonstige Kurmittel.
Infolge der Bedeutung, die den physikalischen Heil¬
methoden, insbesondere der Mediko-Mechanik von Jahr
zu Jahr mehr gezollt wird, hat die Stadt Aachen eine
mediko-mechanische Zander-Anstalt errichtet,
welches Institut nicht nur allen hygienischen Anforderungen
in weitem Maße Rechnung trägt, sondern auch durch die
praktische Anordnung der Räumlichkeiten und die Voll¬
ständigkeit der Apparate zu den besten und vollkommen¬
sten Deutschlands ge¬
zählt werden muß. ln
dem Hauptsaal, der über
300 qm Grundfläche hat,
sind alle von Dr. Zander
(Stockholm) konstruierten
Apparate untergebracht.
Inhalationen mit
dem Wasser der Kaiser¬
quelle werden in dem
großen Inhalations-Saale
im Aachener Kaiserbade
gemacht. Hier finden sich
zahlreiche Apparate zur
lokalen Anwendung des
Wassers auf Nase und
Rachen, auch ein allge¬
meiner Zerstäuber, der
den Raum mit fein ver¬
teiltem Wasserstaube er¬
füllt und Gelegenheit zur
Einatmung der Quellgase,
namentlich des Schwefel¬
wasserstoffes, bietet.
In den einzelnen Bade¬
häusern : R u s s i s ch e
Schwefeldampfstube;
Kohlensäure-, Sol¬
bäder; Fango-Appli¬
kationen; elektri¬
sche Glühlichtbäder;
Bogenlicht-Reflek-
tor für örtliche Be¬
strahlung, Elektrotherapie, Vibrationsmassage,
Lichtbehandlung, Institut für phys.-diätet. Heil¬
weise, Milchkuranstalt, Röntgen-Laboratorium.
Die von der Kurdirektion eingerichtete Trinkhalle im
Elisengarten verabreicht die bekannten, natürlichen fremden
Mineralbrunnen in stets frischer Füllung. Auch werden dort
Molken und Kefir verabfolgt. — Im Herbst ist den Kurgästen
Gelegenheit zu einer „Trauben-Kuri" gegeben. Täglich
frisch ankommende Trauben aus Meran, Italien und vom
Rheine werden in dem Kurlokale am Elisenbrunnen den
Gästen verabfolgt. Auch ist frischer, aus den Kurtrauben durch
kleine Pressen gewonnener Traubensaft daselbst erhältlich.
□ □
Kurzei t.
Es muß besonders hervorgehoben werden, daß in Aachen
sowohl Trink- als Badekuren das ganze Jahr hindurch mit
Erfolg angewendet werden.
Aachener städtische Schwimmanstalt: Männerschwimmholle
Nr, DßUTSCHtiV'JNi Ö' 729
Schön sejT deift Jötire Ufel ist diie WinWrltjir in Aöcherv
ein^efuhrt. Si^ erfreü i sicTi; wegen der z wt*cJtmäBigers H iy\^
fichtiin^ der BodeKäu^ier und dti? müden Winterkli^üs vor
A ndrer eii>e.S W \^usp]räch.'S< Die Giinge der
BadehausgT eherf tnlt ihren Badeholief^ in 1111 lurer
Vetblddimg, so da£t v^kle Rüunfe dutch die im Bßfden liegen*^
den beiBen Wasserrohre und Kanäle einem stais
und uRgenehmeri Grad
der Erwürmurig erhalten.
^5ie Bade|i(a|ieri i^erdeti
größten teils dur^h das
TI 1 erm a i was se r er wärm t,
das in gemauerten Kanälen
dufehfließt. so da ä . e
.seihst im Winler- eine
gl e i ch m ä tl ige WYpn
2? “ C* be s i t 2 !en.
Es ist somit den
Krai^keft m manch an ge""
rätrnügen fri^und*^
IS^h^ Badelv^il^etn* iin^^
abhängig;^ von der Jahres-
xei^G^lfeigi?)fdieit geboten,
die Kur au: gtjbtauchan,
W irtte^rkdir : delisr
besonders iü:mpfehJen.f
' wenn '■■;\df]e"-:Krfr "^dringend
notwendig
: 'Mangc-T'bh’ 'i!:eiLt' tjSTv-' sivT.’
ßntdecj^iCftg dt^r Aat^Heuer Quellen durch römische Kriegfir
IGeroaide Von Pfp t A H B^HJ t i m Aachener Kath q us)
während der eigentlichen Saison nicht erlaubt. Viele, schone
AV/jnteflngc^ in Aathpp werden den Kranken semen Bni^
schiviB nicht bereiiep iüssen.
ö ■•■ :■■'. ■• • ^ ^ . P
:- Wussef -“Verband. -
Das A^eixK^iw TMrmdlwa&ser wunde schon im TÜ. und
17. J ah ^’hundert versandt und fern Von der Quelle mU Vorteil
gebr^^uchi. Der Versend
erfolgt in Äwei Formm^
und zvr ar> In mih ■ naiti
1 ich#!? Föpui f adaf nbga'-,
kuhii und ^nrtit^
s ä irre vef sy.t 2 t^ in wl ch er
Form als Tnfclwas^r
eiiien; Weltruf
Das: in berden f pnni^m
:ium Versahd, gelähgende
A a ch enei Th e r mahya s
wird ihst auj^scbUoSlich
der Kab^üellö ent-
nommeh uhd erfolgt in
diesem Falle ; durch die
Aachen^ Tbeönn I Wasser-
AG: ♦,Kaise r - B mnnert^V
de r dir sie 1 heiTtii # yet-
pachtet xnL D|c Ab-
Tü Ij ung erfolgt u n ter -sa ch ^
varstän d |ger Kphtroll <b d
StadtvCffWöItungi
Aachens heutige wirtschaftliche Bedeutung und Aachens
IndustTie und Handel-
Von Dc^ M. M en d eis on, Öirükipr des statistischiyt^s^Aj^tbs der Stadt Aachen.
.Als.am TJ5. 0ktpht.'.tri. •das, ivach..der;
Emhdihirtg .^Itehnvürdii^pfi...
Kaisersnehi des Se. der K^siser
pd et ol ien Ka isefsi^df A ■ und ■ ib j r'^uep 3ü fge r^c ft
ein ür^imal iges th u f mii h i jech te, jsji tüfciv et: äen Wuns ch e u S f
■ ■ - .^Mdge huch uf i^dtuntt dde h renheil-
k T H f t i g e n Q u e H e H und s jpho n aP B u r g w p 1;de r rcr
mü ihren m nuMg laHven Iridustf ien und jhfffm \irn^
fe n g reich e rr H a t\ ß e 1 Wdt: hscfa hiß 1 ipn u u ft g^d # ih en 1'^
Dh:?sä gnädigro W'Orte öuK /VlIethPchs Mvmde eniludten
eme XJrhgn ante ünd t refJfehdo Konh?elchnung- der heu:
wLrtscböftlUd^yia;,Bedeut^^^ Ao.cbvns-. ; '
• Öitr Ketur-'iiciiuhk^eÜ.lnh .die; warnten Quy^.d. gleicli"...
zeitig die Wuldtelcbe utid darum; fßii£volIe UnigebTmg..
B eides ■ \v ah tS'che i idir.h • -sth pn.- in. .■ ^Uer Z ei i .. d.iO ■ '.Riimeh '•.
d Q ff 0. ■ u b et.. a utU .Ket.t ■ ■ ^ en,'. öu> . uh d- b#j «fcs ■' ist' ■ nbch.'
helft#' dt^ ■■ ■'hir'-''v.i?elb LetUe^; Anchen ..■(s'uwähT'
4ls' ftliOh ;2n:iiy.. druit'rnft&n.'.-. Aufenih.aJ^t '
ivöhletc.•■■•'■'p'ns''Kvj;r-. ..jbrid-'bild-vl •iftl'ft;Gr^mdlögtf für- ■
, die'. wfritsyhoft iighe- süm?'. .eiue^y^i.e.hi; lupftrhch.hcheri^.T^
der .;Aaclve'Hy'f Bftrgetsd>aift tmd .ftiö'.Z.alf|''tier d
. ''dii^' S-f .Ihh^r ArurehtnhpH'kc'kep; ' ■:s.u'fu..'Wo'hnorit. wiihleti. ■. ■
••Um .ffl^f. Rentn<lr.-und'ft‘*erjskmEhc». Iftij'r' ihl&T-ebien;-. i£u.:'..gi^hiö.ßeft’.--.
uKd bpsrKiiyßen/r Lst nidu ge^ ,
• Aber SP hoch rnsn nuch die Bedeutuurr dur Tlmrnieh imd
der, h ön en li mgo bu ng. ycr^mchl og en mng / sie nl k in h n 11 # n
i?^'^ohi; ritcht ermöglicht^ döÖ Auchag s^ldi ifu Laufe, der
let^E’te^'l hundert johte von eioeir >^cä:dg; fuehl 7^0 (X)0 Ein¬
wohner ^tilhküderi Klei nsmdt ^rur rtngi?seht*t>eu Grobs ladt m i i
fu s t 1 tjl) ÖÖO Bin w Phn.er cpl wie k ein k oirh te. Dies e rege Hn t-
widcfelong verdat kl es in hohem Mai^o seiner Induis^tTm luid
yidnem fiftuddi ^ in der ^ftcu Kaiserstüdl m^ncheflei
gimsTrga BntwkkelüngsbedlhguTieren vörfönderi- ; '
Apch^^n Hegt im Mittdpunkt e^es:Bezirks, der qri Kohten>:<,
schärzeu und Er'?en jeder Arl reTch isL Uumittelbür m seiiW
Nöh^v . hp W^mx-^ und Intfei'eyierj. liegen 3f«'lukohleulager vöti
uhgefeutfet Muchtigke^^^^ notb für Jabthimdert« ; od#r
yielbicht spgßr Tuir JfthnftuSpude abbauwiirdig sein werdetj.
In- uömiiiftU'a rer Nachbörschflft davon beenden sich Braun¬
kohl forßcr BnnTJieisamieinj. Galm^si, Zinkblende und
Blc^glcthÄ^. Schw#feisr Tö nkohlenund Rassny J sen^ein. Diese:
j^linerahgn sfüd die Grundlage einiger beijohtsatner Er?berg-
y üJ R i f;f tiehm tx n g e d e Xi m\ &ich elhj& u rrifar gr ei ch e H u 11 e n '■
fnduijtrie: axv^ch ließ tv Denebtm ist; der Boden des Aaclien er
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Nr. 15 DEUTSCHLAND 731
Erde geben, wo nicht Aachener Nadeln verbraucht werden
und alljährlich in größeren Mengen zur Einfuhr gelangen.
Die Hüttenindustrie ist in Aachen durch das bekannte,
unlängst in den Besitz der Gelsenkirchener Bergwerks-Aktien-
Gesellschaft übergegangene Hüttenwerk Rothe Erde vertreten.
Mit seinen fast 4000 Arbeitern und seinen ausgedehnten, ein
Bessemer« und ein Siemens»-Martin“Stahlwerk, ein Walzwerk
mit mehreren Block« und zahlreichen Fertig-Straßen, sowie
viele andere Werkstätten umfassenden Anlagen bildet es ein
höchst beachtenswertes Unternehmen des Eisen« und Stahl«
gewerbes, dessen rauchende Schlote aber in keiner Weise das
schöne Aachener Städtebild verunzieren, da das Werk an der
Peripherie im Osten der Stadt liegt und die herrschenden süd«
westlichen Winde den Rauch von der Stadt fernhalten. Die
Silber«, Zink« und Bleihütten des Aachener Bezirks liegen nicht
in der Stadt selbst, sondern in der weiteren Umgebung.
Der Aachener Maschinenbau hat sich aus größeren
mechanischen Werkstätten, die schon im 18. Jahrhundert
Wasserräder, Getriebe, Pumpwerke und Apparate für Tuch«
und Nadelindustrie herstellten, entwickelt. Durch die Ein«
führung der Dampfkraft auf den umliegenden Bergwerken
und in den anderen Gewerbezweigen erhielten diese mechani«
sehen Werkstätten große Anregungen, die sie veranlaßten,
sich in größere Maschinenbauanstalten umzuwandeln. Hierbei
war von wesentlichem Einfluß die von Napoleon I. gegen
England gerichtete Kontinentalsperre. Vor dieser einschnei«
denden wirtschaftspolitischen Maßnahme bezog man auch
im Aachener Bezirk viele Maschinen und Gerätschaften aus
England. Jetzt war man auf die eigene Industrie angewiesen,
und es gelang damals den Aachener Maschinenfabrikanten,
in ganz Deutschland und darüber hinaus auf dem Kontinent
sich Absatz zu verschaffen.
Die Entwicklung des Aachener Maschinenbaues hat sich
dann im Laufe des 19. Jahrhunderts unter gewissen Schwierig«
keiten vollzogen. Die Lage an der äußersten Westgrenze
des Deutschen Reiches erschwerte etwas den Geschäfts«
verkehr nach dem Inlande, während das benachbarte Ausland
als Absatzgebiet immer weniger in Frage kam, weil dort
(insbesondere in Belgien) sich eine eigene leistungsfähige
Maschinen «Industrie ausbildete. Trotzdem gelang es den
Aachener Maschinenfabriken, sich weiter eine beachtenswerte
Stellung zu behaupten. Sie erreichten das namentlich da«
durch, daß sie sich nur auf bestimmte Spezialitäten ver«
legten und durch hervorragende Leistungen die Ungunst der
Verkehrslage auszugleichen versuchten.
Heute werden im Aachener Bezirk u. a. Maschinen und
Apparate folgender Art hergestellt: Dampfkessel, Spezial«
maschinen für Bergbau« und Hüttenwesen, für Tuch« und
Nadelfabriken, für Treibriemenfabriken, für Zuckerfabriken und
chemische Industrie, für Feuerlöschwesen, für Buchdruckerei;
ferner Maschinenmesser, sowie Apparate und Geräte für
Signal« und Weichenbau, Zentralheizungen, Eisenkonstruktionen
und namentlich auch elektrische Maschinen.
Besonders hervorzuheben unter den Fabriken von Textil«
maschinen ist die Kratzenindustrie, die sich mit der
Herstellung von Kratzenbeschlägen befaßt. Unter Kratzen«
beschlägen versteht man bürstenartige Blätter oder Bandstreifen
aus Leder oder anderem Stoffe, in welche Drahtzähne in
bestimmter Ordnung eingesetzt sind. Derartige Kratzen«
beschläge werden namentlich in der Spinnerei in großen
Mengen verwertet, und zwar für das Krempeln der Wolle.
Das letztere hat den Zweck, die Textilstoff«Fasern zu ent«
wirren, zu strecken und gerade zu richten. In Aachen hat
sich die Kratzenherstellung in ähnlicher Weise wie die Nadel«
Industrie konzentriert, so daß heute der Aachener Bezirk als
Hauptsitz der deutschen Kratzenindustrie angesehen werden
kann. Ihre Erzeugnisse gehen zum großen Teil ins Ausland.
Zur Maschinenindustrie im weiteren Sinne sind auch zu
rechnen die Herstellung von Wagen, sowohl Luxus«
wagen wie Eisenbahnwagen. Diese Industrie ist in Aachen
durch mehrere größere Betriebe von ansehnlicher Bedeutung
vertreten. Sehr erfreulich entwickelt hat sich in jüngster Zeit
die Herstellung von Automobilen aller Art, namentlich
auch solcher, die zur Beförderung von Lasten bestimmt sind.
Der zur Verfügung stehende Raum gestattet leider nicht,
auf die sonstigen oben erwähnten Aachener Industriezweige
Ansicht einer Aachener Maschinenfabrik (Deutsche Elektrizitätswerke Garbe, Lahmeyer & Co.)
732 DEUTSCHLAND Nr. 15
ausführlicher einzugehen, obwohl sich
mancherlei Interessantes von ihren
Leistungen und Erzeugnissen berichten
ließe. Nur die neben den industriellen
Unternehmungen vorhandenen, dem
Bankwesen sowie dem Versiehe-
rungsgewerbe angehörigen be¬
deutsamen Unternehmungen seien
noch kurz gestreift.
Aachen ist der Sitz der Rheinisch-
Westfälischen Disconto - Gesellschaft.
Dieses Unternehmen ist im Jahre 1872
gegründet worden und hat sich im
Laufe der Jahre aus verhältnismäßig
kleinen Anfängen zur großen Provinzial¬
bank mit 95 Millionen Mark Aktien¬
kapital aufgeschwungen, die in vielen
Städten Rheinlands und Westfalens
Filialen unterhält oder an anderen
Bank - Unternehmungen beteiligt ist.
Neben der Rheinisch-Westfälischen
Disconto - Gesellschaft bestehen in Aachen noch eine Filiale
der Bergisch Märkischen Bank, der Bank für Handel und
Gewerbe, sowie mehrere kleinere Bankgeschäfte.
In Aachen sind außerdem ansässig die Aachener und
Münchener Feuer-Versicherungs-Gesellschaft, die Aachener
Rückversicherungs-Gesellschaft, sowie die Aachen-Leipziger
Versicherungs-Aktien-Gesellschaft.
Weit bekannt undangesehen ist die
Aachen-MünchenerGesellschaft. Sie
ist nicht nur deshalb bemerkens¬
wert, weil sie ein äußerst kapital¬
kräftiges, zahlreichen Angestellten
Nahrung und Erwerb gebendes wirt¬
schaftliches Unternehmen darstellt.
Für die Stadt ist sie auch deshalb
von der größten Bedeutung, weil
sie ihre reichen Mittel in großem
Umfange in den Dienst der Wohl¬
fahrtspflege stellt. Hierüber wie
über den in ähnlicher Weise so¬
wohl als Bankinstitut sowie als
Wohlfahrtseinrichtung bedeutungs¬
vollen Aachener Verein zur Be¬
förderung der Arbeitsamkeit findet
der Leser noch eingehendere Mit¬
teilungen in den nachfolgenden Ausführungen des Herrn
Professor Kaehler über Aachener Wohlfahrtspflege,
Nicht unerwähnt mag noch bleiben, daß Aachen einen
ausgezeichnet organisierten Kleinhandel besitzt. Hervorragend
ausgestattete Ladengeschäfte sind in großer Zahl vorhanden
und befriedigen die verwöhntesten Ansprüche der Käufer. Sehr
gut entwickelt hat sich in neuester Zeit auch der Buch- und
Kunsthandel. Der letztere veranstaltet von Zeit zu Zeit
größere Versteigerungen von Gemälden und kunstgewerblichen
Gegenständen. Diese Kunstauktionen
pflegen von zahlreichen auswärtigen
Käufern besucht zu werden.
Der vorstehende Ueberblick über
das heutige wirtschaftliche Leben der
Stadt Aachen kann naturgemäß im
Hinblick auf die ihm aus Raum*'
rücksichten gesteckten Grenzen nur
ein flüchtiger sein. Er läßt aber doch
wohl in deutlicher Weise ersehen,
daß sich Aachens wirtschaftliche
Verhältnisse durch eine außer¬
ordentliche Vielgestaltigkeit aus¬
zeichnen. Neben die Kur- und Bade¬
stadt und die Stadt der Rentner und
Pensionäre tritt die Industrie- und
Handelsstadt. Dazu kommt noch die
an anderer Stelle dieser Schrift ge¬
kennzeichnete Bedeutung Aachens als
Schulstadt. Es sind somit mannig¬
fache und reiche Grundlagen, auf
denen sich das wirtschaftliche Leben aulbaut. Dabei ist be¬
sonders charakteristisch, daß die Industriestadt sich nicht
bloß auf einen Gewerbezweig gründet. Die verschieden¬
artigsten Gewerbe- und Handelszweige bestehen neben¬
einander und bewirken, daß das Wohlergehen der gesamten
Stadt nicht nur von einer einzigen Industrie abhängt.
AachensBevölkerung zeichnet sich
in großem Umfange durch Wohl¬
habenheit, teilweise sogar durch
Reichtum aus. 120 Aachener Steuer¬
zahler versteuern heute einVermögen
von mehr als 1 Million Mark, 278 ein
solches von mehr als V 2 Million
und 1316 ein solches von mehr als
100 000 Mk. Diese Ziffern sind
verhältnismäßig viel höher als in
den meisten anderen deutschen
Großstädten, und ähnlich günstig
sind die Einkommensverhältnisse.
54 Steuerzahler versteuern ein jähr¬
liches Einkommen von mehr als
100 000 und 474 ein solches von
mehr als 20000 Mk.
Auf eine stetige Entwicklung
kann Aachen im letzten Menschen¬
alter zurückblicken. Rund 99 000 Einwohner wohnten auf
dem heutigen Gebiete der Stadt im Jahre 1880, 121 500 im
Jahre 1890, 141600 im Jahre 1900 und 156143 im
Jahre 1910. Eine weitere Entwicklung steht sicherlich noch
bevor, vielleicht sogar in schnellerer Weise als bisher,
wenn es gelingen sollte, die kühnen Pläne zu verwirklichen,
die augenblicklich erörtert werden, um Aachen durch
einen Rhein - Maas - Kanal den Anschluß an das Wasser¬
straßennetz zu verschaffen.
Kronleuchter im Amtszimmer des
Oberbürgermeisters im Aachener Rathause
Kronleuchter im Stadtverordnetensitzungssaale
im Aachener Rathause
Die städtischen Museen.
Von Museumsdirektor Dr. H. S ch we i t z e r.
A. Das städtische Suermondt-Museum.
Das städtische Suermondt-Museum enthält Gemälde,
Skulpturen, eine graphische Sammlung und die 3500
Katalognummern umfassende, auf alle Gebiete der
bildenden Kunst sich erstreckende Bibliothek. Es trägt
seinen Namen nach dem berühmten Aachener Sammler
Barthold Suermondt, der 1882 dem schon seit 1877
bestehenden Museums-Vereine 104 Gemälde aus seiner
Galerie schenkte und testamentarisch 1887 nochmals
76 Gemälde überwies. Die sonst noch recht be¬
scheidenen Sammlungen des Museums-Vereins wurden
nach der ersten Schenkung von Barthold Suermondt in
städtische Verwaltung übernommen und eine Reihe hoch-
Nr. 15 DEUTSCHLAND 733
herziger Gönner vermehrten diese durch Stiftungen. So
kamen die Kupferstichsammlung Schiffers-Krauthausen,
die Gemäldesammlung Weber-van Houtem und Dr. Portz,
die prähistorische Sammlung Dr. Ignaz Beissel, die kunst¬
gewerbliche Sammlung Dr. Peter Wings, der Nachlaß
des bekannten Kunstgelehrten und Sammlers Dr. Franz
Bock und eine kleinere kunstgewerbliche Sammlung von
Philipp Berger hinzu.
Unter Oberbürgermeister Veltman wurde 1898 das
ehern. Cassalettesche Palais in der Wilhelmstraße er¬
worben und durch einen zweigeschossigen Anbau mit
Oberlichtsälen zu dem neuen Zwecke hergerichtet. Im
November 1901 wurde dasneue Museumsgebäude eröffnet.
Der geographischen Lage der Stadt entsprechend
besteht die Gemäldegalerie hauptsächlich aus rheinischen
und niederländischen Bildern des 15. bis 18. Jahrhunderts.
Die niederrheinische Malerei des 15. und beginnenden
16. Jahrhunderts ist in einer ganzen Reihe von Ge¬
mälden vertreten, an denen man eine charakteristische
Mischung Kölner Kunst mit den Einflüssen, die von den
Werken niederländischer Meister herrühren, gewahren
kann. Nur wenige der Bilder, die in dem roten Ober¬
lichtsaale vereinigt sind, können allerdings einem be¬
stimmten Meister zugeschrieben werden, wie z. B. der
„Judaskuß" dem älteren Sippenmeister oder das schöne
Triptychon mit dem Ecce homo zwischen Maria und
Johannes in der Mitte und dem heiligen Andreas und
Katharina auf den Flügeln, das ein Werk der beiden
Dünwegge ist. Von
den nicht sehr
zahlreichen,frühen
oberdeutschen
Bildern verdienen
eineBeschneidung
von dem Nürn¬
berger Meister des
Tucheraltares aus
der Mitte des 15.
Jahrhunderts und
ein allegorisches
Gemälde, das die
Erlösung durch die
Kirche darstellt,
aus der Schule des
Matthias Grüne¬
wald besondere
Beachtung.
Im Verhältnis
istdieGaleriereich
an interessanten,
frühen Niederlän¬
dern, wie einer
Maria mit dem
Kinde von dem
Brügger Meister
derllrsulalegende,
zwei Flügeln mit
Heiligen und einer Verkündigung vom Meister der
Virgo inter virgines und dem fein durchgeführten Bilde
„Noli me tangere" vom Meister des Todes der Maria.
Ein kleines Bildchen mit Maria Magdalena und Johannes
dem Täufer ist eines der besten Werke des Leidener
Malers Cornelis Engelbrechtsen, und Jacob Cornelisz
von Amsterdam ist sogar mit zwei Bildern, einer Ruhe
auf der Flucht und einer großen farbenprächtigen Ver¬
suchung Christi vertreten.
Die flämischen Bilder gruppieren sich um zwei
hervorragende Werke von P. P. Rubens, den „Sturz der
Verdammten" und den „Hahn und das Juwel", zu
welchem Jan van Wildens die Landschaft gemalt hat.
Den breitesten Raum nehmen in der Galerie die
Werke der holländischen Malerei des 17. Jahrhunderts
ein und geben ihr das charakteristische Gepräge.
Bauernbild und Landschaft, Porträt und Tierstück, Still¬
leben und Marinen sind in durchaus typischen Bei¬
spielen da, so daß keine der wichtigeren Schulen und
Richtungen vermißt wird. — Von der Kunst der roma¬
nischen Länder hat das Museum nur Einzelbeispiele,
einen zusammenhängenden Ueberblick über die Ent¬
wicklung der italienischen, spanischen und französischen
Malerei wird der Besucher auch wohl kaum erwarten.
Er wird aber überrascht sein über unsere guten spanischen
Gemälde, unter denen auch ein kreuztragender Christus
von Domenico Theotocokopuli gen. el Greco, zwei Werke
von Francesco Zurbaran, ein Ecce homo von Louis
Morales und ein St. Sebastian des van Dyck-Schülers
Pedro da Moya hervorgehoben werden müssen.
Die moderne Malerei wird eingeleitet durch eine stim¬
mungsvolle, goldtönige Landschaft von J. Constable.
Im übrigen ist der Schwerpunkt auf die heimatliche
Kunst gelegt, vor
allem sind Ge¬
mälde, Studien
und Zeichnungen
von Deutschlands
größtemHistorien-
maler des 19. Jahr¬
hunderts, Alfred
Rethel (geb. 1816
zu Aachen, gest.
1856 zu Düssel¬
dorf) gesammelt
worden, dessen
weltbekannteFres-
ken den Aachener
Kaisersaal zieren.
Von anderen in
der Stadt Aachen
geborenenMalern,
wie K. Scheuren,
Georg Oeder, Pet.
Bücken, Eugen
und Arthur Kampf,
sind gute, charak¬
teristische Werke
vorhanden.
In dem Museum
veranstaltet der
Museums - Verein
monatlich wechselnde Ausstellungen moderner Gemälde,
Skulpturen und graphischer Werke, so daß dadurch der
Mangel einer größeren modernen Galerie ersetzt wird.
Die Skulpturensammlung des Museums über¬
trifft an allgemeiner wissenschaftlicher Bedeutung noch
734 DEUTSCHLAND Nr. 15
die Gemäldegalerie. Sind hier doch in teilweise ganz
hervorragenden Figuren und Gruppen alle wichtigeren
deutschen Schulen, mit Ausnahme des Nordostens, zu
sehen, so daß von der romanischen Epoche bis zum
Empire die Entwicklung der deutschen Bildnerei in bei¬
nahe lückenloser Folge studiert werden kann.
Die Sammlung ist in einer Flucht kapellenartiger
Räume so aufgestellt, daß jede Schule für sich ein
geschlossenes Ganze bildet und so auch der Laie sich
die Stileigentümlichkeiten der einzelnen Gebiete klar
machen kann. Die niederrheinischen und westfälischen
Skulpturen überwiegen natürlich auch hier. Ein großer
Schnitzaltar, ein Werk des Jan van Haldem, des Meisters
der Predellareliefs am Kalkarer Hochaltäre, ist ein
treffendes Beispiel für den Kompositionsunterschied der
Kalkarer Schule von der flämischen. Während die
flämischen und vor allem die Antwerpener Meister
ihre Altäre streng architektonisch einteilen und auf¬
bauen, komponieren die Kalkarer Bildschnitzer sehr viel
malerischer. In sechs Darstellungen gibt unser dem
heiligen Petrus geweihter Altar die merkwürdigsten
Begebenheiten aus dem Leben des Apostelfürsten. Um
diesen Altar gruppieren sich die übrigen Werke der
Kalkarer Schule, von denen nur eine schöne, leider
fragmentierte Kreuzabnahme von Heinrich Douvermann,
zwei Engel mit Leidenswerkzeugen vom Meister des
Johannesaltares und eine besonders feine Gruppe
„Christus und die Samariterin am Brunnen" hervor¬
gehoben seien.
Aus der Kölner Bildhauerschule, die im 14. und
15. Jahrhundert den ganzen Niederrhein im Wetteifer
mit Antwerpen mit figurenreichen Altären und Einzel¬
statuen und Gruppen versehen hat, sind charakteristische,
teilweise noch in der alten Fassung erhaltene Marien-
figuren, Apostel- und Prophetenstatuen, andere Heiligen¬
figuren und Kopfreliquiare vorhanden. Eine weibliche
Heilige (14. Jahrhundert), ein höchst ergreifend dar¬
gestellter Ecce homo und die großzügigen Maria- und
Johannesstatuen von einer Kreuzigungsgruppe in Corneli-
münster dürfen sicher als Werke Aachener Meister
Der Koisersaal im Aachener Rathaus
Nr. 15 DEUTSCHLAND 735
angesprochen werden. Unter den ebenfalls zu einer
einheitlichen Gruppe zusammengestellten Bildwerken
aus Westfalen fallen eine heilige Ursula mit ihren Jung¬
frauen und eine Maria mit Kind durch ihren Liebreiz
und die elegante Durchführung besonders auf, es sind
Plastiken von der Eigenart der Kunst der Iberischen
Halbinsel uns unterrichten, sie zeigen nur deren Vor¬
liebe für reichgemusterte Fassung der Schnitzbilder.
Die Plastik Englands ist allein durch einige Alabaster¬
reliefs und kleine Madonnenfiguren der Schule von
Aufstellung der schwäbischen Skulpturen mit dem Flügelaltar aus Almens
in der Skulpturen-Sammlung des Aachener städtischen Suermondt-Museums
Arbeiten eines anonymen, vielleicht Osnabrücker Meisters
aus der Zeit um 1520.
Die Bildwerke flämischer und französischer Herkunft
sind in nächster Nähe der niederrheinischen aufgestellt,
damit man an ihnen die oft sehr nahe künstlerische
Verwandtschaft ersehen kann. Eine Perle unserer Samm¬
lung ist ein Hausaltärchen mit der Anbetung der heiligen
drei Könige, das zu den besten Schöpfungen der Ant-
werpener Bildschnitzerei gehört.
Von den Werken der oberdeutschen Schulen sind
die schwäbischen am zahlreichsten, auch sie haben
einen prachtvollen Mittelpunkt in einem typischen
schwäbischen Flügelaltare, dessen Figuren und Reliefs
noch vollständig in der alten Bemalung und Vergoldung
erstrahlen.
Unter den fränkischen und bayerischen Skulpturen
sind ebenfalls einige ganz hervorragende Stücke, wie
die heilige Elisabeth, die dem Veit Stoß zugeschrieben
wird, und die wundervoll elastische, vornehme Figur
des Mohrenkönigs Balthasar, die wohl sicher ein Werk
des Münchener Meisters Erasmus Graser ist.
Wie bei der Gemäldegalerie überwiegen auch in
der Skulpturensammlung die Bildwerke des Nordens.
Von dem Formenadel und der monumentalen Größe
der italienischen Plastik können unsere wenigen Stücke
keinen Begriff geben, ebensowenig die sechs spanischen
Nottingham vertreten, jene im Ausgange des 14. und im
15. Jahrhundert auch für den Export arbeitende Lokal¬
schule, die nach dem Kontinente zahlreiche Arbeiten
geliefert hat.
Zwei kleine Sonderausstellungen bilden den Schluß
der Skulpturensammlung; die eine gibt die Entwicklung
des Madonnentypus, des Christkindes und des Kruzifixes
in zeitlicher Reihenfolge, die andere ist der Plastik des
18. Jahrhunderts gewidmet.
Dieser kurze Ueberblick rechtfertigt wohl die Be¬
hauptung, daß das städtische Suermondt-Museum durch
seinen reichen Besitz an Gemälden und Skulpturen eine
über die Grenzen der Provinz hinausgehende Bedeutung
beanspruchen darf.
B. Das städtische historische Museum.
In dem wiederhergestellten Ponttore, einer der beiden
noch erhaltenen Torburgen, ist seit 190Q ein kleines
historisches Museum eingerichtet. Es enthält die be¬
scheidene Antikensammlung, die aber doch gute Proben
griechischer Keramik aus allen Entwicklungsphasen aut-
weist; auch einige feine, kleinplastische Werke aus Ton
und eine schöne Spiegelkapsel aus Bronze mit dem Raube
der Europa in Relief dürfen nicht vergessen werden.
Die römischen Funde aus Aachen und Umgebung
sind nicht sehr zahlreich, sie beschränken sich auf
M
Dem heilig-en Petrus geweihter Calcorer Schnitzaltar von Jan van Haldem
in der Skulpturen-Sammlung des Aachener städtischen Suermondt-Museums
Nr. 15 DEUTSCHLAND 737
Ziegel mit Stempeln der 6., 10. und 30. Legion, einige
Reste von Grabdenkmälern und Votivaltären, Schüsseln,
Tellern und Näpfen aus Terra sigillata mit verschiedenen
Stempeln, Terra nigra und mit Barbotineverzierung und
kleinere Glasgefäße. In Stolberg in
einem Garten wurde ein sehr hübsches
Bronzegefäß in Form einer Satyr¬
büste gefunden. Eine kleine Samm¬
lung von Millefiorischerben stammt
aus Alexandrien. — Um ein unge¬
fähres Bild der antiken Kunst und
Kultur zu geben, werden die Samm¬
lungen durch Abgüsse, galvanoplas¬
tische Nachbildungen und Photo¬
graphien ergänzt, so sind zum Bei¬
spiel die mykenischen Goldfunde und
der Hildesheimer Silberfund, die Aus¬
rüstung eines romanischen Legionärs,
römische Feldzeichen und fränkische
Waffen in sehr guten Nachbildungen
vorhanden.
Dr. Ignaz Beissel schenkte seiner¬
zeit eine kleine Sammlung prähisto¬
rischer Gegenstände, beinahe aus¬
schließlich aus der älteren und der
jüngeren Steinzeit, die in den Höhlen
von Spienne und anderen Gegenden gefunden wurden.
Es sind Beile, Messer, Schaber, Lanzen- und Pfeilspitzen,
zumeist aus Feuerstein, Scherben von Tongefäßen und
eine größere Anzahl teilweise bearbeiteter Geweihstücke
von Renntieren. Auch diese Abteilung ist in letzter
Zeit durch charakteristische Proben von Feuerstein¬
werkzeugen und Waffen aus den verschiedenen paläo-
lithischen Stationen Frankreichs ergänzt worden. Mit
Hilfe einer Stiftung des Vereins der Aachener Nadel¬
fabrikanten konnte außerdem noch eine hübsche
Sammlung prähistorischer und römischer Gebrauchs¬
nadeln, Schmucknadeln und Fibeln erworben werden.
Ziemlich spärlich sind auch die Funde aus der
merowingischen und karolingischen Epoche, sie stammen
der Mehrzahl nach von einem Gräberfelde im Nord¬
westen von Aachen am sog. langen Turme und bestehen
aus Lang- und Kurzschwertern, Dolch¬
messern, Kriegsbeilen, Speer- und
Pfeilspitzen, Teilen von Helmen und
Schilden, Rundfibeln, Schmuckperlen
und Tongefäßen verschiedener Größe.
Gemälde, Aquarelle, Kupferstiche,
Holzschnitte, Lithographien und
Photographien nach Bauten aus Alt-
Aachen, Modelle alter Gebäude oder
Teile von solchen, Darstellungen von
wichtigen geschichtlichen Begeben¬
heiten, darunter viele auf die Heilig¬
tumsfahrt bezügliche Blätter und
Gegenstände, Bildnisse hervorragen¬
der Aachener Männer und Frauen,
Zunft-Altertümer, Folter-Werkzeuge,
Abgüsse nach den bedeutendsten
Werken des Domschatzes, Siegel¬
abgüsse, Maße und Gewichte und
eine kleine Waffensammlung bilden
die lokalgeschichtliche Abteilung.
Hierzu kommt noch die Sammlung
von Münzen und Medaillen, die sich aus drei Kollek¬
tionen zusammensetzt, von denen die ziemlich voll¬
ständige Sammlung Aachener Münzen und Medaillen
die wichtigste ist.
C. Das städtische Kunstgewerbe-Museum.
Dieses Museum wird im Laufe des Jahres 1912
eröffnet werden. Der große Zuwachs an Sammlungs¬
gegenständen, namentlich der Umbau der Skulpturen¬
sammlung, machte die Trennung der einzelnen Samm¬
lungen nötig, und so wurde das wieder freigewordene
Gebäude Pontstraße Nr. 13, das längere Jahre dem
Polizei - Präsidium
als Heim gedient
hatte, wiederher¬
gestellt und als
Museum einge¬
richtet. — Auch
bei den kunstge-
werblichenSamm-
lungen überwiegl
der lokale Cha¬
rakter, vor allem
bei den Möbeln,
denMetallarbeiten
und der Keramik.
Die Möbel und
eine über 400
Nummern um¬
fassende Kollek¬
tion von Schnitze¬
reien, Füllungen
mitMaßwerk,Roll-
werk,Wappen und
Reliefs, Friesen,
Stützen, freien
Schatz des Aachener Münsters: Marienschrein, 13. Jahrhundert (silber-vergoldet)
Schatz des Aachener Münsters:
Karlsbüste, 14. Jahrh., auf dem Haupte
die deutsche Königskrone, 13. Jahrh.
□ □ □
^Sturz der Verdammten", Gemälde von P. P. Rubens
:: im Aachener städtischen Suermondt-Museum ::
□ □ □
□
□ □ □
□
Nr.l5 DEUTSCHLAND 739
Endigungen und anderen Details, die eine gute lieber-
sicht über die in Holz üblichen Verzierungen von der
Gotik bis zum Empire erlauben, sind zum größten
Teile niederrheinischer, westfälischer und niederlän¬
discher Herkunft.
Eine stattliche Anzahl von Kirchenmöbeln muß vor
allem genannt werden: so ist die zierliche Kanzel aus
Golkerad bei Erkelenz mit Füllungen im Fischblasen¬
stile und Wappen der Grafen Moers-Saarwerden wohl
eine der schönsten, die aus dem 15. Jahrhundert auf
uns gekommen sind. Eine reiche Barockkanzel stammt
aus Kalterherberg in der Eifel, ein malerischer Rokoko-
Altaraufsatz aus der Kirche St. Kreuz in Aachen. Ein
besonderes Prachtstück ist der in Lyon für Kurfürst
Klemens-August von Köln hergestellte Thronsessel
aus vergoldetem Lindenholz mit Polsterbezügen in
Relief- Stickerei, den
Napoleon I. in Köln
wegnehmen ließ und
ihn dem von ihm
eingesetzten Bischof
Berdolet von Aachen
schenkte. — Von den
in Eichenholz ge¬
arbeiteten Aachener
Möbeln des 18. Jahr¬
hunderts besitzt das
Museum eine reiche
Auswahl. Dieselben
sind in den Formen
ruhiger gehalten als
die bekannten Lüt¬
ticher Möbel, auch
maßvoller in der Ver¬
zierung. Nur die Ge¬
simse sind reicher
gestaltet und daher
auch die Vorliebe für
Verkröpfungen.
In dem ähnlichen
Verhältnisse wie die
Aachener Möbel zu
denen von Lüttich
steht auch die Metall¬
industrie zu der des
Maastales, so daß
ihre Erzeugnisse, Kupfer, Messing- und Bronzegefäße
und -Geräte, oft nur schwer von einander zu unter¬
scheiden sind. Bei den Bronzemörsern des 15. bis
17. Jahrhunderts geben nur die Inschriften ein Unter¬
scheidungsmerkmal.
Im Saale der Eisenarbeiten fallen die schönen
Schmiedearbeiten der Barockzeit auf, feine, zierlich
gearbeitete Gitter, Gittertore, Oberlichter, Fensterkörbe
und Brüstungen, Balkongitter und andere Arbeiten.
Wohl das schönste Stück ist das vergoldete Balkon¬
gitter vom Hause Comphausbadstraße 15.
Eine ganz erlesene Sammlung, die sechs große
Pultvitrinen füllt, ist die große Kollektion von Speise¬
geräten, Messern, Gabeln und Löffeln, die Dr. Franz
Bock dem Museum vermacht hat. In seltener Voll¬
ständigkeit zeigt diese Sammlung alle möglichen Formen
und Verzierungsweisen, so daß man neben den Stil¬
wandlungen und Techniken vom 15. bis 18. Jahrhundert
auch die Ausstattung der Griffe in edlem und unedlem
Metall mit Holz, Buchsbaum, Bein, Perlmutter, Schild¬
patt, Elfenbein, Halbedelsteinen, Bernstein, Bergkristall,
Korallen, Porzellan, Zellen- und Maleremail und Perl¬
stickerei sehen kann.
Die Arbeiten aus Edelmetall beschränken sich der
Hauptsache nach auf Werke der kirchlichen Kunst,
Kelche, Ziborien, Monstranzen, Reliquiare, Leuchter,
Rauchfässer, Stand- und Vortragkreuze, Weihwasser-
kesselchen und Ewigelichtampeln.
Eine gute Sammlung rheinischen Steinzeuges ist
die dritte bodenständige Abteilung. Raeren und Aachen,
Köln, Frechen, Siegburg und Westerwald sind mit typi¬
schen Exemplaren so vertreten, daß unsere Kollektion
zu den hervorragen¬
deren ihrer Art ge¬
rechnet werden muß.
Porzellan undGläser
hat das Museum noch
nicht viel, dagegen
eine recht hübsche
Sammlung von Glas¬
gemälden und Teilen
von solchen, darunter
eine Anzahl Stücke,
wie sie in den deut¬
schen Sammlungen
selten zu treffen sind,
so zum Beispiel fünf
große spanische Glas¬
gemälde mit Apostel-
figuren, welche durch
die Eigenart ihrer
Farbenzusammenstel¬
lung besonders inter¬
essant sind.
Die Textilienabtei¬
lung, die durch eine
schöne Kollektion von
über 100 koptischen
Stücken aus dem 4.
bis 8. Jahrhundert
eingeleitet wird, ent¬
hielt viele frühmittel¬
alterliche Stoffproben, namentlich einige wertvolle
byzantinische und sassanidische Muster. Die diese
Abteilung schließende Spitzensammlung enthält zwar
nur wenige Paradestücke, dafür aber in typischen Bei¬
spielen beinahe alle Arten von Spitzen.
Zum Schlüsse sei noch eine hübsche Sammlung
von Feuerwaffen, eine Stiftung des Herrn Dr. Eduard
Springsfeld, erwähnt, die sehr fein gearbeitete, reich
eingelegte Luntenflinten, Radschloßgewehre und Pistolen
aus dem 16. und 17. Jahrhundert aufzuweisen hat.
Die Museen hatten sich bisher immer der beson¬
deren Fürsorge des Stadtoberhauptes, Oberbürger¬
meisters Veltman, zu erfreuen, so daß die Hoffnung
nicht unberechtigt ist, daß auch dieses Museum seiner
Kunstliebe und Tatkraft bald die Mittel zu einem
systematischen Ausbau verdanken wird.
740 DEUTSCHLAND Nr. 15
AlaT mi Oche än si Plattl
Der schör\nste Klangk vor jedderenge Ich ben jewandert en de Röngde
Op Joddes Eäde witt än ronk, An wor bedrövt als Ocher Jong
Es wat vür hüre, spreiche, senge Wenn feär va Frau än Kenk än Fronde
Als Kenger kleng us Modd'remonk. Jeä Mensch mi Ocher Platt verstong.
Deä Klangk deä blievt os vor et Leäve Doch wor deä Meßmot jliech jebrauche,
Än mänich jölde Elderewo't TroT ich 'nen Ocher op ming Fa'ht:
Dat steäht os deip en't Hatz jeschreäve, Dann wo't wier hatzlich Platt jesprauche
Än wö'te v'r hondert Jahr ouch o't. Än onverfälscht wie opne Ma't.
Futt met die Quante, die sich schäme
Vor dat, wat hön de Beiß jeliehrtl
Wo recht je Ocher send zesame,
Moß Ochesch weäde tespetiert.
Dröm roff ich, datt de Mu re beäve,
Än mü't versenken ouch os Stadt:
„Ala'f, mi Oche, du salls leäve I
AlaT ouch du, min Ocher Platt P
Johannes Classen.
De Ongerschreff. „Modd ühr Leähm han?I''
En effe BuTemännche vajne Scheäd, „Modd ühr Leähm han?!" röfft et Micke
Deä leiß e Stock Terräng verkoufe wou, Än der Ku'bes schörgt de KaT.
Ko'm dobei ärig e Verläjenheäd „Leiv Madämmche, vor de Klütte
Wie heä der Akt nu ongerschrieve sou. Lewere vür de schönnste WaT."
Heä hau et Schrieve nämlich net jeliert — „Leähm met Klüttejreß jemengelt
Doch der Noteär deä trü'stet häm met Laache Brennt doch beister wie deä Schlamm —
Än saht, heä sou da mär janz onscheniert Vor de Klenge lodd verdenge
A Plaatsch va singe Nam drei Krüzjere maache. Os e Jröschelche, MadammI"
Jetz kräeg os BuTemännche rechtig Mot; „Sövve StömpchTe, schwatz va Honger,
Doch wäje datt heä en et Huchdütsch schwaach, Wa de heäm op MuT än VaT" — —
Frogt heä der Heär: „Sadd es dat jrad esu jot, „Modd ühr Leähm han?I röfft et Micke
Wenn ich die Krüzjere op Plattdütsch maach?" Än der Ku'bes schörgt de KaT.
Johannes Glossen. Johannes Classen.
De Destel
De lejvste Blömmchere do stönt Alleng de Destel — pielreätop —
Wal en de schönnste Klüre, Steät stief än stupp än trotzig, —
Wie sej su nett jewaaße sönd, Sej dreägt su huech dä deke Kopp
Än hant son fing Maniere. Än es doch su nüsnotzigl
Wie fröndlich laache sej os an, Könt Enge mär ze noe die Feäg,
Wenn vür hön jönt besökel Da kratzt se än da stecht se. —
Än Jeddermann hat Freud doran, Dröm jeät hör Alles us der Weäg
Jeät jeär die Blömmcher plöke — Än Jenge könt än brecht se.
Su stong de Destel lang zer Stroef
Omdat sej net jedoeht hat;
Bes endlich et sich doch bejoef,
Dat Enge se jeploeht hat. —
Mär wat vör Enge, dat dat wor,
Dat bruuch ich net ze melde —
Et woT ne Eäsel, dat es klorl
Son Eäsle sönd net seldel
Heinr. Jonssen.
Nr. 15 DEUTSCHLAND 741
Das Aachener Münster: Nordfront
Aachens Baudenkmäler.
Von Stadtbaurat, Königlicher Baurat Laurent.
In Aachen, der Stadt mit der reichen geschichtlichen Ver¬
gangenheit, von welcher der Chronist sagt, sie sei „ein haubt
aller Steden in Gallia und Allemanien", vermutet der Fremde
allenthalben auf die Zeugen der einstigen Größe und der Ver¬
gangenheit zu stoßen.
Dem ist nicht so. Die
Stadt macht einen vorherr¬
schend neuzeitlichen Ein¬
druck. Große breite Straßen
mit reichem Grünschmuck
durchziehen sie, und größere
Plätze sorgen reichlich für
Luft und Licht. Und doch
verleugnen die Straßen der
Altstadt mit ihren schönen
geschwungenen Linien, ihren
wohlverstandenen Vor- und
Rücksprüngen und kleinen
platzartigen Erweiterungen
nicht die mittelalterliche Her¬
kunft, wenn auch manche
Feinheiten der Forderung des
Verkehrs zum Teil haben
weichen müssen oder einer
nunmehr überwundenen Be¬
gradigungssucht zum Opfer
gefallen sind.
Auch mehrere große
Brände, besonders der Stadt¬
brand im Jahre 1656, der V«
der Häuser in Mitleidenschaft
zog, haben vieles zerstört.
Das römische Aquisgranum ist fast nur unter der
Erdoberfläche zu finden. Jedoch beweisen die aufgefundenen
Reste weitverzweigter Bauten mit geräumigen Bäderanlagen,
namentlich unter dem Münster und seiner Umgebung, die
Bedeutung der römischen Niederlassung. Ein Rest eines Römer-
Bades mit Piscine, Einzelbad und Hypokaustum, kann im Keller
des Badehauses zur Königin von Ungarn besichtigt werden.
— Erst aus der Zeit Karls des Großen, dem die Stadt ihre
Bedeutung verdankt, sind
noch ganze Gebäude und
größere Gebäudereste vor¬
handen. Darunter behauptet
die erste Stelle das hervor¬
ragendste und zugleich das
vornehmste Denkmal der
Stadt „die Pfalzkapelle
Karls", das Münster.
Trotz all der Stürme und
Brände, die dieses historisch
wie architektonisch gleich
bedeutsame Bauwerk Über¬
stunden hat, ist das Oktogon
mit seinen Umgängen, ob¬
gleich seines ursprünglichen
Schmuckes beraubt, in un¬
veränderter Form erhalten
bis auf das Dach und den
Dachstuhl, die mehrmals
durch Brand, zuletzt 1656,
zerstört wurden. Der mittlere
Teil, im Achteck erbaut
und mit einer Kuppel abge¬
schlossen, ruht auf acht
kräftigen, schweren Pfeilern.
Die das Achteck umgeben¬
den Umgänge endigen im
Sechszehneck. Sie sind zweigeschossig und enthalten eine
Unter- und Oberkirche. In der letztem, dem Hochmünster,
steht gegenüber dem Chor der Krönungsstuhl, auf dem die
Könige nach der Krönung dem Gottesdienste beiwohnten.
Schatz des AachenerMünsters: Anastasius-
Reliquiar, byzantinisch (12 .Jahrh. n. Chr.)
0 EUTSCHLÄND ©©^te^seeeseeeeee^ieeeeee^it Nr* 15
Das iniuctre ic'hmüeltt-eJne «t> ttwjrtajfVstt ^ Kett«
ein Geschenk llstfe
Vv^jfoldeJ.e:^ Klopfe
nVit dßHi'. himmUsche ji'räsaiejp;^ r ^ ;
,..: iwife- C^:lt3w piü kpKnc^r;
Wurf<§iinift2^i m Suftbep^Ot’-i'n inid iib^'rprölßed^
g-myl^len . iifftsrhuuicktesp M^itiw^'fkf^nsj^m ^
wurde in der ^wet(i?rv lialflö de& üii SteUc:
dcr k 1 f’ i u^b kö?ölit\gls£l\en Die im 14. tmd:
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K fe . ej j;i ■ der ■ K5 t>ster- f- * iJ 'ff'^'
g^nsse,’ däft kieine Drachen^ ■.; h ■ i/M -V'.
lücJa Dfee Idr den. -vöj-:.. ' . ■’ . £ %.i jWäi^.
(I t J; ^ ^ erbiiut wurde; Df^dßigmäi}
I ; BiP iil \ käntite du? Stindi die^
: HK |: l " hoben Feste feiern* das
I^bI i le'MietRal bei. d^?r Kronunff
r j Kl Vif •. J^fe’ Ferdinands
Bef Saal wdrd >jurr*h vier
hBbmL-J^KJ^ mflsSive PlöMr in ÄeKhJeNfbe
i^eMh, die mit inäcbti^en^
f HB/^ r^ ’- t^oii schw^ri?a Trippen g:<frlrä-
^ sBr st ^ f?ehen Krm iwtiB>«?rv iiii>ep^
[■ffff ji spnna^ sind;. Ufsprürngüdv
hatte die goO&ithe D-^^^
vF bekiäu hangÄeiteiA Feirat^r.
r NicKi TO Nutzen des Baib^
^ wericä, sii\ti ^ie an der Söd-
JT ^ ^^ite für die Wähdgemäld«
vertnHii^rT wördUn,
'V - OieSii^ Krikj$^ü%nmalde^
BHKMILi^ IP AllVed Rediel^ emear
> jw der Stadl; i m Jah r^ 1Ö4Ö-’ 51
arfrekcp gemalt* stellen her-;
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Vioilnche Brümk' h<?dii5n /tr vt'ic'derKoiten Mrden dös Re£"'
h J\\m sei per Tkrune nrnil n e s D ncii £^ heraiib ä ber seine
Cie y/^til}>p si fid ta rfhtprafide^^nr örtn y c bJieb€t'. ;: Wßch dem
llrutid ypii dpi ^eiÄfttirte und nur ein
A i-h 1 ü 1 vtf r^ 1 hlel t; :djyi$.. th>itT 8 0 a r:h ^ind Tü
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innnumenial wirkten. Wenn sm d^m gousch6tV
Untcrbim wprkigpr paC>t;&iv; sp beherr^tiifon sie das '^^eichhtld
der Stadt und hp^bni ön d ttfrh thre.; hlDhe und Ala^^e ßTegefp-
über der hmggp-girdvkTivu Fropt die Vertikale^ Mit
godeuken, dm . Autbö- .' ’ -|f :1 •!rz‘:::^^ W»r.Tt^M T
W&KrO-n d^v. t&itweh^n von _S - .<( 8 S^®a£S^
Köri dem Großen gesamt 'S 1 -/^ 3 ^; ^
nmkeft iI rgtumer dien-;■ E
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o n der e ] rn n.r ck^V BB lB Hff ^ ^7 '
stilij uusjge.fiil irtp iJngönsic li e HHHI' T " i d /
Seil mditr tWrio Öl) *1 ah ret v.
wird l'ortwaiirend üit der ‘ ~
Wiederhenslelttuig des fnr
die Kunstgesdiichie vo wPrt-
voilTO B:rf>ulOTifeftmts irwif' .
bi'tid Oiink df'T «-itriiferi . , ,, ._ r ,
aa Kuibverdi« AaLlicaer Mtmster: Das D^rf.
^tnd äuch 4iP Mij L&l für 4-^1} inuerpn, ArJ^^l nii b^sclVörtü; Dm
monifmantöTo Ausri^iilihüskudg mit sebehen Mji^tVTiürsorJöo und
Mo-^uiik ist 'ium gi&ßUrr.Töd
Düs ^:W 7 dte bftth;;Vffprvdö IVp 0 P rk;;^ ijer karo 1 i t \g'isctji 11 n
Zü i t, J öfi o'c ti o u r ;■: tlfekws^ ■ k^'thü li ivn ^ 1 ' 4 j e V. f 0 G. Kor ? s
de h G r Q ße n, n uj: derlp n Tir^ mmiTo d tj s ]^t t ijg e : R a th öus i n vie r
eGtep Hälfe - .dds 14; JoJirhuodi^itis^ prbiJtbt Wurfe Tfe
R'ii. llr n :fel' körrd.fnj^i^d^pn turndiiifmntfe
Ks .'iimvj^'f.''llin'di!i;lV;J^ i^ein.es GriäÖdrHsös.'fes di© gteichö
A f. w-Ar; der hin u p 1 h ßu di^ r -Koi^serpful?. ;■' .N *h':\ i ii e u t'hiTt,
Nr. 15 DEUTSCHLAND 743
Münsterkirche Aachen: Pala d'oro auf dem Hochaltar, Goldrelief 10. Jahrh.,
Umrahmung* hergestellt 1872 durch Ayg. Witte, Hofgoldschmied, Aachen
Schrecken und tiefem Leid sah die Bürgerschaft bei dem
Stadtbrande von 1883 auch diese Wahrzeichen in Rauch und
Flammen verschwinden. Bei der Wiederherstellung sah man
davon ab, die Türme in der ursprünglichen gotischen Ge¬
stalt aufzubauen, von
der zudem nur wenig
gute und unzuverläs¬
sige Bilder Kenntnis
geben. In richtiger
Würdigung der Volks-
Stimmung bewahrte
man vielmehr das lieb¬
gewonnene Bild und
führte wiederum zwei
gleichwertige, aber go¬
tisch gestaltete Türme
aus. Bei dieser Ge¬
legenheit wurde das
ganze Gebäude im
Innern und Aeußern
von Grund aus er¬
neuert, die Vorderfront
mit Figuren,Reliefs und
Wappen in reichster
Weise geschmückt und
die Hinterfront durch
Anbau einer Arkaden¬
galerie, welche sich
zwischenStrebepfeilern
spannt, verstärkt. Auch ein Anbau an den Granusturm
längs der Krämerstraße wurde errichtet und so ein abge¬
schlossenes Bild am Katschhof erzielt.
Da das Rathaus hauptsächlich nur repräsentativen Zwecken
dient und nur wenigen Amtszimmern Raum bietet, errichtete
man an der andern Seite des Katschhofes ein neues, ge¬
räumiges Gebäude zur Aufnahme sämtlicher Zweige der
städtischen Verwaltung, das neue Rathaus.
Der Neubau, in spätgotischer Stilsprache ausgeführt,
bildet für sich eine eigene Baugruppe, wenn er auch mit
dem Rathause durch
eine Brücke am Markt¬
turm verbunden ist.
Er ordnet sich seinem
Zweck gemäß dem Rat¬
hause nach und findet
seine Höhenentwick¬
lung erst in der Ritter
Chorusstraße, an der
sich ein mächtiger
Uhrturm aus der Bau¬
masse entwickelt.
Der Katschhof —
einerseits begrenzt von
derBaugruppe des alten
und neuen Rathauses,
anderseits demMünster
mit dem recht glücklich
wieder hergestellten
karolingischen Gange
— bildet ein Stadtbild
von überraschender
Schönheit und einer so
großen geschichtlichen
Bedeutung, daß ihm
sicher wenige Plätze in
andern Städten gegen¬
übergestellt werden
können.
Das Aachener Münster: Die Armseelenkapelle
Zu den Bauwerken aus karolingischer Zeit ist auch die
Salvatorkirche zu rechnen. Sie wurde durch Ludwig
den Frommen errichtet und nach deren Verfall von Otto III.
wieder aufgebaut. Die vollständig zur Ruine gewordene Kirche,
von der nur Teile des
Mittelschiffes und die
beiden unteren Turm¬
geschosse bestanden,
wurde unter engem
Anschluß an die auf¬
gefundenen Reste auf
den alten Fundamenten
von der Stadt 1885
wieder hergestellt.
Aus der romanischen
Bauperiode finden wir
nur wenige Ueberreste.
Zu diesen gehören
der letzte Rest der
Stiftsgeistlichen-Woh-
nungen ander Kloster¬
gasse, deren ursprüng¬
liche Gliederungen
durch den alles ver¬
deckenden Mörtel und
durch modernisierte
Fenster leider entstellt
nur mehr an einigen
wenigen gekuppelten
romanischen Fenstern erkennbar sind, sowie die Bauwerke
Philipps von Schwaben, die vorgenannte Armseelenkapelle
mit der darüber gelegenen Archivhalle und der Eingang zur
Kreuzkapelle.
Aus der Uebergangszeit stammt das am Fischmarkt ge¬
legene, von Richard von Corn wallis erbaute älteste Rathaus
der Stadt, das erst nach Fertigstellung des Rathauses auf
dem Markte verlassen wurde. Von da ab hat es zu den ver¬
schiedensten Zwecken, zuletzt als Gefängnis, gedient, bis es
zur Ruine geworden, dem gänzlichen Verfall nahe war.
Gegenwärtig ist dieses
hochinteressante Bau¬
werk wieder hergestellt
und birgt in seinen
Mauern das städtische
Archiv und die Stadt¬
bibliothek.
Die Stadt hatte zwei
befestigte Mauer¬
ringe. Der erste folgte
den Straßen, welche
noch heute mit dem
Namen Graben be¬
zeichnet werden. Er
wurde auf Befehl Fried¬
rich Barbarossas 1172
begonnen. Friedrich
ließ die Bürger gegen
Verleihung mancher
Vorrechte schwören,
die Stadt in einem Zeit¬
räume von vier Jahren
mit Mauern, Toren und
Türmen zu umgeben.
Von dieser ersten Be¬
festigungsind nurmehr
einzelne Reste vor¬
handen. Aeltere Stadt¬
pläne zeigen die Mauer
744 DEUTSCHLAND Nr. 15
mit zehn Toren und zehn Türmen. Auch nach Errichten der
zweiten blieben die Tore der ersteren noch mehrere Jahr¬
hunderte bestehen. Eine Anzahl wurde Mitte des 18. Jahr¬
hunderts und der Rest in der französischen Zeit abgebrochen.
Die Stellen, wo diese Tore einst standen, werden heute noch
im Volksmund als Mitteltore bezeichnet, z. B. Pontmitteltor
am Templergraben, Kölnmitteltor am Seilgraben usw.
Die zweite Umwallung wurde Ende des 13. und Anfang
des 14. Jahrhunderts errichtet. Bereits 1320 werden die Haupt¬
tore urkundlich erwähnt. Diese zählte 11 Tore und 22 Türme,
die ebenfalls größtenteils der französischen Herrschaft zum
Opfer fielen. Von ihnen sollen das Kölntor das zierlichste,
das Burtscheider Tor das stärkste und das Sandkaultor an
Mauerwerk das höchste gewesen sein. Gegenwärtig besitzt
die Stadt nur mehr zwei Torburgen, das Ponttor und das
Marschiertor.
Das Marschiertor, ein für die mittelalterliche Be¬
festigungskunst höchst lehrreicher, im Innern noch vollständig
erhaltener Bau, wurde vor wenigen Jahren mit neuem Dach
versehen und im Aeußern, soweit erforderlich, ergänzt; im
Ponttor dagegen fehlte der innere Ausbau gänzlich. Es
wurde wiederhergestellt und als Museum für Aquensien ein¬
gerichtet. Von den Türmen sind noch erhalten: der Marien¬
turm, der lange Turm, der Lavenstein und der Pfaffenturm.
Was die Stadt an Gebäuden aus dem 13., 14. und
15. Jahrhundert besitzt, ist teilweise schon bei den vorbe¬
schriebenen Bauten erwähnt. Zum Vervollständigen bedarf
es noch der Nennung einiger Kirchen. Zunächst sind
es die Nikolauskirche,
eine frühere Franziskaner¬
kirche,und diePaulskirche,
eine frühere Dominikaner¬
kirche. Beide Kirchen
sind offene schöne Hallen¬
kirchen, deren Gewölbe
von schlankenSäulen ohne
Dienste getragen werden.
Bei beiden schließen die
Seitenschiffe gerade und
das Mittelschiff polygonal
ab. Die Nikolaus-
k i r ch e ist vor wenigen
Jahren gut restauriert und
mit einem neuen Kreuz¬
gang an Stelle des alten
zerfallenen geschmückt
worden. Die im Innern
schon seit mehrerenJahren
wieder hergestellte und
mit reichen Altären und
wertvollen Glasmalereien
versehene P a u 1 s k i r ch e
wurde in den letztenJahren
auch im Aeußern erneuert.
Weiter ist die Foilans-
kirche zu erwähnen, die
älteste Pfarrkirche der
Stadt, jetzt ein gotischer
basilikaler Bau mit einem
reich entwickelten, in den
letztenJahren aufgebauten
Turm, welcher im Weich¬
bild der Stadt im Verein
mit dem nebengelegenen
Münster vorzüglich wirkt.
Dem 17. Jahrhundert ge¬
hören d e Jesuitenkirche
und die Gymnasialkirche
an. Die Jesuitenkirche, eine basilikale Anlage mit zwei¬
geschossigen Seitenschiffen, wurde T6I8 eingeweiht. Die
reiche Front an der Jesuitenstraße, in schönen Formen der
Spätrenaissance gehalten, ist 1890 erneuert worden. Den
Hochaltar schmückt ein berühmtes Gemälde Gerhards von
Honthorst, die Kreuzabnahme.
Profanbauten aus dem Mittelalter sind überhaupt nicht
mehr vorhanden, oder so umgebaut, daß von dem Alten
wenig mehr zu erkennen ist. Die älteren stammen mit
geringen Ausnahmen aus der zweiten Hälfte des 17. Jahr¬
hunderts. Die wenigen, die der Brand von 1656 verschonte,
verschwinden immer mehr. Im Museum wird eine hübsche
Sammlung dieser wenigen Bauten im Bilde aufbewahrt. Lehr¬
reiche Beispiele der damaligen Bauweise in Ziegelsteinen in
Verbindung mit Hausteinen bieten das Haus „Im Ackermann"
in der Jakobstraße, das kürzlich gut erneuert wurde, und das
1657 an den Granusturm angebaute kleine Haus. Neben
letzterem fällt die dann am Rathause noch übrig bleibende
Ecke, ein höchst origineller Barockbau auf, den der Volks¬
mund „Postwagen" nennt. Er umfaßt nur 15 Quadratmeter
und mißt, obgleich zweigeschossig, vom Bürgersteig bis zum
Hauptgesims nur 4,60 Meter. Der untere Teil ist im Fach¬
werk errichtet, die Fenster haben Klappläden. Das obere
Geschoß, etwas gegen den Untersatz ausgekragt, besteht aus
Holz und hat zwischen den Fenstern gewundene Säulen mit
gut geschnitzten Kapitälen.
Die nach 1656 entstandenen Gebäude tragen verständlich
den Stempel der Dürftigkeit und Armut. Es hat lange ge-
Das Aachener Stadttheater und das Denkmal Kaiser Wilhelms I.
Nr. 15 DEUTSCHLAND 745
dauert, bis die Stadt sich von den Folgen dieses Brandunglücks
erholt hatte. Zählte sie doch gegen Ende des 18. Jahrhunderts
nicht einmal so viel Häuser, als der Brand zerstörte. Erst
nach dem ersten Viertel des 18. Jahrhunderts läßt sich in
der Bautätigkeit wieder ein Aufschwung erkennen, der vor¬
zugsweise in den von Johann Joseph Couven und Jakob
Couven, Vater und Sohn, errichteten Bauten zum Ausdruck
kommt. Beide haben einen großen und fruchtbaren Einfluß
auf die Bauten ihrer Zeit ausgeübt.
Unter den Kirchen, die Couven baute, verdienen die Abtei¬
kirche und Michaelskirche in Aachen-B. und die innere Aus¬
stattung der Theresienkirche,
sowie die evangelische Anna-
kirche erwähnt zu werden.
In diese Zeit fällt auch
der Umbau des Rathauses,
das man vollständig seiner
gotischen Fassade teraubte
und dem man eine solche im
Stile der Zeit vorsetzte. Noch
erhalten ist die damalige Aus¬
schmückung der Erdgescho߬
räume mit reichem Stückwerk
und feingeschnitzten Ver¬
täfelungen.
Das im Jahre 1785 er¬
baute Kurhaus ist einWerk
des jüngeren Couven. Den
Hauptraum des Gebäudes
bildet der fast überreich aus¬
gestattete Saal, im Ober¬
geschoß der Ballsaal, der
sich von der Vorder- bis
zur Hinterfront erstreckt und
durch zwei Etagen reicht.
Durch die ruhige Pilaster¬
stellung im unteren Teile und
die mit Stickkappen reizvoll
unterbrochene Deckenvoute
wirkt er anregend und feier¬
lich. Das alte Kurhaus wurde
1903 um einen großen Anbau
im Charakter und Sinne des
ersten Erbauers erweitert.
Der Anbau erstreckt sich bis
100 Meter in die Couven-
straße hinein. Zum Aus¬
schmücken der Decken und
Wände der inVerbindung mit
dem Ballsaale neuerbauten
Säle dienten die Decke des
großen Saales aus dem
Wespienhause sowie die
schönen Stuckverzierungen
aus der alten Redoute, dem
spätem Museum, das infolge Anlage der Couvenstraße
niedergelegt werden mußte. Eine große Anzahl Privat¬
bauten beider Couven bestehen noch, unter denen die um
einen Ehrenhof errichteten Gebäude Seilgraben 34 und
Jakobstraße 35 sowie der Eckenberg in Aachen-Burtscheid
sich auszeichnen.
Diesen Bauten folgen diejenigen von Schinkel und die im
Geiste Schinkels hergestellten.
Von ihm selbst ist entworfen die 85 Meter lange Trink¬
halle am Friedrich-Wilhelm-Platz, die zu Ehren der Gemahlin
Friedrich Wilhelms IV. den Namen Elisenbrunnen trägt.
Den mittleren Teil des Gebäudes bildet eine Rotunde von
20,50 Meter Durchmesser, die von 7,60 Meter hohen dorischen
Säulen getragen wird. Zu beiden Seiten der Rotunde schließen
sich niedrigere offene Kolonnaden an, die in geschlossenen
Pavillons endigen. Der Blick vom Theaterplatz auf den
Friedrich-Wilhelm-Platz ist überraschend schön und einer
Großstadt würdig. Auch das Stadttheater verdankt dieser
Zeit seine Entstehung. Wenn auch dem Bau, wie den meisten
der damaligen Gebäuden, eine gewisse Monumentalität nicht
abzusprechen war, so konnte er als Theater den heutigen
Ansprüchen nicht gerecht werden. Im Jahre 1901 wurde
das Gebäude so durchgreifend umgebaut und erweitert, daß
allein die Säulenhalle mit dem Tympanon an der Vorderfront
an den alten Bau erinnert.
An Kirchenbauten
gehören der zweiten Hälfte
des 19. Jahrhunderts und
Anfang des 20. Jahrhunderts
an: die Marienkirche, die
Alphonskirche, die Jakobs¬
kirche und die Adalberts¬
kirche, der Turm des Domes,
der Turm der Foilanskirche
und der Turm der Michaels¬
kirche in Aachen-Burtscheid,
die Josephskirche, die Kreuz¬
kirche und die Kirche des Gre-
goriushauses, die Elisabeth¬
kirche, die Herz-Jesu-Kirche,
letztere nur teilweise fertigge¬
stellt; ferner an evangelischen
Kirchen: die Christuskirche
und die Dreifaltigkeitskirche.
Während früher die Stadt
eine turmarme war, bietet sie
heute dem Beschauer eine
große Anzahl hoher Türme
der verschiedensten Stilarten
dar, von der frühromanischen
Bischofshaube bis zur neu¬
zeitlichen Formensprache.
Aber auch die Profan¬
bauten, öffentliche sowohl
wie private, haben in gleicher
Weise Schritt gehalten, und
ebenso hat der Straßenbau
und der Städtebau einen zeit¬
gemäßen Aufschwung zu
verzeichnen.
Neue luftige und ruhige
Wohnviertel, teils mit villen¬
artiger, offener Bebauung,
entstehen ringsum. Man ist
bemüht, den herrlichen Wald
der Stadt immer näher zu
bringen. Dabei sorgt die
Stadtverwaltung durch eine
verständig betriebene Bodenpolitik und durch Aufschluß
neuer Straßen für billige, gute und gesunde Wohnverhältnisse.
Zum Bilde „Die Sarazenenschlacht"*).
Von Joseph Laurent.
Wer die gewaltige gotische Halle des Aachener Rathauses,
den Kaisersaal, betritt, den umfängt jedesmal wieder der
Zauber seiner Fresken, die den unsterblichen Ruhm ihres
Schöpfers, unsers Alfred Rethel, verkünden.
Diese Bilder im Verein mit der geschichtlichen Bedeutung
des Raumes bilden einen Akkord, der uns in die alte Kaiser¬
zeit, in die denkwürdige Zeit des römischen Reiches deutscher
*1 Siehe farbipe Kunstbeilage zu dieser Nummer.
Tür am Hause Klappergasse T in Aachen
(Phot.: Dr. Erwin Quedenfeldt, DüsseldorO
746 DEUTSCHLAND Nr. 15
Nation versetzt. Beziehen sie sich doch alle auf seinen
Gründer, den g-roßen Karl.
Rethel verewigte sieben seiner Großtaten und stellt im
achten Bilde die Auffindung der Leiche Karls dar. Nur vier
dieser monumentalen Darstellungen waren ihm vergönnt mit
eigener Hand der Nachwelt zu überliefern, bevor ihn das
Schicksal zwang, die weitere Ausführung seiner Entwürfe
einem andern zu überlassen. — Jedem fallen die wirklichen
Rethels sofort auf. Diese trotz der bewegten Handlung ruhig,
flächig, wie ein Gobelin wirkend, jene in konventioneller Mal-
weise weniger ruhig und aus der Fläche tretend.
Welchem seiner letzten Bilder die Palme gebührt, ob der
Sarazenenschlacht oder dem Einzuge in Pavia, ist schwierig
zu entscheiden und abhängig von individueller Anschauung.
Sehr richtig sagt J. Ponten: „Wer von heldenhaftstürmender
Unaufhaltsamkeit und Todesverachtung die größte Wirkung
erfährt, wird die spanische Schlacht für das größte Bild
der Karlsreihe halten, wem das Fühlen der Menschenseele
und ihre Gestaltung das Höchste ist, wird seine Liebe beim
Einzug in Pavia beteiligen."
Indem wir das Bild der Sarazenenschlacht veröffentlichen,
stimmen wir der Ansicht Max Schmids zu, der sie „eine
malerische Leistung ersten Ranges und koloristisch wohl die
hervorragendste Partie der ganzen Freskenreihe" nennt.
In der Mitte stürmt der Kaiser an der Spitze seiner
Getreuen mit hochgeschwungenem Schwert auf schwerem
Schlachtroß heran, dem die Augen zum Schutz gegen die feind¬
lichen Schreckgebilde verbunden sind. Er erfaßt mit mutigfer
Hand die feindliche Türkenfahne und reißt sie von dem Wagen,
dessen viergespannte, weiße Stiere sich schon in toller Flucht
befinden. Vergeblich sucht man sie zu bändigen und aufzu¬
halten. Auf der rechten Seite eine heillose Verwirrung; die
Mauren sind einem solch kühnen Ansturm nicht gewachsen.
Auf der linken Seite kämpft, geführt vom Bischof Turpin,
das siegreiche Karlsheer, alles vor sich her vernichtend.
Fragt man sich, wodurch das Bild so anregend und
überwältigend wirkt? offenbar durch das Hervorheben der
wenigen handelnden Figuren. Nur die majestätische, kämpfende
und gleichzeitig gebietende Gestalt des Kaisers und der
stierbespannte Wagen mit seinen Fahnenträgern sprechen.
Alles übrige ist mehr oder weniger als Beiwerk behandelt.
Und dennoch führt es uns in ein wildes Schlachtgetümmel
überall Tod und Schrecken.
Es läßt dem Beschauer zu denken übrig.
Aachener Denkmal-Plastik.
Von Prof. Dr. Max Schmid, Geh. Reg.-Rat.
Aus Aachens Vergangenheit ist, wie im Profanbau,
so auch in der profanen Denkmalkunst nicht vieles
erhalten. Verschwunden
ist jenes Reiterbild des
gewaltigen Ostgoten
Theoderich, des edlen
Dietrich von Bern, das
einst Karl der Große
im Hofe seiner Pfalz er¬
richten ließ. Und von
Karl dem Großen selber
kündet uns nur jenes
Brünnlein auf dem Rat¬
haus-Platze, das des
großen Kaisers Stand¬
bild trägt. Bescheiden
ist es nach seinem
äußern Umfang, und
viele tadeln es, weil
es nicht ganz im Ver¬
hältnis zur historischen
Größe des erhabenen
Kaisers zu stehen
scheint. Unsere Alt¬
vorderen waren darin
wohl bescheidener als
wir. Sie schätzten noch
nicht die Bedeutung
eines Mannes nach der
Quantität von Stein und
Bronze, die ihm ge¬
widmet sind. In einer
Stadt, die an und für
sich eine einzige große
Erinnerung an jenen
Helden bildet, ver¬
zichtete man gerne
darauf, sein leiblich Bildnis zu zeigen. Aber auch
ohne geschichtliche Beziehungen wird das Brünnlein
die Freude jedes Be¬
schauers bilden, der
ein offenes Auge für
Schönheiten im Stadt¬
bilde hat. Auf dem
etwas unregelmäßigen,
dreieckigen Platze ist
es an der günstigsten
Stelle errichtet. Mehr
nach der Breite als nach
der Höhe entwickelt,
fügt es sich glücklich
in die Fläche ein. Auch
merkt man es ihm
nicht an, daß es zu
verschiedenen Zeiten
und von verschiedenen
Meistern allmählich zu¬
sammengesetzt wurde.
Das Hauptstück des
Werkes ist die prächtige
weite Bronzeschale, um
deren Saum ein zier¬
liches Ornamentband
mit Wappen und Namen
der Stifter sich hinzieht,
darunter die Inschrift:
„Durch das Feuer bin
ich geflossen, Franz
von Trier, Peter von
Trier und Daniel Laner
haben mich gegossen
A. D. 1620". Damit ist
das Jahr bestimmt, in
dem an Stelle einer
Tür am Hause Annastraße 35 in Aachen
(Phot.: Dr. Erwin Quedenieldt, Düsseldorf)
Nr. 15 DEUTSCHLAND
747
gotischen Spitzsäule,
die bisher den Markt¬
bewohnern Wasser ge¬
spendet, der Renais¬
sance - Brunnen trat.
Aus einem polygonen
Becken erhob sich seit¬
dem auf einem Sockel
die gegossene Schale
und darüber die Erzge¬
stalt Karls des Großen
in jener naiven Auf¬
fassung, wie die ganze
Renaissance den ritter¬
lichen Kaiser darzu¬
stellen pflegte: imEisen-
panzer, mit einer an¬
sehnlichen Krone auf
dem bärtigen Haupt, mit
Reichsapfel und Zepter
in Händen. Nicht gerade
monumental, aber lustig
und volkstümlich. 1734
muß dieser Brunnen
stark inVerfall gewesen
sein, denn der damalige
Stadtarchitekt Johann
Joseph Couven ließ das
alte polygone Becken
abbrechen und ersetzte
es durch einen läng¬
lichen, anmutig ge¬
schweiften Steinnapf,
in dem der alte Sockel
mit Bronzeschale und
Kaiserbildnis wiederum
aufgestellt wurde, doch
so, daß Kaiser Karl nun
zum Rathaus blickte.
Acht Jahre spätersetzte
man zwei bronzene Del¬
phine in das Becken hinein, die lustig kleine Wasser¬
strahlen entsenden. So plätschert und rauscht es um
die alte Kaiserfigur. Und wer etwa zu nächtlicher
Stunde den einsamen Platz überschreitet, freut sich des
traulichen und anmutigen Bildes aus alter poetischer,
anspruchsloser Zeit.
Die Herrlichkeit des Barock und Rokoko war ver¬
rauscht. Kaiser Karl war von seinem Brunnensockel
herabgeholt worden, nach Paris gefahren und wieder
nach Aachen zurückgekehrt. Der biedere Klassizismus
hatte in dem inzwischen französisch gewordenen Aachen
seinen Einzug gehalten und hinterließ in dem neuauf-
blühenden Stadtteile, in der Alexanderstraße und Peter¬
straße, Zeugnisse seiner schlichten, aber gesunden Bau¬
weise. Da fand man es angemessen, auch auf dem
kleinen Platzdreieck, auf das die volkreiche Sandkaul-
straße einmündet und das im Volksmunde seit alters
„auf dem Hauptmann" hieß, das dort vorhandene
Brünnlein zu „modernisieren". Jetzt diktierten Aegypten,
Etrurien und Alt-Rom die Kunstgesetze. Auf dem
Lousberg wurde ein Obelisk errichtet (1807) und 1825
erhob sich auch „auf
dem Hauptmann" ein
stämmiger Obelisk, an
dessen vier Flächen
vier antik gewandete
Jungfrauen in starkem
Hochrelief sich gleich¬
sam im Reigen anein¬
anderschließen. Indem
sie sich die Hände
reichen, fassen sie zu¬
gleich die Kannen,
aus denen das kühle
Naß in die Becken spru¬
deln soll. Trotz seines
Klassizismus ist dieser
Brunnen volkstümlich
geworden unter der
lustigen Bezeichnung
,HottmannspieP (Haupt¬
mannspfeife [-Röhre]).
Wie man sieht, waren
unsere Väter sparsam in
der Schaffung vonDenk-
malen. Selbst die hoch¬
berühmte freie Reichs¬
stadt Aachen glaubte
das ihre getan zu haben,
wenn sie alle 100 Jahre
ein Brünnlein schuf
oder auch nur eins um¬
baute. Erst im letzten
Drittel des XIX. Jahr¬
hunderts fand auch
Aachen — wie alle
deutsche Städte —, daß
es gleichsam denkmals¬
nackt sei und dieser
Nacktheit sich schämen
müsse. Da war es denn
schon ein Vorzeichen
dieser Wandlung, daß man kaum 10 Jahre nach Er¬
richtung der Hottmannspief bereits 1836 bis 1844 das
große Ereignis des im Jahre 1818 zu Aachen abge¬
haltenen Monarchen-Kongresses durch Errichtung einer
kleinen tabernakelartigen Marmor-Kapelle feierte, die
Ortskundige heute noch im Garten des jetzigen Justiz¬
gebäudes zu entdecken vermögen. Sie zeichnet sich
mehr durch Schlichtheit als durch andere Vorzüge aus.
Dann forderten die großen Kämpfe von 1864, 1866,
1870 den wohlberechtigten Tribut der Dankbarkeit in
Gestalt jenes Kriegerdenkmals, das heute noch auf dem
Bahnhofplatze sich erhebt. Der bescheidene Sinn und
die bescheidenen Mittel jener Tage erlaubten nur ein
kleines Bronzedenkmal, für das man in treu-konservativer
Gesinnung einen der Letzten aus der klassizistischen
Schule, den Berliner Rauch-Schüler Drake (1805—1882),
gewann. Der Siebenundsechzigjährige vermochte wohl
nicht ganz dem großen Schwünge jener Jahre zu folgen.
Aber er stellte rührend und sinnig einen sterbenden
Krieger dar, dem ein Genius den Siegeskranz reicht.
Leider erhielt das Denkmal, das einst bescheiden
Die Christuskirche (Archiieki G. Frentzen)
746 DEUTSCMLÄND Nr. 15
^twischen Büschen nofgestellt war, heme* nfu:h üer
nionumentdien Umgestöhuj\g des Bahnhßlplou^is* eJm^
äürii exponierte Stellung. Weder nach seinef künst¬
lerischen Art, noch nach seinen Abmessungen wiU es
hierhee^ passen. Möchten doch alle, dte dem ^art-
empfunderven Denkmal wohl wollen, daran milwirken,
ihm in kleiner und geschlossener Umgebung den ge¬
eigneten Standort 2 ti schaffen.
Denkmale pflegen dem Zuge der Zeit/ dem Ervt-
wicklungsbeiJürtnis der Stadl zu lolgcn. So lenkte die
Ausgest^lliing der prächtigen Aachener Alleen an Stelle
des ehemaligen Be resfigungsgürtets die V ersehen er
freucie der Aachener Bürger auf dieses öebiet. Es
entstand am Schluß der /sichtiger Jtihre der Koiscf-
brtinnen (1670). der, wie der bunacivbarte kleinere
Stelfensbrunrien^ keffven AnspriiC'h auf künstiedsche
Würdigung macKi, aber als ein das Srndthfid freundlich
belebendes Biement dem Wafidcrer wtUkommen ist.
Dem Stiftef: jenes
brunnens, dem der Stadt
Aachen so vcohl verdienleh
C. Uehrn zu Ehren entsfand
gant in der Nidie der Iveluu-
platz. Auf diesem ettjchiele
Aachens Stadtbaitmeistiyrr Jos,
Löorent dus erste größere reli¬
giöse Denkmah die stattliche
•i’ r wMeter liohe Mariensiiule,
von wefcher die iiher > Meier
hohe Madonnenfigur seil dom
3. Juni 1657 auf ihre getreue
Stadt Aachen hetabschtuu. Der
ver^töfbenü Bildhauer W. Pohl
ist der Meister dicrset SltUuCj,
siiwie der vier oHegorischen
Oestolteri am Sockel.
Nicht gax\z ohne Staunen
sieht man, daß in einer so
reiigiosan Stadt wie Aachen.
öb^^Heheu- vielleicht von der
PassRms-^ Gruppe auf dem
Jäkobs-plciiye (gestiüel von
Beissel), keine nKmumentalen
und künstlerisch hedeutsarner^
Andachtsgrupperv sich er tjcbcu
auf ulte deitfs'che Stmlte, wie
gerade durch dies'C Verbindung rehgioser und künsl
lerischer OfdeHrcudigkeit ^om üliendichc^n Schmuck
und itir thmtlichen Efbötning bmgetragen haben. Es
sei nur an Adam Kraflis Stationen lu Nürnberg erinnert,
Freilich hat Aac.he?\ die gleiche Zurückhaltung auch
seinen verdienten Mübrugerp gegenüber gewahrt. Nur
eine^ .Mannes ist dutch ein fiffentliche-s Dcnkmol gedachr,
der rugieich Vertreter jener Ge>^ellsc:haften war, die. als
höcfnvichuge Kfaftader der Stndt betrachtet werden
müsfen, der Aachener und Münchener Feuerversiche^
rungs-GeselUchah und des Vereins zur BefördeTung -der
Arbeitsamkeif/ David tiansemanns (I7Ö0-^18Ö4) kernige
Gestalt mit eien geislvotJen^ inleiligentert Zügen ^teht. da
an der ölten Kölleporz, a«n heutigen „Hansemanti" auf
schlichtem Sacke], ar\spruthsIo$ liod dogh eöi Symbo]
•unserer modernen Zelt, iir der mit Recht nicht nur
BoköiiJi-Biunnca am Bu» hr! A-rrhen
Dabei lehit uns ein Bbck
viel unsere AUvordertv
Fürsten imd Adeligen^ sondern auch dem neue Werte
schalfenden Bürger Denkmale gesetzt werden und
Vielleicht noch im größeren Umfange gesetzt werden
dürften. Die Figur wurde von dem Berliner Bildhauer
Meinz Moffmeisler gönz lebensvo!) modelliert und fand
an einem der belebtesten Punkte der Stadt, dabei doch
etwas abseits stehend, eine vortieilhafte Aufstellung.
Die auÖerordendicbe Steigerung des nationalen
Wohlstandes wird auch ln Aachen dadurch erkennbar,
daß im ersten Jahrzehnt des tieuen Jahrhunderts eine
gonz außerordentliche Steigerung der Denkmalstätigkeit
sowohl noch Menge als Wert der Denkmale feinsetzt.
DivmU verband steh zugleich eine Stärkung des lokol-
geschichilichcn Sinnes, wie er ja auch in der wieder-
etwöchenden Begeisterung für die kIang\'olIe Alt-Aachener
Sprache sich oiTenbad. Die alte Sage vom Bakauf,
von jenem flhgeheuerj das den nächtiiehen, aber nicht
michlernen Wanderer erschreckt, Iond KX)5 durch
einen Bfvmneri auf dem Büchel
ihre Verewigung. Der einst in
Aachen so beliebte und mit
Bürget Schaft so innig ver¬
wachsene Meister des Werkes,
Kml Krauß,. Kat mit gutem
Humor die abenteuerliche
Gestalt des Bakauf geschil¬
dert. das durch sein plötz¬
liches Erscheioan zwar keinen
Trunkenen, wohl aber einen
wasser5chöpfet>den Knaben er-
srhrfecki/ Da Ist ein popu¬
läres, ftber doch nicht banales
Motiv tiufgegriffen und mit
jener Drostik tmd gewissen-
hoftiU^Naturdarstellungwieder-
gegeiiejs die ln der Epoche
des ReaUsmus beliebt war.
Wer dann ober den Markt
über>;c:hreitend die Jokohstraße
lünaufgehi, steht bald vor
einem, gleichfalls der Aachener^
Lökalüherliercrunggewidmeten
Brunnen, deü Karl Burger, der
hochbegabte Lehrer an der
Stadljschen KunsfGewerbeschule, 7909 geschalfen hat.
Ilun wurde die schöne utul dankb/ite Aulgöhe, den
heldervhxifte.n Bürger, den Schmied v'on Aachen, zu ver¬
ewigen, der feinst ^eine V^nterstadt mit Storker Hand von
<lem lifeinuückiscb erngedrubgenen Grafen von JüHch
und seiT\en Söhtifeh befreite. Da durfte Burger so recht
aus voller Kföftnotur heraus den mviskelstarken Schmied
wifeflergoben, tjer külvf; \tml .fufcMlos, den Hommer In
nerviger Faust, den l'eiruJ erwaitet. Und indem er
von öUem überflüssigen Beiwerk, wie von allem theatra-
Hschen Gliederspreizen Abstand nahm, hat er ein
streng geschlossenes, aber doch lebendiges und aus¬
drucksvolles \X’erk dorthin gestellt-
Cntllich brachte noch der Ausgang des .Jahres 1911
jenes entzückende kleine BuinAlein auf dem Fischtnarkt^ ?
dus nicht ganz oliuo Wideivptutlv nufgenommen wui^de,
aber luitzdem bald das volkstümlichste Aachener
Denknrud wird, obw^rdif esi nath seinem Umfang-
750 DEUTSCHLAND Nr. 15
hinter allen anderen zurücksteht. Hugo Lederer hat
da, mit glücklichem Griffe, an den Namen des Platzes
anknüpfend, ein Büblein geschildert, das ernsthaft und
fest zupackend zwei Fische im Arme trägt, die lustig
Wasser in ein Becken sprudeln lassen, wie denn auch
am Sockel aus Fischköpfen zierliche Wasserstrahlen
springen. Da ist Figur und Unterbau ganz aus einem
Gusse. Schmal genug, um auf dem kleinen Raume
nicht zu hindern, groß genug,
um gegen den ehrwürdigen
Hintergrund der Tauf-Kapelle
Stand zu halten, von deren altem
Gemäuer sich die matte Bronze
so köstlich abhebt. In der Ge¬
stalt des drallen Buben liegt so
viel Drolliges, aber auch so
viel Festes und Gesundes, daß
Kinderfreunde wieKunstfreunde
wohl mit gleichem Entzücken
diese Belebung des Aachener
Straßenbildes dankbar ent¬
gegennehmen.
Noch am Schlüsse des
scheidenden Jahrhunderts ge¬
dachte die Stadt Aachen auch
jener großen Ehrenpflicht, dem
Schöpfer des neuen deutschen
Reiches, Kaiser Wilhelm I.,
ein Erinnerungsmal in ihren
Mauern zu setzen. Wie hätte
auch die erste der deutschen
Kaiserstädte nicht des neu ge¬
wonnenen Kaisertums sich freuen sollen. Im Herzen
der Stadt, vor dem von Cremer im Schinkelstil ent¬
worfenen Theater und von dessen stolzer Säulenreihe
in streng axialem Aufbau sich abhebend, stellte Fritz
Schaper das schlicht und naturgetreu modellierte Reiter¬
denkmal auf hohem Sockel und fügte beiderseits be¬
ziehungsreiche Gruppen hinzu. Das Ganze ist durch die
Anordnung zweier Wasserbecken malerisch erweitert.
Genau zehn
Jahrespäter(I911)
durfte Aachen das
Denkmal Kaiser
Friedrichs III. ent¬
hüllen und damit
die schnelle Ent¬
wicklung unserer
modernen Bild¬
hauerei beobach¬
ten. Hatte Schaper
noch im Sinne des
absterbenden Rea¬
lismus in höchster
Naturtreue viele,
ja vielleicht allzu
viele Einzelheiten
dargestellt, male¬
risch, vielleicht
auch allzu male¬
risch die Gestalten
an dem Sockel
geordnet und bewegt, so trat nun mit Lederers
Friedrich-Denkmal die Beruhigung ein. Man erkennt
das Streben, alles Beiwerk abzulehnen, die Reiter¬
gestalt aber um so wuchtiger und eindrucksvoller zur
Geltung zu bringen. Am 18. Oktober 1911 wurde das
Denkmal in Gegenwart des Kaisers enthüllt Der
weiche Glanz der Oktobersonne überströmte die macht¬
volle Reiterfigur, durchleuchtete alle Feinheiten der matt¬
grün patinierten Bronzegestalt,
strahlte zurück von dem ver¬
goldeten Panzer. Der erste
Eindruck war überwältigend
und hält heute noch an.
Auf schlichtem, nur durch In¬
schriften belebten und nicht
allzu hohem Sockel reitet
Kaiser Friedrich daher. Aeußer-
lich ist dem naiven Empfinden
dadurch Rechnung getragen,
daß, wenn auch stilisiert, doch
Kürassier-Uniform und Reiter¬
stiefeln erkennbar sind. Den
künstlerischen Wünschen ent¬
sprach es, daß die wunder¬
volle Anatomie dieses Körpers
durch Rock, Hose, Lederstiefel,
ja selbst durch den Panzer hin¬
durch sich fühlen, das Muskel¬
spiel sich erraten läßt. Vor
allem wurde der Kopf nicht
durch einen lastenden und ent¬
stellenden Helm um seinen
künstlerischen Ausdruck gebracht. An seine Stelle
trat ein vergoldeter Lorbeerkranz. Straff sitzt der
Reiter im Sattel, stemmt die Rechte mit dem Feld¬
herrenstab in die Hüfte und faßt mit der Linken locker
die Zügel. Das Pferd ist weder reine Idealgestalt noch
realistisches Rassetier. Unmittelbar nach dem Modell
geschaffen, zeigt es doch überall die bessernde Hand
des Meisters, der die Formen verstärkt, wo es der er¬
höhte Standpunkt
oder die Kon-
trastierung gegen
die helle Luft
fordern.
Dankbar emp¬
findet man die
großen Vorzüge
dieser in ihrer
Einfachheit so im¬
posanten Arbeit,
das glückliche Ver¬
hältnis zwischen
dem etwa 4,5Meter
hohen Reiter und
dem etwa gleich
hohen Sockel, die
schöne Silhouette,
die von verschie¬
denen Ansichten
her sich ergibt.
Sehr sympathisch
Denkmal des wehrhaften Schmiedes
in der Jakobstraße zu Aachen (Bildhauer: Burger)
Fischbrünnchen in Aachen^von Professor Hugo Lederer
Nr. 15 DEUTSCHLAND 751
ist auch die farbige Wirkung. Der aus silbergrauem,
schlesischem Marmor hergestellte Sockel vermittelt ange¬
nehm zwischen der dunklen Bronze und den harten Tönen
des Granitunterbaues. Endlich klingt in den beiden, trotz
aller Stilisierung doch sehr lebensvollen Löwen der Hoch¬
bau des Denkmals leise in die Breite aus. Mit wahrem
Genüsse gleitet das Auge über diese wenigen großen
und ausdrucksvollen Motive hin, um so mehr als der üb¬
liche Allegorienkram deutscher Denkmalsockel hier fort¬
gelassen und einer bewußten Klarheit und Ruhe gewichen
ist. Wohl keine Stadt von der Größe Aachens besitzt ein
Reiterdenkmal, das, so wie dieses, in gleichem Maße
die verehrungswürdige Gestalt eines Helden den Zeit¬
genossen wahrheitsgetreu in Erinnerung bringt und doch
auch das Idealbild eines schönen und kühnen Reiters
auf stolzem Rosse veranschaulicht. Es ist ein Denkmal
im besten Sinne des Wortes, Schmuck- und Erinnerungs¬
mal zugleich, die Krone der Aachener Denkmalkunst.
Reiffmuseum der Kgl. Technischen Hochschule Aachen.
Neben den umfassenden städtischen Kunstsamm¬
lungen erscheint das obengenannte Museum bescheiden
nach Umfang und Besitz. Es dient in erster Linie
dem kunstgeschichtlichen Unterricht an der Königlichen
Technischen Hochschule, ist aber, dem Wunsche des
Begründers entsprechend, auch der Allgemeinheit zu¬
gänglich gemacht.
Die Sammlungen des Museums beruhen auf einer
Stiftung des 1902 verstorbenen Historienmalers Professor
Erz. R e i f f, Lehrers
der Malerei an der
Kgl. Techn. Hoch¬
schule zu Aachen.
Reiff hinterließ eine
Sammlung von un¬
gefähr 60 Original¬
werken der Düssel¬
dorfer und Mün¬
chener Schule, da¬
runter Gemälde von
Osw. und Andr.
Achenbach,
Vautier,Munthe,
Wilh. Sohn, Karl
Geerts, Petersen-
Angeln, Bockel-
mann, Harburger, Gabriel Max, Lindenschmidt
u. a. m. Dazu kommen etwa 200 Kopien nach Ge¬
mälden aller Schulen, besonders der Venetianer und
Holländer, darunter Raffaels Sixtinische Madonna,
Franz Hals Haarlemer Regentenstück, Porträts von
van Dyck, Rembrandt u. a.
Der derzeitige Leiter der Sammlung, Geheimrat Prof.
Dr. M. Schmid von der Königlichen Technischen Hoch¬
schule zu Aachen, hat diese Kopiensammlung ergänzt
durch eine Reihe von Gipsabgüssen nach Werken der
Antike, der Renaissance und vor allem moderner Künstler,
wie Bartholome, Lederer, Maison u. a. Dazu kommt
eine umfassende Sammlung, die einen Ueberblick über
die Technik der bildenden Künste geben soll und neben
Kopien und Abgüssen Instrumente, Platten, Prägeformen
und Rohmaterial aller Art umfaßt. Besonders ausführlich
ist die Technik der Goldschmiedekunst und des Email
dargestellt. Neben den vorzüglichen Kopien alter Gold¬
schmiedearbeiten des Düsseldorfer Meisters Beumers
finden wir instruktive Darstellungen der verschiedenen
Stadien der Herstellung als Geschenk des Aachener Gold¬
schmieds Witte. Ebenso sind die graphischen Künste,
Keramik, Lacktechnik usw. dargestellt. Die Baukunst
und die Innendeko¬
ration werden durch
eine historischeBau-
materialiensamm-
lung, durch Ori¬
ginale und Gipsab¬
güsse von Portalen,
Fenster - Rahmen,
Schlußsteinen, Ka-
minen,Möbeln usw.
veranschaulicht.
Dazu kommen wert¬
volle Originalfunde
aus römischen und
fränkischen Aus¬
grabungen,Modelle
der ausgegrabenen
Bauten zu Aachen, Cornelimünster und andern Orten.
Das Ganze stellt einen noch neuen Museumstypus
dar. Es ist ein Lehrmuseum, das den besonderen Be¬
dürfnissen der Studierenden Technischer Hochschulen
Entgegenkommen soll, aber auch den Schulen und allen
Lernbegierigen nutzen möchte. Dazu dienen auch monat¬
lich wechselnde Ausstellungen, die im Anschluß an die
Vorlesungen bald die Werke lebender Künstler in Sonder¬
ausstellungen vorführen, bald bestimmte Unterrichts¬
gebiete, z. B. die moderne Buchausstattung, moderne
Möbelkunst u. dgl. behandeln. Das Museum ist verbunden
mit dem Kunstgeschichtlichen Institut, bei dessen Aus¬
gestaltung insbesondere alle Fortschritte der modernen
Projektionstechnik berücksichtigt wurden. M. Schmid.
Aachener Volksschule in der Reumontstraße
Aachen als Schulstadt.
Von Professor Dr. W. K a e h 1 e r.
Von den Höhen des Lousbergs sieht man über das
reizvolle Aachener Stadtbild hinüber in zwei fremde
Sprachgebiete: wenige Meilen von Aachen zieht die
holländische und französische Sprachgrenze, und damit
beginnt auch eine andere geistige Kultur. Um so
bedeutsamer ist die reiche Ausstattung Aachens mit
Schulen aller Art, die deutscher Geistesbildung in ihren
verschieden ausgeprägten Richtungen an der Westmark
eine feste Heimstatt bereiten. Von den Höhen des
Lousbergs erblickt das Auge des kundigen Beobachters
752 DEUTSCHLAND Nr. 15
jetzt überall zwischen den Kirchtürmen und Fabrik¬
schloten im Stadtbild auch die ragenden Dächer und
Fronten der zahlreichen Schulbauten. In alter Zeit,
in den ersten Anfängen Aachens und beim Beginn
bodenständiger deutscher Kultur war hier der Hof Karls
des Großen mit seiner berühmten Schule eine Pflanz¬
stätte deutschen Geisteslebens, deren Wirkungen nach
Osten strebten; nach tausendjährigem Wachsen und
Werden deutscher Kultur hat der westwärts vordringende
Hohenzollernstaat dem alten Kulturlande die Segnungen
eines weit ausschauenden und straff durchgeführten
„Schulstaates" neu erweckt: in der Grenzstadt Aachen
ist durch die Stadtverwaltung unter eigenartiger Unter¬
stützung durch einheimische Körperschaften und den
Staat eine Reihe von Schulen entstanden, die man selten
in solcher Reichhaltigkeit an einem Ort, am wenigsten
unmittelbar an der Landesgrenze vereinigt finden wird.
Eine feste Stütze deutschen Wesens, ist die Schule
aber auch ein Pionier deutscher Geistesarbeit im
Ausland, indem sie die Brücke schlägt über die
Grenzen von Sprache und Geistesleben, wenn sie die
Angehörigen der Nachbarländer herüberzieht auf die
deutsche Schulbank.
Es ist ein alter Ruhm, aber auch eine schwere Last,
die die deutschen Städte mit ihrem sicher und breit
ausgebauten Netz von Volksschulen tragen. Jede
wachsende Stadt muß mit einer stets wachsenden Zahl
volksschulpflichtiger Kinder rechnen, und neue Volks¬
schulen mit den von der Neuzeit verlangten Einrich¬
tungen: Turnhallen, Badegelegenheiten, Schulküchen
gehören zu dem Bilde der neuen Stadtteile. Und daß
sie nicht wie Kasernen aussehen, sondern in gefälliger
Form zur Zierde des Stadtbildes werden, ist eine er¬
freuliche Folge wachsender Ansprüche an die öffentliche
Bauweise. Der Ausbau der Volksschule zur Bildungs¬
stätte für Geist und Körper der breitesten Schichten
der Bevölkerung geht schrittweise vorwärts, nicht ohne
Bedenken, daß Vielgeschäftigkeit und Schematismus
den Eltern wichtige Aufgaben abnehmen und die Ver¬
antwortlichkeit der Familie schwächen. Aber was man
in einer alten und stadtständigen Industriearbeiteischaft
zur Weckung geistiger Regsamkeit und körperlicher
Ertüchtigung machen kann, muß geschehen, um die
Zukunft des Vaterlandes zu sichern. Schulärzte über¬
wachen die Schüler; Hilfsschulen nehmen sich der
körperlichen und geistigen Schwächlinge an; Wande¬
rungen, die in den Ferien die Kinder in die köstliche
Umgebung hinausführen, Spielplätze, auf denen Schul¬
kinder und Erwachsene sich in Bewegungsspielen tum¬
meln, ergänzen den Turnunterricht in den geschlossenen
Hallen. Vier Mittelschulen bestehen neben den Volks¬
schulen, um durch Pflege einer Fremdsprache, des
Französischen, der Eigenart Aachens als Grenzstadt
besonders Rechnung zu tragen.
Der Unterricht und die Fortbildung der schul¬
entlassenen Jugend ist in der üblichen Weise nach
neuzeitlichen Grundsätzen eingerichtet: freiwillige Fort¬
bildungsschulen und Pflichtfortbildungsschulen stehen
zur Verfügung, letztere den Abendunterricht meidend,
in folgerechter Durchführung des Grundsatzes, daß nur
am Tage volle Frische der Aufnahmefähigkeit vorhanden
ist und damit stramme Zucht des Geistes und Willens
bei den jungen Leuten verlangt werden kann. Eine
Besonderheit bildet die gewerbliche Tagesschule, die,
an den Volksschulunterricht anknüpfend, zwei Jahre die
Schüler für künftige praktische Berufsarbeit vorbilden will.
Eine Kunstgewerbeschule mit praktischem Werkstatt¬
unterricht dient vor allem dem Kunslhandwerk im Bau¬
gewerbe und der Kunstschlosserei.
Der weiblichen Jugend, die zumeist von dem Fort¬
bildungsunterricht ausgeschlossen, unter der Aachener
Arbeiterschaft aber zahlreich vertreten ist, nehmen sich
die Näh- und Kochschulen des „Aachener Vereins für
Volkswohlfahrt" an, denen die Stadt durch Bereitstellung
der Räume und Lehrkräfte weitgehende Hilfe leistet.
Das höhere Unterrichtswesen ist mit allen Arten von
Knabenschulen vertreten. Das städtische Kaiser-Karl-
Gymnasium, heute in seinem stattlichen Neubau, war
die erste höhere Bildungsstätte, die Aachen erhielt,
als man in den Räumen des ehemaligen Augustiner¬
klosters die 1601 gegründete Jesuitenschule neu belebte.
Ein zweites, staatliches Gymnasium, das Kaiser-Wilhelm-
Gymnasium, wurde 1886 eröffnet. Ein Spiegelbild der
Entwicklung im Realschulwesen sind die heute besteher\-
den städtischen Realanstalten: Das Realgymnasium
hat in seinen drei obersten Jahrgängen Parallelzöten,
in deren einem der übliche Unterrichtsgang stattfindet,
während in dem anderen —der höheren Handelsschule —
eine eigenartige und gediegene höhere Bildung für den
kaufmännischen Beruf geboten wird, deren durch die
Reifeprüfung gebildeten Abschluß leider immer noch
die obrigkeitliche Zuerkennung der „Berechtigungen"
fehlt. Die Oberrealschule war früher mit der Provinzial¬
gewerbeschule verbunden und übernahm später deren
Erbschaft in den Maschinenbau-Fachklassen, ist heute
aber lediglich allgemein bildende Anstalt, an welche ein
Reformrealgymnasium angegliedert ist. Ein Beweis dafür,
wie das Ringen und Streben nach neuen Formen und
Inhalten im höheren Schulwesen auch in Aachen stets
praktische Wirkungen fand.
Der weiblichen Bildung dienen drei höhere Mädchen¬
schulen, die nach den neuen Plänen umgeordnet sind,
und eine mit einer Mittelschule verbundene Lehrerinnen-
Bildungsanstalt für das höhere und Volksschul-Lehrfach.
Dazu bestehen eine Haushaltungsschule und dasFröbel-
seminar des „Aachener Vereins zur Beförderung der
Arbeitsamkeit", die (freiwillige) kaufmännische Fort¬
bildungsschule für Mädchen für die schulentlassene
weibliche Jugend.
Als Provinzialanstalt hat in Aachen ihren Sitz die
Taubstummenanstalt mit dem Lehrziel der Volksschule
für diese unglücklichen Kinder beiderlei Geschlechts.
Eine ganz eigenartige Anstalt ist das geistliche Gregorius-
Haus zur Ausbildung von Organisten, Chordirigenten
und Küstern für den katholischen Gottesdienst.
lieber dem allgemeinen Bildungswesen baut sich
heute das Fachschulwesen mit seinen überall ver¬
tretenen Schularten und den die besonderen Bedürfnisse
der Gegend befriedigenden Spezialschulen auf. Zu
ersteren sind die Königliche Baugewerkschule und die
Königliche höhere Maschinenbauschule zu rechnen, die
dem Zusammenwirken von Stadt und Staat ihre neuen
prächtigen Gebäude und ihre den allgemeinen Regeln
entsprechende Organisation verdanken. Ihre Wurzeln
754 DEUTSCHLAND Nr. 15
gehen zur Provinzialgewerbeschule zurück, aus der sie
sich als Diener der neusten Entwicklung des Erwerbs¬
lebens entwickelt haben. Als Besonderheit hat die
Aachener Tuchindustrie die glänzend ausgestattete
höhere Fachschule für Textilindustrie entwickelt, die
seit 1883 besteht. Der durch den Webeschulverein
gegebenen Anregung entstammend, ist sie durch das
Zusammenwirken von Stadt, Staat, Industrie und gemein¬
nütziger Institute lebensfähig gemacht und erhalten.
In einem neuen, schön und zweckmäßig ausgestatteten
Heim ist die Bergschule untergebracht, die, finanziell
von den Bergbauunternehmern getragen, die Gruben¬
betriebsbeamten für den Kohlenbergbau im Wurmrevier
in zwei- und dreijähri¬
gem Kursus ausbildet.
Die eigenartigste
Organisation des Un¬
terrichtswesens ist die
Königliche Technische
Hochschule, die seit
1870 in Aachen be¬
steht und wie das
übrige Schulwesen der
Rührigkeit Aachener
Bürger in Verbindung
mit dem preußischen
Staat ihre Entstehung
verdankt. Wenn auch
der Unterhaltungslast
einer solchen Hoch¬
schule heute keine
anderen Schultern als
die des Staates ge¬
wachsen sind, so sind
doch die Stadt Aachen
wie die „Aachener
und Münchener
Feuer-Versicherungs -
Gesellschaft", und der
„Aachener Verein zur
Beförderung der Ar¬
beitsamkeit", die In¬
dustriellen der Stadt
und der rheinischen
Montan - Industrie an
deren Gründung und
Entwicklung hervor¬
ragend beteiligt ge¬
wesen. Zunächst für
die üblichen Fach¬
richtungen der Architektur, des Bauingenieurwesens,
des Maschinenbaus einschließlich der Elektrotechnik
und der Chemie eingerichtet, hat die Hochschule all¬
mählich den besonderen Bedürfnissen Westdeutschlands
sich anpassend, den Bergbau und das Hüttenwesen als
besondere Gebiete ihrer Tätigkeit entfaltet. Als äußerer
Beweis dessen sind neben den auf dem alten Hoch¬
schulgelände errichteten alten und neueren Bauten
große eigene Gebäude für den Bergbau und für das
Hüttenwesen erstanden, und insbesondere das letztere
ist durch diesen 1909 in Benutzung genommenen
Neubau zu einer Leistungsfähigkeit gebracht, die es
zu einem der ersten wissenschaftlich-technischen Fach-
Unterrichts-Institute der Welt macht. Weit über den
Bereich der beiden preußischen West-Provinzen,
denen sie in erster Linie dienen soll, weit auch über
die persönlichen und geschäftlichen Beziehungen zu
den holländischen und luxemburgischen Nachbarn
hinaus hat die Aachener Hochschule durch ihre Lehrer,
ihre Unterrichtseinrichtungen und die Erfolge ihrer
Schüler Bedeutung gewonnen. Stets bereit, den eigen¬
artigen Anforderungen der Zeit auf breitester Grund¬
lage und daneben ihrer nächsten Umgebung nach
Kräften zu dienen, hat sie in dem Reiffmuseum, den
Volkstümlichen Hochschulkursen, der Pflege mannig¬
faltiger wissenschaft-
licherVereine, der be¬
sonderen Berücksichti¬
gung wirtschaftlicher
Fächer im Unterrichts¬
plan der Ingenieure,
in Fortbildungskursen
für Architekten und
Baubeamte, sowie in
der Ausbildung von
Feuer - Versicherungs-
Ingenieuren bedeut¬
same Eigenart ent¬
faltet. Ihre mächtig
wachsenden, auf dem
großen Gelände des
ehemaligen Templer¬
bend-Bahnhofs bald
wieder zu erweiternden
mannigfaltigen Bau¬
lichkeiten verleihen
dem nördlichen Stadt¬
bild eine besondere
Prägung, so wie das
Leben und Treiben
der studierenden
Jugend dem Aachener
Straßenleben einen
besonderen Einschlag
verleiht.
Die Stadt Aachen hat
unter ihren 157 OOO
Einwohnern gegen¬
wärtig rund900Lehrer
aller Stufen und Grade
und vielleicht 34 OOO
Schüler, also so viel
wie Aachen im Jahre 1820 überhaupt Einwohner hatte!
Man sieht, daß man heute mit gutem Recht von
einer Schulstadt Aachen sprechen kann. Welche
Opfer das die Beteiligten, in erster Linie Stadt und
Staat gekostet hat und kostet, läßt sich daran er¬
messen, daß jährlich erheblich mehr als drei Millionen
Mark in Aachen nur für Schulzwecke aufgewendet
werden, darunter allein über dreiviertel Millionen
Mark für die Königliche Technische Hochschule. Dazu
kommen dann die in manchem Jahr auch an eine
Million heranragenden außergewöhnlichen Ausgaben
für Neubauten.
Schmelz-Laboratorium im Hüttenmännischen Institut
nach einem Gemälde von Professor A. von Baudis
Nr. 15 DEUTSCHLAND 755
Aachener Wohlfahrtspflege.
Von Professor Dr. W. Kaehler.
Jede Zeit und jede Gegend hat ihre Art und Unart
in den Fürsorgeeinrichtungen für allerlei Not. Unsere
Zeit hat etwas Gleichmacherisches, die örtlichen Unter¬
schiede Verwischendes mit ihren großen Zwangsein¬
richtungen der sozialen Gesetzgebung, mit ihren großen
deutschen Vereinen und Kongressen, die einzelne
Gebiete durcharbeiten und weittragende Anregungen
geben, mit ihren Schlagworten und Modebestrebungen
auch in der Wohlfahrtspflege. Nicht überall ist man
sich freilich darüber klar, wie groß diese organisierte
zwangsweise Arbeit ist und wievielMittel dadurch in einer
modernen industriellen Großstadt für die arbeitenden
Kreise aufgewendet werden, um unmittelbar Hilfe zu
leisten, ehe die Not kommt, und um entstehende Not zu
bekämpfen. Aus
der Arbeiterver¬
sicherung,bei der
die Arbeitgeber
nicht ganz die
Hälfte der Bei¬
träge zahlen,
fließen in einer
Stadt wie Aachen
den Versicherten
etwa 2 Millionen
Mark jährlich an
Unterstützungen
zu; in der Armen¬
pflege der Stadt¬
verwaltung kom¬
men alles in
allem etwa ®/4 Mil¬
lionen Mark zur
Auszahlung. Und
daneben steht
dann die freiwil¬
lige Arbeit, die
sich in Kommis¬
sionen und Ver¬
einen, in ernster
stiller Tätigkeit
und in rauschen¬
den Wohltätig¬
keitsfesten voll¬
zieht. So liebt
es zum Beispiel
der Aachener,bei
den Festen toll¬
ster Karnevals¬
lust sich in dem
Gefühl des Wohl¬
täters zu er¬
gehen, der auch
der Armen nicht
vergißt, wenn er
die Goldstücke
für Kostüm und
Sekt undBier und
Wein rollen läßt und dabei seinen Nickel auf den
Teller der Armensammlung legt. Kein Zweig neuzeit¬
licher Fürsorgearbeit wäre wohl zu nennen, der in
Aachen nicht vertreten wäre, von den neuzeitlichen
Krankenhausbauten und Genesungsheimen, Kinder¬
bewahranstalten und Waisenhäusern bis zu den Trinker¬
und Säuglingsfürsorge-Einrichtungen, die allgemeiner
Not durch die gleichen Mittel wie überall entgegen¬
treten wollen. Aber neben alle dem, was man auch an
anderen Orten findet, steht in Aachen auch mancherlei,
was aus alter Zeit überkommen, in die neuen Ver¬
hältnisse als treugehütetes Vermächtnis ragt, die Arbeit
und den Segen der Altvorderen auch noch einer späten
Zukunft dankbarer Nachkommen zugute kommen läßt.
Der kirchliche
Sinn der alten
Aachener hat
eine große Fülle
von Stiftungen
geschaffen, die
teils in der Hand
derStädt.Armen-
Verwaltung, teils
selbständig in
kleinen zersplit¬
terten Beträgen
und in großen
eindrücklichen
Summen bald der
Armut schlecht¬
hin oder ver¬
schämten Armen
dienen sollen,
bald zu beson¬
deren Zwecken,
namentlich der
Ausbildung
armer Kinder zu
tüchtigen Men¬
schen verschrie¬
bensind.— Ganz
in den Bahnen
der alten Wohl¬
tätigkeit sich be¬
wegend, aber
durch die be¬
sonderen Schick¬
sale der Stifterin
hervorragend ist
die von Hars-
kampsche Stif¬
tung. Eine ein¬
fache Aachener
Bürgers-Tochter,
Isabella Brunelle,
wurde wegen
ihrer Schönheit
und Eigenart aus
Aachener Königliche Baugewerkschule: Portal
756 DEUTSCHLAND Nr. 15
dienender Stellung von dem in österreichischen Diensten
stehenden Grafen Pontian von Harskamp geheiratet;
sie mußte als dessen Gattin den Schmerz erleben, ihre
drei Kinder vor sich vom Tode dahingerafft zu sehen,
und vermachte bei ihrem Tode 1805 ihrer Vaterstadt
eine Stiftung, die verschiedenen Bestimmungen etwa
24 000 Mk. jährlich zuführt.
Völlig neue Bahnen der Wohlfahrtspflege schlug
dagegen ein Mann ein, dem Aachen auch auf anderen
Gebieten, wie bei der Einführung der Eisenbahn, grund¬
legende Bedingungen seiner ganzen heutigen Existenz
verdankt, der frühere AachenerWollhändlerundHandels-
kammerpräsident, spätere preußische Finanzminister und
Bankpräsident David Hansemann (17Q0—1864). Weit
über den örtlichen Bereich ihres Stammsitzes ist die
„Aachener und Münchener Feuerversicherungs-Gesell¬
schaft" bekannt, eine der größten deutschen Unter¬
nehmungen im Gebiet des Versicherungswesens; aber
weniger bekannt ist neben ihrem ausgedehnten und
gediegenen Geschäftsbetrieb die Tatsache, daß Hanse¬
mann bei ihrer Gründung im Jahre 1824 sich von
dem Gedanken leiten ließ, eine „wohltätige" Feuer¬
versicherungs-Gesellschaft zu schaffen, wohltätig nicht
in dem Sinn, wie alle Feuerversicherung für den vom
Brand Geschädigten wohltätig ist, indem sie ihm den
Schaden ersetzt, sondern wohltätig dadurch, daß der
durch den Geschäftsbetrieb erzielte Gewinn zwischen
den Aktionären und dem gemeinnützigen Fonds ge¬
teilt werden sollte; in Aachen und in dem weit aus¬
gedehnten Tätigkeitsgebiet außerhalb werden auch
heute noch alljährlich große Summen für gemein¬
nützige Zwecke von der Gesellschaft verteilt. Längst
ist Hansemann gestorben, aber sein Geist hatte doch
so nachhaltig in dieser Gesellschaft und ihrem festen
Aktionärstamm Wurzel geschlagen, daß bei ihrer
Reorganisation nach fünfzigjährigem Bestehen die An¬
träge auf Abschaffung dieser Tradition abgelehnt wurden.
So sind annähernd 36 Millionen Mark während des
Bestehens der Gesellschaft aus ihrem Gewinn für die ver¬
schiedensten Zwecke und Gegenden abgegeben worden.
Um aber auch in diesen wohltätigen Verwendungen, die
mit wachsendem Geschäftsumfang von selbst wachsen
mußten, ein klares großes Ziel verfolgen zu können,
schuf Hansemann mit seiner Feuerversicherung gleich¬
zeitig eine Organisation, welche die bestmögliche Ver¬
waltung der gemeinnützigen Gelder übernehmen sollte,
den „Aachener Verein zur Beförderung der Arbeitsam¬
keit". 1834 fand die erste Zahlung von 35 000 Talern
an den Verein statt, bis 1875 hat er 3,16 Millionen Mark
von der „Aachen - Münchener" überwiesen erhalten.
Seit dieser Zeit ist der Verein angewiesen auf die
Zinsen des ihm dadurch übermachten Vermögens und
seine eigenen Ueberschüsse. Der Not der hand¬
arbeitenden Klasse abzuhelfen, nicht durch Almosen
und schnell verfliegende Maßnahmen, sondern durch
eine Verbesserung von Grund auf, war sein Plan. „Eine
kleine Verbesserung des Zustandes oder der Moralität
der Menschen, wenn diese Verbesserung des Zustandes
auf eine große Anzahl sich ausdehnt, wirkt im ganzen
weit mehr als eine in Anstalten besorgte große Ver¬
besserung einzelner Menschen." Die Arbeitsamkeit soll
reizvoller gestaltet werden dadurch, daß die Sparsamkeit
befördert und da, wo das Sparen einen besonderen
Grad von Fleiß, Ordnung und gutem Betragen voraus¬
setzt, mittels besonders hoher Zinsen belohnt wird.
So entsteht ein System von Sparkassen, das in ver¬
schiedener Richtung eigenartig ausgestaltet ist: der
ganze Regierungsbezirk Aachen wird mit einem Netz
von Sparstellen überzogen und überall wird neben dem
gewöhnlichen Sparbetrieb die „Prämienkasse" eingeführt,
die den handarbeitenden Klassen auf ihre kleinen
mühsamen Ersparnisse eine besonders hohe Verzinsung
gewährt. Die Mittel dafür ergeben sich aus jenen
Ueberweisungen der Aachen-Münchener und den Ueber-
schüssen der gewöhnlichen Sparkasse. Bis 18Q5 war der
Verein die einzige Sparkasse im Regierungsbezirk Aachen.
DasVorgehen fandeinstmals vielBeachtung;dieZeitungen
schrieben in den 40er Jahren des 19. Jahrhunderts über
diese neue Einrichtung, so wie man heute etwa über die
Gartenstadt oder ähnliche sozialreformerische Ma߬
nahmen allgemein verhandelt. Und das Ergebnis? 1875
kamen in Preußen auf ein Sparbuch 503 Mk. Spar¬
guthaben, im Regierungsbezirk Aachen 803 Mk., und
noch heute ist Aachen mit 933 Mk. auf einem Guthaben
dem Gesamtdurchschnilt um 122 Mk. voraus. In der
Prämienkasse stehen heute 40 Millionen Mark, in der
Sparkasse des „Aachener Vereins" 120 Millionen Mark für
170000 Sparer eingetragen. Von sämtlichen Spar¬
guthaben im Regierungsbezirk Aachen hat auch heute
noch der „Aachener Verein'" zwei Drittel in seiner Ver¬
waltung. Neben dieser ungewöhnlich erfolgreichen und
frühzeitigen Pflege des Sparsinns nahm der „Aachener Ver¬
ein zur Beförderung der Arbeitsamkeit" noch mancherlei
andere für Stadt und Regierungsbezirk nützliche Arbeiten
auf: die Fürsorge für die nichtschulpflichtigen Kinder
in Bewahranstalten, die Handarbeits- und Fortbildungs¬
schulen für die heranwachsende Fabrikjugend, die
Unterstützung des Bildungswesens, soweit es nicht die
Elementarschulen umfaßt, insbesondere die der Fach¬
bildung dienende Schulanstalten aller Stufen, von der
Webeschule bis zur Technischen Hochschule hat er
mit reichlichen Mitteln gefördert; insbesondere hat er
in Gemeinschaft mit der Aachen-Münchener Feuer-,
Versicherungs-Gesellschaft der Technischen Hochschule
von der Gründung an bei allen wichtigen Erweiterungen
reichliche Mittel zufließen lassen. So sind 28 Millionen
Mark aus den Mitteln des „Aachener Vereins" den
gemeinnützigen Verwendungen zugeflossen. Darin wirkt
eine selbständige Tat eines gemeinnützigen und weit¬
blickenden Bürgers noch für späteste Generationen.
Die Musikpflege in Aachen.
Von Städtischen Musikdirektor Prof. S chw icke rot h.
Wenn Aachen als Musikstadt einen hervorragenden
Namen hat, so muß das nicht zum kleinsten Teile dem
Umstand zugeschrieben werden, daß die öffentliche
Musikpflege fast ausschließlich in den Händen der
städtischen Verwaltung liegt. Aachen besitzt schon
seit 1852 ein städtisches Orchester; andere rheinische
Städte folgten mit der Bildung eines solchen erst
geraume Zeit später.
Die städtische Verwaltung veranstaltet zurzeit
folgende Konzerte :
I. Sechs Abonnementskonzerte großen Stils
unter Hinzuziehung bedeutender Solisten. Zur Auf¬
führung gelangen große und kleine Chorwerke, Werke
für Orchester, sowie Instrumental- und Gesangssoli.
II. Sechs Symphoniekonzerte, die in Ergänzung*
der Programme der Abonnementskonzerte wesentlich
Nr. 15 DEUTSCHLAND 757
der klassischen und modernen Orchesterliteratur ge¬
widmet sind. Daneben werden aber auch bedeutende
Solisten herangezogen.
III. Vier Kammermusikkonzerte aus den
Zinsen der Stiftung des verstorbenen Amtsgerichtsrats
Paul Waldthausen. Nach den Bestimmungen der
Stiftung werden zu zwei Konzerten hervorragende aus¬
wärtige Streichquartette zugezogen, in den zwei anderen
Konzerten sollen Kammermusikwerke mit Klavier von
dem städtischen Musikdirektor und den ersten Streichern
des Orchesters ausgeführt werden. Auch muß zu
den letztgenannten Aufführungen ein hervorragender
Sänger oder eine Sängerin verpflichtet werden.
IV. Volks- und Symphoniekonzerte aus Zinsen
der Stiftung der Eheleute Jakob RichardBlees. Dem
Arbeiterstand angehörige, sowie gering besoldete Beamte
und Angestellte zahlen bei diesen Konzerten 30 Pfg.
Alle vorgenannten Konzerte stehen unter Leitung
des städtischen Musikdirektors.
Im Sommer veranstaltet die Städtische Kur¬
direktion täglich Unterhaltungskonzerte, sowie eine
Anzahl „philharmonischer" Konzerte mit Solisten. Diese
Konzerte stehen unter der Leitung des Städt. Kapell¬
meisters, der im Winter als erster Konzertmeister tätig ist.
Die Chorwerke werden in den Abonnements¬
konzerten durch den Städtischen Gesangverein
ausgeführt, der in den letzten Jahren durchschnittlich
300 Mitglieder (Damen und Herren) zählte. Es darf
an dieser Stelle wohl ausgesprochen werden, daß der
Verein sich in Deutschland und darüber hinaus eines
außergewöhnlichen Rufes erfreut. Ganz besonders hat
er auf dem Gebiet des A cappella-Gesangs nicht nur in
Aachen, sondern auch auswärts, so in Berlin (März 1909)
große Erfolge errungen.
Das Niederrheinische Musikfest wird in
Aachen seit 1825 alle drei Jahre gefeiert, bekanntlich
abwechselnd mit Köln und Düsseldorf.
Außer den städtischen Konzerten müssen hier noch
die Aufführungen des seit 1844 bestehenden Instru¬
mental-Vereins erwähnt werden, der in der langen
Zeit seines Bestehens für die Popularisierung klassischer
Musik eifrigst tätig war. Er erwirbt sich auch dadurch
ein Verdienst, daß er Dilettanten zu den Orchester-
Aufführungen zuzieht.
Es ist nicht zu leugnen, daß die Aachener Bevölke¬
rung eine besondere Veranlagung zum Gesang besitzt. Die
Leistungen der Männer-Gesangvereine sind des¬
halb auch im allgemeinen sehr gute. Als die größten und
ältesten Vereine seien hiergenannt: Aachener Liedertafel,
Concordia,Harmonia,Hilaria,Männerquartett und Orphea.
Alle haben auf deutschen und außerdeutschen Wett¬
streiten wiederholt hohe Preise errungen. Die Concordia
wurde auf jedem der bisher veranstalteten drei Wettstreite
um den Kaiserpreis mit einem Preise ausgezeichnet.
Landschaft von J. Constable im Aachener städtischen Suermondt-Museum
Zur Geographie von Aachen.
Eine Skizze von Josef Ponten.
Der kleine Aufsatz, der sich mit Vorbedacht eine Skizze
nennt, erstrebt nichts weiter, als dem denkenden Wanderer
in Aachens Landschaft, der sich nach dem Woher und
Warum der Landschaflsformen fragt, ein allgemein ge¬
zeichnetes Bild von der Entstehung der Züge im Gesichte
des schönen Landes zu erwecken. — Wir haben es
nicht nur mit einem im landläufigen Begriffe schönen,
d. i. romantischen, abwechslungsreichen, formenstarken
Lande zu tun, sondern auch mit einem wissenschaftlich
sehr interessanten Gebiete. Das fällt zunächst auf Rech¬
nung des Bergbaus, der die Gründe der Erde bis in grosse
Tiefen aufgeschlossen hat; ausserdem aber bietet die Land¬
schaft ein Schulbeispiel für den Aufbau des deutschen
Landes überhaupt. Das architektonische Grundprinzip von
Deutschlands Bau ist: über einem gefalteten älteren
Gebirge (Grundgebirge) liegt ein eben geschichtetes
jüngeres Deckgebirge (Tafelland).
Wir wollen südwärts auf den höchsten Punkt unseres
Gebietes, auf das hier etwa 500 Meter Hohe Venn, mit der
Eifelbahn steigen und nun nordwärts und im ganzen
abwärts das in Schlingen durchfahrene Land geradlinig
durchwandern. Auf dem Hohen Venn stehen wir auf
einem der ältesten Flecke Deutschlands, der Erde über¬
haupt. Die Erdgeschichte teilt sich bekanntlich ähnlich
der Menschheitsgeschichte in drei grosse Räume: Altertum,
Mittelalter, Neuzeit. Wir haben Altertum unter unseren
Füssen. Der Grund besteht aus hartem Quarzgestein,
das gewissermassen das Skelett des Gebirgskörpers
bildet, welches, sozusagen von Fleisch, umgeben ist
von lehmigen und tonigen, wasserundurchlässigen Ver¬
witterungsresten uralten Schiefers. Darauf entstehen
in Mulden die nassen Moore. So erklärt sich die Merk¬
würdigkeit, dass wir Moore auf der Höhe eines Berges
finden, die wir sonst nur auf Ebenen und in Talungen
anzutreffen gewohnt sind.
Wandern wir nun, etwa auf einer der beiden schnur¬
geraden Strassen, die von Rötgen nach Wahlheim oder
nach Raeren führen, durch dichten Wald vom Kambrium
des Hohen Venns abwärts, so übersehen wir, wenn der
Wald sich plötzlich öffnet, ein weites Land. Wir stehen
auf einem durch Schiefer, Sandsteine und Konglomerate
gebildeten Boden. Die Wissenschaft nennt die Stufe
Devon. Die Schiefer, besonders die Konglomerate zeigen,
dass wir es mit einer im flachen Meere oder an Küsten
abgesetzten Bodenart zu tun haben, ln schmalen Streifen
ziehen sich die Schichten von Südwesten nach Nord¬
osten, das ist die Streichrichtung des Venngebirges
und überhaupt der einen Hälfte der Gebirge Deutsch¬
lands, des Rheinischen Schiefergebirges, des Harzes des
Erzgebirges; man bezeichnet diese gewaltige, untertage
zusammenhängende Strukturlinic als „varistisch“. Mit
ihr kreuzt sich rechtwinklig im Aufbau Deutschlandseine
zweite grosse, südost-nordwestlich gerichtete Architektur¬
linie, die „herzynische“, an Gebirgen im Zuge des Böhmer¬
waldes, hauptsächlich aber am Laufe der grossen Ströme
— am Rhein, an der Weser und Elbe, stückweise an der
Oder und Weichsel — zu erkennen. Auch von unserem
hohen Standpunkte aus stellen wir diese Südost-Nord¬
westlinie fest, und zwar an den das weile Gebiet ent¬
wässernden Flüssen, vorzugsweise im Laufe der Geul und
der Wurm, stellenweise auch an den unmittelbar zu
unseren Füssen fliessenden Bächen, der Vicht, der Wahl-
heimer und Raerener Inde, die zwar, einer allgemeinen
Neigung unseres Gebietes nach Nordosten folgend, nord¬
östlich fliessen, in kurzen Strecken aber nordwestliche
Richtung haben. Sie benutzen bei der Laufänderung
herzynische Bruchlinien; die ganze Landscholle ist
herzynisch zerbrochen nach einem Prinzip, das sich
wie ein aus ziemlich rechteckigen Figuren gebildetes
Netz an den Gebirgsfuss anlehnt. — Bei unserer Wanderung
nach Norden sehen wir, dass die Schichten nach Nord¬
westen einfallen. Gelegentlich tauchen sie in entgegen¬
gesetzter Richtung vor uns auf und verschwinden wieder
in der bekannten; wir gehen über gefaltetes Land.
Ursprünglich lagen die Schichten eben. Sie sind meist
Meeresabsätze, der „Blaustein“ oder Kohlenkalk ist tiefem
Meere entstiegen. Nach der fernen Zeit, in welcher an der
Küste eines Meeres aus einer ungeheuren Sumpfpflanzen¬
welt die jetzigen Steinkohlenlager unseres Gebietes zum
Niederschlage gekommen sind, wurde ganz Mitteleuropa
von einer südosl-nordwestlich, herzynisch gerichteten
Kraft zusammengestaut und gefaltet, „wie wenn man mit
flachen Händen ein Tischtuch auf der Platte zusammen¬
drückt“, so dass die entstandenen Falten, mit ihren Mulden
und Sätteln rechtwinklig dagegen, südwest-nordöstlich,
varistisch, streichen. Die Sättel wurden später abgetragen,
ob durch die gewöhnliche Tätigkeit von Wasser und Wind
oder durch die Brandungsarbeit („Abrasion“) eines Meeres,
soll hier nicht untersucht werden.
Wir stehen am Fusse des Aachener Waldes. Wir
haben ein Gebiet durchwandert, das durch seine sanft¬
bewegte, wellige Oberfläche, durch seinen „Blaustein“, seine
grünen Wiesenlande, nicht zum geringsten durch seinen
stolzen und freimütigen Menschenschlag charalcterisiert
ist; die nahen Städte beziehen von dort Milch, Käse
und Butter und nennen es „das Butterländchen“. Ich
habe früher versucht, es in „Siebenquellen“ ästhetisch
zu schildern. Dort beschrieb ich die Eifel als eine „herbe,
derbknochige Bauerndirne“. „An ihrem Nordrande, als
ihr Gesicht, liegt Aachen; die Aachener Waldberge hat
sie wie die Arme um ihren Kopf gelegt und streckt sie
in die niederrheinische Ebene hinein. Gleich einer Flut
aufgelöster Haare über die Arme, so wogt über den
Bergen der weite, liefe Wald der Tausend Morgen.“ Wenn
in dieser Beschreibung das Aachener Waldgebirge als
Extremität, als Ausläufer der Eifel erscheint, so mag das
dichterisch richtig und erlaubt sein, wissenschaftlich aber
ist es grundfalsch. Der Aachener Wald hat mit dem Venn und
der Eifel nichts zu tun. An irgend einer ofTenen Grube der
,,Aachener Heide“ zwischen Eynalten und Aachen wollen
wir uns davon überzeugen. Wir finden Sand, und die
Schichten liegen einander parallel, organisch („konkor¬
dant“) und horizontal, zu den Schichten des gefalteten
Untergrundes nicht parallel, unorganisch („diskordant“).
Es sind Absätze des Mittelalters der Erde, der Kreidezeit,
und zwar, hauptsächlich nach oben hin, eines Meeres,
das in diesen Gegenden geflutet hat, nachdem der Unter¬
grund durch den beschriebenen kosmischen Druck gefaltet
war. Wir ersehen aus der ebenen, ungestörten Lagerung
der neuen Schichten, dass seil der Kreidezeit ein ähnlicher
Druck nicht mehr wirksam gewesen ist. Im Aufsteigen,
wozu uns die neuen übergelagerten Schichten zum ersten
Male zwingen, bemerken wir an günstigen Stellen, dass
auf den Sand des Gebirgsfusses Schichten von tonigem
Mergel, zu oberst weite Lager von Feuersteinschotter
folgen. Mit diesen Stoffen hatte das Kreidemeer, von den
Niederlanden her unser Gebiet in einer riesigen Bucht,
die sich bis zum Venn in das damalige Festland er¬
streckte, überflutend, das gefaltete Grundgebirge bedeckt.
Nach dem Rücktritt des Wassers war der ehemalige
Meeresboden durch ungeheure Zeiträume des jüngsten
Millelallers und der älteren Neuzeit den in Sonne, Wind
und Wasser tätigen Kräften der Zerstörung und Abtragung
ausgesetzt, als deren Rest, als herausmodelliertes Pro¬
dukt, uns das Aachener Waldgebirge heute erscheint.
Die Abtragung des Gebietes wurde von vier Seiten aus
in AngrilT genommen: Südöstlich führten die dem Inde-
Rursystem zugehörigen Bäche, Vicht und beide Inden,
das leichte Material des Kreidemeeres im Laufe der
Jahrhundertlauscnde fort, südwestlich tat das gleiche das
Geulsystem mit seinem Lonlzener und Hauseter Arme;
im Nordoslen arbeitete im Gebiete der heutigen Stadt
Nr.l5 DEUTSCHLAND 759
Aachen das Wurm System in seinen verschiedenen Wurzeln,
dem Wildbach der Sörs, dem Nirmbach des Eilendorfer
Gebietes, den Aachener Stadtbächen, dem Pau- und Ponell-
bach der Hangeweihergegend, dem Kannegiesserbach der
Grundhausmulde, dem Johannisbach des Hahnbruchertales,
dem Beverbach der Forslergegend; im Nordwesten war
die Flut des zur Geul und Maas entwässernden Tales
„Vallis“, des heutigen holländischen Vaals, tätig. An den
Stellen, wo beiderseitig, dem Strömen der Wasser ent¬
gegen, die stärkste Abtragung erfolgte, schuf die „rück¬
schreitende Erosion“ die von den heutigen Landstrassen
und Eisenbahnen benutzten Pässe: zwischen Wurm und
Hauseter Geul den der Raerener und Eupener Landstrasse
bei Lichtenbusch und Linzenshäuschen, zwischen den
Abtragungsgebieten des Ronheiderbaches und dem ins
Neutrale gehenden Baclie des Tales „am Bildchen“ den
Hauptpass der Lütticher Landstrasse. Wenn wir nun be¬
denken, dass die festeren, der Abtragung mehr Widerstand
leistenden Schichten des Mergels und der Feuersteinlager
oben, die Sandschichten aber unten sich befinden und
uns klar machen, dass im Falle einer umgekehrten Lage¬
rung ohne Frage das Aachener Waldgebirge niedriger
und formenärmer wäre, so erkennen wir, warum, etwa
von Aachen aus betrachtet, das Waldgebirge so und nicht
anders aussieht.
Eine kleinere Sandinsel, auch Ueberrest der Ab¬
tragung, liegt zwischen Eynatten und Eupen und heisst
„Walhornerheide“. Heide wird hierzulande gleich Wald
gebraucht — man erinnere sich der „Aachenerheide“ —
und wir finden in der Tat die Erosionsinsel bei Walhorn
mit Wald bedeckt. Sehr auffällig hebt sich aus dem
grünen Wiesenlande die Waldinsel hervor; der Kenner
kann schon aus der Ferne aus der Vegetation auf den
Stoff des Bodens schliessen. Fast die ganzen, der Kreide
angehörigen Landesteile sind mit Wald bestanden, welcher
der vorwiegend sandigen und steinigen Beschaffenheit
des Grundes angepasst ist. Auch der berühmte Lousberg,
der sich entsprechend der südlich des Waldgebirges ge¬
legenen Erosionsinsel Walhornerheide nördlich findet,
ist mit Wald bepQanzt. Der Berg besieht aus denselben
Schichten wie der Aachener Wald, wenn es auch wahr¬
scheinlich ist, dass seine Isolierung vom Waldgebirge
nicht allein durch die Kräfte der Abtragung und Aus¬
räumung des Kreidcmeergrundes, sondern auch durch
Absinken des trennenden (iebietes, durch eine „Graben¬
bildung“, herbeigeführt wurde. Eine kreisförmige Graben¬
bildung scheint das ganze Aachener Tal zu sein, das
beckenartig vertieft mit dem in der Mitte gleich einem
getriebenen Buckel in einer Prunkschüssel sich erhebenden
Lousberge Aachens nächste und eigenste Landschaft bildet.
Aachen selbst liegt grösstenteils auf dem entblössten Grund¬
gebirge. Eine oberdevonische Schicht streicht hier aus, in
der die warmen Quellen zutage treten. Es ist anscheinend
dieselbe Schicht, die bei Wahlheim und Raeren am Venn-
fusse einfällt. Aus der bis etwa 70 Grad betragenden
Quellentemperatur schliesst man unter Berücksichtigung
der Tatsache, dass die Temperatur der Erde auf je
100 Meter Tiefe um 3 Grad zunimmt, auf ein Einfallen
der Schicht bis über 2000 Meter Tiefe, wenn die Voraus¬
setzung richtig ist, dass das Wasser der Aachener Thermen
in der Wahlheim-Raerener Gegend als natürliches Wasser
in den Boden dringt und auf einem wa.sserundurch-
lässigen Horizonte dem Schichtstreichen folgt.
Schreiten wir in dem Aachener Kessellale nach Norden
auf der Roermonder Landstrasse weiter, so müssen wir
bald die Höhe einer Ebene ersteigen, die sich meilenweit
nach Norden erstreckt. Auch sie ist nicht ohne Gliederung;
von ihrem höheren Rande aus, bei Laurensberg oder
Berensberg, können wir drei flache Talungen erkennen,
in welchen der Schönauer, der Richtericher und der
HorbacherBach, der allgemeinen Neigung unseres Gebietes
folgend, einander parallel nach Nordosten fliessen. Merk¬
würdigerweise aber halten sie diese Richtung nicht bei,
sie stürzen nicht in die Wurm, sondern vereinigen sich
vor Kohlscheid, fliessen der Wurm parallel und münden
erst weit nördlich bei dem holländischen Eygelshofen in
die grosse Entwässerungsader des Gebietes. Warum der
merkwürdige Lauf? Wenn wir, bevor wir die neue Ebene
ersteigen, in der Sörs nahe dem Talrande entlang wandern,
so entdecken wir, dass der sich aufwölbende Kesselrand
den Faltungen des Karbongebirges und dem allgemeinen
südwest-nordöstlich gerichteten Faltenstrcichen angehört.
Treten wir aber in das Wurmtal ein, so stellen wir auch
eine südost-nordwestlich, also rechtwinklig zu der be¬
obachteten verlaufende Auffaltung fest, in die sich die
Wurm eingegraben hat. Die das Richtericher Land ent¬
wässernden Bäche haben keinen Durchbruch durch diese
Aufwölbung finden oder schaffen können und folgen der
Falle so weil nach Norden, bis das Steinkohlengebirge
in der vom Venn aus abwärts geneigten Ebene des Falten¬
gebirges, in der Gegend von Herzogenrath, unter ihre
Sohle getaucht ist. Nun finden sie ihre Bestimmung in
der Wurm.
Das Wurmflüsschen verdient geographisch ein beson¬
deres Interesse. Wenn wir bei einer Wanderung im Wurm¬
tale die beiden Talhänge an entblössten Stellen studieren, so
sehen wir, dass die Schichten des linken Ufers gegen den
Fluss hin ansleigen, die des rechten von ihm abfallen,
mit andern Worten: der Fluss hat sich sein Bett in den
Sattel, in die höchste Erhebung der Falte, hineingegraben.
Warum hat der Fluss nicht etwa die Richtericher Gegend
aufgesucht, in der das unterlagernde Grundgebirge, hier
das Karbon, bedeutend tiefer sich findet? Wir haben es
anscheinend mit einer „epigenetischen Talbildung“ zu
tun. Der F'lusslauf ist älter als die seinen Ufern an¬
liegenden Lösse und Lehme des Diluvium. In einer Zeit,
wo das Land des heutigen Bergbaureviers von hohen
Schichten ül)erdeckl war, lag das Bett des Flusses, in
diese eingeschnilten, senkrecht über dem heutigen Tale.
Noch während seine Ufer aus jenen Schichten bestanden,
traf seine immer mehr sich einnagende Sohle zufällig die
Aufwölbung des Grundgebirges und war genötigt, sich in
diese hineinzuarbeilen, da die Strömung seitlich nicht
ausweichen konnte. Erleichtert wurde die Arbeit durch
die Lockerung, welche die Grundschichten gerade auf
dem Sattelkopfe durch die Faltung schon ei fahren hatten.
Immer tiefer sank der Fluss in den Sattel des Grund¬
gebirges ein, während seine ehemaligen Ufer mit den
das Grundgebirge überdeckenden Schichten von dannen
geführt wurden.
Die Ebenen rechts und links der Wurm sind in der
Hauptsache bedeckt mit dem Löss des Diluvium, das sind
durch Staubstürme zur Ablagerung gekommene kalk¬
haltige, tVuehtbare Schichten einer, geologisch gesprochen,
gestrigen Zeit, in der in Deutschland ein Steppenklima
herrschte. Hier wird fast ausschliesslich Ackerwirtschaft
betrieben. — In den Getreidefeldern machen wir mit
unserer Wanderung hall, die uns durch Gebiete führte,
in welchen der Mensch in Moorkultur, Wiesenwirlschaft,
Forstbetrieb und Ackerbau der natürlichen Kräfte des
Bodens Herr zu werden versuchte, indem er sich ihnen
dienend anpasste.
; Zum Schluß unserer Sondernummer ,,AACHEN** drängt es uns, dem Herrn Oberbürgermeister der Stadt Aachen,
■ unseren Mitarbeitern den Herren: Dr. W. Brüning; Johannes Classen; Kurdirektor He/1; Heinr. Janssen;
S Prof. Dr. W. Kaehler; Stadtbaurat, Kgl. Baurat J. Laurent; Direktor des statistischen Amtes der Stadt Aachen
; Dr. M. Mendelson; Josef Ponten; Hermann Ritter; Geh. Reg.-Rat Prof. Dr. Max Schmid; Museumsdirektor
■ Dr. H. Sch weitzer; Städtischer Musikdirektor Prof. Schwickerath; wie besonders auch der Städtischen Kur-
S direktion, dem Vorstand des Aachener Verkehrs-Vereins und dem Statistischen Amt der Stadt Aachen für die
: freundliche Unterstützung bei Herausgabe der vorliegenden Nummer unseren verbindlichsten Dank auszusprechen.
Die Redaktion der Zeitschrift ,,Deutschland**.
Töo DEUTSCHLAND NiiiS
Der Luftkurort Eupen beL ^che^^
Vor\ ^^iiii/Sc:hR>[df^r^CJ4:«ß; ■ —
Sjscb s^hri Kil öfi^eij^r s^!ii:h vt^ Aiwhm U^'|^i tlie ^^wc^rb- febioiTk^r .Stjeiniäf^rölb Auf der
Kfj^fj'r Ur>d in clpppelleT Hübe-über A'Jitreri Kiefer^p^cbr^U dose
Vf!fbindijn^', feisenbabn ur4 Rotwild imd w^yKU dit* " 'fe hierr d^rt;
g'^ mh fes^i&ny h^X di>£^r Habplort pdb tiinbtrr(Terr W anderer en aV )i Wstgj?m Pfbd^ • etöti^ frr^eser Lk:W
L n ndes ytiü j '-t dem alt e^ro \m d mibrbti^ rfb Rira leri von ei ns a m ef HöK^; V i e eHi& aOTät^'r. ;Sc;h^hbÄEi; uJn 4; ■
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r ! rbtii lA’. rt fc<? ■.■)^^T?-Ii^ -i!' jtbi.j:^ . Vn'.TiT4.drjkijii An (-ii JEferMj^l icv-Jib #
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■h^'ra ü^xiiktri lä l-^n-- ;’ist / •'
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SV oh r) vob b j d en 'i^ q b ^} i >-
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G^^Ä^Kti^hde-, iiftis;p(iiVpiv., :
sdiffiifiridij^ ., ehtwickt’lr jifnd
^riüd f tbb. rit>d^ itsVjtfl ^ ■ W>:4it^'r' '
bättm- sidi hiG‘ idV -
: T aia ;d(?r Vi>£4Vä
ui ^l\f\ eil ^^r AldhiiJrt?? 4ph
i t rn h ifit de r Bl i r Xil^r;|i^
■begr^i.iVdei; :;■ÜTHL^^d^e:■;^^
i^b^s^dild^rd iiTp JjHihrliddd^rt, zU W ohl sti^hd,. \\ti. Riidcb^
Ihm ettipdtpji^didiri'b ,yo^ \Uun hcHUe; diie, iahb&rirfe^
stü Ulichen .-.iind. ^üVt^L^'iLdi»3benv tffe-h^riiÄitjS^^rrr ;!?/!;red
gebeov in ^üldeJit'-d heri^rbteV Ein Chrdfd^iv. S
rjiüsir ^floU^ i.ondon
Litid. Kti vV V > v ■
öfe mdijerrve; dwir ki^-^' tdf'"f^ d^r
Gro ßind iI*i.!ria' ■ i»t. .-der •' Girem^^^t ti4% icht ■ ••'soTVdpd ‘.\i ü
Zwtir {UMti> d^?r ^■V‘Iv^)»jJl 1 ivid
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ßisbrftid unch, ihn Vi^rhiden jiier lldliL'r-
die \X-eidilieii dc^; &icKs>heT: Wahle:^
rs< t; Briiutti L^d jjvt^ ^<r [i n ad
die iM reicihen 1 lecke n w<j rd ep Kf lU r-
njfer i?nd sprödf^r. Bupen iWgi öid
der S^hwdlf*- sum i Indien^,
mm(an i\hc \' nnch o bwche n H ö hön
Ve)fm> dessen käKies ;M ü ii [ii dihchdg :
tjnd Lh?aü fij^b Blji# ^en Süden be-g:rinrjtl
Hup e 1 1 ’. An si 1 1»t; v o nsr Sc Korb erg; a u I die t Iniiif si t
eiitUirin^ 2Mr
v/i[i dessen KüfilV ftiÜjS. ko^Uierhe Ausssciiftir
ist iihi^r diesets^®^; njici Uticdi SO emsig:
St Ki^ilernden. tnviirrn Stsi:dii<ril: \X’«r :übei;:deh daneben ragerfd^rv
An1s^w;bl^^Uü^n den Ij^ihpr eis^L.-pTachtiger Rundfal^;ic
viWf. döÄ-fe'iTp'e .^esegrsete Lisnbürg-er
: ^ ^ ^ ^ ^ ^ ^ bi ^ ■ iM den fern e n Hüben d
^y'''-,4' ■ ^ Afl'feuAirAVüideii^ aus dessen dnBigG:ir
■ ^ ’i r i Ui Uia 5 ich :;y der Ei hger Ck> U es“ -:- edeir
\ ; A ^)fch yi Awkskhts Ur r rti i p s G -
:bUj.i i*-mpöri^':qkr''-.
% die prüchtige/
■'Uisebß^;.. der . frieds'efn^
nrid doch heitern
htAdt 7;wr GriSüh v^pn .K^icper üpid
■'•.Giibd., Sn luif sie
h? p f jq 1 ne $ Lu f t k n ro rtes H^ia h^^Spfnmer^
insclü5?, vv^ie sie der iilü^ftarte ^Führer"
des rührigen VerkekfKdJistörü^ tm-
j «dcrmnirns N ut zen tm4 hütstigf^
l^eschrcihl*)- Nicht minder aber: legt
i-i\ ne cTii sige Vr.uwoHu/ig ,XV44 Wf die
Th r ichUl hg Vü A Bi{d4^dlTeb für
tl US h etänwuclisendj ; so
piUst□ ndeh jin Ie!a:teu JöbtS-'^eh tili döS
Mü4cheApensi 6naI auf deh^ Hefdbe^g,
di e : g h werbl i che u n d kau fmli bir iS eh e
i' lieh s ch ule mit H fttiSiK ntl un ^rs- ■“: Sebp Ib,;
H^ih^lörbei t sr^ lind •
■ ■■ y’- ■' ■'■■■ -L b':-: •:;■'■: > . -tr --■:’•■;■■ -i ■: '-■ har — ■ ,eine .• ;,.''ci<i^^;'..': Q^hi-
^uptn,. .asser.u im ,, a Kei>irherz\enrats RoLe:(:t■,' Aip'öta^at ^
und alwchhefli. \ ibuäf 4ii:s Sfa.iiiisiiJuä Kbijbtu\pimsionaJ iin AhsGblüSlsfö' atv
Sbifidsche ProgV'hAasium, di^HijeA Ausbau ;
VOM der S.lodt besrJdosson ist. So hat Hufieh
vornelimsien Fhrenfitel nnch guI seine W
der Grenze der Westniork tlattert: GerTTLhiSia
*) Der ge.^^'hMüoft.vW jün'iiim kuitrust- nemt^sjyt^pebiüA vom Stiidt^’V'erkühr^iiu&sclHip «Jfnfd venv dieso|fi k'yAYiwhyia^Ü^^^I*
Abet die Wege, die 7.uin düste.rn ITochntocr Innhu?^ mul
hiheuf füh ren^ siirid v ofl von Vint6r4b rler; fetol^ yerschw-iegcner
Ro m an U kc Vier T ül er s in d j. v i er F l i i ^ G e b trgs ki h d er,
rttsciv stürmisch imd u^ild. Die rMustben ^nd bratUieH iih
Nr. 15 DEUTSCHLAND 761
WIRTSCHAFTLICHER TEIL
Bund Deutscher Verkehrs-Vereine
(e. V.) Geschäftsstelle: Leipzigs, Naschmarkt, Handelshof.
«l’nenigeltlirhe Ausküiifle über deulsehes VerKclirswoscn und Iioi.seiiii-
gele;;enhcilen. Abgabe von FiihTcni uiul iTo.speKten über deuisebe
Kur- und liadeorle. SUuile und Laiiil.siharien.)
Dem Bund traten als Mitglieder bei:
Der Magistrat der Stadt Naumburg,
Der Stadtrat der Stadt Johanngeorgenstadt,
Verkehrs-Verein Friedrichroda-Reinhardsbrunn,
Fremden-Verkehrs-Verein Finsterbergen,
Verkehrs-Verein Velbert,
Verein zur Förderung des Fremdenverkehrs in Eberswaldc
und Umgegend,
Pyrmonter Kurverein.
Auf Anregung des Verkehrs-Verbandes Westpreussen unter¬
stützte der geschäftstührende Ausschuss eine Eingabe des
Vereins der Ost- und Westpreussen in Strassburg i. E., betr.
Gewährung von Fahrpreisermässigungen ab Berlin
nach den Ostprovinzen im Anschluss an die Ferien¬
sonderzüge zu ermässigten Preisen, die von Elsass-Lothringen
nach Berlin abgefertigt werden.
Weiterhin ging auf Anregung aus dem Mitgliederkreise des
Sächsischen Verkehrs-Verbandes eine Eingabe an den sächsischen
Landtag wegen Fortführung der von Oesterreich geplanten
Durchgangslinie Karlsbad Joachimstal Weipert bis
nach Chemnitz als Vollbahn. Es wird mit diesem Projekt
eine neue grosse Durchgangslinie von Oesterreich nach Nord-
und Nordwest-Deutschland, nach Holland, Belgien und England
angeregt.
Die Geschätlsfünrung gab ei'.e Uebersichtskarte der dem
Bund angcschlossencii Mitglieder nebst einem Mitglieder¬
verzeichnis heraus.
Der Deutsche Weltsprache-Bund, e. V., Berlin-
CharlottenbuTg, Wiciandstrasse 7 (Mitglied des Bundes), besitzt
eine Serie von etwa 50 Diapositiven über die Entwicklung der
Weltsprache, die derselbe n-it tinem dazu ausgearbeitelen Vor¬
trage den Bunde-^iuiigliedein kostenfrei zur Verfügung stellt;
desgleichen eine reichhaltige als Wanderausstellung eingerichtete
Sammlung von Werken der Weltspracheliteratur.
Aus den Bundes-Vereinen.
Der Verkehrs-Verein Leipzig (e. V.)
hielt am ii. Februar d. J. im Zoologischen Garten unter dem
Vorsitz des Herrn Direktors Otto Winkler seine Jahreshaupt¬
versammlung ab. Herr Eugen Strobel erstattete als Schrift¬
führer des Vereins den Jahresbericht. Herr Oberrealschul¬
lehrer Dr. Paul Roth hielt sodann einen Vortrag über: „Das
deutsche Zeitungswesen im 19. und 20. Jahrhundert
und seine Beziehungen zum Verkehr-wesen“, d-i
sich als eine gediegene historische Studie über die Entwicklung
des Zeitungswesens erwies und viel Beifall fand. Der Schatz¬
meister des Vereins, Herr Otto Hirschfeld, erstattete hierauf
den Kassenbericht. Leider überschritten die Ausgaben des ver¬
gangenen Jahres die Einnahmen um 1682 Mk. In dem mit
15130.58 Mk. abschliessenden Haushaltsplan für 1912 sind wesent¬
liche Posten: der Neudruck des Fünrers duich Leipzig, der nun¬
mehr auch in französischer und englischer Sprache
erscheinen soll, und die Einrichtung der F il i a 1 a u s k u n f t-
stelle im Hauptbahnhof. Der Kassenbericht fand ein¬
stimmige Annahme. Bei der Ergänzurigswahl für die sechs
satzungsgemäss ausscheidenden Vorstandsmitglieder wurden die
Herren Direktor Stremmel, Gäitnereibesitzer Moosdorf, Hof¬
lieferant W. A. Pölich, Kaufmann Jul. Strobel und Redaktions¬
sekretär P. Kabisch einstimmig wiedergewählt. An Stelle des
Herrn von Biedermann wurde Herr Kaufmann und Stadt¬
verordneter Richard Heinze neugewählt.
Der Verband der Kurorte und Sommerfrischen
der Grafschaft Glatz
hielt in Glatz seine ordentliche HauptveiSammlung ab. Der
Verbandsvorsit/ende, Bürgermeister Ludwig, erstattete den
Geschäftsbericht. Nach diesem gehören dem Verbände 41 ordent¬
liche und 33 ausserordentliche Mitglieder an. Der Verband hat
im Berichtsjahie eine sehr eifrige Tätigkeit entfaltet, in der
Hauptsache für Ausstellungszwecke, namentlich für die inter¬
nationale Ausstellung für Fremdenverkehr in Berlin, die Aus¬
stellung in Posen und die Hygiene-Ausstellung in Dresden.
Auf der Berliner Ausstellung wurden 3000 Werbebüchlein ver¬
teilt. Auch die dort regelmässig abgehaltenen Lichtbilder¬
vorträge, die im ,.Kaufhause des Westens“ wiederholt wurden,
waren geeignet, für die Grafschaft Propaganda zu machen.
Durch die Beteiligung an der Berliner Ausstellung hat der
Verband einen grossen Schritt in die Oeffentlichkeit unter¬
nommen und gezeigt, dass er selbständig zu arbeiten imstande
ist. Der Verband hat 2000 grosse Reklameplakate anfertigen
Lssen, die auf Bahnhöfen der Eisenbahndirektionsbezirke Posen,
Breslau und Kattowitz, sowie in 250 grösseren Hotels des
Ostens aushängen. An Werbebüchlein sind im Berichtsjahre
10 000 Stück zur Verteilung gelangt. Den Kassenbericht er¬
stattete Fabrikbesitzer Hünerfeld, Glatz. Es betrugen 1910/11
die Einnahmen 6072.39 Mk., die Ausgaben 3650.75 Mk. Im
Geschäftsjahr 1911 12, das erst Ende März abschliesst, wird die
Verbandskasse voraussichtlich mit einem Bestände von 800 Mk.
abschliessen. Der Voranschlag für 1912 13 wurde in Einnahme
und Ausgabe auf 4350 Mk. festgesetzt. In den Vorstand wurden
wiedergewählt: Bürgermeister L u d w i g, Glatz, als Vorsitzender;
Dr. Herrmann, Landeck, als stellvertretender Vorsitzender;
Landrichter S ch n e i d e r , Glatz, als Schriftführer ; Bürgermeister
Geisler, Habelschwerdt, als stellvertretender Schriftführer;
Fabrikbesitzer H ü n e r fe Id , Glatz, als Schatz.neister ; Dr. Herr¬
mann, Kudowa, und Kurdirektor Berlit, Altheide, als Bei¬
sitzer. Als Ausschussmitglieder neugewählt wurden die Stadt-
genieinden Neurode, Reichenstein, Wartha und Mittelwalde.
Dr. Herrn.ann, Landeck, zollte dem Verbandsvorsitzenden,
Bürgermeister Ludwig, für seine überaus rührige, von Erfolgen
begleitete Tätigkeit im Interesse des Verbandes Dank und
Anerkennung.
Oer Pfälzische Verkehrs-Verband
hielt am 2. März e:ne gut besuchte Ausschuss-Sitzung ab. Der
Vorsitzende, Herr Rech'srat Dr. Müller, konnte wieder eine
Anzahl von Vereinen und Hotels der Pfalz als neue Mitglieder
melden. Ferner erstattete er Bericht über die Sitzung im
Pfälzischen Fremdenverkehrsrat, die sich im besondere.n be¬
schäftigte mit dem Bayerischen Verkehrsbuch und dessen
Sonderabdruck ,,Pfalz“, einem staatlichen Verwaltungskosten-
zuscliuss für die pfälzische Verkebrstäiigkeit, der bayerischen
GeA'eibeschau in Miinchcn und anderem. Die Verhandlungen
dreliten sich dann weiter um die Anfertigung und Ausleihung
von Klischees und Lichtbilderserien, eine Sammelannonce für
die Pfalz für 1912 und einen Kunstkalender für die Pfalz. Um
die Pfalz auf dem Deutschen Bundesschiessen in Frankfurt,
das eine ganz hervorragende Rcklamegelegenheit bietet, würdig
zu veit'Cten. hat sich der Verkehrs-Verband mit dem Pfälzischen
Sch itzenbund und dem Zentralausschuss des Bundesschiessens
in Frankfjit ins Benehmen gesetzt.
Der Badische Landesverband zur Hebung des
Fremdenverkehrs
hielt kürzlich im Rathaussaale zu Pforzheim unter Leitung des
Vorsitzenden Herrn Stadlrat Robert Ostertag, Karlsruhe, eine
gut besuchte A u ss ch us s s i t z u n g ab. Das langjährige Aus¬
schussmitglied Herr Gasthofbesitzer Leicht begrüsstel die
erstmals in Pforzheim versammelten Delegierten namens der
Stadtverwaltung auf das herzlichste. Der Verbandsausschuss
befasste sich mit der Ausgestaltung des „Badischen Ver¬
kehr s b u ch es“, das im Laufe des Monats Mai herausgegeben
wird, mit dem Voranschlag für 1912, der einen Umsatz von
5ooooMk., ohne die erheblichen Aufwendungen für das
Sammeiinserat, aiifwei.^t. Allgemein begrüsst wurde die Ent¬
sendung des Herrn Vorsitzenden in den Eisenbahnrat und
hierbei der Hoffnung Ausdruck gegeben, das> die Wünsche,
die der Verbandsausschuss hegt, in Erfüllung gehen mögen.
Der Verkehrs-Verein für Ostpreussen
hielt in Königsberg unter dem Vorsitz des Landesrats Küsel
seine 1 lauptveisammlung ab. Nach dem Jahresbericht sind
dem Verband im letzten Jahre 181 Mitglieder neu beigetreten,
darunter als korporative Mitglieder der Veikehrs-Verein Pillau,
der Ostpreussische Verein für Lutischitfah.t, der Verein Alt-
Wandervogel (Königsberg), der Verein de- Ostpreussen in
762 DEUTSCHLAND l«^ ^j0OeoeoO6)eeC)CIOC l C)OOOOOOO i Nr. 15
Halle a. S., Hausbesitzerbank, Polytechn. und Gewerbe verein,
Sportvereinigung Prussia (Samland), Kaufm.Verein der weiblichen
Angestellten, die Magistrate Bischofsburg, Creuzburg, Orteisburg,
Pr.-Holland, Memel und Rössel, die Gemeinde Rauschen, die
Badeverwaltungen Neukuhren und Schwarzort, die Villenkolonicn
Georgenswalde und Mctgethen, so dass die Zahl der Mitglieder
am Jahresschluss 1251 betrug. Auch im laufenden Jahre sind
bereits wieder 63 neue Mitglieder beigetreten. Viele Werbe¬
schriften und Drucksachen wurden verteilt, Vorträge mit Licht¬
bildern gehalten, die auch nach Städten ausserhalb der Provinz
(Düsseldorf, Guben, Halle a. S.) verliehen wurden. Auf eine
vom Verein lebhaft unterstützte Massenpetition ostpreussischer
Magistrate um Ausgabe von Sonntagsfahrkarlen ist einer kleinen
Anzahl von Städten (Tapiau, Wormditt, Darkebmen, Mohrungen,
Goldap, Osterode) die Ausgabe solcher Sonntagsfahrkarten zu
ermässigten Preisen mit eintägiger Gültigkeit in Aussicht gestellt
worden. Der Verein hat jetzt 18 Studenten- und Schülerherbergen
in Ostpreussen eingerichtet. Der Voranschlag für 1912 wurde mit
Qioo Mk. genehmigt. Die ausscheidenden Vorstandsmitglieder,
Landrat a. D. von Batocki (Bledau), Landrat Geheimrat Cranz
(Memel), Justizrat Hennig, Professor Dr. Hoffmann, StadtverorJ-
netenvorsteher Geheimrat Krohne, Landesrat Küsel, Kaufmann
Karl Kühn und Oberlehrer Dr. Schumacher aus Königsberg,
wurden wieder-, Amtsvorsteher Zainke (Cranz) neugewählt.
Württ.-Hohenz. Vereinigung für Fremden-Verkehr.
In der Sitzung des Landesausschusses in Stuttgart be¬
richtete der Vorsitzende, Gemeinderat Stübler, über die Vor¬
bereitungen zur Schwäbi.'-chen Landesausstellung für Reise- und
Fremdenverkehr. Danach ist die Beteiligung der Gemeinden,
Verkehrs- und Verschönerungs-Vereine, Kur- und Badver-
waltungcn, sowie der Reise- und Sportindustrie eine so leb¬
hafte, dass es notwendig wurde, auch den ersten Stock des
Ausstellungsgebäudes für die Ausstellung zu belegen. Mit der
Ausstellung soll feiner die tägliche Veranstaltung von L i ch l-
bildervorträgen und kine matographischen Vor-
führungen über den Rodel- und Schneeschuhsport,Volksfeste, Luft¬
schiffahrten, Reit- und Fussbalbsport u. a. m. verbunden werden,
wozu die nötigen Einleitungen schon gelroften sind, sowie eine
A u s k u n f 181 e 11 e mit Lese- und Schreibzimmer, in
der Führer, Prospekte usw. des ganzen Landes aufliegen werden
und Auskunft in Verkehrsangelcgcr^hcitcn aller Art erteilt werden
wird. Wie in Berlin bei der Internationalen Ausstellung für
Reise- und Frenuienveikehr wird auch hier wieder die
S ch w ä b i sch e Weinstube und die S ch w a r z w ä 1 d e r
Kaffccstube in einem im Vorgarten des Ausstellungs¬
gebäudes zu erstellenden Anbau untergebracht und wesentlich
vergrössert werden. Für die W i n t e r s p o r t - R e k 1 a m e wurde
die Herstellung von 5000 Sonderabdrücken des in der
Ve I k e h r s .T e 11 ö ch r i f l ,,D e u t s ch 1 a n d'‘ erschienenen Auf¬
satzes von P. Diiikelacker, Stuttgart: ,,Vom Winter in Schwaben“
beschlossen, die für die Reklame 1912 13 werden verwendet werdea.
Für die Schritt ,,Schwäbische Kurorte, Soinmerfrischen,
Sportplätze“, bearbeitet von Kan/leirat Ströhmfcld, die
nunmehr feitiggestellt und demnächst ausgegeben werden wird,
wurde ein Verkaufspreis von 25 Plg. festgesetzt. Für Reklame¬
zwecke wurde ferner die Herstellung von Postkartenserien und
Abreisskalendtrn mit Ansichten aus dem Schwabenland m
Aussicht genommen.
Gründung eines Verkehrs-Verbandes für Hessen
und Waldeck.
Im Rathaus zu Cassel fand am 26. Februar unter dem
Vorsitz des Herrn Oberbürgermeisters Müller eine Versammlung
von Interessenten statt, die von 38 Vertretern von Magistraten,
Verkehrs-Vereinen, Kurverwaltungen und dergleichen besucht
war. Herr Oberbürgermeister Müller, Cassel, leitete die Ver¬
handlungen ein durch Ausführungen über die Notwendigkeit
des Verbandes, der eine auffallende Lücke in der Organisation
der Bestrebungen zur Hebung des deut^chen Fremdenverkehrs
ausfüllcn müsse. In weitesten Kreisen des In- und Auslandes
seien die landschaftlichen Schönheiten des hessischen Berg¬
landes und die Kunstschätze seiner Städte noch nicht genügend
bekannt, da es bis jetzt an einer zielbewussten Werbetätigkeit
der in Frage kommenden Stellen gefehlt habe. Den Grund¬
lagen und Voraussetzungen des Fremdenverkehrs müsse im
Verbandsgebiet fortgesetzte Aufmerks.imkeit zugewendet werden
durch Ausbau der Verkehrsmittel und Verbesserung der Hnler-
kunfts- und Verpflegungsverhältnisse. Herr Verkehrsinspektor
Weber, Vorstand des Stadtverkehrsamtes in Cassel, berichtete
über die Organisation des Fremdenverkehrs in
Deutschland und führte dabei im wesentlichen folgendes
aus: Stadt und Land müsse in dem Bestreben, Fremdenverkehr
heranzuziehen, Zusammenwirken, da beide in gleicher Weise
interessiert seien, das Land durch vermehrten Absatz in land-
wiilschaftlichen Erzeugnissen, die Stadt durch grösseren Umsatz
in den verschiedensten Erwerbszweigen; so bilde der Fremden¬
verkehr gewissermassen ein Bindeglied zwischen Stadt nnd
Land, die sich in wirtschaftlichen und kulturellen Fragen leider
zu oft und mit Unrecht feindlich gegenUberstehen. Eine
Zusammenfassung der verschiedenartig, aber doch in gleicher
Richtung arbeitenden Organisationen sei etwa vor 10 Jahren
im Bunde Deuts cherVerkehrs-Vereine erreicht worden,
dessen seitherige Wirksamkeit und künftige Aufgaben der
Redner kurz beleuchtete. Dem Bunde sei es nach langjährigen
Bemühungen auch gelungen, die an einer Zunahme des
deutschen Reiseverkehrs besonders interessierten Eisenbahn¬
verwaltungen zu namhaften Beitragsleistungen namentlich
für die Propaganda im Auslande heranzuziehen. Hinsichtlich
der künftigen Aufgaben des Verkehrs-Verbandes für HessMi
und Waldeck verwies Redner sodann auf einen gelegentlich
des Hessischen Städtetages in Gutensberg gehaltenen Vortrag
und auf die der Gründungsversammlung vorgeleg^e Denkschrift
hin. Aus den Richtlinien sei hervorzuheben, dass zunächst
eine im flotten Feuilletonstil ge^:chriebene, künstlerisch aus¬
gestattete und in mehrere Sprachen übersetzte Beschreibung
des Verbandsgebietes im In- und Auslande verbreitet
werden solle. Da bisher nur einzelne grössere Städte und
Badeverwaltungen eine wirksame Zeitungsreklame entfalten
konnten, müsse auch auf Hessen und Waldeck durch sogenannte
Sammelanzeigen in Zeitungen und Zeitschriften hin¬
gewiesen werden. Hand in Hand damit sollten Aufsätze über
das Verbaiidsgebiet, wenn möglich mit Abbildungen, veröffentlicht
werden. Durch Herausgabe von Sommerfrischen- und Gast-
hausverzeichiiissen, Wanderkarten und Plakaten,
Ansichtskarten und dergleichen könne das hessische Seeland
immer mehr bekannt gemacht werden. Sämtliche an der Debatte
beteiligten Redner erklärten ihre Zustimmung zu den vor¬
getragenen Gesichtspunkten und stellten den Beitritt der von
innen vertretenen Verwaltungen und Vereine in Aussicht. Der
von Herrn Stadtrat Dr. Saran, Cassel, vorgetragene Satzungs-
entwurf wurde nach eingehender Aussprache angenommen,
womit die Gründung des Verbandes beschlossen war. In den
Vorstand wurden gewählt die Herren: Oberbürgermeister
Müller und Stadtrat Stippich, Cassel, als Vorsitzender beziehungs¬
weise Stellvertreter; Verkehrsinspektor Weber und Kurdirektor
Prestieri, Bad Sooden-Werra, als Schriftführer; Bankier Schirmer
und Stadtrat Dr. Saran als Schatzmeister. Den Ausschuss
bilden Vertreter von Stadtgemeinden, Kurverwaltungen und
Wandervereinen aus Cassel, Fulda, Marburg, Hersfeld, Rotenburg,
Arolsen, Evschwege, Münden, Bad Wildungen und Niederaula.
Verschönerungs- und Kurverein Auerbach.
ln der Hauptversammlung bezeichnete der Vorsitzende, Herr
Sieben, das letzte Vereinsjahr als ein sehr lebhaftes und
arbeits-eiches. Wenn auch der Verein nicht den mehr zeit-
gemässen Titel „Verkehrs - Verein“ führt, so erfüllt er doch
neben der Tätigkeit als Verschönerungs- und Kurvorein durch
seine Presse-Kommission reichlich die Aufgaben, dio sich die
überall in neuester Zeit entstehenden Verkehrs-Vereine gestellt
haben. Gerade im modernen Verkehrswesen gibt es nun eine
Menge grosser und grosszügiger Aufgaben und Fragen, zu
deren Lösung ein kleiner lokaler Verein mit seinen bescheidenen
Mitteln nicht in der Lage ist. Aus diesem Grunde ist der enge
Anschluss an den Verkehrsausschuss der Bergstrasse für den
Verein von grösster Wichtigkeit und Bedeutung, und, wie
die Erfahrung der letzten zwei Jahre gelehrt hat, auch sehr
segensreich. In Verbindung mit dem Verkehrsausschuss hat
der Verein im letzten Jahr verschiedene Fragen lösen können,
z. B. die Beschaffung und Verbreitung des Propagandamaterials.
Von dein in einer Auflage von 20000 Stück im Werte von
etwa 3000 Mk. hergesielllen „Panorama der Bergstrasse“
entfielen auf den Verein als diesjähriger Anteil 1000 Stück, von
denen über 800 Stück verbreitet wurden. Von der in einer
Auflage von 20000 Stück hergestellten Empfehlungskarte von
Auerbach hat der Verein bis jetzt inkl. anderer Drucksachen
13 000 Stück verbreitet, und zwar hiervon allein auf der Inter¬
nationalen Ausstellung für Reise und Verkehr Berlin 191X 7300 Stück.
Der Führer „Rund um Auerbach“ hat der Verein in diesem
Jahre in zweiter Auflage in Höhe von 5000 Stück, und zwar
in einer ganz mustergültigen Art und Weise, herstellen lassen.
Ks liegen darüber äusserst schmeichelhafte Besprechungen
grosser Zeitungen vor. Der Führer wird vielfach von auswärts
verlangt und dürfte einen wesentlichen Faktor zur Hebung des
Fremden - Verkehrs bilden. In den in etwa 16 Zeitungen,
Wochenschriften und Reiseführern erschienenen Kollekliv-
Annoacen des Verkehrsausschusses ist Auerbach gebührend
erwähnt und sind daraufhin eine grosse Anzahl Anfragen ein¬
gelaufen, die vom Verein unter Beifügung des Propagandt-
materials in der entgegenkommendsten und promptesten Weise
beantwortet wurden. Bei den durch den Verkehrsausschuss
erledigten Anfragen wurde stets das gesamte Propagandamaterial
Nr. 15
von Auerbach beigefügt. Auch im neuen Jahr stehen weitere
und grössere Massnahmen zur Hebung des Fremdenverkehrs
der Bergstrasse und Auerbachs bevor, so u. a. die Vorbereitung
einer Sondernummer der illusrierten Zeitschrift „Deutschland**
für die Bergstrasse.
Fremdenverkehrs-Verein Karlsruhe.
Unter der Leitung des a. Vorsitzenden, Herrn Rentners
Ludwig Paar, fand am 28. Februar er. im kleinen Rathaussaale
eine Ausschusssitzung des Verkehrs-Vereins statt. — Der
Hauptversammlung des badischen Landesverbandes
zur Hebung des Fremdenverkehrs am 5. November v. J. wohnten
zwei Ausschuss - Mitglieder bei. Sie gaben eine Reihe von
beachtlichen Anregungen hinsichtlich der Ausgestaltung des
Fahrplans der Staatseisenbahnen, für die Verbesserung der
Reklame der Eisenbahnverwaltung, für den Ausbau der Pro¬
paganda des Landesverbands u. a. m. — Für das Jahr 1915, in
welchem Karlsruhe sein aoojähriges Gründungsjubiläum feiert
und voraussichtlich zahlreiche andere Kongresse und Verbände
ihre Versammlungen hier abhalten werden, haben sie den
Landesverband zur Tagung dahier eingeladen. Es besteht Aus¬
sicht, dass dieser Einladung entsprochen wird. — In verschiedenen
Tagesblättern des ln- und Auslandes und in Verkehrs- und
Reise-Zeitschriften hat der Verein in den letzten Monaten wieder
Veröffentlichungen über Karlsruhe einrücken lassen,
die geeignet sind, der Stadt neue Besucher zuzuführen. Beson¬
deren Beifall fand ein in der Bundeszeitschrift „Deutschland**
erschienener illustrierter Artikel über „Karlsruhe im Winter**. —
Die Lichtbilder von Karlsruhe befinden sich stetig auf Reisen
und werden überall mit Interesse aufgenommen. — Die Ver¬
handlungen mit den namhaftesten Reisebureaus zwecks
Aufnahme der Stadt Karlsruhe in ihre alljährlichen Reisepläne
haben zu einem befriedigenden Ergebnis geführt. — Die Be¬
strebungen des Bundes Deutscher Verkehrs-Vereine nach mög¬
lichster Dezentralisation der Sommerferien in den
preussischen Provinzen zur Vermeidung der Ueberfüllung der
deutschen Kur- und Badeorte in den Hochsommermonaten hat
der Verein unterstützt. Wegen Ausgestaltung des Eisen¬
bahnverkehrs mit Karlsruhe steht der Verein in regem
Verkehr mit der Grossherzoglichen Eisenbahnverwaltung. — An
die Grossherzogliche Regierung hatte der Verein das Ersuchen
gerichtet, mit Rücksicht auf die geplante Erstellung eines
Landesmuseums dahier die Frage zu prüfen, ob es sich im
Interesse einer Konzentration und einer grösseren Wirkung der
Ausstellungen nicht empfehle, einzelne der hiesigen Sehenswürdig¬
keiten, wie z. B. das Grossherzogliche Kunstgewerbemuseum und
die Sammlungen für Altertums- und Völkerkunde, die in ihrem
Charakter grosse Verwandtschaft zeigen, zusammenzulegen. Das
Grossherzogliche Ministerium des Kultus und Unterrichts hat
darauf erwidert, dass die Frage der Errichtung eines Gebäudes
für ein Landesmuseum auf dem Messplatze zurzeit geprüft
werde, jedoch könne die Ausführung des Planes nicht schon
für die nächsten Jahre vorgesehen werden. Bei der endgültigen
Entscheidung würde man auf die Anregungen des Vereins
zurückkommen. — Die Wintersportausstellung, die in
den Monaten Dezember, Januar und Februar im Grossherzog¬
lichen Landesgewerbeamt veranstaltet und vom Verein propa¬
gandistisch gefördert wurde, war von etwa 23 000 Personen
besucht und hat in weiten Kreisen grosses Interesse gefunden.
Der Verein ist dem Grossherzoglichen Landesgewerbeamt für
die Einrichtung und Durchführung der Ausstellung, die gezeigt
hat, wie leistungsfähig und den ausländischen Erzeugnissen
durchaus ebenbürtig die badische Sportartikel - Industrie ist,
dankbar. — Die in Vorbereitung begriffene Wanderaus¬
stellung von Erzeugnissen der Schwarzwälder Volks¬
kunst, die sich auf dem Gebiete der Holzschnitzerei, Gold¬
stickerei, Strohflechterei, Uhrenschnitzerei und -Malerei, Keramik
und Schachtelmacherei erstrecken soll, wird vorraussichtlich im
Jahre 1913 auch nach Karlsruhe kommen. — Im Monat Mai
wird dahier die diesjährige Hauptversammlung des über
250000 Mitglieder zählenden Verbandes der deutschen
Beamtenvereine stattfinden, für welche der Verein jetzt
schon tätig ist. — Der Jahresbericht für die Vereinsjahre 1910/11
ist im Druck erschienen und soll den Mitgliedern und sonstigen
Interessenten zugestcllt werden. Er wird u. a. zum ersten Male
ein Verzeichnis der Mitglieder des Vereins, nach
Geschäftszweigen (Bezugsquellen) geordnet, bringen.
Der Ausschuss hat beschlossen, Sonderabdrücke dieses Ver¬
zeichnisses mit den übrigen Reklameschriften des Vereins den
Fremden mit der Aufforderung zu behändigen, bei ihren Ein¬
käufen die angegebenen Geschäfte in erster Reihe zu berück¬
sichtigen, um so den Vereinsmitgliedern einen unmittelbaren
Vorteil von ihrer Zugehörigkeit zum Verein zu verschaffen. Es
ist zu hoffen, dass infolgedessen zahlreiche weitere Geschäfts¬
inhaber, die noch nicht Mitglied des Vereins sind, sich alsbald
zum Beitritt anmelden. — Das Rechnungsjahr 1911 hat,
wie aus dem Bericht des Schrift- und Geschäftsführers, Oberstadt¬
sekretärs L a ch e r, hervorg^ing, trotz einer erheblichen Zunahme
der Mitgliederzahl leider wenig günstig abgeschlossen, da
für die Herstellung von Propagandamaterial ziemlich bedeutende
Ausgaben zu machen waren. Der Voranschlag für 1912
schliesst in den Einnahmen mit 6217 Mk., in den Ausgaben
mit 6292 Mk., also mit einer Unzulänglichkeit von 75 Mk. ab.
Der Ausschuss beschloss, nach der am 2. April d. Js. (im
grossen Rathaussaale) stattflndenden Generalversammlung in eine
intensive Mitgliederwerbung einzutreten, um den Finanzen des
Vereins wieder aufzuhelfen. Er glaubt überdies, dass sich, wie
in anderen Städten, auch hier einsichtige Bürger Anden werden,
die, die gemeinnützige und vielseitige Arbeit des Vereins
würdigend, ihm freiwillige Spenden zuwenden. Denn eine
finanziell sichere Grundlage ist die erste Vorbedingung für eine
weitere gedeihliche Entwicklnng des Vereins.
Die Danziger Verkehrszentrale
hielt am 29. Januar in der Ressource „Concordia** ihre 5. Jahres¬
versammlung ab, die von dem Vorsitzenden mit Worten der
Begrüssung und einem Ueberblick über die Arbeiten des Vereins
während seines 5jährigen Bestehens eröffnet wurde. Der Mitglieder¬
bestand ist von 130 auf 871 angewachsen und die Summe der
in diesem Zeitraum eingegangenen und im Interesse des
Danziger Verkehrs verausgabten Zuwendungen von Behörden,
Korporationen und Einzclmitgliedern beläuft sich auf etwa
50000 Mk. Des weiteren ist aus dem Jahresbericht zu ent¬
nehmen, dass die Broschüre „Danzig als Wohnstadt** im
April ds. Js. in dritter erweiterter und verbesserter Auflage und
„Danzig als Kongressstadt** in 2. Auflage erscheinen wird. An
neuen Broschüren sollen zur selben Zeit herausgegeben werden:
„Danzig als Handels- und Industriestadt** und „Sommer in
Danzig**. Der vom Magistrat herausgegebene Führer durch
Danzig, die Broschüre „Danzig als Hochschulstadt**, die
Propagandapostkarten, sowie der alljährlich erscheinende Konzert¬
führer wurden wie in den Vorjahren lebhaft begehrt. Ein von
Professor Pfuhle entworfenes Plakat „Danzig** wird im Laufe
dieses Jahres zur Verbreitung gelangen. Die Jahresrechnung
für 1911 schliesst mit 13612.04 Mk. in Einnahmen und Ausgaben.
Der Voranschlag für 1912 wurde auf 12500 Mk. festgesetzt.
Aus der Reihe der Versammelten wurden folgende Anregungen
gegeben: i. Späterlegang des Abendzuges Danzig—Berlin 10.14 Uhr
abe ds ab Danzig um etwa eine Stunde. Damit würde der
Zug gleichzeitig als Theaterzug von den Besuchern aus der
Provinz benutzt werden können und eine bessere Ausnutzung
des S hlafwagens Danzig—Berlin gegeben sein. 2. Verbindung
Breslau—Dirschau —Königsberg. Es wird direkter Anschluss
an diesen Zug von Dirschau nach Danzig bezw. Zoppot
gewünscht. 3. Früherlegung des D-Zuges Danzig—Stettin—
Berlin, um den Anschluss an die durchgehenden Routen nach
dem Rhein zu erreichen und somit die Reise von dem Osten
nach dem Westen in einem Tage zurücklegen zu können.
4. Kenntlichmachung der öffentlichen Gebäudö durch künst¬
lerisch ausgeführte Tafeln, die namentlich den Fremden eine
leichtere Orientierung ermöglichen sollen.
Generalversammlung des Eifel-Vereins.
Der Eifel-Verein, dessen Bestrebungen darauf gerichtet sind,
die eigenartigen Naturschönheiten der Eifel mehr und mehr dem
Fremdenverkehr zu erschliessen und zu Wanderungen in diesem
bislang von der grossen Heerstrasse versteckt gelegenen Teil
unseres Vaterlandes anzuregen, hielt seine Hauptvorstands¬
sitzung unter zahlreicher Beteiligung seiner Ortsgruppen in
Düsseldorf ab. Die Versammlung erregte noch besondere.s
Interesse dadurch, dass ihr der Ehrenvorsitzende, Exzellenz
Oberpräsident Staatsminister Freiherr von Rheinbaben, Herr
Regierungspräsident Dr. Kruse und Herr Landeshauptmann
Dr. von Renvers beiwohnten. Dass die Bestrebungen des
Vereins auch an höchster Stelle gewürdigt werden, geht daraus
hervor, dass unser Kaiser vor kurzem erst dem Eifel-Verein
zur Förderung der ihm sehr sympathischen Bestrebungen auf
dem Gebiete der Schüler- und Studentenherbergen eine Summe
von 2oooMk. aus seiner Schatulle überreichen liess. Zunächst
hiess der Vorsitzende, Herr Landrat Kaufmann, Euskirchen,
die Ehrengäste und die vertretenen Ortsgruppen herzlich will¬
kommen. Dann dankte er dem Herrn Oberpräsidenten und
Ehrenvorsitzenden Freiherrn von Rheinbaben für sein erfolg¬
reiches Wirken für die Bestrebungen des Vereins beim Kaiser.
Es sei wertvoll, dass nunmehr auch der Kaiser die Ziele des
Vereins würdige und als sichtbares Zeichen seiner Teilnahme
eine Summe ausgeworfen habe zur Unterstützung der Jugend¬
pflege; dafür könne der Verein dem Kaiser nur dankbar sein.
Aufgabe des Vereins sei es, diese Jugendpflege, die er schon
vor Erlass der Ministerialbehörden in die Hand genommen
764 ßl^^88880^8808908^0889090® DEUTSCHLAND
Nr. 15
habe, weiter auszubauen. Der Verein begeht im nächsten Jahr
sein 25jähriges Jubelfest. Er hat sich deshalb mit der
Bundeszeitschrift „D e u t s ch 1 a n d“ in Düsseldorf in Ver¬
bindung gesetzt. Der Verlag will eine Nummer als Sonder-
Nummer zum Jubiläum des Vereins im nächsten Jahre heraus¬
geben und schon im Laufe dieses Jahres das Material für diese
Nummer sammeln. Der Vorsitzende bat die Vertreter der
Ortsgruppen, den Verlag in jeder Weise zu unterstützen. Der
Verein hat einen Aufruf zugunsten der Schülerherbergen
in der Eifel erlassen, auf den 7450 Mk. eingegangen sind.
Nach Abzug der Unkosten verbleiben 6500 Mk., die reserviert
werden und deren Zinsen den SchUlerherbergen zugefühit
werden. Der Vorsitzende sprach den Gebern den Dank der
Versammlung aus. Gegenwärtig schweben in der organisierten
Kaufmannschaft Projekte zur Errichtung von Er¬
holungsheimen. Der Verein beabsichtigt nun, an diese
Korporationen, sowie an die grossen Werke, wie Friedr. Krupp,
Elbertelder Farbenfabriken usw., heranzutreten und ihnen die
Errichtung von Erholungsheimen in der Eifel mit be¬
sonderer Berücksichtigung der klimatischen und Bodenverhältnisse
vorzuschlagen. In der Südeifel hat sich vor kurzem ein Verein
zur industriellen Entwicklung der Südeifel gebildet,
der an den Eifel-Verein herangetreten ist und seinen Beitritt
wünscht. Wie der Vorsitzende des neuen Vereins, Herr
Regierungspräsident Dr. Baltz, Trier, hierzu bemerkte, beab¬
sichtige der Verein keineswegs die Industrialisierung der Eifel,
dass, ähnlich wie im Ruhrrevier, überall die ,,Kamine rauchten“,
sondern er will die Natur in ihrer bisherigen Gestalt erhalten.
Durch Nutzbarmachung der vorhandenen Wr.sserki äfte und
durch Errichtung von Elektrizitätswerken sollen Werte geschaffen
werden. Im übrigen aber sei der neue Verein als eine Ergänzung
des Eifel-Vereins anzusehen. Die Versammlung beschloss den
Beitritt mit einem Jahresbeitrag von 30 Mk.
Verkehrs-Verein Dortmund.
Die diesjährige Generalversammlung des Verkehrs-
Vereins, die am 6. März in den Gesellschaftssälen des „Union-Bräu“
statlfand, wurde vom Vorsitzenden, Herrn Fabrikant Su h r m an n ,
um 9 Uhr eröffnet. Dieser dankte den ziemlich zahlreich
anwesenden Mitgliedern und Gästen für ihr Erscheinen und
forderte sie auf, sich an der Aussprache der Mitglieder lebhaft
zu beteiligen, denn nur in diesem Falle wäre der Vorstand in
der Lage zu wissen, auf welche Verbesserungen er sein Aug«*n-
merk zu richten hat. An und für sich wäre der Vorstand
bereit, alle ihm vorgetragenen Wünsche nach Kiäften zu ver¬
treten. Sodann erstattete der langjährige Schriftführer des
Vereins, Herr Dr. jur. Kuckuck, in längeren, interessanten Aus¬
führungen den Jahresbericht. (Ueber die Tätigkeit des
Vereins ist in dieser Zeitschrift wiederholt berichtet worden.)
Ueber den Stand des Veimögens berichtete der Schatzmeister,
Herr Direktor Dr. Prigge, dass die Einnahmen und Aus¬
gaben mit 19 465 08 Mk. balancierten. Aus den Einnahmen ist
zu bemerken, dass an Beiträgen 3439 Mk. und an Einnahmen
aus dem Verkehrsbureau 4516 Mk. eingingen. Dagegen kostete
das Verkehrsbureau am Markt 6642 Mk. und das im Haupt¬
bahnhof 2463 Mk. Die Kassenrevisoren haben die Kasse in
Ordnung gefunden und erteilten dem Schatzmeister und daraufhin
die Erschienenen dem ganzen Vorstande Entlastung. Von den
zehn turnusgemäss aus dem Vorstände ausscheidenden Herren
wurden sieben wiedergewählt; neu gewählt wurden die Herren
Ziegeleibesitzer Coers, Zahnarzt Bodenstein und Justizrat Doepner.
An Stelle des Herrn Bodenstein wurde Herr Kaufmann Hermann
Auerbach zum Kassenrevisor bestimmt. Die Frage, ob der
Verein eingetragen werden sollte, wurde einstimmig bejaht,
dagegen knüpfte sich an die für diese Eintragung notwendige
Aenderung der Satzungen eine längere Besprechung. Die gemäss
der Tagesordnung vorgesehene Aussprache seitens der Mit¬
glieder und Gäste über Verkehrsverbesserungen war sehr lebhaft;
jedoch wurden für den Vorstand neue Verhandlungsgegenstände
sehr wenig vorgebracht. Mit dem Versprechen, dass alle
Wünsche Gegenstand einer Besprechung in der nächsten Vor¬
standssitzung sein würden, sxhloss der Vorsitzende mit dem
Dank für die tätige Mitarbeit der Erschienenen die anregend
verlaufene Sitzung.
Der Verkehrs-Verein
für den Stadt- und Landkreis Essen
hielt am 29. Februar im Städtischen Saalbau seine diesjährige
ordentliche Generalversammlung ab. Bei den vorge¬
nommenen Ersatz- und Neuwahlen zum Ausschuss wurden
zunächst die ausscheidenden Mitglieder wiedergewählt und die
Herren v. Gemmern, Geschäftsführer Silier und Bankdirektor
Brandi neugewählt. Die Abnahme der Jahresrechnung gab zu
Erinnerungen keinen Anlass, die Entlastung wurde erteilt. Aus
dem Geschäftsbericht ist zu entnehmen, dass die Gesamt-
mitgliederzabl gegenwärtig 400 beträgt mit einem Getamtjahres-
beitrag von etwa 17000 Mk. gegen 16000 Mk. im vorigen Jahre.
Die Einnahmen im Rechnungsjahr 1911 betrugen insgesamt
44490 Mk. während sich die Ausgaben auf 36 678 Mk. stellten,
so dass ein Ueberschuss verbleibt von 7812 Mk. Der Jahres¬
voranschlag für 1912 schliesst in Einnahme und Ausgabe mit
40 500 Mk., doch werden dem Verein im Laufe dieses Jahres
mehrere bedeutende Ausgaben erwachsen, die durch Neubau
des Droschkenpavillone sowie durch Verlegung der Geschäfts¬
räume des Verkehrs-Vereins in den neuen Handelshof bedingt
werden. Der Verkehr in der Droschkenzentrale hat ausser¬
ordentlich zugenommen; die Anzahldertelephonischen Droschken¬
bestellungen stieg von 15700 im Jahre 1910 auf 25100 im Jahre xgzz.
Der Verein hat sich im verflossenen Jahre an der Ausstellung
für Reise- und Fremdenverkehr beteiligt und auch an den Vor¬
arbeiten für die Essener Baukunstausstellung teilgenommen.
Aus dem Arbeitsprogramm für 1912 ist besonders hervorzuheben:
I.eitung der Hamburger Züge Uber Essen; Schaffung einer
direkten Eisenbahnverbindung von Essen nach Buer—Gladbeck
und Borbeck; Spätverbindnng nach Köln; Vermehrung der
Eilzüge auf der Linie Essen -Kettwig —Düsseldorf; Verbesserung
der Anschlüsse an die D-Züge Emmerich—Süddeutschland;
Schaffung einer direkten Verbindung Über Soest —Altenbeken
nach dem Harz und weiter nach Halle—Leipzig und Ver¬
mehrung der Sonntagskarten nach der Umgebung Essens. —
Im Anschluss an die Generalversammlung hielt der Beigeordnete
der Stadt Essen, Schmidt, einen Lichtbildervortrag über die
bauliche Entwicklung Essens im letzten Jahrzehnt, der lebhaften
Beifall fand.
31. Hauptversammlung
des Vereins Berliner Hotelbesitzer.
Diese Versammlung hat unter Leitung des i. Vorsitzenden,
Herrn Barth, am 7. Februar im Hotel Adlon getagt. Aus den
Verhandlungen sei hervorgehoben: Die unrichtigen Angaben,
die in verschiedenen Zeitschriften neuerdings über die Fremden¬
führung in Berlin erscheinen, sollen der Zentralstelle für
Fremdenverkehr als Material überwiesen werden. Auf Antrag
des Vereinsvorstandes wurde beschlossen, dem Union-Klub für
die Rennbahn Grunewald einen Zuschuss von jährlich 1000 Mark
für die Dauer von drei Jahren zu bewilligen. Es handelt sich,
dabei um einen Beitrag für den neuen Grossen Preis von
100000 Mark, den der Union-Klub schaffen will. Die Herren
Lorenz Adlon und E. Metzger wurden in Anerkennung ihrer
Verdienste zu Ehrenmitgliedern des Vereins ernannt. Die Mit¬
glieder des Vercinsvorstandes: Herr Barth als i. Vorsitzender,
Herr Reissig als 2. Vorsitzender und Herr Stöckel als
Schatzmeister wurden einstimmig wiedergewählt. Als Schrift¬
führer wurde Herr B r ü d er 1 i n und als Vereins-Syndikus Herr
Rechtsanwalt Dr. K i r s ch b au m dunh Akklamation wiederge¬
wählt. In den Beirat des Vereins wurde an Stelle des aus
Gesundheitsrücksichten ausscheidenden Herrn Friedrich Herr
Direktor Rülhnik gewählt. Im übrigen erfolgte die Wieder¬
wahl des Beirats.
Der Stettiner Verkehrs-Verein
übersendet un.s seinen Jahresbericht für das Vereinsjahr igii.
Der Stettiner Bericht dürfte in mehrfacher Hinsicht besondere
Beachtung verdienen. Zunächst weicht die Ausstattung von
der sonst allgemein üblichen Drucklegung der Jahresberichte
in vorteilhafter Weise ab. Die überaus gefällige Druckform
ist durch einfachen, aber künstlerischen Buchschmuck und
Strichzeichnungen belebt, die auf dem rauhen Werkdruck¬
papier vorteilhaft wirken. Auch inhaltlich ist der Stettiner
Jahresbericht von einer namentlich die Verkehrspolitiker an¬
genehm berührenden Frische. Als Einleitung enthält der Bericht
eine treffliche Plauderei von L. Rosenberg, die una
einen kurzen Besuch aut dem Stettiner Verkehrsbureau und dessen
Tätigkeit in launiger Weise schildert. — Aus dem Jahresbericht
ist zu erwähnen, dass als Nachfolger des Herrn Regierungs¬
baumeisters Wechselmann, der den Verein mit begründet
und vier Jahre geleitet hat, Herr Oberst z. D. The lemann
den Vorsitz übernommen hat. Die Mitgliederzahl beträgt 1084
(gegen 901 im Vorjahr) eine für Stettin (246000 Einwohner)
verhältnismässig hohe Zahl. Der Verein veranstaltete im
letzten Jahre eine sehr umfangreiche Reklame, zu welchem
Zwecke ihm von der Stadt ein besonderer Zuschuss von
2000 Mk. bewilligt wurde. Unter den Propagandaarbeiten
erwähnt der Bericht an erster Stelle die Sondernummer
Stettin der Bundeszeiischrift „Deutschland“, wie auch die für
Stettin und die 0 :>tseebäder geleistete Propaganda in der
A m e r i k a - N u m m e r und in der Ostsee-Nummer der
„Deutschland“. Ausserdem wurde eine ausgedehnte Reklame
durch die Herausgabe von Führern, Prospekten mit Plänen des
Industriegeländes, Lichibilderserien usw. entfaltet. — In hervor¬
ragendem Masse war der Stettiner Verkehrs-Verein auch sn
der Gründung des Verkehrs-Verbandes für Pommern
und die Insel Rügen beteiligt, dessen Leitung Stettin über¬
nommen hat. Die Einnahmen beliefen sich einschliesslich des
Zuschusses der Stadt auf 12953 Mk. Der Bestand betrug am
31. Dezember 4507 Mk.
Am 29. Februar fand die diesjährige Hauptversamm¬
lung des Verkehrs-Vereins statt, die der Vorsitzende, Herr
Oberst z. D. Thelemann, eröffnele. Vor Eintritt in die
Tagesordnung wurden die vom Verein zu Reklamezwecken an¬
geschafften Lichtbilder vorgeführt, die grossen Beifall
fanden. Der Jahresbericht — dessen .geschmackvolle Ausstattung
vorstehend von uns besonders erwähnt wird — und der Kassen¬
bericht wurden genehmigt und dem Vorstande Entlastung erteilt.
Der Vorsitzende wies noch darauf hin, dass im Jahresbericht
irrtümlich der Fremdenverkehr Stettins mit 76 144 statt 82 144 P.2r-
sonen angegeben ist. Die Zunahme des Fremdenverkehrs gegen
das Vorjahr erklärt sich durch mehrere grosse Kongresse sowie
durch die Kaiserparade im August vorigen Jahres. Die aus dem
Verwaltungsausschuss ausscheidenden Herren wurden bis aut
Herrn Gustav Lüth, der aus Gesundheitsrücksichten auf eine
Wiederwahl verzichtet hatte, einstimmig wiedergewählt. Zum
Schluss machte der Vorsitzende die Mitteilung, dass der Mitglieder¬
bestand seit Druck des Jahresberichts um etwa 50 Personen
gewachsen ist. Der Vorschlag, jedem Mitgliede mit dem
Jahresbericht zwei Werbekarten zuzusenden, hat dieses
erfreuliche Ergebnis gezeitigt. Der Vorsitzende schloss die
Versammlung mit dem Wunsche, dass alle Mitglieder dem
Beispiel der wenigen, die bisher eifrige Werbearbeit geleistet
haben, folgen möchten.
DerFremden-VerkehrsvereinMünchen hat bisher
von der Stadtgemeinde einen Zuschuss von 3700 Mk. erhalten.
Der Bitte des Vereins entsprechend, wurde der Zuschuss vom
Magistrat auf 6000 Mk erhöht, wovon 5000 Mk. aus dem ordent¬
lichen Etat und 1000 Mk. aus der Reserve genommen werden.
Der Verein zur Förderung Dresdens und des
Fremdenverkehrs hatte kürzlich im Künstlerhause einen
Vortragsabend mit Lichtbildern veranstaltet, der sich eines
starken Besuches erfreuen konnte. An Stelle des verhinderten
Vorsitzenden Hofrat Behrens begrüsste Hoflieferant Müller die
Versammlung. Lehrer Bernhard Milde hielt dann den Vortrag
über das westliche Erzgebirge, Vogtland und die Lausitz und
Wanderungen durch das östliche Erzgebirge. Die Lichtbilder,
die den Vortrag illustrierten, stammten aus dem Wettbewerb,
der für die vorjährige Reiseausstellung in Berlin veranstaltet
worden war und eine Fülle von Bildern ergeben hatte, die in
künstlerischer Beziehung weit über den Durchschnitt des sonst
bei ähnlichen Veranstaltungen Gebotenen hinausragten.
Der Verkehrs-Verein Bochum hat beschlossen, einen
eigenen Sekretär anzustellen und hatDr.Deilmann dafür gewonnen.
In der Budgetkommission desReichstages teilte
Minister Exzellenz vonBreitenbach mit, die Einnahmen der
Eisenbahnen im Jahre 1911 würden voraussichtlich 10 Millionen
Mark mehr, insgesamt 37 Millionen Mark Ueberschuss
bringen, als der Etat vorsehe.
Förderung des Reiseverkehrs. Die Preussisch-
Hessischen Staatseisenbahnen sind nunmehr ebenfalls
dem Internationalen öffentlichen Verkehrsbureau
ZoamineDsMug det Sdinellzipldiiip zwisdniD Breslou und Ulen (lidaped).
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Breslau-- Huda])est.41 ).80 ,, öo.bo „*17.10 ,,
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766 DEUTSCHLAND nE^^^seeeceoe e e ecoeeoe e e ea Nr. 15
in Berlin, Unter den Linden 14, beigetreten und haben einen
Beamten in dasselbe abgeordnet. Im öffentlichen Verkehrs¬
bureau, das bekanntlich kein Erwerbsunternehmen ist, sondern
ausschliesslich der Hebung, Förderung und Belebung des
Reiseverkehrs dient, sind nunmehr sämtliche deutschen
Staatsbahnen und die Schweiz offiziell vertreten. Es
wird daselbst durch Beamte der verschiedenen Verwaltungen
kostenlos mündlich und schriftlich Auskunft über alle Verkehrs¬
angelegenheiten sowie über Unterkunft, Verpflegung, Sport usw.
erteilt. Prospekte, Führer, Broschüren usw. und sonstiges
Propagandamaterial sind ebenfalls kostenfrei erhältlich. ~ (Die
Verkehrs-Vereine in dem Gebiete der Preussisch-Hessischen
Staatseisenbahnen machen wir auf diese günstige Propaganda¬
gelegenbeit der Reichshauptstadt besonders aufmerksam. Die Red.)
Die Hamburg-Amerika Linie gibt die Zahl der
Fremden bekannt, die im Jahre ign beim Besuche Hamburgs
auch das eine oder andere ihrer grossen und prächtigen Ozean¬
schiffe besichtigt haben. Es geht aus dieser Zahl, die
sich auf 113539 Personen beläuft, hervor, wie lebhaft das
Interesse an der deutschen Seeschiffahrt geworden ist. Im
Jahre igoo zählte die Hamburg-Amerika Linie erst 4g6gg Be¬
sucher ihrer Schiffe im Hamburger Hafen. Die Zahl hat sich
also mehr als verdoppelt. Unter den Besuchern befanden sich
zahlreiche Vereine, Korporationen und Reisegesellschaften, zu
deren Hamburger Programm eine Besichtigung von Hapag-
schiffen zu gehören pflegt.
Eisenbahnwesen.
Die Eisenbahnverbindung im und mit dem Harz
wird am i. Mai erheblich verbessert. FUr das Inkrafttreten des
Sommerfahrplans ist die Eröffnung der neuen direkten Specke
von Harzburg nach Ocker in Aussicht genommen. Man braucht
dann nicht mehr den Umweg über Vienenburg zu machen.
Der neue Weg wird auch für die Verbesserung der Fernver¬
bindungen nach dem Harz benutzt werden. So wird u. a. ein
neuer Eilzug von Seesen nach Harzburg und zurück eingerichtet.
Es wird dadurch eine neue ausgezeichnete Verbindung von
Cassel nach Harzburg hergestellt, die Vienenburg nicht benihrt.
Man kommt nach Harzburg gegen 10 Uhr vormittags und fährt
von dort nach 9 Uhr abends wieder ab. Ueber die neue Strecke
sollen ferner auch die Züge Goslar — Wernigerode gefülirt
werden, die zum Teil bis Halberstadt durchgeführt werden.
Endlich wird eine durchgehende Schnellzugverbindung von
Köln nach Harzburg eingerichtet. Es werden dazu die über
den Harz laufenden Berliner D-ZÜge über Kreiensen benutzt.
Von den beiden Zügen geht der eine von Köln 8.36 Uhr,
während der andere dort 10.14 Uhr abends ankommt. Es werden
durchlaufende D-Zugwagen aller drei Klassen Köln—Harzburg
eingestellt.
Berlin — London in neunzehn Stunden. Der neue
Sommerfahrplan, der am i. Mai in Gültigkeit tritt, wird im
Eisenbahnverkehr Berlin —London auf der Route via Hoek van
Durchgehende Zugverbindungen zwischen Berlin u.B^arf8elia.ii*
(Zusammengestellt von der Königl. Eisenbahndirektion Posen.)
Berlin—Warschau.
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• 626
*) Mitteleuropäische Zeit.
Nr. 15 DEUTSCHLAND 767
Holland eine grosse Beschleunigung bringen, deren Zeitersparnis
sich auf eine Stunde und 25 Minuten beläuft. Reisende, die den
Bahnhof Friedrichstrasse um i Uhr 5 Min. mittags verlassen,
treffen schon um 8 Uhr morgens am nächsten Tage auf der
Londoner Liverpool-Street-Station ein. Der Turbinendampfer
verlässt Hoek van Holland um 11 Uhr 20 Min. nachts, so dass
die Kanalpassage gute Schlafgelegerheit an Bord bietet, während
das Frühstück auf der Strecke Parkeston—London bequem
eingenommen werden kann. Auch für Hamburg, das der
Anschlusszug an den Kanaldampfer um 2 Uhr 28 Min. nach¬
mittags verlässt, wird der neue Fahrplan ebenso wie für die
Rückreise London —Berlin eine sehr beschleunigte Verbindung
bedeuten.
Verbesserung des Verkehrs nach den Mecklen-
burger Ostseebädern. In der Zeit vom i. Juli bis zum
20. August soll ein neues Eilzußpaar auf der Strecke Leipzig
— Halle — Magdeburg— Wittenberge — Ludwigslust —
Warnemünde und Doberan verkehren. Abfahrt von Leipzig
8.15 vorm., an Warnemünde 2.52 und Doberan 3.16 nachm.;
Rückfahrt von Doberan 9.50, von Warnemünde 10.05 vorm., an.
Leipzig 5.01 nachm. -
Unterhaltsame amtliche Eisenbahnlektüre.
Ueber die probeweise Auslegung unserer Zeitschrift „Deuts ch-
1 a n d“ in D-Zügen schreibt die „K öl n. Volkszeitung“: „Ver¬
suchsweise ist in den D-Zügen, die zwischen Berlin und Köln
sowie zwischen Berlin und Dresden verkehren, zur Benutzung
durch die Reisenden die Bundeszeitschrift „Deutschland“ des
Bundes Deuts ch er Verkehrs-Vereine in ent¬
sprechenden Mappen aufgelegt worden. Die beiden Strecken
sind augenscheinlich zunächst gewählt worden, weil auf ihnen
auch ein starker internationaler Verkehr herrscht — man denke
nur an die Vorliebe der Engländer und Amerikaner (siehe
Roosevelts Jugend!) für Dresden, von dem westöstlich und
umgekehrt flutenden Fremdenstrom nicht zu reden. So kommt
die Bedeutung der Zeitschrift .»Deutschland“ als Werbeschrift
zu erweiterter Geltung bei deutschen und ausländischen Fahr¬
gästen, auf die sie durch die Allseitigkeit ihres sachlichen Teils
wie auch durch ihre gediegene und künstlerische Ausstattung
fesselnd wirken muss. Das Interesse der preussischen Eisen¬
bahnverwaltung für dieses Unternehmen ist in der Erkenntnis
begründet, dass die neuerdings von ihrer Seite eingeleitete
systematische Reisepropaganda in der Zeitschrift der Verkehrs-
Vereine eine der stärksten Stützen hat. Da nicht zu bezweifeln
ist, dass sich die Aufmerksamkeit der Reisenden dem jetzt
gemachten Versuch in starkem Masse zuwenden wird, dürfte
der Versuch bald auch auf weitere Strecken ausgedehnt werden,
wie Köln—Basel, Berlin—München und Köln—München.
Schiffahrt.
*^Die volkswirtschaftliche Bedeutung eines modernen
Dampfers. Der Verwaltungsrat des Oesterreichischen Lloyd,
Abgeordneter Leopold Frhr. v. Chlumecky, hat im Herbst des
vorigen Jahres eine Reise nach Deutschland unternommen, auf
welcher er die Schiffahrtsverhältnisse Deutschlands studierte.
In der von ihm herausgegebenen „Oesterreichischen Rund¬
schau“ veröffentlicht er nun einen Aufsatz über die Hamburg-
Amerika Linie und schildert u. a. die neuen Riesendampfer
der Hapag, die demnächst fertiggestellt werden sollen. Er
sagt über sie: „Sie sind ein typischer Hinweis auf die kolossalen
Werte, welche durch die Schiffahrt und den Schiffbau geschaffen
und umgesetzt werden. Interessant wäre es, den 90 Millionen
zu folgen, welche die Hamburg-Amerika Linie dem Vulkan und
der Werft von Blohm und Voss für die drei Dampfer zu
zahlen hat; festzustellen, durch welch weitverzweigte Kanäle
diese Gelder fluten, wieviel weitab vom Meere liegende Gebiete
von ihnen befruchtet werden, wieviel tausend Arbeiter, die noch
nie das Brausen des Meeres vernommen haben, durch diesen
Drang nach Beherrschung des Weltmeeres zur Arbeit und Ver¬
dienst gelangen. Noch ist diese Art der volkswirtschaftlichen
Bedeutung der Marine nicht gewürdigt, noch ist die National¬
ökonomie der Seeschiffahrt nicht geschrieben worden. Und
doch sollte es die Phantasie reizen, all den Zusammenhängen
nachzuforschen, die ungezählten Erwerbsgelegenheiten festzu¬
stellen, die das Binnenland, die Industrie, Bergwerke, Bahnen
und Kanäle, landwirtschaftliche und gewerbliche Betriebe und
viele, viel mehr der Handelsschiffahrt verdanken. Dabei ist
noch gar nicht an die grosse Zahl jener gedacht, welche durch
direkte Verwendung bei den Schiffrihrtsunternehmungen ihren
Verdienst finden. Die Hapag allein beschäftigte im Anfang
des Jahres 1911 23500 Beamte, Seeleute und Arbeiter, sowie
etwa 5500 Passage- und Frachtagenten. Und welche Summen
durch diesen Betrieb ins Rollen kommen, das kann man er¬
messen, wenn man erfährt, dass im Jahre 1910 154500 Waggons
Kohle zu einem Preis von 26 Millionen Mk. verfeuert, dass im
selben Jahre an Bord der Hapagschiffe, um nur einige Ziffern
herauszugreifen, 11,8 Millionen Pfd. Erdäpfel, 7,5 Millionen Pfd.
Fleisch, 7,1 Millionen Pfd. Mehl, 4,5 Millionen Stück Eier und
1,5 Milionen Liter Bier konsumiert wurden. Wenn wir uns
dann daran erinnern, dass die Hapag in den letzten 25 Jahren
über 76 Millionen Kubikmeter Güter und 4,7 Millionen Menschen
befördert, dass sie im Verein mit dem Bremer Lloyd dem
Deutschen Reiche die Einkaufs- und Absatzmärkte der ganzen
Welt erschlossen hat, dann werden wir uns sagen müssen,
dass ein Unternehmen wie dieses längst aus der privatwirt¬
schaftlichen Bedeutung herausgewachsen und zu einem volks¬
wirtschaftlichen Faktor geworden ist.“
Vom Schnelldampferverkehr des Norddeutschen
Lloyd. Seit die Epoche der neuen Schnelldampfer des Nord¬
deutschen Lloyd durch den „Kaiser Wilhelm der Grosse“ im
Jahre 1897 eingeleitet worden ist, hat die stattliche Flotte dieser
vier Dampfer einen steigenden Personenverkehr aufzuweisen.
Unausgesetzt ist der Norddeutsche Lloyd bemüht gewesen, diese*
Schiffe nicht nur durch tadellose Instandhaltung, sondern auch
durch zeitgemässe Neuerungen ganz auf der Höhe der Ansprüche
zu erhallen. Naturgemäss waren Industrie und Technik im
Erbauungsjahr des „Kaiser Wilhelm der Grosse“ noch nicht
so weit vorgeschritten wie zehn Jahre später beim Bau der
„Kronprinzessin Cecilie“ und so sind fortgesetzt grössere oder
kleinere Aenderungen vorgenommen worden, die dazu angetan
sind, nicht nur das Stammpublikum den Schiffen zu erhalten,
sondern noch jährlich neues zu gewinnen. Hatte schon das
letzte Jahr dem „Kaiser Wilhelm II.“ und der „Kronprinzessin
Cecilie“ eine sehr erwünschte Annehmlichkeit durch den Ein¬
bau von Schiebefenstern an der Aussenseile des oberen Pro¬
menadendecks sowie eine grosse Bequemlichkeit durch die
Herstellung von Personenaufzügen durch die verschiedenen
Decks gebracht, so ist auch in diesem letzten Winter ein grosser
Fortschritt in der Entwicklung eingetreten dadurch, dass die
Einrichtungen für die Passagiere I. Klasse einer umfassenden
Modernisierung unterzogen worden sind. Es handelte sich in
der Hauptsache um die Schaffung grosser Kammern, deren
Ausstattung dem Geschmack und den Anforderungen der Neuzeit
entspricht. Dies wurde erzielt durch die Abschaffung der Unter-
und Oberkojen, an deren Stelle hochmoderne Metallbetten
Verwendung finden. Die Grösse der Kammern erlaubt es trotzdem
in den meisten Fällen, auf das beliebte Sofabett nicht verzichten
zu müssen. Besonderer Wert wurde auch gelegt auf die
Schaffung grosser bequemer Kleiderschränke. Selbstverständlich
fehlt am Kopfende des Bettes die beliebte Leselampe nicht.
Ein den ganzen Boden bedeckender Teppich, moderne Zug¬
vorhänge und Gardinen vor den Fenstern, Betten und Türen
erhöhen den vornehmen Eindruck und die behagliche Eleganz
solcher prachtvollen Wohnung und geben der gesamten
Kabinenausstattung das Gepräge eines ganz neuen Schiffes.
Die Schnelldampferlinie Bremen—New York stellt nach wie vor
die schnellste Verbindung zwischen Deutschland und den Ver¬
einigten Staaten dar. Drei Wochen genügen vollauf zur Hin-
und Rückfahrt bei achttägigem Aufenthalt in New York oder in
den von dort mit der Eisenbahn leicht erreichbaren Städten
der Union. Die Regelmässigkeit und die Pünktlichkeit dieses
Dampferdienstes sind es in erster Linie, die neben allem Komfort,
den die Dampfer bieten, und nicht zuletzt auch im Zusammen¬
wirken mit der als hervorragend anerkannten Verpflegung der
Schnelldampferlinie des Norddeutschen Lloyd die grössten
Sympathien sowohl bei VergnUgungs- als auch bei Geschäfts¬
reisenden eingetragen und dauernd befestigt haben. Der regel¬
mässige achttägige Verkehr der vier Schnelldampfer des Nord¬
deutschen Lloyd, „Kaiser Wilhelm der Grosse“, „Kronprinz
Wilhelm“, „Kaiser Wilhelm II.“ und „Kronprinzessin Cecelie“
wird in diesem Jahre am 16. April durch den „Kaiser Wilhelm II.,
eröffnet werden.
Neue Kanaldampfer zwischen Ostende und Dover.
Die belgische Regierung hat bei der Cockerillwerft in Hoboken
bei Antwerpen wieder zwei Postdampfer für die Linie Ostende —
Dover in Auftrag gegeben. Es werden, wie die neuen Vor¬
gänger, Turbinendampfer sein. Auch diese Dampfer werden wie
alle anderen dieser Linie mit Anstalten für drahtlose Telegraphie
versehen. Ihre innere Einrichtung stimmt mit denjenigen des
„Jan Breydel“ und „Pieter de Coninck“ überein, nur sind sie
ein wenig kürzer (300 Fuss). Um die Passagiere möglichst
gegen die Seekrankheit zu schützen, werden in die neuen
Turbinendampfer Apparate gegen das Rollen nach dem System
Frahn eingebaut. Das ist auf den sämtlichen Linien, welche
England mit dem Festlande verbinden, der erste Versuch dieser
Art, der nach den damit gemachten Erfahrungen einen ent¬
schiedenen Vorteil für die Reisenden darstellt. Die Dampfkessel
sind vom System Babcox-Willcox. Die Maschinen werden den
Schiffen eine Geschwindigkeit von 24 Knoten geben und also
die Strecke zwischen Ostende und Dover in 2^2 Stunden bequem
überfahren.
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rjeiibk-iijrjr'ivbTijR-- Der Vere^^’deu ■'^‘Wfrc^.y
für die in Ausübung ihres Berufs tätigen und ru Scltmdca
kommen de b detitschen. Flieger m äargeil und bei '!r€>desfiilier£)i
die Hinterbliebenen zu unterstÜtienv fn eraier L.mje Sollet]» die
Flieger herüekaichtigt werden, die nicht um des Erwerb® willen
fticgen, also die Herrenfileger* Dem Verein gehört; ti-r«^f
Zeppelin Ars. Die ordeiuliche :MitgÜfcdscfaaft : wird beworben
dürch Ueberweiaung des Jahresbemages von rd^ Mk/»ul; (C«nta
,,peiti*schef FUeg^rdajtJk“ 9,0: die p^ut^hhÄ Bank;, Berlin^ Depot-
s i t& Cf iKiäse A t Di’S. pÖn?ift nng iu t Zahl u ü g /or^u fendnr
Jshresbett.fäge disrcfe: eimnetigs Zahlung: ven is^a ^k.
S t ■ ■ ^ :' .-MitglLe d er ■ gelten ’ die ■: Speadi fcf
■ • •■ ■'- '■ jetS^sr . Ar t:- «tteiit beteh.^.'
,,D©htsc^eni FliegierdanV* V’.)- ,
. s^ö. • Wü Ali ersd bt f-e ^.f.£n.v- -N ^ssauis che • Strasse ' ■
Theaterji festliche und sportliche
Vefan stai tuitgen, Kongresse etc.
01 ympisch* Ste 1 e i» Leipzig* Eine aJigemeihtf* ^om
Senat der UniVecsitat einbe^^ athdehtenVftcBattiiÄiiung
unter dem räe^ Cbi.m sprach sieb eiÄstfeniie;
Abb^nüpg akademischer OlympisCber Spiele
in der iEihweihun g des Völker »chlaeht^
d t n k Jp ^1 @ ^ITS O fe t oh®f TQi T3. Vor aussi chlb ch fin det di« Fei er
«lötet äti r L^d Ulfg döi- Un^sVersita x aUf einem der Universität
der -Mähe des Denkmal® etaii.'
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wetden, Mittel'
die: Dürchnihtüdg ditsef Fesrfeier der jgeSami«il d^tsChen
•SJUijtf>tehst:h^f¥ .zfi- hC^chaff^iO^.;;' • '.-■ ■■^
: P f e rd e re Hi p e n t n Bad c hv (Milgetejlt Voe der Amt-
1 icheA Aüsk ü nftstr Ite 4«r Df<i slsh.; BäiS; l aeben S Caatseisenb gh neu
im Ipt^irnAUoiiilen VerkChrsbuieaa tn Berlm, Unter
den Lindin 14 i, 1 m JAbte jfihd^b i4^ ^phen, sUtl r
M :U n n h e i m j 7. Ufid la. Mali K htl tjr dhei; te* und 19. Mai ;
B 9 d y n w e 11 e 'iSh : J uit^ Bade ii - B a d e ii; (brosse Woche)
3 .'; 55 -, , 37,^. ^: 5 .y' ; 5 i-yV ' .hn d x ,- Septem her. A n Preia e a g:«»
tyngep geßeiv ' ^ Milbetzur Vertcilungr wovon der
. gr : Tvut. f. iB a dco-r Üf dd.«n en t f^Ut.
D e r D e c t ^ ch ** i ^ A d h r © r - B u n d e s t a g I 0 B r a ti n -
ch w e i g. h iin diesem Jahi© werden ve rs chieden e K ongreg s q
iirt unserer ^^esktc^ii: abgehAUcn. durch die eine grosse Zahl
w.i^t;tj^^'C O'ästc -.hiaj hti ■ g^-führi w(*rde0i- , Ei-oe de^■f g.rb sä ten
. V-ffHT 7 ge n ‘ de-r ■ /■' HundA^ti^’/ 4 i^ß
■ Ho d 1 j h re-7 ihi A f-.ki,, üiA H m d^rr Z et t 'V ö m..- 4y ; .is^ia ■• F,. ■ A.ychttl
-PCn? Tiiönt^e^ic:|i Hadfahi-eTbund ■gi^höfeby'tttWii^.AÄ-ti'!^
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Mch-t Z ijäÄfiini;eAk!;] a| te. lu: den prun k vol l steh «pörüicben V«r-
-iiirhplieni,^xu:.'dftAen, ’ uach Tä.u*efttov':i;,^>. di 9
■ d teh ' 'übd ■ föä.414^1^,?;^ ■ e u^üfii m enstrbtD eh:'' Das' dihsj Jjhri g e
Rad ir er - B sith auch mt de t ©i nei au«» er -
oi lile ti U ► < h f biiihe ^ u e "tr©u an habe xi, D s s P r otekio r at
übift den Hiiud^iri;;tg dct. Heraog-fi^^eiiv übernommen,
iL Ajwtl .bfA Mati, Hv KtHstia jFerienkursus)^ ver-
ani*rahet SHidi^uhüns tDautache® Institut für
AUiälandri L -; UcLiteh Stell;. : Dtutach0 Sprachkiirse;
z, VorJe^^JAgCi^i dmittjchc Literatur, Philosoph] eif.
Bfld.ongA-•'''■üÄ 4 '-:-''KrziehungsgeBt'uichteT deutsch© An ün 4
iEiwJichiuugen ,u^w.:-;; ;i.. Lttte- "und Redeübungen ; .4, BcsiiChti.^
gyügen umi AuÄdilgt; 5- Veran^jtaltung©« zur Pflegt dwx
BERUM
HRMBÜRQ
Das Vollendetste auf dem Gebiete der modernen
Hoteltechnik und des feinen Restaurantwesens,
Nr. 15 DEUTSCHLAND 769
7. - 8. April: In Berlin Verbandstag des Deutschen Schwimm-
Verbandes.
X6.-20. Mai: In Danzig Deutscher Verein für Volkshygiene.
5.-8. Juni: In Leipzig findet die Hauptversammlung des
Verbandes Deutscher Elektrotechniker statt.
20. Juni: In Danzig ist ein „Kinderhilfstag“ geplant. Die
Vorarbeiten hat ein Arbeitsausschuss unter Vorsitz des
Oberbürgermeisters übernommen.
25.-28. Juli: In Leipzig Deutscher Führer- und Aerztetag
der freiwilligen Sanitätskolonne vom Roten Kreuz.
33. Balneologen-Kongress.
Auf dem am n. März in B e r 1 i n stattgefundenen Balneologen-
Kongress sprach Dr. Meyer, Kissingen,
über den Wert der Schülerwanderungen
hauptsächlich auf Grund der Untersuchungen von Dr. Röder,
Berlin. Diese Wanderungen von Kindern um die Pubertäts¬
jahre herum wirkten ausserordentlich heilsam: sechstägige
Wanderungen von durchschnittlich 15 Kilometer für die Mädchen,
20 Kilometer für die Knaben gaben bei in ihrem Ernährungs¬
zustand zurückgebliebenen, chlorotischen, mit den Residuen
alter Rachitis behafteten Kindern einen kolossalen Entwicklungs-
anstoss. Es wurden ebensolche, in manchen Fällen noch
bessere Resultate erzielt, als durch mehrwöchentlichen Aufent¬
halt in Ferienkolonien. Es handelt sich um eine direkte
funktionelle Theraphie, von der noch besonders wichtig ist,
dass ihre Wirkung auf Entwicklung und Gewichtszunahme noch
mehrere Monate weiter stetig blieb, im Gegensatz zu den
stationär gehaltenen Kindern, bei denen die Gewichtskurve
während der Erholungszeit stark anstieg, um sehr kurze Zeit
darauf wieder abzufallen. Es handelt sich bei den Gewichts¬
zunahmen der Wanderkinder, wie auch in der Diskussion betont
wurde, wohl nicht um einfache Fettmästung, sondern um Zu¬
nahme der Muskulatur. Genauere Stoffwechseluntersuchungen
über diesen Punkt wären jedoch noch erwünscht. — Dr. Bur¬
winkel sprach kurz über
Seekrankheit,
die er gemäss der einen der vielen Theorien auf eine Blutleere
des Gehirns zurückführt. Gemäss dieser Theorie gibt er Medi¬
kamente, welche die Blutgefässe erweitern und hat mit Nitro¬
glyzerin und noch besser mit Amylnitrit ganz eklatante Erfolge
beobachtet. In der Diskussion wurden noch verschiedene Mittel
empfohlen, teils gefässerweiternde, teils andere, wie z. B.
Resorcin, das in Mengen von 0,15 Gramm in Oblaten erst eine
Stunde vor Abfahrt und dann eine Stunde nach Abfahrt des
Schiffes, den Ausbruch der Seekrankheit hintanhalten soll. Sehr
originell ist das Verfahren von Lach mann, Landeck, bei
bereits ausgebrochener Seekrankheit, das er auf manchen Reisen
als Schiffsarzt erprobt hat. Er nimmt gewissermassen eine
Magenspülung vor, indem er den Patienten eine grössere
Wassermenge trinken lässt. Das Wasser wird ebenso wie
alles andere ausgebrochen, der Magen aber dadurch so weit
gereinigt, dass man nun dazu übergehen kann, dem Kranken
kleine Mengen kalter, ganz trockener Speisen, ohne jedwede
Flüssigkeit zu geben. Diese werden alsdann fast ausnahmslos
behalten und die Besserung macht rasche Fortschritte. — Im
nächsten Jahre wird der Kongress ebenfalls in Berlin als
selbständige Abteilung des internationalen Kongresses
für P hysio-Therapie tagen.
Bäder und Sommerfrischen.
Bad Elster, das bekannte Sächsische Moor- und Mineralbad^
hatte sich in den letzten Jahren eines derart guten Besuches
zu erfreuen gehabt, dass seine Frequenz, stetig wachsend, von
8757 im Jahre 1903 auf 16738 im vergangenen Jahre gestiegen
ist, sich also innerhalb acht Jahren fast verdoppelt hat. Infolge¬
dessen hat daher die Bautätigkeit in dem idyllisch gelegenen
Staatsbade nie ausgeselzt. Auch im vergangenen Jahre sind
mehrere, mit allem Komfort der Neuzeit ausgestattete Logis¬
häuser gebaut worden, so dass jetzt gegen 2600 Zimmer mit
über 4000 Belten für die Aufnahme von Fremden zur Ver¬
fügung stehen.
Ausstellungen.
Fr ühj ahrs ausstellu n g Düsseldorfer Künstler
Düsseldorf 1912. Zum ersten Male veranstaltet die Düssel¬
dorfer Künstlerschaft eine gemeinsame Frühjahrsausstellung im
Städtischen Kunstpalast, die vom 3. März bis 14. April dauert. In
dieser Ausstellung bringen die Künstler das Ergebnis der Arbeit
des Herbstes und Winters zur Ausstellung, gewissermassen die
JLmnd.U.SVXfMO ist seit Jahrhunderten in Aachen einheimisch.
Aachen, die Residenz Karls des Großen, die Krönungsstätte deutscher Könige, hatte bereits zur Karolinger Zeit bedeutenden
Handel. Das Xadelhandwerk ist früln* sclion hi(‘r nachgewiesen. Die Zunft der Nadler liiolt strenge auf den guten Ruf ihrer
Erz(*ugnis.se, die auf in- und ausländischen Märkten und Messen vertrieben wurden; in diesem bestreben wurde sie nach-
drücklichst auch von der Obrigkeit d(*r freien Reichsstadt unterstützt. Durch ein ausgebildetes Markenrecht sollte die Qualität der
Aachener Nadeln besonders gewährleistet werden, denn iKjben der Marke des einzidnen Vertreibers wurde des „Rats Stamp“, der
Aachener Adler, der Verpackung aufgedruckt. Aachem‘r Na<leln sind heute noch als die besten auf den Weltmärkten geschätzt.
Der altern Fabrikation: Nähnadeln, später auch Nähniaschinennadeln, sind die jüngsten Zweige durchaus ebenbürtig.
Ein V(Tdienst der seit Mitte der HOer Jahre des vorigen Jahrhunderts bestehenden Firma J. II. Xobis & Tliinsen. G. m. b. H.,
ist es, von ihren Sonderartikeln: Stahlsteckinuleln, Häkelnadeln, Stahlsicherheitsnadeln, letztere als neue Fabrikationsartikel,
in Aachen eingeführt zu haben. — Durch n<*uartige, teils selbst kon.struierte Maschinen konnte sie die Herstellung ihrer
erstklassigen Erzeugnisse sehr vereinfachen. Sie beschäftigt über 300 Arbeiter. Ihre Fabrikmarke — Biene im sechseckigen
und neben d(*rsolben ihre Wortmarken „Perfecta“ und „Apis“ für Sicherheitsnadeln, Fastrada, Freya,
Lola, Preci osa für Haarnadeln, sind allerwärts oingeführt. Ihre geschmackvollen Packungen finden dabei uneingeschränktes
Lob. Auf den von ihr beschickten Ausstellungen: Chicago 1^03, Antwerpen 1894, Paris 1900, Santiago (Chile; 1901, Düssel¬
dorf 1902 und zuletzt auf der Hygiene-Ausstellung in Dresden 1911 erhielt sie erste Preise und Anerkennungen.
Karl Kolbach, der Verfas.ser des Werkes „Der deutscln» Fleiß“, sagt in seinem Artikel: „Das Nadelgroßgewerbe von
Aachen“ von einer der Firma J. H. Nobis & Thi.ssen patentierten Maschine: „Eine Maschine aber überragt an wunderbarer
Zusammensetzung und Geschicklichkeit alle andern. Sie dient zur selbsttätigen Her>tollung von Sicherheitsnadeln“ und
schließt: „Im Funkenstrom der kroiseinien Steine, im harten Geklapj>er der fallenden Hämmer, im bunten Getriebe rastloser
Maschinen zeigt sich uns ein so packend(‘S Bild der Gegenwart, daß davor selbst die eindringlichsten Momente der Ver¬
gangenheit erblassen.“
Nachstehend verzeichnen wir einige der bekanntesten Orig^inoliiiarken
Stahl=
fiiji/li Locken-Haarnadel
lM0Rl% 'IW/S mifabgebogenenKopfund.
OlgJ unverhieglichenS^erLl^ln,
der Firma
J. H. Nobis & Thissen, Q. m. b. H., Nadelfabrik, Aachen.
Nr. 15
Ernte der Studienreisen des vorigen Jahres. Den einzelnen
Gruppen sind Säle angewiesen worden, in denen sie gemeinsam
ausstellen, so dass diese FrUhjahrsschau einen Ueberblick Uber
das Kunstschaffen in der rheinischen Künstlerstadt gewährt.
Die ausstellenden Gruppen sind: Freie Vereinigung Düsseldorfer
Künstler, Künstlervereinigung 1899, Ausstellerverband, Künstler¬
vereinigung 1904, Niederrhein, Bildhauergruppe und Architekten¬
gruppe des Vereins zur Veranstaltung von Kunstausstellungen,
sowie Künstler, die keiner der vorgenannten Gruppen angehören.
Im ganzen bringt die Ausstellung etwa 500 Werke, die, wie die
KUnstlerschaft hofft, den Kunstfreunden des Westens zeigen
soll, dass man in Düsseldorf nicht auf alten Lorbeeren ruht,
sondern frisch und rüstig vorwärts strebt, und keiner gesunden
und berechtigten fortschrittlichen Tendenz abhold ist. — Die
Ausstellung, an deren Spitze wiederum Herr Prof. Emil Pohle
steht, erfreut sich eines regen Besuches.
Neue Ausstellungen. Eine grosse Ausstellung des
deutschen Handwerks, verbunden mit einer Maschinen-
ausstellung, wird 1914 in Dresden veranstaltet. Der Vor¬
stand der Ständigen Ausstellungskommission für die deutsche
Industrie in Berlin hat sich bereit erklärt, die Ausstellung zu
fördern. — Ferner wird berichtet, dass das Deutsche Museum
in Hagen, um das Interesse an der deutschen Arbeit im
Auslande zu fördern, eine Ausstellung vom gesamten
deutschen Kunstgewerbe zusammengebracht hat, die im
kommenden Sommer in den Museen mehrerer nordameri¬
kanischer Städte gezeigt werden soll. So wird die Aus¬
stellung in New York, Pittsburg, Detroit, St. Louis,
Chicago und Indianapolis zu sehen sein. Sie umfasst
der „Werkstatt der Kunst“ zufolge: Moderne Architektur,
Graphik, Reklamedrucksachen, Künstlerschriften, Bücher, Leder¬
arbeiten, Tapeten, Linoleum, Textilien, Keramik, Glas, Metall,
Elfenbein, Holz und Spielzeug.
Sonderbund -Ausstellung Cöln 1912. Die Aus¬
stellung wird am 26, Mai, dem ersten Pfingsttage, eröffnet und
bis Ende Oktober dauern. Von Museen und Privatsammlern
sind bereits eine grosse Reihe bedeutender Werke des Greco,
von Cczanne, Gauguin und van Gogh für die Ausstellung zu¬
gesagt. Dazu kommen Kollektivausstellungen der Sonderbund¬
ehrenmitglieder Liebermann und Te Peerdt, ferner von Munch,
Henri Matisse und Picasso. Von Düsseldorfer Künstlern sind
eingeladen ausser den Sonderbundgründern Bretz, Clarenbach,
Deusser, Ophey, Kerschkamp, Kukuk, Jungheim und Carli Sohn,
von westdeutschen Bildhauern Haller, Kniebe, Hoetger und
Lehmbruck. Es hat sich unter Vorsitz des Bürgermeisters
Laue ein Arbeitsausschuss gebildet, der in Verbindung mit der
Vereinigung „Die Gilde“ die Leitung der kunstgewerblichen
Abteilung übernimmt.
Ausstellung von Städte-Plakaten.
Im Mai d. J. wird in Karlsruhe eine Ausstellung stattfinden,
die sowohl wegen ihres eigenartigen Charakters als wegen ihres
aktuellen Interesses auf die besondere Aufmerksamkeit des Publi¬
kums rechnen darf. Der Karlsruher Verkehrs-Verein be¬
absichtigt, ein neues Plakat anfertigen zu lassen, das im Entwurf
und in der Ausführung allen Ansprüchen an eine vornehme
künstlerische Empfehlung der Stadt und ihrer Sehenswürdig¬
keiten entsprechen soll. Aus diesem Anlass wird in der städtischen
Ausstellungshalle eine Ausstellung von Städte-Plakaten ver¬
anstaltet werden, die eine möglichst reiche Uebersicht über das
geben soll, was auf diesem Gebiet heutzutage geliefert wird.
Bekanntlich ist die Plakatzeichnung in neuerer Zeit auf eine
hohe Stufe künstlerischer Vollendung gelang^. In allen modernen
Kulturstaaten haben sich bedeutende künstlerische Kräfte in den
Dienst dieser Aufgabe gestellt. Gerade die Karlsruher Künstler¬
schaft hat an der Hebung der modernen Plakatkunst hervor¬
ragenden Anteil genommen, so dass die Ausstellung auch noch
eine besondere Beziehung zum Karlsruher Kunstleben bekommen
wird. Ueber 70 Kur- und V er k ehr s-V e reine, Bade¬
direktionen und Stadtverwaltungen haben jetat schon
ihre Beteiligung zugesagt. Eine Künstlerkommission wird für
das Arrangement der eingesandten Plakate Sorge tragen. So
verspricht die Ausstellung in jeder Hinsicht eine anregende und „
nicht nur vom praktischen, sondern auch vom künstlerischen.
Standpunkt interessante Veranstaltung zu werden. — Dem ,
gebnis dieser Ausstellung wird man mit Spannung entgegensehen,-
namentlich in den Kreisen der Verkehrs-Vereine. Ist man
doch noch vielfach sehr geteilter Meinung über den Wert der.
Plakat-Reklame. Ein wirklich gutes und auffallendes
Plakat hat zweifelsohne seinen Wert, aber unter der Fülle von
Plakaten, die man namentlich an den Bahnhöfen sieht, befinden-
sich selten besonders auffallende Plakate. Um so mehr vrürde ~
es zu begrüssen sein, wenn die Karlsruher Ausstellung neue
Fingerzeige zur wirkungsvollen Ausgestaltung des Plakatwesens
bringen würde.
1912: ln Oberhausen Westdeutsche Gewerbe- und Industrie-
Ausstellung.
1912: In Berlin Konsumgenossenschaftliche Ausstellung, geplant
vom Zentralverband deutscher Konsum-Vereine.
1912: In F r e i b e r g i. S. Erzgebirgische Ausstellung für Gewerbe,
Industrie, Bergbau und Landwirtschaft,
i.—21. April 1912: In Danzig Internationale Ausstellung für
Amateurphotographen, veranstaltet von der Photographischen
Gesellschaft in Danzig.
1. April bis 15. Juni: ln Stuttgart Schwäbische Landes¬
ausstellung für Reise- und Fremdenverkehr, unter dem
Protektorate des Königs von Württemberg. Veranstalter
ist die WÜrttembergisch-Hohenzollernsche Vereinigung für
Fremdenverkehr.
3.—14. April 1912: In Berlin Aviatische Ausstellung, veranstaltet
vom Kaiserlichen Automobilklub, vom Kaiserlichen Aeroklub
und vom Verein Deutscher Motorfahrzeug-Industrieller.
9. April bis 10. Juni 1912: In Barcelona Fach-Ausstellung für
Schulhygiene in Verbindung mit dem Ersten Spanischen
Kongress für Schulhygiene,
27. April bis 29. September: In Berlin Grosse Berliner Kunst¬
ausstellung.
Anfang Mai: In Danzig veranstaltet die dortige Malerinnung
aus Anlass ihres 300jährigen Bestehens eine „Internationale
Ausstellung bemalter Wohnräume“.
Ab 6. Juni: Elektrotechnische Ausstellung Leipzig für Haua,
Gewerbe und Handel. Veranstalter ist die Elektrotechnische
Vereinigung in Leipzig. Die Dauer der Ausstellung ist auf
mindestens 4 Wochen berechnet.
9.-II. Juni 1912: In Harz burg Landwirtschaftliche Wander-
Ausstellung.
Juli bis 15. Oktober 1912: In Düsseldorf Städtebau-Ausstellung
im Kunstpalast.
5. Oktober 1912 bis 5. Januar 1913: In Paris Exposition de la
Locomotion A^rienne und Exposition de l'Automobile
et du Cycle.
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fiir den L Jahrgang der
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Preise von JIki I 2$ Ffgf^ifür Ver-
Sand* vo^imsei^v ßeschäftssiölie m be^lelien -
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des JährgÄOges aiJernahmeü wir
Ätieti das Eiotiioden, Preis for Binbatiddeekö
und Ehi bio(loh J?Iif ;^Ä^*^0i snzBg'llcli Pof to4
Bas ausfOhrltni^e Int^ltKTerxel^litilt^
zdin i.: Jabrgangr wird K ostön los nach-
e:eltefen- F a.h 1« nd o d m m. e r k des 1.Jato-
^aßges werdooT ^^owett der Vorrat reieht^
ZVJn Preise yoÜ 40 zuzöglteji Porto,
; naeJigrellefert, VoHständtgreJahrgängo fertig'
eingebunden sind tü.m Preis© von 3tK^ i!i,54i,
^uztigllcth 50 Pfg. fiXv Tmip^ m beadehan*
OÖSSELDORP
pgatfeb 444
ypD, BrÜÄiUl aiis werdett Äüraeit dctitatibe Fliroen für e-iße
h 4 ^ r^i iiitvdd al« Au, E Sie H'u ijg: von Eiq- und Aus-
f U:h.r t od IJ i: teh*'’igewörbeu, di« Dcjetub^r igrJf. bis Märji 1913
io ^driifrlpfiiE.Ataltüuden aoll. Auf Gfund Eesr-
erÄthtet die \^Ständige AuGSteÜUrigskGrrimisssiön fUr
die deutsche laduetrio'* Ü ck ha 1 tu n jgc b ote n,
Deutschlatid und dasi Ausland.
D e u t ö ch - A m e r I k a tii s ch er N a t i o oii 1 b und. Aua dem
Bureiätr des Deutsch-Amenkaniscfaed Natiötidtbuiides teilt maTi
una miii dass dieGe^chSlftasteU^ des Bundes allen Bon des vereinen
wnd Mitgliedern den Il«ug: unserer Zeiiscbri/t ,,Deutscbl and*^
/UT Pöegt vpn Heimatkunde Uad Heimatlkbe acigelegentlitfe
empfuhleti hkij ^idetiu dlö liDVutachland'^ sei nicht A ur ein e
Zi e r d e Y'ü r j e4 h Fa tu i: j i e n - und V er eri ti 1i's cti >
spsid«rn 25 ie bi^ie 4 hch ei.up Füll6 voti Rei tnf d 1S<«ti^an
Tin d ^Ti V*r) äsaigeiu 1 pf p tma tiouen f ö r E cif s* u :6%ti£i
und i n De ütsdhia n Gielchaeitig empfiehlt dag Sur&aü dos
DeutEch - Atperl tatiischen Nati p na 1 b un de a a n eü Inte res ae n ten ip
Deyi^cMand den Beiug seiu&jt; l&u ndescrr^aus jjM i 11 e j 1 u n g e n*',
das ä] len Zweigen uöd UPdern i^ani Kostenp^eise 2 ugeht, und
fÜT das in absehbarer Zed ^ifts Be*ügJ&etelle in Deutschland selbst
eimtLfichteti beahsiciiiigt wirdi Die .^Mitteilungen*' dea Dedtscli-
Amerft?anischenH^ööÄibünd^öderVorejtjig:teTi Stasttcn ersehe men
mp tiaiUcii, seit Anfa ög tgis i n ve rgi ^sj^er tatn F orm at und tnh alt;
u. a. eulhalten sie eine Eiste aller Beamten usWt-
Zweige aller Staaten^ denen Über goon Veteine mit ÜbfT
^wei Millionen Mitgliedern angehöfan. Bia auf weit^ios Wetdou
die Mitteilungen*^ von dem Burtau de« Deutsch-A men kt wischen
Hationalbupdes^ 419 WaJnut PbüadeIpbfA piS-r Ü*
gegen Bitiafendttug Voh ,3 Mfc. afüJÜgUch Porto venattndt. Aach
das PrntplEoll des letsten NationaJkonvents des BundCT In
WsshÜngtoti, D. C;. Vom S. bis n. Oktober igti (300 PruefcspifÄn)
wird von :dw«elbeti Stella gegen EbiSeudUttg von 4 Mk. yentsndti
:Erfo 1 gfe det dentpoh-belgiacheu Bewegunig^ Dia
haberi in itirem Kampf um die und
prfliktiscbe Gleiohsieilutig ihrer Sprache neben dem Fr^na^^siachea
TiVd FJ ämischcit In den Jet* ten Jahnen ^wei fiehr heeftarkeniWJ^te
Erfolge ert'ungonH Das neue belgische Mtlicäfgaset^ vPm jiiht e
fgpg bestimmt, dasÄ Boldaien iii unbestimmtem: Üri&T^h äntlÄ&Bcö
werden könner, -sobald J^jajswei Dnttel ihrer Ditüstaseit tadellos
ebledigi und eine Prüfung .fiir den Gr^d eines Gefirlidiep odet
emee WachiTueistei-a bestan den hAbertv Auf AjttrÄfe
der Abgeordneten der. Wahlkreise Atel und, VefVier,. die ,
wiegend deutsch “bei gische Eey^karung habbaT ?f?vrd.e ln das
Ge&etÄ die Bestimmung auflgenpniTneh, dass diea^ Prüfümg in
rr^ii3fÖM^^her^ flämischer odei doutsebet Sprache Abgelegt werden
. Afft im Jahre 1910 ein Geseu aingebmeh^
deh Emtrttt ln di« OniVe^sititt: für Fl^unen dme Pfürütig in
. äprochci für Wallopen .ein e ftp lebe, in , fian^Ösiiscber
lerfdjrdöt Hob; sein sohte, erhoben ‘die dehi^ch eh V Aral
und Wolkcpraedt hiergegcG tnorgisebao Einspruch, tuid auf den
Antrag Ahgeordnefep. von Arel^ du. de WiamajEfg -W^rdc
mlt gr0MehrbMt iu der beIgi^schen Kü-mtatir besicälpssen,
dass di« Dtutsch-Belgier di* heif. Pt lif ü a g ih ddu tSrtli e f
Sprache ablegen körtneo. .
Eme deutsche Jübelf'emr ih SrüsseL ;
deutiitbe WphlfStigiieits-Gesellschaft Schiller-
V « rflS.id. fererte■ das■.-Fe^t ilues 5 o jähr*gen Bestehens
durch «ine feife^tä^he Genetalversamm die im Hochseitssaalc
■.dea- lföieV'dei -Vd^^ abgehaltcu wurde, im gleichen
Saal/ in. die Gesellschaft gEgründet wurde.
13 ! i f' S it itip g ,'w oh n t e?i attfescr dem de 0 tKChen Ge san dtc a vo n
■■■PlptoW:'' dSr' der Goovemeuj der Provina
Bcababt uud der Bürgermeister der Siadt Brllaseh. sowie die
Pfasidettteu der engl isch eu, fr an aösiechen, ostertea bcA» its -
iie(jisch«n> holiändischezT, achw eiaerischeu ussd luntembürgfscheu
Wöliitädgkttttaanstatten von Brüssel u^d pelogl^fitj 4 ?cf:
WobhäUgkeiissnstaUeii Von Paris, Autwerpettl, Lhrtith vmd Geut
bftiv per B^irgennetster von Srü^sel begrüssto deh SfehUieiyereiji
iiG 4 b^gJi^fcWünscbte Ihn äu seiueii Erfolgen>,\: Er &agtä u
( len Bi-foigcD, die der Verein während fteinof ^öiäbrigeh Tätigkm
eteieU habe, dokumeotieneu : sich dib Vörteü* der i^erfnaulr
^ctiESG' l^Ässe.
Ein englischer GrossirtdustrfeÜer übBr
DeutschlantJs B!üte.
D«J- b^katmte englische Gjoesibdusificne Si r Po hö r t
Hadfieldf ilor.ftiihet« Präsident des Eisen- und Stshliuatitute^,
hat in ©tuem Interview mit 1?‘, W. Wile, dem Körroäpottdanteh
det Lüiidaner „Daily eintge hn Mund« eines emfluss'^
reichen Engländers bedeutsame Erklärungen tlh^r daK ,^Waa
D^tschlaud braucht'* gemacht. Sir Robert Hadheld ist ^ährend
seineft Aufenthattoa in Deutschland auch der Oftftt des Kaisers
gewesen, hat mit führenden PcrsünUchUelteri. des Reg.lecung,
der Wlssenachaft und der Industrie Fühluog geooromeUr Trnd
welchen Wert man EeibeTj Beobaubiungeo beilegt acigt «lebt
darin, dass das bisher nicht besötidera deutsch-freUndUefeft
LOHddijer Blatt sieiiie AiLi^fÜhtüngen an leitender Stelle wiedet^Jbt-
„Kein Englai^dej; dfer jei^t nach Dearacbland kommt**, erkMn
Hadfleid, „kann lange darüber fm Zweifel bleibeo, dass Englsarfd
s
K-O-SC'
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GENERAL-VERTRIEB
der la. Industrie'Kohlen Von Zeciie „Laura Und Vereenij^iag“,
^ der la. Anthradl'Mager-Kohlen für Hausbrand von Zeche „Carl Friedrich“,
la. Öraunkohlen-Brlkets. — la. Zechenkoks.
PAUL THYSSEN, AACHEN
Büieaii;
Rütseherstr- 20
Kohfen-öroßhandlung
Telephon Nt, 7i7.
Bahnhof 4ateb 00 *West
772
DEUTSCHLAND 1068^^^^^^^60068666666® Nr. 15
hier in einem schlechten Gerüche steht. Das wird vergehen.
Aber was bleiben wird, solange nicht wirklich Abhilfe eintritt.
ist die Ueberzeugung, dass England sich hartnäckig und breit¬
spurig Deutschland in den Weg stellt, um seine Aufwärts¬
bewegung und seinen Fortschritt zu hemmen. Und dieser Glaube
wird durch keine englischen Gegenerklärungen beseitigt, keine
Freundschaftskomitees werden helfen, sondern nur „positive
Taten“. Und ich sage ohne Zögern, dass eine schwierige
Lage kommen muss, wenn England nicht die Berechtigung der
Ansprüche Neudeutschlands anerkennt.“ Sir Robert Hadfield
übt dann eine herbe Kritik an der bisherigen englischen Politik,
die in jeder deutschen Unternehmung im Ausland, sei sie nun
politischer oder industrieller Natur, eine Gefahr für England
wittert. „Deutschland kann und will nicht ewig in den politischen
und territorialen Kinderschuhen stecken bleiben, und je eher
das bei uns anerkannt wird, desto besser ist das tür den Frieden
der Welt. Fast alle Deutschen, die ich kennen lernte, be¬
anspruchen im Grunde ihres Wesens als cnglandtreundlich
betrachtet zu werden. Und viele glauben mit mir, dass die
Zukunft, die Entwicklung und das Schicksal der Welt zum
grossen Teile in den Händen Englands, Deutschlands und
Amerikas liegt — und da.ss diese drei Nationen Hand in
Hand miteinander arbeiten sollten, um die Zukunft des Handels,
der Kultur und der Zivilisation zu sichern. Allein die Ent¬
wicklung Chinas, das eine unerschöpfliche Quelle der von Amerika,
England und Deutschland benötigten RohvStoffe bildet, sollte
genügen, um die drei Mächte zusammenzuführen.“ Sir Robert
Hadfield ist auch ein scharfer Gegner jener englischen Wünsche,
die von Deutschland verlangen, es möge seine KriegsschifT-
bauten einstellen; die Frage sei nicht nur politischer, sondern
ökonomischer Natur. „Ich weiss nicht, wie Deutschland sein
Schiffsbauprogramm aulhallen könnte, ohne einen ökonomischen
Zusammenbruch herbeizuführen. Gewaltige Kapitalien sind in den
grossen Werften angelegt, und wenn England von Deutschland
verlangen würde, seine Werften zu schliessen, so wäre dies
eine Aufforderung zum industriellen Selbstmord. Deutschlands
Fortschritt in der Industrie ist etwas wirklich Verwirrendes. Als
ich das riesige chemisch-physikalische Laboratorim bei Krupp
sah, das mit einem Kostenaufwand von zwei Millionen Mark
errichtet wurde - mitten in einer Fabrik ein wissenschaftliches
Forschungsin.stitut, wie keine Universität der Welt es besitzt,
da erkannte ich von neuem, mit welcher Tatkraft Deutschland
die Wissenschaft in den Dienst der Industrie stellt. Und meine
Bewunderung wuchs noch, als ich die neue R e i ch s a n s t a 1 1
in Berlin besichtigte, die allein tür Gehälter vom Staate
600000 Mk. bezieht, und das Königliche Prüfungsamt in
Gross-Lichterfelde: beides Institute, die technischen und
analytischen Versuchen und Forschungen dienen, beides Stätten,
wo die härtesten Nüsse der Industrie geknackt werden. Es ist
in diesen Anstalten, den Laboratorien von Essen, Berlin
und Gross-Lichterfelde, wo Deutschlands II a nd e Is s i e g e
erkämpft werden. Es ist in dem Geiste der deutschen
Universitäten und T e ch n i s ch e n H o ch s ch 11 1 e n , wo
Deuts chlands Stellung auf dem Weltmärkte ge-
sch affen wir d.“
Deutschland und England. Der Vorstand der d e u ts ch-
britischen Vereinigung in Berlin hat von dem Herzog
von Argyll, dem Oheim des Königs von England, ein Hand¬
schreiben erhalten, in welchem der Herzog lebhaft bedauert, an
der letzten Generalversammlung der deutsch-britischen Ver¬
einigung infolge Verhinderung nicht habe teilnehmen zu können.
Der Herzog schreibt u. a.: ,,Ich liebe Deutschland nächst meinem
eigenen Valcrlande am meisten, und die Missverständnisse,
welche duich die Presse gegangen sind, haben alle diejenigen
ausserordentlich peinlich berührt, welche ein herzliches Zusammen¬
arbeiten beider Nationen wünschen. Dass jede Nation nach
ihrem eigenen Dafürhalten den Handel, welcher durch die
Energie ihrer Bürger geschaffen worden ist, in der Weise
schützen muss, wie sie es für das beste hält, ist eine so offen¬
kundige Wahrheit, dass es sehr nutzlos und zum mindesten
kindisch erscheint, dass irgendein Hader über den Zuwachs
der Rüstungen, die von jedem Reich als notwendig er¬
achtet werden, bestehen soll.“
Verschiedenes.
Die Dampfschiffahrts-Gesellschaft für den
Nieder- und Mittelrhein hat durch den Tod ihres
Direktors August Krauss einen schweren Verlust erlitten. Herr
Krauss hat den Direktorposten lange Jahre bekleidet und wenn
auch an erster Stelle für die Hebung seiner Gesellschaft ge¬
arbeitet, doch auch mit weitem Blick und grosser Sachkunde
die Hebung des gesamten rheinischen Schiffahrtswesens fördern
helfen, wozu ihm seine Stellung in der Rheinstrom-Kommission,
dem Verein zur Wahrung der Rheinschiffahrtsinteressen und
in der Binnenschiffahrtsgenossenschaft reichliche Gelegenheit
bot. Auch an der Entwicklung der Verkehrs-Vereine hat Herr
Krauss lebhaften Anteil genommen.
Dem Major von Abercron beim Stab des Infanterie-
Regiments Nr. 16 in Mülheim am Rhein hat die philosophische
Fakultät der Universität Marburg die Würde eines Dr. phil.
honoris causa unter dem 5. März verliehen. Herr von Abercron
ist einer der erfolgreichsten Ballonführer Deutschlands. Er ist
Mitbegründer und Erster Vorsitzender des Niederrheinischen
Vereins für Lufischiffahrt. Seinem organisatorischen Talent
und seiner grossen kauf.nannischen Veranlagung verdankt der
Verein eine geradezu glänzende Entwicklungsgeschichte. Aber
weder die^e Verdienste noch seine militärischen Eigenschaften
und Kenntnisse, die durch eine vierjährige Vorpatentierung
jüngst eist anerkannt worden sind, haben die Marburger
philosophische Fakultät zu der so seltenen Auszeichnung be¬
wogen, sondern Herrn von Abercrons Verdienste um die wissen¬
schaftliche Nutzung der Freiballonfahrten. Major Dr. von Abercron
hat in Abhandlungen und Vorträgen immer die Idee vertreten,
dass die Ballonfahrten nicht nur als Sport angesehen werden
dürften, sondern neben militärischen insbesondere zu wissen¬
schaftlichen Zwecken verwandt werden müssten.
Akademie für kommunale Verwaltung. Zum
Studiendirektor der Akademie für kommunale Verwaltung in
Düsseldorf ist der ausserordentliche Professor des öffent¬
lichen Rechts an der Universität Greifswald Dr. Edler von
H o f f ni a n n , ferner zum Professor der Nationalökonomie an
gleicher Hochschule und Studiendirektor der Akademischen
Kurse für allgemeine Fortbildung und Wirtschaftswissenschaften
der ordentliche Professor an der Technischen Hochschule in Han¬
nover Dr. V. Wiese berufen. Das Verzeichnis der Voilesungen,
Uebungen und Besichtigungen der Akademie tür das Sommer¬
semester 1912, d IS am 18. April beginnt und am i8. Juli endigt, ist jetzt
ei schienen. Das Programm ist eingeteilt in rechts wissenschaft¬
liche Vorlesungen, staatswissenschaftliche, verwaltungstechnische
und andere Vorlesungen ; ferner sind vorgesehen vier Einzel¬
vorträge und eine Reihe von Besichtigungen. Das Verzeichnis
des Lehrkörpers weist 23 Dozenten auf. Die Vorlesungen finden
im Studiengebäude, Bilkerallee 129 (städtischer Floragarten), statt.
Das Honorar für sämtliche Vorlesungen, Uebungen und Besichti¬
gungen des Semesters als Voll- und Gasthörer beträgt 100 Mk.;
tür einzelne Vorlesungen als Gasthörer pro Wochenstunde und
Semester 8 Mk.; für die Einzelvorträge je i Mk. Anmeldungen sind
möglichst frühzeitig, spätestens jedoch bis zum 15. April xgia zu
bewirken. Adresse: Geschäftsstelle der Akademie für kommunale
Verwaltung, Düsseldorf, Rathaus. In d-n Tagen vom a8. Mai
bis I. Juni wird ein Fortbildungskursus (Kommunal¬
woche) stattünden, über den besondere Programme ausgegeben
werden. Zur Ergänzung der Fach-Vorlesungen an der Aka¬
demie für kommunale Verwaltung dienen die gleichzeitig statt¬
findenden Vorlesungen der Akademischen Kurse für
Allgemeine Fortbildung und W i r t s ch a f t s Wissen¬
schaften (Studiendirektor: Professor Dr. von Wiese.)
Photo - Papiere
allseits bestens enipiblilen.
ClieiniHclie Fabrik auf* Aktien ( vorm. F. ^^cberiiig;)
Photographische Abteilung. Clkarlottcnbiiri;. Tegeler Weg 28/38.
Grand-Prix
auf der Welt-
Ausstellung
Turin 1911.
Nr. 15 DEUTSCHLAND 773
Gesellschaft für Rheinische Geschichtskunde. Im
Isabellensaal des Gürzenichs zu Köln hielt die Gesellschaft für
Rheinische Geschichtskunde ihre Jahresversammlung ab.
Voraus ging ih** ein fesselnder und geistvoller Vortrag des
Bonner Professors der Rechte Dr. Landsberg über das
französische Recht und die wissenschaftlichen Strömungen. In
dem vom Vorsitzenden Professor Hansen verlesenen Jahres¬
bericht wurde des Ablebens des um die Gestaltung des Histori¬
schen Atlas der Rheinprovinz hochverdienten Bonner Professors
Nissen gedacht; an Mitgliedern verlor die Gesellschaft die
Professoren Varrentrapp und Schömbach; ferner Direktor
P. Eschbach und E. Pauls. Von neu eingetretenen Patronen
der Gesellschaft nennen wir Professor Oeder aus Düsseldorf.
Der vom Schatzmeister Dr. v. Mallin ckrodt erstattete Jahres¬
bericht zeigte eine sehr günstige Vermögenslage der Gesellschaft,
die freilich auch einen sehr erheblichen Etat zu bewältigen hat.
Als neues Vorstandsmitglied wurde Geh. Rat Dr. v. Krüger
zu Eller gewählt.
Städtische Handels-Hochschule Köln. Das Vor¬
lesungsverzeichnis der Handels-Hochschule für das Sommer-
Semester 1912 ist soeben erschienen. Wie auch in früheren
Semestern, ist sein Lehrplan auf das reichhaltigste ausgestattet;
er umfasst im ganzen 166 verschiedene Vorlesungen und
Uebungen in wöchentlich 291 Stunden. Fast alle Wissens¬
gebiete sind hierbei vertreten, an erster Stelle natürlich die
Hauptdisziplinen: Volkswirtschaftslehre, Privatwirtschaftslehre
und Rechtslehre. Auf erstere entfallen 30 Vorlesungen in
50 Stunden, auf die Privatwirtschaftslehre mit den Unter¬
abteilungen : Allgemeine Handrlstechnik, Handelstechnik der
Fabrikbetriebe, der Warenhandelsgeschäfte und der Banken
20 in 35 Stunden und auf die Rechtslehre 18 in 31 Stunden.
Aber auch die anderen Disziplinen sind wieder zahlreich
mit Vorlesungen und Uebungen bedacht worden, so die
Versicherungswissenschaft und das Genossenschaftswesen mit
6 Vorlesungen in 8 Stunden, die Geographie, Naturwissen¬
schaften und Technik mit 21 in 46 Stunden, der fremd¬
sprachliche Unterricht mit 48 in 94, das pädagogisch-didak¬
tische Seminar mit 8 in ii Stunden und endlich die all¬
gemeinen Geisteswissenschaften mit 15 in 16 Stunden. Die
fremden Sprachen sind in dem kommenden Semester noch in
2 Kursen, also auf 15 verschiedene (einschl. Deutsch) erweitert
worden. So finden wir u. a. chinesische, arabische, persische,
türkische, neugriechische und indische (spez. hindustani) Sprach¬
kurse. Die abendlichen, öffentlichen Vorlesungen bieten allen
Kreisen der Bevölkerung willkommene Gelegenheit, ihre All¬
gemeinbildung zu erweitern und wissenschaftlich zu vertiefen.
Die Vorlesungen und Uebungen beginnen am 18. April.
Die industrielle Entwicklung der SUdeifel macht
gute Fortschritte, Die Schuhfabrikation in Speicher, die
mit zwanzig Leuten angefangen wurde, hat sich so bewährt
und die persönliche Geschicklichkeit der Arbeiter beiderlei Ge¬
schlechts so schlagend bewiesen, dass dieser Betrieb nunmehr
zur Vergrösserung schreitet und weitere vierzig bis fünfzig
heimische Kräfte einstellt. Ferner ist in Bit bürg Grund und
Boden für die von langer Hand geplante Eifeier Strumpf¬
warenfabrik angekauft worden. Nach Mitteilung der orts¬
anwesenden Interessenten des neuen Unternehmens aus Köln,
Chemnitz usw. wird der Fabrikbau baldigst in Angriff genommen
und dann in Shedstil nach Plänen eines bekannten Kölner
Spezial-Ingenieurs so rasch durchgefiihrt werden, dass im Juni
die Betriebseröffnung gedacht ist. Zunächst werden achtzig bis
hundert männliche und weibliche Arbeiter eingestellt; eine
Erweiterung ist vorgesehen. Die anfänglich bezweifelte Ver¬
anlagung und Neigung des Eifelarbeiters für industrielle Be¬
schäftigung ist bereits praktisch bewiesen und der Andrang
arbeitswilliger Leute lehrt, dass die Urheber der industriellen
Entwicklung die Situation richtig erfasst haben, wenn sie der
brachliegenden Menschenkraft Ver wertungsm öglichkeiten
schaffen und den Fabrikanten diese zahlreichen willigen Kräfte
nachweisen,
Propaganda für Industrie-AnsieJlung in Mann¬
heim. Ein eindrucksvoller Hinweis auf die Stadt Mannheim
ist in künstlerischer Ausführung vor kurzem in mehreren führen¬
den deutschen Tageszeitungen erschienen. Zum Teil wurde
hierbei das Rotations-Tiefdruckverfahren angewandt, das auch
dem Zeitungsdruck die Wiedergabe feiner und feinster Tonwerte
künstlerischer Entwürfe gestattet. Die wohlgelungene bildliche
Vorlage zu dieser ganzseitigen Empfehlung, in der das Bürger-
'tfautafus'
DOm 2$. BPfH
mü dem Doppelfc^raubendompfer
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dem €<f)moc3en meer und
KauFofus *:• ❖ ❖
beginn und <Fnde der in Oenua
preife pon illotF 800 .- on
^udPunfi erteilen
Bremen
und feine Vertretungen
Der Harz
dos schönste SebliSe norddeutschlondsl
Die ill.Hroßchiirc „Eint Reist dnrch den Harz** kostenfrei von der
GeBChärtsstelle des Harzer Verkehrs-Verbandes in Wernigerode.
Sonder-Prospokte von nachstelienden Mitgliedern:
Alexisbad: Kurveroin
Altenau: Magistrat
Altenbrak: Ilarzkliib
♦Bad Ilarzburg: Herzogliches
Badekommissariat
Bad Lauterberg: Badeverw.
Bad Sachsa: Magistrat
Bad Thale: Kurverwaltung
Ballenstedt: Magistrat
Benneckensteiii: Magistrat
Grund: Kurkommission
Hahnenklee-Bockswiese Ge¬
meindeverwaltung
Halberstadt: Magistrat
Harzgerode: Magistrat
Herzborg: Verkehrsverein
♦Hildesheim: Verein z. Hebung
des Fremdenverkehrs
Hohegeiss: Gemeindevorw.
JIsenburg: Kurverwaltung
Berlin: Zentral-Verwaltung f.. .Jungborn:Verk.-Vor.Eckertal
Sekundärbahnen
Bernburg: Magistrat
Blankenburg; Magistrat
„ Direktion der
Halberst. - Blankenburger
Eisenbahn-Gesellschaft
Bleicherodo; Magistrat
Braunlage: Kurverwaltung
Braunschwoig: Verk. - Verein
„ Büssing Kraft¬
wagenbetrieb G. m. b. 11.
Brocken: Wintersport-Verein
Buntenbock; Gemeindeverw.
Clausthal: Magistrat
Dreiannen - Hohne: Wintor-
sport-Veroin
Elbingerode: Magistrat
Elend; Harzklub
Frankenhausen: Verk.-Ver.
Friedrichsbrunn: Harzklub
Gernrode: Mngistr.at
Gnslar: Magistrat
In Berlin:
Lautentlial: Magistrat
it Lerbach: Gemeindeverw.
strat Nordhausen: Magistrat
ktion der Nöschenrode: Gemeindeverw.
kenburger Okertal: Verkehrs-Verein
Ischaft Romkerhalle
trat Osterode/Harz; Magistrat
waltung Quedlinburg; Versch.-Verein
'k.-Verein Kübeland: Gemeindeverw.
ing Kraft- Schierke: Kurverwaltung
. m. b. 11. Seesen: Magistrat
ort-Verein St. Androasberg; Magistrat
lindeverw. Stolberg; Verkehrs-Verein
,t Sudorode: Harzklub
Winter- Trautmisteiii: Harzklub
Walkenried: Gemeindeverw.
itrat Wernigerode: Verkehrsamt
„ Direktion der
irk.-Ver. Nordhausen-Wernigeroder
arzklub Eisenbahn-Gesellschaft
t Wieda; Gemeindeverw.
, Zellerfeld: Magistrat
Harzer Auskunftei in der Gsellius'schen
Buchhandlung, Mohrenstr.52. — Ausgabe¬
stelle d. kostenfr. Broschüre vom Harz u. d. Sonderprospekte.
Die mit* versoh. Verwaltungen haben in dieser Nummer Soliderinserate.
774
DBUTSCHLAND a sieeceDoscoe€«eeeoco^
0)3«tisteraJtjt üod V« kehrö -V erein üüf die .B d e ü. t u ri g*
^aimhtfims für ifltSiislrieile Aneiedlürugfefl ^ufmerk-
tflÄciietjH Jöftt Luctätit Beiiib^td gcscfc^ffenj d&r htirvflrragecidc
plakJlk^ris^I^, 0 ^ Btld jBjTflboIisi^rt in pÄckeodei
WüisÄ die beiden HaUptfAltoreti, deocn Manriheini seine» wtrt*
v^rdaibklp den Umschlag voo Schiff zü
S tt fth li g f Ü f die S ch h I h trb e rg:^ n lis d
Nach ^Iner Mitteilüng Öea !
B n T* g a d o r f f Poeosgeia
ihjeo yeT^tcKrbTen^ Vhter,
alteb Eifeibttimat atftts mit grössttr ^^icbe ÄUg^nm l!Wj
EbrenvcJEÄitzetiden li^^s E-ifeUVerfelhfe Heri'ij
Blshn, ynd die IndnatHeniederlassung in gUnaiigcr Verk*hralagc, reiherrh pon Rhelflkf^henf di?t ^ iJö®
Bin mächtiger LÄdekran Hckt »eirjep . kraftVflUen Arm weit io
dit Bild fläch« hirieifi| Äfn Ufer ha^en Eia enbäho wagen, die ihre
Ltäd^flg cmpfÄflgen häbeh. Data^ben wird ein grossem Rheins
jütbiff seiner Fracht «fleichtertv Oer impt^sdnte Eindiuck dieses
Ftachtdampieis wird 4 i 3 reh den Gegensau eine* den H^ifenarm
die re hk re übenden Schleppers wlrkting^;^.!! gesteigert; im Hinter-
|Tflnd geben rauchende Fa^ik^^hl^te itundc srdh einer regen
ttrid rticheolwickelte, ti Den untern Absclüuss
der wtElc^amen DdTsteÜung bildet sin kuwi'Testti der in wenigen
MaEinheiiTJSi nir Indus^jHe-'Ansl^^jllungen
^ N &Vöd nnn auch BdklÄfüftt
P Q ä t k^rte b herausgegeben WofdaA, die vem Verk’ehrSvV'erfiih
»n Firmen und Private uhentgdthch verähreithr werdtOi
Kärt*i wekhc dazru .bie3iimn>t ist, Fropaganda für Rh^sin-
Neckara thdt nii-d für 1 ndusXrieairsÄedlung: ^tl«chernF ist iin htagn'-
Ai^tvtypied.Tiick faerge^iKiJt wnirdeti nach der ri^mUijhcn
die zu t^biger aindrucksvuller
f!ä^ ® * r ö F rtj p a g ä n diSi Verwendet wurde. Durch den Versand
Kilfte dankenswerte* WBdie Mannheimer Firmen
uftd PrivÄvkreiiie anch pjrimiiterhär dajsn bei+ Mannheims indu'
Empört^fet^en hni! anine glitislijg;* VerkehrAlage in
Weitestem BahWd,-bekannt‘iu .rttach^
Vereins 3000 Mk, lör Vetfüguäg gesteht,:
Vom S ie be ogebltge, Bin Ungjithriger
SiebengebirgsfreuQde ist erfOTUr die Adsstebt m4f ^ipie^m
des D n h T b e r.g e-s Jst frei gelegt, ■ Herr ' Guiahe^jeet
Miilhens, durch die vielen Wegebau^ und AhsslchtaaüaiajiftiL.t^'^^Ö^^^
Siebengebirge bekkntib hat: die betreffenden Waddpanjertr
die Aussicht vcirdtbktenr ahiibUen lassen,: Nun üriril «s ^ohe'
dBS VetäCbÖfierungs-VereriiS aein+ dflui lingat verfadlencfl kleitira
Aussichtstum wiedcfherateilen 3ti Issstn dtid dätuit
wiedergewöbtiftnen Zwecke voo neuem hwtfbar xu m#c 34 <^
Die DBulschc Ges^eilacfesft für
E ? H o I iä n g ii h e i m e hat in ihrer letzten Pfemai;öiJiLtrtja.g die
Brrjchthng yoti »wei weiteren Heköent heschJbsi^D,. däven eiire
Äfi der, Q Si t s e e un d eins im T a 14 n ua. Auch gehen Uii'
gesÄt umfangreiche Btirtubg^d ütid
V e tili h a t ii a n n g d e r Ejji n d«dh a d .^rch R e kX-4 m e -:.
sniätldef, Eine sehr erriebiirche hat* tvfe: die
,^,K Ö-l-tt: ■ " -b.e-r ichl^t,. ■ der■ ■ RegictiUV^t^pJ.■S^'id*pi •.-''AriiE^berg.,
.gßg eA die Vei'iiG.s.t’fUung .Rekiam «•- :■
ich i 1 d c t g c troff en, « h d?™- er die Ah fff ^41 c heb an
4e h Eisen h ü*. h h 1 ln i • BCät^dfirii r ffjn d Kre üzvjijili ^
Erqdtebrilck ihnechalb einer Zn ne Wj?j 3** Steter Buhiv
.kdTper verboten und die aeaeiügmig dtfr darin bisher
varhari denen Rck 1 Attics ^.hi\d er ygrgesi^r U bc n ha u Hbiöffthcb;
wei: den derartige A n ord uüti g eo IS>; rtfcht ;V i^e B W-.
.tinaerm Vaterland gtlrüffoff -übd es'.d^r durch
• u,hn Q-tigen und hä&äUchen' A u wiichtj-■ des Rekiivtrie 'befririi:
.. ^ ■ E i fl'tf.;.;;^J:is u e Z n f a h r t e t _' .p G.- ö t t h s r d, • Öio
]^fjri^>iiwung der Ran d e n b R ti h^ pdte SfithtS bessere ZtH'shrt yan
hher. S xum Gbr-tthurd'
seh^ffei^asio^iT macht rasche Fbrt^bhmUrii Fiir die U^bCTn&hmtt
; dW: 0 hljg^<¥benisapha 3 ^ im Mälli&äoti Wftknk
h^t. ffejfijtö. ein BaDkenkonsonium eine Offerte Eia
SubveptWnsstktieiikapital von 3 MiUiönett soll nöchstena aufige-
bracht werdep . Er^t hach erf ütgter Finagxiefhng will das lmtiziiv-
.-kctmit^ie badiBchen Regierung in VerbandJ angen tTeten^
D ’u s. S t V o h d: a c. b' i ti d e f . E-i f €: L Dhf ■ Obeip^^siitierd'' der•
•R^inp.r;n-vXn-^.r -Freihcr-r Rhßhih-nffthi. -öiti sich/saul Gi-uhd-'.'-einer
Ein-eabe de^ EiteX-V^ereifts. -. il[*r..;vrr-', -
iiaefcrteu ■ Zu?■:,byrae-uk; n^[ ■
jieü'cn Eiüd die |yr ,,dk Rchff>hpfhvtrxr^
• er-süi'ht,;, ^d der-’ V^Age- .itv, '■.
O fe r e r s t €) Zug n a cb d r nx' j ff n g f r rt u J o ch. Ara
it^ Febfiisr, eine Stunde nach d*m DutebsebJagj fuhr d^Eictrozag
UiÄcb JungrtffiQnch bis KlioineteT 3 ,Sq* 0er Ttiaocd war
vhriki&mffjjfth; :b iiUt die letztes 500 Meter bici jitlT
■•.E.h^5^Ätihh-'--’beii.uttlec Ausbaues* Öer- letzte. BchtiB«
liir^r^rtah' Durch ein meteTgTnsseh Eoch ,^7:
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Eiaenacb odftf Sirfuf t batteti Wöbbca tölisafthiwaU aib i|^, QoO^
kei ne pa^eJi d e • ti jfi f^ti Üea i A uf 7 Ä iirögi 3 ini|f dea
Hijnehg» ^urde: daher die SithlosaboteL A-nO- gegründet; dereo
Nt?iib 3 i 3 auch ?äturth .ihn'Fäthii^r des
Hoielsi ’ eines :Th,^6ihij^<jh. ■^^^ndÄl^inbÄy^ ■ 'ikt' Herr Sefatrü dl, früher
:Hotel ' Bristol
. -^ ü dl ft: i n e b 1 b 1 i s ch e "V e r k ü n d lg u n g. i ts d et schlesisch e n.
ö^inelhde tt!rwar jüngst^ wie der „Bote ans dem Riesetjgebirge^^
berichtet^ etwas an der Kiichenbdeüchtung nicht m Ordnungv
^veshaJb man sieb bei einer auswärtieen InalalValtöasftrma d^h
Monteur «rbst, der sdnerzeit die Anlagen eingerichitet
Da dieser nicht gleich ka-TH, wurde der Gern ein dt y^ra fand un-
j^ßdüldig und vertatigte sofortjgE Sutaehdutig des Helfera au« dOi
pife Firma hbyi lieVs sich dürch die befSiige RcklaThatiOih
jaitht im g&rlügste« schrecken: sie schrieb nitbt etwa ßibÄb
lungen E&l^hul4igu.ngybdef, aondern depesi?h|exte einfach i;
•j^P-T 0^ y i u s?..i ß i g e s an ;g:ti u ch,' 'Vi e d i a V e r « :' Der ■ Oe7
meindevöfatund huUe die pibeJ hervur^ »chiug nach uctd fan^
die fptgtHXd^ '
„ £f r d EI uh' bald- •. trseheln en ; ' '*' ' ^- ■ ■ ■ ’ ^ ^ ■■“ ■^■
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kaaot :
ferrig,
'siete sein gewärtig, ’7 :
ia f; f s i >ch o-n a U f d er B a h n,' *
Und We dritrAUf erschien 4er Monteur und hr^chtfr alles
: p i e CS fr h u r i e i n e s £ r d e n b li r g e r s I in Ki s e ü h a h
w 4jj^y öi, ^*^hr schwißfige ist durch die Geburt
em es |t£m frut&tan d a u, d e EU liitr M utter a ii: f d e r F 4 h r t; fr p u
& 14 u h y t:h w e i g uueh der kleine n Stadt Balder da* L^ben
scirbUk^T Dih Hiedsfltunfr, sobreibt juati dfr£ ^^Frahkf- ZEg."*
auii Btaunschweig, erfolgte so p)öti9licbf dase die Frau nicht
im geringsten froii^riitet war. Das Kind wUrde ih Decken und
ih i p öXho; W daO. in eu fe S cM-O^yhOtäP/Tücher gehUIft und kam giÜckitch itii Vaterhaiise an. Dor
giervtihh . ^^ verd^ukt seine Eptstchuug di^ dIrefctöh Vater wollte rrtm; den "tieuen Stsiütabürgor für daä Standes*
des £i4bard> der k® 4ir^^Tföch phihlictjL .oftifi.f.uuiieta rcgister anmeldeu. Der Standfrshtfamte weigerte sich mdessen
Aüs^bnung erschien eu.
Reliefptagung die Konturen der BfcifrgäupÄJfl^ . mit ditsfU herr-
Uchen MUngter. Besonderes lotereisse; diitften .dXe Sifrgolmhrkipn
der beim grosseiti Brande 19 cS ' beithgee^uclityn Siadt
DonAüfrBchingen ündeu. Duixauesch^ngeu i&t Jfrbl als rofajifoRft
Gurtenstadl wieder neu erstanden und würde wiederholt durcii
4^ Besuch dCfS Kflisers aasgezelchtifrC Als Motiv für die
Marke wurde die votii Brande verschont gebliebene Stadt-
kirche mi.t anschliessendern Pärk des Fürsten zu Fürsten her g
^Tewühlf tutercssenlen erhajten eine Adswahl obiger MarkeD
4iif Wunsch kostenlos zugesaudt durch 416 AmlUciie AuskurFft-
stelle der GrossheringJich Badischen Staateeischbübnen ,■ iiin
fnierriaü'bnÄten qffentlicbeQ VerkebrsbureaU in BciJinr Ünter
den pihdeu 14 *
Mit de
^ e itetntoUung
die Presse ätterc
bcachaftigl üu 4 mancheilei Vorteile davon versprochen.
Infolge frersClik'iener Aureguogen. wird die Angetegenheii dem-r
näi^hsii umiHch erüschieden. Bs handelt sich hierbei um die
Kinfü hl üng äet 3 hd fg e Ü nt ei lu n g in den F a b r p I a n e u.
4 s ^ i H i ,E T is a 110u Ä ie u Ve tk e h r s und die Her beifühiu r g
^eiuhejtlieheti. Begelütig^ Das preussische Elacnbahn-
hilnisteriLtm hat su dierrieT entgege^tk^minaude
kthltung eiftgenömmerJ^ £a Vst aber sugleich als uötwcndjg
yiÄcht et w ord en , dass aür fi tu ^ nd er e n Ve r kehra eigen, wie
inrh Ppöt-4 Telegjjipheu? tihd im. Schiffahrlsverkehr* dfo gleiche
MÄ^suahme ÄüT; Dürchf ülii^uiag käme.
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diireti Photohäudler,
(D. R. G. M. angem.)
Nr. 15
hartnäckig, die Anmeldung einzutragen, bis einwandfrei fest¬
gestellt sei, wo das Kind geboren sei. Man will daher die
Bahnbeamten vernehmen, um festzustellen, an welchem Punkt
der Bahnlinie die Geburt erfolgte. Das dürfte indessen sehr
schwer sein, da das Kind auf der Fahrt zwischen zwei Stationen
das Licht der Welt erblickte und schwerlich einer der Bahn¬
beamten, der von der Geburt wusste, sich vergewisserte, wo
man in diesem Momente sei. Ob sich, wie bei Homer und
Columbus, die in Frage kommenden Orte um die Ehre streiten
werden, der Geburtsort des Kindes zu sein?
Bücherschau.
„Wernigerode (Harz) als Wohnstadt“ betitelt sich
ein vom Verkehrsamt der städtischen Kur-Verwaltung heraus¬
gegebenes Büchlein, welches auf 56 Seiten in vornehmer Ausstattung
genauen Aufschluss über die Wohnungsverhältnisse in der,.bunten
Stadt“ gibt. Im Texte zerstreut finden sich 42 Ansichten von
öffentlichen Plätzen und Gebäuden, reizenden Landschaften und
Wohnhäusern des beliebten Harzer Kurortes. Der von Jahr zu
Jahr sich erheblich steigernde Fremdenverkehr (rgii: 32376 Gäste)
bezeugt das grosse Interesse, welches den Sehenswürdigkeiten
und der herrlichen Lage dieser schlossgekrönten Stadt von
In- und Ausländern entgegengebracht wird. - Das schmucke
Büchlein dürfte allen, die sich einen Dauerwohnsitz wählen
können, ein willkommener Ratgeber sein. Welch reger Zuspruch
in Wernigerode zu verzeichnen ist, ergibt die Zahl der Neu¬
bauten ; in den letzten zwei Jahren wurden 56 Häuser, darunter
31 Villen erbaut.
Kleiner Wegweiser durch das Schwabenland.
Ein Büchlein zum Lust- und Plänemachen nennt sich im Unter¬
titel dieser mit prächtigen Farbenphotographien ausgestattete
Wegweiser. Er wird unentgeltlich abgegeben und zugesandt
durch die Amtliche Auskunftstelle der Königl. Württembeigischen
Staatsbahnen im Internationalen öffentlichen Vei kehrsbureau in
Berlin W. 8, Unter den Linden 14, wo auch das reich illustrierte
Werkchen „Das Schwabenland in Wort und Bild“ za
40 Pfg. (durch die Post gegen 50 Pig.) eihältlich ist.
Wichtige Neuerscheinungen von Eisenbahn¬
karten. In dem geographischen Verlag von J. J. Arnd,
Leipzig, sind drei neue Eisenbahnkarten erschienen, die für
Handel, Industrie und Verkehr von ausserordentlicher Bedeutung
sind. Bearbeitet sind die Kaiten von C. Opitz, dem bekannten
Herausgeber des Koch-Opitzschen Verkehrsatlas von Europa.
Es liegen fertig vor: Kontor-Eisenbahn-Wandkarte des deutschen
Reiches, Massstab i : 800.00. Preis aut Leinwand aufgezogen
Made in Germany. Unter dem Titel „Das Englische
Eisenbahnwesen“ ist Ende vorigen Jahres ein Werk er¬
schienen von dem inzwischen allzufrüh verstorbenen Reg^erungs-
und Baurat J. Fr ahm, der vorher zwei Jahre technischer
Botschafts-Attache bei der Deutschen Botschaft in London war.
(Verlag Julius Springer, Berlin.) Die angesehene englische
Fachzeitschrift „The Railway Gazette“ Nr. 3 vom ig. Januar igxa
widmet diesem Werke eine ausserordentlich günstige Kritik
und schreibt am Schlüsse derselben: „In der Vorrede wird
bemerkt, dass die Veröffentlichung dieses Werkes hauptsächlich
der Unterstützung des preussischen Ministers der öffentlichen
Arbeiten zu verdanken ist. Und gewiss ist Platz für ein solches
Werk vorhanden, das alle Bücher, die jemals ein Engländer
über fremde Eisenbahnen geschrieben hat, weil übertrifft. In
der Tat, es ist keine Uebertreibung, wenn wir sagen, dass eine
so vollständige Darstellung der Verwaltung, des Betriebes und
der Praxis der englischen Eisenbahnen bisher niemals weder
von einem Engländer, noch von dem Angehörigen eines anderen
Landes geschrieben worden ist. Es lassen sich mehr als eine
Nutzanwendung daraus ziehen, dass, wenn wir eine klare und
knappe Darstellung des englischen Eisenbahnwesens haben
wollen, wir zurückgreifen müssen auf eine Darstellung
,made in Germany*.“
Schluss des redaktionellen Teiles.
Soliriftleitor und verantwortlich fUr den allgem. Teil: Josef Schuoiaeher
in Diisseldurf; für den wirtHchaftiichen und amtlichen Teil der Bundea-
nachrichten: Dr Seyfert, Geschäftsführer des Bundes Deutscher Verkehra-
vereine in Leipzig; für den Anzeigenteil: Bruno Korb in Düsseldorf.
Druck und Verlag der Düsseldorfer Verlagsanstalt A.-G. in Düsseldorf.
Nenbenb fc^önen Seillt, luetge^ fammetroet(f)e ^aut, ein
jorte«, reine« üüefil^t unb toftge«, iugenbfrifc^e«
. erhält man bei tögti^en l^ebrauc^ ber adein eilten
Stecketpferil • CilieHffli icb • Sei f e
ä<St. 50 ^fg. Über. jut)aben
IO Mk., unaufgezogen mit Stäben 5.50 Mk. Konlor-Eisenbahn-
wandkarte von Ocsterreich-Ungarn, Massstab i : 900.000. Preis
auf Leinwand aufgezogen 13.50 Mk., unaufgezogen 8 Mk. Kontor-
Eisenbahnkarle von Russland, Massstab i : 2.500.000. Pieis auf¬
gezogen 20 Mk. Die Karten sind in sieben Farben gedruckt
und enthalten sämtliche Bahnlinien, auch die im Bau befind¬
lichen; ferner alle Eisenbahnstationen, Damptschittstationen an
Flüssen und Seen usw.
NOm Bund Deutscher Verkehrs-Vereine i«*. V.* \\ inl
ein auf dem Gebiete des Fremden-Verkehrs
- erfahrener Herr
(erste Kraft) zur Einriclitung uml zum Aii.-.lniu «l*'s
Auskinirt<sti‘li<'n\vi\«^«‘iis im Ausland«* sowi«* zu sonstig«*!’
organisatorischer Tätigkeit ))«‘s«>n«l«*rs im Ani.w*ndi«‘nst
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Heniliignng sind ii(‘dingiing. (»«‘nillig«* (>rri*r(«‘n mit (Jt'lnillH-
xnsprücli»*!!, Angal)«*!! üImt liisliorig«* T;!tigk«*il und Zongnis-
ahsclirilt«*!! an di«i (l«*s(*liärt<>t«‘ll«‘ 'I.,«*ipzig, iIan«i(*l.'^liol''
«*rl)ot(Mi. INTfiönli«*!!«* N’orstcllimg znnä«*lihl niriit nötig.
in Lag«* Kiviaclioii Cobleiiz und soii«l«‘s.
vorn«*linu'R Hans mit grossen, lnltig«.*n l{änm«*ii, T<‘rra.'>'S«‘. \ «*ran«la.
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gflrt«»n, (Lmiiüs«.*- nn«l ()l)stg;lrt«‘n, grossem (iUrtn«*rlians nn«i Tr«*il)
liaus, Stallung, Autngarage, nnt«*r s«‘lir giiiistig«‘n H(‘«lingnng(‘n
KU vd*kttuf*eii. Oriert«*!! imt«*r 7:11 «lureli «ien V«*rlag «lieser
Zoit.sclirift crbetüii. ln d«*n n;lc.liRt«‘n .laiir<*n ist G«Iegenli«*it
zur Paehtung p«*lir gnt«*r Hirsch- uml Kelijag«!.
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„U«‘klain«‘ für F r «* m «1 o n v c r k e h r s-11 0 1 r i 0 b e“
liei, auf «len wir lK*son«l«‘rH hinweis«‘n.
o
DEimCIIlMD
(GERNAny)
Organ of tbe German Intercommunication-Interests ^ Official Journal of the
Union of German Societles for the Promotion of Internationol intercourse
Monument of Emperor William 11 on the Hohenzollern-Bridge in Cologne.
(By Prof. Tuaillon, Berlin. — Phot. A. Lang, Düsseldorf.)
American Travellers’ Edition 1911.
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All information gratis in the tourist-office on board from special officials. ;;
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North German Lloyd
Bremen.
American Travellers’ Edition.
This number of the periodical "Deutsch¬
land“ is intended to afford the inhabitants
of America a distinct picture of the natural
beauties and the art treasures of our German
fatherland. We trust that by its means a
new incentive to a visit to our lovely home
will be offered and that this American Number
will also contribute to a greater intimacy in
the political and economical relations between
the two great nations.
The Editor.
Düsseldorf, March 1911.
Information as to German traffic and German towns
is given by the various societies for promoting international
intercourse (Verkehrs-Vereine) and at the office of the periodical
"Deutschland“, Düsseldorf.
Emperor William II and his first grandchild.
(PhoL by Seile & Kuntze Id Potsdam for the Verein für Wohlfahrlsmarkeu E.V.,
Copyright by the Neue Photogr. Gesellschaft. Steglitz)
DEUTSCHIAND
Organ of the German Intercommunication-Interests
Official Journal of the Union of German Societies for the Promotion
of International Intercourse
Founded with the co-operation of the International Society of Hotel-Proprietors, Cologne
Official Organ of the Rhenish Society for the Promotion of International Intercourse,
as well as of the Saxon, Bergish and Westphalian Intercommunication Unions
Düsseldorf American Travellers’ Edition 1911
Germany and America.
By Dr. R. W. Drechsler, Amerika-Institut, Berlin.
What's in a name? But there must needs be a tremen-
dous symbolical force in the fact that the New World
received its name, that famous fascinating name which
has sounded like a Jubilant flourish of trumpets, like a
mighty stirring bell through the minds of the peoples
of the earth, at the humble hands of a mediaeval German
Scholar. The German cosmographer Martin Waldsee¬
müller, a native of Freiburg, in bis "Cosmographiae
Introductio", published in 1507, baptized the newly
discovered continent with the following solemn formula:
"But now that those parts have been more widely explor-
ed and another fourth part has been discovered by
Americus Vesputius (as will appear in what follows),
I do not see why any one may justly forbid it to be
named after Americus, its discoverer, a man of saga-
cious mind, Amerige, that is the land of Americus, or
America, since both Europe and Asia derived their
names from women." The connection thus established
has never since been severed, but has grown more
intimate in every age.
What a far-reaching, intense development from the
days of the ancient geographer, brooding over the charts
and maps of the young continent, enlightening his
countrymen and the scholars about what little there
was to be known, down to the present-day traveler and
tourist with his exhaustive guide-books and exact plans!
What a still greater gulf is fixed between Tyrker, the
first German visitor to set foot on American shores,
v/ho landed with Leif Ericson's Icelandic expedition to
Vineland about 1000 A. D., and his up-to-date descen-
dant who, with a throbbing heart, greets the fantastic
sky-line of mysterious New York from the deck of a
Hamburg or Bremen linerl A thousand different forces
have been incessantly at work to effect such miracles
of reciprocal relations, the momentous results of which
are now and then concentrated as in a focus in publi-
cations such as the present number of an organ for
the Promotion of international intercourse, or in far-
echoing speeches on important occasions of international
significance. The greatest event of this kind in the
recent history of German-American relations has un-
doubtedly been the ceremony of unveiling the glorious
monument erected by the United States Government
to the memory of Baron Friedrich Wilhelm Freiherr
von Steuben in Washington in December 1910. The
Speeches of President Taft, of the German Ambassador
and of Senator Bartholdt constituted a land-mark in the
relations of the two countries. They one and all reflected
the spirit of the fine epitaph on Steuben's memorial
tablet in the German-Lutheran Church on Nassau Street,
New York: "Esteemed, respected and supported by
Washington, He gave military skill and discipline To
the Citizen Soldiers, who, Fulfilling the decree of Heaven,
Achieved the Independence of the United States."
By some stränge workings of fate the lessons which
the great drill-master taught the militia-men of the
Revolutionary war were partly perpetuated in the
experience of another German officer for the benefit
of his native country. When Gneisenau, as a young
lieutenant in the ranks of the army of Ansbach-Bay¬
reuth, came to America in 1782, he must have derived
many a Suggestion as to the newly developed tactics
and strategy of the American army, so successfully
established by Steuben. Though he only stayed a year
in the States and never took an active share in any of
the encounters, Gneisenau certainly brought home ideas
and practical hints for the task that awaited him in the
reorganization of the Prussian army for the Wars of
Liberation. Thus Frederick the Greafs war-craft, modified
and perfected by passing through the American medium,
after having served its noble purpose in assisting the
young republic, returned from the Atlantic shores to
break the Napoleonic spell — what a mighly current
of reciprocity 1
This great process of exchange in every conceiv-
able department of human activity and existence was
of course initiated on the German side, and it was very
much later that the Americans as such responded. For
those promenading on deck of a swift seven-days boat
öf the North German Lloyd or the Hamburg-American
Line, it may be not without interest to remember that
the first vessel to bring the first complete shipload of
Germans to Pennsylvania left Gravesend July 24^^, 1683,
and arrived in Philadelphia October 6*\ 1683. This
date marked the beginning of that marvelous history of
Immigration which has kept both shores in closesl
2 DEUTSCHLAND
igil
relationship ever since. And these earliest settlers in
Germantown or "Armentown", as it was called with a
touch of sarcastic humour, came from the very regions
of Germany which the modern American visitor is most
bent on seeing during his trip to the fatherland: they
were mostly weavers and winegrowers from the Rhine,
Crefeld, the queen of silk industries, supplying the
majority of these pathfinders, "whose hardships and
trials were great, only equalled by their Christian
endurance and indefatigable industry." When the Ame¬
rican tourist goes up the Rhine, enjoying the finest
display of Germany's
romance in vineclad
hills and craggy castles
with all the eagerness
and briskness of his
receptive and ever in-
quisitive mind, in pas-
sing Bacharach, Mann¬
heim, immortal Heidel¬
berg, he is all the time
viewinga vicinity from
which his country in
early times drew fresh
supplies of human ma¬
terial. Territories like
the Palatinate which
he cannot traverse
without a feeling ot
kinship and congenial
relations, sent thou-
sands of their "gar-
deners, butchers, ma-
sons, sugar bakers,
bread bakers, shoe-
makers, silversmiths,
leatherdressers,tobac-
conists, pastry cooks,
and some a little ac-
quainted with waiting
on families as well as
farming and tending
horses" to New York
state at the beginning
of the eighteenth Cen¬
tury. New Jersey and
Maryland, Virginia, the
Carolinas,Georgia and
New England all re
ceived their share of the German immigration up to
the memorable times of the Revolution, and each of
these profited amply by the sterling qualities of these
settlers from German provinces. The German colonists
embraced the cause of liberation with all the patriotic
fervor and steadiness of their souls. Peter Mühlenberg
and Christopher Ludwig, Steuben, John Kalb und George
Herkimer cemented the bonds with their blood and their
brains. The German share in the great Westward Hol
movement was no less. Accustomed to the hardships
of pioneering and animated by an invincible desire for
a permanent home, that deep-rooted instinct in the
German heart, they pressed patiently and irresistibly
along the frontier-line: by way of Kentucky and Tennessee,
and later on through the Ohio Valley, the German
hunters and missionaries, workmen and traders, side by
side in peaceful rivalry with the settlers of British and
other origins, penetrated into the Indian territories.
Theodore Roosevelt has vividly narrated the stirring
alarums and adventures of the great "Winning of the
West," and has not left unnoticed the role the German
colonists played in this drama. Perhaps it is not loo
fanciful to suggest that from these associations of
their kin with the days of the backwoodsmen the Ger¬
man youth has derived
some of his predilec-
tions for the Cooper
lype of Stories; and
Professor C. Alphonso
Smith, this yeaKs
Roosevelt Exchange
Professor in the Uni-
versity of Berlin, in
his stimulating inau-
gural address, Struck
the right note when
he remarked that "it
would be wellnigh im-
possible for the Ame-
ricans to think of hosti-
lities with a nation
that is so familiär with
the" Leatherstocking
Tales." This familiar-
ity, then, is not merely
literary, but of much
deeper root: it is one
of active participation
by the German race in
the conquest of the
terra incognita of the
great North American
continent. Far from
ebbing away after
these first waves of
inundation, the stream
of German settlers
grew steadily in the
nineteenth Century,
when Wisconsin and
Minnesota, Texas,
Kansas, Nebraska and
California were opened up, and the strongest ties of
German-American relationship were knit. Charles Seals-
field (Karl Postl), the first great German writer on Ame¬
rican soil, has dealt with the vicissitudes and episodes of
this period in some of his strangely interesting novels.
But the greatest novel of all was written by American
history itself in that second great war that fused North
and South and all the disparate elements into the glorious
Union, which at about the same time was the ideal of the
German people at home, there to be realized only a few
years after the dose of the War of the Secession: again an
almost symbolical evidence of the predestined intimacy
of relations between America and the fatherland.
Prince Henry of Prussia (Phot. E. ßieber Berlin.)
3
1911 iä^0099009^^0^^8^^^a DEUTSCHLAND
When two countries can claim a man like Carl
Schurz, statesman and general, author and orator, as
belonging to both of them and representing their best
qualities and national traits, nothing but sympathy and
the gentle spirit of understanding can reign betweenthem.
The ideal biending of such a national dualism into one
supreme unit has never been better realized than in
this greatest German-American, who was so good an
American because he was so good a German. When
he came to his new permanent home in 1852, it
required a sail of twenty-eight days: yet he was filled
with that bright and buoyant determination "to look
at everything from the brightest side, and not to permit
myself to be discouraged by any disappointment/" a
Sentiment which ought
to be the principle and
golden rule of all travelers
and visitors in foreign
countries. Except Schurz,
no one has expressed this
truly American state ol
mind better than the great
American poet traveler,
past master in the art
of sentimental journeys,
Washington Irving, in the
preface to his immortal
book of Spanish travels,
the "Alhambra"; "above
all we laid in an ample
Store of good humour,
and a genuine disposition
to be pleased . . . taking
things as we found them,
rough or smooth." Every
traveler, in his great o;
small way, is a repre-
sentative of the country
from which he comes:
good will to learn to com-
prehend his host's nature
and character, even his
very preferences and idio-
cyncrasies, his way of
doing things and leading
his life, a cheerful rea-
diness to make the best
of the opportunities, are
the best credentials. But
apart from the continual exchange of private individual
travelers who are moving like a living chain in incessant
rotation between the two countries on this and the other
side of the "great pond", Germany and America have
also been most fortunate in the choice of their official
representatives. Hardly any other foreign power has
delegated to us such men of exceptional qualities, excel-
ling equally in character and broad culture, business
capacity and scholarship. Men like George Bancroft,
Bayard Taylor, Andrew D. White, and last but not least,
most esteemed because still among us, David J. Hill,
could not but impress the German people most highly
with the genius of the great nation from which they
come. And it has been another proof of that fine
equilibrium of exchange established between America
and Germany that the German envoys of the type of
von Holleben, von Sternburg and Graf Bernstorff have
been no less distinguished delegates.
Fortunately enough there has never been a lack
of corresponding agencies and means to assist the diplo-
matic relations and strengthen the German-American
ties. Of paramount importance in this respect has been
the tremendous development of ocean-travel during the
last decades, as most instructively demonstrated in the
interesting history of the two great German lines, the
Hamburg-American Line and the North German Lloyd.
The statistics of these gigantic enterprises, as given in
the official publications in
celebration of their fiftieth
anniversaries, show better
than any lengthy State¬
ments and treaties the
vitality and growth of the
relations between Ger¬
many and the United
States in all branches of
international intercourse.
Here may be feit the very
pulse of these evolutions,
throbbing in mighty
rhythms of engine and
Propeller, here is laid
bare the working of the
shuttle that helps to weave
the bonds of brother-
hood. Bewildering figures
of tonnage and displace-
ment, of knots and horse-
powers, names of lines
and ports, of boats and
docks form an aggregate
sum - total to produce
adequate impressions of
the bigness and scope of
these two proud German
Companies which have
spanned the globe, but
still above all serve
the German - American
entente.
Today the German
ocean - greyhounds with
their wellknown buff and black, and ochre funnels race
across the Atlantic, and American traveling in Germany
has increased and has inspired many a good observation
and acute interpretation of the German national and
individual traits. Among recent books are R. M. Berry's
"Germany of the Germans" dealing with our country
from the view-point of objective description, Ray
Stannard Baker's "Seen in Germany" which offers
shrewd sketches of some striking technical and social
aspects of life in the fatherland, and H. Schauffler's
charming "Romantic Germany" which dwells lovingly
on the romance of picturesque Germany. All of these
and many others are so many links in the chain of
von Bethmann Hollweg, Imperial Chancellor of Germany and
Prussian Premier (Phot. E. Bieber, Berlin.)
4 DEUTSCHLAND me&^s^^&eseB^^&eee^^s^M tqh
reciprocity. Germany has become accustomed to reckon
with American travelers who deal out the salutary lessons
of "As Otheri See us" which German critics have so
abundantly offered to the United States, and even if an
American critic of Germany of the rank of de Tocque-
ville has not yet appeared, many promising preliminary
efforts have been made in that direction of under-
standing by study and travel.
The merchant fleet of the two great Hamburg and
Bremen establishments handles the greater part of the
commercial and trade relations, which have assumed
undreamt of proportions.
With a value of imports
into the United States
for the year ending June
30, IQOQ ot 143525828
dollais, and of exports
from the United States
ot 235 324140 dollars,
Germany is only excelled
by Great Britain as a
seller and buyer of mer-
chandise in America. The
establishment of "The
American Association of
Commerce and Trade" in
the German metropolis
bears striking witness to
these extensive commer¬
cial Connections. At the
recent annual dinner
of the Association, the
director of the "Deutsche
Bank" feit justified in
making the Statement that
German dealings in Ame¬
rican Securities had now
reached a volume equal
to the German-American
trade movement. The
intense consular activity
in the various cities and
towns is another ample
proof of the vital ties
between the countries. —
The epithel "American",
in general and in particular, has become synonymous
in modern German business practice with concise
efficiency and successful methods. American inven-
tiveness and American pluck have fertilized German
industry and business, and partly repaid their indeb-
tedness to German impulses and achievements in the
pioneering days. Germany, first of all, has been most
eager and ready to accept American achievements and
learn from them. Among all other nations, Germany
would be most willing to acknowledge the five great
coniributions which America has made to civilization,
according to Charles W. Eliot, the retired Harvard
President: "the advance made in the United States, not
in theory only, but in practice, toward the abandonment
of war as the means of settling disputes between nations;
the great principle of religious toleration; the safe deve¬
lopment of a manhood suffrage really universal; the
demonstration that people belonging to a great variety
of races or nations are, under favorable circumstances,
fit for political freedom; and finally, the diffusion of
material well-being among the population." Nor has
the fatherland been slow to learn the golden lesson of
"Richesse oblige" that has so effectively been taught
by great American benefactors whose names in Ger¬
many have become proverbial watchwords for public-
spirited munificence. The "Gospel of Wealth" which
they have preached has stimulated the German men
of wealth also, who are
now responding to the
call of this higher civic
virtue and duty. And it
is not without deepest
significance that the Prin¬
cipal American repräsen¬
tative of this broad-mind-
ed public generosity has
very recently, by placing
1 250 000 dollars at the
disposal of the German
Emperor for the endow-
ment of a "Carnegie Foun¬
dation for Life-saver in
Germany", madethe latest
great contribution towards
strengthening the Ger¬
man-American policy of
good understanding, a
contribution that opens
wide vistas of interna¬
tional possibilities. In his
introductory letter to the
German translation of
his stimulating manifesto
"The Gospel of Wealth",
Andrew Carnegie wrote
on September 24^^, 1904,
what might be proclaimed
as the perpetual bright
motto of the friendly rela-
tions between Germany
and America:
"We should never for-
get how your Emperor (stirring ruler) recalled,
upon a memorable occasion, that our English
speaking race, (British and American) are like the
German, Ti'utonic: let us therefore stand together."
In this ideal union Germany could assume the part
which America in another respect has played so long
in the eyes and thoughts of Europe. Germany too has
all the qualifications to appeal to the American mind as
a "country of unlimited possibilities" with her unique
national characteristics and solid cultural values. She
is not only the land of the present, but the land of the
future for all Americans who are desirous of broadening
and deepening the great soul of their country. There
can never be a Stagnation in this soul as long as
Germa^iy does not cease to be the Mecca of American
pilgrimage.
1911 6^^8^8 QQ 8e 9Q0(^QQQQQQ«3 ai DEUTSCHLAND i B eooooooooocooG^88ee8eeee8gi 5
The Amerika4nstitut in Berlin
Harvard Exchange Professor at the University of Berlin: Director of the Amerika-Institut.
By Hugo Münsterberg,
The beautiful quarters of the new Amerika-Institut
were ofticially opened at the beginning of this year.
As this announcement is made here in a magazine devoted
to the Americans who are to cross the ocean, it had better
be protected from the Start against misunderstanding.
It is not meant as a more or less cordial invitation to
visit the Institut as a new
sight in the gay German
Capital, or to consider
its halls as headquarters
where fellow-countrymen
may be met, or perhaps
as an Information bureau
where timetables and
hotel guides are waiting
for the visiting Ameri¬
cans. The Institut has no
such aims and the sight-
seers would only disturb
the busy life of the
working staff in the six
rooms of the Institut.
Most of my readers
may then jump to the
conclusion that the Ame¬
rika-Institut is probably a
teaching Institution like
the American Colleges
in the Orient, or perhaps
a home for American
students, or something
similar. Indeed it is
nothing of that kind, no¬
thing which can simply
be classified under the
routine schemesof public
institutions. The Ame¬
rika-Institut in Berlin is
the realization of an en-
tirely new plan; in the
history of civilization it
is the first undertaking
of its kind. But we hope
sincerely that it will be only the first of a long line of
successors. The aim of the Institut is exclusively to
further and strengthen the cultural relations between
Germany and the United States, and thus to provide in
the non-commercial and non-political field that Order and
Organization of international interests which politics and
commerce have enjoyed at all times.
In the cultural regions everything has so far been left
to haphazard influences and the result has accordingly
been chaotic. There has certainly been no lack of efforts
on German soil to become acquainted with American
life and to further the social relations for which ten
million German-Americans have been the natural media-
tors. And still less has there been lack of American
efforts to study German methods and to become familiär
with German ideas. Thousands of students have brought
the spirit of German universities over the ocean, and
hundreds of thousands of travelers have become acquaint¬
ed with the fatherland. Yet ultimately the two great,
most progressive nations know little of each other, and
are by far too little aware how much they can learn from
each other and how much
more each could enjoy
what the other offers.
Take a chance Illustra¬
tion I The most super¬
ficial survey of the trans-
lations of literature shows
that many of the best
German books have never
been translated into Eng-
lish, while an abundance
of unworthy volumes
have reappeared in Eng-
lish costume. Corres-
pondingly the Germans
have been made acquaint¬
ed with many insigni-
ficant parts of the Amer¬
ican literature, while
many of the finest Amer¬
ican books have never
been translated into Ger¬
man. To stick to this
trivial illustration,it is one
of the thoi sand functions
of the Amerika-Institut to
take care that this dis-
order cease and that the
most worthy and most
characteristic books of
either literature make
theirreappearance on the
other side of the ocean.
This does not mean that
the Staff of the Institut
itself will translate the
Works and publish them
on its own account. The Institut will only, with the help
of committees of specialists, select the most fit books
and will negotiate with publishers, translators and authors
to stimulate them to publication. And this stimulating
and helping activity is typical of the whole Programme
of the Amerika-Institut. It is to regulate and to organize,
to strengthen the useful and to suppress the harmful;
in short to perform administrative work.
The field to which the administrative work is devoted
is practically unlimited. The whole life of education and
scholarship, of art and literature, of theatre and music,
of research and technique, of law and social welfare,
of public opinion and international undertakings, belongs
to it. The mere fact that uncounted students cross the
ocean with a vague desire for instruction in Germany
Count von Bernstorff, German Ambassador in Washington
(Phot. Harris & Ewing, Washington)
6 IB 9Q6QQ»3Q^3eOQQ3QOOQ(X>QOQQQ g| DEUTSCHLAND
1911
vz-i
is not enough to secure the best results. Our Institut
has Started to make Statistical inquiries and to gather
material as to the personal satisfaction and dissatisfaction
ol every American Student inGermany in Order to improve
the opportunities: and above all it is ready to provide
everyone with scholarly advice and to give to every
visiting American scholar the helpful contact with libra-
ries and museums, laboratories and archives, universities
and schools, municipal and governmental institutions.
Of course the same aid is offered to the Germans who
visit America with any interest in research and study.
The Amerika-Institut now handles on the German side
the entire exchange of printed matter between Germany
and the United States in
the same way as the
Smithsonian Institute in
Washington does on the
other side. An average of
twelve hundred packages
of books every week
passes through this chan-
nel without expense for
the Sender or the receiver.
In the meantime the In¬
stitut Library on Ame¬
rican topics is growing
rapidly. So far its special
strength lies in economic
and political, social and
educational aspects. We
are to add an extensive
historical and legal lib-
rary. Every day brings
its new tasks, and the
Staff of ten persons is
hard at work in Order to
live up to the abundant
opportunities.
The particular strength
of the new Institut lies in
the fact that it cannot
have any possible rival;
it cannot be a rival to any
present or future Organi¬
zation. The hundreds of
existing agencies which
further the relations be¬
tween the two countries
are not only welcome
aids to our work, hut
to stimulate and to strengthen them is our chief aim
and purpose. Just as a chamber of commerce can
never be conceived as a rival of a particular business
firm, the Amerika-Institut can never be in any conflict
with those numberless societies and associations,
bureaus and agencies, private and public enterprises
which aim to strengthen the ties between the two
lands. Our hope is that more and more of such
establishments will arise, with or without our direct help.
We are to throw out the seed, and are glad if others
will gather the fruit. The more German information
bureaus and libraries and Germanistic museums and
D. J. Hill, Americun Ambassador in Berlin
(Phot. Harris & Ewing, Washington)
Germanistic houses are built in America through societies
or universities, through Harvard or Columbia or other
repräsentative institutions, and the more American socie¬
ties and clubs and libraries and information bureaus are
established in Germany, the better we shall be satisfied.
No one can possibly be a competitor to our Government¬
al Institut which is only to organize and systematically
to further these thousandfold efforts. Our hope is that
finally the American Government too will create such
an organizing Institution which will stand above all those
particular Creations of the special universities and socie¬
ties and so on. Yes: we trust that the future will see
the day when such organizing infiuences will have been
built up in every country,
not for the intercourse
of two nations only, but
for the cultural relations
of the country to all
foreign lands. A whole
network of international
cultural Institutes would
then give to the non-
political and non-com-
mercial life of the world
the same organized cor-
relation which diplomacy
gives to politics.
In other words we
want a protective policy
in the cultural field, but
not in contrast to free-
dom, in contrast only to
chaos and accident. In the
world of commerce free
trade linds its regulation
through the personal
interests which secure
progress and initiative.
In the world of culture,.
the absence of protec¬
tion means handing over
the most momentous
decisions to the lower
instincts, to laziness, to
prejudice, in short to
everything which work^
against real progress.
Moreover in the world of
commerce a protective
policy may have its
disadvantages together with its advantages. It canno^
strengthen one dass without somewhat weakening an-
other; it cannot protect one nation without interfering
with the interests of another. But in the world of
culture, the gain of one is the gain of the other. New
Works of Science or art, of social welfare or technique,
new methods of education or Instruction, new in-
stitutes and museums and libraries, new books and
congresses and expeditions serve the cause of humanity
without interfering with anybody's interest. Protection
of cultural interests is by its very nature international.
It fills nobody's pocket, but it enriches the cultural storo-
1911 B»Q0QQQcgiQCKX300Q0QQ000000qD DEUTSCHLAND ■ oceoeeo 0 e 00 oo 0 eeooc) 0 coeeoct« 7
houses of mankind and creates a mutual Interest and
mutual sympathy which is of incalculable ideal value.
Can there be any doubt that this mutual sympathy
and Interest is at the same time the most favorable
condition for the settling of all political and commercial
difficulties? There cannot be any conflict which would
not yield to good will, as soon as the mutual feelings
are those of sympathy and friendship. The work of
the Amerika-Institut, which aims systematically to further
the cultural relations between America and Germany is
therefore finally an indirect effort for undisturbed poli¬
tical and commercial exchange. It is a work of peace the
influence of which will be feit more strongly from year
to year, but which is already a most significant and most
promising pledge of the cordial feelings which the father-
land extends to the great sister nation beyond the sea.
The United States and Germany.
By Hermann Ridder, New York.
Any move which tends to stimulate international
intercourse is conducive to universal welfare. For upon
the shaping of the relations
obtaining between the civi-
lized nations of the earth
depend its future destinies,
and these relations are sel-
dom strained, but, almost
unexceptionally, improved
by mutual acquaintance. Let
the people — mind you, the
real people, and not the
fortuitous exponents of their
dispositions or customs or
policies — the people of
two nations, like the United
States and Germany, once
grow to know and understand
one another thoroughly, and
they will be apt to rule the
world. Not as allied con-
querors by the strength of
arms, but as joint leaders
in the material and intellec-
tual development of the
human race. There would
then be no need of a formal
alliance secured by Conven¬
tion or treaty, for as soon
as either nation becomes
convinced that there is no
elementary antagonism of
interests, and that, on the
contrary, their interests are
reciprocal, a co-Operation
along the whole line of
human development will be
the perfectly natural result. This is, in the case of Ger¬
many and the United States, no idle vision of a desirable
future Status. For there exists between the American
and German peoples a closer community of interests,
a truer identity of national endeavor and a nearer
relationship of national consciousness than may be
obvious to the casual observer.
When more than fifty per cent of the population
of the United States have German blood in them —
a fact established by the Federal Census returns —
the German influence upon the forming of the character of
the American nation cannot
be ignored. True, the Ger¬
man vein current within the
national American body is
less pretentious than those
inoculated by the Puritan or
the Scot or the Celt, but
when we analyze the product
of the mixture and weigh its
component values we find
some of its best qualities
traceable to German origin :
thoroughness, endurance,
reliability in the pursuit of
live tasks; aspiration for
ideals, artistic sentiment and
the zest for mind-culture.
Many of the great in-
ventions which have in the
last Century revolutionized
the world, have been rooted
in German inventive spirit,
while American pluck and
enterprise have perfected
them. On the other hand,
Americans engaged in gigan-
tic financial, commercial or
industrial operations are
wont to look to Germany
for methods to give them
economic strength.
The interdependence of
the two nations is well under-
stood and appreciated by all
thoughtful and instructed
men. With so much in common in the past and so many
ties in the present, an earnest collaboration in the
work of civilization, education and training, to quote
the words of a prominent American: "Germany and
America may well move forward in harmony, each main-
taining all its independence of method and thought and
action, yet both gaining strength from a better under-
standing and mutual self-help by which each may
Supplement the needs of the other."
8
DEUTSCHLAND iQii
Germany for the American Tourist.
By Ernst von Hesse-Warteg'g.
Many Americans who probably get an opportunity
of visiting Europe but once in their lives, may be
quite right in taking in as mach as possible of the old
World. They are "doing Europe on the American plan"
as the expression goes, devoting as much time to the
entire Continent, as a visit to Paris, London or Berlin
alone would require. But they get a kaleidoscopic
smatter of it all, which to
them is far more inter-
esting and satisfactory,
than the more intimate
acquaintance with one
country alone.
Thereare many thou-
sands of others who cross
and recross the Atlantic
year after year in Order
to spend a few months in
England or France, never
thinking of going further
east than Paris, or further
South than the Riviera.
They would do well in
extending their travels
across the German fron-
tier. English is now
spoken and understood
in the fatherland to a
much greater extent than
in France, and the traveler
will nowhere encounter
any difficulty on account
of the language. Amer¬
icans are decidedly
populär in Germany and
many thousands of them
have found their tempo-
rary or even permanent
home in Berlin, Dresden,
Leipsic, Munich, Düssel¬
dorf, Cologne, Stuttgart
and other cities. There
are American clubs,
American churches, consular offices, agencies of all
sorts to bring American tourists in relation with their
compatriots, and in nearly every city a Verkehrs-
Verein (Tourists Office) will assist the stranger upon
application free of Charge, reply to any communication,
Forward descriptive pamphlets, attend to his mail and
make out his route of travel. Travelling in Germany has
indeed been made easy, and the stranger does not
travel, he "is being travelled'^ if he cares to. All he
has to do is to say where and how he wishes to go
and what he wishes to see. To quote a single instance:
Last year's passion-plays at Oberammergau attracted
thousands of foreigners, not speaking a word of German;
yet they all found their way to the idyllic village in the
Bavarian Alps and back again without any difficulty
and without paying a penny more than anybody eise. The
much abused police regulations in Germany may appear
obnoxious at times, but they have established absolute
Order, safety and protection. Young ladies without the
knowledge of German may travel alone all over the
Empire without trouble, which cannot be said of other
countries. — Travelling in Germany is far less expensive
than elsewhere in Europe.
The first dass hotels offer
the same luxurious com¬
fort as any in England or
France and the rates are
correspondingly high. But
while American travelers,.
notably in the French
provinces are bound to
resort to them, hostelries
of lesser rank being quite
out of question, all the
German cities, almost
without exception offer to
tourists with more limited
means other hotels per-
fectly clean and com-
fortable and fumished
with all modern improve-
ments. The saving thus
effected is very con-
siderable, amounting to
a dollar or two per diem.
The German Empire
possesses the most exten¬
sive railway System of
Europe, and there is
hardly any town which
cannot be reached by
fast express trains, with
corresponding saving of
time and fatigue, as com-
pared to France andltaly.
Moreover the number
of trains per day is far
greater, enabling tourists
to undertake excursions, which in other countries on
account of lack of trains would probably necessitate
double the amount of time. Railway traffic is kept up
with astonishing punctuality, delays of even a few
minutes being exceptional. Connections with other
trains are rarely missed, the whole System working like
clockwork.
Railway rates in first, second and third dass are
about the same all over Europe. Yet a great saving can
be effected in Germany by taking second dass tickets.
In France or Italy travelling in any other way than
first dass is hardly possible. In Germany however
second dass carriages differ very little from first dass,
even sleeping cars possessing as good accommodation
for second dass passengers, and consequently first
Andrew Carneg-ie
IQll
DEUTSCHLAND ([j^^^8^^^^8 «)öe0 0e eeeoöö $ii 9
dass cars are very little patronised. People with limit¬
ed means even travel third dass without sacrificing
much comfort, for the introduction of fourth dass cars
on many lines have drawn off the working people and
peasants from the third. The saving accruing from
Iravelling in second
or third dass is
very considerable.
A family, going
for instance from
Hamburg to Ober¬
ammergau in this
manner, saves e-
nough to defray all
expenses for living
and attending the
passion-plays.
In France and
Italy, the countries
most patronised by
American tourists
on the Continent,
travelling is limit¬
ed to spring and
autumn. The heat
during the summer-
months is often
quite unbearable,
while the want of heating appliances during the cold
season makes travelling in winter very disagreeable.
Exception of course must be made of the Riviera and
southernmost Italy. Many hotels, museums, art collec-
tions, libraries etc. are consequently in many cities only
open in spring and
autumn. In Ger-
many on the con-
trary tourists' travel
is not limited to
any particular sea¬
son, a very impor¬
tant item with our
American cousins,
who cannot always
cross and recross
the ocean to suit
the seasons. Ger¬
man hotels except
in pronounced
Summer resorts,are
open all the yeai
round, museums,
castles, libraries are
well heated,and ex¬
press train Service
is kept up year in,
year out. Summer
heat is rarely so oppressive as to mar the pleasure of
excursions and out door life, while city lite and the
much developed snow und ice sports all over the
Empire offer many inducements during the winter. —
The advantages Germany offers to tourists in
general, and to Americans in particular are to a great
A Study in the Amerika-Institut
extent due to its natural, political and social conditions.
Travelers who have seen a great deal of our globe, con-
sider the country between the Danube, Elbe and Rhine
one of the most beautiful and fascinating of all. The
valleys of these powerful rivers and their tributaries
with their ancient,
of late rapidly deve-
loping cities and
their great steamer-
traffic, the green
slopes covered
with vineyards and
orchards,mediaeval
villages and mod¬
ern country seats
between them, the
well wooded hills
crowned with state-
ly Chateaus or
Stern castles, are
full of romantic
charm. — Between
these rivers rise the
mountain Systems
of the Black Forest,
Thuringia and the
Hartz, the Saxon
Erzgebirge and the
Fichtel, while along the Southern boundary of the
Empire the Bavarian Alps with their snow and ice
covered giants are of grandeur and wild beauty similar
to those of the neighbouring Tyrol or Switzerland and
these mountainous districts were opened up many
years ago. There
are scarcely more
beautiful or better
managed pine and
oak-forests to be
found anywhere,the
underbrush cleared
away, almost every
tree attended to
with care, wellkept
cariage roads and
shady foot paths
traversing them in
all directions. Ho-
and Sanato¬
riums have been
opened on almost
every beautiful spot
or mountain top,
probably with in-
clined railways lead
ing up. Many of
these mountain re-
sorts are well patronised summer and winter, and
indeed, one may be in doubt whether they are not far
more attractive during the cold season, with snow
hanging heavily on the trees, crowds of merrymakers
amusing themselves with bobsleighing, snowshoeing,
Curling and other sports, whilst further away the mystic
of the Amerika-Institut
10
DEUTSCHLAND iB e 00 0 G€ ^ ^eee80 0 e6 0 6 0 €) ee00 ^ iQii
stillness is broken by the reports of the hunter's gun
or the axe of the wood cutter.
All this picturesque country is within a few hours
from the capitals and no special expense or outfitting
is required. ""Roughing it'' as in mountains and forests
of the new world does not exist. There is no tent-life
as in the Adirondocks or Alleghanies — not to speak
of the ''Rockies'', which it takes several days of railway
travel to reach. The same glacier-parties and moun-
taineering, which necessitate there such extensive prepar-
ations, can be carried out in the Bavarian Alps so to
speak, over night. One night's travel brings the tourist
from the plains of Northern Germany to the foot of
the Alps.
Indeed, all the scenic marvels which the North-
American continent offers, spread out over its vast area
of about twenty million square kilometers and to
admire which takes many days of railway travel, is to
be found on a smaller scale in Germany within as
many hours. The whole Empire covers but the thirty-
fourth part of North America, something like the
territory of New York, Pennsylvania, New England and a
portion of Virginia. Montana by itself is larger than
the kingdom of Prussia, and the whole Empire together
with Switzerland can be easily put within the boundaries
of Texas! On the other hand the population of Germany
is about two thirds of that of the United States, and
its density is about a dozen times as great. In conse-
quence, the Empire contains a larger number of big cities
(with more than one hundred thousand inhabitants)
than any other country, besides hundreds of smaller
ones not of recent clate, like those of the far west for in-
stance, but many of them founded atthe time of the Romans
and for that all the more interesting, with many curiosities
of architecture, picturesque streets, fortification towers
and artistic treasures, accumulations of many centuries
— many hills are crowned with mediaeval castles,
some in perfect state of preservation. Every villagOf
every acre of ground has its history from the many
wars, in which ihe meetings of rivers were the princi-
pal battle fields. All these historic and consequently most
interesting points, landmarks of the history of the workh
are very dose to each other, and one may see in
one day s travel in the German Empire more curious
sights of this kind than in the new world in one week.
All this must be taken into consideration in making
one's plans for a trip to Europe and the corresponding
expense accounts. In short one gets in Germany a dozen
times the worth of one's money.
True; conditions in that respect are also very similar
in England, France or Italy. Yet there are several points
in favor of the fatherland. In the former countries ait
treasures, museums, operatic dramatic artistic institutions
of every kind, wealth and culture are mostly concen-
trated in their capitals. In Germany there are beside
the Capital a score of cities of similar character.
The former countries count among their provincial
cities some which in times more or less remote have
been capitals of kingdoms and principalities, living
still on their past glory, Germany can boast of
a score of cities, still capitals and residences of
kings and sovereign princes, with their palaces and
Courts, in a smaller degree just as much centres of
art, culture, Science and refinement as the capitals
of Empires. Such cannot be found anywhere eise
except in Germany. These reigning dynasties have
in no mean degree contributed to the high culture
for which the Empire is famous. They were the originators
of the accumulation of art treasures, of picture galleries,
museums, libraries, of universities, art schools, con-
servatories, theatres etc. which are to be found all
over the Empire. England's boast is London, Paris that
of France, but while next to the English Capital rank the
commercial and industrial cities Glasgow and Liverpool,
and next to the French Capital Marseilles and Lyons,
Germany can pride itself to possess next to Berlin
such world famous capitals as Munich and Dresden,
and a number of others quite as interesting in their
way instead of the monotonous provincial towns
of other countries. To name only a few: Stuttgart,
Karlsruhe, Darmstadt, Weimar, Brunswick, Dessau,
Schwerin etc. not to speak of such centres of refined
culture as Hanover, Cassel, Düsseldorf, Wiesbaden,
or the famous university towns Bonn, Göttingen, Heidel¬
berg, Jena, or the free cities Hamburg, Lübeck
and Bremen. The court life in the smaller capitals of
the Empire gives them a peculiar charm and refined
character not to be found in other towns of similar, or
even larger and wealthier population. The stately
palaces with their throne and audience chambers,
ball rooms and gorgeous banqueting halls, their crown
treasures, numerous uniformed attendants, court digni-
taries, body guards, the military parades and bands,
court balls and festivities, the sprinkling of diplomats
and aristocrats in social functions distinguish these
cities from the monotonous provincial towns, attract
the traveler and induce him to prolong his stay. Munich,
Dresden, Stuttgart, Weimar and other residential cities
are centres of much foreign life, with colonies of French
and English, Russians, Italians and Americans.
Another attraction peculiar to Germany is the
great number of watering places of quite international
character. The Empire is blessed with curative mineral
springs as no other country, with many thousands of
foreign visitors resorting to them from all parts of the
world every year. There are clusters of them in the
Black Forest, the Taunus and Hartz mountains, beneficial
for many ailments, and there are others scatteieJ over
the whole country. Most of them are so charmingly
situated amidst woods and hills, possess such excellent
hotels and offer so much social amusement and out-door
Sport that the number of summer tourists visiting them
in many instances is larger than that of the "Kurgäste"
taking the waters: Wiesbaden for instance had last year
over sixty thousand of the latter, but double the
number of ordinary visitors. Within an hour's railway
ride around Wiesbaden there are such places of inter¬
national repiite as Ems, Langenschwalbach, Schlangenbadi-
Soden, Nauheim and Homburg. Further south there
is pretty Kissingen, while the Black Forest boasts of
Baden-Baden, Badenweiler, Triberg, Wildbad and others.
A round trip through these regions offers far greater
scenic charms and points of interest than the tour through
the French Touraine for instance, so populär with
Berlin: Monument of Frederick the Great
12
DEUTSCHLAND m^^^e^^^^eeeee^eeeees) iQii
Americans. The automobile roads are in perfect
condition, passing through much wooded country, and
as to castles, three times the number of the Touraine
castles can be seen; — modern chateaus and pictures-
que mediaeval castles, residences of the mediatized
princely families of Germany; also ancient fortified
towns, like Rothenburg on the Tauber or Schlitz, of
much the same character as centuries ago.
There is no other country able to boast of such
artistic productions and festivals during the summer as
Germany. Rothenburg for instance offers at times the
most fascinating spectacle of life, manners and costumes
of the people as it was several hundred years ago;
tary spectacles will find none in the world as fascinating
as the annual manoeuvres of the Imperial army in which
several army corps with from fifty to one hundred thou-
sand men take part, under the eyes of the Emperor
himself accompanied by bis brilliant staff of generals
and foreign officers.
Throughout the four seasons one need not encounter
a dull day, wherever one may be. Even the mono-
tony of smaller provincial towns and industrial centres
is relieved by many attractions. Almost every city
has its park and public gardens with bands giving openair
concerts; every city has its museums, libraries, cafes
with many newspapers, series of subscription concerts.
Berlin: Castle and Emperor William-monumenl (Schloßfreiheit)
Worms, the City of the Nibelungen, has its festivals;
Munich and Baireuth arrange Wagner festivals; Munich
also Mozart festivals; beautiful Düsseldorf produces
every year Shakespeare and Goethe plays; Cologne
its festival-plays; Bonn its music-festivals and Rüdes-
heim this year for the first time its Rhine legend plays;
Oberammergau attracts immense crowds with its passion
plays and Schliersee with its peasant plays. Both
these latter idyllic places are situated in the Bava¬
rian Alps, and once there, no traveler fails to make
the round through the famous fairy castles of King
Ludwig, quite unique in their gorgeousness. When
the Summer draws to its end, those interested in mili-
clubs or Casinos, and above all the town theatre,
where opera, operetta and plays are given. In the cities
of the Rhine province, notably at Cologne and Düssel¬
dorf, the Winter is moreover enlivened by the Camival,
celebrated with much of its old gaiety by all classes
of the Population; there are numerous Carneval concerts
and social amusements, masque balls costume balls
and openair festivities, most interesting to witness.
All this can be taken in with the greatest of ease
and comfort and comparatively little expense. Hence
tourists are coming to Germany in ever increasing
numbers; and it is satisfactory to notice that among them
Americans are already largely represented.
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1911
DEUTSCHLAND i5
Berlin ofTo-day.
By Arthur Rehbein.
The prodigious development experienced by Germany
since its unification into an empire is best reflected in the
outward and in ward development of the imperial Capital —
Berlin. The soaring impetus of the whole nation, prepared
and commenced under Kaiser Wilhelm 1 by unheard of
victories and by a row of quiet, eamest years of peace, rieh
in labour, has found a mighty accomplishment under the
peaceful sceptre of Wilhelm ü. In the same way, under
the grandson of the first Kaiser, the imperial city has g-rown
with a rapidity and to an extent of which the old world can
could no long*er be allowed to remnin bcbir*d the time.
I wandered throug’h the various courts and annexes and was
obliged to admit that this architecture real ly belong-s to the
richest epoch of German town existence and is adapied to give
evidence centuries hence of the glory of the Berlin of to-day.
As a matter of course, from an artistic point of view
everything is not so admirable; the furious tempo at which
the city has been enlarged has resulted in many an instance
of want of taste, but solid and again solid is almost the
entire architecture of modern Berlin.
Charlottenburg: Sarcophagus of Kaiser Wilhelm I in the Mausoleum
(Published by the New Photographie Company A. G. Steglitz-Berlin)
show no other example and only a possibility of comparison
could be found in America. Especially since the turn of the
Century Berlin has shown a power of expansion that is some-
limes almost explosive and might frighten the observer, did
not a thousand Symptoms prove this growih, in spite of all,
to be a healthy one — healthy principally, if I may venture
to say so, from a commercial point of view. The exterior
enlargement is connected with an interior growth of vigour
or, better said, is a condition of it.
One proof of this, is the manner in which the Berlin of the
twentieth Century builds. The rule of stucco and of material
mendacity is past — almost everything is genuine, solid and
expansive. I saw recently in the Lindenstrasse an imposing
front of a building of the seventies or eighties being pulled
down; behind it, the mighty new building — a colossal in-
surance Company s palace, running right back to the parallel
Street — was already finished in still grandeur and the front
Modern Berlin — yes, around the city of Wilhelm I a
new Berlin has grown up and this circle of suburbs is greater
and richer than the old town which it encloses.
Where a few years ago pine forests dreamed alongside
the quiet lakes, large villa-colonies have arisen, villages with
onestoried houses have grown in twenty years into large
towns. And these new large towns with the old Berlin have
grown together into a giant city.
Unfortunately however only for the eye — and for the
post. No stranger, or. quitting the high-level and Underground
railway at the Nollendorfplatz, would have an idea that there
he was no longer in Berlin, but rather just at the junction
of three other towns — Schöneberg, Wilmersdorf and Char*-
lottenburg. But the stranger need not trouble himself about
that, the Berliner himself does not trouble about it at all.
Only the municipal authorities and the town coimcil look
with anxiety upon the big daughters of Berolina, who allov
14 DEUTSCHLAND 19T1
themselves to be prevented by no considerations of filial
regard from setiing up their own interests in Opposition to
those of their old mother.
The development of modern Berlin is quite apart; on the
continent at least there is no large city that has expanded
to such an extent and in such a delightful form. Therefore
modern Berlin is an object worth seeing for itself alone, well
worth careful observation and study.
To refer to figures. Schöneberg, a few years ago a
modest suburb, is, although still an independent communalty,
at present a "town-district" of about 178000 inhabiiants
directly connected with old Berlin without any visible boundary
line; Wilmersdorf, flourishing under just the same conditions
and also topographically amalgamated with Berlin, even if it
is likewise not united with it as communalty, had according
to the last census nearly 110000 inhabitants. That is the
district of the "millionaire-peasants"^, lucky small farmers^
the sand of whose fields was metamorphosed into gold-dust
in a single night.
In what way the "opening up" of the commonland
occurred by the — as already asserted — on the whole sound
and healthy building speculation, may be seen at the moment
and perhaps for some years to come at Schöneberg:
amidst the remains of ancient forests and wide fields, you
see a bridge of gorgeous architecture Crossing a shallow
valley, below there Stands a Station of the Underground
roilway. And already building-plots are being laid out and
already the "navvies" areengaged digging out the cellars, whole
columns of bricklayers following them, asphalt-cars stand
smouldering in the streets and behold, as if by the labour
of good fairies, nay, as if by the hands of giant ghosts, the
houses dart up and form themselves into rows of magnificent
Streets.
Charlottenburg has a special character, for there the
venerable ancient looks direct into the eyes of the vigorous
youth. Charlottenburg is in this connection to a certain
extent a little image of modern Berlin, if we dare speak of
a town with 300000 inhabitants as "little". Not far from
the old castle from which the whole town takes its name^
near the quiet and distinguished park, in the shadow of which
Queen Louise and her imperial son sleep, there extend ave-
nues in overwhelming numbers and with an astonishing traffic-
dose by dreamy-looking, I might almost say, dusty villas
of the eighteenth Century, there appear the bulwarks of the
mighty homes of commerce, the gigantic and at the same
time elegant hotels and the imposing palaces of the merchant
princes.
There is one corner in this town of millionaires, which
illustrates the past and the present just like a picture. That
is the vicinity of the Lietzen lake. A narrow girdle of woods
round the long extended pond retains together with it, like
a natural museum, the recollection of the time not so long-
past when there could still be seen here a piece of genuine
country life with woods and fields — the Witzleben farm —,
but on this narrow frame there rise already the roofs of
comfortable tenement-houses.
ßehind the Western rows of houses the verdant tops of
the Grunewald trees are visible. But for how long? Already
the great Capital in its lust for conquest is sending out its
advanced guard into the pine-forests. Certainly she tries to
Berlin: Cathedral, on the left ihe Old Museni
1911
® DEUTSCHLAND
15
circumvent the enemy by showing him only amiable and
pleasant patrols. The old wood thinks; "Hm, if the city is
so beautiful" — and sacrifices one tree after the other.
Not only in the west — in every direction the spider
Berlin enlarges its stony net. A good example of such
intermitlent radiation is seen in the south, where
ihe Community of Tempelhof has purchased
the Western part of the Tempelhof common, so
long tramped by millions of military boots and
horse-shoes, for building purposes. Chidhr,
the ever-young, does not need to wait 500
years to find a completely altered picture
here — for the district behind the Kreuzberg
it would be sufficient, if he came "riding the
same way" in five years. He would open
his eyesl
Still a few names out of the ring of dwelling-
places in that great work and pleasure city
Berlin. Behind Wilmersdorf and Schöneberg,
but already grown together with them and with
each other, lies Friedenau-Steglitz to which
further the carefully planned villa colony
Dahlem has joined itself, forming a frame of
houses for the new botanical gardens. In the
South flourish Gross-Lichterfelde, Lankwitz,
Südende, Mariendorf and still further oul
Zehlendorf, all at the cost of the Capital,
Rixdorf-Brietz in the souih-east and Treplow-
Rummelsburg in the east live from the super-
fluity of the metropolis, but even in Grünau
and Friedrichshagen, to which it is already
almost a joumey, there live numerous families whose sup-
porters eam their bread and their caviar in Berlin. In the
north Reinickendorf, Pankow and Tegel dose the circle.
But can it be asserted that because such a luxu-
riant life flourishes round about Berlin that every visitor is
charmed by it, the Capital itself has lost its value as a city
worth seeing? By no meansl The old city has above all a
treasure, of which she imparts nothing to her greedy scions,
but which she, with the assistance of the crown, the province,
the government and the empire, constantly enriches — her
museums.
Professor Max Dvorak, the professor of the history of
art at the Vienna university has recently (February 1911)
published in the "Neuen Freien Presse" an essay on
"Museums and Libraries" in which he characterises the
Berlin museums as the most instructive in the
World.
But even if they were not so, in any case they contain,
like the Dresden gallery, the Glyptothek and the Pinakotheken
at Munich, the Uffizien in Florence, the Hermitage at
St. Petersburg, the Prado in Madrid, the National Gallery in
London, the Mauritzhuis in the Hague, the Rijk Museum in
Amsterdam and some others, artistic gems, which we must
have seen, if we have the means and the inclination to make
our own the very highest which the fine arts have produced.
Upon the "museum island" during the reign of Kaiser
Wilhelm II there have been established two new homes of
art of the highest importance — the Kais^ Friedrich and the
Pergamon museum — in addition to the old and new museums
and the National Gallery. The Kaiser Friedrich museum
houses, among other treasures, a great number of the pictures
by the old masters (Rembrandt, Rubens, Murillo, Raphael,
Velasquez, Franz Hals, van Dyck, Giorgione etc.) also the
Tiuch-disputed, wonderfully beautiful Flora bust, according
to Bode the work of Leonardo da Vinci; the Pergamon
museum, at present being re-built, contains the most com-
prehensive monument of Greek plastic art that has come
down to posterity and secures thereby for Berlin a worthy
counterpart to the splendour of the London Eigin room.
The present Kaiser has also enriched and adorned his
Capital in other ways; in fact he has done it to such an
extent that it is impossible to do justice to this Maecenas-
like activity within the space of a cursory description. We
must content ourselves with a few allusions.
Wilhelm II is reported to have said: "I will make Berlin
the most beautiful city in the world." In the pursuance of
this Programme a few years after ascending the throne (1895)
he offered his residential city a truly imperial present; on his
birthday he informed the inhabitants that he would cause to
be erected in the Siegesallee in the Tiergarten marble-statues
of all the Sovereigns of the house of Brandenburg. The
question has indeed been fiercely debated, whether the Sieges¬
allee actually constitutes an adornment of Berlin; it has
almost become the fashion to answer this question by a
negative gesture, but I doubt whether the foreigner and —
posterity will endorse this condemnation. In any case, the
idea is a magnificent one and only the malevolent can deny
that in the double-row of monuments many a noble work of
art is to be found.
The Kaiser has been successful so far, that no other town
in the world is so rieh in sculptures publicly erected as the
imperial city on the Spree; the national monument to Wil¬
helm I on the castle-grounds, first created for it, will be com-
pleted by the monuments to the Kaiser's paladins, and also
the fine arts, literature and Science find their best men hon-
oured here in marble or in brass. In addition there are
also here and there, for example in the vicinity of’ luo Nat¬
ional Gallery and in the Tiergarten, plastic works erected
in the open air having no reference to persons and relying
only on their value as works of art for their effect. It may
calmly be admitted, that several among the Berlin monuments
are failures — but what breaches of taste has Paris not
committed in this respecti And we really prefer, among a
large number of monuments to have a few a little less good,
than, like London, to possess as good as no public works of
plastic art at all.
To the beautifying of Berlin belongs also the trans-
formation of the Tiergarten from a wood, offering a place
of refuge to all loose characters, into an elegant and charm-
Berlin: National Gallery
(Published by the Neuen Photographischen Gesellschaft A. G. Steglitz-Berlin)
16
DEUTSCHLAND
1911
ing- park. And as modern Berlin grows more and more
around this green space, the Tiergarten becomes more and
more the central point of the Capital.
The "Zoo" forms, so lo say, a part of it. The abbrev-
iation "Zoo" means more than a saving of time, it is a
Berlin, Zoological Garden: Elephant House
token of love and intimacy like the familiär abbreviations of
personal names. The Berliner loves his Zoo and is proud
of it. And justly so, for this park of natural Science and
sociability is perhaps the most magnificent establishment of
its kind in the world. Over 1400
different species of mammalia and birds
live in the peculiar dwellings, in them-
selves worlh seeing, overshadowed by
splendid trees. And on the terraces
with 10000 seats in the open air, in |
the concert halls with 9000 sheltered
places, the residents and their guests ^
assemble gladly round a faithful tribe
of regulär visitors to the Zoo. The
new exhibition-halls finally, comprising
12 500 square yards and able to hold
25 000 persons are the biggest halls of
modern Berlin.
The allerations in the architectural
condilions in old Berlin since the turn
of the Century are considerable and
fjTOve that the prodigious progress of
the suburbs has been accompanied by
no retrograde movement of the mother
city. Not only numerous splendid
private and business houses, hotels
banks, etc. have sprung up, but also
the municipal, government and imperial
buildings have all been considerabl>
enlarged and rejuvenated. There may
be named the three houses of parlin-
ment — Reichstag, Landtag and Herren¬
haus —, the imperial stables, the patent-office, the imperial
hygienic department, the new municipal offices, etc. Berlin may
be particularly proud of the many most excellently planned and
exemplarily fitted up new erections devoted to the education
of youth and of the poorer classes, that have arisen in recent
years; also a strong tower of Science is the technical
highschool at Charlottenburg. And not far from it rises
the stately building of the high school for music and the
plastic arts, the new home of the Royal Library and of the
Archives is half ready and in use; the
other half is growing up "Unter den
Linden", the Märkische Museum is a
mostexcellent exampleof modern archi-
tecture resting on the best traditions
of the ancient — in short every where
in old Berlin a new life is blooming.
Here we may well find room for
a remark which the Roosevelt ex-
change professor made to a reporter
at the recent Washington celebration
in the American embassy at Berlin.
Mr. Smith said (according to the
Berliner Lokalanzeiger): "The Amer¬
ican colony fortunately recognises
more and more what enormous possi-
bilities Berlin offers it; here it finds
just what it seeks and makes use of,
better than anywhere eise in Europe.
For the American colony does not
consist of business men but of artists
who are at home in Berlin."
The number of theatres has also
enormously increased. It is asto-
nishing how many temples Thalia
and Melpomene possess in this city.
And nevertheless zealous sacrifice
is made to the Muses in them all.
That brings me to a special trait in the character of
modern Berlin; scarcely anywhere can people work more
intensively than in this largest city of Germany, but on the
Potsdam: Pleasure Garden and Town Castle
(.Published by the Neuen Photographischen Gesellschaft A. G. Steglitz-Berlin>
Other hand scarcely anywhere is the life more intensely "fast".
A glance from the Warschauer bridge towards evening when
the factories and offices are emplying, or a walk across the
Potsdamer Platz an hour or two after midnight — what a
1911 DEUTSCHLAND 17
contrast and yet what a unison in the life-tempo I — Through
its pleasure resorts, from the Royal theatre and the Court
Opera down to the dancing rooms in the Friedrichstadt, Berlin
first became a resort for foreigners. In Berlin there is no
boredom, least of all for him who following the advice of
Cassius has "put money in his purse".
How many strangers annually visit the instructive and
entertaining town
of course can not
even be estimated.
Düring the last five
years an average
per year of one
and one half mil-
lion visitors has
been reported to
the police, among
them being more
than30 OOOAmer-
icans, and from
these numbers
are omitted all
those staying with
friends or relat¬
ives. It is cer-
tainly a matter of
course, but may
nevertheless be
expressly men-
tioned here, that
the development
of the hotel ac-
commodation has
kept pace with this
increase in the
number of visitors.
It is very im¬
portant for the
provincial and
ioreign visitors to
notice one remark-
able characteristic
of Berlin soc-
iety which will
ccrtainly be look-
ed upon by them
as an advantage;
I mean ihe toler-
ance ol our Sa¬
lons, the trifling
degree of exclu-
siveness practised
by our ” upper
ten". Here again
a foreigner may
serve as witness
for my assertion.
Hermann Bahr,
the gifted Vienna
poet remarked to
a questioner some
weeks ago as to
the social difference between Vienna and Berlin: "Here in
Berlin the society has something grand and free, something
liberal, it brings the heterogeneous elements together. With
US in Vienna cliques rule and the people of individual
professions who associate with one another, subdivide
themselves again into cliques".
Certainly large-hearted liberality has its disadvantages
but in no case for the strangers.
When speaking of Berlin society one phaenomenon must
be remarked upon, which is unmistakably obvious to the un-
prejudiced but sharp-sighted observer; the Berlin life shows
constantly more and more cultivation. I do not mean
snobbism, but actual social and esthetic cultivation. That
is less easy to
prove than to feel.
And I will also
willingly admit,
that this satisfac-
tory development
is still frequently
in the germ. But
there it is, un¬
mistakably.
It would in-
deed be stränge if
it were otherwise.
There is first the
effect of the
numerous artists
and literary peo¬
ple who, after the
French fashion,
are more and
more attracled by
the metropolis,
and then comes
the influence of
the Court. All
the World knows,
1 would almost
say, that Kaiser
Wilhelm loves to
break through the
iron ring which, in
accordance with
the old Prussian
tradi i ions, isolates
the Court of Berlin
socially. Men of
the worlds of in-
dustry and high
finance have often
obtained the ear
of the monarch
and certainly not
to the injury of
the general well-
being. Also citi-
zens of the
American union,
whose names are
not to be found
in "Gotha", have
had tho gates of
the Castle at Ber¬
lin opened to them
on many an oc-
casion. Iscarcely
need to refer to the American voyage of Prince Heinrich to
substantiate the Statement that his imperial brother under-
stands how to value the forces which have raised free
America to her present greatness.
This trait of the German emperor, so singulariy
connected with an obvious tendency to the romantic,
Potsdam-Sanssouci: Great Terrace in front of the Castle
(Published by the Neuen Photographischen Gesellschaft A. G. Steglitz-Berlin)
Potsdam-Sanssouci: View in the Sicilian Garden
(Published by the Neuen Photographischen Gesellschaft A. G. Steglitz-Berlini
18 DEUTSCHLAND
Bs} 1911
known to all the world I termed modemity: I believe the same
predicate might also be applied to the already discussed
characteristics of the "Berlin of to-day".
On the other hand, it is by no means world-wide know-
ledge and not even known to many Germans, that the imperial
Capital city which attracts us by so many charms, can show
in its environs landscape attractions of a quite peculiar nature.
A g-reat Service is rendered to the visitor in Berlin when he
is advised to make himself acquainted with the melancholy
beauties of the Havelland pine forests, with the charms of
the lakes in the Spree wood, with the unpretentious grace
of the Märkisch brick architecture. If you say, how does
this come in under the title "Berlin of to«day"? Well,
because although centuries old, it is really a discovery of
the last decades. The pens of a Fontane and a Trinius, the
pencil of a Leistikow were the finger-posts indicating these
hidden treasures. The convents Lehnin and Chorin, the
Castles of Rheinsberg, Königswusterhausen, etc., the deer-
haunted forests round the Werbellin lake, the cheerful
splendour of the Märkisch Switzerland — all offering ex-
cursions well worth the trouble!
Berlin has still indeed its best in its nearest vicinity,
Potsdam,
embowered in green, lighted up by sparkling waves, the
summer-seat of the Kaiser. The two residences are connected
with each other by one single gigantic park. And in this park,
blue lakes wind a Serpentine course—Wannsee, Schlachten¬
see, Nikolasee, etc. Lines of gleaming white or coloured villas,
all Creations of this young Century. Potsdam itself is one
large garden in which the castles and castle-parks of the
Hohenzollerns — Neues Palais, Sanssouci, Babelsberg, Marmor¬
palais, Glienicke, Charlottenhof — only represent especially
well-kept parts. For Potsdam all the Hohenzollerns have
done so much that there remained little more to do for the
reigning scions of the proud house to-day. The spirit of the
Great Elector and of the great king may still be observed,
the picture of the military king lives before us in the Lustgarden,
exercising his giant recruits; Friedrich Wilhelm III and queen
Louisa with their unfortunate and their fortunate son — all
these figures have left their traces behind them in Potsdam.
The clearest of all are certainly those of the "Alte Fritz", his
Sanssouci alone would make Potsdam the most populär resort
of excursionists out of the imperial Capital.
But William 11 has also done his share towards the
splendour of Potsdam and particularly by adopting the place
as the true home of himself and his family and by allowing
a part of the court and military life of his reign to be enacted
there. The manner in which the Kaiser and his family live
in their Havel residence has something about it of the con-
fidential character which in the smaller princely courts binds
rulers and citizens together.
Potsdam—Berlin: in these two names we have a picture
of the Brandenburg—Prussian—German historyl Truly, we
cannot better come to a comprehension of the peculiar
development of the new Germany than by motoring over from
the peaceful terraced garden of the "Marquis of Brandenburg-"
into the luxurious activity of the splendid quarter, which under
the grandson of the conqueror at Sedan has risen flourishing
as if by enchantment out of the Märkisch sand.
Leipsic as a Commercial City and its Fairs
In the last decades the town of Leipsic has exhibited
an unexpectedly rapid development in all directions and
deserves with perfect right to be looked upon as a modern
town of progress. According to the number of inhabitants
— in the year 1910 the census was 585743 in contrast to
90967 in the year 1867 — it Stands as one of the leading
cities of the German empire. Of much greater importance
however than this exterior token of its greatness is the present
eminent importance of the modern Leipsic in commerce
and manufactures as
well as in Science and
the fine arts. In the
general picture of the
town as well as in
its architecture the
characteristic feature of
Leipsic, its modern de¬
velopment, everywhere
comes plainly to percep-
tion; the requirements
of modern traffic, of con-
venience and of hygiene
have caused the dis-
appearance of many an
old building, especially
in the interior of the
town. The constant and
rapiclly increasing sym-
pathy with the internat¬
ional intercourse move¬
ment sufficiently proves
that Leipsic now-a-days
is indeed a city of foreign
intercommunication.
In the province of Science Leipsic, as is well known,
owes its renown to its old and celebrated university, in the
celebration of the 500 years’ jubilee of which the whole
scientific world at home and abroad took part. Through the
Supreme Court of the Empire it has become the seat
of the highest German court of justice. As a musical
city Leipsic also occupies an eminent position. The two
cradles of the art of music in it, the Royal Conser-
vatorium and the Gewandhaus have always exercised a
very powerful attraction
on students at home and
abroad. But Leipsic is
n tower of strength not
only for Science and
music but for other arts
as well. The two town
theatres, which from the
year 1912 will be under
private management, are
of very high artistic
renown. Five municipal
m u s e u m s, the Mu¬
seum of the Plastic arts
in the Augustusplatz,
the Ethnological and
Geographicul Museums,
which as well as the
Applied Art Museum
have found accommo-
dation in the Grassi-
Museum, and finally the
Town Historical Museum
in the old Town Hall, oll
contain art treasures of
Leipsic: New Town Hall
1911 DEUTSCHLAND 19
the very highest value, among’ them being the most im¬
portant Creations of Klinger, Böcklin, Leibi, Segantini etc.;
the town library also wilh its precious articles and rare
Works is well worth seeing. The promenades and parklike
gardens beautified by numerous fine works of plastic art are
called the pride of Leipsic, although perhaps even above
of the Graphic Arts is likewise planned. The town also
intends at last to avail itself of the so-called Elster meadows
in the suburbs, in Order to form a great water basin or lake,
somelhi.ng like the Hamburg Binnen-Alster.
The main importance of Leipsic, as is the case with
every great modern city, lies in the province of economy and
Leipsic: Augustusplace with the Meude Fountain, the New Theatre and the General Post-office
them stand the glorious town woods which extend right into
the city itself and in the cultivation of which the highest
emphasis has been laid upon the preservation of the landscape
scenery in all its beauty. The south municipal cemetery with
its newly erected crematorium, a really eminent architectural
Creation, has also the character of a public park or garden.
Leipsic can also point to original and distinctive ancient
architectural monuments, for example the Renaissance build-
ing of the old Town Hali, recently re-built, renovated and
beautified. In the last decades however, numerous new monu¬
mental edifices have also arisen, of which here, the Supreme
Court of the Empire and the newTownHall with the
administrative Offices may be specially indicated.
Nor must we omit to mention that the new Central
Railway Station at Leipsic is rapidly approaching com-
pletion. The opening of this Station will be a highly important
occurrence for the entire commercial and traffic conditions
of the city; in the matter of space alone, the new buildings
will surpass those of any other railway Station on the con-
tinent of Europe. The completion of the National-Battle
(1813) Monument (Völkerschlachtdenkmal) is expeted in
the year 1913 and will be, it is said, in its imposing grandeur
and artistic treatment one of the most eminent Creations
of monumental art ever seen. — Leipsic also enjoys a
constantly Increasing amount of consideration as a city of
Exhibitions and Congresses. In the year 1913 a great inter¬
national Exhibition of Architeclure (Baufach-Ausstellung), as
well as the 12th German Gymnastic Festival, will be held
within its waüs, For the year 1914 an international Exhibition
it will be the object of the following article to delineate in
broad outlines a general picture of Leipsic as a manu-
facturing, a commercial and a "fair" city.
The transition to manufacturing on a large scale in
Leipsic has been rapidly accomplished along the entire front
of the industrial life.
The entire picture of the industrial dsvelcpmerit staiids out
in bold relief on contrasting the numbers of factories and of
factory hands in the years 1882,1895 and 1907. In Leipsic the
number of principal number of persons
works amounted to: employed in them
amounted to:
in the year 1882 9940 42 359
„ „ „ 1895 17 508 96081
„ „ „ 1907 20355 146506
In every large city, in addition to those branches of
manufacture chiefly occupied in ministering to local require-
ments, there are usually a number of others taking into
their plan of operations the entire European continent, and
some few whose market is the whole world.
Among the industrial branches of Leipsic it is customary
— and justly so — to name as highest on the list the
graphic arts with their numerous special ramifications,
for example book-printing, photogravure, lithographic-copper-
plate and music-engraving, type-founding, brass-rule and
type-making, lithographic, chromo-lithographic-, xylogp-aphic,
galvanoplastic- and graphic-institutes, coloured and fancy-
paper manufacture etc. All these branches stand in direct
relation to the Leipsic book-trade and owe to it their origin
and their great expansion, of course also reacting on it witho
20 DEUTSCHLAND 1911
favourable results. Bookbinding’ as well is closely
allied with the poligraphic arls. With the extension of the
Publishing trade in general and especially with the only
recently increasing demand in Germany for bound books, such
as have for many years been the fashion in England, France
and America, the number
and size of bookbinding
establishments has also
naturally increased. In
Leipsic, according to the
latest census, there are
276 large bookbinding
Works employing 7263
persons; 9 of these
Works employed between
201 and 1000 people. —
Engineering works
also form a prominent
feature in the industrial
life of Leipsic with their
various special or closely
connected branches such
as iron-founding, agri¬
cultural machine manu-
facture, electric works,
the building of trans-
mission plants, steam-
machines, molors, cot-
ton-spinning and other
machines for the textile
industry, printing ma¬
chines, paper and woodworking and toolmaking machines, wire-
cable lines, armature and fitting works, bicycle manufacture,
clock and watch manufacture etc. — The productions of the
Leipsic musical Instrument makers are celebrated
throughout the world and not only the pianoforte, organ,
haiTnonium and orchestrion works but also those for automatic
musical and speaking apparatus; the latter are distributed
on a most extensive scale both ihrough Germany and abroad
by means of the Leipsic fairs.
The textile-industry has attained a high degree
of development in Leipsic; the city boasts of wool-carding
works, wool and worsted spinning-mills, cotton-mills, canvas
weaving-mills, jute spinning and weaving-mills, as well as
knitting-works, embroidery, lace and ruche or quilling-makers.
According to the census of the year 1907 the textile-industry
comprised Ö2Ö principal works employing 11838 persons;
4 works alone employ more than 1000 people each and in
8 mills there work between 201 and 1000 persons in each.
Further branches
of industry in
Leipsic worthy of
mention are: The
metal and mach¬
ine manufacture:
carriage-building;
tinwaregoodsman-
ufacture; iron-safe
and depot buil¬
ding; Chemical
works; paper man¬
ufacture: paste-
board and mill-
board works; india-rubber works; the wood-trade: the
furniture manufacture, the picture-frame etc. works; the
Provision ard articles of enjoyment trade: beer-brewing;
cocoa and chocolate manufacture; coffee-roasting; preserves
manufacture; mineral-water, lioueur and cssence making; also
the whole tobacco-industry; the clothing-industry: the manu¬
facture of ready-made clothes and linen, the preparation of
artificial flowers and ornamental feathers, furrier's work and
shoe manufacture.
Among the firms carrying on business here are
quite a large number
that enjoy a worldwide
reputation.
The economic life
of Leipsic receives its
typical stamp from its
comprehensive and high-
ly developed Whole¬
sale intermediary
trade. And just as in
the manufacturing in¬
dustry of Leipsic the
highest rank belongs by
right to the graphic
arts, so in the trading
life, the book-trade,
which Stands in imme-
diate relationship with
ihem, undoubtedly as-
sumes the first Po¬
sition. The book-trade
in Leipsic has attained a
height and an expansion,
which entitles the town
to the unchallenged title
of the Capital of the
German book-market, the sphere of interest of which, as is
well-known, extends far over the frontiers of the empire. The
present renown of Leipsic as the high tower of the German
book-trade is based partly upon the brilliant representation
of the book-publishing trade and partly upon the
Commission business, forming the principal support
of the entire book-trade, which has developed itself most
rapidly to a high degree of efficiency. Almost every firm
in the German book-trade has at present its commission
agent in Leipsic. Of course, in addition to the publishing-
houses and the commission-booksellers there are also all the
other branches of the trade to be found at Leipsic, for
instance the ready money retail booksellers, the ordinary
retail booksellers, the second-hand booksellers, the fine art
dealers and the music sellers.
The Leipsic für or peltry trade has raised itself to
a positively international importance. The Wholesale furrier
firms at present established in Leipsic are the greatest and
most important in
the entire trade
and are looked
upon as the sup-
porters of the
trade of the world
in their branch.
Every year
three peltry fairs
are held at Leip¬
sic. The new-
year’s fair opens
the für season;
at it transactions
lake place especially in American and Russian goods.
Then, after the Leipsic dealers have provided them-
selves at foreign fairs or auctions with Stocks of all
kinds of fürs the Easter fair, the most important of all
the für or peltry fairs, takes place at Leipsic. Every
Leipsic: Town Trading Hall
Leipsic: Central Railway Station, to be opened 1913—1914
1911
DEUTSCHLAND
21
foreig^n land is represented airiong' the buyers at this fair.
The third für fair occurring“ in Leipsic at Michaelmas is
chiefly attended by German purchasers.
In Order to complete the entire picture of the Leipsic
trade, the following branches of the Wholesale business must
be emphasised as especially worthy of remark: the Whole¬
sale wool trade, the cloth trade, worsted trade, manufactured-
goods trade, leather trade, bristle-trade, hide and skin trade,
the trade in agricultural raw produce and manufactures,
the Products of the mining and engineering Industries,
the Wholesale trade in clocks, watches and appurtenances,
in colours, Chemicals, drugs etc. Also the export agency
business has acquired a firm footing in Leipsic and is
represented by a number of respectable houses.
An important share in the expansion of the trade and
manufactures of Leipsic must also be ascribed to the highly
developed banking and
forwarding businesses.
The history of the town
of Leipsic is most closely
connected with the Leipsic
fairs. One characteristic ot
the development of the latter
is observable in the fact that
about the middle of the
nineteenth Century the old
merchandise fairs for a great
number of articles '.vere
gradually transformed into
sample fairs, which at present
almost exclusively rule the
traffic at the fairs. The
goods themselves are no
longer exhibited there, but
only samples of them, ac-
cording to which the Orders
are given and taken. In
this manner the Leipsic fairs
deal at present especially with the productions of the
ceramic art, with glass, metal, wood, haberdashery, paper,
leather, india - rubber, basket - wares, fancy goods, toys,
musical Instruments and with a number of other allied
branches of industry. This modern sample trade at the fairs,
which exclusively serves the Wholesale trade, evinces an
unexpectedly rapid development and has become an arrange-
ment which not only interposes powerfully in all phases
of the national economic life, but has also aroused an
active interest and a constantly increasing participation
by all foreign countries. The Leipsic fairs have assumed
a perfectly international character, more clearly
imprinted upon them from one fair to the other. They take
place now twice a year, in spring and in autumn and each
lasts a week. The Michaelmas fair of 1911 will commence
on the August, the next Easter early fair on the
4th March 1912.
The number of exhibitors amounted to:
at the Easter early fair at the Michaelmas fair
in
the
year
1900
2317
2453
n
ff
„
1901
2634
2537
1902
2659
2780
n
1903
2658
2776
ff
fT
1904
2779
2880
n
ff
n
1905
2930
3101
n
ff
n
1906
3159
3275
„
ff
n
1907
8358
3365
rr
ff
n
1908
3501
3438
n
ff
rr
1909
3444
3606
ff
rr
1910
3682
3741
The number of purchasing firms at the sample Stores,
as far as was ascertained (of whom also the great majority
attend both fairs) amounted
in
ihe
year
1900
to
4808
rr
rr
rr
1901
ff
5595
rr
rr
TT
1902
ff
6 401
n
rr
rr
1903
ff
7 534
TT
rr
TT
1901
ff
8332
TT
rr
TT
1905
ff
9105
rr
rr
TT
1906
ff
9886
rr
TT
TT
1907
ff
10618
rr
TT
„
1908
ff
11054
„
rr
„
1909
ff
11722
„
rr
„
1910
ff
12 359
Of the ascertained 12 359 purchasers in 1910 there fall to
the German empire, according to their nationality 9367 and
to foreign countries 2992
apportioned as follows: Bo-
hemia 547, the rest of Austria
537, Hungary 168, Holland
and Luxemburg 277, Great
Britain and Ireland 232,
Russia (including 23 from
Finland) 221, Denmark 194,
Switzerland 173, France 172,
Belgium 108, Sweden 88,
Italy 70, the Balkan peninsula
54, Norway 40, Spain and
Portugal 8, North America 73,
Central and SouthAmerica 22,
Asia, Africa and Australia 8.
Considered absolutely, the
number of purchasers from
abroad may seem triffling in
comparison with those from
Germany itself. As however
the Orders given by the foreign
purchasers are regularly very
extensive ones, we can admit that the share taken by foreign
countries in the Leipsic fairs is very considerable indeed.
The Principal work of preparation for the fairs is done
by the exhibitors themselves in the preparation and arrange-
ment of the sample collections. A large measure of the
success of the fair for the exhibitors is dependent upon this
work. Great care is taken for the suitable exhibition of the
samples, not only in the municipal fair-palaces especially
erected for that purpose but also in similar private buildings
and other available halls. In the possession of the town there
are two of these great fair-palaces, the Town Sale-
rooms (Städtisches Kaufhaus) and the newly erected
Town TradingHall (Städtischer Handelshof). All these
fair-palaces are situated quite dose together, the entire fair
traffic being concentrated within very narrow limits. The
exhibitor himself takes some of the necessary steps to advise
the body of purchasers that he is represented at the Leipsic
fair, but this is mainly effected by the fair-committee of the
Leipsic chamber of commerce in Publishing the "Official
Directory to the Leipsic Fair". This work as a book of re-
ference for the purchasers at the fair and the "Index of Pur¬
chasers frequenting the Leipsic Fairs" also published annually
by the fair committee of the Leipsic chamber of commerce,
represent the main connecting links of the traffic belween
"■exhibitors and buyers. Seventeen thousand copies of the
"Official Directory to the Leipsic Fair" were published in the
last issue.
ln the constantly increasing numbers of the purchasers
as well as of the exhibitors from home and abroad, the urgent
conviction of the importance of the Leipsic fairs for buying
Leipsic: Old Town Hall
22 DEUTSCHLAND
1911
and selling- ßnds its numerical expression in ever widening-
circles. The advantages both for buyers and sellers
of regularly attending these fairs are manifold. For the
exhibitor who meets at the fair a large number of pur«
chasers simultaneously, sending in to Leipsic represents an
excellent means of disposing of bis goods and relieves him
entirely or in part from other expansive processes, such as
the sending out of travellers. To the purchaser the
Stocks of samples at the fair offer, in their discriminating
arrangement, the best opportunity of informing hiroself rapidly
as to the entire position of the branch of industry interesting
to him with its specialities and novelties and at the same
time of forming a judgment as to the efficiency of the indi¬
vidual manufacturers. The immediate personal relations
between manufacturer and buyer at the Leipsic fair are for
both parties of inestimable value and can be cherished and
promoted through no other institution in the world to the
same extent as through the periodical meetings at the
Leipsic sample fairs.
The many hundred years existence of the Leipsic fairs
offers a certain security for their permanence. However^ it
is not alone on the preservation of the Leipsic fairs but on
their further extension that all concemed, in Germany as
well as abroad, have the greatest interest. The politic-eco-
nomical problem here offered for solution is of extraordinary
significance and affords a wide field of many sided activity
and responsibility; the question affects a very valuable in-
heritance which the present generation has entered upon and
which it should hand down to posterity in the same vital
and flourishing form. The Town Council of the City
of Leipsic and the Fair Committee of theLeipsic
Chamber of Commerce share in this task.
The International Hygiene Exhibition Dresden^, 1911.
Health is the greatest treasure on earth, health for the
individual and for the race is the end after which all true
philanthropists yeam and strive, has been the ardent wish
of all past times. In history, in the legends and fairy tales
of fountains of health, of healing waters and miraculous
drinks, of enchanted gardens, castles and mills, in which the
old became fresh and young again, in all these we encounter
the passionate longing of mankind for health and beauty,
the hope that there may be a secret power in the world,
able to heal the sick and the
infirm, to make the ugly, old
and deformed young and well«
shaped and to guide mankind
into a cheerful and harmonious
existence.
Something of this yearning
hope, of this beatific faith has
also filled those who have con«
ceived the idea of a World
Exhibition ofUnitedHy«
gienics in our days. Hundreds
of men met together, statesmen,
administrative officials,doctors,
pedagogues and philanthro«
pists, to assist in realising this
tremendous thought. Every«
thing that hitherto in the great
wide world had been invented
and tested for the protection of human health, everything
that anywhere, even in the remotest corner of the earth, had
been imagined to preserve mankind from sickness and suffering,
every arrangement and every measure tending to the improve«
ment of the circumstances of life, to the increase of bodily
vigour and pleasure in existence, to security against dangers,
all these things were to be brought together in one town in
one single great show, out of which should grow blessing and
healing for all mankind. The invitation went out to all nations
to co«operate in this great work of cultivation, in this act of
peace, and one nation after another reported itself promptly
and gladly as willing to participate.
For years the work grew quietly under the hands of
3000 of the most important hygienists and more and more
the material increased. As if of itself the Organisation resulted
in a division into five great sections.
In a populär section which appeals to the public at
large and comprises the entire district of hygienics for the
individual man, it is intended to make clear to the visitor
how the human body is created and how its Organs exercise
their functions. It is hoped in that way to incite people to
consider to what injury they have unknowingly daily hitherto
exposed themselves, in what an utterly unsuitable way they
have often lived and nourished themselves and how they
may do better in future. All the exhibits will be intelligible
to the merest layman. The comprehension of the visitor
will not be troubled by things which do not interest him
and for which he has not had the necessary instruction.
In particular the need to
know: "how can we nourish
ourselves rationally?" will be
replied to in the most explicit
and detailedmanner. Provisions
will be shown in hundreds of
examples not only in their
composition and their nutritive
value but also with their prices
attached, as in truth with the
majority of mankind the latter
is the deciding point in the
consideration whether pro¬
visions are suitable or not.
The scientific section
will provide the material which
interests principally the expert.
Where doctors, hygienists, Pro¬
fessional men and administra¬
tive officials go to pursue their studies, exhibits have been
provided for, which assume a perfect understanding ol the
subject and exclude everything superfluous which the expert
already knows.
The historical section will represent the history of
hygienics from the earliest antiquity up to our own times and
will excite special interest on account of it being the first time
that the history of hygienics has ever been related connectedly,
To Sport, as an important factor in matters of health,
specially large space has been allotted in this exhibition.
Besides a special section, sport is also represe^'^ed by a
number of first-class sporting organisations in which the
Champions from all parts of the world and the most impor¬
tant home and foreign-sport associations will take part.
In a sport laboratory, here for the first time shown in action,
the Operation of sport on the human organism will be tested
in all directions.
The manufacturing industry has evinced special
interest in this exhibition. It wished specially to show the
The International Hygiene Exhibition Dresden:
Principal Entrance with Offices and Reception Building
1911 II^aeQQQ QQ C aQQOQQOQ QQ QQQQQQ ag DEUTSCHLAND
23
public just once that the ever increasing’ necessity for healthier
conditions of life has left its traces on industry also and that
the Tuanufacturers have understood in the production of their
articles how to satisfy all hygienic requirements. The manu-
facturing industry therefore, which is classified in fifteen sub-
Exhibition. The imperial govemment, the govemments of
the confederated States, the town authorities and communities
all act energetically together to help to bring the great work
to completion and the foreign States France, Austria, Russia,
Brazil, Japan, China and Switzerland have reported their
Dresden: Principal Place of the Exhibition, left the Reception Building, right the Offices
sections in the exhibition programme, has taken the opportunity
to show itself as extensively and completely as possible in all
its branches, so that the visitor to the exhibition will be able
to see entire works and working plants in Operation before him.
Never has any exhibition laid claim to the interest of the
entire world to such an extent as the International Hygiene
extensive participation and have had their own palaces,
mostly in the architectural style of their country, erected in
the magnificent Hercules Avenue which, with a con-
siderable part of the Royed Gardens, has been placed at the
disposal of the exhibition by the King of Saxony; the resull
will be a "Rue des Nations" of rare grandeur.
View of Dresden with Friedrich August Bridge, Roman Catholic Court Church,
left the House of Parliament, right the Royal Picture Gallery
24 DEUTSCHLAND 1911
If we glance through the plans of the buildings intended
to accommodate the International Hygiene Exhibition, we re**
cognise at once one grand common characteristic pervading the
entire exhibition. The palaces, designed by twenty**one different
architects, show a unity of style, creating a most brilliant
effect. Nowhere is ostentation or overloading observable,
nowhere too conspicuous colouring which could cause the
eyes to wander. All the buildings show a monumental sim-
many, Dresden has attained a renown as a resort for
strangers and foreigners which perhaps scarcely any
other German city has acquired. This year however, throug'K
the International Hygiene Exhibition, Dresden will form the
centre of interest for the whole civilised world. More than
300 congresses and meetings of home and foreign associa-
tions will hold their sittings in Dresden on account of the
international exhibition, visits on a great scale and of every
The International Hygiene Exhibition Dresden: Inner Room of the Hall for Settlement and Dwelling
plicity and repose, a sort of classic purity, which affect the
spectator like a solemn admonition and make the hygiene
exhibition one of the mostarchitecturallybeautiful
exhibitions the world has yet seen.
Dresden was and is the town which sees every year
a great stream of distinguished and cultivated foreigners of
all nationalities within its walls. Celebrated through the
whole world for the beauty of its adjacent scenery and for
its rieh artistic life, favoured by its central position in Ger¬
description have been already arranged and no stranger when
travelling about will omit to go to see this largest and most
important of all exhibitions. An international life will he
developed there, such as few towns have ever seen and the
ideas that will be carried out into the world from the
Hygiene Exhibition will bear glorious fruit. Dresden itself
however has taken all necessary preparatory measures to
confirm anew its renown so well preserved for centuries
and to equip itself for the reception of its guests. M. H.
Chemnitz.
Out of times remote, when still the old Erzgebirg smithy
romances lived, out of those times is derived the graceful
legend of the journeyman smith, whom many in the land
blamed as rough and sooty, but those who knew him better
liked him well; they knew that under the leather apron there
beat a heart of gold and that the horny hand understood
also how to handle precious jeweis; they saw that the mossy
wood sent its greetings down into the dark smithy and that
the gracious sun wove a luminous glimmer round the head
of the swinger of the hammer. This legend suits Chem¬
nitz to a hair.
The name of that city awakens in many people perfectly
one-sided ideas. He who is not initialed into the true char-
acter of the metropolis of the Erzgebirge, who thinks only
of the rough sooty "Saxon Manchester", he who hears the
echo of resonant blows of the hammer, of whizzing mnehines.
has visions of steaming boilers, revolving wheels and restless,
harassed men. But of the many beauties, the intimate charms
of the city, he knows nothing.
Many strangers stand astounded before the evidence of
the almost unexampled development of a town, the population
of which has increased in three decades from 95 000 to in
round numbers 300000. The narrow boundaries are burst,
flourishing suburbs extend far and wide, although, in the old
town, splendid modern erections arise on the foundations of
the old ones. Imposing architecture, stately public buildings,
private palaces, lines of animated streets captivate the senses.
The traveller receives of course his first Impression at
the railway Station, a gigantic hall of simple but imposing
form of expression. The experts declare unanimously that
this Station, in respect to practical arrangement, must rank
as the ideal one. The way down the Karolastrasse leads us
1911 DEUTSCHLAND 2d
past richly coloured flower beds and there a stately lown
picture is unfolded to our view — ihe Konig-splatz en-
circled by magnificent buildings. On the right rises the Petri
church with its elegant Gothic brick structure; those going
nearer lo it stand directly opposite the graceful fa<;:ade of
the new town theatre, which is connected with the König Albert
Museum, forming the left side of the square, by an effective
arrangement of gate and viaduct communication. The "Kunst¬
hütte" Society, very successful in artistic Organisation, has its
home here.
The visitor must contemplate this Königsplatz, which is
adorned by the celebrated "Four Seasons" sculptured from
Schilling's Originals, most attentively, in order to be able fully
to absorb the Impression of these monumental buildings.
On the right the Schillerplatz runs into it, over the roofs of
which the old massive building of the Spinning Mills Company
is visible, while the Royal Technical States Academy, a
mental arena for zealous students, confers a characteristic
background on the east side of the Platz. Passing the unassum-
ing monument to the Electoral Prince "Father August" we
wander down the Königsstrasse between fine modern houses
with beautiful shops to where, at the end of a line of streets
continued diagonally, the new, proudly towering Town Hall
for ms a commanding and picturesque prospect. The historical
arboured alleys, reminding us of their prototypes in Padua
and Bologna, are no more, but yet are finely brought out in
the new gardens again. The Town Hall with its picturesque
Renaissance gables forms a harmonious ensemble of houses
of various periods — an ensemble the grand outline of which
astonishes us on the one hand, while the more closely
examining eye is gladdened by the many lovingly carried out
ideas of a playful fancy. Three monuments hold watch and
ward here, one of Kaiser Wilhelm I and one of each of his
paladins Bismarck and Moltke. Behind the Town-hall Stands
the venerable Jakobi church with an interesting Gothic choir;
the tower is, in the fashion of the Italien Campanile, built
almost separate from the body of the church.
The present article being intended only to fumish a gener¬
al view of the city, it is impossible to do more than point
out in a summary manner all the costly architectural trea-
sures of smaller compass, the old porticos, the monuments,
the splashing fountains and many other things. Only the
beautiful Saxonia fountain with its allegorical figures "Smithy
and Spinning Mill" (the Ornament of the Horse Market) and
the "Monument to Victory" in front of the old town theatre
may be specially mentioned.
Much might also be added of the noble ecclesiastical
edifices in the Gothic and Romanesque styles, of numerous
palatial official and school buildings, of imposing business
establishments, of the fashionable quarter of Kassberg, of the
Crematorium, a vaulted building of classic dignity — but we
must content ourselves with this sketch, simply indicating
how much the sights of Chemnitz always fructify the interest
anew. We must not overlook the Castle lake with its eme-
rald island full of palms and aviaries, while high above it,
on a green eminence, Stands the Castle church with the
splendid sculptures of its portico and a celebrated "group of
hostages."
The Küchwald, a shady forest park, spreads afar its leafy
green arches. The town park with charming bits of landscape
offers relaxation chiefly to the inhabitants of the south-
western quarter of the city, while on the other hand the
Zeisig wood greets the serrated shapes of the city from afar.
Several regiments are garrisoned in Chemnitz and diver-
sify still more the many coloured life of the city. The s p o r t
also, which is here followed up with zeal, brings a quite
unusual brilliancy into the social picture and may be pursued
even in winter, owing to the exciting proximity of the snow-
clad mountains. Wherever we may tum our eyes we find
vigorous activity and cheerful enjoyment in healthy alter-
nation. And everyone feels happy among these frank and
open-hearted people, who go about their business here and
at the same time retain a genuine feeling for all that is
beautiful.
26 DEUTSCHLAND 1911
The East of Germany.
By Josef Buchhorn, Berlin.
A Flemish "Volkslied" of the middle ages sings: "To the
Eastland will we ride, to the Eastland will we go", and sings
it so enthusiastically out into the wide world as to give
expression to a yearning of the German people who at that
time spread their pinions over the Oder and the Weichsel.
This yearning led the German Orders under Hermann von
Salza in T226 into the field against the heathen Pruzzen
and in his foot-steps colonists of every description settled
on the two great waterways; — at present that pass-word
seems to have lost its rallying power. The official who is
transferred from the west to the east, the man of a free
profession who is constrained by better conditions of work
and payment to exchange his residence in the south for one
somewhere in the east — they all unwillingly and with anxious
hearts "ride to the east", they feel as if they were banished
and must go mourning all their days far from all cultivation
and pleasure in life. 7et if we meet the same men two or
three years later and ask about their impression, we find
them all full of enthusiasm and unwilling to leave the east
German soil again, neither the man from the west nor the
man from the south.
Certainly, the proud Rhine with its high - climbing
adjacent hills and its luxuriantly overgrown ruins of
Castles does not easily find its equal. Sunshine and
hilarity are his special notes. But the gloomy breadth
of the Weichsel, on whose banks the old brown brick castles
and churches of the Order look out menacingly like defiant
sentinels on the enemy's frontier, have also their particular
beauty and are in their own way as peculiar and as charming
as the rapid water of the proud Rhine. The summits of the
Giant Mountains need not be ashamed beside the highlands of
the Black Forest. The wonders of the Swabian lake, the
Lake of Constance, in their closeness and fulness affect us
really confusedly. The coasts of east and west Prussia with
the fully loaded Steamers and sailing-ships which they send
out into the distance, carry our fancy out of narrow limits
into a wider horizon, and foreign lands with foreign people
and a foreign cultivation hover above the senses of those
who lie dreaming among the downs of
the Frische or Kurische Nehrung and
watch the giant ships plunging into the
blue mist of the horizon. The beauties
and peculiarities on which the landscapes
in the heart of Germany, in its south
and west pride themselves, can easily
find a counterpart in the entire east as
it extends from Memel and Königsberg
via Elbing and Dantzig, Bromberg and
Posen to Breslau and Brieg and even
down to Kattowitz. The one points to
the Rhenish-Westphalian manufacturing
district and asks proudly and conscious
of victory where there is in all Germany
a Strip of land representing a similar
fulness of economic value? The Silesian
indicates the Gleiwitz works which built
the first coke blasting furnaces in Prussia,
points to Tarnowitz where at the lead-
works of Friedrichgrube the first steam-
engine in Germany was put up, mentions
names like Beuthen and Königshütte
and smiles up at the giant chimneys
which there and elsewhere are visible
evidence of the struggles uf hib country
people to gain the treasures of the
earth. Where in the east can we find
such a cosy peaceful corner as the
domesticity of the Berg-Land? Whoever
has once trodden the maidenly-austere
district of the KassubianS witzerland
westward from Dantzig and penetrated
into its ecclesiastically exalted forest
peace, has wandered through its silent
lake scenery is not afraid to reply.
Down on the Rhine the Germania mightily
proclaims from the Niederwald the last
Step on the road leading to German
unity and from the banks of the Nogat
the proud Marienburg preaches
of the commencement of the glories of
our race, preaches of a hot tough
struggle which conquered the soil only
Königsberg: Kaiser Wilhelm Place wiih Royal Castle
1911 DEUTSCHLAND 27
foot by foot, the soil over which to-day flutters the banner of
the empire welded together by long fighting. It preaches also
of the victory and death of the German glories of chivalry,
both accepted with the same stoicism, preaches of victories
like that of Rudau who under Winrich von Kniprode brought
ihe Opposition of the Lithuaninns to an abrupt end, preaches
of defeats like that of Tannenberg where with the Grand¬
master Ulrich von Jungingen the decisive breach in the over-
reaching power of the German knights was made.
* *
♦
The province of eastPrussiais narrowly connected
with the history of the Prussian State, its prosperity and its
adversity. In
Königsberg
fhe third residence city of the Hohenzollems, the first Prussian
king in the year 170T put the golden crown iipon his head
and in T86T in the same town homage was paid to the sovereign
who in three victorious campaigns
proclaimed Prussia’s glory to the
Stars and as the first emperor took
into his firm hands the sceptre so
fortunate for North and South
Germany. Other pictures emerge
out of the darkness of the past when
the names Memel and Tilsit are
heard; to Memel, the most northerly
city of our fatherland, fled the
Prussian king Friedrich Wilhelm III
and queen Louise in those unhappy
years 1806 and 1807, when the
hosts of the first Napoleon overran
the Prussian provinces and that
horrible peace was concluded in
Tilsit which at the end of that
unlucky war deprived Prussia of the
half of all its provinces.
But the names of some east
Prussian towns blaze brightly out
of the darkness of those days like
illuminated fingerposts: Heils¬
berg, where Prussian and Rus-
sian troops maintained themselves
successfully against the generally
victorious marshals of the emperor,
Soult and Murat, and Prussian-
Eylau where the Prussian corps
under L'Estocq decided the cele-
brated February fights in favour of
the Allies.
East Prussia is a district showing
marvels to the tourists from the
South and west of the German
empire which are accompanied by
a certain joy of discovery, marvels
such as, for example, are enclosed
in the green forests twilight
of theMazovian lakes, marvels
unveiled by the Nehrung-surf, where
the soft sea-voices of the Haff coast
are overpowered by the stronger
groundtones of the driving Baltic.
Even more than in the east
Prussian lands the stream of visitors
crowds into the west Prussian
dis tri cts. Kranz on the Kurische
Nehrung is indeed a watering-place
which mny correspond to Kahl¬
berg on the Frische Nehrung, but both must give way before
the charms of Zoppot, another watering-place in theDantzig
bay. And it is certain that on the entire Baltic coast no
competition can make head against this singularly beautiful
spot of earth, neither Swinemünde nor Warnemünde nor
whatever each of the summer-residences of the German bathing
guests may all be called. In Zoppot the forest runs down to
the sea and its idyllic landscapes make frames for the spurs
of the Ural-Baitic highlands. And dose beside the worldly life
of this comer of the earth Stands the Maria church of
Dantzig and the slender Silhouette of its Town Hall; dose
beside the "carpe diem" sounds the reflective "quondam erat".
Dantzig
is indebted for a part of its attractions to Zoppot and
the latter is mainly frequented because a culture and art-
historical trip can be made from it through a town which,
except Nuremberg, is the only one in all Germany which
Dantzig: Frauengasse with Maria Church
28 DEUTSCHLAND 1911
in respect to its history and its buildings, the former being
connected with the Orders, the Poles, the Pope and the
Hansa and the latter through having associated the north
Gothic Italian renaissance with a peculiar baroque. But in
this past there resound, as also opposite in Elbing, the
hammers which forge the giant ships in the building yards,
ships which afterwards at sea will show to country men and
foreigner alike the German war-
banner and prove the most certain - — '
protection to German commerce.
Dantzig was once a sort of
granary for all countries and a
characteristic fact confirms its
importance in this connection; the
same Dantzig people who let Luther
send them the magister Hänlein as
reformer were addressed by the
Pope as "his good friends", for his
ecclesiastical state would have had
to suffer hunger without their corn.
Not far from Elbing, a name which
the Schichau ship^building
yards alone have made known in
the markets of the world, our Ger¬
man imperial pair passes every
Summer a considerable number of
weeks on their estate Cadinen,
on their own ground and land in
the quiet stillness of the country and
among the circle of their farming hands. The Kaiserin is busy
in kitchen and in cellar as well as in the housekeeping rooms of
the individual families, the Kaiser in the potteries and brick and
tile Works, the productions of which have already attained a very
good reputation for their excellence and for their choice artistic
taste. The Kaiser also oversees the stables, cow-sheds etc.
for he, as a clever landlord and careful reckoner, knows well
ihat constant supervision of cattle and other live stock plays
a great part in the balancing of his faim budget. In general
the Kaiser devotes his very particular attention to the weal
and woe of his eastern provinces, amoner which West Prussia
occupies by no means the lowest place. The recent assign¬
ment of the Crown Prince to the west Prussian
army-corps as commander of the first Hussar regiment
(the death's head Hussars, as their populär name goes) sub-
stantiates this Statement in the most obvious manner.
The restoration of the ancient Order castle of the German
knights, the Marienburg, is also due to the initiative of the
Marienwerder: View from the Lowlands
Dantzig: Complete View of the Bishop's Hill
Kaiser. Nearly every year he visits their refectory and then
the high halls of this castle resound with the steps of the
Prussian soldiers who, as long as the emperor remains in
the former stronghold, keep faithful watch in the costume of
the troopers of the Order.
Wherever a journey through West Prussia may lead us
we are always reminded of the German knights, the first
colonists of this country; the castle ruins in Mewe and
Rheden, the high-lying Culm and the castle in Marien¬
werder all speak of them. InGraudenz the Prussian General
Courbiere defended himself bravely and confidently in the unlucky
year 1807 and in the casemates of the
same place there languished, as a sacri-
fice to the Prussian reaction, Germany’s
greatest dialect poet Fritz Reuter.
Whoever enters the fortress of
T h o r n, still surrounded by the old
walls of the Order and almost on the
Russian frontiers, finds himself in the
town which produced a Copemicus
and in which Polish insolence once
beheaded ten respected citizens, öfter
a tumult arising from religious grounds,
without ony reason whatever, an action
which has been entered in the books
of history under the name the blood-
both of Thorn.
Dantzig, Elbing and Marienburg
are the three points of a triangle,
enclosing the most fruitful district of
West Prussia, the so called W er der,
marshlands with immeasurable riches
in pasture and an inexhaustible fertility.
We think ourselves transported to
Holland, when we see in these latitudes
the countless herds of black and white
cattle grazing before us and when
Cottages and farmhouses are lost in
the profusion of the golden grain.
1911 DEUTSCHLAND 29
In the Southwest of the province the solitudes of the
Tucheier heath attract the stranger; its wealth of timber
had however been almost decimated by the Polish starosts
when the country came to Prussia under Frederic the Great.
One road in this solitude leading from Tuchei via Gross-
Memel : The Present 1 own Hall in which King Frederick III and Queen
Louisa of Prussia resided in 1Ö07—1808
Schiewitz and Schloga to Marienwerder is called "kings road".
iMorc than one monument in marble or in brass proclaims
the never resting care which the "old Fritz" displayed
lowards this, the newest country of his young kingdom.
Moors were drained, the Schwarzwasser and the Prussina were
made navigable for rafts and Brandenburg tar distillers
brought to the heath to settle there.
* ♦
*
Like West Prussia (without Dantzig and Thom) the so
callcd Netze district (which at present belongs to the
province Posen) came also to Prussia in the first division
of Poland in the year 1772.
The Netze district, just the
same as the others, experienced
the paternal and protecting love
of the great king and almost
all his successors have also
shown their inclination for this
central point of the Ost¬
mark. In the heart of this
Ostmark in
Without doubt such an idea is strengthened by buildingS like
the above mentioned residence casde erected by Schwechten
and others like the Academy and the new theatre built by
Professor Littmann of Munich. Such an idea is further
strengthened by parks like the Sch illerpark near the
residence castle and the Goethepark near
the theatre. The Academy is a sort of
German university, making only less demand
upon the preparatory education of the students
than our own universities. To describe it
precisely, it is a kind of people's university,
a meeting point of the intellectual and
cultivated life of Posen, in fact of the entire
Ostmark. This universal aim of cultivation
is also served by the town theatre, the Kaiser
Friedrich museum and the Kaiser Wilhelm
library. The museum contains collections of
natural Science, antiquities and paintings of
the most varied masters and the library an
ample collection of scientific and entertaining
works. As the government favours this focus
of all the culture of the Ostmark
with its never wearying attention in every
particular, the municipal administration
in like manner cares for the welfare of its
citizens. To mention only one point: the
town milk kitchen shows a brilliant excmple
of the zeel with which a modern thinking
town administration goes about its work.
Its arrangements are directed to placing
perfectly immaculate milk at the disposal of the populace and
thereby avoiding injury to their health andaheavy rate ol infantile
mortality. The results attained in this way are to be envied.
Whoever will make the acquaintance of the ancient Posen
must study its churches and its palaces, must remain Standing
before the old Town Hall, a characteristic Renaissance edifice
of the sixteenth Century, bury himself in the rieh treasures of
the States archives and admire the ancient market-place, that
shows even to-day the type of a medieval Colchian town.
This year the name of Posen will be particularly clearly
heard in German countries, for within its walls will be lield from
Posen,
there rises to-day proud and
self-confident an imperial palace
— the residence castle, erected
at a cost of over five million
marks and where it is hoped one
day a Prussian prince will plant
his Standard above its walls.
Posen is, to devote a mo-
ment to it, a pregnant examplc
of the recruiting power of the
German race; although among
its 157 000 inhabitants 577(.
speak Polish as their native
language it makes on the whole
a good German Impression.
Marienburg: Castle of the Order
30
DEUTSCHLAND ©
1911
the beg-inning- of May to the end of September the "East
German Exhibition of Manufactures, Trade and
Ag-riculture", which will bear witness to the spirit of
enterprise and the efficiency of the citizens of Posen and of
the inhabitants of the east German provinces, not omitting*
those of Silesia.
* *
*
West Prussia and Posen were g'ained for the State of
Prussia by the diplomatic ability of Frederick the Great but
Silesia
he won by the sword, in three seif«sacrificing wars,
the third of which lasted for seven years, seven years of
hopes and disappointments, of alternating defeats and
the powerful sentences of the proclamation of Frederick
William III, "To my Peop 1 e"I Here the compulsory militia
Service was established and here the Iron Cross Order
was founded. Here the first "free-shooters" assembled and
from here went out the first warriors against foreign oppression
with the highest courage and at the battle of theKatzbach
on August 26, 1813 the deliverance of Prussia from the
supremacy of the first Napoleon was commenced with a
clean sweep of the French soldiers out of Silesia, part of
them being drowned in the high waters of the Neisse and
the rest being scattered to every point of the compass.
And just as Breslau stood then in the centre of great
deeds, so it Stands to«day in the centre of Silesian life and
Silesian culture. To its ancient university a technical
Posen: Royal Residential Castle. Principal View
siS
fr ^ 4
hf ^
ifpi
n
victories; victories which penetrated into the remotest lands
and defeats which often brought the Prussian state to the
end of its powers of existence. So many names of towns as
Silesia can number, just as many names of battles can it
broadly boast of before all the world; to mention only a
few: M o 11 w i t z from the first and Hohenfriedberg from
the sccond Silesian war;Leuthen, Neisse, Kose 1, Landes¬
hut, Liegnitz, Bunzelwitz, Burkersdorf etc. from
the seven years war. Need it be spec’ally emphasised that
a land, on account of which so muc . Prussian blood has
been shed, should be quite especially sacred to the Germans
and is really so sacred I The same land from the Capital of which
the re-establishment of the Prussian state officially issuedl
In Breslau, which had seen Poles and Bohemians, Hussites
and Hungarians in and before its walls, resounded first
College has been added in recent years, and now these
two homes of cultivation work together, Scattering blessing-s
far and near, the new technical College following the example
long set by the older university and working as we hope
with profit to the Silesian industry. ln such directions Works
also the cultivation of a pure German national feeling“, in
such directions also — partly instructive and partly enter^
taining — work the Diocesan museum of ecclesiastical art,
the Silesian Museum of Applied Art and Antiquities and tlie
Silesian Museum of the Plastic Arts, the latter containing-
among other objects of interest valuable works of Arnold
BÖcklin. In the direction above mentioned work also tlie
four large theatres, which in a carefully selected variety
represent old and well-tested pieces in alternation with gfood
ones of the modern school. The art amateur will be attracted
IQII DEUTSCHLAND
au 31
by the old Gothic churches and by ihe fine architecture
of the Town Hall, situated in the middle of the admirable
and g^andly planned town g-ardens of the thirteenth Century.
The lover of nature sees with delight the g-irdle of prom-
enades, reminding one of Münster in Westphalia, along
the Oder and the ancient town moat encircling the old
town. Not far from Breslau lies the Royal Saxon pleasure
castle Sybillenort and also the estate of Oels, be-
longing to the Crown Prince of Germany. In general, the
province of Silesia is rieh in jeweis of castles (Fürsten¬
stein and K a m e n t z) and in ruins, of which the K y n s-
b u r g above the romantic Schlesiertale is perhaps the most
imposing.
From Kynsburg it is not far to Schweidnitz, where one
dass of visitors may find delight in the ancient Friedens
church and the other in the "Schweidnitzer Schöps" a very
palatable drink. Near it lies Creisau, in which the great
and silent Moltke awaited the last great call. Another
great Prussian warrior besides Moltke rests also in Silesian
soil. At Krieblowitz near Kanth (not far from Breslau)
the everstormy Marshai Forwards (Blücher) was commanded
an eternal "Halt"I An imposing ruin lies not far from
Reichenbach, the forsaken mountain fcstness Silberberg,
the "Silesian Gibraltar", built by Frederick the Great and
which, like Graudenz, once confined the unfortunate German
poet Fritz Reuter. Of the old mountain fastnesses there
is still to be named that which hangs above the fortress
Glatz on high steep rocks. Whoever has once taken a
glance round from the watch-tower of this fortress over
the district towards Prussia and towards Bohemia, has
exchanged friendly greetings with the snow mountains of
Glatz and with the "Hohen Eule" and has discovered the
singulär beauty of this land in the sun illuminated valleys.
He will never forget the stony and disrupted table land with the
well-known village Friedrichswarthe, which belong to this
district as well as the basaltic plains of Landeck, which have
been justly named the jewelcase of the whole country of Glatz.
Of the manufacturing district of Upper Silesia as well
as of the ridges of the Giant mountains, the only German
Posen: Town Hall
medium sized mountains of Alpine character with snowy
peaks and the highest land in Germany north of the Danube
(5000 feet) we have spoken at the commencement. In this
Connection we may still refer to the multifarious medicinal
sp rings, which hasten down from the high rocks overgrown
sparingly with verdure into the valleys beneath, beauteous
with flowers and rustling with forest trees.
These bathing places, are generally, sur-
rounded by with landscape beauty, provid-
ed with every imaginable convenience of
a modern town house and have been
enlarged by comfortable annexes to
fulfil all the requirements of modern
medicinal Science. Here we may parti-
cularly mention: Flinsberg in the Iser
mountains, Warmbrunn in the Giant
mountains, Salzbrunn in the Walden¬
burg mountains, Kudowa, whose healing
springs, the Oberbrunnen and the Eugen
:.pring, whose mud baths and whose dark
pine woods on the Southern slope of the
Heuscher ränge annually bestow relief
from sufferings of all descriptions on
many thousands of patients. Al the ick,
R e i n e r z and the already named L a n d-
c ck in the Glatz mountains. Silesia is also
inore than amply supplied with health
resorts: Schreiberhau and Krumm¬
hübel-Brückenberg in the Giant
mountains. Wölfeisgrün in the Glatz
basin, and also the first Sanatorium for
lung diseases to be opened in the world,
Gröbersdorf in the Waldenburg moun¬
tains. In Summer the Silesian mountain
ridges and deep valleys attract the wander-
Breslau: lown Holl
32
DEUTSCHLAND
ing tourist lover of nature; in winter the snow shoe and
the bobsied call the friend of sport up to the level
snow surfaces in the heights. The Giant mountains
are the home
of the horn
sied; it rushes
down into the
Valleys, along a
long and ex-
cellently kept
track and the
steadily steered
rodel imitates
it exactly.
This journey
began in East
Prussia, contin-
uing then via
West Prussia
to Posen and
ending now in
Silesia. As a
matter of course,
within the lim-
its allotted to
this essay space
could be found
only for short
"impressionist"
observations and thoughts; one of an historical and
the next of an economical character; sometimes the
foreground is occupied by the landscape and then agam
by the political interest. On the whole, however, this
cursory exploration of the East of Germany may have
afforded this
one conclusion
that it is not
only worthy of
Standing beside
the other prov-
inces of the
great German
Fatherland and
of being known
and recognised
as they are, but
that in reference
to its character-
istics of scenery
and of history
it can exhibit
such a fulness
ofindividualities
that now to-day,
just as at the
time when the
Flemish Volks¬
lied was com-
posed, the word
might run:
„To the Eastland will we ride,
To the Eastland will we go."
Fhe North German '^Waterkant" (Coast Line).
By Leonore Niessen-Deiters.
If I were a painter or a sculptor and received the Com¬
mission to devise a personification of the North German
Waterkant — say of the land right and left of green Schleswig-
Holstein — 1 believe I should never hit upon a female figure.
Even the Hammonia, as the personification of the mighty
sea harbour of Hamburg I don't like; it seems to me always
a little hermaphroditic; those who know Hamburg would much
sooner think of a gigantic Roland as its embodiment as his
statues stood on the market places of German towns in the
middle ages as tokens of the city's freedom and power
1911 DEUTSCHLAND
33
or as One is now represented in the enormous Bismarck
monument at Hamburg. But it is not alone the immense
working power personified in this town which awakes this
impression. To give a contrary example; in the whole
German empire there is nowhere more work accomplished
than in Westphalia and the Rhineland and yet these two
provinces appear to us like a vigorous woman and a smart
girl, both of whom work hard by day and one, the latter,
can still dance unweariedly by night.
But this straight lined grand land on the coast line is mas-
culine, masculine in its entire character. There are no mountains,
behind which — perhaps ? — some fairylike, gay advcnture
could be concealed; the eye sweeps over land and sea far
and unhindered under a clear, cool sky which is much more
conducive to wise and quiet consideration, to tough un«
remitting energy than
to any playful illusions.
It is also masculine in
its beauties. From the
reserved and eamest
heath district between
Bremen and Hamburg,
across the greenhedges
of Schleswig-Holstein
as far as the glorious
beech woods of Meck¬
lenburg the whole land
is of an almost bashful
austerity and even
behind its most friendly
laugh there lurks a
formal, sober gravity.
From a landscape
point of view the
Waterkant has been
for a long time just
as much misjudged as
that silent country
between Bremen and
Hamburg the Lüne¬
burger Heath. The
Lüneburger Heath was
considered for scores
of years as the most
Godforsaken piece of
earth imaginable, until
a few painters dis-
covered how much intimate splendour lay in this wonderful
World full of the humming of bees and fragrance of
flowers. And the Waterkant with its lavish riches in
delightful sea bathing and watering places has long enough
with many Germans had to take a back seat behind the
dreary Dutch or Belgian coast. Now however in the rapidly
increasing concourse at these bathing places, among the
stream of hurrying business peoplc which the great maritime
cities concentrate in themselves, mixes more and more the
contemplative pleasure tourist, making beauties populär
which were perhaps not supposed to be there because
they — are found in North Germany and not in Italy.
I think for example only of the architcctural splendours
of Lübeck, with their complement in the (for a long time
Swedish) Wismar, of the grandeur of modern Hamburg
erections, of the — certainly celebrated of old — delightful
Marktplatz of Bremen.
Bremen
(on the Weser the most westerly of the great maritime
rommercial cities) ’s the second of the three free Imperial
and Hansa towns, Hamburg—Bremen—Lübeck, three towns
able to trace back their rights and Privileges deep into
the middle ages, to the time of the Hansa, an offensive and
defensive league of German towns lasting over centuries
in which all three played their parts. And it is that
which gives its relief to the market place of Bremen; this
Town Hall (in the main a Gothic brick building with a beautiful
Renaissance faqade) looks back upon a history of 500 years,
this Roland, the gigantic stone hero with the drawn sword in
his hand, is not only a monument, an artistic Ornament, it is
in truth an emblem and a token of the freedom and Juris¬
diction for centuries of this town, of this oldest of the
German maritime cities, whose beginnings reach back into
the eighth Century, for in 789 Charlemagne appointed the
place "Bremun"^ a bishoprici*)
Bremen: Town Hall
The name of Bremen will certainly awaken other as-
sociations in the mind of the modern globe trotter. I would bet
ten to one that he does not think of the ancient bishopric,
but rather something in this way: "Bremen? Ahal North
German Lloyds I" And that is for the modern Bremen,
for the Bremen that in Bremerhaven possesses one of the
most important North Sea harbours, the most thoroughly
natural. (Bremerhaven is the seaport, the city itself lies
90 miles further inland on the river.) The Bremen shipowners
have at their disposal a fleet of about 550 vessels; the North
German Lloyd's — of course the second largest steamship
Company in the world — numbers alone 81 ocean steamers
*) Bremen is unique in its beauty and the impressions received
from a visit of this city can not be forgotten. Briefly mentioned the
rincipal sights are the following: The Rathaus, with its famous Rots¬
eller immortalizcd by the Poet Wilhelm Hauffs "Phantasias", the Sl.
Petri Cathodral, with the Bleikeller, the Stadthaus, the Chamber of
Commerce, the Exchange, the Rotscafe and the old Bremer Haus,
called "Essighaus", farther on within easy reach the Geworbehaus and
the Kunsthalle, the latter of which contains the famous painting of
Washington Crossing the Delaware, not to speak of the majestic building
of the North German Lloyd's Head Office, and the Städtisches Museum,
which when shortly opened wdll be one of the most inmortant Museum^
in Europe. Any Information about Bremen to the Fremdenverkehr*
verein, Bremen.
1911
3 4 DEUTSCHLAND m
of together Ö03 553 register tons, 49 Steamers of the
Indo Chinese coasting trade with 71725 register tons and
63 river steamers and launches of 6380 register tons.
This gigantic Company employs in its own works about
22000 personsl (See also the special article "North
German Lloyd's".)
Certainly — Bremen, the quietly distinguished city, with
its admirable antique buildings and its beautiful, welLknown
Bürgerpark has the appearance of a garden city, which
smilingly invites
every stranger to
a stay of a longer
or shorter period.
Hamburg
is the youngest
of the three towns
and in proportion
to its present
greatness it has
preserved little
of its antique
character; sweep-
ing architectural
alterations and
great fires have
cleared Old Ham¬
burg pretty effec-
tively out of the
way. On the
other hand it has
become after Ber¬
lin the largest city
in the German
Empire and after
London and New
York the greatest
commercial town
in the world.
Hamburg also
lies inland pretty
distant from the
open sea. But the
deep and broad
Elbe permits ships
up to twenty-eight
feet draught of
water to enter the
docks of the town
itself, — theso
enormous docks
accommodating
nearly 7000 ships at once and when we steam through them
charming us always like an individual, immense, roaring,
overpowering Symphony ofWork. Immense and overpowering,
but never confusingl Nowhere in the world can we, in the
middle of such a deafening tumult, have such a feeling of the
clearest Organisation, of the most painful order, of the most
exact co-operation of all the forces set in motion as we
have in the gigantic business of the Hamburg docks. It is
simply the characteristic note of this world harbour; this
consciousness of absolute order and sovereignty, even
in the centre of the ear-splitting noise, of the most
confusing coming and going; this feeling, that is so strong
that in the middle of the reek of a thousand chimneys
we preserve the Sensation of cleanliness; so exactly and
painfully correctly runs even the smallest wheel of this
enormous machinery.
Hamburg: Bismarck Monument
To give in brief an approximate picture of the grandeur
of this world of shipping Companies, ship-building docks,
loading docks etc. (for of course volumes would be required
to contain the details) we need only to quote some figures
of the greatest of the many Companies domiciled in Hamburg, the
Hapag (Hamburg American Paketfahrt Aktiengesellschaft).
This single Company, the largest in the world, has at present
at its disposal a fleet of 387 vessels with a total of
1021000 register tons, composed of 155 ocean steamers in
Service, 15 ocean
steamers building
(among them a
giant of not less
than 50000regis¬
ter tons) and 217
river steamers,
steam tugs and
lighter vessels.
The warehouses
of the Company
occupy an area
of about 155 000
square yards; it
carried for exam-
ple in the year
1909: 320122
passengers and
5 749000 cubic
metres measure-
ment of goods and
in addition to
5300 freight and
passenger agents
it employs about
22700 clerks,sail-
ors and workmenl
We shouldhow-
ever wrong Ham¬
burg if we spoke
exclusively of her
docks, however
commanding and
overpowering an
Impression they
may make. A dif¬
ferent picture is
afforded by the
rieh treasures of
its museums, an-
other yet by its
proudly magni-
ficent buildings —
these palaces of labour, and yet another by the elegant
society on the Jungfernstieg, the celebrated promenade
flanking the Alster basin with a breadth of 150 feet. All
nations of the earth make a rendezvous here and watch from
the Alster Pavilion — certainly one of the best-known cafes
in the whole world — the life and movement on the Alster, in
the Summer especially an animated and variegated picture
when this beautiful water reaching right into the heart of the
town swarms with sailingyachts and pleasureboats.
One original and remarkable sight of Hamburg does not
properly belong to Hamburg at all. But the visitors generally
make Hamburg their starting place for it, allhough it lies on
Prussian ground in Stellingen.
That is the "Paradise" — the Zoological Parkof Carl
H a g e n b e ck. This remarkable man, who as a boy bought a box
of exotic beetles from a cabinboy in order to seil them singly.
Kiel: Strand Promenade
36 DEUTSCHLAND
to-clay provides the
entire world with wild
and tarne animals and
has his ag-ents over
the whole earth who
provide him with the
living material. The
entire gigantic Zoo¬
logical Park together
with its extensive ac-
climatising garden
represents one single
animal Business, in
which every species
of living creature is
to be had, from the
tenderest insect up to
the greatest elephant.
But the animals —
partly caught wild
partly born in capti-
vity — are not only
bought and sold, they are also treated in the most individual
manner. Not only that the most astonishing results are attained
in the way of acclimatisation, (in Stellingen for example African
ostriches live in the open air and lions and tigers house in
a rocky nook only separated from the public by an enormous
ditch) in the so-called "beast of prey nursery"* little lions
tigers, pigs, bears,
monkeys, dogs etc.
all tumble about in
Paradisaical harmony
and any talent shown
by these young folks
is cultivated anddeve-
loped in the training
halls, so that its
possessor may after-
wards wander as a full
fledged artist into the
circuses and music
halls of all countries.
If the Hanseatic
Homburg on the
North Sea "Kant"
Stands quite under
the flag of commerce
and traffic, the Prus-
sian town of
Kiel
on the Baltic coast
on the far side of
Schleswig-Holstein
Stands just as emphat-
ically under the flag
of navy and fleet.
It would be diffi-
cult to imagine a
better natural harbour
than that of Kiel —
a narrow bay cutting
deep into the land
Magnificent harbour
fortifications have
transformed it into
a model harbour for
ships of battle. That
Kiel at the same
time is the seat of
the Commander of the
navy in the Baltic and
of the Marine Aca¬
demy strengthens the
warlike impression it
makes; but as it is
also a university
town, its marine
warlike character de-
generates in no way
into a monotonous
barracklike one.
Moreover Kiel offers
to strangers who have
an eye for techrdcal
marvels, much that
is interesting in its
grand ship-building*
yards and docks (the
yards and docks of
the Imperial navy are open to inspection but not the
Germania yards of Krupp) quite apart from the Kaiser
Wilhelm canal which itself is a striking example of modern
technique and of modern hydraulic engineering. Built at a cost
of 156 million marks it connects the Baltic with the North
Sea by a cutting 67 metres wide and 9 metres deep and
113 English miles
long Crossing Schles¬
wig-Holstein and so
dispensing with the
distant and above
all very dangerous
voyage round Jütland
and the Skagerack.
Every year in June
the bay of Kiel alters
its appearance. Then
the green forests
ashore bow to a dif¬
ferent forest of slen-
der masts on the
water, then the white
sails glide over the
bay, like giant swans,
then the stately Im¬
perial yacht anchors
Outside, hovered
round by a retinue
of princely and priv¬
ate steam and saii-
ing yachts, all attract-
ed by the great
sporting event of
the year — the inter¬
national sailing re-
gatta of the Kiel week
which fills the entire
Stretch of coäst with
a varied and elegant
life. For these impor¬
tant regattas are by
no means confined to
Kiel, although that is
the focus of the entire
Organisation; starting
from Hamburg they
H^mburp*: C«rl HaP'enbeck's Tieroark
Lübeck: Staircase at ihe Town Hall
• Published by the New Photographie Company A. G. Steglitz-Berlin)
IQH DEUTSCHLAND
37
f^o via Kiel as far as Travemünde near Lübeck, followed by
a swarm of foreigners and friends of sport; the whole country
is in excitcment, whether for example the American "West¬
ward will beat the Imperial "Meteor" or the victorious
"Hamburg" on a breeze as she has already done in the calm I
Going up the Trave from Travemünde we come to
Lübeck,
the third of the three Hansa-towns.
To Lübeck applies most strongly what I observed at the
commencement of this little article, that the increasing stream
of pleasure tourists would make known beauties which hitherto
had been proportionately little visited. Lübeck is nowadays
the smallest of the Hansa towns, but in the middle ages it was,
as centre of the mighty Hansa, the queen of the whole North
and when a Lübeck poet sings:
"The Father high in Hall
A head for empty crowns did choose," —
that is not poetical license but really characterises the
political Position of this city at a time when Hamburg was
still quite small and America not even discovered. The
present Lübeck is no longer so powerful and rieh, but it has
all its "crown insignia", its mighty and interesting architectural
monuments, so faithfully preserved into the modern times
that it mirrors in them a comprehensive survey of an entire
culture epoch of a marked local colouring: in its massive
cathedral, in the rieh Maria church, (which has become the
Prototype of the whole so-called Baltic group) in the highly
individual hospital of the Holy Spirit, in the well-preserved
Gate towers. Moreover the town offers in her general
appearance a most picturesque and effective image. Out
of the prevailing red of lower German brick architecture
there emerge high and slender the pointed steeples of th©
churches in the most brilliant light green; they are all —
a proof of the well-to-do times in which they were built —
sheathed with copper, the wonderful patina of which, especially
in the evening light, revels in true coloristic triumphs. And
if the entrance into the Trave harbour cannot be compared
in grandeur with that into Hamburg or into Kiel, it Stands
yet far above them in picturesque beauty.
The three Hansa towns are, as already observed, fre©
Imperial cities. That is to say, they have their own govem-
ment and are, in the middle of the Prussian, the Mecklenburg
or the Oldenburg districts, still independent forms of States
in themselves. The Prussian Kiel is predominantly a war
harbour. The most important Prussian commercial harbour
on the other hand is
Stettin
at the mouth of the Oder, a town with a quarter of a million
inhabitants. Stettin is — apart from its very considerabl©
maritime commerce, which is equally important for the Baltic
and for the Oder trade and, after completion of the great
navigable canal now building, for the direct shipping com-
munication with Berlin — a very considerable manufacturing
town with great cement and Chemical factories, sugarboiling
Stettin: Interior of the Jacob Church
38
DEUTSCHLAND löH
Works, engineering“ works and ship-building yards; the cele«
brated Vulcan works, among others, are domiciled in Stettin.
A perfectly model municipal administration prevents the town
meeting the fate of so many large manufacturing places,
which lose in beauty in proportion as they gain in richcs,
and the erectior
of modern artistic
buildings fills up
the gaps which
several heavy
bombardments
had made in the
ancient Stettin.
The entire
Mecklenburg
and
Pomeranian
coast between
Stettin and Lü¬
beck, including the
island of Rügen
Stretching in front
of it and also the
bay of Lübeck, is
especially bless-
ed with charming
wateringplac-
e s which, as
already observed, besides the places enormously populär with
the Berlin public in the neighbourhood of Stettin and the
Island of Rügen, the "pearl of the Baltic'", show a number
of visitors constantly increasing from year to year. And with
good reason, for they are little Paradises. I should like to
know where eise in the world such a splendid sandy beach
cxists, which is in addition directly connected with the most
glorious umbrageous beech woods, some times so directly
connected that we can actually lie on the beach and in the shade
of the lovely leafy woods at the same time I And all these beach
nestssurroundedby therustlingbeechtreesare distinguished
by that wonderful clear,strong austerity character**
istic of the
entire W at er*-
k a n t. Masculine
must be the beau¬
ty of this dis-
trict, I said at the
commencement.
Perhaps we can
say with the same
reason, it would
now be "modern".
Perhaps a rococo
soul distorted by
flourishes would
feel oppressed by
the roaring work¬
ing powerof these
sea towns, by the
clear straight lines
of this austere
nature. Perhaps
the romanticist
would miss the
traditional temple ruins and the waterfalls. But we moderns
who feel well in bright airy spaces, amidst practical furniture
of honest material, we, as it seems to me, must welcome to-
our hearts the clear fresh beauty of the Waterkant. Sea-air
blows over it and it is nothing for tender weaklings. But in its
cities lies courage and pride and in their strong, austere natures
is rooted the firmness which has made these cities great I
Lübeck: The Holsten Gate from the Exterior
(Published by the New Photographie Company A. G. Steglitz-Berlin)
Rügen: The Chalk Cliffs of the Stubbenkammer
(Phot. Bönki, Sassnitz)
1911
i DEUTSCHLAND m
m 39
Hanover
By A. Kiepert.
The residential lown of Hanover, with 300000 inhabitants,
the centre of Niedersachsen, is situated on the last spur of
the "middle chain of German mounlains" from which the
"north German plain" Stretches to the sea-coast. The town
owes its name (formerly Honovere) to the high banks of the
"Leine", on which river it is situated.
It is the junction of the most frequented railway-lines,
being crossed by the line: Hamburg — Hanover — Frankfort
o. M.—Bale-Geneva, which connects the North sea with
the Mediterranean, and the line: St. Petersburg — Berlin—
Hanover—Cologne—Paris - Madrid.
Hanover is one of the finest, pleasantest and healthiest
towns of Germany. It comprises in itself all the principal
features of a Capital town: numerous artistic and first dass
enjoyments, fresh life pulsating through the flourishing pro*-
fessiop.s and trades, Business brisk and a highly developed
industry; with the varied excitements which Student life, a
strong garrison and the never ceasing coming and going of
visitors bring in their train.
The most attractive features, however, which Hanover
possesses, are the beautiful wood, the meadows and famed
parks, which closely surround the town.
The Streets of the old town with their interesting old
churches, their high gabled dwelling houses and towers, siill
bear a few traces of the middle ages, although they are inter-
sected by newly designed broad streets of the most up**to*-
date style. The new parls of the town with their splendid
buildings, fine shops, broad tree-lined streets, monuments and
squares profuse with Flowers, bear a modern character and
witness to the fact, that Hanover has possessed and still
possesses excellent architects, some of whom have a Europ¬
ean reputation.
The centre of the town is formed by the "Theaterplatz"
situated on George Street, where the elegant world is to
be seen when, four days a week, military bands are playing
from the terrace of the Opera House.
The royal Opera House is one of the finest theatres in
Germany. It receives a yearly grant of M. 525000 from
the private purse of the Emperor and is thus able to main-
tain its position in the foremost place among other theatres.
— The "Residenz"- and "Deutsche Theater" are splendidly
managed, the "Mellini" is a superior variety theatre, so that
the taste of every visitor is catered for. — Music is especially
highly cultivated in Hanover.
Different museums and picture galleries, public libraries
and archives supply inexhaustible material for study and
mental Stimulation.
Hanover is celebrated for the good and pure German
that is spoken there, it is also called a "town of schools"
having -the most excellent educational establishments of
every kind.
The royal Technical University which is one of the most
important in Germany, is in the "Guelph-Palace", a magni-
ficent edifice built in the middle of the Herrenhausen Allee
from 1857—1866 as a residence of King George V of Hanover-
The fine entrance hall is adorned by the well known '"Edda"
frieze by Prof. Engelhard. In front of the castle Stands the
miich admired "Sachsenross" (the crest of the province of
40 DEUTSCHLAND 1911
Hanover). The richly endowed royal veterinary Unversity
consists of one principal and 18 smaller buildings anid ma
be considered the best veterinary educational establishment
in existence.
With regard to military education, there are the "Kriegs¬
schule" and the "Militair-Reitinstitut" (T48 officers and four
surgeons), where officers from all cavalry regiments, except
those of Bavaria, are sent.
Excellent opportunities for sport and exercise are offered
by the delightful riding driving and cycling roads in the
Eilenriede and the parks of Herrenhausen, by the boating on
the Leine and Ihme, the skating on the Masch park, and the
large gymnasium and play grounds.
Hanover takes a foremost place among German towns, as
regards its horse races, which are held annually in the season.
But after oll, the chief attractions of the town are its
beautiful surroundings. The Herrenhausen Allee, a perfectly
straight grove of beautiful old lime-trees, leads to the well
known Herrenhausen grounds and so connects the town with
the Herrenhausen Palace, the former residence of King
George V. To the right of the Allee is the "Welfengarten"
to the left the "Georgengarten", laid out in the style of an
English park, and behind the Palace is the "Large Garden"
which was laid out from designs by Lenotre, the famous
landscape gardener of Louis XIV. With the exception of the
Versailles and Schönbrunn gardens, this is the finest example
of its kind.
In front of the Palace are large lawns with lovely flower-
beds, fountains, cascades and statues, the large fountain
being known for its waters rising to 2T0 feet, so surpassing
by its height any fountain of the continent. A garden theatre
sheltered by high, beautiful old trees deserves particular
attention and bears witness of the gay court life of past
centuries. Opposite to the large Garden is the "Berggarten"
with its famous Palmhouse and the "Mausoleum" whicK
contains the beautiful recumbent marble statues of King Ernest-
Augustus and Queen Frederika, both masterpieces by Rauch.
To the South of the town, the grounds about the Friedrichs¬
wall form part of the Masch Park. Here the new "Rathaus"
(Town Hall) has been erected at a cost of nearly TO million
marks. Its gigantic golden cupola dominates all other build¬
ings and from afar greets the stranger and shows him the
way to its beautiful town.
Close to the Rathaus the imposing edifice of the "Pro-
vinzial-Museum" is situated.
In the east of the town, the Eilenriede, a beautiful forest
of fine old oak beech and pine trees, 1700 acres in extent,. is
a great attraction and source of pleasure.
Just beyond is the "Tiergarten", 250 acres, which is remark-
able for its fine old trees and its herd of deer (120 head).
One of the principal attractions is the Zoological Garden
which, with its fine park of animals is very interesting to
naturalists.
As Hanover is advantageously singled out from among*
other large towns on account of the moderate rents and
taxes and the low charges for the necessaries of life, it is
especially suitable as a place of residence for people with
independent but limited incomes, retired officials and officers,
and foreigners who intend to leam the German language,
give it the preference before other places.
Hanover: View near the Museum
ign DEUTSCHLAND S
41
Cassel «Wilhelmshöhe.
Cassel-Wilhelmshöhe I What
a plenitude of agreeable recol-
lections are connected with
every passing- or longer stay in
the Capital and residence city
of Cassel in the lovely Fulda
valleyl If we ask ourselves
after a visit to other points of
attraction to travellers, why the
place in question has left an
Impression behind it more than
superficial, the reply often
occasions really great difficulty.
The recollection of a sojoum in
Cassel is permanent, because
the consciousness is associated
with it, that in scarcely any
other town are art and nature
in the same way harmoniously
combined.
In the first place the picture
gallery deserves to be mentioned;
it contains among about 1000
paintings many important Cre¬
ations of the Netherlands' school.
From the loggia of the gallery
an incomparable view into the far distance may be enjoyed
and if that has not already been done, the visitor may here
certainlv realise the advantages of Cassel as a home of art
Cassel: New Town Hall
Cassel-Wilhelmshöhe: Castle Wilhelmshöhe
and as the centre of a most delightful landscape. On the
ground floor of the imposing building modern works of art
with others from medieval times are lodged.
The extensive Friedrichsplatz is surrounded by a
number of stately erections. The interior of the Royal
Palace is well worth seeing. The F r e d e r i c i a nu m
museum contains rieh collections of pre-historic and
antique rarities. On the first floor of the museum building
is the Land Library with the largest library hall in
Germany, more than 250 feet long. Further, scientific
and literary interests are catered for by the municipal
Murhard Library situated in a park and by various
reading halls. Cassel boasts also of a pre-eminent
home of art in the Marble Bath, which as well as the
Kaupert Museum arranged in the Orangery Castle
doubly repays a visit to the beautiful Karlsaue.
Art and Nature! This association of ideas occurs
again to us when we see the new abode of the Royal
Academy of Fine Art gleaming through the giant
trees of the Aue. Repeatedly, considerations of this
kind force themselves again upon the wanderen Waves
of the Fulda diverted from their own bed, flow through
the park and break on the Island "Siebenbergen", a
fairy creation, which enchants the eye by its wonderful
Collection of home and exotic floweis. Tuming round
towards the town, we enjoy the view of the splendid
buildings on the Weinberg. Here, and particularly in
the newly-erected Royal Court Theatre, the
difficulties of the building site have been surmounted in
the most masterly manner. A large number of buildings
of real artistic value have arisen in the last few years.
Above all, the new Town Hall is worthy of mention,
which in its exterior impressive appearance gives
evidence of the power and dignity of the citizens and
in its interior arrangements and adomment inspires
complete admiration. Shortly, on the adjacent Wilhelms¬
höher Platz, there will arise the Hessian Landesmuseum.
On the Platz just named the glance of the spectator tarries
long as if under a spell. Before him, as if he rould
42 ( g)QQ0OQ9CO3Q090(^ 99e8^09e9ggl DEUTSCHLAND
1911
touch it, but yet an hour's walk distant lies the celebrated
Wilhelmshöhe; avenue, castle and Hercules all harmoni-
ously arranged in one line. On both sides magnificent woods
join them. Even the trip in the electric car, which reaches
ihe castle in twenty minutes, renders a continuous enjoyment
of the scenery possible. — With every lover of nature and
of art the delight awakened already in the town and
the Karlsaue is here raised into pure enthusiasm. Here
on the eastem slope of the Habichtswald (hawks' wood) Kindly
nature has given the landscape gardener a lesson such
as no Imagination could
have better dreamt.
Lush lawns altemate
with native and foreig’n
groups of trees. Wild
waterfalls connect peace-
ful ponds with one
another. Defiant blocks
of rock are annexed to
artificial grottoes. A giant
octagon supporting“ the
Farnese Hercules crowns
the whole park.
Whoever has once
allowed the charm of
Wilhelmshöhe to work
upon him will not be sur-
prised that the imperial
Family regularly passes a
part of the summer here.
However the landscape
scenery and the hyg’ienic
advantages of Cassel
and Wilhelmshöhe also
exercise a mighty power
of attraction over wider
Cassel: View in the Carlsaue
circles at home and
abroad.
Hildesheim.
By Professor Dr. O. Rubensohn.
The express train conveying travellers from London and
Paris via Cologne to Berlin rushes through the wide sunken
plains of Lower Germany, then suddenly Start up the first
friendly highlands, wooded mountains, summits become visible
below which there gleam gold and green and dark grey slate-
coloured towers and cupolas between red-tiled gable roofs.
That is Hildesheim, the ancient bishop’s city, the proud land¬
mark of German citizenship grown great out of its innate
power, the splendid bloom in the wonder garden of German art.
In the year 1915 Hildesheim will celebrate the eleven
hundredth anniversary of its existence. In the year öl5 Louis
the Pious founded the bishopric here in the place of the rose
tree woven round for thousand years by ancient sagas. The
history of the town, extending back over more than ten centuries,
is distinguished by venerable boundary stones of art, for no art-
epoch has passed over in Germany without leaving its traces
in the walls of this northern Nuremberg and while in other
places the levelling tendencies of modern times have cleared
away the monuments of bye-gone days without mercy, here
the tough Lower Saxon spirit, which cleaves to what is ancient
without underestimating what is modern, has wisely preserved
the Works of our forefathers. The visitor therefore comes
across the most valuable treasures everywhere in the churches,
on the altars and in the sacristies, and the walls of the houses
in the picturesqiie lines of streets and on the fme-toned open
places speak the ancient language to him still.
The towering church buildings of Hildesheim stand proudly
erect among the architectural monuments of Germany. The
artistic hand of Bernward, the wise statesman and witty art-
loving bishop (992 — 1022) rested on them. His sublimest edifice
is St. M i ch a e r s, a wonderfully arranged ecclesiastical
structure. A refined artistic charm emanates from the Varia¬
tion of the columns and pillars. from the Romanesque and
Early Gothic capitals, the finely thought out angel choir has
a most picturesque effect and the whole is crowned by the
raftered ceiling of the nave with its widely celebrated roof
paintings. And besides St. Michaels, on the edge of the
suburbs of the town, there is S t. G o d e h a rd's (1133—1172),
This basilica with its three aisles and double choirs, with its
very effective and quiet construction, its clear and sharply
outlined form, its beautifully grouped chapels on the eastem
side of the choir is a perfect jewel of Romanesque architecture.
The Cathedral, the oldest and most often metamorphosed
monument in Hildesheim, lies interestingly placed in the
Cathedral Close in an elegant circle of canons' houses. From
the earliest times it sheltered in its apse a costly gern of
Romanesque architecture, the churchyard of St. Anne with
the two-sided cloisters surrounding it. In the peace of this
churchyard rest the bodies of Hildesheim's canons, here rises
the elegant Gothic chapel of St. Anne and here blooms the
thousand year old rose tree, connected in a beautiful old
Story with the Foundation of the bishopric. In the lofty nave
of the Cathedral itself we stand before the Creations of Bishop
Bernward's own hands, above all before the fifteen feet high
bronze doors (cast here in 1015). In illustrations pro-
foiindly symbolic they exhibit to us scenes from the Old and
from the New Testament. Cast out of a single piece, these
double doors with their bold projecting high relief are of
1911 DEUTSCHLAND
43
truly astounding perfection ai d perhaps still more wonderful
in their power of artistic coa iguration. A further evidence
öf the consummate plastic art of the great bishop is the
Bernward's Column (1022). In the centre of the cathe-
dral is suspended the great circular candelabra of
Bishop Hezilos (1054—1079), incomparable for the splendid
harmony of its Romanesque omamentation; the baptismal
font (1230) adomed with rieh and copious reliefs teils a
similar artistic story and another is related by the costly
ireasures of the cathedral in which are included, be-
sides its g*ems of Romanesque and Gothic applied art, some
further splendid specimens from Bemward’s own workshops.
The other churches in Hildesheim are also really inexhaus-
tible mines of treasures which enchain and delight the art
critic as well as the art amateur, but they represent only
one side of the interest which detains the visitor there. With
astonishment his eyes remain fixed on the rieh wood-carving
of the timber frame houses with their projecting upper stories,
of which the town has preserved over seven hundred, entire and
perfect in their ancient beauty and wealth of colour, thereby
making a record in all Germany. A really genuine relic of
the middle ages is the Andreas Platz overlooked by the
mighty structure of the Gothic Andreas Church. The
Andreas place is surrounded by a circle of charming houses,
among them the Trinitatis Hospital with the splendid
pointed arch Windows in the Gothic substructure and the
fine wood carvings in the upper building added at a later
date, as well as the characteristically ornamented mercers
guildhall, all of which worthily and effectively represent the
style of architecture in the earliest times. Not many cities can
boast of such an equally homogeneous and harmonious central
point as the Hildesheim market place with its Roland's
liildesheim: Knochenhuuer Amtshaus (Butchers' Guildhall)
44 DEUTSCHLAND ILll
fountain in the middle. On the east side it is enclosed by
ihc front of the Town Hall with its much divided gables,
its leafy walks and picturesqiie comer tower. The entire
depth of the upper story of this hug^e building is occupied
by the high-arched principal hall of the Town Hall, which is
decorated by the frescoes of Prell on subjects from the
history of Hildesheim. Next to the Town Hall there rise
fantastically the quaint architectiiral forms of the Gothic
T e m p 1 a r house with its fine Windows distributed in the
facade, and dose beside that house Stands the Wedekind
house, a brilliant
example of the
Hildesheim timber
frame houses of
the end of the
sixteenth Century.
But all these build-
ings are of small
account in com-
parison with the
most distinguish-
ed omament of
the place, the
proudest house
that Hildesheim
possesses, the
Knochenhauer
Mansionhouse.
In that is seen the
model of the tim¬
ber frame house in
its highest per-
fection. V/herever
the glance of the
spectatormay fall,
it is arrested by
rieh ornamenta-
tion, adornment
wonderfully
thought out, and
executed in mas-
terly style and in-
genious phrases.
And whoever may
wander farther
than the market
place and glance
down the pic-
turesque Os t er¬
st r a s s e, into
the animated Ho¬
henweg, the Brühl, the Langenhagen and the
Kreuzstrasse, will meet at every turn such exquisite
timber houses.
Brilliant practical proof of the self-saci ificing communal
sense has bcen shown, and even in recent times, in the art
institutions of the town and in the museums. The Hildesheirn
Roemer Museum is famed throughout the world; it is an
endowment of the Roemer family with rieh collections oi
objects of natural history and applied art, and beside it this
year a new museum will open its doors, the P e 1 i z a e u s
Museum, the endowment of a generous son of Hildesheim
with fine collections of Egyptian and Greco-Roman antiquities.
This is a foundation made by a private Citizen, such as we
are usually accustomed to only in America as the work of
one of its multi millionaires. For we actually find in this
Collection such
choice articles as
the life-size bronze
headofRamses II,
numerous statues
of the time of the
ancient empire
and, besides a
gallery of Greek
andRoman marble
busts, a splendid
terra-cotta Col¬
lection, a large
assortment of ear¬
ly Roman glasses,
Attic vases and
— last not least
— the antique
plaster models
from M emp h i s
of the third Cen¬
tury B. C. which
became so sucl-
denly celebrated.
models for gold
and silver Utensils
with the finesl
metaphorical and
ornamental embel-
lishments, the
most important
artistic parallel to
the valuable s i 1 -
ver treasure
t r o V e of the Ro¬
man times, which
came to light
at Hildesheim
about fifty years
ago. Hildesheim
is therefore for
everyone with artistic sensibilities a source of high enjoy¬
ment, and the natural scenery outside the city with its
lovely mountains and valleys, its magnificent woods and
its wide views, is more than on a pnr with the fine art in
the town.
Brunswick.
By A. Sattler, Brunswick.
ln t’'.e mi Idle ol the old Saxon land near the border, where
the central German mountainous or hilly country subsides
into the far-reaching h e a t h, lies B r u n s w i ck the town of the
Brunonen now more than a thousand years old, once the resi-
dential city of the mighty Duke of Guelph, Henry the Lion,
afterwards a prosperous trading and Hansa town and now the
Capital and residential city of the duchy bearing the same namo.
The town is indebted for its present prosperity (it con-
tains now 144 000 inhabitants) to its active trade (two
annual fairs) and to its many-sided highly developed manu-
f a c t u r i ng life.
The Position of the city in a pleasant and fertile
plain, interrupted by wooded Stretches of rising ground, on
both sides of the Oker coming from the adjacent Hartz
1911 DEUTSCHLAND 45
mountains, is an uncommonly diversified and charming-
one! Beautifully wooded chains of heig-hts, the Elm, the
Asse, the Lichtenberg and the Oder, but above all
things the long-extended ridge of the Hartz with its high
towering Brocken, form the limits of the horizon on the
south and east.
Among the medieval cities of Germany the residential
lown of Brunswick Stands unquestionably in the first
rank in respect to its beauty and its eminently peculiar
charm; it possesses so many treasures out of its brilliant
past, that it may without hesitation be placed at the side
even of Nuremberg. Besides a rare number of medieval
buildings the town also possesses numerous strikingly
beautiful modern erections and this admixture of the
middle ages with the cleverly added modemity, imparts to
the town its extraordinary charm and offers to the spectator
such attractive pictures as are to be found in no other cities^
The venerable timber or frame houses richly orna«
mented with carvings
have, as a common
characteristic, the stair
or ladder shaped pro-
jection of the higher
floors. Consoles of
various descriptions Sup¬
port these projections.
The beams and joists
aremostly, as well as the
staircase, ornamented
with arabesques, foliage,
figurative representa-
tions and with mottoes
or carvings often of a
rather coarse humour,
and all painted in gay
colours.
A pearl of this kind
is the G i 1 d e h a u s
(the former Huneborstel
house erected in 1573)
on the Lurgplatz, as well
as the AlteWage on
the Wollmarket dating
from 1534.
Very conspicuous is
also the large number of
former patrician houses which lie scattered over all parts
of the town and give ample evidence of the wealth prevailing
in Brunswick even in the middleages. Among these buildings
the Dannenbaum house in the Auguststrasse, Stegers
Mummen brewery at the Bäckerklinte with the Till Eulen¬
spiegelbrunnen before it, the Eighth Lower Bürgerschool on
the SüdkÜnte, the First Middle Bürger Girls' School
in the Wilhelmstrasse, the Bierbaum house in the Fallers¬
leberstrasse, the house Nr. 3 in the Steinstrasse with the
Luderziehen, the Witt ekop house on the Bankplatz
dating from the year 1592, the Apothecary’s on the
Hagenmarket and several houses in theReichsstrasse
take the highest places.
The churches ofthe town date for the most part
from the middle ages and are master works of Gothic and
Romanesque architecture. The church histoiically most inter-
esting is perhaps the Cathedral erected by Henry the Lion,
with beautiful and elegant Gothic belfry built into the two
towers. Most magnificent is the extremely tastefully restored
interior mostly with the old paintings and containing also the
graves of Henry the Lion and of his consort Mathilda,
the grave of the Kaiser Otto IV. The crypt under tho
high choir holding in 48 coffins the mortal remains of most
of the Guelph princes of the Bevern line.
The Andreas Church with its tower 300 feet high is
likewise a beautiful building. On the Hagen market the
Katharine Church, with the Heinrichbrunnen before it,
forms a magnificent background and the mighty halls of the
Brüdern Church have an uncommonly picturesque effect.
Among the secular buildings the spectator will
probably feel the greatest interest in the Burg Dank-
warderode restored in the Romanesque style, the palace
of Henry the Lion with a wonderful banqueting hall. The
Lions Column erected by Henry the Lion before the
castle, the Emblem of the town, the Cathedral, the Gilde¬
haus and the other houses surrounding it, impart to the Burg
Place an extremely solemn appearance. The back of the
Burg with the monument to Duke Wilhelm before it and the
castle moat is very fine.
The most remarkable Renaissance work in Brunswick is
[i
m£iti
the Gewandhaus, now allotted to the Chamber of Commercu
with its wonderful high towering c''.st gable erected in 1590.
Quite dose to it lies the Old Town Market (Altstadt¬
markt) with the magnificent Old Town Hall built in the
Gothic style, the elegant Gothic fountains and the
Martini Church indisputably the most beautiful square in
the town.
Among the modern buildings the first place is
undoubtedly taken by the Ducal Residential Castle
erected in Grecian Renaissance style with Rietschel's
incomparable Quadriga and the equestrian statues
of the Dukes Carl Wilhelm Ferdinand and Friedrich Wilhelm
before it. The castle is one of the first German princely
seats. But also the New Town Hall with its high soaring
tower, the Ducal Court Theatre, the Technical
University, the Treasury Buildings, the new Mini-
sterial Building, the Courts of Justice, the Police
Administration, the Ducal Museum, the Town
Museum, both with rieh collections, are eminently magni¬
ficent erections, fitting in to the old town picture most
advantageously. That picture is further animated by numer¬
ous imposing fountains and monuments, of which
DEUTSCHLAND 1911
we will here only mention the Lessing Monument,
the Monument to Victory, the Gauß Monument,
the Abt Monument and the Obelisk on the splendid
Löwenwalle.
The mighty walls formerly surrounding the city have
been transformed into splendid promenades interspersed
with lovely villas, which encompass the whole town and in
common with the broad arms of the Oker impart to the
place a charming Ornament by their glorious avenues and
charming lawns.
Moreover quite dose to the town great and splendid
parks have been laid out, with mountainlike heights and
ponds animated by all kinds of waterfowl, with extensive
playgrounds and pretty restaurants which invite all to
recreation and refreshment.
Beautiful also are the villa auarters of the remote
suburbs, broad, avenue-
like Streets and pretty
front gardens of which
impart to Brunswick
truly the character of
a garden city.
Brunswick is the most
populär point of depar-
ture for the glorious
Hartz mountains, e x-
tensive forest lands
round about it inviting-
US to beautiful walks
rieh in lovely views.
The intellectual
and social life in
Brunswick is very active.
Excellent theatres, lec-
tures and concerts,muse-
ums, scientific collections
of every kind and well«
filled libraries provide
further for mental stim«
ulation; neither is there
in Brunswick any want
of organisations for
Sport.
The schoolsystem
is thoroughly well organised. The schools, at the head of
them the Technica 1 University, are quite preeminent. The
entire life and work in Brunswick is comfortable and homelike
for which reason the town is always frequented by foreigners.
Brunswick: Burgplatz with View of the Town Hall
The Hartz.
By F. Günther, Clausthal.
Among the mountain woodlands of
Germany which exercise their powers
of attractions upon strangers and
foreigners seeking relaxation amidthe
beauties of nature, the Hartz assumes
a peculiar position. No other inoun-
tain ränge has been so much
described by authors and so much sung by poets; even
our prince of poets Goethe has erected an imperishable
monument to it in Faust. And it deserves such marks of
Histinction. What a fulness of landscape pictures, all different
from one another and yet each of a peculiar beauty, crowd
together in a proportionately narrow space. Here the Bode
lushes foaming between granite walls more than 600 feet
high and there the Selke winds calmly through a graceful
hilly country. Here wildly romantic mountains tower one over
the other and from the heights wonderful rock formations look
far out into the open country with its green pastures; there
Stretches, as far as the borders of the horizon, the wide
immeasurable plateau encircled by mountains and with glitter-
ing lakes; the healing woodland peace softly throws its arms
around us, makes our hearts beat more quietly and smoothes
out the wrinkles which work and life have imprinted on us and
in the mysterious rustling of the dark fir**trees the chime of
distant bells mixes harmoniously.
And how many important historical recollections are
associated with the Hartz! Did it not once stand in the
glorious time of the Saxon and Frankish emperors as the
central point of the German imperial history, its kaiser
towns and royal palaces telling the story to this day. Almost
innumerable is the multitude of castles the ruins of which
are preserved as picturesque monuments; the splendid
princely castles Wernigerode, Blankenburg, Ballenstedt, Stol«
berg etc. Standing out prominently above all.
Whoever hastens to the Hartz from the north usually
breaks his journey in the old bishop's city of H ildesheim*)
or in the glorious ducal city of Brunswick*). The great
sights of Hildesheim are the market-place with the quite
original Town Hall, the charming pointed-gable architecture
of the Knochenhauer Amtshaus and the cathedral, which
reflects all styles from the old Roman onwards, with its
cloisters and thousand year rose tree. ln Brunswick we are
especially attracted by the castle Dankwarderode of Henry
the Lion, the old Gothic Town Hall and the clothworker's hall
splendid in the Renaissance style, the new buildings of
the Grand Ducal Museum, the residential castle and the theatre.
Arriving at the border of the Hartz we make a longer
stay in Goslar, the old Kaiser and Hansa-town. Situated
just at the foot of the Rammeis mountain, rieh in silver and
•) See the special articles on Hildesheim and Brunswick.
p.
b!
The Hartz
T. Castle Falkenstein. 2. Gero Church, Gernrode. 3. Castle Regenstein. 4. Brocken. 5. Witches' Dancing- Place.
6. The Radau Falls near Bath Harzburg-. 7. Castle Wernig-erode. 8. Castle Quedlinburg. 9. Castle Ballenstedt.
10. Valley of the Ilse.
48 DEUTSCHLAND @^^^^^^^^^^^80668^886® 1911
rising- nearly two ihousand feet higher still, this town with its
mighty gates and imposing church towers, presents itself to
our view grave and characteristic; in the interior besides the
Gothic Town Hall it shelters the richly decorated '^Kaiser-
worth'^ the ''Brusttuch'^ the churches and many another
jewel of Lower Saxon architecture. But the pride of the old
imperial city is glorious ^"Kaiserhaus^^ as the oldest preserved
secular edifice a unique phenomenon of art history. From
Goslar we ascend to the populär health resort Hahnenklee-
Bocks wiese surrounded by woods and charmingly situated
on small lakes or ponds, upon which the wooden church
built in the northem style looks down. We have there
attained the high plateau of Clausthal, a landscape that
Stands alone in the Hartz in its astonishing singularity;
lighted up by an illuminating cleamess, it breathes out
freshness and health. Among the buildings of the town
Clausthal, the seat of the chief mining board, are specially
to be noticed the newly erected (1907) Mining Academy, with
its rieh collections of models, minerals and allied objects.
and the Market Church, worth seeing as the largest of all
wooden churches, the church roofed with copper in the
adjoining Zellerfeld and the Bergapotheke (mining chemist's)
a house ornamented with carvings etc. by genuine artists.
In the innermost valley, to which the railway ascends,
there lie the two mining towns of Lautenthal and Wilde¬
mann pleasantly situated between steep wooded mountains
and, separated from them by the mountain ridge, on the
border of the Hartz the cheerful summer resort Seesen,
on the way to it the ruins of Schildberg and not far distant
the ruins of Woldenstein and Staufenburg. From here we turn
to another summer resort Grund embedded between sheltering
mountains; with the Iberg towering over it and rising
beside the Hübichenstein possesses as sights so-calied glacier
pots and a cave with stalactites. Charmingly situated on the
Söse, dose on the Upper Hartz lies Osterode with its
castle ruins called by Heinrich Heine the Mossrose of the
Hartz. In a long extending valley between steep mountains
is the health resort Lerbach from which via the Kuckholz-
klippe, a beautiful point of observation, we reach Bunten¬
bock, rivalling Hahnenklee as a summer resort, and at the
same time the level of the plateau again. The chain of hills
on the South east called Acker and Bruchberg, has a number
of grand outlooks, the mighty Seilerklippe, the picturesque
Hanskühnenburg, the Hammersteinsklippe and the Wolfs¬
warte (three thousand feet). Below these places there lies
on the Oker the Kur-bath Altenau, an oasis in the green
ocean of woods. We follow the blustering Oker downwards
over Romkerhalle, where the Romker plunges from the rocks in
three falls two hundred feet high; defiantly and in fantastic
shapes the granite rocks spring out of the mighty mountain
walls gloomy with fir-trees; in majestic beauty the Okertal
can only be compared with the Bodetal. Passing the natural
architecture of the grotto and the ''mouse trap" we wander
on to the oldest saline bath in the Hartz, the very populär
and elegant health resort Harzburg. Situated between the
highest border mountains, one of which bears the ruins of the
celebrated Kaiserburg, it unites beauty with a certain severity.
As Harzburg lies at the egress of the Radau, the beautiful
11 s e n b u r g lies at that of the ^Trincess Ilse^ the hurrying*
Brocken child, whose
valley above the Ilse
stone attains a haughty
grandeur. The princely
castle comprises, in
addition to a modern
building, also the
remains of a Roman
convent.
Among the most
beautiful towns in the
Ha rtz belongs Wernige¬
rode on the Holtemme
with its surroundings
here lovely and there
grand, its variegated
woods and its delightful
views. Besides the Town
Hall, correct in style,
many a citizen's house
has also been preserved
out of the middle ages.
The castle of the princely
Stolberg family, that
rises with towers and
battlements three hun¬
dred and seventy feet
above the town, is
equalled in beauty by few mountain castles. One piece of the
high mountain chain forms the ""Steinerne Renne"", a narrow
wood ravine in which the foaming water dashes wildly in
cascades over granite terraces into the valley. The adjoining
village of Nöschenrode with its idyllic valleys also possesses
a charming character.
Between llsenburg and Wernigerode the B r o ck e n, thirty
five hundred feet high, pushes its foot forward up to the border
of the mountain ränge and rising nearly three thousand feet
above the level of the plain affords from this side an imposing
view. Beside the ""head"" of the Brocken stand its two
""shoulders"" the Königsberg and the Heinrichshöhe. These
other heights and mountain ridges together with the mighty
cliffs of the tangled primeval forest and, in the west, the
high plateau of the moor Brockenfeld on which the northem
dwarf birch (Betula nana) still grows all are connected
with the Brocken and issue from it. It is the only mountain
north of the Alps with a world-wide reputation, even if
perhaps, here and there, it is only known as the ""Blocks¬
berg"", as the meeting place of the ""witches' sabbaths"", The
circular view from its summit, on which is erected a tower
Bath Harzburg: Ravens' Cliff with View of the Brocken.
The Hartz
1. Mining- Academy Clausthal. 2. Josephs' Hill. 3. Kaiserhouse Goslar. 4. Oker Valley.
5. Kyffhäuser. 6. Rübeländer Stalactite Cavern. 7. Roland at Nordhausen. 8. Convent Ruin Walkenried.
9. Wissmann Monument at Bath Lauterberg-. 10. Town Hall at Halberstadt.
50
DEUTSCHLAND
1911
sixty feet high, ranges over more ihan the two hundredth part
of Europa and between the extreme points, one hundred and
fifty-six English miles distant from each other, can be
recognised eighty-nine towns and six hundred and sixty-eight
villages. But still more interesting than the distant view
is the relief of the Brocken ränge which is obtained from
above, the view over the rolling ocean of mist and fog or
into a thunderstorm raging round it; Good footpaths lead
up to it from all sides and the railway which ascends it
from Wernigerode has opened up new beauties. To build a
boarding house at the Station Dreiannen-Hohne, near
the wild disruptured Hohne cliffs, would be a happy thought.
The Brocken village Schierke on the Kalten Bode has,
through its wonderful cliffs and the granite blocks strewn
over the whole vicinity, quite the character of an Alpine
district and has become a health resort of the highest dass.
Its suburb Elend shares in its development and the Kur-bath
Braunlage on the Warmen Bode, favoured by magnificent
environs, also flourishes perceptibly. Where the two spring
sources join, the ruins of the imperial palace Bodfeld are
to be seen. From here by the railway we reach the Bode
again via Elbingerode, an idyllic summer resort, and
Rübeland with its three celebrated stalactite caves of which
the Hermannshöhle is the finest in Germany.
In the valley of the Rappbode among beautiful surround-
ings with the brilliant prospects of Ebersberg and Grosser
Ehrenberg, lie the flourishing Kur-places Benneckenstein,
from which the fresh woodland Hohegeiss the highest
village in the Hartz (about two thousand feet) is not far
distant, and Trautenstein, and further, on the united
Bode, peaceful and homely between lovely leafy woods
Wendefurth and Al tenbrak. Below Treseborg, where
the Bode begins to break through the granite of the Ram-
berg, the beauty of the scenery increases, the cliffs become
more adventurous and wilder, on both sides is a luxuriant
tree growth, the river rushes raging between the ruins and
falls foaming into the "cauldron'“, then to hasten between
perpendicular granite walls to the Bodentor, the pillars of
which are formed by the six hundred feet high "Rosstrappe"
and the still higher "Hexentanzplatz". Thale, with the sahne
bath Hubertusbad and the Hartz Bergtheater, Germany's first
natural stage, is a summer resort of the highest dass.
The fragrance of history hovers over Quedlinburg,
the celebrated garden town; the royal castle glances down
over the luxuriant country from steep sandstone rocks where
it Stands beside the celebrated foundation church under
which King Heinrich I rests. A little farther back from the
edge of the mountain ränge Stands the proud bishop's city
Halberstadt which in its romanesque Liebfrauen Church,
its majestic cathedral and its interesting Town Hall exhibits
brilliantarchitecturalmonuments; fit tobe placed besideQued«
linburg’s Klopstockhouse is also Halberstadt's Gleimhouse.
The town of Blankenburg nestles picturesquely on
the mountain declivity which Supports the glorious Ducal
Castle and has almost a southerly character. Among the neigh-
bouring rocky formations is the Regenstein which once bore
a castle partly hewn out of the rock itself, and the jagged
ridge of the Teufelsmauer. The Selke, a river parallel to the
Bode offers as its chief attraction rocks emerging out of the
luxurious Vegetation between the A 1 e x i s b a d surrounded
by a beautiful woodland park and the little village Mügde*^
Sprung with its legendary "Mädchentrappe". A branch of
the tramway takes us to Harzgerode lying on the open
plateau, the old castle of which treasures a valuable
Collection of minerals. And via the mountain Kurbath
Friedrichsbrunn, encircled by woods, we ascend to the
Victoria hill, the observatory of the Ramberg, the highest
point of the Lower Hartz.
The Selke railway will now bring us from Mägdesprung
to the watering places Gernrode and Suderode con¬
nected in sisterly fashion. The first has in its thousand
year old "Cyriaci Church", in which the Markgraf Gero, its
builder, rests, a prominent monument of art, while the
Stubenberg and the Georgshöhe present views of picturesque
charm. Over the pleasant summer resort Ballenstedt
surrounded by a wonderfully beautiful park, rises the
Ducal residential castle beneath which, in a grave hewn out
of the solid rock, the Markgraf Albrecht the Bear has found
his last resting-place. A trip from here into the Lower Selke
Valley is well worth making; there are the ruins of the ancestral
castle Anhalt and the perfectly well preserved castle Falken¬
stein, the only one of its kind in the entire Hartzland.
We now travel by the railway to Aschersleben and
Bernburg. In the former town we visit first of all the Gothic
Stephany Church and the beautiful Town Hall; in Bemburg,
whose Saline bath is one of the strongest in Germany, we
are attracted by the charming view over the woodland
district of the Saale and especially by the magnificent
castle of the sixteenth Century.
By rail we come between the Luther towns Mansfeld and
Eisleben to the Southern border of the Hartz. From
the fertile "Goldenen Aue" (near the saline-bath Franken¬
hausen, and the Barbarossa cavern which shows beautifiil
alabaster formations), rises nearly one thousand feet the
"Kyffhöuser" celebrated in story, from the Kaiser Ruins of
which the most perfect and artistic national monument is
visible. Passing the ruins of the Rothenburg we come to
the Tyra valley which we follow upwards to the little town
ofStolberg, an untouched piece of medievalism wedged
into the narrow valley. Its show sights are the high towering
princely residential castle and the Joseph's hill with the
giant iron cross. A visit to the "Hohnstein" the largest castle
ruin in the Hartz also affords great satisfaction. By way of the
old kaiser and imperial town Nordhausen, the medieval
fortifications of which are just as effective as the Renaissance
architecture of its Town Hall and its Gothic cathedral, we
make an excursion to the charmingly situated little town of
Bleicherode at the foot of the finely wooded Bleicheröder
mountain, re-entering the Hartz at Walkenried with its
celebrated convent church ruins; we then ascend the "Stöber¬
hai" by way of the lovely Wieda nestling in the valley and
after enjoying the fine view from the Stöberhai pass through
Both Sachsen distinguished for its beautiful woods and
come to Ravensberg, the Brocken of the Southern Hartz. Via
the idyllic Wiesenbecker pond we arrive at Bath Lauter¬
berg one of the most populär of watering places with charming
environs and then take the train to the mountain town in
the Upper Hartz Sanct Andreasberg, an excursion well
worth the trouble, as the neighbourhood offers lovely walks
of which that to the Oderteich deserves especial mention.
Making our way towards Herzberg we visit the celebrated
"Einhornhöhle" (unicorn's cave), the stone church of the time
of Bonifacius and the ruins of the Felsenburg Scharzfels.
Wonderfully beautiful and sheltered is the appearance of Herz¬
berg lying at the foot of the ancient Guelph castle, the ancestral
home of the Kings of England of the house of Hanover.
The Hartz is encircled by main lines of railway, from
which branch lines and narrow gauge lines radiate into the
mountains or cross the district from north to south and from
east to west in manifold variations. And if the railway net has
left a vacuum anywhere, the connection is made good by the
Büssing-Kraftwagen lines. — In the winter, when the Hartz has
its beauties to display as well as in the summer and offers
something remarkable in the way of winter festivals, ski-ing
and tobogganing, sleds are to be found everywhere at the
disposal of visitors.
52 DEUTSCHLAND 1911
Magdeburg.
Situaled in a lovely position on the left bank of the Elbe
Magdeburg, a large city containing 280000 inhabitants and
making rapid progress, offers in its rare many sidedness
something to satisfy the expectations of every visitor. The
fine art amateur and lover of antiquities is astonished by the
beauty of the old town with its famous main-street, the Breite
Weg, with a very ancient and splendid cathedral from the Gothic
times with romanesque cloisters, with its Gothic churches,
its Town Hall and patrician houses dating from the seventeenth
and eighteenth centuries. The visitor finds museums both
the most fashionable in Germany; the swimmers of Magdeburg
make international records, and both town and citizens make
sacrifices in the support of physical exercise. Its numerous
and excellent schools, its applied art, building and artisans'
academies, its hospitals etc. have had to be created by
Magdeburg in a few decades only, as it has been twice
completely ruined, first in 1631 at the destruction in the
""Thirty Years War" and again between 1806 and 1813
in the time of the French. Only since the middle of the
nineteenth Century has it worked itself in a rapidly pro-
ilTT'ki
1 .
r L-^ 1
Magdeburg: View from the Cathedral Tower (Published by W. Klautzsch, Magdeburg)
of nature and of art: the Kaiser Friedrich Museum conlains
valuable collections relaling to the history of cultivation and
also a modern gallery. In proportion to its size Magdeburg
possesses the most extensive parks of all German cities-
Three of these parks Stretch along the Elbe in a beautiful
Situation; they were mostly laid out a hundred years ago.
Every practical provision has also been made for rocing on
the Herrenkrug meadows and in a most splendid manner for
every other sport; the motor car and racing clubs are among
In the Heart
By A. T
Theland ofThuringia has from ancient times been
celebrated as the "green heart of Germany". Not alone on
account of its geographical position in the centre of the
other States. Rather perhaps because from the green wooded
mountain ranges of that country the wild brooks run down,
to three great German rivers — the Rhine, the Weser and the
gressing movement up to its present commercial and
industrial height, as one of the most important business
towns in Germany. Its numerous factories, banks, docks,
insurance offices and railways are in continual process
of extension. The social provision for the poor has
recently borne wonderful fruits, especially in respect to the
erection of small dwellings; before the gates of the town
have arisen a number of trades Union and industrial garden
towns. Dr. Schmidt.
of Germany.
i n i u s.
Elbe, fertilising the land on theirway; because in that country
people sing and rejoice, every peculiarity of the German
character is here, as it were, rapt in an atmosphere of poetry,
thought and dreams; because the mightiest shocks which
prostrated the soul of the German people and again led it
up to heaven are connected with the history of Thuringia.
1911 DEUTSCHLAND 53
Thuringia's soil saw the two periods of classical poetry, the
Wartburg“ having been a sanctuary of the first Minnesingers
and Weimar the place where the most brilliant spirits of
the time fixed their rendezvous, Goethe and Schiller being
the first. The poetry of chivalry and legends of the cloister
Weimar: Goethe Schiller Monument
join hands here; here Saint Elizabeth walked her way and
here a Martin Luther lived and laboured. The horrible
peasant wars raged through the land and at Jena and Auer«
Stadt the defeat of Prussia was consummated under the
World conqueror Napoleon. In Thuringia the grand old
master of the fugue, Johann Sebastian Bach, was born and
besides bim a large number of other great musicians. Led
by poetry and music almost all the other arts have celebrated
their triumphs
here and, however
otherwise we may
think of the in-
describable politi«
cal divisions of
Thuringia, the
residence of their
princes brought
these little States
glory in the world,
make them now,
year in, year out,
the resort of
thousands of pil-
grims who wander
with exalted ideas
through the friend-
ly garden«towns,
Iracing in the
buildings, monu-
ments etc. rem«
embrances of the
fluttering of the
wings of long past
times and at
the same time
enjoying all that
the pushing mo«
dem spirit can
offer the art loving visitor. For Thuringia as the heart of
Germany also lies right in the middle of the modern traffic.
The railway lines cut through it from all four sides. Those
Corning from Frankfort, Cassel, Hanover and Ham«
burg«Bremen meet in Bebra, then to rush on the
Thuringia line slanting across the country,
while from the east (Berlin—Leipsic) on
the other hand the land is reached by the
Thuringian line, and I now propose to
conduct the reader through the little capitals
of the country. Weimar, Erfurt, Gotha,
Eisenach all lie on the main lines. From
Eisenach the train takes us via Meiningen
to Coburg, from whence it follows the
direction further to Nuremberg—Munich.
W eimar
is classical or consecrated ground not alone
for the educated German. All cultivated
nations join here in adoration. On that day,
the yth of November 1775, when first the
son of the Frankfort patrician, Johann Wolf«
gang Goethe, twenty«six years of age, trod
the soil of Weimar in Werther costume,
the bright star whose splendour can never
be extinguished rose above the little
residential city. The greatest poetical
genius of Germany in union with that
aspiring son of Jupiter, Schiller, and other
eminent writers gave Weimar the highest
consecration. The world voluntarily honoured it with the
title 'Tlm«Athen" and when on 22 ^^ March 1832 the sun
of Goethe for ever set, a brilliant after«glow was left
behind which will illuminate the centuries yet to come. For
this poet«hero has himself prophetically sung the words of
the expiring Faust:
"The traces of my earlhly days
Can not in eons perish".
Erfurt: Monument to Reichart, Founder of the Erfurt Horticulture
54 DEUTSCHLAND 1911
Should the poets return to-day they would not recog^nise
their Weimar again. Out of the poor little country place
a smart residential town of about 32 000 inhabitants has
grown up. A splendid Street leads to the inner old town
round which a circle of new districts has been drawn. The
Ilm still whispers its way through the poetical park which
can yet show Goethe's often sung garden-house. Tiefurt,
Belvedere and Ettersberg still form the objects of favourite
excursions awakening great memories. But in Weimar itself
we wander, not without melancholy, through the modest rooms
of Schiller’s house or through the residence of Goethe now
transformed into a richly fitted-up museum. From the streets
and market we are greeted by the brass statues of Karl
August, the princely friend of poets, of Goethe and Schiller,
Wieland and Herder. The park still possesses memories of
that glorious and brilliant time and in the prince's mausoleum
Eisenach: Wartburghof
rest the poet and his sovereign peacably together. What
an exalting effect a walk through the cemetery of Old«
Weimar hasi Through the quiet streets, past the memorable
buildingsl How much that is beautiful, stately and novel
has the modern time not created within this town in the last
decades I There is only one Weimar I What once came
and went here, the high and immortal memories forever
connected with this Thuringian residential town«to him who
has ears to hear, it is re«echoed from the stones, the waves
of the Ilm whisper it to him the trees of the park rustle it
into his ears.
Erfurt!
"How differently this token me affects" I This town at
present so mightily aspiring has always been the central
point of Thuringia, and its natural Capital, ln the middle
ages one of the wealthiest and proudest of the German
imperial cities, its trade and traffic afterwards decreased.
Truly dramatic and affecting are the individual chapters in
the history of this town; German emperors preferred to
make their triumphal entrance here, Rome erected dozens of
splendid churches, convents and other consecrated buildings.
Erfurts university was famous. The industry of its business-
like citizens made it a golden city. Then its Star sank
again. When the town was tightly encircled by a narrow
girdle of fortresses, it became quieter and quieter in the
streets and markets. Now walls, towers and ramparts have
fallen and, as if under a fertilising rain, a town numbering over
120000 inhabitants is flourishing to-day. Erfurt Rightly
calls itself always a city of flowers. Its market-gardens
surpass any in the world and cover broad fields round about
the town with flowers and vegetables. But what other rieh
industries have flourished since light and air were allowed to
enter the townl Magnificent town districts with lovely parks
and gardens have grown up to make the garden-city worthy
of its name. But
on the east and on
the north now rises
a forest of chimneys,
in the streets and
markets pulsates
the active hurrying
life of a modern
city. Whoever visits
Erfurt to-day con-
siders with respect
the number of the
splendid secular
buildings, plunges
into the crowd in
the narrow lanes to
snatch a vanishing
breath of the middle
ages and then turns
in the direction
of the Steigerwald
commanding the
town from the
heights, between
which and the old
town the New Er¬
furt so charming
in effect has arisen
with its garden
streets, its public
parks and its
views of the old
city sprinkled with
towers.
It cannot be my task here to enumerate in detail the old
and beautiful churches nor to estimate their treasures. We
need only to step out cn the Friedrich Wilhelm Place
at once to stand as if under a spell. In the centre of the
town the cathedrol and the St. Severin church greet the
visitor from the heights up which flights of outside Steps
lead, and as the sub soil for the extended building of
the cathedral was wanting, the magnificent choir has been
supported on mighty stone basement walls. There above
we must stand and let our glance wander over the sea of
roofs of the former imperial city. We turn to the Martin
foundation, built in a neighbourly manner by the former
Augustin convent, in a cell of which the monk Luther struggled
through to his God. We go slowly past the former
university where the great reformer also went in and out
as Student. We are delighted with the splendid, new, Gothic
Town Hall and with the stately renaissance houses rising in
its vicinity. We stop before the government buildings and
1911
I«] DEUTSCHLAND
55
reflect on the history of the place. What a number of great
and celebrated men rise up before usl Here Napoleon, the
conqueror of the world, once seated himself firmly. Here a
heap of crowned heads paid court to the wild Corsican,
in the first rank unfortunately, the Germans. Here the great
French actor Talma played before a "circle of Emperors and
Kings", here Napoleon received Goethe and astonished at
the appearance of the glorious man, exclaimed: "Behold, a
man" I Where shall we commence, where shall we end with
memories in this town, here, where the world's history always
once more knocks at the gate with an iron fist, the pictures of
the past gain a brilliant colouring in the course of centuries,
which cannot quite fade again even in the midst of the
and worth seeing, including the celebrated library. In one
of the towers there is a little court stage, a relic of former
days when it was the first classic stage in Germany. On it
have played Eckhoff, Iffland and other great actors. In the
depths of the castle park, which forms a charming setting
to the princely building, can be seen the ornamental edifice
of the museum. North of the castle rises the statue of its
builder, Duke Ernst the Pious, that mild and warmhearted
Prince, who first brought Order and healthy life again into
bis sorely tried land after the troubles of the Thirty Years
War and raised the educational conditions in his country to a
height which caused it to be looked upon as a model up to
our own days. Splendid fountains and flower-gardens bring
Eisenach: View of the Wartburg from the Kur Park
roaring life of to-day. And when we have paid our homage
to the historical Erfurt, then we go out into the flourishing
n.odem Erfurt. A little way into the fertile lowlands of the
Gera, the land of the three springs, between the Klingen (a name
for little ditches holding water) the celebrated cauliflowers are
grown and in the ditches themselves the equally famous water-
cresses. Then however we turn into the Steigerwald, the leafy
highland woods. From there Erfurt may be seen in all its
proud beauty; the glance roves over billowy hills and fruitful
plain to the Thuringian Forestin the blue distance.
When we leave the train in
Gotha,
the forest has come considerably nearer to us. Turning
towards the railway-station is seen the high-lying giant
structure of the castle Friedenstein, the residence of the
Duke of Coburg and Gotha, a mighty building with two
ponderous towers, containing however much that is valuable
US down into the old town which is built in a deep hollow
and can still show many old houses of the Renaissance period.
Gotha has also experienced a fresh impetus and numbers
now over 40000 inhabitants. Few German towns, especially
of its Population, can boast of many institutes and establish-
ments for benevolent purposes. ln Gotha originated the idea
of most of the Insurance Companies which now inundate the
World; Gotha may also call its own the world-encompassing
geographical Institute of Justus Perthes, the foreign collaborator
of all world-travellers and explorers. Gotha in its liberal way
of thinking established the first cremation establishment in
Germany. In many other directions this agreeable residential
city has much to show that is interesting and attractive.
And now let me salute you
Eisenach,
town of Luther and of Sebastian Bach, glorious entrance
gate into the rustling green Thuringian forest, above
DEUTSCHLAND
1911
whose roofs and towers the Palladium of Thuringia, the
tower of light, the Queen of all German castles — the Wart¬
burg — is enthroned. Indeed now on the far side of the
railway-station roars a modern factory life, near the cemetery
where the great German dialect humorist, Fritz Reuter, rests
beside bis Luise. Yet on the other side, where round about
the old town on the mountain slopes, another new Eisenach
with country houses and hotels, a proud Kur-bath has been
built in the delightful valleys, there surges from spring tili
autumn an international bustle and traffic, German Wanderers
come and go, songs resound and the deep woods nod to the
people from every side. We must observe Eisenach once in
some quiet hour from one of the heights hemming in the
delightfully rock adorned Mariental, in order to recognise
that if only a broad river wound its way below, Eisenach
would be far higher estimated in point of beauty than
Heidelberg. The effect of these forest heights, dotted with
villas, in the depth
of the town is
something quite
unique, in the
distance rise new
mountains and at
the side the former
Seat of Venus, the
Hörselberg, into
the interior of
which Tannhäuser
once made his
entrance,to dream
away a year far
from the earlh in
the white arms of
thebeautifulwitch.
Eisenach cannot
boast of too many
secular buildings
preserved from
ancient times. But
we know and feel
again and again, that through these lanes the Student Luther
wandered, that he, become a man and a fighter, again resided
here. His bronze statue salutes us as well as that of the
Maestro Bach. Here too Stands the statue of the Grand
Duke Carl Alexander, the restorer the Wartburg, who by
this restoration made a royal gift to the German people.
How charming now is the ascent to the Wartburg. And
then a stroll round through the singularly beautiful and
interesting rooms, in which the figures, which in the course
of more than ÖOO years have shown themselves in these
places, seem again to acquire flesh and blood. The Counts,
celebrated in legend and song, the Minnesingers, Elizabeth,
Luther, the commencement of the free German Student life,
the restoration of wise counsel and of action which later
occurred in the shelter of this holy castlel We must then sit
on the wall and glance over the leafy valleys when the sun
is sinking behind the mountains of the old country of Hesse
opposite. Then that dream overtakes us that all poets
celebrate again and again. Then hovers round us filling our
soul with a heartfelt glow — the charm of Wartburg — the
poetry of Wartburg I
The train from Eisenach brings us to
Meiningen
in an hour, through a part of the romantic Werra volley.
Here if we send in our cards at the quiet refined residence
of the venerable Duke George 11, we do it perhaps less
on account of the so-called sights which Meiningen can offer
to somewhat jaded strangers, than to be able to visit a place
which has been so rieh a blessing for artistic life. Meiningen
which numbers over 17000 inhabitants lies charmingly
situated on the Werra, embedded between magnificently
wooded mountain chains. Its romantic town church, several
picturesque timber houses in ancient style, the castle rieh in
art treasures, the English garden with its monuments, all
these offer much that is attractive. With admiration also
we greet the new court theatre opened in December 190Q.
The destruction by fire of the old court theatre a year
before, had put the whole artistic world into mouming. From
that building the gifted Duke had sent out his Meiningen
troop into all lands to proclaim the new birth of the art of
acting and of stage management in Germany. The conquer-
ing journeys of this troop carried them even across the
"herringpond". This deed of the prince is enrolled in the
history of the stage. And when his artists retumed home
again, their task
was fulfilled. They
had supplied the
model and given
the incitement,and
now the dramatic
art could develop
itself in the direc-
tion pointed out.
But in Meiningen
people did not
stand still. Now
music had its
turn. The Mei¬
ninger court Or¬
chestra under the
direction of Stein¬
bach first raised
the little known
Brahms into a high
Position. After
Steinbach Wil¬
helm Berger, an
American by birth, assumed the conductor's baton of which
unfortunately death has deprived him this winter. The travelling
poet Rudolf Baumbach resided here tili death released him
from his sufferings. Meiningen can also teil of Schiller, Jean
Paul, von Bodenstedt and other German poets. This adds to
its wonderful charm.
Then from Meiningen further past towers and castles,
pleasant villages and antique little towns until the beautiful
residence city
Coburg
emerges, high overlooked by its fortress. It lies between
blooming gardens on the Itz, and its broad environs possess
a charm that is specially observable when we make a tour
round the walls of the fortress, the "Fränkischen Leuchte".
The adjacent castles Kallenberg and Rosenau, the little
village of Neusess, with its pleasant remembrances of the
poet Friedrich Rückert, heighten still more the attractions of
Coburg. The town has a population of over 23000 but
possesses comparatively few manufactories. Franconia and
Thuringia meet here dose on the Bavarian frontier and
from that good neighbour they have learned to love the
Juice of the barley. The magnificent Castle Platz forms the
central point of the town. Here rises the Ehrenburg, the
residential castle, also the court theatre and a few smaller
palaces. By a splendid outside flight of Steps we ascend
past the equestrian monument of the great Duke Ernst ü,
to the fine gardens of the castle hill, the summit of which
Coburg
1911 DEUTSCHLAND
m 57
bears the fortress of Coburgf. That is now undergoing
complete rebuilding in accordance with the newly discovered
plans of its former configuration. Its collections and works
of art will soon be visited more than at present. Rooms
will also be provided for the ducal household, The history
of this most ancient fortress in highly interesting. What it
survived in the Thirty Years War, often reads like a chapter
out of a romance. Here on the height Dr. Martin Luther
is said to have once been detained for a couple cf months
and is said to have then composed the Protestant battle
hymn: "Ein feste Burg ist unser Gottl" In his romance-
cycle "Die Ahnen" Gustav Freytag has repeatedly brought
the fortress on to his stage, at the commencement as
Idisburg and at the conclusion as the Coburg itself. Whoever
visits Coburg must wander up to the castle hill and let his
eyes ränge down over this paradise, a rare landscape-picture
enframing the heights of the Thuringian forest, the Fichtel
mountains, the Main highlands and also the hills of Rhön.
North Western Germany.
By Dr. Otto Dresemann, Cologne.
The travcller arriving from the sca, where the two great
German harbours Hamburg and Bremen serve as landing
places for the important shipping Companies, is carried on
his way to Westphalia and the Rhine through a wide heath,
the prairie of Northern Germany. In spite of its seeming
monotony it contains treasures, which reveal themselves on
closer Observation. If you have seen it in brilliant sunshine
or shrouded in mist in the pale light of the moon, you
fully appreciate its secret charms. Those who desire to
make themselves more acquainted with its romance, are
recommended to read the works of the Westphalian poetess
Annette von Droste-Hülshoff.
The distance from Bremen to Osnabrück
is about the same as from Hamburg to
Bremen, but the express trains running on
this line cover the 122 kilometres without
a stop, which would be impossible in more
densely populated districts, where the jealousy
of the towns on the line would forbid what
the Frenchman calls "bruler une Station".
The old town of
Osnabrück
may be called a monument to Charlemagne.
It marks the place where the great ruler
put a definite end to the independence of
the Saxon people (in A. D. 783) by beating
their hero Wittekind decisively, compelling
him to bow his head and accept Christianity.
Feelings of awe inspired by an immemorial
past will overcome every visitor to the old
grey churches of Osnabrück, when he ad-
mires those large arched halls so imposing
in their majestic simplicity Generations of
a millennium have prayed and sung here,
and you are conscious of a more austere
and pious faith. The Gothic times have
passed by without leaving remarkable trace
in these overwhelming edifices. The spirit
which speaks to us so truly out of the works
of the poet Friedrich Wilhelm Weber seems
to come to life again under these remnants
of long bygone ages.
Osnabrück belongs to Hanover and,
therefore, is politically separated from the
neighbouring province of Westphalia. But
nationality knows of no limit here. Old
Saxon manners in house and life, are the
same here as in Westphalia and the speech
is preserved unaltered by the sons of that
soil, whence the ancestors of those who now
live in the British Isles emigrated. Let us
hope that their distant relatives and their
native soil are often remembered by the
descendants of those emigrants, that this memory may
induce them to visit now and then the places so dear to their
forefathers and to breathe the air filled with a language
even now closely related to theirs; a language, in which
the English "hawk" is still a "hafk" and which is so rieh in
similer documents of kinship. Generally speaking, this
kinship reaches from Mecklenburg and even more eastward
to the west over Hanover, Westphalia, Friesland, the Nether-
lands and even further to French Flanders. All over this
country carts of the same construction will be met as a
witness of the same origin.
Münster in Westphalia: Principal Market with the Lambertus Church
58 DEUTSCHLAND
Wh;le wö: ar<? Tne-diif^tvt^ over thE paM etJmtJ“
ühe tjÄjiv .cärriö^ us acr<is^s tlu; TnoviRtoin^
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Münster
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abundftnL'* ijf w-elt soundu'tgf hisl w'ktviiwü
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sö jhöuy Irreal .TDETi äi\d btM'-c»' Ww-rf^jrs^f ^ .psjopl^, ..whlt-K
teJkes lil'e siantiü.sl'y.; huX is: T>üy#'':'.
pf i]K^ diHkc^ icflf dfalüft. aD«i Mufistfer caruiVa 1 , whieb
uii.y’ 10 mp^Lü <'? w iih. vKür l p C^xlo^u e > p rw* s thüT i b e
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l«nd,. thiit larj^b ftÄU^iüiv far Oldcrvburgi,
c ik* iioTD inaif^ci 1- y ü bäs!i<>i> Ar-ttl i> u w c t c i usi qV ti cal fy
önd 't5c^g ufDira 1 ty unH ed wiih ti iP h,iÄ.hdj>'£ t üw a of r e^idoucc
M lLd jtt cT Tl t\ s Cd micrti un i s dütf i b b rtqu I tu ra. wb i eh ’is
tmftÄiDs pi :iIybäifiiJof 1 ta thp pbpüJiiiida ax au d d hl ct.
Xp^tufrurE!'/'i5'/:cQn5ErvEti\^ ■•;)3.n.aly‘. to • .UäJitiCi.n*
t h s i u rü fDHD ^ l pj'k • ■ jivh ich
cherm and fp^.'whlcK. tjie cities — c^eölTOrts üf
iporef reci^ix#d: ;^^ö;d^rn tftn.e^ m .itiu t h i^nvy dt,
Out^iÄ» fh^ TÄÖufiy ^Wtrptn: pf: the trayeHcr is :
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tr^f?.s which eitoctly vdi*r«. the ;
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Avlip^. iÜfex hnvjDjr iioeu pükK«?<i WJjdi w&re .
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rcsidtnee #ud ö^v^if öd lo e.( e^ a pew ^ipp by ä combiriaiiop v.;’ 'A
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padef ü fettf.Kil ri>iüa- ot biaf+d ivbich atief b hard srafn^^’iii'Til
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Frortai t.W Primi pfiUDörkx 0 Few ^stEps. wit! bring fj5
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chiir^^’^ter cUüDiüHies, as Veil ns jh (he fhidg^Rrf Church ö ; J ^
h ttle furtiier jd Ludf^rssirdss-üp 0 Arf in the (>W Stifts Chvifth of y']l-/^
Sti: M riüm in the sü b ur h of ihis na me, fbv ibe ■ Voy frb m ^ ^ V y:
t he C@ tb^drxd t o the cß s M e y au pn ss by 1 h* hi e bfrau eiV Chxttcb ’
tieherwfiss^^r, a goofl Gothic ystrnclure which
■ rt rTi T'l ** y-n-tci Dil-ir •■«r I ti InLlt^wf'' i.lTjfc.lH; ' p-;^Xi!iL''l'- ^^.-iijj^r’!
in ue.oarw m sey, ü
öHention awlrig to iKe eharmaus-TDei?s of the blunt; toVetj
W 05 Oa ih* plüHorni cif this tower tbrtt the ennnoDS
' a hö h ü p ti st s Piice dom i pot ed i b * en v \ m n% hd d d efl ed : thejjy||J2
V herians iö tbjts i ry qui £: k p opülifjlipEü .mir^d öheri cK^ i; i er besiegt ng ^^r1 ay o f t h c bUl»o p ^ Q n J e a v ing t h 0 o 14 t o i : i
and lünd^jCfipe.
Ihe -önticDt tdYvp of Mühtstef - hö^: n i^r§'e ^>hArfi tu the . T^^CtÄ^y1^.<J.f tUis Uuihimg &hpws the aTchiteclure of timt.
rnnmienüßCi^ ui uhl möhDurs and ireditioA . find not .ro ,
. rlisodyünf/jtxre,. as the preservAftap pj' Us ürcidbKrtTt'-^lV-’^s xh.
m i(:i icDÜh.
®üüstbHdnd t^yp. th^ir
T.be coHrr^ yOf :
Wwh martütonst
■ ib'ö;'-
. e IIV. :^häVx 'aM'p '.’ •■ jsöthV'.
1911 DEUTSCHLAND 59
architecture. The old Academy of Münster which possessed
only a faculty of theolog-y and philosophy was raised to the
rank of a university in 1902. Besides it, there are still some
other notable buildings, especially the Provincial Museum
and the Episcopal Museum of Christian Art. Those interested
in natural Science, will find a walk through the Zoological
Gardens and the Westphalian Provincial Museum for Natural
Science of much interest.
The industrial life of Münster has been
much promoted by its communication with
the Ems Canal, called after the name of a
small river which passes at a little distance
from the town supplying it with the necessary
water. This river forms the natural conti-
nuation of the canal and through its Com¬
munications with the Rhine according to a
certain plan is destined to be a new mouth
of the latter.
The Dortmund — Ems Canal
on its way from Münster to Dortmund has
to overcome a certain ascent, and not far
from Dortmund at Henrichenburg this is done
in a singulär manner by lifting machinery.
Meanwhile the railroad carries us by a
circuitous route to Hamm, the industrial
importance of which is made clear to the
traveller by numerous smoking chimneys. —^—-^
Dortmund
the old free Imperial and Hanseatic town, like all other in¬
dustrial cities of Westphalia has enormously developed in
recent times. This has caused so many alterations in its
exterior that — apart from the historical ecclesiastical and
civil buildings, — the old character of the town has nearly
vanished. The title of Imperial and Hanseatic City proves
that Dortmund looks back upon an ancient history of which
it may well be proud, as its citizens have not only been
successful in trade, but also in handling their weapons. The
down to 1803 the central seat of the vehmic court. Düring
centuries the famous vehmic linden, the old emblem of Dort¬
mund, stood here in flower like the vehmic court itself, but
the tree became rotten and decayed and was for years only
kept erect by means of ropes and hoops. Forgotten now is
the institution which it symbolised, which in the fifteenth Century
was at the height of its importance and covered the whole
Essen-Ruhr: Town Banqueting Hall
old town was surrounded by ramparts which have lost their
original character and are now used as roads. Outside the
ramparts, northwards, where now the large railway Station
(a new structure calculated to cope with an enormous
traffic) was rected not long ago, was in the middle ages
Dortmund: Town Theatre
country with its influence. The most notable buildings of
Dortmund are its churches and first among them the Reinoldi
Church. It derives its origin from the Roman esque time and was
reconstructed some time afterwards. Later it received a beau-
tiful Gothic choir. The Protestant Service is now held there,
but the church still retains in its interior valuable reminis-
cences of the Catholic time, such as pictures and statues.
The oldest church is the Marien Church, which, as well as the
Petri Church also contains valuable artistic treasures. Both are
also devoted to the Protestant Service.
The Propstei Church belonging to the
Catholics, is a simple but pleasing
structure of the late Gothic style with
treasures of art also worth being seen.
Among the civic buildings the most
prominent are the Town Hall and the
Guild Hall. The former, long neglected,
has been recently restored with much skill,
the artist having taken care to preserve
the old lines as much as possible. The
adjacent museum holds a lot of treasures
relating to the city and many valuable
objects of ancient and modern times. The
Guild Hall has been secured in its existence
by the fact that it is now made serviceable
for purposes that have to subordinate
themselves to the preservation of this
venerable token of the Dortmund of the
middle ages. But the city is noted for
something eise, namely its beer. Although
not so renowned as the famous Munich,
it has a wide-spread fame for the pro-
duction of a beer of excellent quality
which is asked for even many miles
distant from the place of its production. Otherwise than
Munich, Dortmund brews a beer of a clear, transparent colour
resembling that of amber. The beverage being much liked
in the industrial districts, one brewery after another came
into existence in Dortmund. The Union Brewery, Germania
60 DEUTSCHLAND
1911
Brewery and others are for Dortmund, what the Anhäuser,
Busch and Papst are to Milwaukee and St. Louis. Dortmund
like Munich has a specially composed spring-water which is
the clue to the popularity of the beer it produces.
We now arrive at
Essen
after Crossing an industrial district full of life. Coal mines
as far as the eye can see, towering chimneys and pit mouths
that are crowned with turning wheels and
surrounded with trellis work are to be seen
everywhere. But coal is not merely brought
to the surface here, it is transformed into coke
on the spot, so as to supply the blast furnaces
and foundries in the industrial district of
Westphalia as well as others in Luxemburg,
Lorraine, Belgium and France with the necessary
fuel. While in the past the gases liberated in
the production of coke were only partially
utilised for boiler heating, the excess (like the
natural gas in Pennsylvania) being burnt in the
open air, modern engineering has succeeded
in gathering and conducting them in lines of
pipe many miles long to distant towns.
In the district south of Münster, the Capital
of the province of Westphalia, the landscape,
which tili then has been essentially of on
agricultural character, begins to change. A few
miles further the eye recognises right and left
of the railway line at the shortest intervals
coal pits, ironworks, workmen's colonies and
villages that have become cities. The visitor
is travelling through the empire of iron and
of coal. At Essen he finds himself in its proper Capital,
in the heart of this industrial district. Whoever is disposed
to carry oway with him more than a superficial picture of
it, such as he might form from the window of a railway
carriage, should take our advice and stay several days in Essen.
While yet on the train steaming into
the central Station at Essen, he will see
on the right the great rolling-mills of
Schiilze-Knaudt and on the left at the
further side of the cemetery, in which
the graves of the Krupp family are found,
lies as on outward and visible proof that
we are here in the heart of the coal
district, the building of the Rhenish-West-
phalian coal syndicote, in which 1909
pits with a total output of 80 288393
tons coal have been enrolled, whereof
14 247 914 tons employing 51 459 work«
men or more than one sixth of the en«
tire output feil to the shore of Essen and
its suburbs. The economic interests of
the whole mining works in the coal district
are combined in the Society for Mining
Interests in the Chief Mining Board
District of Dortmund (Verein für. die
bergbaulichen Interessen im Oberberg«
bouamtsbezirk Dortmund), which also has
its Seat in Essen (in the Friedrichstrosse,
see illustration). If the traveller then steps out of the
Principal entrance of the Essen railway Station, he has first
presented to him o view typical of this industrial district —
the view of the traffic having outgrown the frame offered
for its business development by the narrow streets of a town,
which not a lang time ago was but a small provincial one.
No wonder that here in Essen the bed for the infant giant
has become everywhere too small. The town has actually
increased from a popuIation of 51513 inhabitants in the
year 1871 to 294 691 inhabitants in 1910, according to
the census taken on December Ist of that year. This is
a development such as no other town in the whole manu-
facturing district can boast of. It is however not only the
typical picture of alterations called into being by the enorm-
ous industrial development, such as the great Street traffic,
the mixture of old Bergland houses with modern business
Essen«Ruhr: Building of the Mining Association
premises, which appeals to the stranger who looking attentively
about him wanders along the track of the Street railways
through the Kettwigerstrasse. He finds himself interested
also by a number of points of attraction of a historical and
artistic nature. For instance, the municipal theatre, the
Essen«Ruhr: On the Bernewäldchen
Burgplatz with the venerable old Johannes Church and the
monument to Kaiser Wilhelm. As the visitor goes on to the
Town Hall, past the monument to the founder of Krupp's
Steelworks, Alfred Krupp, and the Markt Church into the
Limbeckerstrasse, a pure business Street, he observes to the
left on the Limbecker Platz the monument to Friedrich Alfred
Krupp and the Essener Hof, the hotel of the firm Krupp, both
near the entrance to the manufacturing city, the Krupp's
1911 DEUTSCHLAND öl
cast steel-works, through which name Essen has attained its
world^wide celebrity. Whoever wishes to carry away with
him at least an external Impression of the imposing grandeur
of this armoury workshop of Germany, which forms only a
part, although certainly the principal part, of the entire
undertakings of the Krupp firm in Germany, is urgently
recommended to take a drive through Krupp’s factory grounds
up the Frohnhauserstrasse, through the Margarethen and
Altendorferstrassen back to the Limbecker Platz. The Steel-
Works of Krupp employ, according to a report made on
May Ist 1910, 37 848 clerks and workmen, while in the year
1840 only 99 workmen were occupied there. The pictures
and the farther informations in the article "Induslry and
Beauty" illustrate the extraordinary development of this
undertaking, from the proceeds of which in Essen about
170000 people live. Whoever wishes to be instructed
as to the conditions of residence of a great part of Krupp's
workmen is recommended, after the before mentioned
drive through the factory grounds, to inspect Krupp's
workmen's colonies of Kronenberg, Alfredshof Friedrichshof
and Altenhof, the last the home of
the old pensioners of Krupp. He will
then at the same time receive an Im¬
pression of the development of the
thoughtful Provision for dwellings in
Krupps enterprises from the aesthetic
point of view also. A visit to the
"Margarethe Krupp Foundation", the
object of which is in general the
providing of healthy dwellings for the
poorer classes of the population, is
also highly advisable. With that visit,
an inspection of the really model new
municipal hospital buildings may be
combined. Here however the visitor
finds himself already in the south,
with which quarter the residential part
of Essen identifies itself more and
more. For Essen is distinguished from
other manufacturing towns of the
district not only by its development
having been the quiekest, but, above/
all, also by its being able to render a
Separation between the residential and
the business quarters of the town
possible to an extent that scarcely
any other town can accomplish. The
line of Separation is marked by the line of the Bergisch-
Märkisch railway. Essen as a residential city has developed
south of this line to a continually increasing extent, to
which the municipal building policy of opening up large
tracts of land for building villas has in a high measure
contributed. The visitor is recommended to make his way
through the Bismarckstrasse to the so-called Haumannshob
to visit the villa quarter Bernewäldchen (see Illustration)
situated to the south-east, and after that the still growing
villa quarter of Brünglingshaushof with the just completed
new building of the Royal Academy of Architeclure. This
last-named villa district cannot yet present a complete town
picture, the houses and villas in it having almost all arisen in
the course of the last and the present year. The building work
on the Haumannshof also is of more recent date (since 1909).
The visitor to this villa quarters will carry away with him the
impression that Essen, in the south, south-east and South¬
west affords a healthy residence in a sometimes charmingly
picturesque neighbourhood and that it has no need to fear
comparison with other towns, for instance with Düsseldorf.
The general conditions of health in Essen, thanks to the
sanitary and social measures taken by the municipality, the
supply of perfect drinking water and the favourable influence
which the successful efforts to preserve the woods within the
Essen town district have exercised upon the health of the
people, have improved enormously, so that now the average
rate of mortality in Essen is by far lower than that of all
the other towns in the industrial district and in fact of the
majority of towns anywhere, having, with its rateofT2.34 in the
thousand in the year 1910 made even a better show than
Wiesbaden. — A little tour through the town woods of about
fourteen hundred acres, which can very easily be connected with
the inspection of the colony Altenhof, and then further through
the Ruhr valley to see the Villa Hügel, is also urgently
recommended. The stranger will be astonished at being able
to enjoy here, just before the gates of the coal and Steel
town Essen, a landscape so full of rest and peace that the
environs of few other towns can compare with it. Since the
Community of Rellinghausen was incorporated on April Ist IQIO
there lies in addition for the most part in the town district
of Essen tho so-called Schellenberger Wood (800 acres area)
from which glorious views are had into the Ruhr valley.
Here lies also the old castle of Schellenberg, near which the
Miners' Colony of the pit Gottfried Wilhelm of the Essener
Steinkohlenbergwerke A. G. lies.
There is also no want of artistic and intellectual attractions
in Essen, such as a city, which will not only be an industrial
town but also a residential one, must possess. We need
only to mention here the Town BanquetingHall (see Illustration)
with its fashionable concert and chamber music halls (on the
Huyssensallee), with the adjoining town garden, the already
mentioned municipal theatre, the Coliseum and the Apollo
theatre, the many higher schools (three gymnasia [classic
languages], two oberreal schools [modern languages], higher
girls' schools, Royal School of Engineering, Royal Mining
Academy, academic courses for commercial Science, general
continuation schools etc.).
The Lower Rhine.
Düring the railway journey from Essen to the Rhine an
enormous freight traffic makes itself manifest to the traveller
who cannot but admire the means used to master it. The
Elberfeld: Suspension Railway
The Monument to the Elector John William in Düsseldorf.
Made by ihe sculptor Gabriel Grupello in the year 1711. One of the most important and
beautiful equestrian-statues in Germany. Known by the name of the "Jan Wellem^^ monument.
64 m
DEUTSCHLAND
1911
of Mendelssohn-Bartholdy, devotes itself principally to the
Opera. But here the classic drama also finds a place, as
every year the Rhenish Goethe Society (composed of the
leading- actors of all the German speaking stag’es) shows
here its model performances before a public from all parts
of the World. The time chosen for these performances is
generally the first half of July. The winter, however, offers
still other pleasures in the Düsseldorf carnival which, thoug'h
it has disappeared from the Street, is seen to advantag-e in
the fancy dress balls arranged by the "Malkasten" that well-
known society of painters. Those who have ever been present
at one of these festivals which are among the most prominent
events of the winter, cannot doubt that they live in a city of art.
The museums and art collections moreover, prove it sufficiently.
The stranger, even if his time may be limited will find
a visit to this town now counting 360000 inhabitants worth
while. The excellent sanitation and consequently the low
rate of mortality invite one to make a permament stay. Be-
sides, the manifold opportunities of instruction, the numerous
social, artistic and scientific events (the current year will
bring us one of the famous Lower Rhine Music Festivals) as
well as extensive populär, scientific and technical libraries,
are worth mentioning. Opportunity for all sports is given
(sailing, motor-boating, ballooning, hockey, lawn-tennis, riding,
skating, toboganning and fencing) and recently harbours for
racing yachts, race and cycling courses, as well as the airship
hall for the Zeppelin airship have been provided — and last
dem times by many beautiful churches, fine broad streets
with elegant shops and excellent means of traffic, and offers
a picture of active life in matters of art, Science and music.
It shows, in the words of Shadwell, an impartial witness,
signs of joyful success and civic prosperity. The jewel of
the town, in its very heart, is its beautiful park, the "Hof¬
garten", rieh in splendid rows of trees and manifold perspec¬
tives. If you cross it from east to west, you arrive at the
ascent of the powerful bridge which spans the Rhine in
heavy arches, thus uniting the old part of the city with the
new. Your gaze wanders towards the North to the wide
parks skirting the river, on the same place where in 1902 the
successful exhibition of industry and arts took place. A por-
tion of it, the Palace of Art, is still preserved for this purpose
and exhibitions of high value are organised here nearly every
year. Larger projects are under consideration for this year.
Quite a new feature in the picture of even this modern city
is the new airship hall of enormous dimensions. Southwards
the city shows its magnificent new river front with monumental
buildings, broad wharves with fine looking terraces and green
parks. It ends at the harbour which is one of the largest
inland basins of Europe. From the harbour all around the town,
the outskirts are occupied by the Industries of Düsseldorf,
the character of which is expressed by the words "iron and Steel".
Thus no chimneys disturb the beauty of the internal city.
Quite near to the town, besides the Zoological and
People's Gardens which are within its boundaries, are
Düsseldorf: Fine Art Gallery
but not least — there is a surrounding landscape which offers
more charms than is generally supposed.
Once the seat of a ducal residence, the city owes many
of its characteristic parts to its former rulers; broad avenues,
flourishing gardens, large ornamental lakes and noble struc-
lures devoted to art. The city has been embellished in mo-
also the Municipal Woods to the northeast and a magni¬
ficent forest to the southeast which give every opportunity
for recreation and walks. Far reaching woods, lovely valleys
and undulating hills affording beautiful views, are easily to
be attained by means of electric tramways. A hilly district,
called the "Bergische Land" with deep, narrow valleys and
1911 DEUTSCHLAND 65
green wooded slopes, homely, many coloured cottages with
happy and industrious inmates lies within the space of an
afternoon excursion. And we have also the open country
of the Lower Rhine, the quiet beauty of which is beginning
to be understood to-day; this, too, invites us to many a de-
lightful day or afternoon excursion.
An electric railway which was specially built to provide
a shorter and more con-
venient route permits us to __ .
pay at very little loss of
time, a visit to the town of
silk and velvet
Crefeld.
Surrounded by beautiful
avenues, this town is built
on uniform lines which
remind one of American
towns, with one exception,
namely that, es is also the
case in Düsseldorf, the
poorer houses show the
traveller that the price of
land has not attained the
same level as in America.
The school for the instruc-
(ion of workmen provides
Crefeld: Kaiser Wilhelm Museum
Blanche) and a collection of modern sculptures (of Hildebrand,
Stuck, Meunier, Bartholome, Rodin); finally several collections
of applied art: old furniture and carved work of the lover
Rhine, old China etc. There is a library of art and collection
of etching, changing exhibitions of new pictures and sculptures.
The interior of the Town Hall is decorated with historical wall
paintings by the Düsseldorf painter Janssen, Wilhelm the
Composer of the famous
song "The Watch on the
Rhine" was a native of this
town and it has honoured
^ 4 him by a monument.
As Capital of the hilly
district, Düsseldorf is ne-
turally closely related to
its hilly hinterland, to which
the important towns of
Elberfeld ar\d
Barmen
belong. Many well-to-do
natives of these two towns
have left the smoke of
their factories in order to
settle down in the chief
town of their district.
Hlberfeld also worked hand
Bath Cleve on the Lower Rhine
a flow of skilled labourers. The Kaiser Wilhelm Museum, built
in 1897 in memory of the late Emperor William I, contains
ihe collections of art in possession of the town. Amongst
these the most remarkable is the collection of works of Italien
Renaissance (masterpieces of Donatello, Luca and Andrea
della Robbia, Sansovino); a gallery of new pictures (works of
Achenbach, Lenbach, Thoma, v. Kalckreuth, Monet, La Touche,
in hand with Düsseldorf, when it was decided to call into
existence a line of passenger steamers for the middle and
lower Rhine. The first West German railway to be opened
ran between Düsseldorf and Elberfeld.
On the journey from Düsseldorf to Elberfeld the traveller
will meet with a curious feat of engineering, which at the
time when railways were first constructed was thought to be
66 DEUTSCHLAND
IQl 1
indispensable, because it was not
supposed to be possible that a
locomotive would, of its own power,
be able to pull even a lig-ht train
up any gradient. Between Erkrath
and Hochdahl, there is a sloping
plain, where by means of a wire
rope, a descending- engine pulls up
the ascending- train. After leaving-
Vohwinkel the train Grosses the
river Wupper and enters into the
Wupper valley. Here the towns
of Elberfeld and Barmen Stretch
without any visible dividing- line
to a distance which equals the
diameter of London from east to
west. The river Wupper with its
many coloured dirty water flows
underneath the railway bridge
over which we pass. It is the
artery of these two manufacturing
towns, however, no more for
obtaining power, as the size of the
numerous factories makes it neces-
sary for them to use steam.
The dye-works pour their
manv-coloured streams of waste
Products, as well as the superfluous
acids into this useful channel, and
even on reaching the Rhine, the
Wupper has lost nothing of its
Contents, deadly to all life. In recent times, the Wupper
has come to a further use, namely as a means of transport.
A railway of special design has been built over its course.
Guided by the System of cable railways, which, however,
because of their light and winding construction, do not fit
‘ themselves for passengfer
traffic, the engineers thougrht
out a more solid System.
They placed a large number
of Steel Supports on either
side of the river with the
upper ends joined tog'ether
over it and the whole made
firm with trellis-work, then
on the top of this rails
were placed. Along these
rails wheels, to which
hanging cars are fixed,
were made to run. In this
manner was the now world-
famed hanging railway of
theWupper-valley construc-
ted. As one approaches
the main railway Station of
Elberfeld, these hanging-
trains driven by electricity
will be readily perceived
running to and fro. From
the height at which the
railway-line is [constructed
a splendid view is obtained
of the continuous row of
Works running the length of
the valley, which becomes
somewhat broader at the
centre of Elberfeld and then
once more narrows itself where the town of Barmen begins
and Stretches over several miles.
The strong feeling of independence, and the growth of both
towns are symbolized by the imposing town halls and the
splendid edifices devoted to art, their museums and theatres
to which the earnest and
hard working population
never gave a thought a few
decades ago. The natives
of the valley belong* to
the Calvinist and Lutheran
laith; some of their churches
are bare plain structures,
some new edifices of
noteworihy architecture-
Patriotism displays itself
in imposing monuments.
The surrounding hills are
crowned with tower monu¬
ments and offer delightful
walks.
A railway goes up to
the Tolle Tower and has
its continuation in an
electric railway which ends
in Remscheid, a town, which
can also be reached by
means of the State Railways*
Tower on Town Wall at Zons
Remscheid
lies on an elevation dominat-
ing the neighbourhood, with
the valley of the Wupper
and several little tributaries
near by. A dyke regulating
the amount of water flowing
Neuss: St. Quirinus Church iri the river has been
ß JT ß S ß .
Kaiser Wilhelm Bridg-e near Müngsten
öö DEUTSCHLAND 1911
constructed here, and a little lake has thus been formed
which contributes to the beauty of the scenery. The Steel
goods of Remscheid successfully compete with those of its
dose rival Solingen which is separated from the former by
the deep valley of the Wupper. This valley is bridged over
by the famous Kaiser Wilhelm Bridge, whose arch spans the
river in a broad bow of more than a hundred metres. From
there you follow the
river and reach by
beautiful paths the
little village of Burg,
called thus aftcr a
"bürg" or castle once
belonging to the
counts of Berg, before
they removed to Düs¬
seldorf. The oldcostle
has been restored and
painted by the hand
of a famous artist,
after which it became
a much visited place
devoted to the me-
mory of local history.
Neuss
is another little town
to be easily reached
from Düsseldorf. The
latter is, compared
with Neuss, of quite
recent times, as Neus
was already a fortified camp in the time of the Romans, ln its
vicinity we find many reminiscences of this great military
nation. Neuss has a certain importance as a market of grain.
It has made strenuous efforts to develop its trade by creating
a modern harbour of large size, so as to minimise the bad
effects of its exclusion from the Rhine. The town, moreover.
contains a precious treasure of architecture, namely its Quirin
Cathedral, the blunt tower and dorne of which dominate the
entire town by the heaviness of its mass.
The Rhenish metropolis
Cologne
is quickly reached from Neuss. The visitor arriving here is
astounded at the
enormous dimensions
of its railway Station.
We are now wiihin
the city of the Eau-
de-Cologne, already
appreciated by Na¬
poleon I and to-day
produced by many
firms who sell their
Products in numerous
shops near the rail¬
way Station, the city
of the camival which
is more longlived
here than in Venice
or Rome, the city
which according to
the words of the poet
Heine has a hundred
churches and chapels
and is, therefore,
often called the Ger¬
man Rome. Themost
majestic of these
hundred, however, is the Cathedral which proudly reflects its
double tower in the waves of the Rhine. No doubt the first
visit of the stranger is devoted to the admiration of this sublime
house of God of which he has read and heard so much.
Cologne is a city of strangers "par excellence". The
truth of this becomes at once obvious to the traveller, when
Castle Burg on the Wupper
Steamer of the Prussian-Rhenish Steam-Navigation Company Cologne
DEUTSCHLAND B B€ ^)e 0 eee€)eeeeee € ) 60 e 0 ee 60 oeoM öq
he looks round on the open space in front of the Cathedral
and sees one large hotel at the side of another.
The old Hanseatic city lies with its main front to the
Rhine, which was and still is the source of its riches. The
front of many miles length has been transformed at heavy
cost into a modern wharf which, owing to its extension, may
be considered as a harbour. Downwards from Rodenkirchen
the roads and avenues skirt the river to Mülheim and every**
where you can see active life along the stream, steamers
discharging, passengers landing, long rows of vessels being
tugged up the river and little boats gliding swiftly across
the water. The new Steel Rhine bridge first arrests the eye.
Its heavy towers on both banks are adomed with equestrian
statues of King Frederick William IV and the three Emperors
of the new German Empire. The old floating bridge dose
by will soon disappear and be replaced by another Steel
bridge. Purther up the river a railway bridge crosses the Rhine.
The best view of Cologne is to be had from Deutz on
the other side of the river.
Looking from this point of vantage you find that the
Cathedral does not exactly mark the centre of the city, though
dominating it entirely. To the right, down the river, we see
recent years, which even outstrips Paris. Around the city
inside the ramparts, an outer circle of broad, modern avenues
with picturesque cottages and noble buildings grows uncea“
singly.
If we follow the ring Street until it once more reaches
the Rhine, we see before us the equestrian statue of the
Emperor Friedrich IIl. We are also quite dose to the well«
stocked Zoological Gardens and the beautiful conservatories
of the Flora filled with magnificent palms.
Let US now tum our steps towards the interior of the
town and give our attention to the old churches of the middle
ages. For example. St. Gereons Church in Gereon Street
and St. Ursula in the neighbourhood of the Eigelstein Gate^
with the "Golden Room" which contains very costly treasures
of art. The Apostles Church with its graceful choir and rieh
mosaics in the interior lies near the New Market. St. Maria
in the Capitol; which commands the Hay Market contains
attractive decorations. Near the Cathedral is to be found
the church of St. Maria's Ascension which was built in
mixed style by the Jesuits. St. Andreas's Church contains
the grave of the great philosopher Albertus Magnus, the
teacher of Thomas von Aquin. Another church built at the
Cologne on Rhine: The new Hohenzollem Bridge
the Kunibert Church behind which the blunt tower of the
Agnes Church is plainly visible. Towards the middle, the
massive tower of the Martins Church overlooks small houses,
the roofs of which remind one of the teeth of a saw. At its
side, we discover the tower of the Town Hall. The general
view presents a bewildering entanglement of points and
dents. The Severins Church in the Romanesque style
constitutes the last pillar in the picturesque scenery of
the old town up the river. But Cologne has long ago grown
beyond this pillar, enormous warehouses, happily constructed
in the local style, prolong the river front and give you an
idea of the city's trade, when you witness the numerous
river and sea steamers loading and discharging their
manifold cargoes. In the midst of this busy trade, the Com«
mercial High School seems to have its correct place.
Like a watchman of olden times, the Bayenturm Stands
here amidst the bustle of modern life. In the Commercial
High School, we find the modern Commercial Museum, in
the Bayenturm the Prehistoric Collection, contrasts that are
only possible in a Community with so many«sided interests.
It will be interesting to know the circumference of Cologne.
This has its difficulties owing to the large development of
time when these men lived, is the Gothic Minorites Church,
which is connected with the town museum. It contains the
graves of the philosopher Duns Scotus and of Kolping, the
founder of Young Men's Catholic Clubs which are now
spread all over Germany. There is also a statue of him in
front of this church.
The church of St. Peter in Sternen Street is worth
visiting in Order to see the famous picture of Christ being
taken from the cross which was painted by Rubens. Parallel to
the last mentioned church and quite near it is the oldest
church of Cologne, namely the church of Cecilia. As further
witnesses of past ages, we would mention the churches of
St. George on the Waid Market, of St. Marys in Lyskirchen
on the Rhine, as well as the Columba Church which is quite
near the Minorites Church. All the Protestant churches in
Cologne belong to recent times, with the exception of one in
the Schilder Street, which was formerly a monastery chapel.
Tuming our attention now to other classes of buildings, we
would mention the Town Hall first, the tower of which commands
the Old Market. The front of this building is however on
the other side, where a splendid portal marks its entrance.
This is the finest example of the Italien Renaissance
70
m DEUTSCHLAND 1911
Style which is to be found North of the Alps. Near by
is the Gürzenich, an old merchant's building which is worth
visitingf on account of its large hall embellished with fine
wood carvings and artistic paintings, which is used for
public and private functions of all sorts, especially the
musical festivals of the Lower Rhine, while the yearly "Fest¬
spiele" take place in the splendid opera house on the Ring.
Among the many festivities we would especially mention the
"Flower Plays" a kind of poetical competition which takes
place every year on the first Sunday in May in the Gürzenich
Hall. The courts of justice on the Apellhof Place are of
noteworthy size, and even more the new courts in the
new city and the Chief Customs Office. |Passing on
Unter Sachsenhausen Street — also called the Street of the
millions — we find, besides many other large banks, the imposing
edifice of the Imperial Bank with its gabled roof. The Central
Post Office also lies in the same block of buildings.
Science and art are both warmly patronized in Cologne.
Generous donors whose statues are placed in front of the
building, have endowed the Wallraf-Richartz Museum, the
Museum of Applied Art has also to a great extent to thank
the town for generous gifts. Close to this building is the
Church Historical Museum which was recently presented to
the town by Schnütgen, and near the Cathedral is the
Archepiscopal Diocesan Museum. By far the largest statue
is the equestrian figure of the King Frederick William UI, on
the Hay Market. The monument of Bismarck is in the
Augustiner Place and on the Laurenz Place is a statue of
Moltke.
The legends and myths of Cologne are represented by
the Heinzelmännchen Fountain near the Cathedral and the
Hermann Joseph Fountain on the Waid Market. Nor must
we forget to mention the Cologne Choral Society which is
the most famous of its kind in Germany.
The fact that Cologne is a great international railway
junction, is proved by its being the starting point of the
first international railway in Western Germany, that which
enters Belgium via Düren and Aix-la-Chapelle.
Aix-la-Chapelle
— Aachen in German — Charlemagne's Capital, the place
where the German emperors used to be crowned, is noted
on account of its health-giving waters. The manufacture of
cloth and of needles has long since established the commer«
cial importance of Aachen. We are reminded of the magni-
ficence of Aachen in the middle ages by the important
buildings which lie in the middle of the town. The chief of
these are the Cathedral and the Town Hall which, although
Cologne: The Cathedral
1911
DEUTSCHLAND
71
they have been restored and added to in the course of
time, still remain true to their old historical character. The
old est part of the former is the dorne, the base of which is
in the form of an octag'on. Here the great ruler Carolus
Magnus was buried sitting in a stone chair, as, during bis
life-time, he gave preference to the city with the warm
Springs. Aachen holds sacred the memory of the strong
emperorand the great promoter
of culture. In the cathedral,
the coronation festivities of
the German emperors used to
take place, and if Aachen
closed its gates to anyone, he
did not possess the full dignity
of a ruler. Besides the precious
relics of this kaiser, the Cathe¬
dral preserves jealously many
other priceless treasures which
form the goal for a great pilgri-
mage every seven years.
The Palatium was connec¬
ted with the palatine chapel
by various buildings, and even
to-day, this row is to be seen,
only broken by a small gap,
and is composed of edifices
which have been restored in
the same style as the main
structures. The former palace
is now used as the Town Hall
and both sides produce a very
fine effect, especially since the
clever completion of the twin
towers. On the first floor of
the Rathaus is the famous
Emperor's Hall adorned by
historical frescoes relating to
the legends around the person
of Charlemagne.
From the market place we
descend to the place where
the hot springs are situated
which are made use of in
numerous public baths and
hotels, some being the property
of the town. They offer that
convenience which is acquired by long dealing with visitors.
At the Elisen Spring which is enclosed in a classically designed
circular temple of the famous architect Schinkel, one of these
warm springs rises in the heart of the town. In front of this
building, a fine promenade has been made, behind it are
the gardens which have been laid out for the benefit of the
guests.
The theatre is in the same Street and in front of it the
monument to the Emperor William I. Behind lies one of the
finest roads in the town. Amüsements and high dass concerts
are amply provided for the guests in the Kursaal which is
situated in the Camphausbad Street.
The older part of Aachen is to be seen in other
churches besides the cathedral, as for instance in the
Adalbert Church which rises above the streets on the top of
a cliff. It adjoins the old walls which in some parts remain
intact, especially in two characteristic gates, the Marschier¬
er Burtscheider-Tor in the South and the Pont-Tor in the
North. Besides this several of the small towers which formed
part of the walls are still to be seen. A steep road from
the Marschier-Tor leads us to the suburb Burtscheid which
enjoys the benefit of even warmer springs than does Aachen
itself, and is to-day a bathing place with all the necessary
adjuncts. In the neighbourhood of the Pont-Tor, the Rhenish
Polytechnical High School with its various buildings makes
an imposing picture. From the other side of this gate, one
ascends to a height which offers a view with which few
other towns can compete. All around are many places
to which one can make pleasant excursions, and these
are patronized not only by the guests, but also by the
inhabitants of Aachen itself. One of the most interesting
of these places is the so-called "Three-Lands-Point" a hill
to the west of the town where Prussia, Holland and Belgium
meet. We would also mention the gold mines near
Malmedy which have only recently been reopened. Up
to the present, the production has been very limited, a cir-
cumstance which explains the reason why earlier attempts to
extract the gold have been given up.
There are many means by which the traveller from
Cologne to
Bonn
may reach his destination. This is accounted for by the fact
that the inhabitants of the larger town are fond of making
excursions, especially on Sundays, to Bonn and even further
as far as the Seven Mountains the outline of which are
visible in fine weather even from Cologne.
The State Railway runs both on the left and right bank
of the Rhine and the so-called Promontory (Vorgebirgs-)
Railway passes through the "Vegetable Garden" of Cologne
and through a district where brown-coal is to be found in
Aix-la-Chapelle: View of the Chatedral (North side)
72 DEUTSCHLAND meeeßs^eee^eeeeeeee&^^ee^ I9ii
abundance. An electric railway provides the third means of
communication, but if one wishes to enjoy the real Rhenish
life and is not too much pressed for time, one should certainly
take the Steamer. The united Cologne-Düsseldorf Steamer
Companies have a fleet of
more than thirty boats at
their disposal which, in
the Summer months, are
all engaged in making
trips between Cologne and
Mayence. Between Düssel¬
dorf and Cologne, there is
one Steamer daily in each
direction.
These steamers may
justly be called the finest
river-boats of the continent.
Whether one travels by the
ordinary boats or with the
saloon and fast steamers,
there is always the pleasing
sen ice, the handsome Att¬
ings, the comfort and —
last but not least — the
excellent cuisine. All these
points unite with the mag-
nificent beauty of the
scenery and the happy
disposition of the population to caus a feeling of goodwill
and fraternity in the travellers of many nations.
We quickly approach Bonn Far reaching and light in
structure, a splendid, arched bridge over the Rhine appears
before our eyes. Can it be possible that the length of this
arch is thirty metres more than the span of the bridge opposite
the Cologne Cathedral? The importance of Bonn rests on
the same base as that of Heidelberg, namely that they are
both university towns, for which the Anglo-Saxon race has
always had a special liking. It is a matter of dispute
whether the charming Neckar or the majestic Rhine has the
most attraction, but that is surely a matter of taste. It is,
however, certain that the Rhine makes the struggle between
concentration of the mind upon study and the desire to
enjoy life in the lovely world around a very difficult one.
And so it was with justice that the royal poetess Carmen
Sylva, queen of Roumania, sang:
"Rhine it is thy fault that I must often
idle". Herseif, a child of Rhineland,
even in far Roumania, she can never
forget the majestic stream and in the
same song she praises that old "Zoll"
the splendid watch-tower on the bank
of the Rhine at Bonn.
With the exception of that part
which marks the place where the old
town lies, Bonn as seen from the
Rhine, gives one the impression that
it is a lovely garden city composed
of one Villa after another. Among
these is the former home of the emperor
and his sons at the time when they
studied law at Bonn.
It is no wonder that this town
has always a large influx of new
residents desirous of passing the
remainder of their lives in the Company of so many distin-
guished men and women of all callings, some retired and some
still active. These latter, especially as professors in the
university, also draw large numbers of students to listen to
them in the spacious halls of the many Colleges. The wide
front of the University buildings, once a palace of the
Elector-Prince of Cologne, makes a very imposing picture
when seen from the Hofgarden. It faces the old anatomy
building (to-day a museuro
of art) a structure dating
from the time of modest
leaming which, when com-
pared with the numerous
large and scattered modern
buildings of the medical
faculty in the town itself
and its vicinity, shows us
very forcibly the extension
of this branch of Science
during the last three
quarters of a Century.
Upon leaving the Hof¬
garden, one reaches the
Protestant church and to
the right the monument to
Emperor William I is to be
seen quite near to the
university buildings. A few
Steps further and you stand
before the large and many-
owered edifice of the
romanesque church of
St. Martin, the most important building of its dass in Bonn.
The wide Münster Place lies by the side of this church,
and there is a monument to Bonn's famous son Ludwig von
Beethoven. The house in which this great composer was
bom is in Bonn Street. The remembrance of Beethoven is
preserved most sacredly in this town. The largest hall of
entertainment bears his name, and great musical festivals
also named after him are continually being given, for
instance on Ascension Day this year. The finest promenade
in Bonn is the "Poppelsdorfer Allee" which leads to the former
Elector Prince's Palace which is now used as an Agricultural
Academy. The old cemetery is also worth a visit. Here lie
the wife and son of the poet Schiller as well as the composer
Robert Schumann and the poet Simrock to whom a monu¬
ment has been erected in the Hofgarden, in remembrance of
his Services to the romantic poetry of Rhineland. The pa-
triotic poet and professor Arndt is
also buried here and his statue looks
down from the old "Zoll" between
two cannons.
In the provincial museum, there
are also many reminders of the
Romans and their stay in the Rhenish
Province.
The chief excursion which is to be
made from Bonn is to the
Seven Mountains,
which we have already mentioned
above. These can be reached by two
lines of the State Railway, a light
railway and the Steamer. To get a
good view of this beautiful group of
mountains, of volcanic origin, with
their wooded sides, it is best to ascend
the Venus or the Cassel hill near Bonn.
Perhaps the traveller will also be tempted to take the road
which leads to the beautiful bathing place and garden town
of Godesberg with the overlooking ruins of the so-called
Cologne castle. He will then continue on foot to Mehlem
Aix-la-Chapelle: Ponttor, Gateway
Bonn: House where Beethoven was bom
74
[«] DEUTSCHLAND ^
1911
which town is the favourite centre for strolls into the Seven
Mountains. Opposite, on the right bank of the Rhine, lies
Königswinter. No steamer leaves Bonn without taking many
of its citizens to this favourite vicinity, a sign that they
always have enough spare time and indeed upon alighting in
Königswinter, one has the impression that it is always Sunday
in this town. But on real Sundays and especially at Whitsun-
tide, great hosts of people stream into this place, the hosts
about which Peters sings in his famous Rhine song.
The Seven Mountains — the group really consists of
more than seven — are chiefly formed of basalt and trachyte,
as are the neighbouring hills. The material necessary for
building the embankments along the Rhine has long been
taken from here, and the stone required for the erection of
the Cologne Cathedral was obtained from the Drachenfels,
which is nearest to the Rhine. This height is most visited
because the best view of all the hills, the swiftly moving
stream and the well cultivated and populous district around
can be had from it. To the Drachenfels as well as to the
Petersberg, whence fine scenery is also visible, funicular
railways run. From these heights we can see Godesberg
and Bonn in the distance, as well as the Cathedral towers
of Cologne surrounded by mist. At our feet lies Mehlem,
behind which the crater of the "old volcano" is visible,
beside it we see Rhöndorf and in the extended hollow is
Honnef, the Nice of Rhineland, which is visited on account
of its mild air. At this place, we find the carbonic springs,
called the Drachenquelle, a further sign of the volcanic
nature of this district. Opposite Honnef, the two islands of
Grafenwert and Nonnenwert rise out of the Rhine. The
more the Seven Mountains are visited, the more urgent
appears the necessity of preserving the landscape in its
natural beauty, and successful attempts have been made by
buying private property, to make a great national park of
them. Now only neighbouring hills are used as quarries for
the basalt which in some places gives one the impression
of the pipes of a giant organ.
The finest panorama can be viewed from the highest point
of the Seven Mountains, the Oelberg, which lies furthest inland.
The bends of the Rhine can be followed far up and down
stream. The best way of terminating an excursion in the
Seven Mountains which once moved Byron to ecstasies, is
to visit either Heisterbach with its ruined monastery or
Rolandseck where the eye is met on every hand by the
beauties of God’s creation and the soul filled with the charm
of nature's poetry.
The Romantic Rhine.
By Hermann Ritter.
With rapid wing my fancy bears me away over the land¬
scape 1 am to depict in a few words. Below me gleams the
river Rhine. Glittering in all its glory, its ribbon winds
between mountain summits and rocky slopes, set with such
jeweis as are nowhere eise in the wide world discoverable,
with wonderful pearls of landscape, innumerable glorious
homes of art, of history, of mythology and of delicious
wine. The towers of old cathedrals appear suddenly below
me, the chimes of old bells sound faintly out of the depths.
Steamers plough their way upon the stream and upon the
banks resound the fiddles.
A land full of cheery, busy, many-sided human life and
of infinite natural beauties, an overfilled treasure-chamber
of nature and of history lies before my mental visioni To
the Rhine, on the left and on the right, flow the silver threads
of his tributary streams, through side-valleys, each of which
is graced with some special charm. TTieir rocky valleys
separate mighty mountains and highlands, hills on which
great woods rustle round hidden ruins, forests in the broad
and deep hollows of which the stag gives his cry, in which
the springs secretly whisper of the long vanished days of the
nixies and fairies, of the sacrificial fires once kindled in holy
places by the old German brotherhoods.
O, my Rhineland I As thy son how rieh and gifted I feeh
while the glories of thy valleys and heights, of thy towns,
villages, castles and woods pass in rapid succession before
my mind’s eye. I feel it when the memory revives number-
less delightful hours of excursions, of clinking of the wine-
cup, just as the sunbeam revives the sparkle in the jewel
which it kissesl
In all the places of thy realm of beauty I should gladly
linger, enjoying and describing, giving thanks for them all,
grateful for hours in the past or for glorious times in the
present, l should gladlysing thy praises. But in this magazine
Godesberg
where, it is a question of describing* the splendours of our
whole Fatherland by pencil and by pen, I must be moderate,
and satisfied in a few words only to depict, or rather to
Iiint at, thy manysided charms.
Of Eulog-istic Speeches indeed thou hast no need, my
Remagen wiih the Apollinaris Church
golden native landl I see thee laughing in the glittering
sunshine, in the Rhineland air and humour and I join in the
laugh. Whoever sees thee and thy infinite charms, must lie
in thy bonds; he knows once for all, that nothing in the
World equals thee, my beloved, proud and eternally beautiful
Rhineland. — For the traveller up
stream the wonder world of landscape
which preserves for the Rhine its
unique rank and fame among all rivers
in the world. From Rolandseck we
can believe we are looking back into
a Paradise begins with the Seven
Mountains. In sublime outlines and
shapes the chain rises up out of the
stream and creates with its forest-
clothed summits and hills the incom-
porable background and frame of a
superb picture. Two islands, covered
densely with trees, divide the green
river into three arms. The convent of
Nonnenwert looks out over the tops
of the trees and reminds us of the
golden haired Hildegrund, who took
the veil there in the belief that her
beloved, Roland, the Count Palatine
of Charlemagne, had fallen by a hostile
sword in distant lands. Opposite the
Island lie the ruins of the castle,
erected by the warrior on his return
in Order to be near his beloved, lost
to him for ever, and in which he
lived in inexpressible grief, until death
released him from the pangs of
disappointed love. The tops of the trees rustle now-a-days
as in those romantic vanished times, the trees blossom in
equal splendour, the waves of the Rhine flow onward far
from the world, as in the days long past, of which the
legend is related, hut the landscape is no longer the same.
Never-resting traffic exists on both banks of the stream, here
widening out like a lake, and on the waves over which
heavy cargo steamers and gaily ornamented saloon-boats
move up and down. We will also journey further upwords
into the Rhenish world of wonders by boat.
On the left emerges Unkel at
the foot of its vine-clad slope, where
Freiligrath found happiness and the
songs of love. On the right Re¬
magen appears with the elegant
Apollinaris Church, from the top of
which an incomparable view of the
river and the Seven Mountains again
is to be had. Opposite lies the
ancient Linz, the friendly appearance
of which from afar has unfortunately
ben disfigured by a railway viaduct. A
little further inland is Sinzig, a small
town of venerable antiquity, raised by
the Emperor Redbeard to the dignity
of being his temporary residence.
Sinzig and Remagen are the door
posts of the Ahr valley, which opens
out with broad and fertile meadows
towards the Rhine and gives no idea
of the romantic land to which it is
transformed further up the country.
In the '"golden mile" farther up in
the breadth of the valley appears
Neuenahr, the Carlsbad of the
Rhine, to the curative springs of which thousands flock
annually for healing. Then comes the cheerful and pleasant
Ahrweiler surrounded by old town walls. With it the
proper district of the red and fiery Ahrwine commences and
the more romantic rocky slopes. Passing Walporzheim
The Ahr Valley: Bunte Kuh (Spotted Cow)
and Saint Peters hotel, in which according to the legend the
keeper of the keys of heaven once drank his evening bottle
of red wine, we go on through the deep ravine along the
rushing river to Altenahr encircled by mighty masses
of rock.
Burg“ and Lake of Ulmen
(Original Picture in Possession of ihe Minister of Agriculture Baron von Schorlemer-Lieser)
76 DEUTSCHLAND @
a) iQii
The upper part of the Ahr leads direct into the heart
of the Eifel. At the foot of the ruins of Blankenheim and
of the storm-flooded highlands, this lively child of the moun«
tains commences its course. It takes its way westward, while
other cold streams curl downwards from the heights into
the deep clefts of the valley in other directions. The Urft
filling at Gemünd the largest dam or fresh-water reservoir in
Germany, the Olef, the living artery of the Schleidener
valley, the Rur rushing through the incomparably romantic
Mountjoie, all run northwards. To the west the Marche
winds down to the head of the German Wallon land, to
Malmedy, to the south the Prüm, so-called after the most
ancient and renowned abbey of that name, and the Kyll
runs down to the Moselle in a long course via G e r o 1 s t e i n
and Kyllburg, between rocks and leafy woods. All
these landscapes in the Eifel have a charming character
quite their own. But the Ahr district has the double ad-
vantage of including the grand and rugged Eifel landscape
with its own fruitful wine country.
Near Adenau the highest mountains of the Eifel ränge
are found, the Hohe A ch t and Nürburg, from the summits
of which most picturesque scenery is unveiled to the visitor.
In the Rhine valley one place succeeds another in rapid
succession and every one seems to have some special attrao
tion in the way of landscape beauty or economic value. On
the high hills ruins are enthroned, woven round, as has often
been said, by the magic of legendary lore. Rheineck castle
rises from its rocky height and on the right bank the Hammer-
1911 DEUTSCHLAND 77
stein pushes forward its dark, defiant mass, the
castle which once offered Heinrich FV and his son
Heinrich V a safe place of concealment for the crown
jeweis. On the left bank also, before the mouth of
the Brohl valley, rieh in tuff, is the village Brohl
and on the right bank appears Rheinbrohl, in
the vicinity of which once ended the Roman
boundary wall commencing at the Danube. The
small town of Andernach with towers, churches
and walls offers one of the most magnificent town
pictures of the middle ages on the Rhine. Neuwied
lying nearly opposite is a foundation of recent times,
dose to the castle of the princes of Wied and in
the broad, clean streets of which comfort and
cosiness is to be found.
A little level ground opens to the visitor near
Neuwied, the basin of a lake of the prehistoric
age. On the right bank the green mountains of the
Westerwald encircle the wide extent of this plain,
on the left those of the volcanic Eifel. The whole
soil of the plain teils of volcanoes. Masses of
volcanic sand have once rained from the volcanoes
of the Eifel into the vanished Rhine lake, the floods
of which they smoothed into regularly lying strata.
The stock of sand here is now applied to the
manufacture of pumice-stone. The principal crater
of the volcanic Eifel was the opening now filled up
by the Laach er lake. A wonderful landscape
full of quiet melancholy surrounds this Laacher
lake near Andernach and the lonely convent on its
banks. But to the landscape of the other small
crater lakes of the Eifel, the so-called "maare", a
similar delightful charm is also peculiar, a character
which ensures for it a position quite its own among
German landscapes.
Passing Vallendar concealed by an Island, the
gate of the rieh trading "pottery or Kannenbäcker
district"^ once Nassau's, the steamer goes on to the
smiling
Loblence
at the junction of the Moselle and the Rhine where
in imposing form the monument to the Emperor Wilhelm 1
rises. This town so favourably situated on the valleys of
two rivers and on two high roads has been a fortress since
the time of the Romans, a bulwark defending the Rhine
against every enemy. In a picturesque ascent its strongest
Works Crown the rocks of Ehrenbreitstein, commanding
the broad and splendid land of mountain and valley, the
central point of which is the beautiful city. But the gravity
of the fortifications is lost in the smiling beauty of the
landscape, in the merriment the sounds of which meet the
visitor out of long rows of brilliant hotels and restaurants
and from the splendid gardens along the stream. One of the
brightest gleaming jeweis in the diadem presented by the
Rhineland to mother Germania is the city at the meeting
of the waters of the Moselle and the Rhine. One of the
most beautiful districts of the Rhineland, everywhere so rieh
in loveliness, has given it an incomparable frame. A far
too narrow girdle of fortifications long prevented the town
from developing freely and joyfully, its Situation exercising
a too powerful constraint upon it. Now the walls have fallen,
and Coblence expands in beautiful, broad rows of streets,
in the level triangle formed by the Rhine and Moselle and
the last spurs of the Hunsrücken mountains. From early times
the town was a favourite resort for strangers, affording them
here an incredible number of charming and convenient tours
into the Rhine, Moselle and Lahn valleys as well as into
the mountains on both sides. The often mentioned and
An/^c'rnarh! Thp Round Tower
magnificent Rhine gardens and promenades, called into
existence by the Empress Augusta, alone woi Id invite all
strangers to a longer rest. After the modern rebuilding of the
town, the importance of Coblence as a place for foreigners
has naturally increased and the Rhenish Verkehrsverein has
also taken up its domicile in this Capital city of the beautiful
province so favoured by nature.
A hidden kingdom of peculiar charm, a country of legend
and fairy-tales, of happy, restful towns and villages opens at
Coblence with the gate of the often-praised
Moselle.
In Serpentine windings the river flows out of Lorraine, near
Metz, through the hilly country of the Rhine, passing innumer-
able vineyards with well-known names. Above at T r e v e s ,
a Roman town and celebrated for wine more than 2000 years
old, rieh in monuments, in a wonderfully lovely landscape, the
grape district of the Saar and Ruwer adjoins its sister wine land.
Treves must be enjoyed, just as a bottle of noble and aromatic
wine out of the vicinity must be enjoyed, that is to say,
slowly, deliberately, with a due regard for its fragrance and
other qualities. A quite peculiar charm dwells on the ground
of the old Treveris, spun round as it is by history, fiction
and fairy tales, a charm which enchains the heart and draws
it back continually to the town of clinking glasses and
chiming bells. Besides Treves, the staple and principal dealing
place for the aromatic Moselle wine, there are Ber nca s t e ’,
78 DEUTSCHLAND lon
Traben-Trarbach and Cochem. Numerous castles on
the mountain heights rise near the winding- Moselle, Standing
like figures out of long vanished times in the adjoining valleys.
The most beautiful of them, the most valuable jewel among
all the many picturesque castles in Germany is Burg Eltz.
Like a fairy picture, it rises with its towers and battlements,
completely preserved in its medieval form, out of the
sea of waving
woods. Similar-
ly hidden in
the fairy-like
beauty of the
woodofanother
side valley of
the Moselle,
the charming
watering place
Bertrich smiles
a welcome to
the traveller. A
World renowned
watering place
is also found
in the Lahn
valley, which
opens out into
theRhine valley
between Ober
and Nieder¬
lahnstein. On
the edge of the gleaming river, at the foot of the wooded
mountains, the charming city of Ems emerges between
gardens and parks with fashionable hotels and villas.
The adjoining landscape allures us to press further onwards
into the valley of the Lahn towards Nassau, the birthplace
of the Baron von Stein, to Diez and to the old Limburg
with its high cathedral. It is glorious wandering in this
at Ehrenbreitstein and his ^most wonderful“*" wife, in those
happy times when he believed "never to have seen such
cheerful momings and spent such glorious evenings". He
has looked down from Burg Lahne ck into the sunny and
glorious country on the Rhine and on the Lahn. He has also
tasted the wine across the river and sat in Capellen, over
which the Castle of Stolzenfels rises to-day, erected
on the old ruins
by the architect
Schinkel for
King Frederick
Wilhelm IV.
Fast Coblence
the mountains
draw nearer to
theRhine, dose
on the river
with steep wine-
terraces, rocks
and woods, with
castles, towns
and villages,
nestling at the
foot of the
hills. Through
a secluded king-
dom of rom-
ance the Rhine
flows down
from Bingen to
Coblence. The Marksburg looks down upon Braubach,
the only one ot all the Rhine castles preserved tili to-day in
its old configuration. It has indeed been once a heap of ruins,
during the Thirty /ears' War, but was soon rebuilt and has
remained since untouched by the ravages of war. At present,
the castle is the property of the '"Society for the Protection
of Old Castles". — On the other side the "Bopparder Hamm''
Coblence: Junction of Rhine and Moselle with Kaiser Wilhelm Monument
Ehrenbreitstein
valley, of which Goethe writes: "My eye feasts in the
contemplation of the near and the far, the wooded rocks, the
sunny tree-tops, the mossy ground, the towering castles and
the mountain summits enticing us from afar."
On the Rhine also we can follow the traces of Goethe.
Here also he has wandered on sunny days which he passed
as a visitor in the house of the Privy Councillor De la Roche
with its rieh vineyards borders the stream, which then turns
in a sharp curve towards the charming Boppard hidden
among blossoming trees and called the Godesberg of the middle
Rhine. Fields and slopes, blessed with plenty, surround the
town of villas Stretching along the banks, opposite where
Camp lies hidden within the thick wreath of its cherry trees,
and the ruins of the "hostile brothers" look down upon the
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1911 DEUTSCHLAND 79
convent Bornhofen. St. Goar now appears with the great
ruins of Rheinfels, once the most important fortress on the
whole Rhine. Just opposite to it lies St. Goarshausen
overlooked by the castle Katz, reminding us of the happy
and holy man whose wine-cask refilled itself always anew.
Now comes the basalt throne of Rhenish poetry, the
Loreley rock, upon which a lucky tourist may still see
the Virgin with the golden hair sitting in the moonlight, if
he only opens his heart to the enchantment of the hour and
has a goblet of golden Rhine wine dose to his hand. Then
follow on the rock-bounded stream Oberwesel, an inex-
haustible mine of treasures for German painters, the old C a u b,
where Marshall Forwards (Blücher) Stands as a brass statue
on the Rhine, pointing
with commanding gesture
to the opposite bank, just
as he did in the New
Year's night of 1814 when
he crossed the Rhine here
with his victorious Prus-
sian host. On a rocky
island the former Cus-
toms' tower named the
Pfalz with its strong, de-
fiant looking walls seems
to grow up out of the
stream. We now approach
B a ch a r a ch, many-tower-
ed and medieval, the
impressive scene of many
an old and gloomy legend. Bacharach was once the most
celebrated wine town on the whole river, chiefly on account
of its large wine-trade, which made it the ware-housing and
export place for the splendid products of the Rhinegau.
Opposite, at Lorch, this royal district of German wines
commences, and there ends the so-called "Landgebück",
which formerly in times of war, afforded a safe refuge to
the Rhinegau treasures. As already said, mountains "woven
round with legendary lore" look down upon the stream from
both banks. On the Falkenburg still lives the story of the
ghost of the wanton Erlinde, on S o o n e ck, H o h e n e ck and
Fürstenberg rest
other wonderfui
legends. Atthefoot
of castle Rhein-
stein, belonging
to Prince Henry of
Prussia, lies the
Clemens' chapel on
which once the
Kaiser Rudolph of
Habsburg held a
criminal court to
judge the robber
barons of theRhine-
gau. Opposite lies
concealed in a side
valleyAssmanns-
hausen, the home
of the excellent red
wines.
On its downward
course through its
rocky bed the river
opposes itself with
ever increasing
force to the as-
cending Steamer.
The Binger Loch,
the once so danger-
ous rapids, full of
rocks, approaches,
formerly only nav-
igable for little vessels, before it was widened by blasting.
On a narrow island the Mouse tower emerges, in which once
according to the story, the cruel archbishop Hatto was
devoured alive by mice. Behind the Mouse tower a glorious
picture presents itself to the eye, in the foreground of which
on the broadened, sunny stream
Bingen and Bingerbrück
appear in a delightful
frame formed by the
vineyards ofthe Nieder¬
wald and the hills on
the Hessian bank. The
numerous ships lying at
the wharves and the lofty
warehouses teil a tale of
the cheerful Bingen and
its municipal and com-
mercial importance, while
the bows of our Steamer
are turned across towards
Rüdesheim, a town
renowned in times long
past for its wine and
now, like Assmannshausen,
become a favourite starting point for excursions to the Nieder¬
wald and the national monument.
A land sacred to every German is trodden by the feet
of the visitor on the mountain height which rises command-
ingly out of the endless hosts of vineyards. Here above
Mot her Germania speaks gravely and inspiringly to her
The Pfalz at Caub
80 DEUTSCHLAND
children of the great
days of heroes in which
the unity of the German
empire was attained by
blood and iron, of the
bygone days of the
faithful and the brave,
and theoakwoods, round
about admonish the
people to take firm
root in the German
soil, constantly to draw
new Courage and new
strength out of the ori¬
ginal roots of German-
ism. The landscape, over
which we gaze from this
sacred height, is over-
poweringly beautiful, it
fills the heart with burn-
ing love and enthusiasm
for one's country. The
stream flows on in wider
curves to the rocky
gate of the Binger Loch,
through the smiling
country covered with
populous villages and
encircled by the armies
of vine-stakes as if by
a merry "Wacht am
Rhein". In faint blue
outlines the wooded
mountains of the Huns¬
rück and of the land
o f Hesse are seen in
the distance. Between
them in the broad valley gleams the silver band of the
Nahe, uniting near Bingen with the greater stream. We can
see from the Niederwald into the vine-grown valley of
the Nahe including in its upper
part as its pearls of beauty the
watering places Kreuznach and
Münster o. Stein, towns that are
celebrated over the whole world for
the curative powers of their saline
springs and the charm of their
landscape, blessed in its wine •
culture.
The whole district along the ,
banks here and the slopes of the ■
Taunus are consecrated to thcj
god of wine, the broadened Rhine .
flowing past them in gleaming*
brilliancy. Princely seats of the
noblest of the sons of Bacchus
succeed one another. There appear
the vineyards of Geisenheim and
Ingelheim, of Oestrich,Winkel, Hatten¬
heim, the most favoured spots, where
the marks of Johannisberg, Marko¬
brunn, Eberbach, Rauental and other
delicious vintages ripen. The ancient ‘
Eltville the chief town of the Rhine-
gau, whose stately tower is mirrored
in the river, affords again an interest-
ing town picture. Then follows ,
Biebrich in the luxuriantly green
framework of its avenues, with the
castle in which formerly the Dukes
of Nassau spent the lovely summer
months, and the villa Annika, in
which Richard Wagner composed his
"Meistersinger". In the neighbour-
ing Schierstein, near which the
Höllberger grows, Stands the singulär
monument erected by five hundred
Germans of the name of Christian in honour of the brave
Boer leader Christian de Wett.
From Biebrich the roads and railway turn off to
Mayence: Wooden tower of Tussen
Mayence: Schiller Platz
Wiesbaden,
the world-renowned watering place,,
the lovely Queen of the Taunus. The
Romans even valued the curative
properties of the Wiesbaden and
other waters in the shades of the
Taunus woods, and especially those
of Sch langenbad and Langen-
schwalbach. More than one hundred
thousand strangers now annually seek
relaxation and recovery in the beautiful
Wiesbaden and its mild climate, and
numerous happy ones, who can afford
it, select the town as a fashionable
and pleasant resting place after the
cares of a laborious life.
The „golden"
Mayence,
towards which our steamer is now
steering, Stands in a powerful contrast
to the villa-built city of Wiesbaden
with its many gardens. It owes its
characteristic features to bustling
activity, trade and traffic. But in
respect to its position on the glorious
river Rhine opposite the mouth of
lon DEUTSCHLAND 81
the Maine, it may venture a comparison with the most
beautiful cities in Germany. "Uniquely beautiful" Goethe
called the Situation of the town of Mayence and its romantic
surrounding-s, as he let his eyes wander from the terrace
of the town-park over the stream sown with ships, the sea
of houses overlooked by proud towers and the Taunus
ränge bordering the horizon. The city itself is no less
beautiful or charming. Since the strangling fetters of the
above all the magnificent Kaiser Strasse through which a
double avenue passes. — The streets and lanes of the old
town, with their imposing buildings and artistic monuments,
present a great deal that is interesting. First of all the
mighty cathedral, originally a model work of the later
Romanesque style, enchains our eyes. Not far distant from
it we perceive the statue of Gutenberg, the greatest son of
Mayence, modelied by Thorwaldsen and opposite to it the
Eltz Castle on ihe Moselle
girdle of fortifications have fallen, a stirring activity in
building operations has been displayed and Mayence affords
the appearance of a steadily aspiring community. A modern
city has united itself harmoniously to the ancient Mayence;
on the ground, where until the "seventies^' in the last Century,
mighty fortifications stood, extend now long and broad streets.
recently rebuilt town theatre with its finely conceived fayade
And a large number more of ancient and modern monuments
and buildings claim our attention. The museums of Mayence
(Roman-Germanic Central Museum, the Museum of Antiquities
and of Natural History), as well as its picture-galleries are
important and worth visiting. In the domain of music.
82 DEUTSCHLAND IQII
Old Wied in tlie Wied Valley
The Loreley Rocks on the Rhine
Rüdesheim with the National Niederwald Monuineiit
Mayence also Stands in a pre-eminent
Position. The broad Maine incites us
to a trip farther up to the city of
Frankfort,
rieh in museums as in specie and one
of the finest and largest towns in Ger-
many. Frankfort loves to hear itself
called the "Kaiser" town and is entitled
to ihat proud desig^nation. Charlemagrie
himself has lived in it. Afterwards
the Roman-German emperors have
had ihemselves crowned in Frankfort
and in 1871 the peace was concluded
here which laid the foundation of the
new German empire. Frankfort is also
the city of Goethe; in the Grossen
Hirschg-raben the old house still Stands
in which the prince of poets first saw
the ligrht of this world. The events
of the year 1866 robbed the proud
commercial city on the Maine of its
character as a free imperial town,
but not of its healthy native vital
power, which has rendered possible
its really too dazzling development
duringf the decades of universal
progress in the modern Geiman
empire. In respect to schools, public
institutions, provision for the people
etc. the wealthy Frankfort assumes
the first place among all German
towns.
Simpler and less attractive are the
banks of the Rhine higher up than
Mayence, in Hesse, the Capital of which
is the artloving Darmstadt, overlooked
by the mountains above the fertile
"Bergstrasse". But here the life
and traffic on the river affords ample
variety to the tourist. For on no river
in the world is there such varied activity
as on the Rhine. Historical memories
and heroic figures out of the Nibelungen
Lied are awakened by the ancient
Worms with its cathedral.
The manufacturing and shipping*
city of
Mannheim
which has simultaneously developed
into a prominent city of art (founded by
the electoral princes of the Palatinate
and to-day a mainjunction ofSouthGer¬
man commerce and the Rhine shipping*
traffic, which for the greater pari
ends here and consequently forms a
collecting point for goods of every
description) embodies modern times
and modern commercial and industrial
life. Long chains of barges in tow trav-
erse the waters, conveying enormous
quantities of English and Ruhr coal
up the river, taking the produce of
Swedish, Russian and American forests
to their industrial destination, deep-
bellied tank boats, from which the
rock-oil drilled in America is pumped
into the extensive tank plants, and whole
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DEUTSCHLAND 83
Mannheim: The Town Art Gallery
flotillas of vessels from Holland, Belg-ium and other countries,
carrying- the products of all parts of the world from the seaports
to the inland places.
The aspect which awaits the traveller arrivinj^ by boat
in the extensive harbour works of Mannheim is mag-nificent,
where the Neckar river mixes its dark waters with the green
waves of the Rhine, where broad harbour basins open out
into the river, where gigantic industrial plants reach out into
it and on the other side enormous dockyards, granaries and
large mills, all giving an idea of the great Mannheim trade.
Not only dominant, but also characteristic is the triple
spire of the Jesuit's Church and the Electoral Castle in the
baroque style glistening in the sun in its massive red sandstone.
And now to Mannheim's business life, along the stately
residential buildings ♦he imposing business houses
splendid shops into the heart of the city. Here we find the
Kaufhaus, the centre of the city, since recently containing the
Municipal Governmental Offices, w’ith its imposing tower,
which has been a witness of the flourishing times of Mannheim
under the Palatian Electorate.
The life of a metropolis flows through the broad thorough-
fare the "Planken", through which we pass. Beyond the "Ring"
which with its Boulevards encircles the old city, there rises up
towards the sky the imposing water tower, the feature of New
Mannheim, looking over the monumental Friedrichsplatz
surrounded by arcades and having for its neighbours the
Mannheim: Military execution of the Emperor Maximilian.
Original by Ed. Manet to be found at the Art Gallery
Mannheim: View in the Docks (After a picture by Philipp Klein)
DEUTSCHLAND m
1911
cupola crowned Art Gallery
and the municipal festival and
concert hall the "Roseng‘arten"\
In these two edifices a great part
ofthe intellectual and artistic life
of the city, which has developed
during the last decades with such
unheard of rapidity, is concen-
trated^ as far as it is not
centered in the old famous
Court and National Thoatre on
the ''Schillerplatz'".
The Friedrichsplatz with its
surroundings and no less the
adjoining suburb of
residential cottages
enclosed by extensive
parks bear testimony
to the weulth founded
on successful work
and of the distinct
endcavour of the
authorities and the
Population, to devote
the ample means
obtained to ideal
purposes.
Mannheim has
spent much towards
beautifying its sur¬
roundings and
rendering them
accessible for
purposes of re-
creation. The
Wanderer will
The Bridge Houses in Kreuznach
Bacharach on the Rhine
most glorious seats in Old
Heidelberg "the fine", the
town of which Scheffel sings:
"Am Neckar und am Rheine
Kein andre kommt dir gleich I"
The traveller on the Rhine
who arrives at the Neckar filled
with the pictures of his joumeys,
is met by one of the most
wonderful landscapes of the
whole of Germany. Here lies
Heidelberg
just where the Odenwald moun-
tains open like a door
to the lowlands of
the Rhine, in order
to allow the Neckar,
so sluggish up to
this point, tomake its
way to the Rhine.
Heidelberg lies half
shut in bet ween wood-
ed slopes, but its new
suburbs Stretch out
far into the plain.
For tourists, the
world-renowned Old
Heidelberg is the
most attractive part.
Low houses are
reflected in the
waters of the
Neckar; rising
above are seen
steep old church
towers and be-
hind are blos-
soming gardens
with friendly vil-
las, and dominat-
ing all are the
ruins of the ven-
erable castle, the
" German Alham¬
bra", the largest
ruins of its kind
in the empire.
From theheights
of the mountains
to the West one
can obtain fairy-
like glimpses
into the wide
plain of the Rhine
surrounded by
the Haardt moun¬
tains and to the
East into the
romantic Neckar
valley. The visi-
tor to Heidelberg
will always find
new attractions
on his walks,
among which
we mention the
lovely Ziegel -
hausen with its
meet many on
attractive scene
on the banks of
the Rhine and the
Neckar; many a
cosy Corner under
the shadow of the
park immediately
adjoining the
periphery of the
town invites him
to rcst. Excellent
roilway Connec¬
tions from Mann¬
heim afford great
facilities to the
tourist visiting
the Neckar valley
to see the be-
autiful quoint
town of Heidel¬
berg, the Oden¬
wald, the Berg¬
strasse, the Pfäl¬
zerwald and the
vineyards of the
fertile Haardt
mountains.
The romance
of the Rhine
district has found
once more, not
far from Mann¬
heim, one of its
Wiesbaden: The Kur House
' V . nF
Strasburg
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Worms: The Luther Monument (Court Photogr. Herbst, worms)
Castle Bürresheim in the Nette Valley (Phot. Ocschw. Sinemus)
86 DEUTSCHLAND 1911
old monastery Neuburg’ Neckargemünd, the romantic Neckar¬
steinach so rieh in old castles and a number of other noteworthy
churches, charming towns and idyllic villaeres.
But Alsace alsc
beckons flattering by
out of the distance,
promising innumer-
able beauties. It
speaks of
Strasburg
the wonderful city,
of cathedral, rising
in its splendour
over the high-gabled
roofs of old Stras¬
burg, of the mag-
nificent modern city
with its Kaiser Pa¬
lace, of the merry
students, sturdy
soldiers and roguish
Alsatian maidens. It
speaks furthermore
of beautiful wines
without number, of
charming cities at
the foot of moun-
tains and hidden
valleys, of the delightful remoteness of its highlands and
of the castles looking down upon the glorious country of the
Ireves: Palace of Roman Emperors
Upper Rhine. Nor will Lorraine be left behind but
points to its vine-encircled Metz, the powerful and imposing
bulwark of the modern German empire, to the battlefields round
about it, in which
the brave soldiers
on both sides fought
desperately for the
victory in TÖ70.
Lorraine teils old
and new stories of
interest and paints
alluring pictures of
its landscapes.
Wherever the eye
turns, in whatever
direction the fancy
may fly from the
castle of Old Heidel¬
berg , everywhere
open out new king-
doms of beauty,
landscapes, the glor-
ies of which are just
as difficult to des-
cribe in a few words
ast he foregoing or
fully to comprehend
in a flying visit; they
must be sought out,
conquered and enjoyed; then they will invite us to along stay, as
do all the places on the banks of the wonderful German Rhine.
The Nahe Valley: Rheingrafenstein
Strasburg: Portico of the Cathedral
-
1911 DEUTSCHLAND 87
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Badenia.
By Chefredakteur Günther, Karlsruhe.
ancient castles which look down from the red sandstone rocks
to the fertile valley below. And then the numerous little
towns, ravishing in their architecture which reflect the middle
Mannheim: Grand Ducal Court and National Theatre, Schillerplatz and Jesuits Church
One of the choicest flowers in the wreath of German
countries is the Grand Duchy of Baden. A proud, but also
a true word, the truth of which is not to be proved in a few
sentences, just as little as the beauty of
this country can be described by common«
place expressions. And beautiful it is,
this country which extends along the
right side of the Rhine from the lake of
Constance to the river Main. There is
no other country in the empire that
shows, in a comparatively limited area,
such peculiar charms and variety in
its nature. Its strongest features are the
romantic love-liness of the Main and
Neckar valleys, the dark beauty of the
Black Forest and the brilliant splendour
of the Swabian Sea — the lake of
Constance.
It is the loveliness of the Main and
Neckar valleys that first excites the ad-
miration of the tourist coming from the
North. Schumann once so poetically said
about it: "If 1 compare the Rhine with
its mountains to the male beauty, the
Neckar valley must no doubt be the
female; the former shows in its strong
chains the old German chords, whereas
the latter expresses itself in mild singing
tunes." All that is harsh, savage and
bold is extingfuished in this landscape
which is saturated with fragrance and
light. Rippling flows the Neckar down
through the coloured sandstone banks of
the Odenwald; the rocks shine with
a red light, and the green woods rise
higher and higher on the steep sides of
the mountains. On the bottom of the
valley, there is scarcely room for a small Strip of meadow,
the roads and the railway track, which often enough are
compelled to squeeze across the hills. There is also hardly
room left for the little towns and villages which skirt the river
to the right and to the left. But a peculiar romantic charm
is given to the land by the numerous moss-clad ruins of
ages in such a true, genuine and untouched manner. Similar
to the Neckar valley is that of the Main. Only here the river
runs more calmly in its broader bed, the red of the rocks is
even more brilliant and darker, the colour of the woods consisting
chiefly of black«green firs, more imposing still are the
remnants of the age of chivalry, the moss**grown ruins.
All these beauties of the
Main and Neckar, as well as
those of the famous mountain
road unite with perfect harmony
in Old Heidelberg, that
romantic place favoured above
all other German towns. The
old "town of jolly fellows" is
even to«day the warden of a
romance which is closely con¬
nected with its name. The
view enjoyed from the broad
terrace of the famous Heidelberg
castle down into the river«
crossed Badner Land is unique
and gives one the impression
as if all the splendour of the
Neckar valley flowed into one
here, greeting the castle joyfully.
Old Heidelberg*) with its gigan«
tic castle, this powerful ""epic
of stone" is shrouded in a touch
of true German Poetry that holds
everybody in its grip who has
once abode within its walls.
A few miles distant from the
town of the Muses, the largest
industrial and commercial city of
the upper Rhine, Mannheim*),
is to be found. The South«
German commercial centre with
its extensive docks and quays,
the largest inland harbour of
Europe, has developed marvel«
Heidelberg: Inferior of Castle
*) See also the special article '^The
Romantic Rhine'^
88 DEUTSCHLAND IQll
lously in the course of the last few decades, and has become
a beautifub busy and fashionable town.
The ancient renown as an art city enjoyed by Mannheim
since the brilliant days of the Palatine Electoral Princes and
since the most flourishing- period of its theatre, has brought
it again in our days to
renewed honours. It is well
known that the dramatic
ans in the Grand Ducal
Court and National theatre
are cultivated to a high
degree. From the funds of
the municipality not less
than a round half million
of marks are contributed
every year for theatrical
purposes. The intensely
liberal support accorded
there also to all branches
of the musical world is
welFknown, too. In art-life
Mannheim has recently
conquered for itself the
highest regard by creating a
Collection of pictures in her
monumental Town Kunst¬
halle, which this year has
been remarkably extended
by the addition of a cabinet
of the graphic arts and an
Institute for Science and arts. After the romantic Old
Heidelberg and the valley of the Neckar, a glimpse into
bygone times, the tourist would well pay a short visit to the
beautiful park of Schwetzingen and the castle of Bruchsal.
Both are true features of that happy time when they were
first called into existence and they hardly have an equal
in Germany.
The Capital of Baden, Karlsruhe looks back uponbut a
short history, in spite of which, however, it offers more of
Arts, where, besides others, famous masters like Schönleber,
Trübner, Hans Thoma instruct large numbers of students.
This town also boasts of a well managed theatre which is
to a great extent subventioned by the Grand Duke, and
where many of the finest actors are to be seen at their best.
The collections of the town,
the picture gallery, the
museum of applied art hold
many of the finest tre-
asures of Baden. The well-
kept town garden with its
herds of animals must be
numbered among the finest
parks of South Germany.
To the South ofKarls«
ruhe we are greeted by
the sight of the first row
of mountains belonging to
the B1 a ck F o r e s t. If the
land of Baden is one of the
most beautiful blossoms in
the wreath of the German
empire, then the Black
Forest is the most beautiful
of the German mountain
chains. So much has been
said and sung by quali-
fied and famous people
in its praise, that it will
hardly be possible for us
to add anything to its glory. Wherev'er the explorer of
nature, the tourist, the painter and the poet come from,
they all become passionate lovers of the Black Forest, if
they inhale its charms with open eyes and heart. Can
anything be more beautiful than a stroll through this region?
Through darkgreen meadows flow clear and lively streams
which by their waters drive merrily the saw-mills along their
banks. Clean, straw-roofed houses lie amidst large and
many-coloured flowergardcns. Soon the woods cover us
Badcnweiler (Baden)
GJ
Karlsruhe: Residential Castle
(5)ra
interest and has more for the sight-seer than many an older
town. Karlsruhe has the stamp of an unusual and ari-
stocratic city on account of its large and clean streets, its
numerous open places and parks, its simple yet imposing
buildings amongst which we would specially mention the
Palace of the Grand Duke, the handsome market place and
the whole fan-like arrangement of its building plan. Art and
Science have found an abode here. As examples we would
give the Technical High School and the Academy of Plastic
beneath the cool shade of the fir-trees. Yout feet move
softly over the carpet of fir-needles. The mountain stream
comes rushing and bubbling from the heights down into the
valley, with its water splashing and foaming against the moss-
covered rocks. Over bridges and stairs we climb up to the
heights and lie down in the thick and blossoming heather^
with our eyes wandering over the wooded slopes, far away
where the peaks of the Vosges and the silver streak of the
Rhine appear.
Mannheim: Friedrichsplace with the Town Festival and Concert Fiall "Rosengarten'^
Baden-Baden: Kur Fiouse
90
DEUTSCHLAND 1911
Every year during the holiday time, enormous crowds
make their way into the much praised Badner Land and into
the Black Forest, but how few of them really learn to know
it in its entirely and how few take the trouble to understand its
bewitching" charms.
W. Jensen, the uni-
que poet of the
Black Forest once
wrote so beautifuly
of it:
"The BlackForest
is no much ac-
claimed beauty,
to be admired
from thehig-h road
like the star of a
theatre Standing*
in the g-lare of
thefootlig-hts. Far
away in solitude
and quiet, it re-
veals the wonder-
ful picture of its
hidden beauty.
But there it g-azes
into your face
with the eyes of a
fairy, anddreamy
whispers float
throug*h the air."
And those who,
like the poet, wish
to learn to know
the Black Forest in
its innermost soul,
must not go to see the „sig^hts" but must wander throug’h
the shady woods of fir-trees with an open mind. If he allows
the bewitching- charm of the hills and valleys to take pos-
session of him, then he will really beg’in to understand the
healthy effect of the Black Forest upon both his body and
soul. It is impossible to describe here all the varied and
numerous wonders of this reg'ion. As a matter of fact,
every part of this mountainous district has its own particular
charm, the northern hills, as well as the central and southem.
Many of its princi-
pal attractions are
so well known, that
they enjoy a world-
famed renown. It is
sufficient to mention
but a few, for exam-
ple among- others,
the splendid and
fashionable town of
Baden-Baden,one
of the most eleg-ant,,
crowded and favour-
ite bathing* places
in the world, A11 e^-
heilig•en,T^ibe^g*
with its imposing”
waterfalls, Hom¬
berg-, Donau-
esching-en, the
university town of
Freiburg- with its
fine minster and
the health resort
Badenweiler the
favourite summer-
residence of the
present Grand Duke
and many others.
Splendid funiculars,
as for instance the
Black Forest railway, the Hell Valley Railway and others
open out the landscape to the traveller; an excellent tourist’s
road reaching- from Pforzheim to Basel over the mountains
shows the beauty of hill and valley to the Wanderer without
becoming- tiring-. And a word of special mention should be
Bridesmaids, called "Schcppele Mädle" in St. Georgen in the Black Forest (Baden)
Triberg in the Black Forest
Freiburg in Breisgau (Baden)
1911 DEUTSCHLAND 91
given to the excellent food and accomodation which is to be
had in every part of the Black Forest. It would not be easy
to find in any other mountainous district such good board
and lodging in remote villages far from the railway. No
reasonable wish in this respect will be left unfulfilled; from
the fashionable first dass hotels in the well known bathing
places and large towns down to the modest, but clean peasant
inns, every taste will be suited, and nov/here are more friendly
and obliging landlords to be found.
Right to the South of Baden sparkle the waters ofLake
Constance, the headquarters of the airships built by Count
Zeppelin. The proud and venerable city of Constance reflects
the towers of its cathedral in the clear lake. All around
its banks, are towns grey with age, small fishing villages and
quiet comers, and everywhere nature can be fully enjoyed.
The delightful spots are easily to be reached by means of a
charming steamer trip or by smaller boats. One of the
nicest places to which an excursion can be made, is Mainau,
with its beautiful gardens which remind one of Southern
Europe, as lemons and oranges actually grow here in the
open air. Rustling pines and sweet smelling myrtle and
laurel surround the idyllic castle of the Grand Duke, once
the favourite residence of the late Frederick I of Baden, and
it was here that he passed to his rest.
Suabia and its i^etropolis,
By Dr. Arthur Höher.
Who knows the Suabian land? Who has wandered through
it, following the Neckar and the Danube, passinQ- through
the Odenwald down to the lake of Constance, through the
Rauhe Alb, the Black Forest and Schönbuch? Lucky are
ihose who have done so; they have rnet with such an
abundance of beauty in
nature that they can
never feel quite unhappy
again.
The number of trav-
ellers who know this
jewel among German
lands well is of course
even smaller abroad
than in the empire.
The majority of tourists
neglect it altogether, if
they pay a visit to it,
it is only during a short
interruption of the raih
way travel, so as to
see something of Heil¬
bronn, Stut tga rt,
Ulm and Friedrichs¬
hafen. But those who
take the time to cross it
calmly and with open
eyes, become acquainted
with one of the most
charming regions of
Germany; their heart
opens at the sight of so
much beauty and they
are for ever the ardent
admirers of this lovely
land and will never cease
to praise its beauty.
And indeed, con-
sidering the limited area
there is no other district
in the empire upon which nature has so richly bestowed
her wonders, thus making it a real treasure among Ger¬
man lands.
Nature created Suabia — or Württemberg as it is better
known abroad — as a country rising in terraces which owing
to their geological peculiarity, cause much variety in lands-
cape. Its area extends from the Northern base of the Alps
and the lake of Constance to the Southern slopes of the
Odenwald, bordered on the right and the left by Bavaria and
Baden respectively.
In the West rise the broad, green masses of the Black
Forest, the Eastern slopes of which only belong to Suabia. In
its peaceful, quiet valleys, its wooded hills and idyllic
meadows with clear brooklets and wells, the Black Forest
shows here too all its charms which have founded the glory
cf this mountain chain, renowned also for its wonderfuly pure
and heaithy air. Across Suabia, from South West to North
East, runs like a gigantic rampart the Suabian Alb or Rauhe
Alb, a part of the Frankish Jura. Its summits are, in con-
trasi to the Black Forest, crowned by trees, with a few
exceptions where they have a rocky character. A stroll
along the border of the Suabian Alb in spring or autumn
shows US the beech woods in their full beauty. Between
Alb and Black Forest we find a number of elevated plains,
for example the Schönbuch, the Filder Plain, the Obere Gäu
and the Strohgäu, which are divided from each other by
mountain chains, generally of little altitude. In the North
there are still some more important chains, the Schurwald,
the Welzheimer Wald etc. adjoining the Hohenlohe Plain
and the Taubergrund, where we reach the frontier of Suabia.
South from the Alb, the Upper Suabian Plain extends as far
as the Allgäu and is crossed in its entire breadth by the
Danube. On its way through Württemberg and the little Hohen-
zollern land this river collects all water south from the Alb
with the exceptions of some little streams which find their
way to the Lake of Constance and are, therefore, to be
considered as affluents of the Rhine. North from the Alb,
all those countless brooks and streams unite in the Neckar
which crosses the land in winding lines, now flowing between
steep rocks along castles and ruins, now in a broad bed
through blossoming meadows and waving corn-fields.
While the landscape itself offers many attractions to
the seeker of beauty, his eye is again and again arrested
by lovely castles, villages and small towns which are scat-
tered around in so much variety and are so beautifully
placed that one could believe nature itself had allotted to
ihem their right place in Order to avoid the destruction
of the harmony of the land by mankind.
Down from the rocky, steep cliffs look the ruins of an
old castle, bold and defiant, destroyed perhaps by the en-
raged citizens of the neighbouring town who put an end
to the long tolerated power of a robber-knight. Beneath it
within a blossoming meadow we see a hamlet with a bubb-
ling brook, its last huts lying at the edge of a forest where
the poor inhabitants earn their scanly bread as woodsmen.
DEUTSCHLAND
1911
Ulm: The Minster
Furlher down the brook where it has become much broader
a whole busy villag-e is to be found surrounded by blossoming*
fruiMrees and sweet smelling- vineyards. Amidst the plain
— as a meetingf place for all surrounding- human Settle¬
ments — rises a larg-e and industrious town with all its
modern constructions, factories, workshops and extensive
public buildings. Here lies Stuttgart, right in the center of
the country as its suits a metropolis, with lovely vineyards
and wooded hills around. Whoever has once looked down
from the panoramic railway or the steep wine path and the
Bopser on the town beneath with its bluish glittering roofs,
its numerous towers, its monumental buildings and castles
and its suburbs with lovely cottages and villas, will never
forget this splendid city surrounded by an atmosphere of
blissful and refined quiet, even if he has seen Florence and
all other marvels of the world.
We will mention but a few sights of the town. There
is the old and the new castle, the monastery church and
the hospital church with its exterior and interior riches.
There are also numerous museums and collections containing*
all that the country has ever produced and possesses of
Works of art and valuable antiquities. The history of the
city — closely connected with that of the country and its
dynasty — is an old and interesting one. Manifold are its
relations to art and Science which have always had an
abode here and found zealous and careful promotion.
But talking of Stuttgart, the name of the „poet of the
Germans" must not be forgotten. Here he began his career.
It was in the Stuttgart "Academy" in 1777 that he secretly
composed his "Robbers". On the height of the Bopser
Forest, he read it first to his admiring Iriends. His native
town of Marbach on ihe Neckar is not far away. The house
of his birth has been mainiained in its old state; a magni-
ficent Schiller Museum has been erected there, where all
reminiscences of him are carefully preserved. But Suabia
may also call many another famous poet its own; names
like Schwab, Uhland, Mörike are known everywhere.
A metropolis offering so many beautiful and interesting"
things does not make it easy for the other towns of the
country to surpass it in honours. And siill, there are a lot of
more or less important Suabian towns and villages which
all have a peculiar note for themselves, and we must restrain
ourselves, enumerating only the most noteworthy. In the
viciniiy of Stuttgart there are the suburbs Kannstatt an old
Roman Settlement and later a bathing place, and Unter¬
türkheim, famous for its wine; between these two rises the
Württemberg which was once the ancestral castle of the
dynasty and has given its name to the whole country. A
little farther, we find Ludwigsburg, the second residence of
the king with a splendid castle. Close by the antique
village of Markgröningen (which enjoys a certain renown
for its populär fetes and running matches of shepherds)
rises the Hohenasperg, in the dungeon of which the un-
happy poet Schubert once suffered. And further we find
Heilbronn with its splendid Kilians Church, a town that
has won fame through the poem of Kleist "Kätchen von
Heilbronn", Weinsberg with its Weibertreu and the house
of the poet Justinus von Kerner, Neckarsulm, Lauffen,.
Bietigheim, Maulbronn with its well preserved Cistercian
Convent, Knittlingen where Dr. Faustus is said to have
been born, and to the South a long row of lovely Black
Forest bathing places and health resorts, among which we
mention N eu enbu rg, Herrenalb, Wildbad, Hirsau, Calw,
Teinach, Nagold, Rippoldsau, Freudenstadt, some of
them glorified by songs and legends like Wildbad and Hirsau.
Tübingen with the university of the country and a medieval
Würlt. Black Forest: Convent Ruins Hirsau Swabian Albs; Castle Hohcnzolleni
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1011 DEUTSCHLAND 93
castle, Babenhausen inthe Schönbuch, once a inonastery,now
a hunting" castle, Herrenberg' and Hohenentringen, Horb
and Rottenburg with the Wurmlingen Chapel known by the
poem of llhland. On our way to the old town of Reutlingen,
in medieval times a free Imperial
City, we come to the Achalm and
further to the ancient castle ofLichten-
stein, the scene of Hauffs famous
romance of the same name. Some
other old towns of the Schönbuch,
as for instance Böblingen — Sind¬
lingen are worth mentioning, also
Döffingen, where in 1388 Eberhard
der Greiner vanquished his enemies.
Another old town rieh in history and
interesting buildings is Esslingen,
formerly also an Imperial city. The
antagonism between the Guelphs and
the Ghibellines (the Welfen and
Waiblinger in German) is brought to
memory again by the little town of
Waiblingen. Then leaving the
lovely Convent of Lorch, we come to
the "joyful" town of the goldsmiths,
to Gmünd and over the Rechberg
lo Hohenstaufen, the ancestral
castle of the ancient Staufen Dynasty,
once a brilliant residence of emperors,
but gone into ruins after the death
of the last of their name. A large
number of other ruins are to be
met here, for example the Helfen¬
stein near Geislingen on the Steig,
the Hohenneuffen, Teck and Hohen-
urach ruins, the latter in the vicinitv
of the well known Urach waterfall.
On a high summit in imposing
majesty and visible from a great
distance rises the ancestral castle of
our present dynasty of emperors,
the Hohenzollern-Burg near
Hechingen. It has been excellently restored in medieval style.
Selecting a few other sights out of the abundance of those
which still remain, we might mention Schwäbisch Hall, the
ancient town of the socalled Salt-Counts, the extremely old
Benedictine Monastery Ellwangen,
Mergentheim, on the Tauber, and
Ulm on the Danube with its
minster, crowned by the highest
tower in the world, a cathedral which
counts among the most famous in
existence, Blaubeuren, Biberach
and Ravensberg. Then we make
a last stay at Friedrichshafen,
which has won fame again in recent
times by the aerial exploits of Count
Zeppelin. From here one enjoys a
superb view over the Lake of
Constance and the panorama
around it with the Swiss Alps in
the background.
As many towns and villages of
Suabia we mention, so many points
of interest they represent. Not
only for the lover of nature, but
also for the historian, the con-
noisseur of art and literature, as well
as for those interested in modern
engineering and industry. A journey
to Suabia can, therefore, be warmly
recommended to all those who seek
recreation and intellectual Stimu¬
lation. They will find a land rieh in
nature and art, a people which loves
its country and welcomes the stranger
with sincere heartiness. Their
old greeting ^'Grüss Gott^^ — God
bless you — sounding doubly nice
from the lips of its maidens, will
ring in the ear of the tourists
long after they have left blissful
Suabia.
Swabian Peasants' Costume
Munich and the Bavarian Highlands.
By Ant. Roitsch, Munich.
Wherever the traveller sets his foot over the Bavarian
frontier he comes at every Step upon remarkable spots, either
upon one over which mother Nature with lavish extravagance
has shaken out the good gifts in her cornucopia or upon
one where the hand of some gifted man in artistic Inspiration
has created works of many-sided beauty, which growing to-
gether with the nature surrounding them result in a charming
picture such as is elsewhere seldom found in perfection. It
Würzburg
94 DEUTSCHLAND 1911
Munich: Liebfrauen cluirch
can therefore cause no wonder that Bavaria is the promised
land for pleasure tours and relaxation holidays for travellers
from both sides of the great ocean.
Who can joiirney heedlessly past Würz bürg-, the town
of St. Kilian and of ihe Prince-bishop Julius Echter v. Mespel-
brunn to whom it is indebted for its alma maler Julia three
hundred years old? The picture which imprints itself in«
effaceably upon the eye, as soon as the lovely valley basin
on the Maine opens out, entices us to remain in this jewel
of the Frankenland, blessed with wine, among- ihese glorious
churches and secular buildings, above all in the venerable
old cathedral, the new minster and ihe noble princely castle,
where the glory of ihe baroque time, the digniiy of the
renaissance and the romance of the Gothic epoch are allied
with the animated rococo.
Who would wish to be excluded from the living breath
of the past which breathes over Rothenburg ob der
Tauber? Like the enchanted king's daughter in the legend,
sunk in a slumber lasting many hundreds of years, the old
imperial town rearing itself boldly above the quiet Tauber
valley, has remained in its outward aspect true to the cha«
racter of ils glorious past. The quiet district on the borders of
the Frankish and Swabian provinces, lying aside from the
great highways, can still point to many a similar jewel out
of long-vanished centuries; we need only to be reminded of
the former free imperial towns of Dinkelsbühl, Nörd-
lingen and Donauwörth which absorbed in dreams, with
their gray old towers and weatherbeaten gates, with their
winding lanes and and pointed gable houses reflect sadly on
their brilliant and active past.
A peculiar charm arises from the amalgamation of gray
antiquiiy wiih the famous middle ages and with the bustling,
pushitAg modern times, which has imprinted its stamp upon
Augsburg. The dashing courage of the conquerors of the
World, who founded*the old Roman Municipium Augusta
Vindelicorum, was perpetuated in the citizens of the later
free imperial town, who appropriated in the early middle ages
the entire German, Italian and Levantine commerce. The old
town, with ils antiquaied Street pictures of astonishingly
charming beauty, extols as laudator temporis acti the j)almy
days of the town; gorgeous old churches with rieh treasures
of art, characteristic old citizens’ houses, picturesque gates,
ramparts and towers (as for instance the Peilach tower dating
from the tenth Century) all combining with great modern lines
of Streets to form a most variegaied spectacle.
The renown of the health inspirif'g springs of the bath
Kissingen has penetrated far over the ocean, it having ben
the refuge of the infirm and of those seeking health for eleven
centuries. Its renown as a universal bath is based on the
extraordinary success of its curative springs, its sheltered
Position, its mild climate and the rieh beauty of its woods.
Bamberg, the pearl of the Frankenland and the ever
green garden of Germany, the ancient ancestral seat of the
Neuschwanstein
famous race of the Babenberger with its landmark the Alten-
burg looking back upon nearly twelve hundred years, the
gorgeous camp of the Prince bishop, reminding us with its
venerable architectural monuments of times long past.
'Mf we want any one to know
Germany and to love it, we name
Nuremberg to him, replete with
noble art. Yet never hast thou
become old-fashioned, thou faithful
and diligent town, where once the
powers of Dürer swayed and where
Sachs has sung'M So sang another
German poet, Max v. Schenkendorf,
and the far-travelled Italian humanist
Aeneas Tylorus, afterwards Pope
Pius II, enlogised the beauty of the
Streets and houses: "Truly the kings
of Scotland would deem themselves
fortunate if they could live like the
burghers of Nuremberg. Nothing
more magnificent, nothing better
worth seeing is to be found in the
whole of Europe." Dr. Luther de-
clared also in glorification of it:
"In all Germany Nuremberg shines
like the sun among the moon and
Stars," and Philipp Melanchton prais-
ed it as the "German Florence". In
such ways the "treasure-casket of the
German empire" has been extra-
vagantly eulogised for its beauties
through all the centuries up to the
present day and it deserves the
praise in the füllest measure.
Another town-picture on the
banks of the blue Danube extends
again far back into gray antiquity.
When the Roman legions in the
year 14 B C. invaded the land of
Rhaelia, they destroyed the ancient
Radasbona and built upon its ruins
in Support of their power the fortified
1911 DEUTSCHLAND 95
the spacious streets, then every visitor to Munich is sensible
of ihe peculiar charm of this aromatic, powertul and pure air,
which in passing over the region of eternal snow and ice
becomes, so to say, filtered and purified of every impurity.
It evokes also the wonderful light effects in the sky, the
glorious evenings of the Bavarian Highlands^ just as often
immortalised by the hand of ihe painter as the Alpine glow
on the mountains.
Owing to its climate, its air and to the life's work of the
grand old master of hygienics Pettenkofer, Munich belongs
to the most healthy cities in the world.
Munich is however also one of the most beautiful cities
in the world. "I will make out of Munich a town, so that
nobody can dare to say he knows Germany if he does not
know Munich." — Those were the words of King Louis L
who in his sunny days of yonth had drunk in with enthusiasm
the splendour and the beauty of Italy, to revive them in
Munich through his intelligent architect Leo v. Klenze. This
Munich of Louis 1 was planted like a noble shoot into the
old Munich, which already snowed, under the helping hands
of the former art-loving Wittelsbachers, in every nook and
Corner the influence of an old artistic culture of a high
Standard; such as from the earliest centuries has found its
way across the Alps. The city then offers a large number of
graceful and variegated pictures;confined between the old gates,
reconstructed according to the plans of the original builder, the
old town lies with its innumerable living witnesses of the me-
dieval art of town building: the old patrician houses with their
stately and characteristic gables, the artistic window frames and
doors, the leafy old Munich courtyards, their characteristic
arbours, balustrades and open galleries, the rieh porticoes and
ihe lavibh ornamentation with all sorts of decorations of
wrought iron and bronze Castings. In olci Munich, valuable
to the history of culture in general, we can especially admire
the art of the medieval architects.
To this friendly old Munich which had already been in
the grandest style enlarged by the first King of Bavaria
Max I (Josef) after the demolition of the ramparts and walls
around it, his son Louis I annexed his classical Munich
with its harmonious transitions. Large open squares or
places, broad streets, palaces, pillared halls, these are the
characteristic tokens of the building time of Louis 1. Not
only the straight, broad streets but also the laying-out
of the squares and places in the town-extension works of
Louis I, as for example the strict circular form of the Caro¬
linen Place and the spacious quadrangle of the König Place,
correspond to the straight, sober and simple classical build-
ings and to the geometrical forms finding expression in the
antiquated Creations of Klenz. The dose of this Königsplatz,
reminding us of an Italian piazza by its artistic surroundings,
is formed on its west side by the masterpiece of this era
Bayreuth: Festival Theatre
military town Castra Regina. For full four centuries the Roman
stronghold dominaled the valleys of the Naab, the Regen and
the Danube, until vigorous Buvarian fists reduced it lo ruins
and rubbish. So Regensburg became the residential town
of the Bavarian ancestral dukes. Upon the yard-high dustheaps
of the old Roman city there bloomed a flourishing town life.
Churches and secular buildings in every possible style denote,
beginning from the well preserved porta praetoria of the
Roman times, the individual periods during which the constantly
developing and more powerful Regensburg became at length
the riebest and most flourishing city of the middle ages.
Two monumental buildings of a more recent period, out
of the era of the enthusiastic art amaieur King Louis I draw
Partenkirrhen: Florian's Place
the attention also to the neighbourhood of Regensburg; be¬
tween Kelheim and the very ancient Benedictine convent
Wellenburg there rises upon St. Michaels' mount the circular
building of the Hall of Independence, crowned with
a cupola; down the Danube however, near the market
Donaustauf and lighted by the last rays from the Bavarian
woods Stands the white gleaming "temple of German honour"
surrounded by rustling oak trees, the Doris Walhalla
ropied from the Parthenon, with a lovely view into the
distant country as far as the remote Alpine chains.
The Queen of the Danube is Passau, the ancient
Roman Castra Batava, one of the most beautifully situated
cities in the German empire. The lands-
cape round the town is of enchanting
beauty, encircled by wooded mountains
and washed by three rivers which unite
at its feet, the greenish white foaming
Inn, the blue Danube and the blackish-
brown Hz, the defiant daughter of the
Bavarian forests.
But what are all these precious
pearls in comparison with the dazzling
jeweis in the gleaming diadem of the
Wittelsbacherl
Munichl An enchanting sound
to everyone who has had the good
fortune to pass some time within
the walls of the Bavarian Capital
and residential city, the most
distinguished centre of art and its
disciples in German lands. Its healthy
climate, the pure, invigorating air, the
treasures of art scattered with lavish
fulness, the collections of objects of
ort and of art-history of inestimable
value and its native characteristic
architecture, all exercise an irres'ible
charm on every stranger. The air of
Munich is a special air entirely. Let
the wild South wind (Foehn) roar over
the Upper Bavarian Highlands, let on
the hot summer-days, elsewhere insup-
portably sultry, a fresh breath of wind,
cooled by the majestic glaciers and
the eternal snows of the adjacent Alps,
blow refreshing and reviving througli
DEUTSCHLAND
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wDod^y nnd Atj:utttr päi=iiitrq--hrtD;ly form fjci effi^ctive
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Lh rri Iigh t"#JT X Dn i ^ V tJka Dlff h ’ g ^ — T \\^ ä b n.i
Biit h i vC') i" ht?y J ikIL Tlui m Ln ko
IVlft i efl'>M y i n prt? d iye r ^ \ fed thdh t f vdes of t s d l- u I Dt:
.bh i Id ini? ^ T f* ^ hö < >1 1 h gloTkd i is cb m d f r h e ent h <?ticid:
'’■' jiu Ün.-^er^r, ;h c b^n V Fr at* ^ ? fe •. orip pH • i hYj:-:m e’^t ■ :
<;bprc.he^ in .CTe'^hvahy dnd bt tptiG'hT
^.i^rfyUcUy:; sb^ /"Pfatkwyttn^ (Vi^feiwTv'^ towjersL whli ibfe
l^;b^is^Di^Tadl!^df . öf Hppiijr. üt^' Innd-
VM fjT !■ Wt ^ 'I b ir i hjt‘ M rT n i \^ bb \ chg r üi br-ea'T ^bo
iriXbvi\Ti<trm=iin l»;; i lUt' T1i ao tiDt,?r ,C k-^hx\ Ch
5iS;'jii .f^y.v'' i öÄVVJ>tt, Tb^r lunx ' ö,rr a4?l ■
dbtöHiirvi? fr^rTDÄ r(t ibe b^rofjoft, which iS ovch tnon? htrooirly
repr^i'si^p’fed m di-» Joti.flnneA. Chit'rcb by thj^,-
bas * bö p S b Bord'b it'.e t. ■ rH‘ all t' ü'pI p i '^/^o r v ' tIrs n vx.\u it
old^CbrisdaA hJi-sdk’äih. s*.y3ü 'imd Pari.s'^ Chnri^i in
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1911 DEUTSCHLAND 97
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precipices of the Unterberg and of the Latten ränge,
showing themselves here from their rugged side threaten
the Wanderer all round in Hallthurm, and gradually the
look of cramping side-scenes recedes until, all at once,
a picture of wonderful splendour replaces it, revealing the
Hochkalter, the Watzmann, the ^hohe Gott'' and the "hohes
Brett'^ armoured in brass, border the prospect to protect
"Frau Perchtas Garten", a body-
guard quite unparalleled. The —----
wildly disruptured, silver-gray
gleaming giants of the calcareous
Alps, above all the pre-eminent
Watzmann glorified in legend,
form a delightful contrast to the
indescribable grace of the flower
planted high valleys in the
recesses of which the Berchtes¬
gaden lands are housed. The
most valuable jewel in all this
Alpine splendour is the emerald
green Königs Lake with the
peaceful St. Bartholomew's, bor-
dered round about by horrible
rocky precipices, trodden only
by the bold chamois.
Another picture is unrolled
before the delighted eye in the
domain of the karwendel group.
A most Superior mountain Com¬
munity press around the quiet
World-forsaken Mittelwald, in
the most flourishing time of the
world-wide commerce of Augs¬
burg an important warehousing
place on the old commercial
highway from Venice via Inns¬
bruck to Augsburg. Here the
entire wildness and demoniacal
size of the giant calcareous Alps are
world. The quiet, solitary and dreamy Graswang valley again
awakens sorrowful memories of Louis II, who in that wood¬
land seclusion, retired from the world, erected the hunting-
lodge Linderhof in the style of Louis XV, overflowing with
gold, in the interior of royal splendour, with splendid gardens
and waterworks, the blue grotto, the Moorish kiosk and the
Hundings cottage. Not far from the old Roman Settlement
Berchtesgaden : Way to the Marxen Hill with the New Home for Invalies
revealed. Farther
westward, the stiff limestone walls of the Wetterstein group
tower into the region of eternal ice, bordered by woods
odoriferous with resin and by gleaming Alpine meadows,
which seen from the valley soften their wild horrors. In
this valley lie picturesquely scattered Garmish and Parten¬
kirchen. Plunged into the frightful precipices of the Zugspitze,
the queen of German mountains, gleam the Bader lake and the
anfathomable Eib lake.
A milder picture is afforded by the adjacent Ober-
ammergau, embedded picturesquely in a graceful high valley
Surround^d by mountains. The Oberammergau wood carvings
and its Passion play performances are known throughout the
Füssen on the stormy Lech, towers on high the fairy castle
"Neuschwanstein" the noblest castle of modern times hom
the steep Tegel rocks. Tannhäuser, Parzifal and Lohengrin
come to life again in this rieh romanesque edifice. Finally
must Lindau also be mentioned, that delightful Island town
in the Swabian Sea, which is in spring resplendent in its fairy
garment of gleaming blossoms.
That is the glorious country, so richly gifted by nature
with lovely charms and majestic beauty that the eye has
power to appreciate its splendour, but not the mouth to
describe it. And as with the land so with the people. A bold,
proud breed of men, wresting with tough vigour Irom nature
in the lofty mountains the sparing gifts she is able to offer.
The above desenptions of German bathing places, health-resorts and scenery have
taken up so much space that it has been Impossible to treat some other important matters,
such as German Art, Applied Art, German Universities and High Schools etc. within the
scope of a single edition. These subjects will, therefore, be dealt with in a second foreign
ediiio'T of the ''Deutschland”. jhe Editor.
Traffic and Travelling in Germany.
By Dr. A. v. d. Leyen.
The American, travelling by one of the great German
Steamers of the North German Lloyd or of the Hamburg-
American Line to Germany for the first time and making
a considerable stay there, is at once striick by a great
fundamental difference between the treatment of the
traffic institutions in his native country and in the German
empire. In America all institutions relating to traffic,
with the exception of the post, are private undertakings.
The railways, the telegraphs, the telephones are all the
property of great joint-stock Companies, and over theire
administration and Operation (the state exercises quite
a trifling influence). The post alone is a federal Institution,
but it forwards exclusively letters and objects similar
to letters, the forwarding of packets and of parcels of
greater value being on the other hand effected by private
contractors. In Germany the great traffic Communications
are in the hands of the state. The post and telegraph
institutions belong to the empire, the overwhelming majority
of the railways to the individual States; only a few private
lines and the branch lines and Street railways appointed
for the local traffic of the towns and their suburbs aru
operated by contractors. The navigation on the inland
water-ways and on the lakes is in both countries a free
branch of industry, although in isolated cases siibject to
taxes.
The American, with his strongly pronounced indivi-
dualistic perceptions, looks upon the government traffic
System with a certain distrust. He considers it illiberal,
98 DEUTSCHLAND IQH
stiff, behind the times and with little tendency towards
improvements or progress in the traffic System. Whoever
makes a long stay with us here and considers the facts
dispassionately, 'Will certainly soon convince himself Ihat
such Views, now-a-days at least, are no longer to be
justified. But perhaps it may nevertheless be not quite
superfluous, if we here give our friends across the ocean
a picture in Condensed form of the present features of
the traffic System in Germany and, above all, show them
how We are accustomed now-a-days to do our railway
travelling in this country.
Only a few remarks as to the postal and telegraphic
Communications. The postal rate for the ordinary letter
over the whole of Germany amounts to 10 pfennige, the
local rate in the towns and iheir environs to 5 pfennige. The
despatch of packets and money, especially by post-office
Orders, and also the telegraph and telephone charges are
considerably cheaper in Germany than in the United States.
That all this communication business is administered in a
perfectly model manner, both for the purposes of the laigest
merchant as Well as for Ihose of the smallest dient, is
universally admitted. In the year 1909 there were in the
German Empire: 405(36 post-offices which in the year
1908/1909 despatched in round numbers öVs thousand
millions of letters; packets of vaUie to the amount of
nearly 21 thousand millions of marks (574 thousand millions
of dollars); post-office Orders for 12 thousand millions and
700 million marks (3175000000 dollars). The telegraph
and telephone lines had a length of 211700 kilometres
(132310 miles), the length of the wires amounting to
1550000 kilos (968750 miles), there were telephone
stations at 33441 places. The network of telephones is
also widely extended over the level open country.
The traffic on the water-ways passes along the great
rivers, the Rhine, the Weser, the Elbe, the Oder, the
Vistula and in the south also the Danube. Along all
these streams, which are in parts improved by the govern-
ment at considerable expense, an active freight traffic
takes place. Moreover on the Rhine, on single Stretches
of the Elbe, Oder and Weser as well as on the many
beautifully situated Inland lakes there prevails a lively
passenger traffic. This passenger traffic is particularly
well developed in the communication between the coast
of Germany and the islands of the North Sea (Heligoland,
Norderney, Borkum, Sylt etc.) and between the Baltic
islands (particularly Rügen) with the Continental mainland.
Steam navigation Companies, large and small, carry on this
traffic principally in the summer months when the above
islands are visited by many bathers and by people
of all kinds needing relaxation and recreation. At all
the more important traffic junctions in the interior through-
tickets for rail and boat are issued for the islands, and
during the holidays special trains at excursion prices
are run.
But this traffic sinks into insignificance when com-
pared with the travelling statistics of the German railways.
The German railways had on April 1, 1909 an extent of
surface of 57125 kilometres (35703 miles). Of this extent
52272 kilometres (32670 miles) were government railways
or private lines under government administration and
4263 kilos (2664 miles) were private lines seif administered,
of which a part has, in the meantime, been absorbed
into the state possession. To the foregoing must be added
9275 kilometres (5797 miles) of local or brauch lines and
3898 kilometres (2436 miles) of Street railways. The
greatest government railway system is the United Prussian-
Hessian, which will have a surface extent of 37938 kilo¬
metres (23711 miles) on April 1, 1911. The government
railway system comprises besides these the kingdoms of
Bavaria, Saxony and Würtemberg, the grand-duchies of
Baden, Mecklenburg - Schwerin and Oldenburg and the
Imperial provinces of Alsace and Lorraine, the railroads
in which are the property of the Empire. The German
middle and minor States are for the most part traversed
by the Prussian state-lines. The private Hnes comprise
only few Systems of importance which lie scattered inside
the limits of the government lines and are not in a position
to carry out an independent traffic policy. Considering
the preponderating extent of the Prussian - Hessian
system in combinafion with that of the Imperial provinces,
it lies in the interest of the remaining state railroads to
keep in dose touch with the Prussian system. Agreements
have therefore been entered into as to the arrangement
of the traffic, the common use of freightcars (German
States-railway freightcar association) and a uniform Organi¬
sation of the tariffs for passengers, baggage, living animals
and freight. We cannot here enter into a description of
the splendid performances of the German railroads in the
forwarding of freight. Some Information as to the
arrangements made on the German railroads for the con-
veyance of passengers and their baggage will however be
welcome to the reader of this article.
These arrangements are uniform for the entire German
empire. Passengers are conveyedinfourclassesof carriages
at the prices per head and per kilometre (8 kilos equal
to 5 Engl, miles) of 7 pfennige in the 1®S 4,5 in the 2“^,
3 pfg. in the 3^"^ and 2 pf j. in the 4^'^ (which dass is
called in Bavaria and Baden 3^). To these prices must
be added for the three highest classes the tax on railway-
tickets imposed by the empire. For the use of express
trains fixed extra taxes amounting to, at most, one mark
for the third dass and two marks for the first and second
classes have to be paid. Most of the passenger trains
consist only of Waggons for the 2°«^, 3‘‘^ and 4^^ dass,
the quick and express trains sometimes of those for 1®*^,
2“*^ and 3**^^ and sometimes only for 1®^ and 2"^ classes.
Express-trains consisting only of 1®^ and 2*^‘i dass carriages
are however only few in number. The international
saloon-trains (L Luxus trains), belonging to the Inter¬
national Sleeping-car Company of Brussels and Paris,
which run also over the German lines, consist only of
1®‘ dass. A special additional price has to be paid for the
use of them. The 1®^ and 2^^ dass carriages have cushioned
seats, the 3^"^ dass wooden benches, while the 4^^ dass
carriages have benches for a part of the travellers only
and for the rest standing-rooms. This method of Classi¬
fication is frequently somewhat surprising for an American.
It has been developed in Germany and most other European
countries in conformity with the requirements of the traffic
and the social customs of the people. Only through a
Classification of that kind has it been rendered possible
to convey the less well-to-do masses of the population
and especially the workmen at such cheap prices as those
existing for the 4^^^ dass. A uniform price of this dass
of 2 Pfennige per kilometre corresponds with a uniform
price of 0.78 cts. per person and mile. Even the half of
this price only, that is 0.39 cts. is charged for the regulär
workmen’s traffic between their homes and their places
of Work. In the United States of America on the other
hand the average price per mile and person amounts
to about 2 cts. It is wellknown what an Opposition some
of the railroads there have made to charging this rate
as the minimum price for the ordinary traffic.
The institution of one uniform class would be im-
possible with us here, if only for the reason that, in that
case very extensive circles of the population would have
to renounce travelling by railway altogether. Moreover,
there exists in the United States also, in addition to the
regulär, a more expensive class for the great through-
trains and on several lines a cheaper class also, which
however, as far as is known, is only instituted for
immigrants.
Most of the German carriages of the three higher classes
are made with separate compartments. In the express
trains however the carriages are principally through-
carriages (D trains Vestibüle-trains), combining the
comfort of a separate compartment with the possibility of
free movement in the carriage and in the train. In
Germany more and more value is always being attached to
the improvement of these carriages. They are generally
IQH DEUTSCHLAND Q9
constructed with four axles, are fitted.up with clean and connection with one another With as little delay as
convenient lavatories and retiring-rooms (separate for possible. Thus there are express trains which bind together
women and men), sometimes lighted by incandescent lamps, all the capitals of Europe, for example Berlin—Vienna,
partly by electricity, and most excellently heated in the Berlin—Paris, Berlin—Rome, Berlin—London, Berlin-
Winter months. The D or vestibule-trains contain dining- St. Petersburg, Paris—Berlin—St. Petersburg, Hamburg —
cars, in which the passengers can eat and drink well at Basle —Genoa, Paris —Strasburg —Stuttgart —Munich —
moderate prices; in the more important night-trains Vienna—Constantinople etc. A number of quick—tra-
sleeping-cars are run which are now as a rule built with six velling trains run also between Berlin and Hamburg, Kiel,
axles. It can hardly be doubted that now-a-days the Bremen, Cologne, Frankfort, Strasburg, Munich, Dresden,
German sleeping-car arrangements deserve the preference Breslau, Königsberg etc. Recently several trains were
over the American. But the effort to render the stay also put on to travel the longer sections without any
in the train as agreeable as possible and constantly to stop, ln addition, for some years the local traffic has
improve the carriages is not limited to the two highest been carried on by the introduction of so-called driving
classes of carriages. ln the construction and in the carriages, perhaps better named “pendulum carriages“
equipment of the and 4^^ dass carriages material im- for they are not propelled by steam but by benzine or
provements have also been made, which — by the way — something similar and oscillate constantly between their
have resulted in a large proportion of even the well-to- one stopping place and the other. The time-tables are
do people travelling willingly by the 5^^ dass and eVen further so arranged that good railroad Communications
by the 4^^ dass, for short journeys at least. also exist for the medium sized and smaller provincial towns
Special payment is made for the conveyance of lying at some distance from the great highways; they
passengers’ baggage on the German lines. For baggage are not, as is more or less the case in the United States,
carried up to the weightof 50 pounds the Charge isatrifling based alone upon the traffic of the great Capital cities
one (the highest amount for the whole empire being with one another. All these arrangements have aided to
1 mark 1 quarter). Moreover the German carriages promote the development of a very active passenger traffic.
are so arranged that the traveller can take much more The report recently laid before the Prussian Chambers as to
hand-baggage with him than is possible in the American the working results of the year 1909 (April 1, 1909 to
carriages and the railway is also responsible for all injury March 31, 1910) contains statistics worthy of attention,
incurred by the passenger through the loss, damage or some of which may well find a place here. There were
delayed delivery of his luggage. conveyed on the Prussian-Hessian government lines in the
I am far from wishing to disparage the American year 1909 1039657611 passengers who travelled over
traffic arrangements. They certainly also have their more than 24 thousand millions passenger-kilometres and
advantages, especially in being adapted to the customs of (inclusive of their luggage) brought in receipts of more
the country, but in America so many people — even than 580 millions of marks (145 million dollars). This
those who have been in Europe — shrug their shoulders traffic was divided between the individual classes of
over our travelling arrangements that it appears at any carriages in round numbers as follows:
rate reasonable, just in this place, for once to insist upon Passengers Passenger-Kllometres Receipts in Marks
the merits of our German institutions. 1®^ dass 1.6 millions 214 millions 16 millions
For the traveller it is not only a question of being 2“"* „ 99 „ 2645 „ 104 „
conveyed comfortably and at a moderate price, but also 3'’^* „ 456 „ 9380 „ 230 „
of how often and how quickly he can get from one 4“' ,, 470 „ 10793 „ 197 „
place to another, that is to say how the time-table is It Will be seen what an important part the traffic in
made up. In Germany for the passenger traffic a dis- the 3'’<^ and 4^^ classes plays in contrast with that in the
tinction is made between the ordinary or stopping-trains two higher classes. The conditions of traffic on the
(principally serving for the traffic to small and medium other German railroads are exactly similar to those in
sized places), the quick trains and the express trains. For Prussia.
business men and for travellers on pleasure the quick But let that suffice for details. ln this article it
trains and the express trains are the most important and was only a question of setting clearly before the readers
of these there is no scarcity. The time-tables, especially of this American number a few characteristic features of
those for the great Mid-European traffic, are deliberated the travelling life in the German empire. If with us
upon at a Mid-European Time-table Conference which is much is different from what prevails in the great American
convened once in every year. At every one of these Republic, the Americans will nevertheless, we hope, be
Conferences some improvements are introduced. Particular able to convince themselves that our governments also
value is attached to having the time-tables of the through- have taken in hand the fostering care of the traffic and
trains fitt one into another, so that the trains find travelling with success.
North German
From the earliest times the Hansa towns have
been distinguished in all their undertakings by the
steadily persistent pursuit of their object which even
then occasioned an extraordinary advance in trade and
traffic. The over-sea traffic with the United States
of America Was first opened up by a Hansa town, by
Bremen. Very soon after the Declaration of Independence
by the United States, in the year 1776 when the attention
of the whole of Europe was suddenly drawn to the young
nation developing itself so freely and powerfully in the
New World, there commenced a lively intercourse be¬
tween the Hansa towns and the United States, which
steadily increased, the more the use of steam in navigation
w s btcome prevalent.
Lloyd;. Bremen.
So long as the over-sea traffic was exclusively carried
on by sailing vessels it remained within comparativeiy
modest limits, at least according to our modern ideas.
When however, in the course of the nineteenth Century,
the competition of the constantly increasing steam-navi-
gation became too powerful for the sailing ships, the traffic
gained astonishingly in extent and in importance. Just
as in the middle ages individual merchants sent out their
vessels to distant countries until they finally all joined
the great Hansa Union for the promotion of their general
economic Interests, so at first, Hanseatic merchants from
Bremen and Hamburg undertook the steam traffic With
distant lands, until in that direction also the concentration
set in which, about the middle of the last Century found
ite most irciportant expression iß' the forrnatiö»'ot
great Qfttfnap stesni'Ravigation coinpaßteSv
. : iXlit; N at Er;emeri; is m-;.
detitejxfpr ;it$, r!i^;;ta ;petaöps^ :l»j
wiiöfli, fro^.. th^ cnfiitPencefttftiit of live bui*
Ines« Was pntrusled *“ Cri44?5^!Jnaaa and
the Jaiter ef-whöm,' With öf. thfee-sfnail
shvpjping firntS ön the .W#^ änd pne; inSütance fco^patij!,
taid the föuodptidps 'öf ttie present iVorUI rtMOWned trade-
of (he .North Ositnan \
At ■■ tifat time tt tö.{|>e toreSeeh ^ tS ; what
a cpnimere'iöl giaiii tbe pfeW ufidertätvtng Wönld dev;elöp
irt a -sliöfi: ypi*-. At preseftt höwexjei'vihe who beholdf
the tnagfiificßiit LSoyd döcUs at Bremer.halfen, the enorm*:
Olts Llöyd: btiilding; tn Bremen. Whlth , ferins: llie central
poiitt oJ the great whoie, from Wtdcb Hie wide rarm*:
fttatiöns of tlireads ^ spreäij throügfe' ihy entire. Worid,
niay get an tdea of the magnitöde. df cpinpany.
flto fhrycl malntain the': foltow Hnes tu the
United, Sffitfc.: BreiTiAre iö Ne'w Ydr-k,. B.femeii
H . PliJ'i.'a.<lriphia, ■ tP Ballimofe and.
firemerii.fo' 'CiaNf:s,toti, -ol 'which )he Ui3e.s;gchng
diraci Iß .f^ew York are th^ mpsf .nnpöftap^ tirtd cpnse'
qöehtiy fmvkt the tiuickesf and .stdanter^ ^
itf Ihptn h\' the i,.i.ovd cpidpanvc. aS: ifdr ckami5ta..'i^t^
“ivfötliprinzess-in Cect]:ie'^‘, and “Kaiser Wti-
helm li*\ “Kronprinz ; Wilhelm“ ai!d“Kaiser
W i 1 h# im afefsG cosie“., all of whici) csn tnake. the
pdssöge früra thd old tö ihfe. fliew wpr In shgut äV« dags.
hl tti& modern ifttdth#lpnm:intijrcourae fti wWchr more
tJia« eeer, thh expressionI b vogue,.
the "üceaii greyhdäJKis“ httve become the möst im-
poitahti 'Wd e»eo «ay> t.he rapst indi^ensabte iheatts
of cemiSntnicatiöB and havifi Ihfe same significahce at ee».
as the e^pressdi'aiBs haYe; OB iafti}, fög the regularitg of
theif;: passages,;, «s weil, as thrbugh' the; cornfbri. and
sefety of their arratigements, they offer ad^sfitagH tuhicb
:c9n be; those who Knöw-thfe’thglily
:dßi^e)opeei.;resp'ress-ateamer traffic öi fhe’häfirlh^erBiaa
Uoyd froiiH thetr bwn ffxperienEe, Wühm tbree .weehs
Wß; esiivftOW wilir i^sefänd cciiiifort undertake a löiirnfey
:fröm Earopö. to Ife States ar Oicp: itäfsäi'
Tiit exprt’sä ktpamfirs es well, as the tWiiV'ScreW mail
sieanitTS such'ais.t'hö!''‘'Cjeorgö Washfjigtrm“ and the “Prinx
Hrtedrs.cfi Wiillejiy‘';?ctty ar:e provided . with e'dery' modern
'technica! appiianee:apd;'w^^ aE the liiiest iiitvprovemenfs.
'1';:be'.thjjmgtv.b.n. th.eSfe^magpifiU‘kt': Vessejs^.^^'^^ their at-?
tractive intertihtfotiai. social life, ..their ctihGerts and hallS;:
is a journey*öf relasation a'nd recreaticm in iYvhich We
are not depriVed bf ahy coneenience to which we are'
Nt'tv uf ih^' Ntifif*ü-ßermftn nl. Brennen
; (PttH -ir
fVfiin s V c t j ot».' riJ Bvt' l ^ i t ^ L l4> yf4 ^ iy;
'W ■’^ ^ ^ ta’'
,ü'i nf?r
DEUTSCHLAND
101
accustomed on land. The cooking is equal to that in a
first-class hotel and well-trained Stewards and stewardesses
do their best to anticipate every wish of the passengers.
Düring the entire passage the telegraph brings on board
the most important occurrences in all the World and the
passengers are made acquainted with them by an “Ocean
Gazette“ appearing every day. The most diversified
amusement is provided in the cosy smoking-rooms, the
elegant Vienna cafes, the gymnastic rooms, the ship’s
library etc.
The number of travellers for pleasure conveyed by
the North German Lloyd from America to the old World
increases every year. Express trains give good Service
from Bremen to Berlin, to the Hartz mountains, to
the Rhine etc., so that the opportunity is offered to the
traveller of making acquaintance with the most beautiful
parts of Germany in the shortest possible time. The
following circular tour may also be taken by the American
traveller, if he avails himself of the line New York to
Bremen for the journey to Europe and of the line
Genoa to New York for the return passage: From New
York with express or m:iil-steamer to Bremen, thence via
Manöver, Frankfort, Munich or through Switzerland to
Upper Italy and with one of the large Lloyd steamers
of the line Genoa to New York (the so-called Mediter-
ranean line) via Naples, Palermo and Gibraltar back to
America, or of course the reverse journey can be made.
How extremely populär travelling on the steamers of
the North German Lloyd has become is evidenced
by the con^^antly increasing number of passengers. In
the year 1910 the sea-going vessels of the North
German Lloyd carried a total of 562 608 passengers,
by far the greater part of whom travelled on the North
American Lines.
On all the steamers of the North German Lloyd
we are at once Struck by the manner in which every-
where the beautiful Stands in harmony with the practical.
A gradual development extending over many years has
been necessary for the formation of these magnificent
palaces of the modern twin-screw steamer out of the simple,
primitive liners. Progressing from step to step, watch-
fully availing itself of every novelty, the Lloyd made
every resource of modern technique its own, satisfied
every Claim of modern life. It took over no ready-made
culture, but rather produced one for itself by restless
striving after progress. Therefore in the Lloyd operations
there is always something sterling, something certain,
the character of one which has proved itself.
As the Hansa did in the middle ages, the Lloyd
now in our days discharges a great educational task.
In addition to the travellers for pleasure, its vessels
convey every year thousands of disseminators of cultivation
into distantlands, colonists,missionaries,merchants, learned
men who open up stränge countries to civilisation and to
traffic with the great World outside them. The oceans,
which formerly separated different countries and rendered
difficult the intercourse of the World, have now-a-days
become great highways connecting the lands one with
another and the proud steamships cross them, carrying
men and goods into every corner of the earth.
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102 DEUTSCHLAND 11
1911
Germany at Sea
At ^vhat size of vessel will the modern Science of
ship-building ever make a halt? We have often thought»
we had gone so far; but a few years have always shown
again that still langer vessels could be built in the place
cf the langest and they were built. For a mighty impulse
Stands behind the
great modern
shipowning Com¬
panies to which
the shipbuilders
owe their Orders;
namely, the ren-
tability of the
giant Steamers to
the navigation
Companies and
thecharms of the
same Steamers to
the passengers,
for the langer the
vessels employ-
ed on any par-
ticular line of
route so much
the more eco-
nomical becomes
the working in
Proportion and
so much the more splendid can the interior arrangements
for the passengers be made.
The great German shipping Companies and the German
shipbuilders have for some decades stood in the foremost
rank with respect to the creation of the finest and fastest
steam vessels in
the World. Ships
likethe Deutsch¬
land, the Kaiserin
AugusteVictoria,
Amerika, Cleve¬
land and Cincin¬
nati, Kaiser Wil¬
helm II,Kronprin¬
zessin Cecilie,
Kaiser Wilhelm
der Grosse, and
however all the
rest of the lead-
ing giants of
the Hamburg-
American and the
North German
Lloyd lines may
be named, give
ample proof of
this. But neither
engineers nor
Corner of the Ladies' Saloon in the first Cabin of the Giant Steamer
Hotel Rose
First dass. <♦ First Class.
Kochbrunnen Badhaus.
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, wBrt »n row
1911 DEUTSCHLAND 103
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r the Rhinefall at Schaffhausen.
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^il Um h liT g -Ä cTif r i ca n L> fi e Ii 3 s rece nt1y ot derL^i sbip
frorn H^if^bürg vvhfClvwrU ht;
very coösid<?rsbty länger tMfi älj[ tJie äbdVt^-naniecl ste^niL^f^
aqd Ulan airb^tbefto^^ m^Ure^ iong;
high hom keel U>
th« be the tümensien^ of i\m nesw floi^Ung
giaptr Äfcä haVt; a gross tonna^e of 50C®) regtsrer
iom ääit three times tim tonnpge of tbs P«ut^cb-
land:SiiiJÄüMi£:that of the Kfilserih Auguste Victoria. Ewen
tliC MiUifetania mcäisMrjf^ö
to'li.s, ;■
VtT^sei, .t)f ^^^kich öt pr<^ 5 Pnt r>ijti y J tm
do^JibteU?^ whlth ii man caa co^^Vepm^lUy
st ^ n d i* I f n gMv b bi^en c6j ji]d e i eük vi? i i I cp ni pfHe e;! ey c^ri i r i es
(.vkfl'oörÄ aodv besldps Bn;cäfcnTi :’give. •öycom,-
. mmtaUcürt |o-:perkotisdntife>äiR5^'crtH\?:. ■■■■Tff'»^ rräthe^
betwc.efj tlui fijäny Wlil he cafned on by meäife
pf ttiree ^iftaircase^ m -afldiUoii Ip ^Jinwd passek|er4b'i&i
apd t he f arg es t of• ’ t h ro't ;. ii; ■' p *^ ■ • '■ ^ ■'. i rj -
of a castle by Tts hre^dth iYppeamfite:. Oh
■ppe u pper . deck-, • t he - -:snc!,al >.pr^di Ol' ■. b.i. I^he
c^bln w?jlj Ite adjäcetit to one anoiher rn
aOisiTiglij^ ^ metres in lem^tli; accprdmg to the
pre?ebi .plans they Will toniprise a ladles' röOfp,
a i^mOkjbg^^.oon, a Rit^^’Carttoti restaufarit ahd a com-
särVMpYy or Mnfer'gafdeh, the: itt?p in
äireci cOfrmibmcRbpni and 4 hät^ or vesfibuie Which ihpoi^^
HeigM ahows an assemhjy room such^ never
heen -^een.. before. On the tnain proinennde d^ck little
ärboÜFs fpr ten pr coffee-drinking wdi he erected and
he Fouind ob the tie^ shii> tör ia sWimmib^-
%^tri ■ yj^th bygJenic b j UiSv fooms: fdr massige äti d a
fah ipr mna st ic pu rpo$e^v li is :scarhet f tiecessa ry
li? add Ural the paS'^onger cäbjh$ ^ o dasses,
-fif cobrsfe :tbe’'saroofU.t.ah m -.the
togdk^t'brst cabin^. witf pröfit hy the erifarged spaCe
’t^v.. jiie-'.sbJpi-. ■•■■: ■.'■ ;.-.^.-.:--.-
repres^ht b enrner of tbe ladies^draWmg-
rooisn in the first uabin and s \/iVW contrasting the sfiip
with tiie Rhine at ScliaffTiadS^ v^^hoe^er has
5l oofi thöri d n the hord of t he b road. stre^m of the. Hhiipe,
Avili: he iible to p'ictitre to bimStOk the mefr^
tonglb of t hH ; ähip mdly ^
The Channel and other Services between England
and the Continent,
Thf* c0mTn]afii4UT.tioi>> wlth nd/&■ iis. Ofj-r>3fiiiiiiy'
\s voricemed, rsrr b_v i l*j:iU .tJj^ree-: Üueii.-‘ the’ ■ io’rft■
norUrt-ni whf^h iS ^i^bYnAdch-^irni:^
of HoiHnd, the ^ouUmrn rons Ortende, Urpu'i;
and iiet^vv-'cir theise. twc’ is Xb^
(%re.efjb;qmugh ihses Hre-ak'-'k^tigArk
tbmf tiviit:. .Wjddk .KiiRS- m, ßü gh>t^d:-
:Äfp ydiitmehf .ktTÄ :oidde r
;'.d{;.;iryhig fö •.o.btrdft,-.t;he- :mo?iopofy i>trdh^»' traßic-'betWG^.kn
•Edgfdnd iuid th SAyd^erTiiibT' itf hy'ky'■
of tite SimpfeO'Tuhr>td itvoidipg ternnvry.
A.s; . H..ii'r'w5y’ h .ft-ßd- i ii^ -ft’ö-pk
p.f '.ffü i.!;^ od.i.Ä.-. uf.-;UYO- ■di;y.idSi..;Of - ibe "Q rea t;-'E’a-^'l%y Ti
■■■U' H 'possible' tö' mi^ke - the: larMi. im’d.vi^.ea
i.ovu-.dt^y;i an^^tk^r Wi 'i^'.niost.copvetutfbt munktit'.
TbH ;’H ■ beHÜ; Ah' .s'ylo pi^?-kt- ' öf-: t fic • btn d tfic
ip. kv .of :indns. the coritin^nt,
lOo i iM, Fafid',-: aiitü:. ^erVicb ■■ k^b^e ■•.keen:.. ni:vde to- fi i:' well
A^ä^U . ö.fh^r,;.o.vvi!Vg ■■ the.. bus^bes^i-ike;. mafuigeni ent
Ffom the May thh serVjce
vs/vii iiccek-nited by 5 bpar^ on the miiie to
Berliif mid H Lökdotj, The iriiVeUer from
l 2 iiiiie ici^niovnlH liy ”|jifi vaiis*^
Are you f^^ohig’ to reniöv^ your Houseböld üoods?
!'■ KS SK'.r;iEü^ iitiiej' [i-iLi.l[r-tiiar?;. i'l rin*; i?, i-'nirl^ f’hu Tuwn .t■^^ tti'F N', S, A-H-ttf * pjo-Rn
^-lO' P^irks'nl D 11 ^'i rTi.>^t‘y .^i.t r[',!^r[’H,. luD^.'J-;■ jLi'i' ii itb^riiied'oTuI M'hiis{V>n^d Dtüfrs bflföra
rfVf'Jri'.t'-. *ivi.:n'j to Kiir^ii'p^rT;, - '\1 .Kitt 'viiH \\<r dfft Wt'- '^lU J^elj.
■-! V ;r jt.Tr>G<^>1E1 M'iih "Ell'i V;i’-iH;'' 'Vhif (ljG i;Vr'' Hc v. sy.’i.y fä^r' ^fr ’j»’ rparni)iii^■ 4tl|-
Ivf'- 1i.^--.dttf.(i. i-.iii ('*JtrnGi^ Vjf ji'.v TVVE;r.fiVt> '.iifi j' i*'- l'irtiHi ün •i^i- Jf-Lru^rt H-Kfi
AY<'> rniifijj ■itij.fiit*' tvitI m^h< l!l^itillll^l^lH4^^E i.K^ tti' tne Vitjjii . Kf>
tU.it!.;.V!rjj if!S l)fü.|iij^i( lt> Tbv dfj>.>^- ü:B^!iuir.l.\t^.'ru.J.JiT- x.ft .
AVrit^ fqr iiiiistp^ted ösitatö^l^ö.
jrf^^^irifiiiMi,|.,|n ^ y.'' tesUmoniais'and
By speelal ^ippointtrii^nt
to Hts Majesty the C&rmao Emperpr.
DEUTSCHLAND m
@ 105
lliC latter city leaving Liverpool Street Station at 8,3"^
in the evening will be in Berlin by 5 20 P. M. instead of
0,51, as hilherto, and in Hamburg, by 2,47 P. M instead
of 5,04. ln this manner the joiirney lo Berlin is shortcned
by 172 hours and to Hamburg even by 2^U hours. As
was formerly the case to Berlin, there will also be direct
carriages through to H imburg. This acceleration is with-
out aiiy effect upon the time of departure from London,
and the traveller is, therefore, able to enjoy a full night’s
rest as hitherto. The time gained is made up in Holland
and Prussia. It has also been decided to shorten the
route to Leipsic, Dresden etc. by 2 hours at a later date
The consideration taken by the management for the
night’s rest of passengers on the steamers has prevented
them from shortening the sea journey which would easily
be possible by means of the neW turbine boats. L,
however, at a later date it be found desirable to ex-
pedite the departure and consequently to accelerate the
Steamer Service, this matter will be treated with careful
consideration.
The Steamship Company Zeeland wiiich pro-
vides the Service hetween Flushing and Queen¬
bor ough, also has fine new twinscrew steamers and
has shorten ed the route by changing the English port of
departure for its night Service to Folkestone. ln this
manner, the journey from London to Hamburg and Berlin
will be shortened by 2 V 2 and 2 hours respectively, and
t::e Connection with the South of Germany by about
17< hours. It is also possible to reach Salzburg and
Trieste about 2 hours earlier by means of the direct
carriages running on this route. The traveller to Thüringen
via Cassel also saves a considerable amount of time
It is natural that the Dutch Government should have a
large interest in this route which is to be seen from the
agreements entered into With the Company in question
for the expedition of the niails. It was these agreements
which led to the building of the new steamships. Not
only the Dutch but also the international post is conveyed
by this Company, as for example the North and South
German, the Austrian and Hungarian and Russian and
Scandinavian. This has been the case for 30 years now
and it Will be interesting to note that the Emperor
William always uses Flushing as the point of departure
on his journeys to England. There are three steamers
each for both the day and night Service and three more
in reserve. For the safety and comfort of the passengers
JlförtA öea ißaths Westerland
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wireless telegraphy and submerged Signal bells have been
fitted on all the boats since 19^6.
The route Ostende-Dover is served by the mail
Steamers of the Belgian State Railways. Whereas
the most nonhern line runs one steamer daily and the
Southern two, this route is served by three boats daily
in both directions and has the further advantage that the
Crossing only takes three hours. It is of course not
possible to keep Within this time as exactly as a railway
train, but te introduction of turbine steamers of high
speed makes this niore possible than hitherto. Düring
last year (the year of the Brussels Exhibition) two new
turbine boats, the Jan Breydel and Pieter de Konink
were put into Service having the effect of very
materially increasing the number of passengers sailing by
this line. As all the Belgian mail steamers are fitted
with the Marconi System of wireless telegraphy, the
traveller is able, if he desires, to communicate with both
coasts. This line of steamers is connected with important
international trains in Ostende. Among these we would
mention the two trains de luxe, the North Express and
the Express Ostend-Vienna, both of which run via Cologne-
This excellent communication oWes not a little to the
fact that the International Sleeping Car Company has its
home in Belgium (Liege). This Company arranges the
Service of the fast saloon trains Which are so populär
and it is due to the fact that it is a Belgian Company
that there are many local trains which run beautiful saloon
carriages. Another populär train is the corridor Express
Ostend-Munich which has recently been accelerated, as
well as the Ostend-Bale Express. The connection be-
tween Ostend and the Rhine Will also be considerably
shortened as soon as the long proposed plan of construct-
ing a new line from Aachen to LouVain is carried into effect.
The German Societies for the Promotion of International Intercourse
and their Union.
In the last few decades a powerful movement has set in
in Germany in favour of the promotion of international
intercourse. In all the cities, eure resorts and Watering
places visited by foreigners, societies have been forined,
under the names of Verkehrs-V<^reine, Verschönerungs¬
vereine etc, with the object of making the stay of the
strangor in the particular place as agreeable as possible
andof furnishing him freeofeost with unbiassed inforination
and advice. ln the larger towns these societies keep
open special Offices and in other places persons appointed
by the Society impart all Information reqnired. Usually
however, sufficient directions can be obtained on arrival
at the railway Station. — These Verkehrs-Vereine have
furthermore formed themselves into confederations for
larger districts and finally united themselves closely into the
— to a certain extent — mutual and all-comprehensive
Union of German Societies for the Promotion of Inter¬
national Intercourse (Bund deutscher Verkehrs-Vereine).
This Union is appointed above all to promote
intercourse with foreign countries. It has its seat
in Leipsic (Naschmarkt, Handelshof) and furnishes gratis
prospectuses, guides and other printed matter besides
imparting free of cost every sort of inforination as to
German traffic and travelling.
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1Q11 M
|ü| DEUTSCHLAND 107
Special Arrangements in Germany for 1911
Festive Perfonr.ances at Wiesbaden.
In the Wiesbaden Court Theatre from May tili
in the presence of the German Emperor, various select per-
formances will be held, of which we g^ive below the program:
May 10**»: ^The White Lady“, comic opera by Boieldieu
(Georg-e Brown: Kammersänger Hermann Jadlowker). May 11**»:
“Der Eisenzahn“ (The Iron Tooth), historic drama by Josef
Lauff. May 12**»: "Masaniello", opera by Auber (Kammer¬
sängerin Frieda Hempel in the role of Elvira, Hermann
Jadlowker as Masaniello). May 13**»: “Oberon“, romantic
opera by Carl Maria von Weber, in the well-known Wiesbaden
scenic effects.
Cologne Festival Plays in June 1911.
The Cologne Festival Plays Society has, for a number of years,
arranged various special performances of bolh old and modern
operas and musical plays in the New Cologne Opera House
with quite extraordinary success. The plays up to the pre¬
sent proved themselves to be model performances, as it was
always possible for the society to procure actors from the
ranks of the most prominent German and foreign theatres for
the special roles in which they excelled. And besides, they
obtained not only first dass soloists but also splendid orchestral
results, as the actors and musicians were bound to attend
very thorough and numerous rehearsals, and conductors of
world-fame as well as first dass actor-managers took the lead.
Naturally this year's program would not have been complete
without the “Rosenkavalier“ of Richard Strauss. This latest
musical comedy will be given twice, on the 25**» and 27**» of
June, and probably will be conducted the first time by Strauss
himself and the second time by Otto Lohse, who naturally
knows the Cologne Municipal Orchestra best. Of the older
Works, the “Master Singers“ and “Tristan and Isolde“ will
be given, and further “Carmen“, which will be specially at-
tractive, as a French Company is being composed for this
performance. Lastly the classical operetta “Fledermaus“ is
on the program and will be given in true Vienna style with
the best actors of the large operetta stage of Vienna. Nego-
ciations with the best actors and conductors are being held.
Without doubt, the Cologne Festival plays will also maintain
during this season the place which they have so deservedly
won; they will be a source of pleasure to numerous travellers
who visit the Rhine and will give them a welcome opportunity
of seeing the most famous products of the German stage.
For further details, we would refer the reader to the adver-
tisement in our Journal.
The Select Performances
of the Rhenish Goethe Society at Düsseldorf.
Among the special events which are got up in order to
promote the interests of the German modern and classic
drama, the Select Performances of the Rhenish Goethe Society
occupy one of the first places. They are held every year
in the Rhenish Garden City of Düsseldorf and have, since
they first came into existence, taken a firm hold upon the
theatre loving public, not only in the West of Germany, but
also in foreign countries. The continual success and the
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108 DEUTSCHLAND m
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increasing- reputation which they enjoy is the best proof of
their high artistic value.
It was love lor the immortal works of the German classics
and the desire to overcome the changing taste of the ordinary
public, which brought about the formation of the Rhenish
Goethe Society by a number of high-lhinking and art-loving
men. Amongst these was Freiherr von Rheinbaben, now the
Ober-President of the Rhine Province, who to-day is President
of the society. We would also mention at the same time,
that the society is under the patronage of the German Crown
Prince, who has already been present at the perfomances on
several occasions.
The artistic management, ever since the foundation of
these plays, has been in the hands of the former first manager
of the Royal Dramatic Theatre in Berlin and present director
of the füinous Meiningen Court Theatre, Geh. Hofrat Max
Grube. With his long experience, sound judgment and refined
and unerring taste, he has made the Goethe Select Performances
a source of pure pleasure and rieh enjoyment.
What marks the real difference between these perfor¬
mances and the ordii -i.y classical plays of the German
Stage, is the high stanu .rd of the acting, which is far above
the averngc.
The leading actors of all the most famous stages in
Germany come to Düsseldorf and count it an honour to be
able to participate in these performances, so that they even
agree to take inferior roles in Order to act together with the
other leaders of the German stage. This is to be found
nowhere eise. The gala character is further increased by the
scenic effects; large is the number of first dass scenes painted
by the famous artist Hacker who has devoied years to finish
some of them.
ßelow we give the program for this year: June 24, 25, 26:
King Richard III; June 28, 29, July 1: Much Ado about
Nothing; July 2, 3, 4: King Lear; July 7,8, 9: Love's Labour's
Lost; July 11: The Merry Wives of Windsor.
Information fumished by the Secretary of the Rhenish
Goethe Society, Rathaus, Düsseldorf.
Musical Festivals.
Besides the Cologne Festival Plays, there are
other noteworthy musical events signalising this year, for
example the famous Bayreuth Performances and the
Munich Festivals, which exercise every year a strong
power of attraction upon the international tourist traffic.
BONN offers during 1911, among other attractions, a
Beethoven-Festival to be held on a large scale
(10'ü Chamber-Music Festival). It will be arranged by the
Beethovenhaus-Club at Bonn from May 21st tili 25^^. The
so-called chamber-music festivals have for many years
enjoyed a well-merited repute and are visited in an ever-in-
creasing measure by music-lovers from all parts of the world.
The 87^1^ Lower Rhine Music Festival which ac-
cording to a fixed plan arranged between the cities of Aix-
la-Chapelle, Cologne and Düsseldorf will be held in the latter
town this year June 4^^^, 5^*' and and js to be conducted
for the first time by Professor Panzner, the new Musical
Director of Düsseldorf. This festival is looked forward to with
much expectation and the interest is even increased by the
character of the program. It is published in our advertising
columns and shows that the "Messiah'" by Händel will be given
the first dav, whereas the remainder of the program is made up
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1911
DEUTSCHLAND
lil09
by Works of Bach^ Beethoven, Brahms, Mozart, Reger, Schubert,
Schumann and Strauss.
RÜDESHEIM will see this year for the first time a cycle
of festivals glorifying the Rhine legends. The leading roles are
entrusted to first dass artists, besides whom citizens of Rüdes-
heim will act in inferior parts. The performances will take
place in the garden of the Brömser Castle, on the same
spot, where the legends are supposed to have their origin.
Exhibitions.
EXHIBITIONS of ART. Important exhibitions of art
will take place this summer at Berlin, Dresden, Munich,
Düsseldorf and Baden-Bad.en. We would also mention
in this Connection the exhibilion of projects for the National
Bismarck Monument which may be inspected in May next
at Wiesbaden.
DRESDEN plans a number of festiveand important
sporting events for this year in connection with its Ex¬
hibition of Hygiene, events, which make that city the
centre of this year's travelling season. Up to now, about
three hundred congresses and meeting of all sorts have been
arranged to take place during the time of the exhibition,
among which there are leading international societies. We
lack space to enumerate all the festivities to be held there;
particulars may be had through the Secretary of the Exhibition.
Among other important exhibitions we would
mention:
The International Exhibition for Foreign
Trarfic and Travel at Berlin (near the Zoological
Garden) to be held from April tili June 20**^. It will
give an interesting glimpse of the development of travelling
and of the sights of the Continental places most visited
by tourists.
The East-German Exhibition of Industry,
Trade and Agriculture at Posen from May 14^11 tili
October (under the patronage of the German Crown-Prince.)
The Lower Rhine Exhibition ofTrade, Industry
and Art at Crefeld from the end of May tili October.
LEIPSIC. Below we give the program of the city of L e i p s i c
for 1911 (further particulars by the Verkehrs-Verein L e i p s i c,
Handelshof,Naschmarkt): May 14th tili 25 ^^: Exhibition-markets
for retailers, Messplatz. May 29*^ and 30^^': Concours Hippique
of the Leipsic Racing Club and the Leipsic Garrison Racing
Society. May Ist tili August Ist *. Exhibition of the Leipsic
Artist's Society and the Artist's Union. May 7th, llth^ ISth;
May Festival in the New Municipal Theatre. May 20^^^ tili
21 st: Second Bach-Festival. May 20ti' tili 29t^': Circuit through
Saxony for Aviators. May 25tt' (Ascension Day): Horse-races
on the Race Course. May 2Öth: Horse-races on the Racc
Course (Prise of the Saxon Government). June 25th: Horse-
races on the Race Course (Germania Hunting Races). July
30th: Cycle Race on the Sporting Field (Races for prises of
honour). September 17^^ tili 27^*': Michel's Exhibition» market
on the Messplatz. September 2n<i tiU 27'*^; MicheFs Exhibition-
Market for Wholesale-Merchants. September 13^1»: Leather
Market.
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110
[äi DEUTSCHLAND m
1911
AERONAUTICS and AVIATICS will brinor us soiae remar-
kable exploits this year. The program for 1911 will excite
the interest of the international tourist's world. To select
a few of the events, we would mention the passeng'er trips
on the Zeppelin airships at Düsseldorf and Baden-
Baden and the important German overland flight,
a Circuit starting from Berlin and following the route
Magdeburg, Hamburg, Kiel, Schwerin, Hanover,
Münster, Düsseldorf, Co 1 ogne, Dortmund, Nord-
hausen, Berlin.
The Kiel Week.
KIEL is to have this year, from June 18’^' tili 23*'d^ an
international aviatic week under the patronage of Prince
Henry of Prussia. Furthermoore, the 39*l' meeting of the
Federal Rifle Union attended by riflemen from all parts of
Germany and other countries will be held there. As is the
case every year, the so-called Kiel Week will be commenced
hy the regattas of the Flensburg Sailing Club, the Elbe
Regatta and the Regatta of the North German Club, as well
as the Sea Regatta Glücksburg — Kiel. The regattas of the
Flensburg Sailing Club will take place on June 17**' and
June The Elbe Regatta which is open to the yachts
of the international racing classes from six to nineteen metres
in length, will be held on June 18‘l'. It is followed on June
TQtii by the Sea Regatta Glücksburg—Kiel, which is arranged
by the Imperial Yacht Club and the Flensburg Sailing Club.
On the same day will be held the first American-German
regatta of special dass boats. On June 20^*' the Lower
Elbe Regatta is to take place with numerous prizes and on
the same day at Kiel the second race of the American-
German special dass boats. On June 21^*, the true Kiel
Week begins and is commenced by the first special dass
boat regatta for the Samoa Cup, a club race of the Imperial
Yacht Club having already been held the day before in
Kiel Harbour.
The RACING WORLD has arranged some high-dass
races for this year at Berlin-Grunewald, Hoppegarten, Baden-
Baden, Frankfort o. M., Hamburg, Magdeburg, Dresden,
Dortmund, Cologne and Strasburg, most of which enjoy
already a long international repute.
Notice.
We also refer to the numerous advertisements of the
German towns Verkehrs-Vereine, administrations of health
and watering places, hotels etc. in this number of the
"Deutschland", the editor of which will always be pleased
to give any Information which may be required.
Our Special Number American Traveller's Edition may
be had from the editor direct and through the Branch Office
of the Bund Deutscher Verkehrs-Vereine at New York (Head
Office at Leipsic) as well as through the agencies of the
North German Lloyd, the Hamburg America Line and the
Dorland Agency 389, Avenue in New York, and further
through our British repräsentatives Ernest Martin & Co.,
Imperial Buildings, London, EC. Ludgate Circus.
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1911 DEUTSCHLAND 111
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(Compiled by the Royal Prussian Railway Administration at Cologiie on the Rliiiie.)
from Berlin
from Bremen
from Hamborg
To:
I. Kl.
11. Kl.
III. Kl.
I. Kl.
II. Kl.
III. KI.
I. Kl.
II. Kl.
III. Kl.
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Augsburg.
50
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30
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19
90
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20
22
50
62
70
37
70
24
20
Baden-Baden .
60
70
36
50
23
50
53
50
32
90
21
20
57
40
35
90
23
—
Basle.
72
40
45
—
28
60
68
90
41
80
27
10
71
90
43
70
28
30
Bayreuth.
33
40
21
40
13
80
45
60
28
90
18
60
50
—
30
60
19
70
Berlin.
28
30
18
20
11
70
24
70
16
90
9
90
Bonn.
50
10
30
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19
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30
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19
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12
50
39
70
25
20
16
10
Brunswick.
17
50
12
—
7
60
16
50
10
70
6
80
18
60
12
—
7
60
Bremen.
28
30
18
20
11
70
—
—
—
—
—
—
10
20
6
80
4
20
Bremerhaven .
33
10
21
30
13
70
5
30
3
50
2
20
—
—
6
90
4
35
Breslau . . .
27
60
17
70
11
20
54
40
34
—
21
80
50
90
31
20
20
10
Cassel.
30
10
19
30
12
40
24
70
15
90
9
90
28
60
18
40
11
80
Coblence.
50
60
31
—
19
90
34
30
22
10
14
30
43
80
27
80
17
80
Cologne.
47
80
29
20
18
80
27
90
17
90
11
50
41
30
26
20
16
70
Crefeld.
1 43
40
27
50
17
60
24
90
16
—
10
—
33
10
21
30
13
70
Cuxhaven .
1 32
—
20
60
13
30
18
20
11
80
7
50
10
20
6
80
4
20
Darmstadt ........
i 45
30
28
80
18
50
41
—
26
—
16
60
44
90
28
60
18
30
Dantzig..
1 38
30
24
20
15
40
C6
50
40
20
26
90
63
—
37
90
24
30
Dresden.
16
20
10
50
6
60
41
—
26
—
16
60
38
50
24
40
15
50
Düsseldorf.
43
70
27
70
17
70
25
10
16
10
10
10
33
40
21
50
13
90
Eisenach.
27
50
17
70
11
10
31
4'i
20
90
13
10
37
60
23
80
15
10
Elberfeld .
41
30
26
20
16
70
23
50
15
60
9
70
32
50
20
90
13
60
Essen..
40
60
25
70
16
40
21
60
14
40
8
90
30
60
19
70
12
70
Frankfort o. M. . .....
43
40
27
50
17
60
39
10
24
80
15
80
43
—
27
20
17
40
Hamburg..
24
i 70
15
90
9
90
10
20
6
80
4
20
Hanover.
21
70
14
50
9
—
10
20
6
80
4
20
16
60
10
80
6
80
Heidelberg.
51
1 50
31
70
20
,60
45
30
28
80
18
50
51
—
31
20
20
10
Karlsruhe ..
55
j 60
34
90
22
50
51
—
31
20
20
10
54
80
34
30
22
00
Kiel.
30
1 40
19
60
12
60
19
50
13
10
8
10
9
50
6
20
3
90
Königsberg.
40
1 20
30
10
19
40
75
60
IG
90
29
80
72
10
43
80
28
30
Leipsic ..
15
' 10
9
80
6
10
31
50
20
'30
13
10
30
50
19
60
12
60
Magdeburg.
12
80
8
80
5
•10
22
60
15
—
9
30
21
50
14
30
8
90
Mayence .... .
47
80
29
20
18
80
11
70
26
40
16
90
15
60
28
90
18
60
Mannheim . . .
51
!50
31
70
20
50
44
80
28
40
18
20
50
40
30
90
19
90
Munich.
53
•10
32
*80
21
20
63
-
37
90
24
40
67
—
40
40
26
—
Münster.
3(;
50
22
170
14
70;
15
80
10
20
6
40
24
80
15
90
10
—
Nuremberg .
39
—
24
70
15
80
48
30
29
50
18
90
52
20
32
—
20
60
Posen .
21
90
14
60
9
10
52
30
32
10
20
70
44
20
28
—
18
—
Stettin.
12
30
8
50
5
20
39
—
24
70
15
70
34
20
22
—
14
20
Strasburg .
65
60
38
80
25
10
56
40
3*>
40
:3
80
63
80
38
50
24
90
Stuttgart.
55
40
34
70
22
20 1
55
40
34
170
23
20
61
80
37
10
23
80
Wiesbaden .
48
10
29
40
18
90
42
—
26
!60
17
—
47
70
29
10
18
70
The fares arc only for single journeys (thore or back). For Luxus-trains and sleeping-cars an extra-price is charged.
From
weather permitting. short
Pnssenger-Trips ..e Zeppelin-Airship
“Deutschland“,
generally lasting frora one to two hours are arranged, to
carry passengers over the adjacent industrial districts and the
charming scenery of the “Berg land“.
- Exeursions are planned daily at 9 ^ 1 ^ am. and 3 pm. —
The fare for these attractive tours will he M. 200 each person.
In view of the anticipated great demand for seats, it is highly
advisable to secure same well in advance. Applications should
be addressed to the:
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Düi^Meldorf., Willielmplatz lO. Telephone: 748H.
Telegrams: Hapag, Düsseldorf.
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by r©taiiiing it b©yond th© sp©cifi©d
tim©.
Pl©as© r©turn promptly.
HDWID